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Full text: Monitor Issue 9.2003

monitor
rundbrief des apabiz e. v. | nr. 9, märz 2003

Über Bagdad nach Dresden
Hintergrund  Warum und wie die extreme Rechte die
Friedensbewegung für sich und ihre Zwecke entdeckt

antifaschistisches pressearchiv und
bildungszentrum berlin e.v. (apabiz)

Gesehen hat sie niemand. Doch in einer Presserklärung des AKTIONSBÜRO MITTELDEUTSCHLAND wird
über die angebliche Beteiligung von »250 Nationalisten aus Berlin und Brandenburg«1 an der
größten Friedensdemonstration in Berlin am 15. Februar berichtet. Bei über 500.000 TeilnehmerInnen entspräche das einem verschwindend geringen Anteil von 0,5 Promille. Daneben führten
dieser Tage mehrere rechte Gruppierungen eigene Aufmärsche gegen den Krieg mit durchaus
ansehnlichen Teilnehmerzahlen durch und auch andernorts wurde – mehrfach erfolgreich – versucht, sich anderen Protesten anzuschließen.
Dies geschieht zum einen aus Provokations- und Publicitygründen. Aber es gibt durchaus auch
»authentische« Gründe für die extreme Rechte, sich gegen den bevorstehenden Krieg zu wenden.
So wird von ihnen beispielsweise mit der Forderung »Kein deutsches Blut und Geld für fremde
Interessen«2 gegen den Krieg mobilisiert. Mit fremden Interessen sind dabei vor allem die angeblichen »Weltherrschaftspläne« der USA gemeint.3

geöffnet do von 15 bis 19 uhr und
nach absprache

F

ederführend bei Aktionen gegen den Krieg ist
das AKTIONSBÜRO NORDDEUTSCHLAND. Unter dem
Namen »Not with U$« wurde gleich eine ganze
Kampagne zu diesem Thema ins Leben gerufen,
durch die der »Protest gegen die weltweite Unterdrückungspolitik der USA (...) einen immer größeren Eingang in den politischen Kampf des nationa-

klassische Nazi-Transparente mitgeführt und auch
Sprechchöre wie »USA – internationale Völkermordzentrale« oder »Amis raus!« ließen nicht
zwangsläufig auf einen rechten Aufmarsch schließen. Das gleiche galt auch für die Musikauswahl:
unter anderem erklang das Lied »Yankees raus« der
linksradikalen Punkband Slime. Konsequent auf
den Punkt gebracht wird dieser nationalistische
Antiamerikanismus in der Losung: »Wer für die
USA ist, ist gegen uns Deutsche«.7
Bresche für den Revanchismus

Naziaufmarsch am 22. Februar in Hamburg-Wandsbek
len Widerstandes finden« soll.4 In Flugblättern wird
den USA vorgeworfen, sie wollten eine »neue Weltordnung«5 namens »Oneworld«6 installieren, um die
Freiheit der Völker einzuschränken. Diese Freiheit
der Völker meint die Unabhängigkeit Deutschlands
von den ehemaligen Westalliierten und insbesondere den USA. Mit dieser antiamerikanistischen
Argumentation versucht die extreme Rechte, antiamerikanische Reflexe in der Friedensbewegung
anzusprechen.
Auf einem zu dieser Kampagne durchgeführten
Aufmarsch in Hamburg-Wandsbek wurden kaum

Gleichzeitig versucht die extreme Rechte mit
ihrem »antiimperialistischen« Gestus, der sich
ausschließlich gegen die USA richtet, die Verbrechen des Nationalsozialismus im zweiten Weltkrieg
zu relativieren oder ganz zu leugnen. Es soll der
Eindruck erweckt werden, die USA stünden in
einer imperialistischen Kontinuität, die sie im
Zweiten Weltkrieg Deutschland angreifen ließen.
Dem heutigen Deutschland wird ein solcher Imperialismus selbstverständlich nicht unterstellt,
1) »Nationaler Widerstand unterstützte Friedensdemonstration
in Berlin«, Pressemitteilung des AKTIONSBÜRO MITTELDEUTSCHLAND
vom 15. Februar 03.
2) »Linke und nationale Kräfte gemeinsam für den Frieden«,
NATIONALER BEOBACHTER 01/03, http://www.ndb.com/nb/archiv/nb012003.html.
3) »Nein zum Krieg«, Flugblatt der DEUTSCHLAND-BEWEGUNG.
4) http://widerstandnord.com/aktionsbuero/kampa_terror.htm
5) »Terror ist ein Meister aus Amerika«, Flugblatt des AKTIONSBÜRO NORDDEUTSCHLAND.
6) Ebenda.
7) Ebenda.

Über Bagdad nach Dresden Seite 1 | Thor gekündigt Seite 3 | Linksextremismus = Totalitarismus = Antifaschismus? Seite 4 | Volksgemeinschaft im Kleinen Seite 5 | Alte Ikonen neu
belebt Seite 5 | »Ohne uns...« Seite 6 | Rezension Seite 7 | Neu im Archiv Seite 8

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zugeschickt.

Das apabiz e. V. informiert seit 1991 über
die Entwicklung der extremen Rechten. Wir
bieten vielfältige Materialien an, die über
unterschiedliche Aspekte des Rechtsextremismus aufklären und Argumente liefern.
Archiv: Für Recherchen halten wir unser
Archiv bereit, das eines der größten dieser
Art in der BRD ist. Wir verfügen über rechte
Publikationen, Videos, CDs etc. Diese Primärquellen werden ergänzt durch eine
Datenbank, in der Presseveröffentlichungen
seit Anfang der 90er Jahre erfasst sind, eine
umfangreiche Präsenzbibliothek sowie antifaschistische Publikationen aus der gesamten BRD, Europa und den USA.
Bildung: Unser ReferentInnen-Katalog
umfaßt derzeit mehr als 25 Vorträge und
Seminare aus den Bereichen Judentum und
Antisemitismus, Frauen und Rechtsextremismus, Neue Rechte, Burschenschaften,
Esoterik und Heidentum, Rechtsextreme
Publizistik, Internet, Vertriebenenverbände,
Subkulturen und Rassismus.
Sondersammlungen: 1995 haben wir aus
den Beständen der Staatsbibliothek Ost
mehrere hundert Bücher aus der NS-Zeit
übernommen; 1999 kam das Foto- und
Redaktionsarchiv der »Deutschen Volkszeitung (DVZ) - die tat« hinzu. Außerdem verwalten wir die Sammlung des Projekts für
interdisziplinäre Faschismus-Forschung an
der Freien Universität Berlin.
Kontakt: Unsere Informationen stehen allen
Personen und Initiativen zur Verfügung.
Umgekehrt sind wir an Euren Einschätzungen und regionalen Erfahrungen interessiert. Wir vereinbaren gerne einen regelmäßigen Austausch oder nehmen Euch in
unseren Verteiler auf.

monitor – rundbrief des apabiz e.v. | v.i.s.d.p.:
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die mit ihrem beitrag die finanzierung unterstützen | erscheinungsweise: alle zwei monate |
fotos: alle rechte liegen bei den fotografen

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

Liebe LeserInnen, liebe FreundInnen und Antifas!
Landser keine
kriminelle Vereinigung
Berlin • Das Kammergericht hat die
Anklage gegen die Berliner Neonaziband LANDSER teilweise abgewiesen:
Generalbundesanwalt Nehm hatte
den vier Mitgliedern der Gruppe die
Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen, wofür das Kammmergericht aber keinen hinreichenden Tatverdacht sah. Damit bleiben
lediglich die Tatvorwürfe der Volksverhetzung und der Verbreitung verfassungswidriger Propaganda.
Derweil kann sich LANDSER als Folge
des Strafverfahrens einer breiten
Unterstützung in der Szene erfreuen.
Internationale Bands haben einen
»Tribute to Landser«- Sampler eingespielt, die Erlöse sollen an die Band
gehen. Außerdem wurden verschiedene »Best of«-Scheiben aufgelegt.

In die Falle gegangen
Frankfurt a.M. / Fretterode • Am
15. Februar hat die Polizei auf dem
Frankfurter Flughafen die Lieferung
von 5.000 rechtsextremen CDs eines
asiatischen Presswerkes an einen
deutschen Kunden gestoppt. Adressat war der durch Handel und Produktion von Rechtsrock-CDs bekannte Neonazi THORSTEN HEISE. Die Polizei

teilte mit, dass die Lieferung einen
Marktwert von etwa 75.000 Euro
gehabt habe. Der Verkauf sollte über
einen skandinavischen Vertrieb abgewickelt werden. Eine gleichzeitig
stattfindende Durchsuchung des
Wohnsitzes von HEISE im thüringischen Fretterode brachte neben weiteren zahlreichen für den Vertrieb
bestimmten Tonträgern auch Waffen
und Munition zu Tage. Der aus dem
südniedersächsischen Northeim
stammende HEISE war über Jahre hinweg in der heute verbotenen FAP
führend aktiv und fungiert als wichtige Schnittstelle zwischen Kameradschaften und Rechtsrock-Szene.

Anarcho-Heide in der NPD
Hennigsdorf • Mittlerweile scheint
auch der Brandenburger THILO

2

Um einen Anreiz für die Vergrößerung des
UnterstützerInnen-Kreises für das apabiz zu
schaffen, erhält jedes neue Fördermitglied mit
einem Mindestbetrag von 10 Euro monatlich
jetzt eine CD der Digitalen Bibliothek gratis.
Dabei könnt ihr zwischen zwei Angeboten wählen: »Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka« oder die »Enzyklopädie des Nationalsozialismus«. Die Aktion läuft nur für kurze Zeit.
Mehr dazu findet ihr unter http://www.apabiz.de oder direkt im apabiz.
obwohl dies wegen seiner engen Verbundenheit zur
USA nur folgerichtig wäre. Stattdessen wird der
deutschen Regierung vorgeworfen, sich im Ausland
nicht genügend für deutsche Interessen einzusetzen und sich mit der Unterstützung der USA dem
Diktat Israels zu beugen.8
Komplett unverblümt formuliert dies die NPDFraktion im Wetterauer Kreistag. In einer Erklärung
zum Krieg heißt es dort, dass die Angriffskriege der
USA »nur einen weiteren Schritt zur Weltherrschaft
der USA und damit der Wall Street darstellen«.9
Dass es deutsche Nationalsozialisten waren, die den
größten imperialistischen Angriffskrieg führten,
wird ausgeblendet und in einen Befreiungskampf
gegen imperialistische Bestrebungen der USA
umgemünzt: »Wir Deutschen waren die ersten
Opfer des amerikanischen Größenwahns. Unsere
damalige Reichsregierung hatte es gewagt, den Weg
in die politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit zu gehen.«10
Eine weitere Argumentationslinie der Neonazis
ist der Versuch, einen möglichen amerikanischen
Bombenangriff auf Bagdad mit dem Bombenkrieg
der Alliierten gegen Deutschland gleichzusetzen.
Dieser geschichtsrevisionistische Bezug soll letztendlich eine Umkehr der Kriegsschuld zu Gunsten
Deutschlands und zu Ungunsten der USA herbeiführen. In Flugblättern heißt es dazu: »Was vor
knapp 60 Jahren in Deutschland passierte, wiederholt sich jetzt im Irak«11 und »Deutschland hat
weder den ersten, noch den zweiten Weltkrieg
gewollt«.12 Gerade recht kommt der extremen Rechten da der Weihnachtsbestseller »Der Brand« von
JÖRG FRIEDRICH, der in Millionenauflage die angeblichen Kriegsverbrechen Englands im Bombenkrieg
gegen Deutschland anprangert und diese Argumentation einer breiten Öffentlichkeit in die Hände
legt.
Antisemitismus als Motiv
Gerade die Neonazis hegen aber auch Sympathien für den irakischen Diktator Saddam Hussein
selber. Immerhin führt er seinen Staat mit einer
harten Hand und seine ideologische Basis besteht
aus einem extremen Nationalismus mit leicht sozi-

Dann noch eine Bitte: Wie ihr sicherlich
wisst, archivieren wir nicht nur alles mögliche
über die extreme Rechte. Wir dokumentieren
auch alles, was von antirassistischen und antifaschistischen Gruppen gedruckt, verteilt, verklebt und sonst wie veröffentlicht wird.
Obwohl wir allerlei einsammeln, suchen wir
Leute, die uns regelmäßig Zeug aus den Regionen schicken. Im Gegenzug erhaltet ihr den
monitor kostenlos oder was anderes, was wir
uns leisten können.
Euer apabiz
alistischem Touch. Vor allem die Ablehnung des
Staates Israel dürfte den Nazis aus der Seele sprechen. So versprach Hussein unlängst allen Hinterbliebenen palästinensischer Selbstmord-Attentäter
eine Prämie von 10.000 US-Dollar.
Der extremen Rechten geht es bei der »Solidarität« mit dem Irak wie auch bei dem Bezug auf
Palästina darum, den Staat Israel oder das Judentum insgesamt anzugreifen. So gehe es bei diesem
Krieg nur darum, die »wirtschaftliche Macht der
US-Konzerne und der weltweiten Geldverleiher auszubauen«13 und Hussein solle nur gestürzt werden,
da »dessen Regierung nicht mehr ins Konzept der
Achse Washington-Israel passe«.14 Die Möglichkeit,
unter dem Vorwand der Friedenssehnsucht Antisemitismus offen formulieren zu können, ist eine
Hauptmotivation für Neonazis, sich gegen den drohenden Krieg im Mittleren Osten zu engagieren.
Abgrenzungs-Schwierigkeiten
Wenn sich die extreme Rechte mit solchen
Argumenten an Anti-Kriegs-Protesten beteiligen
kann, ist das oft auf mangelnde Sensibilität oder
einen falsch verstandenen Toleranzbegriff zurückzuführen. So war immer wieder zu hören, ein jeder
habe das Recht, friedlich gegen den Krieg zu
demonstrieren. Bei den Demonstrationen komme es
nur darauf an, gegen den Krieg zu sein und nicht,
aus welchem Lager die Demonstranten stammen.
Das Auftreten der Neonazis als friedensliebende
Deutsche und die Ähnlichkeit ihrer Parolen mit
denen anderer Teile der Bewegung dürften mancherorts ihr Übriges zur Duldung beigetragen
haben.

8) »Gegen Krieg in Torgau«, NATIONALER BEOBACHTER 01/03,
http://www.nd-b.com/nb/archiv/nb012003.html.
9) RALF HASCHKE: »Gegen die US-Kriegsvorbereitungen«, DEUTSCHE
STIMME 2/2003, S. 11.
10) »Terror ist ein Meister aus Amerika«, Flugblatt des AKTIONSBÜRO NORDDEUTSCHLANDS.
11) »Ziehen uns die Amis in den 3. Weltkrieg«, Flugblatt des
AKTIONSBÜRO NORDDEUTSCHLAND.
12) »Wir wollen keinen Krieg!«, www.diekommenden.net/afd/kein_krieg.htm.
13) »Ziehen uns die Amis in den 3. Weltkrieg«, Flugblatt des
AKTIONSBÜRO NORDDEUTSCHLAND.
14) Ebenda.

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FREIE NATIONALISTEN beispielsweise müssen ihre
Parolen nicht modifizieren oder in ihrer Radikalität
zurücknehmen, sondern sie suchen sich gezielt
Anknüpfungspunkte bei Parolen und Argumenten
der Friedensbewegung. Wie vielversprechend und
wichtig ihnen diese Intervention ist, zeigt ein Konzeptpapier des AKTIONSBÜROS: »Derzeit sollte der
nationale Widerstand jede sich bietende Gelegenheit nutzen, um gegen die globale Macht- und
Kriegspolitik zu protestieren. (...) Wünschenswert
wäre auch, dass in nächster Zeit (...) andere nicht
ganz so dringende Anlässe zurückgestellt
werden.«15
Teile der Anti-Kriegs-Bewegung geben sich
unter der Parole »Kein Blut für Öl« scheinbar strikt
antikapitalistisch. Diese oberflächliche Kapitalismuskritik projiziert alle negativen Erscheinungen
auf einen – in der Tat existierenden – aggressiven
us-amerikanischen Kapitalismus, äußert sich aber
nicht oder kaum ablehnend über die europäischen
oder deutschen Verhältnisse. Die Verantwortung
deutscher Regierungen oder gar hiesiger Rüstungskonzerne an der Situation im Mittleren Osten wird
angesichts des (momentanen) Anti-Kriegs-Kurses
der rot/grünen Regierung ausgeklammert. Ein solcherart verkürzter Antikapitalismus bietet der
extremen Rechten natürlich eine Steilvorlage, denn
ihre Ablehnung des herrschenden Systems manifestierte sich schon immer im Hass gegen den
»wertelosen US-Kulturimperialismus«16 und die im

Hintergrund vermuteten »jüdischen Strippenzieher« an der amerikanischen Ostküste.
Ausblick
Auch wenn gerade die FREIEN NATIONALISTEN ihre
Aktionen meist als Erfolge feiern und in der Szene
einen Enthusiasmus für das Thema entdeckt haben
wollen, kann dies nicht darüber hinwegtäuschen,
dass sie dadurch ihre Position in der Gesellschaft
nicht verbreitern können. So haben die Nazis es
trotz aller Bemühungen nicht geschafft, auch nur
als Stichwortgeber für die breite Masse der Friedensbewegung aufzutreten, geschweige denn,
eigene Positionen in die Gesamtheit der Bewegung
zu tragen.
Auch wenn sie auf manchen Veranstaltungen
der Friedensbewegung geduldet wurden, stoßen sie
– auch bei guter Tarnung – bei weiten Teilen dieses Spektrums weiterhin auf klare Ablehnung. Die
selbst organisierten Anti-Kriegs-Aufmärsche waren
zwar besser besucht als andere Nazi-Aufmärsche
der letzten Monate; Teile der Friedensbewegung in
diese Aufmärsche zu integrieren oder gar einen
Schulterschluss rechter und linker Anti-KriegsAktivisten zu erreichen, erscheint jedoch nach wie
vor als rhetorische Großmachtphantasie des rechten Lagers.
Falco Schuhmann
15) http:/widerstandnord.com/aktionsbuero/kampa_terror.htm
16) »Rezeptur zur Herbeiführung eines US-Militärschlages«,
Flugblatt des AKTIONSBÜRO NORDDEUTSCHLAND.

KABUS das Internet für sich und seine
politischen Aktivitäten entdeckt zu
haben. Nach jahrelanger Politkarriere
in Strukturen der NPD auf Landesund Bundesebene äußert sich der
37jährige nun dort ausführlich zu
seinem heidnischen Glauben und seiner eigenen Ideologie-Kreation, dem
Anarchonationalismus. Selbstredend
hat diese bunte Mischung aus Anarchismus, Nationalismus und Heidentum nach Meinung ihres Chefideologen KABUS nichts mit der »Nationalen
Anarchie« eines PETER TÖPFER zu tun.

Trotz Heidentum, Anarchie und kaufmännischer Selbstständigkeit findet
der ehemalige Berliner weiterhin Zeit
für die brandenburgische NPD.

Umstrittene Flick-Stiftung
kommt nach Berlin

Thor in Dresden gekündigt
Bericht  Klub Thor schließt nach nicht mal einem Jahr

D

em »nationalen Jugendklub« THOR scheint nur
eine kurze Zeit des Bestehens vergönnt. Nach
nicht mal einem Jahr wurden den Betreibern Ende
vergangenen Jahres die Räumlichkeiten zum 31.
Dezember gekündigt. Dies dürfte vor allem der
Kampagne »Thor muss weg« zu verdanken sein, die
von einem breiten Bündnis zahlreicher Gruppen
getragen wird. Diese machten durch Veranstaltungen, Kundgebungen und ein Fußballturnier auf den
Treffpunkt der regionalen Nazi-Szene aufmerksam.
Als Betreiber des Klubs traten die bekannten
Neonazis RONNY THOMAS und SVEN HAGENDORF in
Erscheinung. Neben ihrer Tätigkeit in örtlichen

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ANTI-ANTIFA-Strukturen ist HAGENDORF Kreisvorsitzender der NPD und THOMAS hatte diese Funktion früher inne. Darüber hinaus sind die beiden NaziKader aber auch als Führungspersönlichkeiten der
FREIEN NATIONALISTEN in der Elbestadt anzusehen.
Als das Ende des Klubs abzusehen war, riefen
die Betreiber zu einer Unterstützungsdemonstration unter dem Motto »Solidarität mit Klub Thor«
auf. An dieser beteiligten sich ca. 200 Neonazis,
darunter Personen von der Berliner KAMERADSCHAFT
TOR und LUTZ GIESEN als Redner. Bereits bei der Eröffnungsfeier im Mai 2002 wurde die Einbindung in
überregionale Strukturen durch die Anwesenheit
zahlreicher nichtsächsischer Gäste deutlich. Die
Räumlichkeiten des Klubs wurden neben dem Kneipenbetrieb unter anderem für Schulungen und
Konzerte genutzt, bei denen auch die JUNGE LANDSMANNSCHAFT OSTPREUßEN als Veranstalterin auftrat.
Mitbetreiber THOMAS dürfte in nächster Zeit zudem
auch andere Probleme haben: Er muss eine Haftstrafe von 10 Monaten wegen Körperverletzungen
in einer Privatsache absitzen.
Svenja Schlegel

Berlin • Anfang Januar haben sich
das Land Berlin und der Bund mit
FRIEDRICH-CHRISTIAN FLICK darüber geeinigt, die Kunstsammlung des FLICKEnkels als Dauerleihgabe für Berlin
zu übernehmen. Der Verein Aktives
Museum erklärte dazu, dass der
Besitz des Kunstsammlers zu einem
erheblichen Teil aus dem Erbe seines
Großvaters, des Wehrwirtschaftsführers FRIEDRICH FLICK, besteht. »Der
Enkel sieht keine Veranlassung, eine
Entschädigungszahlung an ehemalige
ZwangsarbeiterInnen zu leisten und
sich der Familiengeschichte zu stelllen.« Wegen der möglichen politischen Belastungen hatte sich im
Jahr 2001 die Stadt Zürich geweigert, die Sammlung zu übernehmen.
Der Verein Aktives Museum fordert
daher, »dass in der Ausstellung der
Sammlung Flick die Geschichte des
Flick-Konzerns dokumentiert und an
prominenter Stelle im Gebäude präsentiert wird.«

»Neue Staatsbriefe«
Berlin • Für alle Anhänger der Idee
vom Deutschen Reich gibt es wieder
Hoffnung: HANS-DIETRICH SANDER

3

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will die 2001 eingestellte Zeitschrift
STAATSBRIEFE wiederbeleben, wie er in
einem Brief verkündet, der den Leserkreis der STAATSBRIEFE zur Jahreswende
erreichte. Hoffnungsvoll verkündete
der rechtsextreme Publizist, dass
»eine Neugründung geplant« sei. Die
»Neuen Staatsbriefe« sollen im Rahmen der PREUßISCHEN GESELLSCHAFT BERLIN-BRANDENBURG E.V. erscheinen. Zu
diesem Zweck werden die Abonnenten
aufgefordert, sowohl in die PREUßISCHE
GESELLSCHAFT einzutreten, als auch ihre
Abogebühr für 2002 zu bezahlen, um
eine Anschubfinanzierung zu gewährleisten. Abschließend versichert SANDER, »dass ich persönlich wie die
meisten meiner geschätzten Mitarbeiter« den »Neuen Staatsbriefen« erhalten bleibe. Ob dazu auch der NPDIdeologie JÜRGEN SCHWAB gehören soll
oder PETER TÖPFER, Betreiber der HOMEPAGE NATIONALE ANARCHIE, lässt er offen.
Beide hatten in der Vergangenheit für
SANDERS Publikation geschrieben.
Mit HANS-JOACHIM WINTER fand unterdessen ein anderer Autor der STAATSBRIEFE zur Zeitung der PREUßISCHEN
GESELLSCHAFT. Diese nennt sich hochtrabend PREUSSISCHE NACHRICHTEN VON STAATSUND GELEHRTEN SACHEN und erscheint
zweimonatlich in einer Auflage von
10.000 Exemplaren.

Zündel bald heimgeholt?
USA • Der notorische HolocaustLeugner ERNST ZÜNDEL sitzt seit
Anfang Februar diesen Jahres in usamerikanischer Auslieferungshaft.
Die US-Behörden werfen dem Neonazi vor, gegen immigrationsrechtliche
Vorschriften verstoßen zu haben.
Ungeklärt ist bisher, ob es eine Auslieferung nach Deutschland – dessen
Staatsbürgerschaft ZÜNDEL besitzt –
geben wird, die von den US-Behörden schon in Aussicht gestellt wurde.
Der 60-Jährige hatte seit 1958 in
Kanada gelebt, wo er es auf über 50
Strafverfahren brachte, die meist im
Zusammenhang mit seiner nazistischen Propaganda standen. Anfang
2001 verließ das Ehepaar ZÜNDEL
Kanada in Richtung USA.

KC weiter auf Abwegen
Bremen • Die Hool- und RechtsrockBand KC macht weiter von sich
Reden. Als im Dezember vergangenen Jahres Neonazis mehrere TeilnehmerInnen einer Demonstration
gegen die Innenminsterkonferenz in
Bremen angriffen, waren auch die
Brüder HANNES und HENDRIK

4

Linksextremismus = Totalitarismus = Antifaschismus?
Hintergrund  »Handbuch des Linksextremismus« von Rechts
nde vergangenen Jahres erschien im extrem
rechten LEOPOLD-STOCKER-VERLAG aus Österreich
das »Handbuch des Linksextremismus«. Gemeinsam argumentieren die Autoren gegen »den Extremismus« und verorten sich selbst in der Mitte der
Gesellschaft. Dabei ist das Buch durch zwei Stränge gekennzeichnet. Zum einen wird das Motto
verfochten, die gesellschaftliche Mitte könne
nicht antifaschistisch agieren. Hier befinden sich
die Autoren in einem Dilemma, das spätestens seit
dem Sommer 2000 alle Vertreter der Extremismustheorie beschäftigt:1 Nur wenn jeder antifaschistische Ansatz mit militanten Aktionen verknüpft
wird – so wie es auch die Autoren des Handbuches
machen – kann antifaschistische Praxis den Werten der Mitte gemäß diffamiert werden und
»Linksextremismus« herauskommen.
Der zweite Strang ist
die fehlende, wissenschaftlichen Ansprüchen
genügende Konzeption
des Buches. So fehlt
bereits eine Definition des
Begriffes
»Linksextremismus«, weshalb sich in
dem Band ein Mix aller
möglichen Aktionsfelder
aller möglichen (linken)
politischen Strömungen der vergangenen 35 Jahre findet, der ausschließlich quantitativer Natur
ist. Am deutlichsten wird dies in dem mehr als
160seitigen Anhang, der eine Dokumentation
linksextremer Straftaten ab 1968 ist. Getreu ihres
quantitativen Ansatzes listen die Herausgeber
militante Aktionen der RAF, der RZ und der AIZ
ebenso auf, wie Aktionen gegen die Genforschung, die Gründung der DKP oder antifaschistische Aktionen gegen die doppelte Staatsbürgerschaft.
Neben der erwähnten Chronologie finden sich
in dem Buch u.a. Beiträge zur 68er-Bewegung in
der evangelischen Kirche von KLAUS MOTSCHMANN,
der Linken im Internet von F. ROLAND A. RICHTER
oder auch dem Linksextremismus in Österreich
von PETER MEIER-BERGFELD.

E

Wer dahinter steckt
Als Anhänger des »Anti-Extremismus« positionieren sich die Autoren selbst in der Mitte der
Gesellschaft. Dieser Schachzug ist natürlich
Augenwischerei, wenn man sich die politischen
Biografien einiger der Autoren anschaut. Der Mit-

herausgeber des Buches, HANS-HELLMUTH KNÜTTER,
ist ein klassischer Vertreter der Braunzone und
gilt seit Jahren als führender Kopf des akademischen Anti-Antifaschismus.2 Schon Mitte der 90er
Jahre wurde gerichtlich festgestellt, dass da »wo
der Professor wirkt, Rechtsradikale nicht weit«
sind.3 Und wenn diese nicht in seinem Umfeld
auftauchen,4 sucht KNÜTTER sie auch schon mal
persönlich auf. Beispielsweise referierte er im
April 2001 bei der GESELLSCHAFT FÜR FREIE PUBLIZISTIK,
der größten kulturpolitischen Vereinigung im
deutschen Rechtsextremismus.
Eine Selbststilisierung zum besorgten Demokraten verfolgt auch der Deutschlandfunk-Redakteur BERND KALLINA. Der beklagt in seinem Beitrag
für das Buch eine »Revanchismus-Keule«, mit welcher auf die deutschen Vertriebenenverbände eingeschlagen würde. In der Vergangenheit zählten
zu Kallinas Betätigungsfeldern die NPD und der
revanchistische WITIKO-BUND,5 heute ist er zumindest noch als Alter Herr der extrem rechten Burschenschaft DANUBIA zu München in der Öffentlichkeit präsent. Dieser wird selbst von der bayrischen Staatsregierung unterstellt, dass »deren
Aktivitas Rechtsextremisten wiederholt ein
Podium für verfassungsfeindliche Auftritte bot«.
Weitere Autoren im Handbuch, wie etwa KLAUS
MOTSCHMANN (Verantwortlicher der fundamentalchristlichen Zeitschrift ERNEUERUNG UND ABWEHR),
CLAUS-MARTIN WOLFSCHLAG, WERNER OLLES und KNÜTTERS
Mitherausgeber STEFAN WINCKLER sind ebenfalls der
extremen Rechten zuzuordnen. Daneben finden
sich aber auch Autoren der rechten Mitte, was das
Bestreben des Buches ausmacht: Es geht um einen
Brückenschlag zwischen rechtem Rand und etablierter Mitte. Zu letzterer zählt wohl z.B. SEBASTIAN PRINZ, der Mitarbeiter eines Bundestagsabgeordneten ist und im Handbuch über den Programmdiskurs innerhalb der PDS schreibt. Björn Falter
1) Das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg
veröffentlichte im Mai 2002 beispielsweise seine Broschüre
»Antifaschismus als Aktionsfeld von Linksextremisten«.
Auch hier wird deutlich, dass der Versuch schwer fällt,
einen »guten« von »bösem« Antifaschismus zu trennen.
2) Ausführlich zu KNÜTTER und seinem Anti-Antifaschismus:
Antifaschistisches Autorenkollektiv (Hg.): »Drahtzieher im
braunen Netz. Ein aktueller Überblick über den NeonaziUntergrund in Deutschland und Österreich«. Hamburg
1996, S.71 ff.
3) Frankfurter Rundschau, 6. März 1995: »Hans-Hellmuth
Knütter«.
4) Aktuell ist KNÜTTER u.a. ständiger Mitarbeiter der rechtsradikalen Wochenzeitung JUNGEN FREIHEIT.
5) Beispielsweise ist die neonazistisch durchsetzte JUNGE
LANDSMANNSCHAFT OSTPREUßEN ein offizieller Kooperationspartner des WITIKOBUNDES.

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Die HEIMATTREUE DEUTSCHE JUGEND E.V. (HDJ) entstand spätestens im Jahr 2000 aus der Gruppe DIE
HEIMATTREUEN JUGEND E.V. (DHJ). Letztere wurde 1990 als radikale Abspaltung des BUNDES HEIMATTREUER JUGEND - DER FREIBUND E.V. gegründet. Lange Zeit war die HDJ vor allem in Norddeutschland
aktiv.1 Mit der Wahl der Bundesführung im September 1999 verschob sich der organisatorische
Schwerpunkt der HDJ von Kiel nach Berlin, ein weiterer regionaler Schwerpunkt liegt in Franken.
Damals wurden ALEXANDER SCHOLZ, LAURENS NOTHDURFT, HILDEGARD HANDKE, ALEXANDRA AßMANN und
MICHAEL GELLENTHIN in den Vorstand gewählt.2 Weitere Kader innerhalb der HDJ E.V. sind oder waren
der NPD-Kader JÖRG HÄHNEL und der – inzwischen in der Naziszene gemiedene – LUTZ GIESEN.

Volksgemeinschaft im Kleinen
Profil  Die Heimattreue Deutsche Jugend e.V. (HDJ)
ie HDJ ist eine neonazistische Jugendorganisation, die den »Gedanken der Volksgemeinschaft (...) im Kleinen« vorleben will. Auf der
Basis einer »heimat- und volkstreuen Weltanschauung« werden Kinder ab sechs Jahre sowohl
geistig als auch militärisch – z.B. Geländespiele –
ausgebildet. Im Mittelpunkt steht die Erziehung
zu »Kameradschaft, Treue, Mut, Ehre, Aufrichtigkeit, Disziplin und Ehrlichkeit«.3

D

Inhalte und Unterstützer
Als inhaltlicher Bezugspunkt dient dabei der
Nationalsozialismus, dessen Ideologieelemente
sich wie ein roter Faden durch die Aktivitäten der
HDJ ziehen. Ein völkischer Nationalismus ist
ebenso zu erkennen wie die Verherrlichung des
Todes4 oder die Kritik an der Gleichheit der Menschen. Im Vereinsorgan FUNKENFLUG finden sich
regelmäßig auch Beiträge für Kinder und die
gesamte Familie. Unterstützt wird die HDJ von
einem FREUNDES- UND FAMILIENKREIS (FFK). Dieser soll
der HDJ finanziell und logistisch zur Seite stehen.
Auch sollen auf diesem Weg die Eltern an die HDJJugendarbeit angebunden werden. Im Juni 2001
wurde FRIEDRICH KUGLER zum Bundessprecher des
FFK gewählt, Regionalbeauftragte sind SILVIA
BERISHA, CHRISTINE BOCKSROCKER (beide früher SKINGIRLFRONT DEUTSCHLAND), CHRISTINE RINGMAYER und PETRA
MÜLLER (Baden-Württemberg).
Bereits zwei Mal beteiligte sich die HDJ an der
Ausrichtung des MÄRKISCHEN KULTURTAGES im Raum

Berlin/Brandenburg. Hier arbeitete sie u.a. mit
der GEMEINSCHAFT DEUTSCHER FRAUEN und der BERLINER
KULTURGEMEINSCHAFT PREUßEN zusammen.
Konsequente Einbindung in die Nazi-Szene
Darüber hinaus engagierten sich Mitglieder
der HDJ in den vergangen Jahren auch in der neonazistisch durchsetzten JUNGEN LANDSMANNSCHAFT
OSTPREUßEN. Hinzu kam im Jahr 2001 die Teilnahme von HDJlern an der Gästewoche der DEUTSCHEN
KULTURGEMEINSCHAFT, einem der wichtigsten und
generationenübergreifenden Treffen des deutschen Neonazismus: »Das dort erlernte Wissen bildet die weltanschauliche Grundlage der HDJ.«6
Die Bedeutung der HDJ liegt in der konsequenten Ausbildung von Kindern und Jugendlichen für die neonazistische Szene. Ein Bereich,
in dem es seit dem Verbot der WIKING JUGEND keine
bundesweit relevanten Strukturen mehr gibt. Die
sehr gute Einbindung der HDJ in das neonazistische Lager ist Garant für eine langfristige Unterstützung, wobei auch der FFK als Unterstützerkreis eine wichtige Rolle spielt.
Björn Falter
1) Eine Gruppe existierte 1999 in Weißwasser und benutzte
das Postfach des früheren JUNGEN NATIONALEN SPEKTRUMS.
2) http://ganz.dufte.de/dhj/funki/ff0199/02.htm, Juni
2000. Damals noch als DIE HEIMATTREUE JUGEND E.V.
3) HDJ e.V.: »Wir über uns«, o. J.
4) Auf der HDJ-CD »Der Freiheit wildes Lied« singen Kinder
wie selbstverständlich vom heldenhaften Tod im Krieg.
5) Funkenflug Nr.1, 2002, S.11.
6) Ebenda, S.8.

OSTENDORF mit von der Partie. Beide
sind seit Jahren in der rechten
(Hool-)Szene aktiv, HANNES OSTENDORF
versucht sich nebenbei als Sänger in
den Rechtsrock-Bands KATEGORIE C und
NAHKAMPF (s. monitor Nr.4). Zwei
Wochen nach dem Übergriff fand
eine Kundgebung vor HANNES OSTENDORFS Wohnung statt, die Nachbarschaft wurde über seine Machenschaften informiert.
Nachdem der »stern« kürzlich unter
der Überschrift »Unheimliche Allianzen« über die Annäherung zwischen
Rockern und Rechtsradikalen berichtet hatte, war die Band um Schadensbegrenzung bemüht: In einem
Statement weisen sie darauf hin,
dass ihr Sänger in der Vergangenheit
Fehler gemacht habe, »Fehler, auf
die er aus heutiger Sicht sicherlich
nicht stolz ist.« Seltsam ist nur, dass
jetzt eine »Tribute to Landser«-CD
erschienen ist, an der sich auch Nahkampf mit einem Lied beteiligen.

Alle Jahre wieder
Dresden • Am 13. Februar veranstalteten wie bereits in den vergangenen
Jahren Neonazis einen Aufmarsch
anlässlich des Jahrestages der Bombardierung von Dresden 1945. Nach
massiver bundesweiter Mobilisierung
trafen sich etwa 1.000 Neonazis
fernab des städtischen Gedenkens.
Unter den Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet waren unter
anderen der NPD-Bundesvorsitzende
UDO VOIGT, sein Stellvertreter HOLGER
APFEL sowie CHRISTIAN WORCH. Zum
wiederholten Mal trat die JUNGE
LANDSMANNSCHAFT OSTPREUßEN als Anmelderin in Erscheinung.
Aktives antifaschistisches Eingreifen
gegen diesen inzwischen traditionellen Naziaufmarsch war kaum möglich. Nach einer Auseinandersetzung
mit Neonazis wurden 18 Anti-

Alte Ikonen neu belebt
Obwohl sich neofaschistische Aktivisten
inzwischen nach Belieben ihre Symbole und
Codes auch bei nicht-rechten Szenen entlehnen, bleibt der Nationalsozialismus ein zentraler Bezugspunkt. Die weniger bekannten
Vorbilder aus der NS-Propaganda werden
dabei oft nicht erkannt. Hier ein paar Beispiele aus der jüngsten Zeit, für weitere Hinweise sind wir dankbar. Für ihre Hilfe dankt
der Autor Christian Dornbusch und Christian
Meyer.

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 9, märz 2003

1. Der PANZERBÄR nannte sich im Untertitel
»Kampfblatt für die
Verteidiger Groß-Berlins« und war ein Propagandablatt gefüllt
mit Durchhalteparolen.
Den gleichen Namen
samt Symbol hat sich
ein kleines NeonaziFanzine aus Fürstenwalde gewählt.

5

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

»Ohne uns...«
faschistInnen festgenommen und
mussten teilweise mehrere Tage in
U-Haft verbringen.

CIVITAS vs. Opferberatung
Berlin • Mit seinen neuen Leitlinien
und Zuwendungsbestimmungen hat
das staatliche Programm zur Unterstützung zivilgesellschaftlicher Initiativen CIVITAS sich noch weiter von
den tatsächlichen Erfordernissen
ebendieser Initiativen entfernt als
bislang.
Davon, dass »bei einer Förderung die
Eigenständigkeit der Zuwendungsempfänger gewahrt bleibt« – wie es
die Leitlinien ursprünglich vorsehen
–, kann keine Rede mehr sein: Die
»im Rahmen der Zuwendung gewonnnenen Erkenntnisse« bedürfen nun
vor Veröffentlichung der Zustimmung
des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend.
Ebenso müssen Druckerzeugnisse wie
Broschüren, Flyer u.a. vor dem Druck
von der Servicestelle abgesegnet
werden. Mitteilungen an die Presse
oder Öffentlichkeit über CIVITAS sind
alleine dem Bundesministerium vorbehalten.
Diesen Maulkorb haben sich bis auf
zwei Ausnahmen alle von CIVITAS
geförderten und von den neuen Leitlinien betroffenen Projekte verpassen
lassen. Die beiden Opferberatungsteams MoBiT in Thürigen und Lobbi
in Mecklenburg-Vorpommern hingegen bekommen die Auswirkungen
ihrer Eigenständigkeit zu spüren: Die
Förder-Gelder sind bis zur Prüfung
ihres Widerspruches eingefroren.

»Zur großen Armee
abberufen«
Walhalla • In den letzten Tagen des
Februar tat die neonazistische 

Vorstellung  ASP entwirft mit
Jugendlichen Plakatreihe

D

er ASP - Agentur für soziale Perspektiven e.V.
hat zusammen mit Jugendlichen aus Berlin
eine Plakatreihe erstellt. Am Anfang des geförderten Projektes stand die Idee einiger Jugendlichen,
diejenigen zu unterstützen, die sich für eine nichtrechte Jugendkultur engagieren. Die Plakate sollten eine identitätsstiftende Wirkung haben und
sich – anders als Plakate zu Demos oder Kampagnen – auf die Lebenswelt der Jugendlichen beziehen und nicht nur auf einzelne Events. In regelmä-

ßigen Treffen wurden erste Ideen gesammelt und
die grundsätzliche Ausrichtung festgelegt. Die Diskussionen waren spannend und kontrovers. Eines
der größten Probleme war es, sich auf vier Kernaussagen zu beschränken. Am Ende einigte sich die
Gruppe auf vier Bereiche: rechte Musik, Jugendarbeit, Bürgermobs und organisierte Naziaufmärsche.
Die nächste Schwierigkeit bestand darin, die
teilweise komplexen Zusammenhänge auf plakative Art darzustellen, ohne dass sie missverständlich
oder plump wirken. Das Ergebnis beweist, dass
ihnen dies gelungen ist. Ein Motive besteht z.B. aus
einem Baseballschläger mit der Schlagzeile: »Ohne
uns schlägt Jugendarbeit voll rein!« Der Untertext
erklärt: »Vielerorts dominieren rechte Jugendliche
die Jugendclubs. Ihnen wird neben Räumen und
Finanzen auch Verständnis entgegengebracht. Die-

se Jugendpolitik trägt eine wesentliche Mitschuld
an der Ausbreitung einer rechten Jugendkultur –
mit manchmal tödlichen Folgen.« Ein weiteres Plakat zeigt einen Benzinkanister und trägt die Überschrift »Ohne uns geht die Gewalt vom Volke aus!«
Der dazugehörige Text nimmt Bezug auf antisemitische und ausländerfeindliche Einstellungen der
»ganz normalen Bevölkerung« und darauf, wie diese auf Bürgerversammlungen gegen Juden und
Ausländer hetzt.
Antifaschistische Jugendliche haben nicht nur
mit Nazis, sondern auch mit konservativen und
verbohrten Kommunalpolitikern und Bürgern zu
kämpfen. Daran werden auch die Plakate nichts
ändern. Trotzdem ist es ein gelungenes Projekt und
es zeigt, dass antifaschistische Plakate auch ohne
pseudomilitantes Gehabe eine kernige Aussage
haben können. Die Plakate wurden durch das EU-

Programm »Jugend für Europa« gefördert und
können gratis auch beim apabiz abgeholt werden.
Kathrin Klever

2. Der WITIKO ist eine bei Alt- und Neonazis beliebte, eher
mythische als historische Figur. Bekannt ist sie durch den
Roman von ADALBERT STIFTER sowie durch den revanchistischen
WITIKO-BUND: »Die Leitfigur des Witiko ist für den Bund Sinnbild und Ausrichtung.« Die
völkische Ikone des WITIKO
wurde im NS publizistisch
ausgeschlachtet, NPD-Liedermacher JÖRG HÄHNEL (Frankfurt/Oder) variiert seine Darstellung in strafrechtlich relevanten Details.

6

3. EWIGES DEUTSCHLAND war ein Jahrbuch,
das vom »NS-Winterhilfswerk des Deutschen Volkes« im VERLAG GEORG WESTERMANN herausgegeben wurde. Die Band
STURMWEHR wählte Titel und Schriftzug
für ihre jüngste CD.

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 9, märz 2003

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

Rote Bibel zum Thema Rechtsrock
Rezension  Christian Dornbusch, Jan Raabe (Hg.): »Rechtsrock –
Bestandsaufnahme und Gegenstrategien«. reihe antifaschistischer
texte / Unrast-Verlag, Münster 2002. 544 Seiten, 24 Euro.
Codes in dieser Jugendkultur. Zwei dieser
umfangreichen Auflistungen mit Kurzbeschreibungen wurden vom apabiz e.v. erstellt. Aber
selbstredend ist auch eine umfangreiche
Adressenliste von Initiativen gegen Rassismus

ARTGEMEINSCHAFT ihre tiefe Trauer um
das Ableben eines Gefährten und
Kameraden kund. Es handelt sich
dabei um keinen Geringeren als um
WOLFGANG NAHRATH, Jahrgang 1929,
feste Größe des deutschen Neonazismus und Integrationsfigur zwischen militantem Spektrum und
NPD.
NAHRATH war nicht nur Gründungsmitglied der NPD, sondern blieb ihr
auch bis zum Lebensende durch seine aktive Mitarbeit u.a. im Bundesvorstand treu.
Daneben war er in der WIKING JUGEND
(WJ) aktiv, deren Bundesführung
fast seit der Gründung bis zum Verbot im Jahre 1994 durch die Familie
NAHRATH dominiert wurde. WOLFGANG
übernahm die WJ-Führung von seinen Vater RAOUL und gab sie später
an seinen Sohn WOLFRAM weiter.

it dem jüngst erschienen Buch »Rechtsrock
– Bestandsaufnahme und Gegenstrategien«
liegt nun endlich ein umfassendes Werk zum
Thema Musik und Neonazis vor – für das das
2000 erschienene Buch »White Noise« publizistische Vorarbeit geleistet hat. Schwerpunkt des
Bandes ist die Beschreibung und Analyse der
facettenreichen deutschen RECHTSROCK-Szene, die
zu einer der bedeutendsten weltweit gehört und
der der erste Teil des 500 Seiten starken Buches
gewidmet ist. Neben einem geschichtlichen
Abriss des R ECHTSROCK wird u.a. auf Ideologiefragmente in der Musik, Frauenbilder und die
Funktion des Internet eingegangen. Eine notwendige Vervollständigung erfolgt durch Beiträge über das internationales Musiknetzwerk
sowie über die extrem rechten Teile der Black
Metal- und Dark Wave-Szene.
Im zweiten Teil beschreiben und entwickeln
verschiedene Autoren sodann antifaschistische
Gegenstrategien gegen den Rechtsrock. Beispielhaft berichten der Verein Miteinander e.V.
aus Sachsen-Anhalt und das Zeitungsprojekt
Antifaschistisches INFO-Blatt aus Berlin über
ihre jahrelange Arbeit und die daraus resultierende Erfahrungen und Perspektiven; das Projekt Brothers & Sisters Keepers von afro-deutschen HipHop-KünstlerInnen gibt ein Interview. Abschließend wird sich in weiteren Beiträgen den Themen gewerkschaftliche Arbeit
gegen Rechts und akzeptierende Jugendarbeit
genähert.
Nicht zu vergessen ist das am Ende des
Buches befindliche praktische Nachschlagewerk. Hier finden sich vor allem umfassende
Verzeichnisse von Bands, Labels und Fanzines
der RECHTSROCK-Szene sowie von Symbolen und

und Rechtsextremismus und eine Auswahlbibliographie zum Thema zu finden.
Die Beiträge geben ein umfassendes Bild
der deutschen und internationalen RechtsrockSzene mit all ihren möglichen Erscheinungsformen wider. Auch thematische Neueinsteiger
brauchen sich angesichts des angenehmen
Schreibstils durch Seitenzahl und Gewicht
nicht abschrecken lassen, zumal die Texte mit
zahlreichen Fotos und Abbildungen aufgelokkert werden.
Mit diesem Band ist es den Herausgebern
gelungen, das Standardwerk zum Thema
R ECHTSROCK für die nächsten Jahren auf den
Markt zu bringen.
Svenja Schlegel

4. Das Logo der Berliner
Band LANDSER ist ebenfalls kopiert. Es sieht
zum Verwechseln dem Divisionsabzeichen der 37.
SS-FREIWILLIGEN-KAVALLERIE-DIVISION LÜTZOW ähnlich.

5. Das Cover der CD
»Herrenrasse« der
Band MACHT UND EHRE
stammt aus dem antisemitischen Kinderbuch »Trau keinem
Fuchs auf grüner Heid'
und keinem Jud bei
seinem Eid«. Es erschien 1936 in zweiter Auflage im STÜRMER-VERLAG. Das verwendete Bild
illustriert einen Text in Versform über die »judenfreie Schule«. Eine Darstellung des Buches
und seiner antisemitischen Stereotype durch C. Meyer findet sich in: LISUM (Hg.): »Gewalt,
Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in der Schule«. Berlin 2001, S.52ff.

M

monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 9, märz 2003

Paket
Das Info-P
vom apabiz e.v.
Nicht nur für Vereine und Institutionen, sondern für
alle, die in den Genuss des gesamten Service des
apabiz e.v. kommen möchten, gibt es jetzt unser
Info-P
Paket in den Größen S, M und L:
• je 3/10 / 20 Exemplare des monitor pro Ausgabe
• den ReferentInnen-Katalog inklusive Updates
• zwei Exemplare aller neuen Publikationen des
apabiz e.v. (Broschüren, Handreichungen etc.)
• Sonderkonditionen bei Nachbestellungen und
Recherche-Anfragen
gibt es für 70 Euro / 100 Euro / 130 Euro im Jahr!

Nazis in der Region
Rathenow 2002
Rathenow • Manche Kontinuitäten
sind sehr schön. Jüngst erschien
zum sechsten Mal die Broschüre
»Rechtsextremismus im Westhavelland« aus der Feder örtlicher antifaschistischer Gruppen und Initiativen.
Die HerausgeberInnen liefern auf 80
Seiten eine umfangreiche Regionalrecherche – inklusiv Bildern – ab,
die erneut einen guten Überblick
gibt. Ein wichtiges Hilfsmittel für
die antifaschistische Arbeit.
Negativ wirken einzig und allein die
Strukturierung und das Layout der
Online-Broschüre, da dies doch
stark an Verfassungsschutzberichte
erinnert.
Abrufbar ist die Broschüre unter
http://inforiot.de/westhavelland
oder auf der Linkliste bei
http://www.apabiz.de.

7

antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e. v.

Abonnieren...
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In dieser Rubrik wollen wir Euch
einen kurzen Überblick über
Bücher, Broschüren und andere
Medien geben, die im Archiv neu
eingegangen und ab sofort verfügbar sind. Darüber hinaus werden wir auf bestimmte Sachgebiete hinweisen, zu denen Ihr Sammlungen bei uns finden könnt. Danke an die Verlage.

Neu im Archiv
• Antifa Hohenschönhausen: »Motiv.Rechts«.
Selbstverlag, Berlin 2003.
Die Broschüre dokumentiert rechte Aktivitäten in Lichtenberg-Hohenschönhausen
unter den Aspekten Geschichte, Parteien,
Kameradschaften, Aufmärsche und Schmierereien.
• »ÖZP – Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft«. Nr. 31, 2002/3.
Schwerpunkt der Ausgabe ist Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus in Europa.
Dabei steht neben der politischen Bedeutung
in Westeuropa auch die Situation in Ost- und
Mitteleuropa im Mittelpunkt.
• Jonas Lanig, Marion Schweizer: »Ausländer
nehmen uns die Arbeitsplätze weg!«. Verlag an
der Ruhr, Mülheim/Ruhr 2003.
Ähnlich wie der erste Band, in dem die
Autoren sich mit historischen Rechtfertigungsversuchen auseinandergesetzt haben, geht es
hier um aktuelle Propagandalügen der Rechten.
Diesen werden Texte, Statistiken, Presseartikel und weiterführende Internetadressen
entgegen gehalten.
• Michael Kohlstruck: »Rechtsextreme
Jugendkultur und Gewalt«. Metropol Verlag,
Berlin 2002.
Das Buch, herausgegeben von Miteinander
e.V. und dem Zentrum für Antisemitismusforschung, untersucht fremdenfeindliche Jugendgewalt und Rechtsextremismus in den neuen
Bundesländern und speziell in Sachsen-Anhalt.
Das Buch beleuchtet rechtsextreme Phänomene und fremdenfeindliche Gewalttaten in diesem Zusammenhang sowie die Rolle der Medien
für die rechte Jugendszene und gibt einen
Überblick über rechtsextreme Jungendkultur,
um so einen Beitrag für die pädagogische und
soziale Praxis leisten.

Adresse: _________________________
________________________________
e-mail: __________________________
Unterschrift: _____________________
Spendenbescheinigung erwünscht
(Fördermitglieder und Dauerspender erhalten diese einmal jährlich)

• Lorenz Knorr: »Kontinuitäten des Rechtsextremismus. Ein Streifzug durch die deutsche
Geschichte«. VAS – Verlag für Akademische
Schriften, Frankfurt/Main 2002.
Der Autor untersucht Rechtsextremismus in
der deutschen Gesellschaft über einen Zeitraum von eineinhalb Jahrhunderten. Ein
Ergebnis ist, dass wesentliche Bestandteile
rechtsextremer Ideologie und Praxis sich in der

Mitte der Gesellschaft, in staatstragenden Parteien und Verbänden ausbreiten. Andererseits
ist die Kontinuität wesentlich in den ökonomischen Machtstrukturen begründet.
Michail Krausnick: »Wo sind sie hingekommen? Der unterschlagene Völkermord an den Sinti und Roma«.Bleicher Verlag, Gerlingen 1995.
Anhand von fünf Personen, deren
Geschichte der Verfolgung im Mittelpunkt
steht, wird das Schicksal der Sinti und Roma
aufgezeigt.
Dabei wird nicht nur die Zeit im Nationalsozialismus behandelt, sondern auch die Nachkriegszeit mit dem Kampf um Anerkennung
und Entschädigung.

•

• Felicja Nowak: »Mein Stern. Erinnerungen
einer Holocaustüberlebenden«. Bleicher Verlag,
Gerlingen 2001.
• Helina Nelken: »Freiheit will ich noch erleben«. Bleicher Verlag, Gerlingen 2001.
Zwei Beiträge zur Oral History. Zwei jüdische Frauen, die damals junge Mädchen waren,
berichten von ihrem Kampf ums Überleben in
verschiedenen polnischen Städten.
• Martin Friedenberger, Klaus-Dieter Gössel,
Eberhard Schönknecht (Hg.): »Die Reichsfinanzverwaltung im Nationalsozialismus«. Edition Temmen, Bremen 2002.
Unter dem Einfluss der NS-Ideologie entwickelte sich die Finanzverwaltung zu einer
wesentlichen Stütze des Dritten Reiches. Die
bürokratische Effizienz führte zu einer lückenlosen Erfassung, zum Beispiel bei der Enteignung der Juden.
Durch umfangreiches Quellenmaterial wird
die Rolle der Finanzverwaltung bei der Judenverfolgung deutlich gemacht.
• Daniel Jonah Goldhagen: »Die katholische
Kirche und der Holocaust. Eine Untersuchung
über Schuld und Sühne«. Siedler Verlag, Berlin
2002.
Auch das neue Buch von Goldhagen erregt
wieder Aufsehen. Dadurch, dass er die Mitschuld der katholischen Kirche am Holocaust
anprangert, kommt die Diskussion über dieses
Kapitel der Geschichte wieder in Gang. Die
Auslieferung der ersten Auflage musste wegen
einer irrtümlichen Bildunterschrift kurzzeitig
eingestellt werden.
monitor | rundbrief des apabiz e.v. | nr. 9, märz 2003
        
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