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Volume No. 25, Sonnabend, den 28. März 1807

Full text: Der Freimüthige oder Ernst und Scherz (Public Domain) Issue5.1807 (Public Domain)

nicht auf den Uebelstand aufmerksam, daß selbst jeder 
Junker, wenn er auSmarschirte ein Pferd erhielt, daß 
jedrs Regiment so vieles Gepäck hatte, alS ob man eine 
ganze Armee ziehen sahe, daß eben daher schon dir Mo 
bilmachung der Regimenter nicht nur unermeßliche Sum 
men erforderte, sondern bis alles zum Ausmarsch bereit 
war, wenigstens, wenn es recht schnell ging, 4 Wochen 
nöthig waren; gewiß aber stimmt mir jeder unparkheiische 
und unbefangene Leser nun bey, daß di) Gründe und 
Ursachen sattsam am Tage liegen und in der ganzen Or 
ganisation der Armee selbst zu suchen seyen, warum die 
selbe daS bekannte, und kein anderes Loos hatte. Der 
trefiiche Monarch scheint nach den neuerlich ergangene» 
Proklamationen selbst schon mit mehrern dieser Fehler be 
kannt geworden zu seyn, daher zu hoffen ist, daß dies 
erlittene Unglück, das ihn betraf, die nöthige Reform 
des MilitairS herbeiführen, jedem Soldaten ohne 
Ausnahme, der sich auszeichnet, oder es verdient, 
das Avancement verstattet, dem Krieger selbst mehr Ach 
tung verschaft und di« ganze Reform dem Staate heilsam 
werden werde. Blos aus diesem Gesichtspunkte habe ich 
es versucht dieses Gemälde zu entwerfen. 
***r. 
Ueppigkeit und Verschwendung. 
Wenn wir, mit David Hume, unter Ueppigkeit*) 
eine geschmackvoll« und wollüstige Verfeinerung unseres 
sinnlichen Vergnügens verstehen, so dürfen wir uns nicht 
wundern, daß die Grenze zwischen Ueppigkeit und Ver 
schwendung, so vielen Einfluß sie beide auch auf jede Na 
tion haben, selten, vielleicht nie ganz richtig von Gesetz 
gebern und Staatsverwaltern bestimmt wurde. 
Ueppigkeit ist, nach dem Begriffe, welchen uns 
dieser scharfsinnige Engländer gibt, die Mutter der fei 
nern Künste, des Wohlstandes und der Freiheit der Men 
schen. Widmen die Bewohner eines Landes Geist und 
Kraft allein denjenigen Erzeugnissen, welche der mensch 
lichen Natur dringendste Bedürfniss« sind, so finden wir 
darin nur zwo Volksclassen: Herren und Sklaven. Im 
Gegentheil überzeugt unS schon wenige Aufmerksamkeit 
auf ein von Künsten blühendes Land, daß hier der Bür- 
gerstand die sicherste Grundsäule der Freiheit sey, und 
daß die Kunstverständigen der Uebcrmüthigkeit der Rei 
chen, selbst durch ihre Künste, Schranken zu sehen wis 
sen. Die lleppigkeir schärft unsern Geist, macht unS er 
finderisch und der Absah unsrer Werke spornt uns zur 
»1 Ohne Zweifel von Hüpfen. 
möglichsten Verfeinerung derselbe!» uud zu Thätigkeit; sie 
bewirkt eine Annäherung, selbst eine Art von Gleichheit 
aller Stände und sie befördert und erhält den Wohlstand 
und den frohen Lebensgenuß aller Menschen. Wir lest» 
von den Griechen und Römern, daß sie grade damals, 
als Ueppigkeit der Geschmack dieser großen Nationen war, 
auf den höchsten Gipfel des NeichthnmS an Geist, Kraft 
und Gütern standen. Unter PeriklrS, unrer Cäsar und 
August entwickelte sich der menschliche Geist zur höchstmög 
lichen Vollkommenheit: damals lebten Männer, deren 
Werke wir, fo wir unsere Väter, als unnachahmliche 
bewundern — der größte Weise, Sokrates, war zugleich 
Bildhauer. Und in Rom lebten in diesen Zeiten vierund 
eine halb« Million Menschen , darunter Bürger, welche 
Herren von Millionen Thalern waren; und Cäsar gab, 
noch als Privatmann, ein Gastmahl an zwanzigtausend 
Tischen; die Pracht »»Kleidung und Schmuck, in Schau 
spielen, in den Wohnungen der Vornehmern und bei ihren 
Festen war nirgend« und nie größer »md rechtlicher al« zu 
derselben Zeit in Rem. 
Allein diese große Nationen lehren rmS eben so 
gründlich, daß Ueppigkeit auch die Mutter der Ver 
schwendung: de« Hang« nach Vergnügen sey, welches 
daS Vermögen zu pfiichtmäßigen und wohlthätigen Hand 
lungen entfchöpft. 
Unser« teutsche Vorfahren liebten die Trägheit, sie 
haßten daher die Ueppigkeit, die Verfeinerung de« Ge 
schmacks und des VeegnüzenS, welchen wir haben, dan 
ken wir unsern Nachbarn, den Engländern, Franzose» 
und Jraliruern. Daher lesen wir in unsern Gesetzbüchern 
zwar strenge Verbote der Verschwendung, seiten aber be« 
merken wir, daß durch weise Vorschläge, durch Muster, 
durch Unterstützungen und Befreiungen, die Künste und 
die Verseincruug der Arbeit von LandeSerzrngniffen, be 
fördert worden wäre: so schwer «S auch nach Philosophie 
und Politik zu bestimmen ist, ob Verschwendung oder 
Trägheit ärmer machen 
In unsern Tagen fehlt eS nicht mehr an verfeiner 
ten Vergnügen für unsere Sinne: wir haben um uns 
herum kunstreiche Gegenstände genug und sind sie auch 
nicht von unsern, den englandschen und neufranksche» 
Meistern nachahnwnben, Händen gefertigt, so führte 
uns doch der Handel alles zu, »va« unser Geschmack 
wünscht. Allein wollen wir gerecht über unS urtheilen, 
so müssen wir gestehen, daß nicht vernunstwäßige Ueppig 
keit, sondern blinde Sucht zu glänzen, unsern Nachbarn, 
denen wir unsern Glanz theuer abkaufen, Alles gleich zu 
thun, unsern Geschmack verfeinerte, und daß wir noch
	        
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