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Volume No. 183, (Donnerstags, den 17ten November.)

Full text: Der Freimüthige oder Berlinische Zeitung für gebildete, unbefangene Leser (Public Domain) Issue1.1803 (Public Domain)

ttn. Dem Sieger ist ihre Hand bestimmt. Sie hat aber 
selbst insgeheim mit um den Preis gerungen; und stehe 
da, die Kampfrichter erklären das Gedicht ihres Gelieb 
ten sammt dem ihrigen für gleich preiswürdig. Ein ver, 
Häßler Nebenbuhler behauptet daher, es dürfe -dieses- 
mal der Preis gar nicht zuerkannt werden. Unter diesen 
Umständen opfert aber Elemente Zsaure sehr weislich ihre 
Ansprüche al« Dichterin den Wünschen ihres Herzen» 
auf. — Da» Stück hat mißfallen, und nur einige glück 
liche Couplets haben es vom AuSpfeifen gerettet. 
V. Theatre layJeau. I. Helena, Oper in drei Ak 
ten, von Douilly und Mchül. — Die Großen der Erde in 
Gefahr und Armuth von geringen Leuten gerettet sehn, 
erwecht immer ein lebhafte» Interesse; die menschliche Ei 
telkeit ist dabei geschmeichelt. Ein solches Gemählde war 
Bouilly in seinen äenx journüc, (Wasserträger) so gut 
gelungen, daß er e« mit Helena noch einmal versuchte, 
aber nicht mit demselben Glücke. Da» Stück ist zwar 
hin und wieder stark applaudirt worden, aber am Ende 
hätte man es doch fast ausgepstffen. Es spiete in sehr 
entfernten Zeiten. Ei» Graf Adolph von Arles ist er 
mordet worden. Der Verdacht fällt auf Constantin, seinen 
Sohn, der fliehen muß, man weiß nicht recht warum. 
Sein Oheim Romuald besteigt den Thron, indessen Con 
stantin in der Welt herumirrt. Einige Jahre nachher 
stirbt Romuald, und dessen Sohn Edmond folgt ihm, 
der sogleich Befehl giebt, Constantin überall aufzusuchen. 
Hier hebt das Stück an. Moritz, ein wackerer Landmann in 
der Gegend von Arles, hat eine hübsche Tochter, die er 
mit einem jungen Bauer verheirathen will. I» seine 
wirthliche Hütte »ahm er auch einen jungen Hirten auf, 
dessen Herkunft unbekannt ist, und ein Kind, welche» er 
im Walde fand. Es ist die Gräfin von Arles, Helena, 
und da» Kind ist Constantin» Sohn. Der Bräutigam ist 
so eifer,üchiig auf den kleinen Hirte», daß dieser dadurch 
genöthigt wird, stch Moritz zu entdecken. — Dann ko,n- 
men eine Menge Schnitter, deren einer stch von den 
übrigen trennt, um uns zu sagen, daß er Constantin sey. 
Moritz erräth sein Geheimniß gleichfalls bald, und bringt 
ihn mit Weib und Kind zusammen. Aber plötzlich er- 
scheinen Abgesandte von Edmond; Constantin entflieht, 
da» Kind erregt Argwohn, man bringt e«, trotz allem Wi 
derstreben, nach Hofe; die Mutter folgt ihm und ent 
deckt sich. Da« empörte Volk verlangt ihre Auslieferung, 
als der Mörderin Adolphs. Constantin erfährt die Ge 
fahr, in welcher Weib und Kind schweben, und stellt sich 
selbst vor Edmond» Augen, der, von Entsetzen ergriffen, 
freiwillig bekennt, daß Adolph von Romuald umgebracht 
worden. Hierauf überläßt er Constantin den Thron, der 
ihm gebührt. Das war nehmlich gleich Anfang« sein 
Wille, und nur um deswillen ließ er seinen Vetter 
aufsuchen. Der größte Fehler des Stücks ist daher, daß 
die Hauptpersonen nur in eingebildeter Gefahr 
schweben, die folglich nicht so sehr inlereffiren kann. Doch 
Bouilly'» Nahme bärgt schon dafür, daß auch sehr schöne 
Situationen darin vorkommen. Die Musik »st allerdings 
schön; doch weniger, als man sonst von Mehül gewohnt 
ist: sie hat ein wenig die Fehler de» Texte«. — 2) L« 
baiser et la quittance, Oper in drei Akten, ist applau 
dirt und ausgepfiffen worden, daher die Verfasser sich 
nicht genannt haben. Man glaubt, es haben ihrer sie 
ben, sowohl Dichter al» Komponisten, daran gearbeitet, 
und da mußte ja wohl das Sprichivort von den vielen 
Köchen eintreten. Einige junge Officiere in der Garni 
son erfahren, daß ihr Major, ein wackerer jovialischer 
Mann, eine sehr hübsche Nichte vor ihnen versteckt; sie 
zieh» ihn damit auf, und vergleichen ihn mit einem Ko- 
mödien-Volmund. Er läßt sich den Scher; gefallen, sagt 
aber, daß er ihnen nicht traue, und also seine VorsichtS- 
anstalten fortsetzen werde. Eduard, einer der Officiere, 
durch die« Mißtrauen gereitzt, vermißt sich, ihm zum 
Trotz nicht allein bis zu seiner Nichte zu dringen, son 
dern ihr auch einen Kuß zu geben, und noch obendrein 
eine Quittung über diesen Kuß von ihr zu erhalten. 
Der Major lacht; man wettet, und inan trennt sich, um 
Anstalten zum Angriff und zur Vertheidigung zu machen- 
Diese» dramatische Problem ist sehr artig erfunden, wenn 
es nur eben so glücklich gelöst wäre. — 2" Begleitung 
eine» verschmitzten Pfeifers vom Regimente präfenlirt sich 
Eduard, als Krämer verkleidet, vor Laurens Thür, wird 
aber zurückgewiesen, weil der Major befohlen hat, nie 
mand ohne eine von ihm unterzeichnete Erlaubniß einzu 
lassen. Der Pfeifer geht flugs hin, und läßt ihn einen 
Paß, um in die Festung zu koinmeu, unterschreiben, »md 
mit Hälfe desselben kommt Eduard nun wirklich zu Lau- 
ren, singt eine Romanze, in »velcher ein Kuß einem Un 
glücklichen da» Leben rettet, und nähert sich eben, um 
auch einen Kuß zu geben, al« der Major dazwischen 
tritt und ihn auslacht. Eduard stellt sich erboßt, sagt ei 
nige bittere Scherze, und der Major gehe in die Falke, 
nehmlich er fodert ihn heraus. Statt auf dem Kampf 
platz zu erscheinen, verkleidet sich Eduard abermals, und 
zwar als Oberster des Regiment«, und läßt durch vier 
Grenadiere den Pfeifer in Laurens Zimmer schleppen, 
weil er an dem ganzen Vorgang die meiste Schuld habe; 
ehe er aber bestraft wird, verlangt der verkappte Oberst
	        
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