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D e r Dornstrauch.
Eine Fabel Lessings, gewissen Parodisten zur Beherzigung.
— Aber sage mir doch, fragte die Weide
den Dornstrauch, warum du nach den Kleidern des
vorbeigehenden Menschen so begierig bist? Was willst
du damit? Was können sie dir helfen?
Nichts! sagte der Dornstrauch. Zch will sie ihm
auch nicht nehmen: ich will sie ihm nur zerre
i ßen.
— f.
Berichtigung.
^er Freimüthige lieferte in Nr. 169. de- vorigen
Jahrganges einen anonymen Aufsah über das Armen-Wesen
in Magdeburg, in welchem behauptet
wurde, daß muthwillige Bettler, Faullenzer
und Schwelger die Güte des dortigen Almosen - Collegii
misbrauchten. Zn Nr. 188. fand diese Angabe
einen gleichfalls anonymen Berichtiger; doch in 207.
vertheidigte sich der Hr. Einsender der Rüge, führte
zur Bestätigung derselben an: daß aus einer sogenannten
Hauüarmen-Familie, die monatlich drei oder
vier Thaler aus der Armen- Caffe empfangen habe,
vier Personen auf einmal die Redoute besucht hatten,
und zog aus dieser Angabe den Schluß, „daß die
Gutherzigkeit mit der Einsicht davon gelaufen sei."
Diese Aeußerungen haben das hochverehrliche Magdeburgische
Almosen - Collegium bewogen, eine von
sämmtlichen Herren Mitgliedern desselben und allen
Armenvorstehern unterzeichnete Berichtigung einzusenden,
in welcher öffentlich bezeugt wird:
daß nie eine Hausarmen-Familie drei
oder vier Thaler aus der Armen-Casse
empfangen habe; ferner aber
der anonyme Einsender aufgefordert wird, seine angebliche
Thatsache zu beweisen, widrigenfalls sie für
eine offenbare Unwahrheit erklärt werden müße ic.
Zu dieser billigen Aufforderung von Seiten des
hochverehrliche» Almosen-Collegiums, fügen die Herausgeber
des Freimüthigen auch die ihrige: Wenn
sich gleich bei den Gesinnungen, die der anonyme Einsender
vorzüglich in seinem letzten Aufsäße in Rücksicht
der HH. Mitglieder des Almosen - Collegii an
den Tag legt, und bei der Beschaffenheit des Faktums
selbst, nicht annehmen läßt, daß er jenes vereheliche
und so wohlthätige Collegium habe verläumden
wollen, so könnte er sich doch, wenn er den
Beweis schuldig bliebe, von dem Anschein vorlauter
Uebereilung nicht frei machen, — und zu den Wirkungen
einer solchen, wollen die Herausgeber ihr
Blatt nicht misbrauchen lassen.
Preiöaufgabe.
ie Anekdote von Calonne'nS Reisewagen (s. den
vor. Zahrg.) hat in der Zeitung für vie elegante
Welt einen Berichtiger gefunden, der dadurch, daß Calonlle
in London ein glanzendes Haus gemacht hat, u. f. w.
beweisen will, daß die Anekdote ein Mahrchen sey.
Sie rührt von einem wahrheitliebenden Manne
her, der eben so viel Gründe für die Wahrheit derselben
anführen könnte, als gegen sie aufgestellt worden:
doch wozu ein Streit? Ohne weitere Untersuchungbezeuge-
ich dem Berichtiger meineBewunderung
seiner scharfblickenden kritischen Geschichtekenntniß, und
ersuche Zhn um die Gefälligkeit, diese auch zur Auflösung
eines andern historischen Probleme anzuwenden,
das in der That nicht unwichtiger ist.
Phädrus erzählt nehmlich, ein lüsterner Fuchs
habe einst gewaltige Sprünge gemacht, um eine
hochhangende Weintraube zu erreichen, aber vergebens.
Da hab' er sich unwillig weggewandt und
ausgerufen: "Es sind Häärlinge."
Nun erzählen zwar auch Burkard Waldis und
eine Menge andrer alter und neuer gleich glaubhafter
Geschichtsforscher dasselbe Faktum, alle aber sind so
nachläßig, daß sie vergessen das Zahr, und sogar
das Land anzugeben, wo sich jene denkwürdige
Begebenheit ereignet hat. Der Herr Berichtiger
könnte sich ein unsterbliches Verdienst erwerben, wenn
er sein so glückliches Combination« - Talent zur Verbesserung
dieser Nachlaßigkcit anwenden wollte, ja,
wenn er, wie nicht zu zweifeln ist, die Aufgabe wirklich
löst, so erbieten sich die Herausgeber des Freimüthigen
, den Verfasser jener Anekdote zu ersuchen,
daß er, so bald er wieder so interessante — Haarlinge
zur Reife gebracht hat, sie dem — Hrn. Brrichtiger
auf die Kelter schütte.
Neuigkeit.
ie arme Prinzess» Polypen» hat ein beispiellos
unglückliches Schicksal: sie ist in einem halben Zahr
in drei großen Hauptstädten gefallen. Kaun» hatte
man in Wien aufgehört, sich darüber zu wundern,
daß deni talentvollen Collin die Darstellung ihres
Schicksals so langweilig gelungen war, so — schwieg
man in Berlin am 12. und iz. Zanuar sehr kaltblütig
zu ihrem bejammernwürdigen Morde, den Herr—
veranstaltet hatte und am 14. Zanuar pfeift man sie in
Paris gar aus, obgleich der Franz. Dichter aus ihren
Begebenheiten nur drei Akte gemacht hat. Die Wahrheit
zu sagen: — der Stoff taugt nicht zur dramatischen
Behandlung im Geschmack der Neuern; er ist zu einfach.
R. L.