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zu entschuldigen hofft, ist nicht minder unstatthaft.
Lassen wir ihn gelten, so können hinfort große Männer
selbst ihre Knabenexercitia herausgeben, denn auch
diese bezeichnen ja eine Stufe in ihrer Geistesbildung.
— Doch nur zu lange schon verweile ich bei
jenen Kunstnullitatcn. Wir wollen die Blößen, welche
S. im jugendlichen Dichtcrrausche gab, mit dem Mantel
der christlichen Liebe zudecken und es nicht machen,
wie Noahs gottloser Sohn, Ham, als sich ihm sein
Herr Vater weinberauscht in einer ähnlichen Attitüde
darstellte.
Zch komme zu einer schöneren Periode, — zur
schönsten, in der S. einige Meisterwerke schuf, nebst
inehreren anderen Produkten, die nahe daran gränzen,
es zu seyn. Den Uebergang dahin macht das Gedicht
an die Freude. Man hat die Abänderung der letzten
Hälfte des ersten Verses schon in diesen Blättern
getadelt und sehr mit Recht, wie mir scheint; die alte
Leseart war bei weitem kräftiger, als die neue. Wenn
etwas hier umgearbeitet werden sollte, mußte es der
Anfang sein:
„Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Eülium." —
Das Häufen der Metaphern ist allemal ein Fehler
und hier findet sich gar ein Widerspruch zwischen
beiden; denn der Götterfunken ist etwas Lebloses, die
Tochter aus Clisium hingen eine Prosopöie. Zudem»
was denkt man sich bei einem Götterfunken? —
Schlägt man Stahl und Stein an einander, so springt
ein Funken heraus. Zst das bei Göttern auch der
Fall? — Daß Sch. den letzten Vers, der zwar an
sich schön ist, aber zu dem Tone des llebrigen nicht
recht paßt, weggelassen hat, glaube ich eher rechtfertigen
zu können. Weit besser schließt man wohl ein
Gedicht an die Freude mit einem großen würdigen
Vorsah, (wie es nun bei dem Schillerischen der Fall
ist,) als mitToderbetrazchtungen. Ein rundes schönes
Ganze dürfte aber noch immer nicht entstanden sein.
Es ist und bleibt dieses Gedicht — trotz Vielen einzelnen
Schönheiten, — ein lyrisches Chaos, ein Dithyrambe,
das heißt: ein Product, in welchem Phantasie
mit den Gesetzen der schönen Kunst nur ein
wlldes Spiel treibt. — dt
(Die Fortsetzung fokgt.>
Kardinal B e r n i ff.
Daß Dernis, der Tibull der Franzosen, durch die
Gunst der berüchtigten Pompadour vom müßig - tändelnden
Abbe bis zum Kardinal und Staatsministcr
von Frankreich emporschlich, ist bekannt. Er war der
Geliebte jener Dame, (die auch die Göttin seiner
süßen Lscbcslieder ist,) ehe sie Maitresse des Königs
wurde; er blieb ihr Geliebter, auch da sie dies geworden
war. Um sich für die Würden zu bilden, die
man ihm dankbar zudachte, schickte man den lustigen
Abbe als Gesandter nach Venedig, — damals
noch der Lieblingssitz geheimer Politik. Bernis legte
cs aber nur darauf an, die Gunst der Denetianerinnen,
nicht die Kunst der Venetianer sich zu erwerben.
Er kam zurück, gerade so siaatSklug als er gegangen
war, wurde Minister, machte sich lächerlich,
rmd empfing in der Kapelle zu Versailles den Orden
des heiligen Geistes. Er knieer vor dem Altare, die
Ritter stehen feierlich um ihn her, der geistliche Einwcihungsgefang:
Veni creator Spiritus, beginnt:
da fällt von der obersten Gallen'e ein Blatt vor den
neuen und zwischen die alten Ritter herab, das eine
Parodie auf jenen EinweihungSgefang enthält, und
das ich (zwei unartige Zeilen abgerechnet,) aufschreibe.
Zu den letzten Versen muß ich das lateinische Original
setzen, geheimerer Beziehung halber: —
Esprit saint, divine etsence,
Daignez güider ce Ministr* nouveau;
Et pour l’honneur de la France
liluminez son cerveau.
Renouvellez ce miracle
Sur le pauvre Abbe Bernis.
EmbraSez-Ie de vos flames»
Inspircz lui vötre amour,
qu’il baise un pen moins les Dam«»
Et surtout la Pompadour.
(Accende turnen sensibus,
Insunde amorem cordibus»
Infirma nostri corporis
Virtute ftrmans perpetim.)
Die Wirkung kann man sich denken. Demungeachtct
stieg Dernis inimer höher und wurde endlich
Cardinal. Za, Madame Pompadour soll schon
einige Millionen dazu bestimmt gehabt haben, ihm,
bei damals eben zu erwartender Vakanz, auf den
päbstlichen Stuhl zu verhelfen.
An dem Tage, wo er mit jener Würde des
rothen Hutes bekleidet worden war, gab er ein großes
Gastmahl. Wie jetzt manche Kunstphilosophen sich auf
dergleichen Feste vorbereiten, um tief zu erscheinen,
so pflegte sich Berniü zuzurüsten, um witzig zu seyn.
Zm Nothfall mußte gewöhnlich der alte, ehrliche
Montaigne aushclfen. Auch heute sollte er'ü. Der
neue Kardinal schlägt einen Band auf, und findet
eingezeichnet und angestrichen — die bekannte Fabel
von den Affen, die mit größter Behendigkeit auf die
Spitze des Daums kletterten, aber, je höher sie kamen
, je weiter umher ihre Posterior» zeigten. —