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Full text: Monitor Issue 22.2005

monitor

rundbrief des apabiz e. v. | nr. 22, oktober 2005

Zwischen politischer
Notwendigkeit und Sozialarbeit
Hintergrund  Grundlage, evaluierende Bilanz und Ausblick
zur politischen Bildungsarbeit des apabiz
Mit über 100 Veranstaltungen im Jahr hat sich die Bildungsarbeit zu einem festen und
wichtigen Standbein der Arbeit des apabiz entwickelt. Unser ReferentInnenkatalog
umfasst mittlerweile mehr als 65 Angebote und unser Aktionsradius umfasst den gesamten deutschsprachigen Raum. Gleichzeitig hängt die Bildungsarbeit in einem hohen Maß
von äußeren Rahmenbedingungen wie Fördermitteln, gesellschaftlichen Stimmungen
und staatlichen Zielsetzungen ab, die sich in den vergangenen Jahren mitunter erheblich
gewandelt haben und sich mit dem Ergebnis der Bundestagswahl weiter verändern werden. Vor diesem Hintergrund wollen wir im Folgenden eine evaluierende Bilanz ziehen
und einen Ausblick in die Zukunft wagen.
»Feuerwehrpolitik« darstellt und nur eine
aktuelle, konkrete Gefahr abwehrt. Diese These
ist von immenser Bedeutung, da wir beide
Ansätze – die Bekämpfung dieser gesellschaftlichen Phänomene und die Bekämpfung der
Neonaziszene als deren extreme Auswüchse –
zu verknüpfen versuchen und entsprechende
Interventionsmöglichkeiten aufzeigen.

m Mittelpunkt der Bildungsarbeit des apabiz
steht nicht die Faktenvermittlung, sondern
eine Palette an Angeboten aus Seminaren,
Workshops und Veranstaltungen, die politisch
konzipiert sind und entsprechende Ziele verfolgen. Es geht uns darum, politische Perspektiven und Analysen zu vermitteln, Eigeninitiative anzuregen und zu fördern, Diskussionen
auszulösen und zum Nachdenken anzuregen,
nicht um Infotainment. Dem entsprechend ziehen sich vor allem die folgenden vier Grundgedanken als roter Faden durch unser Angebot.

Die Vermittlung einer eigenen Empirie zur
anschaulichen und realistischen Untermalung unserer Thesen.
Dieser Ansatz entspringt unserer Archivarbeit, die uns die entsprechenden Belege und
Quellen liefert, und spielt gerade bei der Arbeit
mit Erwachsenen eine wichtige Rolle. Diese verfügen oft über eine Wahrnehmung, in welcher
Neonazis nicht als konkrete Gefahr auftauchen,
sondern eine Randerscheinung darstellen, der
man aus dem Weg gehen kann. So kennen sich
Lehrer und Eltern oft nicht in den Lebensrealitäten von Jugendlichen aus und sind daher
nicht mit deren Ängsten und Problemen vertraut.

Die Vermittlung der Tatsache, dass Neonazis
kein Randgruppenphänomen sind, sondern
lediglich eine Radikalisierung von gesellschaftlichen Strömungen darstellen.
Hierauf fußt die Analyse, dass antifaschistische Intervention oft eine Art (notwendiger)

Eine allgemeine Förderung humanistischer
Werte und zivilgesellschaftlicher Strukturen
und Ansätze.
Ein solcher politischer Ansatz ist vor allem
bei der Arbeit mit Jugendlichen unerlässlich,
da sich in vielen Regionen Deutschlands die

I

Zwischen politischer Notwendigkeit und Sozialarbeit Seite 1 | Was nicht sein kann, das nicht sein
darf Seite 4 | archiv en detail Seite 4 | Polizei dringt unrechtmäßig im apabiz ein Seite 5
Profil: Yesterday Men Seite 6 | Rezension Seite 7 | Neu im Archiv Seite 8

antifaschistisches pressearchiv und
bildungszentrum berlin e.v. (apabiz)
lausitzerstr. 10 | 10999 berlin
geöffnet do von 15 bis 19 uhr und
nach absprache
fon | fax: 0 30 . 6 11 62 49
mail@apabiz.de
http://www.apabiz.de
konto-nummer: 332 08 00
blz: 100 205 00
bank für sozialwirtschaft
monitor ist nicht im abo erhältlich,
aber fördermitglieder bekommen ihn
zugeschickt.

Das apabiz e. V. informiert seit 1991
über die extreme Rechte. Unsere Informationen stehen allen Personen und
Initiativen zur Verfügung. Umgekehrt
sind wir an Euren Einschätzungen und
Erfahrungen interessiert. Gerne vereinbaren wir einen Austausch oder nehmen
Euch in unseren Verteiler auf.
Archiv: Für Recherchen halten wir unser
Archiv bereit, das eines der größten
dieser Art in der BRD ist. Wir verfügen
über rechte Publikationen, Videos, CDs
u.a.m. Diese Primärquellen werden
ergänzt durch eine Datenbank, in der
Presseveröffentlichungen seit Anfang
der 90er Jahre erfasst sind, eine
umfangreiche Präsenzbibliothek, verschiedene Sondersammlungen sowie
antifaschistische Publikationen aus
ganz Europa und den USA.
Bildung: Unser ReferentInnen-Katalog
(siehe www.apabiz.de) umfasst mehr als
40 Vorträge und Seminare aus diversen
Bereichen, für die ReferentInnen bei
uns angefordert werden können. Zu
bestimmten Themen haben wir ReferentInnen-Koffer erstellt, die die eigenständige Durchführung von Veranstaltungen ermöglichen, oder halten wir
Handreichungen bereit.
Publikationen: Ergebnisse unserer Arbeit
verwerten wir nicht nur im monitor, sondern auch in Broschüren, Pressemitteilungen, Handreichungen und sonstigen
Publikationen. Diese und weitere Materialien findet ihr unter www.apabiz.de.

monitor – rundbrief des apabiz e.v. | v.i.s.d.p.:
apabiz e.v. | dank an unsere fördermitglieder,
die mit ihrem beitrag die finanzierung unterstützen | erscheinungsweise: alle zwei monate |
fotos: alle rechte liegen bei den fotografen

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

Mailingliste
des apabiz am Start
Berlin • Seit einigen Wochen informiert das apabiz zusätzlich über die
Mailingliste »Kompetente Netzwerke« über Aktivitäten gegen Rechts.
Die Liste berichtet über Aktivitäten
Berliner Projekte, die sich gegen
Rechtsextremismus, Rassismus und
Antisemitismus engagieren.
Mitglieder sind zum einen alle Projekte, die durch das Berliner Landesprogramm gegen Rechtsextremismus,
Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus gefördert werden. Zum anderen alle Kooperationspartner und
Fördermitglieder des apabiz - sofern
sie das wollen.
Wir wollen über die Liste regelmäßiger als bisher auf unsere Veranstaltungen und Publikationen hinweisen.
Andere Mitglieder der Liste sind
selbstverständlich herzlich eingeladen, dies auch zu tun. Es werden
allerdings ausschließlich Einladungen, Veröffentlichungshinweise,
Arbeitspapiere u.ä. zugelassen. Eine
inhaltliche Diskussion soll hier nicht
stattfinden. Anmelden könnt ihr
euch über den Link auf unserer
Homepage oder direkt unter
http://listi.jpberlin.de/mailman/listinfo/kompetente-netzwerke.

Keine Rechtssicherheit
für Thor Steinar
Berlin • Während in Brandenburg
alle laufenden Ermittlungsverfahren
gegen Träger der Modemarke THOR
STEINAR nach einem Urteil des Oberlandesgerichtes Brandenburg eingestellt wurden, hält die Berliner Polizei an ihrer Beschlagnahmepraxis
fest. Das Oberlandesgericht hatte
entschieden, dass das alte Logo THOR
STEINARS für den unbedarften Bürger
nicht mit Kennzeichen von verbotenen Organisationen zu verwechseln
sei, sondern nur Neonazis, Antifaschisten und Polizeibeamten auffallen würde. Solange für den »Normalbürger« keine Gefahr der Verwechselung bestünde, könne das Logo auch
juristisch nicht belangt werden.
Während man das Logo somit in
Brandenburg straffrei nutzen kann,
wird in Berlin weiter ermittelt.
Ungeachtet dessen eröffnete THOR
STEINAR einen Laden in bester Lage
im Shopping Center Berlin Carre am
Alexanderplatz. Da der Laden nach
der Norwegischen Stadt Tönberg
benannt ist, steht THOR STEINAR

2

Wertemaßstäbe nachhaltig verschoben haben.
An diesen Orten ist das Eintreten für humanistische Werte keine Selbstverständlichkeit und
steht in direkter Opposition zur existierenden
Neonazi-Hegemonie. So kann das bloße Ablehnen von rechten und menschenverachtenden
Sprüchen in einem Jugendclub seitens der
Betreiber direkt die Jugendlichen stärken, die
sich bisher nicht getraut haben, aktiv den Neonazis und deren Argumentationen entgegenzutreten.

aber auch an Schulen und ähnlichen Einrichtungen. Vor diesem Hintergrund und angesichts
der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ist
es aus unserer Sicht daher heute nach wie vor
zentral, politische Bildungsarbeit in unserem
thematischen Bereich zu leisten. Diese muss
indes bemüht sein, politisch bestimmt und ausgerichtet zu sein, anstatt der Verführung zu
erliegen, bloße Rechercheergebnisse zu vermitteln.

Die Rolle der Politik und staatlicher Stellen
kritisch zu hinterfragen.
Vielen erscheint es widersprüchlich, dass
der Staat auf der einen Seite Millionenprogramme gegen Rechts auflegt und auf der anderen Seite durch Sondergesetze und Abschiebungen rassistische Ressentiments fördern soll. Oft
begegnet uns der Standpunkt, dass die Polizei
sich schon um Neonazis kümmern würde und
kein ziviles Engagement nötig sei. Angesichts
dessen ist es wichtig, die entsprechenden
gesellschaftlichen Widersprüche aufzuzeigen,
um die Notwendigkeit von eigenen Interventionen und eigenem Engagement deutlich zu
machen.

Ohne Honorare gäbe es unsere Bildungsarbeit nicht: Die Bildungsarbeit des apabiz auf
dem gegenwärtigen Niveau ist sowohl personell
als auch strukturell direkt von Finanzmitteln
abhängig, die mittel- oder unmittelbar durch
Dritte bereitgestellt werden. So können einige
unserer ReferentInnen nur im derzeitigen
Umfang Veranstaltungen durchführen, da sie
über andere Mittel ihren Lebensunterhalt abgesichert haben und nicht neben Durchführung
und Konzeption der Bildungsveranstaltungen
noch ihren Lebensunterhalt durch Lohnarbeit
verdienen müssen.
Doch die ReferentInnen, die keine externe
Absicherung haben und somit direkt von Honoraren der Veranstalter abhängig sind, hängen
zumindest mittelbar am staatlichen Finanztropf: Eine Vielzahl von Bildungsmaßnahmen
kann nämlich nur deshalb realisiert werden, da
die Veranstalter auf staatliche Gelder bei der
Durchführung ihrer Veranstaltungen zurückgreifen können. Unsere Bildungsarbeit befindet
sich also, im Gegensatz zu unserer Archivarbeit, in einer direkten Abhängigkeit von
öffentlichen Haushalten und Förderprogrammmen. Dies ist einerseits selbstverständlich und
sollte auch weiterhin eingefordert werden:
Wenn öffentliche Stellen ihren eigenen Aufgaben nicht nachkommen, so müssen sie mindestens Dritten die notwendigen Finanzmittel zur
Durchführung dieser Aufgaben bereitstellen.
Andererseits ist dies in der Praxis nicht gerade
selbstverständlich, weshalb die beschriebene
Abhängigkeit erhebliche strukturelle Probleme
mit sich bringen kann.

Ausgangspunkte
Diese Grundgedanken bilden das politische
Fundament unserer Bildungsarbeit. Gleichwohl
unterscheiden sie sich nicht grundlegend von
einem zumindest ideellen Verständnis öffentlicher Bildungsarbeit im antifaschistischen,
antirassistischen Bereich. Vielmehr erfüllen wir
mit unserer Bildungsarbeit öffentliche Aufgaben, deren Durchführung an sich auch durch
die öffentliche Hand gewährleistet werden
müsste. Gerade die im vierten Punkt beschriebene Doppelrolle führt indes dazu, dass staatlich geförderte Bildungsarbeit hingegen diese
Ziele in der Praxis nicht oder nur unzureichend
verfolgt, sei es direkt durch die Exekutive oder

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Das Info-P
vom apabiz e.v.
Nicht nur für Vereine und Institutionen, sondern für
alle, die in den Genuss des gesamten Service des
apabiz e.v. kommen möchten, gibt es jetzt unser
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Paket in den Größen S, M und L:
• je 3/10 / 20 Exemplare des monitor pro Ausgabe
• den ReferentInnen-Katalog inklusive Updates
• zwei Exemplare aller neuen Publikationen des
apabiz e.v. (Broschüren, Handreichungen etc.)
• Sonderkonditionen bei Nachbestellungen und
Recherche-Anfragen
gibt es für 70 Euro / 100 Euro / 130 Euro im Jahr!

Finanzierung von Bildungsarbeit

Erfolgskontrolle
Für die Bewertung von politischer Arbeit im
Allgemeinen und Bildungsarbeit im Besonderen
spielt die Evaluierung eine große Rolle. Daher
überprüfen wir zum Beispiel regelmäßig, ob es
überhaupt gerechtfertigt ist, derart viele Ressourcen in die Bildungsarbeit zu investieren.
Eine eindeutige Antwort darauf fällt jedoch in
der Regel schwer, insbesondere ist es für uns
kaum möglich, den tatsächlichen Erfolg von
Bildungsarbeit zu bemessen.

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 22, oktober 2005

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

nun allerdings erneut juristischer
Ärger ins Haus, da die Norwegische
Botschaft Klage eingereicht hat.

Nazikonzert in Tschechien

Materialien aus der Bildungsarbeit des apabiz.
Oben: Statistik-Folie zum Thema rechte Konzerte.
Rechts: Folie zum Thema Tötungsdelikte mit extrem
rechtem Hintergrund.

Gerade weil wir stark auf die Multiplikatorenwirkung setzen, können wir allein schon
aus logistischen Gründen keine Erfolgskontrollen in den jeweiligen Regionen durchführen,
zumal hierzu ein klarer Bewertungsmaßstab
vorliegen müsste, der so nicht existiert. Auf der
einen Seite könnten wir nur rein objektive
Daten, wie Häufigkeit von Buchungen in einer
bestimmten Region, TeilnehmerInnenzahlen
auf konkreten Veranstaltungen u.ä. heranziehen. Dem stehen auf der anderen Seite subjektive Wahrnehmungen in Form von Feedback
einzelner TeilnehmerInnen gegenüber.
Selbst diese unpräzisen Indikatoren lassen
sich nur schwer für eine Bilanzierung nach Kriterien wie Nachhaltigkeit und Breitenwirkung
heranziehen. So ist eine gut besuchte und mit
viel Applaus und Zwischenfragen bedachte Veranstaltung allenfalls ein Indikator für die Versiertheit des Referenten bzw. des Publikums,
mitnichten aber dafür, dass die Veranstaltung
eine Wirkung in der Region entfalten wird.
Soweit wir unsere Bildungsarbeit gleichwohl anhand dieser wenig sicheren Faktoren zu
bilanzieren versuchen, sind die Ergebnisse
ermutigen. So haben wir in einigen Regionen,
wie zum Beispiel der Südpfalz, intensive
öffentliche Diskussionen über die bestehende
Dominanzkultur von Rechts ausgelöst und sind

dort neben viel Widerspruch auch auf Zustimmmung bei Menschen gestoßen, die sich durch
unsere Veranstaltungen unterstützt gefühlt
haben. Auch gibt es viele Regionen, in die wir
kontinuierlich immer wieder eingeladen werden
und die Veranstalter uns von einem – wenn
auch langsamen – Klimawechsel bei den örtlichen Entscheidungsträgern berichten. Dieses
war vor allem in Schulen der Fall.
Ausblicke

Für die Zukunft haben wir uns vorgenommmen, den Fokus unserer Arbeit etwas enger zu
fassen und unseren Schwerpunkt noch stärker
auf die außerschulische Bildungsarbeit zu
legen. Hier ist indes das Problem der nicht vorhandenen Mittel besonders groß, da für diese
Form der Bildung auf staatliche Einrichtungen
verwiesen wird – natürlich mit den angesprochenen inhaltlichen Mängeln. Entsprechend
wollen wir – vor allem in Bezug auf die zu
erwartenden Veränderungen in der Förderungspraxis des Bundes – verstärkt auf zivilgesellschaftliche Kooperationspartner wie Gewerkschaften und Stiftungen zugehen. Nur wenn
hier langfristige Partnerschaften und auf diesem Weg Perspektiven entstehen, wird eine
Weiterführung unserer Bildungsarbeit auf dem
jetzigen Niveau überhaupt möglich sein.
In diesem Sinne müssen wir die Notwendigkeit antifaschistischer Bildungsarbeit in der
Öffentlichkeit noch stärker vermitteln, um so den Druck auf
staatliche Stellen für eine effektiVeranstaltungen des apabiz von Januar 2003 bis
ve Förderung zu erhöhen. Bildung
April 2004 nach Bundesländern plus Österreich.
bleibt eine gesamtgesellschaftliche
Aufgabe und lässt sich nicht nur
an Verwertungsinteressen sondern
muss auch am Nutzen für soziale
Zusammenhänge in einer Gesellschaft bemessen werden.
Falco Schuhmann

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 22, oktober 2005

Krtetice (Tschechische Republik)
• Am 17. September haben etwa 400
Neonazis aus Tschechien, der Slowakei, Österreich und vereinzelt auch
aus Deutschland am »Ian-StuartMemorial-Konzert« teilgenommen,
mit dem an den 1993 tödlich verunglückten Sänger der Band Skrewdriver erinnert werden soll. Organisiert
wurde das Konzert bei Ceske Budejovice von BLOOD & HONOUR (B&H) CZECH
REPUBLIK in Zusammenarbeit mit
NARODNI ODPOR PRAHA (NATIONALER
WIDERSTAND PRAG). Als Bands traten
TITKOLT ELLENALAS (Ungarn), RAZORS EDGE
(England), OIDOXIE (Dortmund) und

CONFLICT 88 (Tschechien) auf. Im
Internet kursierende Fotos zeigen
einen Gitarristen im T-Shirt der verbotenen B&H-Division Deutschland
und Konzertteilnehmer beim Zeigen
des Hitlergrußes. Insbesondere der
Sänger von OIDOXIE, MARCO GOTTSCHALK,
heizte Berichten zufolge die Stimmmung in der Menge immer wieder
durch das Zeigen des Hitlergrußes
an. Nachdem dieses auch für die
anwesende Polizei nicht zu übersehende Ausmaße und Lautstärke
angenommen hatte, löste diese das
Konzert auf. Ähnliche Konzerte zu
Ehren IAN STUARTS fanden auch in der
Schweiz, der Ukraine, Slowenien,
England und Deutschland statt.

Kerstin Lorenz verstorben
Dresden • Am 7. September ist die
NPD-Direktkandidatin für die Bundestagswahl, KERSTIN LORENZ, infolge
eines Hirnschlages verstorben, den
sie auf einer Wahlkampfveran-

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antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

staltung ihrer Partei in Dresden
erlitten hatte. Aufgrund dessen wurde die Bundestageswahl im Wahlkreis
Dresden I um zwei Wochen verschoben; die NPD stellte statt LORENZ den
ehemaligen Bundesvorsitzenden der
REPUBLIKANER, FRANZ SCHÖNHUBER, auf.
LORENZ war vor ihrer Tätigkeit als Mitarbeiterin der sächsischen NPD-Landtagsfraktion bis 2004 Mitglied und
Landesvorsitzende der REPUBLIKANER.
Nachdem die REP ihre Teilnahme an
der Landtagswahl abgesagt hatten,
trat sie aus ihrer Partei aus und
medienwirksam in die NPD ein.

Turn It Down
rockt weiter gegen Nazis
Bundesweit • Mit lautstarken Veranstaltungen hat die Turn It DownKampagne im vergangenen halben
Jahr ihre Aktivitäten gegen rechte
Tendenzen in der Musik fortgesetzt.
So fanden sieben Konzerte in Berlin
und Freiburg statt, für die Turn It
Down eine Reihe bekannter Szene-

Was nicht sein kann,
das nicht sein darf
Profil  »Unbemerkt« von Polizei und Verfassungsschutz
besteht über Jahre der Rechtsrockclub ASGARD in Berlin
Im Vorbeifahren fällt sie kaum auf: Die kleine Seitenstraße, die gleich hinter einer Tankstelle von der zweispurigen Hauptstrasse abzweigt. Folgt man dieser Strasse, gelangt man
zuerst zu einem großen Paketverteilzentrum der Post. Lässt man die Post rechts liegen,
endet der Weg nach ein paar Metern an einem kleinen Wachhaus mit einer Schranke.
Hinter dieser Schranke befindet sich auf dem Gelände einer Schrauberwerkstatt Berlins
einziger Rechtsrockclub.
er CLUB ASGARD existiert seit dem Jahr 2002
und hat sich auf Black Metal spezialisiert.
Sein in der Szene hoher Bekanntheitsgrad rührt
allerdings nicht nur von den extrem rechten
Black Metal-Bands her, die dort auftreten, sondern auch von diversen eher unpolitischen Bands
der Black Metal-Szene. Diese geben sich hier
ebenso ein Stelldichein, wobei das Publikum des
maximal 100 Personen fassenden Clubs seine politische Heimat regelmäßig nicht zu verheimlichen
bemüht zu sein scheint: Dem apabiz liegt eine
Stellungnahme einer solchen Band vor, in welcher
diese sich empört über das nur aus »Nazis und
Glatzen« bestehende Publikum äußert.

D

Regelmäßig rechte Konzerte

bands aus dem In- und Ausland
gewinnen konnte. Neben dem musikalischen Programm konnten sich die
zahlreichen BesucherInnen über
aktuelle Entwicklungen in der
Rechtsrockszene informieren. Die
Homepage von Turn It Down
(www.turnitdown.de) hat sich daneben kontinuierlich zu einer rege
genutzten Plattform für die Vernetzung der antifaschistischen Musikszene entwickelt.

Gothia ganz rechts
Berlin • Die Burschenschaft GOTHIA
ist erneut mit ihren Kontakten nach
ganz rechts außen aufgefallen: Aus
Anlass der Beitrittsverhandlungen
der EU mit der Türkei lud sie am 1.
Oktober 2005 zu einem »Berliner
Seminar«. Unter dem Titel »Europa
und die Türkei« sollten die Folgen
einer Mitgliedschaft beleuchtet werden.
Für die Vorträge wurde ein breites
Spektrum an Referenten bemüht.
Neben dem ehemaligen Bundes-

4

Obwohl in den vergangenen zwei Jahren mindestens fünf Konzerte von eindeutig extrem rechten Bands stattfanden, wurde der Club von
Medien und Polizei nicht wahrgenommen bzw.
jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit zum Thema

Ein wenig abgelegen und trostlos. Berlins einziger
Rechtsrockclub: Der mittlerweile jedenfalls vorübergehend geschlossene CLUB ASGARD im Bezirk Marzahn-Hellersdorf.
gemacht. Es ist nicht einmal sicher, ob die Behörden überhaupt Kenntnis von diesem Stück rechter Infrastruktur hatten. In den Verfas-

An dieser Stelle berichten wir in jeder Ausgabe über einzelne Arbeitsgebiete, Projekte, Sammlungen etc. aus dem Archiv des apabiz, um so einen Einblick in unsere Arbeit zu ermöglichen.

archiv en detail Der Bestand der Videothek im apabiz

Filme, Dokus & Primärquellen
Unser Bestand an Videos umfasst derzeit über
1.200 Titel, von denen bereits 750 in unserem
Katalog für diese Medien erfasst sind. Darunter
befinden sich Fernsehbeiträge aus politischen
Magazinen, Dokumentarfilme und Spielfilme. Der
Hauptteil stammt aus der Zeit seit Beginn der
1990er Jahre; viele Spielfilme sind allerdings älter.
Fernsehberichte über die Brandanschläge von
Mölln, Solingen und Hoyerswerda oder das Pogrom
von Rostock füllen etliche Videokassetten; ebenso
gehören bekannte Fernsehdokumentationen über
den Terror der Nationalsozialisten zum Repertoire.

Hinzu kommen Amateuraufnahmen von Nazi-Aufmärschen, die einen unverstellten Blick liefern
können und daher auch in der Bildungsarbeit zum
Einsatz kommen. Schließlich verfügen wir auch
über Videos oder Fernsehspots, die von der Naziszene produziert wurden.
Große Teile unseres Videobestandes wurden
uns durch Fördermitglieder und durch die FreundInnen von autofocus überlassen, bevor sie von
uns für die Nutzung durch Dritte aufbereitet wurden. Weitere – ausgesuchte – Bestände sind gerne
willkommen.

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 22, oktober 2005

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

Polizei dringt unrechtmäßig im apabiz ein
Am Samstag, den 27. August sind Polizeibeamte im Rahmen einer Berlinweiten Razzia gegen
antifaschistische Strukturen gegen 23 Uhr auch in
die Räume des apabiz e.V. in der Lausitzerstr. 10
eingedrungen. Vorwand war ein Durchsuchungsbeschluss für verschiedene Räumlichkeiten in Berlin;
die Antifaschistische Linke Berlin (ALB) hätte auf
ihrer Internetseite zu Straftaten aufgerufen.
Die Durchsuchung war illegal
Festzuhalten ist, dass das apabiz in keiner
Verbindung zur Internetseite der ALB steht und zu
keiner Zeit ein Durchsuchungsbeschluss für die
Räume des apabiz vorlag. Wir bewerten daher das
Eindringen in unsere Büroräume als illegal und
sind juristisch dagegen vorgegangen. Die Einsatzleitung hielt trotz der Hinweise eines anwesenden
Mitarbeiters des apabiz an ihren falschen und willkürlichen Begründungen fest. Auch wenn die
Durchsuchung im apabiz später abgebrochen wurde, stellt der Einsatz einen erheblichen Eingriff in
unsere Rechte dar. Es wurden Fotos von unseren
Räumen gefertigt und Papiere in Augenschein
genommen. Außerdem wurde uns das Herbeiziehen eines Anwaltes und die Aushändigung eines
Durchsuchungsbeschlusses verweigert.
Der gesamte Einsatz war unangemessen
Doch nicht nur das Eindringen in unsere Räume hinterlässt offene Fragen. Der gesamte Einsatz

sungsschutzberichten für 2003 und 2004 jedenfalls wird vollmundig behauptet, dass aufgrund
der guten Arbeit der Polizei überhaupt gar keine
rechten Konzerte in Berlin stattgefunden hätten.
Etwas Dynamik gekommen in die Sache ist
erst, als die neonazistische Black Metal-Band
ABSURD im CLUB ASGARD aufspielen sollte. Bei
ABSURD handelt es sich nämlich um die bekannteste deutsche Band aus diesem Spektrum, die es
auch jenseits ihrer Musik und Einstellungen zu
trauriger Berühmtheit gebracht hat: Die Band ist
ein Projekt des sogenannten Satansmörders von
Sonderhausen, HENDRIK MÖBUS. Doch zu dem Konzertabend sollte es nicht kommen: In einer Pressemitteilung veröffentlichte das Antifaschistische
Infoblatt Ort, Termin und vorgesehenes Programm
des geplanten Gigs. Einen Tag später sagten
ABSURD ihre Beteiligung an dem Konzert ab. Der
Konzertabend sollte mit veränderter Besetzung
dennoch stattfinden. Neben den rechten Besuchern, die wie erwartet erschienen, fand sich
jedoch auch eine Einsatzhundertschaft der Berliner Polizei am Veranstaltungsort ein und führte
eine Razzia durch.
monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 22, oktober 2005

war unangemessen und steht in keinem Verhältnis
zu den vorgeworfenen Straftaten. Der Polizeieinsatz hinterlässt den Eindruck, dass hier mit jedem
Mittel die Kriminalisierung des gesamten antifaschistischen Spektrums erreicht werden soll. Wir
solidarisieren uns daher ausdrücklich mit allen
Betroffenen. Auch haben wir selbst nach der Polizeiaktion von vielen Seiten deutliche Zeichen der
Solidarität erhalten, für die wir uns hier ausdrücklich bedanken wollen.
Der Einsatz, der unser Projekt betroffen hat,
war kein Einzelfall, sondern der vorläufige Höhepunkt einer ganzen Kette von fragwürdigen Einsätzen der Berliner Polizei. So wurden im Juli diesen Jahres mehrere Wohnungen von AntifaschistInnen in ganz Berlin von Sondereinsatzkommandos gestürmt. Auch hier wurden Unbeteiligte in
Mitleidenschaft gezogen und massiv die Grundrechte der Betroffenen verletzt. Bei der Stürmung
der Diskothek Jeton durch SEK-Beamte, um gegen
angeblich gewalttätige Hooligans vorzugehen,
wurden darüber hinaus Lügen zur Rechtfertigung
des Einsatzes verbreitet.
Antifaschismus, wie wir ihn verstehen, bedeutet auch den unbedingten Einsatz für die Wahrung
der Menschenrechte. Illegale und unangemessene
Polizeieinsätze sowie eine selbstherrliche Einsatzführung, die sich um die Rechte der Betroffenen
nicht schert, müssen ein Ende haben.
apabiz

Nach der Razzia stellte sich heraus, dass der
Club gar keine Konzession besaß und das Grundstück unter einem Vorwand vom städtischen Liegenschaftsfond gepachtet war. Mittlerweile
beschäftigt sich auch der Bezirk Marzahn-Hellersdorf, auf dessen Gebiet der Club liegt, mit dem
rechten Treiben und befasste sich in einer Anfrage mit dem Thema.
Ausblick
Auch wenn der Club nach eigenen Aussagen
zunächst schließen muss, bleibt im Rückblick ein
fader Nachgeschmack. So ist es nicht nachzuvollziehen, wieso Berliner Polizei und Verfassungsschutz nichts von einem Neonaziclub wissen wollen, der in der Szene beworben wird und
eine professionell gestaltete Homepage im Internet unterhält und AntifaschistInnen seit Jahren
bekannt ist. Sollten sie doch von dem Club und
den hier auftretenden Bands gewusst haben,
wurde bei der Erstellung der Berliner Verfassungsschutzberichte der vergangenen Jahre
bewusst die Unwahrheit geschrieben.
Falco Schumann

minister EGON BAHR von der SPD sowie
RAINER GLAGOW (Berliner Repräsentant
der HANNS-SEIDEL-STIFTUNG) und HEINZ
ODERMANN (FU Berlin) waren geladen:
RAINER MENNEL (Professor an der FU
Berlin), der als »Türkei-Spezialist« in
Berlin auch schon für die DEUTSCHE
PARTEI und das CHRISTLICH-KONSERVATIVE
DEUTSCHLAND-FORUM (CKDF) referierte;
IVAN DENES (Verantwortlicher Redakteur der KONSERVATIVEN DEUTSCHEN ZEITUNG) sowie BERND RABEHL, der dieses
Jahr vor allem mit seiner WahlkampfHilfe für die NPD aufgefallen war. Im
Vorfeld der Veranstaltung rügten prominente Sozialdemokraten in einem
offenen Brief die erneute Tätigkeit
Bahrs im rechtsextremen Umfeld.

Nazi-Läden geben auf
Berlin • Anfang September wurden
die Nazi-Läden NORDIC THUNDER und
FIRESTARTER von ihren Betreibern aufgegeben. Der seit September 2004
bestehende Laden NORDIC THUNDER in
Weißensee hatte wie der Pankower
FIRESTARTER u.a. ein umfangreiches
Angebot an Bekleidung für seine
Kundschaft geführt. Dazu gehörten
Produkte von rechten Marken wie
THOR STEINAR und das Sortiment des
Hamburger Neonazis LARS GEORGI.
Am 21. Mai war im Rahmen der
Kampgane »we will rock you« gegen
Nazi-Läden in Berlin eine antifaschistische Demonstration mit etwa
700 Teilnehmern gegen den NORDIC
THUNDER und den Laden HARAKIRI im
Prenzlauer Berg durchgeführt worden. Weitere Informationen zur Kampagne unter www.we-will-rockyou.tk.

BKA korrigiert
Zahl der Todesopfer
Wiesbaden • Das Bundeskriminalamt
(BKA) hat fünf weitere Todesopfer
rechter Gewalt in seine Statistik
übernommen und spricht jetzt von
insgesamt 41 Toten seit der Wiedervereinigung 1990. Das meldete Ende
September der Berliner Tagesspiegel.
Das jüngste Verbrechen war der Mord
an dem Punk Thomas Schulz im März
diesen Jahres. Weiterhin werden in
der BKA-Statistik nun auch die Morde
an Marinus Schöberl (Potzlow, Juli
2002) und an Dieter Manzke (Dahlewitz, August 2001) aufgeführt. Beide
Taten fanden im Land Brandenburg
statt. Aus dem Jahr 2000 wurden die
Tötungsverbrechen an den

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antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

Yesterday Men
Obdachlosen Eckhardt Rütz (Greifswald, November 2000) und Malte
Lerch (Schleswig, September 2000)
als rechtsextrem motivierte Taten
gewertet.
Dennoch liegt das BKA mit seinen
Zahlen weiterhin deutlich unter den
Listen, die Frankfurter Rundschau
und Tagesspiegel veröffentlicht hatten. Die beiden Zeitungen kamen
schon bis 2003 auf 99 Todesopfer.

»Vor die Tür gesetzt«:
Ausstellung über verfolgte
Berliner Stadtverordnete
Berlin • Im Zusammenhang mit den
Erinnerungs- und Gedenkveranstaltungen zum 60. Jahrestag des
Kriegsendes 1945 haben der Senat
und das Abgeordnetenhaus von Berlin gemeinsam den Verein Aktives
Museum gebeten, eine Ausstellung
über die Lebensgeschichten der zwischen 1933 und 1945 verfolgten und
ermordeten Berliner Stadtverordneten und Magistratsmitglieder zu erarbeiten.
Die Schau dokumentiert anhand von
32 ausgewählten Biografien mit persönlichen Zeugnissen, Bildern und
Dokumenten die Lebenswege von
Parlamentariern und Kommunalpolitikern, die aus ganz unterschiedlichen
Gründen verfolgt wurden, ins Exil
gingen oder Haft und Tod erleiden
mussten. Sie zeigt exemplarisch
auch, wie die parlamentarische
Demokratie in Deutschland 1933 zerstört wurde. Die Ausstellung ist vom
30. September bis 30. November im
Berliner Rathaus zu sehen.

»Schulhof«-Aktion
in heißer Phase
Bundesweit • Die NPD hat Anfang
September die heiße Phase ihres
Wahlkampfes mit einer erneuten
»Schulhof«-Aktion eingeläutet. Bis
zu 200.000 Exemplare einer kostenlosen Musik-CD sollten im Rahmen
dessen an Jugendliche und junge
Erwachsene verteilt werden. Medienwirksame Auftritte wurden vor allem
aus den ostdeutsche Bundesländern
und Berlin bekannt. An vielen Orten
organisierten Initiativen, Parteien
und Einzelpersonen Gegenaktivitäten. In Berlin kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen von NPD-Wahlkämpfern gegenüber einer engagierten Lehrerin. Die Arbeitsstelle Neonazismus der Fachhochschule

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Profil  Die GESELLSCHAFT FÜR DIE EINHEIT DEUTSCHLANDS E.V (GED)
Die GED ist eine Organisation, die vor allem durch strikten Anti-Kommunismus vor dem Hintergrund christlicher Irrationalität, gepaart mit revisionistischen wie revanchistischen Positionen
von sich Reden macht. Den Zenit ihrer Bedeutung hat sie deutlich überschritten. Interessant
erscheint die honorige Gesellschaft, weil sie das ideologisch gleichgerichtete Handeln ihrer mit
unterschiedlichen Professionen ausgestatten Protagonisten zu bündeln sucht, um so als eine
schlagkräftige Pressure-Group aufzutreten. Die Thematisierung der GED ist zugleich ein Beitrag
zur Geschichte des Gebäudes in dem sich das apabiz befindet: Hier hatte die GED für einige Jahre
ihr Berliner Büro – in der Wohnung ihres damaligen Präsidenten GÜNTER OELTZE VON LOBENTHAL.
egründet wurde die GED im Jahr 1985, ihr Eintrag ins Berliner Vereinsregister erfolgte im April
1988. Der Sitz ist in Bonn, wo ihr heutiger Präsident
GERD-HELMUT KOMOSSA, ehemals Chef des MILITÄRISCHEN
ABSCHIRMDIENSTES (MAD), die Geschäftsstelle betreibt.
Die Gründung der GED ist im Kontext der Enttäuschung über die im Sinne der Protagonisten zu
mäßigen Umsetzung der von HELMUT KOHL zu Beginn
der 1980er Jahre ausgerufenen »geistig-moralischen
Wende« zu sehen. Erster Adressat ihrer Politik waren
CDU und CSU, auf die Druck ausgeübt werden sollte,
offensiver aufzutreten. Die GED zählt so zu einem
der vielen, mehr oder weniger bedeutenden Think
Tanks am rechten Rand der Unionsparteien.1

G

Akteure der GED
Geprägt wurde die GED von Militärs, Politikern
und Wissenschaftlern, die jeweils mit dem »Kommunismus« befasst waren. So war Präsident Komossa in
NATO-Strukturen tätig; der Nürnberger Professor
Ekkehard Wagner ist Protagonist wissenschaftlicher
Ostforschung, die sich vornehmlich mit gesellschaftlichen Themen in den Staaten des Warschauer Paktes befasste, um darauf im eigenen Militärbündnis
reagieren zu können;2 Helmut Bärwald fungierte als
letzter Leiter des 1971 aufgelösten Berliner »Ostbüros« der SPD.3 Mit der sog. Wiedervereinigung
gewann die GED in den neuen Bundesländern weitere Mitglieder mit ähnlichem beruflichen Hintergrund. Zu diesen zählt auch der ehemalige REPUBLIKANER WOLFGANG SCHWARZ, der heute für das NATIONALE
BÜNDNIS DRESDEN im Stadtrat sitzt.4
Zentrale Aktivitäten der GED sind die regelmäßig durchgeführten »Deutschland- und Sicherheitspolitischen Tagungen«. Hier sind als Referenten u.
a. GÜNTER ROHRMOSER und OTTO VON HABSBURG aufgetreten. Als Zeitschrift gibt die GED das FORUM DEUTSCHE
EINHEIT heraus, das über den in Lauf bei Nürnberg
ansässigen und von EKKEHARD WAGNER betriebenen
EUROPAFORUM-VERLAG erscheint.
Themen
Die Agitation der GED gegen die Sowjetunion
bzw. die Warschauer-Pakt-Staaten hatte neben dem
Anti-Kommunismus das Bestreben, eine Einheit
Deutschlands zu erreichen, wobei die Oder-Neiße-

Grenze von der GED nach wie vor zur Disposition
gestellt wird. So bezeichnet KOMOSSA es als zentrale
Motivation für den Dienst als Soldat, die Wiederherstellung Deutschlands in den Grenzen von 1937 zu
erlangen, wie es in Dokumenten der NATO als deren
politisches Ziel wiederholt worden sei. Verständnislos zeigt er sich darüber, dass die Bundesregierung
1990 und in den Folgejahren geschwiegen und die
Grenzen von 1945 akzeptierte habe.
Ausgehend von der Verneinung der alleinigen
Kriegsschuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg –
so würden heute die militärischen Anstrengungen
der damaligen Gegner und auch die Ausschreitungen gegen Deutsche in Polen ignoriert5 – feilt die
GED an einer »ehrlichen Darstellung und Bewertung
zeitgeschichtlicher Ereignisse«, um eine »natürliche
nationale Identität« zu erlangen. Laut Komossa
hätte es ohne den Vertrag von Versailles »keinen NSStaat« gegeben.6 Gleichzeitig soll das Bild des »deutschen Soldaten« aufpoliert werden: Die Wehrmacht
habe dem Treiben Hitlers machtlos gegenübergestanden und nur ihre Pflicht erfüllt.
Fazit
Auch wenn die Palette der GED relevante Themen des rechten Spektrums abdeckt, sollte dies
nicht darüber hinweg täuschen, dass sie mit dem
Ende des Ost-West-Konfliktes ihre Agitationsflächen
und ihre partielle Relevanz verloren hat. Im Kontrast
zum rot-grünen Nationalisierungsdiskurs, der stets
betont, Lehren aus der Vergangenheit gezogen zu
haben und sich als »Friedensmacht« geriert, um so
positive Identifikationsfläche zu bieten, wirkt die
GED altbacken.
Marco Kuhn
1) Organisatorische Nähe besteht u. a. zur STIMME DER MEHRHEIT.
2) Vgl. Wagner, Ekkehard: Ideologie und Militärdoktrin in der
Sowjetunion, München 1974.
3) Die klandestinen Strukturen des Ostbüros sollten ursprünglich Häftlinge betreuen. Zuletzt dienten sie mehrheitlich
der „Contra-Propaganda“ und Beschaffung von Informationen. S. Buschfort, Wolfgang: Parteien im Kalten Krieg. Die
Ostbüros der SPD, CDU und FDP, Berlin 2000.
4) Vgl. http://barrierefrei.dresden.de/?node=23903, gesp. am
28.08.2005.
5) Komossa, Gerd-Helmut: Ist der Krieg wieder Mittel der Politik, in: Forum Deutsche Einheit, Nr. 2/2003, S. 5 f.
6) Komossa, Gerd-Helmut: Aus Liebe zum Land – Nachdenken
über Ostpreußen. Vortrag im Juli 2004 vor der Landsmannschaft Ostpreußen. Veröffentlicht bei SWG-Hamburg.

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 22, oktober 2005

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Juristische Ahndung von NSUnrecht als Vergangenheitspolitik
Rezension  Miquel, Marc von: »Ahnden oder Amnestieren?
Westdeutsche Justiz und Vergangenheitspolitik in den sechziger
Jahren«. Wallstein Verlag, Göttingen 2004. 446 S., 44 Euro.

O

b und in welchem Maße die Bundesrepublik die
NS-Verbrechen juristisch aufgearbeitet hat, war
Jahrzehnte lang Gegenstand politischer Auseinandersetzungen. Marc von Miquels Studie untersucht die Interdependenz von juristischer Ahndung
von NS-Verbrechen und öffentlicher Debatte.
Ausgangspunkt: Personelle Kontinuitäten
In der Einleitung seiner Dissertation skizziert
Miquel den Grundkonflikt, der sich beim Aufbau
von souveränen Verwaltungsstrukturen in der
Bundesrepublik ergab: Hatten die Amerikaner und
Briten noch auf eine nachhaltige Entnazifizierung
des Beamtentums gesetzt, und eine Vielzahl von
nationalsozialistisch belasteten Beamten entlassen, sorgte die Novelle von Artikel 131 GG aus dem
Jahr 1950 für deren massenhafte Wiedereinstellung. Danach hatten Beamte des Deutschen Reiches das Recht auf Wiedereinstellung in den
öffentlichen Dienst, sofern sie nicht als Kriegsverbrecher verurteilt waren. So setzte sich das Beharrungsvermögen der Richter, Staatsanwälte, Professoren und Polizisten und der Pragmatismus der Planungsstäbe für den Aufbau der Verwaltung durch.
Die personellen Kontinuitäten des NS-Regimes
in der frühen Bundesrepublik bildeten in der propagandistischen Auseinandersetzung des kalten
Krieges für die DDR eine Steilvorlage. Seit Mitte der
1950er Jahre initiierte die DDR Kampagnen, die auf
die NS-Vergangenheit führender Repräsentanten
der bundesdeutschen Justiz hinwiesen. Bei den
massenhaft auch im westeuropäischen Ausland
verteilten Broschüren des kampagnenführenden
»Ausschuss Deutsche Einheit« (ADE) handelte es
sich nicht nur um Propaganda. Vielmehr belegten
die Dokumentationen aus Ostberlin die Verstrickung zahlreicher Richter und Staatsanwälte in das
NS-Justizsystem und dessen mörderische Praxis.
Ausführlich zeigt der Autor auf, dass diese Praxis der Veröffentlichung von Gerichtsakten aus der
NS-Zeit im Bonner Bundesjustizministerium nicht
ignoriert werden konnte. Einerseits wollten sich
bundesdeutsche Behörden nicht von der Propaganda »aus der Ostzone« unter Druck setzen lassen.
Faktisch war man jedoch in krassen Fällen zum
Handeln gezwungen. So ergriffen die Ländesjustizminister die Initiative für die Formulierung des
Paragrafen 116 Richtergesetz, der es ermöglichen
sollte, schwer belastete Richter und Staatsanwälte

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 22, oktober 2005

in Pension zu schicken. Doch obwohl im Zuge des
Gesetzgebungsverfahrens niemals von einer strafrechtlichen Verfolgung der Handlungen ehemaliger
Richter der NS-Justiz die Rede, regte sich in der
Richterschaft erheblicher Widerstand gegen die
Zwangspensionierungen. Das Vorhaben scheiterte.
Übrig blieb eine Kann-Bestimmung.
Neuorientierung unter Vorbehalt
Noch einmal lässt Miquel die Amnestie-Debatten des Bundestages Revue passieren. Dabei wird
deutlich, in welch starkem Maße die Argumentation viele Politiker darauf zielte, eine eingrenzbare
Personengruppe für NS-Verbrechen haftbar zu
machen, um die Mehrheit der NS-Täter zu entlasten. Dies schlägt sich nieder in der »kalte Verjährung« genannten Regelung aus dem Jahr 1968, der
zufolge Beihilfe zu NS-Massenmorden nicht mehr
belangt wurden. Demnach war es bspw. unmöglich,
die für die Planung des Holocaust verantwortlichen
Funktionäre des RSHA vor Gericht zu stellen. Skeptisch bleibt Miquel gegenüber der vielfach geäußerten Vermutung, dies sei auf die erfolgreiche direkte Intervention ehemaliger RSHA-Funktionsträger,
wie WERNER BEST, zurückzuführen.
Dann hatten äußere Faktoren, wie der
EICHMANN-Prozess in Jerusalem und der fast zeitgleich stattfindende Frankfurter Auschwitz-Prozess, erheblichen Einfluss auf die öffentliche Meinung bezüglich der Verfolgung von NS-Verbrechen.
Die Gründung der »Zentralen Stelle« für die strafrechtliche Verfolgung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg nennt der Autor eine Neuorientierung der
Verfolgungspraxis unter Vorbehalt.
Fazit

Düsseldorf und Argumente & Kultur
gegen Rechts e.V. haben für alle Aktiven auf 37 Seiten erschöpfende
Informationen über die CD und die
darauf enthaltenen Interpreten
zusammengestellt. Ihr findet das
Dokument im pdf-Format auf unserer
Seite www.turnitdown.de.

Umgang mit extrem
rechten BesucherInnen
bei Veranstaltungen
Bundesweit • Rechtsextreme greifen
gerne auf die »Wortergreifungsstrategie« zurück und sind allzu oft unwillkommene Gäste auf Veranstaltungen.
Wie damit umgegangen werden kann,
welche rechtlichen Rahmenbedingungen und Grenzen es gibt, zeigt eine
aktuelle Handreichung der Mobilen
Beratung gegen Rechtsextremismus
(MBR) aus Berlin.
Sie ist zur allgemeinen Verteilung an
demokratische Akteur/-innen und
Parteien bestimmt und kann bei der
MBR abgefragt werden (info@mbrberlin.de). Die MBR bietet im Rahmen ihrer Kapazitäten Berliner
Akteur/-innen Beratung zu weitergehenden Fragen und Problemen bei
der praktischen Umsetzung an. Ganz
besonders sind sie darin auch auf
einen Rücklauf an Erfahrungen angewiesen. Feedback kann an die im
Papier angegebene Adresse gesandt
werden.

Der Autor zieht eine gemischte Bilanz der juristischen Aufarbeitung von NS-Verbrechen. Einerseits
taten sich Justiz und Verwaltung aufgrund personeller Kontinuitäten schwer mit der Auseinandersetzung, andererseits erzwang die immer wieder
aufflammende öffentliche Debatte eine kritische
Reflektion des Umgangs mit der NS-Vergangenheit.
Der 2004 erschienene Band ist Ausdruck des erneuten Epochenumbruchs in der Auseinandersetzung
mit der NS-Vergangenheit, in dem nun die Vergangenheitspolitik der Bundesrepublik selbst zum
Gegenstand wissenschaftlicher Forschung geworden ist.
Christian Grünert

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In dieser Rubrik wollen wir Euch
einen kurzen Überblick über
Bücher, Broschüren und andere
Medien geben, die im Archiv neu
eingegangen und ab sofort verfügbar sind. Darüber hinaus werden wir auf bestimmte Sachgebiete hinweisen, zu denen Ihr
Sammlungen bei uns finden könnt. Danke an die Verlage.
• Staud, Toralf: »Moderne Nazis. Die neuen Rech• Haunss, Sebastian: »Identität in Bewegung.
ten und der Aufstieg der NPD«. Kiepenheuer &
Prozesse kollektiver Identität bei den Autonomen
Witsch, Köln 2005.
und in der Schwulenbewegung«. Verlag für SozialStaud setzt sich anhand von Reportagen, die er wissenschaften, Berlin 2004.
als Journalist geschrieben hat, mit der NPD auseinBewegungsengagement ist nicht nur eine Frage
ander. Er untersucht detailliert Finanzquellen, Pro- politischer Überzeugung. Wenn es dauerhaft sein
gramm, Personal und die Reaktionen der anderen soll, verbinden die AktivistInnen oft Alltag und
Parteien auf sie und kommt zu dem Schluss: Die Politik zu einem untrennbaren Ganzen. An den beiNPD ist die modernste extrem rechte Partei in den Beispielen untersucht der Autor anhand einer
Deutschland, die eine Bedrohung für die Demokra- Mikro-Diskursanalyse der jeweiligen Bewegungstie ist, weil sie nicht ernst genug genommen wird, zeitschriften wie diese Verbindung sich in Prozesobwohl sie in vielen ländlichen Regionen in Ost- sen kollektiver Identität niederschlägt.
deutschland inzwischen fest verankert ist.
• Antifa Hohenschönhausen: »Motiv Rechts 2.
Eine Dokumentation der Rechtsextremen in Lichten• Bremer Tageszeitungen: »Sie marschieren wieberg« (Broschüre). Selbstverlag, Berlin 2005.
der...«. Bremer Tageszeitungen AG, Bremen 2005.
Eine Initiative der Bremer Tageszeitung »Weser- • AStA der Uni Hamburg (Hg.) »Falsch verbunKurier«, die die Artikel der vergangenen Monate den. Reader zum Verbindungs(un)wesen«(Broschüsüber die rechte Szene in Bremen und Umgebung zu re). Selbstverlag, Hamburg 2005.
einem Reader zusammengefasst hat, der an Bremer
Schulen verteilt wurde.
• BBC-Dokumentation: »Auschwitz« (DVD). PolyAn dieser
band Medien GmbH, München 2005.
Stelle beDie von Laurence Rees und Sir Ian Kershaw pro- sprechen wir Werke, die bereits länger auf dem
duzierte sechsteilige BBC-Dokumentation geht der Markt sind und als »Klassiker« gelten.
Frage nach, warum gerade in Auschwitz eines der
zentralen Vernichtungslager entstand.
• Junge, Harald; Spoo, Eckart (Hg.): »Das
• Schelvis, Jules: »Eine Reise durch die Finsternis. Rechtskartell. Reaktion in der Bundesrepublik«.
Hanser, München 1971.
Ein Bericht über zwei Jahre in deutschen Vernichtungs- und Konzentrationslagern«. reihe antifaDas in der renommierten gelben Reihe erschieschistischer texte, Hamburg 2005.
nene Buch bringt den LeserInnen die politischen
Jules Schelvis wurde 1943 aus den Niederlan- Auseinandersetzungen der frühen 70er Jahre in der
den verschleppt. Er überlebte als einziger von 3000 Bundesrepublik in Erinnerung, die erstmals durch
die Odyssee durch verschiedene Arbeits- und Kon- eine sozialliberale Koalition regiert wurde. Vor
zentrationslager. Nach seiner Pensionierung allem gegen die Ostpolitik der Regierung entfaltete
beschäftigte er sich intensiv mit der Vernichtung ein Kartell von den Unionsparteien über revanchisder niederländischen Juden.
tische Vertriebenenorganisationen und Antikommmunisten bis hin zu neofaschistischen Gruppen
• Rogasky, Barbara: »Der Holocaust. Ein Buch für
eine ungeheure Kampagne: »Gelingt es der ‚Sammjunge Leser«. Rowohlt Taschenbuch, Reinbek 2002.
Die Reihe will junge LeserInnen an komplizier- lungsbewegung zur Rettung des Vaterlandes’ unter
te Themen heranführen. Entsprechend beleuchtet Führung von Franz Josef Strauß, unterstützt durch
das Buch den Holocaust aus unterschiedlichen Per- eine mächtige rechte Publizistik, alle Macht im
spektiven, wobei eine besondere Aufmerksamkeit Staat zu übernehmen?«, fragten die Autoren. In
auf dem jüdischen Widerstand liegt. Das Nachwort neun Beiträgen werden die Traditionslinien antideskizziert den Umgang mit der Schuld in beiden mokratischer Reaktion seit Anfang des 20. Jahrhunderts beschrieben, die Restauration unter Adedeutschen Staaten nach 1945.
nauer und die Aufstellung der damaligen »Wider• Benz, Ute; Benz, Wolfgang: »Stolz deutsch zu
sein? Aggressiver Anspruch und selbstverständlicher standsbewegung«; Organisationen wie der WITIKOPatriotismus«. Metropol Verlag, Berlin 2005.
BUND und die AKTION WIDERSTAND werden genauer
Der Sammelband geht der Frage und Rolle des beleuchtet. Heute ist das Werk ein spannendes
Patriotismus in Deutschland nach, basierend auf Lesebuch. Ein damals noch junger Journalist
der Debatte aus dem Frühjahr 2001 und aus histo- schrieb hier über den Witikobund. Wie lautet sein
rischer, sozialwissenschaftlicher und psychoanaly- Name: Klaus Bednarz, Ulrich Wickert oder Stefan
tischer Perspektive.
Aust? Wissende können ein Exemplar gewinnen.

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