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tenben Roland mit einer sehr »»sonoren, widrigen
Stimme absingen. Daö erzürnte den großen Dichter
so sehr, daß er alle Töpfe zerschlug, die der
Verfertiger vor der Bude zum Verkauf ausgestellt
hatte. ,.Wozu daö?" fragte der Töpfer barsch, der
schnell hervortrat. „Soll ich mich etwa darüber
nicht ärgern — erwiederte Ariost — daß du eine
meiner schönsten Stanzen so schändest, und gleichsam
vernichtest?"
Schauspieler Deutschlands! Erfreuet Euch immerhin
der flegmatischen Gutmüthigkeit unserer dramatischen
Dichter! Wie würde Ariost unter Euch
getreten seyn! Wie Euch gezüchtigt haben!
— hn.
Nicht - politische Zeitung.
Aus Hamburg.
X'te Thealerlicbhaberei uni der Schaulvielbestich find im Zunehmcn,
indeß gerade deshalb, weil man in Hinlicht auf andre kostsvieligere
Vergnügungen und Lurus - Zweige Einschränkungen
macht und machen muß. Es befremdete daher, und empörte die
Partisane der deutschen Bühne, als man vernahm, daß die drei
Direkteurs und Pacht» derselben, Stegmann, Herzfeld, und
Eule den Schauspielern und Schauspielerinnen angezeigt hatten,
daß sie ihre Gagen herabzusetzen sich genöthiget fanden, und daß
einigen »er Mitglieder, Familien, 2 — Soo Thaler am Jahrgehalr
gekürzt werden sollten. Die Sache hat folgende Veranlassung.
Die Kämmerei batte eine Erhöhung der Abgabe von der
Einnahme verlangt, welche die Direkrcurs auf die Zuschauer und
deren Entrergelder zu Ivalzen entschlossen waren, «sie suchten
beim Senat uni die Erlaubniß, die Entreegclder erhöhen zu Liirfen,
an, sie ward ihnen aber verweigert. Deshalb scnc Gagenherabsctzung,
welche die Schauspieler und deren Anhänger in
Hartlisch setzt, und sogar schon die Federn der Brofchurenschreiber
in Bewegimq gebracht hat.
Die Direkteurs könnten, wenn sie sich rathen ließen, leicht
einen andern und vernünftigern Weg einschlagen, um jene a»gemuthere
Erhöhung der Lurus - Abgabe, k unter allen Abgaben die
zweckmäßigste), zu gewinnen. Sie dürsten nur bei dem Ueberftusse
ihrer Schausvielniitglieder, deren viele höchst unbrauchbare
Subickke für bedeutende Gagen durch ihr unbedeutendes Spiel
qanze Vorstellungen verhunzen, abschaffen, das Personal einschränken,
reinigen, saubern. Wahrlich, es ist zum Erstaunen! aber
ich könnte Ihnen beinahe ein halbes Dutzend Menschen beiderlei
Geschlechts nennen, die auf dieser, einst so gepriesenen und ruhmvollen
Bühne, kaun, Stiihlc zu setzen, oder Thüren zu offnen im
Stande sind, di« aber zweite, dritte Liebhaber, Liebhaberinnen,
und Bediente von Bedeutung zu spielen migewicseu werden. Diese
Misgriffe machen der Regie, der Direktion keine Ehre. Daher
komiiit cs, baß oft >'n tragische», vorzüglich in Jamben geschriebenen
Stücken, in Schi Iler scheu Meisterwerken, ein lautes
Gelachter die interessantesten Scenen unterbricht, ein Gelachter,
in welches das geduldige Publikum „nwillkuhrlich auszubr-ch-n
aezwungen wird. Engaaements, Debüts, Gastrollenzviele zagen
einander, und das Publikum jagt ihnen «ach. Wie gesagt: auf
ein Viertheil und drüber das Perional reduzirt, die völlig unbrauchbaren
Stumver, die das Publikum (das partheilöscz laut
verwirft, in Gnaden enUassen: und die Abgabe ,st erspart! Der
ante oder wahre Schauspieler muß zu leben haben, dautlt er gut
bleibe, oder überall bleibe, der sckilechte — gehe ab, zu einem
ander« Handwerke über, das kein- Künstler fordert.
Unter den neugegebenen Stücken zeichnen sich wenige -durch
ihren Kunstwerth aus. Zieglers Machksvruch hat hier,
wie in Wie«. sehr qcfailm. unter den Gastrollen des letzten
Sommers zeichneten sich die der Madam Bethmann vorzüglich
aus. Ihre Ol-stna, Fanchon, Atme, Barooeßc (m der Beichte,
wie in der Lasrcrschule) werden nur, wie jedem Freunde achter
Kunst, nnvergeßlirl! bleiben. Doch hat tiefe — unstreitig erste
Künstlerin unter den jetzt lebenden theatralischen — bei allem
Beifall, der ihr ward, das oft zweideutige Glück hier nicht erlebt,
das, herausgerufen zu werben, was kurz vor ihrem Hiersein
ein» iunge», hoffnungK'ollen Gastsvlelerm vom Berliner
Theater, der Deniois. Maas, wiedcrfuhr. Wer möchte dieser
nicht als eine Ausmuntcrung gönnen, was jene als Recht hatte
fordern könne», wenn jener Ruf einen Maasstab der Größe und
des Talentes abgeben könnte. Die neuesten und beliebtesten Stücke
sind Kosebucs dramatische Spiele, aus dessen Almanach auf
ztzost.
Dassranzöstsche, von den HH. Augu stund Kublp dirigirte,
Theater ist nach einer halbjährigen Panse am 27. August mit den Freies
i l'epreuve. Com. von Pelletier-Bolmerangcs und
»er O»cr Traiie nul wieder eröffnet worden. Zwei Arten neuer
Schaustellungen ziehen das Publikum starker. Das große Ballet,
das ani 14. Septbr. mit der roffrande ä Terpsichore eröffnet
ward, und worin stch verschiedene Tänzer uild T-mzerinnen, Morand,
Daudry, Adele Balaud, Solange vorzüglich auszeichnen,
und !es grands exeicices des Herrn und der Demojsellen
Forioso, Seiltänzer, die sehr goutlrt werden. Am 9. Otter
er sahn wir deren erste, in der That, nicht genwhnliche Wagstucke.
— Die in Paris jetzt so beliebten Melodramen, Zwittergattungen,
oder vielniehr Drill,,igsgattungen von Schauspiel,
Tanz und Musiksviel har man gleichsalls auf dieser Bühne, aber
-niit ininderni Glücke versucht. Eine ssa^uolin« d'Olxobonrg,
Llolodramp in 3 Akten, in welchem Stücke noch dazu in Combats
schrecklich viel gefochten wird, hat mir und vielen Zuschauern
Langewelle gemacht. An Mannigfaltigkeit fehlt es folglich ans
tiefer Bühne nicht; denn selbst deutsche Jntermczzen, z. B.
her geprellte Bauer, worin Pierson, der beliebte komische Schauspieler
und Tänzer, dieser Buhne brillirr, werden zur beliebten
Abivechselung aufgetischt. Auch haben >vir die Jungfrau von Orleans
in einem großen heroischen vantoniimifchcn Ballette mit
Gefechten auffuhren sehen. Das Publikum dieser »cuorganistrten
französischen Buhne ist eins der glänzendsten und dankbarsten.
Der Prinz von Ponte Corvo beehrt dies Theater öfter mit seiner
Gegenwart.
Äus Moscau lvird gemeldet, daß in Rußland ein Schausviel erschienen,
und auch gedruckt seyn soll, betitelt: „Kokebue ln
Kurz an." Der Inhalt ist aus K's merkwürdigstem Ledenkiahre
bekannt; all- dort geiianiiten Personen, und natürlich auch der
Jtalianer Rosst, jener Spitzbube, welchen K. als Bedienter mitnehmen
durfte, kommen darin vor. Das Stück ist einiqe Mal
■in Tobolsk ausgeführt worden, wo derselbe Ross- (dessen Frau
Gemahlin eine Zierde der dortigen Bühne ist) ietzt als Theater-Diener
lebt, stch selbst darstellen sieht, „nd jedes Mal sehr verdrießlich
wird, wenn sein Contersti aus dem Theater, nach einem
herzbrechende» Monologe, seinen, Herrn die Wasche stiehlt. Nach
Endigung der ersten Vorstellung rief ein Schalk im Publikum
beide Ross,'s heraus; die Cvpic trat auf, allein das Originai
versteckie sich.
Hierbei die erste musikalische Beilage.