Vaterlandes zu werden. Aus diesem Gesichtspunkte
bitte ich auch Diejenigen dies Institut anzusehen,
die es durch ihre Theilnahme ehren wollen. Fassen
sie diesen Gesichtspunkt unverrückt in« Auge, und
ist die Redaktion rastlos bemüht, auf jeden Einttetenden
«in wachsames Auge zu haben, und den Unwürdigen
an der Schwelle zurück zu weisen: so werden
alle Pfeile der Bosheit, Intrigue und Derlöumdung
nicht bloß unwirksam am Ziele niederfallen:
sondern vielleicht sogar zu dem zurück stiegen, der
sie sendete, und ihn züchtigen.
Der Unterzeichnete verspricht, das Seinige redlich
dazu beizutragen, und im Namen seines verehrten
Mit-Herausgebers, und mehrerer ihrer gleichgesinnten
Freunde, darf er das nämliche Versprechen
ablegen. Mit diesen Gesinnungen werden sie sich
bemühen, rastlos einem Ziele nachzuringen, das sie
ohne selbstische Eitelkeit, aber vertrauungsvoll, sich
steckten, und auf diese Weise die Gunst ihrer Zeitgenossen
zu gewinnen, durch die sie sich geehrt fühlen.
August Kuhn.
Nicht-politische Zeitung.
Aus Berlin.
§>„ neuer Schauspiel: „Fridolin," nach der Schillersche»
Ballade, der Gong nach dem Eisenhammer, beschäftigt iene das
hiesige Publikum. Es iß ein sehr schwaches Produkt, das den
Beifall, de» es sinder, nur dem sehr fühlbaren Mangel an guten
draniatischen yllniigletten, und der trefflichen Darstellung,u danken
hat, deren tiefes Stück vor manchem andern sich zu erfreuen
hat. Der Graf, wie Jom Holbein ihn geschildert hat, ist ei»
elender, seiger Schwächling, de», man durchaus jene kräftigen
Regungen deS Gefühls, die man am Schluffe des Stücks an
ihm wahrnimmt, nicht zutraue» kann. Die Grausamkeit, niit
der er den unschuldigen Fridolin zum Feuerkvde verdammt, »aßt
sich also nicht anders erklären, als daß man ihn in die Llasse
der Wahnsiuiiigen wirst. Die Rolle hatte gänzlich inißsallen
muffen, und — sie erregt eine sehr lebhafte Theilnahme. Natürlich!
Jffland svielt den Grafen. Der große Künstler weiß das
Widrige des Charakters so fein zu verfchinelze«, hier und da auf
so »lanches Motiv binznbeuken, bas der Dichter unbeachtet ließ,
und kurz, vic dtoN« t» ,u d-o-n, nag >rr -iunoaurr, oer iriucii
fein - kritischen Sinn nicht genug ausgebilbet hat, leicht zu Gunsten
des Dichters bestvchen werden kann. Den Moment, wo der
Graf dem verhaßte» Fridolin das Schnuvfkuch der Granun zuriickgicdr,
u»d die Worte sagt: „Nimm's »ut jn dein Grab!"
giebt er unendlich schon, und tief erschütternd. Der Burqvoigt
Robert ist ein sehr viumvcr Jntriguant, und man kann es nicht
gut begreifen, wie der Graf ihm so viel Glauben bei»,esse«, und
der Stimme seines Herzens und feiner Bernuust so wenig Gehör
geben t.uin. Daran haben der Dichter und der Schauspieler
gleiche Schuld. Ersterer, daß er auch diesen Charakter, wie alle
übrigen, zu »eicht und bedachtloS hinwarf, letzterer, baß er nicht
Geist und Kenntnisse genug besilrt, um, wie ein Jffland, den
Mangeln des Dichters nachzuhelfen. Wenn Herr Besse» de»
Burqvoigt als einen sein -rafsinircnden Jnkrlgu.utt nähme: so
würde dies dem ganzen Stück unendlich mehr Wahrdelt geben.
In der wirklich empörenden Scene, wo sich der Burgvoigt gegen
die Granu« so schnöde betragt, sollte Herr Besse» sie mir der
üdtrlegkesten und feinsten Bosheit behandeln, wobei er ihr
de,»ungeachtet seine uederlcgcnheik sehr nachdrücklich fühlen lasse«
konnte. Er benimmt sich ade»' gegen sie, wie der rohe Lanzeuknechk
gegen eine gen,eine Dirne. Die Erasinn ging aus der
Feder des Dichters sehr unbedeutend hervor, bedeutend wird sie
nur durch das Sviel der Madam Beth man». Fridolin wird
von Henn Beth manu treffsich dargestctti. Dieser Künstler
laßt uns vergesse», daß die Rolle einen jugendlicheren Schau,Virler
erfordere, was besonders in den letzten Sceiun etwas bemerkbar
wird. Denwifelle Maaß, glS Luitgarde, ist auch in dieser
Rolle ohne Bedeutung. Eie svielt sehr hölzern und kalt. Ihr
Svrunq in das Wasser, wie sie ihn vorbereilek und darstellt, ist
eine offenbare Lächerlichkeit. — Die Schluß-Scene des vierte«
Akts macht, des so trefflichen, eingreifenden Spiels unserer Künstler
wegen, einen tiefen Eindruck. Dicttcichk hak diese Scene,
oder deren acUmg-nc Darstellung, daS Glück des ganzen Stücks
in Berlin gemacht. Es ist aber auch gewiß, daß der Dichter
sehr klug gehaudelt haben würde, wenn er sein Drama mit bissen,
Akte geschlossen, und Fridolins Vater, wie auch all den
übrigen Wirwarr, der im fünften Aufzuge folgt, aus dem Sviele
gelassen hatte. Die Svrache ist ohne Gewicht. Manche aus Shakefpear
und Schiller enilchnc Stellen dienen nur dazu, dies bemerkbar» z«
machen. Auf die Dekoratlouen ist eiuiaer Fleiß gewendet worden;
nur scheint seit einiger Zeit auf daS Maschinenwesen zu wenig geachtet
zu werden. Fast in jeder Vorstellung geschieht es, daß die Hinteren
Wände, zur großen Belnirigung des pfeifenden und klatschenden
Publikums, in der Mitte ihrer langsamen Wanderung hangen
bleiben.
§i»e Berlinische Buchhandlung verbreitet den Plan einer
neue» Zeitung, die ein gewisser Fr. K. I. Schütz ler nennt sich
Professor der Philosophie) unter dem Titel: „Teutoua" mit
dem ersten Januar herausgeben will. Die ganze Ankündigung
gehört in die Kategorie der Marktschreiercien. Herr Sstmn verlassen;
seiner Anzeige zusoize werde» die Leser der Teutoua also
nicht bloß den Hamburger Corresoondentci, und jedes andere politische
Blatt: sondern auch die Literatur-Zeitungen, die ninsika-»jschen
Zeitungen, die Thcaicrl-larter und alle andern Arten von
Journale» entbehren könne». Und auf welchem Raum wird
Herr Schütz dies Alles abhandeln? Auf zwei Bogen, die wöchentllch
erscheinen. — Jn Wahrheit! eine solche Zeitung ist neu,
und — drollig zugleich. Rach der Anzeige zu urlhcilen, wird
«s vielen Spaß geben. Nur ein Paar Probe«! Herr Schütz
behauptet: „die politische Erilienz Germaniens, als eines selbstständige,
i Reichs, sey in ihrem ganzen Umfange vernichtet.
Nur i» ihrer Svrache, ihren Sitten, (?!!» ihrer Literatur und
Kunst se» den Deutschen gegenwärtig iioel, das erhebende Gefühl
eines gemeinsamen Vaterlandes vergönnt." Was soll
dieser Gallimgthias heißen? Getraut sich Herr Schütz, Naooleons
Riesen-Plane durchschauen und überblicken zu wollen? Siehe da!
»er Maulwurf, der die Sonne anblinzk. Eristirte denn Deutschland
jemals als ein politisches Ganze? Bindet Napoleon letzt
nicht die getrennten Theile, und vereinigt Er sie nicht zu einem
Ganzen, welches Deutschland vorher nie war? — Doch weiter!
Sehr scherzhaft ist cs, baß Herr Schütz einigemal von emrr
vermittelnde»! Kritik spricht, und dabei zu verstehen giebt:
daß er liier auch bedeutende Rezensionen in gndern Blattern, die
sich so oft widersprachen, beachten wolle. Was mag das
heißen? Will er vermitteln, daß — deide Theile etwa Recht
haben? Das wäre sehr drollig, und wiirde seinem edeln, friedliebenden
Herzen Ehre machen. — Genug! genug! Man licht
hier einen junge» Gärtner, der mit jugendlichem ucdcrnintl, eine»
Aevselda,,,,, schürtei» null, um die Früchte für einen guten
Preis loszuschlagen, und der mit Eifer die Larmtronnnel rührt,
uni Käufer herbeizulocken. Er trommelt — ein kleines »austeilt
versammelt sich — er schüttelt mit Macht — seine Aepsel fallen
herab. Aber — sie sind unreif und wurmstichig — wer mag sie
auflesen?'
Gedruckt bei Karl Friedrich Ainclang. Neue Fricdrichssiraße If«. 56.