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Periodical volume

Full text: Moabit 21° Issue 7.2018

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abit ˚21

Zeitung für Menschen in Moabit-Ost | Herbst 2018 | Ausgabe 7

Zum Raustrennen
Aktuelles aus dem
Quartiersmana­gement
Moabit-Ost & aus dem
Kita-Netzwerk-Moabit-Ost
ç

Moabiter Herbst-Symphonie

Fotos: Leo Klose

Schallplatten Antiquariat, Steiff An- und Verkauf, Kruppstraße 12, 10559 Berlin

Willkommen zur 7. Ausgabe von moabit°21!
Der Herbst in Moabit hat viel zu bieten:
Musikschulen, Bücher, fremde Wohnungen
und viel mehr – in dieser Ausgabe findet
Ihr wieder viele Anregungen und Berichte,
geschrieben von Menschen in Moabit. Am
Rand von EuropaCity, auf griechischen Spuren in Moabit sowie auf einer Zimmerreise
entdeckt Ihr sicher noch spannende neue
Seiten Eures Kiezes. Lasst Euch überraschen!

GenerationenRaum

Möchtet Ihr auch etwas zur nächsten Ausgabe beisteuern? Sehr gerne! Guckt einfach
auf die letzte Seite, da steht wie´s geht.
Die Redaktion dieses Mal:
Katja Gartz, Fina Bombina, Rebecca Stoll,
Denise Weeke, Elke Gausepohl, Julia Legelli, Venus Le,
Susanne Bierwirth, Ulli Bungert, Leo Klose

Moabit-Ost

In dieser Ausgabe
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und Wohnen

Was ist los in Moabit?
Aufwachsen in Moabit
Zimmer-Reise
Moabiter Musikschulen
Herbstliteratur
Poesie
Spurensuche
und vieles mehr…

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Was ist los in Moabit?

Der Rosenkäfer – ein Nützling
In den Laubengärten der Lehrter Straße
trifft man ihn an, den Gemeinen Rosenkäfer, auch Goldglänzender Rosenkäfer (Cetonia aurata) genannt. Er gehört in die Familie
der Blatthornkäfer (Scarabaeidae).

auf Engerlinge trifft, sollte diese
rasch wieder mit Kompost bedecken, weil sie im Sonnenlicht
absterben. Aus Körpersekret
und Humus bauen sich die Engerlinge ihren Kokon, in dem
sie sich verpuppen. Nach wenigen Wochen Verpuppungszeit
verlässt der fertige Käfer seinen
Kokon.

Mit einer Körperlänge von 1,5–2,0 cm gehört er zu den großen Käfern in Moabit.
Seine auffallend schöne Färbung reicht von
metallisch goldgrün über bronzefarben bis
hin zu blaugrün und blauviolett. Weiße Flecken und Bänder durchqueren diese aparte
Farbsymphonie. Von April bis September
hält er sich in den Blüten von Rosen, Holunder und anderen Gartenpflanzen auf, um
Nektar zu saugen.
Im Herbst finden sich im Kompost seine fetten Engerlinge. Sie arbeiten totes Pflanzenmaterial in nährstoffreichen Humus um.
Dieser bekommt den armen Moabiter Böden besonders gut, denn er verbessert Bo-

denstruktur, Nährstoffangebot und Wasserhaltekraft. Zwei bis drei Jahre verbringen
die gekrümmten Engerlinge im Kompost.
Wer beim Umsetzen des Komposthaufens

Vitrine01 – Kultur „im Vorbeigehen“
Nächste Station – Birkenstraße – Ausstieg
links. So mancher legt hier eine kurze Kunstpause ein. Vor einiger Zeit hatten wir Maria
Miottke interviewt, die in der Vitrine 01 im
U-Bahnhof eine außergewöhnliche Kleiderkollektion vorstellte. Bevor die U-Bahn-Vitrine aus den 60ern zur Vitrine01 wurde,
stand sie jahrelang leer und wurde als gläserner Abfalleimer für Fahrscheine, Opernkarten oder auch kleine Münzen benutzt.
Unter dem Motto „Kunst ohne Umwege,
Wartezeit statt Öffnungszeiten. Jeden Tag
neu betrachten. Eintritt frei.” startete der
unterirdische Projektraum vor 3 Jahren auf

Impressum
Herausgeberin: GenerationenRaum gGmbH,
Stephanstr. 53, 10559 Berlin
perspektiven@generationenraum.de
Redaktion: Projekt „Perspektiven°Moabit-Ost“, gefördert im Rahmen des Programms „Soziale Stadt“
als Teil der „Zukunftsinitiative Stadtteil“ (ZIS II).
Online-Ausgabe: www.moabit-ost.de/
aktiv-im-kiez/moabit21/
Nächster Redaktionsschluss: 1. November 2018
Gestaltung: LayoutManufaktur
Auflage: 2.000

dem U-Bahnsteig Birkenstraße. In diesen 3
Jahren fanden 39 Ausstellungen von KünstlerInnen, IllustratorInnen und DesignerInnen sowie Kooperationen mit der weißensee kunsthochschule berlin und der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule
Moabit
statt. Die Vitrine01 ist neben den größeren
Institutionen wie dem KurtKurt oder dem
Z/KU bereits ein etablierter Bestandteil der
Moabiter Kulturszene geworden.

In Deutschland ist der Rosenkäfer geschützt. Da er im Norden seltener vorkommt, ist der
Moabiter Rosenkäfer besonders schützenswert. Natürliche
Feinde hat er ohnehin genug.
Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum die Nebelkrähen
im Herbst den Rasen im Historischen Park umgraben?
Text und Zeichnung ©Denise Weeke

Und leider – wie so Vieles, das
unser Moabiter Leben aufwertet
– nicht von der Stadt oder vom
Bezirk finanziert. Das Ganze ist
in den Händen von engagierten Privatpersonen. Im Sommer
2015 hat Sarah Dierkes-Leifeld
das Projekt Vitrine01 ins Leben
gerufen. Seit 2017 arbeitet Franziska Harnisch am Projekt mit
und leitet es seit Beginn 2018.
Daher kommt jetzt Ihr ins Spiel:
Ihr könnt beim Crowdfunding
mitmachen. Crowdfunding (von
englisch crowd für ‚(Menschen-)
Menge‘, und funding für ‚Finanzierung‘) lassen sich Projekte
wie die Vitrine 01 mit wenig
Aufwand für den Einzelnen finanzieren. Und man erhält – sofern sich genug Unterstützer zusammenfinden – auch ein kleines oder größeres Dankeschön.
Hier der Link:
https://www.startnext.com/
vitrine01-2018
Text und Foto: Ulli Bungert

Ausgabe 7 | Herbst 2018 | moabit °21

Was ist los in Moabit?

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Projekt: Am Rand von EuropaCity

Fotos: Achim Lengerer

Wie ist das Projekt entstanden?
Die Europacity wächst mitten in Berlin und
da entsteht ein neuer Stadtteil. Abseits der
Öffentlichkeit wird sie mit einer eigenen Logik und Ideologie gebaut, die noch in ziemlich hohem Kontrast zu den angrenzenden
Nachbarschaften von Moabit und Wedding
steht. Die Europacity wird auch auf ihre
Randgebiete Auswirkungen haben. Wir haben uns dabei diese Fragen gestellt: welcher
Raum wird im neuen Viertel der Kultur zustehen? Und was hat diese Entwicklung und
die Art und Weise, wie Berlin neu gebaut
wird, mit Europa zu tun?

Möglichkeit für das Einander-Zuhören kreieren.
Wir sehen uns als eine lokale Institution,
die wie z.B. die Kulturfabrik Moabit, Café
MOAB oder der B-Laden in der Lehrter Str.
und KünstlerInnen und Projekträume der
freien Szene im Sprengelkiez eine besondere
Art von Nachbarschaft ermöglichen. So streben wir an, mit Leuten, die auch viel Wissen
und Erfahrung zur Geschichte dieser Stadtteile ins Projekt einbinden, ins Gespräch zu
kommen.
Wir arbeiten auch mit dem Tonkünstler Gilles Aubry zusammen, der die Spaziergänge
aufnimmt. Mit ihm werden wir eine Komposition schaffen, die im Rahmen eines kleinen Festivals am Tag der Europaparlamentswahlen am 26. Mai 2019 präsentiert wird.

Wie lange läuft das Projekt schon?

Foto: Yves Mettler

So entstand die Idee, eine Reihe von Spaziergängen mit lokalen kulturellen Akteuren
und BewohnerInnen von Moabit und Wedding zu veranstalten. Bei den Spaziergängen
geht es ums Zuhören: wir wollen eine Sensibilität für die unterschiedlichen Qualitäten von Orten nachfühlen, sowie auch eine

moabit° 21 | Ausgabe 7 | Herbst 2018

Am 15. Juli 2018 haben wir unseren ersten
Spaziergang gemacht und es war schon eine
richtig interessante Erfahrung. Die Spaziergänge verbinden die alten Nachbarschaften
mit der neu entstehenden Europacity und
thematisieren unterschiedliche Aspekte des
Projekts. Beispielweise werden Themen wie
Stadtentwicklung, Architektur, Grenzen (die
durch die Europacity oder in Europa gerade
verstärkt werden) und die ehemalige und
aktuelle kulturelle Landschaft dieser Gegenden analysiert. Der nächste Spaziergang findet am 30. September 2018 um 14 Uhr statt
(der Treffpunkt wird unmittelbar vor dem
Termin auf der Website www.amrandvoneu-

ropa.city bekannt gegeben). Am
1. Dezember planen wir einen
Workshop mit Beteiligten zum
“kollektiven Zuhören” in der
Kulturfabrik Moabit, bei der wir
gemeinsam eine Auswahl von
Audio-Aufnahmen hören und
diskutieren werden.

Wer ist an diesem Projekt
beteiligt?
Wir sind ein kleines Team, das
das Projekt konzipiert hat und
leitet: Der Künstler Yves Mettler setzt sich seit 2003 mit Orten,
die Europaplatz heißen, auseinander. In 2007 hat er damit angefangen, den Berliner Europaplatz und die Europacity zu beobachten. Alexis Hyman Wolff
ist Kuratorin und hat sich bisher
mit experimentellen und “communtity”-orientierte Ansätze“
in Museen gearbeitet. Achim
Lengerer und sein Projektraum
Scriptings in Wedding unterstützen und begleiten das Projekt.
Mehr Information zu den Beteiligten und zum Projekt stehen im
Netz auf der Webseite:
www.amrandvoneuropa.city
Das Interview führte Venus Le
mit Alexis Hyman Wolff

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Was ist los in Moabit?

Urlaubsgrüße
Haben Sie
Sonnencreme übrig?
Man kann Sonnencreme aufheben, allerdings nicht ewig. Tube oder Flasche
haben ein Mindesthaltbarkeitsdatum,
daran sollte man sich halten.
Wenn das Datum nicht mehr lesbar
nicht: Die Creme hält sich etwa ein
Jahr. Aber nur, wenn man sie halbwegs
kühl lagert. Kühlschrank oder Keller
wären eine Option.
Wenn die Sonnencreme flockig ist, sich
flüssige und feste Bestandteile getrennt
haben oder sie ranzig riecht: Lieber
wegwerfen.

Herzlichen Dank für Eure Urlaubsgrüße und schöne Postkarten. Wir
haben uns sehr über die Karten gefreut.
Ihr seid toll!

Das Problem mit zu alter Sonnencreme
ist nämlich, dass sie weniger oder gar
nicht mehr wirkt. Außerdem können
sich Bakterien in der angebrochenen
Flasche vermehrt haben und die Haut
reizen.
Tipp: Nächstes Jahr kleine Tuben kaufen oder mit Freunden und Familie teilen. Und die diesjährige Sonnencreme
an jemanden verschenken, der im Süden überwintert. Seufz.
Text: Ulli Bungert

Ausgabe 7 | Herbst 2018 | moabit °21

Zimmer-Reise

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ZIMMERREISEN – Reisen in die nahe Ferne
Anfang diesen Jahres stolperte ich durch Zufall über das Projekt Zimmerreisen von Adi
Looper vom Institut für ländliche Schönheit.
(http://zr.kunsthallebelow.de) Im Rahmen
des Projekts Zimmerreisen bereisen seit
2016 kleine Reisegruppen die nahe Ferne.
Zimmerreisen klang für mich irgendwie
poetisch, abenteuerlich und weckte in mir

einer ebenfalls reiselustigen Freundin eines
der geselligen Treffen der Reisegruppe. Hier
traf ich auf spannende Menschen und wurde
in die übliche Form der Reiseplanung eingeweiht.

„Die Reiseplanung
sieht in etwa so aus:
große Neugier und ein starkes Interesse es
einmal auszuprobieren. Ohne recht zu wissen auf was ich mich dabei nun wirklich einließ, besuchte ich recht bald gemeinsam mit

Fotos: Fina Bombina

moabit° 21 | Ausgabe 7 | Herbst 2018

1. Geselliges Treffen der Reisegruppe. Man
lernt sich kennen und tauscht sich über
seine Motivationen zu dieser Reise aus. Außerdem vereinbart man Termine mit Mitrei-

senden, einmal als Gast und einmal als GastgeberIn.
2. Beim sich anschließenden
Termin erlebt man auf der eigentlichen „Zimmerreise“ die
außergewöhnliche
Situation,
dass man neugierig im Zimmer
eines Fremden stöbern und „dokumentieren“ darf. Im Gegenzug erhält man ebenfalls den
Besuch eines Gastes, der die eigenen Räume erlebt. (Die Wahrung der Privatsphäre wird dadurch gewährleistet, dass der/die
ZimmereigentümerIn selbstverständlich Grenzen setzen darf.)
3. Beim dritten und letzten Termin des Projekts trifft sich wieder die ganze Reisegruppe und
berichtet einander von ihren
Erlebnissen und Eindrücken
in der nahen Ferne. Die hierzu
ausgewählte Form bestimmt
jeder selbst. (Erzählen, Vorlesen, Film/Foto-Show, Gespräch
etc.)“. (Quelle: http://zr.kunsthallebelow.de/zimmerreisen/)
Nach diesem Treffen hatte ich
dann mein erstes Reiseziel. Die

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Wohnung von Claire Obscure in Berlin
Mitte. Ein passender Reisetermin war auch
bald gefunden. Am Tag der Reise war ich
dann doch erst etwas aufgeregt und zeitweise etwas ratlos. Denn anders als bei einer
Fernreise brauchte ich mir weder Gedanken
um die Vollständigkeit meiner Reisedokumente machen oder meinen Koffer packen.
Es gab auch keinen Reiseführer. Die Reise
ging in die nahe Fremde. Ich nahm nur mein

Zimmer-Reise

Handy, Stift und Zettel mit, um die Reise zu
dokumentieren.

Hier mein Reisebericht:

Mit Fina Bombina in Mitte
(Zimmerreise am 08.02.2018)
ein sehr kalter sonniger Tag
bestes Reisewetter
bergan geht’s zum Ziel
die Wohnung wohlig warm
heißer Pfefferminztee
zur Begrüßung
dann Adieu
die Tür schlägt zu
und nun
die Wohnung so still,
dass man das Rauschen der Heizung hört
ganz gleichmäßig
nun bin ich hier
ich mit mir
ich in der Fremde
mit mir
was mache ich eigentlich hier
die Heizung rauscht
der Tee ist leer
die Sonne scheint ins Zimmer
die Heizung rauscht

Für mich war es eine sehr spannende Erfahrung – überraschend, erholsam und horizonterweiternd. Das Zimmerreise-Fieber ist
geblieben. Es wird sicher nicht meine letzte
Zimmerreise bleiben.
Der Urvater der Zimmerreise ist übrigens
der französische Schriftsteller Xavier de
Maistre. Durch einen längeren Hausarrest
war er 1790 zum Zuhausebleiben gezwungen - und vertrieb sich die Zeit für eine experimentelle Rundreise durch sein Zimmer,
welches er kurzerhand zur ganzen Welt erklärte. Bei seiner Reise entdeckte er die
Gegenstände in seinem Zimmer auf neue
Weise. Es begegneten ihm deren Geschichten und mit ihnen ihre Vergangenheit. Er
stellte sich wundersamer vertrauter und
überraschender Entdeckungen und Irritationen zwischen Realität und Phantasie.
Buchtipp p Xavier de Maistre (1794): Die
Reise um mein Zimmer
Fotos und Text: Fina Bombina

ich spiele ein bisschen Klavier
das kann nicht schaden
ich schaue durchs Opernglas
(so eins habe ich von meiner Oma geerbt)
da und dort
glänzt es
Glanzpunkte
Gold und Ornamente
und frische Tulpen
hier und da
und Gold
ich finde immer mehr
zwischen Büchern
und Büchern
und Rauschen
und Büchern
Goldgräberinnenglück!
Bin ich eine Elster?

Ausgabe 7 | Herbst 2018 | moabit °21

Aufwachsen in Moabit

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Herbst-Symphonie auf Papierschlangen

Damit nicht wie im letzten Jahr die Stände
beim Bildungsfest vom Wind davongetragen werden oder unter dem Regen zusammenbrechen, wurde dieses Jahr wegen einer Sturmwarnung das Fest verschoben –
leider genau auf den Tag des Fußballspiels
Deutschland gegen Südkorea. Ob wegen
des schönen Wetters an dem Tag oder der
bis dahin nicht gerade berauschenden Leistung der deutschen Fußball-Mannschaft –
jedenfalls waren trotzdem viele von Euch
bei strahlendem Sonnenschein und netter
Gesellschaft am 27. Juni auf dem Otto-Spielplatz.
An unserem Stand luden wir Euch ein, zu
dem Thema dieser Ausgabe – „Moabiter
Herbst-Symphonie“, auf Endlospapier in
Form von Kassenbon-Rollen Euren Gedanken zu diesem Wort freien Lauf zu lassen.
Drachensteigen, Rotwein, lange laue
Abende, Wind, Blättertanz, Kastanientiere,

moabit° 21 | Ausgabe 7 | Herbst 2018

Die Kinderetage, Klang der Farben… das
waren einige der vielen Einfälle, die Ihr mit
uns geteilt habt. Der längste Gedanke umfasste mehrere Meter Kassenrolle: „Moabit
ist Beste! Es gibt sehr viel GRÜN und viele
nette Menschen und soziale Träger. Menschen, die das Bunte und die Vielfalt toll
finden und sich gute Ideen ausdenken, damit das Bunte nicht zu einer braunen Pampe
gemischt wird, sondern jede einzelne Farbe
in ihrer Schönheit zur vollen Entfaltung
kommt. Der Moabiter Bildungsverbund
ist toll. Es gibt wunderschöne Menschen
hier. Man macht gerne Musik zusammen.
Der Unionsspielplatz ist im Herbst mit all
den vielen bunten Blättern wunderschön.
Der Herbst ist eine gute Jahreszeit, um in
die Bruno-Lösche-Bib zu gehen oder eine
der neuen Kneipen und Bars mit bekannten oder (noch) unbekannten Nachbaren zu
besuchen. Herbst: eine gute Zeit, um neuen
GIN zu testen. Suppe zu kochen und mit den
Nachbarn zu teilen. Mal zu erkunden, wo

sich in Moabit Obst von Bäumen
ernten läßt. Ein Gedicht schreiben. Mal darüber nachdenken,
was man schon alles Tolles in
diesem Jahr geschafft hat – alleine, zusammen, im Kiez, privat und beruflich.“
Während Deutschland seinen
Weg aus der Fußball-Weltmeisterschaft heraus spielte, aßen wir
leckeren Kuchen von den Nachbarständen, sammelten Gedanken über den Herbst in Moabit,
tauschten uns darüber aus und
kreierten ein wunderschönes
Kunstwerk aus bunten Papierschlangen.
Text und Fotos: Elke Gausepohl

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Aufwachsen in Moabit

Starke Jugendliche – starker Kiez
Zum 1. Mal fanden vom 16. – 27. Juli die
„Sun & Fun Workshops“ des Projektes
„HIGH FIVE! jugendrechte im quartier“
statt. SOS-Kinderdorf Berlin lud junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren ein, sich in
den Workshops „That´s me! Kunst & Malerei”, „Kieztour – was geht ab in Moabit?!“,„Gesund und fit FÜR Moabit!“, „Sexperten.
Let´s talk about Sex“ und „Hands on! Holzexperimente” mit den Kinder- und Jugendrechten kreativ auseinanderzusetzen.

„Kieztour – was geht ab in Moabit?!“ inspirierte die Teilnehmer*innen, sich mit besonderen Orten in Moabit und mit mehreren Kinderrechten auseinanderzusetzen.
Die Kulturfabrik in der Lehrter Straße 35
und das Zentrum für Kultur und Urbanistik in der Siemensstraße 27 öffneten ihre
Türen. „Kinder haben das Recht zu spielen, sich zu erholen und künstlerisch tätig
zu sein.“ Genau das überzeugte die Gruppe
beim Besuch beider Moabiter Häuser. Nach-

denklich stimmte die Teilnehmer*innen hingegen der Besuch
des Gedenkortes „Güterbahnhof
Moabit“. Der ehemalige Güterbahnhof war in der NS-Zeit Ort
des Schreckens. Mehr als 30 000
Menschen wurden von hier aus
in Ghettos und Vernichtungslager gebracht. „Kinder haben
das Recht im Krieg und auf der
Flucht besonders geschützt werden“. Dieses Recht fanden die Jugendlichen eines der wichtigsten
Kinderrechte überhaupt.
Für das „Recht auf Bildung“ entschied sich die Gruppe „Hands
on! Holzexperimente” Teilnehmer Kamyab erzählte, dass
Kinder im Iran oftmals bereits
im Alter von 8 Jahren als Müllarbeiter Geld verdienen müssen anstatt zur Schule zu gehen.
Die Moabiterin Bartu berichtete, dass in der Türkei Kinder
oftmals nicht zur Schule gehen können, gerade in ländlichen Regionen. Auch ihr lag das
Thema Bildung sehr am Herzen.
Gemeinsam entschied man sich
Bilderrahmen zu bauen, in die
alle Teilnehmer*innen ihr Lieblingsrecht hineinschrieben. In
der zweiten Woche ging es um

Dabei entstanden Texte, Holzskulpturen,
Videos und Leinwandbilder als Ausdrucksform der Reflektion über dieses Thema.
„HIGH FIVE! jugendrechte im quartier“
wurde initiiert, um den Jugendlichen Mitspracherechte bei der Gestaltung ihres Moabiter Kiezes zu ermöglichen. Dabei ging es
um die Auswirkungen der Rechte auf das
eigene Leben im Alltag: was fehlt den jungen Moabitern in ihrem Kiez? Wie können
sie ihre Rechte bewusster leben? Ihre Erfahrungen und Ideenvorschläge fanden in den
Workshops einen Resonanzboden, um genau das zu beantworten. Der Tenor war, dass
sie eine „Stimme“ haben, die im Kiez und
darüber hinaus gehört werden kann. Grundlage aller Workshops waren die UN-Kinderrechte, für die sich SOS-Kinderdorf auch auf
politischer Ebene stark macht.

Fotos: Rainer Christian Kurzeder

Ausgabe 7 | Herbst 2018 | moabit °21

Aufwachsen in Moabit

9

den „Schutz der Privatsphäre“. Die Teilnehmer*innen bauten Kisten mit Deckeln. Teilnehmer Gassan war begeistert: „Da kann ich
alles darin verstauen, was andere nichts angeht!“
Kontemplativ und konzentriert gemalt
wurde im Workshop „That´s me! Kunst &
Malerei”, ganz im Stil des amerikanische
Künstlers Gary Hume. Hier hatte man sich
für das Recht „auf freie Meinungsäußerung“
entschieden. Die überzeugte Moabiterin Jasmin war der Meinung: „Nur wer sich selbst
liebt, kann zu sich stehen und seine Meinung sagen!“ Ihr Kollege Tobias fand den
Kunstworkshop eine gelungene Abwechslung, um sich „in den Ferien mit Fragen zu
beschäftigen, die für jeden enorm wichtig
sind.“ Er ist prompt in der zweiten Woche
wiedergekommen, um noch einen zweiten
Wochenworkshop zu besuchen.
„Gesund und fit FÜR Moabit!“ vermittelte
den Teilnehmer*innen Wissen über das
Recht auf Gesundheit, Ernährung, Sport
und Kenntnis über Wohlfühlorte in Moabit. Highlight war der Besuch des Kletterzentrums des Deutschen Alpenvereins.
Auch das Herstellen von Pesto wurde begeistert erprobt. Gemeinsam wurde über
gesunde Lebensweisen diskutiert (Schlaf,
Ernährung, Entspannung, Bewegung), gekocht und miteinander gegessen. Liebe geht
bekanntlich durch den Magen, Wissensvermittlung und Gesundheit in diesem Fall
auch. Vom Einfachen das Beste – der Workshop hat den Teilnehmer*innen gezeigt,
dass auch eine gesunde Lebensweise große
Kunst sein kann.
Neben den bestehenden Kinder- und Jugendrechten wurde während der Summer School auch überlegt, welche Rechte
den Teilnehmern*innen noch fehlten. Wie
können die bestehenden Kinder- und Jugendrechte ergänzt werden? Die Antwort
fand man beim Thema ‚Sexuelle Identität
und Selbstbestimmung‘. Wie fühle ich mich
wohl, wie setze ich Grenzen? Behutsam reflektierte die Gruppe „Sexperten. Let´s talk
about Sex“ diese Themen miteinander, um
einen Vorschlag zu erarbeiten, der das Recht
auf Anerkennung aller sexuellen Orientierungen beinhaltet. Mitbestimmung, Schutz
vor sexueller Gewalt, Geborgenheit, keine
Benachteiligung und gleiche Rechte für alle
Kinder und Jugendliche standen hierbei im
Fokus der Überlegungen.
Der Abschluss wurde mit einer Präsentation der Workshopergebnisse, Zertifikaten

moabit° 21 | Ausgabe 7 | Herbst 2018

Foto: Rainer Christian Kurzeder

und einem Grillfest gefeiert. Fazit von Bina
war: „HIGH FIVE war eine super Veranstaltung. In dieser Zeit habe ich viel gelernt über
meine Rechte!“ Auch von Projektleitung Susanne Lange kamen lobende Worte, sie bescheinigte den Resultaten ein hohes Potenzial, das lohnen würde, diese weiter zu verfolgen. Die Summer School hat ihr viel Spaß
gemacht, „weil nicht nur interessante und
unterschiedliche Ergebnisse erzielt wurden,
sondern die Arbeitsatmosphäre kreativ, von
guter Stimmung, konzentrierter Auseinandersetzung mit dem Thema Kinder- und
Jugendrechte und lebhaften Dialogen geprägt war.“ Gleichzeitig dienten die Workshops als Vorbereitung für die erste Jugendversammlung. Die Ergebnisse werden dort
einem größeren Plenum vorgestellt. Rechte

haben, die Stimme erheben und
mit der eigenen Meinung gehört
werden – darum wird es am 31.
Oktober in der Jugendversammlung gehen.
„HIGH FIVE! jugendrechte im
quartier“ wird im Rahmen des
Programms Bildung im Quartier von der Senatsverwaltung
für Stadtentwicklung und Wohnen aus EFRE-Mitteln gefördert.
http://www.sos-kinderdorf.de/
kinderdorf-berlin/angebotberlin/high5
Autorin der Redaktion bekannt

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Aufwachsen in Moabit

Mehr als Unterrichtsbegleitung
Die Studentin Bismah Parwaz hilft Schülern der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule beim Lernen. Sie ist auch eine wichtige Vertrauensperson. Bismah Parwaz ist in
der Klasse mit dabei. Wenn die Schüler selbständig arbeiten, setzt sie sich zu ihnen und
hilft, wenn sie Schwierigkeiten mit den Aufgaben haben. Die Studentin geht von Schüler zu Schüler und unterstützt sie beim Lernen, mal einen, mal mehrere in der Gruppe.
In der Regel verbringt Bismah Parwaz einen
Tag pro Woche in der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule in Moabit.
Die 23-jährige Studentin studiert Biotechnologie im sechsten Semester an der Technischen Universität Berlin. Sie hat sich schon
in der Schule für Mathematik und Naturwissenschaften begeistert. Bismah wohnt
selbst in Moabit und besuchte die ehemalige James-Krüss-Grundschule, die heutige
Grundstufe der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule. Seitdem die Schule eine Gemeinschaftsschule ist, können Schüler hier
auch Abitur machen.
Auf die Unterrichtsbegleitung aufmerksam
wurde die Studentin durch eine Freundin,
die ebenfalls Schülern beim Lernen hilft.
Bismah nahm Kontakt zu Ansprechpartnern des Projekts Bildungspartnerschaften
auf, das an der Theodor-Heuss-Schule umgesetzt wird. Seit Mai vergangenen Jahres ist
sie dabei. In diesem Jahr steht Sie vor allem
Schülern der Grundstufe zur Seite. Bismah
übte bisher mit Schülern der dritten Klasse
Matheaufgaben zum Thema Multiplikation
mit höheren Zahlen sowie Sachtexte lesen
und verstehen. Sie kümmerte sich auch um
die Vorbereitungen für eine Aufführung.
Zusätzlich hat sie ehrenamtlich beim Schulfest mitgeholfen. Die Unterrichtsbegleitung
durch Studierende ist Teil des Projekts Bildungspartnerschaften und wird vom Quartiersmanagement Moabit-Ost unterstützt.
Damit die Schüler auch in den Sommerferien ihre Lesefähigkeiten verbessern, trifft
sich Bismah Parwaz zweimal eine Stunde
pro Woche mit bis zu sechs Schülern im
Stadtschloss Moabit. Die Schüler besuchen die zweite Jahrgangsstufe der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule.
„Eine
halbe Stunde lesen wir aus dem Buch ‚Die
kleine Hexe’, danach wird passend zur Lektüre gebastelt oder gespielt“, sagt die Studen-

Foto: privat

tin. Ein Spiel besteht aus Dominosteinen,
auf denen die Antwort auf eine Frage und
gleichzeitig die nächste Frage steht. So werde
das Interesse am Lesen spielerisch gefördert,
damit die Schüler nicht das Gefühl haben,
sie müssten auch in den Ferien in der Schule
sitzen. „Meiner Erfahrung nach kommen
die Kinder gerne zur Lesestunde“, sagt Bismah Parwaz. Die Eltern der Schüler begrüßen das Projekt „Lesen“ und achten darauf,
dass ihre Kinder in den Sommerferien daran
teilnehmen. Bismah weiß, wie entscheidend
die Unterstützung der Eltern ist. „Die Schule
hatte immer Vorrang, Bildung war zuhause
sehr wichtig“, erzählt die Studentin, deren
Eltern aus Pakistan stammen.
Doch die Schüler kommen nicht nur mit ihren Schulproblemen zu Bismah. „Ein Schüler, der immer laut und unkonzentriert war,
wurde plötzlich ganz still, da wusste ich
gleich, da stimmt etwas nicht“, erzählt sie.
Der Schüler habe sich ihr anvertraut, erzählt, dass seine Mutter nicht mehr zuhause
ist und welche Probleme es in der Familie
gibt. Die Studentin schätzt es sehr, dass die
Kinder ihr gegenüber so offen sind und sie
vertrauensvoll mit einander umgehen.
Im vergangenen Jahr hat Bismah Parwaz
auch den Unterricht in Klassen der neunten und zehnten Jahrgangsstufe begleitet.
Sie wiederholte Mathe-, Deutsch und Englischaufgaben, die von den Schülern nicht
verstanden wurden und bereitete sie auf die
Schulabschlussprüfungen vor. Sie ging mit
ihnen alte MSA-Arbeiten durch und ließ
sie Probe MSA-Arbeiten schreiben. Geübt
wurde auch für die mündliche Englischprüfung und die Präsentationsprüfung.

„Ich habe zwar mit den sogenannten schwierigen Schülern
zu tun, aber das sind alles tolle,
nette, freundliche und sehr offene Kinder und Jugendliche“,
sagt die Studentin. Auch zukünftig sollen Studierende den
Unterricht in der Grund- und
Mittelstufe begleiten. Ziel ist
auch, nicht nur die schwächeren
zu unterstützen, sondern auch
die lernstarken Schüler zu fördern. Für die Schule ist die Einbindung der Studierenden eine
Bereicherung. Als Bestätigung
erhalten alle, die im Projekt Bildungspartnerschaften
mitarbeiten, regelmäßig ein positives
Feedback.
Bismahs große Leidenschaft
sind Reisen. „Ich liebe es neue
Leute und Kulturen kennen zu
lernen“, sagt Bismah. Besonders
beeindruckt hat Sie Südafrika,
wo sie auf einer Rundreise ärmere Viertel und eine Schule besuchte. „Obwohl die Leute wenig
haben sind sie sehr reich, denn
sie sind sehr gastfreundschaftlich, sehr herzlich und offen“, erzählt sie. Hier seien immer alle
so mit sich beschäftigt.
Während Sie in den nächsten
Wochen die Schüler weiterhin
beim Lesen Lernen unterstützt,
denkt sie schon an ihre nächste
Reise nach Bali.
Text: Katja Gartz

Ausgabe 7 | Herbst 2018 | moabit °21

Liebe NetzwerkerInnen – wenn Ihr wollt, schneidet diese Seite aus und heftet sie in Euren Ordner „Kooperation
und Vernetzung“. So habt Ihr gleich unkompliziert Eure engagierte Mitgliedschaft im Kitanetzwerk dokumentiert .

Sonderbeilage Kita-Netzwerk

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Das Kita-Netzwerk informiert

11

Kita-Netzwerk Moabit-Ost: „Quo vadis?“
Eine Bestandsaufnahme und ein Ausblick
Bei der Begleitung des Kita-Netzwerk-Aufbaus durch die GenerationenRaum gGmbH
seit 2014 handelt es sich wie auch bei der
vorliegenden Zeitung um ein Projekt der
„Sozialen Stadt“. Diese Projekte sind auf Zeit
angelegt
und dementsprechend irgendwann zu Ende. Zeit für uns, Bilanz zu ziehen
und in die Zukunft zu schauen.

eine „Willkommenskultur“ für neue Träger,
Tagespflegestellen u. ä. herausbilden, die sich
auch auf dem Gedanken gründet, dass Vielfalt hilfreich ist, um den Bedürfnissen des

Was ist eigentlich unser Auftrag?
Laut Projektziel steht die „Festigung und
Stärkung des Netzwerks für fachlichen, kiezbezogenen Austausch unter professionellen
pädagogischen Fachkräften, zwischen Jung
und (Dienst-)alt, für das voneinander Lernen (Best-Practice)“ im Vordergrund.

ebenfalls vielfältigen Kiezes gerecht zu werden. Es wird daher im Projektzeitraum dem
Wunsch des Netzwerks nachgekommen, die
Arbeit der anderen noch besser kennenzulernen und von Best-Practice-Beispielen
und Feedback zu profitieren. Dies findet
bzw. fand bereits auf verschiedenen Ebenen
und Wegen statt: Kollegiale Fachberatung,
Vernetzung der Leitungen, Thementreffen,
Stammtische, E-Mail- und Printinformatio-

nen. Eine gemeinschaftliche Aktion fand 2016 im Rahmen der
gegenseitigen Kitabesuche im
Rahmen der „Woche der Vielfalt“ statt.
Ein gemeinsamer Fachtag 2017
zum Thema „Das Gras wächst
nicht schneller wenn man daran
zieht- Talenteförderung in der
frühkindlichen Bildung“ wurde
von den Teilnehmenden als sehr
positiv wahr genommen. 2018
werden wir uns bei einem Fachtag mit dem Thema „Wie bleiben wir gesund“ beschäftigen.
Wir präsentieren uns weiterhin
regelmäßig in dieser Zeitung
und freuen uns auf neue Interessierte bei den Netzwerktreffen.

Die Leitungskräfte der Kitas im Quartier
sollen regelmäßig die Gelegenheit haben,
sich gegenseitig kennenzulernen und die Erfahrung sammeln, andere Kitas um Rat zu
fragen bzw. sich zu informieren. Wir möchten erreichen, dass den Kitas weiterhin Türen bei anderen Institutionen offenstehen
und die Möglichkeit des Austauschs unter
Kolleg*innen wahrgenommen wird.
Der Austausch findet vor Allem kiezbezogen
auf die Region Moabit-Ost und ab 2019 auch
Moabit-West begrenzt statt, da jeder Sozialraum seine Besonderheiten und Herausforderungen vorhält, mit denen alle Akteure
umgehen müssen. Wir möchten ebenfalls

moabit° 21 | Ausgabe 7 | Herbst 2018

„Der reinste Kindergarten“ (Lappan Verlag 2009), Illustration: Renate Alf

Filmbesprechung
Bildung mal anders – „Fack Ju Göhte 1–3“
Zu den erfolgreichsten deutschen Filmen
der letzten Jahre gehört die Trilogie „Fack
Ju Göhte“ vom Regisseur Bora Dagtekin.
Hauptdarsteller ist der Schwarm vieler Jugendlicher aller Geschlechter, Elyas M´Barek. Der Film behandelt den Weg einer -am
Anfang von allen aufgegebenen- Gesamtschulklasse auf dem Weg zum Abitur inklusive abenteuerlicher Klassenfahrt ins Ausland.
Der Humor ist erwartbar flach, bei näherem
Hinsehen entpuppt sich die Filmreihe jedoch als „Komödie mit verblüffendem Bildungsanspruch“ (Spiegel 44/2017). Warum
ist das so?
Ein kleinkrimineller Ex-Knasti namens Zeki
Müller schleust sich mit betrügerischer Masche ins Lehrer_innen-Kollegium eines eher
unbeliebten Gymnasiums. Ziel: Er will sein
nunmehr unter dem Neubau der Sporthalle vergrabenes Geld wieder haben. Es
geht ihm so wie es allen „Neuen“ überall auf
der Welt in allen Jobs geht- sie bekommen
erstmal die „ungeliebten“ Aufgaben zuge-

wiesen. Für Zeki Müller ist das eine klassische Looser-Klasse, die sich weder an Regeln
hält, noch Respekt voreinander geschweige
denn dem Lehrkörper als solches zeigt. Zeki
Müller gelingt dann etwas erstaunliches: Er
verschafft sich Respekt und schießt alle erstmal mit einem Gotcha-Gewehr (mit Farbbeuteln befüllt) ab. Er sagt den Kids, dass
eh nichts aus ihnen werde, und sie zu nichts
taugen, weil ohnehin niemand an sie glaube.

Buchrezensionen

Mary Hoffman & Ros Asquith: Du gehörst
dazu. Das große Buch der Familien
Familien sind unterschiedlich: Ihre Mitglieder,
ihre Art sich zu kleiden, ihre Essensvorlieben,
ihre Berufe, ihre Freizeitgestaltung und auch
der Umgang miteinander. In dem Buch mit
vielen kleinen Illustrationen sollte sich jeder
wiederfinden. Ein wunderschönes Buch für
Kinder jeden Alters. Hier gibt es immer wieder
Neues und Bekanntes zu entdecken, und die
komplizierte Vielfalt des Lebens wird einfach
in bunten Bildern dargestellt. Das Buch bietet
viele Anreize zum Austausch über Familien.

Unser Kiez ist vielfältig – deshalb stellen wir
heute ein paar Kinderbücher zum Thema
Familie vor:
Ina Voigt & Jacky Gleich: Wie heiraten eigentlich Trockennasenaffen?
Matti und sein Kuschelaffe Alfred gehen
täglich in den Kindergarten. Matti hat zwei
Mütter, sein Vater wohnt „auswärts“, und er
beschäftigt sich gerne mit diversen Fragen:
Warum haben Mama und Mutze geheiratet,
was heißt Traurigkeit und wie heiraten eigentlich Trockennasenaffen?
Die Stärke des Buches liegt in seiner
Alltäglichkeit, der
Normalität des Kita-Alltags, der lediglich die Besonderheit
aufweist, dass Mattie eben zwei Mütter
hat. Kinder erkennen hier ein Stück ihres eigenen Alltags wieder und ebenso die Selbstverständlichkeit verschiedener Lebensformen.

Er habe seinerseits keine Lust auf Ärger mit
der Schulleiterin und erwarte lediglich von
ihnen, dass sie im Klassenraum die Zeit des
Unterrichts absitzen. Und die paradoxe Intervention funktioniert: Während er Bier
trinkt und die Füße aufs Lehrerpult legt, fordern sich die herrlich klischeebehaftet dargestellten Schüler_innen tatsächlich Bildung
ein. Und Zeki Müller zeigt uns dann wie Unterricht (inkl. Klassenfahrt) auch möglich
ist: spontan, abwechslungsreich, unterhaltsam, ideenreich und schlichtweg nicht immer so ernst zu nehmend.

Wolf Erlbruch: Frau Meier, die Amsel.
Frau Meier ist Hausfrau und macht sich bei
ihren täglichen Erledigungen viele Sorgen,
über das Wetter und die Rosinen im Kuchen.
Eines Tages findet sie eine kleine, hilflose
Amsel, die sie großzieht – und der sie am
Ende plötzlich zu zeigen vermag, wie man
fliegt.Eine sehr real anmutende Geschichte
für Kinder, die sich Frau Meier, ihre Sorgen
und ihren Mann sogleich lebhaft vorstellen
können. Umso überraschender das Ende, an
dem Frau Meier auf einen Baum klettert und
von einem Ast davonfliegt. Regt zum Austausch über Fantasie und Wirklichkeit an.

Er begleitet seine Schüler_innen
zu einem frustrierenden Termin bei der Berufsberatung und
schafft es trickreich, dass alle
hoffnungslosen Fälle beginnen,
an sich zu glauben. Ihr Lehrer
unterstützt sie dabei, ihr Talent
selbst frei zu legen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Nebenbei bekommen wir als Zuschauer_innen auch noch eine
Lektion in Sachen Kinderschutz.
Die congeniale Figur Chantal
leidet unter den Wutanfällen ihrer immer besoffenen Mutter,
Zeki Müller macht mit seiner
Kollegin natürlich einen Hausbesuch und stellt klar wo Chantals Prioritäten zukünftig liegen
werden. Lässt man den Realitätssinn beiseite, dann kann man
knappe 6 Stunden amüsantes
und herzerfrischendes Kino erleben und lernen, dass Herkunft
keine Leistung ist, Haltung aber
schon.
Auf DVD und allen bekannten
Streamingdiensten erhältlich.

Sonderbeilage Kita-Netzwerk

Das Kita-Netzwerk informiert

(von Susanne Bierwirth)

Unsere Termine:
Im Herbst 2018 treffen wir uns an folgenden Terminen:
28.08.18, 14–16 Uhr, Abschlusstermin „Qualität vor Ort“ mit Britta
Loschke, Kita Birkelinchen, Perleberger Str. 36
31.08.18, 15–19 Uhr, Perlenkiezfest
17.09.18, 13:45–15:15 Uhr, Zu Gast
im Kita-Netzwerk Moabit-West,
QM-Büro Rostocker Str. 38
25.09.18, 14–16 Uhr, Vorbereitung
Fachtag, GenerationenRaum, Dreyse­
str. 17
11.10.18, 9–16 Uhr, Fachtag des
­Kita-Netzwerkes im Zille-Haus. Arbeitstitel „Gesunde Mitarbeiter_innen
in den Kitas = gesunde Kinder“
11.12.18, 14–16 Uhr, Kita-Netzwerk-Treffen mit Weihnachtsfeier,
noch ohne Ort
Sie haben Fragen, Anmerkungen,
Wünsche etc zum Kita-Netzwerk?
Dann mailen Sie uns gerne
kitanetzwerk-moabit-ost@
generationenraum.de.
Wir freuen uns darauf,
Sie kennenzulernen.

(von Ulrike Bungert)

Ausgabe 7 | Herbst 2018 | moabit °21

Liebe NetzwerkerInnen – wenn Ihr wollt, schneidet diese Seite aus und heftet sie in Euren Ordner „Kooperation
und Vernetzung“. So habt Ihr gleich unkompliziert Eure engagierte Mitgliedschaft im Kitanetzwerk dokumentiert .

12

Lokale Lokale

13

geh Veg!
Ich würde mich am liebsten nur von Eis ernähren im Sommer. Meine Lieblingssorte ist
Haselnuss und ich würde behaupten, dass
ich im Wedding und Moabit schon über 20
Eisdielen getestet habe (eine hohe Anzahl,
wenn man bedenkt, dass ich erst seit 1½ Jahren in Berlin wohne). Eine der besten Eiskugeln hatte ich bei geh Veg.
Ich war an diesem Tag total traurig, dass
Haselnuss aus war. Der freundliche Mitarbeiter des geh Vegs hat mir jedoch die Sorte
Erdnuss-Sesam vorgeschlagen. Das Eis
schmeckt wie geschmolzene Erdnussbutter!
Grundsätzlich mache ich beim Essen keinen Unterschied zwischen vegan oder nicht,
aber in diesem Fall war ein Unterschied zu
schmecken. Viel cremiger, obwohl das Eis
keine Milch beinhaltet.
geh Veg, Birkenstraße 30, 10551 Berlin
Öffnungszeiten
Mo–Fr: 09–19 Uhr | Sa & So: 10–20 Uhr

Auf dem Bild rechts: Heidelbeere – auch lecker! Yummy!

Text und Foto: Venus Le

Das Stück Heimat – unser neues Wohnzimmer
Eines sonnigen Morgens Mitte Mai lief ich
an der Rathenower Straße, Ecke Stephanstraße vorbei und wunderte mich, dass an
der heruntergekommenen Eckkneipe plötzlich wieder Tische draußen standen und Tafeln hingen. Und siehe da: die Bar war komplett renoviert, von heruntergekommen
keine Spur mehr. Die Eröffnung stand direkt
bevor und ich habe sie sofort ausprobiert.
„Stück Heimat“ steht über dem Eingang –
eine mutige Aussage, die hier aber hält, was
sie verspricht. Die Bar ist mit gemütlichem
Wohnzimmermobiliar eingerichtet, es gibt
größere und kleinere Tische, alte Stehlampen und die Möglichkeit zum Kicker, Tischtennis und Gesellschaftsspiele spielen.
Besonders ist außerdem die Waldtapete,
die das Wohnzimmer mitten in die Natur
verlegt! Für eine Bar als Stück Heimat sind
nicht nur die Möbel verantwortlich, eine
Wohlfühlatmosphäre wird auch durch Menschen und Zuwendung geschaffen. Gleich
bei meinem ersten Besuch war ich ange-

moabit° 21 | Ausgabe 7 | Herbst 2018

neue Kreationen erweitert. Zusätzlich gibt es Häppchen und
wer das Heimatgefühl komplettieren will, kann sich sogar verschiedene Sorten Popcorn bestellen!
Das Stück Heimat ist täglich ab
18 Uhr geöffnet, unter der Woche je nach Betrieb bis zwei Uhr
und am Wochenende open end.
Außerdem gibt es einen Raum,
der für private Feiern buchbar
ist.
tan, da nicht nur eine Bestellung abgefragt
wurde sondern gleich, ob wir eine Empfehlung bräuchten.
Barkeeper Thomas kennt die vielseitige
Karte auswendig und mixt für jeden Geschmack den richtigen Drink, wenn Zeit
ist, plaudert er nebenbei ein bisschen. Jeden
Monat wird die Auswahl an Cocktails um

Für mich ist das Stück Heimat ein echter Gewinn für den
Kiez, da es sich für einen Feierabenddrink, den Beginn und
den Ausklang einer Partynacht
gleichermaßen eignet. Ich freue
mich, hier noch viele schöne
Wohnzimmerstunden zu verbringen und Drinks zu genießen
Text und Foto: Rebecca Stoll

Rezepte

14

Gyros vegetarisch/vegan
mit Backkartoffel für zwei Personen
Kartoffeln unter fließendem Wasser sauber bürsten, halbieren und die Hälften vierteln. Kartoffeln auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen (Schale nach unten),
Schnittseiten mit Olivenöl einstreichen und mit fein pulverierten getrockneten Oregano bestreuen. Auf ca. 180° C Umluft etwa 30 Minuten im Backofen mittlere Schiene backen
bis die Schnittstellen goldgelb sind.
In der Zwischenzeit Zwiebeln schälen, in Ringe schneiden,
in einer Pfanne goldgelb schmoren.
Salat (Kopfsalat oder Tomatensalat passen gut) oder Sommergemüse (Zucchini, Aubergine, Paprika, Tomaten) herrichten.
Vegetarisches Gyros mit Backkartoffel

1 Packung (180 g) Like Meat Gyros Streifen (aus Soja)
Zwiebeln (Menge nach Belieben)
3 große, eher fest kochende Kartoffeln
Olivenöl
Oregano
Meersalz
1 Becher Griechischer Sahnejoghurt oder Simply-Kräuter
(vegan, bei Rewe)
1 Knoblauchzehe
Salatgurke (Menge nach Vorliebe)

Zaziki zubereiten: Gurke schälen, wer mag Kerne entfernen, klein reiben, kurz stehen lassen. Knoblauchzehen zerdrücken und Gurken unter Griechischen Sahnejoghurt bzw.
Simply-Kräuter rühren.
Gyros-Streifen kross braten, auf einer Platte anrichten. Kartoffeln aus dem Ofen nehmen, mit Salz bestreuen, neben
dem Gyros mit Salat oder Sommergemüse und Zaziki anrichten. Dazu passen Weintrauben oder Aprikosen.
Wichtig: Die Kartoffeln nach dem Backen, nicht vor dem Backen salzen.

Griechischer Bergtee
Der Griechische Bergtee, Griechenlands
traditioneller Hirten- und Bergbauerntee,
wird mit dem gelb blühenden Griechischen
Eisenkraut (Sideritis scardica) aufgebrüht.
Man nimmt zwei Teelöffel Trockenkraut
für eine Tasse Tee, übergießt es mit heißem
Wasser, lässt fünf bis zehn Minuten ziehen
und seiht ihn dann ab.
Er schmeckt wunderbar mit ein wenig Pinienthymianhonig. Griechischer Bergtee
wirkt entspannend, aufhellend, entzündungshemmend, schleimlösend bei Husten, entkrampfend bei Magenbeschwerden und er verbessert die Gedächtnisleistung. Wegen seiner beruhigenden Wirkung
trinkt man ihn abends. Teekraut und Honig
finden Sie bei Athanasios Boulis auf dem
Ökomarkt vor der Heilandskirche.

Griechischer Bergtee, Eisenkraut und Pinienthymianhonig

Rezepte und Fotos: Denise Weeke

Ausgabe 7 | Herbst 2018 | moabit °21

Ext

Neues aus dem Quartiersmanagement für die
Nachbarschaft | Herbst 2018

ra-

Bei

QM Moabit-Ost
Liebe Leser*innen!
Das Quartiersmanagement-Team Moabit-Ost informiert hier über Projekte, gefördert aus
dem Programm „Soziale Stadt“, über eigene Themen und Entwicklungen im QM-Gebiet.
Geben Sie uns dazu gern Feedback! Wir wünschen viel Spaß beim Lesen – Ihr QM-Team

Nicht nur für Menschen mit Hund:
Der Mensch & Hund Moabit e.V.
Aktionen und Unterstützung für
Menschen mit und ohne Hunde – das
ist der Anspruch des Mensch & Hund
Moabit e.V.
Der Verein hat sich seit Anfang des Jahres
2018 breit aufgestellt. „Jeder macht das,
was er am besten kann und ihm Freude
bereitet“ so Vorstand Heinz Rücker, „dadurch gehen die Aktionen viel leichter von
der Hand.“ Es fällt auf, dass für einen Verein dieser Größe ungewöhnlich viele Ehrenamtliche helfen und mitwirken. „Es war
uns sehr wichtig, Fachwissen und Experten
im Verein zu bündeln“ betont Heinz Rücker. So arbeitet der Verein gezielt mit Personen und Initiativen zusammen, die dem
Verein helfen, seine Ziele zu erreichen und
Aktionen umzusetzen. „Es ist aber immer
eine Win Win Situation, denn wir haben ja
auch einiges zu bieten“ ergänzt Vorstand
Heinz.
Der Mensch & Hund Moabit e.V. ist inzwischen der größte Hundeverein Berlins. In
der Satzung wurde der Vereinszweck „Förderung des bürgerlichen Engagements“
formuliert. Empathie und Unterstützung
für die, die nicht so viel haben, ist ein
Punkt, den das Vorstandsteam Anfang des
Jahres als Erstes umgesetzt hat.
Ein wesentlicher Unterschied zu den meisten Hundevereinen: Der Mitgliedsbeitrag
ist mit 10 Euro im Jahr äußerst günstig. Jedoch können auch immer Nichtmitglieder
an den Aktionen teilnehmen. Und wohl
nahezu einmalig für einen Hundeverein:
Bei allen Workshops, Kursen, Trainings und
Veranstaltungen wird immer darauf ge-

schaut, dass auch Senioren, Rentner mit
kleiner Rente, Schüler, Hartz-4-Empfänger
und Niedrigverdiener teilnehmen können.
Läuft man im Fritz-Schloß-Park am Hundegarten vorbei, fällt auf, wie friedlich und
ruhig es dort zugeht.
Die Aktionen sind so vielfältig wie die Mitglieder des Vereins:
•
Schulklassen können zu „Schulhundstunden“ kommen.
• Flohmarkt für alle
• Hunderennen „Großer Preis von Berlin“
• Ausflüge und Trainingsreisen
• Angsthundekurse
• Behinderte trainieren mit ihren Hunden
auf dem Platz
• Therapeuten nutzen den Verein, um mit
ihren Angstpatienten gezielt mit den
Vereinshunden zu trainieren
• Die Hundebeutelspender in Moabit Ost
werden ehrenamtlich befüllt
• Der Verein setzt sich für ein angenehmes
und friedliches Zusammenleben der Moabiter*innen mit und ohne Hund ein

• Erste Hilfe- und Hundekommunikations-Kurse
• Vorbereitungskurse auf den BHV Hundeführerschein
• Geplant sind außerdem: Führungen und
Fotoworkshops in Moabit, Kooperationen mit Schulen, Kindergärten, Seniorentages- und Dauerbetreuungseinrichtungen
Und was wünscht sich das Vorstandsteam? Da muss Vorstand Heinz Rücker
nicht lange überlegen: „Weiterhin eine so
großartige Akzeptanz in der Bevölkerung.
Weitere Kooperationen mit Moabiter Schulen, Kitas und Einrichtungen. Und ganz
wichtig: Finanzielle Unterstützung, durch
die wir unsere Aktionen weiter umsetzen
können.“
Und wenn es Leser gibt die kooperieren
oder finanziell helfen wollen: Auf der Seite
www.hundeverein-moabit.de/spenden findet sich die Bankverbindung. Und die Kontaktdaten findet man auf www.hundeverein-moabit.de/kontakt

lag

e

Neues aus dem Quartiersmanagement für die Nachbarschaft

Eigeninitiativ-im-Alter e.V.

Der Verein Eigeninitiativ-im-Alter gründete
sich im Jahr 2013. Die Idee war, einen Ort
für arme ältere Menschen anzubieten, an
dem man sich austauschen und gegenseitig helfen kann. Eine weitere Idee dabei
war, dieses Projekt generationsübergreifend zu gestalten: Austausch mit Jüngeren,
Hilfestellungen, Erfahrungen weiter geben.
Im April 2014 stellte Herr Wiersemann-Wagenhuber, der Vorstandsvorsitzende von
Frecher Spatz e.V., die Ladenräume in der
Melanchthonstraße 15 zur Verfügung. Der
Treffpunkt war geboren. Trotz vielfältigem
Einsatz von Flyern gestaltete sich der Anfang schwierig. Doch nach und nach besuchten ältere Nachbarn den Treffpunkt
und wurden Mitglied. Es kamen auch Besucher der ehemaligen Sonnenblume. Der
Treffpunkt hat an drei Tagen in der Woche
geöffnet. Montags findet eine Malgruppe
von 10-13 Uhr unter Anleitung von Pamela Winchester (Bachelor of Arts )statt.
Mittwoch ist der Thementag. Dafür wer-

den Ende des Quartals immer Ideen der
Mitglieder und Besucher gesammelt: z.B.
klassische Musik, Literatur, Gedichte, Erzählungen aus dem eigenen Leben etc. Am
Freitag ist von 15-17 Uhr geöffnet. Man
kann sich austauschen, Probleme bereden
und ab 16 Uhr findet das Entspannungstraining statt.
Inzwischen ist der Verein in Mitte gut vernetzt. Es besteht ein regelmäßiger Austausch mit der Kontaktstelle PflegeEngagement Mitte. Weiterhin gibt es Kontakt
zum Stadtschloss Moabit. Im August wird
Frau Dr. Eva Högl MdB (SPD) den Treffpunkt besuchen und mit den Anwesenden
diskutieren.
Eigeninitiativ-im-Alter e.V. wird von vielen
unterstützt. Unter anderem stellte das QM
Moabit Ost Gelder für Sachmittel zur Verfügung. Der Verein möchte sich dafür bei
allen bedanken, insbesondere bei Herrn
Wiesemann-Wagenhuber.

Wahl des neuen Quartiersrats und der Aktionsfondsjury
Alle zwei Jahre werden in Moabit-Ost
die Bewohnergremien neu gewählt.
Diese nennen sich Quartiersrat und
Aktionsfondjury. Als Quartiersrat oder
Quartiersrätin kann man bei Projekten
über das Sozialwesen oder Bauvorhaben der Sozialen Stadt mitbestimmen.
Als Mitglied der Aktionsfondsjury entscheidet man über Projekte bis 1.500
Euro, die von Anwohner*innen für eine
Förderung eingereicht werden. Wenn
auch Sie Interesse haben, mitzumachen,
melden Sie sich gerne beim QM unter
030-9349-2225.

Info- und Aktionsabende
für Interessierte
11.09.18, 20 Uhr: Quartierskino im
Filmrauschpalast, Lehrter Str. 35
17.09.18, 18 Uhr: offene Quartiersratssitzung, QM-Büro, Wilsnacker Str.
34
18.09.18, 20 Uhr: Quartierskino im
Filmrauschpalast, Lehrter Str. 35
27.09.18, 17 Uhr: Infoabend, QMBüro, Wilsnacker Str. 34
Am 15.10.18 wird die Wahl dann stattfinden.

Hilfe zur Selbsthilfe
Gute Freunde oder die Familie sind wichtige Begleiter auf dem Weg zur eigenen
Gesundheit. Trotzdem sind es manchmal
die Gespräche mit kaum bekannten Menschen, die plötzlich tiefer gehen. Gespräche mit Menschen, die aus Erfahrung kennen, was die eigene Welt von der Welt der
Freunde trennt: Schmerzen, Angst, Depressionen, Sucht. Ohne professionelle Begleitung im kleinen Rahmen Informationen
und Erfahrungen auszutauschen, das ist
„Selbsthilfe“.
Die Selbsthilfe-Kontakt- und Beratungsstelle bietet seit 28 Jahren Räume und Un-

terstützung zur Gründung solcher Selbsthilfegruppen.
Und wenn ein Problem einmal an anderer
Stelle besser aufgehoben ist? Dann vermitteln wir gerne weiter.
Selbsthilfe- Kontakt- und Beratungsstelle
Mitte, StadtRand gGmbH
Perleberger Str. 44, 10559 Berlin
Telefon: 030 – 394 63 64
kontakt@stadtrand-berlin.de
Sprechzeiten:
Mo + Di 10.00 – 14.00 Uhr
Do
15.00 – 18.00 Uhr

Nachrichten des Quartiersbüros Moabit-Ost

Bitte vormerken:
Am 13.10.18 findet das alljährliche
Suppenfest statt, am Brunnen in der
Pritzwalker Straße.
Redaktion:
QM-Team, Felicia Harms, L.M., Myria D.,
Heinz Rücker, Klaus Gierscher, Selbsthilfe- Kontakt und Beratungsstelle Mitte
StadtRand gGmbH

Leben in Balance

17

Physiotherapie Karadimas
Wo eine Patientin/ ein Patient ganz Mensch ist

Praxis Physiotherapie Karadimas

Einfach mal loslassen und abschalten,
die tiefe Wärme der Fango auf Nacken
und Schultern genießen, der Weichheit
meiner Muskeln nach einer kräftigen
Massage nachfühlen, während ich der
sanften Musik im Hintergrund lausche.
Nicht nur die fachliche Kompetenz des
Physiotherapie-Teams Karadimas in der
Krefelder Straße spricht mich an, auch
die natürliche Freundlichkeit, der geschwisterliche Umgang und die Vielfalt
der Menschen, denen ich hier begegne.

Fotos: Stefania Karadimas

sagt sie. Sie möchte den Menschen, die
zu ihnen kommen, etwas mit auf den
Weg geben. Sie sollen einen neuen Umgang mit ihrem Körper erlernen, um
Verletzungen und Erkrankungen vorzubeugen oder Schmerzen zu lindern. Die
Herkunft eines Menschen spiele in ihrer
Praxis keine Rolle. Der Mensch ist einfach Mensch und jeder Mensch hat es
verdient gesund zu sein.

Leonidas und sein Team
Betreiber dieser Physiotherapie-Praxis
ist der leidenschaftliche Sportler Leonidas Karadimas. Vor rund vierzig Jahren
kam er aus Griechenland nach Deutschland, seiner Schwester nachfolgend. Ursprünglich wollte er hier Medizin studieren, entdeckte aber bald seine Leidenschaft für die Physiotherapie. Seit 25
Jahren betreibt er seine Praxis in Moabit.
Seine Tochter Stefania wird seine Praxis
übernehmen und erfolgreich weiterführen. Schon seit früher Kindheit begeisterte sie sich für Sport und kam durch
ihren Vater oft mit Sportlern und Physiotherapeuten in Kontakt, die das Interesse in ihr für dieses Fachgebiet weckten.
„Mir gefällt die Möglichkeit Menschen
mit meinen beiden Händen ohne OPSchnitte und Medikamenten zu helfen“,

moabit° 21 | Ausgabe 7 | Herbst 2018

Geschenketipp
Gutschein von Karadimas für
Massage, Lymphdrainage oder
Fußreflexzonen­therapie

Neben Leonidas und Stefania gehören
Carsten, Patricia, Victoria und Isabella
(Anmeldung) zum Praxis-Team. Ihnen
ist ein familiäres Ambiente, Herzlichkeit
und ein persönlicher Umgang mit den
Patienten wichtig.

Physiotherapeutische Leistungen
Zu den Angeboten gehören Massage,
Lymphdrainage, Manuelle Therapie,
Krankengymnastik nach PNT, Radia-

Leonidas und Stefania Karadimas

Kontaktdaten:
Physiotherapie L.Karadimas
Krefelder Straße 20, 10555 Berlin
Tel.: 030/3 92 53 58
Tel.: 030/39 10 01 60
info@physiotherapie-karadimas.de
www. physiotherapie-karadimas.de
le Stoßwellentherapie, Scanlab (Tiefenwärme-Therapie), Fango, Elektrotherapie, Hausbesuche, Ultraschall-Therapie, Sportphysiotherapie, Fußreflexzonentherapie, Schlingentisch (Behandlung für Wirbelsäule). Auch eine
Vibrationsplatte zur Kräftigung der Tiefenmuskulatur ist vorhanden.
Das Team kommuniziert außer auf
Deutsch, auf Englisch, Französisch,
Griechisch und Polnisch. Der Warteraum ist klein, denn Termin ist Termin
bei Karadimas.
Text: Denise Weeke

Sprechzeiten:
Mo., Mi., Fr.: 8.30-19.00 Uhr
Die., Do.: 9:00-20.00 Uhr
Samstag: 10.00-14.00 Uhr

18

Poesie

Ο ξένος
Το να βλέπεις τον κόσμο με ξένα μάτια, φέρνει μοναξιά.
Αυτό που πληγώνει την γλώσσα μου, σχημάτισε το άλλο στώμα.
Ακούγοντας το ξένο χαμόγελό μου ανάμεσα σε ξένους φέρνει πίκρα.
Αυτά που χάνονται στους ήχους, ειναι ξένα σωματεία.
Πάντα σαν ξένος στιγματισμένος απο το λαό, που παρείχε καταφύγιο,
μένει η πληγή στα βάθη της καρδιάς, χωρίς πατρίδα.
Και γιαυτό η μητέρα γή αφήνει πικρά δάκρυα,
επειδή γέννησε παιδιά και όχι ξένους.
Και ο ουρανός παίρνει θλιβερές ανάσες,
γιατί υπήρξαν φιλίες και όχι έχθρα.
Και οι άνθρωποι ελπίζουν για διαφορετικούς καιρούς,
στους οποίους θα υπάρξουν ώς αδέλφια και όχι ώς ξένοι.

Fremdling
Bisher haben wir Ihnen das Gedicht „Fremdling“ in deutscher, arabischer und französischer Sprache vorgestellt. Hier sehen Sie das
Gedicht in griechischer Sprache übersetzt
von © Zoi Vasiliadis-Dogan
Die Griechische Sprache gehört in die
Gruppe der balkanindogermanischen Sprachen. Sie wird in Griechenland, Zypern, der
Europäischen Union, in Albanien, Bulgarien, Italien, Rumänien, der Türkei und in
Ungarn gesprochen. Wir unterscheiden das
heute gesprochene Neu-Griechisch und das
antike Alt-Griechisch.
Das antike Griechenland kannte viele Dialekte, darunter den attischen, den Athen
im 5.Jh.v. Chr. zur überregionalen Sprache und Alexander der Große zur Weltsprache machte. Im 8.Jh.v.Chr. übernahmen
die Griechen das phönizische Schriftsystem, dem sie Vokale hinzufügten. Hiervon
stammt das Lateinische Alphabet ab, das die
Grundlage der in Deutschland gebräuchlichen Schrift ist.

Ab dem 7. Jh. war Griechisch Amtssprache des Byzantinischen Reiches. Dieses erhielt Alt-Griechisch als Schriftsprache, ließ
aber dem gesprochenen Griechisch seine
eigene Entwicklung. Griechisch war die Liturgiesprache in Konstantinopel, der Kirche
Griechenlands und Zyperns. Bei der Neugründung des Griechischen Staates wurde
die Staats- und Bildungssprache nach Vorbild des klassischen Attisch neu geschaffen.
Dieses so genannte Katharevousa blieb bis
1976 Amtssprache. Heute ist die im Volke
entstandene Muttersprache (Dimotiki) die
Staatssprache Griechenlands und Amtssprache in Zypern.
Die deutsche Kultur ist entschieden durch
die griechische Sprache geprägt. Mit ihr begannen Höhere Bildung, Wissenschaft, Philosophie, Literatur und Christentum. Denken wir an Homer, Platon, das Neue Testament und das Humanistische Gymnasium,
das eine Allgemeine Hochschulreife nur mit
ausreichenden Kenntnissen der Altgriechischen Sprache zuließ. Die deutsche Lyrik

bedient sich in seiner Verslehre
dem griechischen Vorbild mit
seinem Hexameter und Pentameter, nach dem auch das Trauergedicht „Fremdling“ geschrieben ist.
In der Deutschen Sprache finden wir viele Wörter aus dem
Griechischen. Achse, Apotheke,
Bibliothek, Butter, Chaos, Chemie, Diagnose, Diskothek, Energie, Ethik, Grammatik, Grafik,
Hormon, Hygiene, Ideal, Idee,
Katalog, Kilometer, Logik, Lyrik, Musik, Museum, Narkose,
Organ, Ozean, Papier, Prophet,
Rheuma, Rhythmus, Telefon,
Theater, Utopie, Xylophon, Ypsilon, Zylinder gehören dazu.
Text: Denise Weeke

Ausgabe 7 | Herbst 2018 | moabit °21

Spurensuche

19

Auf griechischen Spuren
Griechen und Deutsche sind eng miteinander verwoben.
Die Demokratie als Staatsform und die
Olympischen Spiele finden ihren Ursprung
bei den Griechen. Von ihnen stammte
der Begriff „Teuten“, aus dem die Bezeichnung „Deutsche“ wurde. Den Genuss edler
Früchte wie Quitte, Pfirsich und Walnuss
haben wir den Griechen zu verdanken und
auch die Rosskastanie, die in Moabit Straßen (Levetzowstraße), Plätze (Heilandskirche), Parks (Ossietzkypark) und Biergarten
(Zollpackhof) ziert. In der klassizistischen
Baukunst und Plastik war die griechische
Kunst Vorbild. Berühmtes Beispiel hierfür
ist das Brandenburger Tor (Entwurf Langhans 1788) nach dem Vorbild der Akropolis Athen.

Bildung und Wissenschaft
Griechische Philosophie, Literatur, Mythen
und Epen gehörten durch alle Jahrhunderte
zum deutschen Bildungsgut und zur deutschen Kultur. Altgriechisch war Pflichtfach
der Humanistischen Bildung und wissenschaftliche Sprache. Die im Mittelalter aufkeimende Wissenschaft stützte sich auf die
im Griechischen bereits vorhandene Fachliteratur. Wie groß die Bedeutung der attischen Weisheit den Berlinern war, bezeugt
der Spitzname „Spreeathen“, den Erdmann
Wircher 1706 zur Huldigung der preußi-

A. Boulis und sein Markstand

schen Bildungseinrichtungen (Akademie
der Künste 1696), Societät der Wissenschaften (1700) aufstellte. Dieses Spreeathen
wurde später den Griechen ein begehrter
Studienort.
Ein besonderer Berührungspunkt zwischen
Berlin und Athen ist die Archäologie. Pierre
Mavrogordato trug besonders zum Ausbau
der Berliner Antikensammlung bei. Die
Gründung des Deutschen Archäologischen
Instituts in Athen (1872) zog Archäologen
wie Adolf Furtwanger und Geologen wie Johann Friedrich dorthin. Möglicher Weise ist
Griechenland wegen seines antiken Erbes
ein begehrtes Urlaubsziel der Deutschen,
die mit 3,7 Millionen Touristen (2017) den
größten Anteil am Tourismuszustrom liefern.

Gastronomie und Handel
Ursprünglich handelten die Griechen bei
uns mit Fellen, später mit Tabak und Kaffee. Ab dem 19. Jh. entstanden in Berlin vermehrt griechische Kaffeehäuser und Weinlokale. Umgekehrt finden wir nach der
Krönung des bayrischen Prinzen Friedrich
Ludwig von Wittelsbach zum König von

moabit° 21 | Ausgabe 7 | Herbst 2018

Griechenland dort bayrische
Biergärten und deutsche Weingüter. Heute handeln die Griechen vor allem mit Olivenöl,
Milchprodukten und Trauben.
Deutschland gehört neben Italien zu ihren Haupthandelspartnern. Die Moabiter lassen sich
gerne in den eingesessenen Tavernen Phaestos (Jagowstraße
16) und Amphipolis (Wilhelmshavener-Straße 6) kulinarisch
verwöhnen und kaufen die Naturprodukte des griechischen
Imkers Athanasios Boulis, der
Kräuter, Olivenöl, Honig aus seiner Heimat mittwochs (12-18h)
auf dem Ökomarkt vor der Heilandskirche zum Kauf anbietet.
Und mein Name, Denise, rührt
her vom altgriechischen Gott
Dyonisos, Vertreter der Lebensfreude. Welcher Moabiter
wüsste griechischen Humor und
Gastfreundschaft nicht hoch zu
schätzen?
Text und Fotos: Denise Weeke

20

Moabiter Musikschulen

Musikschule Fröhlich
Für diese Ausgabe führte Julia Legelli Interviews mit Musikschulen in Moabit.
– Berlin“ Orchesterarbeit erleben können. Mit diesen jungen
Menschen veranstalte ich dann
Reisen und Probencamps. Sie
sehen…, unser Name ist wirklich bei uns Programm denn das
macht alles einen Riesenspaß.

Dürfen auch Erwachsene zu
Ihnen kommen?

Auftritt mit Melodika im Friedrichstadtpalast (400 Kinder auf der Bühne!)

Ich spreche mit Frau Jäkel von der Musikschule Fröhlich (Unterrichtsfiliale: Zillestr.
14, 10585 Berlin). Frau Jäkel ist Fran­chiseNehmerin der Musikschule Fröhlich im Gebiet Charlottenburg-Wilmersdorf und Moabit. Seit 2005 folgt sie damit ihrer Berufung
als Musiklehrerin in diesem Unternehmen.

Frau Jäkel, welches Stück spielen Sie am
liebsten?
Ich liebe Musik mit all ihren Facetten. Eine
besondere Vorliebe gibt es nicht. Sehr gerne
spiele ich aber die „Ode an die Freude“, so
heißt Beethovens „Freue schöner Götterfunken“ bei uns.

Ihre Musikschule heißt Fröhlich, ist der
Name Programm?
Unbedingt… Eines der wichtigsten Dinge in
unserer Musikschule ist, den Schülern Musik mit Freude nahezubringen, damit sie ein
Leben lang davon profitieren.

Sie haben ein besonderes Programm für
Kinder, was hat es damit auf sich?
Unser Gründer, Herr Dieter Fröhlich, hat
seinerzeit gemeinsam mit Vera Birkenbiel
ein Programm entwickelt, welche auf gehirn -gerechte Art das Musizieren lehrt.

Hierbei wird mit einer sehr bildhaften und
kindgerechten Sprache (Bildung kommt ja
bekanntlich auch von Bild) die musikalischen Grundlagen im Melodika-Unterricht
gelegt. Unser Unterrichtsmaterial ist dafür
mit vielen Bildern, welche den Lehrstoff erklären, versehen. Ich bin immer wieder erstaunt, wieviel die Kinder nach dem Melodika-Kurs, welcher ein Jahr dauert, schon alles
können. Sogar die, welche nicht regelmäßig
trainieren, nehmen aus dem Unterricht sehr
viel mit. Denn der Unterricht baut auf einander auf, so dass die bereits gelernten Inhalte immer wieder gespielt werden.
Unser Unterricht beginnt aber bereits mit
Babys ab dem 4. Lebensmonat. Mit ca. 1,5
Jahren machen wir weiter mit dem Programm für „MusiKids“ und danach lernen die 3- bis 5-Jährigen dann im MusiKunde – Unterricht auf dem Glockenspiel
und dem Orphischen Instrumentarium die
Notenschrift, Rhythmik und die musikalische Grundlagen. All dies ist verpackt in
eine kindgerechte Geschichte, welche unser
Maskottchen „Toffel“ erlebt. Nach der Einschulung lernen die Kinder dann im Instrumental – Unterricht weiter mit der Melodika und dürfen darauf aufbauend dann
bei mir das Akkordeonspiel erlernen. Dies
geht dann soweit, dass die Kinder in meinem Akkordeon-Ensemble „MF – Diskant

Natürlich… die beginnen dann
aber nicht auf der Melodika.
Hier geht es sofort mit dem Akkordeon los. Ich bin schon mit
vielen Erwachsenen sehr weit
gekommen und es macht großen
Spaß, zu beobachten, wie schnell
die Fröhlich-Methode zum Erfolg führt.

Wie können sich Interessierte
an Sie wenden?
Über meine Webseite
www.musikschule-froehlich.de/
jaekel oder per E-Mail:
kirsten.jaekel@musikschulefroehlich.de und natürlich auch
per Handy: 0171 6316572. Ich
unterrichte in Schulen, Kitas
und in meiner Unterrichtsfiliale
in der Zillestr. 14, 10585 Berlin.
Mehr zur Musikschule Fröhlich
finden Sie hier: https://www.
musikschule-froehlich.com/
musikschule

Kirsten Jäkel

Ausgabe 7 | Herbst 2018 | moabit °21

Moabiter Musikschulen

21

moamusikschule
Ein Interview mit Wiebke Meyer, Inhaberin und Leiterin der moamusikschule.
Was lehren Sie?
Ich unterrichte selber noch einzelne SchülerInnen in den Fächern Klavier, Geige und
Blockflöte; mein Hauptaufgabengebiet umfasst aber die Leitung und Organisation der
Musikschule.

Wen unterrichten Sie am liebsten?
Wir arbeiten mit allen Altersgruppen gleichermaßen gerne, ob mit kleinen Kindern
in der Frühförderung, Jugendlichen und Erwachsenen im Instrumental- oder Gesangsunterricht.

Was bieten Ihre KollegInnen den MoabiterInnen so an?
Unser Angebot reicht von der musikalischen
Frühförderung ab 7 Monaten über das Instrumentenkarussell für Vorschulkinder und
Erstklässler bis zu individuellem Instrumental- oder Gesangsunterricht für alle Altersgruppen. Dabei kann man bei uns fast alle
Streich-, Zupf-, Tasten- oder Blasinstrumente sowie Schlagzeug erlernen. Wir erleben es immer wieder, dass Kinder bei uns
in der Frühförderung beginnen, im Instrumentenkarussell ihr Wunschinstrument
finden und dieses dann erfolgreich spielen
lernen. Das freut uns natürlich besonders!
So wird die Beschäftigung mit Musik in der
moamusikschule bei vielen Moabitern Kindern zu einem ihrer Lebensmittelpunkte.
Wir haben aber auch sehr viele Erwachsene,
die sich nach einem stressigen Arbeitstag auf
einen netten und erholsamen Ausklang am
Abend in der Musikschule als ihr verlängertes Wohnzimmer freuen. Für diese ermöglichen wir deshalb gerne auch Unterricht am
späteren Abend oder auch am Wochenende.
So ist die Musikschule seit 11 Jahren zu einer
festen Institution im Kiez geworden.

Foto: Rini Vogt

nen selber dann zusammen ein Gesprächsthema und freuen sich gemeinsam an dem
Fortschritt ihrer Kinder oder dem Erreichen
ihrer eigenen Ziele.
Außerdem bieten wir den Musikunterricht
auch in Englisch und Französisch an, zum
anderen ist Musik eine universelle Sprache,
die sich auch nonverbal vermitteln lässt. So
hat ein großer Teil unserer SchülerInnen
einen Migrationshintergrund und wie ich
selbst im Unterricht mit syrischen Flüchtlingskindern erfahren habe, trägt der Musikunterricht zu einem schnelleren Spracherwerb der deutschen Sprache und Integration
in unserer Gesellschaft bei. Diese konnten
zu Beginn des Unterrichtes kaum ein Wort
Deutsch, wir fanden aber schnell, sogar im
Fall des schwierigeren Geigenunterrichtes,
eine gemeinsame Verständigung.

Ihre Musikschule engagiert sich für das
kulturelle Leben in Moabit, könnten Sie
uns das etwas näher erläutern?
Nicht nur mit mehrsprachigen Musikunterricht versuchen wir das kulturelle Leben in
Moabit zu bereichern und eine Schnittstelle
der EinwohnerInnen von Moabit zu sein:

Meine Freundin möchte Gitarre lernen,
kann aber kein Deutsch, ist das ein Problem?
Nein, gar nicht! Wenn ich in der Musikschule in einer Pause zwischen dem Unterricht in unserem Wartebereich bin, höre
ich Gespräche in den unterschiedlichsten Sprachen. Arabisch, türkisch, englisch,
griechisch, französisch, russisch etc. Auf
Deutsch finden die Eltern oder SchülerIn-

moabit° 21 | Ausgabe 7 | Herbst 2018

Foto: Wiebke Meyer

z.B. auch mit der langjährigen
Zusammenarbeit mit der Integrationskita Tiger, Panther und
Co und auch anderen Kitas in
unserem Einzugsgebiet, der Beteiligung an Kiezfesten wie u.a.
dem „Suppenfestival“, Moabiter Kiezfest, Perlenkiezfest sowie mit Workshops und unseren jährlichen Tagen der offenen Tür. Dort musizieren unsere
SchülerInnen und LehrerInnen
zusammen und präsentieren das
gemeinsam erreichte Ergebnis.

Was muss ich tun, wenn ich
bei Ihnen Unterricht nehmen
möchte?
Am besten vereinbaren Sie eine
Probestunde per Mail oder telefonisch für das Unterrichtsangebot, das Sie interessiert. So
können Sie feststellen, ob die
Chemie zwischen Ihnen und
der entsprechenden Lehrkraft
stimmt und der Unterricht Ihren
Vorstellungen entspricht. Gerne
helfen wir auch bei Anträgen für
Leistungen aus dem Bildungsund Teilhabepaket zur finanziellen Unterstützung des Unterrichtes. Wir hoffen, dass dieses
Interview Ihre LeserInnen neugierig auf unsere Musikschule
und unser Angebot gemacht hat
und bedanken uns dafür!
Kontakt: Rathenower Str. 43,
10559 Berlin, Tel. 030 39883752

22

Mit dem Herbst beginnt die Jahreszeit, in der
wir uns mit einem schönen Buch und einer
Decke auf dem Sofa verkriechen. In Moabit
kann man wundervoll in der Dorotheenstädtischen Buchhandlung bei Klaus-Peter Rimpel was Neues erwerben, oder man geht aus-

Herbstliteratur

wärts lesen. In der Buchkantine soll sich ein
Besuch lohnen, hier kann man kaufen und
Kaffee trinken. In vielen anderen Moabiter
Cafés liegen Bücher, die man sich zum Kaffee zu Gemüte führen oder gegen ein altes
Buch tauschen kann. Oder man besucht die

Bruno-Lösche Bibliothek zum
Leihen statt Kaufen. Egal wie,
wir freuen uns, wenn Sie uns erzählen, was sie schönes gelesen
haben. Hier stellt uns Rebecca
Stoll ein Buch vor.

Karin Kalisa: Sungs Laden
Ein originelles Thema
Deutschland, das Einwanderungsland. Damit setzen wir uns seit langem auseinander,
innerhalb der letzten drei Jahre werden die
Debatten rund um dieses Thema aufgrund
der Flüchtlingskrise immer lauter. Karin Kalisa richtet in ihrem Romandebüt ihr Augenmerk auf eine wenig beachtete Minderheit
und entwirft eine bunte Großstadtutopie,
die richtig Lust auf mehr Vielfalt macht. So
breiten sich Kegelhüte und Wasserpuppentheater im Prenzlauer Berg aus und mit ihnen: gute Laune!
Die Geschichte ist zwar eine Illusion und
doch ist sie nicht fernab der Realität. Man
erfährt Gründe für die Flucht aus der Heimat, von anfänglichen Schwierigkeiten,
glücklichen Zufällen und dem Nachdenken
über die eigene Identität und lernt nebenbei etwas über die vietnamesische Kultur
und Geschichte. Karin Kalisa, selbst inspiriert vom Leben im Prenzlauer Berg, erzählt
mit Wärme und einem Augenzwinkern, was
passieren könnte, wenn sich die vietnamesische Kultur plötzlich im Berlin von heute
ausbreitet.

Der Prenzlauer Berg
im Vietnam-Fieber
Alles beginnt damit, dass ein Schuldirektor
eine „weltoffene Woche“ ansetzt. Der siebenjährige Minh soll seine Heimat Vietnam
vertreten und dafür ein Kulturgut mitbringen. Aber bitte nichts zu Essen: „Der Direktor hat Angst vor Durchfall. Wegen dem
ganzen fremden Essen. Dass dann das Gesundheitsamt in die Schule kommt, und alles
vor Weihnachten.“ Minhs Vater Sung besitzt
einen kleinen Laden, entschließt sich aber
seinem Sohn nicht irgendeinen „made in
Viet­nam-Artikel“ zu geben, sondern schickt
ihn stattdessen zu seiner Mutter. Und diese
holt ein altes, eigens von ihr nach Deutschland mitgebrachtes Erinnerungsstück hervor: eine Puppe namens Thuy. Was zuerst

Karin Kalisa: Sungs Laden, Droemer Taschenbuch,
256 S. ISBN: 978-3-426-30566-9

für eine kleine Schulveranstaltung bestimmt
war, springt wie ein Funke auf den Prenzlauer Berg über. Die Puppe begeistert derart,
dass eine Lehrerin eine Protestaktion mit ihnen auf die Beine stellt. Hien findet Gefallen daran, zwischen Deutschen und Vietnamesen kulturell zu vermitteln während Sung
beginnt, sich mit seiner Herkunft und Identität zu beschäftigen. Wer erfahren will, wie
sich diese Entwicklung auf viele Bewohner
ausbreitet und bis in das Bezirksamt fortsetzt, sollte Sungs Laden in die Hand nehmen – danach legt man es nicht so schnell
wieder weg. Die gute Laune springt von
selbst auf den Leser über.
Ob es um die Anfänge in Deutschland von
Hien und ihrem Mann geht, den Brücken-

bauer Dinh oder die lebhafte
Mây, sie alle haben ihre ganz
persönliche Geschichte bekommen und als der Anfang erst ein
mal gemacht ist, ist es so leicht
die Deutschen mitzureißen und
zu begeistern.
Vietnam ist nicht nur Reis und
Winkekatzen. Genau so wenig lässt sich irgend ein anderes
Land auf so wenig beschränken.
Karin Kalisa entwirft ein Bild
von gelingender Integration und
Verschmelzung, die man sich im
modernen Deutschland so oft
wünschen würde.
Text: Rebecca Stoll

Ausgabe 7 | Herbst 2018 | moabit °21

Unterhaltung

23

Logik-Rätsel: Kürbislaternen…
Der Herbst ist da! Louisa, Melek, Gustav,
Khadija und Juan-Li höhlen Kürbisse aus,
um darin später Kerzen aufzustellen und
aus dem Inhalt eine leckere Suppe zu kochen. Allerdings gestaltet sich das Ganze
gar nicht einfach. Jedes der Kinder hat ein
anderes Werkzeug, auf das es schwört. Nur
ein Kind benutzt einfach seine Hände – zum
Glück waren die Fingernägel nicht geschnitten. Die Pädagogin Nina guckt auf die Uhr,
um den Kindern später sagen zu können,
wer am längsten gebraucht hat. Auf ihrem

Notizzettel
befinden
sich folgende Anfangsund Endzeiten, wahllos
durcheinander.
Findest Du anhand der
Hinweise heraus, welches Kind wann begonnen hat und wann fertig
war, und mit welchem
Werkzeug es gearbeitet
hat?

Anfangszeiten

Endzeiten

10:50 Uhr
10:55 Uhr
11:00 Uhr
11:05 Uhr
11:10 Uhr

11:30 Uhr
11:35 Uhr
11:40 Uhr
11:45 Uhr
11:50 Uhr

1. Gustav begann früher mit seinem Kürbis als das
Kind, das sich erst noch beim Hausmeister Hammer und Meißel besorgen musste.
2. Das Kind, das mit dem Löffel den Kürbis aushöhlte, begann nicht als erstes.

3. Das Kind, das ein Messer benutzte
war erst später als 11:35 Uhr fertig.
4. Das Kind, das als erstes „fertig“
schrie, hatte zehn Minuten früher
begonnen als das Kind, das seinen
Kürbis mit einem Sandschippchen
aushöhlte.
5. Das Kind, das nur seine Hände benutzte, war 10 Minuten früher mit
seinem Kürbis fertig als Juan-Li.
6. Khadija arbeitet nicht mit Hammer und Meißel und war auch
nicht die letzte, die begonnen hat.
Entweder war es Melek, die Hammer und Meißel benutzte oder
Louisa hat als letztes begonnen.

8. Juan-Li war früher fertig als
das Kind, das um 11:00 Uhr
begonnen hatte.
9. Als das Kind, das um 11:35
Uhr seine Arbeit beendet
hatte mit seinem Kürbis begann, suchte Gustav noch
sein Werkzeug.
Khadija fing fünf Minuten vor
dem Kind an, das als erstes fertig war.

7. Das Kind, das mit Hammer und
Meißel arbeitete brauchte insgesamt 5 Minuten länger als Louisa,
um den ganzen Kürbis auszuhöhlen.

Rätsel und Bilder: Ulli

moabit° 21 | Ausgabe 7 | Herbst 2018

Willst Du mitmachen?

24

Selber schreiben, fotografieren, kreativ sein?
Habt Ihr auch einen Text, ein Foto, einen
Lieblingswitz, ein leckeres Rezept oder irgend etwas, das Ihr gerne hier abdrucken
möchtet?
Dann immer her damit! Kommt gerne auch
zum Planungstreffen der nächsten Ausgabe,
oder zum Redaktionstreffen, oder zum
Workshop „Zeichnen“… alle Termine findet Ihr hier rechts auf der Seite oder unter
http://www.moabit-ost.de/aktiv-im-kiez/
moabit21/ .

Kontakt zu uns:
E-Mail: perspektiven@generationenraum.de
Tel: 030-39837450

Termine:
Betroffenen-Rat Lehrter Straße i.d.R. jeden
1. Dienstag im Monat um 19 Uhr im B-Laden,
Lehrter Str. 27-30, 10557 Berlin, Tel. 397 52 38,
aktuelle Termine: www.moabit-online.de sowie
unter https://lehrter-strasse-berlin.net/betroffenenrat
31.08.18, 15:00 – 19:00 Uhr:
Perlenkiezfest in der Birkenstr.

Workshop „Zeichnen im Kiez“
Zeichnet Ihr gerne oder möchtet es lernen?
Hanneke van der Hoeven lädt ein zur künstlerischen
Stadterkundung in Moabit!
Dienstag, 2. Oktober 2018 von 14-17 Uhr, Treffpunkt
GenerationenRaum, Stephanstr. 53, 10559 Berlin
Die Teilnahme ist kostenlos. Das Material wird Euch
ebenfalls kostenlos zur Verfügung gestellt. Bitte meldet
Euch unbedingt an, da es nur 10 Plätze gibt und damit genügend Material
vor Ort ist.
Anmeldung unter perspektiven@generationenraum.de
Mehr über Hanneke van der Hoeven findet Ihr hier: https://kunstmachtstark.
wordpress.com/hanneke-van-der-hoeven-atelier-in-berlin-mitte/

12.9.18, 18:00 bis 19:30 Uhr: Planungssitzung
Ausgabe 8 der moabit°21, im „Stück Heimat“ in
der Rathenower Straße 34

13.10.18, 14.00 – 18:00 Uhr: Suppenfestival,
Pritzwalker Straße, Infos und Zusagen für eigene
Rezepte: www.moabit-ost.de

02.10.18, 14:00 – 17:00 Uhr: Workshop „Zeichnen im Kiez“ mit Hanneke van der Hoeven,
Treffpunkt GenerationenRaum, Stephanstr. 53

1.11.18: Redaktionsschluss Ausgabe 8 der
moabit°21

11.10.18, 9:00 – 16:00 Uhr: Fachtag des KitaNetzwerkes im Zille-Haus. Arbeitstitel „Gesunde Mitarbeiter_innen in den Kitas = gesunde
Kinder“

08.11.18, 9:30 – 11:00 Uhr: Redaktionssitzung
Ausgabe 8 in den Räumen der GenerationenRaum in der Dreysestr. 17, EG

Der Fliegenpilz
Ich steh im Gartenbeet. Das sieht Asphalt und Teer.
Ich hör Gerätelärm, ich hör Motoren brummen.
Wie laut ein Käfer schwirrt! Wie laut Insekten summen!
Ich steh im Hinterhof, im Moabiter Werder.
Ein Bussard kreischt und zieht am Himmel seine Kreise.
Husch, raschelt eine Maus Herbstblätter sich zurecht.
Tok, tok, tok in das Holz klopft rhythmisch Takt ein Specht.
Und zizä, zizäbäh, so trällert froh die Meise.
Im Birkenschatten warm, auf Sand und Moosgefilz,
da steht ein kleiner Kerl stolz zwischen Eibenhecken.
Rot leuchtet Hut an Hut, betupft mit weißen Flecken,
in Gruppen beieinand. Es ist der Fliegenpilz.
Still lauscht er diesem Klang, Moabits Melodie,
wie einst sein Ahne schon der Heidesinfonie.

Fliegenpilze in einem Moabiter Hinterhof
In früheren Zeiten fing man mit Hilfe des Fliegenpilzes die noch reichlich vorhandenen Fliegen. Daher hat dieser Pilz seinen Namen.
Gedicht und Bild ©Denise Weeke

Ausgabe 7 | Herbst 2018 | moabit °21
        
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