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Volume Nr. 127, (Donnerstags, den 11ten August.)

Full text: Der Freimüthige oder Berlinische Zeitung für gebildete, unbefangene Leser (Public Domain) Issue1.1803 (Public Domain)

— Zo6 — 
— Hierauf wurde auch da« Mädchen arretirt, und nach 
eiaerachlmonallichen Gefangenschaft wurden Beide wieder 
vor Gericht gestellt. Der Maire von St. Giron«, sein 
Sekrelair und die Zeugen jener erschlichenen Trauung, 
waren jetzt selbst gegenwärtige und erklärten einmüehig, 
da« Mädchen, welches da vor ihnen steh«, sey nicht das« 
selbe, mit dem in ihrer Gegenwart La F. sich ehelich ver, 
Hunden. Sie hingegen blieb dabei, sie sey wirklich diesel- 
be; sie beschrieb alleMöbeln, die in dem Zimmer gewesen, 
in welchem die Ceremonie vor sich gegangen; sie erinnerte 
an einige Bewegungen, welche st« sowohl al« die Umste 
henden wahrend der Trauung gemach», wie auch an einige 
Reden, w-lche dieser und jener hatte fallen lassen; sie er 
kannte jeden wieder, nannte jeden bei seinem Nahmen, und 
gab ihm den richtigen Titel. Da sie nun selbst so hart 
näckig darauf bestand, La F—'« Frau zu seyn, so nahm 
der Fiskal seine Klage zurück, und es blieb dem Gerichte 
nur noch übrig, über da» falsche Certifikal de« Aufgebot« 
zu sprechen. Daß r« falsch sey, war erwiesen. La F. 
konnte e« zwar nicht selbst gemacht haben, denn er konnte 
weder lesen noch schreiben; aber er Hane sich doch wis 
sentlich eine« falschen Instrument« bedient, 
und dafür wurde er auf einige Zeit zu den Galeeren ver 
dammt. — Es war «ine große Menge Neugieriger im Ge- 
richt«saale versammelt, die Alle die lebhaftesteTheilnahme 
äußerten. Beide Angeklagte sind noch so jung, Beide sehr 
schön, Beide gaben Proben von Geistesgegenwart und 
standhafter Liebe; Jedermann wünschte sie freigesprochen. 
Hier «in liebender Jüngling, der sinnreich und kühn durch 
«ine ganz neue List die Geliebte zu besitzen strebt; dort ein 
Mädchen, Anfang» kalt und unempfindlich, aber bald ge, 
rührt und unfähig den Beweisen einer so heftigen Leiden, 
schaft zu widerstehen. Sie ergiebl sich, sie theilt seine Liebe 
in einem so hohen Grade, daß sie sich acht Monate lang 
ohne Murren mit ihm einsperren läßt. Er wird zu den 
Galeeren verdammt, und sie ichwöri laut vor der ganzen 
Versammlung, sie werde ihm auch zu den Galeeren fol, 
gtnl _ g» scheint ausgemacht, daß La F— da« Projekt, 
Marlen zu hejrathen, entwarf, ohne daß sie selbst etwa« 
davon wußte. Einer seiner Freunde, ein junger hübscher 
Bauer, that ihm den Gefallen, sich in Weibe, kleider 
zu stecken, und sich mit ihm trauen zu lassen. E'st nachher 
gelang e« ihm, Marien jene heftige Liebe einzuflößen, 
welche selbst di« Kelten eine« Galeerensklaven zu theilen 
ter«it ist. _______ 
Erklärung. 
Ich wollte d«m Freimüthigen Anfang« nicht zumu, 
then, auf des Herrn Schwab Gegenäußerung '), 
die durch meine Bemerkungen Nr. 79. diese« Blatter vcr, 
anlaßt wurde, eine Replik von meiner Seite aufzunch- 
nren. Falsch nennt er, was ich ander» erklärt oderaw 
gcschen habe, al« er e« nun »Huk. Da er aber keinesw» 
ge« beweist, daß er da«, was ich nicht recht verstanden 
haben soll, recht ausgedrückt habe, so ist der Ausdruck: 
falsch — ein sehr falscher Ausdruck. Zu erwiedern hab« 
ich übrigen« darauf nicht«, al» daß ich auf meinem Sin 
ne bestehe, wie er auf dem srinigen, und die» würde ich 
nicht der Mühe werth achten, e» hier drucken zu lassen. 
Weshalb ich aber den Freimüthigen doch mir ein 
pgar Worten behelligen muß, di« er sich, der Natur der 
Sache nach, nicht weigern wird, aufzunehmen, da» ist 
eine hiermit an Herrn Schwab ergehende Bitte, di« 
Stelle meines kleinen Aufsatzes, die er zum Theil de« 
lächerlichen Ausdrucks wegen citirt, noch einmal 
anzusehen. Nach ihm nehmlich habe ich gesagt: daß 
er eine ernstliche Rüge von der Preußischen 
Monarchie verdiene. Wirklich aber und wörl, 
lich habe ich Folgende« gesagt: 
,,Wa« aber eigentlich ernsthafte Rüge vor") dem g«» 
bildeten Publikum Deutschlands, und insonderheit 
der Preußischen Monarchie»"), verdient, da« ist 
die Beflissenheit rc." 
Eine solche Citation ist in der That falsch, ja sie wä» 
re eine eigentliche Verfälschung, wenn sie nicht, wi« 
ich meine« Theil« festiglich glaube, eine bloße Ueberet, 
lung wäre. D» e« aber die zweite dieser Art ist, di« 
seit Kurzem dem Herrn Schwab bewiesen worden — 
(man sehe eine neuliche Nummer de« Jntelligenzblatt» 
der Jenaer Allg. Litt. Zeit.) — so wjrb er aller, 
ding« wohl thun, sich künftig vor diesem, an einem so 
ernsthaften Lil«era«u», wi« er ist, doppelt auffallende» 
Fehler in Acht zu nehmen. £. 
•) S. Ne. 102. S. 407. — ") Sage vor, nicht von. 
"•) dem Publikum der Preußisch,« Mona» 
chie, n>cht der Preußischen Monarchie. 
Beitrag zu den Nachrichten von der vorjährigen 
Kunstausstellung. 
Pyramu« und Thi«be, Komposition von zwölf Figuren, 
3 Fuß hoch, 4 Fuß 6 Zoll breit. 
( Hierzu gehört der beiliegende Kiiv-cistch.) 
Die Fabel setzen wir als bekannt voraus. Der Der, 
fasser diese» Bilde» ist der Hofrarh Puhlman», Inspektor 
sämmtlicher Königlicher Bildergall. rieen, ein Schüler de« 
berühmten Pompe» Bauoni. Der Umriß, deu wir h,eb«i
	        
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