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Volume Nro. 1, Freitag, den 1. Januar 1808

Full text : Der Freimüthige oder Berlinisches Unterhaltungsblatt für gebildete, unbefangene Leser / Kuhn, Friedrich August (Public Domain) Ausgabe 5.1808 (Public Domain)

Vaterlandes  zu  werden.  Aus  diesem  Gesichtspunkte
bitte  ich  auch  Diejenigen  dies  Institut  anzusehen,
die  es  durch  ihre  Theilnahme  ehren  wollen.  Fassen
sie  diesen  Gesichtspunkt  unverrückt  in«  Auge,  und
ist  die  Redaktion  rastlos  bemüht,  auf  jeden  Einttetenden
  «in  wachsames  Auge  zu  haben,  und  den  Unwürdigen ­
  an  der  Schwelle  zurück  zu  weisen:  so  werden ­
  alle  Pfeile  der  Bosheit,  Intrigue  und  Derlöumdung
  nicht  bloß  unwirksam  am  Ziele  niederfallen:
sondern  vielleicht  sogar  zu  dem  zurück  stiegen,  der
sie  sendete,  und  ihn  züchtigen.

Der  Unterzeichnete  verspricht,  das  Seinige  redlich ­
  dazu  beizutragen,  und  im  Namen  seines  verehrten ­
  Mit-Herausgebers,  und  mehrerer  ihrer  gleichgesinnten
  Freunde,  darf  er  das  nämliche  Versprechen
ablegen.  Mit  diesen  Gesinnungen  werden  sie  sich
bemühen,  rastlos  einem  Ziele  nachzuringen,  das  sie
ohne  selbstische  Eitelkeit,  aber  vertrauungsvoll,  sich
steckten,  und  auf  diese  Weise  die  Gunst  ihrer  Zeitgenossen ­
  zu  gewinnen,  durch  die  sie  sich  geehrt  fühlen. ­

August  Kuhn.

Nicht-politische  Zeitung.

Aus  Berlin.
§>„  neuer  Schauspiel:  „Fridolin,"  nach  der  Schillersche»
Ballade,  der  Gong  nach  dem  Eisenhammer,  beschäftigt  iene  das
hiesige  Publikum.  Es  iß  ein  sehr  schwaches  Produkt,  das  den
Beifall,  de»  es  sinder,  nur  dem  sehr  fühlbaren  Mangel  an  guten
draniatischen  yllniigletten,  und  der  trefflichen  Darstellung,u  danken ­
  hat,  deren  tiefes  Stück  vor  manchem  andern  sich  zu  erfreuen
hat.  Der  Graf,  wie  Jom  Holbein  ihn  geschildert  hat,  ist  ei»
elender,  seiger  Schwächling,  de»,  man  durchaus  jene  kräftigen
Regungen  deS  Gefühls,  die  man  am  Schluffe  des  Stücks  an
ihm  wahrnimmt,  nicht  zutraue»  kann.  Die  Grausamkeit,  niit
der  er  den  unschuldigen  Fridolin  zum  Feuerkvde  verdammt,  »aßt
sich  also  nicht  anders  erklären,  als  daß  man  ihn  in  die  Llasse
der  Wahnsiuiiigen  wirst.  Die  Rolle  hatte  gänzlich  inißsallen
muffen,  und  —  sie  erregt  eine  sehr  lebhafte  Theilnahme.  Natürlich! ­
  Jffland  svielt  den  Grafen.  Der  große  Künstler  weiß  das
Widrige  des  Charakters  so  fein  zu  verfchinelze«,  hier  und  da  auf
so  »lanches  Motiv  binznbeuken,  bas  der  Dichter  unbeachtet  ließ,
und  kurz,  vic  dtoN«  t»  ,u  d-o-n,  nag  >rr  -iunoaurr,  oer  iriucii
fein  -  kritischen  Sinn  nicht  genug  ausgebilbet  hat,  leicht  zu  Gunsten ­
  des  Dichters  bestvchen  werden  kann.  Den  Moment,  wo  der
Graf  dem  verhaßte»  Fridolin  das  Schnuvfkuch  der  Granun  zuriickgicdr,
  u»d  die  Worte  sagt:  „Nimm's  »ut  jn  dein  Grab!"
giebt  er  unendlich  schon,  und  tief  erschütternd.  Der  Burqvoigt
Robert  ist  ein  sehr  viumvcr  Jntriguant,  und  man  kann  es  nicht
gut  begreifen,  wie  der  Graf  ihm  so  viel  Glauben  bei»,esse«,  und
der  Stimme  seines  Herzens  und  feiner  Bernuust  so  wenig  Gehör
geben  t.uin.  Daran  haben  der  Dichter  und  der  Schauspieler
gleiche  Schuld.  Ersterer,  daß  er  auch  diesen  Charakter,  wie  alle
übrigen,  zu  »eicht  und  bedachtloS  hinwarf,  letzterer,  baß  er  nicht
Geist  und  Kenntnisse  genug  besilrt,  um,  wie  ein  Jffland,  den
Mangeln  des  Dichters  nachzuhelfen.  Wenn  Herr  Besse»  de»
Burqvoigt  als  einen  sein  -rafsinircnden  Jnkrlgu.utt  nähme:  so
würde  dies  dem  ganzen  Stück  unendlich  mehr  Wahrdelt  geben.
In  der  wirklich  empörenden  Scene,  wo  sich  der  Burgvoigt  gegen
die  Granu«  so  schnöde  betragt,  sollte  Herr  Besse»  sie  mir  der
üdtrlegkesten  und  feinsten  Bosheit  behandeln,  wobei  er  ihr
de,»ungeachtet  seine  uederlcgcnheik  sehr  nachdrücklich  fühlen  lasse«
konnte.  Er  benimmt  sich  ade»'  gegen  sie,  wie  der  rohe  Lanzeuknechk
  gegen  eine  gen,eine  Dirne.  Die  Erasinn  ging  aus  der
Feder  des  Dichters  sehr  unbedeutend  hervor,  bedeutend  wird  sie
nur  durch  das  Sviel  der  Madam  Beth  man».  Fridolin  wird
von  Henn  Beth  manu  treffsich  dargestctti.  Dieser  Künstler
laßt  uns  vergesse»,  daß  die  Rolle  einen  jugendlicheren  Schau,Virler
  erfordere,  was  besonders  in  den  letzten  Sceiun  etwas  bemerkbar ­
  wird.  Denwifelle  Maaß,  glS  Luitgarde,  ist  auch  in  dieser
Rolle  ohne  Bedeutung.  Eie  svielt  sehr  hölzern  und  kalt.  Ihr
Svrunq  in  das  Wasser,  wie  sie  ihn  vorbereilek  und  darstellt,  ist
eine  offenbare  Lächerlichkeit.  —  Die  Schluß-Scene  des  vierte«
Akts  macht,  des  so  trefflichen,  eingreifenden  Spiels  unserer  Künstler ­
  wegen,  einen  tiefen  Eindruck.  Dicttcichk  hak  diese  Scene,
oder  deren  acUmg-nc  Darstellung,  daS  Glück  des  ganzen  Stücks
in  Berlin  gemacht.  Es  ist  aber  auch  gewiß,  daß  der  Dichter

sehr  klug  gehaudelt  haben  würde,  wenn  er  sein  Drama  mit  bissen, ­
  Akte  geschlossen,  und  Fridolins  Vater,  wie  auch  all  den
übrigen  Wirwarr,  der  im  fünften  Aufzuge  folgt,  aus  dem  Sviele
gelassen  hatte.  Die  Svrache  ist  ohne  Gewicht.  Manche  aus  Shakefpear
und  Schiller  enilchnc  Stellen  dienen  nur  dazu,  dies  bemerkbar»  z«
machen.  Auf  die  Dekoratlouen  ist  eiuiaer  Fleiß  gewendet  worden;
nur  scheint  seit  einiger  Zeit  auf  daS  Maschinenwesen  zu  wenig  geachtet
zu  werden.  Fast  in  jeder  Vorstellung  geschieht  es,  daß  die  Hinteren
Wände,  zur  großen  Belnirigung  des  pfeifenden  und  klatschenden
Publikums,  in  der  Mitte  ihrer  langsamen  Wanderung  hangen
bleiben.
§i»e  Berlinische  Buchhandlung  verbreitet  den  Plan  einer
neue»  Zeitung,  die  ein  gewisser  Fr.  K.  I.  Schütz  ler  nennt  sich
Professor  der  Philosophie)  unter  dem  Titel:  „Teutoua"  mit
dem  ersten  Januar  herausgeben  will.  Die  ganze  Ankündigung
gehört  in  die  Kategorie  der  Marktschreiercien.  Herr  Sstmn  verlassen;
  seiner  Anzeige  zusoize  werde»  die  Leser  der  Teutoua  also
nicht  bloß  den  Hamburger  Corresoondentci,  und  jedes  andere  politische
  Blatt:  sondern  auch  die  Literatur-Zeitungen,  die  ninsika-»jschen
  Zeitungen,  die  Thcaicrl-larter  und  alle  andern  Arten  von
Journale»  entbehren  könne».  Und  auf  welchem  Raum  wird
Herr  Schütz  dies  Alles  abhandeln?  Auf  zwei  Bogen,  die  wöchentllch
  erscheinen.  —  Jn  Wahrheit!  eine  solche  Zeitung  ist  neu,
und  —  drollig  zugleich.  Rach  der  Anzeige  zu  urlhcilen,  wird
«s  vielen  Spaß  geben.  Nur  ein  Paar  Probe«!  Herr  Schütz
behauptet:  „die  politische  Erilienz  Germaniens,  als  eines  selbstständige, ­
  i  Reichs,  sey  in  ihrem  ganzen  Umfange  vernichtet.
Nur  i»  ihrer  Svrache,  ihren  Sitten,  (?!!»  ihrer  Literatur  und
Kunst  se»  den  Deutschen  gegenwärtig  iioel,  das  erhebende  Gefühl
eines  gemeinsamen  Vaterlandes  vergönnt."  Was  soll
dieser  Gallimgthias  heißen?  Getraut  sich  Herr  Schütz,  Naooleons
Riesen-Plane  durchschauen  und  überblicken  zu  wollen?  Siehe  da!
»er  Maulwurf,  der  die  Sonne  anblinzk.  Eristirte  denn  Deutschland ­
  jemals  als  ein  politisches  Ganze?  Bindet  Napoleon  letzt
nicht  die  getrennten  Theile,  und  vereinigt  Er  sie  nicht  zu  einem
Ganzen,  welches  Deutschland  vorher  nie  war?  —  Doch  weiter!
Sehr  scherzhaft  ist  cs,  baß  Herr  Schütz  einigemal  von  emrr
vermittelnde»!  Kritik  spricht,  und  dabei  zu  verstehen  giebt:
daß  er  liier  auch  bedeutende  Rezensionen  in  gndern  Blattern,  die
sich  so  oft  widersprachen,  beachten  wolle.  Was  mag  das
heißen?  Will  er  vermitteln,  daß  —  deide  Theile  etwa  Recht
haben?  Das  wäre  sehr  drollig,  und  wiirde  seinem  edeln,  friedliebenden ­
  Herzen  Ehre  machen.  —  Genug!  genug!  Man  licht
hier  einen  junge»  Gärtner,  der  mit  jugendlichem  ucdcrnintl,  eine» ­
  Aevselda,,,,,  schürtei»  null,  um  die  Früchte  für  einen  guten
Preis  loszuschlagen,  und  der  mit  Eifer  die  Larmtronnnel  rührt,
uni  Käufer  herbeizulocken.  Er  trommelt  —  ein  kleines  »austeilt
versammelt  sich  —  er  schüttelt  mit  Macht  —  seine  Aepsel  fallen
herab.  Aber  —  sie  sind  unreif  und  wurmstichig  —  wer  mag  sie
auflesen?'

Gedruckt  bei  Karl  Friedrich  Ainclang.  Neue  Fricdrichssiraße  If«.  56.
            
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