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Volume Nro. 21, Dienstag, den 29. Januar 1805

Full text: Der Freimüthige oder Ernst und Scherz (Public Domain) Issue1805 (Public Domain)

1805. 
Nro. 2k. 
D e r 
Dienstag, 
Ernst 
hige 
den 29. Januar. 
ch e r z. 
Literatur. 
Gedichte von Lebrecht Nbller rZoZ. 
ü giebt Dichter die, fern von originellen Adeen, 
durch leichte, wenn auch von größern Dichtern er 
borgte, Anmuth gefallen, und ihr Publikum finden. 
Unter diese Klasse von Dichtern gehört auch Herr 
Nöller, der den Freunden der Poesie seit einer 
Reihe von Jahren zerstreute Gedichte in verschiede 
nen Zeilschristen vorlegte, und sie dem Publikum jetzt 
gesammelt übergiebt. Trotz dem Mangel an Origi 
nalität — Herr Nöller ist ein Nachahmer Mat- 
thissone, — hat man seine Poesieen bisher immer gut 
aufgenommen, und sie verdienen e« in der That; 
denn die meisten der hier erscheinenden Lieder ath 
men reine, lebendige Empfindung, und sprechen uns 
warm an. Jedoch ist Herr Nöller oft in einen 
Fehler gefallen, den er freilich mit seinem Vorbild 
gemein hat: — der Strom der Empfindung verliert 
sich in seinen Poesieen oft in leere Landschafts-Ma 
lerei. Das taugt nicht. Dergleichen Malereien er 
kälten den Leser, und sind bei Herrn Nbller um 
so weniger interessant, da sie sich in seinen Gedich 
ten nicht über da» Alltägliche erheben. Das ist eine 
Klippe, an der schon mancher junge Dichter geschei 
tert ist, der den edlen Matthisson nachahmte, ohne 
ihn an Lieblichkeit und Originalität zu erreichen. 
Uebrigenv verdient Herr Nöller wegen Beach 
tung der Reinheit der Metern (doch nicht der Reime) 
viel Lob. Er ahmt auch hierin Matthisson nach, der auf 
jeden Fall einer unserer gefeiltesten Dichter ist, und thut 
sehr wohl daran. Eine schöne Seele ist immer schön 
und lieblich; in einem regelmäßig gebauten Körper 
entzückt sie doppelt. Es wäre allerdings zu wünschen, 
daß mancher größere Dichter dps Aeußcre nicht zu 
sehr vernachlässigen möchte; wir würden dan/i in un 
serer poetischen Literatur weniger geistreiche — Krüp 
pel zählen. 
Unter den acht und fünfzig Gedichten, die dies« 
Sammlung enthält, zeichnen sich aus: An Matthisson. 
S. 1. Die Znsel. S. 5. An den Abendstern. S. 64. 
Die Knabenjahre. S- 68. An die väterlichen Fluren. 
S. u6. Sappho. S. 169. Der Wundermantel. 
S. 178. Folgendes artige Liedchen theile ich zum 
Schlüsse noch mit, damit es das dokumenrir«, 
was ich zum Lobe dieser Poesieen gesagt habe. 
Die Schiffend,. 
Sj^> schwebt daher! Am klnnen Kahne steige» ' 
Dir Westen sanft emvvr. 
klm User ringe in blühenden Gesträuchen 
Erwacht der Vögel lihor. 
Dst, vllitentaum, geuß Deine schönsten Düste 
Durch Dei»er Wirst! Geiln; 
Und traget sie, ihr laucn Abendliiste, 
, ' Zu meiner Lieblingin. 
Fuhrt saust s,e hi«, auf euern blaue« Pfade«, 
Und küßt, mit leisem kaut, 
Den kleinen Kiel, ihr lächelnden Najade«, 
Dem ste stch anvertraut.
	        
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