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Periodical volume

Full text: Moabit 21° Issue 8.2018

m abit ˚21
Winter-Melancholie
Zeitung für Menschen in Moabit-Ost | Winter 2018 | Ausgabe 8

Zum Raustrennen
Aktuelles aus dem
Quartiersmana­gement
Moabit-Ost & aus dem
Kita-Netzwerk-Moabit-Ost
ç

Foto: Denise Weeke

Willkommen zur 8. Ausgabe von moabit°21!
Wer kennt das nicht – im Winter am Fenster stehen, den Blick auf die kahlen Bäume,
keine Lust rauszugehen, sondern lieber minutenlang die Gedanken schweifen lassen.
Melancholie, diese sanfte, etwas wehmütige,
aber auch kreative Nachdenklichkeit. Sie befällt viele von uns im Winter.
Macht es Euch gemütlich mit einer heißen
Tasse Tee und der neuesten moabit°21, in
der sich auch dieses Mal wieder viele spannende Beiträge finden, von Moabiter*innen
für Moabiter*innen!

GenerationenRaum

Die Redaktion dieses Mal:
Denise Weeke, Rebecca Stoll, Christoph Stein,
Aboli Janine Lion, Elke Gausepohl, Ulli Bungert,
Robert Bytom, Reni Pischke, LAGeSo, Venus Le,
Susanne Bierwirth, Marie Werner

In dieser Ausgabe
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Was ist los in Moabit?
Aufwachsen in Moabit
Mal nachgefragt…
Lokaler Transport
Poesie
Spurensuche
Weihnachten und vieles mehr…

Moabit-Ost

Winter in Moabit
Eis und Dunst, wohin man sieht.
Der Busverkehr wird stündlich schwächer,
im Spreelauf schippert ein Eisbrecher,
Ich rutsche auf dem Gehsteig aus.
Fortan bleibe ich zuhaus,
lese ein Buch, trink einen Tee.
Draußen, seh ich, tobt der Schnee
und Kinder gleiten fröhlich munter
mit Schlittschuhen die Straße runter.
Denise Weeke

und Wohnen

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Was ist los in Moabit?

Kiezlesen: Die neue Bücher Tankstelle
des LAGeSo
haben gezeigt: Büchertanken ist
beliebt! Die Bücherregale sind
stets gut gefüllt und die Lektüreauswahl ist vielfältig. Eine Besichtigung lohnt sich!

LAGeSo-Präsident Franz Allert bei der Eröffnung der Bücher Tankstelle

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) feiert in diesem Jahr sein
20-jähriges Bestehen. Die Berliner Gesundheits- und Sozialbehörde kümmert sich im
Wesentlichen um Fragen des Gesundheitsschutzes der Bevölkerung und um Bürgerinnen und Bürger, die spezielle soziale Unterstützung benötigen. Hierzu gehört die
Überprüfung und Beratung von Anbietern
von Gesundheitsleistungen, wie Apotheken,
Krankenhäuser, Pharmaunternehmen, von
Ärzten und Krankenschwestern. Zusätzlich
werden Heimplätze für alte, behinderte und
wohnungslose Menschen geprüft und de-

Impressum
Herausgeberin: GenerationenRaum gGmbH,
Stephanstr. 53, 10559 Berlin
perspektiven@generationenraum.de
Redaktion: Projekt „Perspektiven°Moabit-Ost“, gefördert im Rahmen des Programms „Soziale Stadt“
als Teil der „Zukunftsinitiative Stadtteil“ (ZIS II).
Online-Ausgabe: www.moabit-ost.de/
aktiv-im-kiez/moabit21/
Nächster Redaktionsschluss: Bitte erfragen
Gestaltung: LayoutManufaktur
Auflage: 2.000

ren Anbieter, Bewohner und Betreuer informiert und beraten. Unterstützung erhalten
Menschen mit Behinderung und Opfer von
Gewalt und Krieg.
Im Rahmen des diesjährigen Jubiläums hat
Präsident Franz Allert am 15. August 2018
die neue Bücher Tankstelle im stilechten
LAGeSo-Design vor Haus A auf dem Gelände des Gesundheits- und Sozialzentrums
Moabit (GSZM) eröffnet. Die Bücher Tankstelle war eine Idee der Mitarbeitenden des
LAGeSo, die im Zuge der Aktivitäten rund
um das Thema 20 Jahre LAGeSo umgesetzt wurde. Mit der Eröffnung im Sommer
wurde der Startschuss für alle Leseratten
von nah und fern gegeben, die öffentlich zugängliche Telefonzelle zum Bücher(auf)tanken zu nutzen. Konkret heißt das: Ausleihen,
Behalten, Mit- oder Zurückbringen von persönlichen Lektüren aller Art. Ganz nebenbei
ist diese Form der Büchertauschbörse kostenfrei. Daher empfehlen wir allen örtlichen
Leseratten im Kiez wärmstens als kurzen
Ausflugstipp für die kalte Jahreszeit einen
Besuch im kleinen aber feinen Bücherparadies. Unsere Erfahrungen der ersten Monate

Da Winterzeit Lesezeit ist,
möchten wir an dieser Stelle
auch auf einen Veranstaltungstipp des LAGeSo hinweisen: Am Donnerstag, den 13.
Dezember 2018 findet um 18
Uhr im Haus A auf dem GSZM-Gelände in der Turmstraße
21 eine Lesung von der Autorin
und Bloggerin Laura Gehlhaar
statt. Frau Gehlhaar schreibt in
Ihren humorvollen Publikationen über Ihr Leben als Rollstuhlfahrerin und setzt sich als
Aktivistin für mehr Inklusion
von Menschen mit Behinderungen ein. Interessierte können
sich unter der E-Mail-Adresse
presse@lageso.berlin.de für die
Veranstaltung anmelden. Der
Eintritt ist frei. Wir freuen uns
auf Ihren Besuch!
Text und Fotos: LAGeSo

Weitere Informationen zum
LAGeSo finden Sie unter
www.lageso.berlin.de
Folgen Sie uns auf Twitter:
@LAGeSo_Berlin

Ausgabe 8 | Winter 2018 | moabit °21

Was ist los in Moabit?

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„Krasse Bilder“ im Hauptbahnhof
Der WORLD PRESS PHOTO
Award
findet seit 1955 jedes Jahr statt.
Die Ergebnisse – Fotos von etlichen Tausend Fotojournalisten –
werden alljährlich in 45 Ländern
der Welt gezeigt. Damit wird auch
für den freien Austausch von Informationen demonstriert.
In 1955 a group of Dutch photographers organized an international contest (“World Press Photo”)
to expose their work to a global audience. Since then the contest has
grown into the world’s most prestigious photography competition,
and through our successful worldwide exhibition program, presents the winning stories to millions of people. (Further information: www.worldpressphoto.org)

Im Hauptbahnhof waren vom 10. bis 19.
Oktober die Gewinnerbilder des World
Press Photo-Awards 2018 ausgestellt. Wir
waren vor Ort und haben uns diese beeindruckende Ausstellung angesehen.

Das Erste, was ich von einer der Rolltreppen
im Hauptbahnhof sah, war ein riesiges Foto
von jungen Mädchen in Burkinis, die sich –
auf dem Wasser treibend – an leere Kanister
klammern. Es handelt sich, so erfahre ich bei
näherem Hinsehen, um Schwimmunterricht
am Muyuni-Strand auf dem Sansibar Archipel.
Mein Interesse an der Ausstellung war geweckt. Den Hinweis, die Fotos seien teilweise nicht für Kinderaugen geeignet,
konnte man durchaus erstnehmen. Auch für
meine Augen waren schockierende Fotografien vertreten. Fotos, aufgenommen bei
Straßenkämpfen in Venezuela, Schießereien
in verschiedenen südamerikanischen Ländern, ein Mensch als lebende Fackel, Opfer
des IS, Prostituierte aus St. Petersburg und
Mädchen aus Kamerun, denen zum Schutz
vor Vergewaltigung die Brüste flachgedrückt worden sind. Diese Bilder überlagerten meine Wahrnehmung so sehr, dass ich
kaum dazu kam, wirklich gelungene Aufnahmen von Sportereignissen und anderen
großen und kleinen Ereignissen überall auf
der Welt zu würdigen. „Krasse Bilder“, murmelte es von überall um mich herum.

Neugierig geworden sah ich mir
den zweiten Standort der Ausstellung, eine Etage tiefer am
Ausgang Washingtonplatz an.
Ins Auge stachen Arbeiter in
einer chinesischen Fleischfabrik im Kontrast zu einem reichen Paar in Shanghai, das gerade sein westliches Fingerfood
auf einer dreistöckigen Etagère
fotografiert. Diverse Umweltkatastrophen werden hier gezeigt,
herbeigeführt durch Holzwirtschaft, Bergbau und Wilderei in
aller Welt. Amokschützen und
Angehörige einer weißen rassistischen Organisation in den
USA schockierten hier, aber
auch der Missbrauch von kleinen Affen zu TV-Attraktionen.
Insgesamt: Eine schnelle Reise
um die Welt, die nachdenklich
stimmt. Und uns einmal mehr
ermutigen sollte, wenigstens hier
in Moabit für eine friedliche, offene, menschen- und tierliebe
Nachbarschaft einzutreten.
Text und Foto: Ulli Bungert

moabit° 21 | Ausgabe 8 | Winter 2018

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Was ist los in Moabit?

Bezahlbarer Wohnraum ist die halbe Miete

Partizipation wurde bei „WOhnsinn Berlin!“ auch körperlich integriert. Zum Aufwärmen und Entspannen für
eine große, wichtige Versammlung animierte die Gruppe „Theatersport“ alle Teilnehmer*innen

Fotos S. 4-6: Rainer Christian Kurzeder

„WOhnsinn Berlin!“ die 1. Jugendversammlung Moabit in der Botschaft für
Kinder des SOS-Kinderdorf Berlin brachte
am 31. Oktober über 100 Jugendliche mit
Landespolitiker*innen und Akteur*innen
aus der (kreativen) Wohnungsbauwirtschaft zusammen.

dass die Fehler aus dem letzten
Jahrzehnt nicht im Handumdrehen behoben werden können
und die kritische Lage andere,
eventuell kreativere Wege verlangt.

Die Frage nach bezahlbaren Wohnraum in
der Stadt ist in aller Munde und betrifft auch
besonders eine Bevölkerungsgruppe, die es
schwer hat, gesehen und gehört zu werden:
Junge Menschen, die sich in den letzten
Schuljahren bzw. in Ausbildung befinden
und nur ein geringes Budget für einen Start
in ein selbstständiges Leben in den eigenen
vier Wänden zur Verfügung haben.
„WOhnsinn Berlin!“ ermöglichte es den jungen Teilnehmer*innen, an diesem Tag u.a.
mit Frau Katrin Lompscher, Senatorin für
Stadtentwicklung und Wohnen, sowie den
jugendpolitischen Sprecherinnen der SPD
(Melanie Kühnemann-Grunow) und der
Bündnis90/Grünen (June Tomiak) als auch
mit dem Kreisvorsitzenden der CDU Mitte
(Olaf Lemke) ins direkte Gespräch zu kommen. Es wurde nicht viel um den heißen Brei
herumgeredet. Zu sensibel und teilweise
wirklich prekär ist die Lage vielerorts: „Die
Politik hat in den letzten Jahren viel falsch

gemacht, geradezu verpennt“; „Eine solch rapide Entwicklung Berlins war vor zehn Jahren
nicht absehbar“; „Es muss gebaut werden, vor
allem in die Höhe.(…)“.
Viele dieser Schlagwortsätze waren in den
Gesprächen mit den politischen Teilnehmer*innen übereinstimmend zu vernehmen. Allerdings waren sie sich auch einig,

Direkter Austausch zwischen jungen Menschen und
Politiker*innen bei der 1. Jugendversammlung Berlin Moabit

Dass es noch vor 10 Jahren
hieß: „Platte platt machen“ und
die damals unattraktiv wirkenden Plattenbauwohnungen sukzessive abgetragen wurden, ist
heutzutage kaum mehr vorstellbar. Denn genau dieser Wohnraum, von welchem sich ein großer Teil sogar in der Mitte Berlins befindet, wäre mit seinen
genormten und eher klein gehaltenen Wohnraumflächen und
adäquaten Quadratmeterpreisen eine mögliche Lösung. Kein
Wunder also, dass Martin Püschel (Vertreter der Wohnungsbaugesellschaft Berlin Mitte) im
Auftrag des Projektes „Jeder m2
Du“ um die Vorteile und Möglichkeiten von Plattenbauwohnungen warb. "Eine wirkliche
Alternative!", klang es aus mehreren Reihen der jungen Interessierten.

Ausgabe 8 | Winter 2018 | moabit °21

Was ist los in Moabit?
Am Thementisch nebenan hatten die Teilnehmer*innen der Jugendversammlung die
Möglichkeit, mit dem bekannten kreativen Wohnraumgestalter Van Bo Le-Mentzel zu sprechen. Er ist Begründer der Tiny
House Bewegung und brachte sogar eines
seiner Tiny Häuser zur Besichtigung mit in
die Botschaft für Kinder. Van Bo Le-Mentzels Ansatz ist es zum Einen, dass es möglich
ist, für 100€ Miete gemeinschaftlich, im sogenannten Co-Being Haus, seinen privaten
Bereich zum Wohnen zu haben und durch
gemeinsam genutzte Räume den einzelnen
Mietpreis zu senken während man in der
Mitte der Gesellschaft, also gemeinschaftlich, wohnt. Zum Anderen war es ihm sehr
wichtig, mit den Jugendlichen die Arbeit
der Antidiskriminierungsstelle zum Thema
Wohnen zu besprechen. Da er selbst ein Berliner mit Migrationshintergund ist, konnte
er sich sehr gut in die, teilweise verdeckten,
zusätzlichen Probleme bei der Wohnraumsuche von Jugendlichen mit Migration- oder
Fluchthintergrund hineinversetzen. Wiederholend wies er dabei auf den Schutz des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes hin.
Außerdem gelang es während der Veranstaltung, den über 100 teilnehmenden Jugendlichen auch ganz praktische Tipps für ihre
Wohnraumsuche mitzugeben. So könnten
sie sich schon jetzt auf eine der begehrten
Wartelisten als Anteilseigner bei Wohngenossenschaften, mit Aussicht auf guten geschützten und bezahlbarem Wohnraum, setzen lassen – auch wenn der eigene Auszug
aus dem Elternhaus erst in ca. zwei Jahren
geplant ist, denn so lange ist heutzutage die
übliche Wartezeit. Welche Unterlagengehören denn eigentlichin eine vollständige Bewerbungsmappe? Und wie ist das denn mit
der Schufa? Fragen wie diese konnten mit
den Experten, aber auch untereinander, thematisiert und diskutiert werden.

Auf dem Podium kamen einige junge WOhnsinn-Teilnehmer*innen mit Moderatorin Karen
Nitschke bzgl. ihrer eigenen Wohnsituation ins Gespräch und berichteten offen über ihre Erfahrungen und Probleme

Insgesamt war unter den Schüler*innen und
Auszubildenden der Ruf nach bezahlbarem
Wohnraum bzw. kontingentierten „Lehrlingswohnungen“ laut und berechtigt. Mit
einem monatlichen Azubigehalt zwischen
300–900 Euro wird es sonst schwer bis aussichtslos bleiben, den Sprung ins selbstständige Leben mit eigenem Wohnraum zu
schaffen.
Trotz der Ernsthaftigkeit des Themas blieb
die Stimmung bei der Jugendversammlung
den gesamten Tag über sehr positiv und
zugewandt. Dies war sicher auch ein Stück
weit der Improvisationstheatergruppe „Theatersport Berlin“ zu verdanken, welche mit
ihren Einlagen immer sensibel und auf den
Punkt für Lacher und Begeisterung in den
Reihen sorgte.

Einige Stimmen der
Teilnehmenden:
An die erste eigene Wohnung und das damit
verbundene Gefühl von Unabhängigkeit kann
sich wohl jede und jeder Erwachsene noch
gut erinnern. Mit steigendem Druck auf dem
Wohnungsmarkt wird die Suche nach einer

Viel Platz im Tiny House: Im Hintergrund: Van Bo Le-Mentzel (links) und Martin Püschel (rechts); Im Vordergrund: „WOhnsinn Berlin!“-Teilnehmer bei der Besichtigung des „Tiny Temple“

moabit° 21 | Ausgabe 8 | Winter 2018

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Wohnung aktuell immer schwieriger, insbesondere auch für Jugendliche. Es ist es daher die Aufgabe der Politik dafür zu sorgen,
dass sie nicht an den Rand gedrängt werden. Katrin Lompscher, Senatorin für Stadtenwickung und Wohnen (Die Linke)
Ich wohne gerade bei meiner
Mutter mit meiner Schwester
und meiner Nichte in einer zweieinhalb Zimmerwohnung. Nach
der Ausbildung suche ich mir erst
mal einen festen Job und würde
dann ca. ein Jahr arbeiten, um
mir das überhaupt leisten zu können. Die Schere zwischen Arm
und Reich wird in Berlin immer
größer.. Berlin wird ein Reichenviertel, und wir armen Leute gehören halt alle an den Rand gedrängt. Matthias, Auszubildender bei SOS-Kinderdorf Berlin
Ich wohne jetzt in einem Heim
mit meinem Bruder. Wir haben
ein Zimmer. Mit Susanne (Mitarbeiterin von SOS-Kinderdorf) haben wir mehrfach versucht, eine
Wohnung zu finden für mich.
Meine Traumwohnung in Berlin liegt im Zentrum, am liebsten
im Wedding. Abdul, junger unbegleiteter Geflüchteter, lebt in
Berlin in einer Unterkunft für
Geflüchtete.
Maßgeblich zum Erfolg der ersten Moabiter Jungendversammlung „WOhnsinn Berlin!“ haben
die Jugendlichen beigetragen, die
auf der Bühne und an den Thementischen den Mut hatten mit
den Politiker*innen über ihre per-

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sönliche Situation vor so vielen Menschen zu
sprechen Die Jugendlichen hat es auch besonders gefreut, dass Menschen aus Wohnungsbaugesellschaften und der Politik, darunter
die Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Katrin Lompscher, mit ihnen direkt ins
Gespräch gegangen sind, obwohl allen im Voraus klar war, dass man an diesem Tag keine
konkreten Lösungen für etwas finden wird,
sondern nur Impulse setzen kann. Die Idee
des Tiny-Houses (inkl. Besichtigungsmöglichkeit vor Ort) und die persönliche Präsenz von
Van Bo Le-Mentzel und auch Martin Püschel,
Unternehmenskommunikation WBM, haben den Tag sehr bereichert. Und last but not
least die Schauspieler*innen von THEATERSPORT, die mit ihren Einlagen nicht nur immer mit hoher Sensibilität genau den Punkt
getroffen haben, sondern es vor allem vermocht haben, die Jugendlichen und Erwachsenen bis zum Schluss schauspielerisch und
musikalisch mit viel Humor zu fesseln und zu
begeistern.
Susanne Lange, Bereichsleitung und Projektleitung von „WOhnsinn Berlin!“
Die Jugendversammlung war Teil des Projekts „High Five! – jugendrechte im quartier“, das von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen mit EFRE-Mitteln im Rahmen des Programms „Bildung

Was ist los in Moabit?
im Quartier“ gefördert und von
SOS-Kinderdorf e.V. kofinanziert wird. In der Botschaft für
Kinder beschäftigen sich junge
Menschen aus Moabit seit April 2018 mit der Frage, welche
Rechte neben den Kinderrechten besonders für Jugendliche
und junge Erwachsene relevant
sind. Das Recht auf eigenen
Wohnraum könnte eines davon
sein.
Katrin Lompscher (l., Senatorin für Stadtentwicklung
und Wohnen) wurde von Kirsten Spiewack (Einrichtungsleiterin SOS-Kinderdorf Berlin) begrüßt

Reni Pischke

Einer der insgesamt sieben Thementische.

#metoo? Wie Männer eine Antwort auf Fragen der Zeit finden
Das Herz eines Mannes – das ist aus meiner
Sicht das Zentrum, von dem wir Männer
aus die weitreichendsten und wichtigsten
Entscheidungen treffen. Oft genug nehmen
wir dafür lieber unseren Kopf oder unseren
Penis. Das kann zu Verwirrung, Leere und
manchmal Gewalt führen.
Viele Männer sind auf der Suche, wie sie aus
vollem Herzen heraus leben können. Zudem
stellen Bewegungen wie #metoo, bei denen
Frauen von ihren Erfahrungen mit Gewalt
von Männern teilen, Fragen an uns Männer.
Wie kann ich als Mann wild sein ohne übergriffig zu werden? Wie gehe ich mit Gefühlen um, die im Kontakt mit Frauen (und
Männern) auftauchen können, wie Scham,
Wut, Angst? Weitere Fragen für Männer
beziehen sich auf den Beruf: Wie finde ich
meine Berufung? Wie komme ich besser mit
dem Chef klar?

Viele Männer kennen die Erfahrung nicht,
sich mit anderen Männern in einem wertschätzenden Rahmen auszutauschen. Seit
Jahren biete ich Kreise für Männer an, in
denen sie ihre Anliegen ganz in Ruhe unter
sich besprechen können. Erstmals biete ich
diese Kreise, die Herzensbrüder, ab Januar
2019 auch in meiner neuen psychotherapeutischen Praxis in Berlin-Moabit an. In drei
Kursen bekommen Teilnehmer zu Themen
wie „Krieger, Magier, Liebender, König“ und
„Liebe und Sexualität“ fundamentale Werkzeuge, um sich selbst besser verstehen und
auf die Bewegungen der Welt eine ganz eigene Antwort finden zu können. Männer,
die bei den Herzensbrüdern teilnehmen, finden durch den Austausch mit anderen Männern wieder leichter Zugang zu dem, was ihnen wichtig ist. Denn aus meiner Sicht ist das
Herz des Mannes die Schaltzentrale, mit der
er Entscheidungen trifft, die in Beruf und Beziehung am weitesten führen. Joachim C. Wehnelt

Kostenloser Info-Abend für
Männer: Am 19. Januar 2019,
um 19 Uhr, in der Praxis Sieben
Sinne Berlin in Moabit. Anmeldung erbeten unter wehnelt@
siebensinne.net.
Weitere Informationen unter
www.Herzensbrüder.de

Ausgabe 8 | Winter 2018 | moabit °21

Aufwachsen in Moabit

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Perlenkiezfest
Der Tag des 31. August 2018 begann leicht grau und wolkig. Für
Meteorologen ist dieser Tag der letzte des Sommers und man
konnte den Herbst an diesem Morgen auch schon an die Türen
klopfen hören. Doch dann, passend zum Beginn des diesjährigen Perlenkiezfestes, zeigte sich das Wetter noch einmal von
seiner besten Seite. Die Wolkendecke verzog sich und die Temperaturen stiegen. Als wollte sich der Sommer für dieses Jahr
noch einmal gebührend verabschieden.
Zwischen 15 und 19 Uhr gab es in der Birkenstraße Ecke Perleberger Straße beim 6. Perlenkiezfest wieder zahlreiche Stände
für Jung und Alt zu besichtigen. Von Moabitern für Moabiter
sozusagen.
Mitunter war eine Bühne aufgebaut, auf der Livemusik von
Folk- bis Rap-Musik präsentiert wurde. Es gab einen Stand der
Artistenschule, an dem Kinder ein paar Kunststücke ausprobieren konnten, Ponyreiten und viele Spiel- und Informationsstände. Neben einer Tombola bat die Kita SpielRaum Perlentaucher mit einem „Tag der offenen Tür“ auch die Möglichkeit an,
die Kita zu besichtigen. Natürlich gab es auch diverse Verpflegungsstände mit Kaffee, Kuchen und anderen Köstlichkeiten.
Was könnte besser passen, als diesen Tag in einem nostalgischen Effekt festzuhalten. Besucher hatten die Möglichkeit, sich
über das Projekt Perspektiven°Moabit-Ost eine Polaroid-Sofortbildkamera auszuleihen und somit schöne Momente auf dem
Fest zu dokumentieren. Seht selbst!
Text: Christoph Stein

Fotos: Teilnehmende des Festes

Für die Tombola wurde
fleißig gesammelt
Daumen hoch!

moabit° 21 | Ausgabe 8 | Winter 2018

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Mal nachgefragt

Dunkle Jahreszeit – So schützen Sie sich
vor einem Einbruch
Ein Interview mit der Berliner Polizei
In den Jahreszeiten Herbst und Winter werden die Tage wieder zeitiger dunkel. Besonders in dieser Zeit werden viele Einbrechende aktiv.
Gemeinsam mit drei Kindern der KiTa
SpielRaum Stephanshafen der GenerationenRaum gGmbH haben wir die Beratungsstelle für Einbruchschutz der Berliner Polizei
besucht. Wir sprachen mit dem Fachberater
Georg von Strünck über das Thema „Einbruch & Einbrecher“.
Herr von Strünck, stimmt es, dass in
der „dunklen Jahreszeit“ mehr Einbrüche auf als im Sommer auftreten?
Ja, das ist definitiv so. Besonders bei Einfamilienhäusern geschehen allein 75% aller
Einbrüche im Winter, lediglich 25% davon
im Sommer. Aber auch bei Wohnungen ist
in der dunklen Jahreszeit ein Anstieg an Einbrüchen zu beobachten, insbesondere bei
Erdgeschosswohnungen. Hier nutzen Einbrecher gerne den Weg über die Balkontür.
Dabei ist für sie dann die Deckung der Dunkelheit von Vorteil.
Worin liegen die Gründe für einen Einbruch?
Die Täter haben meist nur ein Ziel: direkt
an Geld zu kommen. Es wird also größtenteils nach Geld und Schmuckgegenständen
gesucht. Gerade ältere Bürger verstecken
ihre Wertsachen im Schrank oder unter
der Matratze. Davon rate ich ab. Diese Verstecke kennen die Täter zu gut. Die Suche
nach den Gegenständen erfolgt dann sehr
intensiv und zielgerichtet. Ein guter Wertschutzschrank (Tresor/Safe) kann in einem
solchen Fall hilfreich sein. Vor allem muss
dieser gut befestigt sein, da die Täter sonst
den kompletten Safe mitnehmen und später
in sicher Entfernung öffnen. Bis zu einem
Gewicht von 1000 kg sollte man seinen Safe
an einer geeigneten Stelle festschrauben und
verankern. Ein Tresor alleine ist für Einbrecher noch kein Grund, ihr Vorhaben abzubrechen.

Bilder: Marie Werner

Kann man sagen, wie viele Einbrüche
täglich in Berlin geschehen?
Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik Berlin wurden um Jahr 2017 insgesamt 8580
Fälle von Wohnraumeinbruchdiebstahl erfasst. Das entspricht einer durchschnittlichen Einbruchsquote von ca. 23 Einbrüchen pro Tag. Davon konnten allerdings nur
804 Fälle aufgeklärt werden. Im Vergleich
zu 2016 sind das 25,4% weniger Einbrüche
(PKS 2017).
Wichtig dabei ist, dass von den 8580 Taten
lediglich nur ca. 43% versuchte Einbrüche
sind. Die Täter haben es hier nicht geschafft,
in die Wohnung zu gelangen. Wir gehen davon aus, dass die eigentliche Versuchsquote
noch viel höher liegt.
Was gibt es für Möglichkeiten, sich im
Vorfeld vor einem Einbruch zu schützen?
Generell geht es darum, die Wohnungseingangstüren und die Fenster so zu schützen

und zu verstärken, dass ein Einbrecher diese gar nicht erst aufbrechen kann. Die meisten Einbrecher haben einen größeren
Schraubendreher oder ein anderes Hebelwerkzeug bei sich.
Diese Werkzeuge setzen sie
dann im Tür- oder Fensterspalt
an und versuchen, mithilfe der
Hebelwirkung in den Wohnraum einzudringen. Das Schloss
bricht dann regelrecht auf, der
Schutzbeschlag löst sich oder
das Schließblech, in welches der
Riegel schließt, reißt aus. Diese
Stellen gilt es nachzurüsten und
zu verstärken. Übersteht eine
Tür mindestens 5 Minuten an
Hebelwirkung, dann ist diese
schon ziemlich sicher und der
Versuch des Einbruches wird
aufgrund des großen Widerstandes in der Regel abgebrochen.
Wir haben allerdings keine be-

Ausgabe 8 | Winter 2018 | moabit °21

Mal nachgefragt

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legbaren Zahlen dafür, ob Einbrecher vor
Türen haltmachen, bei denen sie sehen, dass
diese durch ein Zusatzschloss gesichert sind
und wie stark die abschreckende Wirkung
ist. Was wir definitiv sagen können: Man
kann Fenster und Türen so verstärken, dass
ein Einbruch sehr schwer wird.
Ist es sinnvoll, das Licht anzulassen um
vorzutäuschen, dass sich noch jemand
in der Wohnung befindet?
Es ist durchaus sinnvoll, eine Zeitschaltuhr
zu installieren, die dann, entsprechend der
Jahreszeit, eine Lampe einschaltet, wenn die
Dämmerung einsetzt. So wird der Anschein
erweckt, dass die Wohnung nicht leer ist. Alternativ kann man auch ein Radio laufen lassen, wenn man sich kurz aus der Wohnung
entfernt.
Der wohl einfachste Tipp, um Einbrüche
zu verhindern, ist aber, dass man die Wohnungstür richtig abschließt, wenn man das
Haus verlässt. Den Schlüssel zweimal rumdrehen und außerdem alle Fenster komplett
schließen. Auch über angekippte Fenster ist
es möglich, in die Wohnung zu gelangen.
Auch wenn man nur einen Mittagsschlaf
hält: besser vorher zuschließen. Den Schlüssel kann man dann von innen an der Tür
stecken lassen. Bei speziellen Profilzylindern kann man auch noch von außen in die
Wohnung gelangen, auch wenn der Schlüssel noch von innen steckt. Somit ist es also
kein Problem, wenn die Tür abgeschlossen
ist und der Ehepartner noch in die Wohnung möchte.
Wichtig ist auch eine gute Nachbarschaftshilfe. Sprechen Sie fremde Personen im Haus
freundlich an und fragen Sie nach, ob man
ihnen weiterhelfen kann oder wo sie hinwollen. Der Hintergedanke dabei ist, dass
der potentielle Einbrecher nun weiß, dass er
bereits gesehen wurde. Dann wird er wahrscheinlich in diesem Haus keinen Einbruch
mehr planen, da er immer wieder damit
rechnen muss, dass in dem Haus aufgepasst
wird. Mit einem Aufkleber an der Haustür
kann man darauf aufmerksam machen.
Wenn man bemerkt, dass sich eine verdächtige Person im Haus befindet, kann man
auch ruhig die Polizei anrufen. Das ist unsere beste Chance die Täter zu erwischen auf frischer Tat.
Was passiert, wenn ein Einbrecher von
der Polizei gefasst wurde?
Das fängt mit einer erkennungsdienstlichen
Behandlung des Täters an: Es werden Fin-

moabit° 21 | Ausgabe 8 | Winter 2018

Neugierig werden die Schließsysteme untersucht

gerabdrücke genommen und Fotos der Person gemacht. Die Wohnung wird nach Einbruchswerkzeugen und anderen Hinweisen
durchsucht, die auf einen Einbruch und andere Taten hinweisen. Der nächste Schritt ist
dann beim Haftrichter. Dieser entscheidet
dann über den weiteren Verlauf - Haftstrafe
oder freilassen. Ersttäter ohne Vorstrafen
werden nicht direkt in Untersuchungshaft
kommen. Hier kann es beispielsweise zu einer Jugendstrafe kommen. Professionelle
Täter oder auch Personen, die in kriminellen Banden aktiv sind, können dann schon
mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen.
Bei mir wurde eingebrochen. Wie sollte
ich mich verhalten?
In einem solchen Fall sollte die Wohnung
nicht betreten werden. Rufen Sie umgehend
die „110“ an. Die Kollegen der Polizei werden den Fall dann übernehmen. Es kann
auch sein, dass sich noch Täter in der Wohnung befinden. Bleiben Sie am besten draußen stehen und halten die Wohnungstür
weiterhin im Auge. Wenn sich eine Person
aus der Wohnung entfernt, beobachten Sie
diese, damit sie später der Polizei beschrieben werden kann. Auf keinen Fall sollte man
nach einem Einbruch seine Wohnung aufräumen oder etwas anfassen. Hier können
sich noch wichtige Spuren befinden, die die
Polizei erst aufnehmen muss und die bei der
Suche nach den Tätern hilfreich sein können.

Laut Tagesspiegel wurden
im Jahr 2017 in Berlin 11507
Wohnungseinbrüche
angezeigt. Die meisten davon übrigens in Charlottenburg-Wilmersdorf, die zweitmeisten im
Bezirk Mitte, zu dem ja auch
unser schönes Moabit gehört.
In der polizeilichen Kriminalitätsstatistik findet man
diese
Wohnungseinbrüche
unter dem Stichwort „Eigentums- und Vermögenskriminalität“. Zu dieser Kategorie
gehören allerdings auch andere Diebstähle, Betrug und
Sachbeschädigungen. Einbrüche gehören zwar nicht zu den
schwersten Straftaten, und oft
werden auch gar keine wahnsinnig teuren Dinge erbeutet.
Aber für die Opfer geht es oft
gar nicht so sehr um den materiellen Schaden. Der Schreck
darüber, dass in die Privatsphäre eingedrungen wurde
ist das Schlimmste. Oftmals
entsteht dadurch ein richtiges
Trauma, manche Leute ziehen nach einem Einbruch sofort um. Grundsätzlich – betrachtet man die Statistik – hat
diese Form der Kriminalität
in den letzten 25 Jahren abgenommen. Das liegt vor allem
daran, dass man Wohnungen
inzwischen viel besser sichern
kann.

10

Mal nachgefragt

Wie groß ist die Chance, seine gestohlenen Gegenstände wieder zu erlangen?
Die Wahrscheinlichkeit geht nahezu gegen
Null. Wenn man die Täter noch auf frischer
Tat erwischt ist das etwas Anderes.

sich sicher ist, dass niemand in der Wohnung war kann man diese auch betreten.
Der Tatzeitraum ist dann meist unbekannt,
da man nicht alle Einbruchsspuren sofort erkennt oder als solche identifiziert.

Ich bemerke, dass ein Einbrecher versucht in meine Wohnung zu gelangen,
während ich zu Hause bin. Wie muss
ich mich verhalten?

Kinderfrage - Haben Sie schon viele
Einbrecher gefangen?

Für Täter ist es wichtig, dass sie bei ihrem
Einbruch nicht gesehen werden und nicht
auf die Bewohner treffen. Bemerkt man,
dass eine Person sich an der Tür oder an einem Fenster zu schaffen macht, kann man
sich lautstark bemerkbar machen. Meist veranlasst das die Täter zur Flucht. Vor einem
Einbruch klingeln viele Einbrecher oft um
sich zu versichern, dass auch wirklich niemand zu Hause ist.

Ich selber fange keine Einbrecher (lacht). Ich
sage aber den Leuten was sie tun sollen, damit erst gar keine Einbrecher in ihre Wohnung kommen. Die Polizei aber fängt jeden
Tag Einbrecher.
Was gefällt Ihnen denn besonders an
Ihrer Arbeit?
An meiner Arbeit finde ich gut, dass sie
sinnvoll ist. Wenn ich weiß, dass die Leute

NACHBARN
PASSEN
AUF!

Mit diesem Aufkleber werden Einbrecher und Einbrecherinnen bereits im
Vorfeld abgeschreckt

umsetzen was wir ihnen raten,
damit sie dann gut geschützt
sind. Das gefällt mir an meiner
Arbeit. Es ist effektiv, es ist sinnvoll.
Wir bedanken uns recht herzlich
bei Herrn von Strünck und der
Berliner Polizei.
Text: Christoph Stein

Auf keinen Fall sollte man probieren die einbrechende Person festzuhalten oder ihr den
Weg zu versperren. Die Täter können dann
durchaus Gewalt einsetzen um zu flüchten.
Ansonsten ist die Absicht zu gewalttätigen
Handlungen relativ gering.
Man entdeckt Einbruchsspuren an der
Tür und hat die Vermutung, dass jemand eingebrochen haben könnte. Ist
es dann auch ratsam, die Polizei zu
rufen?
Auf jeden Fall. Wir sichern dann die Spuren
und können Einbruchsspuren miteinander
vergleichen. Wir nehmen jeden Einbruchsversuch auf. In solchen Fällen kann man ruhig die Polizei alarmieren und wenn man

Tipp
Gerade in Moabit gibt es viele Altbauwohnungen mit alten zweiflügligen Wohnungstüren – eine Schwachstelle im Thema Sicherheit. Die Berliner Polizei bietet umfangreiches Informationsmaterial an, welches
kostenlos auf der Internetseite heruntergeladen oder auch vor Ort besichtigt werden
kann. Die Beratungsstelle für Einbruchschutz befindet sich am Platz der Luftbrücke
5 in 12101 Berlin.
Tel.: 4664 979999
E-Mail: einbruchschutz@polizei.berlin.de
http://www.berlin.de/polizei/aufgaben/
praevention/diebstahl-und-einbruch/

Sicher ist sicher – das wissen nun auch die Kleinen

Ausgabe 8 | Winter 2018 | moabit °21

Lokaler Transport

11

An dieser Stelle findet Ihr normalerweise die Rubrik „Lokale Lokale“. Da Berlin zur Zeit jedoch gefühlt an allen Ecken und Enden umgebaut, abgesperrt und umgeleitet wird, schien dieses Thema Euch wichtiger und uns haben für diese Ausgabe zwei Artikel zum Thema lokaler Transport erreicht. Viel Spaß beim Lesen!

U-Bahn-Station Birkenstraße oder
Warten auf Godot
Wer unter uns Moabitern kennt es nicht?
Das tägliche Warten auf die Bahn in der Station Birkenstraße. Und als würden wir nicht
genug Zeit mit dem Warten auf die Bahn
selbst verschwenden, warten wir seit nunmehr bald drei Jahren auf die Fertigstellung
der Renovierung unserer Lieblingsstation.
Aber wie so oft, wenn es um Baustellen in
unserer Stadt geht, gleicht das Warten dem
sprichwörtlichen Warten auf Godot. Zunächst die erste Seite an der Ecke Wilhelmshavener Straße und nun mit inzwischen
11-monatiger Verzögerung die andere Seite,
wir fiebern der Öffnung, die uns 100 Meter
mehr Weg oder umgerechnet morgens zwei
Minuten weniger Schlaf kosten spätestens
seit der zunächst geplanten Öffnung im vergangenen Dezember entgegen.

spielt, daneben eine Anleitung zum ganz bewussten Intervall-Warten. „Wartest du wirklich?“, wird man darin gefragt „also richtig,
ohne auf dem Handy rumzuspielen?“ Selten,
muss ich zugeben, aber mit den Anregungen
wie „Nimm den Himmel wahr“ (Wie denn
in der Untergrund-Station?) oder „Vergleiche dich mit Christus“ werde ich das Warten auch in Zukunft nicht besser überbrücken können. Dann doch eher „Wippe mit
den Füßen“ oder „Versuche die Gedanken
des Menschen neben dir zu erraten“.

Mit dem Alltagsphänomen „auf die Bahn
warten“ haben sich nun einige Künstler im
Projekt Birkenstraße beschäftigt und am
letzten Oktoberwochenende dazu eingeladen im ZKU ihre Ergebnisse zu betrachten.
Man fand dort zum Beispiel eine typische
U-Bahn-Stations-Säule und eine Glaskabine
für Bahnpersonal, auch eine auf Fahrscheinen abgedruckte Übersicht an beobachteten Beschäftigungen in der Station (someone
eats, someone counts cash, someone plays
with his phone, somebody stares…) Das spannendste Stück der kleinen Ausstellung: Auf
den Ergebnissen einer U-Bahn-Stations-Begehung im September mit sieben Personen
wurde ein Schaubild angefertigt, auf dem
wir unsere U-Bahn-Station mit Wahrnehmungseindrücken wiederfinden. Es lässt einen automatisch schmunzeln, weil es skurril
und doch so vertraut anmutet. An mehreren
Stellen wurde der starke Wind verortet, an
einer Stelle humorvoll die Bauzaunromantik und dann wären da noch der Aufhübschspiegel in der Mitte, das Pärchen mit Nudelsalat und der Dealer.
In einer Ecke des Kellerraumes des ZKU,
das von Gewölbe her schon U-Bahn-Atmo­
sphäre schafft, konnte man dann auch tatsächlich auf die Bahn warten. Auf einer
Wand wurde ein Video der Station abge-

moabit° 21 | Ausgabe 8 | Winter 2018

Foto: Ulli Bungert

Mitnehmen kann ich in jedem
Fall den humorvollen Ansatz,
den künstlerischen Blick auf
das Alltägliche, mit etwas Abstand wird einem doch auch die
Absurdität so mancher Situation bewusst. Ich werde demnächst versuchen, bewusster zu
warten, vielleicht die Augen zu
schließen, den Gesprächen der
Umstehenden zu lauschen bis
endlich, endlich der Wind stärker wird und zunächst leise und
schließlich immer lauter der
herannahende Zug tösend wie
eine Urgewalt in den Bahnhof
hineinstürmt und ich weiß: das
Warten hat ein Ende!
Text: Rebecca Stoll

12

Lokaler Transport

Über das Chaos im Hauptbahnhof schreiben
wir hier gar nichts. Denn das kennen wir ja
alle: Ewig verspätete Züge, Zugausfälle, umgekehrte Wagenreihung, anderes Gleis….

mit dem Taxi direkt vor die Tür am Europa-Platz. Und auch nicht mal eben heimlich
jemanden schnell rauslassen. Da wird nämlich wieder mal gebaut.

Und apropos S-Bahn: Dafür
wird auch gebaut. Ebenfalls an
der Invalidenstraße. Hier soll die
S21 einen unterirdischen Bahnhof bekommen, die dann in Zukunft von Norden kommend
am Hauptbahnhof halten wird
führen wird. Die Idee kam wohl
leider erst auf, als der Bahnhof
schon fertig war….

Aber selbst wenn man gut in Berlin-Moabit
angekommen ist – oder erst gar nicht weg
war – ist das Chaos vorm Bahnhof vorprogrammiert. Aber nur, wenn man sich nicht
auskennt.

Also, auf in die Öffis, also den öffentlichen
Personennahverkehr. Schön, dass es endlich
einen Zugang zur U-Bahn gibt. Ach nee –
der ist ja noch nicht fertig. Der U-Bahn-Eingang am Ufer, also auf der anderen Seite des
Bahnhofs, musste abgerissen werden. An der
Invalidenstraße ist ein provisorischer Bahnsteig, der dann erst 2020 fertig sein soll. Aber
wenigstens ist da ein moderner Bahnsteig
für die Tram. Der wird von den anreisenden
Touristen auch gerne mal als S-Bahnsteig
oder U-Bahnsteig gesehen.

Die Busse fahren dafür jetzt
überall – man muss nur wissen,
wo man hinwill. So fahren TXL,
245 und 123 jetzt nicht mehr an
der gleichen Haltestelle. Grund
dafür sind vermutlich nicht
durchführbare Wendemanöver
wegen der Baustellen. Für Berlin-Kenner kein Problem: Man
muss eigentlich nur wissen, wo
der Bus herkommt um zu wissen, wo er jetzt abfährt

Winterzeit, Busfahrzeit – das
Chaos am Hauptbahnhof

Parken darf man vorm Bahnhof sowieso
nicht. Aber man kann jetzt auch nicht mehr

Text und Fotos: Ulli Bungert

Die Eisblüten
Die Kälte ist ein wahrer Künstler,
Sie malt mir Blüten an die Fenster,
ganz weiß und klar und mittendrin
ritzt Gräser sie und Blätter hin.
Kristalle glitzern an den Kanten
betörend schön wie Diamanten.
Wie lange mag ich so verharren
und auf die schönen Blüten starren?

Da steigt die Sonne frech empor,
kommt mir beim Pflücken rasch zuvor.
Nein, ich kann es nicht behalten
das Eis in lieblichen Gestalten.
Von ihnen will mir keine bleiben
an meinen flachen Fensterscheiben.
Für Schönheit machten sie empfänglich,
Das Schöne aber ist vergänglich.

So gerne würd ich eine pflücken,
mich ewiglich daran entzücken.

Vergänglichkeit, genau betrachtet,
macht schön, damit man Es beachtet.
Foto und Text: Denise Weeke

Ausgabe 8 | Winter 2018 | moabit °21

Ext

ra-

Neues aus dem Quartiersmanagement für die
Nachbarschaft | Winter 2018

Bei

QM Moabit-Ost
Neuer Quartiersrat und
neue Aktionsfondsjury
bestimmt
Mitte Oktober 2018 wurden in der Aula
der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule
ein neuer Quartiersrat und eine neue Aktionsfondsjury mittels Losverfahren bestimmt. Im Quartiersrat gibt es Mandate
für Bewohner*innen und so genannte
„Starke Partner“, also z.B. Institutionen
und Vereine aus dem Gebiet. Der Quartiersrat bestimmt mit über Gelder aus dem
Projektfonds und arbeitet am Integrierten
Handlungs- und Entwicklungskonzept mit.
Die Aktionsfondsjury besteht aus Bewohner*innen und entscheidet über kleinere
Projekte, die von Nachbar*innen für Nachbar*innen ins Leben gerufen werden.
Auch in Moabit-West wurden neue Gremien bestimmt und beide Quartiersmanagements feierten im Wolfgang-Scheunemann-Haus gemeinsam mit den Mitgliedern der Jurys.

Liebe Leser*innen!
Liebe Leser*innen! Das Quartiersmanagement-Team Moabit-Ost informiert hier über
Projekte, gefördert aus dem Programm „Soziale Stadt“, über eigene Themen und Entwicklungen im QM-Gebiet. Geben Sie uns dazu gern Feedback!
Wir wünschen viel Spaß beim Lesen
Ihr QM-Team

Die beiden Quartiersräte für Moabit-Ost und Moabit-West Foto: Gerald Backhaus

Neue Kiezkarte für Moabit
Neulich habe ich unser Wohnzimmer renoviert. Dabei fielen
mir die sechs Schinken von der
Brockhaus-Enzyklopädie in die
Hände. In den Büchern hatte
ich schon lange nichts mehr
nachgeschlagen, ich recherchiere neuerdings mit Suchmaschinen im Internet.
Im Rahmen des Projektes „Gute, gesunde
Nachbarschaft“ engagiere ich mich im
Bezirk Moabit-Ost für Bewegungsangebote für Kinder und Jugendliche, während
mein Kollege Jörg Diernberger für Senioren zuständig ist. Zu Beginn des Projektes
haben wir eine Analyse im Kiez durchgeführt, bei der wir sämtliche Einrichtungen
(Sportvereine, Kitas, Schulen, Jugendclubs,
Senioren­
einrichtungen etc.) nach ihren
Sportangeboten befragt haben. Das Ergebnis ist eine Karte, auf der man die Ergebnisse der Analyse optisch nachempfinden

kann. In einem weiteren
Arbeitsschritt werden nun
diese Angebote und Orte
in eine digitale Karte im
Internet eingepflegt, die
es den Jugendlichen und
Erwachsenen ermöglichen
soll, sich über ein Smartphone über sämtliche Angebote im Kiez zu informieren. Natürlich
ist das keine neue Idee, auch andere Internetseiten beschäftigen sich bereits mit
diesem Thema. So hat zum Beispiel der
Verein bwgt.e.V. einen Auftritt über kostenlose Bewegungsangebote im öffentlichen Raum: www.bewegung-draussen.
de. Auch auf https://stadtbewegung.de
sind verschiedenste Sportarten und Trainingsgruppen vorgestellt, hier findet sich
auch eine umfangreiche Link-Liste zu anderen Internetseiten zum Thema Sport in
der Stadt.

In unserer neuen Kiezkarte für Moabit Ost
möchten wir nun eine umfangreiche, ortsgebundene Auflistung aufzeichnen, die sowohl über kostenlose Kurse, als auch über
die Kurse der Sportvereine informieren
wird. Zusätzlich wird z.B. über Handzettel
darüber informiert. Sicherlich benötigen
viele Senior*innen noch andere Kommunikationsmittel wie Handzettel oder Mundpropaganda, die Nutzung der Smartphones ist aber auch in dieser Generation ansteigend. Die Brockhaus-Reihe habe ich
schließlich auch wieder in das Regal geräumt, falls wir mal keinen Strom haben...
Otu Tetteh /Sportbüro 2018
Kontakt: otu.tetteh@sportbuero.info
Karte: http://www.sportbuero.info/
wp-content/uploads/2018/06/180519_
Sportbüro_Karte_Web.pdf
© sportbüro

lag

e

Neues aus dem Quartiersmanagement für die Nachbarschaft

Aus dem Zilleklub tönt das
Collegium Ioanneum Berlin

Foto: Collegium Ioanneum Berlin e.V. mit freundlicher Genehmigung
Über ein Jahr Zilleklub. Seit Sommer 2017
probt unser Chor in seiner neuen Heimatstätte und wir sind mittlerweile auf 23 gemischte Stimmen angewachsen. Wir fühlen uns dort im Jugendbereich des Hauses
sehr wohl. Auch, weil zwischen Betreuern,
Jugendlichen und uns ein respektvoller
und freundlicher Umgang gepflegt wird.

Mit Unterstützung des Quartiersmanagements Moabit-Ost haben wir im letzten
Jahr mehrere kleine Kiezkonzerte gegeben, wie z.B. auf dem Weihnachtsmarkt
in der Kurt-Tucholsky-Grundschule, im
Pflegeheim, im Sportverein oder auch im
Treppenhaus. Das hat unsere Chorgemeinschaft und Nachbarn emotional sehr be-

wegt. Wenn im Kiez gesungen werden soll
– wir sind dabei.
Das Highlight in diesem Jahr waren die
„Via Crucis“-Passionskonzerte in den Niederlanden und in Berlin (Heilige-Geist-Gemeinde, Moabit), welche wir gemeinsam
mit holländischen Chören gegeben haben. Seit diesem Herbst arbeiten wir nun
an wunderschönen Barockstücken von
Henry Purcell (1659-1695). Dazu sind zwei
große Konzertaufführungen im Mai 2019
geplant, für die wir jedoch dringend tiefe
Stimmen benötigen – am meisten Bässe.
Also, falls Du es noch nicht weißt und Dir
eine schöne, sonore Erzählstimme nachgesagt wird – vielleicht basst Du ja zu uns?
Wir proben immer dienstags von 19:30
Uhr bis 21:30 Uhr im Zilleklub.
Da wir ein gemeinnütziger Verein sind,
freuen wir uns über jede Spende, die wir
für ein gutes gebrauchtes Klavier dringend
auch benötigen. Besucht uns gerne unter
collegium-ioanneum.blankmusic.org oder
schreibt an info@collegium-ioanneum.de.
Manuela Koza/
Collegium Ioanneum

Neues Nachbarschaftsprojekt gestartet
zung des Projektes einbringt und sich als
feste Gruppe für nachbarschaftliches Engagement im Quartier etabliert.

Auszug Plakat Auftaktveranstaltung 22. November
Das Quartiersmanagement (QM) MoabitOst besteht seit 2009. Seitdem wurden
Strukturen und Netzwerke auf- und ausgebaut, doch mit Blick auf eine künftige
Verstetigung des QM´s sind diese noch
nicht ausreichend. Es bedarf einer stabilen
Netzwerkstruktur mit lokalen Akteuren,
die in der Lage sind, koordinative Aufgaben unabhängig vom QM wahrzunehmen.
Erschwerend kommt hinzu, dass ein zen­
traler Nachbarschaftsort und Treffpunkt im
Gebiet fehlt.

Ziel des Projekts „Nachbarschaftsnetzwerk“ ist deshalb die Etablierung von Beteiligungsstrukturen und -formaten. Das
Projekt soll die Vernetzung der Nachbarschaft, der Akteure und Einrichtungen
durch gegenseitiges Kennenlernen, Interaktion und kleinteilige Nachbarschaftsaktionen (z.B. Hinterhoffest, Pflanzaktionen,
etc.), die Anwohner*innen selbst organisieren, befördern. Im besten Fall entsteht
eine Gruppe von Anwohner*innen, die
sich aktiv in den Verlauf und die Umset-

Nachrichten des Quartiersbüros Moabit-Ost

Träger des Projekts ist
die LPG Landesweite
Planungsgesellschaft
mbh, die schon öfter ähnliche Projekte
durchgeführt hat.
Wer Fragen zum Projekt hat oder sich beteiligen möchte, kann sich hier melden:
Wiebke Köker, w.koeker@lpgmbh.de,
Tel. 816 16 03 97 / Jana Bareiß,
j.bareiss@lpgmbh.de, Tel. 816 16 03 95.
Ab 2019 wird immer dienstags von 16.30
– 18.00 Uhr auch eine mobile Sprechstunde für Interessierte angeboten werden. Weitere Informationen dazu werden
demnächst bekannt gegeben.

Redaktion: QM-Team, Felicia Harms, Otu
Tetteh, Manuela Koza

Rezepte

Weihnachtsmaul­
taschen Pierogi

Ränder der beiden Hälften mit
einer Gabel fest zusammen. Kochen Sie die Maultaschen für ca.
3-5 Minuten. Sie können überprüfen, ob die Knödel bereits
weich sind, indem Sie einen mit
dem Schaumlöffel herausheben
und ihn mit Ihrem Finger berühren. Zur Abrundung können Sie drei Zwiebeln würfeln,
in dem Öl glasig dünsten und
auf den Pierogi verteilen.

Traditionelle polnische Pierogi mit Sauerkraut und Pilzen, die mit glasierten Zwiebeln bestreut werden.

Vorbereitung
Champignons abspülen, in kaltes Wasser legen und 6 Stunden oder über Nacht stehen
lassen. Am nächsten Tag die Champions
kochen. Geschälte Karotten kochen bis sie
weich sind und Petersilie dazugeben. Nach
dem Kochen mit Salz und Pfeffer würzen.
Kohl in 300 ml gesalzenem Wasser kochen
bis er zart ist (ca. 45–60 Minuten), dann
gründlich ausdrücken. Braten Sie die Champignons an. Karotten und Petersilie abgießen und das Wasser sehr gut auspressen. Alles mit dem Kohl in einem Fleischwolf mit
sehr großen Maschen von etwa 1 cm Durchmesser mahlen. Wenn Sie keine Maschine
haben, können sie Pilze und Gemüse auf
dem Brett fein hacken.
Die Zwiebeln in der Pfanne mit Öl anbraten und zur Füllung hinzufügen. Die Zutaten der Füllung mischen und mit Salz und
Pfeffer würzen.
Sieben Sie das Mehl auf ein Schneidebrett,
machen Sie in die Mitte eine Vertiefung und
fügen Sie Salz und Öl hinzu. Langsam warmes Wasser hinzufügen, den Teig kneten

15

Zutaten für den Teig:
4 Gläser Mehl
2 Teelöffel Salz
1 Esslöffel Öl
etwa 2 Gläser warmes Wasser
und immer etwas Mehl hinzufügen. Den
Teig ca. 15 Minuten ziehen lassen bis er
weich und geschmeidig ist. Mit einem Tuch
abdecken. Stellen Sie das Wasser mit Salz in
einem Topf zum Kochen.
Den Teig in 4 Teile teilen und nacheinander
in Pfannkuchen ausrollen. Schneiden Sie mit
einem kleinen Glas Kreise ab. Legen Sie die
Füllung auf die eine Hälfte des Kreises und
legen Sie die andere Hälfte so um, dass die
Füllung bedeckt wird. Nun drücken Sie die

für die Füllung:
1 Literglas getrocknete Pilze
1 kg Sauerkraut
1 Karotte
1 Petersilie
Salz und Pfeffer
3 Esslöffel Öl
3 Zwiebeln
für die Abrundung:
3 Zwiebeln
ein paar Esslöffel Pflanzenöl

Weihnachtskarpfen
zubereiten. Einige bevorzugen gebratenen
Karpfen, andere Gelee, und es gibt solche,
die den jüdischen Karpfen mögen. Ich stelle
Ihnen meinen bevorzugten Typ vor, den gebratenen Karpfen.

Gebratener Karpfen –
Zubereitungsmethode:

Man sagt, dass der Karpfen auf dem Feiertagstisch nicht fehlen darf, schließlich ist das
Gericht schnell und außerdem von den Polen verehrt. Aber wie macht man an Heiligabend einen Karpfen? Und vor allem – welche Version sollte man wählen?
Wir können viele Möglichkeiten wählen, um
den Karpfen für den Weihnachtsabend vor-

moabit° 21 | Ausgabe 8 | Winter 2018

Eine Nacht bevor der Karpfen angebraten
wird, sollte der Fisch ausgenommen, gereinigt, gespült und dann in Portionen geschnitten werden. Gemüse so wie Zwiebeln,
Sellerie und Karotte in Streifen schneiden. In
eine große Schale schichtweise zuerst eine
Schicht Gemüsemischung hineinlegen, dann
Fisch, dann wieder eine Schicht Gemüse und
wieder Fisch. Das Ganze zudecken und eine
Nacht in den Kühlschrank stellen.
Die Eier auf einem Teller aufschlagen, umrühren und salzen. Der zweite Teller wird

mit Paniermehl bestreut. Wir
wälzen unseren Karpfen (ohne
Gemüse) in dem Ei und dem
Brötchen, geben ihn in eine
Pfanne und braten ihn in geschmolzener Butter bei schwacher Hitze bis zum Bräunen.
Zutaten für gebratenen
Karpfen:
½ kg Karotten
300 g Zwiebeln
300 g Sellerie
Butter
2 Eier
2 Karpfen
3 Tassen Paniermehl
Salz
Rezepte und Fotos: Robert Bytom

16

Leben in Balance

Praktische Tipps aus dem SOS-Kinderdorf Berlin
gegen den Winterblues:

„Wintermelancholie“

Wenn die Tage winterbedingt wieder kürzer, kühler und die Wolken nebelgrau werden, stellt sich vielen Menschen die Frage:
was tut man zur Entspannung? Rausgehen,
Freund*innen treffen, lesen?
Es gibt Menschen, denen bekommt der
Übergang von Sommer zu Herbst zu Winter nicht gut. Grund für den sogenannten
„Herbstblues“ ist sehr oft ein Mangel an
Licht, wenn die Tage kürzer werden. Und
was hilft gegen die eigene Wintermelancholie? Wir finden: Love is the answer! Denn
das trifft einfach auf so vieles zu: Selbstliebe,
Liebe zum Partner, der Familie, den Freunden, den Mitmenschen, Liebe zu selbstgemachtem Essen. Zumindest lässt sich eine
Wintermelancholie damit oft in etwas Schönes verwandeln.
Ein weiterer Tipp lautet: frische Luft um
die Mittagszeit, wenn die Sonne am Höchsten steht. Aber man kann sich auch glücklich trinken: Jeden Morgen und Abend eine
Tasse des eigenen Lieblingstees. Wir bei
SOS-Kinderdorf Berlin machen es uns in
der Winterzeit mit unseren Kindern aus der
Kita und den Kindern aus dem Familientreff
besonders gemütlich. Wir trinken mit ihnen
einen Kakao und schauen uns gemeinsam
viele Bilderbücher an. Auch unser Inklusi-

Foto: Stefan Abtmeyer

onshotel Rossi wartet in der Botschaft für
Kinder in dieser Zeit immer mit einer sehr
gemütlichen Atmosphäre auf: sollte es kalt
werden, liegen dort die schönen handgewebten Decken aus unserer SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth bereit. In der SOS-Kinderdorf Dorfgemeinschaft finden Menschen
mit einer geistigen Behinderung ein liebevolles Zuhause und Arbeit in den kreativen Werkstätten. Einige von ihnen arbeiten
dort in einer Werkstatt, die Kerzen herstellt.
Diese selbstgemachten Kerzen zaubern in
der Winterzeit immer ein ganz besonderes
Licht hervor.
Das Hotelrestaurant Rossi lädt auch in diesem Jahr am 5. Dezember wieder zum traditionellen Gänseabend ein. Das Menü ist
auch eine Inspiration zum Nachkochen in
den eigenen vier Wänden: Kürbissuppe,
Weihnachtsgans aus dem Backofen und ein
Schokoladen-Lebkuchen als Dessert. Gemeinsame Abendessen mit guten Freunden
und der eigenen Familie heben die Stimmung, denn soziale Kontakte wirken sich
positiv auf unsere Gesundheit aus.

ein Lächeln Glückshormone
auslöst. Insbesondere helfen
macht uns glücklich: auch das ist
wissenschaftlich bewiesen, wer
anderen hilft, hilft am Ende des
Tages auch sich selbst. Verschiedene Studien zeigen, dass eine
gute Tat auch bei uns selbst ankommt, denn es ist die höchste
Form von Zufriedenheit.
Aber einer unserer allerliebsten
Tipps lautet: Dunkle Schokolade
hellt die Stimmung auf. Tatsächlich! Es ist was dran: Ein Mangel an Serotonin wird nicht nur
durch das Bewegen an der frischen Luft wettgemacht, sondern auch durch das ein oder
andere Stückchen bittere Schokolade.
Aboli Janine Lion

Und muss das Gute immer Geld kosten?
Mitnichten! Denn mit einem Lächeln beglücken wir nicht nur andere, sondern auch uns
selbst. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass

Ausgabe 8 | Winter 2018 | moabit °21

Leben in Balance

17

Die alternative Verpackung
Zur Weihnachtszeit erzeugen wir viel unnötigen Verpackungsmüll. Dabei können Geschenke so hübsch alternativ verpackt werden, in Schachteln, die man
über das Jahr sammelt oder Stoffresten. Wer Zeit und Muße hat, näht, strickt oder häkelt die passende Verpackung zu seinen Geschenken selber. Diese Verpackungen sind wieder verwendbar.
Wir zeigen Ihnen hier drei Geschenke-Verpackungen zum selber häkeln in drei verschiedenen Schwierigkeitsstufen.

Buchhülle (19cm breit x 21 cm hoch)

Sternebeutel
(25cm breit x 27 cm hoch)

42 Luftmaschen mit Häkelnadel 2,5 häkeln,
vier Reihen feste Maschen häkeln (bei dickeren Büchern entsprechend mehr Reihen),
eine Reihe feste Maschen um die gesamte
Häkelreihen arbeiten und weiter in Runden
arbeiten bis zu einer Höhe von 21 cm.

Mit Stricknadeln Nr. 2,5 schlagen Sie 68 Maschen mit dunkler Wolle an und stricken 24 cm
glatt rechts hoch. Dann stricken
Sie nach jeder dritten Masche
zwei Maschen zusammen und
nehmen einen Umschlag. Fünf
Reihen glatt rechts drüber stricken und die Maschen abketten.
Die Rückseite ebenso stricken.
Nun mit einer hellen Farbe das
Filet nach dem nebenstehenden Muster häkeln. Jedes gefüllte (blau) Kästchen bedeutet
drei Stäbchen. Jedes ungefüllte
Kästchen ein Stäbchen und zwei
Luftmaschen. Ist das Filet fertig,
wird es auf eine blaue Seite aufgenäht und die beiden Beutelseiten zusammengenäht. Zuletzt
ziehen wir eine Kordel durch
die Löcher. Sie können das Filet
natürlich auch für beide Seiten
häkeln.

Für die Verschlüsse jeweils sieben feste Maschen aufnehmen, dann sechs Reihen feste
Maschen häkeln. Für das Knopfloch zwei
feste Maschen, fünf Luftmaschen und zwei
feste Maschen arbeiten und darüber noch
eine Reihe feste Maschen arbeiten. Sie können in die Tasche zwei Löcher einarbeiten,
indem sie anstelle der festen Maschen zweimal zwei Luftmaschen einarbeiten, durch
die sie später ein Schleifchen oder Geschenkeanhänger ziehen.

Zuletzt zwei hübsche Knöpfe für den Verschluss aufnähen. Den Farbwechsel machen
Sie wie es ihnen beliebt.

moabit° 21 | Ausgabe 8 | Winter 2018

Herztasche (26 cm breit x 17 cm hoch)
Diese Tasche arbeiten Sie wie bei der Filethäkelei, nur anstelle der Luftmaschen zwei
feste Stäbchen, so dass sich anstatt der leeren Kästchen gefüllte Kästchen ergeben. Die
Rückseite des Täschchens kann auch einfarbig sein. Soll das Täschchen höher werden,
können die roten Ränder breiter gearbeitet

werden. Die beiden Teile werden zusammengenäht und an
der oberen Öffnung ein Reißverschluss eingenäht oder Bindebändchen angehäkelt.
Text und Fotos:Denise Weeke

Poesie

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Obcyος
Samotny, kto spogląda świat, pozostając wiecznie obcym wśród ludzi.
Co mój jézyk kaleczy, pochodzi z ich ust.
Mój śmiech – pośród obcych – nabrzmiewa goryczą.
Nietrafione dźwiéki brzmią obco.
Jestem skazany na obcość wśród tych, co udzielili mi schronienia,
a serce moje obolałe i bezdomne.
A ziemia płacze nad nami gorzkimi łzami,
gdyż porodziła dzieci, nie obcych.
A niebo przepełnione żalobą,
gdyż zesłało przyjaźń, nie wrogość.
W oczekiwaniu na lepsze czasy, kiedy ludzie
wreszcie poczują się jak bracia i nie będą sobie obcy.

Fremdling
Wir haben uns vorgenommen, das Verbindende in den Sprachen, die in Moabit gesprochen werden, heraus zu finden. Denn
die verschiedenen Sprachen sind das gemeinsame Erbe der Menschheit. Wir zeigen
ihnen hier das Gedicht Fremdling in polnischer Sprache, übersetzt von Justina Loos.
Die polnische Sprache ist eine indogermanische Sprache aus der Gruppe der westslawischen Sprachen. Sie ist die Nationalsprache in Polen und Amtssprache in der Europäischen Union. In Litauen, Rumänien,
der Slowakei, der Tschechischen Republik
und der Ukraine ist sie anerkannte Minderheitensprache. Der berlinerische Metrolekt
(Stadtsprache aus verschiedenen Mundarten entstanden) ist nicht nur durch die slawischen Sprachen Wendisch und Polabisch
beeinflusst, sondern auch durch das Polnische aus Schlesien.
Polnisch schreibt man, wie Deutsch mit
dem lateinischen Alphabet, das durch einige Buchstaben ergänzt wurde. Wörter aus

dem Polnischen im Deutschen sind spärlich
(Grenze, Säbel). Die Liste der aus dem Deutschen stammenden Wörter im Polnischen
ist um so länger. Dazu gehören Wörter wie
blacha (Blech), cyferblat (Zifferblatt), dach,
fajerwerk (Feuerwerk), majstersztyk (Meisterstück) und viele andere. Durch die unterschiedlichsten Einflüsse, so auch durch
Preußen und Österreich, sind die unterschiedlichsten Dialekte in Polen entstanden.

sische Dialekt von Bedeutung,
auch in Moabit. Einigen älteren
Moabitern, deren Vorfahren in
Pommern, Schlesien, Masuren
lebten wird der Klang dieser Dialekt vertraut vorkommen.
Text: Denise Weeke

Einer von ihnen ist der Lemberger Dialekt
(Gwara), der zu den kleinpolnischen Dialekten gehört. Schon in frühen Jahrhunderten
war in Lemberg die Amtssprache wegen der
deutschen Besiedlung deutsch. Auch nach
der ersten polnischen Teilung war hier die
Amtssprache durch die Habsburger deutsch.
Die kaschubische Sprache im Danziger
Großraum hat etwa 5% Lehnwörter aus dem
Deutschen. Der schlesisch-polnische Dialekt
enthält polnische, böhmische und deutsche
Elemente. Er wird von etwa einer halben
Millionen Menschen gesprochen. Für die
Sprachbildung in Berlin war dieser schle-

Ausgabe 8 | Winter 2018 | moabit °21

Spurensuche

Auf polnischen Spuren
Wenn ich an Polen in Berlin denke, dann
fallen mir nicht zuerst Daniel Chodowiecki
(1726–1801), Marie Curie (1867–1934),
Klose und Podolski ein. Es sind die polnischen Nachbarn, die durch ihre Freundlichkeit und Offenheit beeindrucken, sei es der
Kellner in der Pizzeria, der Verkäufer im Bekleidungsgeschäft, die Anmeldung bei der
Physiotherapie oder die nette Nachbarin von
nebenan. Polen bilden die zweitgrößte europäische Zuwanderungsgruppe in Berlin.
Der Name „Berlin“ soll vom slawischen
„berlo“ herkommen, was „Sumpf “ bedeutet.
Auch in Moabit gab es eine slawische Frühbesiedlung. Das haben Moabit und Polen
gemeinsam. Eine erste Berührung zwischen
Moabit und Polen gab es 1728 mit der Großen Hofjagd zu Ehren August des Starken
(1670-1733), Herzog von Sachsen und König von Polen-Litauen.
Nachdem 1772, 1793 und 1795 die damaligen Großmächte Preußen, Österreich
und Russland den polnischen Staat unter
sich aufgeteilt hatten, lebten drei Millionen
preußisch-Polen als deutsche Staatsangehörige. In Moabit hatte General Oppen-Bronikowski, der aus einem deutsch-polnischen
Adelsgeschlecht stammte, ein Grundstück
an der Ecke Alt-Moabit und Stromstraße.
Ab 1840 bildeten sich unter den Polen Organisationen, die die Rekonstruktion eines
polnischen Staates anstrebten. Die hierfür

moabit° 21 | Ausgabe 8 | Winter 2018

zutreiben. Ab 1880 kam es durch
Agrarreformen während der Industrialisierung zur Einwanderung von Polen in die deutschen
Industriezentren. Otto von Bismarck reagierte darauf mit Ausweisung der nicht-preußischen
Polen.
Bis zur Weimarer Zeit war die
Politik Preußens gegenüber der
annektierten polnischen Gebiete
von Eindeutschungsverordnungen geprägt, sei es durch Verbot der polnischen Sprache in
Schule, Amt und Gericht, seien
es Enteignungen, Vertreibung
des polnischen Adels durch
deutsche Erbbauern, Besiedlung
mit Deutschen oder die Förderung deutscher Industrie und
Immobilien.

Gedenktafel am Haus Lübecker Straße 13

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich
in Moabit schon einiges an Industrie und
Gewerbe aufgebaut. Die Firma A.Borsig erwarb umfangreiche Kohlegruben in Schlesien und brachte die schlesischen Arbeiter
mit nach Moabit. Die Gotzkowskystraße und
die Gotzkowskybrücke sind nach dem Kaufmann und Kunsthändler Johann Ernst Gotzkowsky benannt. Er stammte aus einer Familie des polnischen Kleinadels und war der
Begründer der Königlichen Porzellanmanufaktur, die 1868 in die Wegelystraße in der
Nähe Moabits verlegt wurde. Gotzkowsky
war von Friedrich II. speziell damit beauftragt worden, die preußische Wirtschaft an-

Gedenktafel im Carl-von-Ossietzky-Park, Alt-Moabit

geplanten Aufstände wurden in Preußen
aufgedeckt und es kam 1847 zum sogenannten „Polenprozess“ (bei den Polen „Berlinprozess“ genannt) im Zellengefängnis Moabit, bei dem 254 Polen wegen Hochverrats
angeklagt waren. Der Prozess endete mit
neun Todesstrafen und 97 Haftstrafen. Auf
Grund des aufsteigenden Nationalbewusstseins kam es 1848 zu Protesten aus der Bevölkerung, denen der reformfreudige König
Friedrich Wilhelm IV. nachgab. Eine Reorganisation des polnischen Staates folgte auf
diese Befreiung allerdings nicht.

19

Restaurant Weimarer Dreieck, Essener Str. 19

Die Fürsprache des amerikanischen Präsidenten Wilson
für „ein geeintes, unabhängiges und selbständiges Polen“
im Ersten Weltkrieg führte bei
der Friedensordnung des Versailler Vertrages (1918/1919) zu
einem neuen polnischen Staat.
Dabei wurde Schlesien geteilt
und Danzig Freistaat. Das Deutsche Reich reagierte hierauf mit
einem Wirtschaftskrieg gegen
Polen und einer Stärkung der
Deutschen Minderheit.
Im August 1939 ließen die Nationalsozialisten die Abgeordneten der Polnischen Partei im

Spurensuche

20
Reichstag verhaften und in Konzentrationslager verschleppen. Am 1.September eröffneten sie einen Krieg gegen Polen durch
Blitzangriff auf Danzig. Die Folge des Krieges war die Aufteilung Polens zwischen dem
Deutschen Reich und der Sowjetunion. Die
Polen wurden aus den nun deutschen Gebieten vertrieben, zur Zwangsarbeit gezwungen
oder in Konzentrationslager verschleppt.
Doris Tucholsky (1869–1943), die in Posen
geborene Mutter des Schriftstellers Kurt Tucholsky starb 1943 in Theresienstadt. Die
Familie Tucholsky wohnte in der Lübeckerstraße 13, später im Holsteiner Ufer 46. Kurt
Tucholsky wurde 1933 die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt, seine Bücher verbrannt. Mit dem Abtransport von Menschen
vom Güterbahnhof Putlitzbrücke aus hat
Moabit keine gute Geschichte geschrieben.
Auch der Journalist und Pazifist Carl von
Ossietzky (1889-1938) wurde ins Konzentrationslager Esterwegen inhaftiert. In Moabit wurde 1965 der alte Generalsgarten nach
ihm benannt, den das Land Berlin 1954 als
Park übernahm.
Als Berlin am 2.5.1945 kapitulierte, waren
polnische Soldaten an der Eroberung beteiligt. Von nun an waren es die Deutschen,
die aus Polen bis auf eine Minderheit ausgewiesen wurden. Als Aussiedler und Spätaussiedler erhielten später diese polnisch-Deutschen die Möglichkeit auf die deutsche
Staatsangehörigkeit.

Mit dem Beitritt Polens in die EU 2004 fallen
die Grenzen zwischen Polen und Deutschland. Das belebt die Wirtschaft auf beiden
Seiten. Die Moabiter kaufen sowohl gerne
in Polen ein als auch in Zofia Wieczorkowskas polnischem Spezialitätengeschäft in der
Turmstraße 13. Die Deutschen reisen gerne
nach Polen in die Heimat der Ahnen und
an die polnische Ostsee zum Relaxen. Moabit blüht unter polnischer Dienstleistung
und Gewerbegründung auf. Beliebt bei den
Moabitern ist auch das Restaurant Weimarer
Dreieck, dass mit seinem Namen und einer

polnisch-deutsch-französischen
Speisekarte für die guten Beziehungen dieser drei Länder steht.
Hier gibt es Tyskie vom Fass
und Pierogie mit Blaubeerfüllung und Vanillesauce. Möge die
Zukunft Moabit nun auch eine
stärkere künstlerisch kulturelle
deutsch-polnische Zusammenarbeitbringen, wie wir sie durch
die Reformationskirche mit dem
Adoramus-Chor Słubice verwirklicht sehen.
Text und Fotos: Denise Weeke

Polnische Lebensmittel in der Turmstraße 13

Ein schlesisches Wörterbuch
Wie in den meisten Landessprachen wird
der schlesische Dialekt schon seit Jahrhunderten gesprochen, und die Schlesier schreiben zuerst Latein, dann hauptsächlich Pol-

nisch, etwas Tschechisch und schließlich
Deutsch. Der Dialekt von Schlesien hatte
keine eigene Schreibweise.
Autor: Robert Bytom

schlesisch

polnisch

deutsch

schlesisch

polnisch

deutsch

ajmer

wiadro

Eimer

flaska

butelka

Flasche

apfelzina

pomarańcza

Orange

hołzyntrejgi

szelki

Hosenträger

aszynbecher

popielniczka

Aschenbecher

nudle

makaron

Nudeln

bakpulwer

proszek do pieczenia

Backpulver

ołma

babcia

Großmutter

bal

piłka do zabawy

Ball

ołpa

dziadek

Großvater

banhof

stacja kolejowa, dworzec

Bahnhof

pukeltasia

tornister

Rucksack

bigel

wieszak na ubrania

Kleiderbügel

richtig

naprawdę, rzeczywiście

richtig

brejle

okulary

Brille

tej

Herbata

Tee

cug

pociąg

Zug

wurszt

kiełbasa

Wurst

fach

zawód

Beruf

luftować

Wietrzyć

lüften

Ausgabe 8 | Winter 2018 | moabit °21

Liebe NetzwerkerInnen – wenn Ihr wollt, schneidet diese Seite aus und heftet sie in Euren Ordner „Kooperation
und Vernetzung“. So habt Ihr gleich unkompliziert Eure engagierte Mitgliedschaft im Kitanetzwerk dokumentiert .

Sonderbeilage Kita-Netzwerk

ç

Das Kita-Netzwerk informiert

21

Stell Dir vor, Du bist schon lange gut,
so wie Du bist, und merkst es nicht!“ –
Gesund bleiben in der frühkindlichen Bildung

Unter diesem Motto trafen sich ca 30 Kitaleitungen, Trägervertreter*innen und weitere
pädagogische Fachkräfte am 11.10.2018 im
Zille-Haus zum diesjährigen Fachtag des
Kitanetzwerks Moabit-Ost.
„Wie kann ich anderen Stress nehmen, ohne
selber gestresst zu werden?“, „Wie halte ich
mich und andere gesund?“ „Wie gehe ich mit
belastetet und/oder kranken Mitarbeitenden
um und halte/steigere die Qualität?“, „Wie
finde ich mental Abstand zum nie endenden
Arbeitsberg?“ Das waren einige der konkreten Fragen, mit denen die Teilnehmenden zu
dem Fachtag kamen.

zu durchqueren, müssen wir also schwimmen lernen und uns an die Gegebenheiten
des Flusses anpassen. Wie können wir uns
also gesund halten? Sicher haben alle von
uns schon einmal versucht, gute Vorsätze
umzusetzen: weniger rauchen, weniger essen… das ist meistens mit großer Anstrengung verbunden und die guten Vorsätze
klingen oft nach wenigen Wochen ab. Aber
was wäre, wenn wir uns stattdessen fragen,
was uns Spaß macht und wovon wir in Zukunft mehr machen sollten? Mehr Freunde
treffen, mehr lachen, mehr schlafen, mehr

kuscheln… es gibt so vieles, das
Spaß macht und gesund hält!
Mit derart positiven Vorsätzen
starteten wir in die drei Workshops des Tages. René Hartwig
(Coach, Supervisor, Pädagogischer Fachberater) versammelte
sich mit einigen Teilnehmenden
zum Thema „Change Management – Ein Anstoß für Veränderung“. Als Einstieg zitierte er Albert Einstein: „Die reinste Form

Diese Fragen im Sinn, begann der Tag mit
einem Impulsvortrag von Gabi Jung (Ärztin, Gesundheitswissenschaftlerin, Systemische Beraterin) zum Thema „Gesund im
Kita-Alltag – geht das?“. Fr. Jung entschied
sich vor einigen Jahren dazu, sich als Ärztin nicht mehr nur noch mit Krankheit, sondern fortan mit der Gesundheit zu beschäftigen. Sie zeigte uns, dass es gerade in einer
oft stressigen Arbeitsumgebung wie der Kita
hilfreich ist, sich nicht nur zu fragen: Was
macht die Menschen krank? sondern auch:
Was hält die Menschen gesund? Wir lernten,
dass der Alltag sich oft einem Fluss ähnelt:
er hat nicht nur ruhige Ufer, sondern auch
Untiefen und Strömungen. Um ihn sicher
des Wahnsinns ist es, alles beim
Alten zu lassen und gleichzeitig
zu hoffen, dass sich etwas ändert.“ Das Workshopteam sammelte Ideen, wie wir wegkommen können vom Feuerwehr
spielen, von provisorischen Lösungen, die nicht nachhaltig den
Stress reduzieren. Wie kommt
man vom Reagieren wieder ins
Agieren?
Getreu nach dem Motto „Mehr
von dem, was Spaß macht“, leitete Dorothée Böcker (Sozialpädagogin und Playing Artist)
einen Workshop zum Thema
„SpielRaum schafft FreiRaum...

moabit° 21 | Ausgabe 8 | Winter 2018

Liebe NetzwerkerInnen – wenn Ihr wollt, schneidet diese Seite aus und heftet sie in Euren Ordner „Kooperation
und Vernetzung“. So habt Ihr gleich unkompliziert Eure engagierte Mitgliedschaft im Kitanetzwerk dokumentiert .

Sonderbeilage Kita-Netzwerk

ç

Das Kita-Netzwerk informiert
für (mentale) Beweglichkeit, Humor, Gelassenheit und Entspannung“ an. Hier gab sie
den Teilnehmenden erst einen kurzen theoretischen Einblick in „Playingarts“, die Kunst
des Spielens. Kinder lernen beim freien Spielen, sie erlernen ihre meisten Kompetenzen
spielerisch. Spielen regt die Kreativität an
und befreit von Stress. Warum also haben
wir Erwachsenen verlernt zu spielen? Mit
Begleitung von Dorothée Böcker spielten einige der Teilnehmenden im Kiez herum: wie
kann ich zum Beispiel Lego-Figuren so platzieren, dass interessante Fotos dabei rauskommen? Wie sieht ein Motorrad mit Wackelaugen aus?
Der dritte Workshop beschäftigte sich mit
dem Thema „Alles Psycho??? Umgang mit
psychisch belasteten und/oder kranken Mitarbeiter*innen“. Gabi Jung gab zunächst einen theoretischen Input zu dem Thema, bei
dem wir lernten, dass in Deutschland jeder
3. Mensch mindestens einmal im Leben psychisch krank wird. Was brauchen also psychisch belastete Menschen am Arbeitsplatz?
Wie geht man am Besten mit ihnen um und
wo sind auch die Grenzen des Möglichen
oder auch des Zumutbaren für das restliche Team? Diese Fragen bearbeiteten wir bei
strahlendem Sonnenschein auf der Terrasse
des Zille-Hauses.
Herzlichen Dank an alle Referent*innen für
den inspirierenden Input und an alle Teilnehmenden für den regen fachlichen Austausch. Gemeinsam konnten wir der Antwort der anfangs gestellten Fragen ein Stück
näher kommen und nahmen wertvolle
Ideen und praktische Tipps für unseren Arbeitsalltag mit. Wir möchten uns beim Valladares für das köstliche und viel gelobte Catering bedanken sowie beim Zille-Haus und
bei dem Team von Stadtmuster für die Möglichkeit, die Räume des Zille-Hauses zu nutzen.
Sind Sie neugierig geworden? Dann merken
Sie sich schon einmal den nächsten Herbst
vor! Auch dannt wird es wieder einen Fachtag des Kitanetzwerks Moabit-Ost geben.
Möchten Sie im Kitanetzwerk aktiv mitgestalten? Oder einfach mal reinschnuppern?
Dann melden Sie sich gerne bei uns unter
kitanetzwerk-moabit-ost@generationenraum.de. Sie bekommen dann von uns Infos
über die nächsten Treffen, sobald die Termine feststehen. Auch bei sonstigen Fragen
und Anregungen zum Thema Kitanetzwerk
melden Sie sich gerne bei uns!
Text: Elke Gausepohl
Fotos: Antje Gräske und Susanne Bierwirth
moabit° 21 | Ausgabe 8 | Winter 2018

22

Buchtipp: „Der Bär, der ein Bär bleiben wollte.“ Ein Menschenbuch.

„Ich weiß nicht, ob es ein Kinderbuch oder
ein Erwachsenenbuch ist…“ So kommentierte der Liedermacher Reinhard Mey
das Buch, bevor er sich daran machte, es
zu vertonen. Wobei dann folgerichtig unklar blieb, ob er ein Kinderlied oder ein Erwachsenenlied geschaffen hatte.
Das Buch „Der Bär, der ein Bär bleiben
wollte“ stammt aus meiner Kindheit, aus
den 70er Jahren. Das ist aber nicht der
Grund der Empfehlung.
Es regt zum Nachdenken an, gerade heute
und gerade hier in Moabit. Deshalb stelle
ich es für das Kitanetzwerk vor. Ich könnte
mir vorstellen, dass es eure Kitabibliothek
sehr bereichern würde.

sante subtile Weise herausgestellt. Und schließlich stellt sich
natürlich die Frage nach der Natur des Menschen – äh, Pardon
– des Bären.
Ich erzähle das Ende nicht– ein
bisschen Spannung muss sein.
Das Buch ist übrigens neu nicht
zu finden, aber die Suche in
den Antiquariaten des Internets
lohnt sich. Die Zeichnungen
sind wirklich klasse und für intelligente Gesellschaftskritik ist
es nie zu früh…
Viel Spaß beim Lesen und Vorlesen
Ulrike Bungert

Jörg Steiner (Text, Übersetzung) und Jörg
Müller (Illustration) erzählen hier Menschen jeden Alters von einem „unrasierten
Faulpelz“ – so jedenfalls wird der Bär, um
den es hier geht, von seinem Vorgesetzten
genannt. Einen Vorgesetzen? Ja, den hat er,
seit er aus dem Winterschlaf erwacht ist
und feststellen musste, dass genau über seiner Höhle eine große Fabrik erbaut wurde.
Der Bär gibt sein Bestes, zunächst zu beweisen, dass er gar kein Mensch ist. Bis er
sich schließlich seinem Schicksal fügt, und
in der Fabrik einer monotonen Menschen
(?) – Arbeit nachgeht. Aber nicht nur die
Tücken der kapitalistischen Arbeitsgesellschaft, sondern auch die Firmenhierarchien werden in diesem Buch auf interes-

und Wohnen

Winterliteratur

23

Lust am Lesen
Ich habe keine Ahnung wie es anderen geht
– ich jedenfalls habe oft richtig Lust zu lesen
und lese am Ende doch recht wenig. Inspiriert bin ich meist, wenn ich am U-Bahnhof
Birkenstraße stehe und es sind noch 4 Minuten. Dann laufe ich zu der hübsch bestückten Vitrine. Die Bücher kommen von der
Dorotheenstädtischen Buchhandlung in der
Turmstraße. Und sie sehen spannend aus!
Leider kann ich dann nicht durch das Glas
greifen, denn zu gerne würde ich nachsehen, was sich hinter den spannenden Titelseiten verbirgt. Die Moabiter Chronik zum
Beispiel.
Während die U-Bahn einfährt nehme ich
mir dann zwei Dinge vor: Erstens werde ich
demnächst die Buchhandlung gegenüber

des Kriminalgerichts besuchen und zweitens
werde ich es mir am Abend mit einem tollen
Buch auf dem Sofa gemütlich machen. Eine
Tasse Tee dazu, und dann ganz lange lesen.
So wie Kurt Tucholsky es gesagt hat: „Das
Richtige ist: das intensive Buch. Das Buch,
dessen Autor dem Leser sofort ein Lasso um
den Hals wirft, ihn zerrt, zerrt und nicht
mehr loslässt – bis zum Ende nicht, bis zur
Seite 354.“
In der U-Bahn liest niemand. Das war früher mal anders. Heute sitzen alle mit dem
Handy in der Hand da und tippen und wischen. Die meisten haben es eilig. Viele haben allerdings auch Kopfhörer im Ohr. Lassen sie lesen? Ich bin jedenfalls auf dem
Weg nach Hause, zu dem Sofa, zu dem Tee.

„Sei wie ein Fluß, der still die
Nacht durchströmt“
Da ich ein großer Paulo-Coelho-Fan bin,
wusste ich, dass ein Buch von ihm mich
nicht enttäuschen wird. Wie das Cover
schon verrät ist das Buch „Sei wie ein Fluß,
der still die Nacht durchströmt“ kein Roman
mit einer Geschichte. Das Buch ist mit 103
verschiedenen Geschichten und Gedanken
gefüllt.
Die Geschichten und Gedanken lassen sich
leicht lesen und einige Seiten berühren einen tiefer, andere weniger. Und das ist meiner Meinung nach das praktische an solchen
Büchern – falls der Lesefluss nicht entfacht
wird, blättert man einfach weiter und findet
eine neue Kurzgeschichte. Mich haben nicht
alle Geschichten angesprochen, aber einige
regten mich sehr zum Weiternachdenken
an.

Während einer Reise von Zürich nach München habe ich das Buch „Sei wie ein Fluß,
der still die Nacht durchströmt“ von Paulo
Coelho angefangen zu lesen. Auf einer Busfahrt, die über 4,5 Stunden dauert ist ein gutes Buch essenziell.

moabit° 21 | Ausgabe 8 | Winter 2018

Ich würde sagen, dass dieses Buch sehr spirituell ist und wie alle Bücher von Coelho ein
Wegweiser für Menschen ist. Das Buch eignet sich für unterwegs, man kann in einem
Wartezimmer oder am Strand in der Hängematte gut darin rumblättern … oder auch
einfach für alle, die Lust auf Lesen haben,
aber keinen langen Roman mit sich tragen
wollen.
Text und Foto: Venus Le

Und was mache ich dann? Erstmal Abendessen. Die Wäsche
zusammenlegen. Telefonieren.
Noch ein Video auf Youtube ansehen, ich hatte da so einen Link
bekommen. Plötzlich ist es spät.
Heute lese ich nicht mehr, ich
muss ja ins Bett. Tucholsky hat
auch geschrieben: „Gebt den
Leuten mehr Schlaf – und sie
werden wacher sein, wenn sie
wach sind.“ Und dann kommt
die Lust am Lesen auch wieder,
spätestens morgen vor der Vitrine…
Ulli Bungert

Winterzeit –
Lesezeit und
BuchGeschenkezeit
Wir hatten es bereits erwähnt:
In Moabit kann man prima
Bücher kaufen und leihen.
Und neben der Gemütlichkeit
des Lesens gibt es auch einen
Grund mehr, Bücher zu erwerben – Weihnachtsgeschenke.
Im Übrigen gehöre ich zu den
Menschen, denen es beim
Buchgeschenk egal ist. Ob neu
oder gebraucht. Manchmal ist
gebraucht sogar besser, denn
der Schenkende hat es gelesen
und kann es offenbar empfehlen. Dann ist es schön zu wissen, dass man ein gutes Buch
vor sich hat! Hier stellt uns Venus Le ein Buch vor. Wir würden uns über eure Leseempfehlungen für die nächsten Ausgaben freuen.
Schickt sie gerne an perspektiven@generationenraum.de

24

Zeichnen im Kiez

Künstlerische Stadterkundung
In der Moabit°21 kann jeder was
erzählen – denn das geht auch
ganz ohne Text. Hier der Ausflug
zur Armenius-Markthalle in Moabit-West. Diese Fotos sind entstanden bei unserem Workshop
„Zeichnen im Kiez“ am 2. Oktober 2018 mit Hanneke van der
Hoeven.
Hanneke van der Hoeven ist
Zeichnerin, Malerin und Schriftstellerin und hat ihr Atelier Berlin-Moabit. Neben ihrer künstlerischen Arbeit bietet sie Un-

terricht
und
künstlerische
Stadterkundungen an.
Wer unseren Workshop verpasst
hat, muss nun zwar selbst zahlen, hat aber sicher dennoch die
Möglichkeit Hanneke zu kontaktieren – empfehlenswert war
es allemal!
Hanneke van der Hoeven
Unionstr. 6a
10551 Berlin-Moabit
030-3924439
0152-07856986
ietjes@xs4all.nl
https://kunstmachtstark.wordpress.com/hanneke-van-derhoeven-atelier-in-berlin-mitte/

Ausgabe 8 | Winter 2018 | moabit °21

Weihnachten

Weihnachten in Polen

25

Ein Platz an dem festlich dekorierten Tisch bleibt frei, für den
unerwarteten Gast, und als Erinnerung an verstorbene Familienmitglieder. Alle beten, dann wird
die Oblate untereinander gebrochen, mit den besten Wünschen
für das neue Jahr. Unter der weißen Tischdecke liegt Stroh, es
soll Glück und Wohlstand bringen. Genauso eine Schuppe von
dem Karpfen, die in den Geldbeutel gelegt wird.
Wenn das Essen begonnen hat,
darf niemand vom Tisch aufstehen. Das nämlich könnte bedeuten, dass derjenige beim nächsten Mal fehlt, die Familie auseinanderbricht oder ihr etwas
zustößt. Von jeder Speise muss
probiert werden. Sonst, so die
Sorge, bekomme man nicht von
all dem Guten, was kommt, etwas ab.

Fotos: Denise Weeke

Der Karpfen schwimmt schon seit ein paar
Tagen in der Badewanne. Ganz sorglos.
Heute geht es ihm an den Kragen. Er spielt
die Hauptrolle zu Heiligabend. Der Fisch,
gebraten, auf jüdische Art mit Rosinen und
Mandeln zubereitet oder in Gelee eingelegt,
ist eine der traditionellen zwölf Speisen, die
auf dem Tisch landen. Warum zwölf? Weil
das Jahr zwölf Monate hat und weil Jesus,
der laut Bibel in der Nacht zum 25 Dezember geboren wurde, zwölf Jünger, die Apostel, hatte.
Jedes Jahr ist der 24 Dezember - auf polnisch "wigilia", was vom lateinischen "vigilare" kommt und so viel wie "wachen" heißt
- ziemlich ähnlich in ganz Polen. Es gibt
zwar regionale Unterschiede, doch im Großen und Ganzen feiert jede Familie nach
demselben Muster. Der magische Tag ist mit
Bräuchen und abergläubischen Momenten
gespickt. Volkskundler führen dies auf die
heidnischen Traditionen der Sonnenwende
zurück.
Los geht es morgens, in der Küche wird gekocht und gebraten. Meistens bereitet die
Mutter alle Gerichte zu. Der Vater konzentriert sich auf den Karpfen und schmückt

moabit° 21 | Ausgabe 8 | Winter 2018

mit den Kindern den Weihnachtsbaum. Die
Familie vermeidet Streit - sonst streitet man
sich ein Jahr lang, so der Aberglaube. Niesen sollte man auch nicht, denn jeder Nieser
bedeutet einmal Kranksein in den nächsten
zwölf Monaten.
Das Menü am Abend ist fleischlos. Den ganzen Tag essen die Menschen kaum etwas kein Wunder: Am Abend wartet das große
Menü. Neben dem Fisch gibt es Hering, Pilzoder Rote Beete-Suppe mit kleinen Tortellini, genannt Öhrchen, dann Piroggen, gefüllt mit Sauerkraut und Pilzen sowie Kohlrouladen, genannt "Täubchen" ("golabki").
Es folgen gekochtes Sauerkraut mit getrockneten Waldpilzen, "kutia" - eine Süßspeise
aus gekochten Weizenkörnern, gemischt
mit Mohn, Honig und Nüssen, woanders
getrocknete Brötchen, getunkt in Milch mit
Honig und viel Mohn vermischt. Den Mohn
findet man auch im Mohnstrudel. Honigkuchen, eine Art von Lebkuchen, darf nicht
fehlen, und dann noch ein Kompott aus getrockneten Früchten.
Die Familie setzt sich an den Tisch, sobald
der erste Stern am Himmel zu sehen ist. Eine
Reminiszenz an den Stern von Bethlehem.

Nach dem Essen gibt es Geschenke, zusammen singt man
Weihnachtslieder und geht kurz
vor Mitternacht zur Christmette
in die Kirche. Angeblich sollen
auch um Mitternacht die Tiere
mit menschlicher Stimme sprechen; deswegen bekommen sie
an dem Tag besondere Leckerlis,
damit sie ja nur Gutes über ihre
Besitzer erzählen. Kinder, die
lange aufbleiben, wissen jedoch:
Der Hund sagt kein Wort ;)
Robert Bytom

26

Weihnachten

sich im Wald. Ihm war bitterlich kalt und der Hunger machte
sich auch bemerkbar. Er saß im
Schnee mit dem Weihnachtsbaum unter dem Arm und überlegte wie er denn bloß nach
Hause kommen würde.

Fotos: Denise Weeke

Janek und der alte Mann
eine Weihnachtsgeschichte
Weihnachten steht vor der Tür. Und wie es
schon immer vor Weihnachten war, erwachen in uns Nostalgie, Träume und tief verborgene Erinnerungen. So ist es auch bei
mir im Augenblick, deswegen habe ich eine
kleine Geschichte geschrieben, die uns für
einen kleinen Moment über 100 Jahre zurückführt.

Kleiner Ort in Schlesien, Dezember
1905.
Es beginnt die Jagd nach Geschenken, Weihnachtsputz und Einkauf. Überall hängen
bunte Lichter, der Schnee rieselt leise vom
Himmel herab. Jedes Haus ist weihnachtlich
geschmückt, überall erklingen die Weihnachtslieder. Man sieht die Menschen und
Familien, die auf den Straßen glücklich zusammen durch die Stadt spazieren und Geschenke kaufen.

Aber die Tage sind für Janek besonders traurig. Er hat noch nie ein Geschenk zu Weihnachten bekommen. Denn der kleine zwölf
jährige Junge hatte leider seine Eltern sehr
früh verloren.
Er wohnte mit seiner Großmutter in einer
alten, kleinen Hütte am Stadtrand, trotz seines Alters war Janek ein fleißiger und guter
Junge. Jeden Morgen ging er in den Wald
um Feuerholz zu holen, um den Kamin zu
heizen, damit die Großmutter eine warme
Stube hatte und die magere Suppe auf der
Feuerstelle zubereiten konnte. Denn seine
Großmutter war sehr arm und es war ihr
leider nicht möglich dem Jungen zu Weihnachten Geschenke zu kaufen, wie es andere
Familien taten.

Da kam ein alter Mann entlang
des Weges, der den Jungen entdeckte. Da nahm er Ihn auf
dem Arm und ging mit großen
Schritten in Richtung Stadt. Der
eiskalte Wind war kaum zu ertragen und der Schnee peitschte
Ihnen um die Ohren, sie sahen
kaum den Weg. Nach einiger
Zeit kamen Sie aus dem Wald
und Janek erkannte den Weg zu
Großmutters Hütte. Diese wartete schon lange und in voller
Sorge auf den Jungen. Als sie
den alten Mann sah, der ihren
geliebten Jungen sicher nach
Hause gebracht hatte, bat Sie
ihn zum Essen zu bleiben. Sie
verbrachten einen gemütlichen
Abend und versanken in tiefen
Gesprächen. Der alte Mann war
so beeindruckt von dem kleinen
Jungen was er alles für die Oma
tat, da beschloss er Ihnen zu helfen und linderte Ihre finanzielle
Not, denn der alte Mann war
sehr reich. Sie zogen in ein schönes Haus in der Stadt und Janek
konnte endlich zur Schule gehen. Von da an lebten sie glücklich und zufrieden in Schlesien.
Robert Bytom

Aber Sie liebte Ihn sehr und gab Ihr Bestes,
um dem Jungen ein gemütliches und liebevolles Zuhause zu geben.
Am Heiligabend stand die Großmutter schon sehr früh auf, um die Stube zu
schmücken und die Suppe zu kochen. Und
der kleine Junge machte sich auf den Weg
in den Wald, um den Weihnachtsbaum zu
holen, den er schon vor langer Zeit ausgesucht hatte. Doch er konnte nicht ahnen
was Ihn erwarten würde. Es herrschte ein
großer Schneesturm und der Junge verlief

Ausgabe 8 | Winter 2018 | moabit °21

Unterhaltung

27

Winterliches Logikrätsel
Kyra, Hülya, Maik und Siegbert tauschen
sich über ihre Verabredungen diesen Winter aus. Jeder von ihnen ist in einem anderen Monat (November, Dezember, Januar,
Februar) mit einer für ihn oder sie wichtigen Person verabredet, um gemeinsam in
Moabit etwas zu unternehmen. Kannst Du
anhand der Hinweise herausfinden, wer in
welchem Monat mit wem was genau unternimmt?
1.) Hülya hat nicht vor, sich die Vitrine 1
im U-Bahnhof Birkenstraße anzusehen.
2.) Die Person, die sich im November mit
einem guten Freund trifft, will nicht im
„kaputten Heinrich“ frühstücken.
3.) Zur Rodelbahn im Sportpark geht im
Februar jemand, aber das ist nicht
Maik.
4.) Kyra ist mit ihrer Lieblingstante unterwegs, aber die beiden wollen nicht
in die Bruno-Lösche-Bibliothek. Da
möchte jemand anderes mit der kleinen Schwester hin.
5.) Eine Person ist mit der Mutter unterwegs, eine andere Person hat sich für
den Dezember verabredet.
6.) Siegbert ist im Januar verabredet, aber
nicht, um in die Bibliothek zu gehen.

Kreuzworträtsel

1

2

3

4

In den Spalten stehen folgende Wörter:

5
I
S
L
A
N
D

6
T
I
R
R
E
E

moabit° 21 | Ausgabe 8 | Winter 2018

4
B
R
A
N
D
T

Rätsel und Bilder: Ulli

3
A
M
E
I
S
E

In der obersten Zeile ergibt sich ein Lösungswort.

Lösung
1
2
M
O
U
R
T
A
T
N
E
G
R
E

1 = mögliches Elternteil
2 = süße Zitrusfrucht
3 = kleines, fleißiges Tierchen
4 =	ein berühmter, ehemaliger Berliner
Bürgermeister (1957-1966) mit Vornamen Willy
5 = Inselstaat im Norden Europas
6 = Café am U-Bahnhof Birkenstraße

5

6

28

Willst Du mitmachen?

Bald geht es weiter!
Nun gibt es die moabit°21 schon über
zwei Jahre. In diesem Projektzeitraum
haben wir gemeinsam acht Zeitungen herausgebracht. Wir möchten uns bei Euch
für die vielen spannenden Beiträge und
Euer Engagement bedanken! Wir hoffen, dass es nächstes Jahr mit dem Projekt
weitergehen kann. Bisher sieht es sehr gut
aus, dass wir weiter die Gelder dafür bekommen. Die nächste Ausgabe wird voraussichtlich im Frühsommer 2019 herauskommen. Wir halten Euch auf dem
Laufenden, und zwar hier:
http://www.moabit-ost.de/aktiv-imkiez/moabit21/

Bis dahin sammeln wir weiter Euer
Material! Habt Ihr auch einen Text,
ein Foto, einen Lieblingswitz, einen
Bericht, ein leckeres Rezept oder irgend etwas anderes, das Ihr gerne
hier abdrucken möchtet? Dann immer her damit! Kommt gerne auch
zum Planungstreffen der nächsten
Ausgabe, oder zum Redaktionstreffen, oder zum nächsten Workshop… alle Termine findet Ihr auf
unserer Homepage (siehe oben)
Kontakt zu uns: E-Mail:
perspektiven@generationenraum.de
Tel: 030-39837450

*** News zuletzt ***
Der U-Bahnhof mag nicht fertig sein –
der Back-Shop war es. Es duftete am 30.11
nach Kaffee, Kakao und frischen Croissants in der Zwischenetage des Bahnhofs
Birkenstraße. Dieses Foto entstand direkt
am Tag der Eröffnung. Leider war schon
kurz darauf wieder geschlossen – wegen
eines Wasserschadens.
Vielleicht hören wir 2020 mehr von unserem neuen „Backbaron“ in Moabit 21.
Erstmal wünschen wir – trotz Anfangskomplikationen – einen guten Start!
Foto und Text: Ulli Bungert

Schlittenfahrt
Was gibt es Schöneres als eine frohe
Schlittenfahrt? In diesem Ölbild erinnere
ich mich an die vielen Freuden, wenn es
mit dem Schlitten den Hügel hinab ging.
In Moabit ging der Winter früher Monate
lang. Dann ging es mit den Kindern in
den Ossietzkypark oder Fritz-SchloßPark und stundenlang tummelten wir
uns im kalten Schnee. Dort trafen wir
die ganze Nachbarschaft. War das ein
Vergnügen! Wussten Sie, dass jedes
Eiskristall eine andere Gestalt hat?
Welch eine faszinierende Vielfalt!

Schlittenfahrt © Denise Weeke

Ausgabe 8 | Winter 2018 | moabit °21
        
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