Publication:
2019
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15364825
Path:
Ganghofer
Erwachsenenbildung

Frühjahr 2019

Mit
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ein oft zitierter Spruch lautet: „Wissen ist Macht.“ Was schlau machen kann, hat es leichter, in der

Liebe Anwohnerinnen und Anwohner,

soviel heißt wie: Wer nichts weiß, ist machtlos. Erfahrungen, die früher oder später (fast) alle einmal machen:
Im Gespräch dumm dastehen, wenn man keine Ahnung
hat. Beim Arzt oder auf dem Amt zu allem Ja und Amen
sagen, weil man seine Rechte nicht kennt. Oder in Panik
zu verfallen, weil man nicht weiß, wo man Hilfe holen
kann, wenn man sie braucht. Wer umgekehrt in vielen
Dingen Bescheid weiß oder eben weiß, wo man sich

Gesellschaft zurecht zu kommen und kann
selbstbewusster auftreten.
Das Projekt „Kiezakademie“ hat genau dieses im Blick:
Wissen zu vermitteln und ein Netzwerk aufzubauen, das
Hilfe und Beratung bietet. Mehr dazu im Innenteil des
Heftes. Außerdem: der geplante Knotenpunkt Schule am
Hertzbergplatz und die Verstetigung von Projekten.

Drei Projekte dauerhaft gesichert
Bezirksamt und Comenius-Garten übernehmen die Finanzierungen
oder aus anderen Töpfen möglichst dauerhaft finanziert werden.
Bei drei Projekten, die zuvor aus Mitteln des Programms Soziale Stadt gefördert wurden, ist dies nun
der Fall. Das Jugend- und Freizeitprojekt „Street
Players und Ganghofer Girlzz“ wird zukünftig vom
Jugendamt Neukölln finanziert. Träger ist nach wie
vor das Nachbarschaftsheim Neukölln. Das Projekt hat sich in den vergangenen Jahren erfolgreich
als (oftmals einzige) Anlaufstelle für Kinder und
Jugendliche im Kiez etabliert. Das zweite Projekt,
das in die Regelfinanzierung übergeht, sind die
Kreativ-Werkstätten im KinderKünsteZentrum.
Fußball-Turnier der Street Players auf dem Anzengruber Bolzplatz 2017.
In den Werkstätten werden Eltern und Kinder aus
Nord-Neukölln unter professioneller Anleitung
Eine zentrale Aufgabe des Quartiersmanagements ist es, Pro- gemeinsam künstlerisch tätig. Finanziert werden diese zukünfjekte und Initiativen zu fördern, die die Lebensqualität im Kiez tig vom Kulturamt Neukölln.
verbessern. Das können Bildungs- und Freizeitprojekte sein, Das dritte Projekt sind die Forschungen im Comenius-Garten,
Nachbarschaftsaktionen oder Investitionen in die Infrastruk- bei denen Kinder gemeinsam mit Wissenschaftlern naturwistur. Die Förderung wird dabei als Anschubfinanzierung bzw. senschaftlichen oder philosophischen Fragen nachgehen. Der
als Unterstützung zur Selbsthilfe verstanden: Nach Ende der Comenius-Garten trägt die Forschungen ab 2019 selbst.
Förderung sollten die Projekte alleine weiterbestehen können
.
M. Hühn
Foto: Street Players

Gang­hofer

„Wissen ist Macht“
Das Projekt Kiezakademie vermittelt Alltagswissen und Kontakte

Clara Steinke vom Beteiligungsbüro Mitreden in Neukölln und Canan Altun von aussichtsreich e. V. auf einer Veranstaltung im Elterncafé der
Yeni Moschee. Thema war „Mitbestimmung von Eltern in der Schule“. (Foto: aussichtsreich e.V.)

Es war ein Moment gemeinschaftlichen Erschreckens, als ein
Vater von der Handy-Rechnung erzählte, die durch die OnlineSpiele seines Sohnes zustande gekommen war. Über 1.000 Euro
standen da zu Buche. Eine Zahl, die alle Eltern erzittern ließ,
deren Kinder demnächst ins Handy-Alter kommen oder schon
mittendrin sind. Eine Wiederholung ist in dem betreffenden
Fall ausgeschlossen, und der Sohn stottert jetzt brav die Summe
ab, die Betroffenen hätten auf dieses Lehrstück aber gerne verzichtet.
Die Botschaft dahinter kam bei allen Zuhörerinnen und Zuhörern im Islamischen Kultur- und Erziehungszentrum (IKEZ)
in der Finowstraße freilich eindrucksvoll an: Es kann alle treffen, die von den Fallstricken im Handy-Spiele-Geschäft keine
Ahnung haben.

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Etwa 30 Interessierte waren zu dem Infoabend ins IKEZ
gekommen, um sich über die Gefahren digitaler Medien zu
informieren. Als Referentinnen waren Lydia Römer und Anna
Freiesleben von der Fachstelle für Suchtprävention im Land
Berlin zu Gast. Die Fachstelle setzt sich seit 2005 im Auftrag
der Senatsverwaltung für Gesundheit dafür ein, Suchtmittelkonsum und riskantes Verhalten zu reduzieren. Eingeladen hatten
zu der gut besuchten Veranstaltung das IKEZ und das Projekt
„Kiezakademie“ des Vereins aussichtsreich e.V., der seit März
letzten Jahres Bildungsveranstaltungen im Kiez organisiert.
Finanziert wird die Kiezakademie vom Quartiersmanagement
Ganghoferstraße aus Mitteln des Programms Soziale Stadt.
„Es geht darum, Wissen zu vermitteln. Das betrifft z.B. das
Wissen über Handy-Verträge oder darüber, wie man reagieren

Kiezinfo

kann, wenn das eigene Kind von einer hohen Rechnung betroffen ist. Es betrifft aber auch Wissen über Behörden, über das
Bildungs- oder das Gesundheitssystem. Nur wer das Gefühl hat,
seine oder ihre Rechte zu kennen, kann sie auch wahrnehmen
und fühlt sich nicht machtlos“, beschreibt Projektleiterin Christine Haida die Grundidee der Kiezakademie.
Auslöser des Projektes ist die Beobachtung, dass manche Familien im Kiez wenig Wissen in diesen Bereichen haben und es
deshalb schwerer fällt, am öffentlichen Leben teilzunehmen.
„Wenn man seine PatientInnen-Rechte nicht kennt oder nicht
weiß, wie man mit kostenpflichtigen Zusatz-Leistungen umgehen soll, fühlt man sich schnell ausgeliefert und kann schwerer Entscheidungen treffen“, erzählt Christine Haida. Hinzu
komme, dass schnell Berührungsängste entstünden, wenn die
eigene Bildung bzw. das Alltagswissen gering sei.
Die Einstellung führt dazu, dass sich manche MigrantInnen nur
in der eigenen Community bewegen und eher zögerlich oder
überhaupt keinen Kontakt zu Außenstehenden aufbauen.
Die Veranstaltungen der Kiezakademie finden in Einrichtungen
wie der Yeni-Moschee in der Richardstraße, dem Deutsch-Arabischen Zentrum (DAZ) in der Uthmannstraße, dem MutterKind-Treff Shehrazad in der Roseggerstraße oder im bereits
erwähnten IKEZ statt.
Die Veranstaltungen sind normalerweise öffentlich, es gibt
aber auch Themen, bei denen ein geschützter Rahmen oder die
Beschränkung auf Frauen sinnvoll ist, wie beim Infonachmittag
zum Thema „Wie schützen wir unsere Kinder vor sexuellem
Missbrauch?“ des Vereins Strohhalm e.V. im Shehrazad.
Die Kiezakademie setzt bei solchen Veranstaltungen auf die
Fachkompetenz externer Personen und Einrichtungen wie
eben Strohhalm e.V. oder der Fachstelle für Suchtprävention.
Als Nebeneffekt werde, so Christine Haida, das Bewusstsein
dafür geschärft, dass es für fast alle Problemlagen in Berlin auch
Anlaufstellen und Ansprechpartner gebe.
So habe sich mittlerweile ein Netzwerk rund um den Kiez
entwickelt, zu dem das Gesundheitskollektiv Berlin auf dem
Kindl-Gelände oder der Verein Inssan e.V. gehören, der sich
gegen Diskriminierung und Islamfeindlichkeit einsetzt.
Zusammen mit der Juristin Zeynep Cetin von Inssan plant aussichtsreich e.V. momentan eine Veranstaltung im IKEZ, bei der
es um rechtlichen Diskriminierungsschutz geht. „Die Frauen im

IKEZ würden gerne mehr darüber wissen, welche Konsequenzen das Tragen von Kopftüchern im Arbeitsleben für sie und
ihre Töchter hat. Können sie Lehrerinnen werden, wie ist es im
öffentlichen Dienst, wie ist es als Juristin oder Ärztin?“, erzählt
Christine Haida. Viele der Frauen hätten selbst schon Erfahrungen mit Diskriminierung gemacht und „manche Frauen, mit
denen ich gesprochen habe, sind der Meinung, dass Diskriminierung in Deutschland nicht verboten ist.“
Unabhängig davon, wie man Integration definiert, hat eine
solche Sichtweise die Konsequenz, dass sich ein gleichberechtigtes Miteinander nur schwer entwickeln kann.
Während das Thema „Diskriminierung und Kopftuch“ von
den IKEZ-Frauen selbst vorgeschlagen wurde, ist es oft auch
Christine Haida, die Themen vorschlägt und neue Formate ausprobiert. Für manche Themen ist ein großer Info-Abend sinnvoll, für andere eignet sich ein bereits existierendes Treffen wie
das wöchentlich stattfindende Frühstück des Begegnungscafés
im DAZ. Manche Konzepte funktionieren auf Anhieb, andere
müssen nachjustiert werden. „Die Veranstaltungen haben
Modell-Charakter: Welche Bedürfnisse hat die Zielgruppe, welches Format erreicht sie am besten?“, erklärt Haida.
Unterstützt wird sie seit Oktober von der Politologin und Erziehungswissenschaftlerin Ghayad Alhashmy, die fließend Arabisch
spricht. „Ghayad ist eine riesige Bereicherung, weil sie andere
Perspektiven mitbringt und oft auch leichter Zugang findet“, so
Haida. Umgekehrt sei sie selbst bei manchen Frauen die einzige
Deutsche, die diese kennen würden. „Das Interesse ist dann
groß und ich werde oft Sachen gefragt, die die Frauen sonst
niemanden fragen können. Grundsätzlich kommt es darauf an,
eine Tür aufzumachen und Brücken zu bauen.“
Das langfristige und nachhaltige Ziel der Kiezakademie ist es,
dass die einzelnen Einrichtungen eigenständig Veranstaltungen
organisieren und ein Netzwerk ausbauen und pflegen.
Allen Beteiligten ist freilich klar, dass dies entscheidend von
personellen Kapazitäten abhängt. Manchmal reicht es, dass ein,
zwei Menschen die Sache in die Hand nehmen, und sich um
Veranstaltungen oder Kontakte kümmern. M. Hühn

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Knotenpunkt Schule
Die ehemalige Hausmeisterwohnung der Eduard-Mörike-Schule wird zum Treffpunkt

Das Interkulturelle Begegnungszentrum
öffnet sich für alle Nachbarinnen und
Nachbarn der Eduard-Mörike-Schule.

Foto: M. Hühn

Rechts vom Hofeingang der Eduard-Mörike-Schule steht das ehemalige Hausmeisterhaus. Das zweigeschossige Gebäude wurde
2018 aus Mitteln des Baufonds des Programms Soziale Stadt renoviert und umgebaut. Seitdem wird das Haus von der Schulsozialarbeit genutzt. Momentan befinden sich in der oberen Etage des
„Interkulturellen Begegnungszentrums“ - so der neue Name des
Hausmeisterhauses - die Büros des Trägers Lebenswelt gGmbH,
in der unteren Etage hat das Elterncafé seinen Sitz.
Zukünftig wird Lebenswelt sein Angebot über die Schule hinaus
erweitern: Das neue, im Februar startende Projekt „Knotenpunkt Schule“ will auch jene Menschen ansprechen, die in der
Nachbarschaft wohnen und keine Kinder an der Eduard-Mörike-Schule haben. Räumlich ist das Projekt im „Interkulturellen
Begegnungszentrum“ angesiedelt, das sich dadurch zu einem
Nachbarschaftszentrum entwickeln soll. Finanziert wird es vom
Quartiersmanagement Ganghoferstraße aus Mitteln des Programms Soziale Stadt.
In der Gegend rund um den Hertzbergplatz wohnen Menschen
unterschiedlichster Nationalitäten, die allerdings nur wenige
gemeinsame Berührungspunkte haben, die Gruppen bleiben in
der Regel unter sich. Anders verhält es sich bei den SchülerInnen,
die in der Schule leichter miteinander in Kontakt kommen und

Impressum
ViSdP: Mathias Hühn

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Redaktion/Layout:
Mathias Hühn

weniger Probleme haben, kulturelle oder sprachliche Barrieren zu
überwinden.
Die Idee von „Knotenpunkt Schule“ ist es, einen Begegnungsraum
zu schaffen und Menschen zusammen zu bringen, indem sie
gemeinsam etwas unternehmen. Zwar verfolgt das Elterncafé
ein ähnliches Konzept, es wird aber hauptsächlich von Müttern
besucht, deren Kinder an der Schule unterrichtet werden. Das
neue Angebot richtet sich explizit an alle NachbarInnen und hat
auch die Männer im Blick: „Wir planen spezielle Angebote für
Väter mit ihren Kindern, z.B. Sport in der angrenzenden Turnhalle“, erläutert Dietmar Beese, Projektleiter von Lebenswelt.
Bezüglich der Planung von Angeboten kann der Träger auf
eine mehr als zehnjährige Erfahrung zurückblicken. Bewährt, so
Beese, hätten sich in der Vergangenheit vor allem kreative Angebote, Sport und gemeinsames Kochen. Perspektivisch können
AnwohnerInnen die Räume aber auch für eigene Angebote nutzen.
Die Bereitschaft der NachbarInnen, sich zu engagieren, sei auf
jeden Fall vorhanden, erzählt Beese. Gespräche während des Flohmarktes auf dem Hertzbergplatz im Herbst 2018 hätten gezeigt,
dass es bei vielen ein Interesse gebe, sich zu engagieren. „Wir
müssen jetzt Werbung machen und die Menschen ansprechen“, so
Beese über die nächsten Schritte. M. Hühn

Auflage: 2000 St.
Druck: Druckerei Ronald Fritzsch

Kontakt: QM Ganghoferstraße
Donaustr. 78, 12043 Berlin, www.qm-ganghofer.de
                            
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