Due to maintenance work electronic publications such as PDF documents and e-books available from our cooperation project NPRegional with the German National Library are not accessible currently. 

We thank you for your understanding.

Path:
Volume Nro. 72., Dienstag den 10. April

Full text : Der Freimüthige oder Ernst und Scherz (Public Domain) Ausgabe 2.1804 (Public Domain)

287  —

Vorzug,  denn  man  fangt  schon  an,  auf  diesem  Instrument ­
  zu  künsteln,  und  es  ist  zu  erleben,  daß  man
noch  —.Kriegslieder  mit  Begleitung  der  Guitarre  erhält. ­
  Der  Text  ist  Italienisch  und  Deutsch.  Letzterer ­
  ist  ein  neuer  Beweis  zu  meiner  obigen  Bemerkung.
(Die  Fortsetzung  folgt.)
Französisches  Theater
Sinter  manchen  andern  Vorzügen,  die  selbst  Feinde
den  Franzosen  nicht  absprechen  können,  ist  einer  der
schönsten  der  freigebige  Enthusiasmus,  mit  dem  sie
Genie  und  Kunst  aufmuntern  und  belohnen.  Musik,
Malerei,  dramatische  Dichtkunst  und  Schauspielkunst
sind  hier  nicht,  wie  an  den  meisten  Orten  Deutschlands, ­
  wandernde  Pilger,  die  blos  geduldet  werden,
und  allenfalls  froh  seyn  mögen,  wenn  man  sie  nicht
hindert,  ihr  Stückchen  Brodt  mühseelig  zu  gewinnen;
sie  werden  hier  geehrt,  geliebt,  geschätzt,  man  hat  es
der  Mühe  Werth  gehalten  Gesetze  ihretwegen
zu  mache»;  kein  Nach  drucket  -  Rau  bgesind  el
darf  sich  an  den  Früchten  des  Genies  vergreifen.
Zeder  crndtet  da  wo  er  gefaet  hat,  und  zwar,  wenn
die  Aussaat  anders  gut  war,  so  darf  er  sicher  seyn,
daß  der  Boden  ihm  reichlich  tragen  werde.  Bei  uns
ist  es  umgekehrt;  je  besser  die  Aussaat,  je  schneller
sammeln  sich  die  Raubvögel  auf  allen  Bäumen  umher, ­
  wie  auf  Robinson  Crusoe's  Znsel,  und  kaum  hat
der  Säemann  den  Rücken  gekehrt,  so  lagert  sich  die
verzehrende  Wolke.
Der  Verfasser  eines  Schauspiels,  oder  der  §om»
ponist  einer  Oper,  werden  in  Frankreich  folgendermaßen ­
  behandelt.  Jede  Einnahme  wird  in  drei  Theile
getheilt  und  von  einem  Drittel  erhalten  sie  das
Siebentel.  Das  scheint  wenig,  aber  —  sie  erhalten ­
  dieses  Siebentel  nicht  einmal,  sondern  so  lange
sie  leben  und  ihre  Erben  noch  zehn  Zahre  nach
ihrem  Tode;  sie  empfangen  es  nicht  blos  in  Paris,
sondern  in  ganz  Frankreich  von  jeder  Dühnez
nicht  blos  so  lange  das  Stück  noch  Manuskript
sondern  auch  wenn  es  schon  langst  gedruckt  ist,
denn  kein  Direktor  einer  Bühne  darf  sich  unterstehen,
es  ohne  Erlaubniß  des  Verfassers  aufführen  zu  lassen.
Auch  vor  dem  schwer  verpönten  Nachdruck  ist  er  ganz
sicher.  —  Man  könnte  einwenden,  der  Autor  könne
doch  oft  hintergangen  werden,  da  eö  ihm  ja  unmöglich ­
  sey  zu  wissen  oder  zu  erfahren,  welche  Stücke
man  in  ganz  Frankreich  spiele?  und  wie  oft  und  wie
groß  die  Einnahme  gewesen?  daß  eö  höchst  beschwerlich ­
  und  kostbar  seyn  müsse,  dergleichen  Nachrichten
einzuziehen  u.  s.  w.
Für  alles  das  ist  gesorgt.  Es  existirt  nemlich  in
Paris  ein  Düreau,  ausdrücklich  zu  diesem  Zwecke  errichtet. ­

  Hier  meldet  sich  der  Verfasser  eines  Schauspiels, ­
  zeigt  sein  Werk  an,  und  läßt  nun  das  Düreau
für  alles  übrige  sorgen.  Diese«  hat  seine  Correspondenten
  und  Cajfirer  im  ganzen  Lande,  und  berechnet
dem  Schriftsteller,  gegen  den  mäßigen  Abzug  von
zwei  Procent,  seinen  Antheil  gewissenhaft.  Da  ,nun
in  Frankreich  weit  über  hundert  Schaubühnen  an,
getroffen  werden,  (wenn  gleich  viele  nur  klein  und
unbedeutend  sind)  so  wird  es  begreiflich,  daß  der
Verfasser  eines  beliebten  Stückes,  in  den  ersten  paar
Zähren  nach  dessen  Erscheinen,  auf  eine  Einnahme
von  vierzlgtausend  Livres  rechnen  kann.  Nachher ­
  nimmt  es  zwar  ab,  aber  die  Nepertoirs  der  Franzosen ­
  sind  weit  weniger  dem  Wechsel  unterworfen
als  die  unsrigen,  und  daher  bleibt  dem  Schriftsteller
eine  sichere  jährliche  Revenüe,  die  auf  der  allergerechtestcn
  Basis  ruht,  denn  ihre  größere  oder  mindere  Bedeutsamkeit ­
  hängt  einzig  und  allein  von  der  Güte  seines ­
  Werkes  ab.  Hatte  es  blos  Vorzüge,  die  im  ersten ­
  Augenblick  blendeten,  so  wird  es  selten,  hat  es
wahren  Gehalt,  oft  gespielt.  Ein  Autor,  dem  es  gelungen, ­
  drei  oder  vier  Stücke  auf  das  Repertoir  des
theatre  Franjais  zu  bringen,  ist  nicht  allein  für  seine
Person  auf  Lebenszeit  anständig  versorgt,  sondern  hinterläßt ­
  auch  seinen  Kindern  zehn  Zahre  lang  eine
sichere  Subsistenz.  Welch'  eine  ehrenvolle  Pension!
aber  nur  in  Frankreich  hat  man  Gelegenheit  sie  zu
verdienen.
Madam  Mole,  welche  Menschenhaß  und
Reue  ein  wenig  verballhornt  hat,  ist  dadurch  jetzt
schon  zum  Besitz  eines  Vermögens  von  60000  Livres
gelangt,  und  noch  immer  wird  das  Stück  häufig  gespielt, ­
  oft  in  Paris  allein  auf  verschiedenen  Theatern
dreimal  an  einem  Tage.  Mir,  dem  Verfasser,  hat
Menschenhaß  und  Reue  Summa  Summarum  zweihundert ­
  Thaler  eingetragen.  —  Dalayrac,  der
bekannte  beliebte  Eomponist,  zieht,  die  Hauptstadt  ungerechnet, ­
  noch  jetzt  monatlich  aus  den  Provinzen
ungefähr  io«  Louis,  also  jährlich  über  6000  Thaler,
wofür  er  keinen  Federstrich  weiter  zu  thun  braucht.  —
Was  soll  man  nach  solchen  Beispielen  davon  denken,
wenn  z.  E.  die  Frankfurter  einem  dramatischen  Schriftsteller ­
  gedruckt  vorwerfen,  er  treibe  einen  enormen
Handel  mit  seinen  Stücken,  weil  er  etwa  zwölf  Fridrichsdor
  für  eine  Abschrift  fordert?  und  —  diese  kaufmännisch-gesinnten ­
  Mäcene,  die  doch  warlich  auf
ihren  Comptoirs  keinen  Buchstaben  umsonst  schreiben,
Meynen,  ein  tzLchriftsteller  müsse  sich  mit  der  Ehre
sie  zu  amüsiren  bezahlen,  und  könne  übrigens,  mit
Frankfurter  Lorbeeren  gekrönt,  verhungern.  Doch
Frankfurt  ist  nicht  der  einzige  Ort,  wo  dem  Genie
Kupferpfennige,  und  dem  Zahlenschreiber  Goldstücke
zugewogen  werden.
Nicht  blos  die  Schriftsteller  werden  in  Frankreich ­
  mit  solcher  Achtung  behandelt,  auch  die  erste
Classe  der  Schauspieler  erfreut  sich  der  Hoffnung,  im
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.