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und sucht die Wahrheit; dieser findet und giebt fie;
mit jener vertheidigen wir schon vorhandene Wahr,
Heiken; dieser erforscht, klärt fie auf und entdeckt
neue.
Der von Liebe Trunkene und der aus Liebe
Verzweifelnde sind nur zwei verschiedene
Kranke.
Man liebt mehr mit den Augen, als mit
dem Herzen und dem Verstände.
Neble Gewohnheiten verhalten sich zu den
Lastern ungefähr wie elektrische Dünste zu Ge,
witterwolken.
Theophtl. Frepwald.
Bulletin der Tages begebet eiten. Nro. 126.
Leipzig, den 22sten Zuni. (Abends 6 Uhr.)
^()eute Vormittags rückten unsere Sachsen unter dem Obersten
Thielemann mir einiger Artillerie von hier ans den diesseits Wurzen
posiirren Oesterreichern entgegen, weniger um fle zurück zu
drängen, als »I» ihr- Fortschritte um etwas zu erschweren, und
Zeit für das in Lützen stehende sächs. HauprkorpS zu gewinnen. Es
kam »nweit Störieriz zwischen beide» Theilen zu kleinen Plänkeleien,
wobei ans beiden Seiten Gefangene gemacht und einige getodter
worden sind. Die Sachsen haben x\ Mann gefangen. Nach
eriolgter Verstärkung der Ocstreichcr mußten sich die Sachsen zurückziehen,
und eilten zurück bis nach Lindenau, wo sie sich festsetzen
»nd den Uedergang der Feinde über die dortige Brücke verhindern
wollten. Gegen Mittag zwischen n »nd I Uhr zogen denn
hierauf in verschiedenen Coionnen die östreichischen Truppen mir
einigem großen Geschütze hier -in, und setzten ohne allen Aufenthalt,
sowohl die Kavallerie als die Infanterie, im schnellsten Galopp,
den Sachse», nach Liudenau zu, nach. Die Truppen bestanden
aus gut berittenen Nhlanen, aus Braunschweig-Hessischen
Truppen (sogenannten Todtenköpfen) und einigen Bataillons des
Freikorps (bohm. Landwehr). Letztere scheinen eine Art von Davoustianer
zu sein — ihre Schnellfüßigkeit war bewundernswurtzig.
_ gzei der Lindenauer Brücke ist eS abermals zu einem lebhaften
Gewehrfeuer gekommen, worauf die Sachsen gewichen und
weiter rückwärts nach Schönau gegang n sind, wo sie sich ebenfalls
verschanzt haben sollen. Ich konime so eben von der Sternwarte,
wo ich diese Gegend rekognosciren wollte; allein ich habe
weder Sachsen noch Oestreicher dorr hinaus bemerkt. Die erster»
scheinen sich also ganz i» ihr Hauptquartier (das zuletzt in Lützen
war) zurückgezogen zu haben. — Bei den hier durchgegangenen
Oestreicher» sollen auch rno Tyroler Scharfschützen sein. Im Dorfe
Stötteritz liegen noch 4 bis 600 Mann Oestreicher. Der Prinz von
Vraunschweig ist hier, und har im Hotel de Prusse Quartier
genommen.
Die östreichischen Intendanten sind bis jetzt noch nicht hier angekommen.
Der General am Ende aber ist hier. So eben höre
ich, daß die Oestreicher diese Nacht in Lindenau bleibe» wollen,
und sich bereits da einquartiert haben.
Eine diesen Nachmittag hier angekommene reitende Post von
Nürnberg ist von einem K. K. östreichischen Paß von diesem Orte
«uS begleitet gewesen. Die Oestreicher sind als» wieder im Besitz
von Nürnberg.
Einer officiellen Nachricht zufolge stehen die Oestreicher auch in
Penig.
Man will wissen, daß ein KorpS westpyälifcher und holländischer
Truppen im Anzüge gegen die Oestreicher sei. Da man sie
schon seit mehrern Tagen erwartet hat: so scheint dieser Succurt
ziemlich ungewiß zu sein.
Im Baireutyiscve» stehen die Oestreicher ebenfalls noch.
Unser Hof war den letzten Nachrichten nach noch in Frankfurt.
Excesse haben sich bis jetzt noch gar nicht ereignet. Freilich sind
noch keine Truppen hier eiiiquarlirt. Indessen hegt man die besten
Erwartungen von ihrem Betragen. Sie haben sich in Dresden
das allgemeine Lob der guten Disciplin und Genügsamkeit erworben.
Wer hat nun Recht? Diese Frage wird schon mancher
Journalist aufgeworfen haben, wenn er Berichte empfing, die niit
einander im Widersprüche standen, und so habe auch ich schon öfters
gefragt. Noch kürzlich wurde mir anü Stettin geschrieben:
Fridolin sei gegeben, die Rolle des Helden aber von Hrn. Schling
gänzlich v er d 0 r b en worden. Als diese Notiz abgedruckt
war, lief ein zweiter Bericht aus Stettin ein, in w-lcbeni gesagt
wurde: Hr. Sehring habe in seine Darstellung der Rolle des
Fridolin ganz die Unbefangenheit undKindllchkeir zu legen gewußt,
die vomDichter hinein gelegt worden st!. Wer har nun Recht?
frage ich hier zum zweiten Maie. Das geschmackvolle Sreniner
Publikum wird hierüber ohne Aweifel den besten Bescheid geben
können; aber einer von jenen beiden Berichte» ist Ul-.lätigbar parryeiisch.
Ich eiwähne diesen Vorfall hier nur, »m de» Lesern des
Freimüthigen bemerkbar zu machen: daß zwischen Einsender
und Redakteur ein grosser Unterschied statt findet, „nd daßLetzrerer
nicht Alles verbürgen kann, was Ersterer mittheilt. Unmöglich
kann man mir zum Beispiel zummhe», alle Schauspieler und
Schauspielerinnen Deutschlands und ihre Fähigkeiten zu kennen —
-S würde darum auch höchst ungerecht fein, ans mich oder mein
Blakt, wegen Aeusserungen, die für manche Individuen schmerzhaft
sind, einigen Groll werfen r» wollen, Iil,d doch geschiehr es
oft! Beständig gelobt — kann in einem freimüthigen Blatte
nicht werben; „nd Tadel, auch der schonendfte, humanste und
gründlichste wird immer veiwunden und erbittern. — W.r zeigr
mir einen AuSweg ans diesem Ladprinthe? Ich vermag ihn nicht
zu finden.
Aug. Kuhn.