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Full text: Kurzbericht zur Inspektion der Carl-Kraemer-Grundschule (01G32)

Kurzbericht
zur Inspektion der Carl-Kraemer-Grundschule (01G32)

1. Voraussetzungen und Bedingungen
Die Carl-Kraemer-Grundschule liegt im Bezirk Mitte, im Ortsteil Gesundbrunnen, mitten im
„Soldiner Kiez, in dem die Kinder unter schwierigen sozialen Bedingungen groß werden. Mehr
als drei Viertel der Familien sind von der Zuzahlung zu Lernmitteln befreit, ebenso hoch ist
die Zahl der Kinder, die nicht Deutsch als Muttersprache sprechen.
Die Grundschule bietet einen gebundenen Ganztag1 gemeinsam mit dem freien Träger „Frecher
Spatz“ an. Bis 16 Uhr haben die Schülerinnen und Schüler im Wechsel Unterricht und Freizeitangebote mit integriertem Mittagessen. Am Freitag besteht für sie die Möglichkeit, bereits
nach dem Unterricht nach Hause zu gehen.
Die Jahrgangsstufen 1-3 werden jahrgangsübergreifend unterrichtet (JüL). An der Schule werden zur Zeit 19 Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichtet.
Zum Schuljahr 2014/2015 wurde die Stelle des koordinierenden Erziehers neu besetzt. Im November 2014 kam eine neue Konrektorin an die Schule, die mit dem Weggang der langjährigen Schulleiterin seit Februar 2015 kommissarisch amtiert. Die Tätigkeiten der Konrektorin
übernehmen zwei Lehrkräfte aus der erweiterten Schulleitung.
Die Personalausstattung der Schule lag zum Zeitpunkt der Inspektion bei ca. 97 %.

2. Stärken und Entwicklungsbedarf
Stärken der Schule
•
•
•
•
•
•

effektiv zusammenarbeitendes Kollegium mit einem gemeinsamen pädagogischen
Verständnis
wertschätzendes, auf Regeln basierendes Miteinander
Förderung aller Schülerinnen und Schüler, auch der leistungsstarken, durch vielfältige
Angebote im rhythmisierten Ganztag
Gestaltung des künstlerisch-ästhetischen Schwerpunkts, vornehmlich durch Projekte
breites Spektrum an Kooperationen, um den Kindern möglichst viel Unterstützung und
Anregung zu bieten
Unterrichtsführung, die durch systematische Kompetenzentwicklung auf das Leben
vorbereitet

Entwicklungsbedarf der Schule
•
•

1

stärkere Nutzung der vorhandenen Computer im Unterricht und kontinuierliche
Entwicklung der Medienkompetenz
regelmäßige Evaluation der schulischen Entwicklungsvorhaben

Beim Ganztag in gebundener Form/gebundenen Ganztag sind Unterricht und verpflichtende Zusatzangebote über
den Tag verteilt.

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3. Erläuterungen
Die an der Schule Arbeitenden haben sich als Leitziel gesetzt, die Schule als demokratische
Gemeinschaft zu gestalten, in der die Kinder, die hauptsächlich im umliegenden schwierigen
Einzugsgebiet leben, mit Freude lernen können und viel Anregung erfahren. Eine Herausforderung für das Kollegium besteht in der Vielzahl der gesprochenen Muttersprachen, den unterschiedlichen Kulturen und Religionen der Kinder und ihrer Eltern. Ein weiterer Anspruch besteht darin, jedes Kind entsprechend seinen Voraussetzungen zu fördern. Gemeinsam erziehen
sie die Kinder zu Toleranz und Respekt. Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher stellen sich
dieser schwierigen Aufgabe täglich und wissen, dass dies nicht im Alleingang zu schaffen ist.
In den Klassen agiert jeweils ein Team, das aus Klassenleitung und Klassenerzieher bzw. erzieherin besteht. Es gibt vielerlei Absprachen über Unterrichtsinhalte und -methoden, insbesondere auf der Ebene der Klassen- und Jahrgangsteams, aber auch der Fachkonferenzen, des
Erzieherteams, des Tridems Sozialarbeit-Sonderpädagogik-ergänzende Förderung. Fester Teamtreff ist der Freitagnachmittag. Darüber hinaus gibt es untereinander viele informelle, sowie
täglich Tür- und Angel-Gespräche mit den Eltern.
Wichtig ist den Pädagoginnen und Pädagogen auch die Verantwortungsübernahme der Kinder.
Diese übernehmen Ämter (Ordnungs-, Computer-, Materialdienst, Pflanzenamt usw.) im Klassenverband, aber auch darüber hinaus im Schülerparlament, bei der Spielmobilausleihe und
Sportplatzaufsicht. Das Kollegium ist sich einig, dass ein erfolgreiches Lernen nur möglich ist,
wenn Kinder Wertschätzung erfahren und alle sich mit Respekt begegnen. In den Klassenräumen sind individuelle Regeln der Lerngruppen ausgehängt, das Schülerparlament hat Regeln
für die gesamte Schule vereinbart. Eine der wichtigsten ist, Streit gewaltfrei zu lösen. Die
Streitschlichter und -schlichterinnen achten auf die Einhaltung der Regeln und treten bei Konflikten als Mediatoren und Mediatorinnen auf. Etwa 15 Schülerinnen und Schüler der 4. und 5.
Klassen werden jährlich ausgebildet, erhalten ein Zertifikat und sind danach in den Pausen mit
ihren neonfarbenen Westen auf dem Schulhof präsent. Ihr Engagement wird auch auf den
Zeugnissen vermerkt.
Die Carl-Kraemer-Grundschule hat sich 2004 bewusst für den gebundenen Ganztagsbetrieb
entschieden, um den Kindern sowohl regelmäßige Mahlzeiten, Bewegungsmöglichkeiten als
auch mannigfaltige Anregungen zu bieten. Unterricht und Freizeit sind inhaltlich und organisatorisch eng miteinander verzahnt. Der Tag beginnt in den JüL-Klassen mit der Schularbeitszeit2
(SAZ), in den höheren Jahrgängen ist diese Stunde zumeist in den Tag integriert und ersetzt
durch die Auseinandersetzung mit unterrichtlichen Themen die Hausaufgaben. Sie wird in der
Regel von den Klassenerzieherinnen und -erziehern betreut. Dadurch geschieht die gesamte
Lernarbeit in der Schule. Einigen Eltern fehlt so allerdings der Überblick, da nicht alle Lehrkräfte die Hefte zum Wochenende nach Hause mitgeben.
In den einzelnen Klassen sind Freizeitblöcke in den Tag integriert und ermöglichen auch Entspannung. Zumeist haben die JüL-Gruppen nach einer kürzlich beschlossenen Veränderung der
Rhythmisierung bis zum Mittag Unterricht, anschließend gibt es jahrgangsübergreifende Freizeitangebote. Für diese Veränderung im Tagesablauf entschied sich das Kollegium, um im Freizeitbereich mehr und weiter entfernt liegende außerschulische Lernorte aufsuchen zu können
(Kinderbibliothek, Schulumweltzentrum, Boulderhalle, Kinderbauernhof usw.). Montags verbringen die Klassen die Freizeit in der Lerngruppe, an den übrigen Tagen entscheiden sie sich für
die offenen, themengebundenen Angebote, beispielsweise im Bau- und Konstruktionsraum, im
Musik- und Theaterraum oder in der Sporthalle. Arbeitsgemeinschaften (z. B. Zaubern, Naturwissenschaften, Trommeln, Robotik) finden am Mittwochnachmittag statt, einige von ihnen
sind als „Expertengruppen“ für besonders Begabte ausgelegt, wo sie zu bestimmten problem2

Schularbeitszeit: Organisationsform dieser Schule

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orientiert angelegten Themen (z. B. Mode, Geschichte der Schule, Raumgestaltung) unter Anleitung selbstständig agieren können. Die Eltern sind mit der Vielfalt der schulischen Angebote
zufrieden, zum Teil ist die Ausrichtung der Schule auf so viele Interessengebiete und die Förderung von besonderen Begabungen der Kinder auch ein Grund für die Wahl der Schule. Sie
wünschen sich jedoch für die Arbeitsgemeinschaften noch eine Erweiterung der Plätze.
In den Tagesablauf integriert sind auch die „Förderbänder“. Das sind Blockstunden am Vormittag, u. a. für Kinder mit Förderbedarf (im emotional-sozialen Bereich, geistiger Entwicklung,
Sprache), die von dafür fortgebildeten Lehrkräften, vor allem aber der Sonderpädagogin geleitet werden. Von ihr erhalten die Schülerinnen und Schüler schulische Förderangebote im Rahmen des „Entwicklungspädagogischen Unterrichts“ (EPU). Darüber hinaus existiert eine „soziale
Gruppe“, die durch einen Sozialarbeiter von Casa Dar, einem Familienförderzentrum für schulbezogene Sozialarbeit, geleitet wird. Derzeit trainieren mit ihm täglich acht Kinder für zwei
Stunden soziale Verhaltensweisen.
Die Carl-Kraemer-Grundschule pflegt zur optimalen Begleitung des Bildungsweges der Kinder
viele Kooperationsbeziehungen. So besuchen die Lehrerinnen und Lehrer regelmäßig vor Beginn
des neuen Schuljahres die Kitas in der Umgebung und führen mit den Kindern die Sprachstandsanalyse „Deutsch für den Schulstart“ durch. Einerseits lernen sie so die Kinder kennen,
andererseits geben sie dem Erziehungspersonal Hinweise zur weiteren Sprachförderung bis zum
Schuleintritt. Regelmäßig kommen Gruppen der umliegenden Kitas zum Experimentieren in den
NaWi3-Raum. Zur Gestaltung des Übergangs in die Oberschule besteht ein Kooperationsvertrag
mit der Heinrich-von-Stephan-Oberschule. Ihr künstlerisches Profil gestaltet die Schule in enger
Zusammenarbeit mit den Staatlichen Museen und Künstlern. Zur Förderung besonders Begabter
hat sie sich mit vier weiteren Grundschulen und zwei Gymnasien zu einem Verbund zusammengeschlossen. Auf Expertentagen tauschen sie sich über Fördermöglichkeiten von hochbegabten Schülerinnen und Schülern aus. Außerdem arbeitet die Grundschule mit TuWaS (Technik
und Naturwissenschaften an Schulen), einem Anbieter für Fortbildungen und Lernmaterialien
für forschendes Lernen, zusammen. Die Lehrerinnen und Lehrer haben hier die Möglichkeit,
sich im Umgang mit eigens für das forschende Lernen entwickelten Unterrichtsmaterialien vertraut zu machen und deren Einsatz im Unterricht zu erproben. Zur Erweiterung des AGAngebots kooperiert die Carl-Kraemer-Grundschule mit ALBA Berlin. Einmal pro Woche haben
die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, unter der fachkundigen Anleitung eines Trainers
die technischen Feinheiten des Basketballspielens zu erlernen.
Die benannten Stärken wurden der Carl-Kraemer-Grundschule bereits im ersten Inspektionsbericht zurückgemeldet. Es ist ihr gelungen, eine hohe Qualität der schulischen Arbeit zu halten.
Überdies hat sich das Kollegium zielgerichtet mit dem seinerzeit formulierten Entwicklungsbedarf auf einem Studientag und anschließend in Arbeitsgruppen auseinandergesetzt. Es hat sich
in seinem Schulentwicklungsprozess u. a. auf den Schwerpunkt „Individualisiertes Lernen“ geeinigt. Mittlerweile existiert ein Dokument, das verbindliche Standards für den Unterricht zusammenfasst. Das Lernen soll themenorientiert, fächerübergreifend, handlungsorientiert und
nach längerfristigen Plänen angelegt sein. Außerdem gibt es die Vereinbarung über Trainingszeiten der Schülerinnen und Schüler, beispielsweise zur Arbeit am Lern- und Wunschwortschatz, für die „Schreibzeit“ und die regelmäßige Möglichkeit zur Selbsteinschätzung. Ihren
Lernfortschritt dokumentieren sie in Lerntagebüchern, die besten Arbeiten sammeln sie in einem Portfolio. Diese Dokumentationen sind von Lehrkraft zu Lehrkraft und in den Jahrgängen
unterschiedlich bezeichnet und werden auch unterschiedlich gehandhabt. Grundlage der Arbeit
ist jedoch in allen Jahrgangsteams ein Fundus an Unterrichtsmaterialien, der an das nächste
Team weitergegeben wird. Momentan sind dies in den Jahrgängen 4-6 die „roten Kisten“, in
3

Abkürzung für Naturwissenschaften

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denen Planungen, Arbeitsblätter auf zwei Schwierigkeitsstufen sowie Leistungsüberprüfungen
zu jährlich wiederkehrenden Themen wie „Feste“, „Gesundheit“ oder „Verkehr“ gesammelt
sind. Die differenziert angelegte Klassenarbeit zum Abschluss jedes Themas wird in allen Lerngruppen des Jahrgangs geschrieben, somit sichern die Lehrkräfte den zu erreichenden Wissensstand. Im Zentrum des Unterrichts steht jedoch nicht die bloße Wissensvermittlung und das
Hinarbeiten auf Tests, sondern die Entwicklung von Kompetenzen, die die Kinder in die Lage
versetzen, ihre Sprache zu verbessern, Hilfsmittel zu nutzen usw., um auch für ein lebenslanges
Lernen vorbereitet zu sein. In den JÜL- Gruppen probieren einzelne Lehrkräfte die Arbeit mit
„Lernwegen“ aus. Dies sind von den Lehrerinnen erstellte Schüler-Pläne mit zu bearbeitenden
Pflicht- und Wahlaufgaben in Arbeitsheften und mit Lernspielen. Der kollegiale Austausch ermöglicht eine ständige Weiterentwicklung der Unterrichtsmaterialien. Die überzeugende Konzeption findet sich im Unterricht allerdings nicht durchgängig wieder. Etwa 40% des besuchten
Unterrichts sind individualisiert angelegt. Die Kinder haben beispielsweise Gelegenheit, zum
Thema „Sport und Spiel“ Sportarten nach eigenen Kategorien zu sammeln und sich selbst Aufgaben zu stellen, wie beispielsweise das Ausdenken neuer Sportarten oder die Veränderung der
Regeln einer schon existierenden. Der Anteil der Problemorientierung ist im Vergleich zur letzten Inspektion etwas gestiegen, der Anteil an differenzierten Phasen jedoch gesunken.
Die Klassenräume sind so gestaltet, dass die Kinder eine lernförderliche und anregende Umgebung vorfinden. Arbeitspläne und ausgehängte Piktogramme geben den Kindern einen Rahmen
über die Aktivitäten des Tages oder darüber hinaus. Der Unterricht ist sehr motivierend und
abwechslungsreich gestaltet. Die Lehrkräfte nutzen ansprechende Materialien, sodass die Schülerinnen und Schüler interessiert mitarbeiten. Viel Wert legen die Lehrerinnen und Lehrer auf
eine korrekte Sprachverwendung und planen auch Unterrichtsphasen ein, in denen Kinder zusammen arbeiten und sprechen können. Wie bereits vor sechs Jahren gibt es jedoch selten
Lernsituationen, in denen die Schülerinnen und Schüler arbeitsteilig arbeiten können bzw.
Teamfähigkeit entwickeln können. Häufig loben die Lehrkräfte und geben konkrete Rückmeldungen zu erbrachten Leistungen, selten aber erhalten die Kinder die Möglichkeit zur Selbsteinschätzung anhand von Kriterien.
Nur einmal sah das Inspektionsteam Kinder am Computer arbeiten, obwohl fast alle Räume
mit PC ausgestattet sind. Verbindlich ist geregelt, dass ab der 4. Jahrgangsstufe alle Kinder
selbstständig mit der Leßmann-Kartei4 arbeiten und am Computer ihre Wortschatzlisten bearbeiten. Dies soll über den Fachunterricht hinaus in der SAZ erfolgen. Konzeptionelle Überlegungen zur Medienerziehung lagen dem Inspektionsteam nicht vor. Dies gilt auch für Festlegungen zur transparenten Notengebung in den Fachbereichen. Es gibt lediglich für die Klassenarbeiten eine detaillierte Bewertungsvorlage.
Über das schulinterne Curriculum mit dem übergreifenden Schwerpunkt der Sprachbildung ist
festgeschrieben, dass jedes Unterrichtsthema und jedes Projekt mit einer Form der Präsentation
durch die Schülerinnen und Schüler endet. So zeugen die Klassenzimmer, die Treppenhäuser
und die Flure von einer Vielzahl an Projekten. Zum Inspektionszeitpunkt präsentierte eine Schülergruppe die Ergebnisse des Projekts „by heart“ (auf mp3-Player gesprochene, selbst verfasste
Gedichte, Zeichnungen und Kunstobjekte) und erklärte sowohl die Kunstwerke als auch die
Vorgehensweise im Klassenverband. Gleichzeitig bedeuten diese Dokumentationen der Arbeit
Wertschätzung ihrer Leistung und führen auch zur Achtung vor den Ausstellungsstücken Anderer. Im gesamten Haus gibt es keine mutwilligen Zerstörungen oder Beschmutzungen der
Wände. Das künstlerisch-ästhetische Profil der Schule ist dem Besucher auf allen Etagen, insbe-

4

Beate Leßmann entwickelt Materialien für „individuelle Lernwege im Schreiben und Rechtschreiben“, unter anderem die „Wörterklinik“ für ein individuelles Wortschatztraining (www.beate-lessmann.de).

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sondere durch die Ergebnisse der kontinuierlichen, zum Teil auch fachübergreifenden Projektarbeit präsent.
Die Bandbreite der inhaltlichen Schwerpunkte, die sich die Schule gegeben hat, erfordert eine
zielgerichtete Führungstätigkeit. Dies hat die bisherige Schulleiterin überzeugend getan. Sie war
der Motor der Schule und hat Steuerungsstrukturen geschaffen, die große Teile des Kollegiums
in die Schulentwicklung einbezogen. Gleichzeitig hat sie stets ihre Visionen von Schule verdeutlicht. Der im Schulprogramm fixierte Entwicklungsschwerpunkt „JüL 4-6“ geht auf ihre Initiative
zurück. Jedoch hat ihr starker Wunsch, das jahrgangsübergreifende Lernen auf die Jahrgänge
4-6 zu erweitern, zu einer Polarisierung im Kollegium geführt. Die Abkürzungen JÜL und JabL
(für jahrgangsbezogenes Lernen) führten zu einer Zuordnung der einzelnen Lehrkräfte zu ihren
favorisierten Unterrichtsformen und auch zu Auseinandersetzungen untereinander. Die Lehrkräfte empfinden es jedoch als wichtig, sich auf einheitlicheres Vorgehen in allen Jahrgängen zu
einigen. Die Schule hat zwar über die Jahre einzelne Aspekte ihrer Arbeit evaluiert, jedoch geschieht dies nach 2008 nicht mehr kontinuierlich und nur mittels weniger Instrumente. Zur
Lösung des schwelenden Konflikts bezüglich der Unterrichtsform, die für die gesamte Schule
angestrebt wird, haben die Ergebnisse der Befragung im Jahr 2014 nicht beigetragen. Auch
Schülerinnen und Schüler werden kaum zum Unterricht befragt, das für diese Zwecke eingerichtete Online-Portal5 wird wenig genutzt. Die Evaluation ist noch nicht zum Bestandteil eines
Qualitätszirkels geworden, in dem getroffene Maßnahmen auf ihre Effizienz überprüft werden
und die Ergebnisse zum endgültigen Implementieren, zum Modifizieren oder zum Verwerfen
dieser führt. Studientage zu unterrichtlichen Themen und Klausurtagungen der erweiterten
Schulleitung zur Schulprogrammarbeit gehören jedoch zum Selbstverständnis der Schule. Die
schulischen Konzepte sind prägnant beschrieben und immer wieder aktualisiert worden. Die
Schule hat im Schulprogramm eine ausführliche Bestandsaufnahme der bisherigen Entwicklungsarbeit veröffentlicht, die von den vielen Aktivitäten und Maßnahmen sowie dem hohen
Engagement des Kollegiums zeugt.
Nun befindet die Carl-Kraemer-Grundschule sich in einer gewissen Umbruchsituation. Bedingt
durch Pensionierungen verjüngt sich das Kollegium. Darüber hinaus wird die gesamte Schulleitung demnächst neu besetzt. Die kommissarisch als Schulleiterin tätige Konrektorin wird von
fast allen Beteiligten als sehr offen und erfrischend beschrieben. Sie ist wertschätzend, kann
zuhören und konstruktiv mit Kritik umgehen. Lediglich das Schülerparlament vermisst ihre Anwesenheit. Ihr ist es in der kurzen Zeit an der Schule gelungen, sich einen Überblick zu verschaffen und einen Ansatz zur Lösung des benannten Konfliktes zu finden: demnächst wird
unter neuer externer Moderation ein Studientag stattfinden, der sich von der bisher gebräuchlichen Terminologie (JüL-JabL) abwendet und nach effektiven schulweiten Unterrichtsformen
sucht, die den Bedürfnissen der heterogenen Schülerschaft am besten entgegenkommen. Das
Kollegium sieht die Notwendigkeit einer Einigung selbst, ist engagiert und verfügt über die
Offenheit sowie die Kompetenz, sein Entwicklungspotenzial noch weiter zu entfalten.

5

Portal für Selbstevaluation am Institut für Schulqualität der Länder Berlin und Brandenburg e.V. (ISQ). Das ISQ
bietet sowohl Lehrkräften als auch Leitungspersonal an Schulen, auf diesem Portal die Möglichkeit, Instrumente
zur Selbstevaluation online zu nutzen und dadurch schnell und unkompliziert eine Rückmeldung zum eigenen
Handeln zu erfahren.

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4. Qualitätsprofil

6

Qualitätsbereich 1: Ergebnisse der Schule
1.1

Schulleistungsdaten und Schullaufbahn

1.3

Schulzufriedenheit und Schulimage

Qualitätsbereich 2: Unterricht/Lehr- und Lernprozesse
2.1

Schulinternes Curriculum und Abstimmung des Lehr- und Lernangebots

2.2

Unterrichtsgestaltung/Lehrerhandeln im Unterricht

2.3

Systematische Unterstützung, Förderung und Beratung

Beteiligung der Schülerinnen und Schüler und der Eltern

3.3

Gestaltung der Schule als Lebensraum

Schulleitungshandeln und Schulgemeinschaft

4.2

Schulleitungshandeln und Qualitätsmanagement

Qualitätsbereich 5: Professionalisierung und Personalmanagement
5.1

Personalentwicklung und Personaleinsatz

5.2

Arbeits- und Kommunikationskultur im Kollegium

Qualitätsbereich 6: Ziele und Strategien der Qualitätsentwicklung
6.1

Evaluation schulischer Entwicklungsvorhaben

6.2

Fortschreibung des Schulprogramms

7

B

C

D

Unterrichtsprofil

B

C

D

B

C

D

ohne Bewertung7

Bewertung
A

B

C

D

Bewertung
A

B

C

D

Bewertung

Ergänzende Qualitätsmerkmale

6

A

A

4.1

Ganztagsangebot

D

Bewertung

Qualitätsbereich 4: Schulmanagement

E.2

C

Bewertung

A

3.1

Förderung der Sprachkompetenz

B

Bewertung

Qualitätsbereich 3: Schulkultur

E.1

Bewertung
A

A

B

C

D

Das Qualitätsprofil beinhaltet verpflichtende Qualitätsmerkmale (blau unterlegt) und Wahlmodule. Hinter diesem
Qualitätsprofil verbergen sich ca. 200 Indikatoren. Die Schule erhält im ausführlichen Bericht eine detaillierte
Rückmeldung dieser Ergebnisse im Bewertungsbogen. Nähere Informationen zu den Instrumenten und den Verfahren der Berliner Schulinspektion finden Sie in unserem Handbuch im Internet unter
www.berlin.de/sen/bildung/schulqualitaet/schulinspektion
Aufgrund der sehr kurzen Amtszeit der kommissarischen Schulleiterin hat sie das Inspektionsteam entschieden, das
Qualitätsmerkmal „4.1 Schulleitungshandeln und Schulgemeinschaft“ nicht zu bewerten. Das Qualitätsmerkmal
„4.2 Schulleitungshandeln und Qualitätsmanagement“, das sich vor allem auf längerfristig angelegte Prozesse der
Qualitätsentwicklung bezieht, wird bewertet. Hierbei fließen die Entwicklungen der letzten fünf Jahr ein, die auch
von der vorherigen Schulleiterin initiiert bzw. etabliert wurden.

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5. Unterrichtsprofil
Bewertung

Unterrichtsbedingungen
A

B

C

D

vergleichend

2.2.1

Lehr- und Lernzeit

b

2.2.2

Lern- und Arbeitsbedingungen

b

2.2.3

Strukturierung und transparente Zielausrichtung

b

2.2.4

Kooperation des pädagogischen Personals

a

2.2.5

Verhalten im Unterricht

b

2.2.6

Pädagogisches Klima im Unterricht

b

2.2.7

Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft

a

Unterrichtsprozess

A

B

C

D

vergleichend

2.2.8

Förderung von Selbstvertrauen und Selbsteinschätzung

b

2.2.9

Fachimmanentes, fachübergreifendes und
fächerverbindendes Lernen

b

2.2.10 Methoden- und Medienwahl

b

2.2.11 Sprach- und Kommunikationsförderung

b

Individualisierung von Lernprozessen
2.2.12 Innere Differenzierung

b

2.2.13 Selbstständiges Lernen

b

2.2.14 Kooperatives Lernen

b

2.2.15 Problemorientiertes Lernen

c

8

Normative Bewertung

Vergleichende Bewertung

A (stark ausgeprägt)
Norm: 80 % und mehr der Bewertungen des
Qualitätskriteriums sind positiv
(bei mind. 40 % „++“).

a (vergleichsweise stark)
Der Mittelwert der Schule liegt oberhalb der durch
die Standardabweichung vorgegebenen Obergrenze

B (eher stark ausgeprägt)
Norm: Zwischen 60 % und 80 % der Bewertungen
des Qualitätskriteriums sind positiv.
C (eher schwach ausgeprägt)
Norm: Zwischen 40 % und 60 % der Bewertungen
des Qualitätskriteriums sind positiv.
D (schwach ausgeprägt)
Norm: Weniger als 40 % der Bewertungen des
Qualitätskriteriums sind positiv.

8

b (vergleichsweise eher stark)
Der Mittelwert der Schule liegt zwischen dem Berliner
Mittelwert und der Obergrenze.
c (vergleichsweise eher schwach)
Der Mittelwert der Schule liegt zwischen dem Berliner
Mittelwert und der durch die Standardabweichung
vorgegebenen Untergrenze.
d (vergleichsweise schwach)
Der Mittelwert liegt unterhalb der Untergrenze.

Die aktuellen Unterrichtsbeobachtungen werden mit dem Mittelwert von ca. 30.000 Unterrichtsbeobachtungen der
ersten Inspektionsrunde verglichen und auf der folgenden Seite grafisch dargestellt.

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6. Auswertung der Unterrichtsbesuche
(grafische Darstellung der normativen Bewertung)

100%

A/
B80%
B
60%

C
40%

D
20%

D
0%
2.2.1

2.2.2

2.2.3

2.2.4

2.2.5

2.2.6

2.2.7

++

2.2.8

+

-

2.2.9

2.2.10

2.2.11

2.2.12

2.2.13

2.2.14

2.2.15

--

7. Auswertung der Unterrichtsbesuche
(grafische Darstellung der vergleichenden Bewertung Schule - Berlin)

4,00

3,50

3,00

2,50

2,00

1,50

1,00
2.2.1

2.2.2

2.2.3

2.2.4
Berlin MW

2.2.5

2.2.6

2.2.7

2.2.8

Berlin untere Grenze

Seite 8/9

2.2.9

2.2.10

Berlin obere Grenze

2.2.11

2.2.12

2.2.13

01G32 MW

2.2.14

2.2.15

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8. Standortbeschreibung
Das Schulhaus befindet sich in einem guten baulichen Zustand. Die hell gestrichenen Flure des drei
Etagen umfassenden Gebäudes sind mit Schülerarbeiten und Auszeichnungen für erfolgreiche Teilnahmen an Projekten und Wettbewerben illustriert. Vom Keller bis in die dritte Etage werden alle
zur Verfügung stehenden Räume genutzt. Die Klassenräume sind häufig mit Stühlen ausgestattet,
deren höhenverstellbare Fußteile es ermöglichen, die ergonomischen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler zu berücksichtigen. Dreieckige Tische lassen unterschiedlichste Sitzordnungen
und eine flexible Klassenraumgestaltung zu. Die Räume verfügen über mindestens einen Computer
mit Internetanschluss, drei Räume sind mit interaktiven Whiteboards ausgestattet. Ein Computerraum ist mit 13 Arbeitsplätzen für die Schülerinnen und Schüler sowie einem für die unterrichtende Lehrkraft ausgestattet. Alle Rechner verfügen über einen Internetanschluss. Die große, teilbare
Aula mit Bühne, Beleuchtungstechnik und Beamer schafft Raum für Theater- und Musikaufführungen. Da die Aula viel Platz bietet, ist die Trennwand meist geschlossen und eine Hälfte des Raumes
wird als Atelier im Rahmen des Kunstunterrichts genutzt.
Das Büro der Schulleiterin, das Sekretariat und der Personalraum befinden sich ebenso im Erdgeschoss wie das Büro der Hausmeisterin und der Raum für die Streitschlichterinnen und Streitschlichter. Der Raum für den naturwissenschaftlichen Unterricht verfügt über Strom- und Wasseranschlüsse und bietet 24 Schülerinnen und Schülern Platz. Im Keller sind ein Musikraum für die
Trommel-AG, eine Computerraum für die Robotik-AG, ein Kunstraum, eine Keramikwerkstatt mit
Brennofen sowie eine Holzwerkstatt untergebracht.
Der Sportunterricht findet für die Kinder der jahrgangsübergreifenden Klassen 1-3 in einer kleinen,
vollausgestatteten Turnhalle im Schulgebäude statt. Die über eine Treppe mit der Turnhalle verbundenen Umkleidekabinen befinden sich in der 1. Etage und im Erdgeschoss. Die Klassen 4-6 nutzen
eine externe Halle.
Auf zwei Schulhöfen mit Klettergerüsten, Tischtennisplatten, einer Kletterwand, Sandkästen, einem
Fußballfeld und vielen Sitzgelegenheiten können sich die Schülerinnen und Schüler viel bewegen
und entspannen. Der Kunststoffbelag des Fußballfeldes hebt sich an einigen Stellen und stellt
ebenso wie die sich teilweise lösenden Pflastersteine eine Unfallgefahr dar. In einem Schuppen
werden Spielgeräte wie z. B. Bälle und Tischtenniskellen für eine aktive Pausengestaltung aufbewahrt, die von Kindern ausgegeben und eingesammelt werden.
Im Freizeitbereich können die Lernenden in insgesamt fünf Räumen Theater-, Tanz- und Musikangebote wahrnehmen, mit Lego und diversen Mal- und Bastelutensilien kreativ sein. Im SnoezelenRaum9 können die Schülerinnen und Schüler auf Matratzen in gemütlichen, durch herabhängende
Laken als Sichtschutz abgetrennten Bereichen bei Musik entspannen. Im Raum der „Sozialen Gruppe“ und im EPU -Raum werden Kinder betreut, die Unterstützung in ihrer sozial- emotionalen Entwicklung benötigen. Im Bewegungsraum mit Sport- und Spielgeräten werden sowohl Freizeitangebote unterbreitet als auch Bewegungsangebote für Schülerinnen und Schüler geschaffen, die eine
Unterbrechung der sitzenden Tätigkeit benötigen. Neben den mit umfangreichen Lernmaterialien
ausgestatteten Klassenräumen sind zwei Räume für die Kinder der Klassen 4-6 als Freizeiträume
eingerichtet und mit Couch, Billard- und Kickertisch sowie einer Dartscheibe ausgestattet. Der sogenannte „Club-Raum“ verfügt über eine Küche und wird von der Koch-AG im Rahmen der außerunterrichtlichen Förderung und Betreuung genutzt. Ein gegenüberliegender Raum steht für Sitzungen des Fördervereins und für Workshops der Streitschlichterinnen und Streitschlichter zur Verfügung. Auf den Etagen gibt es jeweils entweder nur eine Jungen- bzw. Mädchentoilette, so dass
der Gang zum WC teilweise mit längeren Wegen verbunden ist. Im gesamten Schulhaus und auf
den Schulhöfen finden sich keine Verschmutzungen oder Beschädigungen.
9

Raum zum Entspannen und Wohlfühlen.
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