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Full text: Breitbandausbau im ländlichen Raum voranbringen

Breitbandausbau
im ländlichen Raum voranbringen
Gute Beispiele aus den Landkreisen

Schriften
des Deutschen
Landkreistages

Band 127
der Veröffentlichungen
des Vereins für Geschichte
der Deutschen Landkreise e.V.

Herausgeber:

Deutscher Landkreistag
Berlin
DLT-Pressestelle
Gödecke+Gut, Berlin

Redaktion:
Gesamtherstellung:
ISSN 0503-9185

VORWORT

Der Breitbandausbau in Deutschland, für den sich im ländlichen Raum insbesondere die Landkreise engagieren, steht
derzeit an einer wichtigen Weggabelung: Es geht um die Frage, ob es gelingt, zeitnah flächendeckend eine Versorgung
mit Glasfaserleitungen bis in die Häuser und Gewerbebetriebe sicherzustellen oder ob dies weiterhin ein Wunschtraum
bleibt. In den letzten Jahren hat der Fokus der Bemühungen
auf der Schließung der sog. „weißen Flecken“ und der Sicherstellung einer Breitbandgrundversorgung auch im ländlichen Raum gelegen. Insoweit konnten in engem Zusammenwirken der Telekommunikationsunternehmen auf der
einen, Bund, Ländern und Kommunen auf der anderen Seite
bemerkenswerte Erfolge erzielt werden.
Nun geht es darum, den Breitbandausbau zu beschleunigen und vor allem zukunftstauglich zu bewerkstelligen. Es
liegt auf der Hand, dass eine Breitbandgrundversorgung
nicht ausreichen wird, um die für moderne Anwendungen
aus Bereichen wie E-Health, E-Learning oder E-Government
notwendigen Übertragungsraten zur Verfügung zu stellen.
Daher muss der Fokus nunmehr auf den Ausbau der vor allem glasfaserbasierten Breitbandnetze der nächsten Generation (Next Generation Access – NGA) gerichtet werden.
Denn wenn es nicht gelingt, mittelfristig auch hier eine bedarfsgerechte Versorgung mit hochleistungsfähigen Breitbandanschlüssen zu tragbaren Preisen vorzuhalten, werden
die ländlichen Kommunen im Standortwettbewerb mit den
städtischen Ballungsräumen dauerhaft ins Hintertreffen geraten.
Wie die vorliegende Sammlung guter Beispiele zeigt, nehmen die Landkreise den Breitbandausbau sehr ernst und haben ihn vielerorts sogar zur Chefsache erklärt. Das Spektrum
ihrer Bemühungen reicht dabei von der Planung bis zur Verwirklichung kreisweiter NGA-Netze. Ein erheblicher Teil der
Landkreise errichtet dabei im sog. „Betreibermodell“ eigene
Infrastrukturen und verpachtet sie anschließend an private
Telekommunikationsunternehmen, die den Betrieb der Netze übernehmen. Die Landkreise leisten mit diesem Engagement einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit des kreisangehörigen Raums, sind ihrerseits aber auf
Unterstützung durch die Länder und den Bund angewiesen.
Der flächendeckende Ausbau eines NGA-Netzes, zu dem

sich auch der Bund mit seiner Breitbandstrategie bekennt,
kann nur im Zusammenwirken aller staatlichen Ebenen mit
den vor allem geforderten Telekommunikationsunternehmen gelingen.
Nach Überzeugung der Landkreise wird es entscheidend
auf das tatsächlich verfügbare Angebot ankommen, das
im internationalen Standortwettbewerb Unternehmen und
Verbrauchern unterbreitet werden kann. Unser Ziel muss die
Gigabit-Gesellschaft sein und hierfür brauchen wir GigabitNetze – schnell und im Investitionswettbewerb. In diesem
Zusammenhang hängt viel von der Frage ab, ob mit Vectoring ein Sonderweg beschritten und damit möglicherweise
der Anschluss an viele andere Länder aufgegeben wird, die
konsequent schon heute auf Glasfaser als die zukunftsfähigere Infrastruktur setzen. Insoweit spielt das Breitbandförderprogramm des Bundes eine wichtige Rolle; noch
maßgeblicher wird es aber sein, ob die Bundesnetzagentur
tatsächlich der Deutschen Telekom das Recht einräumt, Vectoring in einem großen Teil des deutschen Telekommunikationsnetzes exklusiv zu nutzen. Mit dieser Entscheidung ist im
Frühjahr zu rechnen.

Berlin, im Dezember 2015

Prof. Dr. Hans-Günter Henneke
Geschäftsführendes Präsidialmitglied
des Deutschen Landkreistages

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Inhaltsverzeichnis

Breitband für alle �������������������������������������������������������������5
Landkreis Cochem-Zell

Herausforderung Breitband�����������������������������������������������7
Landkreis Karlsruhe

Klares Ziel, einfacher Plan �������������������������������������������������9
Main-Kinzig-Kreis

Zusammenschluss für schnelles Internet in Nordhessen���� 11
Landkreise Hersfeld-Rotenburg, Kassel, Schwalm-Eder,
Waldeck-Frankenberg und Werra-Meißner

Breitbandausbau mit kommunaler Gesellschaft��������������� 13
Landkreis Osnabrück

Gemeinsam auf dem Weg
zu einer Next Generation Access-Infrastruktur����������������� 15
Landkreis Rotenburg (Wümme)

Datenautobahn Schwarzwald-Baar���������������������������������� 17
Schwarzwald-Baar-Kreis

Glasfasernetz im Betreibermodell������������������������������������ 19
Landkreis Uelzen

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GUTE BEISPIELE

Breitband für alle

Landkreis Cochem-Zell

Bundesland....................................................................... Rheinland-Pfalz
Fläche............................................................................................... 719,97 km 2

haus mps public solutions gmbh als PPP-Modell zusammengeschlossen.

Einwohnerzahl.................................................................................... 63.202
Einwohnerdichte....................................................................... 88 EW/km 2
kreisangehörige Gemeinden................................................................ 89

Über zwei Jahre, 108 Ortsteile und 340 km Glasfaserkabel
– das sind die Eckdaten des bundesweit einzigartigen Breitband-Projekts, das vom Landkreis Cochem-Zell und allen
Verbandsgemeinden sowie privaten Unternehmen realisiert
wurde. Das Ergebnis dieser öffentlich-privaten Partnerschaft:
Bis Ende 2015 wurden 108 Ortslagen an das Glasfasernetz
angeschlossen und durch einen Telekommunikationsanbieter in der Regel mit Bandbreiten von 50 Mbit/s, mindestens
jedoch 16 Mbit/s versorgt. Das zugrunde liegende Konzept
ist wirtschaftlich tragfähig und bedarf keiner verlorenen Zuschüsse von Seiten der öffentlichen Hand.
Ausgangslage
Im Frühjahr 2009 wurden alle Orte im ländlich strukturierten Landkreis Cochem-Zell bezüglich der DSL-Verfügbarkeit analysiert. Dabei wurde festgestellt, dass die Breitbandversorgung in vielen Gemeinden unzureichend war
und Telekommunikationsunternehmen das Netz wegen der
fehlenden Wirtschaftlichkeit im ländlich geprägten Raum
selten weiter ausbauen. Gleichzeitig nahm jedoch der Bedarf an höheren Bandbreiten stetig zu. Dadurch entstand
ein erheblicher Standortnachteil im ländlichen Raum gegenüber den Ballungsgebieten. Das betrifft Wohnstandorte als
auch den Bestand und die Ansiedlung von Unternehmen.
Daher haben die Verantwortlichen im Landkreis CochemZell die Initiative ergriffen und am 6.12.2011 die BreitbandInfrastrukturgesellschaft Cochem-Zell mbH gegründet.
Übersicht der Gesellschafter
Die wichtigste Voraussetzung für die Umsetzung des Konzeptes war die Verbundenheit der damals im Landkreis
Cochem-Zell befindlichen 92 Städte und Gemeinden, die
sich durch eine Kooperationsvereinbarung auf ein gemeinsames Vorgehen in Sachen Breitbandausbau auf Landkreisebene geeinigt haben. Die Gemeinderäte haben die
Aufgabe „Breitbandversorgung“ auf die fünf Verbandsgemeinden übertragen. Im Zuge der kommunalen Gebietsreformen hat sich die Zahl der Verbandsgemeinden zum
1.7.2014 von fünf auf vier reduziert. In der Infrastrukturgesellschaft haben sich daher derzeit der Landkreis CochemZell, die vier Verbandsgemeinden des Landkreises, die
regionalen Energieversorger RWE Deutschland AG sowie
Energieversorgung Mittelrhein AG, das Telekommunikationsunternehmen inexio KGaA und das private Software-

14,5%

20%

7,5%

Landkreis Cochem-Zell
Verbandsgemeinden

(Kaisersesch, Cochem, Ulmen,Zell)

RWE Deutschland AG

7%

Mittelrhein AG

7%
43%

inexio KGaA
mps public solutions gmbh

Breitband-Konzept und Finanzierung
Die Infrastrukturgesellschaft baut den Landkreis Cochem-Zell
flächendeckend aus. Das Glasfasernetz ist komplett an die Firma inexio vermietet, die den Betrieb und die Instandhaltung
sicherstellt. Darüber hinaus ist gewährleistet, dass das neue
Netz diskriminierungsfrei Telekommunikationsunternehmen
zur Verfügung gestellt wird. Auch können weitere Anbieter
im Rahmen von Open Access das Breitbandnetz, einzelne
Orte oder auch einzelne Trassen anmieten.
Bei den Planungen wurde besonders darauf geachtet, dass
vorhandene Infrastrukturen und künftige Baumaßnahmen
in das neue Netz eingebunden werden. Viele Gesellschafter
haben ihren Geschäftsanteil nicht nur in Bareinlagen, sondern auch in Form eigener nutzbarer Infrastrukturen (Glasfaserleitungen und Leerrohre) als Sachwerte eingebracht.
Die Nutzung der Sacheinlagen ist über ein Nießbrauchrecht
abgesichert.
Die Gesamtstrecke des Glasfasernetzes beträgt rund 340
km. Davon sind jedoch bereits rund 200 km als Sacheinlagen der Gesellschafter vorhanden, sodass „nur“ noch eine
Strecke von ca. 140 km tiefbauseitig realisiert werden muss.
Durch den Ausbau wird der Landkreis an die drei überregionalen Breitbandtrassen, die das Gebiet durchlaufen, angeschlossen. Zum Tiefbau kommt noch die Errichtung von
mindestens 135 Technikstandorten, die mit aktiver Breitbandtechnik und Strom versorgt werden müssen.
Das Breitbandprojekt hat ein Gesamtvolumen von rund 17,5
Mio. €, wovon etwa 9 Mio. € an Krediten aufgenommen
wurden. Vor der Kreditaufnahme war eine umfassende und
langwierige Prüfung der EU-beihilferechtlichen Fragen notwendig, was zu einer Verzögerung von mindestens einem
Jahr geführt hat. Nach Erstellung eines Rechtsgutachtens

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GUTE BEISPIELE

und eines Betrauungsaktes für die Erbringung von Dienstleistungen von allgemeinem wirtschaftlichen Interesse konnte
die Ausbauplanung wieder vorangehen. Die Finanzierung
durch die Sparkasse Mittelmosel – Eifel Mosel Hunsrück
konnte letztlich aufgrund der geprüften Wirtschaftlichkeit des
Konzeptes, der privaten Beteiligungen und der Bürgschaften
der Gesellschafter sowie der Investitions- und Strukturbank
Rheinland-Pfalz auf die Beine gestellt werden.
Der verbleibende, nicht durch Kredite abgedeckte Investitionsbedarf wird durch Gesellschafterdarlehen finanziert (zur
Hälfte Bar- und Sacheinlagen). Diese Anteile der Gesellschafter werden spätestens innerhalb der Mietdauer von 20 Jahren inklusive einer Guthabenverzinsung zurückfließen. Die
Kommunen müssen keine verlorenen Baukostenzuschüsse
aufbringen.
Warum hat man sich für einen FTTC-Ausbau entschieden und nicht z.B. flächendeckend für FTTH?
Es war im Dezember 2011 (zur Zeit der Gründung der BIG)
beabsichtigt, möglichst schnell alle Bürger im Landkreis mit
besseren Bandbreiten zu versorgen. Der zentrale Ausbau
der Kabelverzweiger bzw. HVT im Landkreis war innerhalb
von zwei Jahren geplant. Dieser Zeitraum wurde nur leicht
überschritten. Ein flächendeckender FTTH-Ausbau hätte einige Jahre mehr in Anspruch genommen, wesentlich höhere
Investitionen gefördert und eine Wirtschaftlichkeit – ohne
öffentliche Fördermittel – nicht ermöglicht, bis der letzte
Bürger eine Verbesserung hätte wahrnehmen können. Die
Gesamtfinanzierung beruht lediglich auf Gesellschafterdarlehen und Kreditmarktdarlehen als Existenzgründer; es wurden keine Fördermittel in Anspruch genommen. Es wurde
ein wirtschaftlich tragfähiges Modell für einen Zeitraum
von 20 Jahren entwickelt. Der deutlich kostenintensivere
FTTH-Ausbau war zu diesen Bedingungen zum damaligen
Zeitpunkt für die BIG nicht realisierbar. (Größere) Firmen-/
Gewerbekunden werden bei Bedarf und nach Prüfung der
technischen und wirtschaftlichen Bedingungen im Rahmen
gesonderter Vereinbarungen auch direkt mit einem Glasanschluss angebunden (zu anderen Konditionen als normale Anschlüsse). Weiterhin werden bereits seit längerem
bei Erschließungs- bzw. Erneuerungsmaßnahmen in den
Bereichen Wasser, Abwasser, Elektrizität etc. von verschiedenen Gesellschaftern der BIG Leerrohre bis in die einzelnen
Haushalte mitverlegt, sodass auf lange Sicht immer mehr
FTTH-Anschlüsse zur Verfügung stehen werden.

Die beiden Geschäftsführer Karl-Josef Fischer und Thomas Hill, Breitband-Infrastrukturgesellschaft mbH freuen sich über die Siegerurkunde im Bundeswettbewerb „Land der Ideen“.

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Aktueller Stand
Der erste Ort wurde im Februar 2013 freigeschaltet. Zwischenzeitlich ist der Tiefbau weitestgehend abgeschlossen,
sodass bis Ende des Jahres 2015 mit der Fertigstellung des
gesamten Breitbandnetzes gerechnet wird. Derzeit sind 105
von 108 Ortslagen online.
Fazit
Die Kommunen im Landkreis Cochem-Zell haben die Breitbandversorgung als eine wichtige Zukunftsaufgabe erkannt
und den Ausbau selbst in die Hand genommen. Das Modell,
das ausschließlich auf wirtschaftlichen Grundlagen basiert
und kein Subventionsmodell darstellt, ist mit der zukunftsfähigen Glasfasertechnik besonders geeignet, die Breitbandversorgung im ländlichen Raum nachhaltig zu verbessern.
Hierdurch wird die Lebensqualität der Bürgerinnen und
Bürger gesteigert. Aber auch für ansässige Betriebe ist die
Versorgung mit einer schnellen Internetanbindung überlebenswichtig geworden: Früher waren es die Straßen und
Bahnstrecken, die ausschlaggebend für einen Betriebsstandort waren. Im Zeitalter der weltweiten Globalisierung ist
eine Internetanbindung mittlerweile ebenfalls ein wichtiger
Standortfaktor. So besteht die Möglichkeit, Arbeitsplätze in
der Region zu halten bzw. neu zu schaffen. Außerdem kann
der Landkreis an Zukunftsprojekten wie „Telemedizin“ und
„E-Government“ teilhaben. Getreu dem Motto „Breitband
für alle“ profitieren von der neuen Datenautobahn auf diese
Weise Unternehmen, Verwaltung und Bürger.
Kontakt
Breitband-Infrastrukturgesellschaft Cochem-Zell mbH
Geschäftsführer: Karl-Josef Fischer und Thomas Hill
Vor den Birken 6
56814 Faid
Telefon: 02671 / 91780
E-Mail: big@cochem-zell.de
www.big-cochem-zell.de

GUTE BEISPIELE

Herausforderung Breitband
Landkreis Karlsruhe

Bundesland............................................................Baden-Württemberg
Fläche.......................................................................................... 1.084,94 km 2
Einwohnerzahl.................................................................................. 429.186
Einwohnerdichte.................................................................... 396 EW/km 2
kreisangehörige Gemeinden................................................................ 32

Ausgangslage
Die Breitbandversorgung im Landkreis Karlsruhe mit seinen
32 Städten und Gemeinden mit rund 430.000 Einwohnern
war nach dem Ergebnis einer 2012 in Auftrag gegebenen
Studie der tkt Backnang sehr heterogen. Nur 46 Ortsteile
sind „weitgehend“ oder „hervorragend“ versorgt, dagegen
sind zehn Ortsteile nur „ausreichend“, 23 „nicht ausreichend“ und 26 Ortsteile sogar „unterversorgt“. Gleichzeitig
sind aber viele Glasfaser- und Leerrohrtrassen vorhanden,
die prinzipiell für den Breitbandausbau geeignet sind, jedoch
nicht dafür genutzt wurden.
Der Kreistag beschloss Mitte 2013, im Rahmen der Daseinsvorsorge eine flächendeckende Breitbandversorgung mit
einer Übertragungsrate von mindestens 50 Mbit/s symmetrisch als Grundvoraussetzung für wirtschaftliches Wachstum und eine Steigerung der Attraktivität des Landkreises
zugrunde zu legen.
Nachdem eine Abfrage bei den Breitbanddienstanbietern
im Frühjahr 2014 ergeben hatte, dass nicht beabsichtigt ist,
in den folgenden drei Jahren eine solche Qualität flächendeckend anzubieten, ergriff der Landkreis Karlsruhe zusammen mit seinen Gemeinden selbst die Initiative. Ziel war es,
ein landkreisweites Backbone-Netz unter Berücksichtigung
vorhandener Infrastruktur mit Zugängen (Übergabepunkte)
zu den einzelnen Kommunen zu schaffen. Darüber hinaus
sollen alle Stadt- und Ortsteile sowie Gewerbegebiete, die
nicht an eine Ortschaft grenzen, einen eigenen Übergabepunkt erhalten.
Gründung der Breitbandkabel Landkreis Karlsruhe
GmbH (BLK)
Am 22.5.2014 beschloss der Kreistag die Gründung der
Breitbandkabel Landkreis Karlsruhe GmbH (BLK). Gesellschafter ist neben dem Landkreis die TelemaxX. Deren Gesellschafter sind u.a. die Stadtwerke der großen Kreisstädte.
Sie versorgt große Gewerbebetriebe mit Glasfaser. Für die
Errichtung und den Betrieb des Backbone-Netzes sollen von
den beiden Gesellschaftern fehlende Trassen ergänzt werden. Dies bedeutet nicht zwingend einen Neubau von Trassen – denn es hat sich gezeigt, dass mindestens 280 von ca.
450 km an notwendigen Glasfasertrassen durch Kooperationspartner zur Verfügung gestellt werden können. Für die

Versorgungssituation im Landkreis Karlsruhe

fehlenden ca. 170 km sind teilweise bereits Leerrohre der
Kommunen vorhanden oder Tiefbaumaßnahmen geplant,
die eine kostengünstige Mitverlegung ermöglichen. Auf diese Weise soll ein durchgängiges Backbone-Netz entstehen,
an das die Städte und Gemeinden ihr Access-Netz anschließen können. Ein weiteres Ziel der Gesellschaft war die europaweite Ausschreibung und Suche eines Netzbetreibers.
Die Finanzierung erfolgt neben einer Förderung durch das
Land Baden-Württemberg über den Kreishaushalt sowie
eine Kostenbeteiligung der Gemeinden im Verhältnis der
Einwohnerzahl. Als weitere Einnahmequelle werden nach
der Inbetriebnahme Betreiberentgelte hinzukommen.
Umsetzung
Nach umfangreichen Planungen sind 30 der 32 Städte und
Gemeinden dem interkommunalen Projekt beigetreten und
so konnten im vierten Quartal 2014 erste kleinere Baumaßnahmen für punktuelle Lückenschlüsse beginnen.
Zur gleichen Zeit haben die Städte und Gemeinden ihre innerörtlichen Studien erarbeiten lassen, damit die jeweilige
kurz-, mittel- und langfristige Ausbaustrategie festgelegt
werden konnte. Ebenfalls waren damit die ersten Kostenabschätzungen für die notwendigen FTTC- bzw. FTTB-Maßnahmen möglich. Sie wurden durch Detailplanungen (Cluster- und Masterplan) konkretisiert. Damit war die Grundlage
für die Synchronisierung von diversen Tiefbaumaßnahmen
im Straßen- und Versorgungsbereich inkl. Nahwärmenetze
geschaffen worden.

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GUTE BEISPIELE

Mit einem symbolischen Baggerbiss im Rahmen einer großen Mitverlegungsmaßnahme mit der EnBW trat der Landkreis am 26.3.2015 offiziell in die Realisierungsphase seines
zukünftigen Backbones ein. Konkret handelte es sich dabei
um die Glasfaserstrecke von Karlsbad-Ittersbach nach Marxzell. Bis Ende 2017 soll das rund 450 km lange BackboneNetz fertiggestellt sein. An dem Großprojekt beteiligen sich
die beiden EnBW-Tochtergesellschaften Netze BW und Net-

nister. Die Mitnutzung schon vorhandener oder von Dritten
angebotener Infrastruktur sei effektiv und kostensparend;
große Teile der Netztrassen im Landkreis Karlsruhe können
von Unternehmen angemietet oder bei Tiefbaumaßnahmen
mitverlegt werden.
Die Backbone-Trassen werden im Rahmen der Landesfinanzierung zu 100 % der Pauschalsätze gefördert. Die jeweiligen Ausbaugebiete in den Städten und Gemeinden (Access-Netze) werden mit 65 % bzw. 130 % der Pauschale
unterstützt. Dadurch konnten alle teilnehmenden Städte und
Gemeinden zumindest 30 % höhere Förderungen erhalten,
als wenn sie allein diese Aufgabe übernommen hätten.
„Wir haben den Bedarf der Kommunen in Baden-Württemberg erkannt und unser Know-how in den Bereichen
Telekommunikation und Internet gebündelt. Mit der NetCom sind wir gut aufgestellt, um auf die Anforderungen
des Marktes im Bereich der schnellen Internetversorgung
gerade im ländlichen Raum reagieren und Lösungen anbieten zu können“, so Dr. Susan Hennersdorf, Vertriebs-Chefin
der EnBW. Das Unternehmen unterstützt den Landkreis als
strategischer Partner und ist maßgeblich daran beteiligt, die
Voraussetzungen für den Breitbandanschluss von Tausenden
von Haushalten und Betrieben zu schaffen. Die NetCom BW
verfügt über das zweitgrößte Glasfasernetz des Landes, das
vornehmlich der Steuerung der Stromnetze dient und für
schnelles Internet, Telefon und Internetfernsehen sorgt.

Grobe Backbonestruktur

Com BW. Die Netze BW wird im Landkreis Karlsruhe mehr
als 120 km Leerrohre verlegen und komplettiert damit die
Infrastruktur der geplanten Datenautobahn. Der badenwürttembergische Minister für ländlichen Raum und Verbraucherschutz Alexander Bonde lobte beim Spatenstich die
gute Zusammenarbeit des Landkreises Karlsruhe mit seinem
Ministerium und stellte weitere Fördermittel des Landes in
Aussicht: „Nachdem das Land die Planungen des kreisweiten Netzes in Karlsruhe unterstützt hat, sind wir nun im
zweiten Schritt gerne bereit, auch die Umsetzung eines der
landesweit ersten Landkreisnetze zu fördern“, sagte der Mi-

Suche nach einem Netzbetreiber
Im Zuge der interkommunalen Zusammenarbeit schlossen
der Rhein-Neckar Kreis und der Landkreis Karlsruhe am
25.7.2014 eine Vereinbarung, um den Ausbau von Breitbandnetzen gemeinsam voranzubringen, technische Standards in beiden Landkreisgebieten zu vereinheitlichen und
einen gemeinsamen Netzbetreiber zu finden.
Das Ausschreibungsverfahren begann am 15.10.2014 mit der
öffentlichen Bekanntmachung über die Ausschreibung des
Netzbetriebs für ein Höchstgeschwindigkeitsbackbone auf
LWL-Basis sowie des Netzbetriebes von Access-Netzen auf
LWL- und Kupferbasis im Landkreis Karlsruhe und im RheinNeckar-Kreis. Die BLK als gemeinsame Vergabestelle wurde
dabei von der Rechtsanwaltskanzlei iuscomm begleitet.
Die Vergabe der Ausschreibung erfolgt in einem mehrstufigen Verfahren und gliedert sich in drei Phasen.

Spartenstich in Karlsbad - März 2015

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In der ersten Phase konnten die Bieter im Rahmen eines
öffentlichen Teilnahmewettbewerbs auf der Grundlage
der Ausschreibungsunterlagen und unter Verwendung des
hierfür vorgesehenen Teilnahmeantrags nebst erstem Angebot am Verhandlungsverfahren teilnehmen. Die erste
Angebotsabgabe für das Verhandlungsverfahren diente als
Mindestangebot und Verhandlungsgrundlage für das darauffolgende Verhandlungsverfahren. Sodann erfolgten die
Auswertungen der Teilnahmeerklärungen und die Eignungsprüfung der Bieter. Nach Ende der Teilnahme- und ersten

GUTE BEISPIELE

Angebotsfrist hatten sechs Bieter ein Angebot abgegeben.
Im Rahmen des nachfolgenden Verhandlungsverfahrens
wurden weitere Verhandlungsgespräche mit den Bietern
geführt und es erfolgte eine abschließende Festlegung des
Ausschreibungsgegenstandes und der Vertragsbedingungen durch die Vergabestelle. In der dritten Phase wurden
die Bieter nun auf Grundlage der Verhandlungsergebnisse
erneut mit gesondertem Schreiben zur abschließenden und
verbindlichen Angebotsabgabe aufgefordert.
Die zum Angebotstermin form- und fristgerecht eingegangenen verbindlichen Angebote wurden anschließend gemäß den Zuschlagskriterien losweise bewertet. Im Juni 2015
konnte der Zuschlag an die Firma inexio KGaA aus Saarlouis
erfolgen.
Die inexio verfügt über große Erfahrungen aus mehreren
Projekten in ähnlicher Größenordnung wie das ausgeschriebene Netz im Landkreis Karlsruhe, sowohl im kommunalen
als auch im Geschäftskundenbereich. Ihr Umsatzvolumen
lag 2015 bei 64 Mio. € und sie hat über 700 Ortsnetze in
Deutschland erschlossen.
Fazit
Bereits Ende 2015 wird die Gemeinde Marxzell versorgt werden können. Es schließen sich Ortsteile von Oberderdingen
und Rheinstetten an.
Dieser enge Zeitplan war notwendig, um die begonnen
Baumaßnahmen einem schnellen Nutzen zu zuführen. Aber
auch die Vorgaben des Telekommunikationsgesetzes machen dies erforderlich: Aufgrund der negativen flächendeckend Ausbauerklärung, die die Deutsche Telekom noch im
April 2014 für den Landkreis Karlsruhe abgegeben hat, hat
die Bundesnetzagentur im Februar 2015 entschieden, dass

ein Vectoringausbau an einzelnen Kabelverzweigungen im
Landkreis Karlsruhe für die nächsten drei Jahre für die Telekom nicht mehr möglich ist.
Dadurch hat nun der Landkreis Karlsruhe die Möglichkeit, in
diesem Zeitraum sein Konzept umzusetzen. Dies ist wichtig,
da neben der Landesförderung auch Betreiberentgelte zur
langfristigen, d.h. mehr als 15 Jahre dauernden Finanzierung
des Landkreis Backbone wie auch der Access-Netze erheblich beitragen sollen.
Die intensive interkommunale Zusammenarbeit und die
schnelle Entwicklung hat dazu geführt, dass die Telekommunikationsunternehmen mittlerweile von sich aus neue
Baugebiete im Landkreis Karlsruhe mit einer leistungsfähigen Glasfaseranbindung bis zum Haus (FTTB) ausstatten.
Weitere Anbieter folgen teilweise im gleichen Baugebiet
mit einem separaten Glasfasernetz dieser Entwicklung. „Die
öffentliche Hand wirkt hier als Katalysator und es wird damit deutlich, dass letztlich der Ausbau mit leistungsfähigen
Glasfasernetzen die zukünftige Entwicklung prägen wird
und für die Standortattraktivität unverzichtbar ist“, begründet Landrat Dr. Christoph Schnaudigel das Engagement des
Landkreises.
Kontakt
Landkreis Karlsruhe
Ragnar Watteroth
Beiertheimer Allee 2
76137 Karlsruhe
Telefon: 0721 / 936-55000
E-Mail: ragnar.watteroth@landratsamt-karlsruhe.de
www.landkreis-karlsruhe.de

Klares Ziel, einfacher Plan
Main-Kinzig-Kreis

Bundesland........................................................................................... Hessen
Fläche........................................................................................... 1.397,55 km 2
Einwohnerzahl................................................................................. 404.995
Einwohnerdichte.................................................................... 290 EW/km 2
kreisangehörige Gemeinden................................................................ 29

Der Breitbandausbau in Deutschland geht trotz aller Ankündigungen nur schleppend voran. Die großen Anbieter picken
sich nur die Rosinen aus dem Kuchen oder fordern viel Geld
für ein profitables Geschäft. Somit werden vorrangig die Ballungsräume versorgt und der ländliche Raum, der die digitale Infrastruktur dringend benötigen würde, bleibt weiterhin
abgehängt. Eine fatale Entwicklung angesichts des demografischen Wandels und einer verstärkten Zuwanderung in
die großen Städte. Doch ein tragfähiges Gegenkonzept gibt

es bisher immer noch nicht.
Diesen Umstand wollte der Main-Kinzig-Kreis (29 Städte und
Gemeinden) mit seinen rund 406.000 Bürgern und 140.000
Haushalten nicht akzeptieren. Im Sommer 2011 reifte der
Entschluss, dieses Zukunftsprojekt selbst in die Hand zu nehmen. Das ehrgeizige Ziel wurde formuliert: Mindestens 50
Mbit/s für 95 % aller Haushalte, sonst aber 25 Mbit/s. Das
bedeutete über 600 km Glasfaserkabel, 800 Multifunktionsgehäuse und etwa 1.700 Kabelverzweiger. Innerhalb von
drei Jahren sollte alles erledigt sein und das Netz funktionieren. Eine im Herbst 2011 vorgelegte Machbarkeitsstudie
bestätigte diesen Plan und sorgte für den entsprechenden
Rückenwind. Auch die verantwortlichen Politiker in den
Kommunen signalisierten ihre Zustimmung und verpflichteten sich, die bauliche Umsetzung nach Kräften zu unterstützen. Somit konnten die weiteren Schritte eingeleitet werden.

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GUTE BEISPIELE

Im März 2012 wird der zukunftsweisende Entschluss gefasst
Für die Realisierung dieses einmaligen Ausbauprojektes
sollte eine kreiseigene Gesellschaft gegründet werden, die
mit den entsprechenden Partnern den Ausbau plant, umsetzt und vermarktet. Das nötige Kapital in Höhe von etwa
50 Mio. € konnte sich der Main-Kinzig-Kreis bei der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen leihen und über die
erzielten Einnahmen zurückzahlen. Die klare politische Vorgabe lautete: Keine Subvention aus Steuermitteln.
Doch die Bürokratie forderte eine sorgfältige Vorbereitung
für dieses staatliche Engagement und eine weitere formale
Hürde musste genommen werden. So wurde im Dezember
2011 zunächst im Rahmen einer europaweiten Erkundung
das so genannte Marktversagen auch offiziell festgestellt.
Diese Analyse bestätigte also erwartungsgemäß den bisherigen Eindruck, dass kein Wirtschaftsunternehmen den
flächendeckenden Ausbau – ohne Subventionen – übernehmen wollte. Vor diesem Hintergrund beschloss die Kommunalpolitik im März 2012 mit großer Mehrheit die Gründung
der entsprechenden Breitband Main-Kinzig GmbH. Der
Netzausbau wurde parallel bereits vorbereitet.

V.l.n.r.: Sibylle Hergert (Geschäftsführerin Breitband Main-Kinzig GmbH), Erich Pipa (Landrat
des Main-Kinzig-Kreises), Jürgen Voigt (Projektleiter M-net Telekommunikations GmbH).

Die Umsetzung wird zur Erfolgsgeschichte: Zielplanmäßig
erreicht
Im Oktober 2012 starteten an vier Standorten dann bereits die
ersten Pilotprojekte. Der Ausbau startet im Frühjahr 2013 nach
der Frostperiode. Die komplette Projektumsetzung wurde nun
nach rund zweieinhalb Jahren im August 2015 abgeschlossen.
Dafür waren vier Tiefbaufirmen im Einsatz. Zum Höhepunkt der
Umsetzung wurde an bis zu 20 Baustellen gleichzeitig gearbeitet. Eine straffe Planung und ein professionelles Projektmanagement waren für die schnelle Realisierung und die Einhaltung
der Kosten verantwortlich. Zudem wurde das Budget nicht voll
ausgeschöpft.
Diese Leistung markiert einen Meilenstein im Breitbandausbau,
denn der Main-Kinzig-Kreis hat als erster Landkreis in Deutschland sein Ziel erreicht, 140.000 Haushalte mit Bandbreiten mit
bis zu 50 Mbit/s zu versorgen. Dafür wurden fast 600 Kilometer Glasfaserkabel verlegt. Als Partner für dieses ehrgeizige
Vorhaben konnte der bayerische Telekommunikationsanbieter
M-net gewonnen werden. Das kommunal geführte Unternehmen leistet für die Nutzung der Glasfasern entsprechend der
Kundenzahl einen Beitrag zur Refinanzierung. Schon jetzt nut-

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zen mehr als 25.000 Bürger das Angebot und die Zahl steigt
kontinuierlich weiter. Basis für diesen Erfolg ist ein professionelles Marketing mit zahlreichen Bürgerversammlungen und Informationsveranstaltungen.
Die Investitionskosten in Höhe von 50 Mio. € wurden deutlich
unterschritten. „Mit den erreichten Voraussetzungen zählen wir
zu den wenigen Landkreisen in Deutschland, die sich konsequent und nachhaltig für den Ausbau der digitalen Infrastruktur
eingesetzt haben“, sagt Landrat Erich Pipa.
Die Bilanz im Main-Kinzig-Kreis ist schon jetzt einzigartig: So hat
die kreiseigene Ausbaugesellschaft Breitband Main-Kinzig bisher alle erwarteten Zahlen übertroffen. Der Ausbau des Glasfasernetzes wurde deutlich schneller und günstiger betrieben, als
das vor rund drei Jahren angenommen wurde. Mittlerweile sind
rund 150 Ortsteile an das schnelle Internet angebunden, mehr
als 140.000 Haushalte haben die technischen Voraussetzungen,
um mit hohen Übertragungsraten zu surfen.
Ein Gewinn für den Standort, der sich mehrfach auszahlen wird
Die Breitbandversorgung über den gesamten Main-Kinzig-Kreis
stellt einen Standortvorteil dar. Schon heute erreichen immer
mehr Unternehmen ihre Kunden nur noch über das Internet.
Viele Betriebe können Vorprodukte oder Waren bei ihren Zulieferern nur noch online bestellen. Ohne hochwertige InternetVerbindungen bekommen mehr und mehr Branchen Schwierigkeiten.
Für viele private Haushalte, gerade für junge Familien mit Kindern, erhöhen hohe Bandbreiten die Lebensqualität. Selbst für
ältere Menschen gewinnt das Internet immer mehr an Bedeutung, da auch Arzt-Praxen in der Zukunft nicht mehr ohne Internet arbeiten können.
Angesichts dieser Gründe hat das Vorhaben des MainKinzig-Kreises bei vielen Interessensverbänden und Organisationen breite Zustimmung erfahren. Zudem soll diese
Maßnahme der öffentlichen Hand vor allem die ländlichen
Städte und Dörfer fit für die Zukunft und die demografische
Herausforderung machen.
Mit seinem „Bürgernetz“ verfügt der Main-Kinzig-Kreis nun
über eine Infrastruktur, die für das 21. Jahrhundert noch eine
enorme Wertsteigerung erwarten lässt. Denn die Möglichkeiten
der verlegten Glasfaser sind noch nicht annähernd ausgenutzt.
Kontakt
Breitband Main-Kinzig GmbH
Geschäftsführerin Sybille Hergert
Barbarossastraße 24
63571 Gelnhausen
Telefon: 06051 / 8513001
E-Mail: sybille.hergert@breitband-mkk.de
www.breitband-mkk.de

GUTE BEISPIELE

Zusammenschluss für schnelles Internet in Nordhessen
Landkreise Hersfeld-Rotenburg, Kassel, Schwalm-Eder,
Waldeck-Frankenberg und Werra-Meißner
Bundesland........................................................................................... Hessen
Fläche................................................................................................. 6.900 km 2
Einwohnerzahl..............................................................................ca. 1. Mio
Einwohnerdichte.................................................................... 142 EW/km 2
kreisangehörige Gemeinden.............................................................. 115

Egal ob Privathaushalt oder Gewerbebetrieb, eine schnelle
Internetverbindung ist essentiell für die Zukunft und unerlässlich für die gesamte Wirtschaft in Nordhessen. Dafür
setzt sich die Breitband Nordhessen GmbH ein, die den
flächendeckenden Ausbau eines Breitband-Hochleistungsnetzes auf Glasfaserbasis bis zum Kabelverzweiger in den
vorwiegend ländlichen Regionen der fünf nordhessischen
Landkreise Hersfeld-Rotenburg, Kassel, Schwalm-Eder,
Waldeck-Frankenberg und Werra-Meißner vorantreibt. Ihr
Ziel ist es, die gesamte Region vor allem dort zu versorgen,
wo bis heute noch kein schnelles Internet vorhanden ist. Zur
Umsetzung des Projektes gründeten die fünf Landräte am
18. 2.2014 die Infrastrukturgesellschaft Breitband Nordhessen GmbH.
Ausgangslage
Im Jahr 2013 haben erste Umfragen zur allgemeinen Internetversorgung in Nordhessen gezeigt, dass über 35.000
der befragten Bürger und mehr als 5.000 Unternehmen
schnellere Internetgeschwindigkeiten benötigen. Um einen
flächendeckenden Breitbandausbau in den strukturschwachen und ländlichen Regionen Nordhessens voranzutreiben,
schlossen sich die fünf Landkreise Hersfeld-Rotenburg, Kassel, Schwalm-Eder, Waldeck-Frankenberg und Werra-Meißner zum NGA Cluster Nordhessen zusammen, mit dem Ziel,
alle noch nicht erschlossenen Gebiete von Nordhessen mit
flächendeckendem, schnellem Internet zu versorgen.
Projektverlauf
Seit Gründung der Breitband Nordhessen GmbH im Februar 2014 wurden bereits erfolgreich zahlreiche Meilensteine erreicht: Noch im Jahr 2014 führte die Gesellschaft
unterschiedliche Markterkundungen durch und es folgte
eine europaweite Ausschreibung für einen Netzbetreiber.
Beauftragt wurde dann die Netcom Kassel Gesellschaft für
Telekommunikation mbH. Im April 2015 erhielt das Projekt
die Notifizierung durch die EU-Kommission. Darauf folgend
konnte die Gesamtfinanzierung eines Darlehens in Höhe von
143,2 Mio. € über die Wirtschafts- und Infrastrukturbank
Hessen und die Europäische Investitionsbank sichergestellt
werden. Im Juli folgte die Bürgschaftszusage des Landes
Hessen.
Derzeit sucht die Breitband Nordhessen GmbH europaweit

nach einem Generalunternehmer für den flächendeckenden Ausbau in allen fünf Landkreisen. Ziel ist es, nach der
Beauftragung des Generalunternehmers mit dem Ausbau zu
beginnen.
Nach Fertigstellung der ersten funktionsfähigen Teilabschnitte können sich Kunden in den jeweiligen Gebieten sofort an
das aktive Netz anschließen lassen. Ziel des flächendeckenden Breitbandausbaus ist es, alle Kabelverzweiger im Ausbaugebiet der fünf Landkreise mit Glasfaser zu erschließen.
Sowohl Gewerbetreibende als auch Privathaushalte sollen
im Ausbaugebiet mit Breitbandanschlüssen mit bis zu 50
Mbit/s versorgt werden. Mit dem Ausbau soll eine zukunftsfähige Infrastruktur geschaffen werden, die den gesamten
ländlichen Raum vernetzt.
Jüngst wurde das „Breitband Nordhessen“-Projekt mit dem
Broadband Award 2015 von der Europäischen Kommission
für seinen innovativen und einzigartigen Weg in Brüssel ausgezeichnet.
Wirtschaftlichkeit
Die Breitband Nordhessen GmbH ist Eigentümer der gesamten passiven Infrastruktur (Leerrohre, Glasfaser, etc.). Die
Netcom Kassel ist dabei Eigentümer der aktiven Technik und
mietet die Infrastruktur der Breitband Nordhessen. Mit dem
Erlös aus der Vermietung der Infrastruktur refinanziert die
GmbH ihre Investition (siehe schematische Darstellung in der
Abb.).

Fazit
Was die fünf Landkreise erreichen möchten: Sie setzen sich
für den flächendeckenden Breitbandausbau auf Glasfaserbasis (mit bis zu 50 Mbit/s flächendeckend) in Nordhessen ein.

11

GUTE BEISPIELE

Sie möchten mit dem Ausbau eine zukunftsfähige Infrastruktur schaffen und den gesamten ländlichen Raum vernetzen.
Außerdem sollen Gewerbebetriebe die Möglichkeit erhalten,
wettbewerbsfähig zu bleiben, um langfristig Arbeitsplätze in
den ländlichen Regionen zu sichern und zu schaffen. Auch
sollen Privathaushalte schnelles Internet erhalten, um „nicht
von der Welt abgeschnitten“ zu sein.
Der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung Dr. Michael
H. Koch, Landrat von Hersfeld-Rotenburg, lobt das Projekt:
„Die bisherigen Anstrengungen und das Engagement der
Breitband Nordhessen beweisen, wie wichtig der Breitbandausbau für die ländlichen Gebiete ist. Schnelle Internetanschlüsse sind eine unverzichtbare Infrastruktur für Bürger
und Unternehmen. Ihre flächendeckende Verfügbarkeit ist
ein wichtiger Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung der

12

Region und ein Beitrag zur Sicherstellung der Attraktivität
ländlicher Räume.“
Kontakt
Breitband Nordhessen GmbH
Geschäftsführerin Kathrin Laurier
Ständeplatz 13
34117 Kassel
Telelefon: 0561 / 97062-14
E-Mail: info@breitband-nordhessen.de
www.breitband-nordhessen.de

GUTE BEISPIELE

Breitbandausbau mit kommunaler Gesellschaft
Landkreis Osnabrück

Bundesland.......................................................................... Niedersachsen
Fläche........................................................................................... 2.121,59 km 2
Einwohnerzahl................................................................................. 350.302
Einwohnerdichte.................................................................... 165 EW/km 2
kreisangehörige Gemeinden................................................................ 21

Der Breitbandausbau im ländlichen Raum gehört zu den
größten Herausforderungen einer Kommune. Diese Aufgabe hat der Landkreis Osnabrück angenommen und mit
der Telekommunikationsgesellschaft Landkreis Osnabrück
GmbH (TELKOS) eine kreiseigene Infrastrukturgesellschaft
gegründet.
Ausgangslage
Der Landkreis Osnabrück ist im Südwesten Niedersachsens
gelegen und beheimatet mehr als 350.000 Einwohner auf
einer Fläche, die etwa der des Saarlandes entspricht. Er
umfasst 21 Städte, Gemeinden und Samtgemeinden. Die
marktgegebene Versorgungslage mit breitbandigen Internetzugängen ist stark heterogen. Während in den vorhandenen Mittelzentren und häufig auch in den Unterzentren
schnelle Internetzugänge durch den Markt bereitgestellt
werden, bleiben die ländlichen Räume regelmäßig außen
vor. Sie sind für den Markt schlicht unattraktiv.
Bereits seit 2009 arbeitet der Landkreis an einer verbesserten
Versorgungslage dieser Gebiete. Eine erste in 2010 gefertigte Machbarkeitsstudie zeigte schnell, wie hoch der Leidensdruck bereits damals war: Mehr als 60 % der Privatkunden
und knapp 80 % der Unternehmenskunden waren mit der
Leitungsfähigkeit ihrer Internetanschlüsse unzufrieden. Zwar
ließ das Konjunkturpaket II auf signifikante Verbesserungen
hoffen (das Land Niedersachsen hat einen Teil der Konjunkturpaket II-Mittel in den Breitbandausbau investiert; der Landkreis Osnabrück ist Teil des sogenannten Nord-West-Clusters,
in dem eine Gesamtausschreibung, zur Schließung weißer Flecken im gesamten Westen Niedersachsen erfolgte). Anhand
der Menge der weißen Flecken in der Breitbandversorgung
wurde jedoch schnell klar, dass die zwei klassischen Standbeine der kommunalen Breitbandförderung, die Breitbandkoordination und -beratung sowie das klassische Fördermittelgeschäft, keine flächendeckende Versorgung würden bewirken
können.
Erste Zwischenergebnisse der Clusterausschreibung im Rahmen des Konjunkturpaketes II zeigten zudem, dass noch einmal die letzten verbliebenen Rosinen aus den bestehenden
weißen Flecken herausgepickt würden. Eine stärker bedarfsbezogene Steuerung des Breitbandausbaus erschien auch
hier nicht möglich.

Parallel zum Start der Ausschreibungen für das Konjunkturpaket II entschloss sich der Landkreis Osnabrück daher im
Sommer 2010 zur Gründung der TELKOS als kreiseigene Infrastrukturgesellschaft. Diese sollte eigene passive Infrastrukturen
errichten und an interessierte Telekommunikationsunternehmen vermarkten.
Projektbeschreibung
In einem ersten Schritt ließ die TELKOS für die weißen Flecken
der Grundversorgung eine grobe Netzplanung inklusive eines
Business Cases zur Vermarktung erstellen. Sie erhielt einen Investitionsrahmen von maximal 4 Mio. €. Die Business-Planung
ergab, dass damit mehrere Tausend bisher unterversorgte
Haushalte eine deutlich bessere Breitbandversorgung erhalten
könnten.
Parallel wurde ein Interessenbekundungsverfahren als erster
Schritt zur Auswahl eines Strategischen Partners initiiert, der
das TELKOS-Netz gegen Entgelt nutzen und auch betreiben
sollte. Dieses Interessenbekundungsverfahren lief allerdings zu
Beginn des Jahres 2011 erst einmal ergebnislos aus. Es stellte
sich heraus, dass sich zum damaligen Zeitpunkt noch kein Telekommunikationsunternehmen näher mit einer von kommunaler Seite bereitgestellten passiven Infrastruktur beschäftigt
hatte.
Um das Interesse des Telekommunikationsmarktes zu wecken,
setzten Landkreis und TELKOS auf zwei parallele Maßnahmen:
Um die Ernsthaftigkeit der Ausbauabsichten zu unterstreichen,
begann die TELKOS im Sommer 2011 mit dem Bau erster Teilnetze, ohne dass dafür bereits ein Partner bereitgestanden hätte.
Zeitgleich stieg sie in Sondierungsgespräche mit einzelnen in
Frage kommenden Telekommunikationsunternehmen über die
Nutzung des Netzes ein. Aus den Sondierungsgesprächen ging
die EWE TEL GmbH als vielversprechendster Bieter und potenzieller Partner hervor. Im zweiten Halbjahr 2011 erfolgten die
umfangreichen Vertragsverhandlungen. EWE TEL und TELKOS
vereinbarten den Bau von mehreren Teilnetzen, die zusammen rund 40 Kabelverzweiger und mehr als 4.000 Haushalte,
welche zuvor nicht einmal über eine Grundversorgung von 2
Mbit/s verfügten, versorgen sollten. Die Ausbaupakete stellten
dabei stets einen Interessenausgleich zwischen der TELKOS und
der EWE TEL dar, die vereinbarten Ausbaugebiete beinhalten
sowohl baulich attraktive Maßnahmen (kurze Anschlusstrecken, aber gegebenenfalls geringes Anschlusspotenzial) als
auch in der Vermarktung attraktiven Bereiche (höheres Kundenpotenzial, aber lange Anschlussstrecken). Viele der versorgten Gebiete wurden erst durch diesen Mix attraktiv, wären für
eine Wirtschaftlichkeitslückenförderung hingegen ungeeignet
gewesen.

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GUTE BEISPIELE

Im März 2012 wurden die entsprechenden Verträge geschlossen.
Bereits im Mai 2012 konnten die ersten Kunden über das
TELKOS-Netz V-DSL mit bis zu 50 Mbit/s nutzen. Im Sommer 2014 stieß mit den Stadtwerken Osnabrück ein weiterer
Partner hinzu. Der TELKOS fehlten bis zu diesem Zeitpunkt
nahegelegene Anknüpfungspunkte an vorhandene Backbones im Nahbereich um die kreisfreie Stadt Osnabrück. Die
Stadtwerke Osnabrück brachten die vorhandenen Glasfasertrassen in die Kooperation mit ein. So konnten nun auch in
diesem „Speckgürtel“ vorhandene weiße Flecken versorgt
werden.

von gut 30 % ist für die Region Westniedersachsen überdurchschnittlich. In einigen Ausbaugebieten hat die Marktdurchdringung mittlerweile die Marke von 70 % überschritten. Die Einwohner nehmen das kommunale Engagement
für den Breitbandausbau sehr gut an.
Schließlich hat sich gezeigt, dass die kommunalen Aktivitäten auch den Eigenausbau des Telekommunikazionsmarktes stimuliert haben – einige zunächst von der TELKOS ins
Auge gefasste weiße Flecken konnten dann doch ohne Förderung durch ein großes Telekommunikationsunternehmen
erschlossen werden.
Fazit
Durch die kreiseigene Infrastrukturgesellschaft TELKOS ist es
dem Landkreis Osnabrück gelungen, zahlreiche weiße Flecken zu schließen. Darüber hinaus trug sie dazu bei, dass
auch wirtschaftlich weniger attraktive Bereiche zum Zuge
kommen. Anders als bei der Vergabe verlorener Zuschüsse
kann die TELKOS ihren Investitionen steigende Erlöse gegenüber stellen.
Und das Erfolgsbeispiel macht bereits Schule: Das Land Niedersachsen stellt seinen Kommunen beginnend mit dem
Jahr 2015 bis zu 500 Mio. € verbilligte Finanzierungsmittel
zur Verfügung, die ausschließlich zu Schaffung eigener kommunaler Breitbandnetze vorgesehen sind. Das sogenannte
Betreibermodell ist integraler Bestandteil der NGA-Rahmenregelung des Bundes ebenso wie der einschlägigen Förderprogramme.
Im Landkreis Osnabrück hat sich zudem gezeigt, dass die
kommunale GmbH die richtige Organisationsform zur Bewirtschaftung der Breitbandinfrastruktur ist. Dies spiegelt
sich leider noch nicht in allen Förderprogrammen (und den
bestehenden EU-Notifizierungen) wider, die häufig noch
ausschließlich auf die Gebietskörperschaften selbst abstellen. Zu hoffen ist, dass das Osnabrücker Beispiel auch hier
Schule macht.

„Den Breitbandausbau stemmen wir!“ Vertreter des Landkreises Osnabrück, der EWE TEL
und der TELKOS schultern ein extra großes Schutzrohr, mit dem eine große Wasserstraße
unterquert wurde.

Seither hat die TELKOS verschiedene Teilnetze in weißen Flecken errichtet und mehr als 4.000 zuvor nicht einmal über
eine Grundversorgung von 2 Mbit/s verfügende Haushalte
ans schnelle Internet angeschlossen. Der Investitionsrahmen
konnte dabei deutlich unterschritten werden. Es hat sich gezeigt, dass sich lokale Kenntnisse und gute lokale Vernetzung der Breitbandakteure auch positiv auf die Baukosten
auswirken. Durch gezielte Streckenwahl, zeitnahe Abstimmung insbesondere mit den Straßeneigentümern und gutes
Baucontrolling konnten in einzelnen Bauabschnitten Einsparungen von bis zu 50 % gegenüber den kalkulierten Investitionen erzielt werden.
Auch die Nachfrageseite hat sich deutlich positiv entwickelt:
Eine durchschnittliche Marktentwicklung nach zwei Jahren

14

Der Landkreis geht derweil bereits den nächsten Schritt: Er
hat 2014 eine kreisweite Strukturplanung erstellen lassen.
Mittlerweile entsteht die lang erwartete Förderlandschaft
für die NGA-Zielsetzung von 50 Mbit/s. An allen durch die
TELKOS bereits ausgebauten Kabelverzweigern ist dies bereits erreicht.
Kontakt
TELKOS Telekommunikationsgesellschaft mbH
Landkreis Osnabrück
Dirk Holtgrewe
Am Schölerberg 1
49082 Osnabrück
Telefon: 0541 / 501-2013
E-Mail: holtgrewe@LKOS.de
www.landkreis-osnabrueck.de

GUTE BEISPIELE

Gemeinsam auf dem Weg
zu einer Next Generation Access-Infrastruktur
Landkreis Rotenburg (Wümme)

kreisangehörige Gemeinden................................................................ 57

dichte hatte der Landkreis Rotenburg (Wümme) mit den typischen Problemen der Internetversorgung über die vorhandenen langen Kupferleitungen zu kämpfen. Alle Städte und
Gemeinden waren gleichermaßen mit der Situation konfrontiert, dass außerhalb der Kernorte ein Internetzugang zum
großen Teil nur mit ISDN-Anschlüssen möglich war.

Der Landkreis Rotenburg (Wümme) ist der erste Landkreis,
der über eine Einzelnotifizierung einer Beihilfe durch die Europäische Kommission für den kreisweiten Breitbandausbau
verfügt. Gemeinsam mit den kreisangehörigen Städten und
Gemeinden wurde der Aufbau einer NGA-Infrastruktur im
Kreisgebiet ausgeschrieben und eine eigene Förderung über
kommunale Haushaltmittel in Höhe von rund 12 Mio. € zur
Verfügung gestellt. So ist es gelungen eine nahezu flächendeckende Grundversorgung und eine NGA-Versorgung für
75 % der Haushalte zu erreichen.

In den Jahren 2008 bis 2010 wurden immer wieder Gespräche mit Telekommunikationsanbietern geführt. Diese
lehnten einen Ausbau im Landkreis letztendlich jedoch aus
wirtschaftlichen Gründen ab. Da das Thema Breitband eine
sehr hohe Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit der ländlichen Region hat, beschlossen der Landkreis und die angehörigen Kommunen daher, sich gemeinsam intensiv um eine
Verbesserung der Versorgungslage zu bemühen. Das weitere Vorgehen wurde eng zwischen dem Landkreis und den
Gemeinden diskutiert und abgestimmt.

Ausgangslage
Als ländlicher Raum mit einer relativ geringen Einwohner-

Ermittlung von Lösungsansätzen
In einem ersten Schritt wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt, die konkrete Lösungsansätze für eine Erschließung
ermittelte. Dafür wurden kreisweit alle Haushalte und Unternehmen befragt.

Bundesland.......................................................................... Niedersachsen
Fläche.......................................................................................... 2.070,30 km 2
Einwohnerzahl.................................................................................. 161.308
Einwohnerdichte....................................................................... 78 EW/km 2

Legende
Rotenburg_Gesamt
DSL_GESAMT
unter 1MBit/s
1MBit/s bis 2 MBit/s
über 2MBit/s
ohne Antwort
keine Teilnahme

Diese Studie war im weiteren Projektverlauf die technische
und betriebswirtschaftliche Planungsgrundlage für die Realisierung einer flächendeckenden, leistungsfähigen Internetversorgung im Landkreis Rotenburg (Wümme).
Als grundlegendes Ziel wurde die gleichwertige Versorgung
aller Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen im Landkreis mit schnellen Internetanschlüssen genannt. Unter Abwägung der technischen Möglichkeiten empfahl die Studie,
Glasfaserleitungen bis in alle Häuser hinein zu realisieren
(FTTH).
Lange Zeit wurde die Möglichkeit der Gründung einer kommunalen Netzbesitzgesellschaft für Infrastrukturinvestitionen diskutiert. Für den Landkreis hätte dies eine Investition
von rund 150 Mio. € bedeutet. Damit verbunden gewesen
wäre das wirtschaftliche Risiko, dass sich die Investition über
die Einnahmen refinanziert. Ein alternativer Ausbau der vorhandenen Kabelverzweiger (FTTC-Erschließung) wurde mit
rund 25 Mio. € kalkuliert.

Breitbandversorgung vor Ausbau 2008, Breitband Kompetenz Zentrum Niedersachsen

Unter Abwägung der vorhandenen Risiken und der alternativen Kosten beschlossen Landkreis und Gemeinden, den
Breitbandausbau mit Hilfe einer eigenen Förderung voranzutreiben. In Anlehnung an bestehende Förderprogramme
sollte die Wirtschaftlichkeitslücke eines zu beauftragenden
Telekommunikationsunternehmens gedeckt werden.

15

GUTE BEISPIELE

Im Hinblick auf das zu erwartende Bandbreitenwachstum
wollten sich die Verantwortlichen jedoch nicht auf eine Erschließung im Sinne der Grundversorgung beschränken. Um
den Landkreis Rotenburg (Wümme) in Sachen Internetversorgung tatsächlich wettbewerbsfähig zu halten, orientierte
man sich bereits in der Planungsphase 2009 an den Versorgungsgeschwindigkeiten in den großen Städten. Dies
bedeutete den Schritt hin zu einer Next Generation AccessInfrastruktur.
Kreiseigene Notifizierung
Die Finanzierung der Wirtschaftlichkeitslücke eines Unternehmens bedeutete wettbewerbsrechtlich einen Eingriff in
den freien Markt und wäre somit eine genehmigungspflichtige Beihilfe. Vor dem Beginn der Ausschreibung der Förderung musste daher zunächst das Notifizierungsverfahren bei
der Europäischen Kommission durchlaufen werden. Hierfür
baute der Landkreis eine umfangreiche Dokumentation auf,
die der Generaldirektion Wettbewerb im Notifizierungsverfahren verdeutlichen sollte, warum in diesem Fall ein Marktversagen vorliegt und somit diese Beihilfe notwendig ist.
Als NGA-fähige Geschwindigkeit wurden dabei 40 Mbit/s
zugrunde gelegt.

belverzweiger (KVZ) im Landkreis mit Glasfaser angebunden
und mittels VDSL überbaut. Zwei Versorgungsgebiete wurden darüber hinaus mit FTTH-Anschlüssen angebunden. Die
EWE TEL erhielt dafür einen von Landkreis (1/3) und Gemeinden (2/3) gemeinsam finanzierten Zuschuss von rund 11,3
Mio. €.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: rund 75 % aller Haushalte im Landkreis können heute mit 40 Mbit/s und mehr
im Internet surfen. Lediglich 1 % der Hausanschlüsse hat
keine Grundversorgung. Aber auch für diese Bereiche wurde
bereits parallel zum Ausbau nach Lösungen gesucht. Durch
die Errichtung zusätzlicher Kabelverzweiger soll bis zum Projektende 2016 auch in diesen Gebieten leistungsfähiges Internet zur Verfügung stehen.
Bandbreiten Versorgungsqualität
im VDSL-Ausbaugebiet

1%

keine Schaltung

5%

bis 10 Mbit/s

3%

10 Mbit/s - 20 Mbit/s

6%

20 Mbit/s - 30 Mbit/s

9%

30 Mbit/s - 40 Mbit/s

76%

> 40 Mbit/s

Quelle: Analyse DSL Versorgungsquote NGA-Ausbaugebiet Landkreis Rotenburg (Wümme),
EWE TEL, 2015

Gerd Stallmeyer, Leiter Breitband-Büro der EWE TEL, erklärt Ministerpräsident Weil und Vertretern aus Politik und Verwaltung die Funktionalitäten der aufgerüsteten Kabelverzweiger

Parallel zum Notifizierungsprozess fand eine weitere Diskussion in den politischen Gremien statt. Am Ende stimmten
alle Gemeinden im Landkreis dem Breitbandkonzept zu und
stellten die notwendigen Haushaltsmittel bereit. Nach einem intensiven Konsultationsprozess mit der Generaldirektion Wettbewerb und der Klärung noch offener Fragen in
Bezug auf die geplante Beihilfe, lag nach rund sechs Monaten Arbeit Ende Januar 2011 die erste Einzelnotifizierung
einer Beihilfe für den Breitbandausbau auf Landkreisebene
in Deutschland vor.
Ausbauumsetzung durch FTTC-Erschließung
Nachdem die Europäische Kommission grünes Licht gegeben
hatte, wurde der Ausbau des Breitbandnetzes in einem öffentlichen Teilnahmewettbewerb mit sich anschließendem
Verhandlungsverfahren europaweit ausgeschrieben. Den
Zuschlag in diesem Verfahren erhielt die EWE TEL aus Oldenburg. Für rund 18,7 Mio. € wurden seit Ende 2011 alle Ka-

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Fazit
Vor allem die Kooperation von Landkreis und allen angehörigen Kommunen hat sich in diesem Projekt bewährt. Unter Federführung der Kreisverwaltung konnte die gesamte
Nachfrage gebündelt und so ein für alle besseres Ergebnis
erzielt werden. Auch in der Zukunft wird diese Zusammenarbeit weitergeführt, um eine flächendeckende NGA-Versorgung zu erreichen.
Kontakt
Landkreis Rotenburg (Wümme)
Stabsstelle Kreisentwicklung
Tanja Steinecke
Hopfengarten 2
27356 Rotenburg
Telefon: 04261 / 983-2857
E-Mail: tanja.steinecke@lk-row.de
www.lk-row.de

GUTE BEISPIELE

Datenautobahn Schwarzwald-Baar
Schwarzwald-Baar-Kreis

Bundesland............................................................Baden-Württemberg
Fläche...........................................................................................1.025,26 km 2
Einwohnerzahl................................................................................. 205.090
Einwohnerdichte.................................................................... 200 EW/km 2
kreisangehörige Gemeinden................................................................ 20

Ausgangslage
Für die Errichtung zukunftsfähiger Breitbandfestnetze kommen einzig und alleine glasfaserbasierende Infrastrukturen
in Betracht, da diese enorm hohe Datenübertragungsraten
sicher und störungsfrei ermöglichen. Hierzu müssen die
Endkunden schrittweise direkt an die Glasfaser (FTTB/H)
angebunden werden. Der Kreistag des Schwarzwald-BaarKreises beauftragte die Verwaltung Mitte 2012, eine flächendeckende Planung zum Aufbau eines interkommunalen Glasfaser-Passiv-Netzes in Angriff zu nehmen. Als erster
Schritt wurde die Durchführung einer Entwurfsplanung für
ein interkommunales Backbone-Netz (Basisnetz in Ringform,
welches die Ortschaften und Übergabepunkte von potenziellen Betreibern verbindet) mit mindestens zwei Übergabepunkten in jeder Kreisgemeinde beschlossen. Anlass und
Grundlage war das vorangegangene Forschungsprojekt
„Datenautobahn Schwarzwald-Baar“, das der Kreis mit der
Hochschule Furtwangen University (HFU) zur Erstellung eines Masterplans für den kreisweiten Ausbau eines GlasfaserBreitband-Netzes durchgeführt hatte.
Projektbeschreibung
Die Planung wurde vom Ministerium für Ländlichen Raum
und Verbraucherschutz Baden-Württemberg als Modellprojekt mit einem Fördersatz von 50 % unterstützt. Die Modellhaftigkeit lag vor allem darin begründet, dass neben
den topographisch schwierigen Gegebenheiten des Landkreises möglichst Infrastrukturen Dritter in das kommunale
Backbone-Netz synergetisch einbezogen und die als Lückenschlüsse zu bauenden Abschnitte auf ein Minimum reduziert
werden sollten.
Ein Modellprojekt bringt es mit sich, dass mit dem Planungsauftrag vielfach Neuland betreten wurde. Das galt insbesondere auch für die Erstellung des Leistungsverzeichnisses,
welches im Rahmen der Bietergespräche intensiv erörtert
wurde. Die Besonderheit am Planungsauftrag war, dass der
Planungsumfang von vornherein nicht abschließend festgelegt werden konnte, da dieser entscheidend von noch
zu erhebenden Mitnutzungsmöglichkeiten vorhandener
Strukturen und den Anforderungen der Gemeinden sowie
potenziellen Netzbetreibern abhing. Deshalb erfolgte nach
der Grundlagenerhebung und Abstimmung mit allen Gemeinden und denkbaren Netzbetreibern ein Optimierungs-

schritt, der zum Ziel hatte, soweit wie möglich geeignete
und nutzbare Infrastrukturtrassen Dritter (Leerrohre, Bahntröge, Strom- und Wasserleitungen, Glasfaser etc.) in das
kommunale Backbone-Netz einzubeziehen. Zur Erzielung
der Planungssicherheit umfasste der Planungsauftrag zudem
die Vorbereitung von Nutzungsverträgen mit Infrastruktureignern und die Eruierung der Vermarktungspotenziale für
den späteren Netzbetrieb. Als Basis für die Angebotsabgabe wurde daher das Ergebnis des Projekts Datenautobahn
Schwarzwald-Baar-Kreis herangezogen. Ziel war eine qualitativ hochwertige und auf die individuellen Bedürfnisse
abgestimmte Entwurfsplanung, die ohne großen Aufwand
sofort in eine Genehmigungs- und Ausführungsplanung
überführt werden kann. Die letztgenannten waren nicht
Gegenstand des Auftrags.
Im Einzelnen umfasste der Auftrag vier Hauptabschnitte:
1.	Erhebung und Aktualisierung der Projektgrundlagen, insbesondere der Versorgungssituation,
2.	Strukturplanung des Backbone-Netzes für die flächendeckende FTTB-Erschließung,
3.	Vertragsplanung der Bestandsanlagen,
4.	Entwurfsplanung der zu errichtenden Trassen mit Priorisierung der Bauabschnitte.
Am Ende der Ausschreibung erhielt die Firma Conlinet Service GmbH den Zuschlag zur Erstellung der Strukturplanung
und der Feinplanung des Backbone-Netzes. Ziel der Planung
war es, mit einer möglichst wirtschaftlichen und redundanten Trassenführung eine größtmögliche Zahl der insgesamt
84 Ortslagen (Hauptorte und Teilorte) im Kreis sowie die
Anknüpfungspunkte zu Betreibern zu erschließen. Die Planung sieht nun vor, dass 59 Übergabepunkte in 54 Ortslagen direkt an den Backbone angebunden und zwölf Ortslagen durch nahegelegene andere Ortsnetze mitversorgt
werden. Die verbliebenen 18 Ortslagen können aufgrund
ihrer Situation nicht unmittelbar vom Backbone erfasst werden. Selbstverständlich besteht aber die Möglichkeit, diese
Orte im Rahmen der Ortsnetzentwicklung anzuschließen.
Das Backbonenetz umfasst eine Gesamtlänge von 352 km
und 179 Zwangspunkte. Gegenüber der Wirtschaftlichkeitsberechnung und dem Projekt Datenautobahn SchwarzwaldBaar sind dies 41 km bzw. 13 % mehr Trassen, was vor allem
darauf beruht, dass möglichst viele Teilorte, welche zumeist
auch die stärkste Unterversorgung aufweisen, unmittelbar
angebunden werden sollen. Der Anteil neu zu bauender
Trassen war mit 216 km höher als ursprünglich angenommen. 128 km Strecke können in vorhandenen Leerrohren
(100 km), als Mitverlegung bei anderen Maßnahmen (15 km)
und mit bestehenden Glasfasertrassen (13 km) verwirklicht

17

GUTE BEISPIELE

werden. Für die Neubautrassen wird im Regelfall die offene
Bauweise im Graben vorgesehen, wobei so viel Strecke wie
möglich in unbefestigten Flächen geplant wurde (142 km),
da die Verlegung in befestigten Flächen wesentlich teurer
ist.
Fazit
Die Erkenntnisse aus der kreisweiten Planung sind vielfältig.
So haben sich beispielsweise klare Vorgaben anhand eines
Leistungsverzeichnisses bei der Ausschreibung bewährt und
sind mitentscheidend für den Erfolg. Eine wichtige Erkenntnis war außerdem, dass in einem Landkreis mit sehr differenzierter Ausgangslage bei der Versorgung, die Erschließung
mit Glasfaser zuerst in den Gewerbegebieten und den unterversorgten, zumeist kleineren Ortsteilen aufgenommen werden muss und daher relativ viele Backbone-Übergabepunkte
mit Ertüchtigung vom wirtschaftlich ungünstigeren Ende her
geschaffen werden müssen („Anti-Rosinenstrategie“).

sowie die verbindliche Vereinbarung der Mitnutzung vorhandener Breitband-Infrastrukuren für eine kosteneffiziente
Realisierung unverzichtbar. Obwohl im Landkreis schon im
erheblichen Umfang Glasfaserleitungen namhafter Betreiber
existieren, war die Möglichkeit der Mitnutzung für Open Access ausgesprochen ernüchternd. Fördertechnisch bedingt
schloss das Projekt mit der Entwurfsplanung und Kostenberechnung ab (analog HOAI Leistungsphase 3). Idealerweise
sollten aber alle Schritte einschließlich Genehmigungsplanung, Ausführungsplanung, Vergabe und Bauüberwachung
aus einer Hand kommen, um Reibungsverluste zu vermeiden. Der Landkreis hat sich dazu entschieden, die gesamte
Dokumentation aller zu bauenden Netzelemente durch das
eigene Vermessungsamt erheben und im kreiseigenen GIS
(Geografisches Informationssystem) erfassen zu lassen, um
eine zeitnahe Aufnahme im Zuge der Baumaßnahmen nach
einheitlichem Standard gewährleisten zu können. Die Backbone-Entwurfsplanung wurde im Jahr 2014 von der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) umfassend geprüft und genehmigt. Inzwischen haben sich die
20 Städte und Gemeinden des Landkreises gemeinsam mit
dem Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis zum Zweckverband Breitbandversorgung Schwarzwald-Baar zusammengeschlossen und die ersten Baumaßnahmen durchgeführt.

Zweckverband Breitbandversorgung Schwarzwald-Baar
Der Zweckverband Breitbandversorgung Schwarzwald-Baar wurde im Frühjahr 2014 von allen 20 Städte und Gemeinden des
Schwarzwald-Baar-Kreises sowie dem Kreis selbst gegründet, um
den Schwarzwald-Baar-Kreis kreisweit mit einem Glasfaser-Netz
auszustatten.

Backbone mit POP und Übergabepunkten

Die Ausschreibung nach VOF mit Teilnahmewettbewerb und
Verhandlungsverfahren durchzuführen hat sich als sinnvoll
erwiesen, da die Verhandlungsphase vor Abgabe verbindlicher Angebote eine zielgerichtete Konkretisierung des Auftrags und damit letzten Endes bessere Ergebnisse ermöglichte. Darüber hinaus wurde deutlich, dass eine detaillierte
Strukturplanung die weitere strategische Planung und eine
schnellere Ausführung erleichtern können und Synergieeffekte erzielt werden. Die solide Planung im Vorfeld und
die genaue vorherige Analyse der örtlichen Gegebenheiten
haben dazu geführt, dass sich die Baukosten in einem wirtschaftlich sinnvollen Rahmen bewegen werden. Außerdem
sind die übergreifende Eruierung von Mitverlegungsoptionen im Rahmen von anderen geplanten Baumaßnahmen

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Ziel des Zweckverbands unter dem Vorsitz von Landrat Sven Hinterseh ist es, im Laufe der Jahre 2016 und 2017 das BackboneNetz fertigzustellen und nach und nach auch Ortsnetze (FTTB/H) zu
entwickeln. Spätestens bis 2025 sollen alle Gebäude im Landkreis
einen eigenen Glasfaseranschluss erhalten. Dadurch können Kompetenzen gebündelt, der Netzausbau aufeinander abgestimmt und
wirtschaftliche Einheiten für Planung, Baumaßnahmen und Netzbetriebsvergabe geschaffen werden. Durch das Betreibermodell wird
nachhaltig die Möglichkeit geschaffen, leistungsfähige Glasfaser direkt an die Gebäude heranzuführen, wohingegen beim Deckungslückenmodell keine flächendeckende Verbesserung in allen Gebieten
erzielt werden kann. Überall, wo es wirtschaftlich darstellbar ist,
wird mit FTTB gearbeitet.
Finanziert werden die Projekte zum einen mit Fördergeldern von
Land Baden-Württemberg und zum anderen werden darüber hinaus
die Kosten für den Backbone vom Schwarzwald-Baar-Kreis getragen, während die Kommunen die jeweiligen Ortsnetze finanzieren.
Die Strategie beim Aufbau des Zweckverbands Breitbandversorgung
sowie der Umgang mit wichtigen Fragestellungen, beispielsweise
die der Betreiberausschreibung, erfolgten in enger Abstimmung
mit dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz
Baden-Württemberg. Darüber hinaus wurden die Projekte gemeinsam mit dem an der Hochschule Furtwangen University ansässigen
Stiftungsprofessur für „Digitale Infrastrukturen im ländlichen Raum“
von Prof. Dr. Jürgen Anders erarbeitet. Prof. Anders ist heute noch
im beratenden Ausschuss des Zweckverbands tätig. Eine große Bedeutung in der gesamten Planung kommt den Städten und Gemeinden zu. Sie dienen als wichtige Multiplikatoren bei der Information
der Bürger und der späteren Vermarktung des Betreibers.

GUTE BEISPIELE

Die Firma Stiegeler Internet Service GmbH & Co. KG mit Sitz
in Schönau im Schwarzwald hat nun den Auftrag, das Netz
zu betreiben und dafür Sorge zu tragen, dass die Bürger im
Schwarzwald-Baar-Kreis über das FTTB/H-Netz des Zweckverbands auskömmlich und zeitgemäß an das Internet angeschlossen werden.

Landrat Sven Hinterseh und Felix Stiegeler, Geschäftsführer der Firma Stiegeler Internet Service GmbH & Co. KG, unterschreiben im Kreise der Bürgermeister den Netzbetriebsvertrag.

Kontakt
Zweckverband Breitbandversorgung Schwarzwald-Baar
Geschäftsführer Jochen Cabanis
Humboldtstr. 11
78166 Donaueschingen

Foto: Michael Kienzler, Copyright Zweckverband Breitbandversorgung Schwarzwald-Baar

Nach Beendigung der Ausschreibung für den künftigen
Netzbetreiber, der den Betrieb des kreisweiten FTTB-Netzes
übernehmen wird, hat die Bundesnetzagentur die Unterlagen zur Prüfung des wirtschaftlichsten Angebots überprüft
und die Genehmigung des Netzbetriebsvertrages erteilt.

Telefon: 07721 / 913-5761
E-Mail: j.cabanis@lrasbk.de
www.breitband-sbk.de

Glasfasernetz im Betreibermodell
Landkreis Uelzen

kreisangehörige Gemeinden................................................................ 27

Beteiligung der Gemeinden realisieren sollte. Hintergrund
hierfür war auch die Absicht, eine schlanke Organisation
aufzubauen. Die Kreispolitik bevollmächtigte die Verwaltung
in immer wieder mutigen Entscheidungen, alle notwendigen
Schritte für die Realisierung eines kreisweiten Glasfaserntzes
zu gehen in vollem Bewusstsein aller Risiken.

Ausgangslage
Der strukturschwache Landkreis Uelzen mit seinen knapp
93.000 Einwohnern (Bevölkerungsdichte 65 EW./km²) liegt
40 km von der nächsten Autobahn entfernt, in Nord-SüdRichtung durch den Elbe-Seitenkanal geteilt, mit dem Eisenbahnknotenpunkt in der Kreisstadt Uelzen. Um der Strukturschwäche entgegenzuwirken, hat der Kreistag im Sommer
2012 sieben strategische Ziele beschlossen, zu denen u. a.
gehört: „Wir verbessern die Erreichbarkeit unserer Betriebe
und Haushalte durch den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur
sowie der kommunikativen Netze.“

Im April 2013 wurde das Pflichtenheft für die Netzstrukurplanung mit der Firma Geodata erstellt. Im August erhielt
die per Ausschreibung nach VoF gefundene Firma BIB Tech
mit den Unterauftragnehmern OFP und Luther Rechtsanwälte den Auftrag für die Netzstrukturplanung, die Erstellung
des Businessplans und die Pächtersuche. Parallel führte der
Landkreis eine Bedarfsanalyse und eine Markterkundung
durch. Die Netzstrukturplanung erfolgte auf Grundlage einer kompletten Begehung aller Straßenzüge. Als positiver
Nebeneffekt verfügt somit das neu eingerichtete GIS-Büro
des Landkreises über exakte Daten.

Erste erfolgte Schritte
Der Landkreis Uelzen orientierte sich bei seinen Schritten
zur Realisierung am Landkreis Wolfenbüttel, der als erster
niedersächsischer Landkreis ein FTTC-Glasfasernetz im Betreibermodell errichtete. In enger Abstimmung mit den
kreisangehörigen Kommunen wurde aufgrund der Ausgleichsfunktion des Landkreises beschlossen, dass der Landkreis Uelzen das kreisweite Glasfasernetz ohne finanzielle

Im Sommer 2015 wurde nach dem im August 2014 gestarteten wettbewerblichen Dialog der Pächter gefunden, die
Lünecom GmbH. Für den Business case war Grundlage nunmehr nur noch FTTB: Denn es ist deutlich geworden, dass
nur auf diese Weise eine zukunftsträchtige Lösung mit einer
Übertragungsgeschwindigkeit von mindestens 50 Mbit/s
möglich sein würde. Außerdem wurde der Pachtvertrag
endverhandelt und bei der Bundesnetzagentur eingereicht.

Bundesland.......................................................................... Niedersachsen
Fläche........................................................................................... 1.454,14 km 2
Einwohnerzahl.................................................................................... 92.356
Einwohnerdichte....................................................................... 64 EW/km 2

19

GUTE BEISPIELE

Technische Daten:
Länge der zu errichtenden Backbone-Ringe...............	263 km
Länge der zu errichtenden Kabeltrassen...................	1.188 km
Länge der zu verbauenden Kabelrohre....................	1.854 km
Länge der einzublasenden Glasfaserkabel...............	8.696 km
Fast 20.000 Kunden sollen mit FTTB/FTTH angeschlossen
werden.
Aktuelle und zukünftige Schritte
Die aktuellen Schritte sind
·		 Unterzeichnung der in allen Räten angenommenen Kooperationsvereinbarung mit den Gemeinden, in denen sich
diese verpflichten, keine eigenen Ausbaumaßnahmen zu
ergreifen,
·		 Stellung der Zuschussanträge auf Bundes-, Landes- sowie
Darlehnsförderung – eine sehr herausfordernde Aufgabe,
die zahlreiche Gespräche auf allen Ebenen erfordert,
·		Abschluss des Pachtvertrages, nachdem die Anmerkungen der Bundesnetzagentur eingearbeitet worden
sind,
·		finden eines Ingenieurbüros, das den Landkreis Uelzen
in den nächsten dreieinhalb Jahren begleitet (HOAI Leistungsphasen 4-9),
·		Einstellung von zusätzlichen Mitarbeiter/innen bei der
Stabstelle Wirtschaftsförderung, die das Projekt von Anfang an betreut.
Mit dem Baubeginn wird für den Frühsommer 2016 gerechnet.

Breitbandkonferenz 2015 : Vertreter von Bundesverkehrsministerium, niedersächsischem Wirtschaftsministerium und Landkreis Uelzen im Gespräch bei der niedersächsischen Breitbandkonferenz am 20.7.2015 in Uelzen.
Foto: AZ, Ines Bräutigam

Risikofaktoren
Der Landkreis Uelzen muss nicht unerhebliche Risiken eingehen, von denen nicht alle abgeschirmt werden können.
Mögliche Risiken sind:
·		Es findet eine unerwartete Kostensteigerung in Bezug
auf Bauleistungen und Materialkosten zur Infrastrukturerschließung statt.
·		 Die Kapitalmarktzinsen steigen deutlich.
·		 Das Innenministerium genehmigt die Investitionen nicht.
·		 Es wird kein Zuschuss gewährt.
·		 Es wird ein Zuschuss gewährt, der an kostensteigernde
Bedingungen und Auflagen geknüpft ist.
·		 Die Nachfrage der Unternehmen und der privaten Haushalte nach schnellem Internet entspricht nicht der Erwartung.
·		 Durch den demografischen Wandel sinkt der Anteil der
Haushalte, die schnelles Internet bezahlen.
·		Andere Telekommunikationsunternehkmen forcieren ihren Ausbau in Richtung mind. 50 Mbit/s.
·		 Zusätzliche massive Lockangebote mit langen Laufzeiten
durch andere Marktteilnehmer.
·		 Neue gesetzliche Regelungen.
·		 Der Pächter wird während der Vertragslaufzeit insolvent.

Landrat Dr. Heiko Blume und Norbert Hill, Geschäftsführer Lünecom GmbH.
Foto: Theine, LK Uelzen

20

·		 Der Landkreis findet keine geeigneten Mitarbeiter zur Realisierung des Projekts.

Hauptmerkmale des Betreibermodells
Der Landkreis lässt ein passives Glasfasernetz innerhalb der nächsten
3,5 Jahre (Fertigstellung I/2019) bauen, an das alle unterversorgten
Wohn- und Geschäftsgebäude in den weißen Flecken angeschlossen werden können (FTTB/H).
1.	

Er verpachtet das Netz für 25 Jahre, der Pächter installiert seine
aktive Technik und hat die Verantwortung für die Vermarktung und den Netzbetrieb.

2.	

Der Landkreis wird in elf Cluster aufgeteilt, in denen die dreimonatige Vorvermarktung zeitversetzt startet.

3.	

Das Ausbau- und Erschließungskonzept ist bedingt durch den
Ausbau des Backbone-Netzes westlich und östlich des ElbeSeitenkanals.

4.	

In max. drei Clustern wird zeitgleich mit der Vermarktung begonnen.

5.	

Wenn nach Abschluss der Vorvermarktungsphase 60 % der
potenziellen Kunden eines Clusters einen Vorvertrag unterzeichnet haben, wird das Cluster innerhalb von neun Monaten
ausgebaut.

6.	

Wird die Vorvermarktungsquote nicht erreicht, wird das Cluster nicht ausgebaut.

7.	

Der Preis für schnelles Internet sowie Telefonie ist marktüblich.

8.	

Pro angeschlossenem Kunden zahlt der Pächter dem Verpächter ein vertraglich vereinbartes pauschales Pachtentgelt während der Vertragslaufzeit des Endkundenvertrages.

9.	

Ein Netzausbau in bereits versorgten NGA-Gebieten des Landkreis Uelzen (schwarze Flecken) kann nur durch einen eigenwirtschaftlichen Ausbau des Pächters erfolgen. An diesen Einnahmen wird der Landkreis ebenfalls beteiligt.

10.	 Durch das Glasfasernetz FTTB/FTTH werden mindestens 99 %
der Wohn- und Geschäftsgebäude im Landkreis Uelzen in den
weißen Flecken angeschlossen. Für die restlichen einzelnen
Gebäude werden Einzellösungen angeboten.

Fazit
Erfolgsfaktoren sind insbesondere: gutes und vertrauensvolles Zusammenspiel von Gemeinden und Landkreis, Politik
und Verwaltung, Landrat und Stabsstelle und eine intensive
gute Kommunikation mit den Ministerien und dem Breitbandkompetenzzentrum des Landes Niedersachsen, insbesondere aber auch die Unterstützung durch die externen
Beratungsbüros und nicht zuletzt die lokalen Medien.
Als Pilotprojekt für das Betreibermodell FTTB in Niedersachsen konnte der Landkreis permanent mit großer Unterstützung durch das Land und vor allem das niedersächsische
Breitbandkompetenzzentrum rechnen. Er begegnete allerdings auch immer wieder neuen Herausforderungen und
Fragestellungen, an die vorher noch niemand gedacht hatte.
Nicht enden wollende Finanzierungsgespräche – Bundes- und
Landesförderrichtlinien lassen auf sich warten –, die Klärung
der Umsatzsteuerproblematik mit dem Finanzministerium, die
Notwendigkeit der Umplanung wegen der nicht mehr zulässigen Berücksichtigung der grauen Flecken, Entscheidungen
über Mitverlegungen mit teilweise extrem teuren Nebenangeboten, dringende Bedarfsäußerungen von Unternehmen und
Haushalten. Das Projekt war, ist und wird spannend bleiben.
Notwendig sind ein langer Atem, eine hohe Frustrationstoleranz und der unbedingte Wille zur Realisierung einer nachhaltigen Lösung für die Unternehmen und die Bevölkerung.
Kontakt
Landkreis Uelzen
Wirtschaftsförderung Uelzen aktiv
Marlis Kämpfer
Veerßer Str. 53
29525 Uelzen
Telefon: 0581 / 8004991
E-Mail: m.kaempfer@landkreis-uelzen.de
www.landkreis-uelzen.de

21

Deutscher Landkreistag
Ulrich-von-Hassell-Haus
Lennéstraße 11
10785 Berlin
Tel. 0 30/59 00 97-3 09
Fax 0 30/59 00 97-4 00
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info@landkreistag.de
        
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