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Volume Nr. 142, (Dienstags, den 6ten September.)

Full text: Der Freimüthige oder Berlinische Zeitung für gebildete, unbefangene Leser (Public Domain) Issue1.1803 (Public Domain)

Landsleuten nur Nhden, Fernow undRemharl nennen will. 
Einige Gräber der erschossenen Dragoner habe ich selbst 
gesehen, und die Geschichten an Ort und Stelle gehört. 
Der Berichtiger findet/ daß ich selbst von den Räu« 
bern sehr glimpflich behandelt worden sey. Sie hatten 
mir alle» Geld genommen, das ich besaß; sie hatten mir 
Rock, Weste und Hemde zerrissen, ihre Dolche saßen mir 
an Brust und Kehl«, und sie zogen mich mit der furcht, 
barsten Gewalt in da« Gebüsch, vermuthlich nicht, um 
mir da« Geld wieder auszuzahlen und den Roch wieder 
auszubessern. In diesem Moment wurden sie durch Ge, 
täusch von oben herab und unfett herauf gestört. Einen 
solchen Glimpf will ich dem Berichtiger eben nicht wän, 
scheu. Daß die Justiz ihre Schuldigkeit thut, wenn die 
Derbrecher erwischt sind und bekannt haben, bezweifle 
ich nicht: aber die Polizei thut blutwenig, um sie zu er« 
mischen. In Lariccta geschahen die kurze Zeit, daß ich 
in Rom war, am hellen Tage zwei räuberische Einbrüche 
mit Waffen, s» daß die fremden Künstler, die gewöhnlich 
dort im Park zeichnen, Bedenken trugen, hinauszuziehen. 
Daß auf einigen Stationen Soldaten zur Begleitung der 
Kouriere und Reisenden sind, wenn diese fegten gehörig 
bezahlen, har seine Richtigkeit, und ich habe es, däucht 
mich, auch schon selbst angemerkt. Aber schon diese« be« 
weist die Unsicherheit; und nicht jeder Reisende kann oder 
will die Schatzung einer Begleitung für eine Sicherheit 
bezahlen, die er ohnedies zu erwarten berechtigt ist, und 
die er mit derselben oft doch noch nicht erhält. Ich bin 
von Fondj nach Pästum und von Pästum nach Fondi, aU 
so doch wohl einen ziemlichen Strich, gegangen, und habe 
keine einzige militärische Patroüe gesehen. Welche zwei, 
deutigen Ordnungehalter die Ebirren find, ist bekannt 
genug. Oeffentttch sind sie Diener der Polizei, und heim, 
sich, wo es geschehen kann, Räuber. Alle« geht bewaff, 
net, ohne Unterschied, bis zum Bauer hinter dem Pfluge. 
Daß di« Aeitumstände es eben damals noch schlimmer 
machten, glaube ich gern. In Rom und der Gegend zählt 
man noch immer jährlich bi« ifoo Affaffinate. 
Der König befand sich damal« freilich noch in Pa, 
lermo, wie ich selbst gesagt habe; aber die Russen hatten 
doch die Schloßwache, und waren die vertrauteren Be« 
fchützer der Regierung. Will sie nun nach dieser Angabe 
der Derichtiger nicht für die Leibwache gelten lassen, so 
habe ich nicht« dawider. 
Den Basischen Meerbusen nenne ich mit geographi, 
schem Grund die ganze Bucht zwischen Misene und der 
Spitze de« Paufilippo. Nun liegt an demselben auch Puz, 
zuott, also auch der Tempel de, Serapjt. Ueber die Ent, 
feriiung vom Ufer will ich nicht streiten; ich habe die 
Schritte nicht gezählt. Sie kann aber nicht viel größer 
seyn, als die der Pleißenburg von der Pleiße; und wenn 
ich mich recht erinnere, so ist bei Erdrevolationen einige 
Mal da« Seewasser t» die Area getreten und das Seege« 
wurm hat an den Säulen gefressen, wie einige Antiquare 
schon angemerkt haben. 
Ueber die Brücke des Caligula tritt der Berichtige» 
meiner Meinung bei, und was er noch weiter darüber 
vermuthet, ist sehr konsequent. Ob die Gruppe der Nio 
be damals in Florenz oder in Palermo war, überlasse ich 
Andern auszumachen. Der Saal war leer, wo sie ehe 
mals gestanden hatte, und man versicherte allgemein, sie 
sey mit der Mediceischen Venu« abgegangen. In dem 
Nahmen de« Kopisten de« Laokoon, habe ich mich viel, 
leicht auch geirrt; denn ich weiß nicht viel Kunstgeschich, 
te, und mein Gedächtniß ist nicht da« beste. 
In Ihren eignen Bemerkungen über mehrere Aus 
drücke mögen Sie wohl zuweilen Recht haben. Ich kann 
nicht behaupten wollen, daß ich immer den besten getrof, 
fen habe. Aber in vielen gelten mir noch meine Gründe. 
Gemeine Dinge bezeichne ich mit gemeinen Ausdrücken, 
wenn sie nicht unanständig sind, und mich ihre Kurze der 
Paraphrase überhebt. Ander« spricht eine Ballgesellschaft/ 
und ander» eine Wachstube; und mich deucht, man darf 
keiner ihre Sprache rauben, ohne ihren Charakter anzu 
tasten. Die größere Hälfte unserer Sprache besteht au« 
Gemeinem; und c» ist vielleicht ein Beweis, daß unse 
re Humanität noch sehr eingeschränkt ist, w:nn da« Ge, 
meine für schlecht gehakten wird. Sie finden da« Wort 
arbeiten von Schauspielern anstößig. E« ist leidcrnicht 
zu läugnen, daß viele unserer Schauspieler schlecht oder 
gar nicht arbeiten. Der Ausdruck sagt doch wohl etwa« 
mehr, al« die Knochen rühren, und der Minister sagt 
ganz gut von seinem Sekretär, daß er schlecht arbeitet. 
Doch da» sind Dinge, worüber fever nach seiner Jndiv», 
dualität denkt und fühlt. E« ist etwa« Alte«, daß man 
die Arbeit für etwa- Gemeine«, wenigsten« für etwas sehr 
Subalternes hält. 
Daß Sie mir den gräßlichen Idroki'sm die lederne 
Brate anrechnen, ist etwa« stark. Mich däucht doch, 
meine übrige Sprache muß diese Sünde de« Setzers mit 
einigen andern auffallenden Fehlern deutlich genug zei, 
gen: auch ist sie in dem Verzeichnisse mit angegeben. So 
könnte ja niemand sprechen, der nur einen Gang von der 
Saale an die Spree gemacht hätte. Ucbrigens bin ich 
Ihne» für die ehrenvolle Erwähnung Dank schuldig. 
Noch finde ich nöthig, eine« kleinen Argwohnes we
	        
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