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Volume Nro. 176, Dienstag den 3. September

Full text: Der Freimüthige oder Ernst und Scherz (Public Domain) Issue1805 (Public Domain)

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»ft Portionen, »stf Im 9i»fi täglich »et Äaufma«« Äirftfi, i» 
»er Erholung aber, abwechselnd ein Mitglied »et Gesellschaft 
gegenwärtig. Welch ein großes, fromme», meuscheufrruudliches 
Dil»! Mit dem Schlag 11 ßicmteu aus allen Straße« die 
Armen, >»!t ihrem rauschen kerbe,. Das Portionen Zuschnei 
den in der Küche, die »roßen Kessel, da» herandrängen der 
Hungernden an da» st.nster. an welchem ausgetheilt wurde, 
«>e Gelchamgreit de» edlen Kirchliof und Weser, das Muster» 
und Ordnen des ateei, Kirsch und der Erholung» - Milgiiedcr, 
die Gaum und Mnrter de» menschenfreundlichen Kirchhof, beim 
Austheilen der Porr,o»en besch.>,t,gt die Kinder vor der Thur, 
welche die Müller mit den, tamufenden Wiiiagsmahle roll 
Sehnsucht erwarteten und das glückliche Weib i i» zur armseli 
gen ontit u»„»rangen, der dank nde Blick der Gesveisien — 
Inas Ist die» Gefühl gegen den Genuß eine» rauschenden Balls! 
Ueberieugl von der Vorireffiickkeii dieser Enrichrung, traten 
nun mehrere achtungswerihe Menschenfreunde hin,». Der gen» 
Graf Neuß sandte 100 Thaler und 40 Scheffel Getraide. Die 
berwittwete Fürstin Reun ließ eine beträchtliche Anzahl Arme 
für, ihre Rechnung sueise». Eben so die Loge. Der Rath 
Weißenborn, »er Man» nach dem Herzen Gölte», gab Probt 
und Geld mii der weisen Gulmiilhigtetk, die jede feiner Hand 
lungen bezeichnet. Der Rath Otto arranglrte mit seinen, echt- 
cvsmoooltlischen Sinne da» ganze Geschäft. Die Kaufleute Krieg 
und Feeder, Krieg und Engelhard, Elke und Gerhard, Schwen 
ker und Lafve Kegler und Lutter schenkten Reih, Grauven und 
Grütze, und ließen die andern Bedürfnisse zu den Selbstkosten 
ad, und der Packer Dyroff unterzog stch dem muhsainen Gr- 
stbasr, für die Anstalt die Prodi - Packerei zu besorgen, mit 
der lobenswurdigsten Uneigennnsigkeit. Ein ganz besondere« 
Verdienst halte aber um diese Soeisungs-Anstalten der Rittmei 
ster n. Mlissling. Er übernahm die Materialien-und Kassen- 
Rendaukur, führte die Rechnungen, ließ Pieh und Korn ankau 
fen und djrtgirte die ganien zwei Mon.ee hindurch, die diese» 
Etablissement dauerte, dasselbe mit einer solchen militärischen 
«ccuratesse und Ordnung, daß er genöthigt war, seine »anie 
Zeit den Armen hinlUgeben. Durch alle diese vereinten Be 
mühungen batten die beiden Anstalten 20,803, sage zwanzig 
tausend fünfhundert und drei Portionen, gratis ausgetheilt! 
Mit gleicher Sorgfalt bemühte sich «er Stadirath, ganz au» 
feinen eignen Kräften, der allgemeinen Nord Schranken zu 
seyen, und e» ist eine erfreuliche Bemerkung. daß alle diese 
Einrichtungen, die Ruhe und Ordnung in, innern der Stadt 
erhielte». Hoffentlich hat die briiderliche Theilnahme, mit der 
stch der Wohlhabendere an den Nothleidenden Mitbürger an 
schloß, in dem Herzen de» legiern, die Gefühle de» Danke» 
nn» der gegenfeikigen Achtung begründet. 
Uebrigen» bemerkt man hier mit inniger Freude, die großen 
Fortschritte, die seit Kurzem im öffenllichen Gemeinwesen gemacht 
worden sind. Der Stadirath hat stch durch die llmpstafterung 
und Beleuchtung der Straßen, vor vielen andern vortbeilhaft 
ausgezeichnet. Jetzt «ißt man dir Ruinen der Kirche, die beim 
großen Brande in Flamme» ausging. völlig ab und will den 
Kirchhof, in einen schonen, grünen mit Panmen deseyken Ra- 
stnviakz nmwandkl». Der Suveriniendent Hahn, har eine Frei- 
schule für arme Kinder nnd an der sehr nöthigen Verbesserung 
de» Gnmnastums nnd der übrigen Schulen, Han» angelegt. 
Dcr wackere Rath Dkißendvrn bat die mörderischen Straßen, 
die das Reußische Läntchen seit Jahrhunderten »errufen mach 
ten, und von denen noch heut zu Tage ein Pröbchen beim ro 
the» Giebel zu stnben ist, in schöne Chaussee» verwandelt, 
onf denen er gewiß ragli» von den Reifende», die den sonsti 
gen gruodlofen Weg kannten, mit Herzlichkeit gesegnet wird; 
n»d endlich arbeitet man teer an dem erhabenen Plane, die 
attgemetne Noib nicht sowohl abznwarien, um dann wieder blos 
,» helfen, sondern ihr für tnnfiige Zeilen aus immer vor 
zubeugen. iS» sollen nehmlich: 
1) Industrie Schulen und Arbeit« Magazine errichtet wer 
den: iene, um die Menge Kinder, die dis in da, 1;— 
ISie Fahr ohne Beschäftigung herumlaufe». an Arbeit »n 
Gewöhnen, diese, um ihnen immer zu rhu» zu geben. 
falls ste, was sich hier bei den bieten Fabriken, nicht 
leicht denken läßt keine Beschäftigung stnden folliru. 
2J Au> den iondr der ie«i so gut als gar Nichr da strhtnden 
drei Hosviiaier, soll ein Arme» und Kraiikeudau», und 
endlich 
Z ) s»i die aiigtublicklicheu Berlegenheiken eines sonst nickt 
armen Bürgers, ein Lombard eiablirt werde», 
unter der Leitung eines Kanzteis von Ehcheirerg darf nn 
Me zweckmanige Ausführung dieser m-nschenfreundlicheu Plane, 
b.llv erwarten. 
Ich denke in einem halben Jahre, auf meiner Rückreise, 
dies glückliche Skadicheu wteder zu vasstreu. V.clleichk erzähle 
ich Ihnen dann wieder etwas davon. 
Theater Nachricht aus Breslau. 
Am e8ieu August, iSof. 
_. c Schlug.) 
Ersteres ist »ft sehr falal und stört nicht feite», nu» 
letztere sind gleichfalls groß. Beim männlichen Perso 
nale mangelt e» so iehr im Fache der Chevaliers und kom, eher 
Alten, und bet», weiblichen nur mehrere Fächer gar nicht 
besetzt, und manche Künstlerin muß eine Rvüe übernehmen, die 
für ihren Ruhm eben Nicht günstig ist. Es fehlen Subieeie für 
die Rolle« alter Koketten, für lärtllche alte Mutter, für vor 
nehme intrigante Damen, dost Weiber und zu Darstellungen 
wichtiger Soubretten. Die Armnih des wctdiicheii Personal» 
ist auftauend im Beichäitniß gegen das männliche, am fuhlbar- 
sten im Mangel aller Mütterchen und »ornehiner Damen. Die 
Dlrekkiov hat schon so viel LobenswerlheS zur Pcroolltomm- 
nung der Bühne gethan möchte ste diesem Mangel doch end 
lich auch abhelfen. um da» abgeschmackte Tadeln so vieler im 
Publikum auch von der Seile zu heben! Z. 
Aus Dresden. 
ÄllerdingS hak *) der seit 18 Jahren hier wohnende nnd nicht 
nur als Mitglied der Chursurstl. Kavellr und P,r- 
ruos auf dem Vivioneello. sonder» auch als wissenschaftlich ge 
bildeter Mann sehr hochgrachkeke Hr. Triklir, schon vor meh- 
rern Fahrern die Entdeckung gemacht, wie Ilde Saue au, be 
saiteten Instrumenten in ,eder Witterung unverstminit erhalten 
und dadurch der Gebrauch aller Stimmhammer und Stimm» 
meister ans immer entbehrt werden kan». Alle die Gelegenheit 
gehabt haben diese Erstndung genauer kennen zu re men und zu 
»rüstn stimmen darin überein, daß stc nichr dem geringsten Zwei 
fel unterworfen und durch dir schärfsten Peobe» von vielen 
Monaten bestätigt worden sev. Auch machte Hr. Triklir schon 
vor geraumer Zeit deswegen eine Reife nach England, und 
hoffte, vermittelst feiner Elstndung der Indis, orctabünc < f» 
nennt et die Sache in feiner Sprache, der Französischen) 
dort durch Patente gesichert, sich einen erlandteil Porehell zu 
verschaffen. Allein er fand als Fremder so große Schwierigkei 
ten, daß er alle Absicht daraus fahren ließ. Es ist wirklich 
unbegreiflich, daß eine so höchst wichtige Entdeckung schon so 
lange gemacht und doch noch nicht benutzt wordlN ist. Da« 
Zartae-Iibl des Erstnders fand sich bisher durch jeden gewöhn 
lichen Weg der Ankündigung und Svecuiation zu sehr delridigk, 
um tieie einschlagen zu wollen. Er besitz! ein aiiserwahire« 
Mineralieneabinet, daS er nruerllch nach einer sehr lehrreichen, 
ganz neuen grvgravhifchrn Methode zu ordnen und nach Haun 
zu elassiffctreu angefangen hat. Auch be,chasn§t er sich gern UN» 
viel mit ohnstealifchen und meteorologischen Beobachtungen in sei 
ner stillen Muße. Dies mag den Umstand erklären. daß er 
frlbst feiner Erstndung fast nir, als wenn er i»> Geforäch aus 
drücklich dazu aufgefordert wird gedenkt. Doch würde er ge 
gen geziemende Anerbietungen hierüber gewiß nicht nnemvstnd- 
lich fe»n. Einige Nachrichten »ber Vir Sache stnden stch mei 
nes Wissens, auch in einem Briefe ttnes Reifenden ans Dres 
den, der im Neuen Deutschen Merkur im Jahrgange 1802 ab 
gedruckt worden ist. M. 
') Stihe die Anfrage in Nr. 156. dieser Zciiung.
	        
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