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Full text: Monitor Issue 24.2006

monitor
rundbrief des apabiz e. v. | nr. 24, märz 2006

Etablierte Parallelwelten
Ü

antifaschistisches pressearchiv und
bildungszentrum berlin e.v. (apabiz)

Hintergrund Zahlen & Fakten zu Rechtsrock 2005. Ein Rückblick
von apabiz, Der Rechte Rand und Argumente und Kultur gegen Rechts

D

ie Gesamtzahl von 255 im Jahr 2005 in
Deutschland durchgeführten Konzerten bedeutet eine Steigerung um genau 100 Konzerte oder
von 65 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (155 Konzerte).1 67 dieser Konzerte waren »Liederabende«
oder »Balladenabende« mit neonazistischen Liedermachern, in 188 Fällen traten neonazistische
»Rockbands« auf. Insgesamt 32 Konzerte wurden
von der Polizei aufgelöst, meist jedoch erst gegen
Ende der Veranstaltung. Durch antifaschistische
Öffentlichkeitsarbeit aber auch durch Polizeieinsätze konnten mehrere Dutzend weiterer Konzertveranstaltungen gänzlich verhindert werden. Die
meisten polizeilichen Auflösungen und Verhinderungen fanden in Thüringen statt.
Neonazistisches Konzert-Eldorado
in Sachsen
Die Schwerpunkte der Konzertaktivitäten lagen
in Sachsen (78 Konzerte), wo sich die Zahl im Vergleich zum Jahr 2004 verdreifacht hat, in Thüringen (31), Bayern (31) und Baden-Württemberg
(26).2 Der unmittelbare Zusammenhang zwischen
der Schaffung von Freiräumen, der Durchführung
von Konzerten und der Etablierung neonazistischer
Bands und Kameradschaften kann durch Beobachtungen in diesen Bundesländern nachdrücklich
bestätigt werden. Die wenigsten (nachweisbaren)

Foto: Peter Juelich

Mindestens 255 neonazistische Konzerte fanden im vergangenen Jahr in Deutschland statt
– von diesem bisher nicht erreichten Höchstwert ist unser Rechtsrock-Rückblick auf das
Jahr 2005 geprägt. Eine ausgebaute Infrastruktur, der »Rückzug ins Private« sowie
abgeschottete Kommunikations- und Mobilisierungssysteme lassen die Bemühungen, neonazistische Konzerte zu unterbinden, zusehends ins Leere laufen. Auch in den Produktionszahlen und Jahresumsätzen einschlägiger
Unternehmen ist – im Gegensatz zu anders
lautenden Studien – keine rückläufige Tendenz zu erkennen. Denn wo es eine Nachfrage
gibt, dort stimmt zumeist auch das Angebot.

lausitzerstr. 10 | 10999 berlin
geöffnet do von 15 bis 19 uhr und
nach absprache
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monitor ist nicht im abo erhältlich,
aber fördermitglieder bekommen ihn
zugeschickt.

Neonazi-Konzerte dienen insbesondere als
Umschlagplatz für CDs. Im Bild: Sichergestelltes
Material bei der polizeilichen Auflösung eines
Neonazi-Konzertes in Karlsruhe am 21. Januar.
Konzerte gab es in Bremen (keines), Saarland (3),
Hamburg (3) und Berlin (4). Die vergleichsweise
geringen Zahlen in den Flächenländern Brandenburg (4) und Rheinland-Pfalz (6) sind vor allem auf
polizeiliches Eingreifen zurückzuführen.
Der »Rückzug ins Private«
als Flucht nach vorne
Der Anstieg neonazistischer Konzerte ist
besonders besorgniserregend, da er nur zu einem
geringen Teil darauf zurückzuführen ist, dass im
Jahre 2005 eine umfassendere Beobachtung durch
antifaschistische Initiativen stattfand. Zum überwiegenden Teil haben strukturelle Veränderungen
in der Szene diese Zunahme bewirkt. Die Koppelung von »politischen« und »kulturellen« Aktivitäten ist für neonazistische Gruppen zum Standard
1) Alle Zahlenangaben zu neonazistischen Konzerten geben
jeweils nur Mindestzahlen wieder. Wie auch im vergangenen Jahr ist von einigen Dutzend Konzerten und Liederabenden auszugehen, die von uns bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht dokumentiert bzw. verifiziert werden können.
2) Vergleichszahlen des Jahres 2004: Sachsen: 26, Thüringen:
19, Bayern: 19.

Etablierte Parallelwelten Seite 1 | bildung en detail: »Versteckspiel« als Ausstellung Seite 3
Jahresrückblick Berlin: Aktionismus und Absturz Seite 4 | »Hier geblieben!« Seite 6
Rezension: Detaillierte Dokumentation Seite 7 | Neu im Archiv & Wieder gelesen Seite 8

Das apabiz e. V. informiert seit 1991
über die extreme Rechte. Unsere Informationen stehen allen Personen und
Initiativen zur Verfügung. Umgekehrt
sind wir an Euren Einschätzungen und
Erfahrungen interessiert. Gerne vereinbaren wir einen Austausch oder nehmen
Euch in unseren Verteiler auf.
Archiv: Für Recherchen halten wir unser
Archiv bereit, das eines der größten
dieser Art in der BRD ist. Wir verfügen
über rechte Publikationen, Videos, CDs
u.a.m. Diese Primärquellen werden
ergänzt durch eine Datenbank, in der
Presseveröffentlichungen seit Anfang
der 90er Jahre erfasst sind, eine
umfangreiche Präsenzbibliothek, verschiedene Sondersammlungen sowie
antifaschistische Publikationen aus
ganz Europa und den USA.
Bildung: Unser ReferentInnen-Katalog
(siehe www.apabiz.de) umfasst mehr als
40 Vorträge und Seminare aus diversen
Bereichen, für die ReferentInnen bei
uns angefordert werden können. Zu
bestimmten Themen haben wir ReferentInnen-Koffer erstellt, die die eigenständige Durchführung von Veranstaltungen ermöglichen, oder halten wir
Handreichungen bereit.
Publikationen: Ergebnisse unserer Arbeit
verwerten wir nicht nur im monitor, sondern auch in Broschüren, Pressemitteilungen, Handreichungen und sonstigen
Publikationen. Diese und weitere Materialien findet ihr unter www.apabiz.de.

monitor – rundbrief des apabiz e.v. | v.i.s.d.p.:
apabiz e.v. | dank an unsere fördermitglieder,
die mit ihrem beitrag die finanzierung unterstützen | erscheinungsweise: alle zwei monate |
fotos: alle rechte liegen bei den fotografen

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

Chronik über
rechte Angriffe
Berlin • Wie bereits in vergangenen
Jahren hat das apabiz gemeinsam
mit Reachout nun auch für das Jahr
2005 Chronologien über rechte und
antisemitische Aktivitäten vorgelegt.
Danach hat sich die Zahl der
gewalttätigen Angriffe und verbalen
Attacken im Vergleich zu 2004 fast
verdoppelt. Die Chronologie über
Angriffe, die rassistisch, antisemitisch, schwulenfeindlich oder rechtsextremistisch motiviert waren, führt
insgesamt 134 Meldungen auf, die in
den Medien oder von den Opfern veröffentlicht wurden. Dabei handelte
es sich in 98 Fällen um Gewalttaten
(2004: 53 Gewalttaten in 71 Meldungen, 2003: 42 Gewalttaten in 66
Meldungen). Rassistisch motiviert
waren davon 19 Angriffe (2004: 16);
9 Angriffe richteten sich gegen
Homosexuelle.
Die meisten Angriffe – 70 von insgesamt 98, also mehr als zwei Drittel richteten sich gegen alternative
Jugendliche und junge AntifaschistInnen. In vielen Berichten werden
die Angreifer als Gruppen schwarz
gekleideter und vermummter Personen beschrieben, die mit großer Brutalität und teilweise deutlich geplant
vorgehen. Die mit Abstand meisten
Angriffe wurden mit 25 Fällen in
Friedrichshain dokumentiert. Im Jahr
2004 waren dort »nur« 7 gewalttätige Angriffe registriert worden. Auch
die Bezirke Lichtenberg (18 Angriffe)
und Köpenick (11 Angriffe) lagen
deutlich über den Zahlen des Vorjahres. In Treptow ist das ohnehin hohe
Niveau weiter gestiegen (2005: 13
Angriffe, 2004: 9).
Die vollständige Chronologie kann
unter www.reachoutberlin.de eingesehen oder unter www.apabiz.de im
pdf-Format (91 kB) heruntergeladen
werden.

Studie: Keine »national
befreiten Zonen«
Berlin • Einer im Januar veröffentlichten Studie der TU Berlin zufolge
ist es der extremen Rechten in
Deutschland nirgends gelungen, das
Konzept der »national befreiten
Zonen« (NBZ)in die Praxis umzusetzen. Dieses Ergebnis überrascht
nicht: Das Konzept aus NPD-Kreisen
von 1991, auf dem die NBZ-Strategie
fußte, hatte überaus hohe Ansprüche
an »national befreite Zonen«

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geworden, angestiegen ist insbesondere die Anzahl
von Konzerten und Liederabenden, die im
Anschluss an Kongresse, Parteitage u. ä. stattfanden oder als Wahlkampfveranstaltungen dienten
(insgesamt 57).3 Gleichzeitig wird eine Entkoppelung neonazistischer Cliquen und Freundeskreise
von den Führungssystemen der Szene deutlich.
Diese warten nicht mehr darauf, dass jemand ein
Konzert veranstaltet – sie organisieren »ihre« Konzerte selbst, stets im privat deklarierten Rahmen
und bisweilen nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda beworben.
In einer wachsenden Anzahl von Orten konnten Neonazis – insbesondere über Hauskäufe und
Pachtungen – neue Freiräume erschließen, dort
Kameradschafts-Treffpunkte oder »Clubhäuser«
einrichten, die zur Durchführung von Konzerten
genutzt werden. So fanden zum Beispiel im Jahr
2005 mehrere neonazistische Konzerte im Vereinsheim eines TORINGI – VEREIN ZUR THÜRINGER BRAUCHTUMSPFLEGE E. V. in Gotha statt und waren als Vereinsfeiern deklariert. In Borthen (Sächsische Schweiz)
veranstalteten Neonazis in den Räumen einer ehemaligen Diskothek im vergangenen Jahr mindestens zehn Konzerte. Derartige Freiräume existieren
mittlerweile in vielen Regionen Deutschlands.
Die durchschnittliche Zahl der Teilnehmer ist
durch die Zunahme »kleinerer« Konzerte im Jahr
2005 auf etwa 150 gesunken. Insgesamt fanden in
Deutschland »nur« vier Konzerte statt, bei denen
über 500 Neonazis zugegen waren. Höhepunkt war
ein Konzert am 2. April im thüringischen Pößneck
vor über 1.000 Neonazis. Das benachbarte Ausland
hat als Austragungsort von größeren Konzerten
weiter an Bedeutung verloren. Die geringe Zahl
»spektakulärer« Großereignisse wird von Teilen der
Szene als ein Mangel erkannt, der auch nicht durch
angemeldete größere Konzerte kompensiert werden
kann. Behördliche Auflagen und polizeiliche Überwachung setzen den Gebaren der Bands und Fans
meist enge Grenzen, die »Fanatisierung der Masse«,
seit jeher wichtiger Bestandteil neonazistischer
Erlebniswelt, findet nur eingeschränkt statt.
Ein umkämpfter Markt
Deutsche Neonazi-Bands veröffentlichten im
vergangenen Jahr 124 CDs, davon entfielen 90 auf

Konzertveranstaltung »Fest der Völker« am 11. Juni
2005 im thüringischen Jena.
die Musikbereiche »White Noise« und »Hatecore«,
34 auf den Bereich neonazistischen Black Metals.4
Die Zahl der in Deutschland herausgegebenen CDs
ausländischer Bands ist mit 38 deutlich höher als
2004 (20). Die Gesamtauflage der CDs ist im Jahre
2005 durch den Sampler »Hier kommt der Schrekken aller linken Spießer und Pauker« beträchtlich
angestiegen. Diese von der NPD verbreitete CD, die
eine kulturelle Offensive im Bundestagswahlkampf
darstellen sollte, wurde nach Angaben der NPD in
einer Auflage von 200.000 hergestellt. Weitere
Erkenntnisse über Produktionszahlen lassen die
bisher angenommene durchschnittliche Auflagenhöhe von 3.000 Stück pro CD im Bereich von »White Noise« und »Hatecore« als zu niedrig erscheinen.
Dem entspricht das Geschäftsvolumen: Die Marktführer im neonazistischen Musikgeschäft erzielen
Jahresumsätze von weit mehr als 500.000 Euro,
wobei der Verkauf von rechter Bekleidung und
Accessoires den CD-Verkauf bisweilen übersteigt.
Auch im Jahr 2005 fand die Produktion der CDs
fast ausschließlich in Deutschland statt, selbst die
von einem Schweizer Label herausgegebene CD
»13« der Bremer Band ENDLÖSER wurde in einem
Presswerk bei Mannheim hergestellt, dort allerdings
von der Polizei beschlagnahmt. Eine steigende
Anzahl von Konzertauftritten deutscher NeonaziBands im Ausland – unter anderem in Russland und
in der Ukraine – belegt die anhaltende internationale Führungsrolle des deutschen Rechtsrocks.
Im Business lässt sich immer deutlicher ein
»typisch« marktwirtschaftliches Denken erkennen.
Knapp ein Fünftel der in Deutschlands produzierten Neonazi-CDs erschien gegen Jahresende pünktlich zum Weihnachtsgeschäft. Auch sind konkurrrenzbedingte Streitigkeiten zwischen Versänden,
Labels und Konzertveranstaltern mittlerweile Normalität: Einzelnen »Großverdienern« am neonazistischen Musikgeschäft wird der Vorwurf gemacht,
3) In dieser Zahl sind nur Konzerte berücksichtigt, die explizit als solche beworben wurden und einen zentralen Punkt
des jeweiligen Abend- bzw. Tagesprogramms darstellten.
4) In der Gesamtzahl von 103 Tonträgern für das Jahr 2004
sind die Tonträger des neonazistischen Black Metal nicht
vollständig enthalten.

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ausschließlich in die eigene Tasche zu wirtschaften
und sich der Szene entfremdet zu haben, gegenseitige Betrugsvorwürfe der Labels machen die Runde.
Ein bewaffneter Raubüberfall von Aktivisten einer
DIVISION 28 – die als Nachfolgestruktur des in
Deutschland verbotenen BLOOD & HONOUR-Netzwerks
immer offener auftreten – auf ein Neonazi-Konzert
am 5. November 2005 im südhessischen Mitlechtern
wurde nachträglich mit nicht erfüllten »Schutzgeldforderungen« und Konkurrenz im einträglichen
Geschäft mit Neonazi-Konzerten begründet.
Defizite der Behörden
Signifikant ist der Zusammenhang zwischen
neonazistischem Strukturaufbau und den Handlungsdefiziten politischer Entscheidungsträger.
Dort, wo das Problem nicht erkannt oder verschwiegen wird, wo kein zivilgesellschaftlicher
Widerstand und keine Gegenkultur unterstützt
wird, können die Neonazis fast ungehindert Freiräume schaffen. Die Verknüpfung von »kulturelllen« mit »politischen« Aktivitäten sowie die kulturelle Ausfächerung des neonazistischen Spektrums
bereitet auch den Sicherheitsbehörden Einordnungsprobleme: So zählt zum Beispiel der Verfasssungsschutz in Thüringen in seinen monatlich veröffentlichten Chroniken ausschließlich »Skinheadkonzerte« und lässt zudem ein unpolitisch deklariertes »OI-Konzert« mit einer bekannten NeonaziSkinhead-Band unerwähnt.
Eine hohe Toleranz gegenüber Neonazi-Konzerten zeigten die Behörden in Bayern, wo die mili-

tanten HAMMERSKINS am 17. September in der Würzburger Frankenhalle ein Konzert mit 400 Besuchern
durchführen konnten. Im ganzen Bundesland wurden nur zwei Konzerte verhindert und eines vorzeitig aufgelöst. Selbst ein von einem NPD-Funktionär angemeldetes Konzert am 22. Oktober in Mittterskirchen konnte trotz der Anwesenheit starker
Polizeikräfte planmäßig durchgeführt werden,
obwohl von der Bühne volksverhetzende Aussagen
getätigt wurden und für das in Deutschland verbotene Netzwerk BLOOD & HONOUR geworben wurde.
Fazit
Obwohl die Zahlen für das Jahr 2005 alarmierend sind, wird antifaschistische Interventionsarbeit weiterhin erschwert durch die Gleichgültigkeit
vieler politischer Entscheidungsträger, aber auch
durch »Studien«, die fälschlicherweise besagen,
dass Rechtsrock seine Attraktivität verloren habe.
Der »Rückzug« in eigene Räume im Hinterland und
der fortschreitende Stilwandel in der Szene, verbunden mit der steigenden Beliebtheit des »Hatecores« und des Black Metal, lassen die Neonazis
mancherorts nicht mehr so »erkennbar« auftreten.
Doch die Zahlen des Jahres 2005 zeigen deutlich:
Die Neonazis haben sich in Parallelwelten eingerichtet, in denen es ihnen möglich ist, eine kontinuierliche Erlebniswelt anzubieten und den steten
Nachschub an musikalischer Propaganda zu organisieren. Die Integration und Versorgung des Umfelds
ist darüber flächendeckend gewährleistet.
Jan Raabe, Christian Dornbusch, Michael Weiss

In dieser Rubrik stellen wir jeweils einen Vortrag, Workshop oder ein Seminar aus unserem Bildungsprogramm vor. Den kompletten ReferentInnen-Katalog gibt es unter www.apabiz.de.

bildung en detail Ausstellung über Lifestyle, Symbole und Codes

»Versteckspiel« als Ausstellung
Eine neue, von der agentur für soziale perspektiven
(asp) erstellte Ausstellung will dazu anregen, über
den Gebrauch von politischen Symbolen nachzudenken. Genauer: Darüber, wie durch die rechtsextreme Szene Symbole benutzt werden und warum
der Umgang damit oft so schwierig ist.
Vielen wird »Das Versteckspiel« als überaus
erfolgreiche Broschüre bekannt sein, die inzwischen schon in mehreren Auflagen und verschiedenen Regionalausgaben publiziert worden ist. Die
agentur für soziale perspektiven versucht seit fünf
Jahren, die Entwicklung in der rechten Szene im
Blick zu behalten und hat dazu neben der Broschüre auch vielfältige Bildungsmaterialien und
eine Homepage erstellt.
Das apabiz führt zum gleichen Thema Workshops und Vorträge durch. Mit der Ausstellung hat
die asp jetzt versucht, Teile der Diskussion über

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den Umgang mit rechter Symbolik aufzugreifen
und weiter zu führen. Die Ausstellung liefert –
genau so wie die Broschüre - keinen Katalog
extrem rechter oder neonazistischer Symbole, sondern will zur Diskussion anregen: Wie gehen wir
mit dem rechten Lifestyle um? Halten Verbote,
was sie versprechen? Und: Wem gehört die Ikone
»Che Guevara« wirklich?
Die Ausstellung ist vor allem als kurzzeitige
Schau konzipiert und muss mit Workshops, Seminaren oder Vorträgen begleitet werden. Sie eignet
sich daher besonders für Konferenzen, Projekttage
und ähnliches.
Nachfragen und Bestellungen bitte an:
agentur für soziale perspektiven
Lausitzer Str.10, 10999 Berlin
mail@aspberlin.de
www.dasversteckspiel.de

angelegt. Unter anderem sollte dem
Staat seine Sanktionsfähigkeit
genommen werden. Aus der Diskusssion der extremen Rechten sind die
NBZ seit Jahren verschwunden.
Die Studie beschreibt jedoch die
Existenz von »Angsträumen«. Damit
sind öffentliche Orte gemeint, die
von Rechten okkupiert sind und an
denen diese eine Bedrohung für
Andere darstellen. Die Berliner Wisssenschaftler um Werner Bergmann
und Uta Döring hatten für ihre Studie in vier ostdeutschen Städten
geforscht.

Razzia und Indizierung
gegen CONFIDENT OF VICTORY
Senftenberg • Bei den Mitgliedern
der neonazistischen Hatecore-Band
CONFIDENT OF VICTORY aus Senftenberg

hat die Polizei am 17. Januar Hausdurchsuchungen durchgeführt.
Hintergrund war ein Konzert in
Mannheim, bei dem die Gruppe ihr
Publikum zum Zeigen des Hitlergrußes animiert haben soll. Bei den
Razzien wurden Computer-Equipment, Liedtexte sowie der Zünder
einer Übungshandgranate beschlagnahmt. Seltsam mutet der Zeitpunkt
der Polizeiaktion an, denn das fragliche Konzert fand bereits im März
2005 statt. Ebenfalls im Januar wurde die CONFIDENT OF VICTORY-CD »FNAB«
als »jugendgefährdend« indiziert, die
bereits 2001 veröffentlicht worden
war.
Im Oktober hatten CONFIDENT OF VICTORY ein internationales Gastspiel beim
»Hammerfest« – dem zentralen Event
der Neonazi-Skinhead-Organisation
HAMMERSKINS in den USA. Musiker der
Band spielen auch bei der Senftenberger Rechtsrock-Gruppe STURM UND
DRANG.

Jeder siebte Jugendliche
denkt rechtsextrem
Brandenburg • Jeder siebte Brandenburger Jugendliche (13,7 Prozent) hat rechtsextreme Ansichten
verinnerlicht. Zu diesem Ergebnis
kommt eine Studie der Universität

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Aktionismus und Absturz
Potsdam, die im Januar vorgestellt
wurde. Bei der weniger eng definierten Fremdenfeindlichkeit findet sich
gar eine Zustimmung von 17,6 Prozent. Zum harten Kern der rechten
Szene zählten 2,8 Prozent der
Jugendlichen, so das Ergebnis der
vom Land finanzierten Untersuchung.
Landespolitiker wie CDU-Innenminister Schönbohm reagierten gleichwohl hoch erfreut auf die Zahlen.
Grund: 51,9 Prozent der jugendlichen
Brandenburger lehnen Rechtsextremismus danach ab. 1993 lag dieser
Wert noch bei nur 33 Prozent.

Neue Kleinstpartei
DIE RECHTE gegründet
Seelow • Die Zusammenarbeit der
lokalen CDU mit der Partei DIE RECHTE
im Stadtparlament des brandenburgischen Ortes sorgt derzeit für landesweite Aufmerksamkeit. Mit billiger
Polemik würde DIE RECHTE Ausländer
angreifen und sollte darum kein
Partner für die CDU sein, kritisiert
etwa SPD-Landesfraktionschef Günter
Baaske.
Hinter der im November 2005
gegründeten Partei steckt maßgeblich der Werbiger Buchhalter FALK
JANKE. Dieser war 2003 als Kandidat
der SCHILLPARTEI in das Seelower
Stadtparlament gewählt worden und
arbeitete zeitweise als BrandenburgKoordinator in deren Bundesvorstand. Im SPD-regierten Seelow führt
die CDU die bisherige Kooperation
mit JANKE nun unter dem Fraktionsnamen »CDU/Die Rechte« weiter. Bis
1998 war JANKE noch selbst CDU-Mitglied gewesen. Er hat angekündigt,
seine neue Partei bundesweit etablieren zu wollen.

Gedenkstättenverbot für
neurechten Filmemacher
Sachsenhausen • Gegen den Filmemacher DIRK JUNGNICKEL ist Ende Januar ein Hausverbot für das Archiv der
KZ-Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen ausgesprochen worden. JUNGNICKEL war vom Archivpersonal dabei
ertappt worden, wie er nicht für die
Öffentlichkeit bestimmtes Filmmaterial heimlich mit einer Videokamera
mitschnitt. Dabei handelte es sich
um Zeitzeugeninterviews, die aus
Datenschutzgründen nicht verbreitet
werden dürfen, wie das alternative b
randenburger Internet-Portal
www.inforiot.de meldet.

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Hintergrund

Ü Ein Rückblick auf die Berliner Nazi-Szene 2005

Die Entwicklung der Berliner Neonazi-Szene
zeichnete sich im vergangenen Jahr
besonders durch massive Veränderungen im
Organisationsgefüge der Kameradschaften
aus. Diese haben nach kurzzeitigen Erfolgen
im Mobilisierungs- und Agitationspotenzial
letztlich allerdings fast zu einem Zusammmenbruch organisierter Strukturen geführt.
Weiterhin war für das vergangene Jahr ein
erheblich gestiegener Aktionismus von
rechts und damit verbundene Übergriffe
kennzeichnend.
Beides führte zunächst zu einem Motivationsschub, um sodann in einer gestiegenen
Repression zu enden. Im Folgenden wollen
wir in einem Rückblick diese Entwicklungen
genauer unter die Lupe nehmen, um so
einen Überblick über Ereignisse und Strukturen zu geben, die für eine Beurteilung des
Jahres 2005 von Bedeutung sind.

A

ngefangen hatte das Jahr 2005 ohne besondere Veränderungen, die Berliner Szene
setzte ihren aktionistischen Kurs ohne Einschränkungen fort. Dabei behielt die KAMERADSCHAFT TOR ihren Führungsanspruch bei und versuchte, diesen weiter zu festigen. Deutlich wurde dies vor allem beim ersten großen Event des
Jahres – dem jährlichen Aufmarsch im Februar
in Dresden –, bei dem verschiedene Anhänger
der KS TOR als Ordner eingesetzt wurden, und an
dem ungefähr 100 Personen aus der Berliner
Szene teilnahmen. Auf der Rückfahrt griffen
Berliner und Brandenburger Neonazis mehrere
AntifaschistInnen an und leiteten damit eine
das Jahr 2005 kennzeichnende Serie von
Gewalttaten ein.
Der sinkende Stern der KS Tor
Am 27. März folgte sodann mit dem Verbot
der KAMERADSCHAFT TOR, der BASO und der MÄDELGRUPPE der KS TOR eines der einschneidensten
Ereignisse 2005. Auch wenn bereits nach wenigen Wochen die unveränderte Fortsetzung der
Aktivitäten der Kameradschaften sichtbar wurde, setzte das Verbot doch eine tiefer gehende
Verschiebung der Hierarchien in der Szene in
Gange. So trat die KAMERADSCHAFT TOR intern zwar
ungebrochen unter diesem Namen auf und setzte ihre Aktivitäten fort. Dennoch herrschte
zunächst eine gewisse Verunsicherung und nach
außen entstand durch das nun fehlende einheitliche Logo ein eher diffuses Bild.
Dieses Manko nutze eine andere Organisation, um sich einen Teil der Macht innerhalb der

Aufmarsch der JUNGEN NATIONALDEMOKRATEN am 22. Oktober 2005 in Berlin-Pankow.
Berliner Szene zu sichern. Der Berliner Ableger
des aus Brandenburg stammenden MÄRKISCHEN
HEIMATSCHUTZES (MHS) warb Mitglieder aus den
verbotenen Kameradschaften und stellte diese
unter Anleitung altgedienter Kader des MHS. So
wuchs diese Kameradschaft in der ersten Jahreshälfte schnell auf 15 Mitglieder an. Bis auf
wenige Ausnahmen hatte die Berliner Sektion
jedoch keine eigenständige Außenwirkung, sondern benutze fast immer das übergeordnete
Label des MHS als Erkennungsmerkmal. Eine
zunehmende Abspaltung des so gewachsenen
MHS Berlin von den alteingesessenen Strukturen wurde besonders am 1. Mai deutlich: Auf der
größten Demonstration in Leipzig war die Berliner Szene zahlreich anwesend und stritt neben
anderen um einen schwarzen Block. Umso verwunderlicher war es, dass ausgerechnet Führungskräfte des MHS auf eine kleinere Demonstration nach Neubrandenburg fuhren und dort
für den MHS agitierten. Unter ihnen befanden
sich der ehemalige Kader der BASO, ANDREAS
THÜRMANN, und der Berliner MHS-Chef, GABRIEL
LANDGRAF.
NPD als Spielwiese für Kameraden
In diese Zeit viel auch eine weitere einschneidende Veränderung der Berliner Szene.
Vor allem Kader des MHS und der KS TOR unterstützten die in Berlin quasi nicht existente NPD
bei ihrem Wahlkampf für die Bundestagswahl,
was in einer Kandidatur des Brandenburger
MHS-Chefs GORDON RHEINHOLZ für den Wahlkreis
Berlin-Mitte gipfelte. Der Wahlkampf der NPD
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antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.
wurde dadurch konsequent durch jugendliche
Aktivisten aus dem Spektrum der Kameradschaften und deren Aktionismus dominiert.
Dabei handelte es sich um fast den einzigen
Berührungspunkt zwischen dem in TreptowKöpenick starken MHS und der in Lichtenberg
verankerten Struktur der KS TOR, der zu diesem
Zeitpunkt noch bestand. Nach der für die NPD
eher erfolglosen Wahl traten diverse Personen
aus diesem Spektrum in die NPD ein und bauten den Landesverband der JUNGEN NATIONALDEMOKRATEN (JN) mit Kräften aus dem Kameradschaftslager neu auf und schufen sich so eine
legale Struktur.
Aktionismus statt Inhalte
Im Sommer erreichte der Aktionismus der
Kameradschaften ein bisher ungekanntes Ausmaß. In einer einzigen Woche wurden sieben
spontane Aufmärsche mit bis zu 50 Teilnehmern
und diverse kleinere Aktionen durchgeführt.
Auch eine Welle von Übergriffen gegen linke
Jugendliche erreichte hier ihren traurigen
Höhepunkt. Mitglieder des MHS und KS TOR
weiteten ihren Aktionsradius in dieser Zeit bis
nach Potsdam aus und fanden hier in Zusammmenarbeit mit der Potsdamer Nazi-Szene günstige Vorraussetzungen für den lange propagierten Kampf um die Straße. In kürzester Zeit
erfolgte hier eine Vielzahl von Angriffen gegen
politisch Andersdenkende. Ein Höhepunkt desssen war der gezielte Angriff auf einen Antifaschisten und seinen Begleiter von etwa 20 Berliner und Potsdamer Neonazis aus einer Straßenbahn heraus, bei dem die beiden Angegrifffenen lebensgefährlich verletzt wurden. Dieser
Angriff hatte die Inhaftierung eines Großteils
der organisierten Potsdamer Neonazi-Szene und
von Kadern der KS TOR und des MHS BERLIN zur
Folge.
Neonazi-Aufmarsch am 3. Dezember 2005 in BerlinSchöneweide unter dem Motto »Jugend braucht
(wieder) Perspektiven«.

Die große Leere
Nach diesem, durch einen extremen Aktionismus geprägten Sommer fiel dieser Teil der
Berliner Szene offenbar in ein tiefes Loch und
befand sich in einer Art Sinnkrise. So saßen
mehrere Kader wegen der Ereignisse in Potsdam
immer noch in Haft, diverse andere waren von
Ermittlungsverfahren betroffen. Auch hatten die
Aktionen im Sommer zu keiner Veränderung der
Situation in Berlin geführt. Die Nazis waren und
sind nach wie vor gesellschaftlich isoliert und
ein personeller Zuwachs hat nicht stattgefunden.
Die immer wieder forcierten Bestrebungen im
ANTI-ANTIFA-Bereich sind ohne vorzeigbare Erfolge geblieben und der Aufbau von Strukturen in
Richtung AUTONOME NATIONALISTEN ist auch Bundesweit an seine Grenzen gestoßen. Letztlich war es
wohl auch das langsame Versiegen des durch den
NPD-Erfolg in Sachsen ausgelösten und bis in den
Sommer hinein spürbaren Motivationsschubs, der
zu einer Phase der Desorientierung geführt hat.
Die letzten Monate des Jahres waren somit
zwar immer noch durch Aktionismus und anhaltende Übergriffe geprägt, aber organisiertes
Handeln war immer weniger wahrnehmbar und
verschiedene Strukturen schienen regelrecht
einzuschlafen. Vor allem der straff organisierte
MHS hatte mit derartigen Problemen zu kämpfen, so dass seine Arbeit fast vollständig zum
Erliegen kam. Hinzu kamen interne Streitigkeiten mit der Brandenburger Sektion – vor allem
um Geld – sowie eine erhebliche Unzufriedenheit
mit internen Schulungen und der Motivation der
einzelnen Mitglieder. Nachdem gegen Ende des
Jahres der Anführer der Sektion, GABRIEL LANDGRAF, die Organisation verließ, war der MHS BERLIN nicht mehr wahrnehmbar. Die seit drei Jahren immer durch RENE BETHAGE für das erste
Dezemberwochenende angemeldete Demonstration für ein nationales Jugendzentrum in Treptow wurde dementsprechend zum Reinfall: Unter
den etwa 80 Teilnehmern fanden sich kaum
Kader der örtlichen Kameradschaften und eine
Beteiligung von außerhalb war ebenso wenig
festzustellen. Im Jahr 2003 hatte dieser Aufmarsch immerhin fast 400 Neonazis auf die
Strasse gelockt.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich das Jahr 2005
als von gegenläufigen Entwicklungen und Ereignissen geprägt beschreiben. Während die Szene
im Sommer auf dem Höhepunkt ihrer Organisierung angekommen war, steht sie Anfang 2006
vor einem Scherbenhaufen. Gleichwohl bleibt
antifaschistische Intervention dringend notwendig, da gegen Ende des Jahres unorganisierte
Übergriffe und scheinbare Kurzschlusshandlungen deutlich zugenommen haben.
Falco Schuhmann

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»Das Große bleibt groß nicht,
und klein nicht das Kleine.
Die Nacht hat zwölf Stunden
dann kommt schon der Tag.«
(Bert Brecht 1944 im Exil)
Mit Bestürzung erfuhren wir Ende
Dezember vom Tod des ehemaligen
Geschäftsführers der VVN-BdA und
langjährigen Herausgebers der antifaschistischen Zeitschrift DER RECHTE
RAND, Klaus Harbart. Wohl wussten
wir um seine schwere Krankheit, doch
sein Tod betrifft uns alle sehr.
Sein Tod bedeutet für uns den Verlust
eines großartigen Menschen und
einen nicht zu überwindenden Verlust
für die strömungsübergreifende Arbeit
von Antifaschist/innen. Wir behalten
Klaus Harbart als einen Freund und
Kollegen in Erinnerung, der durch seinen prinzipienfesten Pragmatismus
das trennende Element unterschiedlicher Ansätze antifaschistischer
Arbeit klar benennen und das verbindende Element gezielt zu suchen vermochte.

Gerade die Zusammenarbeit von AntifaschistInnen in der gesamten BRD
würde es ohne ihn so nicht geben.
Klaus Harbart gelang es, unterschiedliche Positionen in der politischen
Auseinandersetzung mit dem RechtsKonservatismus, dem Neofaschismus
und Demokratieabbau zu moderieren
und zu integrieren. Seine praktische
Hilfsbereitschaft für die Umsetzung
politischer Projekte öffnete Türen und
Horizonte.
Viele von uns jüngeren
Antifaschist/innen lernten Klaus zu
Beginn der neunziger Jahre als
bedachten, zupackenden und klugen
Ratgeber, unermüdlichen Aktivisten
und solidarischen Freund kennen. Wir
schätzen uns glücklich, die Zeit und
die Gelegenheit gehabt zu haben ihn
zu kennen. Die Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter des apabiz werden ihn als
Freund und Kollegen in Erinnerung
behalten und unsere Arbeit auch in
seinem Sinne fortsetzen.

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»Hier geblieben!«
JUNGNICKEL kann aufgrund von Leserbriefen und einem Interview in der
Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT als der
»Neuen Rechten« nahe stehend eingeordnet werden. Auch am INSTITUT
FÜR STAATSPOLITIK wurde seine Arbeit
auf einer »Winterakademie« im vergangenen Jahr gewürdigt.

08/15-LADEN geschlossen
Wismar • Seit Anfang des Jahres ist
der 08/15-LADEN geschlossen. Grund
dafür sind die massiven Beschwerden
anderer Mieter/innen des Hauses
beim Vermieter und deren Drohung,
geschlossen auszuziehen. Auslöser
dessen war ein Vortrag zum Thema
»Rechter Lifestyle«, in dem aufgezeigt wurde, welche Auswirkungen
solche Läden haben können. Der
Weimarer Laden war abends stets
zum Szenetreff geworden, dessen
hinterer Tresenraum zum Austausch
und zur Planung für diverse Aktivitäten genutzt wurde. Die erfolgreiche
Aktion engagierter Wismarer Menschen verdeutlicht, dass es Sinn
macht, sich gegen den Versuch der
Rechten einzusetzen, Teil des Alltags
zu werden.

Internes
Neonazi-Forum gehackt
Berlin/Rhein-Neckar • Mit einer
elfseitigen Einschätzung hat das
apabiz am 3. Februar auf die Veröfffentlichung eines internen Internetforums der FREIEN KAMERADSCHAFTEN
RHEIN-NECKAR reagiert. Hacker hatten
das Material am Tag zuvor ins Internet gestellt. Das Forum bietet einen
Einblick in das Innenleben der
regionaler Kameradschaften, das
neben alltäglichen Banalitäten von
der Koordination vielfältiger Aktivitäten geprägt ist, aber auch von
internen Intrigen und der Diskusssion um einen bewaffneten Raubüberfall, der von Neonazis in der
Region begangen wurde. Über das
Verhältnis der Kameradschaften zur
NPD lässt sich aus dem Forum einiges Interessantes herauslesen: So
gaben die »Freien Kräfte« in einer
»Erklärung«, datiert auf den 8. Oktober 2005, die Listenplätze »ihrer«
Aktivisten auf der NPD-Liste zur
bevorstehenden Landtagswahl in
Rheinland-Pfalz bekannt – eine
Woche vor der »offiziellen« Wahl der
Kandidaten. Die elfseitige Einschätzung befindet sich auf unserer
Internetseite www.apabiz.de.

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Bericht

Ü Aktionsbündnis aktiv gegen Abschiebungen

Junior ist 15 Jahre alt und spielt gern Theater. In ein paar Tagen hat er Geburtstag. Er geht
in die neunte Klasse der Moses-Mendelssohn-Oberschule in Berlin-Moabit und obwohl er die
Schule erst seit einem Jahr besucht, haben ihn seine Mitschüler bereits zum Klassensprecher
und offiziellen »Streitschlichter« gewählt. Juniors große Schwester Yanga lernt in der Moabiter Berufsfachschule für Banken und Versicherung, später möchte sie gerne einmal als Dolmetscherin arbeiten. Doch daraus wird vermutlich nichts werden.

Z

wei Tage vor Weihnachten hat der Berliner
Innensenator Ehrhart Körting (SPD) bekannnt gegeben, dass die Geschwister in ihr Herkunftsland Kamerun abzuschieben seien, aus
dem sie vor mehr als fünf Jahren mit ihrer
Mutter und ihrem deutschen Stiefvater legal
eingereist waren. Da die Mutter der beiden im
vergangenen Jahr zu einer Haftstrafe verurteilt
und ihre Aufenthaltserlaubnis widerrufen wurde, sei – so Körting – auch das Recht von Junior
und Yanga erloschen, weiter hier in Deutschland bleiben zu dürfen. Seine Entscheidung
muss er nicht begründen, tut es aber doch: Es
könne dem deutschen Staat nicht zugemutet
werden, die Kinder einer Straffälligen hier weiter zu alimentieren, erläuterte Körting seine
Haltung gegenüber der taz Anfang Januar.
»Zynisch und menschenverachtend«
Mit seiner Entscheidung widersetzt sich der
Berliner Innensenator sowohl der Empfehlung
der mit Fachleuten besetzten Härtefallkommisssion des Berliner Abgeordnetenhauses, als auch
der des zuständigen Petitionsausschusses. Beide
Gremien sprechen sich mit Nachdruck dafür aus,
dem Geschwisterpaar die Aufenthaltsgenehmigung zu erteilen. Yanga und Junior sind in
ihren Schulen und ihrer betreuten Wohngemeinschaft vorbildlich integriert, sprechen perfekt deutsch, fast alle ihrer Verwandten leben
in Deutschland.

Das Info-Paket
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Recherche-Anfragen
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Dazu kommt, dass Junior schwul ist; erst
vor kurzer Zeit hatte er sein coming-out. Kein
leichter Schritt, schon gar nicht für einen 15Jährigen. In Kamerun droht Junior für seine
Homosexualität eine langjährige Haftstrafe. Vor
diesem Hintergrund wertete Holger Wicht vom
Berliner Schwulen- und Lesbenmagazin Siegesssäule im Interview mit der taz Körtings
Abschiebevorhaben als »zynisch und menschenverachtend«.
»Hier geblieben!«-Kampagne gestartet
Juniors Lehrer und Mitschüler haben nach
den Weihnachtsferien eine Kampagne für das
Bleiberecht der Geschwister gestartet. Unterstützt werden sie dabei nicht nur von den
Betreuern des Jugendwohnprojekts WohnSinn
und dem Berliner Schwulenmagazin Siegessäule, sondern auch durch das Aktionsprogramm
»Hier Geblieben!«. Das Programm, initiiert
durch PRO ASYL, Flüchtlingsrat Berlin, GEW Berlin und GRIPS-Theater, unterstützt Aktionen für
Asylsuchende und geduldete Flüchtlinge, die –
wie Junior und Yanga – schon lange hier leben.
Zu den Hauptakteuren in Berlin gehören unter
anderem die Jugendlichen vom Berliner Beratungszentrum für Flüchtlinge und MigrantInnen
(BBZ) und Banda Agita, der Jugendspielclub des
GRIPS-Theaters. Auch die Klasse 8.3. der FritzKarsen-Schule ist in dem Bündnis aktiv; bereits
im August 2004 war es den SchülerInnen gelungen, durch medienwirksamen Protest die
Abschiebung zweier bosnischer Mitschüler zu
verhindern.
Zusammen entwickelten die Kinder und
Jugendlichen einen Appell an die verantwortlichen Politiker, ein Gesetz für das Bleiberecht
der über 200.000 »geduldeten« Flüchtlinge zu
verabschieden und sich für die völlige Anerkennung der UN-Kinderrechtskonvention einzusetzen. Bundesweit haben bisher bereits über
2.200 Jugendliche den Aufruf unterzeichnet;
mit bisher 1.400 Unterschriften und deutlicher
Kritik am neuen Zuwanderungsgesetz unterstützen prominente Kulturschaffende den
Appell.
Jaqueline Behrens
Informationen über die Kampagne »Hier geblieben!« gibt es
unter www.hier.geblieben.net und www.siegessaeule.de.

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 24, märz 2006

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Detaillierte Dokumentation
über die »Judendeportationen«
Ü

Rezension Gottwald, Alfred; Schulle, Diana: »Die ‘Judendeportationen’ aus dem Deutschen Reich 1941-1945«. Wiesbaden
2005, 509 S., 15 Euro

M

ehr als sechzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs erscheint nun ein »ansatzweise vollständiges Verzeichnis« der »Judentransporte« aus dem Deutschen Reich, dem
Gebiet des damaligen Deutschlands einschließlich des bereits angeschlossenen Österreichs
sowie Böhmen und Mähren. Aufgelistet werden
648 Transporte, in denen 268.000 Menschen
mit der Reichsbahn in die Lager und Ghettos im
Osten gefahren wurden. 470 dieser Transporte
werden kommentiert: Wie viele Menschen
waren es? Woher kamen sie? Wo waren die
Sammellager? Welcher Vorwand wurde den
Deportierten genannt? Außerdem das Durchschnittsalter, der Bahnhof, die Strecke, der
Zug. Was widerfuhr den Deportierten bei der
Ankunft? Wie viele Personen haben den Holocaust überlebt?
Das Buch arbeitet in einer ausführlichen
Einleitung über frühe Deportationen im NSStaat heraus, wie sich das System schrittweise
entwickelte. Angefangen von den massenhaften Ausweisungen polnischer Juden aus dem
»Großdeutschen Reich« in den Wochen vor der
Reichspogromnacht 1938, als die logistischen
Erfahrungen gesammelt wurden, die sich
bereits bei der Einweisung von 26.000 bis
30.000 männlichen deutschen Juden in die
Konzentrationslager nach der Pogromnacht
auswirkten. Berichtet wird, wie die erste Phase
der Deportationen mit Beginn des Krieges am
1. September 1939 gestartet wurde, als die
Möglichkeiten zu Flucht und Migration erheblich eingeschränkt waren. Die in dieser Phase
gemachten Erfahrungen wurden perfektioniert,
bevor im Oktober 1941 ein allgemeines Auswanderungsverbot für Juden aus dem deutschen Machtbereich verhängt wurde und am
15. Oktober 1941 die von den Autoren ausführlich beschriebene zweite Deportationsphase
mit einem Transport von 1005 Menschen von
Wien nach Litzmannstadt (Lodz) begann. Alleine bis zum 3. November folgten weitere Transporte mit ungefähr 19.000 Personen aus mehreren Städten des Deutschen Reiches zum gleichen Ziel. Die Transporte von mehreren zehntausend Personen in die Ghettos von Minsk,
Kowno und Riga folgten bis zum Februar 1942.
Ab Mai 1942 begannen die Transporte in die
monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 24, märz 2006

Vernichtungslager, erst in Zügen mit relativ
geringer Personenzahl nach Auschwitz, dann in
steigender Personenzahl auch in die anderen
Vernichtungslager.
Das Buch verdeutlicht, dass sich die Methoden der Deportationen dynamisch von Monat
zu Monat änderten, bis sie das Stadium der
durchorganisierten Massentransporte erreichten. Die Autoren konnten auf weitgehend vollständige Namenslisten zurückgreifen, die vom
Bundesarchiv dieses Jahr veröffentlicht werden
sollen. Sie sichteten die zur Verfügung stehenden Quellen aus der Literatur, aus Lokalstudien, aus Bahnunterlagen und sammelten, was
aus GESTAPO-Akten noch zur Verfügung steht. So
legten sie Wert auf die faksimilierte Wiedergabe möglichst sämtlicher »Deportationsrichtlinien« der GESTAPO sowie darauf, Beispiele für
die Vorgänge der Deportation mit der Eisenbahn in historischen Aufnahmen abzubilden.
Anhand der vielen Fotos, Stadtpläne, Landkarten und Dokumente wird der grausige Prozess
anschaulich. Zitiert werden Briefwechsel und
Verordnungen der NS-Bürokratie, die Praxis der
Deportationen wird in Beziehung gesetzt zu
den politischen Beschlüssen des Regimes.
Hervorzuheben ist, dass diese detaillierte
Dokumentation sich weder im Konkreten verstrickt noch im Allgemeinen verliert. Die Informationen sind so knapp und präzise auf die
dokumentierten Vorgänge zugeschnitten, dass
der Prozess der Deportationen greifbar wird.
Greifbar wird, wie die als Juden oder Zigeuner
rassisch verfolgten Menschen aus den jeweiligen Städten herausgerissen und abtransportiert wurden. Deutlich wird, dass dieser Vorgang von der Bevölkerung nicht unbemerkt
bleiben konnte. In der Regel waren es nicht die
Güterwaggons, die bei den Deportationen aus
den besetzten Gebieten eingesetzt wurden,
sondern normale Personenzüge – manchmal
auch nur ein Waggon, der z.B. von BerlinAnhalterbahnhof bis nach Theresienstadt fuhr
und an einen regulären Zug angehängt wurde.
Im Deutschen Technikmuseum Berlin ist
dazu eine kleine Ausstellung im Lokschuppen
II zu sehen, wo ein Güterwaggon daran erinnnert, dass es die Reichsbahn war, die Millionen
Thomas Blum
in den Tod transportierte.

Ausstellung über das
Heydrich-Attentat
Berlin • Prag, 27. Mai 1942, 10.35
Uhr: Als Jan Kubis, Fallschirmspringer der Exilarmee Tschechiens, vor
das schwarze Daimler-Benz-Cabriolet
mit dem Kennzeichen »SS 3« sprang,
klemmte seine Sten Gun-Maschinenpistole. Wie tausendmal trainiert,
greift er zu den hochempfindlichen
Bomben und schleudert sie in Richtung des PKW. Zwei Wochen später
starb REINHARD HEYDRICH, SS-Obergruppenführer und einer der Strategen des Holocaust, an einer Blutvergiftung.
Eine Ausstellung im Deutschen Technikmuseum Berlin dokumentiert derzeit das historischen Geschehen. Zu
sehen sind neben dem Cabriolet Heydrichs viele Originalmaterialien. Die
Ausstellung ist eine Hommage an
den Widerstand Tschechiens, der mit
dem Mann sein prominentestes Opfer
fand, der im Oktober 1941 über
Tschechien tönte, dass »dieser Raum
einmal deutsch werden muss und
dass der Tscheche in diesem Raum
letzten Endes nichts verloren hat«.

»Nazis-raus«-Button
verboten?
Tübingen • Am 6. November vergangenen Jahres hat das Amtsgericht
Tübingen einen 21jährigen Studenten wegen des Tragens eines Buttons, auf dem ein Hakenkreuz durchgestrichen mit einem roten Balken
abgebildet war, zu einer Geldstrafe
verurteilt. Weitere ähnliche Strafverfahren gegen Antifaschisten wegen
»Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen«
nach § 86a Strafgesetzbuch sind in
Baden-Württemberg anhängig bzw.
mit ähnlichem Ergebnis ausgegangen. Den Betroffenen wird damit
vorgeworfen, dass sie die Wiederbelebung nationalsozialistischer und
damit verfassungswidriger Organisationen und der von diesen verfolgten
verfassungsfeindlichen Bestrebungen, auf die das Kennzeichen symbolhaft hinweist, unterstützt hätten.
Die Verfahren und Urteile verwundern, da sie im Gegensatz zu einer
gefestigten höchstrichterlichen
Rechtsprechung stehen. Danach wird
der Schutzzweck des § 86a nicht verletzt, wenn das Kennzeichen in einer
Weise gebraucht wird, die seinem
ursprünglichen Symbolgehalt augenfällig entgegensteht.

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In dieser Rubrik wollen wir Euch
einen kurzen Überblick über
Bücher, Broschüren und andere
Medien geben, die im Archiv neu
eingegangen und ab sofort verfügbar sind. Darüber hinaus werden wir auf bestimmte Sachgebiete hinweisen, zu denen Ihr
Sammlungen bei uns finden könnt. Danke an die Verlage.

Neu im Archiv

• Aly, Götz: »Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg
und nationaler Sozialismus«. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2005.
»Wer von den vielen Vorteilen für die Millionen
einfacher Deutscher nicht reden will, der sollte vom
Nationalsozialismus und vom Holocaust schweigen.«
So skizziert Götz Aly seine über Jahre durchgeführte
Studie, die darstellt, dass die Deutschen, auch wenn
sie keine Nazis waren, kollektiv als Volksgemeinschaft,
aber auch individuell von Raub, Mord und Plünderung
profitierten.
• Schnurbein, Sabine von; Ulbricht, Justus H.
(Hrsg.): »Völkische Religion und Krisen der Moderne«.
Königshausen & Neumann, Würzburg 2001.
Der interdisziplinäre Sammelband gibt einen
Überblick über das Spektrum völkisch-religiöser Organisationen bis zur NS-Zeit, wobei auch die völkische
Frauenbewegung betrachtet wird. Ebenso detailliert
dargestellt wird die Rassentheorie RUDOLF STEINERS mit
ihrer Wirkung und Entwicklung nach 1945 bis heute.
Durch die in den Aufsätzen enthaltenen Verweise und
Bezüge auf die anderen Beiträge wird ein geschlossenes Bild vermittelt
• Puschner, Uwe u. a. (Hrsg.): »Handbuch zur ‚völkischen Bewegung’ 1817-1918«. K. G. Saur, München
1999.
In dem Standardwerk finden sich neben grundlegenden Beiträgen zum Thema vor allem Aufsätze zu
spezifischen Teilaspekten. Dazu gehören beispielsweise das Thema »Heimatschutz um die Jahrhundertwende« sowie die Tierschutzbewegungen. Sämtliche
Beiträge im Buch sind mit einem umfassenden und
kommentierten Quellenapparat versehen.
• Hering, Sabine; Schilde, Kurt: »Das BDM-Werk
‚Glaube und Schönheit’«. Metropol, Berlin 2000.
Die Organisation »Glaube und Schönheit« wurde
innerhalb des BUNDES DEUTSCHER MÄDEL für 18- bis 21jährige »arische« Frauen gegründet, um diese für die
Ziele der Volksgemeinschaft zu instrumentalisieren.
Die Autoren rekonstruieren die Struktur der wenig
bekannten Organisation und gehen in zwölf Gesprächen mit Zeitzeuginnen den bis in die heutige Zeit reichenden Auswirkungen auf die Beteiligten nach.
• Leggewie, Klaus; Meyer, Erik: »‚Ein Ort, an den
man gerne geht’. Das Holocaust-Mahnmal und die
deutsche Geschichtspolitik nach 1989«. Carl Hanser,
Wien 2005.
Nach der Eröffnung des Holocaust-Mahnmals in
Berlin 2005 wird die vorausgegangene 15-jährige
Debatte über dessen Sinn und Gestaltung nachgezeichnet.
• Steglich, Henrik: »Die NPD in Sachsen. Organisatorische Voraussetzungen ihres Wahlerfolgs 2004«. Verlag
V&R unipress, Göttingen 2005.
Die Studie will eine Bestandsaufnahme der NPD in
Sachsen leisten und geht besonders auf die Voraussetzungen des Wahlerfolgs ein.

• Maegerle, Anton: »Globalisierung aus Sicht der
extremen Rechten«. Arbeitsstelle Rechtsextremismus
und Gewalt, Braunschweig 2005.
Der Autor setzt sich mit den Inhalten der extremen Rechten zum Thema Globalisierung auseinander.
Er stellt fest, dass die Sehnsucht nach dem völkisch
und politisch homogenen Nation- und Rassestaat verbunden wird mit chauvinistisch begründetem Antiamerikanismus und Antikapitalismus.
• Backes, Uwe; Jesse, Eckhard (Hrsg.): »Gefährdungen der Freiheit – Extremistische Ideologien im Vergleich«. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006.
In der Veröffentlichung des Dresdner HannahArendt-Instituts widmen sich verschiedene Autoren im
Rahmen der Totalitarismusforschung dem Thema des
sogenannten Links- und Rechtsextremismus. Dabei
werden u. a. Inhalte und Personen direkt verglichen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Islamismus, der von
Armin Pfahl-Traughber vergleichend analysiert wird.
• Später, Erich: »Kein Frieden mit Tschechien. Die
Sudetendeutschen und ihre Landsmannschaft«. Konkret Verlag, Hamburg 2005.
Der Autor analysiert die Kontinuität der völkischrassischen Ideologie in der SUDETENDEUTSCHEN LANDSMANNSCHAFT. Dabei wird deutlich, dass einige der Nachkriegsfunktionäre als NSDAP- und SS-Mitglieder an der
Zerschlagung der Tschechoslowakei beteiligt waren.

An dieser
Stelle besprechen wir Werke, die bereits länger auf dem
Markt sind und als »Klassiker« gelten.

Wieder gelesen

• Pflüger, Friedbert: »Deutschland driftet. Die Konservative Revolution entdeckt ihre Kinder«. Econ, Düssseldorf 1994.
Die Berliner CDU hat einen Spitzenkandidaten
und diesmal einen, der es zumindest in Punkto Weltläufigkeit mit dem Konkurrenten aufnehmen kann.
Vor über zehn Jahren polarisierte Pflüger, einst enger
Mitarbeiter von Richard von Weizsäcker, mit dem Versuch, seine Partei »gegen die Ideen der Konservativen
Revolution zu immunisieren«. Politisch weitsichtig
und informativ auf der Höhe der Zeit zeigt Pflüger hier
im journalistischen Plauderton die Gefahren auf, die
von den Nachgängern von JÜNGER, SCHMITT, NOLTE und
MOHLER ausgehen.
Der Schüler des Historikers Karl Dietrich Bracher
nimmt sich des nationalistischen Zeitgeistes im
wiedervereinigten Deutschland an und verdeutlicht,
im Thema versiert, ihren Bezug zu den antidemokratischen Intellektuellen der Weimarer Zeit. Das Buch
Pflügers ist ein seltenes Beispiel für einen demokratischen, auch gerne mal »anti-preußischen«, kämpferischen Konservatismus, der jede Erosion hin zu einem
»revolutionären Konservatismus« verhindern will.

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