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Volume Nro. 8, Freitag, den 11. Januar 1811

Full text: Der Freimüthige oder Berlinisches Unterhaltungsblatt für gebildete, unbefangene Leser / Kuhn, Friedrich August (Public Domain) Issue8.1811 (Public Domain)

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das ist der ganze Roman. Zekt heißt e« unter 
unsern Domestiken, Rosalie ist mit einer Bekann- 
* tinn, vom Dalle aus, auf deren Landgüt gefahren. 
Zn der Residenz kaun inan so etwas eher ver 
tuschen, als auf dem Lande; darum reis'teu wir 
hierher, unter dem Vorwände, das Lager zu se 
hen. Sie nahmen wir mit, weil der Vater uns 
ohne männliche Begleitung nicht reisen lassen 
wollte, weil wir auf Zhee Diskretion rechnen 
konnten, und weil Sie, bis auf gewisse Punkte, 
ein ganz allerliebster Mensch sind. Wir alle dach 
ten Rofaliens Niederkunft nicht so nahe, sonst 
wären wir gestern natürlich vom Da e geblieben, 
auf dem ich mich überhaupt miserabel gehabt habe. 
Zehk, mein lieber Rcisemarschall, sollt Ihr nun 
fort zum Vater, um ihm die fröhliche Botschaft 
mündlich zu bringen. Der Vater hat die liebe 
Art, sich, wegen seiner schwachen Augen, die ein 
kommenden Briefe gern vorlesen zu lassen, und 
da könnte denn, »venu wir ihm schrieben, eir»e 
hübsche Geschichte herauskommen." 
„Den Augenblick reise ich, und bringe nun 
dem Vater einen Enkel und zwei Söhne." 
„Und zwei Söhne?" 
„Nun ja, meinen Bruder und mich." 
Florcntine lachte laut auf. Marie ward roth. 
„Marie, keinen Schritt eher in den Wagen: 
der Couricrwagen vor der Thüre kann verfaulen, 
ehe ich reise; nur unter dieser Bedingung!" 
Maria schlug die Augen nieder, und wollte fort. 
„Nicht von der Stelle! Maria! meine einzige, 
meine himmlische Maria! Zn ihrer Hand liegt 
das ganze Glück meines Lebens." 
Zch zog das verwirrte Mädchen an meine 
Brust. Sie hatte Thränen im Auge und lächelte. 
„Nun ja," sagte sie mit unbeschreiblichem Lieb, 
reize, „reisen Sie mit Gott und bringen Sir 
meinem alten guten Vater einen Enkel und zwei 
Söhne!" 
Ich schlang in süßem Entzücken die Ueber- 
raschte in meine Arme. Der Schmetter des mah 
nenden Posthorns riß mich von den Purpuriippen, 
von der freudig klopfenden Brust meiner ange 
beteten Maria. 
Zeht — der alte Onkel hat unterdessen da« 
Erbmarschall-Amt in Abrahams Schooß über 
nommen, — sitzen wir glückliche drei Paar oft 
bei dem Vater Ober, Forstmeister am Kamin zu 
sammen, und lachen über dir Reise ins Lager. 
C. v. O. 
Tagesbegebenhriten. 
Königsberg in Preußen. 
«r Schauspieler Lan, hat sein Mu'änm au den Akademische« 
Sprachlehrer David i£trf »erkauft, der ei »ach derselbe» Ein 
richtung TOttfcten will »NS ei beteiti dem Publikum in den die 
sigen öffentlichen Blättern angifüRBUt dar Er v-rdinbet laut 
dieser Ankündigung gleich seine Sidl oth-k damit, und »fferirt 
die neuesten Düch-r de» Zi.terrffenren,jura beliebigen Gebrauch, 
«he sie verliehen werbe». 
Die in diesiger Srasr und der P-ovin, gefunden-» »nd ln <8« 
schlag gbnornm neu Englisch n Manufaktur-Waaren ««-den am 
M December Darmura -ö um 9 Uhr, am Dtadrwall, unweit 
dein Ho iandischen Baum, tn Gegenwart de dabe> concurrirendeil 
Mili.är- und Civil-Bebö'de, und »nrer dem Zulaufe «iner Meng« 
der hi-flge« Einwohner, öffentlich verbrannt. Der Werth »er 
verbrannten Waaren bekläat ungefähr soo,ooo Gulden. 
D r «ammerianger Fischer ist vor einigen ragen nach Ruß 
land abgegangen. Für seine letzte Gastrolle: Don Juan, erhielt 
»erselde von der Direklio « Rrhi. 
Im abgewichenen Iknorea Kirchenjahre sinh ln unserer Stadt 
fgb Paar getraut; 121g Söhne und 1173 Töchter geboren. Getto »- 
ben sind: r-aa männlichen und gyg «etdlichn Geschlechts. Es sind 
also 170 mehr »rhoren als g ftoeben. Unter den G-bornen sind zu 
temerk.-n: 1 D-Mmg und S9 Paar Zwillinge; und W uneheliche 
Kinder. 
Dieses Lag' wntden am hiesig«« L!o«nk ein« groß, Menge 
ttzäffr, die mit Porter gefüllt waren, aufglschlggen. Der Porter 
tief in den Pktgel. 
Beide HI sige Zeitungen erschienen ,»m neuen Ja»re m!k dem 
6 gute Groschen Stempel. Der Königsberg'r Lorreivonbent zeich- 
ner sich auch für Dieses Jahr schon durch sein gefällige« Aeußere 
ans. Eine >u Ende des allen Jahres bekannt gemachte Anzeige 
verspricht nvch ein- größere ÄnS»ehnnng dieser Zeitung. 
Dir Chronikvon LukaS Davkd Ist jetzt „uker »er Presst 
«nd zn Jobanne wird der erste Theil erscheinen. Der »ieftge Buch, 
Händler BkrostoviUs Var den auSwäkiigen Dehjt übernommen. 
Geschichröfteunde, «eiche diese« Welk für den Sudscr-plionspret« 
,u kaufen wünschen, gü fen sich nur an bekanute Buchhandlungen 
wende» und ihre Bestesinngen machen. 
Die Schwestern von Prag wurden vor Kurzem auf unserer 
Bühne gegeben. Der Schauspi l-r Carnier, der den Herrn tu« 
EpeklingShausen macht, ist bekanntlich Mir einer Ge'-tls>i>alr nach 
'kibing gegangen,»und Herr l*am hafte diese Rolle übernommen. 
Zm Kunst-und Zndustrle-Comptoir 
in Berlin ist so eben erschienen: 
Ouvertüre aus der Oper: Die Dorfsängerinnen 
von Fioravanti. Fürs Pianoforte anang. 
4 Gr. 
Variation* faciles pour le Pianoforte sur la 
Marche de laT'agedie: Die Weihe der Kraft, 
par Wilhelm Schneider. Oe. ich- 12 Gr.
	        
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