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Vorzug, denn man fangt schon an, auf diesem Instrument
zu künsteln, und es ist zu erleben, daß man
noch —.Kriegslieder mit Begleitung der Guitarre erhält.
Der Text ist Italienisch und Deutsch. Letzterer
ist ein neuer Beweis zu meiner obigen Bemerkung.
(Die Fortsetzung folgt.)
Französisches Theater
Sinter manchen andern Vorzügen, die selbst Feinde
den Franzosen nicht absprechen können, ist einer der
schönsten der freigebige Enthusiasmus, mit dem sie
Genie und Kunst aufmuntern und belohnen. Musik,
Malerei, dramatische Dichtkunst und Schauspielkunst
sind hier nicht, wie an den meisten Orten Deutschlands,
wandernde Pilger, die blos geduldet werden,
und allenfalls froh seyn mögen, wenn man sie nicht
hindert, ihr Stückchen Brodt mühseelig zu gewinnen;
sie werden hier geehrt, geliebt, geschätzt, man hat es
der Mühe Werth gehalten Gesetze ihretwegen
zu mache»; kein Nach drucket - Rau bgesind el
darf sich an den Früchten des Genies vergreifen.
Zeder crndtet da wo er gefaet hat, und zwar, wenn
die Aussaat anders gut war, so darf er sicher seyn,
daß der Boden ihm reichlich tragen werde. Bei uns
ist es umgekehrt; je besser die Aussaat, je schneller
sammeln sich die Raubvögel auf allen Bäumen umher,
wie auf Robinson Crusoe's Znsel, und kaum hat
der Säemann den Rücken gekehrt, so lagert sich die
verzehrende Wolke.
Der Verfasser eines Schauspiels, oder der §om»
ponist einer Oper, werden in Frankreich folgendermaßen
behandelt. Jede Einnahme wird in drei Theile
getheilt und von einem Drittel erhalten sie das
Siebentel. Das scheint wenig, aber — sie erhalten
dieses Siebentel nicht einmal, sondern so lange
sie leben und ihre Erben noch zehn Zahre nach
ihrem Tode; sie empfangen es nicht blos in Paris,
sondern in ganz Frankreich von jeder Dühnez
nicht blos so lange das Stück noch Manuskript
sondern auch wenn es schon langst gedruckt ist,
denn kein Direktor einer Bühne darf sich unterstehen,
es ohne Erlaubniß des Verfassers aufführen zu lassen.
Auch vor dem schwer verpönten Nachdruck ist er ganz
sicher. — Man könnte einwenden, der Autor könne
doch oft hintergangen werden, da eö ihm ja unmöglich
sey zu wissen oder zu erfahren, welche Stücke
man in ganz Frankreich spiele? und wie oft und wie
groß die Einnahme gewesen? daß eö höchst beschwerlich
und kostbar seyn müsse, dergleichen Nachrichten
einzuziehen u. s. w.
Für alles das ist gesorgt. Es existirt nemlich in
Paris ein Düreau, ausdrücklich zu diesem Zwecke errichtet.
Hier meldet sich der Verfasser eines Schauspiels,
zeigt sein Werk an, und läßt nun das Düreau
für alles übrige sorgen. Diese« hat seine Correspondenten
und Cajfirer im ganzen Lande, und berechnet
dem Schriftsteller, gegen den mäßigen Abzug von
zwei Procent, seinen Antheil gewissenhaft. Da ,nun
in Frankreich weit über hundert Schaubühnen an,
getroffen werden, (wenn gleich viele nur klein und
unbedeutend sind) so wird es begreiflich, daß der
Verfasser eines beliebten Stückes, in den ersten paar
Zähren nach dessen Erscheinen, auf eine Einnahme
von vierzlgtausend Livres rechnen kann. Nachher
nimmt es zwar ab, aber die Nepertoirs der Franzosen
sind weit weniger dem Wechsel unterworfen
als die unsrigen, und daher bleibt dem Schriftsteller
eine sichere jährliche Revenüe, die auf der allergerechtestcn
Basis ruht, denn ihre größere oder mindere Bedeutsamkeit
hängt einzig und allein von der Güte seines
Werkes ab. Hatte es blos Vorzüge, die im ersten
Augenblick blendeten, so wird es selten, hat es
wahren Gehalt, oft gespielt. Ein Autor, dem es gelungen,
drei oder vier Stücke auf das Repertoir des
theatre Franjais zu bringen, ist nicht allein für seine
Person auf Lebenszeit anständig versorgt, sondern hinterläßt
auch seinen Kindern zehn Zahre lang eine
sichere Subsistenz. Welch' eine ehrenvolle Pension!
aber nur in Frankreich hat man Gelegenheit sie zu
verdienen.
Madam Mole, welche Menschenhaß und
Reue ein wenig verballhornt hat, ist dadurch jetzt
schon zum Besitz eines Vermögens von 60000 Livres
gelangt, und noch immer wird das Stück häufig gespielt,
oft in Paris allein auf verschiedenen Theatern
dreimal an einem Tage. Mir, dem Verfasser, hat
Menschenhaß und Reue Summa Summarum zweihundert
Thaler eingetragen. — Dalayrac, der
bekannte beliebte Eomponist, zieht, die Hauptstadt ungerechnet,
noch jetzt monatlich aus den Provinzen
ungefähr io« Louis, also jährlich über 6000 Thaler,
wofür er keinen Federstrich weiter zu thun braucht. —
Was soll man nach solchen Beispielen davon denken,
wenn z. E. die Frankfurter einem dramatischen Schriftsteller
gedruckt vorwerfen, er treibe einen enormen
Handel mit seinen Stücken, weil er etwa zwölf Fridrichsdor
für eine Abschrift fordert? und — diese kaufmännisch-gesinnten
Mäcene, die doch warlich auf
ihren Comptoirs keinen Buchstaben umsonst schreiben,
Meynen, ein tzLchriftsteller müsse sich mit der Ehre
sie zu amüsiren bezahlen, und könne übrigens, mit
Frankfurter Lorbeeren gekrönt, verhungern. Doch
Frankfurt ist nicht der einzige Ort, wo dem Genie
Kupferpfennige, und dem Zahlenschreiber Goldstücke
zugewogen werden.
Nicht blos die Schriftsteller werden in Frankreich
mit solcher Achtung behandelt, auch die erste
Classe der Schauspieler erfreut sich der Hoffnung, im