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Periodical volume

Full text: Monitor Issue 42.2009

monitor
rundbrief des apabiz e. v. | nr. 42, oktober 2009

Das Kleinvieh macht den Mist
Hintergrund

Ü Die NPD in den Kommunalparlamenten

antifaschistisches pressearchiv und
bildungszentrum berlin e.v. (apabiz)
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Im Gegensatz zu den medialen Großereignissen Bundestagswahl und sechs Landtagswahlen
wurde den acht Kommunalwahlen, die 2009 ebenfalls stattfanden, weitaus weniger Beachtung geschenkt. Gerade dies sollte jedoch geschehen, konnte die neonazistische Partei in
diesem Jahr doch mehr als 100 (!) kommunale Mandate hinzugewinnen.

geöffnet do von 15 bis 19 uhr und
nach absprache

D

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http://www.apabiz.de

er Vorhang ist gefallen. Das »Superwahljahr 2009« ist beendet, und allerorten ist Erleichterung wahrnehmbar. Die
NPD hat den angekündigten »Einmarsch in
den Reichstag« mit 1,5% der Stimmen
erwartungsgemäß deutlich verfehlt. Bei der
sächsischen Landtagswahl gelang ihr mit
5,6% und nur noch acht Abgeordneten
erstmalig der Wiedereinzug in einen Landtag. Den vielfach befürchteten Einzug in
den Landtag von Thüringen verpasste sie
mit 4,5% äußerst knapp. In Brandenburg
erreichte sie lediglich 2,5% und wird wie
die konkurrierende DVU, die auf etwa 1%
abstürzte, auch hier nicht im Landtag vertreten sein.
Unerwarteter Mandatesegen
Auf kommunaler Ebene hingegen hat es
die NPD geschafft, ihre Mandate massiv
auszubauen – so stark, wie es die Partei Verteilung der kommunalen Mandate der NPD nach Bundesselbst nicht für möglich gehalten hatte. ländern. Zahlen variieren je nach Zählweise der verfügbaren
Während sie 2003 nur einige Dutzend kom- Quellen. Stand Ende September 2009. (c) apabiz 2009.
munale Mandate besaß, waren es Anfang
Demokratie stärkt die Kleinen - auch
diesen Jahres bereits 199. Nach den Wahlen vom
die NPD
7. Juni 2009 konnte sie einen erneuten Zuwachs
um über 50% verzeichnen und verfügt nun über
Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgemehr als 300 ParlamentarierInnen. Die NPD richts aus dem Jahre 2008 wurden in fast allen
selbst spricht gar von angeblich »gut 450 kom- Bundesländern die bestehenden 5%- bzw. 3%munalen Mandatsträgern«.
Hürden abgeschafft, wodurch es auch kleinen
Die fraglos besorgniserregenden Skandaler- Parteien mit geringem Zuspruch von 1 bis 2%
gebnisse aus den »braunen Nestern« der sächsi- möglich wird, Abgeordnete in die jeweiligen Parschen Schweiz (zum Beispiel 22% in Reinhards- lamente zu entsenden. Diese Begünstigung nutzt
dorf-Schöna) oder Ostvorpommerns (etwa 28,8% auch und gerade der extremen Rechten, die
in Ueckermünde-Ost) sind dabei nur die auch in zudem von der geringen und stetig sinkenden
den Medien beachteten Höhepunkte. Denn die Wahlbeteiligung profitiert.
geringen Zustimmungswerte von durchschnittIn Sachsen konnte die NPD so die Zahl ihrer
lich 2,3% in Sachsen, 3,2% in Mecklenburg-Vor- Mandate auf 118 steigern und ist in allen Kreispommern und 3,1% in Thüringen haben letztlich tagen vertreten. Landesweit 21 Mandate und
sehr viel größere Konsequenzen als dies ebenfalls den Einzug in alle Kreistage erreichte
zunächst den Anschein erwecken mag.
die NPD in Thüringen. In Mecklenburg-Vorpom-

NPD in den Kommunalparlamenten Seite 1 | Rhein-Main-Broschüre Dunkelfelder Seite 3 | Profil: Die Kommunalpolitische Vereinigung (KPV) Seite 4 | Nazi-Gedenken in Bad Nenndorf Seite 5 | archiv en detail: Kinderund Jugendbibliothek Seite 6 | Rezension: Bücher über AussteigerInnen Seite 7 | Neu im Archiv Seite 8

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über die extreme Rechte. Unsere Informationen stehen allen Personen und
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sind wir an Euren Einschätzungen und
Erfahrungen interessiert. Gerne vereinbaren wir einen Austausch oder nehmen
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Archiv: Für Recherchen halten wir unser
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dieser Art in der BRD ist. Wir verfügen
über rechte Publikationen, Videos, CDs
u.a.m. Diese Primärquellen werden
ergänzt durch eine Datenbank, in der
Presseveröffentlichungen seit Anfang
der 90er Jahre erfasst sind, eine
umfangreiche Präsenzbibliothek, verschiedene Sondersammlungen sowie
antifaschistische Publikationen aus
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Bildung: Unser ReferentInnen-Katalog
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»Freude und Leben« gegen
FeministInnen
Berlin • »Wir brauchen manchmal
gar keine Argumente. [...] weil die
Gesichter derer, die immer nur gegen
das Leben sind, sind entstellt und
[...] hässlich und die Pro-Lifer, die
strahlen Freude aus und Leben, Gott
sei Dank!«, so endete die Rede des
Salzburger Weihbischof ANDREAS LAUN.
Über 1000 sogenannte Lebensschüt-

zer – also Anti-FeministInnen,
AbtreibungsgegnerInnen und radikale ChristInnen – hatten sich am 26.
September versammelt, um in einem
Schweigemarsch 1000 weiße Kreuze
für die angeblichen 1000 Abtreibungen pro Werktag durch Berlin zu tragen. Organisiert wurde der jährlich
stattfindende »Marsch für das
Leben« wieder durch den BUNDESVERBAND LEBENSRECHT und seinen neuen
Vorsitzenden MARTIN LOHMANN.
Aufgrund der diesjährigen starken
feministischen und antifaschistischen Proteste (»1000 Kreuze in die
Spree«) von mehreren Hundert
GegendemonstrantInnen waren die
meisten RednerInnen der Lebensschützer sichtlich aus dem Konzept
gebracht.
Neben LAUN traten als RednerInnen
die Sportlerin MICHAELA FUCHS, CHRISTINA SCHÄFER (reuige und geläuterte
Christin, die sich selbst als »Mörderin« bezeichnete) und FRANK LIBNER
(BVL) auf. Libner hatte kurz vor dem
Marsch der JUNGEN FREIHEIT ein Interview gegeben. Er verlas dieses Jahr
u. a. Grußworte vom Berliner Bischof
und Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, WOLFGANG HUBER, dessen katholischem
Amtskollegen Kardinal GEORG STERZINSKY, NRW-Ministerpräsident

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mern sind es mindestens 43 kommunale Mandate – genauere Zahlen sind selbst mithilfe der
Landeswahlleiter nicht zu ermitteln. Auch wenn
die Zahlen in Relation zu den bundesweit über
200.000 kommunalen Mandaten verschwindend
gering sein mögen, verändert sich dadurch einiges für extrem rechte Parteien. Nahezu überall
wo die NPD kandidierte, gelang ihr der Einzug in
das entsprechende Parlament. Ein extrem rechtes WählerInnenpotential von 1 bis 2% ist nahezu überall zu mobilisieren. Ausschlaggebend ist
demnach allein, ob die Partei es schafft
KandidatInnen aufzustellen.
»Wo wir antreten, ziehen wir ein«
Dem deklarierten Ziel der kommunalen Verankerung ist die NPD mit ihren zahlreichen Mandatsgewinnen einen gewaltigen Schritt näher
gekommen. Diese Entwicklung ist nicht nur auf
Ostdeutschland beschränkt. In Rheinland-Pfalz
kandidieren DIE REPUBLIKANER (REP) seit Jahrzehnten für zahlreiche Gremien, nach eigenen Angaben bei der diesjährigen Kommunalwahl mit über
350 KandidatInnen, und schaffen regelmäßig
den Einzug, wenn auch in diesem Jahr nur mit
17 Mandaten. Erstmals trat auch die NPD bei den
diesjähringen Wahlen zu vier Kreistagen an – in
allen gelang ihr auf Anhieb der Einzug.
In der hessischen Kleinstadt Wölfersheim –
in der Presse bereits vor zwanzig Jahren als »der
braunste Ort der Republik« betitelt – ist die NPD
seit dreißig Jahren fester Bestandteil kommunaler Politik. Zwar sind die Wahlergebnisse der Partei abnehmend, und ihre Spitzenwerte von 22%
liegen einige Jahre zurück. Jedoch erhielt sie bei
der letzten Wahl 2006 noch einen Zuspruch von
über 10%. Im Wetteraukreis, dem die Kleinstadt
angehört, sitzen seit etlichen Jahren drei NPDVertreterInnen im Kreistag. Sollte die NPD es
schaffen, auch in den westdeutschen Bundesländern weitflächig zu kandidieren, werden sich auf
lange Sicht gesehen hier die kommunalen Mandate ebenso vervielfachen.
In den Rathäusern auf Augenhöhe?
Es ist zu befürchten, dass eine schleichende
Etablierung ähnlich jener der REP in den 80er
und 90er Jahren die Folge sein könnte. Anfängliche Ablehnung wird möglicherweise einer
Gewöhnung weichen – umso schneller, wenn es
sich um vor Ort gesellschaftlich akzeptierte und
»honorige« Leute handelt. Wenn etwa der
bekannte und von allen geschätzte Klempner für
die NPD kandidiert, wird nichts anstößiges empfunden, diesen auch zu wählen und ihm im Parlament auf Augenhöhe zu begegnen. Dem ersten
freundlichen Grüßen folgt ein unverbindliches
Flurgespräch, bis schließlich für einen NPDAntrag gestimmt oder bei einem eigenen Antrag

die Zustimmung der NPD billigend in Kauf
genommen wird.
Zwei wichtige Aspekte sind zu berücksichtigen, die diese Situation noch verschärfen:
Erstens sind auch bei Abgeordneten der etablierten Parteien extrem rechte Einstellungsmuster
vorhanden und somit Anknüpfungspunkte gegeben. Zweitens darf nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass die VertreterInnen der
etablierten Parteien kompetenter seien – weder
in Sachfragen noch beim Einsatz »gegen Rechts«.
Seit 2003 besitzt die NPD, wie andere Parteien auch, mit der KOMMUNALPOLITISCHEN VEREINIGUNG (siehe Seite 4) eine Organisation zur Schulung ihrer MandatsträgerInnen. Neben gezielter
Provokation setzt die NPD vor allem auf die Vermittlung von Seriosität und Kompetenz bezüglich lokalpolitischer Themen und macht sich
somit bewusst weniger angreifbar. Auch wenn
der realpolitische Einfluss der NPD in den meisten Parlamenten gering ist: Die These, die
extrem Rechten würden sich allemal durch Untätigkeit und Inkompetenz selbst demontieren,
verliert zunehmend an Stichhaltigkeit und wurde bereits vielerorts hinreichend widerlegt.
Die Erfahrungen – sowohl mit REP-Abgeordneten in Rheinland-Pfalz wie auch jenen der NPD
in Sachsen – haben gezeigt, dass ihr Abstimmungsverhalten in bestimmten Konstellationen
gar das Zünglein an der Waage sein kann. Dem
mit Feudalfürstentum oder Geschäftsordnungstricks zu begegnen, ist oftmals die denkbar
schlechteste Variante. Kann doch die NPD so ihr
Märtyrerimage weiter ausbauen und sich als
Rechtsvertretung des »kleinen Mannes« präsentieren. Ebenso dürfen die VertreterInnen der etablierten Parteien wie auch die (Lokal-)Medien
nicht den Fehler machen, der Strategie auf den
Leim zu gehen und die NPD an ihren realpolitischen Positionen zu messen.
Kommunale Kampfplätze
Den kommunalen MandatsträgerInnen der
NPD erschließen sich zudem Befugnisse, die der
gesellschaftlichen Etablierung der Partei dienlich
sind. So muss ihnen rechtlich die Nutzung
öffentlicher Räume gewährt werden, so wie z.B.
für eine Veranstaltung des RING NATIONALER FRAUEN
(RNF) die Volkshochschule in Berlin-Neukölln im
September 2008. Desweiteren erhalten sie die
Möglichkeit zur Einsicht in offizielle Papiere und
Anträge. Wobei die Gefahr besteht, dass sie deren
Informationen
gegenüber
politischen
KontrahentInnen missbräuchlich nutzen.
Die kommunalpolitische Ebene muss im
Umgang mit der NPD künftig eine sehr viel größere Rolle spielen als bisher. Eine analysierende
Beobachtung und öffentliche Skandalisierung
durch zivilgesellschaftliche Projekte wie etwa
Nazis in den Parlamenten (NiP) existiert nur an
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den wenigsten Orten und wird künftig aufgrund
der inflationären Mandatsgewinne immer schwieriger. In den westlichen Bundesländern müsste
eine entsprechende Projektelandschaft erst komplett neu geschaffen werden. Der Mangel an
Beobachtungsprojekten sowie einer langfristigen
wissenschaftlichen Auswertung macht sich schon
jetzt bemerkbar. Die Auswirkungen der kommunalpolitischen Verankerung auf die überregiona-

le und bundesweite Ebene können nur schwer
beurteilt werden.
Angesichts der drohenden Etablierung der
NPD auf der kommunalen Ebene stehen gerade
die anderen, demokratischen Parteien vor einer
neuen Herausforderung, wollen sie im postulierten »Kampf gegen Rechts« glaubhaft bleiben. Es
ist sehr fraglich, inwieweit in den unteren Gliederungen das Personal diesbezüglich auf Bundesparteilinie agiert. Zu befürchten ist, dass es in
diversen Regionen nicht nur seitens der CDU sondern auch der SPD und FDP in lokalpolitischen
Angelegenheiten punktuell kooperierendes
Abstimmungsverhalten mit der NPD geben wird.
Etwa dann, wenn wie bereits vorgekommen,
ursprünglich von der CDU stammende Anträge
andernorts wortgleich von der NPD gestellt werden.
Die etablierten Parteien werden sich hinsichtlich dessen verstärkt Gedanken über künftige Verhaltensweisen machen und ihrerseits ebenfalls Personal schulen müssen. Der schleichenden
Etablierung und Normalisierung im Umgang mit
der NPD gilt es entschieden entgegenzuwirken.
Oberste Prämisse muss es sein, das neonazistische, menschenverachtende und demokratiefeindliche Weltbild zu fokussieren. Die NPD ist
und bleibt keine Partei wie jede andere auch.
Frank Metzger/Felix Hansen

JÜRGEN RÜTTGERS (CDU), KARL JOSEF LAUMANN (NRW), der JUNGEN UNION (PHILIPP
MISSFELDER) und der SENIOREN-UNION
(OTTO WULFF) und des Europa-Abgeordneten MARTIN KASTLER (CSU).
Mehrere Kreuze landeten in der
Spree.

Brandenburger DVU
kopflos

Lebenswelten zwischen Rhein und Main

Potsdam • Der langjährige Landesvorsitzende der DVU in Brandenburg,
SIGMAR-PETER SCHULDT, ist tot. Laut
einer DVU-Meldung verstarb Schuldt,
Jahrgang 1950, nach »langer schwerer Krankheit« am 23. August.
Schuldt war auch Kreistagsabgeordneter in Potsdam-Mittelmark
und Abgeordneter sowie parlamentarischer Geschäftsführer im
Brandenburger Landtag. Schuldts
Aufgabenbereich in der Landtagsfraktion übernahm bis zu den Landtagswahlen der DVU-Abgeordnete
NORBERT SCHULZE. In die Fraktion ist
der Werderaner HARALD HEINZE nachgerückt.
Der DVU-Landesverband Brandenburg
hat bisher noch keinen Nachfolger
für den Landesvorsitz bekanntgegeben. Im neuen Brandenburger Landtag wird die DVU nach zwei Legislaturperioden nicht mehr vertreten
sein.

H

Vertrieb der Schulhof CD
gestoppt

Ankündigung Broschüre Dunkelfeld erscheint in Kürze

essen habe kein Problem mit Nazis, wird von
der Landespolitik gerne behauptet. Übergriffe
mit einem extrem rechten Hintergrund werden zu
»Einzelfällen« heruntergespielt, die tatsächliche
Situation wird weder wahrgenommen, noch problematisiert – sei es aus Ignoranz, Unwissenheit
oder aus politischen Gründen.
Dass es vor Ort oft ganz anders aussieht und
gerade im ländlichen Raum extrem rechte Lebenswelten längst akzeptierter Teil der Alltagskultur
sind, zeigt eine neue Publikation. Unter dem Titel
Dunkelfeld. Recherchen in extrem rechten Lebenswelten rund um das Rhein-Main-Gebiet veröffentlicht argumente. netzwerk antirassistischer bildung
e.V. Anfang November eine neue Broschüre.
In Kooperation mit dem Bildungswerk Anna
Seghers aus Wiesbaden und dem Antifaschistischen Infobüro Rhein-Main ist eine umfangreiche
Bestandsaufnahme von Aktivitäten der extremen
Rechten rund um Frankfurt am Main und den
angrenzenden Regionen bis nach Mittelhessen
und das angrenzende Rheinland-Pfalz entstanden,
an deren Erstellung auch MitarbeiterInnen des
apabiz mitgewirkt haben.
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In sechs Kapiteln beschäftigen sich die
AutorInnen mit Facetten und Erscheinungsformen
der extremen Rechten. Neben der Klärung von
grundsätzlichen Fragen – wo wirken sich rechte
Lebenswelten im Alltag aus, was wird überhaupt
unter einer Zivilgesellschaft verstanden – werden
verschiedene Milieus und Gruppen unter die Lupe
genommen. Dies reicht vom universitären Bereich
über extrem rechte Parteien bis hin zu militanteren Akteuren, wie beispielsweise den Nachfolgestrukturen des verbotenen BLOOD&HONOUR-Netzwerks in Hessen.
Dabei geht es aber den AutorInnen nicht
darum, die einzelnen Gruppen bis in das letzte
Detail vorzustellen, sondern beispielhaft die verschiedenen Erscheinungsformen der extremen
Rechten darzustellen und zu analysieren. Daneben diskutieren die AutorInnen den möglichen
Umgang mit extrem rechten Lebenswelten,
sowohl auf kommunaler Ebene als auch bei Aufmärschen und diskutieren geeignete Gegenstrategien.
Bezug über mail@argumente-netzwerk.de.
apabiz

Berlin • Die NPD darf aufgrund einer
Urheberrechtsverletzung nicht mehr
ihre neue Schulhof-CD "BRD vs.
Deutschland" vertreiben. Sie musste
einer Unterlassungsaufforderung der
EMI Music Publishing Germany GmbH
folgen.
Die auf der CD vertretene RechtsrockBand HASSGESANG (Eisenhüttenstadt)
benutzte für das Lied "Brot und Spiele" eine Melodie der amerikanischen
Punk-Band Blink 182. Die CD darf in
ihrer bisherigen Zusammenstellung
nicht weiter verbreitet werden. Nach
Aussage der NPD wurden 25000
Exemplare der Schulhof CD "BRD vs.
Deutschland" gepresst.
Auch zur Neuauflage der Schulhof-CD
haben Argumente & Kultur gegen
Rechts e.V. (Bielefeld) und Miteinander e.V. (Sachsen-Anhalt) eine Handreichung als Argumentationshilfe
veröffentlicht. Zu finden unter:
www.apabiz.de

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Über die Kommune in den
Bundestag
Profil

Ü Die KOMMUNALPOLITISCHE VEREINIGUNG (KPV) der NPD

Der Zuwachs kommunalpolitischer Mandate lässt auch die Bedeutung der Mandatsträger
innerhalb der rechtsextremen NPD wachsen. Die bereits im Jahr 2003 gegründete und in der
Öffentlichkeit wenig beachtete KOMMUNALPOLITISCHE VEREINIGUNG (KPV) vereint die Abgeordneten
und bündelt deren Aktivitäten und Erfahrungen.

FRONTBANN 24 gegen Drogen
Berlin • In den Morgenstunden des
5. September hielt die neonazistische Old-School-Kameradschaft
FRONTBANN 24 in Berlin-Lichtenberg
eine Kundgebung ab.
Rund 40 Neonazis trafen sich zu
einer Mahnwache unter dem Motto
»Drogen, nein danke – die Schule ist
die Schranke«, um gegen einen
Hanfladen im Weitlingkiez zu demonstrieren. Anmelder war UWE DREISCH,
der noch eine kurze wirre Rede hielt,
bevor nach 2 ½ Stunden Warten und
Kaffeeholen die meisten der Teilnehmenden zum Anti-Kriegstag nach
Neuruppin aufbrachen.
Neben der KAMERADSCHAFT MÄRKISCH
ODER BARNIM (KMOB), die Transparente
stellte, war auch SEBASTIAN SCHMIDTKE,
Berliner Jungkader und NPD-Mitglied, anwesend. Zur Gegenkundgebung in Hörweite trafen ca. 60 AntifaschistInnen ein.

Broschüren über Neonazis
in Berlin und Brandenburg
Berlin-Brandenburg • Zwei Broschüren mit detaillierten Informationen
über die Neonazi-Szenen in Berlin
und Brandenburg sind unlängst von
Antifagruppen veröffentlicht worden.
Das Heft Fight Back widmet sich auf
76 Seiten ausführlich extrem rechten
Berliner Organisationen wie den einschlägigen Parteien, der Kameradschaft FRONTBANN 24, der RechtsrockSzene und anderen Kameradschaften.
Auch das Brandenburger Umland wird
beleuchtet. Zum Download steht das
Heft unter www.fightback.gulli.to
bereit.
Den Landkreis Oberhavel in Brandenburg beleuchtet hingegen die Broschüre Blickpunkt. Auf angemessenen
32 Seiten werden die Eckdaten der
Szenerie in dieser Region dargelegt.
Seit einiger Zeit ist die Gegend als
Wohn- und Rückzugsraum für Neonazis aus Berlin berüchtigt. Die Broschüre gibt es auf www.inforiot.de
zum Download.

4

D

as erste Mal in der 40-jährigen Geschichte der
NPD verfügt diese seit Juni 2003 über einen
eigenständigen Zusammenschluss ihrer KommunalpolitikerInnen. Treibende Kräfte der Gründung
waren das damalige Bundesvorstandsmitglied
PETER MARX sowie die Kreistagsfraktion im hessischen Wetterau, die mit RALF HASCHKE auch den
ersten Vorsitzenden stellte. Vor allem die hessische NPD konnte zu diesem Zeitpunkt bereits auf
jahrelange Erfahrung in der kommunalen Parlamentsarbeit zurück blicken.
»Sturm auf die Rathäuser«

Die Gründungsmitglieder gaben die Leitlinie
aus, ȟber die Stadtparlamente und Kreistage in
die Landtage und in den Bundestag« zu gelangen.
Auch wenn vor inzwischen sechs Jahren noch die
skeptische Einschätzung vorherrschte, dass der
Einzug in Länderparlamente »zur Zeit kaum möglich sei«. Ihren Anteil an einer zukünftigen erfolgreichen parlamentarischen Repräsentanz der
NPD sah die KPV so: »Vordringliche Aufgabe der
KPV wird es daher sein, insbesondere den NPDLandes- und Kreisverbänden bereits im Vorfeld
von Kommunalwahlen beratend zur Seite zu stehen, unerfahrenen Kameraden die Scheu vor Kandidaturen zu nehmen, einheitliche kommunalpolitische Strategien zu entwickeln und damit die
Anzahl der kommunalen Mandate erheblich zu
erhöhen.«
Bereits ein Jahr später hatte die NPD bei
Kommunalwahlen in vier Bundesländern 70 Mandate hinzu gewonnen. Die KPV organisierte für
die neuen Abgeordneten einen »Erfahrungsaustausch« in »der kommunalen NPD-Hochburg
Sachsen«. Im Vordergrund solcher Seminare stehen nach eigener Darstellung die Wissensvermittlung an die unerfahrenen Delegierten. Dabei werden zum einen die formalen Richtlinien der parlamentarischen Arbeit weitergegeben. Die KPV
nennt hier: Ausschüsse, Beiräte, Anträge, Anfragen, Fraktionssatzung, Schatzmeisterei. Hinzu
kommen parteiinterne, von der KPV erarbeitete
»Arbeitsrichtlinien«, deren Inhalte nicht näher
bezeichnet werden. Insgesamt soll durch solche
Seminare und schriftliche Ausarbeitungen die
Konsolidierung der parlamentarischen Basis
erreicht werden.

»Wählerpotential ausschöpfen«
Zur treibenden Kraft in der KPV entwickelte
sich ab 2006 der Dresdner Stadtratsabgeordnete
des NATIONALEN BÜNDNIS (NB), HARTMUT KRIEN. Er
weitete, noch als stellvertretender Vorsitzender,
die Aktivitäten der KPV aus und verlagerte das
Zentrum in die ostdeutschen Bundesländer. In
Sachsen-Anhalt übernahm er die Vorbereitung
auf die Kommunalwahlen 2007; in Sachsen
umfasste die Schulungstätigkeit seit 2006 auch
diejenigen NPD-Mitglieder, die sich erst auf eine
Kandidatur vorbereiten wollten. Im Mai 2007
übernahm KRIEN den Vorsitz der KPV von STEPHAN
MEISE (Rhein-Sieg-Kreis/Nordrhein-Westfalen).
Der KPV-Vorsitzende ist seit Mai 2008 kraft Amtes
Mitglied im Bundesvorstand der NPD.
Zu diesem Zeitpunkt verfügt die NPD über
118 kommunale Mandate. In seiner Antrittsrede
formuliert KRIEN sein Credo der KPV-Arbeit:
»Nahezu flächendeckend haben wir heute in
Deutschland die Stammwählerschaft für ein Mandat in jedem Landkreis. Dieses Wählerpotential
liegt brach. Es auszuschöpfen, dazu gehören zwei
Dinge. Die Antrittsvoraussetzungen zu erfüllen
und vorzeigbare Kandidaten aufzubauen.«
Seitdem hat die KPV regelmäßig Schulungen
in den Bundesländern durchgeführt, so beispielsweise im Januar 2008 für die »Kameraden« aus
dem kommenden »kommunalen Kampfplatz«
Brandenburg, die in Rauen stattfand.
Bedeutung
Die KPV der NPD ist ein wesentlicher Faktor
der Partei im »Kampf um die Parlamente«. Die
Strategie, bereits in der Vorbereitung der Wahlen
aktiv zu werden, hilft die durchaus berechtigten
Hoffnungen der NPD zu erfüllen, ihre »Stammwählerschaft« zu mobilisieren. Dass deren Anteil
teilweise unterhalb der 3% liegt, schadet nicht,
denn kommunale Mandate sind bereits bei 1 bis
2% erreichbar. Die KPV ist zentraler Koordinator
der kommunalpolitischen Professionalisierung
und dient der Strategie der Parteiführung,
wonach ein »kommunaler Unterbau« Gestalt
annehmen solle, um die Erfolgschancen bei Landtags- und Bundestagswahlen zu verbessern.
Ulli Jentsch
Eine ausführliche Fassung des Profils findet ihr unter www.apabiz.de

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Der »Weiße Block« von
Bad Nenndorf
Bericht

Ü Wie sich Neonazis Gedenken konstruieren

Am 1. August fand im niedersächsischen Bad Nenndorf zum vierten Mal in Folge der neonazistische »Trauermarsch« gegen das »alliierte Folterlager« statt. Gedacht werden sollte der
angeblich zahlreichen »Unschuldigen«, die nach dem 2. Weltkrieg im von britischen Besatzungstruppen als Internierungslager genutzten Wincklerbad »zusammengepfercht, eingesperrt, misshandelt und teils bis zum Tode gefoltert« worden seien. Etwa 830 meist junge,
militante Neonazis folgten dem Aufruf. Über 1000 Menschen protestierten dagegen.

W

ie so oft nehmen es Neonazis auch in diesem Fall mit den historischen Fakten nicht
so genau. Zwar gab es in der Tat ein britisches
Internierungslager im Wincklerbad, in dem es
auch zu Misshandlungen der inhaftierten NaziKriegsverbrecherInnen und auch von KommunistInnen kam. Nur wurde dies keineswegs, wie
von den Verantwortlichen des »Trauermarsches«
behauptet, Jahrzehnte »totgeschwiegen, verfälscht, relativiert, verdreht« und schon gar
nicht endlich von ihnen aufgedeckt.
Im Gegenteil hatte ein britischer Journalist
die Umstände bereits 1947 publik gemacht und
damit die britische Regierung konfrontiert. Es
folgte die Schließung des Lagers, eine umfassende Aufarbeitung und zahlreiche Verurteilungen
der Verantwortlichen. Deutsche Neonazis wurden
erst auf die Geschichte aufmerksam, als wiederum ein britischer Journalist 2005 einen Bericht
veröffentlichte. Bei der jährlichen Trauerinszenierung werden diese Informationen verschwiegen - sie wären auch nicht hilfreich zur Schärfung des deutschen Opfermythos.
Der »Weiße Block«
Die Zahl der Teilnehmenden vervielfachte
sich in den vergangenen Jahren. Waren es 2006
noch 100 und 2007 etwa 200, so kamen 2008
bereits ca. 400 Neonazis. Nicht zuletzt einer großen Werbeoffensive ist es geschuldet, dass in
diesem Jahr etwa 830 Neonazis aus weiten Teilen des Bundesgebiets und der Niederlande nach
Bad Nenndorf reisten. Von diesen durften allerdings nur etwa 700 am »Trauermarsch« teilnehmen und den vor Pathos und Hetze triefenden
Redebeiträgen von u. a. CHRISTIAN MÜLLER (Anmelder), PATRICK FISCHER (Leipzig), CHRISTIAN MALCOCI,
SVEN SKODA, RALPH TEGETHOFF (beide NRW) und DENNIS GIEMSCH (Dortmund) zuhören.
Angeblich zur Unterbindung verbotener Uniformierung hatte die Einsatzleitung schwarze
Oberbekleidungsstücke verboten und vorbeugend
weiße T-Shirts verteilen lassen. Etwa 130 Neonazis (darunter Mitglieder des FRONTBANN 24 aus Berlin) verweigerten diese und durften nicht mitmonitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 42, oktober 2009

marschieren. Die wohl beabsichtigte Schikane
war jedoch kontraproduktiv, denn die einheitlichen weißen T-Shirts suggerierten noch viel-

Mal was Neues: Neonazis trauern in weißen T-Shirts,
gesponsert von der Polizei in Bad Nenndorf.

mehr Uniformität. Die T-Shirts mussten zudem
nicht wieder abgegeben werden und sollen jetzt
»von einem Kameraden aus Tostedt« bedruckt
werden.

Aufschwung bei der PROBewegung?
Nordrhein-Westfalen • Von einem
»sensationellen Wahlerfolg« und
einem »politischen Erdbeben an
Rhein und Ruhr« sprachen die Spitzen von PRO NRW nach den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen am
30. August. Tatsächlich aber hatte es
PRO NRW nicht geschafft, in irgendeinem Landkreis oder einer Stadt längs
der Ruhr zu kandidieren. PRO NRW ist
bislang ein Phänomen des Rheinlands mit zwei Exklaven in Gelsenkirchen und im ostwestfälischen Lemgo
geblieben.
Immerhin zog PRO NRW in alle Parlamente ein, zu denen man kandidierte
und am Ende holte die rechtspopulistische und rassistische Bewegung
21 Mandate in Stadträten, fünf in
Kreistagen und 19 in Bezirksvertretungen. Eine ausführliche Übersicht
der Wahlergebnisse der extremen
Rechten in NRW liefert die aktuelle
Ausgabe Nr. 36 der Zeitschrift
lotta.

Taschenbuch gegen Nazis
Bundesweit • Das Buch gegen Nazis:
Rechtsextremismus – was man wissen
muss und wie man sich wehren kann
lautet der Titel eines Handbuches,
welches kürzlich im Kölner Verlag
Kiepenheuer & Witsch erschien. Versammelt sind dort Beiträge aus dem
Online-Portal Netz gegen Nazis der

»Trauermarsch« oder Flashmob? - 1:0 für
die traditionelle Variante
Der »Trauermarsch« von Bad Nenndorf hat
sich schon jetzt als fester Termin etabliert und
wird als Ersatz für den auch in diesem Jahr verbotenen »Rudolf-Heß-Marsch« wahrgenommen.
Diesbezüglich hatten AUTONOME NATIONALISTEN alternativ zu szeneintern umstrittenen Flashmobs
aufgerufen, die großspurig in zig Städten angekündigt worden waren, meist aber bedeutungslos blieben oder gar nicht erst stattfanden.
Wie der »Trauermarsch« in Bad Nenndorf hingegen zeigt, sind historische (NS-)Bezüge für die
Szene jedoch weiterhin zentral und haben ein
hohes Mobilisierungspotential. Im Gegensatz zu
anderen Themen bergen sie wenige Konfliktpunkte. NS-Pathos scheint doch nach wie vor der
beste Kitt zu sein. Um dieser Entwicklung angemessen entgegenzutreten, werden verstärkte
antifaschistische Proteste in den nächsten Jahren unumgänglich sein.
Frank Metzger

Wochenzeitung Die Zeit, die um weitere Artikel ergänzt wurden.
Die Agentur für soziale Perspektiven,
ein Partner des apabiz, hat für das
Buch Teile der Broschüre Das Versteckspiel beigesteuert. Das 306 Seiten umfassende Buch ist von den
Journalisten Toralf Staud und Holger
Kulick herausgegeben und kann
unter anderem über die Bundeszentrale für politische Bildung bezogen
werden. Unser Urteil: empfehlenswert.

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Traditionsreiches NaziTreffen abgesagt
Ulrichsberg (Österreich) • Erstmals
seit 50 Jahren fand das alljährliche
Treffen auf dem Ulrichsberg in Kärnten (Österreich) nicht statt. Der TRÄGERVEREIN ULRICHSBERGGEMEINSCHAFT nahm
die Anmeldung zurück, nachdem
bekannt geworden war, dass der
Geschäftsführer mit Nazi-Devotionalien gehandelt hatte. Daraufhin hatte der österreichische Verteidigungsminister die Teilnahme von Bundeswehrangehörigen untersagt.
Jedes Jahr trafen sich bisher ehemalige Angehörigen der WAFFEN-SS
gemeinsam mit rechten Politikern,
Burschenschaftlern und Neonazis
zum Gedenken an die »Gefallenen
der beiden Weltkriege« in der
Gedenkstätte am Ulrichsberg zur
Kranzniederlegung.
Als Ersatzveranstaltung führte die
FREIHEITLICHE PARTEI ÖSTERREICHS (FPÖ)
eine Kranzniederlegung am 20. September mit 150 Personen durch.
Unter den TeilnehmerInnen waren
auch Neonazis wie die langjährigen
Kader GOTTFRIED KÜSSEL und HANS-JÖRG
SCHIMANEK JR. An den Gegenprotesten
beteiligten sich etwa 60 Personen.
Weitere Informationen unter
www.u-berg.at.

Nachdruck von Nazi-Blättern bleibt erlaubt
München • Den Nachdruck von NaziBlättern aus der Zeit vor 1945 durch
die Wochenzeitung Zeitungszeugen
hält auch das bayerische Oberlandesgericht in München für statthaft. Das Land Bayern hatte gegen
das Druckwerk des Londoner Verlages
Albertas geklagt.
Das Gericht entschied, dass der
Nachdruck nicht gegen Urheberrechte verstieße, die nach 70 Jahren
erlöschen. Zudem will der Herausgeber zur Aufarbeitung der Nazi-Zeit
beitragen und die faksimilierten Ausgaben wissenschaftlich kommentieren.
Zahlreiche Stimmen hatten das
umstrittene Projekt unterstützt,
nachdem das bayerische Finanzministerium gegen die Zeitung geklagt
hatte. Das Land Bayern ist Rechtsnachfolger einer Vielzahl von Publikationen aus der NS-Zeit, die im
damals größten Verlag, dem Münchner EHER-VERLAG, erschienen waren.

6

An dieser Stelle berichten wir in jeder Ausgabe über einzelne Arbeitsgebiete, Projekte, Sammlungen etc. aus dem Archiv des apabiz, um so einen Einblick in unsere Arbeit zu ermöglichen.

archiv en detail Kinder- und Jugendbibliothek

Literatur für Jugendliche und Kinder
über Verfolgung und Rechtsextremismus

E

s gibt im Archiv eine imaginäre Schublade mit
Projektideen. Einige davon konnten wir bereits
umsetzen, andere schlummern manchmal jahrelang, bis sie endlich realisiert werden. Eines dieser
Projekte, das sehr lange auf seine Umsetzung warten musste, läuft nun seit einigen Monaten im
apabiz: der Aufbau einer Kinder- und Jugendbibliothek zum Themenbereich Rechtsextremismus,
Antisemitismus und Rassismus.
Die Bibliothek des apabiz ist mit über 17.000
Publikationen ein wichtiger und umfangreicher
Teil des Archivbestandes. Parallel zu den anderen
Medien im Archiv ist auch unsere Bibliothek in
einen Primär- und Sekundärbereich unterteilt.
Letztgenannter ist wie unsere anderen Medien für
Gäste frei zugänglich. Es handelt sich um eine
Präsenzbibliothek, aus der jedoch unsere Fördermitglieder ausleihen dürfen.

Neue Sachgebiete
Dieser Bestand wird nun um ein neues Themenfeld erweitert: Kinder- und Jugendbücher, die
sich mit dem historischen Nationalsozialismus,
aktuellem Rechtsextremismus, Antisemitismus und
Rassismus befassen. Es ist beeindruckend, wie
umfangreich das Angebot an Literatur für die
unterschiedlichen Altersgruppen ist. Gerade zum
Thema Judenverfolgung gibt es neben der klassischen Schullektüre »Das Tagebuch der Anne
Frank« eine Vielzahl von ergreifenden Erlebnisberichten, die erschütternde Schicksale schildern.
Für die Auseinandersetzung von Jugendlichen mit
dem Holocaust sind solche persönliche Schilderungen von Zeitzeugen enorm wichtig.
Aber auch Sachbücher zum aktuellen Rechtsextremismus sowie Bücher, die eine Auseinandersetzung mit Rassismus und Antisemitismus fördern, sollen sich in der Bibliothek wiederfinden.
Es gibt auch schon für Kinder im Vorschulalter
Bücher, die sich mit Rassismus auseinandersetzen,
oft über die Thematik der Ausgrenzung, des
»Fremden«, der »irgendwie anders ist«, vielleicht
eine andere Hautfarbe hat oder kleiner ist als
andere Kinder.
Es ist oft schwierig einzuschätzen, wann Kindern- und Jugendlichen ein Buch »zugemutet«
werden kann. Vor allem die Literatur zum historischen Nationalsozialismus führt oft keine Altersangaben auf. Auch wenn es letztendlich Aufgabe

Für den Aufbau der Kinder- und Jugendbibliothek
stehen uns Sachmittel zur Verfügung, doch werden
diese kaum den Bedarf decken. Daher sind wir für
Bücherspenden sehr dankbar. Gerne nehmen wir
auch Literaturempfehlungen, Buchbesprechungen
und Vorschläge entgegen. Danke!
der ErzieherInnen oder Eltern ist, diese Entscheidung zu treffen: mit der Erstellung von Literaturlisten für die verschiedenen Alters- oder Klassenstufen möchten wir die Einschätzung erleichtern.

Literatur-Arbeit
Eine Idee im Rahmen des Projektes ist die
Erstellung von Leihkisten für Kitas, Schulen oder
andere Kinder- und Jugendeinrichtungen. Wir
möchten für die unterschiedlichen Alterstufen
Kisten mit empfehlenswerter Literatur zu einem
speziellen Thema anbieten. Das könnte beispielsweise eine Leihkiste mit 5-6 Medien (Bücher, Broschüren, Hörbücher) zum Themenbereich »Widerstand im Nationalsozialismus« für 7 bis 8-Jährige
sein. Diese Kiste kann bei uns für einen bestimmten Zeitraum ausgeliehen werden und so beispielsweise Projekttage an Schulen bereichern.
Für die Durchführung des Projekts wurden uns
Stellen über Programme zur Einstellung von Langzeitarbeitslosen (ÖBS/Kommunal Kombi) bewilligt,
die vom Land Berlin kofinanziert werden. Wir hoffen, dass das Projekt dazu beiträgt, die Auseinandersetzung von Kindern und Jugendlichen mit
den verschiedenen Aspekten des Nationalsozialismus und Rechtsextremismus auf eine Art zu
führen, die ihren besonderen Ansprüchen entspricht.
Kathrin Klever

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 42, oktober 2009

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Analyse oder Entschuldung?
Ü

Sammelrezension Aktuelle Bücher über AussteigerInnen und Ausstiegsprozesse

S

ich mit AussteigerInnen aus der extremen Rechten zu beschäftigen, hat einige gute Gründe
und kann sehr aufschlussreich und erhellend sein,
aber auch der selbstgerechten Selbstdarstellung
von Ex-Nazis ein Forum bieten. Ein kurzer Streifzug durch die aktuelle AussteigerInnen-Literatur.
Kritische Aufarbeitung rechter Biografien
Schon 2006 erschien das Buch »Der Hass hat
uns geeint« der Berliner Psychologie-Professorin
BIRGIT ROMMELSPACHER. In diesem Buch wertet sie ein
knappes Dutzend (Auto-)Biografien von AussteigerInnen aus. Das sind zwar nicht sehr viele, aber sie
werden ergänzt durch einige Interviews und die
Autorin reflektiert durchaus die möglichen Fallstricke für Fehlschlüsse und falsche Generalisierungen. So werden die Aussagen der AussteigerInnen
(bzw. oftmals genauer: von »AufhörerInnen«)
immer kontextualisiert und kritisch reflektiert.
Das Buch beginnt mit einer Darstellung der Einstiegsprozesse, die durch eine Fülle von Zitaten aus
besagten Biografien verdeutlicht sind. Es folgt eine
Analyse des Rechtsextremismus im allgemeinen,
dazu eine Darstellung der Theorien zum Rechtsextremismus mit Schwerpunkt auf der von Rommelspacher vertretenen Dominanztheorie. Dieser große Mittelteil des Buches bietet eine gute Einführung in das Thema Rechtsextremismus generell, gar
nicht unbedingt in das Thema AussteigerInnen,
nur hätte man ihn dem Titel nach gar nicht erwartet. Nach einer Beschreibung der Erfahrungen in
der rechtsextremen Szene und von Ausstiegsprozessen, beleuchtet die Autorin noch Strategien
gegen Rechtsextremismus mit einem angenehm kritischen Blick - auch gegenüber Programmen wie
EXIT und der Fokussierung auf die TäterInnen im
Allgemeinen.
»Ein Werkstattbericht« ohne Tiefe
Ohne jegliche weitere Primär- und Sekundärquellen auszukommen meint das frisch erschienene Buch über Ein- und Ausstiegsprozesse von
Rechtsextremisten. Dieses Buch will im Prinzip das
Gleiche wie Rommelspacher, nur hört es leider drei
Schritte vorher auf - vor einer Analyse und Einordnung der Biografien, vor einer Bewertung und eigenen Positionierung zu Ausstiegsprozessen im allgemeinen und vor einer kritischen Kontextualisierung des Phänomens im Rechtsextremismus. Und es
kommt drei Jahre später.
Dass Mit-Herausgeber THOMAS PFEIFFER Mitarbeiter des Verfassungsschutzes ist, verschweigt uns
das Buch seltsamerweise - so entlarvt sich das ent-

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 42, oktober 2009

haltene Lob für staatliche Ausstiegsprogramme als
Selbstreferenz. Dass der Großteil der Broschüre aus
einer Zusammenfassung und Paraphrasierung der
Biografien besteht, ist eigentlich das einzig Positive. Ansonsten ist es ein Werkstatt-Bericht, der aus
einem Uni-Wochenendseminar hervorgegangen ist.
Warum es gedruckt unter die Leute gebracht wird,
ist schleierhaft.
Mogelpackung aus Brandenburg
Das neue Buch der AWO zum Thema - Abkehr
von rechtsextremistisch motivierter Gewalt, Einsichten von Strafgefangenen - hingegen scheint einen
politischen Auftrag zu erfüllen. Die Formulierung
auf dem Klappentext, wonach »Gewalttäter ihre
menschenverachtenden Ideologie abgeschworen«
hätten, suggeriert, dass im Mittelpunkt des Buches
die Beschäftigung mit Ausgestiegenen oder wenigstens aussteigenden (Ex-)Neonazis stünde. Doch
weit gefehlt: »Ein Beispiel: Einer hat eine schwere
Straftat verübt, die als rechte Tat gedeutet werden
kann. Also kommt er in U-Haft und gilt schon als
Rechter...«, so klagt JÜRGEN SCHÖNNAGEL vom Blauen
Kreuz, der eine Wohngruppe von (Ex-)Neonazis in
einem Brandenburger Gefängnis betreut. SCHÖNNAGEL, in den 1960er Jahren in der DDR Mitbegründer
einer NPD MITTELDEUTSCHLAND, ist heute geläuterter
Christ. In dünnen und langweilenden »Selbstreflexionen«, aufgezeichnet vom MAZ-Journalisten
FRANK SCHAUKA, findet hier lediglich die Relativierung rassistischer und extrem rechter Gewalt als
jugendliche Dummheit statt. Ausführlich kommen
Strafgefangene zu Wort, die darüber berichten, wie
pubertär sie damals waren als sie Linke und »Ausländer« krankenhausreif geprügelt haben. Motivation sei die Lust an Gewalt, Provokation, der Alkohol und - ja - Dummheit gewesen. Eine politische
Dimension wird verniedlicht oder ignoriert.
Dass Brandenburger Politprominenz Vorworte
beigesteuert hat, macht dieses Buch beim besten
Willen nicht wertvoller.
Eike Sanders
Birgit Rommelspacher: »Der Hass hat uns geeint«.
Junge Rechtsextreme und ihr Ausstieg aus der Szene.
Frankfurt/Main 2006: Campus Verlag.
Reinhard Koch, Thomas Pfeiffer (Hrsg.): Ein- &
Ausstiegsprozesse von Rechtsextremisten - Ein Werkstattbericht. Braunschweig 2009: Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt.
Arbeiterwohlfahrt Brandenburg e.V. (Hrsg.):
Abkehr von rechtsextremistisch motivierter Gewalt Einsichten von Strafgefangenen aufgezeichnet von
Frank Schauka. Brandenburg 2009: AWO.

MAREK EDELMAN gestorben
Polen • MAREK EDELMAN war der letzte
überlebende Anführer im Kampf der
polnischen Jüdinnen und Juden
gegen das deutsche Nazi-Regime. Er
organisierte den bewaffneten Widerstand im Warschauer Ghetto, der in
dem Aufstand 1943 gipfelte.
EDELMAN überlebte im Untergrund,
kämpfte erneut gegen die deutschen
NS-Besatzer im Warschauer Aufstand
von 1944, erlebte die Befreiung
durch die Rote Armee 1945.
EDELMAN blieb in Polen, arbeitete
erfolgreich als Arzt und berichtete in
Wort und Schrift immer wieder über
den Kampf um das Überleben gegen
die Vernichtungspläne der Nazis.
MAREK EDELMAN starb am 2. Oktober
2009 im Alter von 87 Jahren.

Islamfeindliche Kundgebung in Berlin
Berlin • Den Tag der »offenen
Moschee« hat der Verein PAX EUROPA
BERLIN zum Anlass für eine Kundgebung vor der Berliner Gedächtniskirche genommen. Etwa 220
TeilnehmerInnen versammelten sich
dort unter dem Aufruf »Für Menschenrechte - Gegen Unterdrückung«. In einer ersten Einladung
hatten die Organisatoren unter dem
Berliner CDU-Abgeordneten und Landesvorsitzenden von PAX EUROPA BERLIN, RENÉ STADTKEWITZ, noch von einer
»Okkupation« des Tages der deutschen Einheit durch den Tag der
offenen Moschee gesprochen, dieses
Motto dann aber geändert.
Neben dem Vorsitzenden des Heinersdofers Anti-Moschee-Bündnis
IPAHB, JOACHIM SWIETLIK, sprach u. a.
ROBERT SPENCER, US-amerikanischer
Gründer des islamfeindlichen
Weblogs JIHADWATCH, auf der Kundgebung.

An einer Gegenkundgebung beteiligten sich über 300 Menschen, darunter VertreterInnen vieler religiöser
Gemeinden Berlins. Im Bild die ehemalige Integrationsbeauftragte Berlins, Barbara John.

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In dieser Rubrik wollen wir Euch
einen kurzen Überblick über
Bücher, Broschüren und andere
Medien geben, die im Archiv neu
eingegangen und ab sofort verfügbar sind. Darüber hinaus werden wir auf bestimmte Sachgebiete hinweisen, zu denen Ihr
Sammlungen bei uns finden könnt. Danke an die Verlage.

Neu im Archiv
• Krausnick, Michail; Ruegenberg, Lukas: »Elses
Geschichte – Ein Mädchen überlebt Auschwitz«.
Patmos Verlag, Düsseldorf 2007.
Authentische Geschichte der Else Matulat,
eines »Zigeunerkindes«, das 1943 nach
Auschwitz deportiert wird. »Kann man ein Kinderbuch über Auschwitz schreiben? Kann man
einem Kind von neun Jahren das Schicksal einer
von den Nazis verfolgten Altersgenossin vermitteln, ohne entweder zu verharmlosen oder Schaden anzurichten?« fragte Maria Riederer in ihrer
Rezension dieses Buches im Deutschlandfunk –
ihr Fazit: es sei »ein Glück, dass der Autor
Michail Krausnick Elses Geschichte heute erzählt.
Gegen das Vergessen und für die Kinder von
gestern und heute«.
• Deutschkron, Inge; Ruegenberg, Lukas: »Papa
Weidt«. Butzon & Bercker Verlag, Kevelaer 2006,
ab 8 Jahren.
Inge Deutschkron erzählt ihre Geschichte
und die von »Papa« Weidt. Er war ein Gegner der
Nazis und half verfolgten jüdischen Menschen.
Otto Weidt hat in der Zeit von 1940 bis 1944 mit
großem Einsatz einigen Jüdinnen und Juden das
Leben gerettet. Mit einfachen Sätzen versucht
die Autorin Kindern ihre positiven Erfahrungen
aus dieser dunklen Zeit zu vermitteln. Sie schildert, was es damals hieß, Jüdin zu sein, dass aus
Diskriminierungen Mord wurde. Die Geschichte
von dem guten und listigen Otto Weidt und »seinen« Juden verstehen bereits Achtjährige.
• Vander Zee, Ruth; Innocenti, Roberto: »Erikas
Geschichte«. Sauerländer Verlag, Düsseldorf 2003,
ab 6 Jahren
1995, fünfzig Jahre nach Ende des Zweiten
Weltkrieges erzählt eine Frau bei einer zufälligen
Begegnung der Autorin Ruth Vander Zee ihre
Überlebensgeschichte: die Geschichte einer Mutter, die auf der Fahrt in den Tod aus Liebe ihr
Kind ins Leben warf.
Mit schönen Bildern und einem einfachen
Text erzählt Ruth Vander Zee mit viel Feingefühl
die authentische Geschichte einer Überlebenden.
Mit dieser Geschichte kann man Kindern das
Thema Holocaust erklären und sie über den Hass
auf das »Andere« aufklären. Mit einem aus dem
Coverkarton ausgestanzten und herausnehmbaren Stern.
• Herman-Friede, Eugen: »Abgetaucht: Als U-Boot
im Widerstand«. Gerstenberg Verlag, Hildesheim
2009, ab 12 Jahren.
Eugen Herman-Friede erzählt die Geschichte

seiner eigenen Kindheit und Jugend in Kreuzberg. Er wird zum »U-Boot«, wie die abgetauchten Berliner Juden und Jüdinnen sich seit 1938
selbst nannten und bildet zusammen mit NaziGegnern eine Widerstandsgruppe.
Leicht verständlich erzählt der Autor von seiner persönlichen Entwicklung im Deutschland
der 1930er Jahre. Durch seine kindliche und naive Perspektive gelingt ihm eine authentische und
insbesondere für Kinder sehr ansprechende Schilderung der damaligen politischen Ereignisse.
Der Band ist mit Fotos und Dokumenten ausgestattet. Eine Zeittafel über die antijüdischen
Gesetze, die jüdische Deutsche immer mehr aus
dem öffentlichen Leben ausgrenzten, hilft den
jugendlichen LeserInnen bei der Orientierung.
• Heuvel, Eric: »Die Entdeckung«. Anne Frank
Haus/Widerstandsmuseum Friesland, Zaandam
2003.
Heuvel, Eric; van der Rol, Ruud; Schippers, Lies:
»Die Suche«. Anne Frank Haus in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Historischen Museum
Amsterdam, Amsterdam 2007.
Die beiden Hefte schildern die Geschichte
einer niederländischen Familie als Comic. Im
ersten Heft »Die Entdeckung« findet Jeroen das
Tagebuch seiner Großmutter und erfährt, dass
während des Zweiten Weltkrieges in seiner Familie Dinge passiert sind, über die nie geredet wurde.
Der zweite Teil »Die Suche« geht näher auf
die Judenverfolgung und den Holocaust ein und
erzählt vom Schicksal einer fiktiven jüdischen
Familie, die in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert wurde.

Das Info-Paket
vom apabiz e.v.
Nicht nur für Vereine und Institutionen, sondern für
alle, die in den Genuss des gesamten Service des
apabiz e.v. kommen möchten, gibt es jetzt unser
Info-Paket in den Größen S, M und L:

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pro Ausgabe
• den ReferentInnen-Katalog inklusive Updates
• zwei Exemplare aller neuen Publikationen des
apabiz e.v. (Broschüren, Handreichungen etc.)
• Sonderkonditionen bei Nachbestellungen und
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