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Full text: Berliner Behinderten-Zeitung (Rights reserved) Issue2021,[6] Juni (Rights reserved)

Juni 2021 - 31. Jahrgang 2021 Kunst Im Portrait: Die Neue Art Cru-Ausstellung. Seite 4 Sport Zwei Brüder wollen olympische Erfahrungen sammeln. Seite 13 Seite 9 Herausgeber: Berliner Behindertenverband e. V. „Für Selbstbestimmung und Würde“ Jahres-Abonnement: 15 Euro Erscheint in Berlin und ausgewählten Orten in Deutschland Nachrichten kompakt © A788OS | shutterstock.com Das meinen wir! Barrieren bleiben (kobinet) „Mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz verpasst die Bundesregierung einmal mehr den großen Wurf. Anstatt Inklusion und Teilhabe endlich wirksam zu stärken, legen Union und SPD erneut eine mutlose Minimallösung vor, die nicht mehr als die Umsetzung einer EU-Richtlinie ist. Gestern war daher kein guter Tag für Menschen mit Behinderungen in Deutschland.“ Das erklärte der teilhabepolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Jens Beeck bezogen auf die Verabschiedung des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes. Wir helfen uns I Von Dominik Peter mmer mehr Menschen sind gegen Corona geimpft, doch die Pandemie ist damit noch nicht besiegt. Bis in den Spätsommer wird es dauern, bis wirklich alle, die es möchten, geimpft sind. Daher ist gegenseitige Hilfe immer noch wichtig. Viele Organisationen des Paritätischen Wohlfahrtsverband Landesverband Berlin bieten vielfältige Hilfestellungen an. Vieles wird durch Ehrenamtliche gestemmt. „In Nachbarschaften gemeinsam die Coronakrise bewältigen, zusammenhalten und füreinander da sein, klingt grundsätzlich prima. Genau daran arbeiten mit viel Engagement Stadtteilzentren, Nachbarschaftseinrichtungen, Selbsthilfekontaktstellen und Freiwilligenagenturen in den Berliner Bezirken. Inzwischen wurden insgesamt 12 bezirkliche Koordinierungsstellen für freiwilliges Engagement und Beratung eingerichtet. Diese vermitteln unter anderem Freiwillige und Hilfesuchende. Sie beraten auch zu weiteren Fragen rund um Corona - per E-Mail, Internetseite oder per eingerichteter Hotline unter: 030 / 577 00 22 00.“, so die Parität. Auf der Internetseite des Paritätischen kann auch recherchiert werden, welche Vereine besondere Hilfedienstleistungen anbieten. Dort findet sich etwa das Angebot des Arbeiter-Samariter Bundes, der Menschen mit Helfern verbindet. Die Helfer unterstützen beispielsweise beim Einkäufen, gehen mit dem Hund spazieren oder absolvieren Apothekengänge. Eines wurde mir beim Lesen der Angebote klar: Berlin kann auf seine ehrenamtlich helfenden Mitbürger und Mitbürgerinnen stolz sein. Urteil: Heimwechsel Menschen mit Behinderungen können nicht gezwungen werden, in ein anderes Pflegeheim zu wechseln. Das hat das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen entschieden. Zur Begründung führte es an, die freie Entscheidung von Menschen mit Behinderung müsse respektiert werden. E-Scooter Fond Verleiher von Elektro-Stehrollern müssen in Bremen einen Fonds einrichten, um mobilitätseingeschränkte Personen zu unterstützen, die wegen verkehrswidrig abgestellter Roller verunglückt sind. Priorisierung Impftermine für Menschen mit Behinderungen sicherstellen B BZ/PM Jürgen Dusel, Behindertenbeauftragter der Bundesregierung, ist besorgt über die geplante bundesweite Aufhebung der Impfpriorisierung ab dem 7. Juni 2021. „Solange nicht alle vulnerablen Gruppen ein Impfangebot haben, ist die vollständige Aufhebung der Priorisierung Wortbruch gegenüber den Menschen, die sich bisher zurückgehalten und gewartet haben, bis sie dran sind“, so Jürgen Dusel. In vielen Bundesländern ist bislang nicht allen Menschen in der Priorisierungsgruppe 3 ein Impfangebot gemacht worden, in einigen Ländern sind nicht einmal alle Personen aus der Priorisierungsgruppe 2 geimpft. Die Priorisierung sollte daher zumindest in den Impfzentren nicht aufgehoben werden. Insbesondere die vulnerablen Gruppen, und dazu gehören auch die Familienangehörigen von Kindern mit Behinderungen, sollten eine Anlaufstelle haben und sich nicht zusätzlich zu ihren Alltagssorgen noch dem Wettlauf um die Impfdosen in den Arztpraxen aussetzen müssen. „Ein Appell an die Länder reicht hier nicht aus“, so Jürgen Dusel. „Der Bund ist hier in der Pflicht, für diese Menschen zu sorgen, so wie er mit der „Bundesnotbremse“ dafür gesorgt hat, dass die exponentielle Zunahme gestoppt wird.“ Er fordert daher das Bundesmi- nisterium für Gesundheit auf, die Impfverordnung entsprechend anzupassen und die Priorisierung nur in den Arztpraxen und bei den Betriebsärzten und Betriebsärztinnen aufzuheben. Die Arztpraxen in Berlin dürfen bereits seit dem 17. Mai 2021 von der durch die Coronavirus-Impfverordnung des Bundes festgelegten Impfreihenfolge abweichen, wenn sie die ihnen zu Verfügung stehenden Impfdosen nicht durch priorisierte Personen verbrauchen können. Das gilt auch für Impfungen durch Betriebsärztinnen und -ärzte, die im Rahmen des Berliner Pilotprojekts bereits gestartet sind. Gegen die Aufhebung der Impfpriorisierung sprach sich auch die Kassenärztli- anzeige chen Vereinigung Berlin aus. Ihre Haltung begründete die Kassenärztlichen Vereinigung damit, dass noch lange nicht alle Personen der Priorisierungsgruppe 3 geimpft sind, dazu zählen auch Menschen mit chronischen Erkrankungen. Die angekündigte Aufhebung der Impfpriorisierung bedeutet jedoch nicht, dass man innerhalb weniger Tage auch tatsächlich einen Impftermin erhalte. Vielmehr werde sich die Impfkampagne bis zum Spätsommer hinziehen, so der Gesundheitsminister Jens Spahn. Allerdings werden jene Menschen aus den Priorisierungsgruppen sich nunmehr mit allen anderen Menschen um die Impftermine schlagen müssen. TAXI- UND MIETWAGENBETRIEB SCHÜTZ Wir befördern Rollstuhlfahrer, Kleingruppen und SIE! Rufen Sie uns gerne an: 030 / 48 48 000 E-Mail: dispo@komm-fort.de Aroser Allee 64 – 13407 Berlin anzeige Mittendrin – im Mittelpunkt der Mensch Seit über 60 Jahren engagieren wir uns für Menschen mit Behinderungen. Als Genossenschaft sind wir Trägerin von Einrichtungen und Diensten, die eine umfassende Betreuung und vielseitige Förderung anbieten: Besondere Wohnformen und Wohngemeinschaften Betreutes Einzelwohnen Intensivfördergruppe für Kinder mit hohem Hilfebedarf • Tagesförderstätten • • Integrations-Kindertagesstätten Kinder- und Jugendambulanzen / Sozialpädiatrische Zentren MZEB Berlin-Süd Beratungsstelle für Unterstützte Kommunikation Bürgertreff „Gemeinsam im Kiez leben“ • Neue Kollegen (m/w/d) gesucht! • • • • • • Weitere Auskünfte geben wir Ihnen gern in einem persönlichen Gespräch. Cooperative Mensch Mittendrin Cooperative Mensch eG Kurfürstenstraße 75, 10787 Berlin Telefon (030) 225 00 - 0 post@co-mensch.de www.cooperative-mensch.de gegründet als Spastikerhilfe Berlin eG Spendenkonto: IBAN DE38 1002 0500 0003 3414 14 BIC BFSWDE33BER © Berliner Behindertenverband e. V. Berliner Behindertenparlament www.berliner-behindertenzeitung.de Politik Das was das 1. Berliner Behindertenparlament. Zeitgeschehen 2 Juni 2021 BBZ Nach Vorfall im Oberlinhaus BZ/OM Menschen mit Behinderungen, die in Einrichtungen leben, sind noch immer nicht ausreichend vor Gewalt geschützt. Das zeigt der dramatische Vorfall im Potsdamer Oberlinhaus, in dem eine Pflegerin vier Menschen tötete und eine Bewohnerin schwer verletzte. Auch die Geschehnisse im Wittekindshof in Bad Oeynhausen sind noch lange nicht aufgearbeitet. Es laufen Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft wegen Freiheitsentzug und Körperverletzungen gegen 145 Ärzt_innen, Betreuer_innen und Pflegekräfte. Viel zu oft sind Einrichtungen geschlossene Systeme, in denen Menschen versorgt und betreut werden, ohne am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Diese Menschen haben jedoch das Recht, selbstbestimmt leben zu können und sicher vor ungleichen Machtverhältnissen zu sein. Die Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention des Deutschen Instituts für Menschenrechte weist seit Jahren auf die Notwendigkeit eines besseren Gewaltschutzes für Menschen mit Behin- derungen hin. „Der Staat ist verpflichtet, Menschen mit Behinderungen vor Gewalt zu schützen. Das besagt nicht nur das Grundgesetz, sondern auch Artikel 16 der UN-Behindertenrechtskonvention und Artikel 4 der Istanbul-Konvention zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt,“ so Britta Schlegel, Leiterin der Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention. Der UN-Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen habe bei der letzten Staatenprüfung im Jahr 2015 angemahnt, Deutschland solle eine wirksame Gesamtstrategie zum Schutz vor Gewalt entwickeln, einschließlich einer menschenrechtsbasierten unabhängigen Überwachung und niedrigschwelligen Beschwerdeverfahren in Einrichtungen, so Schlegel weiter. Bislang ist in dieser Hinsicht nicht genug passiert. Monitoring-Stelle begrüßt Berliner Wohnteilhabegesetz Ein Vorbild für andere Bundesländer bildet dieser Tage das Land Berlin. Nicht der einzige, doch ein wichtiger Baustein einer Gesamtstra- tegie zum Gewaltschutz von Menschen mit Behinderungen ist der Ausbau gesetzlicher Schutzvorschriften. Die Monitoring-Stelle begrüßt deshalb die Reform des Wohnteilhabegesetzes Berlin („Gesetz über Selbstbestimmung und Teilhabe in betreuten gemeinschaftlichen Wohnformen“). © Gerd Miedthank B Große Anteilnahme am Oberlinhaus. Auch Gerd Miedthank (BBV) legte Blumen nieder. In der neuen Fassung beinhaltet das Berliner Wohnteilhabegesetz maßgebliche Verbesserungen im Bereich des Schutzes vor Gewalt und Diskriminierung: Der Schutz vor Gewalt wird als Gesetzesziel aufgenommen und Bewohner_innen haben ein Recht auf barrierefreie Information und Kommunikation. Sie werden zukünftig auf unabhängige externe Beratungsstellen und Beschwerdemöglichkeiten hingewiesen und ihre Beteiligungsrechte werden gestärkt. Die Träger von Einrichtungen der Behindertenhilfe müssen in der Konzeption der Leistungserbringung in Zukunft Aussagen zum Schutz vor Missbrauch und Gewalt, zur Vermeidung freiheitsentziehender Maßnahmen und zur Förderung der Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft vorlegen sowie die Umsetzung der dazu getroffenen Maßnahmen dokumentieren. Jeder strafrechtlich relevante Missbrauchsvorfall, jedes Gewaltvorkommnis und Fälle von Diskriminierung gegenüber Bewohner_innen sind der Heimaufsichtsbehörde anzuzeigen. Die Aufsichtsbehörde muss künftig bei jeder Regelprüfung in Wohneinrichtungen untersuchen, ob die Anforderungen zum Gewaltschutz, zur Vermeidung freiheitsentziehender Maßnahmen und zum Diskriminierungsschutz auch tatsächlich erfüllt werden. Das am 12. Mai 2021 verkündete Gesetz tritt in sechs Monaten in den Wohneinrichtungen in Berlin in Kraft. „Es wird darauf ankommen, diese Regelungen in der Praxis auch konsequent umzusetzen. Hier sind die Träger von Einrichtungen und deren Leitungspersonal am Zuge,“ so Catharina Hübner, Leiterin des Projekts Monitoring-Stelle Berlin. „Aber auch die behördliche Heimaufsicht beim Landesamt für Gesundheit und Soziales steht in der Pflicht. Sie muss ihre Prüftätigkeit zukünftig am Gewaltschutz ausrichten und dafür sorgen, dass die Regelungen in der Praxis umgesetzt werden. Für diese Aufgabe sollte die Behörde fortgebildet und mit ausreichend Personal ausgestattet werden.“ Ziel muss die Deinstitutionalisierung sein Menschen mit Behinderungen haben Rechte. Im Zentrum jedes pflegerischen oder betreuenden Handelns muss es um die Wahrung ihrer Selbstbestimmung und Würde, die Inklusion in die Gemeinschaft und die Wahlfreiheit, was das eigene Leben betrifft, gehen. Die UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet Deutschland in Artikel 19 zur Deinstitutionalisierung: Ambulante Unterstützungsdienste für alle Menschen mit Behinderungen, jenseits von Art und Schwere der Beeinträchtigung, müssen ausgebaut und große stationäre Wohneinrichtungen schrittweisen aufgelöst werden. Das Empowerment behinderter Menschen, ihre gleichberechtigte Inklusion und die Auflösung stationärer Wohnformen sind der beste Schutz vor Gewalt. Die Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention kritisiert die Darstellung von Menschen mit Behinderungen als Fürsorgeobjekte, wie sie teilweise noch immer zu erkennen ist. So spekulierte ein im Fall des Oberlinhauses ermittelnder Polizist, die Pflegerin habe die Tat vielleicht begangen, um „die Leute zu erlösen, von Leiden, die vielleicht sogar unheilbar sind“. Diese Aussage ist untragbar, weil sie nahelegt, das Leben behinderter Menschen sei weniger Wert, als das anderer Menschen. Sie zeugt davon, dass auch zwölf Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland an vielen Stellen noch immer ein Bewusstsein für die Lebenslagen und die Rechte von Menschen mit Behinderungen fehlt. anzeige ® Ideengeber für inklusives Engagement Mechthild Rawert Mitglied des Deutschen Bundestages Die Sozialdenker engagieren sich als Ideengeber und Unterstützer auf gesellschaftlicher und politischer Ebene, für die Umsetzung einer sozialen inklusiven Wertegesellschaft und Bildungskette, einer solidarischen Gesundheits- und Vollpflegeversicherung. Wir wollen die Gesellschaft inklusiver, solidarischer und gerechter gestalten. www.facebook.com/sozialdenker.de www.twitter.com/Sozialdenker www.sozialdenker.de Jetzt auch auf Foto: Deutscher Bundestag: Stella von Saldern Wir stehen für Inklusion! Weiblich, arm und wohnungslos: Was ist zu tun? Es informieren und diskutieren mit Mechthild Rawert u. a.: ■ Wiebke Neumann, Sprecherin für Soziales der SPD-Fraktion in der BVV Tempelhof-Schöneberg, ■ Elke Ihrlich, Sozialdienst katholischer Frauen e. V. Berlin Informieren Sie sich: mechthild-rawert.de. E-Mail: mechthild.rawert.wk@bundestag.de Diskutieren Sie mit uns im Livestream oder in der Videokonferenz Mechthild Rawert, Wahlkreisbüro, Crellestraße 48, 10827 Berlin, Telefon 030 7895 3020 am 30. Juni 2021, ab 17:30 bis 19 Uhr. Mehr Informationen unter Wohnungslosigkeit.mechthild-rawert.de. Eine Schriftdolmetscherin schreibt live mit. Telefonsprechstunde Teilen Sie mir mit, was Sie bewegt: ■ jeden ersten Dienstag im Monat 17 bis 18:30 Uhr ■ die nächste Termine: 6. Juli, 3. August ■ Telefon 030 7895 3020 www.mechthild-rawert.de Mechthild Rawert, MdB, Wahlkreisbüro, Crellestraße 48, 10827 Berlin, Telefon 030 7895 3020 mechthild.rawert.wk@bundestag.de Telefonsprechstunde Gesundheit, Inklusion und Pflege Tipps und Hilfe insbesondere bei Pflegebedürftigkeit, Beeinträchtigungen und chronischen Erkrankungen: ■ jeden dritten Montag im Monat 12 bis 15 Uhr ■ jeden dritten Freitag im Monat 10 bis 13 Uhr ■ die nächsten Termine: 18. + 21. Juni, 16. + 19. Juli, 16. + 21. August ■ Telefon 030 7007 4360 © Berliner Behindertenverband e. V. Gewaltschutz in Einrichtungen ausbauen BBZ Seite 3 Juni 2021 3 „Es ist viel geschehen“ Hildrun Knuth geht in den Ruhestand S eit fast 3 Jahrzehnten wirkte Hildrun Knuth als Behindertenbeauftragte im Bezirk Mitte. Demnächst geht die Dienstälteste Behindertenbeauftragte in den Ruhestand. Dominik Peter sprach mit ihr über ihre Erfahrungen und Erinnerungen. viele Mitglieder mir Vertrauen entgegenbrachten und dass uns zahlreiche gemeinsame Erlebnisse verbinden, darauf bin ich stolz. Dominik Peter: Frau Knuth, Sie gehen demnächst in den „Ruhestand“. Wie ruhig wird dieser und wie lange waren Sie eigentlich im Amt? Hildrun Knuth: Im November 1992 trat ich im Berolina-Haus auf dem Alexanderplatz, die Stelle der Bezirksbehindertenbeauftragten an. Diese Stelle gab es zu dieser Zeit in der Verwaltung nicht. Ein Beschluss der BVV-Mitte von Berlin mit dem Ziel, neben der Gründung eines Behindertenbeirates auch eine Ansprechpartnerin im Bezirksamt für Menschen mit Behinderungen einzusetzen, gab den Ausschlag. Es ist viel geschehen in den fast 29 Jahren und ja, ich stelle eine gewisse Erschöpfung fest. Ich freue mich nun auf eine möglichst nicht zu ruhige, andere Zeit nach der Berufstätigkeit und hoffentlich dann auch nach der Pandemie. Wer weiß, welche Türen sich öffnen werden? Und es ist auch Zeit für einen Wechsel. Hildrun Knuth: Ja, sofort! Es muss nach wie vor, immer wieder auf die Standards, die einfachsten Dinge hingewiesen werden. Bei einer Veranstaltung z.B. fehlte die Rampe zur Bühne, auf einem Empfang gab es nur Stehtische, dass die zahlreichen Infos zur Pandemie auch barrierefrei lesbar sein müssen, dass Blindenführhunde in Impfzentren mitgeführt werden dürfen und Gebärdensprache zur Information dazu gehört u.a., sind immer noch keine Selbstverständlichkeiten. Inklusion muss immer wieder eingefordert werden, auf allen Gebieten. Dass es so lange dauert und immer noch Erklärungsbedarf für die Beseitigung von Barrieren besteht, geltendes Recht ignoriert werden kann, die Vision der UN-BRK fast in Vergessenheit geraten ist, macht mich zornig. Dominik Peter: Sie können also auf viele Jahre Behindertenpolitik zurückblicken. Was hat sich Ihrer Meinung nach zum Guten, was zum Schlechten verändert? Hildrun Knuth: Ich glaube, das gewachsene Selbstbewusstsein, die Art und Weise, wie Menschen mit Behinderungen sich vertreten und ihre Rechte einfordern, die digitalen Möglichkeiten, gehören zum Guten. Als nicht gut nehme ich die schier unübersichtlich gewordenen - nichts einfacher machenden - Gesetzes-Vorgaben, Beschlüsse und Ausführungsbestimmungen wahr. Kaum Jemand kennt sich noch aus. Wundersame Namen, wie Haus der Teilhabe, Teilhabebeirat, Barrierefreiheitsstärkungsgesetz u.a. versprechen Gleichberechtigung. In der Konkurrenz der Prioritäten kommen Menschen mit Behinderungen jedoch nicht auf vordere Plätze. Oftmals werden sie vergessen, weil Dominik Peter: Was bleibt? sie eben nicht mitgedacht werden, so wie es in der Regel beschwichtigend heißt. Konkret sind die Verbesserung des ÖPNV und die vielfältigen Möglichkeiten der digitalen Kommunikation als gute Entwicklungen zu sehen. Aber die Zeit ist zu lang, viel zu lang! Insbesondere die Aktivistinnen und Aktivisten der Behindertenbewegung wissen, seit wie vielen Jahren sich Forderungen wiederholen, Zielstellungen nicht erfüllten. Dominik Peter: Ich habe immer wieder den Eindruck gehabt, dass die Erwartungshaltung behinderter Menschen an Bezirksbeauftragte größer waren bzw. sind, als dieses Amt tatsächlich bewegen kann. Sehen Sie dies auch so? Hildrun Knuth: Ja, und die Anforderungen wachsen. Für viele Menschen sind wir Beauftragten eine oder oftmals „die“ letzte Möglichkeit, etwas zu erreichen oder zu bewegen, was in Antrags- oder Verwaltungsverfahren nicht gelang. Auf der Suche nach einer Rollstuhl-Nutzer-Wohnung z.B. interessiert es nicht, wie viele Briefe meine Amtskollegen und Amtskolleginnen und ich schon schrieben, wie viele Diskussionen wir führten und uneinsichtige Absagen wir erhielten. Letztendlich habe ich keine Wohnung zu vergeben und Enttäuschung entsteht. Viele weitere Beispiele könnte ich nennen. Generell gehört es zu den Aufgaben der Beauftragten das Bezirksamt und die Bezirksverordnetenversammlung immer wieder auf Probleme und Schwierigkeiten hinzuweisen und Empfehlungen zu geben. Ein gemeinsames und solidarisches Vorgehen der emanzipatorischen Behindertenbewegung und der Beauftragten wäre zielführend. Dazu gehören ehrliche Auseinandersetzungen und gegenseitiger Respekt. Dominik Peter: Rückblickend, über welchen Erfolg freuen Sie sich noch heute? Hildrun Knuth: Erfolg? Ich führe keine Statistik über die Umsetzung meiner Anregungen und Empfehlungen. Als eine Erfolgsgeschichte würde ich meine Tätigkeit nicht bewerten. Aber vielleicht konnte ich Einfluss nehmen auf Kollegen und Kolleginnen, Planungen, Konzepte und auf Politiker und Politikerinnen? Was ich mir als Erfolg anrechnen würde, sind die zahlreichen Kontakte zu Menschen mit Behinderungen, die mir halfen, Anliegen zu verstehen, die mich unterstützten, mir beistanden und wir uns so gegenseitig den „Rücken stärkten“. Dass ich dazu beitragen konnte, dass der Behindertenbeirat immer „funktionierte“, dass so Hildrun Knuth: Erinnerungen an tolle Menschen, viele unerwartete Erlebnisse und kreative Einfälle. Behinderung (en) gibt es in allen Lebensbereichen. Ich halte deshalb die Tätigkeit der/des Behindertenbeauftragten für eine der vielseitigsten und komplexesten im Öffentlichen Dienst. Wir sind echte Netzwerkerinnen und Netzwerker in den Bezirksämtern und darüber hinaus. Ich danke allen, die mit mir zusammen arbeiteten, die mich begleiteten, mich berieten und kritisierten. Es war eine gute Zeit! Dominik Peter: Ich danke Dir im Namen des gesamten BBV-Vorstands. Du hattest immer ein offenes Ohr für uns, dass war toll. Danke. anzeige Berufliche Karriere für Persönlichkeiten mit Behinderung nlos unter: 34 BERUFSBILDER FÜR IHR WEITERKOMMEN 0800 541 333 Alle Infos koste www.bwb-gmbh.de 4 © Berliner Behindertenverband e. V. Dominik Peter: Die Pandemie deckt vieles schonungslos auf. Neulich im Landesbehindertenbeirat sprach ich davon, dass die noch nicht gelebte Inklusion uns gerade auf die Füße fällt. Da Senatsverwaltungen beispielsweise Gebärdensprache oder Leichte Sprache nicht bereits seit Jahren automatisch mitdenken, dauerte es in der Pandemie Monate, bis wichtige Dokumente „übersetzt“ wurden. Stimmen Sie dieser Einschätzung zu? Zeitgeschehen 4 Juni 2021 BBZ Erfolgreich trotz Corona Berliner Behindertenparlament Digital Dominik Peter (Vorsitzender Berliner Behindertenverband) war Co-Moderator. Das komplette Team der Veranstaltung. A © Berliner Behindertenverband e. V. m 5. Mai fand das 1. Berliner Behindertenparlament in Berlin statt. In einer eindringlichen Eröffnungsrede per Videoaufzeichnung von Christian Specht wurde das Parlament eröffnet. In dieser Rede beschwerte er sich, dass Menschen mit Behinderung in der Pandemie oft vergessen wurden. Zudem mahnte er an, dass die Behindertenbeauftragten der Bezirke während der Pandemie nicht hörbar waren. Zur Eröffnung des 1. Behindertenparlaments war auch Dr. Manuela Schmidt (Die Linke) gekommen. Sie ist Vize-Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin. Im Laufe der Sitzung wurden neun Anträge - die vorab per Onlineabstimmung angenommen worden waren - in einer 150-minütigen dauernden Sitzung verabschiedet (siehe www.behindertenparlament.berlin). Teilweise wurden die Anträge auch mit den zuständigen Senatorinnen diskutiert. Dazu waren Sandra Scheeres (SPD) live vor Ort bzw. liessen sich wie Elke Breitenbach (Die Linke) dazu schalten. Ferner gab es zu jedem Antrag einen Einspieler von Selbstvertreter und Selbstvertreterinnen. Die Einspieler waren nötig, da wegen der strengen Corona-Auflagen keine Sitzung mit mehr als 20 anwesenden Personen möglich war. Am Ende waren sich Beobachter einig, dass es trotz der Corona-Einschränkungen ein erfolgreicher Start war. Von Lutz Kaulfuß (Text), Christiane Müller-Zurek (Bilder) ment r tenparla ehinde Berliner B Gerlinde Bendzuck (Vorsitzende Landesvereinigung Selbsthilfe Berlin) war Co-Moderatorin. Eine Schnellteststation sicherte die Veranstaltung ab. Alke Lüderitz (Parität) bei der Durchführung eines Schnelltests. Selbst eine Live-Schaltung zum Rathaus gab es. Dort fanden zwei Flashmob-Aktionen statt. Mit Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Die Linke) wurden diverse Anträge diskutiert. Zahlreiche Einspieler der Fokusgruppen begründeten die Anträge. BBZ Zeitgeschehen Juni 2021 5 Bundespolitik Umfassenden Nationalen Aktionsplan 3.0 gefordert B UNSER WEG IN EINE INKLUSIVE GESELLSCHAFT Der Nationale Aktionsplan der Bundesregierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention „Fünf Jahre nach Verabschiedung des NAP 2.0 steht in der nächsten Wahlperiode eine umfassende Neuauflage des Nationalen Aktionsplans in Form eines NAP 3.0 an. Die neue Bundesregierung sollte diese gleich zu Beginn der Legislatur unter wirksamer und umfassender Beteiligung von Menschen mit Behinderungen und ihren Verbänden angehen“, erklärte Britta Schlegel, Leiterin der Monitoring-Stelle UN-Behin- dertenrechtskonvention des Instituts. Bei dem aktualisierten NAP 2.0 handele es sich nicht um eine systematische Fortschreibung. Diese setze eine umfassende Auseinandersetzung mit den Umsetzungsdefiziten der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland in allen Rechtsbereichen der Konvention voraus. „Wir kritisieren außerdem, dass Menschen mit Behinderungen bei der Planung der heute vorgelegten Maßnahmen des Aktionsplans nicht beteiligt worden sind“, betonte Schlegel. Dies dürfe sich nicht wiederholen. „Es widerspricht der UN-Behindertenrechtskonvention, die eine aktive Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen in politische Entscheidungsprozesse als Expertinnen und Experten in eigener Sache fordert.“ Die Bundesregierung hat den Nationalen Aktionsplan 2.0 aktualisiert und um 119 Maßnahmen mit behindertenpolitischem Bezug ergänzt, die seit der Veröffentlichung des Plans 2016 in den verschiedenen Ressorts neu aufgenommen worden sind. Bisherige Publikationen Die bisherigen Nationalen Aktionspläne sind auf der Internetseite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales erhältlich (www.bmas.de). Dort gibt es diese sowohl zum Herunterladen als auch in speziellen Versionen. Es gibt eine Version in Leichter Sprache, eine in Gebärdensprache und eine Version sogar in Brailleschrift. Das PDF kann auch in einer barrierefreien Version herunter geladen werden. Einige Videos runden das Angebot ab, diese sind auch in einer Gebärdensprachversion verfügbar. anzeige Landesamt für Gesundheit und Soziales Inklusion ist in Ihrem Unternehmen Normalität das Land Berlin freut sich auf Ihre Bewerbung! Auslobung in vier Kategorien Inklusive Beschäftigung (drei Kategorien): • Kleinunternehmen • Mittelständische Unternehmen • Großunternehmen Inklusive Ausbildung (eine Kategorie) Die Gewinner sind berechtigt, mit dem Preislogo zu werben und erhalten jeweils: • Eine Geldprämie in Höhe von 10.000 Euro • Eine Skulptur - Symbol der Teilhabe von Menschen mit Handicap im Arbeitsleben • Eine Urkunde - überreicht von der Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales und dem Präsidenten des Landesamtes für Gesundheit und Soziales Die Auszeichnung mit dem Berliner Inklusionspreis 2021 erfolgt im Rahmen eines Festaktes am 19. November 2021. Ihre Bewerbung richten Sie bitte an: Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin, Integrationsamt – Frau Nelli Stanko, II C ÖA, Darwinstraße 15, 10589 Berlin, Telefon: 030/90229-3307 Für den Inhalt verantwortlich: Bewerbungsschluss: 31. Juli 2021 Näheres im Internet: www.berlin.de/inklusionspreis Nelli Stanko - II C ÖÄ V.i.S.d.P.: Silvia Kostner - Z Press © Berliner Behindertenverband e. V. BZ/PM Kürzlich erfolgte die Veröffentlichung des Statusberichts zur Fortschreibung des Nationalen Aktionsplans 2.0 der Bundesregierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Das Deutsche Institut für Menschenrechte kritisiert die fehlende Beteiligung von Menschen mit Behinderungen bei der Weiterentwicklung des Aktionsplans und die mangelnde Rückbindung der Maßnahmen an die UN-Behindertenrechtskonvention. Das Institut fordert eine umfassende Neuauflage in Form eines NAP 3.0 in der nächsten Wahlperiode. Kooperationsvereinbarung unterschrieben Barrierefreiheitsstärkungsgesetz Haus der Teilhabe Charlottenburg-Wilmersdorf B Nachbesserungen zwingend erforderlich B BZ/PM Berliner und Berlinerinnen mit Behinderungen erhalten Unterstützung an einem neuen Ort, dem sogenannten Haus der Teilhabe in Charlottenburg-Wilmersdorf. Am 7. Mai fand der offizielle Auftakttermin zu dem Projekt online statt. Heike SchmidtSchmelz (Abteilung Jugend, Familie, Bildung, Sport und Kultur) und Detlef Wagner (Bezirksstadtrat Abteilung Soziales und Gesundheit) unterzeichneten gemeinsam mit Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin, eine Kooperationsvereinbarung. Im Rahmen des Projekts sind der Berliner Behindertenverband und der Allgemeine Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin eingebunden. Sie werden ein Leitsystem für das Haus der Teilhabe erarbeiten. In dem neuen Haus der Teilhabe arbeiten der Teilhabefachdienst Soziales, der Teilhabefachdienst Jugend und das Gesundheitsamt unter einem Dach zusammen. Dies ermöglicht einen niedrigschwelligen Zugang zu den Leistungen der Eingliederungshilfe. Das Haus der Teilhabe in Charlottenburg-Wilmersdorf entsteht in einem bereits bestehenden Gebäude am Hohenzollerndamm, welches nicht immer komplett barrierefrei ist. Deshalb ist es wichtig, das Haus nach Möglichkeit für die entsprechenden Nutzenden der Dienste zu gestalten, gegebenenfalls bauliche Anpassungen vorzunehmen und ein entsprechendes Wegeleitsystem vorzuhalten. Die Sichtweise von Menschen mit Behinderungen soll als Ausgangspunkt Dr. Gabriele Schlimper während der Videokonferenz. für die Gestaltung des Hauses der Teilhabe dienen. Gemeinsam mit dem Berliner Behindertenverband und dem Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein berät der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin das Bezirksamt bei der Erstellung eines barrierefreien Wegeleitsystems für die Besucherinnen und Besucher. Was hierbei zu erwarten ist, skizzierte Dominik Peter (Vorsitzender des Berliner Behindertenverbands, der an der Videokonferenz teilnahm. Diese neue Form der Kooperation mit dem Bezirksamt ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu mehr Teilhabe für alle Berlinerinnen und Berliner. Hintergrund: Was ist ein Haus Teilhabe? Die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung wird nach der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes im Land Berlin zukünftig durch Teilhabefachdienste in den Sozial- und Jugendämtern der Bezirke erbracht. Das Berliner Konzept sieht hier sogenannte Häuser der Teilhabe vor. Im Haus der Teilhabe sollen Menschen mit Behinderung, egal welchen Alters, zukünftig in jedem Bezirk Beratung, Unterstützung und Begleitung rund um das Thema Eingliederungshilfe finden. Es sollen Orte der Vernetzung entstehen, in denen Menschen mit Behinderung, ihre Vertrauenspersonen und weitere Akteure gemeinsam mit den Teilhabefachdiensten für ein inklusives Berlin zusammenarbeiten. In Charlottenburg-Wilmersdorf entsteht im Gebäude am Hohenzollerndamm ein Haus der Teilhabe. In dem Gebäude Hohenzollerndamm 174-177 werden der Teilhabefachdienst Soziales, der Teilhabefachdienst Jugend und das Gesundheitsamt unter einem Dach zusammenarbeiten. BZ/PM Das neue Barrierefreiheitsstärkungsgesetz ist ein Anfang, für mehr Teilhabe sind jedoch zwingend Nachbesserungen erforderlich - so der Deutsche Behindertenrat. Am 20. Mai 2021 hat der Bundestag das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz verabschiedet. Das Gesetz setzt den „European Accessibility Act“ in nationales Recht um und definiert die Anforderungen an die Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen. Drei Tage zuvor hatten Sachverständige im Rahmen einer öffentlichen Anhörung Kritikpunkte zum Gesetzesentwurf vorgebracht. Als Teilerfolg bewertet der Deutsche Behindertenrat (DBR) die Umwandlung der „Kann-Regeln“ in Paragraf 29 und 30 in verbindliche Bestimmungen. Andere elementare Kritikpunkte wurden – zur Enttäuschung des DBR – nicht mehr berücksichtigt. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz bleibt somit weit hinter den Erwartungen und seinen Möglichkeiten zurück „Deutschland hätte hier eine Vorreiterrolle einnehmen und Barrierefreiheit ambitioniert vorantreiben können. Diese Chance ist nun vertan“, sagt Dr. Martin Danner, Koordinator des DBR-Arbeitsausschusses. „Stattdessen tritt ein Gesetz in Kraft, das wie eine Sparversion der europäischen Richtlinie wirkt und den Unternehmen mehr Rechte zuspricht als den Menschen, denen eine gleichberechtigte Teilhabe rechtlich zusteht. Wir brauchen ein Recht auf ein Leben ohne Barrieren – und zwar jetzt und nicht in ferner Zukunft.“ Der DBR fordert von der Bundesregierung, die Schwachstellen des Gesetzes in der kommenden Legislaturperiode zeitnah anzugehen und erneut zu debattieren. Im Wesentlichen gibt es drei Punkte, die nachgebessert werden müssen: 1. Kürzere Übergangsfristen: Kürzere Übergangsfristen: Das Gesetz tritt nach jetzigem Stand am 28. Juni 2025 in Kraft und gewährt Unternehmen zudem eine Übergangsfrist von bis zu 15 Jahren. Das bedeutet, dass die Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen erst ab 2040 vollends verpflichtend sein wird. Dies widerspricht den Grundsätzen der UN-Behindertenrechtskonvention und ist für Menschen mit Behinderung nicht hinnehmbar. Barrierefreie Produkte und Dienstleistungen – egal ob privat oder beruflich – sind für eine gleichberechtigte Teilhabe unabdingbar. 2. Zentrale Marktüberwachung: Die Marktüber- wachung fällt aktuell in die Zuständigkeit der Bundesländer. In der Praxis wird dies – wie zuletzt auch in der Corona-Pandemie geschehen – zu einer Vielzahl an Auslegungen und Anwendungsfällen führen. Für eine einheitliche Rechtsanwendung und Marktransparenz braucht es eine zentral organisierte Marktüberwachung, die Barrierefreiheit systematisch und effizient kontrolliert und durchzusetzt. 3. Barrierefreie bauliche Umwelt: In dem Gesetz fehlen Angaben zur Barrierefreiheit der baulichen Umwelt vollends. Dies kann zur Folge haben, dass Produkte und Dienstleistungen wie Bankautomaten oder Buchungsterminals zwar barrierefrei sind, Barrieren in der Umgebung aber weiterhin bestehen bleiben. Barrierefreiheit muss – auch gesetzlich – ganzheitlich gedacht und umgesetzt werden. anzeige ZWA N ZIG JA H RE F U TU RA Durchhalten. In schwierigeren Zeiten braucht es Mut sein eigenes Leben in die Hand zu nehmen. Wir helfen Menschen mit Behinderungen, eigenständiger mitten im Leben zu leben. futura-berlin.de #nurmut BBZ © Berliner Behindertenverband e. V. Juni 2021 © Jörg Farys | Gesellschaftsbilder.de Zeitgeschehen 6 BBZ Zeitgeschehen Juni 2021 7 Wahlen 2021 Debatte zur Landtagswahl in Berlin 2021 nter dem Motto „Deine Stimme für Inklusion - mach mit im Wahljahr!“ organisierte der Berliner Behindertenverband eine Wahldebatte im Rahmen des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung 2021. Grund: Im September wählt das Bundesland Berlin ein neues Abgeordnetenhaus. Eigentlich sollte es eine hybride Wahldebatte werden, doch Corona zwang die Organisatoren zu einer Videokonferenz. An der behindertenpolitischen Debatte nahmen folgende sozial- bzw. behindertenpolitische Sprecher teil: Lars Düsterhöfft (SPD), Stefanie Fuchs (Die Linke), Fatos Topac (Bündnis 90/Die Grünen), Maik Penn (CDU) und Thomas Seerig (FDP). Themen waren unter anderem Inklusionstaxis und natürlich bezahlbare, barrierefreie Wohnungen. Die Moderatoren der Debatte waren Gerd Miedthank und Dominik Peter (Vorstandsmitglieder des Berliner Behindertenverbands). Die gesamte Debatte wurde aufgezeichnet und kann auf dem BBV-Youtube-Kanal angeschaut werden. Die wichtigsten Kernbotschaften haben wir hier zusammengefasst. Unser Dank gilt den BBV-Mitgliedern, die diese Veranstaltung organisiert haben und Aktion Mensch, für ihre Unterstützung. Fatos Topacs (Bündnis 90/Die Grünen): „Wählt uns Grüne, weil wir die Antworten auf die Fragen und Herausforderungen unserer Zeit haben. Wir stehen für Veränderung, Klimaschutz und für Wandel. Wir stehen für Inklusion und Selbstbestimmung. Wenn nicht wir, wer dann, Bündnis 90 steht für Graswurzelbewegung und genau das ist ganz wichtig in der Behindertenrechtsbewegung. Wählt uns, unsere Unterstützung habt ihr.“ Stefanie Fuchs (Die Linke): „Wir stehen für einen starken handlungsfähigen Sozialstaat, der ausfinanzierte Daseinsvorsorge sichert und nicht den Staat zusammenspart und die Menschen mit ihren Problemen alleine lässt. Wer uns wählt, entscheidet sich gegen Kürzungsorgien im sozialen Sektor nach der Pandemie. Wir wollen und müssen weiterhin in die soziale Infrastruktur investieren.“ Lars Düsterhöfft (SPD): „Wer eine Partei haben will, die sich für alle Berliner und Berlinerinnen einsetzt, welche klare Positionen bezieht, welche für gute Arbeit steht, für ein klares Miteinander, keinen Fantasien hinterher hängt, aus der Mitte der Gesellschaft für die Mitte der Gesellschaft agiert und für den Ausgleich steht, der sollte SPD wählen.“ Maik Penn (CDU): „Es braucht mehr Verbindlichkeit und Kontrolle für barrierefreies und bezahlbares Wohnen. Das Budget für Arbeit gehört auf den Prüfstand, damit mehr Menschen mit Behinderung Arbeit finden. Es muss gerade in einer Pandemie mit als über Menschen mit Behinderung, einschließlich der Werkstatträte und Interessenvertretungen gesprochen werden.“ © Berliner Behindertenverband e. V. U Von Lutz Kaulfuß Wir haben gefragt, warum eine Partei gewählt werden soll. Hier die Antworten. Thomas Seerig (FDP): „Die FDP ist für Menschen mit Handicap genau die Richtige, weil das Motto „Nicht ohne uns über uns“ die Kernbotschaft der Liberalen sozusagen ist. Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung - also nicht, dass mir der große Staat oder irgendwelchen Gruppen erklärt, was gut für mich ist, sondern dass ich das selber entscheiden kann. Wir brauchen mehr Menschen mit Behinderung im Parlament. Dafür tritt die FDP ein.“ anzeige AKTIONSTAG Samstag, 15.09.18 | 14 Uhr Zeitgeschehen 8 SPREETUNNEL Müggelpark - Friedrichshagen Müggelsee Juni 2021 BBZ Kein Schiff wird kommen... igentlich eine feine Sache seit 1926: Möchte man vom Ortsteil Friedrichshagen aus etwa zum DRK-Klinikum Köpenick, so führt der kürzeste Weg durch den Spreetunnel unter dem Müggelsee hindurch. Doch das seinerzeit technisch revolutionär in „Senkkastenbauweise“ erstellte Bauwerk ist nicht barrierefrei – es kann nur über Treppen betreten bzw. verlassen werden. Betroffene müssen also erhebliche Umwege in Kauf nehmen. Am 15. September 2018 kam es daher unter Beteiligung des Berliner Behindertenverbandes e. V. (BBV) zu einer Aktion in Friedrichshagen, an der auch die zuständige Verkehrssenatorin Regine Günther (Bündnis 90/Die Grünen) teilnahm. Menschen mit Behinderungen forderten entweder einen barrierefreien Umbau des denkmalgeschützten Tunnels oder dessen Ergänzung durch andere Systeme. Man schlug konkret eine Brücke, eine Seilbahn oder eine Fähre parallel zum Spreetunnel vor. Die Senatorin zeigte Verständnis für das Anliegen und sagte während der Kundgebung eine „kurzfristige Lösung“ zu. Dann passierte – wie so oft, wenn es in Berlin um Verkehrsfragen allgemein oder konkret um Barrierefreiheit geht – zwei Jahre lang nichts, jedenfalls nichts Wahrnehmbares. Also wurde am 22. September 2020 von Betroffenenseite eine Petition beim Abgeordnetenhaus eingereicht, die dort das Geschäftszeichen „6018/18“ erhielt und nach mehreren Zwischenberichten mit Schreiben vom 20. Mai 2021 (für diese Wahlperiode) abschließend beantwortet wurde. Aus dem der Redaktion vorliegendem Vorgang ergibt sich, dass Umbau des Tunnels, Brücke oder Seilbahn für den Senat insbesondere aus Kosten- und Zeitgründen nicht in Betracht kämen, man sich aber für die E i n rich- tung einer Fä h r l i nie zwischen beiden Ufern INFOder RMIERE Spree UNDentschieBETEILIGE den habe. EingeDI ! richtet undCHgefahren werden solle die Linie von der städtischen BVG. Ging man allerdings in den ersten Berichten an das Abgeordnetenhaus noch davon aus, bis Mitte 2021 alle Voraussetzungen zur Einrichtung des Trajekts schaffen zu können, ist im jüngsten Schreiben plötzlich von „feh- Bedingungen der private Eigentümer dieses einräume. Man sei aber hierüber mit fällt, dass sich der von ihr und BVG vorgesehene Standort des Fähranlegers auf Friedrichshagener Seite in Privatbesitz befindet und sie den Eigentümer bisher ihrem eigenen Ausführungen nach offensichtlich noch nicht einmal direkt auf das „Wegerecht“ (die Erlaubnis, über sein Grundstück einen öfWeg zwiFÜR EINE fentlichen schen Straße und IE E FR E R Anleger einzuBARRIE richten) hin QUERUNG angesprochen hat, verzögert sich der Start der Fähre nun auf unbestimmte Zeit. Kein Schiff wird komm e n – weil es Frau G ü n t h e r s Behörde offensichtlich seit 2018 nicht für notwendig hielt, beim Grundbuchamt abzuklären, wem das benötigte Grundstück eigentlich gehört. Weil Frau Günther generell gerne vollmundig Projekte im Verkehrsbereich ankündigt, ohne sich hinterher um Eine Veranstaltung d e n deren konkrete Umsetzung zu des Berliner Behindertenverband „Für Selbstbestimmung und Würde e.V.“ SCHIRMHERR DES AKTIONSTAGES IST in Zusammenarbeit mit B e t e i - kümmern. DR. GREGOR GYSI Bürgerverein Friedrichshagen e.V., Seniorenvertretung und Behindertenbeirat des Bezirks Treptow-Köpenick (MdB) sowie der Landesseniorenvertretung Berlin lenligten im GeEin Schiff wird kommen – d e m spräch, lässt Senato- hoffentlich irgendwann. Nach Wegerecht zur rin Günther noch mitteilen. der Wahl unter einer neuen, Erschließung des geplanten d a s s nicht absehbar Weil also der Senatsver- engagierteren VerkehrssenaAnlegers“ die Rede und davon, sei, ob, wann und zu welchen kehrsverwaltung erst jetzt auf- torin? anzeige ABONNIEREN SIE DIE BERLINER BEHINDERTENZEITUNG UND LESEN SIE UNSERE ZEITUNG: • Erscheint 10 Mal im Jahr • Europas älteste Behindertenzeitung • Mit Themen aus Politik, Berlin, Mobilität, Reisen, Gesellschaft, Recht, Kultur, Gesundheit und Verbandsleben des Berliner Behindertenverband e.V. • Mit echten Experten wie Rechtsanwälte für die Ratgeber-Seiten oder Reisejournalisten für die Reiseseiten FÜLLEN SIE EINFACH DIESEN ABOANTRAG AUS UND SCHICKEN DIESEN AN UNS ZURÜCK. Ja, ich möchte die Berliner Behindertenzeitung jährlich zehn Mal lesen. Abonement 15,00 Euro pro Jahr Solidarabonement Förderabonement 25,00 Euro pro Jahr 50,00 Euro pro Jahr Euro pro Jahr reduzierter Betrag - auf Anfrage für ALG II-Empfänger, Kleinrentner und Studenten möglich Die Zeitungen sollen an meine Adresse geschickt werden: Name und Anschrift Ich möchte die Zeitungen verschenken und sollen an diese Adresse: Name und Anschrift des Glücklichen Ein einmaliges Projekt der Behindertenbewegung Sie erleichtern uns die Arbeit mit einer Genehmigung für eine Abbuchung von ihrem Konto per Lastschrift. Hiermit genehmige ich dem Berliner Behindertenverband die Abbuchung des Abobetrages per Lastschrift. Datum, Name und Unterschrift Kontoinhaber und IBAN Der Betrag wird einmal im Jahr abgebucht. Nach Absprache können Sie uns den Betrag auch überweisen. Für Mitglieder des Berliner Behindertenverbands e.V. ist der Bezug der BBZ im Mitgliedsbeitrag erhalten. www.berliner-behindertenzeitung.de Berliner Behindertenverband e.V., Jägerstraße 63D, 10117 Berlin, Tel.: 030 / 204 38 47 © Berliner Behindertenverband e. V. E Von Arnd Hellinger BBZ Wissen Juni 2021 9 Robert Fischer Galerie Art Cru Berlin B BZ/PM Galerie ART CRU Berlin zeigt Bilder von Robert Fischer in seiner ersten Ausstellung in Berlin. Im Jahr 2007 wurde ihm der Anerkennungspreis beim internationalen Kunstwettbewerb Euward verliehen. Der Reichtum an Wissen, an Erzähl- und bildlicher Beschreibkunst lässt seine Werke förmlich wie aufgeladen wirken. Jedes Bild scheint Wahrheiten zu beinhalten, die von Fischer gedeutet, beschrieben und vermittelt werden. In seinen Arbeiten überlagern sich mehrere Ebenen des Gestaltens und Berichtens. Zunächst bringt der Künstler in einem ersten Schritt ein wucherndes und miteinander verbundenes Zeichen- und Bild- system aufs Papier. Instinktiv versucht man beim Betrachten (vergeblich) die langen Zeichenreihen, die an (uns bekannte) Buchstaben und Zahlen erinnern, und zum Teil wie „spiegelverkehrt“ erscheinen, zu entziffern. Fischer kombiniert diese Reihungen mit minimalistischen Zeichnungen: Kreuze, oder Kombinationen aus kurzen Linien oder Kreisen, die einen manchmal an Gesichter denken lassen. Oft werden diese Zeichen und Formen zu Gruppen organisiert und durch umrahmende Linien zusammengefügt. Nachdem so der Großteil des Blattes mit der ersten Ebene codiert und bebildert wurde – dies geschieht mal luftig mit vielen Freiflächen, mal dicht an dicht, als würde Fischer ein wahres Netz an Informationen auf dem be- grenzten Platz des Bildgrundes ausbreiten wollen – beginnt er eine zweite Ebene in Pastell, Ölkreide, Tusche und Fasermalern darüber zu schichten. Der eher kühl und rational-narrativ wirkende Grund des Bildes wird so in eine spannungsvolle Verbindung zu diesen emotional-dynamischen Farbflächen gesetzt. In einigen Werken überschreibt Fischer abschließend die zweite Farbebene mit einem weißen Fasermaler, der regelrecht ins Auge sticht, und einer weiteren Schichtung von Zeichenreferenzen. Es wirkt als wolle er den Betrachter*innen noch eine letzte Erläuterung mit auf den Weg geben, bevor er das Bild aus den Händen gibt. Robert Fischer (*1974 in Gera), der schon seit längerem in Werkstätten der Braunschweiger Lebenshilfe beschäftigt ist, arbeitet seit 2004 auch als Künstler in deren Atelier Geyso20. Die künstlerische Leiterin hatte ihn in die Gruppe eingeladen, weil er schon immer in Arbeitspausen und zuhause auf DinA4-Blättern zeichnete. An einem einzelnen Blatt arbeitet er meist mehrere Wochen. Über Art Cru: Galerie ART CRU Berlin ist seit 2008 Berlins einzige Galerie für so genannte Outsider Art. Dieser Begriff (1972 von Roger Cardinal als Synonym des 1945 vom Maler Jean Dubuffet geprägten Terminus „Art Brut“ eingeführt) bezeichnet die Kunst von Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung oder geistigen Behinderungen. Wir sind davon überzeugt, dass die besondere Wahrnehmung dieser Künstler*innen sich in einzigartigen Kunstwerken von hoher Authentizität darstellt. Mit unseren Ausstellungen präsentieren wir Arbeiten von „Außenseiter*innen“ als wichtigen Teil der Gegenwartskunst und wollen so einen aktiven Diskurs mit dem etabliertem Kunstbetrieb anregen. Im Kunsthof, in der Oranienburger Straße gelegen, bringt die Galerie Werke von Menschen mit besonderem Erleben mitten in die Berliner Kunstszene. Träger der gemeinnützigen Galerie ART CRU Berlin ist der Verein PSArt e.V. Berlin, ein Netzwerk aus verschiedenen psychosozialen Institutionen. Initiatorin des Projektes und Leiterin der Galerie ist Alexandra von Gersdorff-Bultmann. Zum fünfjährigen Jubiläum der Galerie ist eine Chronik erschienen, in der die Ausstellungskataloge von 2008-13 enthalten sind. 2014 konnte die Galerie erstmals an der Outsider Art Fair in Paris teilnehmen, der europaweit wichtigsten Messe für „AußenseiterKunst“. Im selben Jahr wurden 5 Künstler*innen aus dem Netzwerk des PS art e.V. Berlin für den internationalen Kunstpreis Euward nominiert. Online-Infoabend und Online-Diskussion im Juni I m Juni gibt es gleich zwei Online-Events der Fürst Donnersmarck-Stiftung auf den Bildschirm: Am 9. Juni 2021 geht es beim Jour fixe „Für den Fall der Fälle“ um die wichtigsten Fragen bei Patientenverfügung, Vollmachten & Co. Am 17.6.2021 fragt die Podiumsdiskussion „Geschlecht: behindert“ in Kooperation mit der Berliner Landeszen- trale für politische Bildung, welche Schritte bis zu einer wirklich gendergerechten Inklusion fehlen. Gast in der Runde ist u.a. Staatssekretärin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung Barbara König. Beide Events starten um 18 Uhr. Wer sich online anmeldet, kann live mitdiskutieren. Mehr Infos unter www.fdst.de anzeige Lieferung in ganz Europa www.habits-plus.com Habits-Plus : Kleidung, die das Leben erleichtern Oelegasse 1 3210 Kerzers Schweiz Boxer mit Eingriff fair – sozial – nachhaltig Hosen für Rollstuhlfahrer:innen Einfach und schnell T-Shirts aus GOTSzertifizierten Stoffen Produziert von einem inklusiven Team. Komplette Rückenöffnung Elisabethstraße 9 | 69469 Weinheim www.blauherz.eu | info@blauherz.de komplette Beinöffnung Extra flache Nähte Ergonomischer Schnitt 2 Wege-Reißverschluss Elastischer Taillenbund © Berliner Behindertenverband e. V. Fürst Donnersmarck-Stiftung Gesundheit 10 Juni 2021 BBZ Serie: Zurückgekämpft „Du rockst, ich roll“ - Ein Musiker und eine Autorin stehen im Rollstuhl mitten im Leben Diese Artikelseite wird durch die AOK Nordost unterstützt. Von Martin Schultz M Michael Dobbertin wurde vor 7 Jahren bei einem Verkehrsunfall verletzt. Der vierfache Vater und Großvater lag anschließend im Koma, musste danach wieder sprechen lernen und sitzt seitdem im Rollstuhl. Dazu kam ein Problem, das schon in dem Beitrag über Frau Grolle in der April-Ausgabe kurz erwähnt wurde: Nach Krankenhaus und Reha lebte Herr Dobbertin fast vier Jahre in einem Altenheim, weil seine Wohnung nicht barrierefrei war und es an Alternativen mangelt. Erst vor drei Jahren war er dann wieder in der Lage, trotz der Schwierigkeiten beim Sprechen, eine passende Wohnung in Berlin zu suchen und war schließlich erfolgreich. Heute lebt er wieder so selbstständig und selbstbestimmt wie möglich im Neuköllner Ortsteil Britz. Das ist gut so, denn so können die beiden mühelos mit dem Rollstuhl in den Britzer Garten oder zum Britzer Schloss. Und sie haben noch viele andere Ziele, denn beide sind sehr unternehmungslustig und kulturell interessiert. „Bei Konzerten gibt es keine Probleme, die Veranstaltungsorte sind barrierefrei und die Menschen sehr hilfsbereit“, schildert Frau Unger die Konzertbesuche vor Corona. „Lido, Astra, Tempodrom, überall werden wir gut unterstützt, wenn wir mit dem Rollstuhl kommen.“ Während Michael Dobbertin nicht nur Musik mag, sondern auch 30 Jahre erfolgreich Musik machte - er spielte vor dem Unfall in ver- schiedenen Metal Bands (Metal Law, MARILYNN, TORTURE SLAVE), die mehrere Alben veröffentlichten - ist seine Partnerin auch an Fotografie und bildender Kunst interessiert und freut sich auf die Ausstellung „The Mystery of Banksy“, die aktuell in Berlin stattfindet. Außerdem beschäftigt die beiden zum Zeitpunkt des Interviews der „Kampf“ um einen Impftermin. Bettina Unger studierte Deutsch, Französisch und Theaterwissenschaften, als sie 1991 an Multiple Sklerose erkrankte. Schon zwei Jahre später hat eine Halbseitenlähmung ihr gewohntes Leben massiv verändert und eingeschränkt. Sie konnte dennoch ihr Studium abschließen, sogar die Promotion beginnen und von Köln nach Berlin umziehen. „Die Krankheit MS hat mich früh beeinträchtigt und wir trainieren beide täglich, damit die körperlichen Einschränkungen nicht schlimmer werden oder sich verbessern. Wenn ich nicht laufen kann, dann nutze ich den Rollstuhl. Wichtig ist es, mobil zu sein.“ So erklärt sich vielleicht auch der Titel ihres ersten Buches „Du rockst, ich roll – Mein Leben auf vier Rädern“, das Bettina Unger 2012 veröffentlichte. Schon vor ihrem Buch hatte sie inklusive Kurzgeschichten verfasst und an Wettbewerben teilgenommen. Schreiben ist eine wichtige weitere Beschäftigung für Bettina Unger. Ihre Erfahrungen hat sie aber auch zeitweise als Beraterin im Netzwerk behinderter Frauen weiter gegeben. Empowerment, Autonomie und Selbstbestimmung sind Schlüsselbegriffe für sie und ihren Partner. Die beiden leben es. Sie lassen sich dabei auch von anderen inspirieren. Auf der Seite www.die-andersmacher. org des Berliner Vereins SOZIALHELDEN werden Menschen mit Beeinträchtigungen vorgestellt, die ihren eigenen Weg gehen, z.B. David Lebusa, ein Extremsportler im Rollstuhl, eine Schauspielerin mit Trisomie 21 oder die blinde An- wältin Pamela Pabst. Bei der Recherche über den Musiker Michael Dobbertin fand ich ein Interview aus dem Jahr 2009. Damals sagte er:“ Und es ist schön zu sehen, dass wir immer mehr Fans aus der ganzen Welt für unseren Old School Metal begeistern können, denn diese Mucke wird nie aussterben! Wir machen das mit 100% unseres Herzens. Wir können das Rad nicht neu erfinden, aber das, was wir machen, machen wir aus vollster Überzeugung!“ Mit voller Hingabe leben die beiden auch jetzt und können vielleicht andere inspirieren, dies auch zu tun, selbst wenn etwas im Leben dazwischenkommt. anzeige WERDEN SIE MITGLIED DES BERLINER BEHINDERTENVERBANDS UND PROFITIEREN SIE VON EINER STARKEN GEMEINSCHAFT • • • • • Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) Beratung zu Themen Freizeit, Reisen & Urlaub Beratung zu ÖPNV & Mobilität Für Mitglieder eine kostenlose Rechts(erst)beratung Zahlreiche Freizeitangebote wie Kaffeeklatsch, Kulturkreis, inklusives Kegeln • Junge Selbsthilfegruppe „Rad ab!“ • verschiedenste Veranstanstaltungen wie BBV-Forum, Europäischer Protesttag am 05. Mai • Zehn Mal im Jahr die Berliner Behindertenzeitung frei Haus Wir freuen uns auf Sie! FÜLLEN SIE EINFACH DIESEN ANTRAG AUS UND SCHICKEN DIESEN AN UNS ZURÜCK. Ja, ich möchte Mitglied des Berliner Behindertenverbands werden. Mitgliedschaft 4,00 Euro pro Monat plus einmalig 4,00 Euro Aufnahmegebühr Fördermitgliedschhaft 7,50 Euro pro Monat plus einmalig 7,50 Euro Aufnahmegebühr Solidarmitgliedschaft reduzierter Betrag - auf Anfrage für ALG II-Empfänger, Kleinrentner und Studenten möglich Name Anschrift Telefonnummer E-Mail Beginn der Mitgliedschaft Datum und Unterschrift Sie erleichtern uns die Arbeit mit einer Genehmigung für eine Abbuchung von ihrem Konto per Lastschrift. Hiermit genehmige ich dem Berliner Behindertenverband die Abbuchung des Mitgliedsbeitrages per Lastschrift. Ich möchte vierteljährlich halbjährlich jährlich zahlen. Datum, Name und Unterschrift Kontoinhaber und IBAN Nach Absprache können Sie uns den Betrag auch überweisen. www.bbv-ev.de Berliner Behindertenverband e.V., Jägerstraße 63D, 10117 Berlin, Tel.: 030 / 204 38 47 © Berliner Behindertenverband e. V. ichael Dobbertin liebt Heavy Metal und bei unserer Videokonferenz hängen gut sichtbar diverse E-Gitarren im Hintergrund an seiner Wand. Neben ihm sitzt seine Freundin Dr. Bettina Unger, die vor kurzem in der BBZ einen Beitrag aus der Serie Zurückgekämpft las und sich daraufhin bei der Redaktion meldete. So kam es zu dem Interview. Beide erzählen ihre eigene Geschichte, in der sie durch einen Unfall bzw. eine Erkrankung zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten ihres Lebens aus der Bahn bzw. ihrem bis dahin gewohntem Leben geworfen wurden, um sich anschließend zurück zu kämpfen, gestärkt aus der Krise hervorzukommen und schließlich zusammen zu finden. BBZ Gesundheit Juni 2021 11 Serie: Selbsthilfe und Selbsthilfegruppen Von Martin Schultz „S ich irgendwie treffen ist besser als gar nicht treffen, auch wenn nur virtuell, hybrid oder mit reduzierter Personenzahl in Präsenz“, bringt es Tilman Pfeiffer, Leiter der Kontaktstelle Wuhletal am Ende unseres Gesprächs auf den Punkt. „Von etwa 100 Gruppen im Bezirk haben 90 durchgehalten und Gruppen, die sich auflösen, gab es natürlich auch vor der Pandemie.“ Er berichtet außerdem: „Aktuell treffen sich bei uns Gruppen, die sich vor Corona in einem der Stadtteilzentren oder in der Klinik Kaulsdorf trafen, dort aber zur Zeit aufgrund der Coronaverordnung keine Gruppentreffen durchführen können. Anderen stellen wir einen Zugang für virtuelle Treffen zur Verfügung.“ „Die Gruppenregeln sind für jede Selbsthilfegruppe wichtig, aber bei uns vielleicht noch wichtiger.“ Susen und Isabel sind Ansprechpartnerinnen für die SHG Borderline in Marzahn-Hellersdorf und nehmen sich vor ihrem wöchentlich stattfindendem Gruppentreffen am Montagabend Zeit für ein Gespräch über ihre die Erkrankung, die weniger bekannt ist als Depressionen oder Sucht, aber nicht selten genau mit diesen Symptomen einher geht. „Wir wollen darüber sprechen, damit mehr Menschen erfahren, dass Selbsthilfe wirkt und es Gruppen für Borderline in Berlin gibt,“ erklärt Susen (40) ihre Motivation für unser Interview. „Gegründet habe ich die Gruppe Ende 2019, ein paar Monate später kam Corona und seitdem finden unsere Treffen virtuell statt“, berichte sie, die seit über zwanzig Jahren mit der Diagnose Borderline lebt und schon viele Therapien kennengelernt hat. „Ich war auch schon in stationärer Behandlung und als ich vor vier Jahren aus Lübeck nach Berlin kam, wollte ich meine Erfahrungen in der Selbsthilfe einbringen. Ich war früher schon in einer Gruppe `Morbus Crohn`, aber wichtiger war es mir, in Berlin eine Gruppe für Borderline zu finden oder eben zu gründen.“ Isabel (23) kam im vergangenen Jahr dazu und erzählt: “Manche kennen den Namen Borderline (auch emotional instabile Persönlichkeitsstörung oder BPS) und denken nur an selbstverletzendes Verhalten, aber die meisten Betroffenen haben eine Vielzahl an Symptomen. Besonders schwierig für die Arbeit in der Gruppe sind die Wutausbrüche oder die Gefahr, etwas bei den anderen Teilnehmenden zu triggern. Wir verwenden z.B. für das selbstverletzende Verhalten das Codewort „Quitscheentchen“ und bei Wutausbrüchen ist es wichtig, dass wir als Gruppe achtsam sind.“ Experten schätzen, dass Männer genauso häufig unter der BPS leiden, sich aber seltener in Behandlung begeben. Die Lage der Kontaktstelle ist in zweierlei Hinsicht besonders. Einerseits liegt sie im Grünen und kann mit einer großen Terrasse aufwarten, auf der auch unter freiem Himmel Gruppentreffen stattfinden, andererseits ist die Beratungsstelle für Sucht unmittelbar vor Ort, so dass dieses Thema ei- nen Schwerpunkt bildet, mehr noch als in anderen Bezirken. Und es gibt seit März noch eine Verbindung zum Thema Sucht. Björn Wagner (34) hat selbst 16 Jahre Erfahrungen mit sogenannten harten Drogen gemacht und ist seit 2017 Mitglied in einer Selbsthilfegruppe. Nach einem langen Weg, der ihn u.a. zu der bekannten Berliner Hilfsorganisation Synanon führte, ist er jetzt Mitarbeiter in der Kontaktstelle und damit einer der wenigen Peers unter dem Mitarbeitenden der Kontaktstellen. „Bei Synanon haben mir nicht nur die Menschen geholfen, sondern Diese Artikelseite wird durch die AOK Nordost unterstützt. ganz besonders Natur und Tiere waren hilfreich. Ich habe dort als Pferdepfleger gearbeitet“, berichtet Björn. Während des Videoanrufs liegt ein Hund in seinem Büro. „Im vergangenen Jahr habe ich dann in Potsdam bzw. beim Paritätischen Bildungswerk 168 Stunden (coronabedingt online) die Fortbildung zum Suchthelfer gemacht. „Die eigene Lebensgeschichte hilft manchmal in Beratungen, aber ich mache hier meistens die ganz normale Arbeit in einer Selbsthilfekontaktstelle und das ist viel Büroarbeit.“ Während Björn erst wenige Wochen dabei ist, feierte Tilmann Pfeiffer im vergangenen Monat sein 20jähriges Dienstjubiläum (davon 13 Jahre in der Kontaktstelle). Wir gratulieren! Synanon, gegründet 1958 in den USA, war weltweit eine der ersten Selbsthilfeorganisation. In Berlin ist Synanon seit 1971 erfolgreich tätig. Suchtselbsthilfe - STIFTUNG SYNANON - Leben ohne Drogen (synanon-aktuell.de). Informationen Selbsthilfe-, Kontaktund Beratungsstelle Marzahn-Hellersdorf Alt Marzahn 59 a, 12685 Berlin Tel.: 030 54 25 103 Mail: selbsthilfe@ wuhletal.de Web: www.wuhletal.de anzeige Die inklusive Polit-Talkshow von Inclusio TV Sendetermin: 11. Juni um 19:00 Uhr auf Alex Berlin Thema: SelbstAktiv im Portrait Studiogast: Alexander Lieven, Vorstandsmitglied von SelbstAktiv Sendung verpasst? Vergangene Sendung können auf Youtube oder unter Inclusio.tv angeschaut werden. Du hast das Wort ist ein Projekt von inclusio medien e. V. in Zusammenarbeit mit dem Berliner Behindertenverband e. V. © Berliner Behindertenverband e. V. Stabilität und Selbstakzeptanz – Die SHG Borderline in Marzahn-Hellersdorf Verbandsleben 12 Juni 2021 BBZ Beratungsangebote des Berliner Behindertenverbands Beratung Beratungsort: Treffpunkt der persönlichen Beratungen ist grundsätzlich die Geschäftsstelle des Berliner Behindertenverbands e.V. (Jägerstraße 63 D, 10117 Berlin-Mitte, barrierefreier Zugang und Toilette). Wegen der Corona-Beschränkungen derzeit aber nur im Notfall zugänglich. Skype-Beratung: Sie möchten sich mittels eines Skype-Gesprächs gerne beraten lassen? Auch diesen Service bieten wir an. Um einen Skype-Termin zu vereinbaren, rufen Sie uns montags zwischen 13 und 16 Uhr unter folgender Telefonnummer an: 030 / 2 04 38 47. 1 Rechtsberatung Der BBV bietet seinen Vereinsmitgliedern eine kostenlose Erstberatung an. Der Termin der nächsten Rechtsberatung kann im BBV-Büro erfragt werden. Wer Interesse an diesem Beratungstermin hat, wird gebeten, sich vorab telefonisch anzumelden (zwingend notwendig). Anmeldungen nehmen wir täglich zwischen 10:00 und 16:00 Uhr entgegen (Tel.: 030 / 204 38 47). Wegen des großen Zuspruchs der Rechtsberatung, kann sie kostenfrei nur von Mitgliedern des Berliner Behindertenverbands e. V. wahrgenommen werden. Wichtig ist zudem, dass zu dem Beratungstermin alle notwendigen Unterlagen oder vorhandener Schriftverkehr mitgebracht werden. Der Beratungstermin findet in den BBV-Räumlichkeiten statt. Adresse: Jägerstraße 63D, 10117 Berlin (barrierefreier Zugang und Toilette). Hintergrundinformationen: Was ist eine Erstberatung, was kann diese leisten und auf welche Leistungen haben unsere Mitglieder Anspruch? Um diese und andere Fragen beantworten zu können, haben wir einen eigenständigen Flyer aufgelegt. Diesen können Sie im BBV abholen oder sich auf unserer Internetseite herunterladen (www. bbv-ev.de). 2 Freizeit, Reise & Urlaub Dominik Peter berät Behinderte sowohl zu Themen wie „Flugreisen für Mobilitätseingeschränkte“, als auch zu den Themen wie Verhinderungs- und Kurzzeitpflege, Spezialveranstalter, Reisebegleiter, Reiseassistenz, mobile Pflegedienste, Pflegehotels, Hilfsmittelverleih vor Ort (wie Pflegebett, Falt- und E-Rollstuhl, Dusch- und Toilettenrollstuhl, Lifter, Scooter), Zuschüsse durch Kranken- und Pflegekasse. Wissensvermittlung Termin: Der Beratungstermin findet in den BBV-Räumlichkeiten statt. Adresse: Jägerstraße 63D, 10117 Berlin (barrierefreier Zugang und Toilette). Zwecks eines Beratungstermins setzen Sie sich bitte mit uns per Email in Kontakt: vorsitzender@bbv-ev.de. 3 ÖPNV & Mobilität In Berlin gibt es für Menschen mit Behinderung einen sogenannten Sonderfahrdienst (SFD), der für private Fahrten genutzt werden kann. Zudem wird auch eine Treppenhilfe durch den SFD angeboten. Wir erklären, wer den Fahrdienst nutzen kann, wie die Anmeldung dafür funktoniert, wie hoch der Eigenbeitrag ist und viele weitere Fragen rund um diese Dienstleistung. Zudem beraten wir zu Themen, wie Berliner Mobilitätshilfedienste, Bus & Bahn-Begleitservice, Bahnfahrten, Besuchs- und Begleitdienste, Fahrdienste im Auftrag der Krankenkassen und barrierefreie ÖPNV-Nutzung. Termin: Der Beratungstermin findet in barrierefreien Büroräumen des BBVs (Jägerstraße 63D, 10117 Berlin) statt und kann von jedem Berliner (unabhängig einer Vereinsmitgliedschaft) kostenfrei genutzt werden. Zwecks eines Beratungstermins setzen Sie sich bitte mit uns per Email in Kontakt: vorsitzender@bbv-ev.de. 4 BBV-Selbsthilfegruppe „Rad ab!“ Schaut man im Internet nach Selbsthilfegruppen für junge körperbehinderte Menschen, findet man nicht wirklich viel. Das möchte die junge gegründete Selbsthilfegruppe des BBVs mit dem Namen „Rad ab!“ ändern. Das Besondere an der Gruppe ist, dass die Teilnehmer selbst entscheiden, was diese Gruppe für Aktivitäten unternimmt. Die Gründer der Gruppe, Linus, Dominik und Jasper sind offen für Ideen und Akti- vitäten der Teilnehmer. Es ist auch egal, welche Art von Einschränkungen jemand hat. Termin: Das nächste Treffen ist am 25. Juni von 16 bis 18 Uhr geplant. Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie wird auch das nächste „Rad ab!“-Treffen per Videokonferenz veranstaltet. Infos dazu gibt es per Mail oder auf der „Rad ab!“-Facebookseite. Interessierte, die Informationen über die Rad ab!-Gruppe erhalten möchten oder mit der Gruppe kommunizieren wollen, können dies über Facebook. Auf der „Rad ab!“-Facebookseite finden sich alle geplanten Aktivitäten der Gruppe. Die Adresse lautet: www.facebook.com/jungeselbsthilfeberlin. Alternativ ist eine Mail an rad-ab@gmx.net möglich. Beratung Keine Angst vor Sozialver- Ergänzende unabhängige waltung und Sozialrecht Teilhabeberatung EUTB® B Von Dominik Stronz undesteilhabegesetz, Pflegestärkungsgesetze und nun ein neues Betreuungsrecht - heutzutage den Durchblick zu behalten, fällt zunehmend schwer. Hier setzen wir mit unserem neuen Angebot an. Wir möchten Euch in einfacher Umgangssprache aufzeigen, was sich im Wesentlichen geändert hat und welche Rechte wir haben. Aber auch, wo und wie sich die Rechte im Berliner Verwaltungsdschungel durchsetzen lassen und wer uns helfen kann. Unser neues Angebot richtet sich an jeden Menschen mit einer Behinderung, chronisch Kranke und all jene, die selbst in ihrem Verein, in ihrer Selbsthilfegruppe oder in den diversen Beiräten, Arbeitsgemeinschaften oder Gremien die Interessen von Menschen mit Behinderung vertreten. Um es spannend zu machen, laden wir uns regelmäßig spezielle Gäste ein, die uns von sich, ihrer Arbeit und auch von ihren Problemen berichten. Dies können Stadträte/ innen, Behindertenbeauftragte, Schwerbehindertenvertreter/innen oder Mitarbeiter der Teilhabeämter sein. Da es in Berlin ein breit gefächertes Angebot an Beratungsstellen gibt, werden wir auch diese vorstellen und Mitarbeiter dieser Beratungsstellen zu Gast haben. Zum Beispiel von der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB), den Krebsberatungsstellen, den Pflegestützpunkten, der Suchtberatungsstellen, den Beratungsstellen an den Hochschulen und natürlich auch von der neu geschaffenen Beratungs- stelle für Berufskrankheiten. Da uns Corona immer noch im Griff hat, werden unsere ersten Veranstaltungen digital per Internet (Jitsi) stattfinden. Wir würden uns freuen, wenn ihr dieses Angebot nutzt. Auftaktveranstaltung Keine Angst vor Sozialverwaltung und Sozialrecht Unser telefonisches Beratungsangebot wird seit dem 1.5.2020 aufgrund der Sars Covid 19–Einschränkungen ausgeweitet. Sie erreichen uns montags bis freitags jeweils von 11:00 – 16:00 Uhr unter folgender Telefonnummer: 030 - 204 38 48. Donnerstag, den 17. Juni, 13:00 bis 16:00 Uhr Thema: Bezirksbeauftragte für Menschen mit Behinderung - Was können sie leisten? Wo bringen Sie sich ein. Unsere Gesprächspartnerin: Hildrun Knuth (Bezirksbeauftragte Berlin-Mitte) Anmeldung: Sie können sich telefonisch bei Dominik Stronz anmelden (Tel.: 030 / 204 38 47). Alternativ auch per Email an info@bbv-ev.de. Die Teilnahme ist kostenlos. Wegen dem Corona-Virus können derzeit nur im Notfall persönliche Beratungen in der Geschäftsstelle erfolgen. Dennoch sind wir für Sie da. Schreiben Sie uns einfach eine Email an teilhabeberatung@ bbv-ev.de oder rufen Sie unter der nebenstehenden Telefonnummer zu den veröffentlichen Uhrzeiten an. em BBV Folgt d ia: ial Med auf Soc rlin BBV.Be BBV_ev r berline ertenverband behind anzeige MEDICAR Servicebetrieb für Körperbehinderte Reha-Technik für Behinderte tel 030 47411246 fax 030 47411247 Rollstuhlverleih- und Reparatur, Notdienst 13127 Berlin · Pankstraße 8-10 info@medicar.de · www.medicar.de Hausbesuche nach telefonischer Vereinbarung Ve r k a uf | B e r a t ung | S e r v i c e SelbStbeStimmt leben.Wir unterStützen Sie – zuverläSSig. Ambulanter Dienst der Fürst Donnersmarck-Stiftung Assistenz | Beratung | Pflege | Behandlungspflege | Hilfe im Haushalt Wir informieren Sie gern: Oraniendamm 10-6 | Aufgang A 13469 Berlin Tel. (030) 40 60 58 0 amb.dienst@fdst.de www.fdst.de/ambulanter-dienst © Berliner Behindertenverband e. V. Anmeldung: Eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich. Sie können uns am besten per Email erreichen: info@bbv-ev.de. BBZ Freizeit Juni 2021 13 „Das bedeutet alles für uns“ Von Patrick Dirrigl © Ralf Kuckuck | DBS W enn man Malte Braunschweig nach seinen Vorbildern fragt, muss der 20 Jahre alte Para Schwimmer vom Berliner Schwimmteam nicht lange nachdenken: „Chad le Clos – und natürlich mein Bruder“. Le Clos gewann bei den Olympischen Spielen in London 2012 Gold über 200 Meter Schmetterling, knapp vor Michael Phelps. Ole Braunschweig, Maltes großer Bruder, ist amtierender Deutscher Meister über 50 und 100 Meter Rücken – und hat Malte quasi auch zum Schwimmsport gebracht. „Ole ist zuerst von uns beiden zum Schwimmen gekommen. Dann meinten meine Eltern, dass ich das doch auch mal probieren sollte“, sagt Malte Braunschweig, der eine Dysmelie am rechten Arm hat: Seine Oberarmmuskulatur ist nur zum Teil vorhanden, zudem fehlt ihm an der rechten Hand der kleine Finger. In der Startklasse S9 hält er gleich sechs deutsche Rekorde: im Freistil, Schmetterling und im Rückenschwimmen – jeweils über 50 und 100 Meter. Und dieses Jahr könnten sich die Braunschweig-Brüder aus Berlin-Biesdorf einen Lebenstraum erfüllen: Sie haben beide gute Chancen, in Tokio an den Start zu gehen. Ole bei den Olympischen Spielen, Malte bei den Paralympics. Sie wären das erste deutsche Brüderpaar, dem das im gleichen Jahr gelingt. „Das bedeutet alles für uns“, sagt Ole Braunschweig. „Unsere Eltern sind total stolz. Die ganze Zeit und das Geld, das sie in uns und unseren Sport investiert haben, war nicht umsonst“. Dass es die beiden Brüder nach Tokio schaffen können, ist nicht selbstverständlich: „Wir hatten viele Rückschläge Nach Redaktionsschluss erfuhren wir, das Malte Braunschweig sich qualifiziert hat. Gratulation. in der Vergangenheit“, sagt Ole Braunschweig. Zudem sei die Finanzierung beider Leistungssportler nicht immer einfach gewesen. Mit harten Rückschlägen kennt sich der mit 23 Jahren ältere der beiden Braunschweig-Brüder bestens aus: „Im Dezember 2019 hat sich Ole das Kreuzband gerissen – seitdem trainiert er ohne Kreuzband. Er hat sich noch nicht operieren lassen, weil ihm seine Muskulatur genug Stabilität gibt“, sagt Malte Braunschweig. „Außerdem hatte er noch Pfeiffersches Drüsenfieber, war Corona-positiv und wegen der Quarantäne nochmals zwei bis drei Wochen aus dem Training raus“, berichtet Malte aus der Krankenakte seines großen Bruders. Mit Ehrgeiz und Motivationskünsten zum großen Traum? Wie Ole mit seinen Verletzungen und Krankheiten umgegangen ist, ist einer der Gründe, warum er das große Vorbild seines kleinen Bruders ist: „Er lässt sich davon einfach nicht unterkriegen. Er gibt niemals auf, kommt immer wieder zurück“, sagt Malte, der sich zudem gern eine Scheibe von Oles Ehrgeiz, seiner „vollen Fokussierung aufs Ziel“ abschneiden würde. Dass der große Bruder immer wieder so stark zurückkommen kann, liegt aber auch an Maltes Motivationskünsten. „Vor allem nach meinem Kreuzbandriss hat mich Malte sehr unterstützt und mir immer wieder gut zugeredet“, sagt Ole Braunschweig. „‚Ole denk dran: unser Traum…‘“, habe Malte ihm stets eingeflüstert. „Malte ist ein toller Teamplayer und hat sich zu einer starken Persönlichkeit entwickelt“, sagt Ute Schinkitz, die Bundestrainerin der deutschen Para Schwimmer. „Außerhalb des Beckens nimmt er die anderen immer wieder mit, denkt an sie und motiviert sie“, berichtet die Bundestrainerin, die aber gleichzeitig auch etwas zur Vorsicht mahnt: „Malte muss aufpassen, dass er im entscheidenden Moment nicht zu viel Energie an andere abgibt.“ Deshalb könne es sein, dass ihm selbst ein paar Prozent zu seiner absoluten Leistung fehlen. „In unserer Familie heißt es immer: ‚Malte ist einfach zu lieb für diese Welt‘“, sagt Ole Braunschweig. „Er macht sich sehr viele Gedanken um andere – und stellt sich selbst hinten an“. Die Para Europameisterschaften als Zwischenetappe vor dem großen Ziel Ziel: Tokio. „Es wären meine ersten Paralympics, meine Premiere – deshalb ist es sehr aufregend für mich“. Dort will er Bestzeiten schwimmen, wenn nach der geschafften Qualifikation auch die Nominierung erfolgt. „Vielleicht ist ja sogar auch ein Finalplatz für mich drin.“ Bei den Weltmeisterschaften in London 2019 wurde Malte Neunter über 100 Meter Rücken, verpasste das Finale um drei Zehntel. „Das war ein tolles Ergebnis, das Feld in seiner Startklasse ist sehr groß und an der Spitze sehr eng“, sagt Ute Schinkitz. „Ein Finalplatz ist realistisch“, sagt die Bundestrainerin. Aber: „Malte muss seine Top-Leistung bringen, alles ist von der Tagesform abhängig“. Am Tag X müsse der 20-Jährige, der bei European Youth Games bereits fünf Medaillen gesammelt hat (dreimal Gold und zweimal Silber), voll da sein. „Das ist die Kunst“, sagt Schinkitz. Ohne Fans und Zuschauer würden die Paralympics laut Malte Braunschweig „etwas anders“ und doch „besonders“ sein: „Ich gehe ganz positiv an die Sache ran: Man kann immerhin sagen, dass man bei den Spielen während der Corona-Pandemie dabei war“. Sein Bruder Ole blickt mit ähnlichen Ambitionen und der gleichen Vorfreude Richtung Tokio – in Berlin gibt es also auch eine Braunschweiger Eintracht: „Mein größtes Ziel ist es, meine Bestzeit zu schwimmen. Mit der Staffel möchte ich ins Finale und im Einzel würde ich gerne das Halbfinale erreichen“, sagt der 23-jährige Rückenschwimmer. „Auch wenn wir nur zwischen unserem Zimmer im Dorf und der Halle pendeln, wird das trotzdem geil.“ Es seien „historische Spiele“, denn: „In der Geschichte der Olympischen Spiele wurden diese nur zwei Mal abgesagt, nun wurden sie zum ersten Mal verschoben“, sagt Ole Braunschweig. Sich für die Spiele in Tokio qualifiziert zu haben, sei deshalb „etwas Besonderes“. Was Tokio 2021 aus deutscher Sicht historisch machen würde, wäre, wenn Ole Braunschweigs kleiner Bruder Malte nur ein paar Wochen nach ihm im gleichen Becken bei den Paralympics startet. Was wäre das für eine Geschichte – nicht nur für die Familie Braunschweig. anzeige LK 32 – Persönliche Assistenz und Eingliederungshilfe Wir beraten Sie gerne! www.phoenix-soziale-dienste.de Telefon 030 355 304-0 Für ein selbstbestimmtes Leben! © Berliner Behindertenverband e. V. Zwei Brüder auf dem Weg nach Tokio Mode 14 Juni 2021 BBZ Innovativ und inklusiv air, sozial, nachhaltig – das sind die Schlagwörter, die uns Konsumenten heutzutage immer mehr beschäftigen. Doch wir ergänzen die Schlagwörter noch um das Wort „Inklusiv“. Wer glaubt, dass dies nicht möglich ist, der täuscht sich. Das Modelabel Blauherz versucht genau dies umzusetzen. Für uns Grund, diese Marke vorzustellen. ein eigens entwickelter Magnetverschluss Menschen mit motorischen Schwierigkeiten das Öffnen und Schließen der Hose. Die Hose ist eine Maßanfertigung, auf der Webseite gibt es daher ein Erklärvideo zum richtigen Maßnehmen. Wer in der Nähe von Weinheim wohnt, kann dafür aber auch direkt in der Nähwerkstatt vorbeikommen. Auch die T-Shirts von BLAUHERZ sind nicht irgendeine Stangenware. Da sie extra länger geschnitten sind, bedecken sie im Sitzen auch den Rücken. Die Manufaktur im Herzen Weinheims produziert neben T- Shirts aus Bio-Stoffen, Spezialanfertigungen für Unternehmen, auch Hosen speziell für die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrer und Rollstuhlfahrerinnen. Alle Produkte sind aus GOTS-zertifizierten Stoffen, beim Produktionsprozess wird also darauf geachtet, den ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten. Mit der Fertigstellung des neuen Männermodells der Rollstuhlhose ging nun auch die neue Homepage inklusive Onlineshop unter www.blauherz. eu an den Start. Dort findet man alle BLAUHERZ.-Produkte und auch die Möglichkeit, die Hose zu individualisieren. Zum Beispiel in ihrer Beinlänge. Entwickelt wurde die Hose in Zusammenarbeit mit Rollstuhlfahrer und Rollstuhlfahrerinnen. Was macht die Hose aber so besonders? Durch einen hohen und elastischen Bund und flache Nähte hinterlässt sie keine unangenehmen Druckstellen und verrutscht beim Sitzen nicht. Insofern perfekt für den Alltag im Rollstuhl. Weitere Besonderheiten sind ein verlängerter Reißverschluss mit Grifflasche und verstärkte Gürtelschlaufen machen das Ankleiden mit und ohne Hilfe einfacher. Zudem erleichtert Soziale Ausrichtung Blauherz ist allerdings viel mehr als ein x-beliebiger Hosen- und T-Shirt-Hersteller. Bei Blauherz entstehen Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung. „Wir schaffen so ein Mehr an gesellschaftlicher Teilhabe und Selbstständigkeit“, sagt Ute Weinmann, Geschäftsführerin des Inklusionsbetriebs. „Bei uns lernen junge Menschen Nähen von der Pike auf, von der ersten geraden Naht zum perfekten T-Shirt. Und durch das eigene Gehalt haben unsere Mitarbeiterinnen die Möglichkeit, ihr Leben selbstbestimmt und unabhängig zu führen“, so Weinmann. Blauherz ist also Nachhaltigkeit und Inklusion in einem. Und wenn gerade keine neue Rollstuhlhose genäht wird, erfüllt das Team von Blauherz individuelle Wünsche für Unternehmen, vor allem durch Upcycling bereits vorhandener Materialien. Ressourcenschonend entstanden so zum Beispiel bereits mehrere Kollektionen von Shopping- oder iPad-Taschen aus Segeltuch oder LKW-Plane. Derzeit arbeiten zwei junge Frauen mit Behinderung in Festanstellung bei Blauherz. „Zum Jahresende wird voraussichtlich ein dritter Platz für die aktuelle Praktikantin geschaffen“, so Ute Weinmann. Zum Team gehören außerdem eine Schneiderin und eine Heilerziehungspflegerin, die die inklusiven Arbeitsplätze betreut. Über Blauherz:Blauherz ist eine gemeinnützige GmbH, die 2019 gegründet wurde. Die Idee des Inklusionsbetriebs entstand schon drei Jahre zuvor durch ein Projekt des Pilgerhaus Weinheim, evangelische Jugend- und Behindertenhilfe, und der Studierendeninitiative Enactus Mannheim e.V., die Social Start-ups unterstützen. Ziel war und ist es, Kleidung für besondere Anforderungen zu nähen. Bei Blauherz arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung zusammen, um inklusive und faire Mode und Accessoires für jeden Menschen herzustellen. Mode für besondere Menschen Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Firmen, die Mode für behinderte Menschen entwerfen, produzieren und verkaufen. Firmen mit einem Onlineshop sind unter anderem: • Habits-Plus ww.habits-plus.com Mode für Frauen, Männer und Accessoires. Tipp: Zudem auch Hausschuhe, Capes, Ponchos und Beinabdeckungen. • Rollimoden www.rollimoden.de • Rolling Pants www.rolling-pants.com • Rollitex www.rollitex.de anzeige Sie suchen nach Informationen und Kontaktadressen über Rollstühle, barrierefreien Urlaub, Hilfsmittel, KFZ-Umbau, Lifter und vielem mehr? STÖBERN SIE IN UNSEREM BBZ-BRANCHENBUCH IN VIELFÄLTIGEN RUBRIKEN: www.bbz-branchenbuch.de – das Branchenbuch der Berliner-Behindertenzeitung Rollstuhlurlaub Oberbayern: Stadel-Hof, Altötting Ferienwohnungen auf einem Bauernhof Die beiden Ferienwohnungen mit 52 qm und 37 qm sind hochwertig, modern und gemütlich gestaltet. Die Wohnungen sind barrierefrei, generelle Türbreiten über 90 cm, sowie sehr gut ausgestattete Badezimmer. Alarmsysteme sind vorhanden. Die gesamte Innenanlage des Bauernhofes und Gartenflächen sind mit dem Rollstuhl gut befahrbar. Für Kinder gibt es auf diesem Hof allerlei zu erleben. Mehr Infos in unserem Online-Branchenbuch in der Rubrik: Reisen und Urlaub - Bayern. Kfz - Umbau MOBITEC GmbH & Co.KG, Berkheim Spezialist für Kfz-Umbauten Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt sich dieses Unternehmen mit Kfz-Umbauten. Das Unternehmen zeichnet sich aus durch: Einfachheit, Klarheit- und Geradlinigkeit, Offenheit, Freundlichkeit & Ehrlichheit. Im Portfolio sind mehr als 10 verschiedene Kfz-Hersteller und können dadurch weit über 40 verschiedene Kfz-Modelle Kundenspezifisch umgebaut werden. Mehr Infos in unserem Online-Branchenbuch in der Rubrik: Mobilität - Kfz-Umbauten. Rollstuhlurlaub Frankreich: Ferienhaus „La Bergerie“ Bretagne in Strandnähe In unmittelbarer Strandnähe auf einem Grundstück zur alleinigen Nutzung liegt das rollstuhlgerechte Ferienhaus für bis zu 10 Personen mit einer Wohnfläche von 145 m². Das Bad und Schlafzimmer ist sehr gut behindertengerecht ausgestattet. Das sehr großzügige Wohnzimmer mit Essbereich bietet an einem Tisch Platz für 10 Personen. Therapiehunde können nach Absprache mitgenommen werden. Mehr Infos in unserem Online-Branchenbuch in der Rubrik: Reisen und Urlaub - Ausland. © Berliner Behindertenverband e. V. Mode für und von Menschen mit und ohne Behinderungen F BBZ Freizeit Juni 2021 15 21 Medaillen, Tokio-Normen und viele Bestzeiten B Denise Grahl war happy: Am Abschlusstag der Europameisterschaften im Para Schwimmen auf Madeira (Portugal) blieb die 29-Jährige über 100 Meter Freistil bereits im Vorlauf knapp unter der erforderlichen Tokio-Norm und steigerte sich im Finale nochmals deutlich. Der Lohn: Silber. Es war Grahls vierte Medaille dieser EM – doch noch größer dürfte die Freude über die ersehnte Paralympics-Qualifikation gewesen sein. Zudem steuerten Verena Schott und Janina Breuer noch zweimal Bronze hinzu, so dass das deutsche Team mit insgesamt 21 Medaillen im Gepäck die Rückreise antritt. Die Ausbeute kann sich sehen lassen: Dreimal Gold, neunmal Silber und ebenfalls neunmal Bronze sammelten neun Athletinnen und Athleten aus dem 16-köpfigen Aufgebot von Bundestrainerin Ute Schinkitz in sieben Wettkampftagen in Portugal. Doch abgesehen von den Medaillen hatte Schinkitz vor allem die Zeiten im Blick – und auch die konnten sich sehen lassen. Neun deutsche Rekorde, 21 persönliche Bestzeiten und 15 Saisonbestleistungen standen am Ende zu Buche, dazu zwei neue Normerfüller für die Spiele in Tokio. Neben Denise Grahl gelang das dem 20-jährigen Fabian Brune, der die Jugend-Norm unterbot. „Es gibt immer Licht und Schatten bei solchen Veranstaltungen, wobei die Lichtblicke überwiegen. Wir sind insgesamt zufrieden mit dem Leistungsniveau. Allen voran die potenziellen Tokio-Starter haben gute Wettkämpfe gezeigt“, bilanziert Ute Schinkitz und fügt an: „Wir wollten nach der © Ralf Kuckuck | DBS BZ/PM Denise Grahl schwimmt die Tokio-Norm und gewinnt erneut Silber – Verena Schott schnappt sich die fünfte Medaille im fünften Rennen – Bundestrainerin Ute Schinkitz mit Leistungsniveau zufrieden Janina Breuer und Verena Schott. langen Pause wieder Schwung aufnehmen in Richtung Tokio, das ist uns als Mannschaft sehr gut gelungen.“ So schafften es alle 16 Schwimmerinnen und Schwimmer ins Finale, insgesamt gelangen 48 Finalteilnah- men. Für die drei Goldmedaillen sorgten Elena Krawzow, Taliso Engel und Denise Grahl, die zudem zweimal Silber und einmal Bronze gewann. „Mein großes Ziel war die Tokio-Norm und ich bin sehr glücklich, dass ich das geschafft habe. Im Finale bin ich nur knapp über meiner Bestzeit geblieben“, sagte Grahl nach dem silbernen Abschluss über 100 Meter Freistil (1:11,92 Minuten / Startklasse S7). Eine Medaille mehr sammelte Verena Schott mit dreimal Silber und zweimal Bronze – am Finaltag kam noch Platz drei über 50 Meter Schmetterling mit deutschem Rekord hinzu (37,27 Sekunden / S6). „Ich bin mega stolz über diese Zeit, so schnell war ich auf dieser Strecke noch nie. Daher bin ich auch sehr happy über Bronze“, freute sich die 32-Jährige vom BPRSV. Für die 21. und letzte deutsche Medaille bei der EM in Portugal sorgte Janina Breuer mit Bronze über 100 Meter Schmetterling (1:12,06 Minuten / S14). Für die Rückkehrerin war es nach zweimal Silber zuvor ihre dritte Medaille und somit ein gelungener Abschluss. Marlene Endrolath verpasste zwar als Vierte über die 200 Meter Lagen (SM13) das Treppchen, unterbot dafür mit 2:35,48 Minuten einen langjährigen deutschen Rekord auf dieser Strecke. Zudem wurde Tobias Pollap über 100 Meter Freistil mit Saisonbestleistung Fünfter (1:04,68 Minuten / S7).Nächster Halt für die deutsche Nationalmannschaft sind die Internationalen Deutschen Meisterschaften in Berlin vom 17. bis 20. Juni – es ist gleichzeitig die letzte Möglichkeit zur Qualifikation für die Paralympics in Tokio, die am 24. August beginnen. Bundestrainerin Ute Schinkitz: „Wir treten zufrieden die Heimreise an und wissen, an welchen Baustellen wir noch arbeiten müssen, um bei der IDM in Berlin und schließlich in Tokio noch schneller zu werden“. Impressum der Berliner Behindertenzeitung (BBZ) Herausgeber: Berliner Behindertenverband e. V. Anschrift der Redaktion: Berliner Behindertenzeitung, Jägerstraße 63D, 10117 Berlin Tel.: 030 / 204 38 47 info@berliner-behindertenzeitung.de Chefredakteur (V.i.S.d.P.): Dominik Peter redaktion@berliner-behindertenzeitung.de Mitarbeitende der Ausgabe: Christiane Müller-Zurek, Patrick Dirrigl, Gerd Miedthank, Arnd Hellinger, Martin Schultz, Sven Przibila, Lutz Kaulfuß und Dominik Peter Satz und Layout: Jasper Dombrowski | grafik@berliner-behindertenzeitung.de Lektorat: Dorothea Ismail und Lutz Kaulfuß IBAN: DE47 1009 0000 7083 7050 05 BIC: BEVODEBB | Berliner Volksbank eG Abonnentenanfragen: abo@berliner-behindertenzeitung.de 030 / 204 38 47 Die Redaktion behält sich das Recht vor, Artikel zu kürzen. Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Zeichnungen und Fotos wird keine Haftung übernommen. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Diese Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck - auch auszugsweise - nur mit schriftlicher Genehmigung. Anzeigenaufträge: post@berliner-behindertenzeitung.de 0157 / 58 18 45 23 Druck: von Stern‘sche Druckerei GmbH & Co KG www.vonsternschedruckerei.de Die Ausgabe Juli / August 2021 erscheint am: 09.07.2021 Redaktionsschluss: 21.06.2021 Anzeigenschluss: 24.06.2021 Versand: 07. und 08.07.2021 Die Berliner Behindertenzeitung erscheint 10 Mal im Jahr. Der Jahresabopreis beträgt 15,00 Euro. Für Mitglieder des BBV ist der Bezug im Mitgliedsbeitrag enthalten. Auflage dieser Ausgabe: 10.000 Exemplare Internetadressen Berliner Behindertenzeitung: www.berliner-behindertenzeitung.de Berliner Behindertenverband: www.bbv-ev.de BBZ-Branchenbuch: www.bbz-branchenbuch.de © Berliner Behindertenverband e. V. Schwimmen Der Berlin Flaneur 16 Juni 2021 BBZ Unterwegs Die „Kirchenjule“ und ihre 66 Kirchen Er ist eng mit der Geschichte einer Frau verbunden, die von den Berliner mit mehr oder weniger Respekt „Kirchenjule“ genannt wurde und die Silhouette von Berlin Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts geprägt hat. Denn diese Frau ließ allein in Berlin 66 Kirchen errichten. Nun fragen Sie sicherlich wer diese „Kirchenjule“ war? Ihr voller Name war Auguste Viktoria Friederike Luise Feodora Jenny von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg. Sie war die letzte deutsche Kaiserin und galt zu ihrer Zeit als die meistfotografierteste Frau der Welt. Als Kaiserin Auguste Viktoria 1921 in „Haus Doorn“ in den Niederlanden starb und im „Antikentempel“ im Park von Schloß Sanssouci beigesetzt wurde, nahmen tausende von ehemaligen Untertanen Abschied von ihr. Kaiserin Auguste Viktoria war ein zwiespältiger Charakter. Auf der einen Seite war sie sehr sozial und auf der anderen Seite im Denken veraltet und elitär. So wird ihr von einigen Historikern, der Untergang des Kaiserreiches zugeschrieben, weil sie ihrem Mann, Wilhelm II., beschwor nicht den erwachten demokratischen Kräften nach zu geben und in Amt zu bleiben. Denn sie sah das deutsche Kaisertum als gottgewollt an. Das führte dazu, das der Kaiser abdanken musste und nie mehr nach Deutschland zurückkehren durfte. Die Kaiserin war seit Beginn 20. Jahrhunderts sowas wie die graue Eminenz im deutschen Kaiserreich. Auf der anderen Seite war die Kaiserin auch sehr sozial engagiert. Sie sah, was los war im aufstrebenden Kaiserreich. Sie sah die Armut und durch ihre sehr fromme kirchliche Erziehung tat sie Gutes. So kam die Kaiserin auch auf die Idee den Kirchenbau voranzutreiben, damit ihre Untertanen geistliche Erbauung empfangen konnten. Wie gesagt 66 Kirchen in Berlin gehen auf ihre Initiative zurück. Wie die einstige „Bethanienkirche“ am Mirbachplatz. Die am 26. Oktober 1902 im Beisein des Regentenpaares eingeweiht wurde. Wenn Sie heute einen Spaziergang zu all den noch existierenden Kirchen machen wollen, welche die „Kirchenjule“ und ihr Mann eingeweiht haben, dann haben sie einen sehr sehr langen Spaziergang vor sich, quer durch Berlin. Fast alle Kirchen, die in Verbindung mit Auguste Viktoria und dem von ihr ins Leben gerufenen „Kirchenbauverein“ stehen, waren mit Hubbes normaler Alltagswahnsinn roten Backsteinen errichtet worden. So die „Erlöserkirche“ in Rummelsburg, die „Immanuelkirche“ an der Prenzlauer Allee oder die Kirche „Zum Guten Hirten“ in Berlin Friedenau. Gehen wir noch mal zurück zu den Überresten der „Bethanienkirche“ am Mirbachplatz. Wenn man sich diese Ruine anschaut, muss es ein sehr großer Kirchenbau gewesen sein. Nachdem sie errichtet worden war, war das Gotteshaus mit seinem 65 Meter hohen Turm, ein Wahrzeichen von Weißensee. Im Gegensatz zu anderen Kirchen, wie z. B. der „Gethsemanekirche“ im heutigen Helmholzkietz, unweit der Schönhauser Allee, oder der „Lutherkirche“ in Schöneberg, wirkte der Glockenturm der „Bethanienkirche“ ziemlich klobig und nicht so elegant wie die Türme den anderen Kirchen. Wenn Sie sich alte Fotos der Weißenseer Kirche anschauen, als sie #noch in voller Pracht in den Himmel ragte, wirkt dieser Bau mächtiger als andere Bauten ihrer Art in Berlin. Es scheint fast so, als käme er aus dem Mittelalter. Sie merken, es könnte interessant werden, wenn Sie sich auf die Spuren der „Kirchenjule“ durch Berlin begeben. Ach übrings: Ich glaube, sie wusste, wie sie im Volke genannt wurde. Denn der Kaiserin wurde viel zugetragen. Doch darüber hat die „Kirchenjule“ bestimmt majestätisch hinweg gelächelt. Informationen „Bethanienturm“ am Mirbachplatz Mirbachplatz 13086 Berlin Wegbeschreibung: Am Antonplatz aussteigen und dann rechts am Kino Toni vorbei und die Max-Steinke Straße immer geradeaus. Ihr Ziele haben sie den ganzen Weg vor Augen. (ca. 600 m) Am „Mirbachplatz“ gibt es verschiedene gastronomische Einrichtung, die momentan wegen Corona geschlossen sind. Mein Tipp ist die „Schwäbische Bäckerei Sporrys“ am Mirbachplatz, Schönstraße 1. Auch während der Corona-Beschränkungen geöffnet und man kann sich eine schmackhafte Wegzehrung holen. Tram: Station. Antonplatz M4, M13, M12 Bus: Linie 158, 255 Haltestelle Mirbachplatz Der Berlin Flaneur im Internet: Website: www.derberlinflaneur.de Instagram: #derberlinflaneur Kontakt: info@derberlinflaneur.de anzeige -0 Das Sozialunternehmen USE gGmbH bietet vielfältige berufliche Rehabilitationsmöglichkeiten für psychisch kranke und / oder behinderte Menschen in über 30 Berufsfeldern – von Handwerk & Medien über Dienstleistungen bis hin zu Gastronomie & Tourismus in Berlin und Brandenburg. Der Integrationsfachdienst Mitte, die Unterstützte Beschäftigung, Arbeitsförderund Beschäftigungsmaßnahmen, Umschulung und Ausbildung bis hin zur Einrichtung von Schwerbehindertenarbeitsplätzen bereichern dieses Angebot. i www.u-s-e.org Tel.: 030 / 49 77 84 - 0 © Berliner Behindertenverband e. V. enn Sie auf dem Antonplatz stehen und Richtung Westen schauen, werden zur rechten Seite des Kinos in der Ferne einen hohen Turm erblicken. Dort ist der „Mirbachplatz“. Dieser Turm, auch „Betanienturm“ genannt, ist der Rest der „Bethanienkirche“. © Sven Przibilla W
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