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Volume Nr. 77, (Montags, den 16ten Mai.)

Full text: Der Freimüthige oder Berlinische Zeitung für gebildete, unbefangene Leser (Public Domain) Issue1.1803 (Public Domain)

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wenn es nur deutlich Ist." ') Schade nur, daß auch Ver 
se mit herausgeflossen sind, wie z. B.: 
Kranken, Denisckie und Burgunde«, 
Die nun im dunkeln Ski'oin rnsthwundt», 
Tarsre Lanze» damals schwim-:n, 
-?eck> die Deutstlicn Lieder sunze», 
Die Dcrdeibmy weit »ceziigin, 
Hand io Hand nimBundc scl,lugen, u. >'. », 
Einein Sonett an Gide nie» iß eine Bemerkung 
beigefügt, in welcher der Verfasser erklärt, daß diese« 
Sonett, nebst denen, welche in Ve rin ehre.» e Alma 
nach, umcr der Aufschrift: Kränze, stehen, zu dem 
folgenden Theilen der Lucinde gehört. — Hilf 
Himmel, er spricht in» Plural!! — Herr. Fr. Schlegel 
erinnert dies für die Freunde seiner Gedichte, 
weile» zum Verständniß derselben nothwen 
dig ist. Wie nun diese Freunde die -gedachten Soi-etle 
besser verstehen werden, indem sie bloß erfahren, daß/die- 
selbcn zu de» folgenden Theilen der Lucinde gehören, die 
ihnen doch zur Zeit noch unbekannt bleiben: das versiehe 
ich nicht recht; allein ich habe die sichere Ueberzeugung 
daß die Sonette nach wie vor der Erscheinung dieser 
folgende» Theile, allen Freunden der Schlegclschcn Ge 
dichte gleich verständlich, und allen vernünftigen Menschen 
gleich sinnloser Klingklang seyn werden. 
Eine Uebersicht der Deutschen Litteratur, die von 
S. 4i. bis Co. fortlauft, ist keine der geringsten Zier 
den dieses Heftes. Mit väterlicher Nachsicht spricht dar 
in der Verfasser von Schillern, im Tone überlegener 
Anerkennung von Gökhc's Verdiensten, dessen Lauf 
bahn nur lEinleituiig zu der neuen Epoche 
heißt, mit Enthusiasmus von Tiek und feiner göktli- 
chen Genoveva, mit einer ruhig-ernsten Verehrung 
von sich und seinem Bruder— vom Athenäum, 
als der Eiultitungsschrift zu der neuen Epoche 
der Deutsche» Litteratur — von den Dorlesuugen, 
durch welche A. W. Schlegel zu Berlin, mit Fichte 
vereint, Wi ssenschaft und Kunstsinn verbreitet 
—. von eben dieses Schlegels und Tieks Almanach, 
dessen Aufnahme von Seiten des Publikums beweist, daß 
es diesem an den ersten Grundbegriffen über 
die Poesie fehlt — von der Tendenz des Ions 
,u einem durchaus antiken Trauerspiel — 
von dem für niemand undeutlichen Zweck des 
Llarkc«, ein Trauerspiel zu seyn, im antiken 
Sinne de« Work«, vorzüglich nach vemIdcalc 
de» Acschylu», aber im romantischen Stoff 
und Kostüme. Hier lernt man, daß, so wie Görhe 
die Poesie zurKunst gebildet hat, soTiek übcr- 
•) Worte der Vorrede de» Herausgebers. 
all strebt, sie zu ihrer ursprünglichen Quelle 
aller Fabel zurückzuführen — ferner, daß die 
dramatische Wirksamkeit der Genoveva, welche 
eben in jener Rücksicht eine göttliche Erschei 
nung ist, nur vor der umfassenden Größe, umd 
durch einzelne Anfälligkeiten, verschwindet. 
Außer Schillern und Görhe», ist in dieser Uebersicht 
kein Fremder, keiner, der nicht im strengsten Sinne zu 
Uns gehörte — wie die Herren Schlegel, nach dem 
ehemaligen Sprachgebrauch der Jesuiten, zu sagen pfle 
gen — mit einer Sylbe erwähnt. So wie Ludwig 
der Vierzehnte sagte: l'«i»r, c’est moi, so sind Wir 
di« Deutsche Litteratur. In diesem Aufsatz ist jede 
Zeile, jedes Wort, wahrhaft köstliche es ist durchaus der 
unnachahmliche Ton, die ganze Stimmung jenes weifen 
Manne«, der seines Nachbar» Wahn, Gvikes Sohn zu 
seyn, mir so seliger Ruhe betrauerte, weil er selbst ja 
Gott Vaier wäre. 
Man sollte denken, es wäre dem unglücklichen Jüng 
ling mit dem Apollo gegangen, ivie bei dem Euripi- 
dcs jenem Penlheus, der doch fonst auch viel Gurc» 
hakte, mit dem Bacchus, und es führte der rachsüchti 
ge Gott den von ihm Belhörten mit grausamer Persiflage 
dem Verderbe» zu: 
Friedrich Schlegel. 
Trüg' ich Parnass»'S Höhe«, und der Ni»so» 
Stüiminre SLaar, aus man:» Schultern wohl hinweg? 
Apollo. 
Du könntest, wenn du woutcst. VormalS war dein Geist 
Verdiciidei, doch nun bist ku ein gar wristr Man»'). 
0. r»th«?t elend: ueber,'exu»g des erbärmlichen Euri» i- 
. de§. Th. Z, S. 22SS. 
Ancrdorc. 
Der Bediente hatte Recht. 
Ein Bedienter zerbrach bei der Tafel seine« Herrn 
eine Oshlkarafine. Der Herr befahl ihm, sogleich eine 
andere zu kaufen, die der »och unversehrten Eisigkarasine 
vollkommen gleich sey. Johann ging und brachte eine, 
aber von ganz verschiedener Gestalt. Natürlich wurde 
er mit einem Donuerweiter empsaugen. Er blieb ganz 
kalt, und während sein.Herr schimpsre und schalt, hielt 
er die beiden Karafinen gegen einander, maaß sie, be 
trachtete, verglich. »»Nun, ries der Herr, siehst du setzt 
selber, daß du ein'Dummkopf bist?" — „O ja, erwi 
derte Johann, allein gnädiger Herr, cs ist doch nur Eine 
von den beiden Karasinen, die der andern nicht ähnlich 
steht."
	        
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