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Volume Nro. 73, Freitag, den 12. April 1811

Full text: Der Freimüthige oder Berlinisches Unterhaltungsblatt für gebildete, unbefangene Leser / Kuhn, Friedrich August (Public Domain) Issue8.1811 (Public Domain)

Tagesbegebenheite LH 
Beiträge zur Geschichte des Hrn. de la Peyrouse. 
O 
^Zn dem vor Kurzem j« Pari» erschienenen Reifewerktz des Herrn 
Eoitlb! (Voj’sge nix Indes orientales rsniaftt Ics amiees 
I80t. 1805, <80|, 1805 e( 1806, par C. F. Tombe. Fax!,, chez 
Artbus Bertrind) komm! folgende Nachricht über la Peyrouse 
«dr< die im Jahr -goz »u Daeavio bekannr'gemachi ward. „ Ein 
»011 Makao angekommener portugiesischer Capirän har die Nach 
richt ertheilt, daß er im Dorbeisegeln im Osten der Philippinen, 
bei einem kahl n Felsen, südöstlich von der Insel Timor, am Ilf-r 
de« Meere«, einen Menschen g-wadr worden wäre, welcher dnrch 
Signale »m Hülfe flehte; das; er sogleich fein Boot nach dem 
Lande gesandt, welche« dann einen Fraulosen, Namens Dageler, 
Astronom bei der Expedition de« Hrn. de la Peyroufe, wieder »u> 
rück gebräche hätte. Besagter Herr Dagelee daetc nun Folgende« 
erzählt: Ais Herr de la Peyrouse mit den beiden Schiffen unter 
seinem E.'mmando von Betau»-Day anslief, segelte er im Süd- 
westen von Neu-Holland fort, indem er eine Reihe von Felsen, 
deren Lage durch Hrn. Dageler nicht bestimmt angegeben worden 
ist, vvrdff kam. Die Gabore, l'Astrolable, stieß bei Nacht auf den 
Grund, und ging v-tioreir; die Mannscdast wurde ,um Theil ge 
rettet Aber kur» nachher entdeckte la Peorouse, al« er eben fri, 
sche« Wasser und Lebensmittel bedürftig war, und imnier noch 
diese Felfenkene »erfolgte, eine im Süden von Neu-Holland gele 
gene Jasei, von ungefähr 12 di« »5 Stunden im Umfange. Nach 
dem er diese Insel umschifft hatte, lief er mit dem einjigen, ihm 
übrig gebliebenen, Schiffe in eine tiefe und sichere Vay ein, wo 
er vor Anker ging. Er wurde hier sehr wohl aufgenommen, fand 
ein gastfreundliche« Wölkchen, und Hülfe an LedenSniiiteln aller 
Art; auch erhielt er die Erlaubniß, am Lande Zelte für seine 
«kranke anfjufchlagen. Nicht« hatte bi« dahin da« gute Einver- 
iiändniß »wifchen seinen Leuten und den LandeSeingkbornen ge, 
stört; durch Unvorsichtigkeit kam aber am Bord de« Schiffe« 
Feuer au«, wodurch r« i« Feuer aufging. — Durch die Sorgfalt 
de« Hrn. de la Peorouse wurde alle« mögliche an Segel, Lau 
werk, tzieräthschaften, Waff n und Munition gerettet. Sein Dor> 
sah war, ein Schiff »u bauen, welche« die Nachricht von feinem 
Unglück nach irgend einer europäischen Colonie bringen sollte; 
aber die Eingebornen, welche ihn sein Lager errichten, und alle 
Anstalten »u seiner Sicherheit treffen ließen, widersetzten sich stand 
haft diestm Dorbaden. E« blieb ihm also keine andere Hoffnung 
übrig, ai« daß die franiöflsche Regierung, wegen der Ungewißheit 
über sein Schicksal, den Entschluß fassen würde, ihn aufsuchen 
»N lassest. 
Indessen verflossen Jahre; kein Schiff erschien. EPlich, nach 
dem la Perouse 12 Iahte in dieser grausamen Erwartung »„ge 
bracht hatte, entwarf er von Neuem da« Pro.ekt »um Bau eine« 
Schiffe«. — Al« er Befehl gegeben hatte, da« nöthige Hol» in den 
Wäldern »u fällen, betrachteten die Einwobn r dieß al« eine feind 
selig« Handlung von feine* Seite; dal» eut,Qi»ete sich da« Kcl gg- 
feuer »wischen beiden Pariheien f genörbige, immer auf ihre Der, 
theidigung bedacht ,u sehn, kannten oder wagten e« »je Fra»»osen 
nicht, ihr Vorhaben au«»ufnh en. Hr. de la Perouse ver,achte 
mehrere Male, aber obste Erfolg, die Gemüther wieder »» vereini 
gen Endlich nach einem langen Kriege, in welchem ihr kleiner 
übrig gebliebener Dorrath von Schießdedarf bald erfchöpse war, 
mußten die Franjoseu, durch die Uebermacht überwältige, weichen 
und wurden niedergemacht. Die Indianer st.keen da« Lager in 
Bsiand. — Hr. Dageiet befehligte einen kleinen Dorposten, au« 17 
Mann bestehend. Da er von der gänjlichen Niederlage de« Hrn. 
de na Peyrouse unterrichtet war», und er nicht an dem Schiksal, 
weicht« ihn und stine Gefährtin erwartete, »Weiseln konnte, ver 
ließ er seine kleine Batterie, und hatte da« Glük, eine Buche »u 
erreichen, wo er mehr,re indische Kanot« vorfand, deren er stch be 
mächtigte. Mit Hülfe dieser schwachen Fahrjeu,e gewann er, ohne 
Ruder, ohne Znstrumenre und ohne Mundvorrath, die offne See; 
et harte gegen alle Schreck-», die eine« unvermeidlichen Lode vor 
her geh n, »u kämpfen Indessen wurde er nach mehreren Tagen 
durch Wind »ud Wogen an «en dürren Felsen, wovon ihn da« 
portugiesische Schiff gerekkee harte, verschlagen; er brache- hier 2 
Jahre lang »u, während welcher Z-ir er mir Schmer»en die un 
glücklichen Gefälstren skinr« traurigen Schiksal« dahin sterben sehen 
mußt«; er war »er ein;ige, welcher noch'iebre; den neunten Tag 
nach seiner Ankunft ans dem portugiesischen Schiffe erlag auch er. 
Seine Erzählung, so wie seine Tagebücher, sind durch den portu 
giesischen Kapitän in Macao niedergelegt worden. Man findet 
hierin die Länge und Breie- der Insei, worauf Hr. de la P yrouse 
so lange blieb, bestimmt. Det Gouverneur diese« Platze« par so 
wohl die einen, ai« die andern nach Batavia gelangen lassen, von 
wo aus sie nach Frankreich gebrach! worden sind; sie sind daselbst 
alle unkk'suchr, und mir denen de« Hrn. d'Enerecaüeaur durch Hrn. 
Phil», einen der Offijiere dieftr iezren Erpedltion, verglichen wor 
den, woraus stch denn rrgiebe, daß die Division de« Hrn. d'Enrra- 
casteaup, in ihren Nachforschungen, in einer Enefernung von nur 
8 bi« 10 Stunden bei der Insel, woraufHr. de la Peyroufe umkam, 
vorbei gesegelt ist; »-doch erhellet au« der Reistb eschreibung desHrn. 
d'Entrecasteaux nicht, daß er in dieser Gegend Land gesehen hätte. 
Miszellen. 
Ein fran»«sischer Dlumengärtner giebt folgende Anweisung, 
grüne Rosen »u liehen. Neben einem Rosenstrauch pflanze man 
eine Stechpalme (Waiddjstcl, Ilex aquifolium); wenn die Wut, 
,rl derselben ein wenig ausgeschiagen hat, so spaltet man ein Rii« 
der Stechpalme, und sehr emm Rosrnjweig bi« an das Auge hin 
ein. Hierauf verbindet man die Spalte genau mit Hanf oder 
Flach-, daß keine Luft eindringe; hae da« Auge des Rostnstock« 
getrieben, so rrenni man da« Stechpalmrei« von demselben, und 
e« erscheinen grüne Rosen. Wähle man statt der Stechpalme 
Ginst ( Pfrieme Spart nims copanum ), so kommen gelbe Rosen 
»um Doischriii. 
— Herr Pinnabel har eine neue, in fkaniösischen Blättern sehr 
gerühmee, Art Laus- oder Geltwagen Cpiooifcnenses) erfunden, 
welche sowohl für Kinder, ai« für Greis», und diejenigen, weiche 
ihrer Füße beraube find, gan, »orcrefflich seyn sollen. Der Erfin 
der erhielt ein Pat-nt darüber. 
— Am zollen Räs» wurde »u Achen die Bistmischeeinn «rin« 
hingerichker.
	        
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