Path:
Volume Nro. 2, Sonnabend, den 2. Januar 1808

Full text : Der Freimüthige oder Berlinisches Unterhaltungsblatt für gebildete, unbefangene Leser / Kuhn, Friedrich August (Public Domain) Ausgabe 5.1808 (Public Domain)

D
Sonnabend,

er  Freimüthige
i  »der  t  den  2.  Januar.

Berlinisches  Unterhaltungsblatt  für  gebildete/  unbefangene  Leser.

Tulpen;  von  Friedrich  Kind,  drittes  Bändchen. ­
  Leipzig,  bei  Johann  Friedrich  Hartknoch,
  1807,  258  S.  8.
Kind  ist  ein  trefflicher  Gärtner.  Die  beiden
Tulpen-Beete,  dir  er  dem  ihm  sehr  freundlich-gesinnten ­
  Publikum  früher  zur  Schau  ausstellte,  gewannen
viel  Freunde,  theils  wegen  der  Mannigfaltigkeit,  die
darauf  herrschte,  theils  auch  wegen  der  Lieblichkeit
der  einzelnen  Blumen,  und  der  Anspruchslosigkeit
dessen,  der  sie  aufzog..  Gegenwärtiger  dritte  Flor  ist
sicher  nicht  weniger  willkommen.  Beschauen  wir
ihn  näher,  und  üben  wir  eine  gerechte  Kunst-Kritik, ­
  wobei  wir  aber  die  Blumen-Allegorie,  zu.  der
Herr  Kind  uns  verleitete,  einstweilen  verlassen  wollen. ­
  —  „Die  Belagerung  von  Sigeth"  ist
eine  viel  Lob  verdienende,  gelungene  Erzählung.
Sie  ist  in  einem  einfachen,  gewinnenden  Tone  vorgetragen, ­
  der  feine  Wirkung  auf  die  gefühlvollen
Herzen  schöner  Leserinnen  nicht  verfehlen  kann.  Das
Ende  dieser  Novelle  ist  in  Wahrheit  erschütternd.  —<
Eine  zweite,  scherzhafte  Erzählung:  „M  a  l  ch  e  n  Tr0  -
sche  l,"  kontrastirt  mit  jener  bedeutend  in  Rücksicht
der  Farbe,  keinesweges  aber  in  Rücksicht  ihres  ästhetischen ­
  Werths.  Nur  ein  Paar  zu  weit  ausschweifende ­
  Stellen  hatten,  so  klein  das  Gefchichtchen  auch

ezr.  ker  getilgt  werden  fallen.  —  „Die
sieben  Proben,  oder  die  Wette,"  einLustspiel
in  zwei  Aufzügen,  ist  in  Versen  geschrieben,  denen
man  alles  Gute  nachzurühmen  hat.  Dies  kleine
Stück  gehört  zu  der  Gattung  dramatischer  Bagatellen, ­
  wo  nur  zwei  handelnde,  fein-intriguirende  Personen ­
  auftreten,  Stücke,  die  durch  unsers  Ko  hebn ­
  es  gelungene  Versuche  in  dieser  Gattung,  wie
z.  B.  die  Beichte  ist,  beliebt  geworden  sind.  Daß
übrigens  Herr  Kind  seine  Heldinn  in  sieben  Verkleidungen ­
  erscheinen  läßt,  mögre  das  Ganze  denn
doch  wohl  etwa«  zu  unwahrscheinlich  machen.  Es
läßt  sich  nicht  gut  denken,  daß  Florin  seine  Geliebte,
des  verschiedenen  Kostüms  ungeachtet,  nicht  jedes
Mal  sogleich  beim  ersten  Blick  erkannt  haben  sollte.
Lesern  und  Zuschauern,  die  sich  über  diesen  kleinen
Verstoß  gegen  die  Wahrscheinlichkeit  hinwegsehen,
wird  es  Genuß  gewähren.  Es  ist  mit  ungemeiner
Leichtigkeit,  und  mit  einem  sehr  gefälligen  Wih  geschrieben. ­
  Dem  Titelkupfer  des  Hrn.  Jury  möchte
ich  gern  recht  viel  Gutes  nachsagen,  ivenn  es  nur
nicht  in  der  gewöhnlichen  steifen  Manier  dieses  Kupferstechers ­
  gearbeitet,  und  die  Zeichnung  nicht  gar
zu  auffallend  vernachlässigt  wäre.  Nannette,  die  im
Stück  so  reizend  geschildert  wird,  würde  als  eine
solche  Schlaferinn,  wie  das  Kupfer  sie  zeigt,  höchstens ­
  nur  einen  Faun  oder  Satyr  in  Versuchung
führen.
Filaleth.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.