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Volume Nro. 124., Freitag, den 23. Juni 1809

Full text: Der Freimüthige oder Berlinisches Unterhaltungsblatt für gebildete, unbefangene Leser / Kuhn, Friedrich August (Public Domain) Issue6.1809 (Public Domain)

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herunter hängenden Beinkleidern, Stiefeln oder 
Stiefeletten ohne Sporen, und einer Filzmütze oder 
rundem Hute. Ueber dieser Kleidung haben viele 
noch einen Filzmantel, dessen sie sich nicht selten 
auch vermittelst eines Paars untergestützter Stan 
gen als ein Obdach bedienen, zumal in ihren Feld- 
zügen. Ihre Waffenrüstung ist sehr stark und be 
steht aus einer Pike, einem Säbel, Karabiner, 
zwei Pistolen und einem großen Streitmesser. Ihr 
vornehmstes Waffenstück, woran man sie gleich er 
kennt, ist die 10 bis 12 Fuß lange Pike, welche 
an der Spitze mit Eisen beschlagen ist, und am un, 
lern Ende einen ledernen Ring hat, in welchem, 
so wie in dem Steigbügel seines Pferdes, der Ko 
sak mit dem rechten Fuße steht. Damit sie beim 
Reiten nicht zu sehr hin und her schwanke, ist sie 
mit einem gelbledernen Bande an einen Brust 
knopf befestiget, von dem er sie zur Zeit des An 
griffs losmacht, und mit der rechten Hand, so wie 
vermittelst des ledernen Ringes, in welchem er mit 
dem Fuße steht, mit dem Leibe seines Pferdes in 
gerade Richtung bringt, und ihr beim Zustoßen mit 
dem rechten Fuße den Nachdruck giebt. Auf der 
linken Seite hängt ein langer Säbel, queer über 
den Rücken der Karabiner, ein Feucrgewehr, das 
gewöhnlich eine Kugelbüchse ist; vorn in einem Gur 
te, oder in zwei Halftern, ein Paar Pistolen und 
ein gewaltiges Messer oder Dolch, der in einer 
Scheide oder einem Futteral steckt, ungefähr wie 
das, worin bet uns der Infanterist das Bajonett 
verwahrt. Außer diesen Waffen hat er noch einen 
Kantschu in der Hand, eine kleine kurze Peitsche, 
mit welcher er sowohl sein Pferd, als den über, 
wundenen oder wehrlosen Feind züchtiget. So rei 
tet er gewöhnlich einher, ohne eben allemal genau 
Reihe und Glied zu halten. Auch haben nicht alle 
diese Waffen, sondern nur solche Regimenter, die 
sich durch Ordnung besonders hervorthun wollen, 
denn sie schaffen sich ihre Rüstung und Pferde 
durchgehends selbst an. Der Kosak bekommt auch 
nicht mehr als is Rubel jährliche Löhnung und 
Fourage, wovon er sich und sein Pferd erhalten 
muß: die meisten haben aber noch eigenes Vermö 
gen und Zuschuß von Hause. Sie machen eigent 
lich keine besondere Nation aus, sondern sind mehr 
ein eigener Stand der zahlreichen Russischen Völ 
kerschaften, und überhaupt weder der Sprache noch 
Religion nach von den Rossen unterschieden. 
Bei einigen Kosaken sieht man anstatt des 
Schießgewehrs noch Bogen und Pfeil. Außer dem 
Kantschu haben sie zuweilen noch eine Schlinge, 
durch deren Hülse sie die Gefangenen fortschaffen. 
oder feindliche Schildwachen aufheben und mit sich 
fortschleppen. Ihre Pferde sind unansehnlich, klein, 
aber lebhaft, schnell und zu Mühseligkeiten abge 
härtet. Jeder hat deren eins, zwei, bisweilen gar 
mehrere, theils um durch die Abwechselung schneller 
fort zu kommen, theils um sein weniges Gepäcke, 
nämlich etwas Proviant, ein Paar Hemden und 
ein Paar Stiefeln zum künftigen Gebrauch auf 
dem einen mit sich zu führen. Sie bedienen sich 
einer Art hölzernen Husarensattels, unter dem eine 
Filzdecke und ein ledernes Kissen darüber gelegt 
wird. Statt des Zaumes, der am Sattel befestigt 
ist, und tm Nothfalle statt der Halfter dient, ha, 
ben die meisten einen dicken Bindfaden, oder eine 
geflochtene Schnüre, oder einen Strick. Ihre 
Pferde sind so gut zugeritten, so dauerhaft und be 
hende, daß sie bei der Bequemlichkeit, nicht in ge, 
schlossenen Gliedern zu reiten, nur wenig Gepäcke 
zu führen und mit den Pferden wechseln zu kön 
nen, ohne sonderliche Beschwerde mehrere Tage 
nach einander 12 bis 15 Meilen zurücke legen. 
Nie retten sie gerade aus, sondern gallopptren in 
verschiedenen Richtungen, wodurch ihr Angriff ge 
fährlich wird, zumal wenn sie mit regelmäßiger 
Cavallerie zu thun haben. Jedes Regiment hat 
zwei, auch wohl mehrere seidene Fahnen, die bald 
zugespitzt, bald eckigt, und nilt dem Bilde eine« 
Schutzheiligen oder mit Waffen gezieret sind: aber 
Pauken, Trompeten, überhaupt Feldmusik, Baga, 
geivagen, Artillerie, ingleichen Zelte, haben sie 
nicht. Anstatt der letzter» machen sie auf ihrer 
Lagerstätte, um sich gegen Sonnenhitze und Regen 
zu schützen, Stranchhütten, oder sie schlagen 3 bis 
4 kleine Stäbe, die sie aus dem nächsten Dusche 
Holen, in die Erde, und behängen sie mit ihren 
Filzmänteln. Sind sie in Ruhe, so stützen sie ihre 
Lanzen, die, wie gesagt, um nicht zu schwanken, 
am Brust - oder Sattelknopfe mit einem Riemen 
befestiget sind, im Steigbügel mit dem Fuße, im 
Fechten aber halten sie sie wagerccht, und rennen 
so gegen den Feind. Beständige Uebung seht sie 
in den Stand, sich derselben mit vieler Gewand- 
heit zu bedienen. Auf ihrem Rückzüge, der aber 
für sie nie eine Flucht, sondern eine Art zu fechten 
ist, legen sie ihre Lanze auf die Schulter, die Spitze 
gegen den Feind gerichtet, um dessen Hiebe zu pa, 
rtren. Bisweilen wird ihm diese Vertheidigungs 
art gefährlich, wenn er ohne Vorsicht einen Feind 
verfolgt, dessn Flucht Srrgtlwem ist. 
Weil der Kosak von Jugend auf zur Ertra, 
gung der Beschwerden und zur Genügsamkeit bei 
geringer Kost gewöhnt ist; da er sich von seinen
	        
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