Publication:
1808
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-8507770
Path:

geführt. Da der Hofrach -und Therese jünger wa
ren, als das priesterliche Ehepaar, so waren sie die
sem weit voraus geeilt, und hatten diese Scene ver
anlaßt; als aber Therese eben beginnen wollte, dem
geliebten Manne Aufschluß über ihre Person und
ihr früheres Leben zu geben, trat der Pfarrer freund
lich t»s Wäldchen herein, und nöthigte sie zu schwei
gen. Augenscheinlich erschrak sie über das Erschei
nen des biederen Greifte, und da Romberg dieß be
merkte: so gestattete ihm sein Zartgefühl nicht, The
resen in diesem -lugenblicke durch eine Eröffnung an
ihren Pflegevater in eine noch peinlichere Verlegen
heit zu sehen. Er knüpfte ein gleichgültiges Gespräch
an, und spann es so lange fort, bis die ganze Ge
sellschaft wieder' dir Pfarrwohnung erreichte. : Den
ganzen Tag über fand sich keine Gelegenheit für den
Hvfrath, mit Theresen oder dem Pfarrer selbst aus
führlich zu sprechen. Er verschob es auf den folgen
den Tag, und der Reff des heutigen, der Abend und
die Nacht zogen für seine Ungeduld viel zu langsam
vorüber. Er wackte einen großen Theil der Nacht
hindurch; erst spat schlummerte er ein, und seine
Phantasie ergötzte ihn durch rosenfarbene Träume.
Die Sonne fland schon hoch, als Zacob vor
sein Bett trat, und ihm mit einiger Schüchternheit
und Besorgtheit im Blick einen guten Morgen bot.
Der gewöhnliche Morgen-Gruß des treuen Dieners
war bisher die Schilderung dessen gewesen, was sich
seit dem frühen Morgen auf dem nachbarlichen Hofe
zugettagen hatte. Heute schwieg er; der Hofrath
blickte ihn forschend an. — „Zch weiß nicht — be
gann Zacob ängstlich — waö diese Nacht auf der
Pfarre vorgefallen seyn mag." Nomberg sah ihn
besorgttr an, und bat ihn dringend, sick) deutlicher
zu erklären. „Es ist diese. I-acht — fuhr Zacob,
einen prüfenden Blick auf das Gesicht des Hofraths
geheftet, halblaut fort — da drüben ein großer Auf
ruhr gewesen. Es kam plötzlich eine sehr glänzende
Equipage mit 6 Pferden an, und ftihr in den Pfarr-
hof. Alles wurde sogleich munter. Mehrere Knechte
liefen nach Laternen, warfen schleunig eine Menge
Gepäck in die Kutsche, ein Paar Damen stiegen dann
eilfertig nssk einem Kinde hinein, und rasch stob der
Wagen hinweg. Ich hätte den ganzen Vorfall für ei
nen Traum oder eine Geistererscheinung halten mögen,
wenn ich mir nicht deutlich bewußt gewesen wäre,
Richt - p v l i t i
Aus Berlin.
Ädachsstgiireii habe» gewöhnlich etwas Z»üM»ßendes sin: die
Zuschauer, ihr Anblick ist mehr dazu geeignet, zu erschrecken, als
eine angenehme Täuschung cher-vorzubringen.
Uneer den viele« Versuchen in dieser Kunst zeickmct stch w
deß der tatentvolie Vildhauer Wetfchernick, ein Schicker un
sers berühmten Süiadow, vvrkhcilhaft aus, der jetzt die beiden
größten Männer der neuern Zeit, Friedrich den Großen
und Napoleon, in Lebensgröße boßert hat.
Der erstere ist »licht -an, so vollendet, als der letztere, der
daß ich wackte, und wenn ich nicht Manisell The-
reSchen und den alten Pfarrer beim Mschicdnchmeii
sehr vernehmlich hätte schluchzen hören!" —
Romberg sprang schnell aus dem Bette an das
Fenster. Aber Sie stand nicht auf dem Pfarrhofe;
die Hühner und Tauben, die'sie sonst gefüttert hatte,
schienen traurig und muthloS umher zu schleichen.
Auf dem ganzen Gehöft lag Todtenstille, ob es
gleich schon hoch am Tage war. Theresens Fenster
standen offen; eine Magd schien das Zimmer zu
reinigen. Die Ueberrafchung war für den Hofrath
zu groß. Er hätte weinen mögen; aber er schämte
sich vor seinem ^ alten Zacob. Er hatte gern mit
dem Diener gezürnt, daß er ihn nicht in der Nacht
bei dieser Scene aufgeweckt hatte; aber er konnte
sich freilich die Frage nicht beantworten, wozu daü
gefruchtet Hätte? Er faßte schnell den Vorsatz, sich
genau von diesem Ereigniß zu unterrichten, ließ
sich «nkleiden, und ging in das Pfarrhaus. Die
Schelle rollte, der wachsame Hofhund schlug an;
aber er wurde ihr blondes Locken-Köpfchen 'weder
am Fenster, noch vor der Haus-Thüre gewahr, wie
wohl er sich ihr mit zögernden Schritten näherte;
noch auch begegnete sie ihm auf dem geräumigen
Hausfluhr, wo er sie so oft in wirthlichen Geschäf
ten überrascht hatte. Zacob stand indessen am Fen
ster, blickte jsorglich in Iden Pfarrhof hinüber, und
erwartete die Lösung des Räthsels mit steigender
Angst. Sollte auch Therese seinen guten Herrn be
trogen haben? Dieser Gedanke erschütterte den
treuen Diener heftig. Er sah ein, daß der Hofrach
in diesem Falle für den Genuß von Lebens-Glück
und Seelenfrieden rettungslos verloren fty, und die
Beute des bittersten Menschenhaffes werden müsse.
Er verwandte kein Auge von der Thüre des Pfarr
hauses, um die Entscheidung beim Heraustreten des
Hofrachs sogleich auf seinem Gesicht zu lesen. LS
dauerte nicht lange, ft kam er. Langsam, mit ge
senktem Haupte, schritt er über den Pfarrhof. An
der äußersten Hosthure blieb er stehen, und blickte
das Haus lange und tiefsinnig an. So steht der
unglückliche Seemann am Ufer des empörten Mee
res, und sieht die Wellen mit dem Wrack feines
zertrümmerten Schiffes spielen.
cDrr Beschluß folgt.)
s ch e Z e i t a n g.
durch seine sprechende Achnlichkcit bei weitem alles «bertMt, waS
der Künstler bisher geliefert hat.
— Aus Lolberg.
iOct- König hat unserer Stadt bcu Beitrag zur Kontribution der
Provinz Ponmier» zum Zeichen seiner Ettenntlichkeit für die
Treue und Ausdauer, welche die Bürgerschaft in der ehrenvollen
Berti,eidignna der Stadt dcwiescn hat, mit der Bestimmung er
lassen , daß der auf dieselbe fallende Antheil von der Provinz
Übertragen, solches aber nicht auf die außerhalb der Stadt bele-
gene» Kämmerei - und Donigicker ausgedelmt werde» soll. Die
Summe belauft stch aus iho^rv Rlhlr. 23 Er. 10 Pf.
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