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Full text: Monitor Issue 50.2011

monitor

rundbrief des apabiz e. v. | jubiläumsausgabe nr. 50, mai 2011

Das Vergangene ist nicht tot...
Ein Rückblick auf 20 Jahre apabiz

Seit 20 Jahren dokumentiert das apabiz das Treiben der alten und neuen Nazis. Eine Arbeit,
die sich allemal gelohnt hat, wie wir in dieser Sondernummer des monitor zeigen wollen.
Über zwei Jahrzehnte hinweg haben wir die Arbeit antifaschistischer Interventionen mit
grundsätzlicher Sympathie und unabhängiger Kritik begleitet. Als Projekt wollten wir von
Anfang an den engen Grenzen linker Anti-Nazi-Politik entkommen. Doch das gelingt leider
nicht immer.

Inhalt
1	 20 Jahre apabiz
Das Vergangene ist nicht tot
4	 10 Jahre monitor
Unsere achtseitige Visitenkarte
6	 Projekte und Kampagnen
VS, TiD, WWCD, KBAN, häh?
7	 Bildungsarbeit
Antifaschistische Arbeit bildet
9	 Bestand
Von Artam bis Zündstoff
11	Anfragen an das apabiz
»Habt ihr was über Nazis?«
12	Grüße und Stimmen
14	Finanzen
Antifaschistisches Engagement:
gratis, aber nicht umsonst

(c) www.dietlb.de

16	Neu im Archiv
antifaschistisches pressearchiv
und bildungszentrum berlin e.v.
(apabiz)

D

as apabiz ist ein Archiv über Nazis, ihre
Ideologien und Aktionen. Über dieses
oftmals unübersichtliche Geflecht von Kleinstparteien, über ihre Aktionsgruppen und Kameradschaften, über Schlägertrupps und Terrorbanden, deren Namen oft ebenso unaussprechlich
sind wie deren Ideologie unerträglich. Ein Archiv
über Gewalttaten, Totschlag und Mord, über die
Täter_innen – die bekannten wie die unbekannten – , die ihre Spuren hinterlassen haben in den
Chronologien der Gewalt und des Hasses, in den
Gerichtsakten, in den Berichten der Opfer. Wir
verwalten meterweise Material über die medialen
Interventionen der Ewiggestrigen, der offenen
Geschichtsrevisionist_innen und ihre abstrusen
und doch wirkmächtigen Versuche, Geschichte zu
schreiben. Und als ob das nicht schon genügte,
wird das Ganze im apabiz auch noch ergänzt
durch die versammelte menschenverachtende
Propaganda jeglicher Art: Nazi-Musik mit den
Vernichtungsphantasien der selbst ernannten
Herrenmenschen, Pamphlete gegen politische

Gegner_innen jeder Couleur, von der groben Propaganda des Wahlkampfes bis zu den fein ziselierten Betrachtungen der Neurechten über die
»unwerten« Unterschichten. Übler Stoff also.
Und der reicht sogar zurück bis in die 1950erJahre (West!), seitdem wir die Altbestände des
Otto-Stammer-Zentrums übernommen haben.
...es ist nicht einmal vergangen
Und doch ist das apabiz kein Ort des Horrors,
unsere Arbeit keine tägliche direkte Konfrontation mit den gruseligen Ausdünstungen der Nazis.
Die Taten und das Denken der Nazis zu dokumentieren ist nur ein Teil der Auseinandersetzung, es
ist die manchmal mühsame Pflicht der Chronist_
innen. Wir wollen hieraus ja vor allem Wissen
darüber schaffen, wie das Zurückdrängen der
neonazistischen Idee gelingen kann. Wie genau
sind »ihre« Erfolge beschaffen und woher beziehen »sie« ihre Stärke? Woran scheitern »sie« und
wie lässt sich das Scheitern wiederholen? Was
brauchen »wir« – an Wissen, an Fähigkeiten und

lausitzerstr. 10 | 10999 berlin
geöffnet do von 15 bis 19 uhr
und nach absprache
fon | fax: 0 30 . 6 11 62 49
mail@apabiz.de
www.apabiz.de
konto-nummer: 332 08 00
blz: 100 205 00
bank für sozialwirtschaft
monitor ist nicht im abo erhältlich, aber fördermitglieder bekommen ihn zugeschickt. mehr
infos dazu gibt es auf der rückseite.

n

monitor - rundbrief des apabiz e.v. |
v.i.s.d.p.: apabiz e.v. | dank an unsere
fördermitglieder, die mit ihrem beitrag
die finanzierung unter­stützen | erscheinungsweise: alle zwei monate | fotos:
alle rechte liegen bei den fotografInnen

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antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

an Ressourcen – um »ihnen« noch
mehr Niederlagen beizubringen, »sie«
dort zu schwächen, wo »sie« sich
stark fühlen?
Dies ist ein Anspruch, den wir an
die Arbeit des apabiz stellen: nicht
nur Gedächtnis und Vergangenheit
einer politischen Auseinandersetzung
zu sein, sondern auch Teil der aktuellen und zukünftigen Politik gegen
Nazis. Daher sind wir eben nicht
»einfach nur« ein Archiv, sondern
auch ein Bildungszentrum geworden.
Ein offenes Angebot an alle

Immer unauffällig
vor Ort: Unsere
Doku-Teams. | (c)
doku-team apabiz

»Unser Angebot richtet sich an
alle, die mit rechtsextremer Gewalt,
neofaschistischer Organisierung, rassistischen Übergriffen oder der Verbreitung von völkischen und menschenverachtenden Ideologien konfrontiert sind.« So schreiben wir es in
unserer Selbstdarstellung und genau
so meinen wir das auch. Wer ein Problem mit Nazis oder Rechten hat und
sich ehrlich dagegen wenden will,
darf unser Angebot in Anspruch nehmen. Wir haben nie unsere Hilfestellung von der politischen Position der

Anfragenden abhängig gemacht. Deshalb haben wir über die Jahre Kontakte zu Menschen und Initiativen
aufbauen können, die aus dem
gesamten gesellschaftlichen Spektrum kommen, das sich in irgendeiner
Weise gegen Nazis wendet. Außer den
extrem rechten Parteien und der Piratenpartei waren alle schon mal bei
uns. Kirchengemeinden fragen unsere
Inhalte ebenso an wie Gewerkschaftsinitiativen. Es fragen die Lehrer_
innen, die mit ihren Schüler_innen
nicht klar kommen und die Schüler_
innen, die mit den Lehrer_innen
Stress haben. Wir haben uns über
Jahre den Anspruch erarbeitet und
erhalten, ein offenes Angebot zu bieten, aller alten antifaschistischen
Abgrenzungsrituale zum Trotz. Antifaschismus geht nur mit vielen und
Aufklärung über Nazis geht nur mit
denen, die Aufklärung wollen.
Und dieses Angebot bedeutet
auch, offen zu sein für die Erfahrungen anderer. Unsere Vernetzung mit
vielen Akteur_innen in der eigenen
Stadt, in der gesamten Republik und
auch international hat wesentlichen

Anteil daran, dass wir unsere Einschätzungen auf eine breite Informationsbasis stellen können.
Aber auch ein Angebot mit
Grenzen
Unsere Kompetenz soll sich dabei
nicht darin erschöpfen, für fast jedes
abseitige Nazisymbol eine Fundstelle
in der einschlägigen Literatur oder
den Proberaum selbst der miesesten
Nazicombo in der sächsischen Provinz
zu kennen. So ein lexikalisches
Detailwissen hat schon vielen weiter
geholfen. Doch es geht vielen Fragenden daneben auch darum, ein persönliches Problem »loszuwerden«. Sie
wollen selbstverständlich auch hören,
ob sie die einzigen sind, die so etwas
erlebt haben: »Kennt ihr so etwas
auch aus anderen Orten?« Oftmals
schwingt die Befürchtung mit, selbst
auch Schuld zu haben. Die Fragenden
wollen ganz berechtigt ihre individuelle Erfahrung in Beziehung setzen
zu dem, was »man so aus der Zeitung
kennt«, zu sozialen und politischen
Entwicklungen. Vielen können wir
weiterhelfen, doch es gibt Grenzen
unserer Kompetenz. Und Grenzen
dessen, was wir verantworten können. Sich offen gegen Nazis zu stellen bleibt ein Risiko, dessen Folgen
aus der Ferne nicht abzuschätzen
sind. Und eine simple Information
(»Das ist 'ne Naziband!«) führt eventuell zu einer handfesten familiären
Krise, egal wie wahr sie auch ist.
Dann verweisen wir auf die Angebote
anderer Träger, die vor Ort weiter helfen können.
Auch Initiativen treten so manches Mal mit Anforderungen an uns
heran, die wir nicht tragen können
oder wollen. Nun ja. Und die Forschenden, die bei uns Anfragen stellen wie »Mich interessiert alles zu
Rechtsextremismus und Frauen« müssen wir eben behutsam aber deutlich
in Richtung einer beantwortbaren
Frage schubsen.
Die Medien bedienen
Als wir Anfang der 1990er-Jahre
das apabiz aufbauten, geschah dies
im Angesicht des rassistischen Pogroms von Rostock-Lichtenhagen, der
Morde von Solingen, Mölln und
anderswo. Manche von uns hielten

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monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 50, mai 2010

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

am Wochenende Nachtwache in
Flüchtlingsheimen und schnippelten
montags die Dutzenden von Meldungen über »Auseinandersetzungen«
zwischen »Jugendlichen und Ausländern« aus der Tagespresse aus. Das
war eine finstere Zeit und wir hefteten eine Meldung nach der anderen
zu dicken Ordnern zusammen.
Der Einfluss antifaschistischer
Initiativen, also auch von uns, auf
die Berichterstattung der Medien war
nicht einmal marginal. Eine Pressearbeit war durch die »Antifa-Gruppen«
auch meistens nicht gewollt. Und
wenn vor Ort ein Artikel aufgrund
der Informationen der antifaschistischen Gruppen zustande kam, so
wurden doch die unbequemen Einschätzungen nicht übernommen. Zum
Beispiel, dass die so gemütlich daher
kommende »Mitte der Gesellschaft«
ihren eigenen Anteil am Problem hat.
Dass der Rassismus nicht weg ist,
wenn alle Nazi-Organisationen verboten werden, sondern nur die hässlichste Fratze davon.
Seitdem hat sich nicht nur unsere
Medienarbeit verändert, die Medien
selber sind andere geworden. Als der
sogenannte »Aufstand der Anständigen« im Jahr 2000 losging, brachte
dies auch eine Aufmerksamkeit der
Medien mit sich, die wir so noch
nicht erlebt hatten. Plötzlich waren
die »authentischen« Stimmen gefragt,
die O-Töne der Betroffenen und der
Opfer mussten her. Und allüberall
tauchten die »Experten« in den Medien auf, die kompetent Auskunft
geben konnten, warum das denn alles
so passiert, wie es passiert.
Hier war eine Wegmarke für unser
Projekt: Wir begannen, diese Politik
gegen Nazis – oder »Gegen Rechts«,
wie es bald schon hieß – trotz ihrer
teilweisen Oberflächlichkeit aktiv zu
unterstützen. Und wir achteten darauf, dass wir trotz aller finanzieller
Förderungen weiterhin unabhängig
und kritisch unsere Meinung sagen
konnten. Offen seine Meinung zu
sagen hat inzwischen manchem durch
Bundesmittel geförderten Projekt das
Genick gebrochen. Wir standen von
Anfang an vielen der sogenannten
Strukturprojekte in den ostdeutschen
Bundesländern (Opferberatung und
Mobile Beratung) als Partner zur Sei-

te, lernten von ihnen und stellten
unser Know-How zur Verfügung. Die
Medien begannen, unser Hintergrundwissen öfter abzufragen. Zu
manchen Redaktionen ist die Verbindung gut und bei vielen Fachmenschen gehört die Recherche oder auch
nur der Anruf bei uns zum festen
Bestandteil ihrer Arbeit.
Dem Hass ins Gesicht sehen
Die Berichterstattung in den
Medien ist Konjunktursache. Was vor
Jahren noch zum handfesten Skandal
reichte, lockt heute nicht einmal
einen Journalisten an. Das ist bitter
für die Betroffenen, aber nur schwer
zu ändern. Geändert hat sich aber die
Möglichkeit, via Internet und neuer
Medien direkt und selber zu berichten. Die Internet-Bloggerei ist inzwischen weit verbreitet und auch wir
beteiligen uns seit Herbst 2010 aktiv
daran. Und wenn die etablierten
Medien die Stories nicht bringen wollen? Was soll's! Dann machen wir die
Artikel eben selber.
Während zu den Aktionen der
Nazi-Szene, zu Saalveranstaltungen
oder Kundgebungen, inzwischen
immer seltener Profijournalist_innen
erscheinen, sind wir mit unseren
Doku-Teams seit Ende 2008 dabei.
Zwei bis vier Mitarbeiter_innen mit
einschlägiger Erfahrung und professioneller Ausstattung dokumentieren
seither die Auftritte in Berlin; sie fertigen Fotos, Videos und Tonaufnahmen an und verfassen hinterher
Berichte über den Ablauf. Die Reden
werden verschriftlicht und diese
Dokumente stellen wir den Initiativen zur Verfügung, die sie brauchen,
um ihre Arbeit in den Bezirken damit
zu unterstützen. Die inhaltlich und
rhetorisch unsäglichen Reden auf
Nazi-Kundgebungen und Aufmärschen bergen so manches Highlight
der ungebremsten NS-Propaganda
und sind als Zitateschatz für uns
unersetzlich geworden. In einem Fall
konnten unsere Dokumente sogar
Straftaten eines Nazi-Redners zweifelsfrei belegen und wurden vor
Gericht als Beweismittel verwendet.
Über die Schatten berichten

len Beratung gegen Rechtsextremismus in Berlin (MBR) eine weitere
Publikation heraus, die sich schon
nach kurzer Zeit als eigenständige
Stimme etabliert hat: der jährliche
Schattenbericht »Berliner Zustände«.
Hier zitieren wir mal aus einer aktuellen Broschüre des Berliner Integrationsbeauftragten, weil wir es nicht
besser sagen könnten: »Der Schattenbericht belegt: Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus,
Menschenverachtung zeigt sich an
vielen Orten, zu jeder Tageszeit, in
der Freizeit, bei der Arbeit, in der
Schule usw. Diese Erkenntnis ist nicht
neu. Vielleicht gerät sie aber gerade
deswegen leicht in Vergessenheit.
Oder wird übersehen. Oder wird verdrängt. Der Schattenbericht zeigt
aber auch: Die Berlinerinnen und
Berliner schauen hin und werden
aktiv für Demokratie, Vielfalt und
Respekt.«
Kurz vor Redaktionsschluss
erreicht uns die Mitteilung, dass der
Schattenbericht »Berliner Zustände«
mit dem Alternativen Medienpreis
2011 im Bereich Print ausgezeichnet
wurde. Vielen Dank und Prost!
Weiter geht’s!
»Wie ertragt ihr das eigentlich,
euch jeden Tag mit diesem Dreck zu
beschäftigen?« Diese Frage haben wir
in den Jahren oft gehört. Die Antwort: Es wird dann erträglich, wenn
daraus neue Initiativen erwachsen.
Die Erfolge gegen Nazis sind meistens
nicht so spektakulär und nachhaltig,
wie wir alle sie uns wünschen. Aber
mit vielen kleinen, ungezählt gebliebenen Hinweisen und Informationen
machen wir und andere täglich den
Nazis das Leben schwer.
Wir sollten uns als Antifaschist_
innen nie über die definieren, deren
menschenfeindliche Ideologie wir
bekämpfen. Damit könnten wir unser
Projekt nicht am Laufen halten, das
geht nur durch die Zusammenarbeit
mit den Leuten, die was anderes wollen. Denn so grässlich der Stoff ist,
mit dem wir arbeiten, so prima sind
die Leute, mit denen wir daran
zusammen arbeiten und deren Ideen.
Und das macht es mehr als wett!

Seit 2006 geben wir zusammen
mit den Freund_innen von der Mobi-

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Unsere achtseitige Visitenkarte
Seit 2001 Sprachrohr des apabiz: Der monitor
Am Anfang war die Erkenntnis: »Wir brauchen was, mit dem wir unsere Fördermitglieder und Besucher_innen unserer Veranstaltungen informieren können, ein Rundbrief oder eine kleine Zeitung vielleicht...« Kurz
darauf bekam der monitor Gestalt, ein Rundbrief und zugleich eine Zeitung, in der wir exklusiv über unsere
Projekte oder Neueingänge im Archiv informieren und unsere Analysen, Recherchen und Standpunkte publizieren.

A

2001

m Anfang war auch klar: Der
monitor wird kein Periodikum sein, das es im Verkauf oder im
Abo gibt. Wer nicht Fördermitglied
ist, nicht mit uns vernetzt ist und
nicht auf unsere Veranstaltungen
geht, der/die bekommt eben keinen
monitor per Post ins Haus geliefert
oder in die Hand gedrückt. Herzstück
des monitors ist der Aufmacher: Dort
betrachten wir aktuelle (und manchmal bewusst auch »unpopuläre«)
Themen inhaltlich und analytisch. In
all den Jahren publizistischer Arbeit
sammelte sich reichlich Erfahrung
darüber, wie Medien funktionieren,

wie man Informationen platzieren
und Themen setzen kann. Doch oftmals kommt es anders als man
denkt.
Dauerthemen und
Initialzündungen
Wichtig war und ist uns der Blick
auf neue Erscheinungsformen und
Aktionsfelder der extremen Rechten
– ob nun die Betrachtung des sich
verändernden Lifestyles, die Analyse
des rechten »Antikapitalismus«
(monitor 28, 2006) oder die militanten Kampagnen gegen linke Projekte
(monitor 45, 2010). Mit Artikeln wie

Ein ständiges Beschäftigungsfeld
sind die Entwicklungen extrem rechter Parteien, seien es Krisen und Aufschwung der NPD oder die wiederkehrenden Versuche, eine neue Partei
rechts von der Union zu gründen oder
zu etablieren – zuletzt im März 2011
(monitor 49) in einer ausführlichen
Betrachtung »rechtspopulistischer«
Parteien und Wahlinitiativen. Den
medialen Konjunkturen der Berichterstattung haben wir uns stets verweigert: Wenn man beschlossen hatte
die NPD tot zu schweigen, haben wir
sie trotzdem ins Blickfeld gerückt,
wenn versucht wurde, die NPD wieder
einmal für tot zu erklären, haben wir
dem widersprochen.
Auch der Bereich »RechtsRock«
ist ein Dauerbrenner. In knapp 20
monitor-Artikeln beschäftigten wir
uns mit dem Allgemeinzustand der
RechtsRock-Szenen, mit dem Business und den dahinter stehenden
Netzwerken. Wir unternahmen Ausflüge in die Gerichtssäle, wenn Prozesse gegen Bands und Produzenten
stattfanden, wir blickten mehrfach in
die Gothic-Szene, auf extrem rechte
Tendenzen im Black Metal oder
beschrieben das »Wirken neonazistischer Frauenbands« (monitor 6,
2002).
Flops und Tops

»Von Bagdad nach Dresden – Warum
und wie die extreme Rechte die Friedensbewegung für sich und ihre Zwecke entdeckt« (monitor 9, 2003) oder
»Der virtuelle Dorfbrunnen - Die
Internet-Community wer-kennt-wen
bietet Einblicke in moderne rechte
Lebenswelten« (monitor 41, 2009)
gelang es, Standards zu setzen. Sie
werden noch Jahre nach ihrem
Erscheinen von verschiedenen Medien immer wieder angeführt und
zitiert.
2002

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Der Aufmacher »Etablierte Parallelwelten« im monitor 24 vom März
2006 sollte ein mediales Ausrufezeichen in dem Themenfeld setzen: Über
250 neonazistische Konzerte hatten
im Jahr 2005 stattgefunden, die wir
zusammen mit Freund_innen von
Argumente & Kultur gegen Rechts und
der Zeitschrift Der Rechte Rand in
Wochen langer Wühlarbeit zusammengetragen hatten. Im Gegensatz
zu den Behörden, die stets zu niedrige Zahlen angeben, wollten wir die
gesamte Dimension der RechtsRockErlebniswelt aufzeigen. Die Reaktio-

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nen auf den Artikel und auf eine
Presseerklärung des apabiz waren
dürftig. Kein größeres Medium übernahm die Zahl, niemand fragte unsere Belege ab. Stattdessen schrieben
fast alle kritiklos die kurz darauf veröffentlichte Zahl des Verfassungsschutzes (193 Konzerte im Jahr 2005)
ab. Es mag fünf Jahre später trotzig
klingen: Im Jahr 2005 haben über
250 neonazistische Konzerte stattgefunden. Und wer etwas anderes
schreibt, hat unsauber gearbeitet.
Manche Artikel hingegen schaffen es wider Erwarten (fast) ungekürzt und wortwörtlich in die bürgerlichen Mainstream-Medien und sorgen dort für Wirbel. So druckte die
Sächsische Zeitung Anfang 2011
unseren Artikel »Von der Teutophobie zur Deutschenfeindlichkeit«
(monitor 48, Dezember 2010) in ihrer
lockeren Themenreihe über Migration
und Islam ab. Die Debatte um Gewalt
auf den Schulhöfen in »unseren«
Kiezen kippte im Fahrwasser der Sarrazin-Hysterie ins Absurde: Weiße
Deutsche als Opfer von Rassismus?
Bei unserer Arbeit am Primärmaterial
stießen wir auf die Versuche der ex–
tremen Rechten, schon vor Jahrzehnten einen angeblichen systematischen »Rassismus gegen Deutsche«
festzuschreiben, z.B. in Form von
»Chronologien« von »Gewalt gegen
Deutsche« (ab 1991) oder als kreative
Wortneuschöpfungsbeiträge »Deutschenhaß«, »Deutschenhetze«, »Germanophobie«, »Teutophobie«. Nun
stellte die Sächsische Zeitung unsere
Thesen, die sich gegen eine Verwässerung des Rassismusbegriffes und
die Selbststilisierung privilegierter
weißer Mehrheitsdeutscher als Opfer
richten, den Texten von z.B. Thilo
Sarrazin und Kirsten Heisig an gleicher Stelle gegenüber. Antirassistische Blogs und Homepages übernahmen unseren Artikel, rassistische
Blogger schäumten vor Wut und die
Dresdener linke Szene fragte sich
verwundert, was mit der Sächsischen
Zeitung los sei.
In eigener Sache
Auch die Fragen des Verhältnisses
von Staat und »Bewegung« und wie
denn ein »Aufstand der Anständi-

gen« überhaupt aussehen kann bzw.
wie eben nicht, erhielten im monitor
immer wieder Raum. In knapp zehn
Artikeln, darunter sechs Aufmachern,
analysierten wir das »paradoxe Konstrukt einer von staatlichen Geldern
reglementierten und abhängigen
Zivilgesellschaft« (monitor 10, 2003)
und vertreten seit jeher den Standpunkt, dass antifaschistische Arbeit
möglichst unabhängig von Staates
Gnaden und Geldtöpfen sein muss. In
den Behörden und einzelnen antifaschistischen Initiativen war man oft
wenig erfreut, beispielsweise über die
Kritik, dass manche Projekte ihrer
Entpolitisierung durch Bundesprogramme nicht offensiv entgegen treten (»Von Technokraten und Extremisten«, monitor 47, 2010) oder
durch die Feststellung, dass viele
antifaschistische Initiativen in Brandenburg zu staatstragend, »zu zahnlos und darum ohne ausreichende
Wirkung sind« (monitor 33, 2008).
Die Verstaatlichung der Zivilgesellschaft und die Konsequenzen, die
daraus für antifaschistische Arbeit
(nicht nur im apabiz) entstehen,
werden weiterhin Thema des monitors bleiben.

die straffrei gebliebene Nazi-Kriegsverbrecher ausfindig macht und ans
Licht der Öffentlichkeit bringt (monitor 26, 2006).
Der monitor 50 erscheint nur ausnahmsweise mit 16 Seiten. Ab der
Nummer 51 werden wir wieder auf
den bewährten Umfang von acht Seiten zurückgreifen (müssen), da ein
zweimonatiger monitor mit 16 Seiten
nicht zu finanzieren und arbeitstechnisch nicht zu leisten ist. Sein neues
Layout wird der monitor beibehalten.

Die etwa 9000
Liter Kaffee, die
seit 1991 im apabiz getrunken wurden, ergeben
genau eine Füllung
für den Wasserwerfer WaWe9000
| (c) apabiz

Bedanken möchten wir uns an
dieser Stelle ausdrücklich bei unseren Gastautor_innen, die durch ihre
Artikel zur Qualität des monitors beigetragen haben.
Und das gleiche gilt für die Layouter_innen, die uns über die Jahre
unterstützt haben sowie die Drucker_innen, Buchbinder und Belichter: An dieser Stelle vielen Dank an
euch alle für eure Arbeit und auch
für eure Geduld mit unserer manchmal chaotischen Arbeitsweise.

Oft und gerne stellen wir Projekte
und Initiativen aus der antifaschistischen Bewegung vor oder geben diesen Raum zur Selbstdarstellung – ob
jetzt die Kampagne »Hier Geblieben«
des Aktionsbündnis gegen Abschiebungen (monitor 24, 2006) oder die
Aktion »Die Mörder sind unter uns«,

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 50, mai 2010

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VS, TiD, WWCD, KBAN, häh?
Die Projekte und Kampagnen im und um das apabiz
Ein Archiv kann mehr sein als eine Riesensammlung von staubigen Ordnern. Es kann auch politisch mitmischen. An dieser Stelle wollen wir einige Projekte vorstellen, die von uns initiiert wurden und durchgeführt
werden.
bedienen und damit eigene Publikationen erstellen.
Ein weiteres Projekt des apabiz
ist die Kampagne »Kein Bock auf
Nazis« (KBAN), die 2006 auf unsere
Initiative gemeinsam mit dem »Antifaschistischen Infoblatt« und der
Punk-Band »ZSK« gestartet wurde.
Bestandteil der Kampagne war eine
DVD in Auflage von 150.000 Exemplaren mit Interviewbeiträgen von
Künstler_innen wie Die Ärzte, Die
Toten Hosen und Fettes Brot sowie
eine Schüler_innenzeitung, von der
bundesweit insgesamt eine Million
Exemplare gedruckt und verteilt wurden. KBAN ist eine niedrigschwellige
Kampagne, die auch Jugendliche, die
sich bisher nicht aktiv gegen Nazis
engagieren, ansprechen und motivieren soll.
Neu: »Berlin rechtsaußen«

Würde man die
100.000 Versteckspiel-Broschüren
übereinander
legen, wäre dieser
Stapel knapp 350
Meter hoch – der
Berliner Fernsehturm misst 368
Meter. | (c) apabiz

6

Weit bekannt ist die Broschüre
»Versteckspiel – Lifestyle, Symbole
und Codes von neonazistischen und
extrem rechten Gruppen« (VS), die
den Alternativen Medienpreis 2009
erhielt. Zwar ist es eine Publikation,
die von der »Agentur für soziale Perspektiven« herausgegeben wird, doch
ohne das apabiz würde es die Broschüre in dieser Form nicht geben.
Sowohl die Konzeption als auch die
Aktualisierungen für Neuauflagen
nehmen viel Raum und Zeit im apabiz ein.
Die »Versteckspiel«-Broschüre
erschien Anfang 2011 in der 12. Aufl age u nd e r re i c ht e d a m i t e i ne
Gesamtauflage von 105.500 Exemplaren. Mit dem Erfolg der »VS« ist auch
ein Ärgernis verbunden: Immer wieder kommt es vor, dass finanziell gut
ausgestattete Organisationen sich
ungefragt der »Versteckspiel«-Inhalte

Seit September 2010 sind wir mit
einem neuen Projekt am Start: dem
Weblog »Berlin rechtsaußen«. Hier
veröffentlichen Journalist_innen und
wir aktuelle Recherchen und Hintergründe über die extreme Rechte in
Berlin. Ein durchaus erfolgreicher
Ansatz, wie uns die ersten Monate
gezeigt haben. Und wir konnten hier
eine Lücke in der Berichterstattung
schließen, die viele traditionelle
Medien in der Hauptdstadt offen
gelassen haben.
Geringe Kontinuität in
anderen Projekten
»Turn it down« (TiD) ist derzeit
ein leider vernachlässigtes Projekt
des apabiz. Das Projekt entstand 2003
mit dem Ziel, eine Webplattform zu
schaffen, die Informationen über
extrem rechte Tendenzen und Entwicklungen in verschiedenen Jugendszenen anbietet und die Vernetzung
derjenigen fördert, die sich in den
(Sub-)Kulturen gegen rechts engagieren. Unsere Idee war es, dass sich
Musikfans, Konzertveranstaltende,

Bands, etc. aktiv an der Gestaltung
beteiligen und die Kampagne auch
im nicht-virtuellen Raum Fuß fasst.
Das hat leider nicht funktioniert. Es
ist uns nicht gelungen, für das schon
laufende Projekt eine Finanzierung
zu bekommen und so döst die Seite
nun seit einigen Jahren vor sich hin.
Die dort veröffentlichten Grundlagentexte werden jedoch weiterhin oft
zitiert. Wir hoffen, dass es gelingt,
eine Finanzierungsmöglichkeit zu
finden um TiD zu reaktivieren.
Das Schicksal eines Projekts mit
großem Potential, dass aufgrund
mangelnder personeller und finanzieller Ressourcen brach liegt, teilt sich
TiD mit »What we can do« (WWCD),
einem weiteren Online-Portal des
apabiz. Die Seite entstand 2001 im
Rahmen eines Jugendbildungsprojekts und bietet Ratschläge und
Handlungsoptionen für Jugendliche,
die sich gegen rechts engagieren
(wollen). Unter den Stichpunkten
»Informieren«, »Handeln« und
»Schützen« finden diese Tipps zur
Medienarbeit, zur Organisation von
Veranstaltungen, zur Recherche und
zur Finanzierung von Aktivitäten.
Die Probleme von TiD und WWCD
bestehen darin, dass (zu) vieles vom
ehrenamtlichen Engagement Einzelner abhängt und diese auf Dauer die
dafür notwendige Zeit einfach nicht
aufbringen können. Ohne langfristige Finanzierung ist einfach keine
Kontinuität und Weiterentwicklung
zu gewährleisten.
Zum Schluß unsere kleine Webseitensammlung:
www.apabiz.de
www.facebook.com/apabizberlin
und auf www.twitter.com
www.dasversteckspiel.de
www.keinbockaufnazis.de
www.blog.schattenbericht.de
www.turnitdown.de
www.whatwecando.de

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antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

Antifaschistische Arbeit bildet
Erfahrungen, Möglichkeiten und Grenzen unserer Bildungsarbeit
Im Laufe der letzten 20 Jahre ist der Bildungsbereich ein Arbeitsschwerpunkt des apabiz geworden. 1103
Veranstaltungen in den vergangenen 10 Jahren zeigen dies deutlich. Elementar dafür ist unsere Archiv- und
Teamarbeit. Ohne den Zugriff auf den Bestand und den Austausch im Team sowie in unserem Netzwerk wäre
unsere Bildungsarbeit in diesem Maße nicht möglich.
Schon in den 1980er Jahren hielten Leute, die später das apabiz mit
aufbauten und prägten, Vorträge und
informierten über Nazistrukturen. Es
waren zu dieser Zeit meist innerszenische Veranstaltungen, auf denen
Rechercheergebnisse präsentiert wurden. Nicht selten drohte die Informationsflut über das Who-is-Who der
Neonaziszene die Zuhörenden zu er–
drücken. Da die eigenen Ansprüche
weit darüber hinausgingen und andere Personenkreise erreicht werden
sollten, mussten konzeptionelle Veränderungen her. So rückten mehr
und mehr Analysen und Einschätzungen in den Vordergrund. Einhergehend mit inhaltlichen Neuausrichtungen verliefen die Schritte der
technischen Weiterentwicklung.
Waren handschriftliche Notizzettel
als Gedächtnisstützen anfangs die
einzigen »Referatsunterlagen«, so
ging man ab ca. 1993 zu Dia-Vorträgen über. Wenige Jahre später wurden daraus Folienvorträge, und heute
nutzen wir (bei Bedarf) die ganze
Bandbreite des digitalen Angebots.
Allerdings: Wer von uns zweistündige
Multimedia-Shows erwartet, liegt
falsch. Die Visualisierung eines Themas mittels Powerpoint-Präsentation
oder Audio- und Video-Clips ist vielfach hilfreich, doch stehen bei unseren Bildungsveranstaltungen immer
noch die Analysen im Vordergrund,
die eigenständiges Nachdenken fördern und zum Mitdiskutieren anregen sollen.
apabiz goes public
Mit der Gründung des apabiz e.V.
war eine Struktur geschaffen worden,
mit der wir die eigene antifaschistische Bildung professioneller anbieten
und durchführen konnten. Mit dem
wachsendem Bekanntheitsgrad mehrten sich die Anfragen und der Bildungsbereich gewann kontinuierlich
an Quantität und Qualität.

Ein nachhaltiger Einschnitt war
der »Antifa-Sommer« 2000, als die
damalige rot-grüne Bundesregierung
den Antifaschismus zur Staatsaufgabe erklärte. Das Thema Neonazis war
plötzlich in aller Munde und die jahrelange Arbeit des apabiz und zahlreicher anderer, unabhängiger Projekte erhielt quasi über Nacht die
längst überfällige gesellschaftliche
und politische Wertschätzung. Von
den staatlichen Förderprogrammen
im »Kampf gegen Rechts« ab 2001
profitierte auch das apabiz, zwar
nicht über eine institutionelle Förderung aber zumindest »über Bande«.
Mit den bereitgestellten Geldern professionalisierten sich bestehende Initiativen, neue Initiativen wurden
gegründet und alle standen sie vor
der Aufgabe, Bildung gegen Rechts
zu organisieren. Manchen Projekten
mangelte es an Erfahrung und in einzelnen Themenbereichen an Fachkompetenz. So wurden zunehmend
Referent_innen des apabiz als Spezialist_innen und Multiplikator_innen
geladen oder vermittelt.
Ab diesem Zeitpunkt war klar,
dass die Bildungsveranstaltungen
nicht mehr wie bisher nebenbei erledigt werden konnten. Ausarbeitung,
Durchführung und Koordinierung
nahmen soviel Raum ein, dass sich
Leute spezialisieren mussten.
Bis heute erheben wir nicht den
Anspruch, zu jedem Themenbereich
apabiz-Fachleute präsentieren zu
können. Und wir merken als Referent_innen, dass wir als »Fachidiot_
innen« z.B. in der schulischen Bildung an die Grenzen unserer pädagogischen Vermittlungsfähigkeit stoßen. Für diese Fälle, d.h. für Anfragen, die wir nicht abdecken können,
vermitteln wir gerne kompetentere
Kolleg_innen aus unserem Netzwerk.

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 50, mai 2010

Der eine Schritt voraus...
In den letzten zehn Jahren
bewegten sich die Veranstaltungszahlen auf konstant hohem Niveau
zwischen 90 und 135 pro Jahr. Das
Spektrum derer, für die wir Veranstaltungen machen, ist vielfältig:
Zivilgesellschaftliche Initiativen,
Antifa-Gruppen, Parteien, Gewerkschaften, Schulen und viele andere.
Durch den direkten Zugriff auf Primärquellen in unserem Archiv und
die Zusammenarbeit mit vielen
Expert_innen war es uns vielfach
möglich, einen Wissensvorsprung zu
erarbeiten, initialzündend Themen
aufzubereiten und eine gewisse Kompetenzhoheit zu erlangen. Beispiel
Thema »RechtsRock«: Die Bedeutung
extrem rechter Rockmusik zur Politisierung, Sozialisierung und Anbindung von Jugendlichen an rechte
Szenen und Organisationen, wurde
bereits Mitte der 1990er Jahre er-

Eineinhalb Mal um
die ganze Welt:
fast 60.000 Kilometer legten Referent_innen des
apabiz allein im
Jahr 2010 für Veranstaltungen
zurück.

| (c) Minnesota Historical Society (cc by-sa
2.0)

7

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.
...ist manchen ein Schritt zu
weit.
Seit jeher ist das apabiz eingebunden in ein Netzwerk von Aktivist_innen und Expert_innen, die
sämtlich aus linken unabhängigen
Strukturen kommen. Dieses Netzwerk
ist auch im Bildungsbereich von elementarer Wichtigkeit. Durch den
ständigen Austausch von Materialien,
Analysen und Erfahrungen ist es uns
möglich, stets up to date zu sein und
einen lokalen Bezug herzustellen.
Das zeichnet die Qualität und Stärke
unserer Bildungsarbeit aus. Von den
Basisinitiativen vor Ort wird uns das
meist hoch angerechnet, von anderen
weniger. Infolge des »Antifa-Sommers« 2000 waren selbst die kommunalen Autoritäten bereit, vor der
eigenen Haustür zu kehren. Heute
reagieren sie (wieder) zunehmend
allergisch darauf, wenn ihnen bei
einer Veranstaltung im Bürgerhaus
vor 200 Leuten bebildert vorgeführt
wird, wie sich Neonazis in ihrer Kommune in eigenen Strukturen oder
auch in Feuerwehren und Sportvereinen unwidersprochen etablieren können.

gen politischen Konjunktur unter der
schwarz-gelben Bundesregierung zu
tun: Unabhängige Projekte, die seit
Jahren wichtige und qualitative
Arbeit machen (z.B. a.i.d.a. aus München), werden kriminalisiert und
gemobt, weil sie sich dezidiert links
und antifaschistisch positionieren.
Auch wenn uns dies nicht so direkt
betrifft, muss der Rückgang an Anfragen auch in diesen Zusammenhang
gesehen werden.
Wir haben uns von Konjunkturen
nie verrückt machen lassen – weder
im positiven, noch im negativen. Wir
glauben, dass sich Glaubwürdigkeit
und Qualität durchsetzen werden.
Und wir hoffen, dass keine neue Welle von Neonazigewalt der Auslöser
dafür sein wird, damit wieder mehr
Menschen bereit sind, dahin zu gehen
und dahin zu sehen, wo es weh tut.

Ausgebremst?

oben: 2003
unten: 2011
| (c) apabiz

8

kannt und ausgearbeitet. Während
andere Bildungsakteur_innen und
staatliche Organe erst anfingen, sich
mit dem Thema zu beschäftigen,
führten wir mit Freund_innen aus
unserem Netzwerk längst Veranstaltungen dazu durch. Ähnlich war es
einige Jahre später mit Themen zum
Lifestyle-Wandel der Neonazis oder
im vorletzten Jahr zu »Extreme Rechte in Social Networks«. Auch hier
kamen die ersten Impulse und Bildungsangebote vom apabiz und Projekten, mit denen wir vernetzt sind.

Ob wir wollen oder nicht: Wir
bewegen uns heute auf einem profitorientiertem Bildungsmarkt mit deutlich spürbaren Konkurrenzverhältnissen. Mit den Förderungen über die
Bundesprogramme hat das Angebot
an Bildungsarbeit zum Thema stark
zugenommen. Einige Angebote, die
vor allem von den Behörden wie dem
Verfassungsschutz geschaltet werden,
sind aufgrund miserabler Qualität
inhaltlich keine Konkurrenz. Aber
weil sie oberflächlich bleiben, keine
ungemütlichen Fragen aufwerfen und
zudem kostenlos sind, werden sie oft
gefragt. Fatalerweise geschieht dies
zunehmend auch widerspruchslos im
schulischen Kontext.
Auch wenn sich die Anzahl der
apabiz-Veranstaltungen nach wie vor
auf hohem Niveau bewegt, so ist ein
Rückgang durchaus merkbar. Es findet eine Verschiebung hin zu inner–
szenischen Veranstaltungen statt,
denn es fragen deutlich weniger etablierte, offizielle Akteur_innen an.
Dies hat sicher auch mit der derzeiti-

Das InfoPaket vom
apabiz e.v.
Nicht nur für Vereine und Institutionen,
sondern für alle, die in den Genuss des
gesamten Service des apabiz e.v. kommen möchten, gibt es jetzt unser InfoPaket in den Größen S, M und L:
• je 3/10 / 20 Exemplare des
monitor pro Ausgabe
• den ReferentInnen-Katalog
inklusive Updates
• zwei Exemplare aller neuen
Publikationen des apabiz e.v.
(Broschüren, Handreichungen etc.)
• Sonderkonditionen bei
Nachbestellungen und Recherche-Anfragen
gibt es für 70 Euro / 100 Euro / 130
Euro im Jahr!

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 50, mai 2010

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

Aneinandergereiht
knapp 600 Meter
lang ist unser
Gesamtbestand.
Die Neonazis
kamen auf ihrem
Aufmarsch 2010 in
Berlin genauso
weit, bevor sie
wegen Blockaden
umkehren mussten.
| (c) apabiz

Von Artam bis Zündstoff
Die vielfältigen Bestände des apabiz
Seit seiner Gründung sammelt das apabiz kontinuierlich jede Veröffentlichung von und über die extreme
Rechte. Dabei beschränken wir uns weder auf Deutschland als Herkunftsland noch auf extrem rechte Parteien
und Neonazis. Wir versuchen das gesamte politische rechte Spektrum in all seine Facetten zu sammeln und in
dem Bestand des apabiz abzubilden. Inzwischen ist das apabiz wohl zur umfangreichsten frei zugänglichen
Sammlung zur Thematik rechte Strukturen und Ideologien in Deutschland nach dem Ende des Nationalsozialismus geworden. Das konnte nur durch die Kooperation mit anderen und die kontinuierliche Arbeit des
apabiz ermöglicht werden.

An Universitäten und Hochschulen werden den Studierenden und
Wissenschaftler_innen nur wenige
bis gar keine Publikationen der ex–
tremen Rechten zur Verfügung gestellt. Sogenannte »Graue Literatur«
wie neonazistische Fanzines oder
Kleinstschriften fehlen ganz. Doch
nicht nur für die Wissenschaft sondern auch für die journalistische und
politische Auseinandersetzung mit
der extremen Rechten ist eine quellennahe Arbeit, die sämtliche Arten
von Primärquellen berücksichtigt,
eine wichtige Grundlage. Deswegen
archiviert das apabiz nicht nur
Bücher und Broschüren der extremen
Rechten: Gesammelt wird alles, vom
Aufkleber einer neonazistischen

Kameradschaft bis zu den Zeitschriften einer rechten Kleinstpartei in
Osteuropa, vom Flugblatt der »Lebensrechtler« bis zum »Thor Steinar«Feuerzeug. Und außerdem sind die
gesamten Bestände, Archiv und Bibliothek, allen Interessierten öffentlich zugänglich.
Bibliothekarische Sammlung
Unsere Bibliothek besteht derzeit
aus etwa 15.000 Medieneinheiten, zu
denen Bücher, Broschüren sowie CDs
und Videos gehören. Der inhaltliche
Schwerpunkt liegt hierbei auf Veröffentlichungen von und zur extremen
Rechten nach 1945 und ihren Ideologien wie Rassismus und Antisemitismus. Natürlich sind darüber hinaus

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 50, mai 2010

auch zahlreiche wissenschaftliche
und populärwissenschaftliche Veröffentlichungen zum Nationalsozialismus in der Bibliothek zu finden. Die
Bibliothek ist unterteilt in die Bereiche Primär- und Sekundärliteratur,
die Primärliteratur nochmals in die
historische Phasen vor und nach
1945. Die Bibliotheksbestände aus
dem NS bzw. der Weimarer Republik
bestehen überwiegend aus der Abgabe von Dubletten anderer Bibliotheken oder Schenkungen von Einzelpersonen. So befinden sich beispielsweise einige Bücher aus der »Kanzlei
des Führers der NSDAP« in unserer
Bibliothek.
Das Hauptinteresse unserer Arbeit
innerhalb der Primärliteratur liegt

9

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

2001

aber auf den Veröffentlichungen
rechter Verlage und Personen nach
dem Ende des Nationalsozialismus.
Auch hierbei ist das apabiz aufgrund
des hohen Kostenaufwandes immer
wieder auf Schenkungen angewiesen,
um diese teilweise schwer zu beschaffende Literatur zugänglich zu machen. Bücher und Broschüren, die
keine Veröffentlichungen der extremen Rechten in Deutschland darstellen, befinden sich im Bereich der
Sekundärliteratur der Bibliothek.
Neben Ankäufen, Schenkungen und
Belegexemplaren von Nutzer_innen
befinden sich hier vor allem die
Rezensionsexemplare, die wir für
Besprechungen in unserem Rundbrief
monitor erhalten.
Die bibliothekarischen Bestände
des apabiz sind seit dem Mai 2011 in
unserem Online-Bibliothekskatalog
unter http://bibliothek.apabiz.de
frei recherchierbar. Ergänzend dazu
haben wir derzeit über 700 von insgesamt etwa 3.000 Zeitschriften
unseres Bestandes an die Zeitschriftendatenbank (ZDB), dem zentralen
Nachweis der meisten deutschen Bibliotheken, gemeldet.

Um eine Nutzung der Bibliothek
für alle gewährleisten zu können, ist
diese eine Präsenzbibliothek. Einzige
Ausnahme bilden unsere Fördermitglieder und Kooperationspartner_
innen, die Bücher und Broschüren
kurzzeitig ausleihen dürfen.
Vollständigkeit anvisiert
In der täglichen Arbeit des apabiz nehmen die umfangreichen
Archivbestände zu extrem rechter
Organisierung und Strukturen nach
1945 eine zentrale Rolle ein. Wir
beschränken uns dabei weder auf
Deutschland noch auf einen bestimmten inhaltlichen Teilaspekt des
gesamten politischen rechten Spektrum. Lag beim eigenen Sammeln zu
Beginn des apabiz der Schwerpunkt
auf neonazistischen Strukturen und
extrem rechten Parteien, so versuchen wir heute das gesamte Spektrum abzudecken. Die Bestände
umfassen derzeit etwa 60.000 Dokumente, wobei darunter auch etwa
2.700 Zeitschriften und Zeitungen
mit über 30.000 Ausgaben fallen,
sowie eine Reihe von Flugblättern
und Plakaten. Der Schwerpunkt liegt
hierbei vor allen auf Veröffentlichungen der letzten drei Jahrzehnte,
durch die Übernahme von Beständen
des Otto-Stammer-Zentrums konnten
andere Zeiträume erschlossen werde.
In den letzten Jahren werden im
apabiz nicht nur Materialien aus
Papier gesammelt, sondern auch vermehrt elektronische Veröffentlichungen wie Musik von Rechtsrockbands
oder die Internetseiten aus dem Inund Ausland. Die Sicherung dieser
digitalen Quellen erfordert einen
höheren technischen und zeitlichen
Aufwand als man annehmen mag.
Sondersammlungen und
Schenkungen

2011

10

Ein neues Themenfeld ist in den
letzten Jahren auch hinzugekommen: Der Aufbau einer Kinder- und
Jugendbibliothek. Für die verschiedenen Altersgruppen sammeln wir
Literatur und Sachbücher zu den
Themen historischer Nationalsozialismus, aktueller Neonazismus, Rassismus und Antisemitismus. Perspektivisch wollen wir Leihkisten für
Kitas, Schulen oder andere Kinder-

und Jugendeinrichtungen bereithalten, mit denen beispielsweise Projekttage an Schulen altersgerecht
und spannend gestaltet werden können.
Als Schenkung oder Dauerleihgabe bekommen wir Materialien von
Einzelpersonen und Projekten. So
befindet sich seit 1999 das Redaktions- und Fotoarchiv der 1989 eingestellten »Deutschen Volkszeitung«
(DVZ) in unseren Räumen. Neben
einigen Sammlungen zu Teilaspekten, wie etwa zu rechten »Lebensschützern«, konnten 2008 Teilbestände des Otto-Stammer-Zentrums
der Freien Universität Berlin als
größte Sondersammlung in das apabiz übernommen werden. Die Sammlung des Rechtsextremismusforschers
Richard Stöss stellt wohl den umfassendsten Materialbestand von rechten Strukturen und Parteien nach
1945 in Deutschland dar. Durch die
Übernahme dieser einzigartigen Primärquellen sind sie nun wieder Forscher_innen und Interessent_innen
zugänglich und ergänzen unseren
bisherigen Bestand. Glücklicherweise
war der Großteil der über 150 laufenden Regalmeter erschlossen und
konnte problemlos als Sonderbestand
in das Archiv integriert werden.
Vernetzung
Ohne Vernetzung ist eine Bearbeitung dieses breiten Themenspektrums über einen längeren Zeitraum
nur schwer machbar. Mit einer Reihe
von Einzelpersonen und Projekten
wie Archiven und Bibliotheken arbeiten wir seit Jahren intensiv zusammen. Im organisatorischen Rahmen
beteiligen wir uns an der Vernetzung
der Freien Archive, sowie seit 2010
auch an der Arbeitsgemeinschaft der
Gedenkenstättenbibliotheken (AGGB).
Stellvertretend sei an dieser Stelle
dem Leo-Trepper-Archiv und der
Zeitgeschichtlichen Dokumentationsstelle Marburg (ZDM) gedankt.

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 50, mai 2010

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»Habt ihr was über Nazis?«
Tag für Tag klingelt das Telefon, landen Emails in unserem Postfach und manchmal kommen auch Briefe.
Rund 40 Anfragen erreichen uns im Monat zu Themen zu denen wir arbeiten, Material im Archiv bereit halten, bei denen wir aber manchmal auch überfragt sind.
In den Anfangszeiten des apabiz
waren es vornehmlich Initiativen und
Gruppen gegen Rechts, die Material
über örtliche Neonazis und Strukturen oder zu spezifischen Themen,
beispielsweise für Kampagnen oder
eigene Veröffentlichungen, gesucht
haben. Auch wenn diese Anfragen
noch immer einen großen und wichtigen Anteil an unserer Arbeit haben,
so hat sich doch die Spannweite der
Anfragen mit den Jahren enorm vergrößert.
Forschung
Da ist die Soziologie-Professorin
aus New York, die zu Jugendkulturen
forscht und ins apabiz kommt, um
etwas über den Lifestyle extrem rechter Jugendlicher zu erfahren. Oder
der Redakteur, der in einem Nachlass
recherchieren will, über die Homepage vom apabiz erfährt und zunächst
nicht weiß, was ihn erwartet: »Sie
sind aber kein richtiges Archiv, wie
das Bundesarchiv, oder wie muss ich
mir das vorstellen?« Manchmal sind
wir selbst überrascht, wenn z.B. ein
Kollege aus München zu rechten
Comics recherchiert und dabei die
mit dem Staub von vielen Jahren
bedeckte Schachtel aus dem Regal
zieht, deren Inhalt seit dem Umzug
nicht mehr zum Vorschein gekommen
und daher vollkommen in Vergessenheit geraten war.
Medien
Kontakte von Medien, ob Print-,
Online- oder TV-Medien stellen einen
steten Anteil der eingehenden Anfragen dar. So zum Beispiel der israelische TV-Sender, der sich nach »national befreiten Zonen« erkundigt und
dann gleich vorbei kommt, um in den
Räumlichkeiten des Archivs zu drehen. Aber es gibt auch den Fall, dass
wir nicht nur zu Themen befragt werden, sondern sich die Recherchen in
Teilen aus dem Fundus des Archivs
speisen, wie es beispielsweise bei der
TV-Dokumentation »Anschlag auf die

Republik? Das Oktoberfestattentat
1980« der Fall war.
Studierende
Die Anfragen von Studierenden
zählen zu den »Klassikern«. Oft handelt es sich dabei um die Suche nach
Material für Haus- und Studienarbeiten zu »Standard-Themen« über die
extreme Rechte. Dies kann dann
meist mit dem Verweis auf die fünf
wichtigsten Bücher und Primärquellen beantwortet werden. Es sind aber
auch Spezial-Themen dabei und Leute schlagen mit einem fertigen Konzept und Inhaltsverzeichnis auf. Es
entspinnen sich Fachgespräche, in
deren Verlauf Fragen aufgeworfen
werden, die uns selbst Kopfzerbrechen bereiten. Da die Antworten darauf über Dutzende von Ordnern Material verteilt sein können, entwickelt
sich aus mancher Arbeit gleich ein
mehrmonatiges Projekt. Doch oft ist
es nicht mit dem bloßen Verweis auf
Archiv-Schachteln, Ordner und Literatur getan. Wenn eine Anfrage mit
den Worten »Ich soll in der Schule
ein Referat über Rechtsextremismus
halten, habt ihr dazu etwas?« reinkommt, reicht es also nicht aus, nur
Material zur Verfügung zu stellen. Da
wird es notwendig überhaupt erstmal
mit dem/der Anfragenden einen speziellen Blickwinkel herauszuarbeiten
und bei der Erstellung eines Konzeptes Hilfestellung zu geben.
Kuriosa
Immer wieder landet auch so
manche Kuriosität im Posteingang.
Eins von vielen Highlights war ein
13jähriger, der sich mit den Worten
»liebe angehörige ich bin 13 und für
natzis oder hdj. wie fiel kostet es in
einem monat bei ihnen mitglied zu
sein« an uns wandte und wohl die
falsche »E-Post-Adresse« erwischt
hatte.

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 50, mai 2010

Grenzen
Neben den ganzen Aufgaben, die
uns fordern, gibt es aber auch immer
wieder solche, die uns überfordern.
Wenn sich aus einer einfachen Frage
nach einem Symbol am Haus eines
Verwandten eine familiäre Tragödie
entwickelt, zeigt uns dies unsere
Grenzen. Es gibt eben so manche
Sachverhalte, die wir nicht aus unserem Berliner Hinterhof-Büro lösen
können, deren soziale und psychologische Dimension nicht mit unserer
Faktenfülle beizukommen ist . Doch
hier zeigt sich, wie wichtig die Zusammenarbeit mit anderen Partner_
innen-Initiativen ist. Mit Opferberatungsstellen für Opfer rechter Gewalt
und Mobilen Beratungsteams besteht
ein beständiger Austausch, der über
die Jahre gewachsen ist. Diese besitzen das Wissen und die Verankerung,
um vor Ort helfen und intervenieren
zu können.
All dies versetzt uns in die Lage
die vielfältigen Anfragen beantworten zu können – und sei es mit dem
Verweis auf Initiativen, andere Archive oder »professionelle« Partner_
innen.

Anfragen werden
persönlich, per
Telefon, Mail oder
Fax an uns gerichtet. | (c) apabiz

11

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

Glückwünsche, Grüße und Stimmen
Zu unserem Geburtstag erreichten uns eine ganze Reihe von Gratulationen. Wir bedanken uns und geben an
dieser Stelle einige der Grußworte wieder. Man bekommt aber nicht nur Zuspruch. Darum sind auch ein paar
weniger schmeichelhafte Grüße und Stimmen aus der extremen Rechten an und über das apabiz beigemengt.
Papiertiger Archiv & Bibliothek •
»Wer vor über zwanzig Jahren die paar
mickrigen Ordner zu Antifaschismus in
unseren Räumen gesehen hat, hätte
nicht geglaubt, dass aus Euch einmal
das überaus professionelle Archiv werden würde, das Ihr heute seid. Herzlichen Glückwunsch zum Zwanzigsten –
in der Hoffnung, dass Ihr Euch bald
nur noch mit der Historie beschäftigen
müßt.«
LOTTA – antifaschistische Zeitung
aus NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen Y »Liebes apabiz!
Du bist so fern – und doch so nah!
Und immer noch denken einige deiner
MitarbeiterInnen, dass es von Berlin
ins Rheinland weiter ist als vom Rheinland nach Berlin. Nicht nur deswegen
werden wir einander noch oft in Berlin
treffen, vor den Regalen und an den
Kopierern. Wir bedanken uns herzlich
für die solidarische Zusammenarbeit
und wünschen dir viele weitere erfolgreiche Jahrzehnte. Für immer deine
LOTTA – antifaschistische Zeitung aus
NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen«
Heribert Schiedel, Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, DÖW, Wien • »Wer sich heute noch antifaschistisch nennt, reiht
sich in eine politische Tradition ein.
Derart seine Überzeugungen nicht hinter einem »Expertentum« zu verstecken, ist eine der vielen Stärken des
apabiz und mitverantwortlich für dessen Erfolg. Zumal in der Bildungsarbeit, wo derartige Glaubwürdigkeit
eine notwendige Voraussetzung ist.«
Udo Wolf, Fraktionsvorsitzender DIE
LINKE im Berliner Abgeordnetenhaus • »Herzlichen Glückwunsch zu –,
vor allem aber herzlichen Dank für 20
Jahre apabiz. Seriöse Antifa-Arbeit ist
ohne eure großartige Recherche-,
Beratungs- und Archivarbeit kaum
noch vorstellbar. Ob bei der Prozessbegleitung des Diesner-Prozesses, der
parlamentarischen Arbeit, beim Aufdecken und der Veröffentlichung von
Nazistrukturen in der Stadt, im Land
im Netz, auf euch konnte man immer
zählen. Ohne eure Hinweise wäre z.B.
die Öffentlichkeit wahrscheinlich dem
Treiben der heimattreuen deutschen
Jugend nicht auf die Spur gekommen...«

12

Junge Freiheit • »[...] Dieses [das apabiz, die Red.] bekennt sich offen zur
Zusammenarbeit mit »Antifaschisten«,
die in linksextremen Medien wie Der
Rechte Rand oder Jungle World publizieren [...] Die Arbeit des APABIZ
schließt auch die Erstellung von anprangernden »Profilen« über Organisationen
ein, die nach Meinung der Antifa-Archivare zur »Braunzone« gehören. Dazu
zählen etwa Lebensschutzvereine und
Studentenverbindungen genauso wie
das Institut für Staatspolitik, die Paneuropa-Union, die Internationale
Gesellschaft für Menschenrechte oder
die Ökologisch-Demokratische Partei.«
(11.07.2008)
DER RECHTE RAND – Informationen
von und für AntifaschistInnen •
»Was einem aus Nazihand in die Hände fällt, geht im Original oder in Kopie
ans APABIZ. Ihr habt daraus einen
unglaublichen Bestand über die extreme Rechte zusammengetragen, dessen
Schatz aber vor allem darin besteht,
dass Ihr ihn mit Elan & Muße erschlossen habt. Doch seid Ihr nicht bloße
»Archivis« – Euer Fachwissen transformiert Ihr in Vorträge und Bildungsmaterial und, leider viel zu selten, in
Artikel für unser Magazin.«
SatanicVoice88@xxx.de • »[...]Ich hasse euch linkes Pack und strafe euch mit
tiefer Verachtung.«
Stefan, »stadtbekannter Kritiker« •
»Herzlichen Glückwunsch, das APABiZ
ist mit all seinen, über die Jahre entstandenen Projekten, zu einer wichtigen Institution geworden. Um des
Guten Rufes willen wäre es konsequent, den Link zur »Endstation
Rechts« mit einem kritischen Komentar zu versehen, oder den AIB Artikel
zu verlinken.«
Bela B., Musiker • »Nazis sind nach
wie vor ein Problem. Darum unterstütze ich z.B. KEIN BOCK AUF NAZIS. Den
größten Respekt habe ich für den Mut
und die Ausdauer Derjenigen, die sich
tagtäglich dem Kampf gegen Rechts
widmen und mit ihrem Mut und ihrer
Ausdauer dafür sorgen, dass die Spielchen und Verschleierungstaktiken der
Rechten erfolglos bleiben. Dem Apabiz

zum 20. Geburtstag alles Gute und
DANKE!«
Franz Schulz, Bündnis 90/Die Grünen, Bezirksbürgermeister Friedrichshain-Kreuzberg • »Mein Eindruck
ist, dass dieses bedeutende Archiv
»apabiz« noch gar nicht die angemessene Beachtung in der breiten Öffentlichkeit findet, die es eigentlich mit
seinen Publikationen und seinen Themen verdienen würde. [...] Ich kann
nur hoffen, dass Ihr auf jeden Fall
noch mindestens weitere 20 Jahre
über den brandgefährlichen Rechtsextremismus in all seinen Schattierungen und Verwandlungen aufklären,
warnen und informieren könnt.«
D r .S ommerschm XXX@ web . de • »[...]
Also du Opfer jetzt pass mal auf, die
Onkelz sind und waren nicht rechts ja.
So und wenn ich nach einer Woche noch
mal auf deine scheiss Seite komm,
dann ist der Bericht weg, haben wir uns
Verstanden, das war keine BITTE. MfG«
ReachOut • »ReachOut wird zehn,
apabiz wird 20 Jahre! Von Anfang an
nutzen wir die Kenntnisse, Recherchen
und das umfangreiche Archiv unserer
langjährigen Kooperationspartner_
innen. Wann immer wir etwas über
Nazis, Neue Rechte, NSBM oder andere
verwandte Themen wissen wollen, fragen wir beim apabiz. Danke dafür!«
Anonymisierter UPS-Mitarbeiter •
»Wenn ick morjens den Auftrag reinkrieg Lausitzer Straße zehn, dann ist
für mich der janze Tag im Arsch.«
Antifaschistisches Bündnis Süd-Ost
• »Liebes monitor-Team, in den vergangenen 10 Jahren seid Ihr im breiten Spektrum antifaschistischer Arbeit
eine verlässliche Größe geworden, die
sich nicht an Nebenschauplätzen abarbeitet, sondern den Fokus auf die
wesentlichen Themen legt. Danke für
die sauberen Recherchen und die klaren inhaltlichen Statements!«
Richard Stöss, Prof. em., FU Berlin •
»Als Hochschullehrer begrüße ich es
außerordentlich, dass mit dem APABIZ
ein öffentlich zugängliches Spezialarchiv zur Verfügung steht, das auch
Studierende mit einem umfassenden
und professionell aufbereiteten Mate-

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 50, mai 2010

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.
rialangebot versorgt und sie kompetent berät. Dass damit auch eine empfindliche Lücke im universitären
Bibliotheks- und Dokumentationswesen geschlossen wird, unterstreicht
einmal mehr die Notwendigkeit (und
die Leistungsfähigkeit) von zivilgesellschaftlichen Projekten.«
nw-berlin

.../linke-laden-teil-3-kreuz• »Apabiz - Ist der Antifaschistische Presse-Archiv und Bildungszentrum
e.V., er hat eigene Publikationen und
Veranstaltungen und einen großen Pool
an medialen Daten gesammelt. Eine
besondere Spezialität des Vereins ist es
Illegal Informationen zu beschaffen,
um danach gegen Andersdenkende
Gewalt auszuüben.«

berg/

Monika Lazar, MdB Bündnis 90/Die
Grünen • »Für mich ist apabiz in Fragen, die meine Arbeit als Sprecherin
für Strategien gegen Rechtsextremismus der grünen Bundestagsfraktion
betreffen, kompetenter Ansprech- und
Kooperationspartner mit beeindruckendem Fachwissen.«
Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus – MBR Berlin • »20 Jahre
Apabiz, 50 Ausgaben Monitor – 50
mal fundierte Expertise über rechtsextreme und rassistische Organisationen
und Strukturen. Wir haben euch als
Fundgrube der sorgfältig recherchierten Informationen kennen und schätzen gelernt. Als unerlässliche Unterstützung in der MBR-Arbeit ist uns
auch der Monitor mittlerweile genauso
wie die Autor/innen ans Herz gewachsen.«
Marcel E., ein Fördermitglied •
»Unabhängige Archive und Institute
sind ein Garant für eine kritische
Beschäftigung mit Forschungsfragen.
Wenige können diese tatsächliche
Unabhängigkeit aufrechterhalten. Viele verlieren in der Gradwanderung zwischen Fördergeldgeber und wissenschaftlich motivierter Ergebnisorientierung in der eigenen Arbeit die
Balance. Auch wenn niemand gerne
von und über Geld redet, so bleibt dieses doch das notwendige Übel um eine
freie Wissenschaft zu garantieren. Ich
bin Fördermitglied im apabiz e.V., um
zumindest im Bereich der historischen
und sozialwissenschaftlichen Faschismusforschung eine der wenigen
Nischen in diesem Bereich zu erhalten
und zu stützen. Isoliert ist mein Beitrag nichts aber gemeinsam mit anderen hilft er.«

Antirassistisches Bildungsforum
Rheinland und Argumente & Kultur /
Bielefeld • »Braucht Ihr das noch?",
fragt scheinbar uninteressiert der apabiz-Mitarbeiter und zeigt auf Umzugskartons, gefüllt mit Naziliteratur, die
unsortiert in einer Ecke stehen. Einige
Monate später stehen die Bücher dann
dort, wo sie letztendlich auch hingehören: im apabiz. Schließlich gibt es
kaum eine Alternative hierfür, möchte
man, dass dieses Material tatsächlich
gesichtet, erfasst und archiviert wird
und insbesondere, dass es Interessierten – WissenschaftlerInnen, kritischen
JournalistInnen und natürlich AntifaschistInnen – zur Nutzung zur Verfügung gestellt wird.«
Franziska Drohsel, SPD • »Das Apabiz
ist im Kampf gegen Neonazismus nicht
mehr wegzudenken und eine feste
Größe bei der Recherche rechter
Umtriebe geworden. Konsequenter
Antifaschismus blickt nicht nur auf die
offensichtlichen Auswüchse, sondern
richtet den Blick auf die Hintergründe
und den gesellschaftlichen Rahmen.«
»J ägermeister « • »[...] Das antifaPresse archiv apabiz, enstanden aus
dem Kreuzberger Papiertiger, einem linken Schnüffeldienst der Stasi in Westberlin, und ist unter den Partnern der
Kahane-Stiftung zu finden. [...] Da das
apabiz-Pressearchiv jetzt Informationen über einen Plan B der KudammRebellen an die Presse weiter gab, muß
stark angenommen werden, daß die
Spionageorganisation der Kahane-Stiftung über ihre Unterorganisationen
Spitzel und Provokateure in die NPD
und in den so genannten Nationalen
Widerstand eingeschleust hat und ihre
Informationen nicht rechtsstaatlichen
Institutionen zukommen lässt, sondern
nach ihren politischen Erfordernissen,
über bürgerliche Medien, damit linksextreme Politik macht.« (Kommentar auf
de.altermedia.info, 10.5.2010)
Andreas Köhn, Landesfachbereichsleiter Medien, Kunst und Industrie
und dju Geschäftsführer in ver.di
Berlin-Brandenburg • »Das Archiv
des apabiz ist für viele Redakteurinnen und Redakteure in Print- und
audiovisuellen Medien zu diesem Themenfeld als wesentliche und wichtige
sowie seriöse Informationsquelle anerkannt. Das apabiz ist somit eine
unverzichtbare Einrichtung für Gewerkschaften und Medien.«
»O gmios « • »[...] Also ehrlich. Das
sprengt bei mir die Grenzen des Zumutbaren. [Namen der Autorinnen] Habt
ihr beide eigenlich in eurem Leben

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 50, mai 2010

schon mal ueber EUCH SELBST nachgesacht ?« (Kommentar zu einem monitor-Artikel, pi-news.net, 30. Jan.
2011)
Sanem Kleff, Eberhard Seidel, Schule ohne Rassismus – Schule mit
Courage • »Fragt die Schülerin: Welche faschistischen Organisationen gibt
es? Fragt der Lehrer: Welches Outfit
tragen Neonazis? Das apabiz hat die
Antwort. Die fachliche Kompetenz des
apabiz ist unverzichtbarer Bestandteil
der Bildungs- und Aufklärungsarbeit
für eine demokratische Schule.«
Björn Böhning, SPD Berlin • »[...]
Alle meine Glückwünsche gehen an die
vielen alten und heutigen Engagierten
und Mitstreiterinnen. Denn es ist weit
über Berlin hinaus anerkannt: Ihr habt
Euch um den Antifaschismus verdient
gemacht!«
Antifaschistisches Infoblatt (AIB) •
»Auch wir nutzen den Augenblick, um
euch für eure unschätzbare, oft unbequeme Arbeit, euren langen Atem –
meist wider die Konjunktur – und die
fruchtbare, solidarische, auch freundschaftliche Zusammenarbeit zu danken. Wir stoßen auf die nächsten XX
Jahre mit euch an – Salut! Ora e sempre, Antifa!«
Die Layouterin Y »Ihr seid eine Bande von Kommanazis mit schlechtem
Geschmack (John Handy ist wie Comic
Sans!) und zu viel Pausenbedürfnis.
Ich mag Euch trotzdem und deswegen:
Allet Jute und auf die nächsten 20!«
Fo rs c h u n g s n e t z we r k F ra u e n &
Rechtsextremismus • »Fast von
Beginn eurer Archiv-Tätigkeiten an
haben einige von uns immer wieder
die Verfügbarkeit von sonst nur schwer
zugänglichem Quellenmaterial genutzt,
um unsere spezifischen Fragestellungen fundiert bearbeiten zu können.
Dafür an dieser Stelle noch mal unser
herzlicher Dank und die besten Wünsche für die nächsten 20 Jahre.«
Prof. Dr. Fabian Virchow, Alexander
Häusler. Forschungsschwerpunkt
Rechtsextremismus/Neonazismus,
FH Düsseldorf • »Das apabiz ist für
Forschungen zur extremen Rechten
unverzichtbar. Die inzwischen erworbene Reputation zeigt sich auch darin,
dass zunehmend Quellen- und Materialsammlungen renommierter Kolleg_
innen an das apabiz abgegeben werden. Wir empfehlen das professionell
arbeitende Archiv stets Forschenden
aus dem Ausland.«

13

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

Was tun, wenn
Stellwände aufgebaut werden müssen und mal wieder
kein Zollstock in
der Werkzeugkiste
ist? Kein Problem:
Einfach bei den
archivierten NPDAccessoires bedienen und loslegen!
| (c) apabiz

Antifaschistisches Engagement ist nie
umsonst,...
...aber leider auch nicht gratis!
20 Jahre apabiz sind eine lange Zeit. Es ist uns seit den Anfängen gelungen, in allen Bereichen unserer
Arbeit enorme Zuwächse zu verzeichnen: an Material, an Nutzer_innen, an Bildungsveranstaltungen, an
Know-How und an bezahlten Stellen. Eine Entwicklung, auf die wir rundherum stolz sein könnten, gäbe es
nicht einen Bereich, der sich im Verhältnis zu den anderen Bereichen nur halb so erfolgreich entwickelt hat:
Unsere Finanzierung.
Aus einigen Regalmetern im
Papiertigerarchiv ist auf über 300 qm
Fläche eines der bundesweit umfangreichsten Archive zum Themenbereich gewachsen. Aus einer Handvoll
Leuten, die sich einmal in der Woche
trafen und Zeitungen per Hand auf
Karteikarten auswerteten, ist ein
Team von 12 Leuten geworden, davon
– über Arbeitsmarktprogramme oder
Projektförderung finanziert – mehrere Festangestellte. Besucher_innen
sind beeindruckt von der Größe der
Räume, den zahlreichen Computerarbeitsplätzen und den vielen Mitarbeiter_innen, die täglich hier herumwuseln.

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Der Schein trügt
Der Eindruck drängt sich auf,
dass wir auch finanziell entsprechend
ausgestattet sind und das Archiv
wohl kaum zu den Initiativen zählt,
die Geldprobleme haben. Bei jährlichen Einnahmen von 240.000 Euro
(in 2010) ist es nur schwer vermittelbar, dass wir unter Finanzierungsschwierigkeiten leiden. So beeindruckend diese Zahl auch ist, aufgeschlüsselt bleibt davon kaum etwas
übrig: der größte Teil sind Personalgelder, die so rausgehen, wie sie reinkommen, und wir eher noch etwas
draufzahlen, da bei einigen Förderprogrammen nur Pauschalzuschüsse
gezahlt werden, die nicht alle Kosten

decken. Hinzu kommen Sachmittel
(bspw. für Druckkosten und Bürobedarf), die über einzelne Projektförderungen abgerechnet werden. Ein weiterer Teil sind Honorargelder und
Fahrtkosten für Veranstaltungen, die
wir an die Referent_innen weitergeben. Die Finanzierung der Mietkosten
und der laufenden Kosten des Archivs
sollten über die Einnahmen der Fördermitglieder und Spenden abgedeckt
werden, was uns derzeit nicht gelingt.
Es bleibt monatlich eine Deckungs–
lücke von mehreren Hundert Euro,
um die Fixkosten zu zahlen, und hinter der Tatsache, dass wir bisher un–
sere Miete zahlen können, steckt
kein ausgeklügeltes Finanzkonzept.

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 50, mai 2010

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

Wir kriegen es einfach immer irgendwie hin. Für eine Einrichtung wie das
apabiz ist »es-irgendwie-hinkriegen«
allerdings kein befriedigendes Finanzierungskonzept.
Unabhängigkeit ist teuer
Wir haben uns bewusst dafür entschieden, unser Projekt nie von
öffentlichen Fördergeldern abhängig
zu machen. Für uns ist das ein Frage
des eigenen Selbstverständnisses.
Unsere Arbeit muss unabhängig sein:
von Parteipolitik, von bundespolitischen Vorgaben und auch von dem
Wohl und Weh eines Stiftungs- oder
Programmbeirats.
Das hat lange Zeit auch funktioniert, vor allem deshalb, weil das
Archiv keine großen Kosten tragen
musste. Die Miete in den kleinen und
ofenbeheizten Räumen in der Falckensteinstraße war billig, Büromaterial wurde von zu Hause mitgebracht und für die Kohlen wurde einmal jährlich ein Antrag gestellt. Dann
gab es die ersten ABM-Stellen, der
»Antifa-Sommer« 2000 brachte Bewegung in die Projekte-Landschaft und
wir standen vor der Frage, ob wir den
Schritt wagen sollten, unser Projekt
auf professionellere Füße zu stellen.
Der Umzug in die große Etage in der
Lausitzer Straße, mit all den Kosten
und den damit verbundenen Möglichkeiten, war ein Risiko. Wir haben
diesen Schritt nie bereut. Dass es
schwierig werden würde, die Fixkosten einzig durch den Kreis von Fördermitgliedern abzudecken, war uns
bewusst und so entstand der Rundbrief monitor, als Werbeidee für neue
Unterstützer_innen. Nach einem halben Jahr Probelauf sollte der Förderkreis sich so vergrößert haben, dass
die Druckkosten des monitors gedeckt
sind und jedes weitere Fördermitglied
unsere monatlichen Kosten reduziert,
andernfalls wollten wir den Rundbrief
wieder einstellen. Unsere Rechnung
ging nicht auf. Der monitor ist seit
50 Ausgaben ein zusätzlicher Kostenfaktor, für die Darstellung unserer
Arbeit jedoch unverzichtbar.
Mehr als Familie
So klar wie unser Selbstverständnis auch ist, es bringt uns in ein
Dilemma: Wir bieten unser Know-How

und unsere Kompetenz in der Regel
kostenlos an. Das war schon immer
so und soll auch so bleiben. Einrichtungen wie das apabiz können aber
nur dann kostenlos funktionieren,
wenn andere dafür bezahlen. Ein
Archiv unserer Größe braucht eine
institutionelle Förderung, das heißt,
dass keine einmaligen Projekte gefördert werden, sondern die Einrichtung
als solche. Eine solche Förderung zu
bekommen ist generell schwierig und
für eine Basisinitiative mit klarem
antifaschistischem Selbstverständnis
nahezu unmöglich. Archive haben
immer einen hohen Finanzbedarf: sie
benötigen viel Platz, haben also hohe
Mietkosten und mit der Größe der
Bestände wachsen auch die Anforderungen an die Technik wie Server
oder Speichermedien. Alleine die
Übernahme des Archivs des OttoStammer-Zentrums bedeutet für uns
Mietkosten für 150 zusätzliche laufende Regalmeter sowie Kosten für
neue Regale und Hunderte Stunden
Arbeit, um das Material einzupflegen.
Woher soll das Geld dafür – und für
andere Neuanschaffungen – kommen?
Wir haben von Anfang an auf
einen festen Kreis von Fördermitgliedern gesetzt und tun das immer
noch. Dass der Kreis der Unterstützer_innen sich nicht so gut entwickelt hat, wie die anderen Bereiche
unserer Arbeit, ist zum Teil sicher
selbst verschuldet. Wir tun uns
schwer damit immer wieder auf etwas
hinzuweisen, was eigentlich selbstverständlich ist: dass antifaschistisches Engagement Unterstützung
braucht. Der Kreis unserer Fördermitglieder ist in den vergangenen Jahren nicht nur gewachsen, er hat sich
auch grundsätzlich verändert. Zu
Beginn waren es ausschließlich
Freund_innen oder Familienmitglieder, die uns unterstützten, und die
Gründe waren oft persönlicher Natur.
Inzwischen besteht der Kreis vorwiegend aus Menschen, die uns und
unsere Arbeit durch den Besuch unseres Archivs oder unserer Bildungsveranstaltungen kennen gelernt
haben. Das ist zwar weniger persönlich als früher, entspricht aber dem,
wie wir heute arbeiten.

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 50, mai 2010

Ein weiterer Grund ist sicher auch
die durch Bundesprogramme finanzierte Projekte-Landschaft. Wir stoßen immer wieder auf erstaunte
Gesichter und Unverständnis, wenn
wir von geförderten Initiativen für
unsere Arbeit Geld verlangen. Dass
das apabiz nicht durchfinanziert ist
und der größte Teil unserer Arbeit
ehrenamtlich geleistet wird, ist für
viele Einrichtungen undenkbar. Die
Anspruchshaltung, gerade von finanziell gut ausgestatteten Organisationen oder Firmen, die ihre Anfrage
sofort und kostenlos beantwortet
haben wollen, gründet sicher in der
Annahme, dass Initiativen in diesem
Themenbereich inzwischen alle durch
Bundesprogramme finanziert werden.
Wie weiter?
Es hat sich viel verändert in den
letzten zehn Jahren, unser Anspruch
an eine unabhängige Finanzierung
ist jedoch geblieben. Wenn wir auch
in Zukunft daran festhalten wollen,
müssen wir lernen, dies besser zu
kommunizieren. Unsere Scheu vor
Bitten und Betteln um Geld muss
durch eine selbstbewusste Forderung
nach Unterstützung ersetzt werden.
Wir haben in den letzten zwei Jahrzehnten bewiesen, wie wichtig und
sinnvoll unsere Arbeit ist. Damit wir
diese auch weiterhin leisten können,
brauchen wir die Unterstützung aller,
die unser Projekt und unsere Arbeit
zu schätzen wissen.
Und, schon Fördermitglied?

88 Stufen (!) führen vom Gebäudeeingang in den
vierten Stock vor
die Tür des apabiz.
| (c) apabiz

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Ihr überweist einfach einmalig oder per
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Für die Ausstellung einer Spendenbescheinigung müsst Ihr uns allerdings
noch Eure Daten zukommen lassen.
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Neu im Archiv

An dieser Stelle möchten wir Euch dieses mal
keine neuen Bücher oder Broschüren sondern
andere Neuigkeiten aus dem Archiv vorstellen. Kleine und große Anschaffungen bereichern oder erleichtern unseren Arbeitsalltag. Doch
wie so oft haben auch wir eine kleine Wunschliste, die wir noch realisieren wollen.
• Koha, Version 3.3; Verfügbar unter http://bibliothek.apabiz.de, 2011.
Neuester Zugang im Bereich der Bibliothek
ist die Software Koha. Diese bringt unsere Bibliotheks-Datenbank aus längst vergangenen MS
DOS-Zeiten ins Web 2.0. Ab sofort sind alle
Bestände der Bibliothek online in einem apabizeigenen Web-OPAC recherchierbar. Da die Einrichtung der Software und Konvertierung der Daten
sehr aufwändig war, kann es an der einen oder
anderen Stelle noch etwas klemmen, doch dies
wird sich in der nächsten Zeit auch noch verbessern.
Die Benutzung der neuen Software ermöglicht
uns eine zeitgemäße Eingabe und Verwaltung der
Bestände und die Vernetzung mit anderen Bibliotheken. Nutzer_innen haben die Möglichkeit,
sich selbst in den Beständen umzusehen und virtuelle Regale zu durchstöbern. Fördermitglieder
können auf Anfrage einen eigenen Benutzer_
innen-Account erhalten, mit dem Recherche-Listen angelegt werden können, um Literatur-Recherchen zu speichern und später fortzusetzen.
Nach und nach werden Themen-spezifische Literatur-Listen folgen. Besonders sei an dieser Stelle
Matthias Mann, Bibliothekar an der Gedenk- und
Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz,
gedankt, der uns mit Rat und Tat zur Seite stand
und die Daten von der alten in die neue Datenbank konvertiert hat.

einen Dauerauftrag eingerichtet.

• Blitz 510 CL, Tecnosystem, Bologna Ialien 2009.

einmalig ______Euro überwiesen.

Jahrelang mussten die Mitarbeiter_innen und
Besucher_innen in den alten Räumlichkeiten des
apabiz in der Falckensteinstraße noch mit Kaffee
aus altgedienten Filterkaffeemaschinen vorlieb
nehmen. Erst in der Endphase hatte sich der Kaffeebereiter Marke »Första« durchgesetzt und war
bis in das Jahr 2008 auch in der Lausitzer Straße
in ständiger Benutzung. Schließlich konnten wir
uns nach einem verlockenden Angebot für die
Anschaffung einer gebrauchten halbautomatischen Espressomaschine »Blitz 510 CL« entschließen. Seitdem erfreuen die Pads mit der Arabicaoder Arabica & Rustica-Mischung in verschiedenen Servierformaten nicht nur die kaffeetrinkenden Mitarbeiter_innen, sondern auch unsere
Besucher_innen. Und natürlich stellt die Maschine auch heißes Wasser für die wenigen Teetrinker_innen zur Verfügung.
Auch wenn die Häufigkeit von Kaffeepausen bei
den Mitarbeiter_innen und der Verbrauch von
Kaffee zugenommen haben, sind eindeutig positive Auswirkungen auf die Stimmung und das

Kontonummer: ____________________
Bank und BLZ: ____________________
­­­­­­­­­­­­­­­­­________________________________
Name/Organisation: _­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­______________

________________________________
Adresse: _________­­­­­­­­­­­­­­­­­________________
________________________________
e-mail: __________________________
Unterschrift: _____­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­________________
Spendenbescheinigung erwünscht (Fördermitglieder und Dauer­­spen­der_innen erhalten diese einmal jährlich)

Arbeitstempo aufgrund dieser Neuanschaffung zu
vermelden.
• Stülpschachtel »Loreley« Classic 43011 bzw.

44011, Hans Schroeder GmbH, 2001 ff.
Hatten wir in den alten Räumlichkeiten noch
deutliche Platzprobleme, konnten wir in der Lausitzer Straße endlich alle Materialien aufstellen
und damit vollständig zugänglich machen. Trotzdem entschlossen wir uns nach dem erfolgreichen
Umzug für die Teilumstellung wesentlicher
Bestände von Aktenordnern auf Archivschachteln. Die Schachteln in den Formaten A4 und A3
bieten eine Reihe von Vorteilen wie eine deutliche Platzersparnis in der Aufbewahrung, besseren Schutz des Bestandes sowie Einsparungen bei
der Anschaffung von Ordnern und Klarsichthüllen. Die hohen Anschaffungskosten konnten wir
durch eine externe Finanzierung absichern. Seitdem befindet sich der überwiegende Teil unserer
Zeitschriftenbestände in mehreren Hundert säurefreien und basisch gepufferten Schachteln. Für
die Lösung der sich in der Zukunft abzeichenden
Platzprobleme müssen wir wohl demnächst unseren ganzen Archivbestand auf Archivschachteln
umstellen.
• Was wir gerne noch an dieser Stelle vermeldet
hätten:
Eine Klimaanlage würde sowohl unsere neuesten, digitalen, als auch unsere ältesten und
empfindlichsten Bestände schützen. Im Sommer
haben unsere Besucher_innen und wir durchaus
manchmal das Gefühl, in einer Sauna statt in
einem Büro zu sitzen. Wenn das Thermometer
draußen über die 30°C-Marke klettert, schwitzen
jedoch unsere Server noch mehr als wir. Bevor
diese kollabieren, müssen wir Teile der Bürotechnik an manchen Tagen abschalten. Dies verhilft
uns dann zwar zu mehr Freizeit, doch die Beantwortung von Anfragen wird ohne die Datenbanken und digitalen Bestände unmöglich gemacht.
Daher bräuchten wir dringend eine Klimaanlage
für die Nebenräume unseres Büros – eine Anschaffung, die derzeit in unserem Budget nicht drin
ist. Rückenschonende Schreibtische würden für
einige von uns die Arbeitsfähigkeit wieder erhöhen.

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 50, mai 2010
        
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