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Volume Nr. 91, (Donnerstags, den 9ten Junius.)

Full text: Der Freimüthige oder Berlinische Zeitung für gebildete, unbefangene Leser (Public Domain) Issue1.1803 (Public Domain)

— Z6, 
fontaine, und nur Julian Nicmcewicz kann ihm hier 
gleich gesetzt werden. — Stanislaus Trembecki wurde 
in jedem Lande einen Platz unter de» ersten Dichtern 
einnehmen. Schade, daß er uns so selten mit seinen lie 
benswürdigen Produkten beschenkt. Er reiste mit dem 
letzten Könige nach Petersburg, und blieb dort einige Jah 
re, ist aber jetzt wieder in seinem Daterlande. — Adam 
Narusewicz starb vor Kurzem, kr war der bekannte 
Verfasser der Geschichte Miceslau« de« Ersten bis auf 
Uladislau« Jagcllo, schrieb auch die Geschichte der Krimm, 
übersetzte den Tacilus, die Satiren de« Horaz, lieferte 
Fragmente aus dem Anakreon, und mehrere poetische 
Werke, die-öämm-lich in den Buchladen vergriffen sind. 
— Äajetanu« Wengerski starb als Jüngling zu Marseille. 
Tr besaß viel Genie, spottete gern, besonder« über die 
Magnaten, zog sich Feinde zu, wurde in seinem Dater- 
laude verfolgt, ging nach Pari«, und durchreiste halb Eu, 
ropa. Gedruckt sind von ihm erschienen: Gedichte im 
Geschmack de« Boilcau, und ein Melodrama Pigma 
lt on. Seine handschriftlichen Gedichte werden begierig 
gesucht und gelesen. Er hinterließ auch eine Rcisebeschrci- 
bung durch Italien in Französischer Sprache, die sich in 
guten Händen befindet. — Der kürzlich verstorbene Aa- 
moysky hat die Polnischen Gesetzbücher geordnet. — Die 
beiden Dohomolcc, dem einen ist da« Polnische Theater 
seine Auferweckung schuldig; der andere kämpfte mit 
Glück gegen den Glauben an Gespenster in seinem Wer 
ke: der Teufel in wahrer Gestalt. Bride leben 
nicht mehr. — Loyko, ein geschätzter politischer Schrift, 
steiler. Lachowski, ein berühmter Prediger. Kuiasnin und 
Karpinsky, beide noch am Leben, sind sehr beliebte lyri, 
sche Dichter. Franz Zablocki hat mehrere Theaterstücke 
und andere witzige Produkte geliefert. Piramowicz schrieb 
über die alten Sitten der Polen und über die Polnische 
Aussprache. Offolinsky arbeitete an der Geschichte Si- 
gismunds de« Ersten, und, mit Linde vereint, an einem 
Polnischen Wörterbuche. Janocki'e Fleiß beschenkte un« 
mit einem bibliographischen Werke, und Wyrwicz mit ei 
ner Erdbeschreibung. Poczobut ist in ganz Europa al« 
Astronom berühmt. Sniadccki, ein braver Algebraist, ar 
beitet jetzt an einer astronomischen Geographie. Pil- 
choweky ist Uebersctzer des Sallust und de« Scneka. Dem 
arbeitsamen Przybylewski verdanken wir viele Uebcrseyun- 
gen au» mehrer:n Sprachen. Wieniewsky dolmetscht« 
den Polen Montesquieu'» Größe und Sturz der Römer. 
Rogulinsly sc rieb über Physik und Mechanik. Klug ist 
klassischer Schriftsteller in der Landwirthschaft und Natur, 
gcjchichie. Jundztivill gab eine Naturgeschichte von Lit- 
thauen. Kopczynsky vervollkommte die Polnische Gram 
matik, und ist trog Alter und Kränklichkeit noch immer 
arbeitsam. Nagurczewsky übersetzte den Dirgil, De 
mosthenes, Cicero und einen Theil de« Homer. Waga 
schrieb eine Geschichte von Pol«n für die Jugend, Skrz«, 
lu»ki die politischen Gesetze Polen«, seine» Vaterland««, 
und Jodldwski ein« Geschichte der Britten, nach Hume; 
Zaborowski lieferte' eine praktische Feldmeßkunft, und 
Osinski eine Physik, die schon mehrere Auflagen erlebt 
hat. Jakubvwski schrieb über Kriegsbaukunst, und noch 
rin anderer seine» Nahmen«, Brigadier in Französischen 
Diensten, liefert« eine gereimte Uebersetzung von Lafontai 
ne'« Fabeln. Stasic beschenkt« sein« Muttersprache mit Düf, 
fon« Naturgeschichte, Thomas Lobschrift auf Mark Aurel 
und dem Numa Pompiliue. Cr schrieb auch Beobachtun 
gen über Aamoyeki'e Leben, welche vor einigen Jahren 
große Sensation in Polen erregten. Ostrowski übersetzt« di« 
Englischen Kriminalzesetze von Dlakstone, und fügte ver 
gleichende Bemerkungen über die politischen Gesetze hin 
zu. Don Civilgeseyen schrieb er zwei Bände, die unlängst 
in Berlin Deutsch gedruckt wurden. Die von Skrzeluski 
angefangene Geschichte der Traktaten vollendete Siarczyn«- 
ki, lieferte eine Erdbeschreibung, und arbeitet jetzt an ei 
nem vollständigen geographischen Wörterbuche. Doktor 
Arnold hak sich kürzlich durch ein Werk über die Polni- 
nischen Münzen bekannt gemache. De« großen Gelehrten 
Bischofs Alberirandi habe ich bereit» rühmlichst erwähnt. 
Die Königl. Münzsammlung und Bibliothek sind sein 
Werk. Für die erstaunliche Sammlung seltner Manu 
skripte zur Polnischen Geschichte ist ihm sein Vaterland 
ewigen. Dank schuldig. Au« den Werken der Vatikanischen 
Bibliothek und noch sechzehn anderen Bibliotheken zu Rom, 
hat er Auszüge gemacht, und, wa« kaum glaublich schein«, 
mit eigner Hand io? Bände in Folio abgeschrieben, gluf 
den Bibliotheken zu Stockholm, Upsal und Skloters, dem 
Grafen Brahe gehörig, kopirte er die kostbarsten Manu 
skripte, welche einst Polen durch die Schweden entrissen 
worden, und rettete sie so für sein Vaterland. Trotz sei 
nem siebzigjährigen Alter ifl er noch immer gleich lebhaft 
und arbeitsam. — Julian Niemcewiez, ein witziger un» 
geschmackvoller Dichter, Kosciuszko'« Gefährte in der Gs- 
fangenschafl zu Petersburg, von wo er denselben freiwil 
lig nach Amerika begleitete. Seine Fabeln haben ihm 
den meisten Ruhm gebracht; er hat aber auch mit Glück 
für da« Theater geschrieben. — Franz Dnochowrki hat 
in gereimten Versen Homer'» Jliade trefflich übersetzt, 
und giebt ein Journal hcrau», durch welche« er den gu 
ten Geschmack zu verbreiten sucht. Auch Horazen« Briefe
	        
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