Path:
Periodical volume

Full text: Monitor Issue 29.2007

monitor
rundbrief des apabiz e. v. | nr. 29, märz 2007

Massiver Anstieg rechter
Gewalt in Berlin 2006
Ü

antifaschistisches pressearchiv und
bildungszentrum berlin e.v. (apabiz)
lausitzerstr. 10 | 10999 berlin

Hintergrund Die Opferberatung ReachOut verzeichnet einen
Wandel rechter und rassistischer Delikte in der Hauptstadt

geöffnet do von 15 bis 19 uhr und
nach absprache

Im Jahr 2006 verzeichnet ReachOut 155 Angriffe (2005: 116) in Berlin. Damit dokumentiert
die Beratungsstelle die höchste Zahl von Gewalttaten und massiven Bedrohungen seit der
Gründung des Projektes im Jahr 2001. Sie liegt weit über der Zahl der von den Ermittlungsbehörden bisher erfassten Delikte. So führt das Bundesinnenministerium für Berlin 99 (2005:
36) Gewalttaten auf. Die meisten der insgesamt 222 von uns gezählten Opfer von Angriffen
erlitten Körperverletzungen. Dabei stechen die Monate Mai mit 13 und August mit 17 Gewaltdelikten besonders hervor. Die auffällig vielen Angriffe im Mai fanden zum größten Teil am
Himmelfahrtstag (Herrentag/Vatertag) und dem darauf folgenden Wochenende statt.
Der Artikel basiert auf einem noch unveröffentlichten Beitrag von ReachOut, der im Rahmen
eines »Schattenberichts« verschiedener Berliner Projekte voraussichtlich Ende März erscheinen wird.

mail@apabiz.de
http://www.apabiz.de

D

(c) ip-photo | peter juelich

ie statistischen Erhebungen von ReachOut
erfolgen auf Grundlage der Kriterien, die
von den CIVITAS-geförderten Opferberatungsprojekten erarbeitet wurden. In der gemeinsamen Datenbank hierzu werden Informationen
zu den Angriffen in den jeweiligen Bundesländern und zur Beratung der Opfer erfasst. Maß-

geblich für die Erfassung eines Angriffs sind
die zugrundeliegenden Straftatbestände
(Sachbeschädigung, Nötigung, Bedrohung,
Körperverletzung, (versuchte) Tötung und
Brandstiftung) und die Tatmotive der AngreiferInnen. Ob die Opfer Anzeige erstattet
haben, spielt keine Rolle. Gleichwohl werden
nicht alle statistisch erfassten Angriffe in der
Chronik dokumentiert. Manche Opfer lehnen
aus Angst vor weiteren Bedrohungen durch die
AngreiferInnen jede Form der Öffentlichkeitsarbeit ab.
Auch wenn wir davon ausgehen können,
dass die Menge der von uns erfassten Fälle von
Jahr zu Jahr zuverlässiger das Ausmaß rechter, rassistischer, antisemitischer und homophober Gewalt abbilden, bleibt die Dunkelzifffer hoch. Das zeigt sich bspw. in Beratungsgesprächen, wenn die Betroffenen uns berichten,
dass sie in der Vergangenheit bereits mehrfach
bedroht und angegriffen wurden, uns bis
dahin aber keine Informationen vorlagen.

fon | fax: 0 30 . 6 11 62 49

konto-nummer: 332 08 00
blz: 100 205 00
bank für sozialwirtschaft
monitor ist nicht im abo erhältlich,
aber fördermitglieder bekommen ihn
zugeschickt.

Das apabiz e. V. informiert seit 1991
über die extreme Rechte. Unsere Informationen stehen allen Personen und
Initiativen zur Verfügung. Umgekehrt
sind wir an Euren Einschätzungen und
Erfahrungen interessiert. Gerne vereinbaren wir einen Austausch oder nehmen
Euch in unsere Mailingliste auf.
Archiv: Für Recherchen halten wir unser
Archiv bereit, das eines der größten
dieser Art in der BRD ist. Wir verfügen
über rechte Publikationen, Videos, CDs
u.a.m. Diese Primärquellen werden
ergänzt durch eine Datenbank, in der
Presseveröffentlichungen seit Anfang
der 90er Jahre erfasst sind, eine
umfangreiche Präsenzbibliothek, verschiedene Sondersammlungen sowie
antifaschistische Publikationen aus
ganz Europa und den USA.

Die Situation in den Berliner Bezirken

Bildung: Unser ReferentInnen-Katalog
(siehe www.apabiz.de) umfasst mehr als
40 Vorträge und Seminare aus diversen
Bereichen, für die ReferentInnen bei
uns angefordert werden können. Zu
bestimmten Themen haben wir ReferentInnen-Koffer erstellt, die die eigenständige Durchführung von Veranstaltungen ermöglichen, oder halten wir
Handreichungen bereit.

Aus den Informationen, die ReachOut bisher vorliegen, kann geschlossen werden, dass
vor allem für Friedrichshain (50 Angriffe,
2005: 25), für Lichtenberg (23, 2005: 17) und
für Prenzlauer Berg (12, 2005: 6) im Vergleich

Publikationen: Ergebnisse unserer Arbeit
verwerten wir nicht nur im monitor, sondern auch in Broschüren, Pressemitteilungen, Handreichungen und sonstigen
Publikationen. Diese und weitere Materialien findet ihr unter www.apabiz.de.

Massiver Anstieg rechter Gewalt in Berlin 2006 Seite 1 | Generalmusikdirektor a. D. dirigiert für
Neonazis Seite 4 | bildung en detail Seite 4 | Chemtrails: Gift am Himmel Seite 6 |
17,5 Prozent sind weiblich Seite 7 | Neu im Archiv Seite 8

monitor – rundbrief des apabiz e.v. | v.i.s.d.p.:
apabiz e.v. | dank an unsere fördermitglieder,
die mit ihrem beitrag die finanzierung unterstützen | erscheinungsweise: alle zwei monate |
fotos: alle rechte liegen bei den fotografen

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

Bund • Mitte Februar sind im
Zusammenhang mit Ermittlungen
gegen die Berliner Band D.S.T.
(DEUTSCH, STOLZ, TREUE) 13 Objekte in
Berlin, Brandenburg, MecklenburgVorpommern, Hessen und NordrheinWestfalen durchsucht worden. Gegen
die Bandmitglieder wird wegen
Volksverhetzung, Verwendung von
Kennzeichen verfassungswidriger
Organisationen und Verstoßes gegen
das Waffengesetz ermittelt, nachdem
die Gruppe 2005 unter dem Namen
»X.X.X.« die CD »Die Antwort aufs
System« bei dem in Wismar ansässigen Label NORTH X veröffentlicht
hatte. Dort wurde neben CDs eine
Pump-Gun samt Munition sichergestellt. In Nordrhein-Westfalen und
Hessen wurden in Presswerken neben
Geschäftsunterlagen auch die
Master-CD beschlagnahmt. Gegen die
Band laufen seit 2002 mehrere weitere Verfahren, die noch nicht abgeschlossen sind.

GARDE 18 verurteilt
Alsfeld • Vier Mitglieder der aus
Thüringen stammenden Band GARDE
18 sind Anfang Februar vom Amtsgericht Alsfeld wegen Volksverhetzung
zu Geldstrafen verurteilt worden.
Die Gruppe hatte 2004 bei einem
Konzert in einem Treffpunkt der
KAMERADSCHAFT KIRTORF (Hessen) das
antisemitische »Blut-Lied« gespielt
(Zitat: »Wetzt die langen Messer auf
dem Bürgersteig, lasst die Messer
flutschen in den Judenleib«). Das
Publikum honorierte dies mit »Sieg
Heil«-Rufen, während ein ARD-Team
das Konzert mit versteckter Kamera
filmte. Nach der Ausstrahlung der
Bilder untersagte das Landratsamt
die Durchführung aller Musikveranstaltungen auf sämtlichen Liegenschaften.

RACE WAR ist
kriminelle Vereinigung
Schwäbisch Gmünd • Bereits Ende
vergangenen Jahres wurden vier Mitglieder der Band RACE WAR wegen
Gründung einer kriminellen Vereinigung, öffentlicher Aufforderung zu
Straftaten, Volksverhetzung und Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen zu
Bewährungsstrafen zwischen 17 und
23 Monaten verurteilt. Auf den zwei
CDs der Gruppe – von der eine 6

2

(c) attenzione | r. geisheimer

Razzia bei D.S.T.

zum Vorjahr ein Besorgnis erregender Anstieg
von Angriffen verzeichnet werden muss. Der
auffälligste Rückgang ist im Bezirk TreptowKöpenick zu beobachten (11, 2005: 24). Fünf
und damit die meisten Angriffe im Westteil
Berlins ereigneten sich in Neukölln (2005: 1).
Die hohen Angriffszahlen besonders im
Bezirk Friedrichshain lassen sich vor allem auf
die dortigen Verkehrsknotenpunkte (S-Bahnhof Frankfurter Allee, Ostkreuz, Warschauer
Straße, Tramlinie M5, M10, U-Bahnlinie 5)
zurückführen. Dort sind es alternative und linke Jugendliche, die am häufigsten angegriffen
werden. In Friedrichshain existieren viele
Kneipen und Treffpunkte, die für diese Szene
attraktiv sind. So ist davon auszugehen, dass
gerade in diesem Bezirk Opfer und TäterInnen
besonders häufig aufeinander treffen. Für
Lichtenberg und Prenzlauer Berg gilt, dass
sich dort eine ganze Reihe von Treffpunkten
der rechtsextremen Szene, auch Wohngemeinschaften, befinden, von denen die Angriffe
vermutlich häufig ausgehen. Bei dem Rückgang der Angriffszahlen in Treptow-Köpenick
vermuten wir, dass die gleichen TäterInnen
mittlerweile in anderen Bezirken aktiv sind.
Für bestimmte Bezirke gilt, dass ein Großteil des öffentlichen Raumes und des Wohnumfeldes von den (potenziellen) Opfern als
Gefahren- bzw. als Angstzone erlebt wird. Das
führt dazu, dass öffentliche Plätze, Parkanlagen und Straßenzüge, die von der rechten Szene stark frequentiert sind, von den Betroffenen vor allem in den Abendstunden gemieden
werden. Insbesondere Bahnhöfe werden immer
wieder als Orte genannt, an denen Übergriffe
stattfinden. Nach wie vor hoch ist auch die
Zahl der Angriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln und Bahnhöfen. Dadurch wird die Mobi-

Nehmen zu: Rechte Gewalttaten in Berlin.

lität der (potenziellen) Opfer erheblich eingeschränkt; lange Umwege müssen von den
Opfern in Kauf genommen werden.
Rassismus ist nach unseren Erkenntnissen
im vergangenen Jahr in Berlin das häufigste
Motiv für Angriffe gewesen, nachdem 2005

noch nicht-rechte, alternative Jugendliche die
am häufigsten betroffene Gruppe war. Außerdem werden politische AktivistInnen, die sich
offensiv gegen Rechtsextremismus positionieren, nach wie vor häufig angegriffen.
Im öffentlichen Diskurs überwiegt für den
Bereich der rechtsextrem motivierten Straftaten, und hierbei besonders für die Gewaltdelikte, nach wie vor die Sichtweise, es handele
sich um ein »jugendtypisches Problem«. Indes
widersprechen selbst die Erkenntnisse der
Ermittlungsbehörden in den zurückliegenden
Jahren diesem hartnäckigen Vorurteil. Auch
die jüngsten wissenschaftlichen Ergebnisse
zeigen, dass sich Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus eben gerade nicht
vorwiegend bei Jugendlichen zeigt. Schließlich steht diese verzerrte Wahrnehmung im
Widerspruch zu den Erfahrungen der potenziellen Opfer rechter/rassistischer Gewalt. Sie
sind täglich mit den unterschiedlichen
Erscheinungsformen rassistischen Handelns
konfrontiert und wissen, dass sie jederzeit an
jedem Ort unabhängig vom Alter der meist
männlichen Täter angegriffen, beleidigt und
erniedrigt werden können. Eine Reduzierung
von Rassismus und Rechtsextremismus auf ein
Jugendphänomen bedeutet für sie die Verharmlosung des Problems und eine Ignoranz
gegenüber ihrer Lebenswirklichkeit.
Die »Mitte der Gesellschaft«
Wissenschaftliche Studien wie die Analyse
»Deutsche Zustände«1 zeigen: Je ausgeprägter
der Nationalstolz, der Stolz Deutscher/Deutsche zu sein, ist, desto signifikanter werden
»fremdenfeindliche« Einstellungen. Die Aufwertung der eigenen Gruppe bedeutet immer
auch eine Abwertung der sogenannten Fremden. Dies ist gerade im Rückblick auf das vergangene Jahr und die Fußballweltmeisterschaft aufschlussreich. Der viel bejubelte und
gelobte positive Bezug auf die deutsche Fahne
und das Nationalgefühl muss u. E. zuerst als
Gefahr für all diejenigen begriffen werden, die
als nicht dazu gehörig definiert werden.
Die Auseinandersetzung um die »No-goareas« in den Wochen unmittelbar vor der
Weltmeisterschaft hat die Arbeit von ReachOut
in dieser Zeit ganz entscheidend geprägt, teilweise sogar dominiert. Dies resultierte vor
allem aus dem Interesse, der Neugier und der
Suche nach harten Fakten von Seiten der
nationalen und internationalen MedienvertreterInnen. Positiv an der Debatte war, dass tatsächlich die Situation der zunehmenden
Angriffe, die sich bereits im Mai 2006 deutlich
1) Heitmeyer, Wilhelm (Hrsg.), Deutsche Zustände, Folge 5.
Frankfurt a. M. 2006.

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 29, märz 2007

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

lassen, den Schutz und die körperliche Unversehrtheit aller Menschen, unabhängig von
ihrem Aussehen, ihrer Herkunft und ihrem
sozialen Status zu gewährleisten.
Hierarchisierung der Opfer?

Rechte Parolen und Hakenkreuz-Schmierereien in
Berlin-Neukölln im Dezember vergangenen Jahres.

abzeichnete, öffentlich diskutiert werden
konnte. Rechtsextremismus und Rassismus
wurden über mehrere Wochen als gesellschaftliche Probleme benannt und diskutiert.
Dennoch ist der Versuch, klar umrissene
»No-go-areas« zu definieren, äußerst problematisch. Die Festlegung impliziert, dass es
auch sichere Orte bezüglich rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalttaten geben
würde. Zumindest für Berlin ist jedoch nach
unseren Erkenntnissen die Situation weitaus
komplizierter. Nahezu überall in der Stadt finden Angriffe zu unterschiedlichen Tages- und
Nachtzeiten statt, am häufigsten im öffentlichen Raum. Fakt ist ebenfalls, dass viele
potenzielle Opfer rechter, rassistischer Gewalt
bestimmte Orte konsequent meiden.
Zudem kann nicht allein die Anzahl der
Delikte Auskunft darüber geben, wie sich die
Situation in einem Bezirk, an einem Bahnhof
etc. für potenzielle Opfer darstellt. Das hängt
auch davon ab, welche Plakate, Aufkleber,
Symbole im öffentlichen Raum zu sehen sind
und wie sich PassantInnen bei einem Angriff
in der Vergangenheit verhalten haben bzw. mit
welcher Feindseligkeit Menschen konfrontiert
sind, die als nicht zur Mehrheitsgesellschaft
dazugehörig gelten. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass potenzielle Opfer auch
in Bezirken leben, die als gefährlich für sie
gelten. Manche entscheiden sich ganz bewusst
dafür zu bleiben, andere haben nicht die Möglichkeit umzuziehen. Diese Bezirke als »No-goareas« zu deklarieren, würde bedeuten, den
Betroffenen die Verantwortung für ihre Sicherheit zu übertragen und deren Lebenswirklichkeit komplett auszublenden. Wenn dann doch
ein Angriff geschähe, wären sie schlimmstenfalls selbst schuld. Schon jetzt werden Opfer
häufig mit Fragen konfrontiert, warum sie sich
überhaupt zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten aufhielten. Schließlich wisse man
ja, wie gefährlich das sein könne. Sowohl die
politisch Verantwortlichen als auch die Sicherheitskräfte würden aus der Verantwortung entmonitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 29, märz 2007

Menschen nicht-deutscher Herkunft müssen ihren Alltag in einem Klima der allgegenwärtigen Diskriminierung im Wohn- und
Arbeitsumfeld und von Seiten der Behörden
gestalten. Die Ausgrenzungserfahrungen
gehen weit über die direkte Bedrohung durch
Rechtsextreme hinaus. Rassistische Stereotypen werden in weiten Teilen der Bevölkerung
nach wie vor als selbstverständlich betrachtet,
so dass nur selten eine Solidarisierung mit den
Opfern stattfindet. Das gilt auch für andere
Opfergruppen: Sozial Benachteiligte (vor allem
Wohnungslose), Punks, nicht-rechte Jugendliche und Menschen mit Behinderungen sind mit
gesellschaftlichen und politischen Voraussetzungen konfrontiert, die soziale, kulturelle
und politische Ab- und Ausgrenzungsmechanismen fördern.
In der Unterstützung der Opfer und vor
allem in der medialen Berichterstattung fällt
seit einigen Jahren auf, dass Angriffe häufig
dann auf öffentliches und politisches Interesse stoßen, wenn die Opfer eingebunden sind in
Strukturen, die gesellschaftlich und politisch
eine hohe Anerkennung und Akzeptanz erfahren. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Angriff
auf die Wahlkampfhelfer der SPD in Hellersdorf. Zu recht zeigten sich sowohl der Regierende Bürgermeister als auch andere politische
Akteure betroffen und empört über den perfiden Angriff, sprachen öffentliche Verurteilungen aus und sicherten den Opfern ihr Mitgefühl und Unterstützung zu. Dementsprechend
häufig und ausführlich haben die Medien über
den Angriff und die Folgen berichtet. Gleichzeitig wurde den Tätern und ihren AnhängerInnen klar signalisiert, dass deren brutales
Vorgehen in keiner Weise toleriert wird.
Als Beratungseinrichtung würden wir uns
wünschen, dass Opfern, die nicht per se über
eine ähnliche Lobby verfügen, wie beispielsweise junge Punks oder Flüchtlinge, die gleiche Aufmerksamkeit, die gleiche Empathie
erfahren und die gleiche Empörung gegenüber
den TäterInnen bekundet wird. So wären unsere Bemühungen, Unbeteiligte während eines
Angriffes zum Helfen und Eingreifen zu motivieren und die Opfer besser zu schützen, weitaus Erfolg versprechender.
Sabine Seyb, ReachOut
www.reachoutberlin.de

4 mit Hitlerbildern, Hakenkreuzen
und SS-Runen versehen war – rief die
Band zum »Kampf für den Erhalt der
weißen Rasse« auf.
Da die Gruppe fast nur im benachbarten Ausland auftrat, wurden
grenzüberschreitende Ermittlungen
aufgenommen. Im Prozess hatten die
Bandmitglieder umfassende Geständnisse abgelegt und die Combo für
aufgelöst erklärt. Damit ist nach
LANDSER zum zweiten Mal in der
Geschichte der Bundesrepublik eine
Band wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung verurteilt worden.

Nazi-Anwalt als Autor
bei C.H. Beck
Berlin • Der als Strafverteidiger von
Rechtsextremisten bekannt gewordene Rechtsanwalt CARSTEN SCHRANK tritt
auch als Autor des renommierten
Verlages C.H. Beck auf. Sein in der
Nazi-Szene bisher beliebtestes Buch
»Richtiges Verhalten im Strafverfahren« hat er 2001 dort als Rechtsratgeber in der dtv-Reihe veröffentlichen können. Bekannt geworden ist
SCHRANK als Verteidiger in den Verfahren gegen die Täter der Menschenjagd in Guben, gegen Mitglieder der
SKINHEADS SÄCHSISCHE SCHWEIZ sowie als
Vertreter der NPD – unter anderem
für den NPD-Parteivorsitzenden UDO
VOIGT.
Im November 2006 hat der Anwalt
sein inzwischen drittes Buch veröffentlicht. Unter der Überschrift
»Rechts-Staat Deutschland?« versammelt SCHRANK substanzlose
Betrachtungen zum »Kampf der
Justiz gegen Rechtsextremisten«,
wie es im Untertitel heißt. Auf Dutzenden von Seiten ventiliert er die
sattsam bekannte Leier, dass der
Rechtsstaat die Rechtsextremisten
nicht rechtsstaatlich behandele. Seine eigene Rolle blendet SCHRANK aus
und vermittelt den Schein des objektiven Juristen. So zitiert er volksverhetzende LANDSER-Texte ohne zu
erwähnen, dass er selber ein SoliKonto für die Bandmitglieder einrichtete. Ebenso verteidigt SCHRANK
auf vielen Seiten die Positionen der
NPD, für die er Rechtsschulungen
durchführte.

Landesparteitag der
Berliner NPD
Berlin • Am 4. Februar fand in Schöneweide unter Ausschluss der 6

3

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

4Öffentlichkeit der NPD-Landesparteitag statt. Da es der Parteiführung gelang, den Veranstaltungsort bis zum Schluss geheim
zu halten, konnte dieser ohne Störungen durchgeführt werden. Die
Berliner Polizeiführung soll bereits
einige Tage zuvor vom geplanten
Tagungsort gewusst haben, diesen
jedoch erst unmittelbar zu Veranstaltungsbeginn bekannt gegeben
haben, um antifaschistische Proteste unmöglich zu machen.

Zündel zu Höchststrafe
verurteilt
Mannheim • Das Landgericht hat
am 15. Februar den 67jährigen
Holocaust-Leugner ERNST ZÜNDEL zu
einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt. Die Richter sahen in
Zündel einen »rassistischen Agitator, Hetzer und Brandstifter«. Der
zuletzt in Kanada lebende Rechtsextremist hatte auf seiner Homepage den Holocaust leugnende,
sowie zahlreiche weitere rassistische und antisemitische Hetzschriften veröffentlicht. Er war in
Kanada bereits zwei Jahre inhaftiert, bevor er im März 2005 an
Deutschland ausgeliefert wurde.

Machtkampf in
Hamburger NPD
Hamburg • Am 4. Januar ist der
Parteivorstand der Hamburger NPD
um die Landesvorsitzende ANJA ZYSK
zurückgetreten. Neuer Vorsitzender
ist JÜRGEN RIEGER. ZYSK war parteiintern umstritten und wurde von
einer Gruppe um das Landesvorstandsmitglied THORSTEN DE VRIES mit
Unterstützung von THOMAS »STEINER«
WULFF angefeindet. ZYSK warf DE
VRIES vor, sie als Vorsitzende stürzen und JÜRGEN RIEGER als Spitzenkandidaten für die Bürgerschaftswahl 2008 installieren zu wollen.
Nach ihrem Rücktritt zeigte ZYSK DE
VRIES u.a. wegen des Verwendens
»nationalsozialistischer Grußformeln«, Beleidigung und Gewaltandrohung an. Zudem kritisierte sie
den NPD-Bundesvorstand in einem
offenen Brief, weil dieser trotz
Kenntnis der Verhältnisse nicht
interveniert habe. Der Bundesvorstand hat ein Ausschlussverfahren
gegen ZYSK und DE VRIES angestrengt.

4

Generalmusikdirektor a. D.
dirigiert für Neonazis
Ü

Bericht
Der ehemalige Chefdirigent der Komischen Oper ist
für den FREUNDESKREIS ULRICH VON HUTTEN aktiv
Er ist ein über 80-jähriger ehemaliger Generalmusikdirektor und für seine langjährigen Verdienste zum Ehrenmitglied zweier Opernhäuser ernannt worden. Im Jahr 2000 wurde er mit
dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Eben dieser Professor ROLF REUTER schult
junge Singleiter für den neonazistischen FREUNDESKREIS ULRICH VON HUTTEN.

R

OLF REUTER hat einen beeindruckenden
Lebenslauf vorzuweisen: Generalmusikdirektor an der Oper Leipzig, am Nationaltheater in
Weimar und der Komischen Oper in Berlin; er
unterrichtete an Musikhochschulen in Leipzig,
Weimar, Berlin, München, Lyon. »Als Operndirigent hat er sich vor allem als Mozart- und Wagnerdirigent einen geachteten Ruf erworben, und
Gastverpflichtungen führen ihn ständig an die
großen Opernhäuser Europas und nach Übersee«,
schreibt das Berliner Philharmonische Kammerorchester über ihn.1
Seit Mitte der 1990er Jahre taucht REUTER
zunächst sporadisch und später immer häufiger
in extrem rechten Zusammenhängen auf. Er posi-

tionierte sich als Verteidiger der Meinungsfreiheit – für Leugner des Holocaust. Schon 1996
unterzeichnete er den »Appell der 100. Die Meinungsfreiheit ist in Gefahr«, eine Solidaritätsadresse für den Verleger WIGBERT GRABERT, der
wegen des Vertriebs des Auschwitz leugnenden
Buches »Grundlagen zur Zeitgeschichte« zu einer
Geldstrafe verurteilt worden war.
Deutsche Scham
Zwei Jahre später verlangte ROLF REUTER in
einem offenen Brief von der Internationalen
Gesellschaft für Menschenrechte, sofort gegen
den »Gesinnungsterror« in Deutschland vorzugehen. Anlass waren REUTER erneut zwei Verurtei-

In dieser Rubrik stellen wir jeweils einen Vortrag, Workshop oder ein Seminar aus unserem Bildungsprogramm vor. Den kompletten ReferentInnen-Katalog gibt es unter www.apabiz.de.

bildung en detail Neuer Vortrag im Programm des apabiz

Esoterik: Nur vermeintlich unpolitisch
Die zunehmende Vereinzelung der Menschen
hat viele Unsicherheiten mit sich gebracht. Die
individuellen Auswege daraus sind ebenso vielfältig: Ob der Glaube an die Kraft von Amuletten, das Erwarten der kosmischen Weltrevolution oder einfach nur »bewusst leben« für eine
schönere Wiedergeburt – Esoterik ist nach wie
vor angesagt.
Dabei ist Wenigen bekannt, aus welchen
Wurzeln und Kontinuitäten – auch des Nationalsozialismus – sich New Age, Hippie-Bewegung
und/oder der völkische Naturkult bedienen. Die
grundlegenden Prinzipien, wie Karmaglaube, der
Geschlechterdualismus und die Absage an Rationalität und Materialismus, sind nicht nur alles
andere als emanzipativ. Sie sprechen auch ein
sich als alternativ empfindendes Publikum an,
das rechte Inhalte in Kombination mit einer
»spirituellen Selbstbefreiung« entweder hinnimmt oder bereit ist, sie in ihr vermeintlich
unpolitisches Weltbild zu integrieren. Dass es

dabei sowohl personelle als auch ideologische
Überschneidungen in die extreme Rechte gibt,
wird selten problematisiert.
Der Vortrag im Programm des apabiz bietet
einen kurzen Abriss über die historische Entwicklung der »klassischen« Esoterik in Deutschland und kann je nach Wunsch näher auf die
»grüne« Eso-Bewegung, wie die WANDERVOGELBEWEGUNG und später die ÖKOPAX-BEWEGUNG (RUDOLF
BAHRO) und den »spirituellen Ökofeminismus«
eingehen, oder auf das Heidentum als deutsche
Ausprägung einer völkischen Esoterik und
Schnittstelle zu einer »arteigenen« Religion und
ihren nationalistischen und rechtsextremistischen Inhalten und Organisationen in Deutschland.
Die ReferentInnen sind eine Mitarbeiterin
des apabiz und ein Mitarbeiter des Netzwerk
Courage Niedersachsen. Der Vortrag ist als
Abendveranstaltung mit Powerpoint-Präsentation und ggf. Filmausschnitten konzipiert.

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 29, märz 2007

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

Prof. REUTERS Aktivitäten gegen »Gesinnungsterror«.
lungen gegen rechtsextreme Verleger wegen
Volksverhetzung, gegen ANDREAS RÖHLER und UDO
WALENDY. Für beide forderte er Gedankenfreiheit:
»Ich schäme mich als Deutscher für dieses ‘im
Namen des Volkes’ begangene Unrecht.« Der Brief
wurde in einschlägig rechtsextremen Publikationen wie NATION & EUROPA mit Foto und ausführlicher Vita des Verfassers – »zählt zu den namhaftesten Musikwissenschaftlern unserer Zeit« –
abgedruckt.2 REUTER wiederholt bekannte rechtsextreme Topoi, um sich zum Anwalt von rechtsextremen Volksverhetzern zu machen. Seine Privatadresse taucht im Notizbuch des Schweizer
Holocaust-Leugners BERNHARD SCHAUB auf. Für REUTERS Arbeit hatten solche politischen Aktivitäten
keinerlei Folgen. Seitdem er 1993 sein Engagement als Chefdirigent der Komischen Oper beendet hatte, führt er seine Tätigkeit an diversen
Instituten fort.
Gefragter DKG-Referent
Seit Jahr 2001 lassen sich die Teilnahme des
Generalmusikdirektor a. D. und frisch dekorierten Professor ROLF REUTER an den Gästewochen der
DEUTSCHEN KULTURGEMEINSCHAFT (DKG) und seine teilweise Tätigkeit als Referent auf diesen Veranstaltungen belegen. Er bringt dort seine musikalischen Qualifikationen für den Nachwuchs ein
und setzt bei seinen Referaten bekannte Komponisten in das Verhältnis zur »deutschen Volksseele«.3 Eine Formulierung, die auch Ausdruck
von REUTERS Interesse an der Anthroposophie sein
könnte.4 An seiner Seite referieren bekannte
Exponenten des österreichischen und bundesdeutschen Neonazismus.
monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 29, märz 2007

Im Mai 2006 führte REUTER als Referent durch
das Thema »Das Volkslied als Mutterboden der
musikalischen Hochkultur«. Anlass war der erste
Singleiterkurs einer neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft »Volk und Musik« im FREUNDESKREIS
ULRICH VON HUTTEN. Neben Reuter sprach die Vorsitzende der DEUTSCHEN KULTURGEMEINSCHAFT, LISBETH GROLITSCH. Anschließend »nahmen die Anwesenden
mit viel Lust und Freude an der praktischen Singund Dirigierarbeit teil.«5 Hier macht die DKG noch
mal in völkischem Duktus deutlich, welches Lied
bei ihnen gesungen wird: »Die Tagung war auch
eine Absage an den Bänkelsänger- und Rockmusikstil, der sich leider auch bei nationalen Veranstaltungen eingenistet hat.«
Der FREUNDESKREIS ULRICH VON HUTTEN ist gemeinsam mit der von ihm angeleiteten DKG eine der
wichtigsten Kaderorganisationen innerhalb des
deutschen Neofaschismus. Seine Aufgabe sieht er
v. a. in der Wissensvermittlung und Schulung der
jungen Kader, seine Tagungen dienen als Treffen
der neofaschistischen Führungspersonen und zur
Kontaktaufnahme zwischen der älteren Generation und dem Nachwuchs.
Fazit
Warum ROLF REUTER in diesem politischen Spektrum so aufdringlich tätig wird, wundert doch.
Auch wenn der Höhepunkt seines künstlerischen
Schaffens gewiss vorbei ist: Was treibt einen
Mann, den man ohne Zweifel einer musikalischen
wie gesellschaftlichen Elite zuordnen darf, dazu,
den Taktstock für völkische Neonazis zu schwingen? Seine politischen Meinungsäußerungen lassen keinen Zweifel daran zu, dass er wusste, mit
wem er es zu tun hat.
Die Komische Oper in Berlin zumindest nimmt
die vorgebrachten Aktivitäten REUTERS sehr ernst
und prüft, ob die Ehrenmitgliedschaft in dem
Hause, dem er lange Jahre als Chefdirigent seinen
Stempel aufdrückte, Bestand haben kann. Wir
denken, dass solch eine Kulturarbeit nicht nur
dem Hause der Komischen Oper keine Ehre
machen kann. Seine gesamte aktuelle Lehrtätigkeit steht dringend zur Diskussion, ebenso wie
seine Ehrung durch das Bundesverdienstkreuz.
Inwieweit seine frühere musikalische Arbeit durch
diese neuen Fakten in einem anderen Licht dastehen und eventuell neu bewertet gehören, dazu
sollten sich seine Weggefährten äußern.
Ulli Jentsch
1) Siehe http://www.philharmonie.com/rolf_reuter.htm, eingesehen am 25.10.2006.
2) NATION & EUROPA, Heft 9, September 1998, S. 58; Flugblatt
bei ARBEITSGEMEINSCHAFT FÜR DEMOKRATISCHE POLITIK (AFP), 1998.
3) Die Referate trugen die Titel »Händel und die deutsche
Volksseele«, das gleiche für von Weber, Bruckner, Haydn
und Beethoven.
4) REUTER war bekannt mit dem verstorbenen Leiter des COLLEGIUM HUMANUM und rechtsextremen Anthroposophen WERNER
GEORG HAVERBECK.
5) HUTTENBRIEFE 2/2006, S. 10.

NPD und B&H ehren
»Kampf gegen den Bolschewismus«
Budapest • In der ungarischen
Hauptstadt versammelten sich am 10.
Februar über 1.000 Neonazis zum alljährlichen »Tag der Ehre«. Anlass für
diesen neonazistischen Gedenktag ist
der Durchbruchsversuch deutscher
und ungarischer Truppen während der

Belagerung von Budapest durch die
Rote Armee im Februar 1945. Der Einladung von BLOOD & HONOUR (B&H)
Ungarn folgten u.a. Vertreter von
B&H aus England, Belgien, Slowenien
und Kroatien. Unter den sechs Rednern der Gedenkveranstaltung befanden sich auch drei Deutsche, die
allesamt Funktionsträger der NPD
sind. Neben dem bayerischen Funktionär MATTHIAS FISCHER und dem Vorsitzenden des Berliner Landesverbandes

ECKART BRÄUNIGER sprach auch der
Bundesvorsitzende UDO VOIGT. In ihren
Reden wurde nicht nur die »deutschungarische Waffenbruderschaft« im
»Kampf gegen den Bolschewismus«
hervorgehoben, sondern auch die
internationale Neonazi-Szene in deren
Tradition gesetzt.

Drittes »Turn it down!«Festival im April
Berlin • Am 13. und 14. April findet
in Berlin das 3. »Turn it down!«Festival statt. Am 13. April spielen im
Cafe Morgenrot u.a. die Bands
it.is.imperative aus Berlin und die
finnische Thrashband Hero Dishonest.
Einen Tag später geht es im Festsaal
Kreuzberg mit den Bands Now Denial,
Mönster, Idiots Rule, Duesenjaeger und
Trainwreck weiter. Es wird Info- und
Plattenstände und natürlich auch
leckere Cocktails geben. Mehr Infos
auf http://www.turnitdown.de.

5

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

Chemtrails: Gift am Himmel
Profil
JF vs. IfS und NPD?
Berlin • Das neurechte INSTITUT FÜR
STAATSPOLITIK (IfS) hat sein 13. Berliner Kolleg für eine Analyse der eigenen Situation unter dem Motto
»Bestandsaufnahme - Wo stehen und
was wollen wir?« genutzt. Zu der
Tagung in dem Park-Hotel Schloß
Kaulsdorf kamen über 150 TeilnehmerInnen. Der Chefredakteur der
extrem rechten Wochenzeitung JUNGE
FREIHEIT, DIETER STEIN, beschrieb in
einem Gespräch nicht nur die JF als
wichtige Zeitung der »Neuen Rechten«, sondern nutzte auch die Möglichkeit für eine Kritik an GÖTZ KUBITSCHEK. Dieser hatte im Januar der
NPD-Zeitung DEUTSCHE STIMME ein
Interview gegeben. STEIN erklärte die
NPD aufgrund ihrer positiven Bezugnahme auf den Nationalsozialismus
zum politischen Gegner. Diese These
führte im Publikum zu einer intensiven Auseinandersetzung über den
eigenen politischen Umgang mit der
NPD, die auch die anwesenden NPDFunktionäre ANDREAS STORR und ARNE
SCHIMMER gefreut haben dürfte.

Alljährlicher Aufmarsch
in Dresden
Dresden • Am 13. Februar erinnerten über 1.500 Neonazis mit einem
Aufmarsch an die Bombardierung
von Dresden im Februar 1945. Im
Gegensatz zu den letzten Jahren
fand diesmal der zentrale Aufmarsch
am Jahrestag statt. Unter den TeilnehmerInnen waren neben VertreterInnen der NPD und der Kameradschaften auch zahlreiche Neonazis
aus dem Ausland wie z.B. Portugal
und Osteuropa. Mehrere tausend Personen aus dem bürgerlichen und
antifaschistischem Spektrum protestierten gegen einen der größten
Aufmärsche des Jahres.
Das veranstaltende AKTIONSBÜNDNIS
GEGEN DAS VERGESSEN wird maßgeblich
von der JUNGEN LANDSMANNSCHAFT OSTDEUTSCHLAND getragen, welche auch in
der Vergangenheit für die Demonstration zum 13. Februar verantwortlich war. Im Rahmen einer bundesweiten Aktionswoche hatte das
Bündnis zu dezentralen Aktionen
aufgerufen, bei der das neonazistische Gedenken in die Öffentlichkeit
getragen werden sollte. In Berlin
kam es beispielsweise zu mehreren
Flugblatt- und Transparentaktion aus
dem Kameradschaftsspektrum.

6

Ü Zur Verbindung von Esoterik und extremer Rechter

Seit einigen Jahren kursieren Gerüchte über so genannte »Chemtrails«, die vor allem im Internet
verbreitet werden. Verkürzt wiedergegeben soll es sich dabei um als Kondensstreifen getarnte
Giftgas-Attacken auf die Bevölkerung handeln,
hinter denen die üblichen Verdächtigen stehen:
Je nach politischem Feindbild sind es größenwahnsinnige WissenschaftlerInnen, die Industrie oder »die da oben« – also die eigene Regierung oder die WeltverschwörerInnen, personalisiert als »US-Imperialisten« und/oder Juden.

D

er Kern dieser Verschwörungstheorie geht auf
die Behauptung zurück, dass seit dem Ende der
1990er Jahre im Rahmen eines US-Projektes durch
das systematische Versprühen von Chemikalien –
v.a. Barium-Salze und Aluminium – die Erderwärmung reduziert würde. Im Gegensatz zu normalen
Flugzeugkondensstreifen sollen sich die dadurch
entstehenden »Chemtrails« – abgeleitet von »contrail« für Kondensstreifen – angeblich nicht innerhalb weniger Minuten auflösen, sondern würden
auf merkwürdige Weise zerfasern und eine dünne
Wolkendecke bilden, die das Wetter unnatürlich
verändere. Zudem bilde sich ein Magnetfeld, dem
alle möglichen Wirkungen bis hin zur Gedankenmanipulation nachgesagt werden.
»Chemtrails« und ähnliche Wetterveränderungen sollen militärischen Zwecken dienen – wie
angeblich schon im Kosovo-Krieg geschehen –,
heimliche Massenimpfungen ermöglichen und als
biologische Waffe die Weltbevölkerung durch
Krankheiten und Dürren um zwei bis vier Milliarden Menschen reduzieren. Die meisten AnhängerInnen der »Chemtrail-Theorie« unterstellen den
vermeintlichen VerursacherInnen also durchweg
negative Absichten, die weit über die ursprünglichen Ziele einer Klimaverbesserung hinausgehen.
Meist glauben sie nicht nur an diese eine Verschwörung, sondern integrieren alle möglichen
Verschwörungstheorien in ihr finsteres Weltbild,
erleichtert durch das Medium Internet.
In diesem Sinne ist das Berliner NEUSCHWABENLANDFORUM (NSL) ein Paradebeispiel für die Verquickung von esoterisch-pseudowissenschaftlicher
Verschwörungstheorie und Rechtsextremismus. Auf
ihren Veranstaltungen werden regelmäßig Vorträge
zu »Chemtrails«, aber auch über »Nazi-Flugscheiben« gehalten, so dass sich eine rückwärtsgewandte NS-Nostalgie und -Mythologie mit der Inszenierung einer aktuellen Bedrohung durch »USRael« zu
einem rechtsextremen politischen Programm formt.
So berichtete etwa KAWI SCHNEIDER vom NSL auf
http://unglaublichkeiten.com: »Viele Chemiestreifen von Jauchebombern über Berlin-Zehlendorf
waren am Sonnabend, dem 10. Juni 2006 kurz vor
dem Frühstück zu sehen. Ich war so sauer über die-

Geschlossene Chemiewolkendecke überm apabiz.
se Giftmord-Anschläge auf die Berliner Bürger, daß
ich Fotos von den Chemtailern [sic!] machte, was
aber gut war, denn nur so konnte ich gleich den
Apparat für eine silbrige Flugscheibe (CIA-Codename: UFO) benutzen [...] Die Flugscheibe hatte
weder einen Contrail noch einen Chemtrail hinterlassen und flog abwechselnd sichtbar und unsichtbar von Ost nach West.« Der sächsische NPD-Abgeordnete WINFRIED PETZOLD hat eine Anfrage an den
Landtag gestellt, in der er von Chemtrail-Sichtungen berichtet und fragt, »inwieweit [...] die Behörden des Freistaates Sachsen über derartige Vorgänge informiert bzw. daran aktiv beteiligt« seien.1
Verschwörungstheorien sind gegen wissenschaftliche Erklärungen weitgehend resistent,
können sie doch immer davon ausgehen, dass die
VerbreiterInnen der »Gegeninformationen« Teil der
Verschwörung sind. So hilft es hier auch nicht mitzuteilen, dass es sich bei »Chemtrails« um normale
meteorologische Erscheinungen oder einfach Fehlinterpretation von Fachinformationen handelt.
Das mit Verschwörungstheorien verbundene
Freund-Feind-Denken ist ein Grundmuster autoritären und totalitären politischen Denkens. Internationale Weltverschwörungen appellieren dabei
an die nationalen Gefühle der RezipientInnen. So
mag die »Chemtrail-Theorie« zwar mitunter eine
harmlose Wahnvorstellung umweltbewusster Menschen sein, die sich ihre Kopfschmerzen erklären
müssen. Sie kann aber auch Aspekt eines Weltbildes werden, das ein simplifizierendes Erklärungsmuster für komplexe gesellschaftliche Vorgänge
bietet. Auf diesem Weg geht esoterische Pseudowissenschaft einen Bund mit antisemitischem und
rechtem Gedankengut ein.
Eike Sanders
1) Landtags-Drucksache 4/3782.
Literatur:
Holm Hümmler, »Chemtrails – Zwischen Meteorologie und Verschwörungstheorie«. In: Skeptiker 2/06, S. 48-55.
http://www.greenpeace–magazin.de/magazin/reportage.php?
repid=2129.

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 29, märz 2007

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

17,5 Prozent sind weiblich
Ü

Hintergrund
Schätzungen über das Geschlechterverhältnis
in der Neonazi-Szene konnten bestätigt werden
Wie hoch ist der Frauenanteil in der extrem rechten Szene? Dieser Frage wurde schon auf
vielfältige Weise nachgegangen, mit teilweise sehr unterschiedlichen Antworten. Die Zählbeziehungsweise Schätzmethoden haben entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis. Hinzu
kommt die Möglichkeit, dass es in den Teilfeldern der Szene (beispielsweise Musik-zentriert,
Demo-Publikum, Organisationsmitgliedschaften) und auch regional einen unterschiedlich
hohen Frauenanteil geben dürfte. Meist bewegen sich die Schätzungen zwischen zehn und 30
Prozent. Für höhere Ebenen von Organisationen, wie beispielsweise Wahlkandidaturen für
die NPD, kann von einem geringeren Frauenanteil als an der Basis ausgegangen werden.

E

in bislang in der Forschung wenig beachteter
Aspekt ist der Anteil von extrem rechten Frauen in den Internetmedien der Szene. Ein erstes
Fragment hierzu hat nun das apabiz erarbeitet: Wir
haben die Userdaten aus dem Forum der Internetseite des Freien Widerstandes untersucht. Diese
Seite war bis vor etwa eineinhalb Jahren das
bedeutendste Vernetzungsmedium im Internet für
die parteiskeptische neonazistische Kameradschaftsszene. Im Jahr 2005 wurde die Seite von der
Datenantifa gehackt und hat seitdem an Bedeutung eingebüßt. Durch den Hack ist auch der interne Datenverkehr zwischen den Usern öffentlich
geworden. Die so zugänglichen „Persönlichen Nachrichten“ aus dem Forum waren Grundlage für unsere Auszählung. Im Ergebnis stellten wir fest, dass
17,5 Prozent der User weiblich und 82,5 Prozent
männlich waren.
Bereits vorhandene Schätzungen aus anderen
Bereichen und auch unsere Vorannahmen haben
sich durch diese Zahl in etwa bestätigt. Zumindest
für den Fall des Freien Widerstands lässt sich festhalten, dass Frauen in etwa gleich präsent im
Internet sind wie zum Beispiel auf Demonstrationen. Zuweilen geäußerte Mutmaßungen, dass der
(über Jahre gestiegene) Anteil von Frauen auf
rechten Demonstrationen keinen Rückschluss auf
deren Einbindung in die Szene und ihren Aktivi-

Das Info-Paket
vom apabiz e.v.
Nicht nur für Vereine und Institutionen, sondern für
alle, die in den Genuss des gesamten Service des
apabiz e.v. kommen möchten, gibt es jetzt unser
Info-Paket in den Größen S, M und L:

monitor

• je 3/10 / 20 Exemplare des
pro Ausgabe
• den ReferentInnen-Katalog inklusive Updates
• zwei Exemplare aller neuen Publikationen des
apabiz e.v. (Broschüren, Handreichungen etc.)
• Sonderkonditionen bei Nachbestellungen und
Recherche-Anfragen
gibt es für 70 Euro / 100 Euro / 130 Euro im Jahr!

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 29, märz 2007

tätsgrad zulasse, können insofern zurückgewiesen
werden. Im Forum wurden für die Szene relevante
Ereignisse, Strategien und persönliche Netzwerke
diskutiert und Frauen waren daran genauso stark
vertreten wie auf der Straße.
Um unsere Methodik transparent zu machen,
sind einige Anmerkungen zu unserer Auszählweise
nötig. Es standen aus dem Hack Daten von 4.020
Usern zur Verfügung, von denen insgesamt 7.026
Nachrichten überliefert waren. Ausgezählt wurden
alle User, deren Profildatei mindestens zwei Kilobyte groß war. So wurde sichergestellt, das nur User
mit einem Mindestmaß an Aktivität in die Auszählung eingingen. Von ursprünglich 4.020 Usern blieben 453 User übrig. Die Daten dieser User sowie die
Inhalte ihrer Nachrichten wurden sodann auf
geschlechtseindeutige Merkmale durchsucht. Als
solche Merkmale galten gegebenenfalls Usernamen
(„Holger“, „Skingirl“), Mailadressen (karin@...)
und die Namen, mit denen die jeweiligen Nachrichten unterzeichnet waren („mit kameradschaftlichem Gruß, Michael“). Zwar wird es sich bei Userund Mailnamen oft um Pseudonyme handeln und
auch die Zeichnung der Nachrichten kann nicht
unbedingt als Klarname betrachtet werden. Aber es
ist davon auszugehen, dass die gewählten Namen
auf das jeweils tatsächliche Geschlecht verweisen.
Auch Selbstzuschreibungen („ich bin ein junges
Weib“) oder Artikel bei eigentlich geschlechtsneutralen Namen („Ich bin die Alex“) wurden gezählt.
In wenigen Fällen flossen - legitimiert durch das
Homosexualitätstabu in der Neonaziszene - auch
Bezüge auf die jeweiligen LebenspartnerInnen
(„meine Freundin sagt“ = männlich, „ich werde
meinem Mann ausrichten“ = weiblich) mit ein.
Eine sichere Zuordnung gelang bei 294 Usern.
Davon abgezogen wurden a) Nichtrechte, die das
Gespräch mit Neonazis suchten (4), b) überzählige
Accounts von Usern, die unter mehreren Namen
aktiv waren (9) und schließlich c) Nichtdeutsche
(7). Es blieben 274 User übrig, über die genug
bekannt war, um das quantitative Geschlechterverhältnis abschätzen zu können. Das Ergebnis der
abschließenden Auszählung: 226 der User waren
männlich, 48 weiblich.
Toni Peters

V-Punk rocken
wieder rechts
Neufeld • Am 20. Januar fand in
Neufeld in Schleswig-Holstein ein
Konzert mit den beiden rechtsextremen Bands SACHSONIA und DAS LETZTE
AUFGEBOT sowie der wegen ihrer rechten Affinität bekannten Kieler Band
V-PUNK statt. Während der rechtsextreme V7-VERSAND das Konzert per
Email-Einladung lediglich als »im
norddeutschen Raum« bewarb, kündigten V-PUNK auf ihrer Website Neufeld als Veranstaltungsort an. Laut
Polizeiangaben hat das Konzert planmäßig und ohne weitere Zwischenfälle stattgefunden.

Treffen europäischer
Rechtsextremisten in
Dresden und Athen
Dresden • Am 16. und 17. Februar
trafen sich Delegierte der EUROPEAN
NATIONAL FRONT (ENF) auf Einladung
der NPD und der JN in Dresden und
Riesa. An dem inzwischen siebten
Treffen der ENF nahmen VertreterInnnen von elf Gruppierungen teil, die
in ihren Ländern den äußersten Flügel des Rechtsextremismus repräsentieren. Neben den Gastgebern waren
dies u.a. die BRITISH NATIONAL PARTY
(GB), FORZA NUOVA (I) und die FPÖ
(A). Die ENF bezeichnete das Treffen
mit fast dreißig Anwesenden als großen Erfolg.
Keinen Erfolg hingegen hatte die
Jugendorganisation der NPD, die JN,
mit ihrem lange geplanten Europakongress, der Ende Februar in Sachsen stattfinden sollte. Nach polizeilichen Rundschreiben, die vor dieser
Veranstaltung warnten, hatte der
bereits gefundene Vermieter seine
Zusage zurückgezogen. Nach Aussagen von JN-Chef STEFAN ROCHOW hätten die anschließenden Anfragen bei
fast 100 Sälen sowie die Suche engagierter Kameraden keinen Erfolg
gehabt. Ein verkleinerter Kongress
mit rund 40 ausländischen Gästen
wurde dann in eigenen Räumen in
Riesa abgehalten.
Bereits Ende Januar hatte eine 15köpfige Delegation der NPD die griechische PATRIOTISCHE ALLIANZ in Athen
besucht, um an einer jährlichen
Gedenkdemonstration teilzunehmen.
Auf das Hotel, in dem u. a. die deutsche Delegation untergebracht war,
wurde in der Nacht zum 26. Februar
ein Brandanschlag verübt.

7

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

Abonnieren...
monitor

...kann man den
nicht. Aber
wer Fördermitglied des apabiz e.v. wird,
der bekommt ihn kostenlos zugeschickt!
Spenden und vor allem ein fester Kreis
von Fördermitgliedern sind für unsere
Arbeit unersetzbar. Sie sichern den
Erhalt unseres Projektes unabhängig
von öffentlichen Geldern und damit
unabhängig von gesellschaftlichen
Stimmungen. Die Spenden sind steuerlich absetzbar.

Fördermitglied werden
Ihr spendet uns einen festen monatlichen Betrag, den wir von Eurem Konto
abbuchen. Alternativ ist auch die Einrichtung eines Dauerauftrages möglich.
Dafür erhaltet Ihr diesen Rundbrief mit
unserer internen Beilage, werdet mit
Informationen versorgt und bekommt
einen Kaffee, wenn Ihr vorbeikommt.

Spenden
Ihr überweist einfach einmalig oder per
Dauerauftrag auf unser Konto (s. S. 1).
Für die Ausstellung einer Spendenbescheinigung müsst Ihr uns allerdings
noch Eure Daten zukommen lassen.
Auch Sachspenden sind willkommen.

Fördermitgliedschaft
Hiermit erteile ich dem apabiz e.V. eine
Einzugsermächtigung über monatlich
_________Euro (mind. 5 Euro).
Dauerauftrag/Einmalige Spende
Ich habe zur Unterstützung Eurer Arbeit
einen Dauerauftrag eingerichtet.
einmalig ______Euro überwiesen.
Kontonummer: ____________________
Bank und BLZ: ____________________
________________________________
Name/Organisation: _______________

________________________________
Adresse: _________________________
________________________________
e-mail: __________________________
Unterschrift: _____________________
Spendenbescheinigung erwünscht
(Fördermitglieder und Dauerspender erhalten diese einmal jährlich)

In dieser Rubrik wollen wir Euch
einen kurzen Überblick über
Bücher, Broschüren und andere
Medien geben, die im Archiv neu
eingegangen und ab sofort verfügbar sind. Darüber hinaus werden wir auf bestimmte Sachgebiete hinweisen, zu denen Ihr
Sammlungen bei uns finden könnt. Danke an die Verlage.

Neu im Archiv

• Frei, Norbert; van Laak, Dirk; Stolleis, Michael
(Hg.): »Geschichte vor Gericht. Historiker, Richter
und die Suche nach Gerechtigkeit«. C. H. Beck,
München 2000.
»Der Historiker als Richter – der Richter als
Historiker« lautet der Titel eines der Aufsätze aus
dem Sammelband, der sich aus verschiedenen
Blickwinkeln mit der Rolle und den Grenzen von
Justiz und Historikern bei der Aufarbeitung vor
allem der nationalsozialistischen Vergangenheit
beschäftigt. Dabei wird auch der Blick über den
deutschen Tellerrand gewagt: So finden sich unter
anderem Aufsätze über den Stalinismus im Urteil
russischer Historiker und die Arbeit der schweizerischen Bergier-Kommission.
• »Realität – Metapher – Symbol. Auseinandersetzung mit dem Konzentrationslager«. Dachauer
Hefte, Heft 22/2006. Verlag Dachauer Hefte, Dachau 2006.
»Arbeit macht frei« – so der zynische Sinnspruch, der am Eingang vieler nationalsozialistischer Konzentrationslager zu lesen war. Doch
woher stammt er? Dieser und anderen Fragen
gehen die Beiträge der 22. Ausgabe der Dachauer
Hefte nach. Den größeren Zusammenhang stellt
dabei die Auseinandersetzung mit der Realität des
KZ in Künsten, Medien und Erinnerungsdiskursen
dar. Veröffentlicht werden unter anderem die
ergreifenden letzten Notizen des Belgiers Isidor
Mohls, der im Mai 1945 im befreiten Ghetto Theresienstadt gestorben ist.
• Lachauer, Chloé: »Die dunkle Seite Europas.
Rechtsextreme auf dem Weg zum politischen
Akteur?«. Tectum Verlag, Marburg 2005.
Wie rechts ist Europa? So lautet die Frage, der
Chloé Lachauer in ihrer Untersuchung nachgeht
und die sich besonders nach den Wahlerfolgen
rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien
bei der Europawahl im Juni 2004 und deren jüngsten überparteilichen Vernetzungsversuchen stellt. In 15 EU-Länderstudien analysiert Lachauer
Entwicklung und Aufstieg rechter Parteien und
nimmt auch die Rolle des Internets bei der rechten Netzwerkbildung in den Blick.
• Fahr, Margitta-Sybille: »‘Was steht an jedem
Haus? – Ausländer raus!’. Rechtsextreme Ausdrucksformen und Bilderwelten – Ikonografie der
Gewalt«. Mobiles Beratungsteam Brandenburg,
Brandenburgische Universitätsdruckerei und Verlagsgesellschaft Potsdam mbH, 3. Aufl. 2005.
Symbole, Kennzeichen und bildhafte Darstellungen von politischen Einstellungen sind fester

Bestandteil rechtsextremistischer Alltagskulturen
und prägen die Verhaltensweisen der Träger. In
der Broschüre erläutert die Berliner Ethnologin
Margitta-Sybille Fahr anhand von aktualisiertem
Text- und Bildmaterial die relevanten Muster und
ihre historischen Wurzeln. Zwei Handreichungen
des Mobilen Beratungsteams Brandenburg geben
im Anhang praktische Informationen für Schulen
und Eltern über rechtsextremes Werbematerial
und informieren über den »Rechtsextremismus im
Kinderzimmer«.
• Brandstetter, Marc: »Die NPD im 21. Jahrhundert. Eine Analyse ihrer aktuellen Situation, ihrer
Erfolgsbedingungen und Aussichten«. Tectum Verlag, Marburg 2005.
Marc Brandstetter untersucht die politische
Struktur und programmatische Entwicklung der
NPD und fragt, ob es der Partei damit gelungen ist,
sich aus einer Außenseiterposition heraus in der
Mitte der Gesellschaft zu integrieren. Im Mittelpunkt steht dabei der Landesverband Sachsen.
• Mertens, Lothar: »Davidstern unter Hammer
und Zirkel. Die Jüdischen Gemeinden in der
SBZ/DDR und ihre Behandlung durch Partei und
Staat 1945–1990«. Georg Olms Verlag, Hildesheim
1997.
Seit ihrer Gründung behauptete das DDR-Regime, mit der Errichtung einer sozialistischen
Gesellschaftsordnung auch den Antisemitismus
überwunden zu haben – ein Anspruch, der stets
Gegenstand kontroverser Diskussion in der Historikerzunft war. Die Habilitationsschrift des Bochumer Historikers Mertens behandelt nun erstmals
umfassend die Geschichte der jüdischen Gemeinden in der SBZ/DDR. Thematisiert wird unter
anderem die Frage der Wiedergutmachung und das
Israelbild der DDR.
• Virchow, Fabian: »Gegen den Zivilismus. Internationale Beziehungen und Militär in den politischen Konzeptionen der extremen Rechten«. Verlag
für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006.
Auf der Basis umfangreicher Quellenstudien,
für die er unter anderem das apabiz nutzte, analysiert Fabian Virchow in seiner Dissertation
rechtsextreme Lesarten aktueller politischer Ereignisse und Entwicklungen. Dabei untersucht er die
bisher wissenschaftlich weitgehend unberücksichtigten programmatischen Vorstellungen der extremen Rechten zur Außen- und Militärpolitik, wie
z. B. im Zusammenhang mit den (Bürger-) Kriegen
im zerfallenden Jugoslawien oder zur Debatte um
ein »Europa der Vaterländer«.
monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 29, märz 2007
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.