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Volume Nro. 2, Sonnabend, den 2. Januar 1808

Full text : Der Freimüthige oder Berlinisches Unterhaltungsblatt für gebildete, unbefangene Leser / Kuhn, Friedrich August (Public Domain) Ausgabe 5.1808 (Public Domain)

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tenben  Roland  mit  einer  sehr  »»sonoren,  widrigen
Stimme  absingen.  Daö  erzürnte  den  großen  Dichter ­
  so  sehr,  daß  er  alle  Töpfe  zerschlug,  die  der
Verfertiger  vor  der  Bude  zum  Verkauf  ausgestellt
hatte.  ,.Wozu  daö?"  fragte  der  Töpfer  barsch,  der
schnell  hervortrat.  „Soll  ich  mich  etwa  darüber
nicht  ärgern  —  erwiederte  Ariost  —  daß  du  eine

meiner  schönsten  Stanzen  so  schändest,  und  gleichsam ­
  vernichtest?"
Schauspieler  Deutschlands!  Erfreuet  Euch  immerhin ­
  der  flegmatischen  Gutmüthigkeit  unserer  dramatischen ­
  Dichter!  Wie  würde  Ariost  unter  Euch
getreten  seyn!  Wie  Euch  gezüchtigt  haben!
—  hn.

Nicht  -  politische  Zeitung.

Aus  Hamburg.
X'te  Thealerlicbhaberei  uni  der  Schaulvielbestich  find  im  Zunehmcn,
  indeß  gerade  deshalb,  weil  man  in  Hinlicht  auf  andre  kostsvieligere
  Vergnügungen  und  Lurus  -  Zweige  Einschränkungen
macht  und  machen  muß.  Es  befremdete  daher,  und  empörte  die
Partisane  der  deutschen  Bühne,  als  man  vernahm,  daß  die  drei
Direkteurs  und  Pacht»  derselben,  Stegmann,  Herzfeld,  und
Eule  den  Schauspielern  und  Schauspielerinnen  angezeigt  hatten,
daß  sie  ihre  Gagen  herabzusetzen  sich  genöthiget  fanden,  und  daß
einigen  »er  Mitglieder,  Familien,  2  —  Soo  Thaler  am  Jahrgehalr
  gekürzt  werden  sollten.  Die  Sache  hat  folgende  Veranlassung. ­
  Die  Kämmerei  batte  eine  Erhöhung  der  Abgabe  von  der
Einnahme  verlangt,  welche  die  Direkrcurs  auf  die  Zuschauer  und
deren  Entrergelder  zu  Ivalzen  entschlossen  waren,  «sie  suchten
beim  Senat  uni  die  Erlaubniß,  die  Entreegclder  erhöhen  zu  Liirfen,
  an,  sie  ward  ihnen  aber  verweigert.  Deshalb  scnc  Gagenherabsctzung,
  welche  die  Schauspieler  und  deren  Anhänger  in
Hartlisch  setzt,  und  sogar  schon  die  Federn  der  Brofchurenschreiber
  in  Bewegimq  gebracht  hat.
Die  Direkteurs  könnten,  wenn  sie  sich  rathen  ließen,  leicht
einen  andern  und  vernünftigern  Weg  einschlagen,  um  jene  a»gemuthere
  Erhöhung  der  Lurus  -  Abgabe,  k  unter  allen  Abgaben  die
zweckmäßigste),  zu  gewinnen.  Sie  dürsten  nur  bei  dem  Ueberftusse
  ihrer  Schausvielniitglieder,  deren  viele  höchst  unbrauchbare
Subickke  für  bedeutende  Gagen  durch  ihr  unbedeutendes  Spiel
qanze  Vorstellungen  verhunzen,  abschaffen,  das  Personal  einschränken, ­
  reinigen,  saubern.  Wahrlich,  es  ist  zum  Erstaunen!  aber
ich  könnte  Ihnen  beinahe  ein  halbes  Dutzend  Menschen  beiderlei
Geschlechts  nennen,  die  auf  dieser,  einst  so  gepriesenen  und  ruhmvollen ­
  Bühne,  kaun,  Stiihlc  zu  setzen,  oder  Thüren  zu  offnen  im
Stande  sind,  di«  aber  zweite,  dritte  Liebhaber,  Liebhaberinnen,
und  Bediente  von  Bedeutung  zu  spielen  migewicseu  werden.  Diese
Misgriffe  machen  der  Regie,  der  Direktion  keine  Ehre.  Daher
komiiit  cs,  baß  oft  >'n  tragische»,  vorzüglich  in  Jamben  geschriebenen ­
  Stücken,  in  Schi  Iler  scheu  Meisterwerken,  ein  lautes
Gelachter  die  interessantesten  Scenen  unterbricht,  ein  Gelachter,
in  welches  das  geduldige  Publikum  „nwillkuhrlich  auszubr-ch-n
aezwungen  wird.  Engaaements,  Debüts,  Gastrollenzviele  zagen
einander,  und  das  Publikum  jagt  ihnen  «ach.  Wie  gesagt:  auf
ein  Viertheil  und  drüber  das  Perional  reduzirt,  die  völlig  unbrauchbaren ­
  Stumver,  die  das  Publikum  (das  partheilöscz  laut
verwirft,  in  Gnaden  enUassen:  und  die  Abgabe  ,st  erspart!  Der
ante  oder  wahre  Schauspieler  muß  zu  leben  haben,  dautlt  er  gut
bleibe,  oder  überall  bleibe,  der  sckilechte  —  gehe  ab,  zu  einem
ander«  Handwerke  über,  das  kein-  Künstler  fordert.
Unter  den  neugegebenen  Stücken  zeichnen  sich  wenige  -durch
ihren  Kunstwerth  aus.  Zieglers  Machksvruch  hat  hier,
wie  in  Wie«.  sehr  qcfailm.  unter  den  Gastrollen  des  letzten
Sommers  zeichneten  sich  die  der  Madam  Bethmann  vorzüglich
aus.  Ihre  Ol-stna,  Fanchon,  Atme,  Barooeßc  (m  der  Beichte,
wie  in  der  Lasrcrschule)  werden  nur,  wie  jedem  Freunde  achter
Kunst,  nnvergeßlirl!  bleiben.  Doch  hat  tiefe  —  unstreitig  erste

Künstlerin  unter  den  jetzt  lebenden  theatralischen  —  bei  allem
Beifall,  der  ihr  ward,  das  oft  zweideutige  Glück  hier  nicht  erlebt, ­
  das,  herausgerufen  zu  werben,  was  kurz  vor  ihrem  Hiersein ­
  ein»  iunge»,  hoffnungK'ollen  Gastsvlelerm  vom  Berliner
Theater,  der  Deniois.  Maas,  wiedcrfuhr.  Wer  möchte  dieser
nicht  als  eine  Ausmuntcrung  gönnen,  was  jene  als  Recht  hatte
fordern  könne»,  wenn  jener  Ruf  einen  Maasstab  der  Größe  und
des  Talentes  abgeben  könnte.  Die  neuesten  und  beliebtesten  Stücke
sind  Kosebucs  dramatische  Spiele,  aus  dessen  Almanach  auf
ztzost.
Dassranzöstsche,  von  den  HH.  Augu  stund  Kublp  dirigirte,
Theater  ist  nach  einer  halbjährigen  Panse  am  27.  August  mit  den  Freies ­
  i  l'epreuve.  Com.  von  Pelletier-Bolmerangcs  und
»er  O»cr  Traiie  nul  wieder  eröffnet  worden.  Zwei  Arten  neuer
Schaustellungen  ziehen  das  Publikum  starker.  Das  große  Ballet,
das  ani  14.  Septbr.  mit  der  roffrande  ä  Terpsichore  eröffnet
ward,  und  worin  stch  verschiedene  Tänzer  uild  T-mzerinnen,  Morand, ­
  Daudry,  Adele  Balaud,  Solange  vorzüglich  auszeichnen, ­
  und  !es  grands  exeicices  des  Herrn  und  der  Demojsellen
  Forioso,  Seiltänzer,  die  sehr  goutlrt  werden.  Am  9.  Otter ­
  er  sahn  wir  deren  erste,  in  der  That,  nicht  genwhnliche  Wagstucke. ­
  —  Die  in  Paris  jetzt  so  beliebten  Melodramen,  Zwittergattungen, ­
  oder  vielniehr  Drill,,igsgattungen  von  Schauspiel,
Tanz  und  Musiksviel  har  man  gleichsalls  auf  dieser  Bühne,  aber
-niit  ininderni  Glücke  versucht.  Eine  ssa^uolin«  d'Olxobonrg,
Llolodramp  in  3  Akten,  in  welchem  Stücke  noch  dazu  in  Combats
  schrecklich  viel  gefochten  wird,  hat  mir  und  vielen  Zuschauern
Langewelle  gemacht.  An  Mannigfaltigkeit  fehlt  es  folglich  ans
tiefer  Bühne  nicht;  denn  selbst  deutsche  Jntermczzen,  z.  B.
her  geprellte  Bauer,  worin  Pierson,  der  beliebte  komische  Schauspieler ­
  und  Tänzer,  dieser  Buhne  brillirr,  werden  zur  beliebten
Abivechselung  aufgetischt.  Auch  haben  >vir  die  Jungfrau  von  Orleans ­
  in  einem  großen  heroischen  vantoniimifchcn  Ballette  mit
Gefechten  auffuhren  sehen.  Das  Publikum  dieser  »cuorganistrten
französischen  Buhne  ist  eins  der  glänzendsten  und  dankbarsten.
Der  Prinz  von  Ponte  Corvo  beehrt  dies  Theater  öfter  mit  seiner
Gegenwart.

Äus  Moscau  lvird  gemeldet,  daß  in  Rußland  ein  Schausviel  erschienen, ­
  und  auch  gedruckt  seyn  soll,  betitelt:  „Kokebue  ln
Kurz  an."  Der  Inhalt  ist  aus  K's  merkwürdigstem  Ledenkiahre
bekannt;  all-  dort  geiianiiten  Personen,  und  natürlich  auch  der
Jtalianer  Rosst,  jener  Spitzbube,  welchen  K.  als  Bedienter  mitnehmen ­
  durfte,  kommen  darin  vor.  Das  Stück  ist  einiqe  Mal
■in  Tobolsk  ausgeführt  worden,  wo  derselbe  Ross-  (dessen  Frau
Gemahlin  eine  Zierde  der  dortigen  Bühne  ist)  ietzt  als  Theater-Diener
  lebt,  stch  selbst  darstellen  sieht,  „nd  jedes  Mal  sehr  verdrießlich ­
  wird,  wenn  sein  Contersti  aus  dem  Theater,  nach  einem
herzbrechende»  Monologe,  seinen,  Herrn  die  Wasche  stiehlt.  Nach
Endigung  der  ersten  Vorstellung  rief  ein  Schalk  im  Publikum
beide  Ross,'s  heraus;  die  Cvpic  trat  auf,  allein  das  Originai
versteckie  sich.

Hierbei  die  erste  musikalische  Beilage.
            
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