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Volume Nro. 148, Freitag den 25. Julius 1806

Full text: Der Freimüthige oder Ernst und Scherz (Public Domain) Issue4.1806 (Public Domain)

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Sanft spricht sie im Abmdftauche, 
Wenn die Sonn' fleh scheidend neigt. 
Hehr und groß wenn das Gewiirer 
Stürmt »nd Wälder niederbeugt. 
Röchet ihm die Höhen, 
rockt zu blauen Seen, 
Und ruft ihn zu hoher Feier, 
Wann der Mond am Hinnnel singt. 
Mit dem Sinn sie zu empsinden. 
Goß die gute Geberin 
Kunst — die wechselnden Genüsse 
Zu verewigen, in ihn. 
Und durch ihre Güte 
Welkt der Freude Blüthe, 
Um die Phantasie geranket. 
Immer grünend — niemals hin. 
Heller glüh'n der Zukunft Bilde» 
Durch den Flor» den er zerriß. 
Und die Derzeit lebt auf's Neue, 
Die er kühn den. Grab entriß! 
Won des Prassers Haust, 
Führt er zu der Klaust, 
Und von Grönlands weißer Küste 
Zn Neapels Paradies. 
Won des Schlachtfelds blnt'ger Scene 
Wo des Tode« Flügel wehn. 
Eilt er zu deß Dorfes Reihen 
Die auf weichem GraS sich drehn;. 
Läßt in Marmorhallen 
Pracht und Reichthum strahlen. 
Und der Unschuld reinen Becher 
Trinke er in Arkadien. 
Durch den hohen Zauber mächtig» 
Den Na:ur ihm freundlich gab. 
Folgt der Leidenschaften Menge, 
Freud' und Trauer seinem Stab; 
Er entlockt die Zähre» 
Hebt ju höh'rer Sphäre, 
Fühlt »nd giebt Gefühl, vom Engel. 
Bis rum niedern Thier hinab. 
Diesen Sinn für ledes Schöne, 
Der uns junge Rostn bricht 
Und um miste Scheitel windet. 
Kauft der Erd» Reichthum nichts 
Unter der Egide 
Blühet reiner Friede, 
Und des Lebens trübe Tage 
Werden Heller durch sein Licht. < 
Wenn der Dimersiurm des Altere 
Ihn wie welke Halmen beugt. 
Und des Schlafes ernster Bruder 
Auch für ihn die Fackel neigt. 
Winkt mir Mutkerireue 
Die Natur aufs neue: 
Zeigt ihm, wie der niorschen Hülle 
Froh der Schmelterling entsteigt. 
Sorgsam wartet Ihrer Kinder, 
Die allgütige Natur, 
Aber ihre süßer» Freuden, 
Spender sie dem Künstler nn»! 
Singt in frohen Chören, 
Brüder, — sie zu ehren. 
Nutzt die fei ec.n Gefühle, 
Zu verfolgen ihre Spur. 
Ein andermal, als ein Mitglied des Schmauses statt 
eines Tafele - Sürtout's ein kleines Fäßchen alten. 
köstlichen Landweins auf die Mitte des Tisches ge, 
stellt hatte, sang man: 
Auf der Großen Tafeln glänzen 
Gold, und silberne Trophä'n, 
Feenschlöffer, Bärten, Tempel, 
Und auf den Altären stehn 
Gläserne Unsterblichkeiten, 
Znckerhelden, Butter, Ruhm, 
Zwang und Langeweile sitzen 
Leise fluchend rings herum. 
Hier sind keine Marmorfrcude», 
Und kein Scher» von Porcellan, 
Aber unsers Tisches Zierde 
Lächelt jeden freundlich an. 
Auf dem Nektar » vollen Fäßchen, 
Thront die Göttin Fröhlichkeit, 
Und in seiner Atmosphäre 
Achmer man Zuftiedenheir. 
Wohl vor seiner Macht versiummer 
Der Politik lautes Schrepn, 
Und wir lasse» für uns alle 
Meister Schirach prophezep'n! 
Gränzbestimmung, — Folgen - Kalkül, 
ryeilungs- und Erob'knngsplan 
Wenden wir auf keine Staaten, 
Nur aus unser Fäßchen a». 
Nur aus unstrm krauten Kreist, 
Wähle» wir uns Heiden aus. 
Und der Fröhlichste von allen, 
Sei, der König von dem Schmaus! 
Witz und muorre Laune theilen 
Sich elektrisch ringsherum. 
Und das Schlußwort unsers Liedes 
Sey das edle: — Homo suzu. 
Scheuen unsrer spätern Jahre 
Abentheuer — fremden Blick, 
Kehren wir mir Wohlbehagen 
Zn die Knabenzeit znrsick. 
Unste Sraaksininisierstreiche 
Zn den Schule» — dumm und klug. 
Unsre Schlachte», — unsre Raube 
Geben lange Srvff genug. 
Witz und frohe Schwänke sirömen 
Gaukeln» mit dem Wein heraus. 
Und des Lachens Pausen füllet 
i Unser Fäßchen lieblich a»S; 
Nach dem Maaß, da dieses schwindet. 
Steigt des Scherzes leichter Schwung, 
Und die frohe Srimmnng reifet 
Mählig znr Begeisterung. 
Horcht am Fäßchen! — Beim Entquill«» 
Murmelr'S »IIS hie Lehre zu: 
», Schlicht von Außen, reich von Innen, 
„ Bin ich, Freund! so sey auch du! 
„Jeder thu, wie ich, daß Seine; 
„Jede Thräne weggewischt; 
„Jeder schaff in seinem Kreist 
„Freuden, bis auch er verlischt." 
Auch dieses Lied ist von Martin Usteri's Mu, 
fe, dem wir schon ehemals den Gesang: Freut 
euch de« Lebens, — der Zahre lang vom Rhein 
bis an die Nordsee ertönte, uitd dem ersten Dich 
tern Deutschlands zugeschrieben worden ist, zu ver, 
danken hatten. Denn für die Künstlergesellschaft in 
Zürich wurde eö zuerst verfertigt und von derselben 
zuerst gesungen.
	        
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