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Volume Nr. 51, (Donnerstags, den 31sten März.)

Full text: Der Freimüthige oder Berlinische Zeitung für gebildete, unbefangene Leser (Public Domain) Issue1.1803 (Public Domain)

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compotitions de l'art, ptibliees par les dames don! il 
parle. 
Finalement; j’invite Mr. de T. k comparer le ton et 
lo sfvle de aa lettre, avec le ton et le style des ecri- 
vaius franjois oui ent •precede la revolution, 
(Eingesandte Nachschrift.) 
Les principes politiques de Mr. le Comte de T, 
1’ont peut-etre conduit au delä du but qu’il s’etoit 
propose, mais son caractere connu le met fort au des- 
sus du soupfon d’avoir refiechi au sexe de deux fem- 
roes, en les attaquant. 
Nous penaons aussi que quelqu’un qui est loin d’e- 
tre obscur dans le monde litteraire, et qui toute sa 
vie a ecrit lui-meme, a le droit d’avbir une opiriion 
sur uu roman, autant au moins que ses adversaires. 
Wilhelmine von Rosen, 
von dem Verfasser der Urne im ei» samenThal, 
ist ein kleiner Roman, von dem man besonders das erste 
Bändchen größten Theils mit Vergnügen liest. Die Ur- 
ne im einsamen Thale kenne ich nicht, wohl aber ei 
nen Todtengraber von demselben Verfasser, in wel 
chem sich viel auf jene Urne bezogen wird, und der mich 
so wenig lüstern nach derselben gemacht hat, daß ich auch 
diese Wilhelm ine mit sehr geringem Zutrauen in die 
Hand nahm. Schwer zu begreifen ist cs wirklich, wie 
ein Mann, dem auch die Französische Litteratur geläufig 
ist, in der Deutschen einen Weg einschlagen konnte, auf 
welchem er Ronmnenschrciber, wie Cramer, Vul, 
pius, und dergleichen, zu Vorgängern hatte. Eben so 
wenig kann man sich denken, wie die Satanitätcn, Ge 
nialitäten und Sentimentalitäten, mit denen jene guten 
Leute die Fürstenhäuser und Höfe von ihrer Mache aus- 
zustaffiren pflegen, einen Schriftsteller, der wirkliche Für 
stenhäuser und Höfe kennen zu müssen scheint, zur Nach 
ahmung reihen mochten. Die lebhafte, trcsfendc Darstel 
lung und Entwickelung des Zwistes der beiden Liebenden, 
ivelche die Hauptpersonen in diesem neuen Roman des 
Herrn von Bilderbeck sind, beweist hinlänglich, daß 
er ohne solche fremdartige Ingredienzien wohl fertig 
werden, und für ein besseres Publikum schreiben könnte, 
als dasjenige ist, dem damit gedient seyn mag. Aben 
teuerlichkeiten ohne Charakter, ohne Wahrheit und ohne 
Phantasie ersinnen; die Handlung willkührlich bald vor-, 
bald rückwärts stellen; bald dialogisch, bald erzählend 
von Ort zu Ort, von Perion zu Person, von Situation 
z i Situation springen: diese gcschmackverderbenden Ma 
nieren vieler unsrer heutigen Romane verschaffen freilich 
einen wohlfeilen Ruhm, den aber ein Mann von Geist 
und Talent verschmähen müßte. 
Noch wäre zu wünschen, daß Herr v. B. auf seinen 
oft sehr nachlässigen oder inkorrekten Styl mehr Fleiß 
verwendete. Dann läse man nicht mehr: „Wenn Sir 
mir's lernen wollten!" Oder: „Rettet mich! rief 
jetzt eine weibliche Stimme von oben herab, und 
ließ sich herunter in meine Arme fallen, und brach ohne 
Zeichen des Lebens zusammen." _ (> _, 
Anekdoten. 
Ein Superintendent, der zugleich Oberinspektor über 
einen Freitisch war, ärgerte sich oft über einen Candida- 
ten, der sich angewöhnt hatte, bei jeder Gelegenheit Distink 
tionen zu machen, und sie allemal mit dem Worte 
distinguo anzuheben. „Ei, zum Henker mit Ihrem di- 
«tinguo!" fuhr der Superintendent einmal heraus; und, 
um den Candidaten in Verlegenheit zu bringen, setzte er 
hinzu: „sagen Sie mir doch, kann man auch mit Suppe 
taufen?" — DistinguoI erwiederte der Candidat.; mit 
Ihrer Suppe? nein. Aber mit der vom Freitisch? o ja! 
Neulich fing man in Irland einen famösen Spitz 
buben. Der Hauptmann der ganzen Bande saß bereits 
im Gefängniß. Der Richter confrontirte Beide, und 
fragte den letztern: gehört dieser zu deiner Bande? — 
Ja, antwortete der Hauptmann gelassen; aber ich glau 
be, er war nur Ehrenmitglied. 
Eine alte löbliche Gewohnheit. 
Zu Dumnow, in der Grafschaft Essex, besteht eine 
Gewohnheit, die sich auf ein Dokument folgendes Inhalts 
gründet: „Zwei Eheleute, dis nach Jahr und Tag, weder 
bei Tage noch bei der Nacht ihre Verbindung bereuet, 
noch irgend einen Zank mit einander gehabt, noch eine 
Untreue begangen haben, sollen sich melden bei dem Prior 
des Klosters (jetzt dem Amtmann) zu Dumnow, und die 
Wahrheit ihrer Behauptung eidlich, auf spitzen Kieselstei 
nen knieend, erhärten. Dann soll ihnen ein Viertel von 
einem gesalzenen Schweine gereicht, und dasselbe im 
Triumph unter dem Jauchzen des Volkes vor ihnen her 
durch die Straßen getragen werden." — Seit 1510 war 
leider kein Fall dieser Art vorgekommen!; aber im April 
des Jahres 1777 fand sich wirklich ein so seltenes Paar, 
welches die Ehre des gesalzenen Schweinviertels verdien 
te und wirklich erhielt. Seitdem hat man nichts weiter 
davon gehört, und cs steht zu vermuthen, daß, bis ein 
neues Beispiel sich ereignet, wiederum 267 Jahre ver 
streichen werde».
	        
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