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Volume Nr. 12, (Freitags, den 21sten Januar.)

Full text: Der Freimüthige oder Berlinische Zeitung für gebildete, unbefangene Leser (Public Domain) Issue1.1803 (Public Domain)

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Gestalt der Deutschen Buchstaben verbessern, Theils auch 
Zeichen für die Accentualion (vielleicht gar für die De 
klamation ) hinzufüge». Das erste so gedruckte Buch soll 
-rin wichtiges Werk dieses nehmlichen Doktors Sciffert 
über die Arzeneikunde seyn. Die Klaffe der schönen 
Künste uud Litteratur im National-Institut hat es sogar 
der Mühe werth gefunden, sich von Bilaube und Camus 
eine» Rapport über jene Anstalt abstatten zu lassen, wel 
cher ganz gelesen zu werden verdient. Die Berichter 
statter läugnen zwar gegen den Doktor Sciffert, daß 
keine Deutsche Lettern in Paris zu haben waren, da die 
Schriftgießerei der Gebrüder Levrault in Slraßburg da 
von 24 verschiedene Gattungen liefere; aber dennoch 
sey Srraßburg zu weit entfernt, und das Etablissement 
bleibe daher wünfchenswerlh, „auch nothwendig, 
Theils wegen des Studiums der Deutschen Sprache, des 
Geschmacke an derselben, und der Fortschritte in den Wis 
senschaften, Theils wegen der diplomatischen Verbindun 
gen.Hierauf erörtern sie die Frage: ob es besser 
sey, die Deutschen Buchstaben ganz abzuschaffen und la 
teinische dagegen einzuführen (bei welcher Gelegenheit 
eine Dissertation des „berühmten" Breitkopf angeführt 
wird), undwerneinen dieselbe, halten eine» solchen Tausch 
auch nicht einmal für möglich, weil unsere Sprache Tö 
ne habe, welche durch die korrcspondirenden lateinischen 
Buchstaben nicht ausgedrückt werden. Endlich rathen 
sie, bei Verbesserung der Gestalt der Buchstaben (die 
übrigens wohl zu wünschen sey) sich vor dem La kein i- 
siren zu hüten. Das Projekt, die Aussprache zu ßxiren, 
lobt man zwar, bißt es aber an seinen Ort, gestellt seyn, 
und warnt vor übereilten Rcsormen. — Ein Franzose, 
Nahmens Domergue, sucht jetzt die nehmliche Idee für 
seine Sprache auszuführen. 
Ein Arzt, Robert, sucht in einem zieinlich dicken Bu 
che zu beweisen, daß die Bevölkerung in Frankreich sich 
in den letzten zehn Jahren anseh il'ch vermehrt habe. 
Unter der vorigen Regierung, behauptet er, Hütten fol 
gende Ursachen die Zunahme der Bevölkerung gehindert: 
die Ungleichheit der Stünde, — (sind denn etwa in Chi 
na, dem bevölkertsten Lande auf Gottes Erdboden, die 
Stande einander gleich?) — das Recht der Erstgeburt, 
das geistliche und weltliche Cölibat, die Nichtexistenz der 
Ehescheidungen, die religiöse Intoleranz, die Fe walrech- 
te, verschiedene Steuern, das Dolkselend, die militäri- 
schcn Einrichtungen, die Vernachlässigung des Ackerbaues. 
(Dagegen und darüber wäre denn wohl viel zu sa 
gen. Ueberhaupt kann dieselbe Ursache, nach Zeit und 
Umstanden, sehr verschiedene Wirkungen in den Gesell 
schaften hervorbringen.) 
Seit der Revolution, führt Herr Robert fort, sey 
die Bevölkerung begünstigt worden: durch Urbarmachung 
der sandigen Küsten, Theilung der Gemeinheiten, Aus 
trocknung der Moraste, Verkauf der Nationalgüter, Ab 
schaffung der Herrlichkeiten (maitrises), Freiheit des 
Gottesdienstes, Aufhebung der Feudalrechke, neue Fort 
schritte in der Heilkunst — (Deutsche Aerzte, welche 
kürzlich in Paris gewesen, behaupten gerade das Gegen 
theil), neue Messen und Jahrmärkte, (!) Aufenthalt der 
Truppen auf dem Lande, und die große Zahl der Alle,- 
meres (Mädchen-Mütter!), welche die Folge davon sey. 
— (Andere Leute glauben, daß die Erhaltung der guten 
Sitte» leicht ein kräftigeres Mittel der Bevölkerung wer 
den könnte.) u 
Endlich thut der Verfasser auch Vorschlage, wie die 
Bevölkerung noch jetzt zu vermehren sey. Die Mittel, 
welche er angewendet zu sehen wünscht, sind: Verbot 
zu früher Heirathen, ein neues System einer medicini- 
fchen Erziehung, ambulircnde Kuhpocken, Impfer, Stil 
len der Kinder von ihren eigenen Müttern, neue Grund 
sätze einer National-Erziehung, Austrocknung der MorÜ, 
sie, und endlich — die Errichtung von Korinrheneey: 
(ein Nahme, der vermuthlich von der Stadt Korinth 
hergenommen ist, die durch ihre Freudenmädchen be, 
rühmt war.) — Retif de la Brekonne hatte schon 
vor vielen Jahren eine ähnliche Idee, nur mit dem Un 
terschiede, daß er ein solches Haue Parth enivn nennen 
wollte. In lieblichen Nahmen für unsittliche Dinge 
waren die Franzosen von jeher stark. 
Das anatomische Cabiuet des Herrn Geheimen Raths 
Walter. 
Zur Crgannmg der im rotcn Stück dieser Blatter stellenden 
Nachricht gehört noch die Antwort Sr. Mai. des Königs auf da» 
Schreiten dcS Hrn. General > Stabs - Chirurgus Görcke. Sie ist be 
sonders darum merkwürdig, weil aus ihr erhellet, daß der Kö 
nig den Ankauf des Cabincks schon beschlossen hatte, ehe er 
»och darum gebeten wurde. 
Auf Eure Vorstellung vom r6ten d. M., den Ankauf 
des Wallerschcn anatomischen CabinetS betreffend, lasse 
Ich Euch hiermit wissen, wie Ich bereits beschlossen ha 
be, auf die Erhaltung dieser auch von Euch angerühmtcn 
schätzbaren Sammlung Bedacht zu nehmen, als Euer 
gnädiger König. Berlin, den 21. Der. 1802. 
Friedrich Wilhelm.
	        
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