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Volume Nro. 205, Montag den 14. Oktober

Full text: Der Freimüthige oder Ernst und Scherz (Public Domain) Issue1805 (Public Domain)

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vom italienischen PSbllkmn de« unactheitten tJSeffa«, den «S 
vorher auf des Wählers Ziinmern >on wahre» Künstlern schon 
erbatte» hatre. Enwedtr u,!l,ritte also lwaS ich nicht glauben 
kann) lener Tadler »der ein noch unvollendetes Werk, und dc> 
stimmte den Weril, des KüvstlerS Nach dem angefangenen Bilde 
oder er wurde, (oimc es tu al,nen, hoff' ich) das Werkzeug eniN 
ger niedrigen Kabale»schmleder, die den Vrs.itigcr eines >cho« 
nen Kunstwerk« Hanen, weil er Verdienst leigt, ob er gleich nie 
ihr Rival fern kann, da er eine andre Kunst treibt. Der Re 
censent lasse sich von seinen Freunde» aus Rom schreiben, was 
inan von diesem Milde sagt, welches schon darum AusschiN e < 
regte, weil seit 20 und mehr Zähren kein fremder etwa« im 
Pantheon aufstillle. Er wende sich an Ztali »er, Frano'en 
und Spanier, die alle dich Mild unter die vorzüglichen neuern 
seyen. E« thut mir leid daß ich e« sagen niuß, aber die Deut 
schen i» Rom, die sonst ihre« moralischen Werths halber bei 
den Italienern hoch oben an stehen, halten ntckk nur gar nicht 
zusammen sondern e« herrscht ein Geist de« Neides, der Kabale 
unter ihnen, wovon man bei Knnstlern andrer Nationen hier 
kein Meisviel stndek. Dies« verbinden stch Nicht nur sreund- 
schastlick, sonder» ein deutscher Künstler, wenn er etmaS leistet, 
ist auch imnicr sicher, l» Kritiken billiger, uuparthoiischer, und 
mit mehr Theilnahme beurtheilt zu werden, alS von seinen 
Land-leuten. Doch genug! — Ueber Sck 1 ck« Mild kann ich 
nicht» im Detail sagen. CS mahlt sich so schwer gut mit 
Worten, und Lobhudele! veracht ich. 
Die neuesten Kunstwerke kann ich unmöglich nach ihrem 
Werth, oder ber Nation ihrer Verfertiger tlasstncire». Ich be 
gehe niich hier wieder auf da« „ G e m äh i d e von Rom-' 
weiche«, rillige wenige Züge von Pripatleldeiischask de< Auior« 
abgerechnet, wirklich i» feinem Urtheil über die nun lebenden 
Künstler-vortrefflich ist. 
Camuccini, der Historicnmahler, hat sein Bild die 
Geschichte der Virginia, nun fertig, und ausgestellt. 
Wir kam an demselben Tag dieselbe Composteion n die Hände. 
Wie gern r.iiinite ich meinen, LandSniann einen Play neben 
diesem Römer ein!! — ES ist jum Erstaunen, was der erst 
zojliirize Camuccini schon hi« ieyt geleistet hat. Man erweist 
ihm die Ehre — oder sott ich sagen: ilnebre? — eins seiner 
Bilder in Mosaik vor die Peterikirche zu seyen. Wohin 
diese Bilderei gehört, hat Miligia der italiensche Juvcnal 
für neuere Kunst. gezeigt, und die mosaische Arbeit aus eine 
den gemein anaenonimcaen Zdccn nickt günstige ?Irt iocirt. 
Die Alien weiche immer alle- an den rechien Ort zu seyen 
wußten, uiid der Mode nickt sröhiiteu, brauchte» Moäik nur 
als Pariment, und seykru e« uie al« Marimum menschllcher 
Knust so hoch hinauf, als man dem verursachten Auswande ge 
mäß, ti seyen iu dürfen, stch berechtigt wahnt. Kann stch 
Camucciiti geschinrichett stnden. sein Werk a» einem Playe zu 
wissen, w» auch Raphaels Gemählde nberseyt wurden, so muß 
hinwieder ilii, der Geist, welcher die Mahler der SuiciS von 
anderst mosaische» Arbeiten leitete, demüthigen. Ala» sagt nur, 
e« werde ein Bild von Angelika Kau-mann auch ausgenommen. 
Die rrcffücht Frau! Wohin hak «ugiischcs Geld und deutsche 
Lobhudelei ste nicht hinaufgeschraubt! U «antu Madie Anpe 
ilt a da Ficsole, ora pro nobisj Sie selbst vel.angt Nichr so 
hoch hinauf. 
Camuccini ärntete wohlverdient schon frühe den Lohn sei 
nes gleiße«. Er bewohnt ein schone« Haus beim Borabrn- 
fchen Pallast, und ist so eingerichtet, baß ich wünschle mancher 
deutsche Dickker und Künstler wohnte so; wir wurde« baun 
wohl seiner Schrifkstcllerei enthoben sevn. 
' Von Canova erschallen i rr, und mir Recht (andern 
braven Künstlern unbeschadet- Lvbvreifungen In allen Zeitschris- 
t«n. Sein Grabmahl der Erzherz. Christinn ist immer eine« der 
vorzüglichsten Monumeute neuerer Zeit, «lr Mensch verdient 
er um seine« rastlosen Eifer« und Privatcharacrers willen alle 
Achtung. AIS Künstlkr hak ihn der Verfasser de« Gcmahidc« 
von Rom meisterbasr geschildert. Lesen Sie einen ticinc» Vor 
fall, welcher gewiy keinem, den der Mensch au Canova intrres« 
strt, unrichtig ist. Sein Attelier, oder Studio, oder, 
wie e« die guten Alten gradez« na,inten, Werkstätte, ist an 
der Straße Rippeita. Dort war die Uebeinchwenimung vom 
Februar, wie natürlich am stärksten. Einst trat Canova, 
drei Woche» vor seiner Abreise n»ch Wien, an eine schon fer 
tige Skaiue hin. Der Grund der aus bloßen — vom Wasser 
mürd! gemachlen Brettern bestand, sank plötzlich ein. Die Sta 
tu« fiel, zerbrach, und hätte UI» ein Haar de» Künstler und 
seinen Freund geködert. Ein« der Bilder, das zum Monumente 
de, Erzherz. Cbristina gehörte, sank mit. 
Ar re ekle, ein Franzos, hak seit i; Monaten ein 2«. 
Sckub langes und verhaltnißmäßig Hobes Gemälde urternom- 
men: die Geschichte des Ho rat in« Cocles. Es 
würde vorireffiich seyn, wenn der Künstler mehr mit stch selbst 
zufrieden wäre und nicht soviel ausstricke und änderte. Seit 
leyierui Soätiahr hak er beinah ein Fünftel im Vorgrund (d«r- 
unrcr herrliche Gruppen) ausgelöscht, und fast einen neuen 
Plan gemacht. So eben hör' ich die unangenehme Nachricht, 
daß er gefährlich krank liege. Ei» wahrer Verlust für die 
»euere Kunst i £, 
(Die Fortsetzung folgt.» 
?su« Englischen Blättern. 
>Der Eouverncuer von Neu - Süd - Wales bat Pitt zwei leben 
dige stehe» Fuß hohe Strauße übersandt, Hine Karikatur stellt 
Pikt auf einem dieser Strauße reitend und mit gewaltig ge- 
reefte», Halse »ach Deutschland hernberguckend vor. 
Vierzig Familien wandern letzt aus einmal freiwillig nach 
V»tany-va» aus, um stch dort anzusiedeln. 
Die große Statue zu Pferde Wilhelm des dritten, die aus 
dem St. James - Sgiiare errichtet werden soll, wird in drei 
Monat serng sey». Die Setten des Piedest.il'« werden mit 
Abbildungen der Schlackten geifert werden, welche er, der uner 
müdliche Fein« Frankreichs, der Ludwig den XIV. so oft an 
den Rand des Unterganges brachte, gkliesert hat. 
Zwei eng'ische Fuhrleute, die von Fugen» aus Freunde ge 
wesen waren, hatten eines Morgens mit andern Händel bekom 
men, und der eine behauptete, der andre habe ihn nicht gehörig 
unierftützk. Am Abend saßen ste in einer Schenke beisammen, 
und besprachen den Vorgang. Haifa,, so hieß der Beschuldigte, 
wurde über seinen Verrath der Freundschaft so gerührt, daß er 
ein Messer ergriff, und den andern bat, ihn zu erstechen. Der 
Schenkwirt» nahm ihm ka« Messer, aber er zog sogleich ein 
andres Messer hervor und wiiderholte die Aufforderung, die 
der andre—wirklich erfüllte. Haifa» starb wenige Stunde» her 
nach, und SkarUng. »er andre, war voll Verzwelstnug über seine 
That und stellte stch selbst zum Verhaft. Der durch viele Zeu 
gen bestätigte Vorgang ist in der That eine merkwürdige »s„- 
chologische Aufgabe. Wa« gieng in der Seele de« Mörder« vor, 
als er das Verlangen feine« Freunde« erfülle? Der Brannt 
wein erkläre nicht alles. 
— Ein Mann, Namens Sperr», zu Diseworth in Lei- 
ttstershire wurde am 2ken Scpk. von einer Wespe auf dem 
Rucken der Hand in rine Blutader gestochen. Da« Gift ver- 
mlschre lick mit dem Blute und Sperr« starb am folgenden 
Tage. Leider hat da« Mornin^ Clutmikle da« diesen nicht 
unmöglichen Fall erzählt, die Symptome nicht angesnhrt, die 
dem Tode vorangingen. 
— Der berühmte Kemble trat bald nach Eröffnung des 
Winteribeaier« in Drurplane, in Shakespeare's Heinrich der 
Vierte aus» ad—mißfiel allgemein. Man gesteht, daß England 
styl keintn Schauspieler hat, der dieser schweren aber so äußerst 
belohner.de» Rone gewachsen ist. (V-elleichl giebt es letzt in 
Europa nur eine» Künstler, dem stch das nachrühmen läßt, 
und de» bestyt Berlin. Warum sah'n wir ihn noch nie lu 
diesem höchsten Meisrelfsück komisch Charakteristik 7- 
Da« in einem Schreide» aus St. vom 28. Sept. an mich 
gethane Verlangen, taun ick au« Grunde» der Unmöglichkeit 
Nicht bewilligen. Berlin d. 14. Oktober 1805. I.
	        
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