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Volume Nr. 143, (Donnerstags, den 8ten September.)

Full text: Der Freimüthige oder Berlinische Zeitung für gebildete, unbefangene Leser (Public Domain) Issue1.1803 (Public Domain)

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warten. Dubert hat zu diesem Behuf eine Lotterie errich 
tet, deren Loose zu zwei neue» Thalern verkauft werden. 
Die gefundenen Sachen wird man denn am Ende unter 
die Interessenten durch» Loo« vertheilen. 
Schreiben ans Frankfurt am Main. 
Von dem allgemeinen Beifall, der Madame Eunicke 
bei ihrem ersten Debüt in der Donau-Nymphe gewor, 
den, find Sie schon unterrichtet. Seitdem spielte fie den 
Amor im Baum der Diana und Mariane in den drei 
Sultaninncn. Da» Hau» war jedesmal gedrängt voll, 
der Beifall allgemein. Die Einnahme gehörte.der Di 
rektion. — Gestern wurde zu Madame Eunicken« Vor, 
theil Tim» aufgeführt. Die Kraft ihrer Stimme, der 
Ausdruck ihre» Spiel» in der Rolle de« Sextu», der schö, 
ne Dortrag de» Herrn Eunicke als Titus in der fchwe, 
ren Arie, wo er das Todesurkheil zerreißt (die wir hier 
noch nie gehört); der alle Tiefen der Kunst erschöpfende 
Gesang unserer Lange alr Ditellia, die, wenn fie auch 
sonst nicht» als die vier letzten Noten in der Arie gesun- 
gen halte, wo sie bi» in» F, ja selbst noch einen Ton 
weiter bi» ins G steigt, schon genugsam ihre Stelle un 
ter den ersten Sängerinnen Deutschlands und Italien» 
behauptet hätte: — alle diese Kunstvollkommenhciten in 
gedrängter Reihe, unterstützt von einem Orchester, da« 
unter der Leitung unser» Schmidt seine» Gleichen sucht, 
gewährte den Zuschauern ein Göttcrfefl, die bald durch 
Beobachtung der größten Stille, bald durch Händeklat, 
schen und Bravorufen ihr« Empfänglichkeit für» Schöne 
»n den Tag legte», und zum Schluß Herrn und Madame 
Eunicke, so wie nicht weniger Madame Lange, herauerie, 
fen. Ein neuer Beweis, daß es Frankfurt« Bürger nicht 
an Unterstützung de« Theater« würden fehlen lassen, wenn 
eine bessere Leitung bessere Vorstellungen bewirkte. Auf 
fallend war übrigen» die Oekonomie der Herren Leerse, 
Gramb» und Schwcndel, als dermaligen Direktoren, wel 
che bei dem vormal« so brillanten Marsch im Titu» die 
sen Abend durchblickte. — Madame Eunicke, die der 
Kaffe so viel eintragt, hätte w»hl verdient, daß man die 
alte Zahl von Statisten beibehalten, und nicht darauf ge 
sehen hatte, einige Thaler weniger auszugeben. 
Hambnrz, den rgstm Anglist. 
Autliatur et aitera pars! 
Schon mehrere Male hat der Freimüthige der Ehe 
leute Gley (vormal« beim Stuttgardter Theater) auf ei 
ne Weise erwähnt, die ihrem guten Rufe schaden muß. 
Nicht» d.-stowenigcr sind diese Leute in Rücksicht auf jcn» 
Verfolgungs-Geschichte bloß Opfer einer mächtigen Will- 
kühr. Ich verschone Ew. ic. !C. mit der langweiligen Ge 
schichte ihre» Engagement« in St., ihrer traurigen Lage, 
und ihre» gestörten hauelichens Glück«, — der ihnen 
durch eine Art von Stadtarrest abgedrungencn 
Unterschrift eine« lebenslänglichen Dienste», — ihrer end 
lichen Entfliehung, — ihrer Verfolgung durch Steck 
briefe, und der Requisitionen fremder Obrigkeiten, sie 
zu verhaften und auszuliefern. Da» Deutsche 
Recht, wie die Gesetze jede» Deutschen Landes, sichern je 
dem freien Menschen seine persönliche Freiheit, so lange 
er sie nicht durch ein Verbreche» oder durch Insolvenz 
verwirkt. Hier aber war nur von einer caus» civil!, von 
einem Theater-Kontrakt, die Rede: die Stuttgardter Thea 
ter - Direktion konnte daher nur auf dem gewöhnlichen 
Wege Rechtens gegen die Gley», sey cs auf Erfüllung 
de« Kontrakts, oder auf Entschädigung, klagen; nicht aber 
um einer Civil-Sache willen sie criminaiicev verfolgen. 
Freilich haben aber auch die verschiedenen Behörden, an 
welche sie sich successive gewandt hat, die Requisition ab, 
gelehnt, zu deren Ausrichtung sie sich nicht ermächtigt 
glaubten, — und die Sache ist nun wohl al« beendigt 
anzusehn. Aber um der Gerechtigkeit und Wahrheit wil 
len, wünschte ich, daß man fernerhin den Freimüthigen 
nicht weiter mißbrauchen möge, diese armen Leute zu 
kranken. Deshalb wende ich mich geradezu an Ew. rc. 
Dr. — k -. 
Kurze Anzeigen neuer Wucher. 
Ueber den neuesten Idealismus der Herrn Sche^ 
ling und Hegel 
enthält Kritiken, ncbst Auszügen au» Brief.» über die ei 
gentliche Tendenz dieser Philosophey. Da natürlich we 
nig Leser sich die Mühe nehmen werden, durch Schelljng» 
Amerikanisch-verwachsenen Wald von willkührlichen Post, 
tionen, Definitionen, Thesen, Antithesen, Solöcismen, 
Barbarismen, und weiß Gott, was für oncn, esen und 
ismen sich hindurch zu arbeiten, so hat man hier so 
faßlich al» möglich die Orakelsprüch« jene« großen 
Manne» zusammengestellt, und wo etwa dieselben gar zu 
unverdaulich schienen, ist von kundiger Hand etwa« Pfef, 
fer und Salz darauf gestreut worden. Folgende Schel, 
lingschr Kraslsätze werden unter andern ausgchoben: „die 
Philosophie ist nur dadurch Philosophie, daß sie dem V e r- 
siande, und damit noch mehr dem gesunden Men, 
scheu verstände — gerade entgegengesetzt ist."—„Der 
gesunde Menschenverstand iß die lokgle und rempo,
	        
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