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Full text: Suchtbericht ... Issue 2016

Suchtbericht 2016

Dezernat Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule/Gesundheitsamt

Impressum:
Herausgeber:

Verantwortlich:
Redaktion:

Stadt Leipzig
Der Oberbürgermeister
Dezernat Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule
Gesundheitsamt
Dr. Regine Krause-Döring
Sylke Lein, Ina Stein, Manuela Hübner

Druck:
Redaktionsschluss:
Foto Deckblatt:

Hauptamt, Zentrale Vervielfältigung und Formularservice
31. Mai 2016
https://pixabay.com

2

Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,
auch in diesem Jahr veröffentlichen wir mit vorliegendem Suchtbericht Daten der ambulanten und
stationären Suchthilfe, von Projekten der Suchtprävention sowie des Ordnungsamtes und der
Polizeidirektion Leipzig.
Im Jahr 2015 lag die Zahl der Crystalabhängigen
erstmals über der Zahl der Opiatabhängigen.
Angebote für diesen Bereich konnten ausgebaut
werden. Auf Grundlage des 10-Punkte-Plans zur
Prävention und Bekämpfung des Crystalkonsums der Landesregierung wurden auch in Leipzig zusätzliche Angebote für Menschen geschaffen, die Crystal konsumieren. Diese sind niederschwellig und setzen in den Lebenswelten der
Betroffenen an.
Zugleich dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren,
dass missbräuchlicher und abhängiger Alkoholkonsum nach wie vor das größte Problem sind.

Die rege Beteiligung und die kreativen Beiträge im Rahmen des alkoholfreien Cocktailwettbewerbes ShakeStar haben viel Aufmerksamkeit erregt. Diese Aktion hat einmal mehr
unterstrichen, dass wir Kinder und Jugendliche in der interaktiven Auseinandersetzung
mit diesem Thema gut ansprechen und erreichen können.
Wir haben in diesem Suchtbericht der Selbsthilfe einen größeren Platz eingeräumt. Selbsthilfe ist ein unerlässlicher Bestandteil der
Suchthilfe, und wir können in Leipzig auf ein
breit gefächertes Angebotsspektrum hinweisen.
Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre
und freue mich, wenn wir auch darüber in
einen fachlichen Diskurs eintreten können.

Um einem manifestierten Konsum frühzeitig vorzubeugen, bleiben Kinder und Jugendliche eine
wichtige Zielgruppe der Präventionsarbeit.
Prof. Dr. Thomas Fabian
Bürgermeister und Beigeordneter für Jugend,
Soziales, Gesundheit und Schule

3

Inhaltsverzeichnis
1

Schlaglichter

7

1.1

Ambulante Suchtkrankenhilfe

7

1.2

Aussagen aus den stationären Bereichen

8

1.3

Repression und Angebotsreduzierung

8

1.4

Suchtprävention

8

1.5

Jugendstudie 2015

8

2

Projekte im Arbeitsbereich Suchtbeauftragte

9

2.1

DRUCK-Studie „Drogen- und chronische Infektionskrankheiten in Deutschland“

9

2.2

Leipziger Reihe für Suchtprävention

11

2.3

HaLT

12

2.4

ShakeStar

13

3

Suchtprävention und Vernetzung zur Jugendhilfe

14

3.1

Angebote der Stadt Leipzig

14

3.1.1

Kinder- und Jugendschutz

14

3.1.2

Sachgebiet Straßensozialarbeit im Amt für Jugend, Familie und Bildung

17

3.1.3

Allgemeiner Sozialdienst

20

3.2

Suchtprävention an der Sächsischen Bildungsagentur, Regionalstelle Leipzig

22

3.3

Angebote freier Träger

23

3.3.1

Jugendhaus Leipzig e. V. – Jugendberatungsstelle „jUkON“

23

3.3.2

Diakonisches Werk, Innere Mission Leipzig e. V. Projekt Drahtseil

26

3.3.3

Deutscher Kinderschutzbund Ortsverband Leipzig e. V.

27

3.3.4

SZL Suchtzentrum gGmbH/Drug Scouts

32

4

Suchtkrankenhilfe

34

4.1

Suchtberatungsstellen in der Stadt Leipzig

34

4.1.1

Versorgungssituation

34

4.1.2

Klienten in den Suchtberatungs- und Behandlungsstellen

35

4.1.3

Diagnosen und Hauptsubstanzen

36

4.1.4

Substitutionsbehandlung

38

4.1.5

Altersverteilungen

39

4.1.6

Berufliche Situation und überwiegender finanzieller Unterhalt der Klienten

41

4.1.7

Herkunft der Klienten / Staatsangehörigkeit

42

4.1.8

Einige Leistungsarten

42

4.1.9

Fachbereich Familienhilfe des Zentrums für Drogenhilfe

43

4

4.2

Projekt DRAHTSEIL des Diakonischen Werkes Innere Mission Leipzig e. V.

44

4.2.1

Beratungsangebot des Projektes

44

4.3

Stationäre Einrichtungen

47

4.3.1

HELIOS Park-Klinikum Leipzig

47

4.3.2

Sächsisches Krankenhaus Altscherbitz, Fachkrankenhaus für Psychiatrie und
Neurologie in Schkeuditz

50

4.3.3

Städtisches Klinikum "St. Georg" Leipzig/Klinik für Forensische Psychiatrie

51

4.3.4

Forensische Nachsorgeambulanz der Klinik für Forensische Psychiatrie

52

4.4

Straßensozialarbeit

53

4.4.1

Straßensozialarbeit für drogenabhängige erwachsene Menschen

53

4.4.2

Straßensozialarbeit für alkoholkranke erwachsene Menschen

54

5

Vernetzung Suchtkrankenhilfe und Wohnhilfen

56

5.1

Ambulant betreutes Wohnen

56

5.1.1

Alkoholbereich der SZL Suchtzentrum gGmbH

56

5.1.2

Drogenfreie Wohngemeinschaften der SZL Suchtzentrum gGmbH

57

5.1.3

Diakonisches Werk, Innere Mission Leipzig e. V.

59

5.2

Stationäre Wohnformen

60

5.2.1

Wohnprojekt „Haus Alt-Schönefeld“ am Zentrum für Drogenhilfe

60

5.2.2

Wohnprojekt „Domizil“ der SZL Suchtzentrum gGmbH

62

5.2.3

Verein zur sozialen Rehabilitation von Abhängigkeitskranken (VRA) e. V.

63

5.2.4

Maternus Pflegecentrum Maximilianstift

64

5.3

Notunterbringung

64

5.3.1

Notschlafstelle für drogenabhängige Menschen in der „Alternative I“

64

5.3.2

Übernachtungshaus für wohnungslose Männer

66

6

Arbeit und Beschäftigung

69

6.1

Zentrum für Drogenhilfe

69

6.1.1

AGH-MAE „BuP – Beschäftigung und Perspektive“ im „Haus Alt-Schönefeld“

69

6.1.2

„teamWENDEPUNKT“ in der SBB „Alternative II“

69

7

Selbsthilfe und Ehrenamt

70

7.1

Sucht-Selbsthilfe

71

7.1.1

„Regenbogen“

71

7.1.2

Ortsverein Blaues Kreuz Leipzig e. V.

72

7.1.3

Die Anonymen Alkoholiker

73

7.2

Ehrenamt in der Suchtkrankenhilfe

73

8

Maßnahmen des Ordnungsamtes der Stadt Leipzig

75

5

9

Rauschgiftlagebild der Polizeidirektion Leipzig 2015

81

9.1

Rauschgiftkriminalität

81

9.1.1

Beschaffungskriminalität

82

9.1.2

Fallentwicklung der Rauschgiftdelikte

83

9.1.3

Sicherstellungsmengen

83

9.2

Tatverdächtigenstruktur

85

9.3

Rauschgifttote

85

9.4

Lokale Schwerpunkte

86

9.5

Prävention

87

9.6

Prognosen und Maßnahmebedarf

87

Tabellenverzeichnis

88

Abbildungsverzeichnis

89

6

1 Schlaglichter
1.1 Ambulante Suchtkrankenhilfe
2015 wurden 4.260 Klientinnen und Klienten mit Alkohol- und Drogenproblemen, bei Glücksspielsucht
und/oder übermäßigem Medienkonsum sowie deren Angehörige in den Suchtberatungs- und Behandlungsstellen beraten.
Unter den Klientinnen und Klienten in Leipziger Suchtberatungs- und Behandlungsstellen befanden
sich 3.736 Bürger, die selbst von einer Suchterkrankung betroffen waren. Es handelte sich um 1.109
Frauen und 2.627 Männer. Hauptproblembereiche waren substanzbezogene Störungen (Alkohol, Medikamente und andere Drogen) sowie verhaltensbedingte Süchte (hauptsächlich Glücksspielsucht).
524 Bürger kamen als Angehörige zur Beratung, darunter 399 Frauen und 125 Männer.
Die Zahl der Klienten und Klientinnen in den Beratungsstellen hat zugenommen. Trotz der guten Versorgungssituation in Leipzig im Verhältnis zu anderen Regionen in Sachsen konnte die Nachfrage
nach kurzfristigen Beratungsterminen nicht erfüllt werden. Die Wartezeiten für die Vergabe von Erstgesprächen beliefen sich auf zwei bis sechs Wochen.
Die Mehrheit der Betroffenen konsumierte mehr als eine Substanz (Alkohol oder Drogen). Klienten mit
einer Alkoholabhängigkeit oder Glücksspielsucht missbrauchten häufig zusätzlich Alkohol, Medikamente und Drogen. Die Kombination von Substanzmissbrauch und Medienabhängigkeit stieg vor allen
in den jüngeren Klientengruppen.
Die Zahl der Beratungsgespräche zu Drogenproblemen stieg stetig an, demgegenüber sank die Zahl
derer, die primär wegen Alkoholproblemen versorgt werden konnten.
Stimulanzien: Es zeigte sich eine deutliche Verschiebung der Diagnosen in den Suchtberatungs- und
Behandlungstellen zugunsten der Menschen mit Stimulanzienabhängigkeit („Crystalkonsum“). Diese
Klientengruppe hat sich um das Zwölffache vergrößert und führte zu einer vielfachen Veränderung der
Aufgabenfelder der Suchtberater und Therapeuten.
Cannabis: Nachdem die Diagnosehäufung bis 2014 auf gleichem Niveau pendelte, stieg die Zahl der
Konsumenten mit dieser Hauptdiagnose wieder leicht an. Vor allem unter jungen Klientengruppen sind
steigende Tendenzen und Kombinationen mit anderen Drogen oder Medienmissbrauch zu beobachten.
Opioide (meist Heroin): Die Hauptdiagnose Heroinabhängigkeit fiel weiter geringfügig zurück. Heroin
wurde weiterhin konsumiert, trat aber sehr häufig in Kombination mit Stimulanzienabhängigkeit auf.
Die Mehrfachabhängigkeit wird in der Statistik nicht abgebildet.
Alkohol: Der rückläufige Trend dieser Diagnose spiegelt die sich über Jahre veränderte Versorgungssituation von Menschen in Suchtberatungsstellen wider. Durch den steigenden Bedarf werden mehr
Menschen mit Drogenabhängigkeit betreut. Mit längeren Wartezeiten im Aufnahmeprozess kommt es
zu einer Verschiebung der Klientengruppen und es werden zunehmend mehr drogenabhängigen Menschen betreut.

7

1.2 Aussagen aus den stationären Bereichen
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am HELIOS
Park-Klinikum Leipzig
Im Vergleich zu 2014 hat die Anzahl der Kinder und Jugendlichen mit der Hauptdiagnose Cannabis zugenommen. Die Jugendlichen mit polytoxikomanem Konsum angegebenen Jugendlichen haben Crystal und Cannabis auf Abhängigkeitsniveau konsumiert.
Sächsisches Krankenhaus Altscherbitz, Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie in
Schkeuditz
Der Gesamtzustand der Patientinnen und Patienten hat sich deutlich verschlechtert. Reine Opiatabhängige fanden sich nur noch wenige unter den Aufgenommenen. Auch die Hauptdiagnose Cannabinoide waren nur in geringer Zahl vertreten. Die Klinik berichtet, dass sich viele Cannabisabhängige in
der Gruppe der multiplen Substanzgebraucher befanden, insbesondere in der Gruppe der 26- 40-Jährigen.
Bei multiplen Substanzgebrauchern fanden sich erstmals viele sehr junge Patientinnen und Patienten.
Gegenüber früheren Beobachtungszeiträumen wurden kaum noch opiatabhängige, dafür viel mehr
crystalabhängige Menschen behandelt.

1.3 Repression und Angebotsreduzierung
Laut Polizeilicher Kriminalstatistik wurden im Jahr 2015 im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion
Leipzig im Stadtgebiet 1.434 Fälle erfasst (2014: 1.888). Der Anteil der Rauschgiftdelikte an der Gesamtkriminalität lag bei 1,9 % und war damit im Vergleich zum Vorjahr (2,4 %) rückläufig.
Im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Leipzig wurden im Jahr 2015 neun Rauschgifttote (2014:
fünf) registriert.

1.4 Suchtprävention
Neben den bewährten Ansätzen und Maßnahmen der Suchtprävention fand 2015 erstmalig ShakeStar,
ein Wettbewerb für alkoholfreie Cocktails, statt. 14 Teams und Einzelpersonen traten gegeneinander
an und wetteiferten um den besten Cocktail, der schließlich von einer professionell angeleiteten Jury
gekürt wurde. Die Veranstaltung war sehr erfolgreich und wurde von allen Akteuren als unbedingt zu
wiederholen bewertet. Wie der Wettbewerb war auch der Bau einer mobilen Bar, die für alkoholfreie
Veranstaltungen in Schule und Jugendhilfe kostenlos ausgeliehen werden kann, wesentlicher Bestandteil des proaktiven Bausteines im HaLT-Projekt 2015. Beide Maßnahmen tragen dazu bei, für eine verantwortungsbewusste Partykultur, die sich nicht allein über den zur Verfügung gestellten Alkohol definiert, zu werben.

1.5 Jugendstudie 2015
Das Amt für Jugend, Familie und Bildung veröffentlichte mit der 5. Auflage der Jugendstudie erneut die
Ergebnisse einer umfassenden Befragung von Schüler/-innen in Leipzig. Erhoben wurden u. a. verschiedene Daten zum Substanzkonsum. Der regelmäßige Alkoholkonsum von Jugendlichen von 12
bis 17 Jahren lag mit 15 % zwei Prozentpunkte über dem bundesdeutschen Durchschnitt. Besonders
auffällig war, dass es unter Gymnasiasten weniger Nichttrinker gab als unter Schüler/-innen anderer
Schulformen.
8

Erfreulicherweise ist der Anteil der Nichtraucher im Vergleich zu 2010 von 63 % auf 73 % gestiegen.
Cannabis haben bereits 24 % der Jugendlichen einmal probiert. Die Anzahl der Jugendlichen bis 18 Jahre, die bereits Cannabis konsumiert haben, ist im Vergleich zu 2010 um sechs Prozentpunkte auf 19 %
gestiegen und lag elf Prozentpunkte über dem bundesweiten Durchschnitt. Diese und weitere Ergebnisse
fließen in die Planung suchtpräventiver Aktivitäten ein und sind nachzulesen unter:
www.http://www.leipzig.de/fileadmin/mediendatenbank/leipzig-de/Stadt/02.1_Dez1_Allgemeine_Verwaltung/12_Statistik_und_Wahlen/Stadtforschung/Jugend_in_Leipzig_2015.pdf

2 Projekte im Arbeitsbereich Suchtbeauftragte
2.1 DRUCK-Studie „Drogen- und chronische Infektionskrankheiten in
Deutschland“
Das Robert-Koch-Institut führte in Kooperation mit Einrichtungen der Drogenhilfe ab April 2012 für drei
Jahre eine Studie bei intravenös Drogen konsumierenden Menschen durch. Bei der DRUCK-Studie
handelte es sich um einen Sero- und Verhaltenssurvey bei injizierenden Drogengebraucher/-innen, der
in mehreren Städten in Deutschland mit größeren Drogenszenen erfolgte. Die DRUCK-Studie wurde
vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert.
Ziel der Studie war die Gewinnung von Informationen zu Infektionsrisiken und Verhaltensweisen von
Menschen, die sich Drogen spritzen. Außerdem sollte durch eine Untersuchung von Blutproben festgestellt werden, wie häufig Infektionskrankheiten vorkommen, die durch Drogenkonsum oder sexuell
übertragen werden können. Es handelt sich dabei
um Hepatitis B, Hepatitis C und HIV.

DRUCK-Studie in Leipzig – Zusammenfassung:
Das Gesundheitsamt hat an der DRUCK-Studie mitgewirkt. Die Datenerhebung fand vom 25.10. bis
04.12.2012 an vier Tagen pro Woche statt. In diesem Studienzeitraum konnte an 21 Studientagen die
Datenerhebung für die DRUCK-Studie durchgeführt werden. Unmittelbar vor Beginn der Rekrutierungsphase wurden alle Mitarbeiter/-innen, die an der DRUCK-Studie beteiligt waren, für ihre jeweiligen Funktionen (Studienleitung, Couponmanagement, Testberatung, Interview und Studienärztin) von
Mitarbeiter/-innen des Robert-KOch-Institutes geschult.
Methoden:
Intravenös konsumierende Drogenabhängige, die innerhalb der letzten 12 Monate in Leipzig Drogen
gespritzt haben und mindestens 16 Jahre alt waren, wurden von Oktober bis Dezember 2012 durch ein
modifiziertes Schneeballverfahren rekrutiert und in zwei Leipziger Beratungsstellen der Straßensozialarbeit untersucht.

9

Neben einem ausführlichen fragebogengestützten Interview wurden Kapillarblutproben auf Filterpapier
getropft und anonym auf Marker für HIV, HCV und HBV untersucht.
Den Teilnehmer/-innen wurde ein anonymer HIV-Schnelltest angeboten, zusätzlich bestand die Möglichkeit, die Ergebnisse der HIV- und HCV-Testungen in einem Beratungsgespräch zu erfahren.
Ergebnisse (Abkürzungen s. Abkürzungsverzeichnis S. 11):
Unter den 130 untersuchten IVD, medianes Alter 29 Jahre, 22 % Frauen, und 9 % nicht in Deutschland
geboren, hatten 76 % innerhalb der letzten 30 Tage Drogen injiziert, wobei Heroin (68 %) und Methamphetamin (67 %) die am häufigsten aktuell konsumierten Substanzen waren. 49 % berichteten, aktuell
Material beim Drogenkonsum mit anderen geteilt zu haben.
Hafterfahrung wurde von 83 % berichtet mit einer mittleren Gesamthaftdauer von 3,6 Jahren. 18 % der
jemals Inhaftierten gaben i.v.-Drogenkonsum in Haft an.
Die Seroprävalenz von HIV betrug 0 %, von HCV 42 %, wobei eine aktive Infektion mit nachweisbarer
Virus-RNA in 23 % vorlag.
Darunter waren sieben Personen mit einer HCVRNA positiven Probe ohne Nachweis von Antikörpern.
Damit war der Anteil von frischen HCV Infektionen in der Serokonversion vergleichsweise hoch. Die
HBV-Prävalenz lag bei 5%, darunter waren drei aktive Infektionen (2 %). Die Anti HBs-Seroprävalenz
als Marker einer Impfung betrug 26 %.
69 % wiesen keine HBV-Marker auf und waren somit suszeptibel (anfällig) für eine Infektion.
In der Wissensabfrage zeigte sich die Notwendigkeit für eine gezielte Wissensvermittlung, insbesondere bei weniger bekannten Übertragungswegen von HCV, zur HBV-Impfung und zur HIV-Therapie und
Postexpositionsprophylaxe.
46 % der TN wünschten die Durchführung eines anonymen HIV-Schnelltestes, und 72 % nahmen eine
Kurzberatung aufgrund von Wissensdefiziten oder ihres Wunsches nach einer Testergebnismitteilung
oder Schnelltestung in Anspruch.
Schlussfolgerungen:
Während kein/e Teilnehmer/in positiv auf HIV getestet wurde, zeigen die hohe HCV-Prävalenz und die
niedrige HBV-Impfprävalenz der Leipziger Studienpopulation die Notwendigkeit intensivierter Präventionsstrategien, verstärkter Impfangebote und des besseren Zugangs zur Therapie von Infektionen, insbesondere HCV.
Die Möglichkeit der Testung von und Beratung zu Infektionskrankheiten sowie ein HIV-Schnelltestangebot in Einrichtungen der Drogenhilfe hat sich als gut akzeptiert erwiesen und sollte in ein Regelangebote überführt werden. Zeiten der Inhaftierung sollten besser genutzt werden, um Prävention, Testung,
Beratung, Behandlung und Impfung v.a. bei IVD durchzuführen. Multivariate Analysen zur Identifikation
von schützenden und Risiko-Faktoren werden für die Gesamtstudienpopulation durchgeführt und separat publiziert.
Der vollständige Bericht des Robert-Koch-Institutes vom Juli 2015 enthält die Ergebnisse der DRUCKStudie in Leipzig und kann unter www.leipzig.de/suchthilfe nachgelesen werden.
Der Bericht und weitere Informationen sind auch unter www.rki.de/druck-studie abrufbar.1

1

Herausgeber und Textquelle: Robert Koch-Institut (RKI)

10

Abkürzungsverzeichnis:

Quelle: RKI

2.2 Leipziger Reihe für Suchtprävention
Die Leipziger Reihe ist ein Fortbildungsangebot für Fachkräfte aus den unterschiedlichsten Hilfebereichen, Lehrerinnen und Lehrer sowie Justiz und Polizei. In Abstimmung mit dem Arbeitskreis Suchtprävention der Stadt Leipzig werden monatlich aktuelle Themen der Suchthilfe und Suchtprävention aufgegriffen. Die Weiterbildungen werden gemeinsam von Gesundheitsamt, Bereich Suchtbeauftragte
und dem Amt für Jugend, Familie und Bildung, Fachbereich Kinder- und Jugendschutz organisiert.
2015 fanden folgende Veranstaltungen statt:

11

Tabelle 1: Veranstaltungen der Leipziger Reihe für Suchtprävention

Datum

Titel der Veranstaltungen

Anzahl der Teilnehmenden

22.01.2015

Alkohol- und Cannabiskonsum im Jugendalter

20

09.02.2015

Kinder aus suchtbelasteten Familien

26

25.-27.02.2015

Move - motivierende Kurzintervention bei drogenkonsumie- 16
renden Jugendlichen

15.04.2015

Neue psychoaktive Substanzen

18

06.05.2015

Methoden der Alkoholprävention

14

15.06.2015

Alkoholkonsum in der Schwangerschaft

18

23.09.2015

Drogen & Psychosen

28

27.10.2015

Was ist verboten, was ist erlaubt?

16

12.11.2015

Gesundheitsrisiko statt Höhenflug – Informationen und Dis- 11
kussion zu Energy-Drinks

03.-04.12.2015

Diversity-Training

23

Quelle: Gesundheitsamt, 2016

2.3 HaLT
Im Berichtsjahr wurden 97 Jugendliche in die Uniklinik eingeliefert. Es fanden 50 Brücken- und 44 Elterngespräche statt. 2015 wurden drei Risiko-Checks angeboten, an denen 16 Jugendliche teilnahmen. Mit sieben Familien wurden Abschlussgespräche geführt. Im Jahresvergleich stellen sich die
Zahlen wie folgt dar:
Abbildung 1: Leistungen des HaLT-Projektes im Jahresvergleich

120
100

Anzahl

80

104

95

103

78 75

67 66

75

67 65

97

eingelieferte
Patienten

63 60

60

Brückengespräche
50

44

40
20

22

17

12

16

0
2011

2012

Quelle: Gesundheitsamt, 2016

12

Elterngespräche

34

2013

2014

2015

Teilnehmende an
Risiko-Checks

Auch wenn die Zahlen auf den ersten Blick anders aussehen, wurden mit dem HaLT-Projekt alle relevanten Jugendlichen erreicht. Wie schon 2014 befanden sich unter den eingelieferten Jugendlichen
sehr viele, die nicht in einer HaLT-assoziierten Krankenkasse Mitglied waren.
Darüber hinaus wurden 2015 sehr viele Jugendliche ausschließlich ambulant betreut - ein Brückengespräch konnte demnach nicht eingeleitet werden. In wenigen Fällen waren die Auffälligkeiten bzw. der
Verlauf so problematisch, dass die Ärztinnen und Ärzte andere Maßnahmen (alternativ zu HaLT) einleiten mussten.
Außerdem wurden fünf Jugendliche (UmA) stationär betreut, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten und somit nicht über HaLT abgerechnet werden. Hier die Verteilung der Fälle
im Detail:
Tabelle 2: Verteilung der HaLT-Fälle

HaLT-Fälle

50

„Falsche“ Krankenkasse

21

Ambulante Fälle

17

Asylbewerberleistungsgesetz

5

Andere Erklärung wie besonders schwerer Verlauf

4

Summe

97

Gesundheitsamt, 2016

2015 wurden 28 Jungen und 22 Mädchen im HaLT-Projekt betreut. Der Altersdurchschnitt lag bei 15,5
Jahren. Der Durchschnittspromillewert betrug 1,9‰, wobei der Wert der Mädchen mit 1,74 ‰ deutlich
unter dem der Jungen mit 2,32 ‰ lagen.
Wie in den Vorjahren war die mit Abstand wichtigste Bezugsquelle für den Alkohol Freunde (27 Nennungen). In neun Fällen haben die Jugendlichen den Alkohol selbst gekauft, immer ein Verstoß gegen
das Jugendschutzgesetz. Leider erteilten die Familien keine Schweigepflichtsentbindungen, so dass
diese Vorkommnisse vom Ordnungsamt nicht weiterverfolgt werden konnten.
25 Klienten gaben an, selten oder regelmäßig zu rauchen. Daneben hatten 14 Jugendliche Erfahrungen mit Cannabis und vier mit anderen Substanzen wie Crystal und Ecstasy. Diese vier wurden an die
„Drogensprechstunde“ des Helios Park-Parkklinikum und das Projekt Drahtseil vermittelt.

2.4 ShakeStar
Im Berichtsjahr wurde wieder die bundesweite Aktionswoche „Alkohol – weniger ist besser!“
ausgerufen. Die Stadt Leipzig organisierte in diesem Zusammenhang gemeinsam mit freien Trägern
der Sucht- und Jugendhilfe erstmalig „ShakeStar“ - einen Wettbewerb für alkoholfreie Cocktails.

13

Ziel war zu zeigen, dass gute Stimmung auf einer Party und Alkohol nicht zwangsläufig
zusammengehören. Im Rahmen der Veranstaltung sollte für einen verantwortungsbewussten Umgang
mit Alkohol sensibilisiert werden.
Es gab zwei unterschiedliche Wettbewerbe:
1. Im Wettbewerb für Tüftler & Feinschmecker entwickelten die Teilnehmenden ihren Cocktail im
Vorfeld und brachten ihre Zutaten selbst mit. An diesem Wettbewerb nahmen neun Teams teil.
2. Im Wettbewerb für Spontane & Schnelldenker wurden die Zutaten gestellt und die Teilnehmenden mussten spontan vor Ort entscheiden, welche Cocktail sie daraus kreieren. An diesem
Wettbewerb nahmen sechs Teams teil.
Unter den Teilnehmenden waren Leipziger Schulen, eine Beschäftigungsprojekt, der Stadtschülerrat,
Familien und Einzelpersonen vertreten. Alle waren hoch motiviert und sehr engagiert: tolle Namen,
konzentrierte Zubereitung, Eiswürfel mit eingefrorenen Holunderblüten, ein mit Blumen dekorierter
Cocktail und natürlich spannende Mixturen zeugten davon. Die Jury bewertete alle Getränke gewissenhaft.
Die gesamte Veranstaltung war geprägt von einer fröhlichen und entspannten Stimmung, zu der nicht
zuletzt die Band Wundertüte ihren Beitrag leistete. Der Wettbewerb war sehr gelungen und soll wieder
durchgeführt werden.

3 Suchtprävention und Vernetzung zur Jugendhilfe
3.1 Angebote der Stadt Leipzig
3.1.1 Kinder- und Jugendschutz
Kinder und Jugendliche wachsen in Leipzig in einer pluralistischen Gesellschaft auf und damit bieten
sich ihnen viele Möglichkeiten zur Entwicklung eigener Wert- und Lebensvorstellungen. Gleichzeitig
benötigen sie Orientierungshilfen, um sich in einem sicheren Handlungsfeld bewegen und bei Bedarf,
abgrenzen zu können.
„Jugendschutz“ impliziert zunächst einen eingrenzenden und bewahrenden Charakter vor potenziellen
Gefährdungen. Dies ist jedoch nicht der Kerngedanke des Sozialgesetzbuches VIII (SGB VIII).

14

Hier wird viel mehr auf den befähigenden und fördernden Aspekt hingewiesen: Kinder und Jugendliche
sollen in die Lage versetzt werden, mit Risiken umzugehen. Dies setzt verschiedene Kompetenzen
voraus, die es u. a. durch Angebote des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes zu fördern gilt
und durch die junge Menschen selbstbestimmt und in Abwägung von Risiken und Nutzen Verhaltensentscheidungen treffen lernen.
Potenzielle Gefährdungen für junge Menschen finden sich insbesondere in den Themenbereichen
Sucht und Drogen, Gewalt und Mobbing, neue Medien, Liebe/Sexualität aber auch in den Bereichen
Sekten, Kulte und totalitäre Gruppen.
Die Stadt Leipzig fördert zur Verwirklichung der o. g. Zielstellungen Angebote freier Träger der Jugendhilfe u. a. als Maßnahmen des erzieherischen Kinder- Jugendschutzes gemäß § 14 SGB VIII. Dazu gehören
• Diakonisches Werk, Innere Mission Leipzig e. V.:
◦

Projekt: Drahtseil

• Deutscher Kinderschutzbund OV Leipzig e. V.
◦

Projekt: Free Your Mind

◦

Projekt: Kinder- und Jugendtelefon

◦

Wege durch den Mediendschungel

• SZL Suchtzentrum gGmbH
◦

Projekt Drug Scouts

Abbildung 2: Anzahl der Projekte im Bereich erzieherischer Kinder- und Jugendschutz nach Themen

400
350
300
Anzahl

250
200
150
100

334
249

264
211
106

50

111

76

90

0
Suchtprävention

allg. Lebenskompetenzförd.

Gew altprävention

2014

Medien

33

32

Sekten/Kulte

2
Liebe &
Sexualität

2015

Quelle: Amt für Jugend, Familie und Bildung, 2016

Die freien Träger der Jugendhilfe führten im Bereich Suchtprävention mehr als 264 Projekte durch.
Hauptzielgruppen sind junge Menschen unter 27 Jahre, Eltern und MultiplikatorInnen. Im Jahr 2015
konnten 2.980 junge Menschen und 4.635 Eltern, MultiplikatorInnen und Freiwillige erreicht werden.
Der Bereich Jugendmedienschutz wird neben dem Fachbereich Kinder- und Jugendschutz im Amt für
Jugend, Familie und Bildung auch von freien Trägern der Jugendhilfe bedient. Inhaltliche Verbindung
zur Suchtprävention besteht insbesondere in der Prävention zur Computerspiel- und Onlinesucht sowie
der Glücksspielsucht.
15

In 90 durchgeführten Projekten konnten 1.240 Personen unter 27 Jahre und 663 teilnehmenden Eltern,
MultiplikatorInnen und Ehrenamtliche Inhalte des Jugendmedienschutzes vermittelt werden.
Als Basis gesunden Aufwachsens junger Menschen in unserer Gesellschaft fördert die Stadt Leipzig
explizit auch Maßnahmen zur allgemeinen Lebenskompetenzförderung. Die darin enthaltenen Fähigkeiten gelten in der Forschung als eine Art „Schlüssel des gesunden Aufwachsens“. Diese Fähigkeiten
ermöglichen es jungen Menschen, mit belasteten Lebenssituationen umgehen zu können und sich
trotz (massiver) psychischer Belastungen und widrigster Lebensumstände zu gesunden Erwachsenen
zu entwickeln.
2015 wurden im Leistungsbereich erzieherischer Kinder- und Jugendschutz insgesamt 334 Projekte
der allgemeinen Lebenskompetenzförderung mit 4.576 teilnehmenden jungen Menschen unter 27 Jahre und 776 Eltern und MultiplikatorInnen/Freiwilligen durchgeführt.
Abbildung 3: Anzahl der Teilnehmenden nach Themenkategorien und Nutzergruppen

Anzahl

5.000
4.500
4.000
3.500
3.000
2.500
2.000
1.500
1.000
500
0

4.576
3.006

2.980

2.817

2.842
1.654

1.127

1.240
347

Suchtprävention

allg. Lebenskompetenzförd.

Gew altprävention
2014

Medien

449

Sekten/Kulte

2015

Quelle: Amt für Jugend, Familie und Bildung, 2016

Dem Fachbereich Kinder- und Jugendschutz obliegt die Fachkoordination der Projekte der freien Träger im Leistungsbereich erzieherischer Kinder- und Jugendschutz und die Verantwortung für die Vernetzungs- und Vermittlungsangebote zu Kooperationspartnern vor Ort. Eine bedarfs- und ressourcenorientierte Steuerung ist dabei Bestandteil der Koordination.
Im Jahr 2015 lag der suchtpräventive Arbeitsschwerpunkt des Fachbereiches Kinder- und Jugendschutz im Themenbereich Alkoholprävention. Im Rahmen der DHS-Suchtwoche „Alkohol? - Weniger
ist besser“ war der Fachbereich zusammen mit der Koordinatorin für Suchtprävention beim Gesundheitsamt und dem AK Suchtprävention der Stadt Leipzig an der Planung und Durchführung des alkoholfreien Cocktailwettbewerbes „ShakeStar 2015“ im Schreberbad Leipzig beteiligt.
Mittels freundlicher und engagierter Unterstützung der Leipziger Kinderstiftung, der Sächsischen Landesvereinigung für Gesundheitsförderung und der Produktionsschule Schauplatz gelang es zudem,
eine mobile alkoholfreie Cocktailbar zu bauen und diese mit nötigem Equipment auszustatten. Im Sinne einer nachhaltigen und positiv besetzten Suchtprävention ist diese „HaLT-Bar“ seit dem Sommer für
interessierte Einrichtungen (Vereine, Schulen etc.) kostenlos ausleihbar. Sie kam u. a. beim Sommerfest der Offenen Freizeittreffs und im Rahmen des Ferienpasses zum Einsatz.

16

Wie in vorangegangenen Jahren war der Fachbereich Kinder- und Jugendschutz Ansprechpartner bei
Hinweisen auf Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz, insbesondere dem Verstoß gegen Abgabebestimmungen von Alkohol und Tabakwaren an Minderjährige. Hinweise kamen sowohl aus Einrichtungen der Jugendhilfe als auch von Privatpersonen. In der Regel erfolgte die Information an das Ordnungsamt, die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens, eine verstärkte Kontrolltätigkeit des
Ordnungsamtes an abgebende Gewerbetreibende als auch Gespräche mit den Jugendlichen als pädagogische Maßnahme.

3.1.2 Sachgebiet Straßensozialarbeit im Amt für Jugend, Familie und Bildung
2015 gab es seitens der drei Teams des SG Straßensozialarbeit des Amtes für Jugend, Familie und
Bildung Kontakt zu Drogen konsumierenden jungen Menschen. Sowohl um den Hauptbahnhof, in der
Innenstadt als auch in der Eisenbahnstraße und Umgebung sind junge konsumierende Menschen anzutreffen. Drogenhandel und Drogenkonsum mit unterschiedlichen Folgeerscheinungen bestimmen
bei einigen den Alltag. Auch in Zukunft bleibt es ein Ziel, diesen jungen Menschen Angebote zur Lebens- und Problembewältigung zur Verfügung zu stellen. Die Herausforderungen im Umgang mit Crystal-Konsumenten sind nach wie vor groß.
Gemäß den drogenpolitischen Leitlinien der Stadt Leipzig wird vorrangig im Bereich Risiko- und Schadensminimierung (risk and harm reduction) gearbeitet. Ziel ist es, Lebenslagen zu stabilisieren, Motivation und Zugang zur Inanspruchnahme höherschwelliger Einrichtungen aufzubauen und einen Einstieg
in abstinenzorientierte Angebote zu ermöglichen. In den kommunalen Gremien wird sich für gegenseitige Akzeptanz und Balance zwischen Repression und Hilfesystem eingesetzt und verbindliche Kooperationen zu Einrichtungen der Jugend-, Sozial- und Suchtkrankenhilfe gepflegt.
Team Südost
Das Team Südost arbeitet im Rahmen der aufsuchenden Arbeit im Innenstadtbereich und im Planungsraum Ost-Südost. Das Team arbeitet mit jungen Menschen, deren Lebensmittelpunkt die Straße
ist bzw. die im öffentlichen Raum auffällig werden.
Die Adressaten im Innenstadtbereich, vorrangig am Hauptbahnhof, weisen komplexe Problemlagen
wie fehlende Schul- und Berufsabschlüsse in Verbindung mit Schulden, Wohnungslosigkeit, Delinquenz und/oder einem schlechten gesundheitlichen Zustand auf. Sie praktizieren häufig einen missbräuchlichen Alkoholkonsum zum Teil in Kombination mit unreflektiertem (mangelndes Risikobewusstsein) Konsum von Cannabis. Ein geringer Teil konsumiert politoxikoman, häufig in Verbindung mit Methamphetamin/Crystal oder Heroin.

17

Das Konsumverhalten in Bezug auf Methamphetamin/Crystal hat sich im Vergleich zu 2014 kaum geändert, allerdings gibt es wieder eine leichte Zunahme von Heroinkonsum.
Das Probierverhalten bei Crystal beginnt mitunter schon im Jugendalter, oft über Tage und Wochen;
typische Abhängigkeitsmuster sind in dieser Phase nicht zu erkennen. Durch die lang andauernde Wirkung von Methamphetamin und dem damit verbundenen Anschein drogenfreier Phasen kommt es erst
nach Jahren zu einer Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsum und möglichen Folgen.
Der Konsum bzw. Missbrauch legaler und illegaler Substanzen wird unter allen Adressaten häufig thematisiert. Das ausliegende Aufklärungs- und Informationsmaterial zu Substanzen und deren Wirkungsweisen wird interessiert angenommen.
Nach wie vor bleibt Drogenkonsum im öffentlichen Raum (vor allem Alkohol) ein typisch männliches
Verhalten.
Team Ost
Die Arbeit mit Drogen gebrauchenden jungen Menschen bleibt ein wesentliches Element der Arbeit
des Teams Ost. Oftmals haben illegale Substanzen in der Biographie dieser jungen Menschen einen
besonderen Stellenwert eingenommen.
Die Hilfebedarfe sind durch eine Bündelung defizitärer Lebensumstände indiziert. Die Klientel, die durch
Streetwork sowie durch die vorgehaltenen Öffnungs- und Busstandzeiten erreicht wird, ist im Alter von
18 bis 26 Jahren.
Das „Aktionsprogramm zur Verbesserung des Hilfesystems und der Erhöhung der Sicherheit im Leipziger Osten“ will eine ausgewogene Balance zwischen unterstützenden und repressiven Aktionen herstellen und Lösungen, sowohl für Anwohner/-innen als auch für Drogenkonsumenten zu finden. Innerhalb der Beratungen des Aktionsbündnisses wurde weiter am Aufzeigen und Lösen von Problemlagen
im Bereich der Eisenbahnstraße mitgewirkt. Im Aktionsbündnis wurde auch thematisiert, dass sich der
Konsum von illegalen Substanzen verstärkt in den öffentlichen Raum rund um die Eisenbahnstraße
verlagerte. Als ein Grund ist die zunehmende Gentrifizierung und der damit einhergehende Verschluss
und die Sanierung ehemaliger „Abrissgebäude“ sowie die Umgestaltung von vorhandenen Grünanlagen anzunehmen.
Schwerpunkt war die Verlagerung und Konzentration der Szene in den Bereich Otto-Runki-Platz/Konstantinstraße/Jonasstraße/Elsapark. Vermehrte Spritzenfunde im öffentlichen Raum sowie die zunehmende Vermüllung des genannten Areals führte z. T. zu erheblichen Beschwerden von Anwohner/-innen. Der Konsum im Elsapark und die Entsorgung gebrauchter Nadeln und Pumpen in Hinterhöfen
waren Anlass von ämter- und behördenübergreifenden Begehungen und Gesprächsrunden.
Das Aktionsbündnis hat die Situation thematisiert und die Herstellung und Anbringung von Spritzenwurfbehältern beschlossen. Polizeiliche Maßnahmen fanden ebenso statt wie ein radikaler Rückschnitt
des Baum- und Buschbestandes der Grünflächen im o. g. Areal.
Im Ergebnis kommt es zwangsläufig zu einer Verlagerung in die nähere Umgebung, in andere noch offen zugängliche Gebäude.
Die Situation im Gebiet Hermann-Liebmann-Straße, Hildegardstraße, Zollikofer Straße, Dornbuschstraße und Konradstraße hat sich dagegen beruhigt. Hier gab es keine besonderen Vorkommnisse
oder Hinweise.
Der Bereich Koehlerplatz ist weiter beliebter Treffpunkt von Drogen und Alkohol konsumierenden Menschen. Auch hier ist die Vermüllung der Grünflächen ein großes Problem. Als Konsequenz wurde eine
Streetmobilstandzeit des Zentrums für Drogenhilfe, Mobile Alternative, eingerichtet. 2016 soll dort
ebenfalls ein Spritzenabwurfbehälter aufgestellt werden.

18

Die Zahl der kontaktierten Drogen gebrauchenden jungen Menschen bleibt insgesamt hoch. Probleme
bereitet zunehmend der fehlende Rückzugsraum für den Konsum.
Die konsequente Einhaltung der Altersgrenze während der Öffnungszeiten hat zu einem leichten Rückgang der Besucherzahlen in der Kontakt- und Beratungsstelle geführt. Dennoch gibt es häufigen Kontakt, vor allem während der Streetwork. Die Klientel, welche das Angebot nutzt, weist z. T. ein polytoxes Konsummuster auf. Eine Korrelation zu finanziellen Krisensituationen, Straffälligkeit, Arbeits- und
Perspektivlosigkeit besteht.
Auch 2015 waren Klienten in den verschiedenen Justizvollzugsanstalten. Aufgrund der bestehenden
Kooperation mit der JVA Leinestraße gelang es auch über längere Zeiträume in Kontakt mit jungen
Menschen zu bleiben und anstehende Probleme aktiv zu bearbeiten. Leider werden nicht wenige junge
Menschen nach der Haftentlassung wegen mangelnder Alternativen (wie z. B. der Vermittlung in Arbeit
oder Therapie) in kürzester Zeit wieder rückfällig.
Team Nord
Das Team Nord arbeitet vorrangig in den Ortsteilen Gohlis und Möckern. Es bestehen kontinuierliche
Kontakte zu einzelnen jungen Menschen und Cliquen im Alter von ca. 14 bis 21 Jahren. An den Wochentagen, am Wochenende und vor allem Freitagabend werden gezielt Cliquen an öffentlichen Plätzen aufgesucht.
Mit wenigen Ausnahmen konsumieren die Angetroffenen regelmäßig und wenig reflektiert Nikotin, bei
unter 18-Jährigen oft im Einvernehmen mit den Eltern. Der Konsum von Alkohol spielt bei allen Cliquen eine wichtige Rolle. Eng an das Treffverhalten gekoppelt wird an Wochenenden häufig exzessiv
getrunken. Die Mädchen/Frauen konsumieren eher süße Mischgetränke, die Jungen/Männer vorrangig
Bier, Biermischgetränke und Schnaps bzw. Likör. Eine Auseinandersetzung mit dem Thema Alkoholkonsum findet auf vielfältige Art und Weise statt und wird durch die Streetworker/-innen sozialpädagogisch initiiert und begleitet. Grundsätzlich achten die Jugendlichen auch bei exzessivem Konsum aufeinander. Somit bestehen gute Voraussetzungen, Unfälle unter Alkoholeinfluss zu vermeiden und einander im Falle von Überdosierungen helfen zu können. Bei jungen Volljährigen ist eine ablehnende
Haltung des gemeinsamen Alkoholkonsums mit Jugendlichen feststellbar. Treffen sich jugendliche
Gruppen unter der Woche, kann verallgemeinert beschrieben werden, dass kontrolliert getrunken und
Rausch vermieden wird.
Der Gebrauch von Cannabis ist verglichen mit dem Konsum von Alkohol weniger verbreitet. Mitunter
lehnen Gruppen den Konsum von illegalen Substanzen grundsätzlich ab. In den Cliquen, in denen
Cannabis konsumiert wird, reicht der Gebrauch von gelegentlichem über häufigen bis hin zu abhängigem Konsum bei Einzelnen. Vor allem Jungen konsumieren regelmäßig und Mädchen lehnen den
Konsum eher ab.
Andere illegale Substanzen spielen bei den Cliquen eine untergeordnete Rolle und werden in der Regel abgelehnt. Das Probierverhalten v. a. von Crystal Meth und Ecstasy im Partykontext wird vereinzelt
thematisiert.
Junge Menschen, die im Rahmen von Einzelfallhilfen begleitet werden, konsumieren hingegen öfter
missbräuchlich/abhängig, mitunter polytoxikoman Alkohol und illegale Substanzen, vor allem Cannabis
und Crystal. Das Angebot des Spritzentausches wird selten in Anspruch genommen, woraus geschlossen werden kann, dass kaum intravenös konsumiert wird.
An verschiedenen Treffpunkten im öffentlichen Raum wird, vorrangig in der wärmeren Jahreszeit, regelmäßig Alkohol konsumiert, jedoch überwiegend von Menschen, die vom Altersspektrum keine Zielgruppe sind. Das Treffverhalten und daraus folgende Verunreinigungen werden von Anwohner/innen
und Gewerbetreibenden als störend empfunden, wodurch Berührungspunkte in der aufsuchenden Arbeit entstehen.
19

In Kooperation mit dem Gesundheitsamt Leipzig werden auch Frauen aufgesucht, die sich prostituieren. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Frauen, die polytoxikoman Substanzen gebrauchen. Sie
konsumieren Amphetamine/Methamphetamin, vorrangig Crystal, Benzodiazepine und Substitutionsmedikamente, zunehmend aber auch Heroin. Die Klientinnen nutzen häufig Rauschmittel, um Traumatisierungen und die aktuelle, mitunter prekäre Lebenslage zu bewältigen. Die beim Crystalkonsum erhöhte Libido birgt das Risiko zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr und damit einer vermehrten Übertragung sexuell übertragbarer Krankheiten.
Nightlife Streetwork
Das Projekt „Nightlife-Streetwork“ in Kooperation mit dem Verein Mobile Jugendarbeit Leipzig e. V. ist
eine monatliche „Vor-Ort-Prävention“ im Partykontext. Über das Verteilen von „One-Night-Stand“Packs und Kurzberatungen sollen junge Menschen zu Risiken im Partykontext aufgeklärt werden. Ziel
ist, dass junge Menschen Verantwortung für sich und andere in diesem speziellen (Party-)Setting übernehmen. Die sich ergebenen Gespräche und Fragen zu den Themen Alkohol, Drogen und sexuell
übertragbare Krankheiten lassen auf einen guten Zugang zur Zielgruppe schließen. Das Projekt wird
2016 fortgeführt.

3.1.3 Allgemeiner Sozialdienst
Eltern, Kinder und Familien können sich bei Problemen in Fragen der Erziehung, Trennung und Scheidung, der elterlichen Sorge und bei familiären Konflikten an den Allgemeinen Sozialdienst (ASD) wenden. Die sozialpädagogischen Fachkräfte des ASD informieren, beraten und prüfen bei Bedarf die Notwendigkeit der Vermittlung an andere Fachkräfte und Hilfsangebote. Auf der Grundlage des SGB VIII
prüft der ASD auch die Notwendigkeit von erzieherischen Hilfen (HzE) mit den betroffenen Eltern, den
Kindern und den Netzwerkpartnern und entscheidet über eine geeignete Hilfe. Außerdem hat der ASD
die Aufgabe, gewichtige Anhaltspunkte einer möglichen Kindeswohlgefährdung zu prüfen.
Suchtmittelmissbrauch sowohl bei Eltern, Schwangeren und jungen Müttern als auch bei Kindern und
Jugendlichen sind in den vergangenen Jahren ein zunehmend zentrales Thema im Hilfeprozess sowie
bei der Wahrnehmung des Schutzauftrages bei Kindeswohlgefährdung geworden.
Betreute Risikogruppen im ASD
Die folgenden Abbildungen zeigen einerseits von 2013 zu 2014 einen starken Anstieg an Fällen, in denen eine Suchtproblematik (häufig Crystal in Verbindung mit Cannabiskonsum, vereinzelt Heroin) das
Handeln des ASD wesentlich bestimmte. Zum Jahr 2015 verringerte sich der Anstieg wieder deutlich.
Die Zahlen zeigen parallel einen Anstieg an Fällen, in denen psychische Erkrankungen die Erziehungsfähigkeit der Eltern zunehmend einschränken2. Hinter vielen Fällen „psychischer Erkrankung“ verbirgt
sich auch eine vorangegangene oder parallele Suchtproblematik, so dass ein Zusammenhang zwischen Suchterkrankung und psychischer Erkrankung anzunehmen ist. Der Anstieg der absoluten Zahlen in der Kategorie „andere Sucht“ korrespondiert mit der Beobachtung der Sozialarbeiter/-innen, dass
verstärkt Alkoholmissbrauch bzw. Alkoholabhängigkeit zu einer Einschränkung der elterlicher Kompetenzen führt.

2

20

Dabei ist zu beachten, dass es eine Schnittmenge in den Fällen gibt, in denen die Familie zuerst im
Eingangsmanagement ohne Hilfe zur Erziehung betreut wurde und anschließend eine Hilfe zur Erziehung gewährt wurde. Diese Familien wurden doppelt gezählt. Bei Vorliegen mehrerer Risikogruppen ist eine Mehrfachzuordnung nicht möglich.

Anzahl

Abbildung 4:Betreute Familien im Rahmen HzE (Fallmanagement)

700
600
500
400
300
200
100
0

606
514

501
394

372

288
168 183

illegale Drogen

92

2013
2014
2015

andere Sucht
psychische Erkrankung

Quelle: Amt für Jugend, Familie und Bildung, 2016
Abbildung 5: Betreute Familien im Eingangsmanagement

700

606

600

527

500
Anzahl

400

374

394
275

300

288

170 169

200

2013
2014
2015

92

100
0
illegale Drogen

andere Sucht
psychische Erkrankung

Quelle: Amt für Jugend, Familie und Bildung, 2016

Der ASD verfügt seit dem Jahr 2012 über eine definierte Handlungsgrundlage, die den steigenden Anforderungen im Kinderschutz im Zusammenhang mit illegalen Drogen gerecht wird. Die Vernetzung
zwischen Jugendhilfe und Suchthilfe ist dabei ein wesentlicher Schwerpunkt, Vernetzungsmöglichkeiten werden im Einzelfallkontext und in der Mitwirkung im Arbeitskreis pregnant durch die Mitarbeiter/innen des ASD intensiv genutzt.
Ziel des ASD in der Arbeit mit suchtkranken bzw. auch substituierten Schwangeren und Sorgeberechtigten ist es, die Kooperationsbereitschaft der Mütter und Väter herzustellen und diese partizipatorisch
zu beteiligen, um gemeinsam positive Bedingungen für die Entwicklung der Kinder zu gestalten und
Voraussetzungen zu schaffen, das Wohl dieser Kinder zu sichern. Bei der Planung, Organisation und
Kontrolle notwendiger Hilfen zur Unterstützung suchtbelasteter Familien ist festzustellen, dass betroffene Eltern die erforderlichen Mindestkompetenzen zur Versorgung, Pflege und zum Schutz ihres Kindes
oft nicht allein sicherstellen können. In der Arbeit mit dieser Zielgruppe ist in der Regel von längerfristigen Hilfeverläufen auszugehen. Die individuell gestalteten Schutzkonzepte wurden in Verantwortung
der fallzuständigen Sozialarbeiter/-innen mit verschiedenen Netzwerkpartnern, insbesondere der
Suchthilfe geplant, organisiert, umgesetzt und kontrolliert.

21

Trotzdem ist für das vergangene Jahr festzustellen, dass es weniger gelingt, Eltern als aktiven Part in
den Prozess einzubinden. In der Folge werden Schutzkonzepte zunehmend durch restriktivere Kontrollverträge ersetzt. Ambulante Hilfen in Familien mit Drogenproblematik scheiterten häufiger, dies
führte zu einem Anstieg stationärer Hilfen für Kinder suchtbelasteter Eltern.
Sowohl im Bereich der Hilfen zur Erziehung als auch im Bereich der Suchtberatung besteht aus Sicht
des ASD die Notwendigkeit des weiteren Ausbaus spezifischer Angebote für die Zielgruppe drogenkonsumierender Eltern, Schwangerer und junger Mütter sowie drogenkonsumierender Jugendlicher.
Parallel sollte der Blick weiter verstärkt auf Prävention gelenkt werden, um in Zusammenarbeit von Eltern, Schule, Helfern im Rahmen HzE und Eingliederungshilfe sowie im Netzwerk die Kinder und Jugendlichen besser zu stärken.

3.2 Suchtprävention an der Sächsischen Bildungsagentur, Regionalstelle
Leipzig
In Sachsen sind an den Schulen Beratungslehrer/-innen bestellt, die neben der Beratung von Schüler/innen, Lehrkräften und Eltern auch für die Initiierung und Anleitung präventiver Konzepte zuständig
sind. Seit dem Schuljahr 2014/15 gibt es an jeder weiterführenden Schule eine(n) Suchtbeauftragte(n).
Die Steuerung der verschiedenen Angebote obliegt der Koordinatorin/dem Koordinator der Sächsischen Bildungsagentur, Regionalstelle Leipzig (SBAL) sowie den jeweiligen Schulreferenten in den
schulfachlichen Referaten. Sie bearbeiten
• thematische Komplexe der Arbeit der Koordinator/-innen für Suchtprävention
• Konzepte zur Förderung der Lebenskompetenz der Schüler/-innen
• Konzepte zur Konfliktlösung und Gewaltprävention
• drogenspezifische Themen
Die Aktivitäten der Koordinatorin für Suchtprävention an der SBAL umfassen folgende Arbeitsschwerpunkte:
•

Koordination von suchtpräventiven Aufgaben

•

Kooperation mit dem Referat Unterstützungssystem/Schulpsychologen

•

Unterstützung der Beratungslehrer/-innen bei ihrer Tätigkeit in den Schulen, z. B. bei der Erstellung der schulischen Suchtpräventionspläne als Bestandteil des Schulprogramms

•

Beratung bei der Auswahl von Lehr-, Lern- und Informationsmaterial

•

Beratung von Lehrer/-innen, Eltern, Schüler/-innen zu suchtpräventiven Fragen

•

Zusammenarbeit mit Elterngremien und regionalen Anbietern, die im Suchtbereich tätig sind

•

Vernetzung der Arbeit mit der Fachstelle für Suchtprävention und weiteren suchtpräventiven
Angeboten und Projekten

•

Personelle und qualitative Absicherung des Unterrichtsprojektes „Lions Quest/Erwachsen werden“; inhaltliche Ausgestaltung des Wettbewerbs und Zertifizierungsprozesses sowie Mitarbeit
im Auswahlverfahren bei der Vergabe des Qualitätssiegels zur Umsetzung dieses Programms

•

Kooperation mit präventiven Grundschulprojekten

•

Ansprechpartner für „Prävention im Team“

Initiiert ist ein offener Lehrergesprächskreis für Oberschulen und Gymnasien, wo aktuelle Themen zur
suchtpräventiven Arbeit vorgestellt und diskutiert werden können.
22

Vertreterinnen der SBAL sind Mitglied im Drogenbeirat und im Arbeitskreis Suchtprävention der Stadt
Leipzig, nehmen am Drogenrapport teil und sind damit eng vernetzt mit Angeboten der Stadt Leipzig,
der Polizeidirektion Leipzig, Zentrale Dienste sowie dem Arbeitskreis Schulsozialarbeit.

3.3 Angebote freier Träger
3.3.1 Jugendhaus Leipzig e. V. – Jugendberatungsstelle „jUkON“
Der Jugendhaus Leipzig e. V. ist ein freier Träger der Jugendhilfe, der seit dem 01.07.2014 die Jugendberatungsstelle „jUkON“ betreibt. Die Maßnahme ist ein Angebot für individuell beeinträchtigte
und/oder sozial benachteiligte Jugendliche und junge Menschen von 14 bis 27 Jahren. Darüber hinaus
werden Eltern, Angehörige und Multiplikatoren angesprochen, die in dieser Übergangs- bzw. Lebensphase wichtige Bezugspersonen der Jugendlichen und jungen Menschen sind. Darauf abgestimmt bietet die Jugendberatungsstelle „jUkON“ ein komplexes Angebot bei sozialen, beruflichen und/oder psychosozialen Beeinträchtigungen an. Hierzu zählen
•

Hilfen bei Schul- oder Ausbildungsschwierigkeiten bzw. -abbrüchen

•

Hilfen bei Eingliederungsproblemen in die Arbeitswelt und bei Arbeitslosigkeit

•

Hilfen bei fehlenden Sozialkompetenzen oder bei Problemlagen, die eine gute berufliche und
soziale Integration ungünstig beeinflussen können

•

Sucht und Suchtentwicklung

•

krisenhafte bzw. hoch problembelastete Situationen

•

Wohnungslosigkeit

•

finanzielle Schwierigkeiten/Schulden

•

delinquente Verhaltensweisen

•

familiäre Schwierigkeiten sowie

•

seelische/psychische Beeinträchtigungen.

Die Angebote umfassen neben der Beratung in Form von Einzel- und Familienberatung auch Begleitung, Krisenintervention, Gruppenangebote und Coachings. Für die Gruppe suchtmittelkonsumierender bzw. suchtmittelabhängiger junger Menschen wird eine Orientierungsberatung angeboten, in der die Motivation zu einem abstinenten Lebensstil und die Inanspruchnahme weiterführender Angebote der Suchthilfe gefördert werden. Dafür besitzen Mitarbeiter/-innen der Jugendberatungsstelle „jUkON“ spezielle Weiterbildungen wie die MOVE-Ausbildung (Motivierende Kurzintervention
konsumierender Jugendlicher).
2015 unterstützte die Jugendberatungsstelle „jUkON“ insgesamt in 566 Fällen mit insgesamt 4.405
Kontakten und 3.440 Beratungen. Das Durchschnittsalter der jungen Menschen lag bei 21,5 Jahren.
Die Angebote wurden von weiblichen und männlichen Klienten relativ gleichmäßig genutzt (48 % weiblich, 52 % männlich).
In 189 Fällen (33,5 % der Fälle) bestand ein missbräuchlicher Konsum, eine Suchtgefährdung oder
-betroffenheit. Selten jedoch stand bei den Jugendlichen und jungen Menschen die Veränderung des
Konsumverhaltens im Vordergrund der Beratung. Es wurden lediglich 33 Orientierungsberatungen mit
dem Schwerpunkt Sucht durchgeführt. In der Jugendberatung sind Konsum und Sucht oft Themen neben vielen anderen in einem komplexen Hilfebedarf. Das Thema „Sucht“ tritt daher häufig in den Hintergrund und ein Problembewusstsein bezüglich des Konsums ist in vielen Fällen nicht vorhanden.
23

Eine enge Kooperation mit dem Beratungsangebot des Projektes Drahtseil (Diakonisches Werk, Innere Mission Leipzig e. V.), welches auf Sucht im Jugendalter spezialisiert ist, ermöglichte in der Regel
eine frühzeitige Anbindung der jungen Menschen an eine weiterführende Hilfe.
Suchtmittelverteilung
Die Jugendlichen konsumierten verschiedene Substanzen, aber es gab auch Fälle stoffungebundener
Süchte. Die Verteilung ist in der folgenden Abbildung zusammengefasst.
Abbildung 6: Prozentuale Verteilung der primär konsumierten Substanzen

1,2
18,9
34,8
0,6
0,6

18,3

Cannabis
Alkohol
Crystal
Kokain
Amphetamine
polytoxikomaner Konsum
stoffungebundene Süchte

25,6
Quelle: Jugendhaus Leipzig e. V., 2016

Es zeigte sich außerdem, dass in 20,6 % der Fälle neben dem primären Suchtmittel weitere Substanzen konsumiert wurden. Zum Großteil trat die Kombination von Cannabis mit Methamphetamin
(43,6 %) auf, gefolgt von Cannabis mit Alkohol (35,9 %) und Alkohol mit Methamphetamin (15,4 %).
Auch hier zeigt sich, dass im Jugendalter die Substanzen Cannabis und Methamphetamin im illegalen
Bereich und Alkohol im legalen Bereich dominieren. Zudem wird deutlich, dass der Konsum mehrerer
Substanzen ein häufiges Problem darstellt und eine Potenzierung der Problemlagen nach sich zieht.
Junge Menschen
Suchtbetroffene bzw. konsumierende junge Menschen suchen Beratung, wobei die Themen sehr vielseitig sind. Zum Einstieg spielen Konsum und Sucht kaum eine Rolle, sondern andere Probleme. Junge Menschen mit Suchthintergrund haben oft komplexe Problemlagen. Ein Teil von ihnen tritt mit sehr
schweren Krisen in den Beratungsprozess ein. Wiederkehrende Themen waren finanzielle Schwierigkeiten und Schulden bis hin zur Wohnungslosigkeit, psychische Auffälligkeiten, fehlende Schul- und
Ausbildungsabschlüsse, Arbeitslosigkeit sowie Probleme im Umgang mit Ämtern und Behörden. Es
bildet sich oft ein Kreislauf, aus dem die Betroffenen nicht ausbrechen können. Das Problembewusstsein bezüglich des eigenen Konsums ist oft nur schwach ausgeprägt und die Betroffenen sind häufig
nur extrinsisch motiviert, Beratung in Anspruch zu nehmen. Dazu kommt, dass der Grad der Informiertheit bezüglich geeigneter Hilfen bzw. Angebote des Suchthilfenetzes in der Regel sehr gering war
und Einrichtungen der Suchthilfe kaum bekannt waren. Die erste Stabilisierung, die Schaffung von
Problembewusstsein bezüglich des Suchtmittelgebrauchs und die kontinuierliche Anbindung an das
Suchthilfenetz sind daher wesentliche Schwerpunkte der Arbeit in der Jugendberatungsstelle „jUkON“.

24

In der Praxis war die Gestaltung der Beratungsprozesse mit konsumierenden Jugendlichen und jungen
Menschen eine große Herausforderung, da zahlreiche Termine nicht eingehalten und benötigte Unterlagen nicht mitgebracht wurden. Die Betroffenen verfügten in vielen Fällen über eine geringe Aufnahmefähigkeit, Konzentration und Frustrationstoleranz. Dies verlängert und behindert den Beratungsprozess. Da gleichzeitig die Beratungen selten langfristig durchgehalten wurden, konnten mit einem Teil
der Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit einem Suchthintergrund nur die dringlichsten Themen
bearbeitet und eine erste Stabilisierung erreicht werden.
Eltern und Angehörige
Eltern und Angehörige nutzten primär die Informations- und Beratungsangebote. Viele Elterngespräche waren Krisenberatungen, in der schnelle Orientierungshilfen im Vordergrund standen. Dabei waren der Konsum von Suchtmitteln beim Jugendlichen und damit zusammenhängende Probleme vordergründige Beratungsthemen. Häufig sind Eltern, aber auch Fachkräfte, erste Impulsgeber für einen
(weiterführenden) Beratungsprozess junger Menschen. Dies war besonders zu beobachten, wenn der
Konsum von Methamphetamin eine Rolle spielte.
Kooperation mit dem Jobcenter Leipzig
Die Jugendberatungsstelle „jUkON“ arbeitet in enger Kooperation mit dem Jobcenter Leipzig und der
Agentur für Arbeit. So können Jugendliche und junge Menschen aus dem Rechtskreis des SGB II und
SGB III an die Jugendberatung angebunden werden. Bei einem großen Teil der Fälle, insbesondere
aus dem Rechtskreis des SGB II, stehen wirtschaftliche und soziale Schwierigkeiten im Vordergrund
der Beratung. Oft stellt sich auch hier in der Beratung ein missbräuchliches Konsumverhalten oder
eine Suchtthematik als ursächlich oder zumindest teilursächlich heraus. Meist ist jedoch nur eine geringe Problemeinsicht und Veränderungsmotivation hinsichtlich des Suchtmittelkonsums vorhanden. Der
Fokus vieler dieser jungen Menschen liegt daher eher auf der Unterstützung bei wirtschaftlichen Problemlagen, Wohnungslosigkeit etc. Es handelt sich häufig um kurze Beratungsverläufe, in denen kurzfristige Interventionen, die Reflektion des Konsumverhaltens und die Ankopplung an das weiterführende Suchthilfenetz im Vordergrund standen.
Eltern-Info-Treff (in Kooperation mit Projekt Drahtseil, Diakonie Innere Mission Leipzig e. V.)
Dieses Angebot für Eltern und Angehörige beinhaltet verschiedene Themen, u. a. die Suchtprävention.
Der Eltern-Info-Treff wurde im Jahr 2015 insgesamt sieben Mal angeboten, dabei wurden 75 Besucher/-innen erreicht. Relevante Veranstaltungen für die Suchtprävention waren „Essstörungen im Jugendalter“ (13 Teilnehmer/-innen) und „Jugendliche am Computer“ (22 Teilnehmer/-innen). Aufgrund
der aktuellen Nachfragen sind für 2016 Veranstaltungen zu Suchtmittel- und Medienkonsum geplant.
Zusammenfassung
Das Thema Suchtmittelkonsum und Sucht spielt in der Jugendberatung eine große Rolle, auch wenn
die betroffenen jungen Menschen in der Regel mit anderen Themen in den Beratungsprozess eintreten. Durch die Arbeit an diesen Themen können allerdings Probleme im Konsum ersichtlich gemacht
und auf deren Auswirkungen auf andere Problembereiche hingewiesen werden. Der Jugendberatung
kommt eine wichtige Rolle im Suchthilfesystem zu, da die Zielgruppe der jungen Menschen optimal erreicht werden kann, auch wenn noch kein ausgeprägtes Problembewusstsein besteht. Der Anteil
suchtbetroffener Jugendlicher liegt bei rund 34 % und bewegte sich schwerpunktmäßig im Bereich
Cannabis, Alkohol und Methamphetamin. Mischkonsum und polytoxikomaner Konsum von Suchtmitteln nehmen eine besondere Rolle ein. Vergleiche zu Vorjahren sind aufgrund der jungen Laufzeit des
Projektes noch nicht möglich. Es ist jedoch eine gezielte Inanspruchnahme der Angebote der Jugendberatungsstelle „jUkON“ durch die Zielgruppe erkennbar.

25

3.3.2 Diakonisches Werk, Innere Mission Leipzig e. V. Projekt Drahtseil
Projektbereich
Im Jahr 2015 wurden 84 Projekte im Suchtbereich (mit 1.728 Teilnehmer/-innen), 47 Projekte zum
Thema Medien (1.048 Teilnehmer/-innen) und sechs Projekte mit dem Schwerpunkt Essstörungen
(156 Teilnehmer/-innen) durchgeführt. Damit konnten in allen Bereichen mehr Angebote als im Vorjahr
unterbreitet werden.
Der Projektbaustein legale Drogen umfasst die Themen Nikotin, Koffein und Alkohol. Seitens der Lehrer und Schüler wurde großes Interesse am Thema Koffein gezeigt und es gab dazu positives Feedback. Besonders bei Schulen mit sportlichem Profil wurde intensiv auf dieses Thema eingegangen, da
Statistiken (Bundesinstitut für Risikobewertung) und Erfahrungsberichte belegen, dass gerade viele
Sportler Energydrinks konsumieren. Der Umgang mit Energydrinks im Schulalltag ist immer ein Thema
in den Vor- und Nachbereitungsgesprächen mit Lehrkräften.
Der Projektbaustein Tom und Lisa wurde 2015 (11 mal) häufiger angefragt als 2014 (4 mal). Zur Alkoholprävention wurde eine Methode entwickelt, in der die Schüler/-innen ihre Einschätzung zu riskantem
und unbedenklichem Konsum abgeben. Die fachliche Reflexion ermöglicht ihnen eine Orientierung,
welcher Umgang mit Alkohol als risikoarm oder aber auch aus verschiedenen Gründen, z. B. im Hinblick auf Eigen- oder Fremdgefährdung/Promillewerte und Autofahren etc. als riskant eingestuft werden kann.
In den Projekten ist bei älteren Schüler/-innen eine Tendenz zum Nichtrauchen spürbar und mit Informationsvermittlung können sie dabei argumentativ unterstützt werden. In den jüngeren Altersklassen
wird die eigene Einstellung besprochen, um die vorhandene kritische Haltung zum Rauchen zu stärken. Zunehmend wurde der Konsum von E-Shishas und E-Zigaretten thematisiert. Inhaltsstoffe und
deren mögliche gesundheitsschädigende Folgen werden in den Projekten benannt sowie ein kritisches
Hinterfragen von Werbestrategien gefördert.
Bei dem Projektbaustein illegale Drogen wurde ein „Substanzkreisel“ erarbeitet, in dem die Schüler/-innen Wirkungen und Nebenwirkungen zu den verschiedenen Substanzen zuordnen sollen.
Die Substanz Cannabis bildete 2015 bei den illegalen Substanzen weiterhin den Schwerpunkt. Der Zugang ist relativ leicht und die Akzeptanz in der Gesellschaft im Vergleich zu anderen illegalen Drogen
relativ hoch. Es wurde ein Tafelbild zum Thema Cannabis entwickelt, welches gemeinsam im Projekt
mit den Schülern erarbeitet wird. Hierbei werden besonders die Langzeitwirkung und die Nebenwirkungen in den Blick genommen, die oft eher unbekannt sind. Die Themen Legalisierung von Cannabis und
Cannabis als Medikament wurden oft diskutiert. Auf rechtliche Rahmenbedingungen in Deutschland
(BtMG) wird im Projekt eingegangen.
Eine wachsende Bedeutung kommt auch Amphetaminen zu. Hierfür wurde das bedarfsgerechte Angebot Cannabis & Crystal entwickelt. Auch im Baustein illegale Drogen werden Crystal und seine Folgeschäden intensiv behandelt.
Im Jahr 2015 wurden insgesamt 43 Medienprojekte durchgeführt (2014: 39) und vier Workshops angeboten. Um exzessive Mediennutzung zu verhindern, sollte Prävention möglichst früh anfangen. Deshalb ist der Medienführerschein in den Grundschulen sinnvoll. In allen Medienprojekten sind die Reflexion des eigenen Konsumverhaltens und der Schutz sensibler Daten und die Auseinandersetzung
mit Cybermobbing wesentlicher Bestandteil.
Mit Gymnasien wurden insgesamt sechs Projekte zum Thema Essstörungen durchgeführt. Das 2014
konzipierte Projekt für die Klassenstufen 6, 7 und 8 „Spieglein, Spieglein,…“ hat sich bewährt und wurde sehr positiv von den Schülern aufgenommen.

26

3.3.3 Deutscher Kinderschutzbund Ortsverband Leipzig e. V.
FREE YOUR MIND
Im Projekt FREE YOUR MIND werden junge Heranwachsende zu sogenannten Schülermultiplikator/-innen
ausgebildet und anschließend bei der Umsetzung ihrer
Ideen für ihre Mitschüler/-innen (peer to peer) begleitet.
Dabei stehen Partizipation, Freiwilligkeit sowie Selbstbestimmung der Jugendlichen im Mittelpunkt.
Sie werden anhand des Lebenskompetenzansatzes (WHO 1994) geschult und langfristig für Projekte
der Suchtprävention und Gesundheitsförderung für ihre peergroups gewonnen.
Im Jahr 2015 wurde das Projekt an zehn Schulen der Stadt Leipzig umgesetzt, wobei sowohl die Schule zur Lernförderung „Johann Heinrich Pestalozzi“ als auch das Louise-Otto-Peters-Gymnasium als
neue Kooperationspartner gewonnen werden konnten.
Mit ca. 95 aktiven Schülermultiplikator/-innen (2014: 83) engagierten sich dabei deutlich mehr Jugendliche im FREE YOUR MIND-Projekt als in den vergangenen Jahren.
Mit Unterstützung von zwölf (2014: 14) ehrenamtlichen FREE YOUR MIND-Trainer/-innen (Studentinnen und Studenten bzw. Erzieher/-innen in Ausbildung) und 15 Koordinator/-innen an Schulen (2014:
16) setzten sie eine Vielzahl suchtpräventiver bzw. lebenskompetenzfördernder Projekte um. Dank dieses hohen ehrenamtlichen Engagements konnten Angebote zur Alkohol- und Nikotinprävention in den
mitwirkenden Einrichtungen realisiert werden. Neben den Stationsspielen „Real Profil“ zur Medienkompetenzförderung, „Mensch mobb‘ mich nicht“ (Mobbingprävention) und „Lebenskünstler“ (allg. Lebenskompetenzförderung) kam auch in diesem Jahr wieder das Programm „bauchgefühl“ zur Vorbeugung
von Essstörungen zum Einsatz.
Mädchen und junge Frauen stellen hierbei eine besondere Risikogruppe dar, weshalb das Thema
„Schönheitsideale und Essstörungen“ einen Schwerpunkt des FYM-Mädchencamps im Juni 2015 bildete. Die Förderung persönlicher und sozialer Kompetenzen (Projekt „Der Weg“) stand dabei im Fokus.
Allgemein lag der Schwerpunkt der Arbeit auf lebenskompetenzfördernden Angeboten wie Team- und
Kennenlernnachmittagen und Spielenächten sowie Bastel- und Mitmachangeboten als besondere Pausenaktionen.
Aber es gab auch eine hohe Beteiligung der Schülermuliplikator/-innen an schulübergreifenden FREE
YOUR MIND-Aktionen: So konnte anlässlich des sogenannten „Tags der Komplimente“ am 24. Januar
eine Aktion mit dem Projekt „Drahtseil“ (Diakonisches Werk, Innere Mission Leipzig e. V.) in der Leipziger Innenstadt umgesetzt werden. Es wurden „Komplimente to go“ in Form kleiner Abreißzettel (u. a.
„Schön, dass es dich gibt“, „Dein Lächeln ist bezaubernd“) an Passantinnen und Passanten verteilt.
Die FYM-Gruppe der Oberschule Mölkau beteiligte sich am alkoholfreien Cocktail-Wettbewerb „Shake
Star“, der am 20. Juni im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche "Alkohol? Weniger ist besser!"
stattfand.

27

Pünktlich zu Beginn des neuen Schuljahres
wurde die Pausenaktion „Voll die Möhre“ an den
zehn Kooperationsschulen durchgeführt. Ziel
dieser Veranstaltung war es, den Schüler/-innen
gesunde Alternativen zu Energydrinks aufzuzeigen. Im Rahmen eines fakultativen „Trendgetränke-Workshop“ für die Klassenstufe 6 und 7
konnten sie ihr Wissen zu diesen koffein- bzw.
stark zuckerhaltige Getränken, insbesondere zu
Inhaltsstoffen und gesundheitlichen Risiken vertiefen.
Foto: Kerstin Susanne Kohl

Vom 27. bis 30. Oktober 2015 fand im Naunhofer „Haus Grillensee“ das viertägige Campseminar zur
Schülermultiplikatorenausbildung statt. Mit Unterstützung der Sächsischen Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e. V. und des Projektes „Drahtseil“ wurde ein Workshop zum Thema „Umgang mit
dem Smartphone“ angeboten. Dabei stellten die angehenden Projektteilnehmer/-innen relevante Informationen zu diversen Apps, Cybermobbing, Handysucht etc. zusammen und reflektierten ihr eigenes
Medienkonsumverhalten. Das hierbei entstandene Arbeitsheft „Smarti Starti“ soll ab 2016 den
Schüler/-innen der Klassenstufe 5 zur Verfügung gestellt werden, die am gleichnamigen Workshop
teilnehmen.
Fachstelle für Suchtprävention im Direktionsbezirk Leipzig

Die Fachstelle für Suchtprävention ist im Direktionsbezirk Leipzig (Stadt Leipzig, Landkreis Nordsachsen, Landkreis Leipzig) aktiv und engagiert sich auch sachsenweit für die Suchtprävention. Sie ist Mitglied im „Landesfachausschuss zur Suchtprävention“ und regionalen Arbeitskreisen.
Für den Austausch der suchtpräventiven Aktivitäten im Direktionsbezirk Leipzig führte die Fachstelle
drei Treffen zur Koordinierung der Suchtprävention im Direktionsbereich Leipzig durch.
Nachfolgende Leistungen wurden für die Stadt Leipzig erbracht.
Am 29.10.2015 fand im Mediencampus Leipzig eine von den Fachstellen organisierte sachsenweite
Fachtagung „Wirksame Suchtprävention im Kindes- und Jugendalter“ statt. Unter dem Motto „Der Köder muss nicht dem Angler schmecken, sondern dem Fisch“konnten sich 125 Teilnehmer/-innen aus
den Bereichen Schule, Jugendarbeit, Gesundheitswesen und Politik mit aktuellen suchtpräventiven
Themen beschäftigen und austauschen.
In ihrer Arbeit setzt die Fachstelle auf Kontinuität und Nachhaltigkeit bewährter Präventionsmaßnahmen. Die Förderung, Verbreitung und Umsetzung von Programmen zur Sucht- und Gewaltprävention
wie „FREUNDE“ und „Kinder lösen Konflikte selbst“ im Elementar- und Primarbereich sowie „Klasse2000“ im Primärbereich bleiben Schwerpunkte der Fachstellenarbeit.

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Starke Kinder - gute FREUNDE – ist ein Programm zur Lebenskompetenzförderung in Kindertageseinrichtungen
In Leipzig entschied sich eine Kindertagestätte für die Umsetzung des FREUNDE-Programmes, dessen Auftakt im November das zweitägige Basisseminar mit dem gesamten Team bildete. Für drei weitere Einrichtungen
führte die Fachstelle Projektvorstellungen durch.
Kinder lösen Konflikte selbst - ein dreijähriges Programm für Kitas, Grundschulen und Horte, gefördert von der Unfallkasse Sachsen
Im Rahmen dieses Programmes führte die Fachstelle für Leipzig im Februar
einen pädagogischen Tag mit Lehrern und Erziehern einer Grundschule und
des angeschlossenen Hortes durch.
Klasse2000 - ein Programm zur Gewalt- und Suchtvorbeugung der Grundschule
Das Programm begleitet Kinder von der 1. bis zur 4. Klasse und fördert Kompetenzen, um sich gesund zu entwickeln. In Leipzig betreut die Fachstelle als Gesundheitsförderer vier
Klassen einer Schule.
Zum interaktiven Stationenspiel LEBENKÜNSTLER (Lebenskompetenzförderung/Suchtprävention in
Klasse 5 - 7) ließen sich im Februar Schulsozialarbeiter/-innen schulen. An zwei Leipziger Schulen
wurde das Spiel mit insgesamt 126 Schülern durchgeführt.
KitaMOVE – „Motivierende Kurzintervention bei Eltern im Elementarbereich“
Erstmals in Sachsen wurde die dreitägige Weiterbildung zur Gesprächsführung für Mitarbeiter/-innen
aus Kitas und Familienzentren durchgeführt, bei der den Teilnehmenden vermittelt wird, wie man auch
schwer erreichbare Eltern motivieren kann, sich über Erziehungs- und Präventionsfragen auszutauschen.
Weiterbildung „Alles total geheim - Kinder aus suchtbelasteten Familien“
Neben dem bestehenden Angebot für Erzieher/-innen aus Kita und Hort entwickelte die Fachstelle eine
Weiterbildung für Schulsozialarbeiter/-innen und Lehrer/-innen der Sekundarstufe I sowie Mitarbeiter/innen von Jugendfreizeiteinrichtungen. Pädagogische Fachkräfte aus Leipzig nahmen an den Seminaren im Mai im Leipziger Land teil.
Als Gemeinschaftsprojekt der Fachstellen Sachsens wurde eine Begleitbroschüre für die Weiterbildung entwickelt. Diese wurde vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz
gefördert.
Lions-Quest/Erwachsen werden – ein Unterrichtsprogramm zur Sucht- und Gewaltprävention für die
Sekundarstufe 1
Zum achten Mal wurde im Juni ein Qualitätssiegel für das Unterrichtsprogramm „Lions-Quest Erwachsen werden“ in der Handwerkskammer zu Leipzig verliehen. Diesmal waren fünf Schulen (drei Leipziger Schulen) aus dem gesamten Direktionsbezirk vertreten und konnten das Siegel in Empfang nehmen.
LIEBER VORBEUGEN, ALS NACH HINTEN FALLEN - Suchtprävention im betrieblichen Kontext
Im Bereich betriebliche Suchtprävention führte die Fachstelle im Rahmen eines Weiterbildungstages
einer sachsenweiten Unternehmensvertretung eine Schulung zum Thema „Betriebliche Suchtprävention“ durch.
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In Zusammenhang mit der Kooperation zu einem Unternehmen für Bildung gestaltete die Fachstelle im
August zwei Veranstaltungen zur Suchtprävention für die Teilnehmer/-innen einer Arbeitsgelegenheit.
Die Mitglieder eines neu gegründeten Arbeitskreises eines Unternehmensverbundes wurden im Februar von der Fachstelle für Suchtprävention beraten und geschult.
Individuelle Beratungen und Verleih von Materialien und Medien
Insgesamt nutzten 27 Schulsozialarbeiter/-innen und Lehrer/innen das Angebot der Beratung zu pädagogischen Vorhaben und den Verleih von suchtpräventiven Medien und Materialien. Aus dem Elementarbereich (Kita, Hort) nutzten im Berichtsjahr 14 PädagogInnen diese Leistung. Entliehen wurden
Rauschbrillen, Materialien zum Basiswissen Sucht/Suchtprävention, das Stationenspiel LEBENSKÜNSTLER oder Materialen zu den Themen Essstörungen, Alkohol- und Tabakprävention, aber auch
Materialien zur Lebenskompetenzförderung (Gefühlekoffer, Spielzeugfreie Zeit u.a.).

Kinder- und Jugendtelefon
Das Kinder- und Jugendtelefon ist ein bundesweites
Angebot für Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 27
Jahren. Es arbeitet niederschwellig, themenoffen und
anonym.
Die Berater/-innen sind montags bis samstags von 14:00
bis 20:00 Uhr unter der kostenfreien Nummer 0800 111
0 333 oder unter der europaweiten, ebenfalls kostenfreien Nummer 116 111 erreichbar.
Europaweit werden in Zusammenarbeit mit Child Helpline International (CHI) telefonische Beratungsangebote für Kinder und Jugendliche unter einer einheitlichen Nummer entwickelt und vernetzt.
Im Jahr 2015 wurden an 302 Tagen (je sechs Stunden Beratungszeit) insgesamt 11.953 Anrufe (2014:
11.552) angenommen. Im Beraterteam arbeiten 28 erwachsene und 7 jugendliche Personen ehrenamtlich.
Das entspricht in etwa 40 Kinder und Jugendliche pro Beratungstag (2014: 38). Die Anzahl besonders
intensiver Beratungsgespräche beläuft sich auf 3.436 (2014: 3.122). Im Vergleich zum Vorjahr ist die
Anzahl der angenommenen Gespräche um 3,4 % gestiegen.
Die Nachfrage nach em@il-Beratung blieb auch in 2015 hoch. Bundesweit wurden über 13.000 Mails
beantwortet. Der Deutsche Kinderschutzbund e. V. bietet die em@ilBeratung seit Januar 2014 in Kooperation mit Nummer gegen Kummer e. V. in Leipzig an. Dieses Projekt ist bislang ausschließlich spendenfinanziert. In Leipzig konnten drei Berater/-innen 394 Anfragen beantworten. Dabei waren die Themenschwerpunkte psychosoziale
Themen/Gesundheit, Probleme in der Familie und Sucht/selbstgefährdendes Verhalten. Der Einzelthemenvergleich zeigt, dass schwerwiegende Probleme wie selbstverletzendes Verhalten, Suizidgedanken oder psychische Probleme weiter zunehmen.
Die Themen, mit denen sich Kinder und Jugendliche an das KJT wenden, sind vielfältig.
Die Bereiche „Partnerschaft und Liebe“ sowie „Sexualität“ sind mit insgesamt 37,8 % am stärksten vertreten, wobei gerade die männlichen Anrufer zum Thema „Sexualität“ Fragen haben und die weiblichen
Anruferinnen eher zum Bereich „Partnerschaft und Liebe“.

30

Die Anfragen im Bereich „Probleme mit der Familie“ sind im vergangenen Jahr um 2,6 % gestiegen.
Hier werden vor allem die Eltern-Kind-Beziehungen als problematisch geschildert, einhergehend mit
fehlender Unterstützung oder gefühlter Benachteiligung. Während die Anfragen zum Thema „Sucht“
insgesamt leicht gesunken sind (von 3,7 auf 2,9 %), nehmen die Anfragen zum Thema Rauchen und
Essstörungen den größten Anteil ein und sind um 9 % gestiegen. Die Anfragen zu „psychosozialen
Themen/Problemen“ bleiben auf dem Niveau von 2014. In dieser Kategorie werden alle Anrufe verzeichnet, die folgende Inhalte kennzeichnen: Trauer/Verlust/Tod, Einsamkeit, Furcht/Angst, Selbstvertrauen, Identität/Sinn des Lebens, psychische Probleme. Diese Kategorie umfasst 28 % der Beratungsgespräche.
Anrufe im Themenbereich Sucht und selbstgefährdendes Verhalten enthalten folgende Indikatoren:
allg. Drogen/Drogensucht, Alkohol, Rauchen, Essstörungen, Selbstverletzung, Suizidalität, übermäßiger Mediengebrauch, Online-Spiele-Sucht oder Kaufsucht. Der prozentuale Anteil von Anrufen zum
Thema Sucht liegt bei 7,2 % und ist vergleichbar mit den Daten von 2014.
Zu den Hauptnutzern des Kinder- und Jugendtelefons zählen seit mehreren Jahren die 12- bis 14-Jährigen sowie die 15- bis 17-Jährigen. Der Anteil beider Altersgruppen lag im Jahr 2015 bei 71,82 %. Der
Anteil der älteren Jugendlichen (18-unter 27 J.) ist um 1 % gestiegen, der Anteil der jüngeren Nutzer
(8-unter 12 J.) ist um 2,5 % gestiegen.
Wie im Vorjahr nutzen verstärkt die männlichen Kinder und Jugendlichen das Angebot. Ihr Anteil liegt
bei 56 %, der Anteil der weiblichen Kinder und Jugendlichen liegt bei 44 %.
Der Anteil der Anrufer/-innen mit Migrationshintergrund liegt in 2015 bei 4 %. Diese Angabe gibt aber
nur sekundär Auskunft über die tatsächliche Nutzung des KJT von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, denn nicht in jedem Gespräch ist dieser Lebensumstand auch Gegenstand und
wird somit erfasst.
In der folgenden Tabelle sind die unterschiedlichen Anrufermotivationen zusammengefasst:
Tabelle 3: Gründe für Anrufe von Kindern und Jugendlichen

Gründe für Anrufe

2012

2013

2014

2015

2.476

1.768

1.939

1.906

emotionale Entlastung/Aussprachebe- 897
dürfnis

95

877

894

Vermittlung von Sachinformationen

318

306

344

Problemklärung

513

Quelle: Deutscher Kinderschutzbund, OV Leipzig e. V., 2016

In 736 Fällen war aufgrund besonderer Lebensumstände und Lebenslagen eine Weitervermittlung an
andere Stellen (z. B. Jugendamt, Schule, medizinische Beratung, Schwangerschaftsberatung, Suchtberatung usw.) notwendig (2014: 706 Fälle). Seit einigen Jahren wächst der Anteil an Weitervermittlungen stetig, was zeigt, dass die Problemlagen einer längeren Fachbegleitung bedürfen. Hier kann das
Kinder- und Jugendtelefon hilfreich sein, in dem die Anrufenden passend und zeitnah emotionale Entlastung und Hinweise für eine fachspezifische Betreuung erhalten.

31

3.3.4 SZL Suchtzentrum gGmbH/Drug Scouts
Information und Beratung
Das Beratungsangebot im „Drug Store“, hat an vier Nachmittagen pro Woche geöffnet und wurde 2015
von 138 Menschen (2014: 107) genutzt. Zu 46 % waren das Konsumierende, außerdem v. a. Angehörige, Schüler/-innen und Studierende. Fast 2/3 der Ratsuchenden nutzte die Möglichkeit, ein Gespräch
zu führen, ohne vorher einen Termin vereinbart zu haben. In den Beratungsgesprächen dominierten
Fragen zu allgemeinen Substanzinformationen, Sorgen und Ängsten, Konsumreflexion, Abhängigkeit
sowie zu Möglichkeiten, den Konsum zu beenden. Die meistbesprochenen Substanzen waren Cannabis, Crystal und MDMA.
Über das Telefon wandten sich 544 (2014: 589) Personen an das Projekt, um Informationen, Beratung
oder Unterstützung zu erhalten (57 % User/-innen, gefolgt von Angehörigen und (Sozial)Pädagog/-innen). Die Gespräche drehten sich hauptsächlich um Cannabis, mit großem Abstand gefolgt von Ecstasy, Speed, Mischkonsum mit Medikamenten sowie Crystal. Hauptthemen waren hier Konsumnachweismöglichkeiten und -zeiten, Drogenwirkungen, Straßenverkehr, Führerschein, rechtliche Fragen
und psychische Belastungen. Von den Nutzer/-innen des Drug Store waren 46 % unter 27 Jahre alt
und bei der telefonischen Beratung 57 %.
Bei Konsumentinnen und Konsumenten, die nicht abstinenzwillig oder -fähig waren, ging es vor allem
um die Vermittlung von Risikokompetenz, bspw. die Thematisierung individueller Warnmerkmale für
problematischen Konsum. Gleichzeitig wurden immer Möglichkeiten einer Konsumreduktion aufgezeigt
und Hilfsangebote der Stadt Leipzig vorgestellt.
Präventionsveranstaltungen
An 13 Präventionsveranstaltungen für Schüler/-innen, Auszubildende und Studierende nahmen 216
Personen teil. Je nach Anliegen wurden grundlegende Kenntnisse in Substanzkunde vermittelt, Anregungen zur Konsumreflexion gegeben, über Risiken des Drogengebrauchs aufgeklärt sowie Angebote
und Arbeitsansatz des Projekts vorgestellt.
An zwölf Veranstaltungen für Multiplikator/-innen nahmen 289 Personen teil (50 mehr als im Vorjahr).
Darin enthalten sind zwei Vorträge beim Fachtag der Leipziger Fachstelle für Suchtprävention, ein
Filmgespräch in der Cinématèque Leipzig, zwei Erste-Hilfe-Kurse und zwei Substanzkundeworkshops
für das Jobcenter Leipzig.
Vor-Ort-Arbeit/Infomaterialien
Im Jahr 2015 wurden in Leipzig 16 Infostände auf Partys und in Clubs durchgeführt inkl. eines mehrtägigen Festivals (Nachtdigital) und zwei Infoständen bei mehrtägigen Partys. Dabei wurden 1.689 Kontakte und 415 Informations- und Beratungsgespräche gezählt. Im Rahmen der Gespräche wurden
Faltblätter und Safer-Use-Materialien ausgegeben.
Informations- und Gesprächsbedarf gab es vor allem zu den Substanzen GHB/GBL, MDMA, Cannabis
und Crystal, gefolgt von Neuen Psychoaktiven Substanzen (NPS), Speed, 2C-B und Alkohol. Hierbei
ging es vor allem um Risiko und Risikominimierung; Hauptthemen waren Drug-Checking-Möglichkeiten und -Ergebnisse, Mischkonsum sowie Safer Sniefen. Zu Krisensituationen kam es meist durch
Mischkonsum (mit Alkohol) oder ungewollten Überdosierungen mit MDMA, GHB/GBL, Ketamin oder
Speed. Erfreulicherweise mussten 2015 in Leipzig weniger Menschen in Krisensituationen betreut werden (insg. 17 Personen).
2015 konnten die Aktivitäten zur Risikominimierung im Nachtleben fortgeführt werden (Safer
Clubbing).

32

Es wurden fünf Schulungen mit Club- und Securitypersonal zu (Erster) Hilfe in Krisensituationen durchgeführt. Die Zahl an Infomaterialien, die Leipziger Veranstalter/-innen für ihre Clubs und Partys mitnahmen bzw. bestellten, hat deutlich zugenommen.
2015 wurden 6 Veranstaltungen für junge Menschen (im Partykontext) zu den Themen Mischkonsum,
(Erste) Hilfe in Krisensituationen, Übergriffe im Nachtleben sowie Neuroenhancement durchgeführt.
Insgesamt nahmen 132 junge Menschen an diesen Veranstaltungen teil.
Außerhalb des Partysettings fanden zwei Infostände zur Projektvorstellung statt - im Rahmen der StuRa-Vorstellungsstraße an der Universität Leipzig sowie beim Markt der Möglichkeiten beim Demokratietheater des StadtSchülerRats Leipzig und KreisSchülerRats Landkreis Leipzig.
Die Drug Scouts beteiligten sich an der Organisation und Durchführung des alkoholfreien CocktailWettbewerbs im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche „Alkohol“.
Über Bestellungen, Infostände und andere Veranstaltungen wurden 47.400 Faltblätter ausgegeben.
Webseite
2015 verzeichnete drugscouts.de insgesamt 2.931.577 Aufrufe (23 % mehr als 2014 ). Davon erfolgten
86.600 Aufrufe aus Sachsen (11 % mehr als 2014) und davon wiederum 38.123 aus Leipzig (11 %
mehr als 2014). Damit ist die Webseite weiter eine der meistbesuchten Drogen-Aufklärungs-Seiten im
deutschsprachigen Internet. Am häufigsten wurden die Seiten
• „Pillenwarnungen“ (854.264 Aufrufe)
• Informationen zu Nachweiszeiten (221.054 Aufrufe) und
• Substanzinfoübersicht (104.654 Aufrufe) angeschaut.
Ein Drittel der Zugriffe erfolgt auf die Rubrik „Pillenwarnungen“, in der hauptsächlich Drug-CheckingErgebnisse aus anderen europäischen Ländern, aber natürlich auch sachsen- oder bundesweite
Warnhinweise veröffentlicht werden.
Das Interesse an Substanzinformationen ist für so gut wie alle Substanzen im Vergleich zum Vorjahr
gestiegen, bei GHB/GBL und Räuchermischungen in etwa gleich geblieben und bei Crystal/Methamphetamin sichtbar gesunken (30 % weniger Zugriffe als 2014).
Es wurden 340 Erfahrungsberichte sowie 1.044 Kommentare veröffentlicht. Die Rubriken „Hilfe in Leipzig“ und Hilfe für „Eltern und Angehörige“ wurden insgesamt 796 Mal aufgerufen. Für die schnelle Verbreitung aktueller Informationen, werden die Facebookseite und der Twitter-Account genutzt.
Sonstiges
Das Projekt wird von vielen ehrenamtlichen Helfer/-innen unterstützt, die 2015 insgesamt 6.568 Stunden für die Arbeit im Projekt investierten.
Die Drug Scouts waren 2015 bundesweit bei verschiedenen Veranstaltungen aktiv einbezogen, z. B.
an der Ausarbeitung der von der Bundesärztekammer initiierten und vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten „Handlungsempfehlungen für die Therapie von Crystal-Meth-Abhängigen“ oder
beim Kölner Gesundheitsamt bei einem Expertenaustausch zum Thema Crystal. Sie referierten auf
der Jahrestagung der Bundesdrogenbeauftragten und hielten für das Sächsische Staatsministerium
der Justiz einen Vortrag zum Thema „Neue Psychoaktive Substanzen“.
Ein weiterer, über das Bundesministerium für Gesundheit finanzierter Teil der Arbeit ist seit Ende März
2015 die Moderation des Online-Selbsthilfe-Portals „breaking-meth.de“, welches vom Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZIS) in Hamburg entwickelt wurde. Es bietet Crystalkonsument/-innen mit
Abstinenzwunsch und ehemaligen User/-innen innerhalb der Stabilisierungsphase die Möglichkeit, sich
über ihre Erfahrungen und aktuelle Erlebnisse auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen.
33

4 Suchtkrankenhilfe
Im Suchthilfewegweiser der Stadt Leipzig finden Bürger Suchtpräventions- und Suchtberatungsangebote verschiedener Träger und
Institutionen. Dieser Wegweiser wird in zweijährigen Abständen neu aufgelegt und ist im
Gesundheitsamt erhältlich. Der Wegweiser
kann auch über die Internetseite der Stadt
Leipzig unter www.leipzig.de/suchthilfe aufgerufen werden.

4.1 Suchtberatungsstellen in der Stadt Leipzig
4.1.1 Versorgungssituation
Suchtberatungsstellen nehmen im Bereich der Beratung, Behandlung und Nachsorge sowie in der Prävention und als Partner in der regionalen Versorgung suchtkranker Menschen eine wichtige Rolle ein.
Die Stadt Leipzig fördert sieben Suchtberatungs- und Behandlungsstellen der Träger Städtisches Klinikum „St. Georg“ Leipzig/Zentrum für Drogenhilfe, Diakonisches Werk Innere Mission Leipzig e. V. und
SZL Suchtzentrum gGmbH mit insgesamt 32,3 Fachkraftstellen (Stichtag 31.12.2015). Sie leisten
einen wichtigen Teil der ambulanten Versorgung und Rehabilitation suchtkranker Menschen außerhalb
der medizinischen Versorgung der Krankenkassen.
Darüber hinaus leisten fünf Fachkräfte aus Leipziger Suchtberatungs- und Behandlungsstellen externe
Suchtberatung in sächsischen Justizvollzugsanstalten (zwei Fachkräfte in der Justizvollzugsanstalt
Leipzig und drei Fachkräfte in der Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen). Die Berichterstattung
der externen Suchtberatung in der JVA in Sachsen erfolgt jährlich im Bericht der Suchtkrankenhilfe in
Sachsen durch die Sächsische Landesstelle gegen die Suchtgefahren e. V.3
32,3 Fachkraftstellen in Leipzig entsprechen einem Versorgungsgrad von 1:16.980 Einwohnern. Damit
steht Leipzig an der Spitze der Versorgungsdichte in Sachsen. Trotz dieses Versorgungsschlüssels
müssen um Rat und Behandlung Suchende oft mehrere Wochen auf einen Beratungstermin warten.
Dies betrifft sowohl Betroffene als auch Angehörige von suchtkranken Menschen.
Die Suchtberatungs- und Behandlungsstellen werden von Menschen ab 18 Jahre genutzt. Sie stehen
prinzipiell auch unter 18-Jährigen offen, werden aber von Jugendlichen sehr selten aufgesucht.
Der Mobile Kinder- und Jugendkonfliktdienst mit Schwerpunkt Suchthilfe ergänzt mit zwei weiteren
Fachkräften in der ambulanten Kinder- und Jugendberatung das ambulante Suchthilfesystem als Ansprechpartner für Minderjährige, deren Eltern und anderer Angehörige.

3

34

Bericht der Suchtkrankenhilfe in Sachsen, Sächsische Landessstelle gegen die Suchtgefahren
e.V., 2016

4.1.2 Klienten in den Suchtberatungs- und Behandlungsstellen
Insgesamt wurden 4.260 Klientinnen und Klienten mit Alkohol- und Drogenproblemen, bei Glücksspielsucht und/oder übermäßigem Medienkonsum sowie deren Angehörige in den Suchtberatungs- und
Behandlungsstellen beraten. Die Beratungskapazitäten der Beratungsstellen waren vollständig ausgeschöpft; 2015 mussten Bürger mit Wartezeiten von bis zu sechs Wochen rechnen.
Die Daten folgender Übersichten stammen aus der Basisdokumentation easy-BADO-k (easy soft
GmbH Dresden). Die Datenerhebung erfolgt in den sieben Suchtberatungs- und Behandlungsstellen
sowie im Fachbereich Familienhilfe entsprechend dem im Jahr 2006 neu erschienenen Deutschen
Kerndatensatz zur Dokumentation im Bereich der Suchtkrankenhilfe. Die Daten werden anonymisiert
dem Institut für Therapieforschung München zur Verfügung gestellt und fließen anschließend in den
Suchtbericht Deutschland ein.
Die zentrale anonymisierte Datenauswertung der Suchtberatungs- und Behandlungsstellen erfolgt darüber hinaus auch im Gesundheitsamt. In den folgenden Übersichten werden wesentliche Klientendaten aus dem Jahr 2015 vorgestellt.
Abbildung 7:Anzahl der Klienten

Unter den Klientinnen und Klienten in Leipziger Suchtberatungs- und Behandlungsstellen befanden sich 3.736 Bürger,
die selbst von einer Suchterkrankung betroffen waren. Es handelte sich um 1.109 Frauen und 2.627 Männer. Hauptproblembereiche waren substanzbezogene Störungen (Alkohol, Medikamente und andere Drogen) sowie verhaltensbedingte Süchte
(hauptsächlich Glücksspielsucht).
524 Bürger kamen als Angehörige zur Beratung, darunter 399
Frauen und 125 Männer.

Quelle: Gesundheitsamt, 2016

Gegenüber dem Vorjahren stieg die Zahl der Klientinnen und Klienten, die Suchtberatungs- und Behandlungsstellen aufsuchten von 4.179 auf 4.260. Ca. 70 % der Klientinnen und Klienten befanden
sich in einem Betreuungsprozess mit mehr als einem Kontakt. Alle anderen führten einmalige Beratungsgespräche mit Suchtberaterinnen und Suchtberatern der Beratungsstellen.
Unter den 4.260 Betreuten befanden sich 2.794 neu- oder wieder aufgenommene Klientinnen und Klienten (ca. 65,6 %). Etwa ein Drittel aller Betreuten befand sich bereits im Vorjahr oder länger im Beratungsprozess einer Suchtberatungs- und Behandlungsstelle.
Der Kontakt zur Suchthilfeeinrichtung wurde vorwiegend durch den Klienten selbst hergestellt (34 %)
bzw. über Angehörige und Bezugspersonen (10 %). Professionelle Einrichtungen wie Krankenhäuser,
Ambulanzen und soziale Einrichtungen vermittelten etwa 7 % der Klientel an Suchtberatungs- und Behandlungsstellen. Über das Jobcenter Leipzig und die Agentur für Arbeit wurden mehr als 4 % der Klienten und Klientinnen vermittelt. Ebenso häufig (4,5 %) vermittelten Jugendhilfeeinrichtungen und Allgemeine Soziale Dienste. Niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten vermittelten etwa 3 % aller
Klienten. Alle anderen kamen über verschiedenste Einrichtungen wie Justiz (3 %), Betriebe und Schulen (2 %) und andere.

35

4.1.3 Diagnosen und Hauptsubstanzen
In der Dokumentation der Klientendaten in Suchtberatungsstellen werden Hauptsubstanzen, Glücksspielsucht und Essstörungen als Hauptdiagnose festgelegt. Diese Hauptdiagnosen spielten nach diagnostischen Kriterien die größte Rolle am Beginn einer Behandlungsepisode. Die Mehrheit der Betroffenen konsumierte jedoch mehr als eine Substanz. In vielen Fällen musste man von Mehrfachabhängigkeit bzw. Polytoxikomanie sprechen. Auch Klienten mit Alkoholabhängigkeit oder Glücksspielsucht
missbrauchen häufig zusätzlich Alkohol, Medikamente und Drogen. Unter Glücksspielsucht kann auch
der sog. Medienmissbrauch verschlüsselt werden. Die Kombination von Substanzmissbrauch und Medienabhängigkeit steigt vor allem in den jüngeren Klientengruppen.
Die Zahl der Beratungsgespräche für Bürger mit Drogenproblemen stieg stetig an, demgegenüber
sank die Zahl derer, die primär wegen Alkoholproblemen versorgt werden konnten.
In der folgenden Übersicht wird die Entwicklung der Klientenzahlen seit 2009 sichtbar: Die Zunahme
der Klientenzahlen entspricht dem hohen Aufnahmedruck in den Beratungsstellen. Trotz der guten
Versorgungssituation in Leipzig im Verhältnis zu anderen Regionen in Sachsen konnte die Nachfrage
nach kurzfristigen Beratungsterminen nicht erfüllt werden. Die Wartezeiten für die Vergabe von Erstgesprächen belaufen sich auf zwei bis sechs Wochen. Neu eingerichtete Drogensprechstunden in zwei
Beratungsstellen, die von drogensüchtigen Menschen spontan und ohne feste Terminvereinbarung
wahrgenommen werden können, werden in der Regel gut genutzt.
Abbildung 8: Betreuungszahlen 2009, 2011, 2013, 2015

Quelle: Gesundheitsamt 2016

Klientinnen und Klienten in den Suchtberatungsstellen erhielten folgende, unten aufgeführte Hauptdiagnosen. Die absolute Häufigkeit der Diagnosegruppen sind in den Abbildungen 11 und 12 dargestellt.
Danach war auch im Jahr 2015 die am meisten konsumierte Droge Alkohol (1.912 Betroffene), wenn
auch leicht rückläufig gegenüber den Vorjahren.
Trotz des leichten Rückgangs der Beratungsfälle ist jedoch nicht zu erwarten, dass dieser Problembereich und der Bedarf nach ambulanten Hilfen für Menschen mit Alkoholabhängigkeit in der Bevölkerung nachlässt.

36

Erstmalig tritt an zweite Stelle der vergebenen Hauptdiagnosen die Substanz Stimulanzienabhängigkeit. Hierbei handelt es sich in den meisten Fällen um sog. Crystalabhängige.
Opioidabhängigkeit (meist Heroin) wurde mit 606 Fällen am dritthäufigsten diagnostiziert (gegenüber
2013: 706 u. 2014: 613) und ist damit tendenziell rückläufig.
Cannabinoidabhängigkeit (2015: 296) wurde als konsumierte Hauptsubstanz wieder häufiger festgestellt (2013 u. 2014: 255).)
Die Glücksspielsucht lag 2015 bei 125 Fällen und stieg ebenfalls leicht an (2014:107).
Andere Hauptdiagnosen unter Substanzabhängigkeiten (Medikamente, Kokain) wurden nur in sehr wenigen Fällen vergeben.
Abbildung 9: Hauptproblembereiche der Klienten

Quelle:Gesundheitsamt 2016

In der folgenden Übersicht (Abbildung 12) sind die Entwicklungen der Zu- oder Abnahmen im Laufe
der letzten Jahre seit 2009 noch einmal zusammengefasst
1. Stimulanzien: Die Entwicklung zeigt eine deutliche Verschiebung der Diagnosen in den Suchtberatungsstellen zugunsten der Menschen mit Stimulanzienabhängigkeit („Crystalkonsum“).
Diese Klientengruppe hat sich um das Zwölffache vergrößert und führte zu einer vielfachen
Veränderung der Aufgabenfelder der Suchtberater und Therapeuten. Besonders in dieser
Gruppe verstärkten sich zwingend die Kooperationsbeziehungen zu anderen Sozialdiensten
(vorrangig Allgemeine Soziale Dienste) und erforderte häufig den Einbezug der Familien (Partner und Kinder) in die Arbeit. Die Betreuung dieser Gruppe zieht in der Regel einen enormen
organisatorischen und zeitlichen Mehraufwand nach sich: veränderte Terminvergaben, Einbezug der Familien, verstärkte Sozialarbeit u. a. Die Suchtberatungsstellen mussten ihre Konzepte an diese Herausforderungen anpassen. Längere Wartezeiten für Terminvergaben und
Neuaufnahmen, die zwei bis sechs Wochen betragen können, sind eine der Folgen.
2. Cannabis: Nachdem die Diagnosehäufung bis 2014 auf einem Niveau stabil blieb, ist nun ein
leichter Anstieg zu verzeichnen. Vor allem unter jungen Klientengruppen sind steigende Tendenzen und Kombinationen mit anderen Drogen oder Medienmissbrach zu beobachten.
3. Opioide (meist Heroin): Die Hauptdiagnose Heroinabhängigkeit nahm weiter geringfügig ab.
Heroin wurde weiterhin konsumiert, trat aber sehr häufig in Kombination mit Stimulanzienabhängigkeit auf. Die Mehrfachabhängigkeit wird in der Statistik nicht abgebildet.

37

4. Alkohol: Der rückläufige Trend dieser Diagnosehäufung spiegelt die sich über Jahre veränderte Versorgungssituation von Menschen in Suchtberatungsstellen wider. Es müssen mehr Menschen mit Drogenabhängigkeit betreut werden. Durch längere Wartezeiten im Aufnahmeprozess kommt es zu einer Verschiebung innerhalb der Klientengruppen. Die Zahl der betreuten
Menschen mit Alkoholdiagnosen geht zurück.
Abbildung 10: Entwicklung der Diagnosehäufigkeiten von 2009 bis 2015

Quelle:Gesundheitsamt 2016

4.1.4 Substitutionsbehandlung
Im Jahr 2015 wurden in Leipzig 703 Patientinnen und Patienten im Wesentlichen in zwei Arztpraxen
mit diesem speziellen Leistungsangebot substituiert (2014: 654). Zum Stichtag 01.10.2015 befanden
sich 362 Patientinnen und Patienten in der Behandlung.
14 Ärztinnen und Ärzte in Leipzig verfügten 2015 über die Qualifikation zur Substitutionsbehandlung für
opiatabhängige Patientinnen und Patienten (Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung).
Tabelle 4: Substitution

2013

2014

substituierte
Patienten

Leipzig
Sachsen

2015

Patienten
substituierte
zum Stichtag Patienten
01.10.2013

Patienten
substituierte
zum Stichtag Patienten
01.10.2014

Patienten
zum Stichtag
01.10.2015

784

437

654

362

703

362

1087

648

951

593

1038

595

Quelle: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

Fachkräfte der Arbeitsgruppe „Psychosoziale Begleitung“ aus Leipziger Suchtberatungs- und Behandlungsstellen und aus Beratungsstellen des Landkreises Leipzig trafen sich drei Mal zum Fachaustausch im Gesundheitsamt. Die Kolleginnen und Kollegen aus den Beratungsstellen beraten sich zu inhaltlichen und formellen Fragen der Zusammenarbeit mit substituierenden Ärztinnen und Arzte sowie
zur aktuellen Versorgungslage.

38

2015 wurden 389 Klientinnen und Klienten, die sich in Substitutionsbehandlung befanden, psychosozial begleitet. Den Hauptteil der Versorgung leisteten die Beratungsstellen „Alternative“ mit 313 und die
Beratungsstelle Blaues Kreuz mit 43 Betreuungsfällen.

4.1.5 Altersverteilungen
Drogenabhängige, die in Suchtberatungs- und Behandlungsstellen betreut werden, sind meist zwischen 25 und 40 Jahren alt. Drogenabhängige in der Altersgruppe 25 bis 30 Jahre haben deutlich zugelegt. In der Altersgruppe der 30- bis 40-Jährigen hat die Zahl am stärksten gegenüber 2014 zugenommen. Mit einem Zuwachs um mehr als 100 wurden dort über 800 drogenabhängige Menschen betreut.
Demgegenüber gibt es kaum sehr junge Klientinnen und Klienten mit Substanzkonsum in Suchtberatungs- und Behandlungsstellen. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Alkohol- oder Drogenmissbrauch werden vorwiegend vom Projekt Drahtseil betreut und in Kliniken vermittelt.
Alkoholabhängige Menschen werden häufig erst zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr und darüber
hinaus in Suchtberatungs- und Behandlungsstellen vorstellig. In der Altersgruppe über 60 Jahre wurden etwa 250 alkoholabhängige Menschen betreut.
Abbildung 11: Altersgruppen der Alkohol- und Drogenabhängigen

Quelle:Gesundheitsamt 2016

In den folgenden Grafiken sind noch einmal die Klientengruppen in Suchtberatungs- und Behandlungsstellen für die jeweilige Hauptsubstanz nach Alter und Geschlecht dargestellt.

39

Abbildung 12: Hauptdiagnose Alkohol nach Alter und Geschlecht

Quelle:Gesundheitsamt 2016

Unter alkoholabhängigen Menschen in Suchtberatungs- und Behandlungsstellen befinden sich 27 %
Frauen. Der Altersschwerpunkt liegt bei bei den 30- bis 60-Jährigen.
Abbildung 13: Hauptdiagnose Opioide nach Alter und Geschlecht

Quelle:Gesundheitsamt 2016

Der Frauenanteil unter den Opioidabhängigen (i. d. R. Heroin) beträgt ca. 33 %. Die meisten Betreuten
dieser Substanzgruppe sind 30 bis 50 Jahre alt.

40

Abbildung 14: Hauptdiagnose Stimulanzien nach Alter und Geschlecht

Quelle:Gesundheitsamt 2016

Bei den Stimulanzien (i. d. R. Crystal) liegt der Frauenanteil bei 35 %. Diese Klientengruppe ist hinter
der Gruppe der Alkoholabhängigen die größte. Hier vertreten sind meist 21- bis 40-Jährige.

4.1.6 Berufliche Situation und überwiegender finanzieller Unterhalt der Klienten
Abbildung 15: Berufliche Situation der Klienten

Quellen:Gesundheitsamt 2016

Mehr als 57 % der betreuten Klientinnen und Klienten in Suchtberatungs- und Behandlungsstellen waren zu Beginn ihrer Behandlungsepisode arbeitslos gemeldet. Jene, deren berufliche Situation unbekannt blieb (9 %), verfügten zum Teil ebenfalls über kein eigenes Einkommen. Somit waren ca. zwei
Drittel aller Klientinnen und Klienten im Beobachtungszeitraum arbeitslos. Der Anteil der Gruppe der
beruflich Beschäftigten unter den Betroffenen in Suchtberatungs- und Behandlungsstellen (2015 unter
25 %) ist gegenüber den Vorjahren kontinuierlich zurückgegangen. Dieses Viertel der Klientinnen und
Klienten bezog 2015 ihr Einkommen aus einer Erwerbs- und Berufstätigkeit.
Mehr als 52 % der Betroffenen bezogen 2015 Arbeitslosengeld II, dazu kamen knapp 5 % mit Arbeitslosengeld I-Bezug. Fast 7 % der Betroffenen bezogen ihr Einkommen über Renten und rund
3 % erhielten BAföG oder Ausbildungsgeld.
41

4.1.7 Herkunft der Klienten / Staatsangehörigkeit
Tabelle 5: Herkunft

Nationalität/Aufenthaltsstatus

Klienten in Suchtberatungsund Behandlungsstellen

In Prozent (gerundet)

4.078

95,7 %

34

0,8 %

aus einem EU-Land

40

0,9 %

aus einem Land außerhalb der EU

65

1,5 %

Asylantrag gestellt oder bewilligt

33

0,8 %

5

0,1 %

Deutsche
darunter Spätaussiedler

ohne Angabe, unbekannt
Quelle: Gesundheitsamt 2016

Unter allen Klientinnen und Klientenbefanden sich nur wenig Menschen mit Migrationshintergrund.

4.1.8 Einige Leistungsarten
Tabelle 6: Ausgewählte Leistungen

Ausgewählte Leistungsbereiche

2012

2013

2014

2015

Vermittlungen in Krankenhausentzugsbehandlungen

259

196

182

162

Vermittlungen in ambulante und
stationäre Alkoholentwöhnungsbehandlungen

237

237

257

154

Vermittlungen in ambulante u.
stationäre Drogenentwöhnungsbehandlungen

155

135

164

145

Vermittlungen in Therapie wegen Glücksspielsucht und übermäßigem Mediengebrauch

10

8

20

21

Nachsorgefälle nach Entwöhnungsbehandlungen

219

213

229

266

Psychosoziale Begleitung bei
Substitution

438

360

390

389

Quelle: Gesundheitsamt 2016

42

Geringere Vermittlungen in Entzugsbehandlungen über die letzten Jahre hängen von den unterschiedlichen Aufnahmeprozedere der Kliniken ab. Häufig wird erwartet, dass sich behandlungsmotivierte Klientinnen und Klienten selbstständig anmelden und sich auf Wartelisten setzen lassen.
2015 wurden auch deutlich weniger Klientinnen und Klienten in Alkohol- und Drogenentwöhnungsbehandlungen/Rehabilitation vermittelt (2015: 299 Fälle; Vorjahr 421). Die Zahl der Vermittlungen in Kliniken wegen
einer Spiel- und Glücksspielsucht ist mit 21 leicht gestiegen. Der Umfang der psychosozialen Begleitungen
bei Patientinnen und Patienten in Substitutionsbehandlung ist gegenüber dem Vorjahr etwa gleich geblieben.

4.1.9 Fachbereich Familienhilfe des Zentrums für Drogenhilfe
Das Zentrum für Drogenhilfe des Städtischen Klinikums "St. Georg" Leipzig bietet seit 2009 ambulante
Hilfen für suchtkranke Mütter bzw. Väter und ihre Kinder an. In einem Team arbeiten sowohl Familienhelfer/-innen, begleitet durch suchtspezifische Co-Helfer (ambulantes Team Familienhilfe) als auch
Mitarbeiter/-innen der Suchtkrankenhilfe.
Die integrative Zusammenarbeit gewährleistet ein einheitliches Fallverständnis mit abgestimmter Betreuungsstrategie zwischen den Fachkräften des ambulanten Teams und den Fachkräften der Suchthilfe.
Der Fachbereich bietet nachstehende spezifische Hilfen für Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien und deren Eltern an:
•

Sozialpädagogische Familienhilfe „Sucht“ (SPFH nach § 31 SGB VIII)

•

Erziehungsbeistand (nach § 30 SGB VIII)

•

Gruppenangebot MUT! (Mütter/Väter-Unterstützungstraining)
Die Inanspruchnahme steigt und der 15. Kurs konnte begonnen werden.

•

Gruppenangebote für Kinder aus suchtbelasteten Familien (Förderung der Modellprojekte
„Trampolin“ und „Sprungbrett“ durch das Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz bis Ende 2016)
2015 fanden zwei in sich abgeschlossene „Trampolin“ - Gruppen, eine Anschlussgruppe
„Sprungbrett“, eine größere Ferienaktion und ein Angebot einer offenen Kindergruppe statt.

•

Suchtberatung und Rückfallpräventionsgruppen für suchtkranke Mütter und Väter

Im Jahr 2015 nahmen 201 Klientinnen und Klienten die Angebote der Suchtberatung des Fachbereiches Familienhilfe in Anspruch. Der Hauptteil der betroffenen Klienten sind Frauen (78,1 %), häufig mit
nur geringem Bildungsstand.
Die am häufigsten konsumierte Substanz war Crystal. Die systemische Komplexität der betreuten Klienten erzeugte eine hohe Beratungsdichte. In 68 Fällen waren die beiden Fachkräfte an Hilfeplangesprächen nach § 36 SGB VIII beteiligt.
Es wurden 357 Hausbesuche durchgeführt.
Im Bereich der ambulanten Hilfen zur Erziehung mit dem Schwerpunkt „Sucht“ wurden in diesem Tandem-Modell in den letzten 6 Jahren 136 Familien mit insgesamt 232 Kindern stundenweise betreut.
Aktuell werden 36 Familien unterstützt.
Die Familiensysteme zeigten einen multiplen Substanzgebrauch mit einem Anteil von ca. 82 % illegaler
Drogen.

43

4.2 Projekt DRAHTSEIL des Diakonischen Werkes Innere Mission Leipzig e. V.
4.2.1 Beratungsangebot des Projektes
Die starke Nachfrage nach den Beratungsangeboten des Projektes DRAHTSEIL blieb 2015 bestehen.
2015 konnten dort 303 Klientinnen und Klienten betreut werden. Es wurden insgesamt 1.021 Einzelberatungen durchgeführt, wobei der Hauptfokus nach wie vor die Themen „Problemeinsicht“ und „Änderungsmotivation“ betraf. Der erneute Anstieg der Beratungszahlen sorgte phasenweise für Wartezeiten. Hauptgründe waren eine deutliche Zunahme der Altersgruppe der 13-Jährigen und deutlich längere Wartezeiten für dahinter stehende weiterführende Hilfen (z. B. stationäre Einrichtung HELIOS ParkKlinikum Leipzig). Diese Wartezeiten wurden mit fortführender Motivationsarbeit überbrückt. Eine weitere Klientel mit hohem Betreuungsaufwand waren minderjährige drogenkonsumierende Mütter, die
von den Suchtberatungs- und Behandlungsstellen nicht betreut werden konnten. Neben der eigentlichen Beratung war die Frequenz der Hilfeplangespräche hier um einiges höher. Ähnlich war dies bei
den unter 14-Jährigen, die aufgrund ihrer Entwicklung und Reife eines erhöhten Betreuungsaufwandes
bedurften.
Die Beratung des unmittelbaren sozialen Umfelds (Eltern, Betreuer) ist nach wie vor ein wichtiger Faktor der Arbeit im DRAHTSEIL, damit Hilfeprozesse optimiert und im familiären Kontext ein gesundes
Klima mit klaren Regeln und Grenzen entstehen kann.
Tabelle 7: Beratungen im Projekt DRAHTSEIL nach Altersgruppen und Geschlecht
unter 14-Jährige

14- bis 18-Jährige 19- bis 25-Jährige über 25-Jährige

Gesamt

männlich

34

123

26

2

185

weiblich

24

69

22

3

118

Gesamt

58

192

48

5

303

Quelle: Projekt DRAHTSEIL, 2016

Der Erstkontakt erfolgte überwiegend telefonisch und wurde in der Regel über die Eltern oder Betreuer
hergestellt. Auch der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) und die Jugendgerichtshilfe nutzen das Angebote regelmäßig. Die Zusammenarbeit mit dem ASD verbesserte sich in den letzten Jahren. Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter wurden zu mehreren Hilfeplangesprächen eingeladen und konnten
so in der Zusammenarbeit die Hilfen für die Betroffenen effektiver gestalten.
2015 wurde festgestellt, dass die Anzahl der Crystalkonsumenten auf hohem Niveau stagniert. Im Gegenzug dazu nahm die Beratung von Jugendlichen mit einem hohen Cannabisgebrauch wieder deutlich zu.
Prinzipiell muss festgestellt werden, dass bei der jugendlichen Klientel häufig keine Änderungsmotivation vorliegt. Dies unterscheidet sich zu älteren Konsumenten (Alter 18 bis 19), die deutlich reflektierter
mit der Thematik umgehen und zunehmend auch einen Veränderungswunsch haben. Gerade die Arbeit mit jungen Konsumenten zeigt aber deutlich, dass eine frühe Intervention einen positiven Einfluss
auf den Konsumverlauf nehmen kann.
Auffällig war weiterhin, dass der Anteil konsumierender Eltern (THC, Kokain, Crystal) ein immer stärker werdendes Thema in der Beratung ist. Oft sind Eltern nicht in der Lage, Grenzen zu setzen oder in
Konfliktgespräche mit ihrem Kind zu treten.

44

Wie bereits in den Vorjahren stellte 2015 Mischkonsum das zentralste Problem bei den meisten Konsumentinnen und Konsumenten dar. Neben dem nach wie vor hohen Crystalkonsum wurde auch ein
Anstieg des Cannabiskonsums deutlich. Auch wenn die Fallzahl nur unerheblich gestiegen ist, wurde
in der Beratung festgestellt, dass sich die Konsummuster verfestigten. So ist täglicher Cannabiskonsum in höheren Mengen entschieden häufiger anzutreffen als in den Vorjahren. Ansonsten blieben die
üblichen Substanzkombinationen erhalten. Crystal und Alkohol, Crystal und Cannabis sind häufig kombiniert anzutreffen, wobei zunehmend eine Kombination mit intensivem Medienkonsum erfolgt.
Nikotinmissbrauch spielte ab der Altersgruppe der 12- bis13-Jährigen eine Rolle. Auffällig ist, dass viele der Klientinnen und Klienten bereits mit 9 oder 10 Jahren mit dem Nikotinkonsum begonnen haben.
Wartezeiten waren auch 2015 nicht vermeidbar, trotzdem konnte auch in Krisenfällen meist ein zeitnaher Termin gefunden werden.
Die Idee einer offenen Sprechzeit besteht nach wie vor, konnte aber 2015 noch nicht umgesetzt werden. Perspektivisch ist aber eine solche Sprechzeit angedacht, um einen schnellen Kontakt zum Beratungskontext erhalten zu können.
Bei dem Problem „Pathologischer Medienkonsum“ blieben die Fallzahlen auf Vorjahresniveau. Die
zentrale Problemgruppe sind männliche Jugendliche im Altersbereich 14 bis 18, der Anteil der Mädchen ist eher gering und beschränkt sich auf exzessive Handynutzung. In vielen Fällen konnte die Problematik durch Familiengespräche und das Vereinbaren klarer Regeln und Grenzen positiv beeinflusst
werden. Nur in wenigen Fällen war eine längerfristige Beratung oder sogar eine Vermittlung in ambulante und stationäre weiterführende Hilfsangebote notwendig. Hauptproblembereich bleiben Online
Echtzeit-Strategiespiele (auch bekannt als MOBA - Multiplayer Online Battle Arena), die von vielen Betroffenen sehr zeitintensiv genutzt werden. Zusätzlich zu normalen Pubertätskonflikten entwickeln sich
so häufig stark verhärtete Fronten zwischen Jugendlichen und ihren Eltern. Die hohe emotionale Beteiligung am Spiel tut ihr Übriges, um die Konflikte massiv zu verschärfen.
Eine Ausnahme bilden Klientinnen und Klienten, die sowohl eine Medien- als auch eine Drogenproblematik haben. Hier kommt es häufig zu Problemverschiebungen je nach, dem welcher Bereich vom sozialen Umfeld sanktioniert wird. Hauptgründe für eine Beratung sind häufig soziale Schwierigkeiten,
Schulprobleme oder emotionale Eskalationen im häuslichen Umfeld. Die Kooperationen mit stationären Einrichtungen und niedergelassenen Psychologen haben sich sehr bewährt.
Auch 2015 gab es in 18 Einzelfällen Anfragen zu Essstörungen. Im Rahmen einer Einmal- bzw. Erstberatung werden den Betroffenen Kontaktadressen und weiterführende Hilfsangebote vermittelt. Aufgrund der langen Wartezeiten für eine psychotherapeutische Behandlung und der fehlenden spezifischen Angebotsstruktur kommen hier, wie in den Vorjahren, zu Vermittlungsengpässen.
Die moderierte Elterngruppe fand wieder im monatlichen Rhythmus statt. Die Gruppe wird überwiegend von Eltern aus dem Einzelberatungs-Setting des Projektes Drahtseil, aber auch von Eltern, die
von anderen Beratungsstellen aufgrund der eigenen Betroffenheit bzw. Themenspezifik vermittelt wurden, besucht. Die Teilnehmer/-innen schätzen das Gruppenangebot als sinnvolle Ergänzung zur Einzelberatung, aber auch als gute Informations-, Motivations- und Austauschplattform mit Gleichbetroffenen. Die fachliche Anleitung bzw. Moderation begleitet diese Veranstaltung thematisch, steht für fachliche Anfragen zur Verfügung und gewährleistet den geschützten Rahmen dieser Veranstaltung.
Drogensprechstunde
Gemeinsam mit der Therapiestation für abhängigkeitserkrankte Kinder und Jugendliche „Teen Spirit
Island“ (TSI) des HELIOS Park-Klinikums Leipzig wurden die Klientinnen und Klienten innerhalb der
Drogensprechstunde wie folgt betreut (Zahlen umfassen sowohl die Drogensprechstunde im Setting
Klinik als auch im Setting DRAHTSEIL):

45

Tabelle 8: Anzahl der Beratungen in der Drogensprechstunde

2013

2014

2015

Anzahl der Gespräche

229

265

238

Anzahl der betreuten Personen

126

172

155

Gesamtfälle im Bereich Medien

3

10

7

Quelle: Projekt DRAHTSEIL, 2016

Nachsorgefälle (nach stationärem Aufenthalt) sind in den Zahlen enthalten.
Die Drogensprechstunde bietet Jugendlichen bis 18 Jahre und deren Angehörigen eine sehr gute Gesprächs- sowie Informationsplattform, wenn es um die Aufnahme einer qualifizierten Entzugsbehandlung geht.
Speziell für diese Zielgruppe wurde diese niedrigschwellige Beratungsform geschaffen und wird im 14tägigen Rhythmus in den Räumlichkeiten des Projektes DRAHTSEIL angeboten (ggf. auch gemeinsame Betreuung direkt im HELIOS Park-Klinikum). Für die Mitarbeiter/-innen der Beratung des Projektes
DRAHTSEIL ist die Station TSI des HELIOS Park-Klinikums ein wichtiger Kooperationspartner, da neben der engen inhaltlichen und thematischen Zusammenarbeit vor allem in der unmittelbaren Arbeit
mit der Klientel die Vermittlung in diese spezifische Hilfe sehr zeitnah und unkompliziert („Hilfen aus einer Hand“) angeboten werden kann.
Der überwiegende Teil der Jugendlichen sowie deren Angehörige werden direkt aus dem Beratungskontext des Projektes DRAHTSEIL vermittelt, so dass eine entsprechende Vororientierung für die Drogensprechstunde bzw. die Aufnahme einer ambulanten oder stationären Behandlung hier bereits stattgefunden hat.
Auch 2015 muss wieder festgestellt werden, dass viele Anfragen bezüglich einer stationären Behandlung erst sehr spät erfolgten und mit akutem Handlungsdruck über richterliche Verfügung erwirkt werden mussten. Dies erschwert das Entwickeln einer konstruktiven Arbeitsbasis mit dem Klienten sehr.
In der Altersstruktur war eine deutliche Verlagerung des Einstiegsalters (von ca. 15 auf 13 Jahre) für
die stationäre Behandlung erkennbar.
Dieses junge Alter stellt aufgrund der mangelnden Einsichtsfähigkeit in die Problemlage eine große
Herausforderung in der Beratungs- und Therapiearbeit dar. Zusätzlich kam im Verlauf des vergangenen Jahres erschwerend hinzu, dass die Station TSI über einen längeren Zeitraum voll belegt war und
es so zu ungewohnt langen Wartezeiten für die Betroffenen kam.
Bei Wartezeiten bis zu drei Monaten ist es sehr schwer, Jugendliche für die stationäre Aufnahme zu
motivieren, so dass es in der Beratung zu häufigeren und längeren Beratungs- und Kontaktzeiten kam
(auch in der Drogensprechstunde).
Die Arbeit und Kooperation im Rahmen der Drogensprechstunde hat sich auch in diesem Jahr bewährt
und soll im Folgejahr fortgesetzt werden.

46

4.3 Stationäre Einrichtungen
4.3.1 HELIOS Park-Klinikum Leipzig
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am HELIOS
Park-Klinikum Leipzig (Station Teen Spirit Island TSI)
Tabelle 9: Aufnahmen auf der Station TSI, absolute Häufigkeiten der Hauptdiagnosen (HD)

Hauptdiagnosen (HD)
Psychische u. Verhaltensstörungen
durch psychotrope Substanzen

unter 18 Jahre

über 18 Jahre

m

w

m

w

Alkohol

2

2

0

0

Crystal

9

12

0

1

Cannabinoide

22

12

1

0

Polytoxikomaner Konsum

20

13

0

0

Problematischer Medienmissbrauch

3

0

0

0

HD Opiate

1

1

0

0

Quelle: HELIOS Park-Klinikum Leipzig, 2016

2015 wurden 99 Patienten auf der Station für abhängigkeitserkrankte Kinder und Jugendliche behandelt. Der Aufnahmedruck war unverändert hoch.
Im Vergleich zu 2014 haben die Konsumentinnen und Konsumenten mit Hauptdiagnose Cannabis zugenommen. Die Anzahl der Jungen mit Cannabiskonsum war doppelt so hoch. Insgesamt wurden 41
Mädchen und 58 Jungen behandelt.
Die unter polytoxikomanem Konsum angegebenen Jugendlichen haben Crystal und Cannabis auf Abhängigkeitsniveau konsumiert. Zwei Jugendliche wurden von Opiaten entzogen.
Der bei einigen Jugendlichen zusätzliche Alkoholkonsum erfolgte oft auf Missbrauchsniveau.
Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am HELIOS Park-Klinikum Leipzig
Die Klinik hat eine Bettenkapazität von 260 Betten. 2015 wurden 4.898 Patientinnen und Patienten aufgenommen. Darunter befanden sich Menschen mit folgenden Abhängigkeitsdiagnosen:

47

Tabelle 10: Aufnahmen Park-Klinikum, Klinik für Psychiatrie, nach Alter und Geschlecht
Alkohol

Opioide

Cannabinoide

Sedativ
Hypnotika

Kokain

Stimulanzi- Multipler
en
Substanzgebrauch

m

w

m

w

m

w

m

w

m

w

m

w

m

w

18 – unter 26
Jahre

77

25

5

6

28

4

2

1

0

0

47

20

28

16

26 – unter 40
Jahre

406

110

47

20

22

7

8

0

0

1

89

35

91

29

40 – unter 60
Jahre

879

226

11

1

4

1

5

1

0

0

8

4

12

1

Über 60 Jahre

218

50

0

1

0

0

1

5

0

0

0

0

1

0

1580

411

63

28

54

12

16

7

0

1

144

59

132

46

Gesamt

Quelle: HELIOS Park-Klinikum Leipzig, 2016

Im Entgiftungsbereich erfolgt die Akutbehandlung von alkohol- und medikamentenabhängigen Patienten.
Hauptaufgaben in der Akutbehandlung sind körperliche Entgiftung, qualifizierte Entzugsbehandlung,
Behandlung chronisch und mehrfach geschädigter alkoholkranker Patienten und Krisenintervention
von alkohol- und/oder medikamentenabhängigen Patienten.
Es besteht zudem die Möglichkeit der Krisenintervention für drogenabhängige Patienten. Liegen weitere psychische Erkrankungen vor, werden sie im Rahmen des stationären Aufenthaltes ebenfalls behandelt und das weitere Vorgehen gemeinsam besprochen und organisiert.
Die Klinik betreibt seit 2009 in der Soteria-Klinik Leipzig eine geschlossen geführte Drogenentgiftungsstation mit 16 Betten.

Soteria Klinik Leipzig - Fachklinik für Suchterkrankungen am HELIOS Park-Klinikum Leipzig
Die Soteria-Klinik Leipzig – Fachklinik für Suchterkrankungen am HELIOS Park-Klinikum Leipzig verfügt über eine Abteilung für qualifizierten Entzug (56 Betten), eine Abteilung Rehabilitation (154 Plätze)
für alkohol-, medikamenten- und drogenabhängige Patientinnen und Patienten, eine Adaptionseinrichtung in der Ludwig-Erhard-Straße (23 Plätze), Betreutes Wohnen. Folgende Behandlungszahlen des
Jahres 2015 wurden von der Klinik für die Bereiche Rehabilitation und Adaption bekannt gegeben.

48

Bereich Rehabilitation
Die Klinik hat 154 Betten.
Tabelle 11: Aufnahmen im Park-Klinikum, Abteilung Rehabilitation, nach Alter und Geschlecht
Alkohol

Opioide

Cannabinoide

Sedative
oder Hypnotika

Kokain

Stimulanzien

Multipler
Substanzgebrauch

m

m

m

m

m

m

m

w

w

w

w

w

w

w

18 – unter 26 Jahre

8

1

0

0

6

2

0

0

0

0

10

3

10

5

26 – unter 40 Jahre

100

12

1

1

7

2

0

0

1

0

36

16

75

9

40 – unter 60 Jahre

155

41

0

0

0

0

0

0

0

1

4

1

4

2

20

3

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

283

57

1

1

13

4

0

0

1

1

50

20

89

16

über 60 Jahre
Gesamt

536

Quelle: HELIOS Park-Klinikum Leipzig, 2016

Die Rehabilitationsabteilung führte im Jahr 2015 insgesamt 536 Behandlungen durch. Den größten Teil
der Rehabilitationsbehandlung nahmen Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit ein, allerdings kam
es zu einem signifikanten Anstieg der Rehabilitationsmaßnahmen im Bereich der Drogenabhängigkeit.
Bereich Adaption
Der Bereich Adaption der Klinik verfügt über 23 Betten. 2015 wurden 114 Patientinnen und Patienten
zur Adaptionsbehandlung aufgenommen.
Tabelle 12: Aufnahmen im Park-Klinikum, Bereich Adaption, nach Alter und Geschlecht
Alkohol

Opioide

Cannabinoide

Stimulanzi- And. Stien
mulanzien

Multipler
PathologiSubstanzge- sches Spiebrauch
len

m

m

m

m

m

w

w

w

w

m

w

w

m

w

18 – unter 26
Jahre

6

1

0

0

0

1

0

0

5

1

3

1

0

0

26 – unter 40
Jahre

19

3

0

1

6

0

1

0

6

6

23

3

3

0

40 – unter 60
Jahre

18

4

0

0

0

0

0

1

0

1

0

1

0

0

über 60 Jahre

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

43

8

0

1

6

1

1

1

11

8

26

5

3

0

Gesamt

114

Quelle: HELIOS Park-Klinikum Leipzig, 2016

49

4.3.2 Sächsisches Krankenhaus Altscherbitz, Fachkrankenhaus für Psychiatrie und
Neurologie in Schkeuditz
Tabelle 13: Stationäre Aufnahmen KH Altscherbitz nach Alter, Geschlecht und Suchthauptsubstanz
Hauptdiagnosen
Psychische u. Verhaltensstörungen durch
psychotrope Substanzen (ICD- 10):

18 – unter
26 Jahre
m

26 – unter 40 40 – unter 60 über 60 JahJahre
Jahre
re

w

m

w

m

w

m

Gesamt

W

Alkohol

27

6

136

43

377

115

105

36

845

Opioide

0

0

5

1

4

2

1

0

13

Cannabinoide

7

8

17

9

1

1

0

0

43

Sedativa u. Hypnotika

0

1

6

0

1

5

5

13

31

Stimulanzien, Kokain, Halluzinogene

11

7

23

15

2

2

0

0

60

Multipler Substanzgebrauch

42

16

172

55

29

15

1

0

330

Quelle: Sächsisches Krankenhaus Altscherbitz, 2016
Tabelle 14: Teilstationäre Aufnahmen nach Alter, Geschlecht und Suchthauptsubstanz
Hauptdiagnosen
Psychische u. Verhaltensstörungen durch
psychotrope Substanzen (ICD- 10):

18 – unter 26 26 – unter 40 40 – unter 60 über 60 Jah- GeJahre
Jahre
Jahre
re
samt
m

w

m

w

m

w

m

W

Alkohol

0

0

9

6

11

10

2

3

41

Opioide

0

0

0

0

0

0

0

0

0

Cannabinoide

0

0

2

2

0

0

0

0

4

Sedativa. Hypnotika

0

0

0

0

0

0

0

0

0

Stimulanzien, Kokain, Halluzinogene

0

0

0

0

0

0

0

0

0

Multipler Substanzgebrauch

2

0

12

3

0

2

0

0

19

Quellen: Sächsisches Krankenhaus Altscherbitz, 2016

Die Leiterin der Klinik stellte eine Verschlechterung der Gesamtbefindlichkeit bei den aufgenommenen
Patientinnen und Patienten fest. Die Altersgruppe zwischen 40 und 60 Jahren war bei Alkoholpatienten
deutlich erhöht. In dieser Gruppe fanden sich die meisten Patienten, die sehr plötzlich und nicht über
den Weg einer Suchtberatungsstelle oder insgesamt dem Suchthilfesystem in die Klinik zur Behandlung kamen. In dieser Altersgruppe fanden sich auch die meisten Verlegungen in Pflegeheime.
Reine Opiatabhängige fanden sich nur noch wenige unter den Aufgenommenen. Auch die Hauptdiagnose Cannabinoide waren nur in geringer Zahl vertreten. Allerdings wurde darauf hingewiesen, dass
sich viele Cannabisabhängige in der Gruppe der multiplen Substanzgebraucher befinden, insbesondere in der Gruppe der 26- bis 40-Jährigen.

50

Bei multiplen Substanzgebrauchern fanden sich erstmals viele sehr junge Patientinnen und Patienten.
Gegenüber früheren Beobachtungszeiträumen wurden kaum noch opiatabhängige, dafür viel mehr
crystalabhängige Menschen behandelt.
Bei den teilstationär behandelten Patientinnen und Patienten stand die Alkoholdiagnose im Vordergrund. Für opiatabhängige Menschen mit intravenösem Gebrauch ist eine teilstationäre Behandlung oft
nicht geeignet, weshalb nur wenige in diesem Rahmen behandelt werden.
Beim multiplen Substanzgebrauch stehen Methamphetamine (Crystal), Cannabis und Alkohol im Vordergrund.
2015 wurden erstmals viele junge Patientinnen und Patienten zwischen 18 und 25 Jahren (männlich:
27; weiblich: 6 ) wegen Alkoholdiagnosen behandelt.
Es wurde deutlich darauf hingewiesen, dass auch der weit verbreitete Missbrauch von Medikamenten
mit Abhängigkeitspotential eine große Rolle in der klinischen Behandlung spielt. Diese Patientinnen
und Patienten werden oft erst im späten Stadium der Abhängigkeitsentwicklung in einer Sucht- oder
Psychiatrischen Klinik unter den Diagnosen Verstimmungszustände und depressive Störungen behandelt.

4.3.3 Städtisches Klinikum "St. Georg" Leipzig/Klinik für Forensische Psychiatrie
Tabelle 15: Aufnahmen in der Klinik für Forensische Psychiatrie
Hauptdiagnosen
Psychische u. Verhaltensstörungen durch
psychotrope Substanzen (ICD- 10)

18- unter 26
Jahre
m

w

26- unter
40 Jahre
m

w

40- unter 60 über 60 JahJahre
re
m

w

m

Gesamt

w

Alkohol

3

0

11

0

4

1

1

0

20

Opioide

0

0

5

1

2

0

0

0

8

Cannabinoide

0

0

5

0

0

0

0

0

5

Stimulanzien

5

4

15

3

1

0

0

0

28

Multipler Substanzgebrauch

1

0

8

1

0

0

0

0

10

Gesamt

9

4

44

5

7

1

1

0

71

Quelle: Städtisches Klinikum "St. Georg" Leipzig, Klinik für Forensische Psychiatrie, 2016

2015 wurden 72 Patientinnen und Patienten in der Klinik aufgenommen.
Etwa 50 % der Verurteilten, die in der Klinik für Forensische Psychiatrie behandelt wurden, kamen
über das Landgericht Leipzig (26 Einweisungen) und über das Amtsgericht Leipzig (10 Einweisungen).
Fast 55 % der Patientinnen und Patienten (insgesamt 39) waren in Leipzig oder im Landkreis Leipzig
gemeldet.

51

4.3.4 Forensische Nachsorgeambulanz der Klinik für Forensische Psychiatrie
Tabelle 16: Anzahl der entlassenen Patienten in Betreuung der Forensischen Institutsambulanz (FIA)

Alkohol

Opioide
Cannabi(i.d.R. He- noide
roin)

Sedativa
(i.d. R.
GHB4)

Kokain

Stimulan- Multipler
zien
Konsum
(i.d.R.
Crystal)

2015

98

43

17

3

1

1

7

26

2016

102

44

14

3

2

2

15

22

Quelle: Städtisches Klinikum "St. Georg" Leipzig, Klinik für Forensische Psychiatrie, 2016
Tabelle 17: Anzahl aller Patienten in Betreuung der Forensischen Institutsambulanz (FIA)

Anzahl der Patien- davon in Haft (d.h. Anzahl betreute
Rehabilitationspaten in Behandlung ruhende FIA)
entlassene Patien- tienten
ten
01/ 2015

103 (davon 13
weiblich)

5

98

2

01/2016

105 (davon 11
weiblich)

3

102

10

Quelle: Städtisches Klinikum "St. Georg" Leipzig, Klinik für Forensische Psychiatrie, 2016
Tabelle 18: Anzahl Patienten nach Wohnort

Wohnort nach Entlassung

Wohnort vor Entlassung

01/2015 (98 Pat.)

Leipzig
Leipziger Umland
Sachsen
anderes Bundesland

56
8
16
18

Leipzig
Leipziger Umland
Sachsen
anderes Bundesland
keine Information

45
11
29
5
8

01/2016 (102 Pat.)

Leipzig
Leipziger Umland
Sachsen
anderes Bundesland

67
8
14
13

Leipzig
Leipziger Umland
Sachsen
anderes Bundesland
keine Information

46
8
32
7
9

Quelle: Städtisches Klinikum "St. Georg" Leipzig, Klinik für Forensische Psychiatrie, 2016

4

52

Gammahydroxybuttersäure (umgangssprachlich Liquid Ecstasy)

4.4 Straßensozialarbeit
4.4.1 Straßensozialarbeit für drogenabhängige erwachsene Menschen
Das im Rahmen des „Aktionsbündnisses Sicherheit im Leipziger Osten“ 2009 entstandene Projekt
Straßensozialarbeit für erwachsene Drogenabhängige ist inzwischen in die Leistungsvereinbarung mit
dem Gesundheitsamt der Stadt Leipzig eingegliedert und an die Suchtberatungs- und -behandlungsstelle „Alternative I“ angeschlossen. Neben der Straßensozialarbeit ist die „Mobile Alternative“ viermal
wöchentlich mit aufsuchenden Angeboten im Bereich Konradstraße/Freizeitanlage Rabet im Leipziger
Osten sowie am Platz an der Köhler-/Dresdner Straße seit September 2015 unterwegs.
Die Angebote der „Mobile Alternative“ umfassen u. a. Beratung, Vermittlung, Überlebenshilfe, Krisenintervention, ambulante Notversorgung, Spritzentausch. Ziele des Projektes sind es, der Konsumentenszene Hilfeangebote zu unterbreiten und in diese weiterzuvermitteln, Unterstützung zur Alltagsbewältigung zu leisten sowie den Anwohnerinnen und Anwohnern des Stadtteils ein besseres Sicherheitsgefühl zu vermitteln.
2015 wurden insgesamt 1.561 Kontakte gezählt, dies sind weniger als im Vorjahr 2014 (1.903 Kontakte). Personalengpässe (Schwangerschaftsschutz und Krankheit) machen sich hier bemerkbar. Auch
eine erneute Verlagerung des Busstandortes in die unmittelbare Nähe der Fußgängerampel HermannLiebmann-Straße, zwei Wechsel im Zyklus eines Jahres, findet ihren Ausdruck in geringeren Kontaktzahlen. Die aufsuchenden Kontakte (241/2015) sind im Vergleich zum Vorjahr um 25 Kontakte gesunken (266/2014). Durch die Sanierung leer stehender Gebäude, dem einhergehenden Verlust von
Rückzugsmöglichkeiten und Repression werden Szenetreffpunkte heute schneller verlagert und müssen durch aufsuchende Straßensozialarbeit erst einmal wieder eruiert werden, bevor diese gezielt aufgesucht werden können.
In aller Regel sind die Klienten erwachsen. Jugendliche bzw. Heranwachsende werden kaum angetroffen. Hier lässt sich über Jahre ein klarer Trend zum älter werden der Szene feststellen, zumindest derer, die das Angebot nutzen. Alle unter 23-jährigen Personen werden an Jugendhilfeeinrichtungen vermittelt.
Im Vergleich zum Vorjahr sank die Anzahl der durchgeführten Beratungen (204) leicht. Dagegen ist bei
den Vermittlungen in andere Einrichtungen bzw. in weiterführende Angebote ein Anstieg um 10 % zu
verzeichnen. Es wurde 1.394 Mal Grundversorgung geleistet, 301 Mal tauschten Personen Spritzen
am Beratungsmobil und 43 Wundversorgungen wurden erbracht. Daraus resultiert ein Anstieg von
52 % bei der Wundversorgung, von 33 % beim Spritzentausch sowie 22 % bei den Kriseninterventionen. Im Vergleich zum letzten Jahr ist der Anteil an Frauen (mit 27 %) um 10 % rückläufig, jedoch der
von Personen mit Migrationhintergrund (mit 11 %) nahezu gleich geblieben.
Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit haben eine hohe Priorität. Die regelmäßige Teilnahme eines Mitarbeiters im „Aktionsbündnis Sicherheit im Leipziger Osten“, Arbeitskreis Ost, Arbeitsgemeinschaft Jugend Kultur Soziales (AG JKS) sowie der AG „Aufsuchende Arbeit“ sind ein wichtiger Bestandteil der
Projektarbeit. Es gibt eine enge Zusammenarbeit mit dem Leipziger Arbeitskreis „pregnant“ (Netzwerk
zur Vermeidung von Kindeswohlgefährdung suchtbelasteter oder psychisch erkrankter Mütter/Familien) sowie mit dem Allgemeinen Sozialen Dienst im Amt für Jugend, Familie und Bildung. Die Mitarbeit
an der Vorbereitung und Begleitung des „Gedenktages für verstorbene Drogenabhängige“ gilt als
selbstverständlich.

53

Tabelle 19: Daten der Straßensozialarbeit in der „Alternative I“ im Jahr 2015 5

Quellen: Zentrum für Drogenhilfe, 2016

4.4.2 Straßensozialarbeit für alkoholkranke erwachsene Menschen
Das Projekt „Mobile Streetwork“ der SZL Suchtzentrum gGmbH arbeitet seit Dezember 2009 in Lindenau und Plagwitz, seit 01.06.2012 in Grünau und seit März 2014 in Leutzsch und Kleinzschocher.
Seit Oktober 2015 besteht das Team aus vier Sozialpädagoginnen und -pädagogen, die nach einem
festgelegten Laufplan sogenannte Trinkplätze und andere Orte im öffentlichen Raum in den oben genannten Stadtteilen aufsuchen.
Die vierte Stelle wird dabei bis Ende 2016 durch Landesmittel gefördert und deckt die zusätzlichen Bedarfe bei der Ansprache von mehrfachabhängigen konsumierenden Klientinnen und Klienten ab. Die
Arbeits- und Einsatzzeiten sind durch einen Rahmendienstplan strukturiert, der sich am Konsumverhalten, den aktuellen Witterungsbedingungen und den Bedarfen orientiert.
Die Einzelkontakte werden anonymisiert erfasst. Diese Evaluation ist die Grundlage für alle im Folgenden gemachten statistischen Angaben.
Das Team „Mobile Streetwork“ hatte im Jahr 2015 mit 2.443 (2014: 2.199) Klientinnen und Klienten
Kontakt. Darunter wurden 323 Erstkontakte gezählt.
Die einzelnen Kontakte (nicht Personen) verteilten sich auf die Stadtteile wie nachstehend aufgelistet:

5

54

SBB: Suchtberatungs- und Behandlungsstelle, hier: Alternative 1

Tabelle 20: Ortstverteilung im Jahresvergleich

Plätze

2014

2015

Lindenau und Plagwitz

818

567

Grünau

780

713

94

338

Kleinzschocher

159

216

Bürokontakte

186

247

Andere Orte

162

226

Leutzsch

Standzeit Lindenauer Markt

140

Quelle: SZL Suchtzentrum gGmbH, 2016

Insgesamt ist ein leichter Anstieg der Klientenkontakte zu verzeichnen. Besonders bei den Bürokontakten, bei Kontakten an anderen Orten (Abriss, Abbruch, nicht näher bezeichneter Ort im öffentlichen
Raum) und auf den Plätzen in den Stadtteilen Leutzsch und Kleinzschocher ist dies zu verzeichnen.
Bei Auswertung der anonymen Evaluation im Jahresrückblick 2015 sind täglich 5 bis 20 Kontakte zu
verzeichnen.
Der Monatsflyer wird bei kooperierenden Institutionen und Vereinen (z. B. Sozialamt, Bürgerämter, Tafel) und bei Gewerbetreibenden ausgelegt (Spätverkäufe, Imbisse).
Auch im Jahr 2015 vollzog sich eine Verschiebung der Arbeit weg vom Trinkplatz hin zu aufsuchender
Arbeit im gesamten Stadtteil und im Besonderen mit wohnungslosen und von Wohnungslosigkeit betroffenen Menschen. Im Schnitt hat sich die Zahl wohnungsloser Menschen von 2014 zu 2015 verdoppelt (von rund 5 % der Gesamtkontakte auf fast 11 % der Gesamtkontakte).
Im Jahr 2015 wurden über 250 Kontaktgespräche mit wohnungs- bzw. obdachlosen Menschen geführt. Insofern ist es sehr zu begrüßen, dass ab 2016 über Mittel des Europäischen Hilfsfonds für die
am stärksten benachteiligten Personen in Deutschland (EHAP) Streetwork für diese Zielgruppe in
Leipzig ausgebaut werden kann. Die Trägerschaft liegt bei der SZL Suchtzentrum gGmbH und beim
Diakonischen Werk, Innere Mission Leipzig e. V.
Zunehmend sind auch Fälle der Einzelfallhilfe mit Menschen in besonders schwierigen Lebenslagen.
Kriseninterventionen bei Obdachlosigkeit, akuter Unterversorgung, fehlenden Sozialleistungen (kein
SGB-II-Leistungen, keine Krankenversicherung etc.) sind äußerst arbeits- und zeitintensiv.
Rund 5 % unserer Kontaktgespräche wurden mit Menschen mit Migrationshintergrund geführt. Dabei
handelt es sich überwiegend um EU-Bürger, die sich zum Teil in besonders schwierigen Lebenslagen
(Obdachlosigkeit, fehlende Krankenversicherung, gesundheitliche Probleme etc.) befinden.
Seit Oktober 2014 gibt es in Zusammenarbeit mit der mobilen Jugendarbeit Leipzig donnerstags zwischen 16:00 und 18:00 Uhr eine Standzeit auf dem Lindenauer Markt. Im Jahr 2015 wurden dort 140
Beratungsgespräche geführt.

55

5 Vernetzung Suchtkrankenhilfe und Wohnhilfen
5.1 Ambulant betreutes Wohnen
5.1.1 Alkoholbereich der SZL Suchtzentrum gGmbH
Verglichen mit 2014 erhöhte sich die Zahl der zu betreuenden Klienten wieder.
Gleichzeitig muss ausgeführt werden, dass die Bedarfe an Wohngemeinschaftsplätzen-Plätzen zur Sicherung und Stabilisierung der Abstinenz schwankte. So musste eine Wohngemeinschaft wieder abgeben werden und auch bei den verbliebenen neun WGs schwankte die Bewohnerzahl stark.
Die Entwicklung der vergangenen Jahre hält an: Die Klientel aus der Notübernachtung Rückmarsdorfer Straße verändert sich. Nicht nur wohnungslose und größtenteils alkoholkranke Männer bewerben
sich um einen Platz, sondern zunehmend junge Männer mit ungesichertem, polytoxikomanem Substanzgebrauch bei häufig fehlender Krankheitseinsicht.
Besonders bei Personen ohne festen Wohnsitz ist zu beobachten, dass sie neben einer ausgeprägten
Polytoxikomanie oftmals auch nicht wohnfähig im Sinne eines eigenen Wohnraums sind. Adäquate,
weiterführende Hilfen werden durch die (meist jungen) Männer teilweise abgelehnt. Gleichzeitig gibt es
einen ungedeckten Bedarf an sozialtherapeutische Einrichtungen.
Statistisches
Nachfolgende Übersichten geben einen statistischen Überblick über die im Alkoholbereich betreuten
Klienten im Jahresvergleich 2011 bis 2015. Dabei wurden nur Klienten mit bestehender Kostenzusage
berücksichtigt.
Abbildung 16: Anzahl der Klientinnen und Klienten insgesamt im Jahresvergleich

200
150

152

143

159

174

179

2014

2015

100
50
0
2011

2012

Quelle: SZL Suchtzentrum gGmbH, 2016

56

2013

Tabelle 21: Betreuungsgrund nach Suchtmittel/Diagnostik (Mehrfachnennungen möglich)

Suchtmittel/Diagnostik

2011

2012

2013

2014

2015

Alkoholabhängigkeit

117

96

108

124

135

Alkoholmissbrauch bzw. ungesicherte
Diagnose

12

21

15

16

20

Medikamentenabhängigkeit

4

4

1

10

8

Andere Suchtformen

3

3

6

32

37

Psychiatrische Zweitdiagnose

34

36

45

51

53

Chronisch mehrfachgeschädigte Abhängigkeitskranke

41

42

35

29

22

andere bes. soziale Schwierigkeiten
(ohne Sucht)

18

30

36

12

17

Quelle: SZL Suchtzentrum gGmbH, 2016
Tabelle 22: Nutzung tagesstrukturierender Angebote

2011

2012

2013

2014

2015

Ausbildung/Arbeit

21

16

14

14

8

Teilnahme an Beschäftigungsprojekten

38

47

35

37

43

Teilnahme an sonstigen tagesstrukturierenden Maßnahmen

48

35

56

97

72

Keine regelmäßige Tagesstruktur

47

49

57

68

59

Quelle: SZL Suchtzentrum gGmbH, 2016
Tabelle 23: Betreuungsverlauf

§ 53

§ 67

Gesamt

vor 2015 laufende Hilfe

72

28

100

Neuaufnahmen 2015

37

27

61

2015 beendete Hilfe

35

31

45

Quelle: SZL Suchtzentrum gGmbH, 2016

5.1.2 Drogenfreie Wohngemeinschaften der SZL Suchtzentrum gGmbH
Die DROGENFREIEN WOHNGEMEINSCHAFTEN der SZL Suchtzentrum gGmbH sind ein geschütztes Wohnangebot für abstinent lebende drogenabhängige Menschen. 2015 wurden 29 Wohngemeinschaften vorgehalten. Zusätzlich werden ehemals Drogenabhängige im eigenen Wohnraum betreut. In
der Regel erfolgt die Aufnahme direkt nach regulärer Beendigung einer stationären Rehabilitationsbehandlung (Entwöhnungsbehandlung) oder aus den Kliniken für Forensische Psychiatrie (Maßregelvollzug).

57

Es wird ein Wohn- und Betreuungsangebot für drogenabhängige Mütter mit ihren Kindern (MutterKind-Wohnen) vorgehalten. Die Betreuung erfolgt in enger Kooperation mit den flankierenden spezifischen Angeboten.
Die Drogenfreien Wohngemeinschaften sind im Netzwerk der Forensischen Nachsorge etabliert, die
Kooperationspartner befinden sich in kontinuierlicher Abstimmung (Transparenz der Hilfen).
Es besteht eine enge Kooperation mit der Marianne von Weizsäcker–Stiftung (Entschuldungshilfe).
Von den insgesamt betreuten Personen waren 31 weiblich und 105 männlich. Der Rückgang ist zum
Teil in längeren Verweilzeiten begründet.
Abbildung 17: Gesamtzahl der betreuten Personen

200
150

182

180

142

142

136

2014

2015

100
50
0
2011

2012

2013

Quelle: SZL Suchtzentrum gGmbH, 2016

Der größte Teil der betreuten Personen ist älter als 30 Jahre. Im Einzelnen stellt sich die Altersstruktur
wie folgt dar:
Abbildung 18: Altersstruktur der betreuten Personen im Jahresvergleich

200
150
100

65
46
45

89
61

58

50

40

60
50

50
51

57

41

31

38

2011

2012

2013

2014

2015

0

über 30 Jahre
26-29 Jahre
18-25 Jahre

Quelle: SZL Suchtzentrum gGmbH, 2016

Nach wie vor hat der geringere Anteil der Klientinnen und Klienten zum Zeitpunkt der Aufnahme einen
Berufsabschluss. Im Jahr 2015 hatten 61 Personen zum Zeitpunk der Aufnahme einen Berufsabschluss und 81 hatten keinen.

58

Abbildung 19: berufliche Eingliederungen (Mehrfachnennungen möglich)

2014

2015

Schule/Studium

12

3

Lehrausbildung

34

27

1. Arbeitsmarkt

33

40

Arbeitsgelegenheit o. ä.

47

32

Qualifizierung

17

23

Quelle: SZL Suchtzentrum gGmbH, 2016

5.1.3 Diakonisches Werk, Innere Mission Leipzig e. V.
Im Jahr 2015 wurden insgesamt 101 Klienten (Vorjahr: 88) betreut. Zum Stichtag 31.12.13 waren 73
Klienten in Betreuung durch das Ambulant betreute Wohnen. Die im vergangenen Jahr vom Kommunalen Sozialverband Sachsen bewilligte Kapazitätserweiterung war dringend nötig.
Die durchschnittliche Verweildauer bei den chronisch mehrfachgeschädigten Klientinnen und Klienten,
die nach § 53 SBG XII betreut werden, betrug 35 Monate, die nach § 67 SGB XII 11 Monate.
Abbildung 20: Betreute Klienten im ABW

120
101

100
82

88

80

73

73

64
60
40
20

20

24

28

2013
2014
2015

28
14

15

0
Gesamt im Jahr

Neuaufnahmen

Beendigungen

Auslastung 31.12.

Quelle: Diakonisches Werk, Innere Mission Leipzig e. V.

Die Klienten sind chronisch mehrfach geschädigte Abhängigkeitskranke mit fortgeschrittenem Schädigungsgrad. Es wird eine Wendung von älteren alleinstehenden Alkoholkranken zu jüngeren Abhängigen mit einer Crystalproblematik verzeichnet. Zunehmend werden aber auch Klientinnen und Klienten
mit Kindern betreut, wo die enge Zusammenarbeit mit dem ASD des Jugendamtes eine große Rolle
spielt.

59

Die Lage auf dem Leipziger Wohnungsmarkt hat sich verschlechtert und die Vermittlung in geeigneten
und bezahlbaren Wohnraum wird komplizierter. Das Team der ABW-Mitarbeiter/-innen besteht inzwischen aus zwei Frauen und vier Männern, nachdem die Mitarbeiterin aus der Migrantionsarbeit mit ihren Klienten eingearbeitet werden konnte. Dies führte zu einer stabilen Zusammenarbeit im Team. Als
nächster Schritt ist die Integration der Hörbehindertenarbeit geplant. Für diesen Bereich wird eine
selbst hörbehinderte Mitarbeiterin eingearbeitet.
In der Klientenarbeit wurde weiterhin auf gemeinsame Freizeitangebote zur Überwindung der sozialen
Isolation geachtet, so wurden neben den wöchentlichen Angeboten der Ergotherapie und des Donnerstagsfrühstücks viermal gemeinsam gekocht, eine Tagesausfahrt gemacht sowie Ausflüge mit Minigolf und Bowling durchgeführt. Diese Veranstaltungen dienen der Stärkung sozialer Kontakte, aber
auch der Verbesserung der Freizeitaktivitäten der Klienten.
Wohn- und Nachbarschaftsprojekt „Funke“
Das Wohn- und Nachbarschaftsprojekt „Funke“ wird in Kooperation mit der LWB betrieben. Für Klientinnen und Klienten stehen zwölf Ein-Raum-Wohnungen für Klienten zur Verfügung.
In dem Projekt soll vor allem der Nachbarschafts- und Gemeinschaftsgedanke gestärkt werden. Es
handelt sich um ein Übergangswohnen mit dem Ziel, die Wohnkompetenz zu testen und den Hilfebedarf genau einschätzen zu können. Häufig wird die Betreuung in Form von klassischem Ambulant Betreuten Wohnen in eigenem Wohnraum fortgeführt. Bei Bedarf wird in stationäre Wohnprojekte vermittelt.
Im Jahr 2015 konnten vier Klienten in eigenen Wohnraum umziehen, einer wurde in eine Einrichtung
für chronisch mehrfachgeschädigte Abhängigkeitskranke vermittelt.
Damit die Betreuten wieder zu einem geregelten Tagesablauf finden, arbeitet das Team eng mit dem
Jobcenter Leipzig, im Besonderen dem Fallmanagement zusammen. Um langsam wieder an das Arbeitsleben herangeführt zu werden, können die Betroffenen in einer vom Jobcenter angebotenen Maßnahme mit sozialpädagogischer Betreuung tätig werden.
Zur Verbesserung der Wohnqualität hat die LWB das Projekt bei Verschönerungen im und ums Haus
unterstützt. Die Hausflure wurden gemalert und im Eingangsportal wurde ein neuer Treppenaufgang
geschaffen. Die Klienten wurden aktiv einbezogen, haben die Treppengeländer, Handläufe und Treppen gestrichen und im Treppenhaus eine Beleuchtung installiert.
Auch bei der Vorbereitung und Durchführung gemeinsamer Veranstaltungen (Frühlingsfest, Dienstberatung der Suchtberatungsstelle im Projekt sowie Adventsfeier) werden die Bewohner einbezogen.

5.2 Stationäre Wohnformen
5.2.1 Wohnprojekt „Haus Alt-Schönefeld“ am Zentrum für Drogenhilfe
Das Wohnhaus „Haus Alt-Schönefeld“ besteht seit Februar 2004. Es ist ein niedrigschwelliges Angebot für chronisch mehrfachgeschädigte, alkoholabhängig erkrankte wohnungslose Männer gem. § 67
SGB XII.
Insgesamt stehen 35 Plätze in Einzel- und Doppelzimmern zur Verfügung. Die Belegung erfolgt über
das Sozialamt der Stadt Leipzig. Für die Dauer des Aufenthaltes werden Nutzungsverträge geschlossen.
Das Haus ist voll ausgelastet. Das Durchschnittsalter der Bewohner liegt bei 55 Jahren (von 27 bis 71
Jahre).

60

Die Männer sind in der Regel nicht bereit und/oder in der Lage, ihren Alkoholkonsum einzuschränken
bzw. ganz einzustellen und ein eigenständiges Leben zu führen. Die Motivation zur (Punkt)Abstinenz
bildet immer einen fortlaufenden Prozess in der Betreuung der Männer.
Im Haus arbeiten Sozialarbeiter/-innen und Betreuer/-innen im Zweischichtsystem. Für Tagesstruktur
und Beschäftigung steht den Klienten einmal wöchentlich zusätzlich ein Begleiter im Ehrenamt zur Verfügung. Darüber hinaus konnten durch den Förderverein Zentrum für Drogenhilfe e. V. im Projekt „Motivierende Punktabstinenz“ zwei Personen finanziert und unterstützend eingesetzt werden.
Das Haus profitiert von der im Haus ansässigen Suchtberatungsstelle. Gesprächstermine konnten unkompliziert vereinbart und Entgiftungsbehandlungen zeitnah realisiert werden.
Auf Grund ihrer Situation bleiben viele der Männer über einen langen Zeitraum im Haus wohnen. Gründe für Beendigungen der Betreuung im Jahr 2015 sind in der nachfolgenden Tabelle zusammengefasst.
Tabelle 24: Gründe für die Beendigung der Betreuung im Jahr 2015

Vermittlungen/Beendigung der Betreuung

Anzahl der Personen

Eigener Wohnraum

1 Person

Pflegeheim

2 Personen

Vermittlung in „Alternative I“ in der Chopinstraße

1 Person

Betreutes Wohnen

1 Person

Unbekannt verzogen

3 Personen

Längerer Haftaufenthalt

1 Person

Verstorben

2 Personen

Quelle: Zentrum für Drogenhilfe, 2016

Bedingt durch den oft jahrelangen exzessiven Alkoholkonsum sind das Fortschreiten der Folgeerkrankungen und die Zunahme von psychischen Störungen gravierend. Dies führte im Jahr 2015 dazu, dass
bereits 13 Klienten die Pflegestufe Null bewilligt wurde. Pflege und Hauswirtschaft wurden durch den
mobilen Behindertendienst Leipzig e. V. abgedeckt. Neun Klienten wurden von einem Menüdienst mit
einer warmen Mahlzeit versorgt.
Aller sechs Wochen findet eine Arztsprechstunde (Allgemeinärztin) im Haus statt.
Insgesamt lässt sich auch im Jahr 2015 ein zunehmender Verlust von Eigenverantwortung und Motivation zur Veränderung erkennen.
Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Schnittstellen zwischen Alkoholerkrankung und psychiatrischer
Auffälligkeit. Über den Arbeitskreis wohnungslose, suchtkranke und psychisch kranke Menschen steht
das Haus im Dialog mit den entsprechenden Hilfeprofessionen. Eine Vernetzung mit dem Wohnprojekt
„Domizil“ des SZL Suchtzentrum und allen an der Suchtkrankenhilfe Beteiligten wird in Form von Fallbesprechungen und zeitlich begrenztem Wechsel von Klienten realisiert.

61

5.2.2 Wohnprojekt „Domizil“ der SZL Suchtzentrum gGmbH
Seit 2004 bietet das Wohnprojekt „Domizil“ nichtabstinenten chronisch mehrfach beeinträchtigten alkoholkranken Männern eine menschenwürdige Unterkunft. Durch das Betreuungsteam werden existenzsichernde Maßnahmen und lebenspraktische Hilfen angeboten. Seit 2014 werden neben 30 Plätzen
für diese Zielgruppe auch fünf Clearingplätze bereitgestellt. Die Betreuten bewohnen im Haus 19 Einzelzimmer und acht Zweibettzimmer. Das elfköpfige Team besteht aus Sozialarbeiter/-innen und pädagogischen Fachkräften.
Für die Clearingklienten steht zunächst die Auswertung des bisherigen Hilfeprozesses, der Ressourcen aber auch der Defizite der Klienten sowie der vorläufigen Hilfeziele im Vordergrund. Im weiteren
Hilfeverlauf werden anhand praktischer Aufgabenstellungen an den Klienten diese ersten Ergebnisse
überprüft und nach Lösungen in den vorhandenen Problemlagen gesucht. In regelmäßigen Abständen
erfolgt eine Überprüfung der Hilfeplanung mit dem Sachgebiet Notunterbringung. Ziel des Clearings ist
die Vermittlung des Klienten in eine ihm gerecht werdende Wohn- bzw. Unterbringungsform mit den
entsprechenden für ihn erforderlichen Hilfen. Der Clearingprozess lässt sich aufgrund zweijähriger Erfahrung wie folgt zusammenfassen:
1. Die Clearingklienten sind sehr viel jünger als die chronisch mehrfach geschädigten abhängikeitskranken Klienten im Haus.
2. Die bestehende Motivation ist sehr gering und entwickelt sich auch nur schwer weiter.
3. Es bedarf neuer Konzepte und Absprachen.
Die Betreuung der Bewohner erfolgt in Hilfebedarfsgruppen. Im Jahr 2015 gab es sieben verschiedene
inhaltliche Gruppen:
•

zwei Klientengruppen mit dem Schwerpunkt „exzessiver Alkoholkonsum und psychische Auffälligkeit“

•

eine Gruppe für Klienten mit Veränderungsmotivation

•

eine Gruppe für Clearing-Klienten

•

eine Gruppe für neue Hausbewohner

•

eine Gruppe für unauffällige und sich zurückziehende Hausbewohner und

•

eine Gruppe für ältere und körperlich beeinträchtigte Bewohner

Jede Bedarfsgruppe wird von zwei Mitarbeiter/-innen in Einzel- und Gruppenaktivitäten betreut.
Einige Klienten arbeiten im Wohnprojekt zur Unterstützung der Gemeinschaft (Reinigungsarbeiten,
Einkäufe, Gartenarbeit etc.). Die Arbeitsstunden der Klienten im Wohnprojekt betrugen in diesem Jahr
1.170 Stunden.
Im Wohnprojekt gibt es mehrere regelmäßige Freizeitangebote wie z. B. Bowling, Kochnachmittage,
Ausflüge oder gemeinsame Kaffeerunden. An der hauseigenen Wandzeitung präsentieren die Bewohner ihre Erlebnisse der gemeinsamen Veranstaltungen. Den alkoholbedingten kognitiven Abbauprozessen Rechnung tragend, wird einmal wöchentlich Hirnleistungstraining durch eine im Team angestellte Ergotherapeutin angeboten.
Im Jahr 2015 konnte ein Hausbewohner ins ambulant betreute Wohnen aufgenommen werden. Daneben gestaltet sich auch für drei ehemalige Hausbewohner der Versuch, in einer ambulant betreuten
Wohngemeinschaft zu wohnen, weiterhin positiv. Mit dieser Betreuungsform ist es gelungen, eine
Wohngemeinschaft für nicht abstinente chronisch mehrfach beeinträchtigte Männer zu eröffnen.

62

Dadurch wurde bestätigt, dass diese Zielgruppe unter bestimmten Voraussetzungen ambulant betreubar ist. Für die WG-Bewohner bedeutet die neue Wohnform mehr Lebensqualität und Selbstständigkeit. Zum Teil konnten die WG-Bewohner ihre Trinkmenge deutlich reduzieren.
Abbildung 21: Zusammenfassung ausgewählter Sozial- und Leistungsdaten im Jahresvergleich

2012
Durchschnittsalter
Alterspanne

57,7 Jahre
30 - 81 Jahre

2013

2014

56,5 Jahre

2015

54,6 Jahre

57 Jahre

30 - 82 Jahre 22 - 83 Jahre 29 - 84 Jahre

Einkommen (Mehrfachnennung möglich)
Arbeitslosengeld II

18 Klienten

17 Klienten

15 Klienten

12 Klienten

Renten

18 Klienten

16 Klienten

16 Klienten

18 Klienten

Grundsicherung im Alter und bei Er10 Klienten
werbsminderung

9 Klienten

11 Klienten

14 Klienten

Sonstiges

1 Klient

2 Klienten

-

4 Klienten

Beendigung der Betreuung/ Außenvermittlung
Vermittlung zur suchtmedizinischen
Rehabilitation (Therapie)

4 Klienten

3 Klienten

-

1 Klient

Umzug in eigenen Wohnraum ohne
Betreuung (oder Bekannte)

1 Klient

2 Klienten

-

2 Klienten

Umzug in ambulant Betreutes Woh- 2 Klienten
nen

2 Klienten

1 Klient

1 Klient

Vermittlung in Pflegeeinrichtung

1 Klienten

2 Klienten

4 Klienten

1 Klient

Abbruch durch Klient/ Einrichtung

4 Klienten

4 Klienten

3 Klienten

9 Klienten

Inhaftiert

1 Klient

4 Klienten

1 Klient

2 Klienten

Verstorben

2 Klienten

1 Klient

2 Klienten

1 Klient

Unbekannt

2 Klienten

Quelle: SZL Suchtzentrum gGmbH, 2016

5.2.3 Verein zur sozialen Rehabilitation von Abhängigkeitskranken (VRA) e. V.
Der Verein bietet für eine stationäre Langzeitbetreuung (soziale Rehabilitation) Plätze an.
Im Haus am Park und Haus Güldengossa werden je 50 bzw. 48 Behandlungsplätze vorgehalten. Weitere 22 Plätze stehen in den zwei Außenwohngruppen im Haus Wachau zur Verfügung.
Die Belegung erfolgt aus dem gesamten Freistaat. In den zwei stationären Einrichtungen gibt es
Wohnmöglichkeiten in Einzel- und Doppelzimmern. In den Außenwohngruppen sind nur Einzelzimmer
vorhanden. Es werden ausreichend Gemeinschaftsräume, Speiseräume, therapeutische Werkstätten,
Sport- und Gymnastikräume, eine eigene Sporthalle und ein eigener Sportplatz angeboten. Im Haus
Güldengossa besteht eine teilweise behindertengerechte Ausstattung.
Seit 2013 wird auch ambulant betreutes Wohnen angeboten, welches im Jahr 2015 weiter ausgebaut
werden konnte. Diese Wohnform wird von Klienten der Außenwohngruppe bzw. der Kerneinrichtungen
63

belegt. Der Auslastungsgrad aller Einrichtungen lag 2015 bei 98 %, das Aufnahmealter im Durchschnitt bei 50 Jahren. Nach wie vor lässt sich bei chronisch mehrfachgeschädigten Abhängigkeitskranken der Trend erkennen, dass die Klienten physisch und psychisch deutlich stärker geschädigt sind.
Der Verein zur sozialen Rehabilitation von Abhängigkeitskranken e. V. ist zertifiziert nach DIN EN ISO
9001 und den Qualitätsgrundsätzen der DEGEMED.

5.2.4 Maternus Pflegecentrum Maximilianstift
Das Pflegezentrum Maximilianstift ist eine Pflegeeinrichtung im Rahmen der Versorgung des SGB XI,
in der Menschen mit einer Pflegestufe I bis III mit dem Schwerpunkt chronisch mehrfachgeschädigte
Abhängigkeitserkrankung aufgenommen werden.
Die Anfragen aus der Region sind konstant. Nachfragen zur Betreuung bedingt abstinenzfähiger Personen ohne Pflegestufe bestehen ebenfalls regelmäßig.
Zur Versorgung der Patienten sind nachstehende ergänzende Angebote notwendig.
• Auf- und Ausbau tagesstrukturierender Angebote
• Alternativen in Arbeit und Beschäftigung
• Übergang von stationärer Einrichtung zu ambulanter Versorgung (alternative Übergangswohnformen) für Betroffene aus dem Versorgungsbereich des SGB XI, die mit Abstinenzphasen im
Rahmen eines niederschwelligen Angebotes aufgefangen bzw. weiter versorgt werden sollten.
Im Jahr 2015 war die Einrichtung zu 99,65 % ausgelastet. (17 % Frauen und 83 % Männer). Der Altersdurchschnitt lag bei 59,4 Jahren (Frauen 63 Jahre, Männer 58,6 Jahre). Bei den Neuaufnahmen
(8 Männer) lag der Altersdurchschnitt bei 55,5 Jahren.
Da ca. 40 Aufnahmeanfragen im Jahr 2015 nicht bedient werden konnten, ist davon auszugehen, dass
derzeit keine bedarfsdeckende Versorgung für chronisch mehrfach geschädigte Abhängigkeitserkrankte mit Pflegebedürftigkeit besteht.
Besonders wichtig bei der Versorgung ist die Orientierung der Hilfsangebote am individuellen Bedarf,
den Wünschen und Zielen der Person und die Verzahnung bzw. Vernetzung der Hilfen, um fließende
Übergänge zwischen den verschiedenen Angeboten ermöglichen zu können. Hierzu wurde die Zusammenarbeit des Maximilianstiftes mit der SZL Suchtzentrum gGmbH intensiviert.

5.3 Notunterbringung
5.3.1

Notschlafstelle für drogenabhängige Menschen in der „Alternative I“

Das Leistungsspektrum der „Alternative“ integriert in einem Gesamtkonzept niedrigschwellige, risikomindernde Hilfen, Angebote zur Entwicklung/Förderung von Veränderungsmotivation und der Vorbereitung/Vermittlung von weiterführenden Hilfen (Entzugsbehandlungen, Maßnahmen zur Rehabilitation)
mit ausstiegs-/abstinenzorientierten und -stabilisierenden Angeboten.
Die Hilfen werden an zwei Standorten („Alternative I“ in der Chopinstraße 13 und „Alternative II“ in der
Heinrichstraße 18) mit jeweils abgestuften Betreuungsschwerpunkten vorgehalten.
Die „Alternative I“ integriert drei ineinandergreifende Akuthilfebereiche (Kontaktbereich, Notschlafstelle
und Krisenintervention/niedrigschwellige suchtspezifische sozialpädagogische Interventionen) in einem
Gesamtprojekt.

64

Die Öffnungszeiten von Kontaktbereich und Notschlafstelle sind so aufeinander abgestimmt, dass den
Nutzer/-innen in der Regel (an sieben Tagen in der Woche) rund um die Uhr kompetente Ansprechpartner/-innen zur Verfügung stehen. Hilfestellungen erfolgen zeitnah ohne Einrichtungswechsel und
sind dem Lebensrhythmus der Drogengebraucher angepasst. Der Bedarf an Kriseninterventionen konzentriert sich dabei besonders auf die Abend- und Nachtstunden.
Neben Streetwork und dem Kontaktbereich als erste Anlaufstellen besteht die Möglichkeit der Vermittlung in die suchtspezifische Übernachtungsstelle innerhalb der Einrichtung.
Diese bietet insgesamt 20 Betten an, bis Ende 2015 unterteilt in eine niedrigschwellige Notübernachtungsstelle mit zehn Betten sowie zehn Betten für das Motivationswohnen.
Dabei erfolgt die Erstaufnahme in die Notschlafstelle für obdachlose Drogenkonsumenten ohne Vorbedingungen.
Der Wechsel in den Motivationsbereich erfordert neben entsprechender Motivation die Bereitschaft
und Fähigkeit zur Teilnahme an Gruppen- und Einzelgesprächen. Die Klientinnen und Klienten sollten
im Rahmen des Motivationswohnens auf weiterführende Angebote vorbereitet werden. Neben Angeboten zur Tagesstrukturierung wurden verstärkt Rückzugsmöglichkeiten vorgehalten, um eine Distanzierung von der Szene zu erleichtern.
Der bereits in den vergangenen Jahren beobachtete Trend eines starken Zuwachses im Bereich der
Notschlafstelle zu Ungunsten des Motivationswohnes hat sich 2015 weiter verstärkt. Bereits seit 2012
sind ein Rückgang der Belegungszahlen des Motivationsbereiches und ein entsprechend erhöhter Bedarf für Notübernachtungen zu beobachten. Dies ist auf die bereits in den vergangenen Jahren beschriebenen veränderten Konsummuster (intravenöser Crystal-Konsum in Verbindung mit anderen
Substanzen wie Alkohol oder Heroin) und dem damit zunehmenden Auftreten drogeninduzierter Psychosen sowie einem Anstieg an Gewalt- und Aggressionsbereitschaft zurückzuführen. Eine kontinuierliche Motivationsarbeit gestaltet sich auch aufgrund des stark veränderten Lebensrhythmus und damit
einhergehender fehlender Kontinuität sowie der psychischen Instabilität der Klienten wesentlich
schwieriger und langwieriger.
Die Gesamtauslastung beider Bereiche lag mit 7.199 Übernachtungen (98,62 %) erneut über den Zahlen des Vorjahres (96,52%).
Deutlich wird die 2015 besonders dramatische Verschiebung zugunsten der Notschlafstelle in der Auslastung der einzelnen Bereiche:
Tabelle 25: Bettenauslastung

Bereich

2012

%

2013

%

2014

%

2015

%

Notschlafstelle

3.563

52

3.837

54

3.965

56

5.922

82

Motivationswohnen

3.324

48

3.202

46

3.081

44

1.277

18

Gesamt

6.887

100

7.039

100

7.046

100

7.199

100

Quelle: Zentrum für Drogenhilfe, 2016

Auf Grund dieser Entwicklung wurde das bestehende Konzept überarbeitet und beide Übernachtungsbereiche wieder zusammengeführt. Alle 20 Übernachtungsplätze sind ab 01.01.2016 der Notschlafstelle zugeordnet.
Die Betreuung in der Notschlafstelle erfolgt nach einem Phasenmodell. Nach einer gesundheitlichen
und psychischen Stabilisierung kann schrittweise an Veränderungsprozessen gearbeitet werden. Dies

65

wird durch punktuelle Rückzugsmöglichkeiten und Möglichkeiten einer temporären Distanzierung von
der Szene unterstützt.
Tabelle 26: Übernachtung/Vermittlung Motivationsbereich
2012
Übernachtungen

2013

2014

2015

3.324

3.202

3.081

1.277

23

19

17

7

4

3

3

3

- Medizinische Leistungen

16

10

5

3

Entgiftungen

11

7

4

2

5

3

1

1

Klienten
Vermittlungen in:
- Eigenen Wohnraum

stationäre/ambulante Therapie
Quelle: Zentrum für Drogenhilfe, 2016

5.3.2 Übernachtungshaus für wohnungslose Männer
Das Übernachtungshaus für wohnungslose Männer der Stadt Leipzig in 04179 Leipzig, Rückmarsdorfer Straße 7 hat neben administrativen Aufgaben wie Steuerung und Monitoring der Notunterbringung
die Aufgabe, Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung durch die überbrückende Notunterbringung wohnungsloser, volljähriger, allein stehender Männer abzuwehren.
Der ordnungsrechtliche Auftrag der Notunterbringung findet auch in der Aufenthaltsdauer seine Entsprechung: So kurz wie möglich, aber auch so lange wie nötig. Die Rahmenbedingungen der Notschlafstelle werden in der Nutzungs- und Gebührensatzung für die Unterkünfte der Wohnungsnotfallhilfe der Stadt Leipzig geregelt.
Bis zur Beendigung der Wohnungslosigkeit durch die (Wieder)Erlangung einer vertraglich gesicherten
Unterkunft oder der Vermittlung in andere dauerhafte, problemadäquate Wohnformen wird den Betroffenen ein Notschlafplatz in Einzel-, Doppel- und Dreibettzimmern als Soforthilfe zugewiesen.
Seit Februar 2015 wurde die Kapazität von 50 auf 60 Betten erweitert, um auch Asylbewerber aufnehmen zu können.
Ein Teil der wohnungslosen Klienten konsumiert in gesundheitsgefährdendem Maße Suchtmittel oder
ist mit Abhängigkeits- und Folgeerkrankungen belastet. Drogenabhängige Wohnungslose werden zeitnah, je nach Verfügbarkeit freier Plätze, in die Notschlafstelle der Suchtberatungsstelle „Alternative I“
in der Chopinstraße 13 vermittelt, die vom Zentrum für Drogenhilfe am Städtischen Klinikum „Sankt
Georg“ betrieben wird.
Von den insgesamt 386 Klienten, welche im Jahr 2015 im Übernachtungshaus Obdach und persönliche Hilfen erhielten, wiesen 104 Klienten einen problematischen Umgang mit Alkohol auf (27%). Es
konnten 91 suchtkranke bzw. missbräuchlich konsumierende Männer in spezifische Hilfeangebote (s.
u.) vermittelt werden.
Ausgehend von 228 Klienten des Übernachtungshauses, welche im Jahr 2015 eine Suchterkrankung
aufwiesen, wurden somit 40% in adäquate Hilfen vermittelt.

66

Tabelle 27: Suchtinduzierte Vermittlungen aus dem ÜNH in andere Einrichtungen

Anzahl der Personen
Vermittlungen

2013

2014

2015

Stationäre Entgiftungen

5

23

20

Stationäre Langzeittherapien

3

10

7

Domizil

13

10

10

Haus Altschönefeld

18

10

10

ALTERNATIVE I (Notschlafbereich/illegale Drogen)

16

35

43

Pflegeheim

6

12

1

Gesamt

69

100

91

Quelle: Sozialamt, 2016

Die Suchtberatungs- und Behandlungsstelle „Regenbogen“ des Zentrum für Drogenhilfe bietet für alkoholkranke bzw. -gefährdete Klienten regelmäßige Beratungen durch einen Suchttherapeuten im Übernachtungshaus an. Im Jahr 2015 nahmen insgesamt 60 Nutzer des Hauses das Angebot in Anspruch
(2014: 73).
Der Sozialdienst des Übernachtungshauses fungiert mit dem Suchttherapeuten als Clearingstelle für
die suchtkranken Wohnungslosen. Er organisiert und steuert vor Ort die Vermittlung in
•

die ambulante Betreuung für nicht abstinente wohnungslose, chronisch mehrfach geschädigte
Abhängigkeitskranke in den Wohnprojekten „Domizil“ und „Haus Alt-Schönefeld“ und

•

Langzeit-Entwöhnungsbehandlungen und abstinente CMA-Einrichtungen für krankheitseinsichtige und behandlungsbereite Klienten.

Wohnungslose Klienten mit Doppeldiagnosen
Unverändert problematisch gestaltete sich die Notunterbringung und Vermittlung wohnungsloser Klienten mit Doppeldiagnosen, d. h. Suchterkrankung/Polytoxikomanie i. V. m. psychiatrischen Diagnosen.
Tabelle 28: Anteil der Klienten mit Doppeldiagnosen

Jahr

Anzahl Nutzer gesamt

Doppeldiagnose Alkohol Doppeldiagnose ill. Drogen

2013

389

66 (17 %)

22 (5 %)

2014

425

21 (5 %)

37 (9 %)

2015

386

20 (5,2 %)

51 (13,2 %)

Quelle: Sozialamt, 2016

Die Unterbringungsmöglichkeiten von wohnungslosen Klienten mit Doppeldiagnosen, d. h. mit Suchterkrankung (oftmals Mehrfachabhängigkeit) i. V. m. psychiatrischen Diagnosen gestaltet sich sowohl in
den Gemeinschaftsunterkünften für Wohnungslose als auch in Einzelplätzen der Notunterbringung
kompliziert. Besonders schwierig ist die Lage, wenn die Betroffenen keine Krankheitseinsicht und Behandlungsbereitschaft aufweisen, das gesundheitsspezifische Hilfesystem ablehnen, eine Chronifizie67

rung des psychiatrischen Krankheitsbildes droht bzw. besteht und die Betroffenen ohne medizinische
Versorgung für sich und andere Gefährdungssituationen verursachen. Diese Verhaltensauffälligkeiten
entsprechen häufig noch nicht vollumfänglich den Unterbringungskriterien des PsychKG, sind aber
auch unter den ordnungsrechtlichen Rahmenbedingungen der Wohnungsnotfallhilfe regelmäßig
schwer zu handhaben.
Die beschriebene Problemlage trat auch 2015 häufig bei jungen drogenabhängigen Wohnungslosen
(bis 30 Jahre), vor allem bei Crystalkonsumenten sowie bei älteren alkoholkranken wohnungslosen
Menschen (ab 50 Jahre) auf.
Um wirksame Interventionsmaßnahmen zu entwickeln, werden seit 2014 für diese Menschen im
Wohnprojekt „Domizil“ der SZL Suchtzentrum gGmbH Plätze vorgehalten. Die Maßnahme ermöglicht
es, zielführende Hilfeprozesse zu gestalten, Risiken zu vermindern, eine zeitnahe und regelmäßige
medizinische Behandlung der Klienten zu ermöglichen. Damit werden tragfähige Grundlagen für eine
eigenständige, weniger gefährdende Lebensperspektive geschaffen.
Die besondere Herausforderung bei der Entwicklung und Bereitstellung adäquater Hilfe- und Versorgungsmöglichkeiten für diese Zielgruppe, aber auch für Klientinnen und Klienten mit unbehandelten
psychiatrischen Einzeldiagnosen zeigt sich auch in der Steigerung der ausgesprochenen Hausverbote
in den Gemeinschaftsunterkünften für Wohnungslose (im Übernachtungshaus für wohnungslose Männer um 250%).
Abbildung 22: Anzahl der Hausverbote im Jahresvergleich 2011-2015

70

61

60
50
40

43

40

34

30
17

15

2011

2012

20

19

20

16

Alternative I
ÜNH

16

10
0
2013

2014

2015

Quelle: Sozialamt, 2016
Abbildung 23: Anzahl der Klienten mit Hausverboten im Jahresvergleich 2011 - 2015

30
25

28

25

23

22

20
15

12

11

13

16

14
8

10
5
0
2011

2012

Quelle: Sozialamt, 2016

68

2013

2014

2015

Alternative I
ÜNH

6 Arbeit und Beschäftigung
6.1 Zentrum für Drogenhilfe
6.1.1 AGH-MAE „BuP – Beschäftigung und Perspektive“ im „Haus Alt-Schönefeld“
Auch im Jahr 2015 wurde im „Haus Alt-Schönefeld“ eine Maßnahme zur Schaffung von Arbeitsgelegenheiten nach § 16 d SGB II („Ein-Euro-Jobs“) begonnen. In den Werkbereichen Holz, Ton/Keramik
und Garten wurden Vogelhäuser für Kindertagesstätten gefertigt. Die Sammlung an Kunstobjekten für
das Projekt „Der Kunst ein Obdach geben“ auf dem Gelände und in den Räumen des „Haus Alt-Schönefeld“ wurde erweitert. Dabei wurde ein besonderer Schwerpunkt auf die Gestaltung der Außenwand
gelegt. Außerdem wurden Obst und Gemüse für ein Wohnungslosenprojekt angebaut. Für die suchtkranken bzw. von Abhängigkeit bedrohten, langzeitarbeitslosen ALG-II-Empfänger/-innen sollte es
durch die Kombination sinnstiftender Beschäftigung mit der Anbindung an die Suchtberatungsstelle
„Haus Alt-Schönefeld“ ermöglicht werden
•

ihre Chancen zur Wiedereingliederung auf dem ersten Arbeitsmarkt zu steigern,

•

arbeitsmarktrelevante Basisvariablen (z. B. Pünktlichkeit, Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit) zu
verbessern,

•

handwerkliche Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erwerben und auszubauen,

•

ihre sozialen Kompetenzen zu erweitern,

•

sich eine Tagesstruktur zu schaffen,

•

ihre Suchtmittelabstinenz zu stabilisieren und

•

Rückfallrisiken zu minimieren.

Insgesamt konnten von März bis Dezember 2015 elf Teilnehmerplätze für Betroffene bereitgehalten
werden. Die 11 Plätze waren mit 24 verschiedenen Personen besetzt. Die durchschnittliche Auslastung
in der Werkstatt betrug 64,3%. Psychiatrische Doppeldiagnosen und Mehrfachabhängigkeiten führten
zu häufigen Teilnehmerwechseln, unentschuldigten Fehlzeiten und Krankentagen der Teilnehmenden.
Ein Teilnehmer erhielt nach der Maßnahme eine Festanstellung in einer Leipziger Firma.

6.1.2 „teamWENDEPUNKT“ in der SBB „Alternative II“
Projekte zur Arbeitserprobung sind in der Suchtberatungstelle „Alternative II“ so angelegt, dass den
Teilnehmer/-innen die Erfahrung von Arbeit/Beschäftigung und deren individuellen Wirkungen ermöglicht wird. Da die Hintergründe, aus denen die Klienten/Patienten kommen, meist von jahrelanger Arbeitslosigkeit bzw. gänzlich fehlenden Erfahrungen aus Erwerbstätigkeiten und Lebensmittelpunkten in
der Drogenszene (Beschaffung von Geld/Beschaffung der Droge/Konsum der Droge) geprägt sind,
wurden die Projekte auf zwei Einstiegsvoraussetzungen hin konzipiert:
1. Motivation zur Teilnahme
2. Beikonsum- bzw. Suchtmittelfreiheit (nachgewiesen durch regelmäßige entsprechende Kontrollen; Alkoholkontrolle täglich, Urinkontrolle im individuell angepassten Modus)
Primär kommt es auf die Entwicklung von individuellen Arbeitserfahrungen an. Darauf aufbauend wird
an der Entwicklung von so genannten „hardskills“ (Fachkompetenz) und „softskills“ (berufskulturelle
Fähigkeiten wie soziale Kompetenz und Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Verbindlichkeit,
69

Ordnung und Sauberkeit am Arbeitsplatz etc.) gearbeitet. Ziel des Beschäftigungsangebotes ist es, die
Mitwirkenden langfristig zu befähigen, einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachzugehen.
Das Projekt wurde durch die Klienten der Beratungsstelle genutzt. Zehn Plätze werden vorgehalten. 28
Klienten konnten beschäftigt werden, davon sieben Frauen und drei Teilnehmer mit Migrationshintergrund. Insgesamt wurden durch die Teilnehmer 7.330 Stunden geleistet.
Ein FAV (Förderung von Arbeitsverhältnissen/Maßnahme des Jobcenters)-Mitarbeiter sowie ehrenamtliche Mitarbeiter (selbst Teilnehmer des Arbeitsprojektes/ ehemalige Drogenkonsumenten übernehmen zusätzliche begleitende Tätigkeiten als „Helfer in sozialen Einrichtungen“. Die Fachaufsicht
wird durch Fachkräfte der Beratungsstelle sichergestellt.
Für die Beratungsstellenarbeit ist der suchttherapeutische Nutzen dieses Angebotes von besonderem
fachspezifischem Wert. Die Zielgruppe der „Alternative“ ist durch frühe Einstiege in den Konsum von
Drogen, meist im Kindes- oder frühen Jugendalter und chronische Verläufe gekennzeichnet. Entwicklungspsychologisch bedeutsame Sozialisationsphasen sind zum Teil nicht durchlaufen, bestimmte
alterstypische Lebenserfahrungen nicht gemacht worden. Durch die Verzahnung von klassischem Beratungsstellenangebot (Beratung, Vermittlung, Begleitung, Nachsorge, psychosozialer Begleitung der
Substitution), tagesstrukturierenden Angeboten (Tagestreff, Erlebnisaktivierung, Sport) und dem Bereich Arbeitserprobung/Beschäftigung wird mit der Möglichkeit des Erlebens oft erst die Basis für
suchtberaterische/-therapeutische Prozesse in Form des verbalen Reflektierens geschaffen. Der
Transfer der Ergebnisse der suchttherapeutischen Arbeit in die Lebenswelt des Klienten wird sichtbar
und kann wiederum durch Aufgreifen von Ressourcen und Defiziten in den suchtberaterischen Prozess zurück wirken. Per 01.09.2015 konnte durch sächsische Landesmittel eine Projektförderung bis
31.08.2016 sichergestellt werden.

7 Selbsthilfe und Ehrenamt
Die Selbsthilfe im Suchtbereich ist eine Hilfe für Betroffene von Betroffenen. Als eigenständiges Angebot ist die Selbsthilfe im Sinne der konsequenten Einbindung von Betroffenenkompetenz ein integraler
und unabdingbarer Baustein im Suchthilfesystem. Selbsthilfe unterstützt vor, während und nach der
professionellen therapeutischen und medizinischen Hilfen oder auch unabhängig davon.
Suchtkranke und deren Angehörige lernen gemeinsam mit anderen, die Abhängigkeitsproblematik zu
bewältigen, um eine dauerhafte Abstinenz zu erreichen.
Selbsthilfegruppen haben eine grundlegende Bedeutung bei der (Wieder)Herstellung sozialer Kontakte
und der Überwindung von Isolation und Ausgrenzung.
Selbsthilfegruppen unterstützen beim Durchhalten einer Abstinenz, sie sind sehr erfolgreich und für die
meisten eine große Hilfe. Sinnvoll ist es, den Kontakt bereits in der Klinik aufzubauen (Die Gruppe der
Anonymen Alkoholiker AA stellen sich in den Kliniken vor)
In Leipzig gibt es eine Vielzahl von Selbsthilfegruppen, die zum Teil an Suchtberatungs- und Behandlungsstellen angebunden sind oder auch unabhängig arbeiten.
Nachstehend werden drei Beispiele beschrieben.

70

7.1 Sucht-Selbsthilfe
7.1.1 „Regenbogen“
Seit über 30 Jahren kooperiert die Suchtselbsthilfe „Regenbogen“ mit der Suchtberatungs- und Behandlungsstelle „Regenbogen“ am Städtischen Klinikum „St. Georg“ Leipzig.
Die Menschen suchen die Angebote der Selbsthilfe mit folgenden Zielen auf:
• Selbst mit dem Leben zurecht zu kommen
• Selbst an der Lösung eigener Probleme mitzuarbeiten
• Sich selbst anzunehmen
Die Selbsthilfe Regenbogen betreibt als Projekte das „Begegnungszentrum mit Angeboten zur Tagesstruktur und Beschäftigung“ und das Präventionsprojekt „Wandelhalle Sucht“.
Gerade mit der Stärke der Betroffenenkompetenz leistet sie einen unverzichtbaren Beitrag im Suchthilfesystem der Stadt Leipzig.
Im Sommer 2015 wurde das „Konzept Regenbogen“, bestehend aus Suchtberatungs- und Behandlungsstelle „Regenbogen“, Sucht-Selbsthilfe „Regenbogen“ und dem Präventionsprojekt „Wandelhalle
Sucht“ durch eine Studentin der Westsächsischen Hochschule Zwickau im Rahmen der Bachelorarbeit
im Studiengang Gesundheitsmanagement untersucht.
Im Ergebnis wird das interne Netzwerk unter Beachtung des mehrdimensionalen Ansatzes sozialer
Unterstützung nach Diwald bestätigt.
Die professionelle Hilfe und die Sucht-Selbsthilfe sind zwei eigenständige Hilfeansätze, die eng miteinander vernetzt arbeiten und sich dadurch gegenseitig unterstützen und stärken. In diesem Prozess
nehmen die Mitarbeiter/-innen der Suchtberatungsstelle „Regenbogen“ in der Vernetzung eine zentrale
Rolle ein.
Begegnungszentrum /Abstinenzclub
Selbsthilfegruppen
In den Räumen des Begegnungszentrums treffen sich wöchentlich neun stabil existierende Selbsthilfegruppen.
Seit 2000 wurden 565 Mitglieder in allen Selbsthilfegruppen der Sucht-Selbsthilfe „Regenbogen“ gezählt. Hinzu kommen anonyme Kontakte, welche nicht erfasst wurden. Die Selbsthilfegruppen weisen
eine hohe Stabilität auf. Einige bestehen seit über 20 Jahren. Bislang, das war im Jahr 2012, hat sich
nur erst eine Gruppe mit 83 Mitgliedern aufgelöst.
Folgende Gesprächs-Selbsthilfegruppen sind sowohl in der Sächsischen Landesstelle gegen Suchtgefahren e. V. als auch in der Kontakt- und Informationsstelle Selbsthilfe der Stadt Leipzig gelistet:

71

Tabelle 29: Auflistung bestehender Selbsthilfegruppen bei Regenbogen

SHG (Name)

seit

Thema

Mitglieder seit Bestehen

SGH 1 Regenbogen

1990

Alkohol

82

SGH 2 Regenbogen

2015 (neu)

Alkohol und Depression

10

SGH 3 Regenbogen

1993

Alkohol, Medikamente, Mischkonsum

97

SGH 4 Regenbogen

1994

Alkohol, Medikamente

97

SGH 5 Regenbogen

2004

Alkohol, Medikamente, Mischkonsum

93

SGH 6 Regenbogen

2013

Alkohol und illegale Drogen

46

SGH 6 Regenbogen

2011

Elterngruppe von Kindern mit Essstörungen

10

SHG Off FG Regenbogen

2010

Motivationsgruppe zur Verhaltensänderung bei Alkohol- und Drogenkonsum

37 und viele anonyme
Mitglieder

SHG Trockenrock

2013

Gespräche und gemeinsames Musizieren

10

Quelle: Sucht-Selbsthilfe Regenbogen, 2016

Finanzierung
Die Sucht-Selbsthilfe „Regenbogen“ trägt sich durch eine Mischfinanzierung. Ca. 65 % der Gesamtkosten werden durch den Kooperationspartner Städtisches Klinikum „St. Georg“ Leipzig, Zentrum für
Drogenhilfe, getragen. Mit 20 % der Gesamtkosten unterstützt der Förderverein Zentrum für Drogenhilfe e. V. die Suchtselbsthilfe „Regenbogen“. 15 % werden für die Gruppenarbeit als pauschale und individuelle Förderung durch die Selbsthilfegruppen bei der Krankenkasse oder dem Rentenversicherungsträger beantragt und für deren Arbeit verwendet.

7.1.2 Ortsverein Blaues Kreuz Leipzig e. V.
Zwischen der Suchtberatungsstelle Blaues Kreuz der Diakonie Leipzig und dem Ortsverein Blaues
Kreuz Leipzig e. V. gibt es eine enge Zusammenarbeit. Beide Einrichtungen befinden sich im gleichen
Haus und ergänzen sich gegenseitig. Die Schwerpunkte der Vereinsarbeit liegen auf der Begleitung
der Suchtselbsthilfegruppen, der Caféarbeit sowie der Durchführung von Präventionsveranstaltungen.
Derzeit bestehen 18 Selbsthilfegruppen. Im letzten Jahr sind die Spielergruppe „game over“ und der
„Mutter-Kind-Kreis“ neu hinzugekommen.
Das vom Verein betriebene Begegnungszentrum „Blaues Café“ befindet sich im gleichen Haus wie die
Beratungsstelle. Es ergänzt das Angebot sinnvoll und wird gut von Klientinnen und Klienten der Beratungsstelle genutzt. Das Café hat montags bis freitags von 8:00 bis 15:00 Uhr geöffnet.

72

Im Café werden verschiedene tagesstrukturierende Gruppenangebote durchgeführt, wie z. B. Gruppenveranstaltungen, Donnerstagsfrühstück, Freizeitangebote, offene Beratungsangebote durch ehrenamtliche Helfer.
Im Jahr 2015 wurden vier Besinnungswochen durchgeführt. Sie fanden in Obercrinitz, Berthelsdorf und
Elbingerode statt. Besinnungswochen sind christliche Freizeiten für Suchtkranke, die in der Regel zehn
Tage andauern. Eine von diesen fand im Rahmen einer Raucherentwöhnungsfreizeit mit fünf Teilnehmern statt. Darüber hinaus gab es verschiedene Ausflüge und Wandertage sowie eine Besinnungsfahrt nach Ungarn. Besondere Höhepunkte bildeten das 122. Jahresfest, welches im Oktober begangen wurde, und die Weihnachtsfeier in der Freikirchlichen Gemeinde in der Jakobstraße, welche gemeinsam mit der Gemeinde und der Beratungsstelle ausgerichtet wurde.

7.1.3 Die Anonymen Alkoholiker
Die Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker feierte 2015 ihr
80-jähriges Bestehen weltweit und 25 Jahre in Leipzig.
Bereits am 10. Juni 1935, also vor 80 Jahren, gründeten Bob
Smith und Bill Wilson die Selbsthilfeorganisation, die heute in
144 Ländern der Erde mit 100.000 Gruppen und über 2 Millionen Mitgliedern existiert.
Im April 1939 erschien das erste Buch unter dem Titel „Anonyme Alkoholiker“, welcher auch der Gemeinschaft ihren Namen gab. Das „Blaue Buch“, wie es genannt wird, ist heute in 43 Sprachen übersetzt.
In Deutschland begann sich die Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker 1953 in München zu etablieren und erlebte in den 60er Jahren ihren ersten größeren Aufschwung. Heute stehen jedem Alkoholiker, der sich der sich den AA´s anschließen will, ca. 2.000 Gruppen im gesamten Bundesgebiet zur
Verfügung.
In Leipzig entwickelte sich im Jahr 1990 eine erste Gruppe, heute gibt es zehn im ganzen Stadtgebiet.
Am 19. September 2015 feierten sie in Leipzig ihr 25-jähriges Jubiläum und in der Bethlehem-Gemeinde fanden ein Informationstreffen und eine Feier statt. Natürlich werden auch immer die Familien
und Angehörigen mit eingeladen und einbezogen.
Angehörige von Alkoholikern unterhalten selbständigGruppen, genannt Al-Anon. Für Kinder und Jugendliche gibt es Alateen Gruppen.
Die Anonymen Alkoholiker arbeiten in Krankenhäusern, Schulen und Justizvollzugsanstalten.
In den vergangenen Jahren konnte die Stadt Leipzig verschiedene Informationsveranstaltunngen in
Kooperation durchführen. Insbesondere im Rahmen der bundesweiten Suchtwoche „Alkohol“ sind die
AA verlässliche Partner, aber auch bei Informationsveranstaltungen, die gemeinsam geplant und
durchgeführt werden.
Informationen sowie Orte und Zeiten der Meetings sind auf der Homepage
www.anonyme-alkoholiker.de zu finden.

7.2 Ehrenamt in der Suchtkrankenhilfe
Der Förderverein Zentrum für Drogenhilfe e. V. unterstützt das Zentrum für Drogenhilfe am Städtischen Klinikum „St. Georg“ Leipzig auch durch die Förderung des ehrenamtliches Engagements. Ehrenamt in der Suchtkrankenhilfe ist eine wichtige Ergänzung der professionellen Arbeit in den Suchtbe-

73

ratungsstellen. Der Einsatz der Ehrenamtler erfolgt vorrangig in den Übernachtungshäusern, Kontaktcafés und in der Präventionsarbeit. Der Förderverein ist bemüht, Aufwandsentschädigungen zu zahlen,
die sich je nach Tätigkeitsumfang zwischen 40 € bis maximal 165 € monatlich belaufen. Im Jahr 2015
konnten über den Förderverein die Projekte „Genesungsbegleiter“ (gefördert durch die Aktion Mensch)
und das Projekt „Motivierende Punktabstinenz“ ins Leben gerufen werden. Viele der Ehrenamtlichen
sind Experten durch ihre persönliche Erfahrung. Sie begleiten und unterstützen suchtkranke Menschen
in der Bewältigung der Abhängigkeitserkrankung sowie im Aufbau einer erfüllten Tagesstruktur.
Projekt Genesungsbegleiter

Fünf abstinent lebende suchtkranke Menschen engagieren sich ehrenamtlich als Genesungsbegleiter,
um akut Betroffenen Wege aus der Sucht aufzuzeigen. Dabei wollen sie
•

Hoffnung auf ein besseres Leben vermitteln,

•

Veränderungsmotivation aufbauen und stabilisieren,

•

Ängste und Schuld-/Schamgefühle abbauen,

•

Vertrauen in das professionelle Suchthilfesystem vermitteln.

Für ein Jahr wurden die Genesungsbegleiter ab dem 01.03.2015 als Ansprechpartner in den Suchtberatungs–und Behandlungsstellen „Alternative II“, „Regenbogen“ und „Haus Alt-Schönefeld“ eingesetzt.
Sie bieten niedrigschwellige Hilfe an, die sich aus den eigenen Genesungserfahrung als besonders
hilfreich erwiesen. Dies sind vor allem Gespräche, Begleitung bei Behördengängen, Besuche während
Klinikaufenthalten (Entgiftung und Therapie).
Projekt „Motivierende Punktabstinenz“
In der professionellen Suchtkrankenhilfe kommen verschiedene Ansätze und Methoden zur Anwendung. Im „Haus Altschönefeld“ wird (vorerst) der Ansatz der „Punktabstinenz“ (mit dem Ziel zeitweiser
Abstinenz) verfolgt. Dies bedeutet für alle Helfer ein hohes Maß an Akzeptanz gegenüber dem suchtkranken Menschen und seiner Problematik.
Zwei ehrenamtliche Mitarbeiter/-innen verfügen über Erfahrungen im Rahmen der Betroffenenkompetenz und ein gefestigtes Abgrenzungspotential, um mit dieser schwierigen Anforderung angemessen umzugehen. Konkrete Aufgabenstellung bildet u. a.

74

•

Hilfe zur Erreichung einer Tagestruktur der Klienten und bei der Alltagsbewältigung

•

Klientengespräche mit dem Thema Wege aus der Sucht einschl. Punktabstinenz

•

Angebote und Wahrnehmung kultureller Aktivitäten (Kino- und Zoobesuche, Ausflüge).

8 Maßnahmen des Ordnungsamtes der Stadt Leipzig
Für das Ordnungsamt ist das Konzept der Leipziger Sucht- und Drogenpolitik 2014 bis 2019 die maßgebende Orientierung für die im Kontext mit diesem Bericht zu erbringenden Leistungen. Auf dieser
Grundlage wurde auf den Ausbau und das kontinuierliche Wirken bewährter Strukturen hingewirkt.
Ein Schwerpunkt war auch im Jahr 2015 die aktive Einflussnahme darauf, dass die bestehende enge
Zusammenarbeit der verschiedenen Behörden und Institutionen zur Bekämpfung der Drogensucht im
Rahmen des Aktionsbündnis „Sicherheit im Leipziger Osten“ bedarfsgerecht an Schwerpunkten spürbar wirksam wird.
Im Zuge der weiteren Entwicklung des Stadtteils kam es auch zu Veränderungen hinsichtlich der
Wahrnahme des Konsums. Durch Bautätigkeit und Rekonstruktionsmaßnahmen nahmen der Leerstand und die unbebauten Brachflächen als „Rückzugsgebiete" für Drogenkonsumenten weiter ab und
drängten diese immer mehr in den öffentlichen Raum, insbesondere Grünanlagen dieses Stadtraumes.
Die ordnungsrechtlichen Aufgaben des Ordnungsamtes in diesem Zusammenhang beinhalten u. a.,
noch offenstehende Immobilien und ungesicherte Grundstücke zu erkennen und behördliche Schritte
zur Sicherung durch Eigentümer oder Ersatzvornahme zu veranlassen. In der Folge werden noch bestehende Rückzugsräume von Dealern und Konsumenten immer stärker eingeschränkt, was eine weitere Verdrängung nach sich zieht.
Im Rahmen der Aufgabenerfüllung können die Mitarbeiter/-innen auf die Erkenntnisse aus dem intensiven Informationsaustausch zurückgreifen. Wesentliche Grundlage hierfür sind die gut funktionierenden
Kooperationsstrukturen über das Aktionsbündnis „Sicherheit im Leipziger Osten“, in dem das Ordnungsamt regelmäßig aktiv mitwirkt.
Positiv bewährt hat sich, nicht nur in diesem Sinne, der Polizeiposten mit Sitz im Informationscenter Eisenbahnstraße.
Im Jahr 2015 wurden durch die Operativgruppe insgesamt 2.217 Stunden für präventive und repressive Maßnahmen zur Berichtsthematik aufgebracht. Der verstärkte Kontrolldruck lag besonders im Kreuzungsbereich Eisenbahn-/Ecke Hermann-Liebmann-Straße, im Bereich Koehlerstraße/Marcusgemeinde sowie im Rabet und in der Konstantinstraße/Elsapark.
Die „Szene“ ist in einer ständigen Bewegung. Der Verdrängungsdruck verändert das Gesamterscheinungsbild ständig und zwingt, die Lage regelmäßig zu bewerten und ständig angepasst zu reagieren.
Hinzu kommt die Notwendigkeit und das Bemühen, die Sauberkeit im öffentlichen Raum einschließlich
der Grünanlagen zu verbessern. Der Eigenbetrieb Stadtreinigung wurde in der praktischen Umsetzung
der Ordnung und Sauberkeit durch eine exponierte Kontrolltätigkeit der Beschäftigten des Ordnungsamtes bzw. durch die Teilnehmer/-innen am Sauberkeitsprojekt "Blau-Gelbe Engel" (Förderform Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung - AGH-MAE) und dem "Sauberkeitsprojekt50" (in
der Förderform "Förderung von Arbeitsverhältnissen" - FAV) unterstützt.
Ein Schwerpunkt in der Steuerung des Prozesses lag darin, die im Rahmen von Vor-Ort-Terminen mit
der Polizeidirektion Leipzig und anderen Akteuren getroffenen Vereinbarungen schnell und zielstrebig
zu realisieren.
Weitergehenden Veränderungen der Szeneentwicklung kann nur in einem gesamtgesellschaftlichen
Präventionssystem entgegengewirkt werden. Verhaltensorientierte Hinweise, Gespräche mit Eigentümern, Hausverwaltungen und Kontakt zu kommunalen und freien Trägern von Kindereinrichtungen bilden beispielhaft einen Teil der präventiven Arbeit des Ordnungsamtes während der Streifentätigkeit im
Stadtgebiet Leipzig. Hier tragen alle Akteure des Aktionsbündnisses „Sicherheit im Leipziger Osten“
mit vorbildlichem Engagement bei.
75

Die regelmäßigen Gespräche und Kontakte zur ansässigen Kindertageseinrichtung „Montessori“ im
Bereich des Koehlerplatzes und zum "Familienzentrum Marcusgasse", (Johanniter-Unfallhilfe e. V.),
wurden auch im Jahr 2015 mit hoher Akzeptanz dieser Einrichtungen fortgeführt.
Bei baulichen und gestalterischen Lösungen im Rahmen der weiteren städtebaulichen Entwicklung
können in Einbindung mit den Partnern von Polizei und Ordnungsamt Problemfelder verringert werden.
Dies hat sich vor allem im Jahr 2015 bei den Rückzugsräumen von Drogenkonsumenten und -dealern
in unübersichtlichen, nicht einsehbaren Sichtachsen von Grünanlagen niedergeschlagen. Auch die
schnelle Beseitigung von Vandalismusschäden kann einen wirksamen Beitrag bei der Gegensteuerung von Normbrüchen darstellen.
In den letzten Monaten ist eine leichte Entspannung gerade auf der Grünfläche der Marcusgemeinde
zu konstatieren. Hintergrund ist offensichtlich die zielstrebige Arbeit der Polizei, die Erweiterung der
Präsenz der mobilen Alternative und der als Schwerpunkt betriebene Kontrollaufwand des Ordnungsamtes.
Die täglichen Kontrollen im Leipziger Osten, Lindenauer Markt und in anderen Parkanlagen der Stadt
Leipzig sind notwendig, da diese Bereiche in unterschiedlicher Intensität auch von Menschen, die Betäubungsmittel und/oder Alkohol konsumieren, frequentiert werden.
In enger Zusammenarbeit mit den Streetworkern vom Amt für Jugend, Familie und Bildung werden die
Personengruppen für eine konsequente Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten im Rahmen des Jugendschutzes und auf die Einhaltung der §§ 2 und 4 der Polizeiverordnung der Stadt Leipzig aufgesucht und kontrolliert.
Bei den Kontrollen wurden Verhaltensweisen mit öffentlichen Beeinträchtigungen, z. B. aggressives
Betteln bzw. sonstiges aggressives, aufdringliches Verhalten gem. § 4 Polizeiverordnung der Stadt
Leipzig festgestellt. Diesbezüglich wurden die Personen kontrolliert bzw. belehrt und bei Wiederholungen die Ordnungswidrigkeiten angezeigt.
Seit Umsetzung der Fördermaßnahme im Fördergebiet EFRE Leipziger Westen mit dem geschaffenen
Modellprojekt „Von der Straße ins Leben - Aufsuchende Hilfen für Suchtkranke im öffentlichen Raum“
gibt es eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem Träger des Projektes, der SZL Suchtzentrum
gGmbH.
Das Ordnungsamt bringt sich als ständiges Mitglied in den Qualitätszirkel aktiv ein. Dieser Zirkel hat
das Ziel, Erfahrungen aller Beteiligten auszutauschen, Zielstellungen zu überprüfen und konkrete Maßnahmen festzulegen bzw. anzupassen. Er gewährleistet eine regelmäßige Kommunikation zwischen
den unterschiedlichen Akteuren und trägt zur Vertiefung der Zusammenarbeit bei. Der Qualitätszirkel
trifft sich vierteljährlich. Vertreten wird das Ordnungsamt durch den Stadtordnungsdienst, SG West. In
diesen Beratungen zeigt das Ordnungsamt z. B. ordnungsrechtliche Schwerpunkte auf und gibt entsprechende Informationen zu erkennbaren Schnittstellen zu weiteren Partnern des Qualitätszirkels und
erforderlichen Arbeitsschritten.
In den Prozess des Ausbaus von aufsuchenden Angeboten für erwachsene Menschen ist das Ordnungsamt kontinuierlich eingebunden und hat entsprechende Schwerpunktgebiete zugearbeitet.
Für das Jahr 2015 sind vergleichsweise zum Vorjahr folgende Parameter aus den Tätigkeitsmerkmalen des Stadtordnungsdienstes zusammengefasst:

76

Tabelle 30: Jahresvergleich Tätigkeitsmerkmale

2014

2015

4.248

3.022

58

1

Preisabgabekontrollen

134

72

Sonstige Gewerbeermittlungen

674

621

allgemeine Gewerbekontrollen im Auftrag der Sicherheitsbehörde
Nichtraucherschutzkontrollen

Quelle: Ordnungsamt, 2016

Bei den Kontrollen im Jahr 2015 stand besonders der Alkoholkonsum von Jugendlichen in Park- und
Grünanlagen sowie die Gewährleistung des Nichtraucher-und des Jugendschutzes in Gaststätten und
Spielotheken im Fokus. Hier wurden 61 Gewerbeobjekte kontrolliert. Auch im Rahmen von Kontrollen
legaler und illegaler Technopartys wurde das Ordnungsamt aktiv.
Maßnahmen gegen Beschaffungsprostitution
In Kooperation mit der Polizeidirektion Leipzig wurden Maßnahmen gegen Beschaffungsprostitution,
d. h. Kontrollen zur Einhaltung der Sperrbezirksverordnung sowie der Polizeiverordnung im Hinblick
auf das Ansprechverbot zur Anbahnung der Prostitution, umgesetzt.
Zur Durchsetzung der Sperrbezirksverordnung wurde im Jahr 2015 die Kontrollpräsenz im Bereich der
Nordstraße und deren angrenzenden Straßen aufrecht erhalten. Die gemeinsamen Kontrollen im Bereich Nordstraße durch Kräfte der Inspektion Zentrale Dienste (IZD), des Polizeivollzugsdienstes der
Polizeidirektion Leipzig, des Polizeireviers Zentrum und des Ordnungsamtes zeigen positive Ergebnisse und erzielen Wirkung.
Aufgrund vorgenannter Zahlen besteht weiter ein erhöhter Kontrolldruck hinsichtlich der Freier und
Prostituierten im Sperrbezirk. Die Möglichkeiten zur Feststellung und Unterbindung bei Verstößen gegen das Verbot der Kontaktaufnahme bleibt für die Mitarbeiter/-innen des Ordnungsamtes schwierig.
Dennoch wurden im vergangenen Jahr 16 Frauen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren festgestellt
(2014: 17), von denen über 90 % drogenabhängig sind.
Im Ergebnis der Kontrollen wurden 14 Verstöße zur Sperrbezirksverordnung der Stadt Leipzig festgestellt und als Verstöße zum § 3 Polizeiverordnung der Stadt Leipzig (Ansprechverbot) zur Anzeige gebracht.
Darüber hinaus wurden 18 Platzverweise ausgesprochen.
Fahrerlaubnisbehörde
Die in der Fahrerlaubnisbehörde im Jahr 2015 registrierten Mitteilungen zu Verstößen gegen das BtMGesetz sind zum Vergleichsjahr 2014 um 13 % gesunken. 64 % dieser Mitteilungen betrafen Inhaber
einer Fahrerlaubnis. Mitteilungen zu Betroffenen, die nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis sind, führen
zu keiner Verwaltungsmaßnahme in der Fahrerlaubnisbehörde.
Diese Mitteilungen können nur verwertet werden, wenn diese Betroffenen in absehbarer Zeit einen Antrag auf Erteilung einer Fahrerlaubnis stellen.

77

Tabelle 31: Fallzahlen im Jahresvergleich

2014

2015

Mitteilungen von Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz

570

497

Anordnung ärztlicher bzw. medizinisch-psychologischer Gutachten

66

88

114

110

Anzahl der Fahrerlaubnisentziehungen
Quelle: Ordnungsamt, 2016

Die nach Fahrerlaubnis-Verordnung eingeleiteten Verwaltungsmaßnahmen zur Anordnung eines ärztlichen oder medizinisch-psychologischen Gutachtens (Einnahme von Cannabis oder Besitz von Betäubungsmitteln) stiegen gegenüber dem Vorjahr um 33 % an.
Die Anzahl der Fahrerlaubnisentziehungen haben sich gegenüber dem Vorjahr geringfügig um 3,5 %
verringert.
2015 führten 17,7 % der eingegangenen Mitteilungen zur Anordnung eines ärztlichen oder medizinischpsychologischen Gutachtens und 22,1 % der Mitteilungen zum Entzug der Fahrerlaubnis.
Damit ist summarisch festzustellen, dass im Jahr 2015 zwar 13 % (73 Mitteilungen) weniger eingingen
als im vorangegangenen Berichtszeitraum, dafür mehr Betroffene Inhaber einer Fahrerlaubnis waren.
Die seit 2011 steigende Zahl der Inhaber einer Fahrerlaubnis, denen bei nachgewiesener Einnahme
von Betäubungsmitteln außer Cannabis und Teilnahme am Straßenverkehr die Fahrerlaubnis sofort
entzogen werden musste, ist 2015 erstmals nicht weiter angewachsen.
Hier ist gegenüber 2014 ein leichter Rückgang um 3,5 % zu verzeichnen.
Angestiegen ist dagegen die Zahl der Fahrerlaubnisinhaber, die sich wegen Fahrens unter Einwirkung
von Cannabis oder Besitz harter Drogen einer Eignungsüberprüfung unterziehen mussten.

78

Ein Vergleich der letzten fünf Jahre ist in der nachfolgenden Darstellung ersichtlich:
Abbildung 24: Mitteilungen zu Verstößen gegen das BTMG und eingeleitete Maßnahmen

600

570
498

500
376

400
300

497

285

200
100

49

75

75

84

74

97

114
66

88

110

0
2011

2012

2013

2014

2015

Anzahl der Mitteilungen zu Verstößen gegen das BtM-Gesetz
Anzahl AO ärztlicher bzw. medizinischer-psychologischer
Gutachten
Anzahl der Fahrerlaubnisentziehungen
Quelle: Ordnungsamt, 2016

Zentrale Bußgeldbehörde
In der Zentralen Bußgeldbehörde wurden im Jahr 2015 237 Anzeigen zu Fahren unter Alkohol bzw.
Betäubungsmitteln bearbeitet. Dabei entfielen 109 Verstöße auf das Führen eines Fahrzeuges unter
Alkoholeinfluss und 128 auf das Führen eines Fahrzeuges unter Einfluss von Betäubungsmitteln.
Aus dem Rückgang der Anzahl der Anzeigen gegenüber dem Vorjahr (337 Anzeigen) um 100 Vorgänge lässt sich jedoch kein Rückschluss auf ein geändertes Suchtverhalten ziehen. Ursächlich wirken
hier in erster Linie die Kontrolldichte und das daraus resultierende Anzeigeverhalten durch die Polizei.
Der Zentralen Bußgeldbehörde lagen im Jahr 2015 14 Anzeigen zu Ordnungswidrigkeiten gegen Freier
wegen der Kontaktaufnahme zur Vereinbarung sexueller Handlungen gegen Entgelt vor. In zehn Fällen
erfolgten Anzeigen wegen der Ausübung der Prostitution im Sperrgebiet. Im Rahmen der Anzeigenbearbeitung wurden dazu bisher in 13 Fällen Bußgeldbescheide erlassen, von denen elf rechtskräftig
sind. Rechtsmittel wurden in diesen Fällen nicht eingelegt. Zu verzeichnen ist ein leichter Anstieg von
Anzeigen von 12 im Jahr 2014 zu 14 im Jahr 2015. Die Zahl der erlassenen Bußgeldbescheide stieg
von sieben im Jahr 2014 auf 13 im Jahr 2015. Die Anzahl der Anzeigen gegen Freier lag in den letzten
Jahren tendenziell zwischen 10 und 14 Anzeigen.
Maßgeblich hinsichtlich einer wirksamen Verfolgung von Verstößen ist, dass die Feststellungen eindeutig belegt und damit nachweisbar sind, was 2015 gegeben war.

79

Abbildung 25: Anzeigen wegen Fahrens unter Alkohol oder Betäubungsmittel im Jahresvergleich

450
400
350
300
250
200
150
100
50
0

108

66
96

287

2011

168
Fahrer unter BtM
128

273

2012

175

169

2013

2014

Fahren unter
Alkohol

109
2015

Quelle: Ordnungsamt, 2016

Fazit
Das Ordnungsamt schöpft seine Möglichkeiten als Verfolgungsbehörde im Rahmen seiner Zuständigkeiten aus. Es gewährleistet Kontrollen zur Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen im Bereich allgemeiner Verbote sowie zur Angebotsreduzierung (z. B. Nichtraucherschutzgesetz, Jugendschutzgesetz) und stellt den Informationsaustausch mit anderen Verfolgungsbehörden wie Bundes- und Landespolizei oder Zoll sicher. An dieser Stelle sei insbesondere auf das vertrauensvolle und koordinierte
Zusammenwirken von Polizei, Ordnungsamt, Suchtberatungsstellen und Amt für Jugend, Familie und
Bildung verwiesen. Sehr positiv hat sich die Zusammenarbeit der vorgenannten Behörden und Institutionen durch die Einbeziehung des Kommunalen Präventionsrates Leipzig (KPR) ausgewirkt. Die ständige Teilnahme eines Vertreters des KPR im Drogenbeirat unterstreicht die enge Zusammenarbeit.
Beim KPR handelt es sich nicht um eine Organisationseinheit, sondern um ein Netzwerk, in dem fallund situationsbezogen die ressort-, ämterübergreifende und interdisziplinäre Zusammenarbeit unter
Einbindung der Bürgerschaft, Vereine etc. auf der Agenda steht. Dadurch können Maßnahmen infolge
neu erkannter Schwerpunkte schneller innerhalb der Stadtverwaltung bzw. zwischen der Stadtverwaltung und der Polizeidirektion Leipzig koordiniert und abgestimmt werden.
Tabelle 32: Ergebnisse im Rahmen der täglichen Kontrollen

Vorgang/Sachverhalt/Maßnahmen
Kontrollen zu leerstehenden Grundstücken
offene Gebäude
Anordnungen von Auflagen an Eigentümer
Sicherungsmaßnahmen an den Gebäuden; Abfallberäumungen durch Eigentümer nach Aufforderung durchgeführt

Anzahl
32
19
15
8

von Grundstücken durch Eigentümer

6

Ersatzvornahmen

1

Spritzenfunde im gesamten Stadtgebiet

262

Personenkontrollen/Identitätsfeststellungen

26

Platzverweise

18

zur Fahndung ausgeschriebener Personen
Quelle: Ordnungsamt, 2016

80

1

9 Rauschgiftlagebild der Polizeidirektion Leipzig 2015
Das nachstehende Kapitel wurde durch die Polizeidirektion Leipzig erstellt.

9.1 Rauschgiftkriminalität
Fallzahlenentwicklung mit Bewertung
Im Bereich der kreisfreien Stadt Leipzig war 2015 ein deutlich sinkendes Niveau der Rauschgiftdelikte
zu verzeichnen. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) sind im Jahr 2015 im Stadtgebiet Leipzig
1.432 Delikte (2014: 1.888 Fälle) erfasst worden. Von den registrierten Fällen wurden 1.329 Fälle mit
insgesamt 1.245 Tatverdächtigen aufgeklärt, bei einer Aufklärungsquote von 92,8% (2014: 94,3%).
Der deutliche Rückgang der Fallzahlen dürfte nicht auf eine tatsächliche Veränderung der Lage zurückzuführen sein. Vielmehr waren die Einsatz- und Unterstützungskräfte der Polizeidirektion Leipzig
im hohen Maße durch Legida/Gegendemonstrationen gebunden.
Der Anteil der Rauschgiftdelikte6 an der Gesamtkriminalität war 2015 mit 1,9 % entsprechend deutlich
rückläufig gegenüber dem Vorjahr 2014 mit 2,4%. Es wurden 1.129 (2014: 1.466) Allgemeine Verstöße und 170 (2014: 201) Straftaten des unerlaubten Handels/Schmuggels mit Betäubungsmittel erfasst.
Die Zahl sonstiger Verstöße (z. B. unerlaubter Anbau, illegaler Handel/Herstellung/Abgabe/Besitz in
nicht geringer Menge) hat sich mit 129 nahezu halbiert (2014: 217).
Der zahlenmäßig größte Anteil der Rauschgiftdelikte ist auf Verstöße mit Cannabis und Zubereitungen
mit 657 Fällen (2014: 817 Fälle) zurückzuführen. Es folgen Delikte mit Metamphetamin/Amphetamin
mit 536 Fällen (2014: 718 Fälle Amphetamin/Metamphetamin gesamt). Delikte mit Heroin sanken auf
65 (2014: 78 Fälle).
Abbildung 26: Allgemeine Verstöße nach BtMG / Anteile nach Substanzen

Quelle: Polizeidirektion Leipzig, Stand März 2016
6

zu beachten: ohne direkte Beschaffungskriminalität zur Erlangung BtM
81

Anmerkung: Seit 2014 existiert die gesonderte Schlüsselung der Fälle Amphetamin/Metamphetamin.
Diese teilen sich im Berichtsjahr in 50 Fälle Amphetamin sowie 413 Fälle Metamphetamin.
Cannabis und Methamphetamin sind die hauptsächlich konsumierten Betäubungsmittel. Es gilt für
2015 eine rückläufige Entwicklung der Straftaten im Zusammenhang mit Heroin.

9.1.1 Beschaffungskriminalität
Direkte Beschaffungskriminalität
In der PKS sind sieben Delikte (2014: 8) der direkten Beschaffungskriminalität, d. h. Diebstahl, Raub
von Betäubungsmitteln, Rezeptformularen bzw. Rezeptfälschungen ausgewiesen. Dies entspricht einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Die Zahlen sind unverändert als gering zu betrachten.
Indirekte Beschaffungskriminalität
Fälle der indirekten Beschaffungskriminalität werden von der PKS nicht als solche explizit erfasst und
sind nur mit hohem Aufwand und am Einzelfall darstellbar. Die Zahlen der gestellten Tatverdächtigen
nach der PKS geben bei weitem nicht das gesamte Bild der Beschaffungskriminalität wieder, da die
PKS als Täter lediglich die „Konsumenten harter Drogen“ erfasst, nicht jedoch die weiteren Täter mit
BtM-Bezug (BtM-Händler, BtM-Konsumenten). Ferner sind erfahrungsgemäß nicht alle Tatverdächtigen, welche BtM-Konsumenten sind, auch tatsächlich als solche erkennbar und im polizeilichen Datensystem erfasst.
Grundlegend ist aus polizeilichem Erfahrungswissen, insbesondere aus Vernehmungen von Tatverdächtigen bekannt, dass einige Konsumenten harter Drogen bzw. chronisch Suchtkranke ihre Sucht
durch die Begehung von Delikten der Eigentumskriminalität wie Ladendiebstahl, Diebstahl in/aus Kfz,
Fahrraddiebstahl, Wohnungseinbruch, Diebstahl von Betriebsstoffen und Buntmetallen sowie Raub
oder auch Prostitution und Betrug finanzieren.
Die polizeiliche Erfahrung besagt, dass die Konsumenten insbesondere harter Drogen bei steigendem
Bedarf an illegalen Drogen Straftaten begehen, um ihren Finanzbedarf zu decken. Chronisch Suchtkranke weisen die niedrigste Hemmschwelle zur Erlangung von Finanzierungsmitteln auf illegale Weise auf.
Als deliktische Schwerpunkte indirekter Beschaffungskriminalität gelten im Stadtgebiet Leipzig Raub,
Wohnungseinbruch und BSD7 an/aus Kfz. Die Raubdelikte sowie die Wohnungseinbrüche bewegen
sich auf einem insgesamt hohen Niveau. Nachwievor ist die Belastung der PD Leipzig mit Straftaten
des BSD an/aus Kfz sehr hoch.
Einzelne Aussagen aus Vernehmungen geben Aufschluss auf die statistisch im Einzelnen nicht belegbaren Finanzierungsvarianten, der Verwendung barer und unbarer Eigenmittel, des Haus- und Familiendiebstahls, der Verwendung diverser Sozialleistungen sowie verschiedener Formen von Eigentumsund Vermögensdelikten. Abhängigkeits- sowie Finanzierungsentwicklung stünden damit in ähnlicher
Weise analog zueinander. Schäden entstehen zunächst in privaten Gefügen, zunehmend in den staatlichen Sozialbereichen und letztlich durch Straftaten gegenüber Unbeteiligten.
Schadensumfang
Es kann davon ausgegangen werden, dass Konsumenten harter Drogen, welche chronisch stark abhängig sind, im Raum Leipzig unverändert bis zu 80 Euro pro Tag benötigen, um den BtM-Erwerb zur
Befriedigung ihrer Sucht zu finanzieren. Das Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens durch die Drogenund Begleitkriminalität kann daher bestenfalls geschätzt werden. Aufgrund der ungenügenden finanziellen Ausstattung von Konsumenten harter Drogen im Raum Leipzig ist weiterhin davon auszugehen,
7

82

Diebstahl im besonders schwerem Fall

dass der Finanzierungsbedarf in erster Linie durch die Begehung von Straftaten der indirekten Beschaffungskriminalität gedeckt wird. Der direkte wirtschaftliche Schaden ist hoch einzuschätzen, unter
Berücksichtigung, dass sich der Hehlpreis für gestohlene Güter regelmäßig weit unter der Hälfte des
Zeitwerts bewegen dürfte.
Zudem entstehen hohe Schadensummen durch Personen- und Sachschäden im Zusammenhang mit
der Erlangung des Gutes. Medizinische Folgekosten (Raubopfer), Gebäudeschäden (Türen, Fenster,
Schlösser), Schäden an Kraftfahrzeugen (Scheiben, Armaturen, Schlösser, Elektronik) sind hier beispielhaft zu benennen. Weiterhin entstehen Schäden durch Betriebsunterbrechungskosten (Ausfall
von Arbeitsmitteln) und daraus resultierenden Verzögerungen. Auswertungen oder Untersuchungen
hierzu liegen in der PD Leipzig nicht vor.

9.1.2 Fallentwicklung der Rauschgiftdelikte
Tabelle 33: Rauschgiftdelikte

2011

2012

2013

2014

2015

RG-Delikte

1.458

1.414

1.434

1.888

1.432

Allgemeine
Verstöße

1.146

1.119

1.138

1.466

1.129

219

178

175

201

170

Unerlaubter Handel/Schmuggel

Quelle: Polizeidirektion Leipzig, Stand März 2016

9.1.3 Sicherstellungsmengen
Gesamtsicherstellungen nach Substanzen
Die hohen Mengen an Sicherstellungen sind nicht zuletzt das Ergebnis umfangreicher und intensiver
Ermittlungen. Im Februar 2015 gelang die Festnahme eines 20-jährigen Leipzigers. Ihm konnte der unerlaubte Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge nachgewiesen werden. Im Zuge der
Ermittlungen wurden über 320 kg Betäubungsmittel sichergestellt. Die Menge umfasste insbesondere
Crystal, Kokain, Amphetamin (Speed), Ecstasy-Tabletten, LSD, Haschisch und Marihuana. Darüber
hinaus stellten die Beamten der Kriminalpolizei zahlreiche, der Verpackung und Portionierung dienende Gegenstände sowie 48.000 Euro Bargeld sicher.
Im Verlauf der Ermittlungen gelang es darüber hinaus, verschiedene Sendungen zu sichern, in welchen sich nochmals rund 40 kg verschiedener Betäubungsmittel befanden. Legt man die Verkaufspreise der Onlineplattform zugrunde, ergibt sich ein Gesamtwert der insgesamt beschlagnahmten Betäubungsmittel (rund 360 kg) von über vier Millionen Euro. Um Betäubungsmittel zunächst zu erwerben,
sie dann anzubieten und zu verkaufen, nutzte der 20-Jährige das Internet und bot sie über die Onlineplattform „Shiny Flakes“ an.
Das Verfahren zeigt, dass der Vertriebsweg über das Internet erheblich an Bedeutung gewonnen hat
und daher gerade auch in diesem Bereich Maßnahmen zur Angebotsreduzierung von zunehmender
Bedeutung sind.

83

Tabelle 34: Gesamtsicherstellungen

Betäubungsmittel

2014

2015

Marihuana

30.665 g

20.193 g

Haschisch

479 g

93.972 g

284 Stück

383 Stück

Heroin

173 g

351 g

Kokain

20.832 g

2.580 g

809 ml

790 ml

506 g

112.855 g

4.520 g

3044 g

217 Stück

344.812 g

0

45.122 Stück

Pflanzen

GHB
Amphetamin
Methamphetamin
Ecstasy
LSD
Quelle: Polizeidirektion Leipzig, Stand März 2016
Anzahl der Einzelsicherstellung
Tabelle 35: Einzelsicherstellungen

Betäubungsmittel

2014

2015

Marihuana

927

570

Haschisch

19

57

Pflanzen

10

26

Heroin

12

31

Kokain

17

24

7

2

29

42

158

366

17

38

0

4

GHB
Amphetamin
Methamphetamin
Ecstasy
LSD
Quelle: Polizeidirektion Leipzig, Stand März 2016

In der abgebildeten Tabelle ist die Anzahl der Sicherstellungen bezogen auf die einzelnen Betäubungsmittelarten aufgelistet, wobei zu beachten ist, dass bei polizeilichen Maßnahmen auch zeitgleich mehrere Betäubungsmittelarten sichergestellt wurden, oft Marihuana und Methamphetamin zusammen.
Nach wie vor stellen die Cannabisprodukte einen Schwerpunkt sowohl bei den Sicherstellungsmengen
als auch bei der Anzahl der einzelnen Sicherstellungen im Bereich der Betäubungsmittelkriminalität
dar. Beachtlich ist ferner die hohe Anzahl der Einzelsicherstellungen von Methamphetamin.

84

9.2 Tatverdächtigenstruktur
Tatverdächtige nach Alter
Abbildung 27: Tatverdächtige nach Alter
9

86

143

Kinder
Jugendliche
Heranwachsende
Erwachsene

1.007

Quelle: Polizeidirektion Leipzig, Stand März 2016

Die Veränderung der absoluten Zahlen stellt sich gegenüber 2014 wie folgt dar:
Kinder

-1

Jugendliche

-41

Heranwachsende

-20

Erwachsene

-291

Es muss davon ausgegangen werden, dass das Dunkelfeld auch im Bereich der Minderjährigen deutlich höher liegt. Indizien hierfür sind Aussagen aus verschiedenen Hilfebereichen und sogenannten
„Tür-und-Angel-Gesprächen“, die jedoch keinen ausreichenden Anfangsverdacht einer verfolgungswürdigen Straftat begründen. Aufgrund des Vorranges der Hilfeleistung und der Erziehung gegenüber
Minderjährigen wird in einer Anzeige häufig ein kaum wirksames, sondern gegenteilig wirkendes Mittel
gesehen. Insofern werden diesbezügliche Fälle äußerst selten bekannt. Besorgniserregend sind die
Zunahmen bei Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden als Tatverdächtige, wobei dies vor allem
als Aufhellung eines vermuteten Dunkelfeldes betrachtet werden kann.

9.3 Rauschgifttote
Im Zuständigkeitsbereich der PD Leipzig wurden 2015 insgesamt 9 bestätige Rauschgifttodesfälle im
Alter zwischen 30 und 48 registriert, davon eine weibliche und acht männliche Personen. Alle Personen verstarben im Gebiet der Stadt Leipzig. In sieben Fällen war eine Drogenintoxikation
todesursächlich:
•

einmal mit Oxycodon (verschreibungsfähiges BtM)

•

zweimal mit Crystal

•

einmal mit Crystal und Heroin (Mischkonsum)

•

zweimal mit Heroin

•

einmal mit synthetischen Opioid
85

In einem Fall lag ein Suizid in Motivation eines aktuellen Crystal-Einflusses vor, in einem weiteren Vorgang wurde durch die Obduktion ein Herzversagen unter Einfluss von Crystal festgestellt.

9.4 Lokale Schwerpunkte
Die nachfolgend beschriebenen Schwerpunkte der Rauschgiftkriminalität resultieren aus den Ergebnissen der schwerpunktorientierten Kontrolldichte für das Stadtgebiet Leipzig.
Es wird darauf hingewiesen, dass strafbare Handlungen nach dem BtMG ebenso wie der Konsum
grundsätzlich an vielen Örtlichkeiten stattfinden können. Diskotheken, Partymeilen und Wohnungen
werden dabei ebenso genutzt wie Parkanlagen, Magistralen, Gewerbegebiete oder infrastrukturelle
Knotenpunkte.
Die erläuterten Schwerpunkte belegen die Konzentration des Betäubungsmittelhandels und des Konsums sowie die Kontrolldichte gemessen an Örtlichkeiten. Grundsätzlich gilt zu beachten, dass Betäubungsmittel flächendeckend in der kreisfreien Stadt Leipzig angeboten und konsumiert werden. In der
Folge wird auf die manifestierten Territorien eingegangen:
Bereich Leipzig-Zentrum:
Ein örtlicher Schwerpunkt der Rauschgiftkriminalität im Stadtgebiet Leipzig ist nach wie vor das Territorium in und um die Eisenbahnstraße, hier insbesondere in Bezug auf den Handel mit Heroin und Crystal. In diesem örtlichen Bereich sind vorwiegend arabisch- und türkischstämmige Tatverdächtige als
Anbieter aktiv. Im Juli 2014 verfestigten sich Hinweise auf Verlagerung bzw. Erweiterung der Anbieterszene zum Leipziger Zentrum, Schwanenteich. Im Ergebnis dieser Erkenntnisse wurden verstärkt Kontrollmaßnahmen in dem Bereich durchgeführt. Es konnte durch den Einsatz verschiedener Kräfte gezielt gegen die zum Teil offene Anbieterszene vorgegangen werden.
Im Bereich des Leipziger Hauptbahnhofes besteht seit Jahren aufgrund der Infrastruktur, dem schwer
kontrollierbaren Gelände und der Zentrumslage eine teils offene Anbieterszene. Das Gebiet erstreckt
sich über den inneren Promenadenring vom Willy-Brandt-Platz über den Georgiring bis zum Augustusplatz, eingeschlossen des Schwanenteichs und des Bereiches um das Wintergartenhaus. Durch gezielte Observationsmaßnahmen im Umfeld der Spielothek „Fairplay“ wurde festgestellt, dass ausländische Tatverdächtige Betäubungsmittel an Personen offen verkauften. Bei nachfolgenden Kontrollen
konnten in mehreren Fällen bei den Abnehmern und Verkäufern Betäubungsmittel sichergestellt werden. Dabei nutzen BtM-Händler auch Verstecke im Freien. Die Verfahren richteten sich größtenteils
gegen Tatverdächtige nordafrikanischer Herkunft, die vorwiegend mit Cannabisprodukten handelten
und dabei arbeitsteilig vorgingen.
Um die Anbieterszene in diesem Bereich wirksam und nachhaltig einzudämmen bzw. zu zerschlagen,
führt die Polizeidirektion Leipzig mit Unterstützung verschiedener Einheiten der Polizei zahlreiche präventive und repressive Maßnahmen durch.
Für den Bereich des „Rabet“ kann eine Etablierung verschiedener Formen der Rauschgiftkriminalität
bis hin zu den damit einhergehenden Problemen der Ordnung und Sauberkeit konstatiert werden. Allein der Standort der Sozialarbeit der Streetworker kann dies perspektivisch nicht verbessern. Um den
Beschwerden der Anwohner mit Besserungen nachzukommen, wird die polizeiliche Kontrolltätigkeit in
gleichem Niveau fortgesetzt. Die in der Vergangenheit wiederholt aufgeworfene Frage der Verunreinigungen durch weggeworfene Spritzen sollte auf ihre Ursache hin betrachtet werden. Daher sollte die
Herkunft der weggewordenen Spritzen geklärt werden, um ausschließen zu können, dass diese aus
dem Spritzentausch stammen können. Hierfür wird der Einsatz farbiger Spritzen durch die verschiedenen Beratungsstandorte vorgeschlagen, farblich jeweils getrennt nach den einzelnen Projekten/Standorten.

86

9.5 Prävention
Die Polizeidirektion Leipzig konnte die Maßnahmen zum Thema Drogenprävention mit hohem Aufwand quantitativ erhöhen. Der regelmäßige Fachaustausch intern, mit anderen Behörden und Institutionen sowie mit freien Trägern garantiert Qualität auf aktuellem Niveau. Mehrere Veranstaltungen
wurden im Zusammenwirken mit anderen Anbietern gehalten. Grundlage für schulische Prävention
durch die Polizei ist Maßgabe der sachsenweite Ansatz „Prävention im Team“ (PIT). Das Aufkommen
von Anfragen unterschiedlichster Erwartungen zum Thema liegt über der zur Verfügung stehenden
personellen Kapazität, wobei seit mehreren Jahren ein Anstieg zu verzeichnen ist. Hauptzielgruppe
stellen die Bildungseinrichtungen sowie Eltern dar, welche nach sachsenweit verbindlichen Konzepten
aufgeklärt und informiert werden.
Im Jahr 2015 fanden 197 Veranstaltungen statt, an denen 3.850 Jugendliche und 650 Erwachsene teilnahmen.
Folgende Gremien mit Bezug auf das Thema Sucht und Betäubungsmittel werden im Bereich der
kreisfreien Stadt Leipzig teilnehmend durch einen Vertreter der PD Leipzig besetzt:
•

Drogenrapport (monatlich)

•

Drogenbeirat (sechs Mal/Jahr)

•

AK Suchtprävention (quartalsweise)

•

AK Leipziger Osten

Aus dem Fachbereich Prävention wird die Polizeidirektion Leipzig im AK Suchtprävention der Stadt
Leipzig durch eine Beamtin vertreten. Im AK Suchtprävention des Landkreises Nordsachsen nehmen
zwei Beamtinnen die Interessen der Polizeidirektion Leipzig wahr.

9.6

Prognosen und Maßnahmebedarf

Insgesamt ist von einer Verfestigung der Rauschgiftkriminalität im Bereich der kreisfreien Stadt Leipzig
auszugehen. Perspektivisch ist von einem mindestens gleichbleibenden Umfang der hier anfallenden
Aufgaben auszugehen. Maßgeblich für die strategische Ausrichtung der Bekämpfung der Betäubungsmittelkriminalität im Bereich der PD Leipzig sind insbesondere
•

10-Punkte-Plan der Sächsischen Staatsregierung

•

Bekämpfungskonzeption Crystal

•

Konzeption zur Neuausrichtung der polizeilichen Prävention

•

Drogenpolitische Leitlinien der kreisfreien Stadt Leipzig.

Folgende Maßnahmen dienen der Umsetzung des langfristigen Ziels, einer Ausweitung der BtM-Händler- und -Konsumentenszene dauerhaft entgegenzuwirken:
•

Interner und externer Fachaustausch auf Leitungs- und Arbeitsebene

•

Effiziente und optimierte Kontroll- und Ermittlungsmaßnahmen

•

Bedarfsorientierte Fortbildungen von Einsatzbeamten

•

Ausbau und Pflege der Wissensangebote zum Thema Drogen

•

Modifizierung und Verwendung des Flyers „Hilfe für Erstkonsumenten“

•

Fortführung der polizeilichen Drogenprävention

87

Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Veranstaltungen der Leipziger Reihe für Suchtprävention
12
Tabelle 2: Verteilung der HaLT-Fälle
13
Tabelle 3: Gründe für Anrufe von Kindern und Jugendlichen
31
Tabelle 4: Substitution
38
Tabelle 5: Herkunft
42
Tabelle 6: Ausgewählte Leistungen
42
Tabelle 7: Beratungen im Projekt DRAHTSEIL nach Altersgruppen und Geschlecht
44
Tabelle 8: Anzahl der Beratungen in der Drogensprechstunde
46
Tabelle 9: Aufnahmen auf der Station TSI, absolute Häufigkeiten der Hauptdiagnosen (HD)
47
Tabelle 10: Aufnahmen Park-Klinikum, Klinik für Psychiatrie, nach Alter und Geschlecht
48
Tabelle 11: Aufnahmen im Park-Klinikum, Abteilung Rehabilitation, nach Alter und Geschlecht
49
Tabelle 12: Aufnahmen im Park-Klinikum, Bereich Adaption, nach Alter und Geschlecht
49
Tabelle 13: Stationäre Aufnahmen KH Altscherbitz nach Alter, Geschlecht und Suchthauptsubstanz 50
Tabelle 14: Teilstationäre Aufnahmen nach Alter, Geschlecht und Suchthauptsubstanz
50
Tabelle 15: Aufnahmen in der Klinik für Forensische Psychiatrie
51
Tabelle 16: Anzahl der entlassenen Patienten in Betreuung der Forensischen Institutsambulanz (FIA)
52
Tabelle 17: Anzahl aller Patienten in Betreuung der Forensischen Institutsambulanz (FIA)
52
Tabelle 18: Anzahl Patienten nach Wohnort
52
Tabelle 19: Daten der Straßensozialarbeit in der „Alternative I“ im Jahr 2015
54
Tabelle 20: Ortstverteilung im Jahresvergleich
55
Tabelle 21: Betreuungsgrund nach Suchtmittel/Diagnostik (Mehrfachnennungen möglich)
57
Tabelle 22: Nutzung tagesstrukturierender Angebote
57
Tabelle 23: Betreuungsverlauf
57
Tabelle 24: Gründe für die Beendigung der Betreuung im Jahr 2015
61
Tabelle 25: Bettenauslastung
65
Tabelle 26: Übernachtung/Vermittlung Motivationsbereich
66
Tabelle 27: Suchtinduzierte Vermittlungen aus dem ÜNH in andere Einrichtungen
67
Tabelle 28: Anteil der Klienten mit Doppeldiagnosen
67
Tabelle 29: Auflistung bestehender Selbsthilfegruppen bei Regenbogen
72
Tabelle 30: Jahresvergleich Tätigkeitsmerkmale
77
Tabelle 31: Fallzahlen im Jahresvergleich
78
Tabelle 32: Ergebnisse im Rahmen der täglichen Kontrollen
80
Tabelle 33: Rauschgiftdelikte
83
Tabelle 34: Gesamtsicherstellungen
84
Tabelle 35: Einzelsicherstellungen
84

88

Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Leistungen des HaLT-Projektes im Jahresvergleich
12
Abbildung 2: Anzahl der Projekte im Bereich erzieherischer Kinder- und Jugendschutz nach Themen
15
Abbildung 3: Anzahl der Teilnehmenden nach Themenkategorien und Nutzergruppen
16
Abbildung 4:Betreute Familien im Rahmen HzE (Fallmanagement)
21
Abbildung 5: Betreute Familien im Eingangsmanagement
21
Abbildung 6: Prozentuale Verteilung der primär konsumierten Substanzen
24
Abbildung 7:Anzahl der Klienten
35
Abbildung 8: Betreuungszahlen 2009, 2011, 2013, 2015
36
Abbildung 9: Hauptproblembereiche der Klienten
37
Abbildung 10: Entwicklung der Diagnosehäufigkeiten von 2009 bis 2015
38
Abbildung 11: Altersgruppen der Alkohol- und Drogenabhängigen
39
Abbildung 12: Hauptdiagnose Alkohol nach Alter und Geschlecht
40
Abbildung 13: Hauptdiagnose Opioide nach Alter und Geschlecht
40
Abbildung 14: Hauptdiagnose Stimulanzien nach Alter und Geschlecht
41
Abbildung 15: Berufliche Situation der Klienten
41
Abbildung 16: Anzahl der Klientinnen und Klienten insgesamt im Jahresvergleich
56
Abbildung 17: Gesamtzahl der betreuten Personen
58
Abbildung 18: Altersstruktur der betreuten Personen im Jahresvergleich
58
Abbildung 19: berufliche Eingliederungen (Mehrfachnennungen möglich)
59
Abbildung 20: Betreute Klienten im ABW
59
Abbildung 21: Zusammenfassung ausgewählter Sozial- und Leistungsdaten im Jahresvergleich
63
Abbildung 22: Anzahl der Hausverbote im Jahresvergleich 2011-2015
68
Abbildung 23: Anzahl der Klienten mit Hausverboten im Jahresvergleich 2011 - 2015
68
Abbildung 24: Mitteilungen zu Verstößen gegen das BTMG und eingeleitete Maßnahmen
79
Abbildung 25: Anzeigen wegen Fahrens unter Alkohol oder Betäubungsmittel im Jahresvergleich
80
Abbildung 26: Allgemeine Verstöße nach BtMG / Anteile nach Substanzen
81
Abbildung 27: Tatverdächtige nach Alter
85

89

90
        
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