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Full text: Monitor Issue 17.2004

monitor

rundbrief des apabiz e. v. | nr. 17, september 2004

Das Volk nervt

Hintergrund  Die Proteste gegen Hartz aus antifaschistischer Sicht
Die Protestwelle von Montagsdemos gegen die unsozialen Hartz IV-Reformen haben die hochsommerliche Bundesrepublik gehörig überrascht und die grün-rote Bundesregierung innerhalb kürzester Zeit zu kleineren Zugeständnissen bewegt. Nicht nur etablierte hauptstädtische Politprofis wurden aufgeschreckt: auch erfahrene Politaktivisten gegen die neoliberalen
Reformen scheinen auf dem falschen Fuß erwischt worden zu sein.

D

ie Initiatoren der Demos kommen aus jedem
politischen und gesellschaftlichen Spektrum:
Privatleute, Aktivisten aus rechten oder linken
Kleinstparteien, Gewerkschaften, Betroffeneninitiativen, attac oder auch mal der PDS. In Magdeburg
beispielsweise begann der Protest schon Ende Juli.
Der Privatmann Andreas Ehrhold hatte angemeldet
und 200 Personen kamen. Es wurden 600, 6.000
und schließlich 15.000 Teilnehmer. Ähnlich war der

Die Montags-Demos: Ein Querschnitt durch die
jeweilige regionale Bevölkerung.

Verlauf in anderen, v. a. ostdeutschen Städten.
Inzwischen, Anfang September, finden an über 120
Orten in Ost und West Demos statt, die Zahl der
Teilnehmer erreicht etwa 150.000 jeden Montag.

Wer ist »das Volk«?
Die TeilnehmerInnen der Anti-Hartz-Proteste,
die sich vor allem zu Beginn oft spontan anschlie-

ßen, treibt das konkrete oder vorauszusehende
Ende ihrer sozialen Absicherung zum Protest.
Gerade durch die kursierenden Fragebögen der
Bundesagentur für Arbeit geriet dies vielen deutlich vor die Augen. Die Ziele ihres Protestes bleiben dabei plakativ: Die Reformen sind unsozial,
sie müssen weg. »Hartz IV muss weg - und Arbeit
her« ist als Parole mehrheitsfähig. Die Proteste
richten sich deutlich gegen »die Etablierten«:
Schröder muss gehen, Fischer auch. Wegen des
Zorns gegen »die Politiker« trauten sich in manchen Orten Gewerkschafter nicht mit ihren Fahnen auf die Demos und selbst die PDS bekam nicht
überall den Fuß in die Tür. Mit der Fortdauer der
Proteste und dem Ende der Ferienzeit finden sich
immer mehr Politprofis ein, die »MontagsdemoBewegung« erleidet erste Spaltungen1. Zwei konkurrierende bundesweite Delegiertentreffen finden statt und beschließen verschiedenes, vor
allem einen Sternmarsch auf Berlin am oder kurz
vor dem symbolträchtigen 3. Oktober.
Der Applaus für die Anti-Hartz-Aktionen vereint Gegner der Reformen quer durch alle politische Lager und demonstriert augenfällig die politischen Dimensionen des neoliberalen Angriffs auf
den Sozialstaat. Neonazis sehen eine Volkserhebung nahen und versuchen sich in die Demos und
die Diskussionen zu drängeln. Norbert Blüm und
andere Kritiker aus den Unionsparteien schnuppern noch mal Morgenluft gegen Angela Merkel.
Die MLPD kommt unverhofft um die Ecke und
punktet mit marxistisch-leninistischen Parolen.
Attac und verschiedene Einzelgewerkschaften
mobilisieren ihre Mitglieder. Die Unterstützung
für die Anliegen der Demonstranten erreicht in
einzelnen ostdeutschen Regionen die 95%-Marke.
1) Eine verläuft zwischen dem Großteil der Aktivisten und der
MLPD, der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands, die
sich in der Bewegung überraschend gut positionieren kann.

Das Volk nervt Seite 1 | Braune Schunkellieder Seite 3 | Veranstaltungsreihe im SO 36 Seite 4
archiv en detail Seite 4 | bildung en detail Seite 5 | Profil: Vierteljahreshefte für freie
Geschichtsforschung Seite 6 | Rezension Seite 7 | Neu im Archiv Seite 8

antifaschistisches pressearchiv und
bildungszentrum berlin e.v. (apabiz)
lausitzerstr. 10 | 10999 berlin
geöffnet do von 15 bis 19 uhr und
nach absprache
fon | fax: 0 30 . 6 11 62 49
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bank für sozialwirtschaft
monitor ist nicht im abo erhältlich,
aber fördermitglieder bekommen ihn
zugeschickt.

Das apabiz e. V. informiert seit 1991
über die extreme Rechte. Unsere Informationen stehen allen Personen und
Initiativen zur Verfügung. Umgekehrt
sind wir an Euren Einschätzungen und
Erfahrungen interessiert. Gerne vereinbaren wir einen Austausch oder nehmen
Euch in unseren Verteiler auf.
Archiv: Für Recherchen halten wir unser
Archiv bereit, das eines der größten
dieser Art in der BRD ist. Wir verfügen
über rechte Publikationen, Videos, CDs
u.a.m. Diese Primärquellen werden
ergänzt durch eine Datenbank, in der
Presseveröffentlichungen seit Anfang
der 90er Jahre erfasst sind, eine
umfangreiche Präsenzbibliothek, verschiedene Sondersammlungen sowie
antifaschistische Publikationen aus
ganz Europa und den USA.
Bildung: Unser ReferentInnen-Katalog
(siehe www.apabiz.de) umfasst mehr als
40 Vorträge und Seminare aus diversen
Bereichen, für die ReferentInnen bei
uns angefordert werden können. Zu
bestimmten Themen haben wir ReferentInnen-Koffer erstellt, die die eigenständige Durchführung von Veranstaltungen ermöglichen, oder halten wir
Handreichungen bereit.
Publikationen: Ergebnisse unserer Arbeit
verwerten wir nicht nur im monitor, sondern auch in Broschüren, Pressemitteilungen, Handreichungen und sonstigen
Publikationen. Diese und weitere Materialien findet ihr unter www.apabiz.de.

monitor – rundbrief des apabiz e.v. | v.i.s.d.p.:
apabiz e.v. | dank an unsere fördermitglieder,
die mit ihrem beitrag die finanzierung unterstützen | erscheinungsweise: alle zwei monate |
fotos: alle rechte liegen bei den fotografen

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

Mit Rudolf Heß durchs
Brandenburger Tor
Berlin • Im Rahmen der diesjährigen
»Rudolf-Heß-Aktionswochen«
demonstrierten am Abend des 25.
August knapp 50 Angehörige der
KAMERADSCHAFT TOR, des MÄRKISCHEN HEIMATSCHUTZES und der BERLINER ALTERNATIVE SÜDOST (BASO) vor der britischen
Botschaft in Berlin-Mitte. Die Neonazis forderten im Gedenken an den
Hitler-Stellvertreter die Veröffentlichung der Akten über dessen Tod.
Nach Beendigung der angemeldeten
Kundgebung zog der überwiegende
Teil der Anwesenden in Dreierreihen
mit Fahnen durch das Brandenburger
Tor und konnten sich später erfolgreich dem Zugriff der völlig überraschten Polizei entziehen.

Liebe LeserInnen, liebe
FreundInnen und Antifas!
Nachdem unsere in der vergangenen Ausgabe
eingeführte Rubrik apabiz en detail auf so positive Resonanz gestoßen ist, haben wir beschlossen, diese Idee auszubauen. Ab dieser Ausgabe
werdet Ihr im monitor mit archiv en detail und
bildung en detail jeweils zwei Rubriken finden,
die Euch die beiden Kernbereiche unserer Arbeit
näher bringen und über aktuelle Entwicklungen
auf dem Laufenden halten sollen (siehe S. 4 und
5). Während archiv en detail über einzelne Projekte und Gebiete aus dem Archiv berichtet, wird
in bildung en detail jeweils ein Vortrag, Seminar
oder Workshop aus unserem Bildungsprogramm
vorgestellt. Zugleich haben wir auch unsere
Selbstdarstellung auf der Titelseite aktualisiert.
Viel Spaß beim Lesen wünscht Euer apabiz

Und die Nazis?

Nach verschiedenen weiteren Propagandaaktivtäten wie Transparentund Aufkleberaktionen wurden die
Aktionswochen am 28. August in
Berlin-Spandau durch das Aufstellen
eines Holzkreuzes für Heß durch Mitglieder der KAMERADSCHAFT TOR und
BASO für beendet erklärt.

NS-Verherrlichung und
Wunsiedler Protest
Wunsiedel • Der alljährliche »HeßGedenkmarsch« in Wunsiedel sah in
diesem Jahr eine erneute Steigerung
der Teilnehmerzahlen, aber auch
zunehmende Proteste durch Wunsiedler Bürger. An dem Naziaufmarsch am
21. August nahmen – entgegen
anderer Zahlen aus dem Nazilager –
rund 4.500 Personen teil, von denen
viele aus dem europäischen Ausland
kamen. Der NPD-Bundesvorstand, der
an der Spitze des Aufmarsches lief,
nutzte den Anlass, um für Unterstützung für ihren Wahlkampf in Sachsen
zu werben. Der neonazistische Trauermarsch hat sich weiter zum größten internationalen Nazitreffen in
Deutschland entwickelt. Abordnungen aus Schottland, Dänemark, Belgien, Russland, Slowakien, Tschechien, Kroatien, der Schweiz, Spanien, Italien, Österreich und den

2

Die Teilnahme von Neonazis an den Protesten
hat sehr schnell für Aufmerksamkeit gesorgt.
Demoleitungen mussten sich erklären, Teile der
Demos positionierten sich, die Polizei griff ein: leider nur manchmal gegen die Teilnahme der Nazis
und zu oft dafür. Der Anmelder in Köthen kennt
keine Parteien mehr, »nur noch Deutsche«; die
Demos in Freital wurden zugunsten der Dresdner
Demo aufgegeben, weil der Anmelderin zu viele
Rechte kamen. Die Polizei sperrte den Nazis in Magdeburg den Weg in die Demo frei, in Gera werden
Nazis von den Veranstaltern ebenso hofiert wie in
Gotha, wo der Thüringer Heimatschutz mit 15
Mann eine Demo mit 500 Teilnehmern anführte.
Gleichzeitig jedoch stoßen die braunen Protestler auf Widerspruch, auch wenn sich dieser nicht
immer durchsetzen kann. Diese Umstände werden
vor allem in der reißerischen Berichterstattung der
Medien beinahe konsequent übergangen. Allzu gerne wird das Bild der aufgehetzten Ossis gezeichnet,
die von braunen oder roten Rattenfängern geködert werden. Den Vogel schoss Gerhard Schröder ab,
der CDU- und PDS-Kritik mit dem Vorwurf der
Volksfront schmähte.
Sind die Neonazis regional nicht isoliert, fehlen die zivilgesellschaftlichen Gegenspieler oder
scheint die Zivilgesellschaft gänzlich abgemeldet,
erleichtert das ihre Arbeit. Neonazistische Kameradschaften gehören in einigen Regionen zu den
wenigen aktionistischen und aktiven politischen
Zusammenhängen, die überhaupt existieren. Das
geschlossene Auftreten von 80 Neonazis beispielsweise in Magdeburg ist daher kein Problem, das
daraus erwächst, wie oder dass überhaupt gegen
Hartz IV protestiert wird. Das Problem hat die Landeshauptstadt schon lange, sie spricht nur nicht
gerne darüber.

Die Rolle von Kameradschaften oder NPD darf
aufgrund ihrer regionalen Verankerung nicht wundern. Die Kameraden drängen teilweise als Block
auf die Demos, gehören – deutliches Zeichen der
Normalisierung – zum Vorbereitungskreis oder
stellen in Einzelfällen den Ordnerdienst. Eine thematische Hinwendung zu sozialen Fragen, zur Auseinandersetzung mit Neoliberalismus und Globalisierung durch die extreme Rechte konnten wir
schon seit längerem feststellen. Die Neonazis aus
diesen Diskursen rauszuhalten, muss daher ein
Schwerpunkt antifaschistischer Praxis sein.
Wie soll das gehen?
Die extreme Rechte ist in diesem Konflikt zum
Teil gut aufgestellt. Das bedeutet nicht, dass sie
den Diskurs oder die Demos – von Ausnahmen
abgesehen – problemlos dominieren könnten. Ihre
Durchsetzungsfähigkeit wird sich daran messen,
wie aufmerksam ihnen entgegen getreten wird.
Diese Aufmerksamkeit muss leider bei fast allen
politischen Akteuren geweckt werden – sei es bei
Aktionen gegen Hartz IV, gegen den Krieg oder
jenen, die sich »gegen Globalisierung« richten.
Unsere Veranstaltungen zum Thema »Bunt und
Braun« (siehe S. 5) versuchen genau solche Sensibilisierungen zu fördern.
Doch Aufklärung und gutes Zureden erreicht
nicht in allen Situationen und Regionen das
gewünschte Ziel. Es wird eben auch offene Sympathie für die Nazis geäußert, wenn es zum Konflikt
kommt. Die Geschehnisse rund um die Montagsdemos zeigen deutlich, dass es Regionen gibt, wo
emanzipatorische Politik sehr schlechte Karten hat.

Oberflächliche Schlagworte können gleich sein, ein
weiter gehender Blick schafft jedoch schnell Klarheit
(s.o.). Gleichwohl konnten sich Neonazis wiederholt
mit Ihren Parolen in Demos einreihen – auch wenn
sie dafür aus formalen Gründen das Emblem der NPD
entfernen müssen, wie in Riesa am 30. August (s.u.).

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antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.
Ein vorsichtiger Ausblick
Was bedeutet der Abbau des Sozialstaates in
diesem Zusammenhang? Langfristig bedeuten
Agenda 2010 und die darin eingebetteten HartzReformen, dass sich der Staat aus dem sozialen
Nachkriegskonsens verabschiedet. Die Verantwortung für die sozialen Absicherungen werden zunehmend auf die Einzelnen, ihre Familien oder andere
Kollektive, auf private sowie gemeinnützige »Helfer« abgewälzt. Das eröffnet, ähnlich wie wir es
gerade auch in ostdeutschen Kommunen in der
Jugendarbeit beobachten können2, Räume und Perspektiven für zivilgesellschaftliches Engagement
ebenso wie für neonazistische Kameradschaftsarbeit. Können Neonazis im Verlauf dieser gesellschaftlichen Prozessen ihr Schmuddelimage ablegen – oder waren sie örtlich ohnehin noch nie ausgegrenzt gewesen – werden sie sich noch stärker

etablieren können. Bei dieser Entwicklung würde
schlagartig die Beschränktheit einer antifaschistischen Arbeit deutlich, die allein die Ausgrenzung
von Neonazis verfolgt. Es reicht nicht aus, den
Nazis den Zugang zu den offenen Mikrofonen der
Montagsdemos zu verwehren. AntifaschistInnen
müssen deutlich machen, warum die Politik der
Neonazis keine Lösung der Probleme bringt. Das
wird nicht überall erfolgreich sein, bleibt deshalb
aber um so notwendiger.
Manche Demonstranten haben auf die Kritik
der Medien mit Aufrufen reagiert, sich nicht spalten zu lassen in Ost und West oder Deutscher und
Ausländer. AntifaschistInnen sollten alles daran
setzen, dass in diesem Konflikt die rassistische
Karte nicht sticht.
Ulli Jentsch
2) Vgl. monitor Nr. 15, S. 1: »Nazis raus...«

Braune Schunkellieder
Bericht  apabiz und turnitdown.de informieren Musiker über
den Missbrauch ihrer Schlager auf einer neuen rechten Cover-CD
1997 war das Jahr des Schlagers, Guildo Horn startete für Deutschland beim Grand Prix d’ Eurovision. Auf diese Retrowelle aufspringend erschien damals die CD »12 Doitsche Stimmungshits« der
Band ZILLERTALER TÜRKENJÄGER. Die Scheibe enthielt Cover-Versionen populärer Schlager wie »An der
Nordseeküste« oder »Kreuzberger Nächte«, deren Texte so verändert wurden, dass sie extrem
rassistisch waren und teilweise zum Mord aufriefen. Die CD sorgte für ein großes Medienecho und
wurde am 31. Juli 1997 als jugendgefährdend indiziert; seit dem 13. Januar 1998 besteht ein
Einziehungsbeschluss. Nun gibt es einen Nachfolger.

nde Juni 2004 kündigte das Chemnitzer
Rechtsrock-Label PC RECORDS »eine der Überraschungen des Jahres 2004« an: die Herausgabe
der CD »Braun is beautiful« der Band GIGI & DIE
BRAUNEN STADTMUSIKANTEN. In der Ankündigung wird
auf die Platte der ZILLERTALER TÜRKENJÄGER ausdrükklich Bezug genommen: Ähnlich wie diese spreche auch die neue CD – so die Ankündigung –
»eine klare Sprache« und werde »wohl wieder zum
Hit des Sommers werden«. Allerdings mussten die
Texte »um dem BRD-Recht zu gefallen, mehrmals
geändert werden«. Tatsächlich finden sich auf der
CD keine Aufrufe zum Mord, jedoch enthält sie
vor allem Texte, die den Nationalsozialismus verherrlichen. In den einschlägigen Szene-Versänden
wird als Kopf der Band stets der als »GIGI« bekannnte DANIEL GIESE genannt, der auch maßgeblich an
den Bands SACCARA und STAHLGEWITTER beteiligt war.

E

Turn it down!
Die Produzenten dieser Form von rechtsextremer Propaganda nutzen die Popularität der Hits
vergangener Jahre, um Stimmungslieder der übelsten Sorte auf den Markt zu schmeißen. Wir sind
der Meinung, dass die Verbreitung einer solchen,
den Nationalsozialismus verherrlichenden CD
monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 17, september 2004

möglichst schnell gestoppt werden sollte. Nachdem Musiker und Musikverlage in der Vergangenheit immer wieder gegen einen derartigen Missbrauch ihrer Werke vorgegangen sind, haben das
apabiz und turnitdown.de alle Rechteinhaber der
gecoverten Stücke, die wir ermitteln konnten,
über die Nutzung ihrer Werke informiert.
Dazu muss man wissen, dass Kleinproduktionen wie die vorliegende in den seltensten Fällen
bei der GEMA – der Verwertungsgesellschaft für
die Rechte an Musikstücken – angemeldet werden. Die Rechteinhaber, egal ob Musiker oder
Musikverlag, erfahren daher nicht, dass ihre Stücke von Dritten benutzt wurden. Erwartungsgemäß war die Existenz der CD den meisten der
Musiker nicht bekannt und die Reaktionen auf
unseren Hinweis fielen daher positiv bis überschwenglich aus: Die Rechteinhaber, darunter die
Band Torfrock, Otto Waalkes, EMI und Warner
Bros., reagierten verärgert über die braune Scheibe und kündigten zum Teil juristische Schritte
an. Die Information der Betroffenen war somit ein
simpler Weg, die Musikindustrie dazu zu bringen,
auch etwas gegen Rechtsrock zu unternehmen –
und den Nazis das Schunkeln zu verleiden.
Ulli Jentsch

Niederlanden marschierten zum Teil
in eigenen Blöcken mit. Aber auch
nationalistische Differenzen wurden
ausgetragen: die tschechische Delegation erhielt kein Rederecht, weil
sie sich nicht für die »Vertreibungsverbrechen« entschuldigen wollten
und eine »ostmärkische Kameradschaft« zog ihren Beitrag zurück,
weil die Russen reden durften.
Im Gegensatz zum vergangenen Jahr
manifestierte sich der Protest der
Wunsiedler vor, während und nach
dem Aufmarsch deutlich. Durch
phantasievolle und zum Teil entschlossene Aktionen konnten die
Nazi-Gegner den Tag für sich nutzen.
Eine Sitzblockade mit 150 TeilnehmerInnen, an der auch der örtliche
CSU-Bürgermeister teilnahm, stoppte
den Nazi-Marsch für eine halbe Stunde und löste sich erst nach Gewaltandrohung durch die Polizei friedlich
auf. Demo-Anmelder JÜRGEN RIEGER
drohte währenddessen offen mit
Selbstjustiz durch »seine Leute«.

Vandalen-Feier aufgelöst
Berlin • Am 21. August wurde die
Jahresfeier der VANDALEN in BerlinKarlshorst von der Polizei aufgelöst.
Alle 88 (!) Teilnehmer wurden von
der Polizei überprüft und zwölf
Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Uniformierungsverbot
eingeleitet. In der darauffolgenden
Nacht demonstrierten 35 Neonazis
gegen die Razzia vom Bahnhof Lichtenberg zum S-Bahnhof Karlshorst.

Konzert mit Kategorie C
Cottbus • Am 4. September hat
HANNES OSTENDORF, Sänger der erst
kürzlich aufgelösten Bremer Hooligan-Band KATEGORIE C, ein Konzert im
Cottbusser Stadtteil Sandow gegeben. Auf der als Geburtstagsfeier
deklarierten Veranstaltung traten
auch die österreichische BLOOD &
HONOUR-Band TOLLSCHOCK sowie OUTLAW
aus Senftenberg auf. Das apabiz gab
im Vorfeld eine Pressemitteilung heraus.

3

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

Veranstaltungsreihe im SO 36
Bibliothek
des apabiz wächst
Berlin • Durch eine umfangreiche
Buchspende des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen
Universität Berlin konnte die Bibliothek des apabiz um etwa 400 Bände
ergänzt werden. Der überwiegende
Teil der Schenkung sind Veröffentlichungen von rechten und extrem
rechten Verlagen aus den letzten
dreißig Jahren. Ein thematischer
Schwerpunkt liegt bei dem Schicksal
der deutschen Vertriebenen und dem
geistigen Erbe des NS-Philosophen
ERWIN GUIDO KOLBENHEYER. Die Autoren
reichen von dem neurechten Vordenkers ALAIN DE BENOIST über den französischen Holocaust-Leugner MAURICE
BARDÈCHE und die NS-Fliegerikone
HANNA REITSCH bis zum amerikanischen Historiker ALFRED M. DE ZAYAS.
Eine weitere Privatspende umfasste
über 160 Werke an Sekundärliteratur
zum Thema extreme Rechte und Neonazismus, darunter viele vergriffene
Bücher. Vielen Dank für die
Spenden.

Berufsverbot gegen
Antifaschisten
Heidelberg • Dem Heidelberger Realschullehrer Michael Csaszkóczy (34)
ist Ende August von der badenwürttembergischen Kultusministerin
Annette Schavan (CDU) die Einstellung in den Staatsdienst verweigert
worden. Begründet wird die Entscheidung damit, dass sich der Lehrer in der Antifaschistischen Initiative Heidelberg (AIHD) engagiere, die
gegen fremdenfeindliche und neonazistische Bestrebungen aktiv ist. Diese legale Initiative sei linksextremistisch und befürworte Militanz, so der
baden-württembergische Verfassungsschutz, der Csaszkóczy schon
seit mehr als einem Jahrzehnt überwacht.
Damit ist nach 20 Jahren erstmals
wieder ein Berufsverbot in Deutschland ausgesprochen worden – und
auf starken Widerspruch gestoßen.
Neben der Gewerkschaft Erziehung
und Wissenschaft (GEW) und Bündnis
90/Die Grünen haben sich die VVN,
die Internationale Liga für Menschenrechte und auch das französische Institut für Sozialgeschichte für
den Antifaschisten eingesetzt. Schon
1995 wurde vom Europäischen
Gerichtshof für Menschenrechte die
deutsche Praxis der Berufsverbote

4

Vorstellung  In Kooperation mit dem SO 36 führt das apabiz
eine Veranstaltungsreihe zu rechten Jugendkulturen durch
Vor einigen Wochen hielt das apabiz im SO 36,
einem Veranstaltungsort in Berlin-Kreuzberg,
die Veranstaltung »Der Nazis neue Kleider«,
ab. Über 150 TeilnehmerInnen und eine
spannende Diskussion nach dem Folienvortrag
zeigten, dass der Bedarf an Informationen
und Auseinandersetzungen zum Thema überraschend groß ist. Daraufhin haben wir in
Zusammenarbeit mit dem SO 36 beschlossen,
eine Veranstaltungsreihe rund um das Thema
rechte Jugendkulturen durchzuführen.
Zwei dieser Veranstaltungen haben bereits
statt gefunden, drei weitere folgen: Am 25.
Oktober geht es um »Das Versteckspiel – Symbole, Codes und Lifestyle«, für den 15.
November ist die Veranstaltung »Unheilige
Allianz – Rechter Black Metal zwischen Heidentum und Neonazismus« geplant und am
13. Dezember lautet das Thema
»Hardcore/Punk – Punk von rechts? Infoveranstaltung und Podiumsdiskussion«. Alle Veranstaltungen finden jeweils um 19 Uhr im SO
36, Oranienstr. 190 statt.

xtrem rechte Einflüsse in den verschiedenen Musikszenen sind bereits seit einigen
Jahren Schwerpunkt der Bildungsarbeit im
apabiz. Dabei tragen wir der dynamischen Entwicklung, die sich innerhalb der neonazistische
Jugendkulturen vollzieht, durch eine Erweiterung unseres Bildungsangebots Rechnung. Neben
den klassischen Nazi-Skinheadbands, auf die sich
Anfang der 90er Jahre das Thema Rechtsrock
noch reduzieren ließ, finden sich extrem rechte
Einflüsse inzwischen in nahezu allen Musikstilen
und Jugendszenen wieder. Der Dresscode – vor
einigen Jahren noch Bedingung zum Einstieg in
die Szene – existiert so nicht mehr; der kahlköpfige Nazi-Skin mit Bomberjacke und DomestosJeans ist endgültig zum Klischeebild verkommen. Langhaarige Metal-Fans, Iro-tragende Nazipunks oder gepiercte Hardcore-Fans: nahezu
jeder Style lässt sich mit einer neonazistische
Gesinnung vereinbaren. Doch egal in welchem
Style Nazis auftreten, das verbindende Element
ist ihre rassistische, antisemitische und nationalistische Ideologie. Dezente Symbole, versteckte

E

An dieser Stelle berichten wir in jeder Ausgabe über einzelne Arbeitsgebiete, Projekte, Sammlungen etc. aus dem Archiv des apabiz, um so einen Einblick in unsere Arbeit zu ermöglichen.

archiv en detail Der Bestand an Primärquellen des apabiz

Die Rubrik »Vertriebene«
Nachdem in der letzten Ausgabe des monitor
die Presseauswertung vorgestellt wurde, wollen
wir diesmal auf das andere Standbein unseres
Archivs eingehen, die Primärquellen aus der extremen Rechten. Gesammelt wird prinzipiell alles,
was die Rechte produziert: Vom Aufkleber über
Flugblätter und Plakate, Broschüren und Bücher,
offene und interne Briefe, Periodika, Rundschreiben und Programme bis hin zu Internet-Seiten,
Videos und CDs. Diese Sammlung geht zurück bis
in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts; der deutliche Schwerpunkt liegt jedoch auf der Zeit von den
80er Jahren bis heute. Die enthaltenen Primärquellen sind in Rubriken unterteilt, in einer
Datenbank erfasst und zum Teil qualitativ ausgewertet.
Eine Rubrik ist z.B. der Bereich »Revanchisten/Vertriebenenverbände«, in dem sich seit 1945

die konservative und die extreme Rechte überschneiden. Beide sahen und sehen in der Diskusssion um die »ostdeutschen Gebiete« und das
»Offenhalten der Vertriebenenfrage« ein zentrales
politisches Identifikationsthema, das auch heute
noch einige Brisanz besitzt, wie die Diskussion um
die Preußische Treuhand zeigt (siehe monitor
Nr.16).
Unser Bestand in dieser Rubrik umfasst insgesamt über 3250 Dokumente. Einen wesentlichen
Teil davon machen über 115 Periodika aus, die
über die Jahrzehnte von verschiedenen Landsmannschaften und Vertriebenenverbänden publiziert wurden. Darunter auch die wichtigsten Zeitschriften dieses Spektrums: die PREUßISCHE ALLGEMEINE ZEITUNG (früher: DAS OSTPREUßENBLATT), DER SCHLESIER und der Rundbrief des einflussreichen WITIKOBUNDES, der WITIKO-BRIEF.

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 17, september 2004

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

Keine Ausnahme: Der Irokesen-Schnitt auf einem
Nazi-Aufmarsch.
Codes und eigene, am poppigen Mainstream
orientierte Klamottenmarken, machen es schwer,
sein Gegenüber einzuschätzen.
Punk von rechts?!
Besonders gespannt sind wir auf die Podiumsdiskussion zum Thema Punk von rechts, die
im Dezember im Anschluss an einen kurzen Vor-

trag stattfinden wird. Zwar wollen wir nicht das
Schreckgespenst »Nazipunk« heraufbeschwören,
aber ULTIMA-THULE- oder gar SKREWDRIVER-T-Shirts
sind auf so manchem Punk-Event zu sehen und
oft ist es nur eine Minderheit, die sich daran
stört und von einem gewichtigen Teil der Szene
prompt als Spaßverderber wahrgenommen wird.
Unter dem Label »unpolitisch« tingeln OIBands durch die Jugendzentren, die allenfalls
Texte auf unterstem Stammtischniveau zu bieten
haben, und eine weitgehend entpolitisierte
Hardcore-Szene stört sich weder an reaktionärem
Männerkult noch an nationalistischen und
homophoben Statements. Dem gegenüber steht
eine scheinbar modernisierte Neonazi-Bewegung,
die auf keine kulturelle Sparte mehr festgelegt
ist und »ihre« Einstiegsmöglichkeiten in andere
Jugendkulturen und Musikszenen geradezu
sucht. Wo deren Anknüpfungspunkte sind und
welche Grauzonen sich entwickeln, soll auf dieser Veranstaltung thematisiert werden – gekopppelt an die Fragen: Lässt sich diese Entwicklung
aufhalten? Wenn ja: Wie? Und: Kann Punk überhaupt »unpolitisch« sein?
Diese Fragen wollen wir gemeinsam mit verschiedenen Akteuren aus der Musikszene diskutieren. Wir hoffen auf eine spannende und konstruktive Auseinandersetzung und würden uns
freuen, wenn auch ihr euch daran beteiligt.
Kathrin Klever

In dieser Rubrik stellen wir jeweils einen Vortrag, Workshop oder ein Seminar aus unserem
Bildunsprogramm vor. Den kompletten ReferentInnen-Katalog gibt es unter www.apabiz.de.

bildung en detail Die Veranstaltung »Bunt & Braun« des apabiz

Neonazis jetzt Friedensengel?
Entstanden ist unsere Veranstaltung »Bunt &
braun« aufgrund der zahlreichen Anfragen zu
Beginn des Jahres 2003. Damals gab es im Schatten des drohenden Irak-Krieges eine breite Antikriegsbewegung, in der auch Neonazis aktiv wurden. AntifaschistInnen waren oft machtlos, da
viele der Veranstalter der Demonstrationen »einfach jeden im Boot haben« wollten. Der Vortrag
sensibilisiert die Teilnehmenden für die Themen
Antikriegs- und Antiglobalisierungs-Agitation von
rechts. Unsere Arbeitsthese hierbei ist, dass sich
nicht die Inhalte der extremen Rechten verändert
haben, sondern deren Auftreten.
Kern von »Bunt & braun« ist die Sichtbarmachung von Schnittstellen zwischen linken und
rechten Inhalten, wie beispielsweise bei der Kritik
an der Globalisierung. Während eine linke Kritik
mit einem internationalistischen Blickwinkel die

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 17, september 2004

weltweiten Ausbeutungsmechanismen des kapitalistischen Wirtschaftssystems - einschließlich der
Auswirkungen für alle Individuen - im Blick hat,
hebt die Kritik von rechts auf die Benachteiligung
der deutschen Bevölkerung ab; wenn sie völkisch
motiviert ist, wird auch die rassistische Karte
gespielt. Anhand des Beispiels von attac Frankfurt
a. M. zeigen wir auf, dass eine fehlende internationalistische Argumentation, ein plattes FreundFeind-Schema und eine populistische Symbolik
mehr als anziehend auf Rechte wirken.
Nach nun gut eineinhalb Jahren, in denen wir
den Vortrag immer wieder veranstaltet haben,
können wir eine gute Bilanz ziehen. So haben wir
es geschafft, mit großen Verbänden wie z.B. attac
in die Diskussion zu treten und dadurch explizit
antifaschistische Positionen innerhalb dieser
Organisationen zu stärken.

in einem Fall aus dem Jahre 1982
scharf kritisiert.

Rassistischer Mord
in Griechenland
Zakynthos (Griechenland) • Ein
22jähriger Albaner ist Anfang September auf der westgriechischen
Insel Zakynthos von einem griechischen Rassisten erstochen worden.
Er wurde Opfer der landesweiten
Angriffe von griechischen Nationalisten auf albanische Immigranten,
nachdem die griechische FußballNationalmannschaft gegen den albanischen Fußballzwerg 2:1 verloren
hatte. Insgesamt wurden bei den
rassistischen Angriffen mehr als 20
Personen so schwer verletzt, dass sie
in Krankenhäusern behandelt werden
mussten. Verschiedene ultra-rechte
Gruppen waren an den Ausschreitungen beteiligt.

Von Preradovich gestorben
Bundesweit • Bereits am 19. Juni
ist der österreichische Autor und
Publizist NIKOLAUS VON PRERADOVICH mit
87 Jahren verstorben. Seine Arbeiten
zu verschiedenen historischen Themen ließen sich in den vergangenen
Jahrzehnten in aller Regelmäßigkeit
in extrem rechten Zeitschriften wie
den DEUTSCHEN MONATSHEFTEN, NATION
EUROPA und DEUTSCHLAND IN GESCHICHTE
UND GEGENWART sowie den österreichischen Publikationen AULA, NEUE ORDNUNG und DIE KAMERADSCHAFT finden.
Außerdem referierte Preradovich für
die extrem rechte GESELLSCHAFT FÜR
FREIE PUBLIZISTIK und erhielt 1999
deren »Ulrich von Hutten-Medaille«.
Wenige Tage vor seinem Tod beendete er sein letztes Werk mit dem Titel
»Die Schutzstaffel der NSDAP – Eine
militärwissenschaftliche Dokumentation« für den DRUFFEL & VOWINCKEL-VERLAG.

Regionalausgabe der »Versteckspiel«-Broschüre
Bundesweit • Das von Bildungsträgern aus dem ganzen Bundesgebiet
vielfach geäußerte Bedürfnis nach
einer Regional-Ausgabe der Broschüre »Versteckspiel – Lifestyle, Symbole und Codes von neonazistischen
und extrem rechten Gruppen« ist
zumindest für die Bundesländer
Hessen, Saarland, Rheinland-Pfalz
und Baden-Württemberg nun gedekkt. Für diese Bundesländern liegt seit
Anfang September die Regional-

5

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

Ausgabe »Süd-West« der Broschüre
der agentur für soziale perspektiven
e.v. (asp) vor. Erstellt wurde das Heft
von asp im Auftrag der DGB-Jugend
West, Hessen und Baden-Württemberg.
Im Unterschied zur bundesweiten
Ausgabe sind die regionalen Bezüge
durch Textzusätze und eine veränderte Bildauswahl hervorgehoben. Auf
drei Seiten werden außerdem Bands,
Publikationen und Organisationen
aus Südwest-Deutschland gesondert
vorgestellt. In der Auswahl der Bilder
wurde zudem darauf geachtet, neben
den Symbolen auch den sich verändernden Lifestyle der rechten Szene
darzustellen und nicht das Klischeebild des martialischen Naziskinheads
zu reproduzieren. Erhältlich ist die
Broschüre über die DGB-Jugendbüros
in den genannten Bundesländern.

Fehltritt der ver.di-Jugend
Potsdam • Einen Fehltritt geleistet
hat sich die ver.di-Jugend im Bezirk
Potsdam-Nordwestbrandenburg. Um
Jugendliche auf die Landtagswahl
aufmerksam zu machen und damit
zur aktiven Beteiligung an Politik
anzuregen, legten die Gewerkschaftsjugendlichen ein kleines Infoheft auf (www.oetv-potsdam.de/verdi/docs/LTW04.ppt). Mit dem Fokus

auf jugendpolitische Belange wurden
die Programme von Parteien, die zu
den Landtagswahlen in Brandenburg
antraten, unter die Lupe genommen.
Völlig gleichberechtigt fand auch die
DVU Einzug in das Heftchen.
Der gewählte Ansatz ist politisch
falsch, da nur Zitate aus den Wahlprogrammen der Parteien genommen
wurden. Bei allen Parteien fehlt der
Kontext ihrer bisherigen Politik, was
inhaltlich zur Reproduktion von
seichten Schlagworten führt. Und
wenn die DVU dann »sinnvolle Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche« fordert, steht nirgendwo in
dieser Wahlmotivationswerbung, dass
die rechtsextreme Partei wahrscheinlich nur deutsche Kinder und
Jugendliche im Blick hat.

6

Auschwitz-Leugner mit
internationalen Verbindungen
Profil  Die Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung
Die erste Ausgabe der VIERTELJAHRESHEFTE FÜR FREIE GESCHICHTSFORSCHUNG (VFFG) erschien im
März 1997 mit dem Titel »Sieg der Revisionisten« und ließ u. a. bekannte HolocaustLeugner wie ROBERT FAURISSON, DAVID IRVING und GERMAR RUDOLF1 zu Wort kommen.2 Als Herausgeber firmierte damals die belgische STICHTING VRIJ HISTORISCH ONDERZOEK (VHO, dt.: EUROPÄISCHE STIFTUNG ZUR FÖRDERUNG FREIER HISTORISCHER FORSCHUNG) der Brüder SIEGFRIED und HERBERT
VERBEKE.3 Seitdem wird in dem Blatt unter dem Deckmantel des »Geschichtsrevisionismus«4 der Holocaust verharmlost und geleugnet.
m Jahre 1998
übernahm GERMAR RUDOLF mit seinem im englischen
Hastings ansässigen Verlag CASTLE
HILL PUBLISHERS die
Herausgabe
der
VFFG und zeichnet
seitdem als Chefredakteur verantwortlich, ohne von
deutschen Behörden belangt wer- Leugnen international: Die
den zu können. VIERTELJAHRESHEFTE FÜR FREIE
Bekannt geworden GESCHICHTSFORSCHUNG.
war RUDOLF bereits
1991 durch die Veröffentlichung des nach ihm
benannten »Rudolf-Gutachtens«. In diesem versuchte er, nach dem Vorbild des »LeuchterReports«, mit scheinbar wissenschaftlichen
Methoden die industrielle Vernichtung von jüdischen Menschen in den Gaskammern von
Auschwitz zu widerlegen. Den Auftrag hierzu
hatte der damalige Mitarbeiter eines MaxPlanck-Instituts vom Anwalt des inzwischen verstorbenen Auschwitz-Leugners OTTO-ERNST REMER
erhalten. Trotz der Verurteilung REMERS erlangte
Rudolf mit der Veröffentlichung des Gutachtens
internationale Anerkennung innerhalb der Szene der Holocaust-Leugner.5 Noch einige Jahre
später wird er der Leserschaft der DEUTSCHEN
STIMME als führender Vertreter des »deutsche(n)
Revisionismus« vorgestellt.6

I

Nach der Übernahme des THE REVISIONIST –
JOURNAL FOR CRITICAL HISTORICAL INQUIRY vom COMITEE
FOR OPEN DEBATE ON THE HOLOCAUST (CODOH) erreicht
RUDOLF seit 2003 verstärkt auch die englischsprachige Leserschaft. Unter seinen Autoren finden
sich neben zahlreichen international bekannten
Leugnern wie FREDRIK TÖBEN, ERNST ZÜNDEL, HORST
MAHLER auch die deutschen Schreiberlinge ROLFJOSEF EIBICHT, EMIL SCHLEE und WOLFGANG STRAUSS
sowie der NPD-Funktionär PER LENNART AAE. Die
zahlreichen Artikel der verschiedenen Autoren
erscheinen teilweise in beiden Publikationen des
Verlages CASTLE HILL PUBLISHERS. Dessen Internetpräsenz bietet neben beiden Periodika auch
zahlreiche weitere extrem rechten Schriften
zum gleichen Thema an.
Einschätzung
Zentrales Thema beider Zeitschriften ist die
Relativierung des Holocausts u. a. anhand von
pseudowissenschaftlichen Analysen und Quellen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der
Berichterstattung über die Meinungsfreiheit vor
allem in der BRD und zu den Verurteilungen der
zu »Geschichtsrevisionisten« verklärten Holocaust-Leugner. Die VIERTELJAHRESHEFTE FÜR FREIE
GESCHICHTSFORSCHUNG sind aktuell das einzige
deutschsprachige Heft, das offen den Holocaust
bzw. einzelne Fragmente dessen leugnet. Trotz
des hohen Verkaufspreises und der nach eigenen
Angaben geringen Auflage von ca. 2.000 Stück
erfährt die VFFG eine weite Verbreitung, u. a.
auch über die Internetseite der VHO.
Patrick Schwarz

Internationale Anbindung
Unterstützung erfährt RUDOLF bei seiner
publizistischen Tätigkeit als VFFG-Herausgeber
durch den Schweizer Holocaust-Leugner JÜRGEN
GRAF. Dessen Buch »KZ Majdanek. Eine historische und technische Studie«, welches er
gemeinsam mit dem VFFG-Autor CARLOS MATTOGNO
veröffentlichte, wurde 2000 durch die Bundesprüfstelle indiziert.

1) Verheirateter SCHERER; publiziert unter zahlreichen Pseudonymen.
2) VIERTELJAHRESHEFTE FÜR FREIE GESCHICHTSFORSCHUNG Nr. 1, März
1997.
3) Neben der Veröffentlichung der VFFG vertrieb die VHO
damals vor allem ihr umfangreiches Angebot aus der deutschen und internationalen Holocaustleugner-Szene.
4) Zur Definition des Begriffs siehe AIB Nr. 63, Sommer 2004.
5) Brigitte Bailer-Galanda, Leuchter und seine Epigonen. In:
Die Auschwitzleugner. Berlin 1996, S. 120.
6) Geschichte von Tabus - Interview mit Germar Rudolf. In:
DEUTSCHE STIMME Nr. 9, September 1999, S. 3.

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 17, september 2004

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.
Möllemann, Hohmann und der Irakkrieg. Mit diesen Stichworten ist im öffentlichen Diskurs
ein offen artikulierter Antisemitismus verbunden. Eine neue Broschüre des ZDK befasst sich
mit Ursachen und Facetten des modernen Antisemitismus.

Berlin bleibt Bürlyn!

Antisemitismus in Deutschland:
Information und Arbeitshilfe
Rezension  ZDK (Hg.): »Vor Antisemitismus ist man nur noch
auf dem Monde sicher«: Antisemitismus und Antiamerikanismus in Deutschland. Bulletin – Schriftenreihe des ZDK, Nr.
5/2004. Klett Verlag, Leipzig 2004. 112 S., 7,80 Euro.
m Vorwort skizziert Anetta Kahane einen an
aktuellen Ereignissen orientierten Themenaufriss. Sie konstatiert, bisher habe die politische Bildung Antisemitismus allenfalls als
Nebenaspekt rechtsextremer oder religiös-fundamentalistischer Ideologien behandelt und
somit vernachlässigt. Es gelte, Handlungskonzepte für politische und pädagogische Interventionen zu entwickeln, die der Phänomenologie des Antisemitismus heute gerecht würden.
Im Einleitungsaufsatz gibt Frank Gutermuth einen Überblick über die historische Entwicklung des Antisemitismus in Deutschland.
Der auf acht Seiten gebannte Kurzabriss ist
zwar informativ, schließt jedoch einige historische Kausalitäten kurz, die eine breitere
Erörterung verdient hätten. So wird der
Ursprung des christlichen Antijudaismus wohl
beschrieben, eine Interpretation der soziologischen und religiösen Funktionsweise sucht
man indes vergebens. Auch der Abschnitt zum
Antisemitismus der völkischen Bewegung vor
1933 setzt anstelle exemplarischer Analyse
offenbar auf Vollständigkeit, was im Kontext
eines Informationsheftes scheitern muss.

I

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monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 17, september 2004

Ausgesprochen gelungen hingegen ist der
Aufsatz von Herbert Weber über Antiamerikanismus in Deutschland. Ausgehend von
aktuellen Beispielen werden Grundstrukturen
des Antiamerikanismus in Geschichte und
Gegenwart analysiert. Heike Radvan befasst
sich in ihrem Text mit Antisemitismus und
Antizionismus in der DDR. Auch wenn der Beitrag keine neuen Erkenntnisse zu Tage bringt,
sei er vor allem pädagogischen Multiplikatoren
in den neuen Bundesländern sehr zur selbstkritisch befragenden Lektüre empfohlen, denn
in den Rahmenrichtlinien der Lehrpläne der
neuen Ländern findet sich das Thema nur in
Nebensätzen.
Im Heft findet sich darüber hinaus eine
vom ZDK erstellte Chronologie antisemitischer
Vorfälle und Übergriffe. So wichtig es ist, diese zu dokumentieren, so fraglich ist es, eine
solche Chronologie in einer Broschüre zu platzieren, die jenseits der Tagesaktualität die
Annäherung an das Thema befördern will.
Dafür sind Medien wie das Internet geeigneter.
Ausdrücklich will das Heft eine Informations- und Arbeitshilfe für Lehrer/innen sein.
Spannend zu lesen sind die Interviews mit
Praktiker/innen aus der politischen Bildungsarbeit. Hier werden Erfahrungen und Defizite
schulischen Lernens gegenüber jugendkulturell vermittelter politischer Sozialisation deutlich. Doch leider lässt der Serviceteil des Heftes in Punkto Praxis zu wünschen übrig.
Warum bspw. konnten sich die Herausgeber
nicht dazu entschließen, exemplarisch einige
antisemitische Songtexte rechter Bands samt
Textanalyse und didaktischen Arbeitsvorschlägen ins Heft zu nehmen, wo doch diese Musik
in Schulen und Jugendclubs fast allgegenwärtig ist? Wegen seiner facettenreichen und
aktuellen Zugänge zum Thema hat das Bulletin jedoch einen hohen informativen
Gebrauchswert und regt hoffentlich zu einer
tiefergehenden Weiterarbeit an.
Christian Grünert

Berlin • Unter dem Motto »Genug
ist genug. Keine islamistischen Zentren: Weg damit! Berlin bleibt
deutsch« wollte die NPD ausgerechnet am 11. September 2004, ausgerechnet durch den Stadtteil Kreuzberg marschieren. Zitat: »Wir werden keinen weiteren Bau von
Moscheen, islamischen Zentren und
anderen Überfremdungstempeln
dulden. Wir fordern Ausländerrückführung statt ausländischer Parallelgesellschaften und statt Integration.«

Der Aufmarsch sollte zu einer am
Görlitzer Bahnhof geplanten
Moschee führen, wurde nun aber
auf den 28. September verschoben.
Die NPD begründet die Verschiebung mit dem Wahlkampf in Sachsen. Berlins Innensenator Erhart
Körting will den Neonazis aber
offenbar nur eine Route außerhalb
der City zugestehen. Als Rednern
sollen THORSTEN HEISE und ECKART
BRÄUNIGER auftreten.

Nazis in Kreuzberg 2
Berlin • Schon am 8. Mai diesen
Jahres hatten Neonazis einen kurzen Auftritt im »Multikulti-Kreuzberg«: Die KAMERADSCHAFT SPREEWACHT
marschierten mit etwa 50 Personen
vor dem Künstlerhaus Bethanien
gegen die dort gezeigte Ausstellung
»When love turns to poison« auf.
Die Nazis griffen die von CDU und
Presse laut gewordenen Vorwürfe
auf, die Ausstellung beschönige
pädophilen Sex. Sie bezeichneten
die gezeigte Kunst als Verbrechen
und forderten deren Verbot. Für das
bei diesem Anlass verteilte Flugblatt zeichnete ebenfalls BRÄUNIGER
verantwortlich.

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antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

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Neu im Archiv
er
Sa

• Thomas Dörfler, Andreas Klärner: »Rekonstruktion eines nationalistischen Phantasmas«.
In: Hamburger Institut für Sozialforschung (Hg.),
Mittelweg 36, August/September 2000.
• Michael Kohlstruck: »Fundamentaloppositionelle Geschichtspolitik. Die Mythologisierung von
Rudolf Heß im deutschen Rechtsextremismus«.
In: Claudia Fröhlich, Horst-Alfred Heinrich:
»Geschichtspolitik«. Stuttgart 2004.
• Patrick O'Hara, Daniel Schlüter (Hg.): »Der
Mythos stirbt zuletzt«. reihe antifaschistischer
texte (rat), Hamburg 2002.
Anlässlich des jährlichen Rudolf-Heß-Spektakels sei auf diese drei empfehlenswerten Veröffentlichungen hingewiesen, deren Autoren auch
auf das apabiz-Archiv zurückgegriffen haben.
Während Dörfler und Klärner anschaulich Ablauf
und Inszenierung des Heß-Gedenkens schildern
und analysieren, erarbeitet Kohlstruck auf einer
beeindruckenden Quellenbasis eine präzise Darstellung der Akteure der Mythenbildung sowie
ihrer Vorgehensweise. In seiner chronologischen
Darstellung nach wie vor unerreicht, und daher
auch von beiden Aufsätzen als Quelle herangezogen, ist die Broschüre von O’Hara und Schlüter.
• Na'ama Sheffi: »Der Ring der Mythen. Die
Wagner-Kontroverse in Israel«. Wallstein Verlag,
Göttingen 2002.
Unter Berücksichtigung von Archivmaterialien
beschreibt die israelische Historikerin den Boykott
der Musik Richard Wagners, eine der bemerkenswerten Schnittstellen zwischen Kunst und Politik
in der israelischen Gesellschaft. Die Analyse der
»Wagner-Affäre« gibt eine aufschlussreiche Einsicht in die Ambivalenz der israelischen Gesellschaft gegenüber Deutschland.
• Markus Mohr, Klaus Viehmann (Hg.): »Spitzel.
Eine kleine Sozialgeschichte«. Assoziation A, Berlin/Hamburg 2004.
Die 18 AutorInnen liefern u. a. interessante
historische Beispiele für den Einsatz von Spitzeln,
z. B. im engen Zusammenhang mit der Entstehung
der Polizei im 17. und 18. Jahrhundert. Aus dem
20. Jahrhundert werden Papiere von betroffenen
Zusammenhängen dokumentiert. Das Buch bietet
aber keine Hilfestellung über den Umgang der Linken mit diesem Problem.
• Till Bastian: »Homosexuelle im Dritten Reich.
Geschichte einer Verfolgung«. C. H. Beck, München
2000.
Auf 96 Seiten versucht der Autor die Unterdrückung männlicher Homosexualität, hauptsächlich während der NS-Zeit, anhand von Einzel-

schicksalen zu verdeutlichen. Ob lesbische Liebe
kein Gegenstand nennenswerter staatlicher
Repression gewesen ist und die Archive darüber
schweigen, wie Bastian schreibt, oder das Thema
noch nicht ausreichend erforscht wurde, bleibt
offen.
• Wolfgang Benz, Juliane Wetzel (Hg.): »Solidarität und Hilfe für Juden während der NS-Zeit.
Band 4: Slowakei, Bulgarien, Serbien, Kroatien mit
Bosnien und Herzegowina, Belgien, Italien«.
Metropol Verlag, Berlin 2004.
Dies ist der siebte und letzte Band des mehrjährigen Projektes, bei dem die Hilfe für Juden im
gesamten vom NS okkupierten Gebiet und den
angrenzenden Ländern erforscht und durch je
einen Länderartikel dargestellt wird. Außer in
Russland, wo die Forschung noch nicht so weit ist,
zeigt die Studie Unterschiede zwischen und innerhalb der einzelnen Länder auf.
• Projektgruppe Belarus (Hg.): »Existiert das
Ghetto noch? Weißrussland: Jüdisches Überleben
gegen nationalsozialistische Herrschaft«. Assoziation A, Berlin/Hamburg/Göttingen 2003.
Die Kölner Projektgruppe interviewte zwölf
Überlebende des Minsker Ghettos zu ihrem Leben
und Überleben der deutschen Vernichtungspolitik.
Neben den Zeitzeugen, die veranschaulichen, dass
sich Geschichte aus den Geschichten einzelner
Menschen zusammensetzt, informieren Historiker
und Journalisten über historische Hintergründe.
• Karin Graf: »Zitronen aus Kanada. Das Leben
mit Auschwitz des Stanislaw Hantz«. Verlag des
Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau, Oswiecim/Polen 1998.
Vier Jahre lang begleitete Karin Graf den ehemaligen KZ-Häftling Stanislaw Hantz und sprach
mit ihm über seine Vergangenheit und die Gegenwart von Auschwitz in seinem Leben. Die 47 biographischen Erzählungen wirken durch den Dialog der beiden sehr authentisch und werden durch
Fotos ergänzt.
• Richard Feder: »Jüdische Tragödie – Letzter
Akt. Theresienstadt 1941-1945. Bericht eines Rabbbiners«. Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam
2004.
Der Bericht des tschechischen Rabbiners
Richard Feder über seine Haft und die seiner gesamten Gemeinde aus dem böhmischen Städtchen
Kolín im Konzentrationslager Theresienstadt ist
bereits 1947 im Original erschienen. Nur wenige
von ihnen überlebten. Durch die Beschreibungen
will Feder die Ermordeten im Gedächtnis bewahren und die Würde der Opfer wiederherstellen.
monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 17, september 2004
        
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