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Band Nr. 21, 18.02.1882

Volltext: Der Bär (Public Domain) Ausgabe 8.1882 (Public Domain)

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und prophezeite dem Kurfürsten ein langes Leben über 60 Jahre 
aber viele und lange Krankheiten, und noch etwas, was Schwar 
zenberg dem Kurfürsten nur mündlich entdecken wollte. Man sieht, 
daß Wallenstein das Schicksal Anderer eben so falsch in den Sternen 
las, als sein eigenes, denn der Kurfürst ist lange nicht 60 Jahr alt 
geworden. Merkwürdig ist es auch, daß Wallenstein dem 
Schwarzenberg vertraulich eröffnete, der pommersche Adel habe 
an den Kaiser geschrieben, er wolle keinen calvinischen Herrn haben, 
sondern dem Kaiser unmittelbar, wie die freie Reichsritterschast, 
unterworfen sein. Als der Kurfürst, dem wegen des bevorstehenden 
Anfalls von Pommern solche Schritte nicht gleichgültig sein konnten, 
sich hiernach unter der Hand erkundigte, läugnete man es ab, und 
«s ist nicht unwahrscheinlich, daß Wallenstein, der überall Argwohn 
und Mißtrauen säete, es nur vorgespiegelt habe. 
An der hierauf gehaltenen Mittagstafel, an der wieder die 
beiden Herzoge Theil nahmen, war der General sehr lustig, und 
als Schwarzenberg sich nach Tische empfehlen wollte, ließ er es 
nicht zu, „er habe noch mit ihm zu sprechen," befahl etliche Kutschen 
anzuspannen, setzte sich mit dem Grafen und dem Obristen Dohna 
in die eine und fuhr vier Stunden lang vor der Stadt Frankfurt 
in steter lebhafter Unterhaltung spazieren, zuletzt setzte er Schwar 
zenberg vor seinem Hause ab und wollte ihn auch hinausbegleiten, 
was dieser aber durchaus nicht zugab. Als der Graf am folgen 
den Tage wieder in Wallensteins Tafelzimmer erschien, fand 
er da den Gesandten von Stralsund, dem der General anmuthete, 
kaiserliche Besatzung einzunehmen. „Die Stadt," sagte er ihm, 
„ist zu muthwillig und hat sich ihrem Herrn allezeit ungehorsam 
erwiesen; ich will sie aber itzo aus der bösen Gewohnheit bringen." 
Als der unerschrockene Pommer etwas von dem Beistände Schwedens 
fallen ließ, versetzte Wallenstein: „Ich bin kein Polack, ich fürchte 
mich vor dem Schweden nicht." Nach Tische verlangte er von den ; 
pommerschen Gesandten, sie sollten ihm Schiffe aus Stettin schaffen, 
dainit er sein Geschütz vor Stralsund bringen lassen könne, als sie 
es abschlugen, wurde er sehr übel gelaunt, trat zu Schwarzenberg, 
der gerade mit dem Herzoge von Sachsen sprach, heran und sagte: 
„Die pommerschen Gesandten haben ihre Proposition so lang und 
verdrießlich gemacht, daß ich schieferig geworden bin; ich habe mir 
zwar fest vorgenommen, nicht mehr schieferig zu werden, wünschte 
aber, der Herzog von Pommern hätte andere Leute, die er zu mir 
schickte." —Nach dieser Audienz ritt Wallenstein spazieren, und 
am andern Tage entließ er den Grafen, an dessen klaren, prak 
tischen Verstände er offenbar großes Wohlgefallen gefunden hatte, 
auf das Freundlichste. Auch Schwarzenberg war von dieser 
Zusammenkunft, die er selbst dem Kurfürsten eigenhändig und aus 
führlich beschrieb, sehr erbaut und hoffte davon das Beste für seinen 
Herrn und dessen Lande. „Die Sachen," so schreibt Schwarzenberg, 
„haben durch böser Leute ungerechtes Eingeben wunderlich für 
den Kurfürsten gestanden, itzo ist Alles in guten Terminis, ein 
heiliger Engel hat mich zur rechten Thür hineingeführt, der General 
hat recht aufrichtig und vertraulich mit mir geredet, mich wohl 
gehalten und geehrt, und mir alles das gesagt und an die Hand 
gegeben, was mir zur Reise nach Wien zu wissen nöthig gewesen ist." — 
Es ist schon bemerkt, daß an diesem Benehmen Wallensteins 
die Politik den meisten Antheil hatte, er bestrebte sich damals, auf 
alle Weise den Kurfürsten zu gewinnen, um in seinen Plänen, Herzog 
von Mecklenburg zu werden, einen Stützpunkt gegen die ihm feindlich 
gesinnten Reichsstände zu gewinnen. Schwarzenberg unterließ 
dagegen auf den Rath des Kurfürsten nicht, dem Kammerdiener des 
Generals ein Geschenk zu machen; „ich habe mich auch," so schreibt 
er dem Kurfürsten, „in Frankfurt einem Priester gezeigt, der kann 
Zeichen thun." Sollte hierunter der bekannte Seni — eigentlich 
Zenno — gemeint sein, von dem man wünschte, daß er dem Gene 
ral das Beste für den Kurfürsten aus den Sternen herauslesen möge? — 
Wallensteins Gefolge in Frankfurt an der Oder machte übrigens | 
ganz unverschämte Forderungen, der Stallmeister z, B. verlangte 
von der Stadt an 1000 Thaler; als aber Schwarzenberg er 
klärte, er wolle die Liquidation dem General zeigen, entstand die 
größte Furcht, der Stallmeister kam blaß wie ein Tuch gelaufen 
und bat um Gottes Willen, es nicht dem General vorzubringen, 
er komme sonst um sein Leben. — 
Schwarzenberg bat nun in Frankfurt den General, dem 
kurfürstlichen Hofe einen Besuch abzustatten, die Einladung wurde 
angenommen. Wallenstein schickte alle Bagagewagen auf An 
germünde voraus und brach selbst mit seinem ganzen Gefolge 
nach Berlin auf. 
ZSallenkein in Merlin. 
Die noch vorhandene Fourierliste zeigt, wie ansehnlich die 
Begleitung war; es waren fünfzehnhundert Personen, darunter 
allein dreißig Fürsten, Grafen und Freiherren, und über tausend 
Pferde, mit denen er seinen Einzug in Berlin hielt. Er selbst 
brachte 390 Pferde mit sich, die Herzöge von Sachsen und 
Anhalt, der Duca Savioli, Graf Terzky, die Obristen Dohna, 
Merode und Bucquoi, jeder an 50 Pferde, dazukam eine große 
Menge untergeordneter Offiziere, Obristlieutenans, Rittmeister und 
Capitains aus allen Nationen, doch überwiegend Böhmen und 
Italiener, dann der Stab, die Kriegskanzlei, das Feldpostamt, ein 
Ingenieur, ein Capellan, einige Jesuiten, ein Doktor, 16 Edelknaben, 
6 Kammerdiener, 12 Lakaien, 24 Trabanten, 2 Portiers, Wagen 
meister, Zahlmeister, ein Einkäufer, Leib-, Tafel und Silbcrwäscherin- 
nen, französische und böhmische Mundköche, ja sogar ein Wachslichtzieher 
und ein Ziergärtner fehlten nicht. 
Am 22. Juni 1628 langte W allenstein in Berlin an. Der 
Kurfürst selbst war während dieser ganzen Zeit in Preußen abwe 
send. Wallenstein wurde also von der Kurfürstin, den Prinzessin 
nen, von Markgraf Sigismund von Brandenburg und von dem 
Grafen Schwarzenberg empfangen und auf das Schloß geführt, 
wo ihm zu Ehren ein großes Diner stattfand. Die Prinzessinnen 
und die Damen des Hofes hatten sich den Mann, vor dem ganz 
Deutschland zitterte, als einen finstern Tyrannen und Unhold vor 
gestellt und sahen seiner Ankunft bangend entgegen. Allein Wal 
lenstein hatte in Italien feine Bildung und höfische Manier er 
lernt; wenn er wollte, vermochte er wohl, für sich einzunehmen, 
ja er war kein Feind munterer Scherzreden und hierin dem bigotten 
Tilly sehr unähnlich, der, vor der Breitenfelder Schlacht, von sich 
sagte, er habe nie gelacht, nie geliebt, aber auch nie eine Schlacht 
verloren. Der Erfolg war, daß die Damen von der Liebenswür 
digkeit des Benehmens, von der klugen und angenehmen Unterhaltung 
Wallensteins ganz hingerissen waren. Hören wir, was die Prin 
zessin Anna Sophia von Brandenburg, vermählte Herzogin von 
Braunschweig, eine junge Dame von Geist und Humor, über den 
General an ihren Bruder den Kurfürsten nach Preußen schreibt: 
„Ew. Liebden daneben zu sagen, daß wir die Ehre gehabt, 
den Herzog zu Friedland allhier zu sehen, es ist gewiß ein feiner 
Herr und nicht also, wie ihn etliche Leute gemacht haben, er ist gewiß 
sehr courtois (courtoisch) und hat uns allen große Ehre erwiesen, 
ist gar lustig hier gewesen, ich habe so oft gewünscht, daß Ew. 
Liebden hätten mögen hier sein, denn ich weiß, er Ew. Liebden 
Wohl hätte gefallen sollen; der Herr Meister (Schwarzenberg) 
wird Ew. Liebden fernere Relation thun, was er sich gegen das 
Land erboten hat, allzeit wird er mit seinem Willen Ew. Liebden 
nichts entgegen thun; er ist noch bei mir gewesen, wie er den Mor 
gen ist weggezogen, allzeit habe ich Ursache, ihn vor meinen besten 
Freund zu halten, denn er hat es mir erwiesen und sich erboten, 
noch ferner zu thun und mehr als schvp geschehen; er ist von hier 
nach Stralsund gezogen, der Allmächtige behüte ihn vor allem 
Unglück, ich fürchte, es dürfte vor der Stadt nach manch recht-
	        
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