Publication:
1808
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-8507770
Path:

i8°8-
Nro. i2.
D e r Freimüthige
Sonnabend, —. oder *— den iS Januar.
Berlinisches Unterhaltungsblatt für gebildete/ unbefangene Leser.
Literatur.
Der Madchenhüter; vom Verfasser des Weibes
wie es ist. Zwei Theile. Dresden, bei Ar
nold, 1808. 388 S. 6.
Ein neues Werk von G. Schilling anzeigen,
heißt seit mehreren Jahren ein sehr großes, nicht
ungebildetes, Publikum auf einen neuen literarischen
Genuß aufmerksam machen. Dieser Schriftsteller
besitzt alle Talente, die, >vo sie zusammentreffen,
einen vorzüglichen Erzähler bilden — d. h. Witz,
Geist, Gefühl, Kenntniß des menschlichen Herzens,
insbesondere des weiblichen, und die Gabe einer
eben so kräftigen, als leicht faßlichen Darstelluirgz
und diese Talente besitzt er in einem Maaße, wie
wir sie bei sehr wenigen andern Schriftstellern ge;
wahr werde». Schade übrigens, daß Herr Sch-
feine natürlichen Anlagen, vorzüglich seinen kritischen
Sinn, nicht künstlerischer und feiner ausbildete, und
die Klippe der Polygrafie nicht zu umschiffen wußte;
— so anziehend fast alle seine Romane geschrieben
sind: so hat der kalt prüfende Kritiker doch Vieles
an ihnen auszusetzen, was Herr S ch. bei mehrerem
Fleiß in der Ausarbeitung vermieden haben würde.
Dahin rechne ich vor allem klebrigen die Einförmig;
feit, die, in Betreff der Fabeln, in all»n seinen Er;
zählungen herrscht, und die ihm zwar die Arbeit er
leichtern mag, dem Leser aber, der mit seinen-
früherm Schriften bekannt ist, nothwendig den Genuß
verkümmern muß, da er alle Erscheinungen und deren
Folgen sich sogleich prophetisch deuten kann. Wenn
Hr. Schilling dies beachtet, und die Erfindung und
Ausführung seiner Stoffe in den meisten Fallen sich
etwas schwieriger gemacht hätte, kurz, wenn er mit
mehr künstlerischer Ueberlegung zu Werke gegangen
wäre: so würde er zwar nur etwa fünf bis sechs
Werke geschrieben haben; aber er würde im Fach
der komischen Romane, in dem wir Deutsche leider!
nur wenige glückliche Versuche aufzuweisen haben,
einzig da stehen. Sollte dies nicht belohnender
seyn? Sollte ein Schriftsteller nicht lieber diesen
Kranz, als den eines Polygrafen, zu erwerben sich
bestreben?
Der Mädchenhüter, der diese Gedanken, die
schon bei des Verfassers früheren Schriften in mir
lebendig wurden, von neuem in mir rege machte,
kann seine Verwandtschaft mit diesen nicht ab;
täugnen. Auch hier belustigt sich der Verfasser, die
Begebenheiten so anzuordnen und fortzuleiten, daß
ein zweifelhaftes Licht auf die Charaktere der han;
delnden Personen fällt, an denen der Leser immer
irre wird, bis der Schluß des WerkchenöAllee auf;
klärt; auch Hier ist der Held des Stücks ein junger
Mann, der zuweilm theils als «in beschränkter,
theils als ein witziger Kopf, theils aber auch als
weich und sentimental erscheint; auch hier sind die
Gebrechm des weiblichen Charakters, die Schwächen
dieses Geschlechts, sehr bemerklich hervorgehoben, und
zuweilen sthr grell, vielleicht zu grell, dargestellt;
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