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Volume Nro. 20., Sonnabend den 28. Januar

Full text : Der Freimüthige oder Ernst und Scherz (Public Domain) Ausgabe 2.1804 (Public Domain)

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D  e  r  Dornstrauch.
Eine  Fabel  Lessings,  gewissen  Parodisten  zur  Beherzigung. ­
  —  Aber  sage  mir  doch,  fragte  die  Weide
den  Dornstrauch,  warum  du  nach  den  Kleidern  des
vorbeigehenden  Menschen  so  begierig  bist?  Was  willst
du  damit?  Was  können  sie  dir  helfen?
Nichts!  sagte  der  Dornstrauch.  Zch  will  sie  ihm
auch  nicht  nehmen:  ich  will  sie  ihm  nur  zerre ­
  i  ßen.
—  f.
Berichtigung.
^er  Freimüthige  lieferte  in  Nr.  169.  de-  vorigen
Jahrganges  einen  anonymen  Aufsah  über  das  Armen-Wesen
  in  Magdeburg,  in  welchem  behauptet ­
  wurde,  daß  muthwillige  Bettler,  Faullenzer
und  Schwelger  die  Güte  des  dortigen  Almosen  -  Collegii
  misbrauchten.  Zn  Nr.  188.  fand  diese  Angabe
einen  gleichfalls  anonymen  Berichtiger;  doch  in  207.
vertheidigte  sich  der  Hr.  Einsender  der  Rüge,  führte
zur  Bestätigung  derselben  an:  daß  aus  einer  sogenannten ­
  Hauüarmen-Familie,  die  monatlich  drei  oder
vier  Thaler  aus  der  Armen-  Caffe  empfangen  habe,
vier  Personen  auf  einmal  die  Redoute  besucht  hatten,
und  zog  aus  dieser  Angabe  den  Schluß,  „daß  die
Gutherzigkeit  mit  der  Einsicht  davon  gelaufen  sei."
Diese  Aeußerungen  haben  das  hochverehrliche  Magdeburgische ­
  Almosen  -  Collegium  bewogen,  eine  von
sämmtlichen  Herren  Mitgliedern  desselben  und  allen
Armenvorstehern  unterzeichnete  Berichtigung  einzusenden, ­
  in  welcher  öffentlich  bezeugt  wird:
daß  nie  eine  Hausarmen-Familie  drei
oder  vier  Thaler  aus  der  Armen-Casse
empfangen  habe;  ferner  aber
der  anonyme  Einsender  aufgefordert  wird,  seine  angebliche ­
  Thatsache  zu  beweisen,  widrigenfalls  sie  für
eine  offenbare  Unwahrheit  erklärt  werden  müße  ic.

Zu  dieser  billigen  Aufforderung  von  Seiten  des
hochverehrliche»  Almosen-Collegiums,  fügen  die  Herausgeber ­
  des  Freimüthigen  auch  die  ihrige:  Wenn
sich  gleich  bei  den  Gesinnungen,  die  der  anonyme  Einsender ­
  vorzüglich  in  seinem  letzten  Aufsäße  in  Rücksicht ­
  der  HH.  Mitglieder  des  Almosen  -  Collegii  an
den  Tag  legt,  und  bei  der  Beschaffenheit  des  Faktums ­
  selbst,  nicht  annehmen  läßt,  daß  er  jenes  vereheliche ­
  und  so  wohlthätige  Collegium  habe  verläumden
  wollen,  so  könnte  er  sich  doch,  wenn  er  den
Beweis  schuldig  bliebe,  von  dem  Anschein  vorlauter
Uebereilung  nicht  frei  machen,  —  und  zu  den  Wirkungen ­
  einer  solchen,  wollen  die  Herausgeber  ihr
Blatt  nicht  misbrauchen  lassen.

Preiöaufgabe.
ie  Anekdote  von  Calonne'nS  Reisewagen  (s.  den
vor.  Zahrg.)  hat  in  der  Zeitung  für  vie  elegante
Welt  einen  Berichtiger  gefunden,  der  dadurch,  daß  Calonlle
  in  London  ein  glanzendes  Haus  gemacht  hat,  u.  f.  w.
beweisen  will,  daß  die  Anekdote  ein  Mahrchen  sey.
Sie  rührt  von  einem  wahrheitliebenden  Manne
her,  der  eben  so  viel  Gründe  für  die  Wahrheit  derselben ­
  anführen  könnte,  als  gegen  sie  aufgestellt  worden: ­
  doch  wozu  ein  Streit?  Ohne  weitere  Untersuchungbezeuge- ­
  ich  dem  Berichtiger  meineBewunderung
seiner  scharfblickenden  kritischen  Geschichtekenntniß,  und
ersuche  Zhn  um  die  Gefälligkeit,  diese  auch  zur  Auflösung ­
  eines  andern  historischen  Probleme  anzuwenden,
das  in  der  That  nicht  unwichtiger  ist.
Phädrus  erzählt  nehmlich,  ein  lüsterner  Fuchs
habe  einst  gewaltige  Sprünge  gemacht,  um  eine
hochhangende  Weintraube  zu  erreichen,  aber  vergebens. ­
  Da  hab'  er  sich  unwillig  weggewandt  und
ausgerufen:  "Es  sind  Häärlinge."
Nun  erzählen  zwar  auch  Burkard  Waldis  und
eine  Menge  andrer  alter  und  neuer  gleich  glaubhafter
Geschichtsforscher  dasselbe  Faktum,  alle  aber  sind  so
nachläßig,  daß  sie  vergessen  das  Zahr,  und  sogar
das  Land  anzugeben,  wo  sich  jene  denkwürdige
Begebenheit  ereignet  hat.  Der  Herr  Berichtiger
könnte  sich  ein  unsterbliches  Verdienst  erwerben,  wenn
er  sein  so  glückliches  Combination«  -  Talent  zur  Verbesserung ­
  dieser  Nachlaßigkcit  anwenden  wollte,  ja,
wenn  er,  wie  nicht  zu  zweifeln  ist,  die  Aufgabe  wirklich ­
  löst,  so  erbieten  sich  die  Herausgeber  des  Freimüthigen ­
  ,  den  Verfasser  jener  Anekdote  zu  ersuchen,
daß  er,  so  bald  er  wieder  so  interessante  —  Haarlinge ­
  zur  Reife  gebracht  hat,  sie  dem  —  Hrn.  Brrichtiger
  auf  die  Kelter  schütte.
Neuigkeit.
ie  arme  Prinzess»  Polypen»  hat  ein  beispiellos
unglückliches  Schicksal:  sie  ist  in  einem  halben  Zahr
in  drei  großen  Hauptstädten  gefallen.  Kaun»  hatte
man  in  Wien  aufgehört,  sich  darüber  zu  wundern,
daß  deni  talentvollen  Collin  die  Darstellung  ihres
Schicksals  so  langweilig  gelungen  war,  so  —  schwieg
man  in  Berlin  am  12.  und  iz.  Zanuar  sehr  kaltblütig ­
  zu  ihrem  bejammernwürdigen  Morde,  den  Herr—
veranstaltet  hatte  und  am  14.  Zanuar  pfeift  man  sie  in
Paris  gar  aus,  obgleich  der  Franz.  Dichter  aus  ihren
Begebenheiten  nur  drei  Akte  gemacht  hat.  Die  Wahrheit ­
  zu  sagen:  —  der  Stoff  taugt  nicht  zur  dramatischen
Behandlung  im  Geschmack  der  Neuern;  er  ist  zu  einfach.
R.  L.
            
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