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Volume Nro. 143., Donnerstag den 19. July

Full text: Der Freimüthige oder Ernst und Scherz (Public Domain) Issue2.1804 (Public Domain)

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Friedrich der S iegrelche, Churfürst von der 
Pfalz hat dieses Idee früher und glanzender aus 
geführt. Im Sommer des Jahre« 1462 waren ihm 
Graf Ullrich von Würtenberg, der Marggraf von 
Baden, und der Bischof von Metz nebst andern sei 
ner Feinde, ins Land gefallen, hatten die Felofrüchte 
verheert, und ihren Weg^ nach Heidelberg mit Brand 
und Raub bezeichnet, «seit wollten diese Stadt, in 
der sie den bösen Fritz, wie ste ihn nannten, nicht 
gegenwärtig glaubten, in der ersten Bestürzung ero 
bern. Der Churfürst kam ihnen zuvor, verließ mit 
den Seiniqeii Heidelberg in der Nacht, griff mit 
Tages Anbruch den Feind bei Pfeddensheim an, 
schlug ihn total, und machte 500 Gefangene, wor 
unter 240 Grafen und Edelleute und seine drei oben 
genannten Hauptfeinde waren. Im Triumph zog 
der Deutsche Held in Heidelberg ein, traktirte des 
Abends seine neuen Gäste fürstlich, gab ihnen aber 
kein Brod. — Sie sehen sich einander bedenklich 
an. Der Churfürst ermahnt sie freundlich, sie sollen 
essen, und trinken und fröhlich seyn. — Endlich 
sagt einer der Gefangenen, sie hatten kein Brod. 
Wie meint Ihr, erwiedert der edle Sieger, daß 
cs meinen Untherthanen sey, denen Ihr 
alle ihre Früchte verheert und verbrannt 
habt?'— Hierauf läßt er den beschämten Gästen 
Brod geben. E. 
Die Mädchen. 
Ätidchen, gleich tev Juno 
Mit dem Königstrikte, 
Mädchen gleich der Iris 
M,t den, Zlügelschritte: — 
Ave jung und bindend» 
Wie die Frist,lmzsroscn, 
Lockend i»m Genusse, 
Wie die Aprikosen; — 
Alle schön, doch anders, — 
Alle reif zur Minne, 
Schweben um des Dichters 
Wonneirunkne Sinne. 
Soll ich Euch sie malen? 
Kaun ich? — Ach! ich hoffe! — 
Furchtet nie ein Ende 
Bei so reichem Stoffe. 
Äomus naht gefällig, 
DaS Palett zu halten. 
Gaukelt 4en» vorüber, 
Liebliche Besialten! — 
Aus dem Bade hüpfen 
Mädchen dort vom Lande. 
£», wie sind sie reizend 
Im Raturgewande: 
Dort im Fürstenfaale 
Drehn sich ganze Gruppe», 
Nackend fast, wie Jene, 
Aber preis, wie Puppen. 
Dort aus einer Kirche 
Wallt ein Chor von Braute», 
Die ach! — nur dem Himmel 
. Ihre Schönheit weihten. 
Dort a«S einem Tempel 
Bittersüßer Wonnen, 
Hüpfen auch gar viele, 
Aber — keine Nonne». 
Reize wenden Ablas 
Jedem ihrer Mangel. 
Selbst gefallen, bleiben 
Schöne Mädchen — Engel. 
Andre seh ich Briefchen 
Mühsam buchstalssren; — 
Andre, die Autores 
Ciassica« edire»; 
Viele, die sich heute 
Ernst an Diesen knüpfen, 
Morgen einem Schönern 
In die Arme hüpfen; 
Wenig, deren Herzen, 
Zärtlich und voll Treue, 
Werth es sind, daß ihnen 
Sich ein Jüngling weihe. 
Gleich den Mucken schwärme« 
Manche sonder Pause, — 
Manche sind, »wie Schnecken, 
Tag und Nacht zu Haufe. 
Während Diese Bitte« 
Von der Lippe hauchen, 
Seh ich Jene herrisch 
Den Pantoffel brauchen. 
Schwärmerinnen seh ich, 
Die im Mondschein wandeln, 
Weine» mehr, als lachen, 
Seufzen, nimmer — Handel», 
Hier und da anch Weisre, 
Die mit Platos Träumen 
Ihre Seele nährend, 
Nicht den Leib versäumen. 
Rümpft mir nicht das Nasche», 
Stolz auf Eure Tugend, 
Feine Klcißnerlnnen! 
Kalt ist nie die Jugend. 
Evens schlimmsten Töchter« 
Strömt Moral vom Munde, 
Und de» Busen lüstcrt 
Nach der Schäserstunde. 
Mögen Eure Lippe» 
Freuden laut verachten. 
Denen Eure Herzen 
Still entgegen schmachten! 
Trau«! zuletzt erbeutet 
Doch in seiner Falle, 
Trotz der größten Vorsicht, 
Amor Euch, wie alle. 
Neugier lockt die Jungen, 
Sehnsucht die Betagten; 
Muth gewinnt die Kecken, 
Suada die Verzagten. 
Kaltsinn reitzt die Stolzen, — 
Mädchen hold durch Demulh, 
Rühre» »st zu Mitleid 
Thränen siiller Wehmuth. 
Arme Schönen blendet 
Lticht des Goldes Schimmer, 
Und der Hoheit Stralcn 
Reiche — Frauenzimmer. 
Crnü gefällt den Frommen, 
Witz und Scheu de» Losen — 
Innigkeit den Lilie», 
Leichter Sinn den Rosen,
	        
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