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Volume Nr. 24, (Freitags, den 11ten Februar.)

Full text: Der Freimüthige oder Berlinische Zeitung für gebildete, unbefangene Leser (Public Domain) Issue1.1803 (Public Domain)

Berlinische Zeitung für gebildete, unbefangene Leser. 
Ein patriotischer Frankfurter an den Freimüthigen. 
Ew. Edeln, lieber Herr Freimüthiger! Ich thue Ihnen 
hiermit zu wissen, daß es uns alle recht verdrossen hat, 
was Sie in Ihrem Blatte von Frankfurt schreiben; und 
es giebt recht gcscheidte und vornehnicLcutc in Frankfurt, 
welche Ihr Blatt hingeworfen, und auf den Tisch geschla, 
gen haben, und gesagt: das ist doch infam! — Ich 
kann Ihnen auch auf mein ehrliches Gesicht versichern, 
daß cs nicht wahr ist, daß sie auf dem Casino einen Fri 
seur haben; nein, die Herren und Danien frisiren sich zu 
Hause, und kämmen sich aus. And das Casino ist eine recht 
hübsche Anstalt; es ist alles hübsch erleuchtet, und man 
bekommt da gut zu essen und zu trinken, und recht guten 
Thee, - 6 Kreuzer die Taffe. Und cs kommen recht ho 
nette Frauenzimmer hin, für die das Casino einem wah 
ren Bedürfnisse abgeholfen hat; denn manche hatte viel 
leicht die Woche ein- oder auch zweimal allein zu Hause 
bleiben müssen, und sic Hütte sich ennuyirt, wenn nicht das 
Casino wäre. Daher sind auch sogleich, des guten Bei 
spiels wegen, recht viele angesehene Weiber hingegangen, 
um die andern aufzumuntern und das Vorurthcil zu be 
siegen; denn kleindcnkcnde Weiber hatten Anfangs gemeint r 
das wäre ja gerade, als wenn man zu Weine ginge, und 
sie mochten nicht in die Auberge gehen; auch wahrte ihnen 
die Zeit nicht lang, wen» sie einmal zu Hause blieben. 
— Sehen Sic, wein Herr Freimüthiger, erst hatten Sie 
Sich besser unterrichten sollen, dann würden Sie keinen 
Verdruß gestiftet haben, und man hatte Ihr Blatt gewiß 
auch auf dem Casino gehalten, wo man dergleichen Blätter 
liest, wenigstens zum Lesen hinlegt. — Auch müssen Sie 
wissen, daß man sich in Frankfurt weder viel um Gall, 
noch um die Köpfe bekümmert; man hat reellere Sachen 
zu thun. Selbst Herr Schäfer, ein berühmter uich sehr 
verehrter Friseur, richtet sich nicht einmal nach den Köp 
fen seiner Kunden, sondern alle müssen sich nach ihm rich 
ten, und werden von ihm auf seine Art zurecht gemacht. 
— Der Wahrheit zur Steuer muß Endcsuntcrschriebcoer 
aber doch noch bemerken, daß wirklich ehrenbcmeldctcrHerr 
Schäfer bei dem Montagsball, welchen die Dirccteurs de» 
Casino in dem rothen Hause, wo auch das Casino ist, 
veranstaltet haben, welcher aber außer allem Jusammen- 
hange mit dem Casino steht, als Friseur angestellt ist; da 
ist er in einem Nebenzimmer, und arrangirt die Damen, 
welche Lust haben, in der Geschwindigkeit. — Das muß 
jederUuparthciische loben, und mikDank gegen die Herren 
Dirccteurs erkennen; denn bekanntlich wird auf einem 
Balle leicht etwas an einer Dame derangirt, und das ist 
gewiß kein gemeiner Künstler, der alles gleich mit Puder, 
Pomade, lluils -nliguo, Brenneisen, Kamm und derglei 
chen wieder gut machen kann. 
Die Madame Mara ist eine Person, welche in 
Frankfurt gefallen hat, und der man allerdings Gerechtig 
keit hat widerfahren lassen; woraus Sie sehen können, 
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