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Volume Nro. 260., Sonnabend den 29. December

Full text: Der Freimüthige oder Ernst und Scherz (Public Domain) Issue2.1804 (Public Domain)

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,, Oy zyt een berpocct, en scbryft het treurspe , 
weiten ? 
„ Zoo teigt reen hadersfluit de Wank der krygstrom- 
petten! 
„Uw les is overlasl: de kirnst gedoopt peen pyn: 
„Het spe! wjI wtl bepaald, maar met gedwongen zyn! “ 
Zn seiner Posse „Gene,“ schildert der Dichter 
die Eilten der niedrigsten Dolkskiaffe zu Amsterdam 
auf die ausgelassenste und unsittlichste Weise; und 
überdies verdient er die Rüge, Laß unter seiner Lei 
tung der Schaubühne die besten Stücke anderer 
Dichter entweder von ihm verworfen, oder doch die 
Rollen so schlecht besetzt wurden, das außer feinen 
eigenen Stücken, kein anderes Glück machen konnte. 
Allein, so fürchterlich auch die Scenen sind,' welche 
sein Aran und Titus enthält, so ist doch^ der 
Schwung seiner Einbildungskraft bewundernswürdig 
und groß, seine Gemälde sind schrecklich-schön; seine 
Verse vortrefflich; nur statt der Ordnung und Regel- 
mäßigkeit, liegt alles gleichsani in einem wilden 
Chaos durcheinander. Hochtrabende, geschraubte, 
gemeine Gedanken stehen neben den erhabensten 
Stellen. SchubartS Abasveros und ähnliche 
Stücke kommen noch am meisten damit überein. 
Von Ansls, den Vondel einen zierlichen Dichter 
nennt, ist mir nur sein Trauerspiel „de l’arysche 
biuiloft“ (die Pariser Hochzeit) vom Jahr 1649 
bekannt. Mehr und bessere Stücke lieferte Bredero 
für die Bühne. Wiewohl er auch manche, mit lusti 
gen Scenen durchmengte, Trauerspiele schrieb, so ist 
er doch nur als Lustspieldichter, und besonders in der 
Posse, berühmt. Er begab sich sehr oft auf den 
Kisch- und Obstmarkt seiner Vaterstadt, um Sprache, 
Ton und Sitten der Amsterdanmier Poissatrten und 
der gemeinen Klasse überhaupt vollkommen in seine 
Stücke zu verweben. Unter diesen verdienen beson 
ders „bet Moortje“ und „de Spaansobe Ent 
bandet“ genannt zu werden, wovon das erste eine 
Nachahmung des Terenzischen „ lfunuabus “ ist. 
Von EostcrS Stücken selbst bemerke ich vorzüglich 
seine „liigenia“ ein Trauerspiel, und seine an 
Witz sehr reichhaltigen Possen. Doch alle diese 
großen und kleinen Lichter des Parnassue wurhen 
durch das hellschunmernde Sonnenlicht deö unsterb 
lichen Vondel verdunkelt JooSt van den Vcn- 
del mit dem Beinamen des Holländischeu DirgiliuS 
verehrt, übertraf alle seine Vorgänger. Cöln sah ihn 
in der Wiege (im Jahr 1567), aber Holland erzog 
und bildere den großen Mann. Er gab durch die 
Menge seiner trefflichen Trauerspiele, so sehr auch 
Jan Vos ihn zu unterdrücken bemüht war, der 
Nationalbühne zu Amsterdam einen neuen Schwung; 
und ist unter allen bisher genannten Dichtern der 
einzige, dessen Stücke noch bis auf den heutigen 
Tag mit ungemeinem Beifall gegeben werden. Sein 
erstes Schauspiel ac.ba,“ (vom Jahr 16(2^ warb 
noch durch die Rederykers aufgeführt; die übrigen 
waren all«' für dir Amsterdamfche Bühne bestimmt. 
Sein „l’alainedes“, ein Trauerspiel vom Jähr 
1625, mochte ungemein viel Aufsehen, weil er in der 
Person deß Paiamedes den berühmten Oldenbarne- 
feld schilderte, und sich sehr starcke Ausdrücke^ geg n 
den Prinzen Moriz von Oranien, gegen die Synode 
von Dordrecht u. dgl. erlaubte. Dom Haag erschien 
rin Mandat zu seiner Auslieferung; allein die Re 
genten von Amsterdam weigerten dieselbe; dennoch 
ward Vondel zu einer Geldbuße von dreihundert 
Gulden verurtheilt. Die übrigen Schauspiele, welche 
in den folgenden Jahren mit ausnehmendem Beyfall 
auf der Schaubühne zu Amsterdam vorgestellt wur 
den sind folgende: Electra, — Joseph in Dothan, — 
Joseph am Hof, — Joseph in Egypten, — Die Brü 
der. — Salmoneneus, — Phaeton, — Jephta, — Da 
vid in seiner Verbannung, — David wieder einge 
setzt, — Salomo,— Samsom, — Oedipus, — Die 
Batavischen Brüder, — Lucifer u. s. w. Doch das 
sowohl-durch den Gegenstand, als durch die Behand 
lung am wichtigsten gewordene Stück ist das be 
rühmte Trauerspiel „Gysbrecht van Amstel“ 
betitelt, durch welches die neue große Schaubühne 
zu Amsterdam im Jahr 1638 eingeweiht wurde. 
Noch heut zu Tag wird dieses merkwürdige, Don- 
dels Zeitalter angemessene, aber dem heutigen Ge 
schmack ganz nicht entsprechende Stück, seiner vielen 
Gebrechen ungeachtet, alle Jahre gegen Weihnachten 
.5 bis 6 mal hintereinander auf der hiesigen Schau 
bühne aufgeführt, weil der Dichter in diesem Stücke 
die ersten Schicksale und aufkeimende Größe dieser 
merkwürdigen Weltstadt so schön und treffend schil 
dert,' und am Ende des Stückes durch einen Engel 
die zukünftigen Schicksale derselben im prophetischen 
Geiste verkünden läßt. Daher die Theilnahme, was 
sage ich? der Enthusiasmus, mit welchem noch all 
jährlich die Amsterdammer ihrem Gyobrecht zujauch 
zen. und zugleich das Andenken ihrer aufkeimenden 
Größe und ihres großen Dichters feyern. Grabner 
(der in diesem Revolutionskriez seine militärische 
Laufbahn beschloß) hat in seinen „Briefen über 
die vereinigten Niederlande" dieses sonder 
bare Stück einer nähern Entwicklung gewürdigt, 
und den Ausländer mit dem Inhalte und den Feh 
lern desselben bekannt gemacht Neu bearbeitet, un!> 
mit Weglassung des 5 — 6 Seiten langen Mono 
logs (dessen historischer Inhalt in einem dialogisi- 
rendenTon sich viel besser auonehmen würde) möchte 
Gysbrecht van Aemstel eher den Beyfall rechtfertigen, 
der ihm in feinem alten Gewände nicht zukömmt. 
Vondel« Schicksale und Armuth sind aus verschiede 
nen Biographien hinlänglich bekannt. Er starb 1679 
im 92 Jahre seines Alters, und ward durch vier 
zehn Dichter zu Grabe getrogen. Im Jahr 1772 
ward ihm in der Neuen Kirche zu"Amsterdam ein 
marmornes Denkmal errichtet, das statt aller In 
schriften und Lobeserhebungen, bloß mit dem Namen 
Vondel geziert wurde. C. F. Haug. 
(Die Fortsetzung folgt.) 
Fragmente, aus der Schreibtafel 
eines Reisenden rc. 
Museum zu Portici. 
~ (Sckluß.) 
^ as Merkwürdigste in dein Museum zu Portici 
sind die Manuskripte, welche man in Hercula- 
num, in zwei Zimmern ei es Hauses fand. So
	        
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