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Volume Nr. 155, (Donnerstags, den 29sten September.)

Full text: Der Freimüthige oder Berlinische Zeitung für gebildete, unbefangene Leser (Public Domain) Issue1.1803 (Public Domain)

feinen Verstand teile, noch Einfluß auf sein Herz habe/ 
als Eitelkeit. Diesen Fehler besaß er in einem Grade/ 
der an Wahnsinn gränzte. Nur diese regellose excenlri, 
sche Eitelkeit allein bewog ihn/ dir tolle Beichte seiner 
tollen Fehler zu schreiben/ und eine neue Art von Ruhm 
darin zu suchen/ daß er die geheimen und pöbelhaften La, 
ster/ die/ wie man längst wußte, oft mit eminenten Talen, 
ten verbunden sind, kühn an« Licht stellte. Der kennt dir 
Natur der Eitelkeit noch nicht, der nicht weiß, daß ste all- 
gefräßig ist; daß sie keine Auswahl in ihrem Futter macht; 
daß ste selbst von eigenen Fehlern und Lastern mit Lust 
spricht, wenn ste nur dadurch Erstaunen erregen, die Auf, 
merksamkeit auf sich ziehen, und, im schlimmsten Fall, fich 
wenigstens das Lob, aufrichtig und offen gewesen zu seyn, 
erhaschen kann. Dieser Mißbrauch und diese umgekehrte 
Anwendung, welche die Eitelkeit selbst von der Heuchelei 
macht, war es, welche Rousseau antrieb, ein Leben zu be, 
schreiben, welche« auch nicht einmal yier und da mit Tu, 
genden besprengt, oder durch eine einzige vorzüglich gute 
Handlung ausgezeichnet war. Eine solche Lebensbeschrei, 
bung ist e«, die er der Aufmerksamkeit des Menschenge, 
schlechtes vorzulegen wagt, und die er mir wildem Trotz 
seinem Schöpfer vor'« Angesicht schleudert, den er nur 
darum anerkennt, um ihn herausfodern zu können.— lln, 
aufhörlich verschwendet er die Schätze seiner mächtigen 
Beredlsamkeit in Phrasen von allgemeinem Wohlwollen,, 
während sein Herz auch nicht einen Funken gemeiner Da, 
terliebe in sich hegt. Wohlwollen gegen da« ganze Ge 
schlecht, und Gefühllosigkeit für jede« Individuum, da« 
mit ihren Lehrern in einige Verbindung kommt, da» ist 
der Charakter der neuen Philosophie! Die Grille einer 
ungesellschaftlichen Independenz im Kopfe, schlägt dieser 
Held der Eitelkeit den verdienten Lohn für gewöhnliche 
Arbeiten au«, so gut als den Tribut, den der Reichthum 
dem Genie schuldig ist, und der, wenn er gegeben wird, 
den Geber und Empfänger gleich ehrt; und sucht alsdann 
durch sein Betielthum seine Laster wieder zu versöhnen. 
Er schmilzt von Zärtlichkeit für die, die in der entfernte 
sten Verbindung mit ihm stehen; die Brut («pawn) sei- 
ner ekelhaften Liebschaften hingegen wirft er, ohne einige 
menschliche Regung, wie eine Art von Auswurf, von sich, 
und schickt seine Kinder in'« Findelhau«. Baren lieben, 
lecken und formiren ihre Jungen - aber die Bären sind 
keine Philosophen! Doch die Eitelkeit findet ihre Befriedi, 
gung darin, den Gang unserer natürlichen Empfindung 
umzukehren. Tausend bewundern den empfindsamen Schrift 
steller; der zärtliche Vater ist kaum in seinem Kirchspiel 
btkanul!" 
Auch die biographischen und litterarischen Denkwür 
digkeiten Kaiser Maximilian« de« Ersten werden jede» Le, 
ser anziehen. Ein« der Bonmot« dieses trefflichen Fürsten 
gilt heul zu Tage nicht mehr; er nannte nehmlich den 
Rhein die Pfaffenstraße.. 
Englische Litteratur. 
Robert Percival, ein Englischer Offieier, hat in 
den Jahren 1707 bis 1800 eine Reise nach und auf der 
Insel Ceylon gemacht, und kürzlich drucken lassen. Auch 
ist derselben ein Bericht von der Gesandtschaft ange, 
hängt, welche im'Jahre 1800 an den König von Candy 
geschickt wurde. Das Ganze ist. ein sehr imeressante« 
Gemählde. Ein großer Geschichtsforscher ist der Verfas 
ser zwar eben nicht; denn er meint z. E. die Insel Cey, 
lvn sey erst seil 1505 bekannt, da doch schon die Römer 
zu Claudius Zeilen sie unter dem Nahmen Taprvbana 
kennen lernten, und sogar zwei Gesandte aus jenem fer 
nen Welttheil in Roms Mauern sahen. — Wenn man 
Ceylon von ferne aus der See erblicke, soirglaubt man 
sich in eine Feenwelt versetzt. Grüne Teppiche schmücke» 
die User, Gruppen von Äokosbäumen erhebe» sich aus 
Reißfeldern, hohe Gebirge schließen de,, Horizont und 
sind mit düsterschatkenden Bäumen bewachsen, deren ein 
zelne Blätter zuweilen fünf und sechs Wanderern ein 
Obdach gewahren können. Hier ankern die Schiffe sicher 
vor allen Stürmen; Flüsse, Seen, Teiche, ja selbst 
Sümpfe wimmeln von Fischen, und mit den schönsten 
Perle» ist der Meeresgrund bedeckt. Gern möchten wir 
auch hinzusetzen was schon Manche gefabelt haben, daß 
nehmlich schon in einer Weite von zehn Meilen in der 
See die Insel Ceylon fich durch einen köstlichen Zimmer, 
geruch verrathe. Aber Pereival erklärt diesen Um 
stand für ein Märchen. — Kaum hat der Fuß de« See, 
fahrer« das Ufer betreten, so erblickt er drei ganz ver, 
schiedene Menschengeschlechter, die weder in Tracht »och 
Sillen das geringste mit einander gemein haben. So 
eigenlaunig als der Charakter der Einwohner, ist auch 
da» Klima: heiße Tage, kalte Nächte, stille Morgen, 
siürmische Abende. Die Insel ist eins der waldigste» 
und düstersten Länder auf dem ganzen Erdboden: die 
Bäume pressen sich gleichsam an einander, durch ihre 
dicken breiten Blätter dringt kein Sonnenstrahl, tausende 
von kraftvollen Schmaretzerpflanzen kriechen um ihre 
Stämme und strecken ihre Schlingen weit hinaus. Fin 
stre Wälder, steile Felsen, enge Schluchten, machen für 
de» Europäer da« Königreich Tandy unzugänglich. E» 
liegt in. Innern der Insel, und ist ein Sammelplatz ctel,
	        
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