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Full text: Monitor Issue 32.2007

monitor
rundbrief des apabiz e. v. | nr. 32, oktober 2007

Reine Kosmetik
Hintergrund

Ü Die neuen Bundesprogramme gegen Rechts

Die Bilder der verletzten indischen Männer, die im August von einer rund 50-köpfigen
Gruppe junger deutscher Männer durch die sächsische Kleinstadt Mügeln gejagt wurden,
machten international Schlagzeilen. In den deutschen Medien, die über Rechtsextremismus
vor allem ereignisbezogen berichten, war die Berichterstattung vor allem von zwei Themen
bestimmt. Von der Frage nach der rassistischen bzw. rechtsextremen Motivation für die Hetzjagd. Und von der Frage: Wo ist Familienministerin Ursula von der Leyen?

Basis einer Hetzjagd: Dorffest in Mügeln.

D

ie Antwort der Ministerin auf die Kritik aus
den Reihen der Opposition, als zuständige
Ministerin für die Bundesprogramme gegen Rechts
hätte sie sich nicht schnell genug geäußert,
beendete die Debatte abrupt: Bei einer Klausurtagung des Bundeskabinetts wenige Tage nach der
Hetzjagd in Mügeln präsentierte die Familienministerin zwei neue Programme der Bundesregierung gegen Rechts mit den sperrigen Titeln »Vielfalt tut gut – Jugend für Vielfalt, Toleranz und
Demokratie« und »Förderung von Beratungsnetzwerken – Mobile Intervention gegen Rechtsextremismus«.
Stolz berichtete die Ministerin, dass derzeit
gemeinsam mit Kommunen lokale Aktionsprogramme gegen Rechts entwickelt würden. Von insgesamt 90 lokalen Aktionsplänen bundesweit, 60
davon in den neuen Ländern, und 19 Millionen
Euro für »Vielfalt tut gut« war die Rede. Zudem sei
im Juli dieses Jahres das zweite Programm angelaufen, für das fünf Millionen Euro zusätzlich
bereitgestellt worden seien. Daraus, so das
BMFSFJ, würden unter anderem mobile Interventionsteams teilfinanziert, die in akut bedrohlichen
Situationen mit fremdenfeindlichem oder rechts-

extremem Hintergrund einschreiten sollen. Im Fall
Mügeln habe ein Beratungsteam bereits Kontakt
zur Stadt aufgenommen. Ziel der Programme sei
»die Stärkung der Zivilgesellschaft.«
Bei den Opferberatungsprojekten und den
Mobilen Beratungsteams, die bislang durch das
Vorgängerprogramm »Civitas« gefördert worden
waren, aber auch bei JournalistInnen sorgten die
Äußerungen der Ministerin für Kopfschütteln.
Denn deren Behauptung, der Bund stelle fünf Milllionen Euro zusätzlich im Kampf gegen Rechts zur
Verfügung, hatte zunächst den Eindruck erweckt,
als wenn das BMFSFJ weitere fünf Millionen bereitstellen würde. Tatsächlich hatte Ursula von der
Leyen lediglich über das bereits im Sommer 2006
zusätzlich beschlossene Programm für Beratungsnetzwerke gesprochen.
Außerdem wurde bekannt, dass der Landeskreis Torgau-Oschatz, zu dem auch Mügeln gehört,
sich vergeblich um Fördergelder aus dem Topf von
»Vielfalt tut gut« bemüht hatte. Zudem ist schon
jetzt eines klar: Mit den neuen Programmen wurde
ein erneuter Richtungswechsel im staatlichen
Umgang mit Rechtsextremismus durchgesetzt.
Kurz gefasst lauten die zentralen Veränderung:
Weg von der Zivilgesellschaft, hin zu mehr staatlicher Kontrolle; weg von einem Verständnis des
Rechtsextremismus als gesellschaftlichem Phänomen hin zu einer Reduzierung auf ein Jugendproblem; weg von einer langfristigen Strategie hin zu
einem auf »Krisen« und kurzfristige Feuerwehrpolitik ausgerichtete Maßnahmen. Kurzum: Es geht
in erster Linie um eine kosmetische Bearbeitung
des Problems.
Die neuen Programme unter der Lupe
Ursprünglich hatte die Bundesregierung geplant, die von der rot-grünen Koalition initiierten

Reine Kosmetik: Die neuen Bundesprogramme gegen Rechts Seite 1 | bildung en detail Seite 2
Folgenreicher »Freizeitspaß« Seite 4 | Aus dem Archiv Seite 6 | archiv en detail Seite 6
Rezension: »Freundliche Frauen« Seite 7 | Neu im Archiv Seite 8

antifaschistisches pressearchiv und
bildungszentrum berlin e.v. (apabiz)
lausitzerstr. 10 | 10999 berlin
geöffnet do von 15 bis 19 uhr und
nach absprache
fon | fax: 0 30 . 6 11 62 49
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konto-nummer: 332 08 00
blz: 100 205 00
bank für sozialwirtschaft
monitor ist nicht im abo erhältlich,
aber fördermitglieder bekommen ihn
zugeschickt.

Das apabiz e. V. informiert seit 1991
über die extreme Rechte. Unsere Informationen stehen allen Personen und
Initiativen zur Verfügung. Umgekehrt
sind wir an Euren Einschätzungen und
Erfahrungen interessiert. Gerne vereinbaren wir einen Austausch oder nehmen
Euch in unsere Mailingliste auf.
Archiv: Für Recherchen halten wir unser
Archiv bereit, das eines der größten
dieser Art in der BRD ist. Wir verfügen
über rechte Publikationen, Videos, CDs
u.a.m. Diese Primärquellen werden
ergänzt durch eine Datenbank, in der
Presseveröffentlichungen seit Anfang
der 90er Jahre erfasst sind, eine
umfangreiche Präsenzbibliothek, verschiedene Sondersammlungen sowie
antifaschistische Publikationen aus
ganz Europa und den USA.
Bildung: Unser ReferentInnen-Katalog
(siehe www.apabiz.de) umfasst mehr als
40 Vorträge und Seminare aus diversen
Bereichen, für die ReferentInnen bei
uns angefordert werden können. Zu
bestimmten Themen haben wir ReferentInnen-Koffer erstellt, die die eigenständige Durchführung von Veranstaltungen ermöglichen, oder halten wir
Handreichungen bereit.
Publikationen: Ergebnisse unserer Arbeit
verwerten wir nicht nur im monitor, sondern auch in Broschüren, Pressemitteilungen, Handreichungen und sonstigen
Publikationen. Diese und weitere Materialien findet ihr unter www.apabiz.de.

monitor – rundbrief des apabiz e.v. | v.i.s.d.p.:
apabiz e.v. | dank an unsere fördermitglieder,
die mit ihrem beitrag die finanzierung unterstützen | erscheinungsweise: alle zwei monate |
fotos: alle rechte liegen bei den fotografen

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HJ - JN - NPD
Cottbus • Am 28. Juli veranstaltete
die NPD eine Demonstration mit 280
TeilnehmerInnen durch die Cottbusser Innenstadt unter dem Motto
»Sozial statt Global – Heimat statt
Globalisierung«. In der Straße der
Jugend, Höhe Marienstraße/Blechenstraße, spielte der Lautsprecherwagen das Hitlerjugendlied »Ein junges
Volk steht auf« von WERNER ALTENDORF.
Etliche Demonstrationsteilnehmer
sangen alle drei Strophen mit. Ein
Tonmitschnitt liegt dem apabiz vor.
Das Lied fällt als offizielles Liedgut
der HJ unter den Paragrafen 86a des
StGB. Es wird in der jüngsten Zeit
auffallend häufig von regionalen Verbänden der NPD und der JN
gebraucht und teilweise auf deren
Homepages zum Herunterladen angeboten. Im Cottbusser Fall ermittelt
die Staatsanwaltschaft. Ein umfangreiches Dossier zu dem Lied kann bei
uns per e-mail abgerufen werden.

Holocaustleugner Gerd
Honsik festgenommen
Spanien • Am 23. August wurde der
österreichische Holocaustleugner
GERD HONSIK in der Nähe seines Wohnhauses bei Malaga festgenommen.
Österreich hatte in den vergangenen
Jahren wiederholt Honsiks Auslieferung gefordert. Dort war der 65jährige 1992 wegen Wiederbelebung der
nationalsozialistischen Ideologie zu
18 Monaten Haft verurteilt worden.
Anfang Oktober wurde HONSIK nach
Österreich abgeschoben.
HONSIK ist Autor verschiedener revisionistischer Bücher, in denen er
unter anderem den Völkermord an
den Juden und die Existenz der Gaskammern leugnet.
In den spanischen Küstengebieten
haben sich während des Franquismus
viele deutsche und österreichische
Altnazis niedergelassen. Der als »Dr.
Tod« bekannte ehemalige Arzt im KZMauthausen ARIBERT HEIM lebte bis
zum Sommer 2005 unerkannt an der
Costa Brava, protegiert von der Organisation der ehemaligen SS-Angehörigen ODESSA. In der Nähe von Málaga
leben heute noch der Deutsche HERBERT SCHÄFER sowie der österreichische
SS-Veteran THEODOR SOUCEK, der im Mai
2005 gemeinsam mit Honsik, spanischen Führungskadern und jungen
Neonazis in einem Restaurant in
Malaga aß.

2

ungeliebten Modellprogramme »Civitas«, »entimon« und »xenos« zum Ende des Jahres 2006
ersatzlos auslaufen zu lassen. Eine Reihe von spektakulären rechten Angriffen und die Debatte um
die »No-Go-Areas« vor der Fußball-WM im Sommer
2006 sorgten indes für soviel öffentlichen Druck,
dass die Unionsparteien einlenken mussten. Dennoch konnten sie sich bei der konzeptionellen Ausgestaltung weitgehend durchsetzen, denn die oberste Prämisse beider Programme lautet nun, die
staatliche Definitionsmacht und Kontrolle über alle
Aktivitäten im Bereich Rechtsextremismusbekämpfung und Demokratieförderung zurück zu erlangen.
Damit einher geht eine im Vergleich zu den Vorgängerprogrammen umfassende politische, inhaltliche
und auf Verwaltungsebene ansetzende Kontrolle
aller staatlich geförderten »zivilgesellschaftlichen«
Ansätze und Projekte.
Schwerpunkte des Programms »Vielfalt tut gut«
sind die Säulen »Förderung Lokaler Aktionspläne
in kommunaler Verantwortung« (Säule 1), »Förderung themenbezogener modellhafter Maßnahmen«
(Säule 2) und »Programmsteuerung durch die
Regiestelle, Evaluation, Forschung und Öffentlichkeitsarbeit.« In jedem neuen Bundesland und in
Berlin werden mit 100.000 Euro jährlich jeweils
zehn Lokale Aktionspläne (LAP) gefördert. In den
alten Bundesländern sind es insgesamt 30 LAP.
Zentral verantwortlich für die Ausgestaltung der
LAP sind die Landkreise bzw. Kommunen. Das Beispiel des Landrats des Muldentalkreises, der dem
Netzwerk Demokratische Kultur (NDK) in Wurzen
über Monate die Förderung durch den LAP verwei-

gerte und sich stattdessen mit NPD-Vertretern zum
Thema Jugendarbeit traf, macht deutlich, dass die
Befürchtungen der KritikerInnen berechtigt sind:
Die Kommunen nutzen ihre Entscheidungshoheit,
um unliebsamen Projekten den Geldhahn zuzudrehen und stattdessen Wohlfahrtsverbände zu fördern, die keine Ahnung vom Thema haben. Zudem
kann von einer kontinuierlichen Förderung keine
Rede sein, da die LAP und die einzelnen Projekte
jeweils jährlich neu beantragt werden müssen.
Einfalt in der Vielfalt
Die 92 zur Förderung ausgewählten Modellprojekte sortieren sich nach folgenden Themenschwerpunkten: »Historischer und aktueller Antisemitismus« – wobei eine Zielgruppe jugendliche
MigrantInnen sind; pädagogische Arbeit mit
»rechtsextremistisch gefährdeten Jugendlichen« –
wobei als Zielgruppen vor allem junge Männer und
Eltern bestimmt wurden; »Präventions- und Bildungsangebote für die Einwanderungsgesellschaft«
– wobei als Unterthemen u.a. »interreligiöses Lernen« und »Umgang mit interethnischen Konflikten
in der Einwanderungsgesellschaft« angestrebt sind
und der Schwerpunkt »früh ansetzende Prävention« für Kinder, junge Jugendliche und LehrerInnnen. In der Gesamtschau wird deutlich, dass sich
hier zum einen die BefürworterInnen akzeptierender Sozialarbeit mit Rechten durchgesetzt haben.
Frauen und junge Mädchen als ein wichtiger Teil
einer rechten Bewegung werden überhaupt nicht
wahrgenommen und MigrantInnen werden vorrangig als »Problemgruppe« angesehen, nicht als

In dieser Rubrik stellen wir jeweils einen Vortrag, Workshop oder ein Seminar aus unserem Bildungsprogramm vor. Den kompletten ReferentInnen-Katalog gibt es unter www.apabiz.de.

bildung en detail Vortrag zu Hessen ist ein voller Erfolg

Die extreme Rechte im Land Hessen
Während die Zahl unserer Auftritte im Bundesland Hessen in unserer jährlichen Veranstaltungsstatistik bisher meist einen Platz im »Mittelfeld«
einnahm, so ist die Nachfrage seit dem Angebot
unserer neuen Veranstaltung »Die extreme Rechte
im Land Hessen« in diesem Jahr geradezu explodiert. Der Grund ist einfach: Nachdem die Behörden es jahrelang geschafft haben, das Thema aus
den Medien und aus der allgemeinen Wahrnehmung heraus zu halten, ist dieses Luftschloss nun
geplatzt. Die Neonazis in Hessen agieren immer
offensiver, bauen Strukturen auf, antifaschistische
Gruppen schlagen immer lauter Alarm und dementsprechend steigt die Nachfrage nach Informationen und nach Impulsen für Gegenstrategien.
Dass ein Berliner Verein Fachvorträge über ein
westdeutsches Bundesland anbietet, mag im

ersten Moment überheblich anmuten, doch ist
unser Angebot das Resultat einer seit Jahren
bestehenden, intensiven Zusammenarbeit von
apabiz und antifaschistischen Initiativen in
Hessen. So ist es möglich, laufend neueste
Materialien einzuarbeiten und auf die Einschätzungen derer zurückzugreifen, die mit der Situation vor Ort direkt befasst sind.
Dabei verstehen wir uns nicht als diejenigen, die von »außerhalb« kommen, um darüber
zu fachsimpeln, was in einzelnen Orten Hessens
passiert. Die Veranstaltung ist vielmehr ein stetig wachsendes Gemeinschaftswerk, das vom
apabiz präsentiert wird, und somit ein Beispiel
für die Stärken und Vorteile einer kontinuierlichen antifaschistischen Netzwerksarbeit darstellt (siehe auch den Bericht auf Seite 6).

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antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

Auslöser für den »Aufstand der Anständigen« und die
folgenden Bundesprogramme gegen Rechts: Der Mord
an Alberto Adriano in Dessau am 14. Juni 2000.
(potenziell) Betroffene rechter und rassistischer
Gewalt und Ausgrenzung.
Zum anderen setzt das BMFSFJ bei dem Programmpunkt »Öffentlichkeitsarbeit« auf Zentralismus und Staatsnähe. Die Agentur Media Consulta
aus Berlin, die als »Leadagentur« der Bundesregierung unter anderem für die redaktionelle Bearbeitung des Bundesverfassungsschutzberichts 2006
verantwortlich zeichnete, soll bundesweite Wettbewerbe, Kommunikationsinitiativen, Regionalkonferenzen und Projektmessen organisieren.
Feuerwehr statt
langfristiger Unterstützung
Auch bei dem Programm »Förderung von Beratungsnetzwerken«, das ursprünglich mit dem Versprechen installiert worden war, die Opferberatungsprojekte und die Mobilen Beratungsteams
(MBTs) weiter zu finanzieren, stehen die Zeichen
auf staatliche Kontrolle. Denn die Stärke der Opferberatungsprojekte und teilweise der MBTs – nämlich
ihre Unabhängigkeit und ihre Kritik beispielsweise
am Umgang der Sicherheitsbehörden oder kommunaler PolitikerInnen mit rechter Gewalt und rechten Aktivitäten – waren und sind sowohl den
meisten Landesregierungen als auch dem BMFSFJ
schon lange ein Dorn im Auge.
Nun sollen in den alten und neuen Bundesländern unter ministerieller Aufsicht sogenannte
»Beratungsnetzwerke« entstehen, die »in akut
bedrohlichen Situationen mit rechtsextremem,
fremdenfeindlichem oder antisemitischem Hintergrund Mobile Interventionsteams« losschicken solllen. In den Beratungsnetzwerken sitzen Polizei,
Verfassungsschutz etc. Seite an Seite mit »zivilgesellschaftlichen« Projekten und Initiativen. Dass
akut zugespitzte Situationen, wie eine Serie rechter Gewalttaten oder mehrere Aufmärsche von
Kameradschaften, Ausdruck einer längeren Entwicklung sind und nur mit langfristigen Strategien
bearbeitet werden können – u. a. eben kontinuierlicher Unterstützung für die Betroffenen und Beratung für kommunale und andere Institutionen –
ignoriert dieser Ansatz komplett.

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Es ist zu befürchten, dass sich die Bedingungen der alten Bundesländer nun auch auf die Projekte in den neuen Bundesländern auswirken. So
befindet sich beispielsweise in Hessen die Landeskoordinierungsstelle beim Landeskriminalamt.
Dessen Aussteiger-Programm »Ikarus« stellt gleichzeitig auch die Erstanlaufstelle für Betroffene,
Kommunen, Schulen etc., die Unterstützung bei
der Bewältigung einer »Krise« suchen. Der Koordinator von »Ikarus« entscheidet dann darüber, wo
welches Team eingesetzt werden soll. Die Finanzierung der Projekte, deren ExpertenInnen für Einsätze des Teams ausgewählt werden, erfolgt derzeit
lediglich anhand konkreter Einsätze.
Darüber hinaus sollen die Opferberatungsprojekte und Mobilen Beratungsteams über ihre »Kriseninterventionen« den jeweiligen Ministerien und
dem BMFSFJ Bericht erstatten. Neben dem bürokratischen Aufwand gefährdet dieses Berichtswesen insbesondere bei den Opferberatungsstellen die
Arbeitsprinzipien der Vertraulichkeit und der
Anonymität der Beratung für Betroffene rechter
und rassistischer Gewalt. Auch von einer dauerhaften finanziellen Absicherung der Projekte kann
keine Rede sein, da der Bund sich zunehmend aus
der Förderung in den neuen Bundesländern zurükkziehen will. Schon jetzt wurden dem Opferberatungsprojekt LOBBI e.V. in Mecklenburg-Vorpommmern drei Stellen gestrichen. Auch die anfängliche
Hoffnung, mit dem neuen Programm in den alten
Bundesländern im Sinne einer Stärkung antifaschistischer Positionen Opferberatungs- und Mobile
Beratungsprojekte initiieren zu können, dürfte
mittlerweile nur noch minimal sein.
Unabhängigkeit tut gut
Viele unabhängige antifaschistische Initiativen
und Projekte haben seit 2001 von den Bundesprogrammen »Civitas« und »Xenos« profitiert. Die
positiven Aspekte – die Möglichkeit, Infrastruktur
auf- und auszubauen, die eigenen Spiel- und eventuell Einflussräume zu erweitern – waren aber auch
immer mit negativen Konsequenzen verbunden
(siehe dazu monitor Nr. 10, S. 1 ff.). Mit den neuen
Programmen ist eine direkte Förderung kleiner
Initiativen fast ausgeschlossen.
Dennoch wird es für viele antifaschistische Projekte und Initiativen Berührungspunkte mit den
neuen Programmen geben – sei es in der Zusammmenarbeit mit Opferberatungsstellen oder Mobilen
Beratungsteams, sei es in alltäglichen Aktivitäten
wie Veranstaltungen oder Gegenmobilisierungen zu
Neonaziaufmärschen. Dabei sollte an dem bewährten Prinzip festgehalten werden, die eigene Unabhängigkeit zu wahren, um so effektiv staatliche
und nicht-staatliche Akteure kritisieren zu können
und gleichzeitig die Perspektive und die Forderungen derer zu stärken, die alltäglich von rechter
Gewalt und rechten Hegemoniebestrebungen
betroffen sind.
Martina Holm

Widerständler gestorben
Frankreich/Deutschland • In den
vergangenen Wochen sind mit Ernst
Melis und Marcel Marceau zwei ehemalige Kämpfer der Résistance verstorben. Der Vorsitzende der DRAFD
(Verband Deutscher in der Résistance, in den Streitkräften der Antihitlerkoalition und der Bewegung
»Freies Deutschland«) Ernst Melis ist

am 31. August im 98. Lebensjahr
gestorben. Bis in die letzten Wochen
befasste sich der Träger des »Ordre
Républicain du Mérite civique et
militaire« mit dem Alltagsgeschäft
der antifaschistischen Arbeit und
bemühte sich beispielsweise um den
Bau von Brücken zwischen jungen
Antifaschisten und den Alten von der
DRAFD.
Auch der weltbekannte Pantomime
Marcel Marceau war Teilnehmer des
französischen Widerstandes gegen
die NS-Besatzung im Zweiten Weltkrieg und nahm dort seinen Nachnamen »Marceau« an. Er war 1923 als
Marcel Mangel und Sohn eines jüdischen Metzgers in Strassburg geboren worden. Sein Vater wurde in
Auschwitz ermordet. »Die Menschen,
die aus den Konzentrationslagern
zurückkamen, konnten nicht sprechen, wussten nicht, wie sie erzählen sollen«, erklärte er 1997. »Vielleicht hat das, unbewusst, bei der
Wahl der Stille eine Rolle gespielt.«
Marceau starb am 22. September
2007.

NPD-Demonstrant
bleibt CDU-Mitglied
Mecklenburg-Vorpommern • Der
ehemalige Vorsitzende der Jungen
Union in Nordwestmecklenburg, JAN
PAULENZ, darf nach dem Urteil eines
CDU-Parteigerichts vom 31. August
weiterhin CDU-Mitglied bleiben. PAULENZ hatte gemeinsam mit dem CDUMitglied JENS-HOLGER SCHNEIDER am
NPD-Aufmarsch am 1. Mai 2007 in
Neubrandenburg teilgenommen. Die
CDU forderte daraufhin beide zum
Parteiaustritt auf.6

3

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Folgenreicher »Freizeitspaß«
4 Während SCHNEIDER dem nachkam,
erwirkte PAULENZ ein Parteiausschlussverfahren und ließ sich dabei erfolgreich vom CDU-Mitglied und PromiAnwalt Peter-Michael Diestel verteidigen. Diestel bezeichnete das Verfahren als »einmalige Peinlichkeit«,
da sein Mandant lediglich an einer
»genehmigten Demonstration« teilgenommen hätte, um sich diese »im
Rahmen der politischen Bildung«
anzuschauen.

»Fest der Völker«
zum Zweiten
Jena • Am 8. September fand zum
zweiten Mal das von FREIEN KAMERADSCHAFTEN und NPD ausgerichtete »Fest
der Völker« im thüringischen Jena
statt. Mit etwa 1.500 TeilnehmerInnen war das internationale Event die
größte Neonaziveranstaltungen seit
dem Jahr 1992. Unter den zahlreichen Rednern befanden sich beispielsweise der NPD-Bundesvorsitzende UDO VOIGT und der langjährige
Neonazi-Kader GOTTFRIED KÜSSEL aus
Österreich. Das stark eingeschränkte
Musikprogramm bestand aus der
englischen Rechtsrockband BRUTAL
ATTACK, SLEIPNIR (NRW) und CONFLICT
(Tschechien). Das Angebot wurde
durch zahlreiche Infostände regiona-

Ü

Bericht
Ein Schießtraining deutscher Neonazis in der
Schweiz gerät zum Lehrstück über Mediendynamik
Parteiaustritt und eine Verurteilung durch den Disziplinarausschuss der Schweizer Armee –
der Vizepräsident der Schweizer Rechtspartei SCHWEIZER DEMOKRATEN, ROLAND WAGNER, hat seine
Verbindungen zu deutschen Neonazis teuer bezahlen müssen. Das apabiz und die Antifa Bern
hatten ein von WAGNER geleitetes Schießtraining für deutsche Neonazis gefilmt und das Material veröffentlicht. Der »Fall Wagner« avancierte zu einem Top-Thema in den Schweizer
Medien.

B

is heute weiß ROLAND WAGNER nicht so
recht, wie ihm geschehen ist, warum er
binnen weniger Wochen von einem
gesellschaftlich weithin geachteten, überaus
ambitionierten Nachwuchspolitiker der Schweizer Rechten zur politischen und gesellschaftlichen Persona non grata abgestiegen ist. Es
begann am 4. August, als AntifaschistInnen
Hinweise auf ein grenzüberschreitendes Neonazi-Treffen im schweizerischen Fricktal (Kanton
Aargau) erhielten.
Deutsche Neonazis urlauben
in der Schweiz
In diesem Zusammenhang konnten zwei
bekannte Neonazis aus dem Rhein-Main-Gebiet,
DANIELA ÜBELACKER aus Eppstein (Taunus) und ihr
Lebensgefährte TIMO VÖLKEL aus Bad Soden (Taunus), als Gäste von ROLAND WAGNER identifiziert
werden. Der in Wölflinswil (Aargau) wohnende
WAGNER war zu dieser Zeit Vizepräsident der
SCHWEIZER D EMOKRATEN (SD) und kandidierte für
diese zu den bevorstehenden Nationalratswahlen. Am nächsten Tag war die Reisegruppe aus
Deutschland angewachsen: Als die neonazistische PARTEI NATIONAL ORIENTIERTER SCHWEIZER (PNOS)
zum »Bräteln des nationalen Widerstandes«
nahe des Schweizer Nationalheiligtums, der
Rütli-Wiese, einlud, kamen 300 Neonazis, unter

ihnen ROLAND WAGNER und in seinem Schlepptau
der Mainzer Kameradschafts- und NPD-Funktionär M ARIO M ATTHES und die Mainzerin M IRIAM
STOFFEL, führende Person des NATIONALEN FRAUENKREISES RHEINHESSEN.
Einen Höhepunkt der »Ferienwoche« der
deutschen Neonazis stellte das Schießtraining
der SG WÖLFLINSWIL im Schützenhaus Weidli des
Nachbarortes Oberhof am 10. August dar. VÖLKEL und ÜBELACKER nahmen daran teil und Schützenmeister ROLAND WAGNER wies VÖLKEL geduldig
im Umgang mit einem Schweizer Armeegewehr
an. Die Neonazis und ein halbes Dutzend anderer Schützenkameraden ahnten nicht, dass sie
von zwei Seiten fotografiert und gefilmt wurden.
Die Reaktion der Medien

Chemnitz • Ende August ist der
Chemnitzer Neonazi RICO MALT an den
Folgen eines Arbeitsunfalls gestorben, bei dem er von einem Baugerüst gestürzt war. MALT war nicht nur
Führungsaktivist der neonazistischen
Hooligan-Gruppe HOONARA (HOOLIGANS
NAZIS RASSISTEN), sondern hatte sich6

Erste, zögerliche Medienberichte nach unserer Presseinformation versuchte WAGNER auszusitzen und mit der Androhung rechtlicher
Schritte zu unterbinden. Das Schießtraining sei
Freizeitspaß und Privatangelegenheit gewesen,
er sehe seine Persönlichkeitsrechte verletzt und
habe deutschen Freunden nur Schweizer
Brauchtum nahe bringen wollen. Je mehr Wagner herumlavierte, leugnete und sich in Drohungen verstieg, desto mehr setzte er einen
medialen Apparat in Gang, der seine Eigendynamik entfaltete. Nachdem das Fernsehmagazin »10 vor 10« (vergleichbar mit den deutschen
Tagesthemen) ausführlich auf die
Schießübungen eingegangen war und Ausschnitte der von apabiz und Antifa Bern
gemachten Videos gesendet hatte, zogen verschiedene Medien aus der Schweiz und aus
Deutschland nach. Und »10 vor 10« setzte
einen drauf: Ein zweiter Beitrag ging auf die
seit Jahren bestehenden Verbindungen WAGNERS
zum harten Kern (auch der deutschen) Neonazi-Szene ein und illustrierte dies unter anderem mit Fotos vom Rudolf-Hess-Gedenkmarsch
2004 in Wunsiedel, bei dem WAGNER mitmarschiert war. Auch hierzu lieferten apabiz und
Antifa Bern Material.
Nun kam es für WAGNER knüppeldick. Seine
Partei, die stets bemüht war, sich von extremen

4

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 32, oktober 2007

ler und überregionaler Neonazigruppen und Versänden ergänzt.
Mehrere Tausend GegendemonstrantInnen blockierten zeitweise die
Zugangswege für die anreisenden
Neonazis aus dem In- und Ausland.
Der Ausrichter hat bereits die Durchführung der Veranstaltung bis zum
Jahr 2015 angekündigt.

Neonazi-Hool gestorben

Schießtraining in Oberhof am 10. August: ROLAND
WAGNER (gebeugt) erklärt TIMO VÖLKEL (liegend),
wie es geht.

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

4 außerdem als erfolgreicher Teilnehmer von »Freefight«-Kämpfen
einen Namen gemacht, bei denen er
untermalt von Neonazi-Rock den
Ring betrat und mit »HooNaRa«-,
»Juden raus«- und »Sieg Heil«Sprechchören angefeuert wurde.
Darüber hinaus hatte sich MALT als
Organisator von Neonazi-Konzerten
hervorgetan und war an einem
Angriff von Neonazis auf die antifaschistische Demonstration gegen den
Chemnitzer Neonaziladen BACKSTREETNOISE im September 2004 beteiligt.

TIMO VÖLKEL (vorne) und DANIELA ÜBELACKER auf einer
NPD-Kundgebung in Wiesbaden am 19. Mai 2007.

Aufmarsch des Schweizer Blocks in Wunsiedel 2004.
Links mit Mütze: ROLAND WAGNER.

Rechten abzugrenzen, steckte plötzlich mitten
im Nazisumpf und ließ WAGNER fallen wie eine
heiße Kartoffel. Dem Rücktritt als Vizepräsident folgte der Parteiaustritt. Nachdem sich die
konservative Dorfelite in Wölflinswil öffentlich
über WAGNERS Umtriebe entsetzte, geriet er dort
gesellschaftlich zunehmend ins Abseits.
Schließlich erfolgte noch eine Disziplinarstrafe
der Armee, da es zur Teilnahme von VÖLKEL am
Schießtraining einer besonderen Erlaubnis
bedurft hätte.
Auch V ÖLKEL und ÜBELACKER gerieten unter
Druck. Ein Beitrag in der Hessenschau und ein
großformatiger Bericht in der BILD (»Hier lernen Hessens Neonazis das Schießen«) legten
die militanten Strukturen der hessischen NPD
offen. Antifaschistische Kräfte gaben in den
Analysen den Ton an, der Verfassungsschutz
blamierte sich bis auf die Knochen.

nieren« können, wenn nicht die Wahlen für
den Schweizer Nationalrat anstehen würden?
Wenn nicht durch die Hetzjagd in Mügeln das
mediale Interesse an Neonazis (wieder) erwacht
wäre? Wenn kein renommiertes Fernsehmagazin die Initialzündung ausgelöst hätte? Wenn
es keine exklusiven, spektakulären Videomitschnitte gegeben hätte?
Gleichwohl zeigt der »Fall Wagner« deutlich, wie wertvoll es ist, Informationen seriös
präsentieren zu können und bei nachfolgenden
Anfragen schnell und persönlich greifbar zu
sein, ohne verschlungene Kommunikationswege und anonyme Treffen in Hinterhöfen – für
die es für viele antifaschistische Gruppen ja
durchaus gute Gründe gibt. Wir sind seit dem
August um eine Erfahrung reicher. ROLAND WAGNER auch.
Michael Weiss

Fazit
Die Geschichte von WAGNER und seinen
schießlustigen deutschen FreundInnen ist eine
von vielen in den letzten Jahren, in denen
(internationale)
Verbindungen
zwischen
Rechtspolitikern und militanten Neonazis
nachgewiesen werden konnten. Das macht die
Geschichte nicht harmloser: Wenn ein bürgerlich verankerter Rechtspolitiker militante Neonazis an der Waffe ausbildet, so hat das die
Öffentlichkeit zweifelsohne zu interessieren.
Doch häufig ist dies eben nicht der Fall. Viele
brisante Recherchen versanden in der AntifaFachliteratur oder in den Randspalten der
Tageszeitungen, andere – wie der »Fall Wagner«
– mutieren urplötzlich zum Tagesthema.
Welche Faktoren entscheiden darüber? Diese Geschichte ist ein Lehrstück über Mediendynamik und Medienarbeit. Hätte sie »funktiomonitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 32, oktober 2007

Unsere Pressemitteilungen sind einsehbar unter
http://www.apabiz.de/publikation/pressemitteilungen/070824_PM_Wagner.htm und
http://www.apabiz.de/publikation/pressemitteilungen/150803_PM_Oberhof-CH.htm.

Das Info-Paket
vom apabiz e.v.
Nicht nur für Vereine und Institutionen, sondern für
alle, die in den Genuss des gesamten Service des
apabiz e.v. kommen möchten, gibt es jetzt unser
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Recherche-Anfragen
gibt es für 70 Euro / 100 Euro / 130 Euro im Jahr!

Doch kein Nazizentrum
in Rauen?
Rauen • Offenbar gescheitert sind
die Pläne von NPD-Funktionär ANDREAS MOLAU, in Rauen (Kreis Oder-Spree)
ein rechtsextremes Zentrum einzurichten. Ein anderer Käufer habe
inzwischen die Immobilie »Gut
Johannisberg« erworben und bereits
einen Vermerk im Grundbuch
erreicht, meldete der Berliner Tagesspiegel Ende September. Der Käufer
wolle aus Angst vor Racheakten aus
der rechten Szene anonym bleiben,
hieß es weiter.
MOLAUS Frau hatte im Mai im Namen
der schwedischen Firma STARPLATTAN
das Areal erworben. Doch der 83-jährige Alt-Eigentümer blieb im Grundbuch eingetragen und widerrief
schließlich den Verkauf – er stützte
sich bei der Annullierung auf nicht
erlaubte Nebenabsprachen, die es
beim Verkauf des Grundstücks gegeben haben soll. MOLAU, der behauptet
hatte, eine Waldorfschule für »völkisch orientierte« Familien einrichten zu wollen, will gegen die Anullierung juristisch vorgehen.

Vier Nazi-Läden in Berlin
Berlin • In Berlin gibt es vier Läden,
die »explizit rechtsextremistische«
Waren führen. Das hat Innensenator
Ehrhart Körting auf eine Anfrage der
Grünen im Abgeordnetenhaus
bekanntgegeben. Die Geschäfte
befänden sich in den Bezirken Prenzlauer Berg, Hohenschönhausen sowie
in Lichtenberg, wo der Senator zwei
Läden zählt. Viele in der rechten
Szene beliebte Produkte gäbe es aber
auch in gängigen Warenhäusern.
Bei den genannten Geschäften handelt es sich offensichtlich unter
anderem um den Laden HA-RA-KI-RI
in der Bornholmer Straße und das
WEARWOLF in der 6

5

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Aus dem Archiv
4Konrad-Wolf-Straße. Das THOR
STEINAR-Geschäft TØNSBERG am Alexanderplatz gehört hingegen wohl

nicht zu den genannten Geschäften.
Nach einigem politischen Gerangel
war den Betreibern zum Januar
2008 vom Vermieter, der senatseigenen Wohnungsbaugesellschaft WBM,
fristgerecht gekündigt worden.

Neues rechtes Modelabel
Eisenberg • HEMLAND lautet der
Name einer neuen Modemarke aus
dem Spektrum der extremen Rechten. Beim Betrachten des noch
spärlichen Sortimentes wird schnell
deutlich, dass offensichtlich an das
Konzept der Marke THOR STEINAR
angeknüpft werden soll. Modisch,
diskret, hochwertig und auf den
ersten Blick ohne neonazistischen
Bezug. So werden Kleidungsstücke
mit den Titeln »Jagdzeit«, »Bergführer« und – in Anlehnung an ein
altes koloniales Soldatenlied –
»Heia Safari« vertrieben. Als Logo
dient HEMLAND – das schwedische
Wort für Heimat, Vaterland – ein
Hirschgeweih.
Zur Zeit finden sich HEMLAND-Produkte neben dem firmeneigenen Versand bei mindestens drei einschlägig bekannten Nazi-Versänden.
Inhaber der Markenrechte ist die
Firma EFDK GMBH mit Sitz in Eisenberg (Rheinland-Pfalz). Als
Geschäftsführer fungieren DANIEL
KUBOWSKI und ELVIS FRANKE, die keine
Unbekannten im neonazistischen
Lager sind. So war FRANKE im NPDKreisverbandes Rhein-Nahe aktiv.

Klufttragen verboten
Oranienburg/Berlin • Am 9. Juni
marschierten neun Anhänger der
neonazistischen Jugendorganisation
HEIMATTREUE DEUTSCHE JUGEND (HDJ)
durch die brandenburgische Kleinstadt Oranienburg. Zwei der Uniformträger hatten sich im Vorfeld
an der Gründung des örtlichen
Stützpunktes der 6

6

Vorgestellt

Ü Artikel und Beiträge aus dem apabiz

I

n den vergangenen Wochen sind verschiedene Texte aus dem apabiz in Zeitschriften und
Büchern erschienen und mindestens zwei weitere werden in diesem Jahr noch folgen. Hier
eine kurze Auslese.
Über die Situation in Hessen haben wir in
der Vergangenheit immer wieder ausführlich
berichtet. Auch unsere Bildungsarbeit führt
uns regelmäßig hierhin (siehe Bildung en
detail auf Seite 2). Ein Buch aus dem Frankfurter Verlag Brandes & Apsel hat jetzt verschiedene Facetten der hessischen Situation
zusammengeführt, darunter befindet sich auch
ein Aufsatz von unserem Mitarbeiter Michael
Weiss.
• Michael Weiss: »Neuere Entwicklungen der
Neonazi-Szene in Hessen«. In: Margrit Fröhlich
u. a. (Hrsg.): »Zivilgesellschaftliche Strategien
gegen die extreme Rechte in Hessen«. Frankfurt
2007.
Auch ein Zeitungsartikel beschäftigt sich
mit der hessischen Situation. Michael Weiss
beschreibt detailliert die skandalösen Begleitumstände des antisemitischen Neonazi-Aufmarsches in der Landeshauptstadt am 7. Juli
2007. Der Artikel ist online auf unserer Inter-

netseite unter http://www.apabiz.de einsehbar.
• Michael Weiss: »Ein Fall von Staatsräson«.
In: analyse & kritik Nr. 519 vom 17. August
2007.
Das Thema rechtsextreme Symbolik und
Kleidung ist ein Dauerbrenner, über den wir in
einem Sammelband einen Überblick gegeben
haben.
• Ulli Jentsch/Michael Weiss: »Rechtsextreme
Symbolik und Kleidung im öffentlichen Raum«.
In: Julius H. Schoeps u. a. (Hrsg.): »Rechtsextremismus in Brandenburg. Handbuch für Analyse und Intervention«. Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2007.
Ebenfalls Material aus dem apabiz erhält
eine didaktische Materialsammlung, die für
den Schulunterricht erstellt wurde. Auf der
DVD mit dem Titel »Moderne Nazis« befinden
sich unsere achtseitige Handreichung zur NPD
und die SchülerInnen-Zeitung »Kein Bock auf
Nazis« als pdf-Dateien. Herausgeber ist das
FWU, das Medieninstitut der Länder.
• Institut für Film und Bild in Wissenschaft
und Unterricht (Hrsg.): »Moderne Nazis«. DVDROM, 55 Min., Grünwald 2007.

An dieser Stelle berichten wir in jeder Ausgabe über einzelne Arbeitsgebiete, Projekte, Sammlungen etc. aus dem Archiv des apabiz, um so einen Einblick in unsere Arbeit zu ermöglichen.

archiv en detail apabiz hat neue Materialien zusammengestellt

Neue Sammlung zu Antiziganismus
Das apabiz bietet nunmehr auch fünf Sammmelordner zum Thema »Antiziganismus« an, also
zur Feindschaft gegenüber Sinti und Roma. Die
Grundlage dieser Gegnerschaft ist ein »Zigeuner«Bild, das aus Stereotypen und Vorurteilen
besteht. Durch äußere Merkmale (z.B. Alter, Kleidung, Auftreten, Geschlecht) ausgelöste Stereotype dienen als Hinweisstrukturen für erwartete
und zu erwartende Verhaltensweisen. Antiziganismus bedeutet in diesem Zusammenhang nicht
nur die Zuschreibung von negativ bewerteten
Dispositionen wie z.B. Primitivität oder Kriminalität, sondern auch diejenige quasi positiver
Eigenschaften wie z.B. Lagerfeuerromantik oder
Musikalität.
Im ersten der neuen Ordner wird auf die Zeit
von der Einwanderung der Sinti und Roma aus
dem Nordwesten Indiens ab dem 14. Jahrhundert
bis zur nationalsozialistischen Machtübernah-

me 1933 eingegangen. Dann wird in einem zweiten Ordner die Verfolgung im Nationalsozialismus beschrieben, der mindestens 500.000 Sinti
und Roma zum Opfer fielen. Die Kontinuitäten
des Antiziganismus im postfaschistischen
Deutschland nach 1945 sind Thema des dritten
Ordners. Der Antiziganismus in verschiedenen
europäischen Ländern und den USA wird in einem
vierten Ordner dargestellt. Der fünfte Ordner enthält sowohl Material über die Situation in der
DDR als auch der häufig festgestellte rassistische
Umgang der Polizei gegenüber Sinti und Roma.
Die Quellen stammen aus den Beständen des
apabiz als auch aus der Bibliothek des Otto-SuhrInstitutes sowie der Bibliothek des Zentrums für
Antisemitismusforschung. Ebenso wurden verschiedene Zeitschriften ausgewertet. Dafür danken wir unserem Praktikanten Michael
Lausberg.

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 32, oktober 2007

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

»Freundliche Frauen«
Ü

Rezension
Birgit Schmidt: »Freundliche Frauen. Eine Kritik
an der Juden- und Frauenfeindlichkeit des esoterischen Feminismus«. Alibri Verlag, Aschaffenburg 2007.

D

ass Frauen nicht die besseren Menschen
sind, ist bereits länger bekannt. Sie sind
auch nicht weniger rassistisch eingestellt als
Männer, sie schlagen nur seltener zu. Das Thema »Rechte Frauen« erfährt seit einigen Jahren
verhältnismäßig viel Aufmerksamkeit, die zum
Teil dem Jahrzehnte lang gehegten Klischee der
friedlichen, freundlichen Frau geschuldet ist,
das nun hinterfragt wird.
Auch dass die Esoterik durch und durch
harmlos sei, ist ein in den letzten Jahren ins
Wanken geratener Mythos. Mit »Freundliche
Frauen – Eine Kritik an der Juden- und Frauenfeindlichkeit des esoterischen Feminismus« hat
Birgit Schmidt nun ein Buch vorgelegt, welches
zum einen den Differenzfeminismus und zum
anderen den latenten Antisemitismus der
»weiblichen« Esoterikszene analysiert und kritisiert.
Weibliche Esoterik und rechte Ideen
Ohne die Schublade »Rechtsextremismus«
auf und gleich wieder zuzumachen, beleuchtet
Schmidt eine Grauzone, in der sich »spirituelle
Feministinnen« mit rechten Strukturen und
Gedanken mischen können – aber nicht müsssen. Ihre Kritik bezieht sie ausschließlich auf
zwei Punkte: »die Ausgestaltung eines reaktionären Frauenbildes, das die Biologie zum
unentrinnbaren Schicksal der Frau erklärt, sie
sexualisiert bzw. ihr allein die Bereiche Spiritualität, Fürsorge und eben Sexualität zugesteht«
und »den ihrer [spirituellen] Ideologie inhärenten Antijudaismus, der vor dem Hintergrund der
Globalisierung dabei ist, sich in Antisemitismus
zu transformieren« (S. 17).
Dabei bietet die Esoterik-Szene viel mehr
als die Neonazi-Szene Frauen ihre eigenen Wirkungs- und Handlungsbereiche – quasi Freiräume in der materialistisch-patriarchal geprägten
Realität. Als symptomatisches Beispiel beleuchtet Schmidt den Boom der neuen »Hexenbewegung«, der sich sowohl aus den USA (wiccas)
speist, als auch in Deutschland mit Bezug auf
die »germanischen« bzw. keltischen Wurzeln
seine eigenen, teilweise völkischen Ausprägungen annimmt. Hier wie dort werden Frauen als
geborene Trägerinnen spiritueller Kräfte und als
Wahrerinnen geheimen okkulten Wissens
gehandhabt. Entsprechend des Differenzgedankens werden Frauen zwar für diese Fähigkeiten
verehrt, aber eben auch auf diese reduziert.
monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 32, oktober 2007

Antijudaismus in der weiblichen Esoterik
Ausführlicher erklärt Birgit Schmidt den
Antijudaismus. Juden werden in Teilen der
»feministischen Esoszene« durch die Verkürzung
»ursprünglicher Monotheismus = Judentum« als
Urheber des weltweiten Patriarchats gesehen.
Davor habe es eine »religiöse Vielfalt« gegeben,
in der insbesondere weibliche Gottheiten als
Repräsentantinnen von Fruchtbarkeit und freier
Sexualität verehrt worden seien. Dieser paradiesische, Frauen verehrende und heiligende
Zustand sei durch die Juden und dann durch das
Christentum beendet worden.
Wie in der Esoterik allgemein ist es auch in
der »weiblichen« Esoterik schwierig, die Bewegungen, Gruppen und Richtungen voneinander
abzugrenzen. Wie sich die einzelne Frau zu verschiedenen Aspekten des ideologischen Breis
verhält, bleibt ihr überlassen. Im esoterischen
Ökofeminismus gibt es keinen geschlossenen
Kanon, der als Ganzes hinterfragt und kritisiert
werden kann. All die Widersprüche und Absurditäten, die aus dieser Willkürlichkeit entstehen,
können die AnhängerInnen durch die verbindende Klammer der »Spiritualität« in »Einklang«
bringen.
Karma und Reinkarnation sind Grundprinzipien der modernen Esoterik. Daran schließt der
Glaube an das schlechte Karma bestimmter »Völker« an, die immer noch in einem »Tal der Dunkelheit« lebten und sich erst durch viele Tode
mühsam hinaus-inkarnieren müssten. Den
Sprung zu einer in Teilen der Szene vorhandenen
Rechtfertigung des Holocaust durch »karmische
Vorbestimmtheit« wird sicherlich nur von Einzelpersonen vorgenommen, er ist durch solche
Argumentationslinien aber möglich. Auch die
vorkommende Gleichsetzung der Hexenverfolgung mit der Shoah ist unbedingt als antisemitischer Geschichtsrevisionismus zu werten.
Fazit
Das Buch ist das erste seiner Art, das die
»feministischen« Facetten der Esoterik beleuchtet. Es liest sich gut als Einstieg in das Thema.
Mit der Beschränkung auf die zwei Aspekte, die
die Autorin in verschiedenen personellen
Zusammenhängen, Publikationen und Äußerungen von ProtagonistInnen der spirituellen Szene
aufdeckt, entstehen manchmal Wiederholungen,
aber sie machen den an sich schwammigen
Gegenstand etwas greifbarer.
Eike Sanders

4 NPD-Jugendorganisation JUNGE
NATIONALDEMOKRATEN beteiligt. Als
Reaktion auf den Aufmarsch der
Neonazis in Uniformen der HDJ kam
es Mitte September zu Hausdurchsuchungen in Brandenburg, Berlin und
Sachsen. Hintergrund ist der Verstoß gegen das Versammlungsgesetz, welches das Tragen von Uniformen verbietet.
Der Versuch der HDJ, eine Ausnahmegenehmigung für das Tragen ihrer
Uniformen unter der Berufung auf
die jugendpflegerische Tätigkeit zu
erwirken, wurde abgelehnt. Nach
Einschätzung des Bundesinnenministeriums überwiegt die politische
Betätigung der neonazistischen
Gruppierung. Derweil gerät die HDJ
aufgrund ihrer vielseitigen Aktivitäten immer wieder in das Blickfeld
der Öffentlichkeit und der Behörden. So fordert Berlins Innensenator
Ehrhart Körting ein Verbotsverfahren gegen die umtriebige Gruppierung.

Neuer JN-Bundesvorstand
gewählt
Quedlinburg • Am 6.Oktober fand
in Hausneindorf bei Quedlinburg der
37. Bundeskongress der JUNGEN
NATIONALDEMOKRATEN (JN) statt. Nach
eigenen Angaben nahmen ca. 130
Neonazis an dem Treffen teil. Bei
der Wahl zum neuen Bundesvorstand
gab es einen Wechsel in der Führungsspitze. Neuer JN-Bundesvorsitzender ist der Politikstudent MICHAEL
SCHÄFER aus Wernigerode, der den
langjährigen Vorsitzenden STEFAN
ROCHOW ablöst.
Dass es Spannungen zwischen der
NPD und ihrem Parteinachwuchs zu
geben scheint, wurde an der Rede
des scheidenden Vorsitzenden
ROCHOW deutlich. Er betonte, dass
die JN keine »Jubelperser« und
»Flugblattverteiler« für die NPD sein
dürften und forderte ein eigenes
Profil der Jugendorganisation.
Zu Schäfers Stellvertretern wurden
PHILIPP VALENTA (JN-Landesvorsitzender Sachsen-Anhalt) und NORMAN
BORDIN (JN-Landesvorsitzender Bayern) sowie sechs weitere Beisitzer
in den Vorstand gewählt. Unter diesen befindet sich auch MATTHIAS
GÄRTNER (JN-Landesgeschäftsführer
Sachsen-Anhalt), der den NATIONALEN
BILDUNGSKREIS (NBK) als neue organisationsinterne Bildungsstruktur im
JN-Bundesvorstand vertritt.

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antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

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In dieser Rubrik wollen wir Euch
einen kurzen Überblick über
Bücher, Broschüren und andere
Medien geben, die im Archiv neu
eingegangen und ab sofort verfügbar sind. Darüber hinaus werden wir auf bestimmte Sachgebiete hinweisen, zu denen Ihr
Sammlungen bei uns finden könnt. Danke an die Verlage.

Neu im Archiv

• Wippermann, Wolfgang: »Agenten des Bösen.
Verschwörungstheorien von Luther bis heute«.
Be.bra Verlag, Berlin 2007.
Verschwörungstheorien, in deren Mittelpunkt zumeist Freimaurer, Illuminaten, Kommunisten sowie immer wieder die »jüdische Verschwörung« stehen, haben nicht erst seit dem
11. September 2001 Konjunktur. Wolfgang Wippermann analysiert in seinem Überblickswerk
neben den bekannten revisionistischen Konstrukten von der »Auschwitzlüge« und den »Protokollen der Weisen von Zion« elf weitere Verschwörungstheorien aus verschiedenen Epochen
der Geschichte.
• Krüger, Constanze: »Rechte Bands. Geschichte, Gegenstrategien, Wirkung«. VDM Verlag Dr.
Müller, Saarbrücken 2007.
Einen »psychologisch fundierten Blick hinter
die Kulissen des Wechselspiels zwischen Staat
und Rechten Bands« wird den Lesern versprochen – aber von der Autorin leider nicht geleistet. Eine einführende Wiedergabe der Geschichte
des Rechtsrock wird anhand der bekannten
Bands SKREWDRIVER sowie ENDSTUFE und BÖHSE ONKELZ
aus Deutschland abgehandelt, ohne dass aktuellle Entwicklungen der letzten Jahre auch nur
erwähnt würden. Im zweiten Teil des Buch über
Gegenstrategien bleibt es überwiegend bei
Wiederholungen staatlicher Verlautbarungen.
Auf eine Lektüre und Analyse szeneinterner
Publikationen wurde leider völlig verzichtet.
•
Hafeneger, Benno; Becker, Reiner: »Rechte
Jugendcliquen. Zwischen Unauffälligkeiten und
Provokation. Eine empirische Studie«. Wochenschau Verlag, Schwalbach 2007.
In der zweiten »Hessenstudie 2007« wurden
von der Universität Marburg erneut Erscheinungs- und Handlungsformen von rechten Jugendcliquen in Hessen einer Betrachtung unterzogen. Im Mittelpunkt des Buches steht die Auswertung eines Fragebogens, der an 434 hessische
Kommunen verschickt wurde, von denen 123
antworteten. Unter Einbeziehung von weiteren
Studien versuchen die Autoren, Schlussfolgerungen für die politische und pädagogische Praxis
aufzuzeigen.
• Kaufmann, Bernd; Kerski, Basil (Hg.): »Antisemitismus und Erinnerungskulturen im postkommunistischen Europa«. fibre Verlag, Osnabrück 2006.
Im Juni 2005 führten die Zeitschrift Kafka,
das deutsch-polnische Magazin Dialog und der

Bundesverband der DEUTSCH-POLNISCHEN GESELLSCHAFT
eine Tagung mit dem Titel »Droht ein neuer Antisemitismus?« durch. Im Mittelpunkt standen u.a.
judenfeindliche Erscheinungen und deren Einordnung in den historischen und gesellschaftlichen Kontext in Polen und der Ukraine sowie
spezifische Erscheinungsformen des Antisemitismus in Osteuropa. Die zahlreichen Referate
und Debatten zum Thema Antisemitismus und
Gedenkpolitik in Osteuropa wurden durch einige
neue Beiträge ergänzt und in diesem lesenswerten Band dokumentiert.
• »Der ‚Rebell': Odfried Hepp - Neonazi, Terrorist, Aussteiger«. Ein Film von Jan Peter in
Zusammenarbeit mit Yury Winterberg. absolut
MEDIEN , Berlin 2005.
Die Dokumentation stellt den Lebenslauf von
ODFRIED HEPP dar, einer der führenden Personen
des deutschen Rechtsterrorismus in den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts.
Nach seiner Mitgliedschaft in Organisationen wie
der WIKING JUGEND floh Hepp vor einem Prozess
gegen die WEHRSPORTGRUPPE HOFFMANN in den Libanon, wo er zusammen mit anderen eine militärische Ausbildung erhielt. Nach seiner Rückkehr
und Haftentlassung verübte HEPP als Kopf der
HEPP-KEXEL-GRUPPE eine Reihe von Anschlägen auf
Angehörige der US-Armee und führte Banküberfälle durch. In dieser Zeit bot er sich auch der
Staatssicherheit der DDR als Informant an und
lieferte zahlreiche Informationen über die rechte
Szene der BRD. Mitte der 1980er Jahre wurde er
für die PALESTINE LIBERATION FRONT im Ausland aktiv
und später von den Behörden festgenommen.
Der Film ist eine sehenswerte Dokumentation
über HEPP und die politische Situation des
bundesrepublikanischen Rechtsextremismus sowie dessen Verbindungen in den Nahen Osten in
dieser Zeit. Das gleichnamige Buch zum Film ist
im Lübbe-Verlag erschienen. Die persönliche
Motivation HEPPS für die Loslösung von seinen
politischen Einstellungen und Aktivitäten
kommt leider sowohl im Film, als auch im Buch
zu kurz.
• Gebhardt, Richard (Hg.): »Rosen auf den Weg
gestreut - Deutschland und seine Neonazis«. PappyRossa Verlag, Köln 2007.
Die Aufsatzsammlung zu aktuellen Erscheinungsformen der (extremen) Rechten thematisiert unter anderem studentische Verbindungen,
Vertriebenenverbände, den »völkischen Antikapitalismus« und die NPD in den Parlamenten.
monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 32, oktober 2007
        
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