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Volume Nr. 143, (Donnerstags, den 8ten September.)

Full text: Der Freimüthige oder Berlinische Zeitung für gebildete, unbefangene Leser (Public Domain) Issue1.1803 (Public Domain)

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und wird, unter der Leitung ihrer biedern Lehrer, Hof, 
mann und Bartel«, gewiß immer mehr gedeihen. 
Dies; beiden Männer, Deutsche von Geburt, weihen sich 
der Erziehung mit treuem Eifer, und erwerben sich große 
Verdienste um die Schweiz. Die Schule zählt nicht bloß 
Zöglinge au« dem Canton Aarau, sondern eine große 
Menge derselben sind au« den übrigen Canlonen. Cie 
lernen besonders auch die Deutsche Sprache, die bieher 
in der Schweiz sehr vernachlässigt wurde. Im Ganze» 
wird der Zögling für jede bürgerliche Laufbahn trefflich 
vorbereitet, auch sein Aeußere« nicht vernachlässigt. Die 
Schule verdiente mit Recht, neben der Pcstalozzischen Lehr, 
anstalk zu glänzen. Eie fangt beinahe erst da an, wo 
jene endet; denn sie ist für Jünglinge, nicht für Kinder. 
Aber freilich zeichnet sie sich durch den Reiff der Neuheit 
nicht aus- Vielleicht wird Pestalozzi künftig seinen Plan 
weiter ausdehnen, und auch für die reifere Jugend sor, 
gen. Beide Anstalten bringen der Schweiz Ehre. Eine 
dritte, für wissenschaftliche Bildung, müssen wir 
vielleicht noch manches Jahrhundert hindurch entbehren. 
— In Aarau leben seit einiger Zeit manche Gelehrte, die 
ein Asyl für ihre Denkfrciheit dort gesucht und gefunden 
haben. Unter ihnen befindet sich der durch seine Fischer- 
Idyllen und durch seine Biographie rühmlich bekannte F. 
X. Brenner. Er wird un« nächstens mit einem Band 
fleißig gefeilter Fischergedichte beschenken. — Baltha, 
sa r hat sich von Luzern, nebst seiner Bibliothek, hierher 
gewandt, und die Stadt, die feit der Revolution bereits 
die Zurlaubcnsche Bibliothek besitzt, ist gesonnen, auch 
die Dalthafarische anzukaufen. — Samuel Flick in Ba, 
sel hat eine Buchdruckerei und eine Buchhandlung in 
Aarau errichtet, und nächsten« wird die Helvetische 
Minerva, von den vorzüglichsten Köpfen der Schweiz, 
einem Usteri, Meister, Brenner, u. s. w. herausge- 
geben, ihren Erstling der Welt schenken. — Auch ein ke- 
seinstitut ist zu Stande gekommen, an dem alle Edle au« 
den gebildeten Klaffen Theil nehmen. Ein botanischer 
Garten ist im Entstehen, und noch manche nützliche An, 
stakt wird emporkommen, und immer neue Lobsprüche auf 
Aarau mir entlocken. 
s. Ischokke. Seit dieser vom politischen Horizont 
verschwundene Stern von Basel sich entfernte, lebt er 
auf dem Schlosse Bieberstein bei Aarau. Dort schreibt 
er auch noch über politische Gegenstände, cbfchon die Na< 
tur ihm dazu weniger Anlagen verlieb, al« zum Scnti- 
mentalen. Sein Kampf der Waldstädte hätte ihn 
von weiteren politischen Versuchen abschrecken sollen. 
Seine Hauptbeschäsrigung soll aber das Studium der 
Forstwissenschaft seyn, und auf diesem Wege kann er 
sich allerdings große Verdienste um sein neues Vaterland 
erwerben; denn dieser wichtige Zweig ist sehr vernachläs 
sigt. Die Nachwelt wird ihm danken, wenn sie einst in 
unsern Wäldern Bäume erblickt, die mau jetzt vor 
Stauden nicht gewahr wird. 
g. Christen. Dieser Bildhauer, ein Unterwaldner 
von Geburt, lebt seil einiger Zeit in Basel. Wegen po, 
litischer Meinungen verfolgt, mußte er seine Berg« ver, 
lassen. Er verdiente al« Künstler mehr gekannt zu seyn. 
Ausdruck herrscht in allen Theilen seiner Figuren, Be, 
stimmtheit in den Proportionen, Milde und Sanftheit in 
allen Zügen. Nie häuft er seine Gruppeir schwerfällig. 
Dürfte er im freiern Kreise bilden und schaffen, er wär, 
de sich hoch schwingen. Jetzt aber muß er nach ausge, 
drungenen Ideen arbeiten, so manche gemeine Gesichter 
skizziren, und doch geht kein solches abgeschriebenes Ge- 
sicht unter seinem Meißel hervor, dem er nicht etwa» 
Ideale« zur Ausstattung mitgäbe. Mancher findet sich 
daher nicht allein gut getroffen, sondern noch etwas in 
seinem Gesichte, wa« er selbst nicht darin vermuthete. Im 
Privatleben ist dieser Künstler sehr einfach, zurückgezogen, 
ganz auf seine Familie beschränkt, und wird nur vouWc, 
nigen besucht. Seine neueste Arbeit ist ein Basrelief, 
Charon, der mit einer Ladung von Schatten über den 
Styx segelt, nach Liician. Er wird in Kurzem nach Kol, 
mar abreisen, wohin er berufen worden ist, um für diese 
Stadt die Düsten der drei Consuln, de» Präfekt« Noel 
und einiger Generale zu verfertigen. 
4. Wöhcr. Dieser Mahler har nn« mir dem Da, 
terunser kürzlich beschenkt, welches die unglücklichen 
Unterwaldner, während der durch die Franzosen bestraf, 
te» Unruhen, darstellt. Ee sind Kupfer in Aqua linta, 
wovon unstreitig da» erste am besten gerathen ist. Bloß die 
Kunst darf in diesen Darstellungen betrachtet werden, 
denn aus andern Gesichlspunkren möchte» sie schwerlich 
Stich halten. Alle«, wa« man dem Künstler zugeben 
kann, ist, baß ihn sein Gefühl geleitet habe. 
5. Ueber Augusta Rauracorum. (Augst.) Die Be 
gierde nach dem Aukgraben alter Denkmähler, um Zim 
mer und Gärten mit Antiken verzieren zu können, ist 
neuerlich auch unter un« rege geworden. Aus der alten 
Römischen Pfianzstadt Auxu-ua Rauracorum, (deren Da, 
seyn nie besondere« Aussehen erregte, und die überhaupt 
keiner langen Dauer sich erfreute) solle» unter der Aegi- 
dc de« Herrn Aubert, Mitglied der Königl. Akademie der 
Wissenschaften zu Berlin, neue Schätze «»«gegraben wer 
den. Die zeilherige Ausbeute laßt wenig Bedeutende« er,
	        
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