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Full text: Monitor Issue 28.2006

monitor
rundbrief des apabiz e. v. | nr. 28, dezember 2006

Ein Zombie geht um in Europa
Ü

Hintergrund Zum gegenwärtigen »Antikapitalismus von
Rechts« in Theorie und Praxis
Seit Mitte der 1990er Jahre geht das zunehmende organisatorische Verschmelzen von NPD
bzw. JN und der militanten Neonazi-Szene mit einer ideologischen Entwicklung einher, die
in einer derzeitigen, großangelegten »Antikapitalismus-Kampagne 2006« ihren vorläufigen
Höhepunkt findet.1 Die ersten großen Mobilisierungen dieser Formation – zuerst gegen die
»Wehrmachtsausstellung« und dann seit 1997 zum 1. Mai als »Tag der Nationalen Arbeit« –
sind symptomatisch für die Verschiebung von allgemeiner Apologie des historischen Nationalsozialismus hin zur ökonomisch akzentuierten Propagierung eines »Nationalen Sozialismus« der »System und Kapital« entgegensetzt wird.

D

er historische Bezugspunkt bleibt dabei
insofern der gleiche, als das die Agitation
zum großen Teil wortwörtliche Wiederholung der
NSDAP-Propaganda vom Anfang der 1930er Jahre ist, in der die (national-)sozialistische Ansprache der Arbeiter eine zentrale Rolle spielte.
Den ursprünglich in der Linken als »internationaler Kampftag der Arbeiterklasse« begangenen
1. Mai bspw. haben die Nazis bereits 1933 –
einen Tag vor dem Verbot der Gewerkschaften –
zum »Tag der nationalen Arbeit« erklärt und als
Feiertag eingeführt.
Ein anderes Beispiel ist die Parole »Für die
Unterdrückten! Gegen die Ausbeuter!«, die das
vorher rein NS-nostalgische Neonaziblättchen
DER FAHNENTRÄGER im Zuge des thematischen
Umschwungs auf Globalisierungsgegnerschaft
plötzlich auf die Titelseite genommen hat. Sie
wurde von einer Werbekampagne der Zeitung DER
ANGRIFF übernommen, die unter der Leitung von
Goebbels seit 1927 vor allem an Arbeiter gerichtet war. Nun bildet sie auch den Untertitel der
Broschüre zur »Antikapitalismus-Kampagne«,
die auf der ersten Seite mit einem Zitat von Gregor Strasser einsteigt, nach dem »das Wirtschaftssystem des Kapitalismus (...) durch einen
deutschen Sozialismus« ersetzt werden müsse.
Inhaltliche Vorstellungen
Wie die Begriffe Kapitalismus und Sozialismus – damals wie heute – innerhalb der national-sozialistischen Ideologie funktionieren, ist
auf der Internetseite der »AntikapitalismusKampagne« nachzulesen: »Im Kapitalismus sind
die Produktionsmittel sowie der Apparat der

Güterverteilung in Privatbesitz.« Kritisiert wird
jedoch nicht das darauf basierende Produktionsverhältnis, sondern »der Kapitalist«, der »willkürlich und zu Lasten der Gemeinschaft« agiere
sowie vor allem die »Entwicklung vom privaten
Unternehmer zu anonymen, weltweiten Kapitalansammlungen«, die »das Dasein freier Völker«
gefährdeten. Spiegelbildlich dazu läuft die Definition von Sozialismus als »eine gerechte Teilhaberschaft am ganzen durch Umgliederung von
Eigentumsverhältnissen« (Fehler i. O.) nicht auf
eine kollektive demokratische Kontrolle des
gesellschaftlichen Produktionsprozesses hinaus,
sondern auf die »Vorherrschaft der Politik«,
sprich des Staates, der für »Leistungsgerechtigkeit« sorgen soll.
Ohne Leistungsprinzip und staatlichen Dirigismus – in dem der Gummibegriff ‚Gerechtigkeit’ willkürlich interpretiert werden kann – ist
Sozialismus hier also ohnehin nicht denkbar,
dennoch wird er noch einmal scharf unterteilt.
Auf der einen Seite steht ein »Nationaler Sozialismus« mit den wundersamen Merkmalen »Klassenbeseitigung« und »Ausgleich zwischen Markt
und Plan« und auf der anderen das »materialistische Denken der Linken«, verbunden mit
»Klassenkampf« und »kommunistischer Planwirtschaft«. So wird der ursprüngliche Gegensatz
von Kapitalismus und Sozialismus auf beiden
Seiten aufgespalten, nämlich in gute nationale
Unternehmer und nationale Sozialisten einer1) Im Rahmen dieser Kampagne fanden in mehreren Bundesländern Veranstaltungen, Aufmärsche und Kundgebungen
statt. Die inhaltliche Grundlage der Kampagne bildet die
über 100-seitige Broschüre »Zukunft statt Globalisierung«.

Ein Zombie geht um in Europa Seite 1 | Comeback der NPD Seite 4 | bildung en detail Seite 5
archiv en detail Seite 6 | Rezension Seite 7 | Neu im Archiv Seite 8

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über die extreme Rechte. Unsere Informationen stehen allen Personen und
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1.000 Neonazis beim
»Heldengedenken«
Seelow • Rund 1.000 Neonazis
haben am 18. November im brandenburgischen Seelow einen Aufmarsch
zum »Heldengedenken« anlässlich
des Volkstrauertags durchgeführt.
Die Veranstaltung, die in den Vorjahren in Halbe stattfand, war nach
Seelow verlegt worden, weil den
Neonazis in Halbe nur eine Kundgebung gestattet worden war. Der Trauermarsch, traditionell von eher parteiskeptischen Kameradschaften
geprägt, wurde in diesem Jahr auch
von NPD-AktivistInnen frequentiert.
Die NPD-Landtagsabgeordneten Holger Apfel, Birger Lüssow und Udo
Pastörs waren vor Ort und die Partei
steuerte auch einen Trauerkranz bei.
In Seelow protestierten rund 800 BürgerInnen und Antifas gegen den rechten Aufmarsch. In Halbe hatten sich
etwa 6000 Menschen zu einem »Tag
der Demokraten« versammelt, an dem
auch verschiedene Bundes- und Landespolitiker teilnahmen.

Nazirandale zum
9. November
Frankfurt/Oder • Nach einer
Gedenkkundgebung zum 68. Jahrestag der Reichspogromnacht am 9.
November haben Neonazis in Frankfurt/Oder randaliert. Sie urinierten
auf den Gedenkstein für die Frankfurter Synagoge, zertraten Blumenkränze
und schlugen Grablichter kaputt.
Schon während der Kundgebung hattten etwa 30 Neonazis provoziert und
»Sieg Heil« gebrüllt. 16 Rechte wurden kurzzeitig in Gewahrsam
genommen. Die Aktion löste Empörung aus. Am 17. November fand in
Frankfurt eine Antifa-Demonstration
mit 300 TeilnehmerInnen statt, die
auf die Alltäglichkeit rechter Gewalt
in der Stadt hinwies.
Auch in Cottbus ist es zu einem antisemitischen Vorfall gekommen. Am
13. November wurde in der Innenstadt eine Gedenktafel für einen jüdischen Friedhof mit einem Hakenkreuz
beschmiert und fünf »Stolpersteine«
gestohlen, die an deportierte Juden
erinnern.

apabiz auf dem
3. Berliner Integrationstag
Berlin • Am 16. November fand in
der Neuköllner Werkstatt der Kulturen
der inzwischen 3. Integrationstag 6

2

Vom »Rundbrief für nationale Sozialisten« zum »Diskussionsforum für nationalrevolutionäre und sozialistische Politik«: DER FAHNENTRÄGER (von 2001 bis 2005) als Symbol des Wandels inhaltlicher Akzente.
seits und böse weltweit agierende Kapitalisten
und linken Internationalisten andererseits.
Diese Leitdifferenz »national« vs. »international« strukturiert die gesamten Aussagen der
extremen Rechten zum Thema Globalisierung,
indem jeder Seite ein Bündel von Begriffen zugeordnet wird, die untereinander mehr oder weniger austauschbar sind. Letztlich wird dabei nur
die alt bekannte Entgegensetzung von biologistisch verstandenem Volk (Gemeinschaft, Staat,
Nation) auf der einen und System (Liberalismus,
Kapitalismus, Demokratie, Marxismus, Kommunismus) auf der anderen Seite um einige modische Begriffe ergänzt, die ebenfalls der Kampagnenseite zu entnehmen sind: Auf der einen Seite
ist hauptsächlich der Begriff der »nationalen
Identität« als Synonym hinzugekommen; auf der
anderen Seite ist es als zentraler Gegenbegriff die
»One-World«, die als Platzhalter für Universalismus, Menschenrechte, Globalisierung, GlobalPlayer, westliche Werte, USA, Ostküste und nicht
zuletzt linken Internationalismus dient.
Spezifische Artikulation
sozialer Widersprüche
Wie die Chiffre der Ostküste zeigt, kann die
gesamte internationalistische Kette dabei nach
wie vor als ‚jüdisch’ gelesen werden. In diesem
Sinne wird in der Einleitung der Kampagnen-Broschüre das ökonomisch unsinnige, dafür im Antisemitismus zentrale Argument wiederholt, »der
Zinseszins« sei das hauptsächliche »tief sitzende
Problem« Es bleibt aber bei solch beiläufigen
Andeutungen für Insider. Im Zentrum des rechten Antikapitalismus steht die Unterteilung, die
den national-sozialistischen Arbeiter gleichzeitig dem Kapitalismus und der internationalen
sozialistischen Linken entgegengesetzt, während
die stets mögliche antisemitische Aufladung dieses Musters eher latent bleibt.
Im Gegensatz zur Entstehungsphase der
NSDAP und anders als angesichts der mörderi-

schen Dynamik im NS-Deutschland vermutet
werden könnte, galt das auch für die Propaganda der späten zwanziger und frühen dreißiger
Jahre, mit der es den Nazis gelang, potenzielle
Unterstützer der Linken ideologisch einzubinden
und zur Massenbewegung zu werden.
Die Feststellung, dass die gesellschaftlichen
Ordnungsvorstellungen der Rechten und das
Herrschaftssystem des NS de facto alles andere
als antikapitalistisch waren bzw. sind, hilft hier
ebenso wenig weiter wie eine Ideologiekritik, die
das dichotome Muster und seinen antisemitischen Subtext mit den Momenten der Marxschen
Wertformanalyse kurzschließt. Denn der zentrale
ideologische Effekt des rechten Antikapitalismus
besteht in seiner spezifischen Artikulation sozialer Widersprüche. Diese ermöglicht es, subjektiv
eine fundamentaloppositionelle Position einzunehmen, die zugleich von jeder Art linker – an
der universellen Teilhabe aller orientierten –
Politik getrennt ist. Die entscheidende Frage ist,
wie die Neonazis damit an aktuelle Mediendebatten – Arbeitslosigkeit, Globalisierung, Agenda2010, Hartz IV usw. – anschließen können, in
denen die Zumutungen des ökonomischen Strukturwandels und der neoliberalen Reformpolitik
öffentlich verhandelt werden.
Antikapitalistische Praxis?
Exemplarisch dafür ist ein Text der NATIONALEN
SOZIALISTEN WERNIGERRODE, der ursprünglich auf
WWW.DIE-KOMMENDEN.NET erschienen ist und nun
auch auf der Homepage zur »AntikapitalismusKampagne« zum Download bereitsteht. Globalisierung bedeutet demnach, dass »40.000 transnationale Konzerne« und »Neoliberale Wirtschaftstheoretiker« eine »Diktatur des Weltmarktes« errichten, die zu einer »Einfünftelgesellschaft« führt, in der Vierfünftel der Bevölkerung
ökonomisch überflüssig sind und durch »Tittytainment« ruhig gestellt werden sollen. Die
zitierten Formulierungen sind dabei allesamt aus
monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 28, dezember 2006

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.
der Einleitung des Buches »Die Globalisierungsfalle« der Spiegel-Journalisten Hans-Peter Martin und Harald Schumann übernommen. Dieser
1996 erschienene Bestseller war in Deutschland
der Startschuss zur breiten Mediendebatte um
Globalisierung und liest sich im Nachhinein wie
ein vorab veröffentlichtes Manifest von Attac.
Überwiegend positive Rezensionen des
Buches erschienen seinerzeit nicht nur in den
großen Tages- und Wochenzeitungen, sondern
auch in allen relevanten Blättern der extremen
Rechten. Wobei letztere durchweg zwar die
Beschreibung des Globalisierungsprozesses
loben, aber die politische Option der Autoren
mehr oder weniger explizit als »internationalistisch« zurückweisen. Dem gleichen Muster folgen
die Wernigerroder Nazis in ihrem Text, der »die
Internationalisten von Attac« zum »Diener des
globalen Kapitals« erklärt. Grundlage von Attac
sei nämlich »die marxistische Theorie von Karl
Marx, die die ‚One World’ zum Ziel hat« und wer
behauptet, »daß wir das Problem nur bekämpfen
können, in dem wir uns (...) internationalisieren«, werde »selber zum internationalen Wegbereiter der verhassten Globalisierung«. Soweit die
bekannte Gleichung: globaler Kapitalismus = linker Internationalismus. Fehlt nur noch die alternative »Grundlage im Kampf gegen die Globalisierung«, die erwartungsgemäß in Form des völkischen Dreiklangs (»Völker, Staaten und Nationen«) präsentiert wird.
So gesehen ist es nur konsequent, wenn die
aktivistischen Teile der Neonaziszene bei ihren

Zwischen NS-Nostalgie und revolutionärem Chic:
Neonazis auf dem »Rudolf-Hess-Marsch« in Jena im
August 2006. Thüringen ist eine Hochburg der neonazistischen »Antikapitalismus-Kampagne«.

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 28, dezember 2006

Aufmärschen alle Parolen und Elemente linker
Demokultur (Outfit, schwarzer Block, Straßentheater etc.), die eine nationalistische Perspektive nicht per se ausschließen, übernehmen und
damit an das mediale Bild der globalisierungskritischen Bewegung anknüpfen. Das zu analysieren ist schön und gut. Entscheidend wird sein,
ob es gelingt, mit linken Positionen effektiver an
Erfahrungen, Frust, Sorgen, Hoffnungen von
Menschen und ihre medial geprägten Ausdrucksformen anzudocken. Es geht darum, verständliche Alternativen zu einer inhumanen Ideologie
anzubieten, die offensichtlich einer beachtlichen
Menge von Menschen in ökonomischen Krisenphasen – in denen Antikapitalismus jeglicher
Couleur Konjunktur hat – zur Selbstverortung in
den unübersichtlichen gesellschaftlichen Verhältnissen nutzt.
Fazit
Diese Verarbeitungsweisen sozialer Widersprüche gilt es als solche ernst zu nehmen.
Anders als die stumpfe Demo-Parole »Hinter dem
Faschismus steht das Kapital« suggeriert, muss
die extreme Rechte – im Sinne all derer, die ihre
Politik an erster Stelle als »national« bezeichnen
– als organisatorisch und vor allem ideologisch
eigenständiges Projekt mit unterschiedlichen
Fraktionen – nicht zuletzt derjenigen, die sich
sozialistisch nennt – begriffen werden. Sicherlich bietet sie sich als eine explizit gegen die Linke gerichtete massenmobilisierende politische
Kraft, als Bündnispartner für diejenigen an, die
ihre ökonomische Macht gefährdet sehen. Historisch wird in diesem Zusammenhang zu Recht an
Hitlers Rede vor dem Düsseldorfer Industrieclub,
die Finanzierung der NSDAP Ende der zwanziger
Jahre und Ähnliches erinnert.
Aber alleine die internen Konflikte zeigen,
wie absurd die Annahme ist, die extreme Rechte
sei deswegen insgesamt ein von den Kapitalbesitzern gesteuertes demagogisches Instrument.
Historisch ist dabei an die Auseinandersetzungen
vom Ausschluss des Strasser-Flügels nach dem
Aufruf »Die Sozialisten verlassen die NSDAP« bis
hin zur endgültigen terroristischen Ausschaltung
des so genannten ‚linken Flügels’ beim so
genannten Röhm-Putsch 1934 zu denken.
Heute gilt es, die politischen Szenarien
beziehungsweise sozialen Bündnisprojekte auszuloten, die sich aus dem europaweit zu beobachtenden Konflikt zwischen den ‚autoritär-wirtschaftsliberalen’ (tendenziell elitenahen) und
den ‚sozial-patriotischen’ (tendenziell massenwirksamen) Fraktionen der Volksfanatiker ergeben könnten. Derzeit dürfte die »Antikapitalismus-Kampagne« jedenfalls nur wenig attraktiver für die ökonomischen Eliten sein als die
Menge auf dem Weg nach Davos.
Holger Oppenhäuser

Peter Gingold ist gestorben
Frankfurt a. M. • Am 29. Oktober ist
Peter Gingold im Alter von 90 Jahren
gestorben. Der 1916 als Sohn einer
jüdischen Familie in Frankfurt geborene Widerstandskämpfer war seit seinem fünfzehnten Lebensjahr in der
kommunistischen Bewegung aktiv. Ob
bei der Kampagne gegen die IG Farben, für die Entschädigung der NSZwangsarbeiterInnen und Kriegsgefangenen, bei der DKP und beim
VVN/BdA oder bei den Aktionen
gegen die NS-Traditionspflege der
Gebirgsjäger in Mittenwald, bei
Gewerkschaftsveranstaltungen oder
antifaschistischen Seminaren: Peter
Gingold beeindruckte und ermutigte
viele AntifaschistInnen mit seinem
ungebrochenen Engagement, seiner
Offenheit, seiner Bereitschaft sich zu
streiten und Widerspruch zuzulassen,
seinem Lachen und seinem Optimismus.
Ein Text, den er zu seinem 90.
Geburtstag im März diesen Jahres
schrieb, spiegelt viel von seinem
unerschütterlichen Festhalten daran
wider, dass eine bessere Welt möglich
ist: »Als ich auf die Welt kam, war ich
Untertan von Kaiser Wilhelm und viele
dachten, dieses Kaiserreich würde
ewig bestehen. Als ich nach zwei Jahren zu laufen anfing, war das Kaiserrreich verschwunden und die Weimarer
Republik da; und die dauerte nur vierzehn Jahre. Dann kam das so genannte ‚Tausendjährige Reich’ der Nazis. Es
lebte keine tausend Jahre. Ein klein
bisschen haben wir dazu beigetragen,
dass es nur zwölf Jahre dauerte und
zerschmettert wurde. Dann glaubten
wir wirklich, ein Drittel der Erde gehe
unabänderlich, unweigerlich dem
Sozialismus entgegen. 1989 war es
auch verschwunden. Da begann ich
meinen Freunden und Genossen zu
sagen: Jetzt nicht wie Jammerlappen
auf dieser Erde herumstehen. Sondern
nur noch darüber nachdenken und
analysieren, wie so etwas geschehen
konnte.« Wir werden Peter Gingold
vermissen.

4 unter dem Motto »Berlin gemeinsam gestalten – Jugendliche aktiv
gegen Rassismus« statt. Gemeinsam
mit vielen anderen Berliner Projekten
war auch das apabiz mit einem Informationsstand vertreten.
Der Integrationstag ist eine jährliche
Veranstaltung des Landesbeirats für
Integrations- und Migrationsfragen.6

3

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Comeback der NPD
4 Besonders beeindrucken konnten
in diesem Jahr Präsentationen, die
SchülerInnen von verschiedenen Berliner Schulen mit dem Titel »Schule
ohne Rassismus« auf die Bühne
brachten. In einem angeregten
Workshop zum Thema »Strategien
gegen Rechtsextremismus« wurde die
Berliner Situation diesbezüglich diskutiert.

Aufmarsch in Göttingen
(fast) verhindert
Göttingen • Unter dem Motto »Dem
Gutmenschenpopanz entgegen! Zekkenzentrum auflösen! Stadtverwatung
ablösen!« hatten der stellvertretende
Vorsitzende der niedersächsischen
NPD, ADOLF DAMMANN, und CHRISTIAN
WORCH für den 28. Oktober nach Götttingen mobilisiert. Letztlich kamen
nur etwas mehr als 200 Neonazis zu
der lediglich als Kundgebung genehmigten Veranstaltung auf dem Bahnhofsvorplatz.
Ihnen gegenüber standen etwa 4.000
BürgerInnen, die dem Aufruf des
Bündnis gegen Rechts aus 70 AntifaInitiativen, Gewerkschaften, Parteien
u. a. gefolgt waren. Trotz des massiven Polizeiaufgebots war es ca. 100
AntifaschistInnen gelungen, zum
Bahnhof durchzudringen und dort
lautstark die etwa zwei Stunden dauernde Nazi-Kundgebung zu
begleiten.

Freispruch für
»Good Night White Pride«
Berlin • Am 26. August ist ein Antifaschist in einem wegen des Tragens
eines T-Shirts mit dem »Good Night
White Pride«-Logo geführten Verfahrens freigesprochen worden. Die Richter des Berliner Landgerichts konnten
darin keine »Verherrlichung oder Verharmlosung« grausamer oder
unmenschlicher Gewalttätigkeit
erkennen.
Der Jugendliche war im Mai dieses
Jahres am Rande einer antifaschistischen Demonstration in Berlin festgenommen und das T-Shirt beschlagnahmt worden.

NPD-Bundesparteitag tagte
Berlin • Die NPD hat am 11. und 12.
November ihren Bundesparteitag in
Berlin-Reinickendorf im bezirkseigenen Fontane-Haus abgehalten. Dem
Aufruf aller Parteien des Berliner
Abgeordnetenhauses zum Protest 6

4

Ü

Hintergrund
Zur Schwäche der Freien Kameradschaften in
Berlin und Brandenburg und deren Folgen
So laute Töne waren von der NPD in Brandenburg schon lange nicht mehr zu hören. In der
Presse verkündet die Partei, dass eine Immobilie für ein Weiterbildungs- und Jugendzentrum
gekauft werden soll, neue Kreisverbände stünden kurz vor der Gründung und man freue sich
auf etwaige Eintritte von Kameradschaftsaktivisten aus der Region.
Aufbruchstimmung herrscht – keine Spur mehr von dem desaströsen Bild, das die Partei noch
vor einem Jahr abgab. In Berlin sieht es ähnlich aus: Nach den recht guten Ergebnissen bei
der Wahl zum Abgeordnetenhaus und angesichts des Zerfalls der vormals dominierenden
Kameradschaftsszene strotzt auch die Hauptstadt-NPD vor Selbstbewusstsein.

W

ir beabsichtigen, jeder nach seinem Interesse, nun den parlamentarischen Weg zu
gehen«, kündigte der Neonazi GORDON REINHOLZ
Anfang November in einem Rundschreiben an.
Seine Organisation, die im Brandenburger Nordosten beheimatete Kameradschaft M ÄRKISCHER
HEIMATSCHUTZ (MHS), so R EINHOLZ weiter, habe
beschlossen »sich von alten Strukturen zu
lösen«. Kurz vor seinem fünften Geburtstag
wurde der MHS aufgelöst. Der »parlamentarische Weg« wird REINHOLZ nun geradewegs zurück
zur NPD führen. Zurück also in den Schoß jener
Partei, der REINHOLZ nach einiger Zeit im Bundesvorstand der Jugendorganisation JN vor Jahren
den Rücken zugekehrt hatte – er sah im Organisationsansatz der FREIEN KAMERADSCHAFTEN größeres politisches Potenzial.
Brandenburger NPD im Aufwind
Bei der Brandenburger NPD sind die ehemaligen MHS-Mitglieder hochwillkommen. »Je
mehr, desto besser«, freut sich NPD-Landeschef
NPD statt Heimatschutz: GORDON REINHOLZ (mittig mit
Mütze) beim Bundesparteitag der NPD im November
im Fontane-Haus in Berlin-Reinickendorf, links steht
JÜRGEN RIEGER.

und Parteipressesprecher KLAUS BEIER. Dass der
MHS – über Jahre die umtriebigste und einflussreichste Kameradschaft im Land – seit etwa
einem Jahr politisch auf der Stelle trat und
kaum mehr Aktivitäten entfaltete, dürfte der
Hauptgrund für die Auflösung gewesen sein.
Beschleunigend kamen Gerüchte über ein
anhängiges Verbotsverfahren hinzu. In den Vormonaten hatten in Brandenburg bereits die
Kameradschaften STURM COTTBUS, LAUSITZER FRONT
GUBEN und GESINNUNGSGEMEINSCHAFT SÜDOSTBRANDENBURG ihre Arbeit eingestellt. Auch nach den ExMitgliedern dieser Gruppen hatte die NPD
sogleich ihre Fühler ausgestreckt. Einiges deutet darauf hin, dass viele der Einladung folgen
werden. Dieser Entwicklung vorangegangen war
das Verbot der Kameradschaft HAUPTVOLK aus
Rathenow und Umgebung im April 2005. Während deren Personenzusammenhang bis heute
munter weiter existiert, hat sich daneben als
offizieller organisatorischer Rahmen ein Stadtverband der NPD gegründet.
Nach Jahren der Rückschläge – 2004 war der
damalige Landeschef MARIO SCHULZ mitsamt seines Kreisverbandes und weiteren im Land verstreuten Anhängern aus der NPD ausgetreten,
um mit einer eigens begründeten, und heute
bereits weitgehend gescheiterten BEWEGUNG NEUE
ORDNUNG weiterzumachen – blickt die Brandenburger NPD inzwischen optimistisch in die
Zukunft. Der Fast-Zusammenbruch, den diese
Austrittswelle im Brandenburger Landesverband
auszulösen drohte, ist zwar noch nicht gänzlich
vergessen, aber die Mitgliederzahlen steigen
erstmals seit Jahren wieder an. Nach eigenen
Angaben sind es aktuell 225 Personen. Beim
Parteitag Ende Oktober wurde die Gründung von
neuen Kreisverbänden angekündigt. Man wolle
sich zudem um den Kauf einer Immobilie bemühen und dort ein parteieigenes Schulungs- und
Jugendzentrum aufbauen. Verstärkt wird diese
Aufwärtsbewegung in der Region durch die
Wahlerfolge in Mecklenburg-Vorpommern und
Berlin, die Optimismus verbreiten. Dabei wird
gerne hingenommen, dass die Integration der
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ehemaligen Kameradschaftsmitglieder zu einer
weiteren Radikalisierung und einem offeneren
Bezug zum Nationalsozialismus führen wird.
Zu einiger Nervosität wird das neue Selbstbewusstsein der Brandenburger NPD indes bei
der DVU führen. Gemäß des so genannten
»Deutschlandpakts« zwischen den Parteien ist
Brandenburg Domäne der DVU, die hier seit
1999 im Landtag sitzt. Der mit flotten Sprüchen
garnierte NPD-Strukturaufbau kann von der
DVU daher nur als Affront gewertet werden.
Trotz aller öffentlichen Dementi – der »Deutschlands-Pakt« scheint von Seiten der NPD zumindest tendenziell in Frage gestellt.
Unabhängige Überbleibsel
Auf anderer Ebene sieht sich die verbliebene Brandenburger Kameradschaftsszene vor
neuen Aufgaben. Nicht alle ehemaligen Mitglieder des MÄRKISCHEN HEIMATSCHUTZES werden mit in
die Partei gehen. Und auch in anderen Regionen
des Landes gibt es weiterhin parteiskeptische
Neonazis, die über kurz oder lang versuchen
werden, das entstandene organisatorische Vakuum zu füllen. Die A KTIONSFRONT B RANDENBURG um
den Golzower RENÉ HERRMANN versucht in diesem
Sinne bereits seit mehreren Monaten, sich unter
dem Label FREIE K RÄFTE BRANDENBURG als neuer
Knotenpunkt für die Kameradschaftsszene
anzubieten. Lose angebunden sind der WIDERSTAND BERNAU, der HEIMATSCHUTZ GERMANIA PRENZLAU,
die NATIONALJUGEND UCKERMARK, das NATIONALE BÜNDNIS PREUßEN, der STURM ORANIENBURG und die ANTIANTIFA VELTEN.
Noch sind diese Strukturen aber labil und
die vorrangig jugendlichen MitstreiterInnen

Berliner Kameradschafter präsentieren sich im
November bei Aktionen gegen die Silvio-Meier-Demo
als JN Berlin.
politisch zu unerfahren, um eine gefestigte und
rigoros geführte Organisation wie den MHS
ohne Verluste zu ersetzen.
Berliner Größenwahn

Auch in Berlin wähnt die NPD ihre große
Stunde gekommen und sieht sich nach dem
Einzug in vier Bezirksparlamente schon kurz
vor dem Einzug in den »Reichstag«, wie ihre
Würdenträger ständig zu betonen wissen.
Dabei ist es weniger der Stärke der NPD zu verdanken, dass sich diese nach zwei Jahren der
Bedeutungslosigkeit heute erneut als Speerspitze der »nationalen Bewegung« sieht. Vielmehr hat die strukturell und personell eher
schwache Hauptstadt-NPD offenbar durch die
organisatorische Schwäche der Kameradschaftsszene zu neuer Stärke gefunden. Auch
in Berlin begann der sichtbare Niedergang der

In dieser Rubrik stellen wir jeweils einen Vortrag, Workshop oder ein Seminar aus unserem Bildungsprogramm vor. Den kompletten ReferentInnen-Katalog gibt es unter www.apabiz.de.

bildung en detail Neuer Vortrag im Programm des apabiz

Rechte Shops unter der Lupe
Eine neue Veranstaltung im Bildungsangebot
des apabiz mit dem Titel »Nazikommerz – Zwischen Selbstversorgung und politischer Propaganda« setzt sich mit der Funktion von szene-eigenen
Ladengeschäften im deutschen Netzwerk der
extremen Rechten auseinander. Das Angebot soll
die Auseinandersetzung mit diesem festen
Bestandteil der Neonazi-Szene intensivieren, der
in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung
gewonnen hat.
Ladengeschäfte von Rechtsextremen für
Rechtsextreme sind in immer mehr Städten in der
Bundesrepublik zu finden. Die Shops dienen als

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Versorgungsstation für Szeneartikel, als Treffpunkt
und als Anlaufstelle für junge Rechte auf der
Suche nach Kontakten. Sie bieten den Betreibern
zudem Gelegenheit, einen sicheren Lebensunterhalt zu verdienen und sich gleichzeitig für die
Szene zu engagieren.
Die Veranstaltung ist insbesondere gut als
Ergänzung der Öffentlichkeitsarbeit für antifaschistische Kampagnen geeignet, die sich mit dem
Thema beschäftigen. Auch die Frage, mit welchen
Strategien gegen rechte Ladengeschäfte vorgegangen werden kann, wird in dem Vortrag
diskutiert.

4 hiergegen folgten neben einiger
Politprominenz nur wenige hundert
DemonstrantInnen.
NPD-Parteichef UDO VOIGT bezeichnete
den »ersten Parteitag in der Reichshauptstadt« vor den Delegierten als
Erfolg und rief als nächstes anzustrebendes Ziel den Einzug in den
»Reichstag« bei der Bundestagswahl
2009 aus. Zudem bekräftigte er die
Weiterführung der »Volksfront von
Rechts«, was DVU-Chef GERHARD FREY in
seiner Gastrede unterstützte.
VOIGT wurde mit 221 von 232 Stimmen
im Amt bestätigt, zu seinen Stellvertretern wurden HOLGER APFEL, PETER
MARX und SASCHA ROßMÜLLER gewählt. In
den Vorstandswahlen wurde einmal
mehr der wachsende Einfluss der militanten Neonazis deutlich: Neben TORSTEN HEISE, der auch als direkter
Gegenkandidat zu UDO VOIGT für den
Vorsitz kandidierte, wurden erstmals

THOMAS »STEINER« WULFF und der Neonazi-Anwalt JÜRGEN RIEGER als Beisitzer in
den Vorstand gewählt. RIEGER, der erst
im September NPD-Mitglied geworden
war, scheiterte zwar in der Wahl zum
stellvertretenden Vorsitzenden,
schaffte den Beisitz jedoch mühelos.
Überschattet wurde der Parteitag von
Rückzahlungsforderungen der Bundesregierung in Höhe von 870.000 Euro.
Grund sind Unregelmäßigkeiten im
thüringischen Landesverband im
Zusammenhang mit Spenden.

Fortgesetzter Schwund der
sächsischen NPD-Fraktion
Dresden • Seit ihrem Einzug in den
Dresdner Landtag hat sich die NPDFraktion von ursprünglich zwölf auf
nunmehr acht Abgeordnete reduziert.
Am 25. November legte auch der
29jährige MATTHIAS PAUL sein Mandat
nieder und trat von allen Parteiämtern zurück. Gegen ihn wird wegen
der Verbreitung von Kinderpornographie ermittelt. PAUL wies alle Vorwürfe
von sich. Für PAUL wurde als letzter
möglicher Nachrücker auf den achten
Listenplatz der Zwickauer NPD-Chef
PETER KLOSE nominiert.6

5

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

4Bereits am 14. November hatte die
Fraktion den 66jährigen KLAUS-JÜRGEN
MENZEL ausgeschlossen. Dieser hatte
sich wiederholt offen zu Adolf Hitler
bekannt, unter anderem am Rande
des NPD-Bundesparteitags am 11.
und 12. November in einem MDRInterview. Zur Begründung nannte die
Partei finanzielle Unstimmigkeiten,
aufgrund derer auch juristisch gegen
MENZEL ermittelt wird. Am 21. November leitete die NPD ein Parteiaussschlussverfahren gegen den Abgeordneten ein – Begründung auch hier:
»unseriöses Finanzgebaren«.
Im Dezember 2005 waren bereits die
Abgeordneten MIRKO SCHMIDT, JÜRGEN
SCHÖN und KLAUS BAIER aufgrund »politischer Differenzen« aus der NPDLandtagsfraktion ausgetreten. Im
August 2006 verlor die Fraktion ihren
parlamentarischen Geschäftsführer,
UWE LEICHSENRING, durch einen tödlichen Autounfall. Für ihn war RENE
DESPANG nachgerückt.

IfS tagt an der HU
Berlin • Das zwölfte »Berliner Kolleg«
des INSTITUTS FÜR STAATSPOLITIK (IFS) fand
am 18. November in Räumlichkeiten
der Humboldt-Universität statt. Der
Einladung in den Senatssaal der Universität folgten etwa 200 Personen.
Motto der Veranstaltung war »18062006 – Zweihundert Jahre Preußische
Revolution« aus Anlass des 200. Jahrestages der Schlacht von Jena und
Auerstedt gegen die Truppen Napoleons. Neben den Führungspersönlichkeiten des IFS, KARLHEINZ WEIßMANN und
GÖTZ KUBITSCHEK, hielt EHRHARD BÖDECKER
ein Rede zur »Aktualität Preußens«.
Er ist Gründer und Eigentümer des
BRANDENBURG-PREUßEN-MUSEUMS im brandenburgischen Wustrau.

HDJ-Bundesführer greift
Journalistin an
Blankenfelde • Am 4. November
führte die HEIMATTREUE DEUTSCHE JUGEND
(HDJ) im brandenburgischen Blankenfeld (Teltow-Fläming) ihren »6. Märkischen Kulturtag« durch. Im Vorfeld
der Tagung kam es zu einem Angriff
auf eine Journalistin, die schon mehrmals über die rechte Jugendarbeit der
HDJ berichtet hatte, an dem auch der
HDJ-Bundesführer SEBASTIAN RÄBIGER
beteiligt war. Bereits im August hattten Mitglieder der HDJ versucht, die
Journalistin mit dem PKW von der
Straße zu drängen.6

6

Kameradschaftsszene mit der Auflösung der
hiesigen Sektion des MHS. Nachdem zwei Mitglieder vor etwa einem Jahr der Organisation
den Rücken kehrten und dies mehr oder wenig
öffentlich verkündeten, schmiss die Berliner
Gruppierung ihrer Führung beraubt das Handtuch und löste sich kurzerhand auf. Unter der
Oberfläche war es in der Kameradschaftsszene
jedoch schon länger nicht mehr so gut gelaufen wie zu den Hochzeiten in den Jahren 2003
und 2004. Machten Neonazis aus diesem Spektrum zu dieser Zeit durch mehr oder weniger
spektakuläre Aktionen wie Hausbesetzungen
und einem Marsch durchs Brandenburger Tor
fast wöchentlich Schlagzeilen und waren auch
strukturell mit einem ganzen Netzwerk aus
Kameradschaften recht gut aufgestellt, so ist
von der damaligen Euphorie heute nur noch
ein Scherbenhaufen übrig. Bezeichnenderweise war es genau der Aktionismus dieser
Zeit, der auf der einen Seite diese Euphorie
auslöste, der aber ebenso für die heutige Situation verantwortlich ist.
Aktuell sind es die durch die vielen Aktionen und Übergriffe eingeleiteten Strafverfahren, die der Szene am meisten zu schaffen
machen. Infolge dessen stehen derzeit fast
sämtliche Führungspersonen der Kameradschaftsszene vor Gericht oder sitzen gar in
Untersuchungshaft. Neben dieser direkten
Repression herrscht eine allgemeine Ratlosigkeit, wie mit dem Projekt »Neonaziszene in
Berlin« weiter umgegangen werden soll. Nach

Angaben eines ehemaligen Mitglieds der KS
TOR besteht die Basis auf einer Rückkehr zu
einem bedingungslosen Aktionismus und lässt
sich von den verbliebenen und durch Represssion zur Untätigkeit gezwungenen Kadern
nicht beeinflussen. Die aktuelle Situation in
Berlin ist somit durch die fast vollständige Zerschlagung der Kameradschaftsstrukturen gekennzeichnet, deren AktivistInnen gleichwohl
vermehrte Straßenaktivität anstreben.
Ausblick
In einer solchen Situation wäre es für die
NPD ein Leichtes, sich zu profilieren und als
Ordnungsfaktor und rahmende Struktur in der
Berliner Szene zu etablieren. Allerdings fehlt
es den hiesigen Parteistrukturen an Köpfen,
die in der Lage wären, eine solche Situation
auszunutzen bzw. zu lenken. Wie im monitor
Nr. 27 beschrieben, ist es dem Berliner Landesverband trotz der Hilfe der um ihre politische
Heimat beraubten KameradschaftsaktivistInnen nicht gelungen, einen wirklichen Wahlkampf zu machen. Denn die Kaderdecke der
Berliner NPD besteht aus Leuten, die eher aus
Altersgründen als wegen ihres politischen
Anspruchs nicht in Kameradschaften organisiert sind. Daher verwundert es nicht, dass es
der NPD bisher nicht zu gelingen scheint, die
ehemaligen KameradschafterInnen an sich zu
binden. Sie lässt sich vielmehr von ihnen vor
sich her treiben.
Toni Peters, Falco Schuhmann

An dieser Stelle berichten wir in jeder Ausgabe über einzelne Arbeitsgebiete, Projekte, Sammlungen etc. aus dem Archiv des apabiz, um so einen Einblick in unsere Arbeit zu ermöglichen.

archiv en detail Die Bibliothek des apabiz

12.000 Bücher und Broschüren
Im Archiv-Bestand des apabiz befinden sich
nicht nur Zeitungen, Flugblätter und Tonträger,
sondern auch eine Vielzahl von Büchern und Broschüren zu den Themen Rechtsextremismus und
Nationalsozialismus. Deren Anzahl beläuft sich
derzeit auf fast 12.000 Exemplare. Parallel zu den
anderen Medien im Archiv ist auch unsere Bibliothek in einen Primär- und Sekundärbereich unterteilt. Letztgenannter ist wie unsere anderen
Medien für Gäste frei zugänglich. Es handelt sich
um eine Präsenzbibliothek, aus der jedoch unsere
Fördermitglieder ausleihen dürfen. Die gesamte
Bibliothek ist elektronisch erfasst und neben den
üblichen bibliographischen Angaben auch mit
einer Reihe von Schlagwörtern versehen, die eine
umfangreiche Suche ermöglichen.

Aufgrund der beschränkten finanziellen Möglichkeiten sind wir in diesem Bereich auf Schenkungen von Privatpersonen, Verlagen und Institutionen angewiesen. Einige Hundert Bücher aus der
Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus konnten bei der Zusammenlegung der Berliner Staatsbibliotheken vor der Vernichtung gerettet und in unseren Bestand integriert werden.
Gerade wenn es um inhaltliche Kontinuitäten
des aktuellen Rechtsextremismus in Bezug auf den
Nationalsozialismus oder Vertreter der sogenannten Konservativen Revolution geht, ist dieser
Bereich der Bibliothek eine wunderbare Quelle.
Selbstverständlich wird man auch bei der Suche
nach aktueller Fachliteratur zum Rechtsextremismus bei uns fündig.

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 28, dezember 2006

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

Die Quellen des Erfolgs
Ü

Rezension Steglich, Hendrik: »Die NPD in Sachsen – Organisatorische Voraussetzungen ihres Wahlerfolgs 2004«. Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005. 155 S., 16,80 EUR.

G

laubt man den Medienberichten der vergangenen Wochen, so steht die sächsische NPD
kurz vor ihrer politischen Handlungsunfähigkeit.
Nach dem Abgang mehrere Abgeordneter und dem
Tod von UWE LEICHSENRING, sehen manche politische
Beobachter die Partei auf dem absteigenden Ast.
Eine Studie über den Wahlerfolg der NPD 2004
nährt jedoch Zweifel an solchem Optimismus.
Der Wahlerfolg der NPD rief in den Medien ein
nachhaltiges Interesse an der politischen Praxis
und Strategie der Partei hervor. Doch neuere wisssenschaftliche Analysen zur Politik der NPD nach
dem Jahr 2000 sind Mangelware. Studien der letzten Jahren sichteten empirisch die kommunalpolitische Verankerung der Partei oder ihre Organisations- und Politikgeschichte. Ein Überblick zur
parlamentarischen Arbeit fehlte aber bislang. Der
jetzt erschienene schmale Band aus der politikwissenschaftlichen Reihe des Hannah-ArendtInstituts Dresden will diese Lücke füllen.
Ausgangspunkt der Studie ist eine Chronologie der Aktivitäten der sächsischen NPD in den
1990er Jahren. Hier erfährt der Leser nichts neues, zumal der Autor als methodisch konservativer
Parteienforscher wenig Interesse für die Interaktion zwischen NPD und neonazistischer Szene
aufbringt. Dies zeigt sich dann auch bei der Analyse der Kameradschaften, die hölzerner nicht
sein könnte. Die Fakten werden unverbunden
aneinandergereiht, ohne das der Autor zu einem
Urteil gelangte. Ein Verständnis für die ideologischen und lebensweltlichen Reproduktionsmechanismen neonazistischer Gruppen geht dem
Verfasser offenbar völlig ab. So schreibt er, rechtsextreme Demonstrationen verfehlten ihre politische Intention, da sie ob des großen Polizeiaufgebots faktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfänden. Formal mag dies richtig sein:
Nur wenige normale Bürger beteiligen sich an
rechtsextremen Demonstrationen. Doch die Wirkungsmacht der politischen Choreographie einer
rechtsextremen Demonstration in ostdeutschen
Städten ist nicht an der Zahl der teilnehmenden
Bürger, sondern am Erfolg der sozialräumlichen
Selbstinszenierung zu messen. Diese Dimension
des auch vom Autor aufgeführten „Kampfes um
die Straße“ sucht man in dem Abschnitt vergeblich.
Sodann analysiert Steglich das Kommunalwahlergebnis der NPD, welches er zurecht als
Grundlage des Wahlerfolges im September 2004
wertet. Doch auch hier blendet er den Aspekt des
monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 28, dezember 2006

Kampfes um die Deutungshoheit alltagskulturelller und sozialer Themen aus. So kann er den
durchschlagenden Effekt der rassistisch konnotierten Anti-Hartz IV-Kampagne der sächsischen
NPD nur vor dem Hintergrund von Politikverdrossenheit und nicht im Kontext der Zustimmmungsbereitschaft eines Teils der Wählerschaft zu
völkischen Inhalten deuten.
Sehr lesenswert hingegen ist die Analyse der
Sozialstruktur der Mitglieder und Funktionsträger der NPD. Sie bestätigt die noch aus den
1960er Jahren stammende Einschätzung, bei der
Mitgliedschaft der Partei handle es sich in erster
Linie um kleinbürgerliche politische Akteure.
Natürlich kommt der Band um die Frage nach
der Motivlage der Wählerschaft, rechtsextremen
Partein ihre Stimme zu geben, nicht herum. Steglich stellt die bekannten Positionen dar, wobei er
seine Präferenz bezüglich der Analysen von Eckehard Jesse erkennen lässt. Doch analytische Eindimensionalität sind die Sache dieses Autors
nicht. Auch finden sich keine platten Vergleiche
mit der Linkspartei/PDS. Vielmehr räumt er ein,
die sächsische Landtagswahl 2004 weise eine
Summe unterschiedlicher antidemokratischer Einstellungen in der Bevölkerung auf, in der rechtsextreme Motivlagen eine nicht unerhebliche Rolle
spielten.
Die Analyse der parlamentarischen Arbeit der
NPD-Fraktion fällt wie erwartet aus. In ihrer Substanz sind Gesetzentwürfe und parlamentarische
Initiativen der Partei von geringem Gebrauchswert. Viel Kraft verwendet die Fraktion auf ihre
öffentlichkeitswirksame Selbstinszenierung. Doch
warum die Fraktion öffentlich zerfällt und welche
katalytische Wirkung die provokative Bezugnahme auf den Nationalsozialismus hat, sind leider
keine Themen des Buches.
Der Band ist, verglichen mit der im Jahr 2005
erschienen Kurzstudie aus der Feder einer Autorin der Konrad-Adenauer-Stiftung, lesenswert, da
er auf Originalquellen der Publikationen von Partei und Fraktion zurückgreift. Der ideologische
Seitenhieb auf Analysen jenseits der konservativen Publizistik nervt zwar, tut aber der Sachlichkeit der Studie keinen Abbruch.
Alles in allem ist Steglich trotz der genannten blinden Flecken ein solide Analyse gelungen,
die in Teilen Ausgangspunkt für nachfolgende
wissenschaftliche Untersuchungen der parlamentarischen Arbeit der rechtsextremen NPD sein
kann.
Christian Grünert

4 Der Kulturtag wird von der HDJ
seit Jahren gemeinsam mit anderen
rechten Organisationen durchgeführt,
wie z. B. der GEMEINSCHAFT DEUTSCHER
FRAUEN. Diesmal folgten etwa 250 Personen der Einladung.

DVU verliert Pressesprecher
Bund • Am 3. November ist der langjährige Bundespressesprecher der
DVU, BERND DRÖSE, einem Krebsleiden

erlegen. Der geborene Dortmunder
war einer der wenigen Funktionäre in
der strukturschwachen Partei, die
neben dem Parteivorsitzenden GERHARD
FREY in der Öffentlichkeit auftreten.
Bekannt wurde er vor allem durch seine zahlreichen Buchveröffentlichungen und als Stammautor der NATIONALZEITUNG. Aufgrund seiner Mitgliedschaft im JN-Bundesvorstand in den
1970er Jahren war er auch in der NPD
anerkannt und als Mitglied beider Parteien maßgeblich an der Vorbereitung
des »Deutschlandpaktes« im Jahr
2004 beteiligt.

Zweite Ausgabe von
»Q-Rage« erschienen
Berlin • Das Schulnetzwerk Schule
ohne Rassismus - Schule mit Courage
hat Ende November die zweite Ausgabe seiner Zeitung »Q-Rage« veröfffentlicht. Auf zwölf großzügig
gestalteten Seiten finden sich unter
dem Titel »Muss ich erst schreien,
bis was passiert?« viele informative
Berichte aus den teilnehmenden
Schulen des Netzwerkes, die von
SchülerInnen im Alter von 15 bis 20
Jahren erstellt wurden und durch ihr
Engagement und das hohe Niveau
beeindrucken. Ein pdf der Zeitung
gibt es unter http://www.schuleohne-Rassismus.org.

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In dieser Rubrik wollen wir Euch
einen kurzen Überblick über
Bücher, Broschüren und andere
Medien geben, die im Archiv neu
eingegangen und ab sofort verfügbar sind. Darüber hinaus werden wir auf bestimmte Sachgebiete hinweisen, zu denen Ihr
Sammlungen bei uns finden könnt. Danke an die Verlage.

Neu im Archiv

•
Stiftung Neue Synagoge (Hg.): »Kicker,
Kämpfer, Legenden. East«. ibidem Verlag, Stuttgart 2006.
Die Broschüre ist begleitend zur gleichnamigen Ausstellung erschienen, die bis zum 15.
Dezember im Centrum Judaicum zu sehen war.
Neben den Lebenswegen von jüdischen Fußballern, Trainern, Journalisten und Funktionären,
die den Fußball in Deutschland populär gemacht
haben, wird der Rassismus und Antisemitismus
in deutschen Stadien thematisiert.
•
Alliance Graphique Internationale (Hg.):
»Anschläge gegen rechte Gewalt«. Verlag Hermann Schmidt, Mainz 2006.
Die Dokumentation ist das Ergebnis des
Wettbewerbs »Plakate gegen rechte Gewalt«, zu
dem Mitglieder der AGI, die in Deutschland lehren, aufgefordert hatten. Um über die kurze Zeit
der Plakatierung – 2001 an über 25.000 Litfasssäulen – hinaus wach zu rütteln, beinhaltet sie
85 der visuellen Denkanstößen.
• Wanner, Martina: »Rechte Alltagskultur. Das
Beispiel Jugendlicher im brandenburgischen
Spree-Neiße-Kreis«. LIT Verlag, Berlin 2006.
Am Beispiel Jugendlicher im brandenburgischen Spree-Neiße-Kreis geht die Untersuchung
der Frage nach, ob rechte Orientierungen hier
normal und alltäglich geworden sind.
• Faber, Schoeps u.a. (Hg.): »Neu-alter Judenhass«. Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin
2006.
Die 31 Autoren und Autorinnen unterschiedlicher Herkunft nähern sich der komplexen Problematik aus verschiedenen Perspektiven.
Obwohl sie dabei häufig zu voneinander abweichenden Ergebnissen kommen, stimmen sie doch
in dem Punkt überein, dass Anlass zum Handeln
besteht. Sowohl die Idee als auch das Konzept
zu diesem Buch gehen auf zwei Veranstaltungen
zurück, die in den Jahren 2003 und 2004 in Berlin stattgefunden haben.
• Bischof, Willi (Hg.): »Filmriss. Studien über
den Film ‚Der Untergang’«. Unrast Verlag, Münster 2005.
Die Bernd Eichinger-Produktion übertrifft
mit vier Millionen Zuschauern nach nur vier
Wochen alle deutschen Kinoerfolge der vergangenen Jahre. Pädagogen feiern den Film als
Lehrfilm, Politiker freuen sich nicht nur über
das neue Selbstbewusstsein und Künstler und
Produzenten über die vermeintliche Authentizität ihres Kunstwerkes. Was der Film in den

Augen der Unrast-AutorInnen tatsächlich zeigt
und was er nicht zeigt, beziehungsweise was
durchgehend beschwiegen wird, darüber versammelt dieser Band einen breit gefächerten
Ein- und Überblick. Gefragt wird dabei nach:
(Un-)Sinn, Perspektiven und Begriff von Identifikationen,
Authentizität,
Empathien,
Geschichtsbewusstsein und Beschweigen der
Vergangenheit.
• Malinowski, Stephan: »Vom König zum Führer. Deutscher Adel und Nationalsozialismus«. S.
Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2004.
Die als Dissertation veröffentlichte Arbeit
befasst sich als eine der ersten umfassenden
Auseinandersetzungen mit der Thematik Nationalsozialismus und deutscher Adel als
Gesellschaftsschicht. Behandelt wird hierbei die
Phase vom Ende des Kaiserreichs über die Weimarer Republik bis zur Rolle der Adelselite in der
NS-Bewegung und der nationalsozialistischen
Gesellschaft. Die über 650seitige Analyse wurde
mit dem Hans-Rosenberg-Preis ausgezeichnet.
• Heil, Johannes: »‘Gottesfeinde’ – ‘Menschenfeinde’ – Die Vorstellung von jüdischer Weltverschwörung (13. bis 16. Jahrhundert)«. Klartext
Verlag, Essen 2006.
Der dritte Band der vom Berliner Zentrum
für Antisemitismusforschung herausgebenden
Reihe »Antisemitismus: Geschichte und Strukturen« beschäftigt sich mit antijüdischen Verschwörungstheorien im Mittelalter. Nicht nur
einzelne antijüdische Ereignisse werden näher
beleuchtet, sondern vor allem die Grundmuster
in den verschiedenen mittelalterlichen Verschwörungstheorien analysiert und untersucht.

Das Info-Paket
vom apabiz e.v.
Nicht nur für Vereine und Institutionen, sondern für
alle, die in den Genuss des gesamten Service des
apabiz e.v. kommen möchten, gibt es jetzt unser
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pro Ausgabe
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• zwei Exemplare aller neuen Publikationen des
apabiz e.v. (Broschüren, Handreichungen etc.)
• Sonderkonditionen bei Nachbestellungen und
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