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Volume Nr. 134, (Dienstags, den 23sten August.)

Full text: Der Freimüthige oder Berlinische Zeitung für gebildete, unbefangene Leser (Public Domain) Issue1.1803 (Public Domain)

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rlend, als hundert andre, die der ausdrücklichen Erwa'h, 
nun-, selbst auf einer Warnungstafel, nicht werth geach 
tet werden können; aber der Himmel weiß, wie der Der, 
faffcr auf die ganz eigene Art von Elendigkeit gerathen 
<st, die leere Kürze, das von Allem sprechen Wollen, die 
Mischung von abgeschmackter Libertinage und heilloser 
Sentimentalität, wodurch zuweilen Französische Schmie, 
rer vom sechsten oder siebenten Stockwerk, oder vagiren, 
»e Avanturier» dieser Nation, die auf ihren Reisen wohl 
hier und da ein lose« Romänchcn in die Welt schicken, 
ihre Berührungen mit der guten Gesellschaft bewähren, 
auf Deutschen Boden zu verpflanzen. Sein H. -Kling, 
fort ist ein gar artiger junger Mann, der „seine Freiheit, 
die Leute zu stören, im Weltton entschuldigt," D« 
bei einer gutherzigen Demoiselle, die er besucht, „sich 
dem Mißgefühl zu täuschen entwindet, und im Weltton 
für das Vergnügen de« Abends dankt," der sich mit 
Prinzen, Lord«, Grafen, Baronen — darunter thut er es 
nicht — herumtreibt, daß er eine Art hat, der über al, 
lerlei galante »vantüren leichtfertige Winke giebt, und 
daneben eine förmlich empfindsame Intrigue mit einer 
schönen, reichen, vornehmen Engländerin führt. Don der 
innigen Bekanntschaft des Verfasser« mit dem Wellton 
giebt die folgende Scene, in welcher er der Engländerin 
durch ihren Bruder vorgestellt wird, eine unterhaltende 
Probe: 
„Vergeben Sie, sagte, den flüchtigen Vermil, 
lion der Wange mit dem Tuche wedelnd, die schöne 
Urberraschte. — Klingfort! liebe Schwester, sagte der 
Lord, mich ihr vorstellend. — Sie sind angenehm, erwie 
derte sie leicht. — Wir gruppirten un« in die Embra, 
sü r e eine« Balkonfenfier». " 
Notabene, er hat sich selbander gruppirt, denn der 
Lord ist so artig, ihn sogleich mit seiner Schwester allein 
zu lassen. Eine Einladungskarte im Weltton, von der 
nehmlichen Dame, die er durch den Portier seines Hotel» 
erhält, ist auch nicht übel': 
„Sie werden sich der Gräfin Swondfhiere verbin, 
den, heute den Thee bei ihr z« mehme«. — Adelaide." 
Er kündigt sich auf alle Weife als einen starken Fran, 
zofen an, indem er ganze Seiten aus Französischen Schrift, 
stillern in der Ursprache einrückt, und überdem nicht 
leicht eine Zeile ohne Deutsch, Franzöfische Floskeln 
schreibt, die meisten» so geschickt angebracht sind, wie 
S- -4: 
„Sind Sie nicht versagt, so bitte ich um Ihre Ge 
sellschaft, die Magazine zu besuchen. — Sehr gern, 
wenn Sie mir versprechen, für Ihre liebenswürdige 
Schwester Emplrtten zu kaufen." 
S- st mahnt ihn fein Karl zur Toilette, und 
unter einer Menge Französischer Toiletten.'Ingredienzien, 
die er herzählt, nm sich zu rühmen, daß er sich ihrer 
nicht bedient habe, nennt er auch — man verstehe wohl: 
e« ist von einem Herrn Klingfort die Rede — vinaigret 
<jui letrecissent! 
Diese« Mißverständniß, dessen Unanständigkeit durch 
die Lächcrllchkeit vollkommen entschuldigt wird, giebt wohl 
den erschöpfendsten Begriff von der originellen Albernheit 
eine» ehrlichen Deutschen, der vermuthlich einmal, wenig 
stens auf dem Papier, auf Pariser Fuß leben, und sich mit 
hübschen Mädchen, bei Ehampagnerpunsch, auf umwo 
genden Daunen — (d. h. zu Belt) ergötzen wollte. 
— b - 
Notizen. 
Ein Mann, der nicht allein von Eifer für da« Wohl 
der Menschheit und seine« Vaterlandes glüht, sonder» 
auch selbst zu derjenigen Klaffe gehört, für welche er 
spricht, folglich mit dem Gegenstand« vertraut ist, schlägt 
vor, die Rumfordischen Suppen auch beim Milikair ein 
zuführen, vorzüglich bei demjenigen Theile desselben, der 
nach der Erercierzeit in der Garnison unter dem Nahmen 
der Dienftthuer zurückbleibt. Er macht aufmerksam auf 
die Lage dieser Leute bei der jetzigen Theurung, in Städ, 
ten, wo wenig Nebenverdienst ist, und segnet unsern 
theuern König, der ihnen in dem Brote da» sicherste 
Nahrungsmittel zusicherte. Er meint, wenn auch Jeder 
derselben täglich noch drei bi« vier Groschen nebenher 
verdiente (wobei doch immer der vierte Tag al« Dienst- 
Tag abgerechnet werden müsse), so verböte doch den Mei 
sten das Lokale ihrer Arbeiten, ein ordentlich und wohl 
zugerichtetes Essen sich zu verschaffen; sie begnügten sich 
mit schlechter Kost, suchten den Mangel an Kräften durch 
hitzige Getränke zu ersetzen, und untergrüben so ihre Ge, 
sundheit u. s. w. Um dem zu begegnen, empfiehlt er die 
Rumfordischcn Suppen, welche, anderthalb Portionen auf 
den Mann gerechnet, sowohl den Kräften seine« Beutel« 
al« seine« Körpers angemessen seyn würden. Auf befugt« 
Nachfrage ist der Urheber dieser Idee erbölig, sich zu 
nennen. 
E« ist in Pan« ein Kupferstich erschienen, den ich Al 
len empfehle, die ihr Cabinet gern mit fröhlichen, Lache- 
erregenden Bildern schmücken, ja auch solchen, denen c« 
an Appetit mangelt; denn ge erblicken da ein kecker, 
maul (Un Gourmand ist die Unterschrift de« Kupfer 
stiches) welche« mit so außerordentlichem Vergnügen speist, 
daß man sich weder de« Lachen», noch de« Wunsche», mit, 
zueffen, erwehren kann. 
Durch einen Schreib, oder Druckfehler ist in Nr. n* 
de» Freimüthigen gesagt worden, die Frankfurter Theater, 
Direction habe 16,462 Fl. Vorschußgelder in Ausgabe ge 
stellt; e« muß heißen 6426.
	        
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