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Full text: Wohnen in Gemeinschaft

Gemeinsam planen

Wohnen in Gemeinschaft
Berliner bauen Soziale Nachbarschaften

Wohnen in Gemeinschaft
Berliner bauen Soziale Nachbarschaften

Inhalt
Vorwort7
Zur Broschüre

9

Soziale Nachbarschaften - Eine Einführung

10

Teil I - Der Blick von außen

12

Ist Nachbarschaft heute noch möglich? 

13

Prof. Dr. Walter Siebel | Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Gemeinwohlorientierte Stadtteilentwicklung

19

Frauke Burgdorff, Oliver Brügge | Montag Stiftung Urbane Räume gAG

Wohnungswirtschaft 2.1 - Zukunft beginnt heute

25

Mario Hilgenfeld | BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e. V.

Wie kann Inklusion in einer Sozialen Nachbarschaft gelingen? 

31

Dr. Gabriele Schlimper | Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband, Landesverband Berlin e. V.

Kristallisationspunkte fürs Engagement

37

Snezana Michaelis | Gewobag Wohnungsbau-Aktiengesellschaft Berlin

Wohnungspolitik und Soziale Nachbarschaften

41

Interview mit Dr. Jochen Hucke | Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin

Teil II - Berliner Projekte stellen sich vor

44

Übersichtskarte										 44
Berliner Projekte										 46
+-60 In Freundschaft wohnen								

46

Allein Wohnen in Gemeinschaft (Al WiG)							

48

Baugemeinschaft Südwestsonne und NIWO e.V.						

50

Eiswerder Wohnprojekt									

52

Haus der Parität Schöneberg								

54

IBeB - Integratives Bauprojekt am ehemaligen Blumengroßmarkt				

56

RuT-FrauenKultur&Wohnen								

58

Seniorenwohnhaus am Gasometer - Gemeinschaftliches Wohnen im Alter			

60

Spreefeld Berlin eG									

62

Studentendorf Adlershof									

64

Werk Stadt Garten Wohnen								

66

WiLMa - Wohnen in Lichtenberg - Magdalenenstraße 19					

68

X-berger-Wohnverwandtschaften								

70

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Teil III - Der Weg in die Soziale Nachbarschaft

72

a | Wie gestalten wir Soziale Nachbarschaften?

73

Annett Biernath | degewo AG

b | Welche Partner brauchen Soziale Nachbarschaften?

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c | Wie funktioniert ein Wohnprojekt zur Miete?

78

d | Wie werden wir eine Gruppe?

80

e | Welche Form passt zu uns?

82

f | Plattformen und Formate der Netzwerkagentur GenerationenWohnen

84

g | Checkliste zur Realisierung eines gemeinschaftlichen Wohnprojekts

88

Ausblick - Soziale Nachbarn 2030

91

Weiterführende Links

92

Impressum94

Um den Lesefluss nicht zu beeinträchtigen, verzichten wir auf Schreibweisen zur Geschlechtertrennung.
Selbstverständlich sind immer gleichzeitig und chancengleich alle Geschlechter angesprochen.

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Wohnen in Gemeinschaft | Vorwort

Vorwort

Constance Cremer
Geschäftsführerin der STATTBAU GmbH

Berlin wächst und steht in den nächsten Jahren
vor enormen Aufgaben. Das Ziel, lebendige
Quartiere und die „Berliner Mischung“, das Zusammenleben vielfältiger unterschiedlicher Lebensstile in der Stadt zu erhalten, ist Ansporn
und Verpflichtung zugleich.
Die Soziale Nachbarschaft steht als Leitbild für
Generationengerechtigkeit, Inklusion und die
Übernahme von Verantwortung und Selbstorganisation in der Nachbarschaft. Gemeinschaften funktionieren lokal und können durch gute
Rahmenbedingungen angeregt und gestaltet
werden. Die Netzwerkagentur GenerationenWohnen unterstützt Ideen und Strategien, die
das ermöglichen.

Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften nehmen den Wohnungsneubau in den
nächsten Jahren in großem Umfang wieder auf.
Ihnen kommt deshalb eine wesentliche Rolle
beim Aufbau Sozialer Nachbarschaften zu. Es
gilt Modelle zu entwickeln, die die lokale Gemeinschaft stärken und übertragbar sind. Die
vorliegende Broschüre liefert dazu hervorragende Anregungen.
Grundlage guter Nachbarschaft ist Vertrauen
und Gemeinsamkeit. Lassen Sie uns in den
nächsten Jahren daran weiterarbeiten!
Constance Cremer

Berlinerinnen und Berliner werden häufig selbst
aktiv, um Soziale Nachbarschaften zu initiieren.
Besonders augenfällig ist dies bei vielen Bauund Hausgemeinschaften, die das gemeinschaftliche Wohnen in den Vordergrund stellen
und als Wahlverwandtschaften die Wohnortsuche, die Planung und das Zusammenleben gemeinsam gestalten. Ihr räumlicher Bezugsrahmen ist das Quartier und im besten Falle
entstehen mit neuen Projekten auch neue Soziale Nachbarschaften.

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Wohnen in Gemeinschaft | Zur Broschüre

Zur Broschüre

Die vorliegende Broschüre untersucht und veranschaulicht die nachhaltige Entwicklung gemeinschaftlicher Wohnprojekte und Sozialer
Nachbarschaften in Berlin im Kontext des demografischen Wandels und aktueller Herausforderungen der Wohnungs- und Sozialwirtschaft.
Die zentralen Fragestellungen lauten:
„„	Welche Rahmenbedingungen und Kooperationen sind Voraussetzung für das Gelingen von Sozialen Nachbarschaften?
„„	Welchen Beitrag leisten Wohnprojekte für
die Nachbarschaft und wie können diese
gelingen?
Im ersten Teil der Broschüre nähern sich Fachleute aus der Wohnungs- und Sozialwirtschaft,
aus Forschung, Wissenschaft und Politik in ihren
Beiträgen den beiden Themenkomplexen gemeinschaftliche Wohnformen und Soziale Nachbarschaften.

Der dritte Teil nimmt den Weg hin zu Sozialen
Nachbarschaften in den Fokus. Die Schritte von
Wohnprojekten zur Miete oder in Genossenschaften werden praxisnah und kompakt anhand von Methoden, Abläufen und Hinweisen
transparent und allgemein verständlich aufbereitet. Neben einem Musterablauf werden Prozesse zur Gruppenbildung, Möglichkeiten der
Organisation und Kooperation sowie Spielräume
für die Entstehung lebendiger Nachbarschaften
beschrieben.
Mit der Vision zu Sozialen Nachbarschaften
2030 wird der innovative Ansatz der Quartiersentwicklung im Ausblick aufgezeigt. Abschließend geben weiterführende Links Anregungen zur Vertiefung der Thematik.

Berliner Wohnprojekte stellen sich im zweiten
Teil anhand ihrer Ziele, Realisierungswege,
Wohnorte sowie ihrer nachbarschaftlichen Aktivitäten im Quartier selbst vor. Diese Best-Practice-Beispiele setzen sich zusammen aus gemeinschaftlichen Wohnprojekten zur Miete,
Wohnprojekten mit innovativen Ansätzen hinsichtlich Organisations- und Kooperationsformen und Wohnprojekten mit besonderen inhaltlichen Ausrichtungen.

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Soziale Nachbarschaften
Eine Einführung
Soziale Nachbarschaften sind da, wo
Menschen zusammenwohnen, leben und
Gemeinschaft gestalten!
Wir sprechen von Sozialen Nachbarschaften,
wenn mehr als ein „Guten Tag“ möglich ist.
Wenn am Wohnort Kontakte unterschiedlicher
Intensität und Qualität - etwa in Bewohnertreffs - entstehen, wenn gemeinsame Aktivitäten im Stadtteil bzw. in der Nachbarschaft verabredet werden, wenn die Bewohner sich
gegenseitig im Alltag unterstützen, wenn Menschen aller Altersstufen in Gemeinschaft zusammen leben, wenn die Mieten auf Dauer kalkulierbar sind, wenn alle Generationen sich sicher und
ohne Barrieren begegnen können.

liche Beziehungen entstanden sind, müssen diese dauerhaft gepflegt werden. Dafür ist das Engagement von Menschen erforderlich, die mit
der Nachbarschaft vertraut und bereit sind als
„Kümmerer“, Ansprechpartner und Moderatoren zu agieren.

Noch bis vor 100 Jahren war Nachbarschaft
gleichbedeutend mit Familie/Verwandtschaft
und wurde durch berufliche und gesellschaftliche Zugehörigkeit geprägt. Die gewachsene Offenheit, die größere Mobilität, die beruflichen
und sozialen Entfaltungsmöglichkeiten sowie
die geforderte Flexibilität haben insbesdondere
in den großen Städten zu Nachbarschaften geführt, die zufällig zustande kommen und oft
durch Anonymität und „Nebeneinanderherleben“ gekennzeichnet sind.

Seit einigen Jahren werden immer öfter Menschen aktiv, die das Ziel verfolgen, gemeinschaftliches generationenübergreifendes Wohnen neu aufzubauen. Besonders augenfällig ist
dies bei Baugemeinschaften, die das gemeinschaftliche Planen, Bauen und Wohnen in den
Vordergrund stellen. Als Gruppe gestalten sie
ihren Wohnort mit Gemeinschaftsflächen und
planen das generationenübergreifende Zusammenleben. Viele Menschen können sich jedoch
das Wohnen in eigentumsbasierten Baugemeinschaften nicht leisten, wollen aber dennoch als
Hausgemeinschaften in Sozialen Nachbarschaften zur Miete oder in Genossenschaften leben.
Vorherrschend ist dabei der Wunsch, „allein“ in
der eigenen Wohnung und doch gemeinsam mit
anderen im Haus oder in der Nachbarschaft zu
leben. Wichtig ist den Menschen dabei die gegenseitige Akzeptanz und Unterstützung sowie
die Möglichkeit, sich in der Nachbarschaft und
im Stadtteil einzumischen und zu engagieren.

Seit geraumer Zeit ist eine andere Tendenz zu
beobachten. Auf die Phase der Individualisierung
in den 1990er Jahren folgte ein Trend zu mehr
Gemeinschaft, nachbarschaftlichen Aktivitäten
und gemeinschaftlichen Wohnformen. Ob sich
Soziale Nachbarschaften daraus entwickeln, ist
von äußeren Bedingungen und den jeweiligen
Eigeninitiativen abhängig. Wenn nachbarschaft-

Die wachsende Bedeutung von Nachbarschaften
haben auch die meisten kommunalen Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften
erkannt. Die Aktivierung von Nachbarschaften
bringt nachweisbar neben wirtschaftlichen auch
organisatorische Vorteile für die Wohnungsunternehmen. Viele Aufgaben können in ehrenamtliche Hände gelegt werden. Konflikte und

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Wohnen in Gemeinschaft | Soziale Nachbarschaften - Eine Einführung

Probleme in der Mieterschaft und im Wohnumfeld sind mit professioneller Hilfe oder aber auch
innerhalb der Gemeinschaft lösbar. Ihren Beitrag zur Aktivierung von Nachbarschaften leisten die Wohnungsunternehmen, indem sie beispielsweise Kiezkoordinatoren einsetzen,
Gemeinschaftsräume zur Verfügung stellen und
die Arbeit der Mieterbeiräte unterstützen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass die Wohnungsunternehmen auf die Anforderungen einer
immer älter werdenden Gesellschaft reagieren,
d.h. ihre Mieter wollen möglichst lange in der
eigenen Wohnung verbleiben. In der gewohnten
Nachbarschaft alt zu werden, wünscht sich eine
Mehrheit der Mieter. Um dies zu ermöglichen
sind aus und in der Nachbarschaft für das Wohnen im Alter entsprechende gemeinschaftliche
Wohnformen und wohnbegleitende Unterstützungsangebote zu entwickeln.

Die in zehn Berliner Bezirken von der Netzwerkagentur GenerationenWohnen c/o STATTBAU
GmbH eingerichteten Wohntische führen Menschen zusammen, die gemeinschaftlich wohnen
wollen und auf der Suche nach einer Gruppe
sind. Die Wohntische bieten Interessierten Gelegenheit, sich kennenzulernen, gemeinsame Aktivitäten zu starten und miteinander auf ein
Wohnprojekt hin zu arbeiten. Wenn sich eine
Gruppe gebildet hat, wird sie von der Netzwerkagentur bei der Klärung der Realisierungsmöglichkeiten ihres Wohnprojekts unterstützt. Zu
entscheiden ist beispielsweise, ob das Wohnprojekt in Kooperation mit einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft und -genossenschaft oder
durch die Gruppe selbst entstehen soll. Wenn der
Weg zum gemeinschaftlichen Wohnprojekt erfolgreich verlaufen ist, sind die Wohngruppen
nach dem Einzug Keimzellen für neue Soziale
Nachbarschaften.

Ansätze gemeinschaftlicher generationsübergreifender Wohnformen gibt es schon lange.
Anfang des 20 Jahrhunderts hat die Genossenschaftsbewegung bereits diverse Projekte realisiert. Es folgten seit den 1970er Jahren die studentischen Wohngemeinschaften. In den
1980/90er Jahren wurden dann Wohnmodelle
durch die Selbstbau- und Genossenschaftsbewegung initiiert und heute gibt es eine breite Palette an Wohnprojekten und Baugemeinschaften.
Die Idee des gemeinschaftlichen Wohnens ist der
Motor für all diese, z.T. sehr unterschiedlichen
Projekte. Weitere zentrale Zielfaktoren sind: eine
auf Dauer berechenbare, bezahlbare Wohnung
und eine organisierte „barrierefreie“ Kommunikation untereinander.

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Teil I
Der Blick von außen
Soziale Nachbarschaften und gemeinschaftliche Wohnformen

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Wohnen in Gemeinschaft | Teil I - Der Blick von außen

»Früher war Nachbarschaft Schicksal,
heute ist sie wählbar, früher war
Nachbarschaft eine räumliche Tatsache, die sich sozial organisiert, heute
ist sie eine soziale Tatsache, die sich
räumlich organisiert.«

Prof. Dr. Walter Siebel
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Ist Nachbarschaft heute noch möglich?
Die Antwort auf die im Titel gestellte Frage ist
ohne Umschweife: Ja. Menschen sind soziale Wesen. Ohne in soziale Beziehungen eingebettet zu
sein, könnten sie weder materiell noch psychisch
überleben. Soweit es sich um informelle Beziehungen handelt, beruhen sie auf Verwandtschaft, Freundschaft oder auf räumlicher Nähe.
Letztere nennt man Nachbarschaft. Aber welche
Qualität diese sozialen Beziehungen annehmen
und welche Rolle sie spielen, ist historisch wandelbar.
In vormodernen Gesellschaften war Nachbarschaft eine auf ökonomischer Notwendigkeit
beruhende, von sozialen Normen strikt geregelte
Gemeinschaft. Diese Form von Nachbarschaft
existiert nicht mehr. Im ersten Teil wird erklärt,
weshalb. Im zweiten Teil werden die heutigen
Formen nachbarlichen Verhaltens beschrieben.
Den Schluss bildet ein Ausblick in die Zukunft
von Nachbarschaft. Nachbarschaft wird es auch
in Zukunft und auch in der modernen Großstadt
geben. Sie kann wichtige Funktionen für bestimmte Gruppen erfüllen. Aber künftige Nachbarschaften werden wenig gemein haben mit
dem dichten und unentrinnbaren Geflecht sozialer und ökonomischer Abhängigkeiten in vormodernen dörflichen Nachbarschaften.

Das Ende vormoderner Nachbarschaft
Nachbarschaft lässt sich definieren als „eine soziale Gruppe, deren Mitglieder primär wegen der
Gemeinsamkeit des Wohnortes miteinander interagieren“ (Hamm 1973: 18). Nachbarschaft
meint ein soziales Beziehungsgeflecht aufgrund
räumlicher Nähe des Wohnens. Aber räumliche
Nähe für sich genommen schafft keine soziale
Beziehung. Sie ist nur eine technische Bedingung
von direkten, sogenannten „Face-to-Face“-Kontakten. Damit aus räumlicher Nähe soziale
Nachbarschaft werden kann, sind weitere, soziale Faktoren nötig: gemeinsame Interessen,
übereinstimmende Verhaltensnormen, Ähnlichkeiten der sozialen Lage und des Lebensstils. Der
räumlich nahe Wohnende muss auch sozial nahe
sein, damit eine Gemeinschaft der Nachbarn
entstehen kann. Das war in den Dörfern der Vormoderne selbstverständlich. Der Nachbar war
von gleichem Stand, arbeitete und lebte unter
denselben oder doch unter sehr ähnlichen Verhältnissen. Wer sich räumlich nah war, der war
sich auch sozial nah, man war denselben Nöten
und Zwängen unterworfen und zur Bewältigung
des eigenen Alltags unausweichlich aufeinander
angewiesen. Und man blieb meist sein Leben
lang Mitglied ein und derselben Dorfgemeinschaft. Nachbarschaft war Schicksal. Auf dieser
Basis ökonomischer Notwendigkeit, gleicher Interessenlage, sozialer Nähe und Unentrinnbarkeit entwickelten sich strenge Normen nachbarlichen Verhaltens, deren Einhaltung die Nachbarn
mit scharfen Sanktionen erzwingen konnten.
Diese objektive Basis hat Nachbarschaft heute
verloren. Man ist nicht mehr ökonomisch auf
seine Nachbarn angewiesen und man teilt mit
ihnen auch nicht mehr notwendigerweise dieselben Werte und Normen. Auch die Allmende, die
von den Nachbarn gemeinsam genutzt und verwaltet wurde, ist verschwunden. Mit der indust-

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riellen Urbanisierung wurde die Arbeit aus dem
Wohnzusammenhang herausgelöst und am gesonderten Ort, im Betrieb, organisiert. Damit
entstand erst das uns heute so selbstverständliche Gegenüber von Arbeits- und Freizeit. Es entstand auch das Gegenüber von Wohn- und Arbeitsort. Wohnung und Wohnumgebung wurden
zu Orten von Konsum und Freizeit. Nachbarschaft war keine Produktionsgemeinschaft
mehr. Damit schwand die ökonomische Angewiesenheit auf die Nachbarn. Die Gemeinsamkeiten mit den Nachbarn wurden auf das Leben
jenseits des Berufs eingeengt. Im Zusammenhang der Selbsthilfeaktivitäten beim Hausbau
finden sich auch heute noch produktive nachbarliche Hilfeleistungen, allerdings vornehmlich
auf dem Land, wo die Voraussetzungen für produktive informelle Arbeit eher vorhanden sind:
verfügbare Flächen und soziales Kapital aus der
Verwandtschaft und eben auch aus den Resten
traditioneller Nachbarschaft.
Wohlstand, moderne Kommunikations- und Verkehrsmittel und die sozialen Netze des Wohlfahrtsstaats machen nachbarliche Hilfssysteme
heute weitgehend überflüssig. Vereine, politische Parteien und öffentliche Institutionen decken einen Großteil der Kommunikationsbedürfnisse und Aktivitäten ab, die früher vornehmlich
innerhalb der Nachbarschaft stattfanden. Die
modernen Kommunikationsmedien schließlich
haben den Nachbarn als Informationsquelle entwertet. Informationen aus der Nachbarschaft
sind zum Klatsch heruntergekommen, dem
zahnlosen Restbestand jener einstmals mächtigen gegenseitigen Kontrolle unter Nachbarn.
Die Differenzierung der Berufe, die Individualisierung, die Pluralisierung der Lebensstile reduzieren heute auch die sozialen Gemeinsamkeiten unter den Nachbarn. Das hat die Chancen
verringert, innerhalb der Nachbarschaft Gleichgesinnte zu finden, mit denen man Bekannt-

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schaft und Freundschaft schließen möchte. Verwandte sind ebenfalls immer seltener auch
Nachbarn. Das zwingt dazu, seine Verkehrskreise über die ganze Stadt und weit darüber hinaus
auszudehnen. Soziale Beziehungen lösen sich
von unmittelbarer räumlicher Nähe. Solche Enträumlichung von Verwandtschaft, Bekanntschaft und Freundschaft ist technisch ermöglicht worden durch die modernen Verkehrs- und
Informationstechnologien, ökonomisch durch
steigenden Wohlstand und zeitlich durch die
Ausweitung der arbeitsfreien Zeit. Die räumliche
und zeitliche Trennung von Wohnen und Arbeiten bedingte, dass die mit Arbeit befassten nicht
oder nur entfernt verwandten Mitglieder den
Haushalt verließen: die Knechte und Mägde, die
Gesellen und Gehilfen. Zurück in der Wohnung
blieb die Kernfamilie von Vater, Mutter und Kindern. Damit entstand erst die Möglichkeit zur
Intimisierung einer privaten Sphäre in der Wohnung, die nun gegen den neugierigen und kontrollierenden Blick von außen abgeschirmt werden konnte. Der Blick des Nachbarn aber ist
besonders problematisch, weil man dem Nachbarn anders als dem flüchtig vorübergehenden
Fremden immer wieder begegnet. Also schützt
man seine Privatsphäre gerade gegenüber den
Nachbarn. Die Beziehungen werden versachlicht, man nimmt anders als früher nicht mehr
selbstverständlich am Leben der Nachbarn teil.

Heutige Formen nachbarlichen Verhaltens
Aus all diesen Gründen hat der Städter heute im
Vergleich zum vormodernen Dorf weniger und
weniger intensive Kontakte zu seinen Nachbarn.
Misst man sein Nachbarschaftsverhalten am
Maßstab der traditionalen Dorfgemeinschaft,
kann man nur noch Verfallsgeschichten erzählen. Das hat die konservative Stadtkritik getan,
die in der modernen Großstadt nur noch Vereinsamung und Anomie erkennen konnte. Aber der
normative Bezug auf das Modell traditionaler

Wohnen in Gemeinschaft | Teil I - Der Blick von außen
dörflicher Nachbarschaft führt dreifach in die
Irre:
Erstens wird die Realität des modernen Großstädters verzerrt. Der Großstädter ist keineswegs einsam, nur weil er weniger Kontakte zu
seinen Nachbarn pflegt. Er hat nicht weniger, er
hat vielmehr andere Kontakte, als es die vormoderne Nachbarschaft zuließ. Zweitens wird die
Qualität städtischer Kontakte verkannt. Die Ausweitung seiner Verkehrskreise weit über die engere räumliche Nachbarschaft hinaus hat die
Optionen der Städter enorm erweitert. Man
kann sich unter der Bevölkerung der ganzen Region und sogar darüber hinaus seine Freunde
und Bekannten auswählen und selbst zu den
entfernter wohnenden Verwandten hält man
enge Beziehungen aufrecht, wenn man nur will.
Moderne Kontaktnetze beruhen auf Wahlfreiheit, was auch beinhaltet, unerwünschte Beziehungen abbrechen zu können. Wahlfreiheit aber
ermöglicht intensivere Freundschaften als die
vorgegebenen Beziehungen innerhalb einer
Dorfgemeinschaft. Drittens verkennt der normative Rückbezug auf das vormoderne Dorf die
Anpassungszwänge der dörflichen Gemeinschaft. Stadtluft macht nicht zuletzt deshalb
frei, weil man als Städter nicht mehr den unentrinnbar dichten Kontrollen des Dorfes unterworfen ist. Die Stadt erlaubt ein Ausmaß an Individualisierung, das in der Enge der vormodernen
Dorfgemeinschaft undenkbar war.
Die These vom Funktionsverlust von Nachbarschaft gilt auch nicht für alle Stadtbewohner. Für
Kinder und alte Menschen ist Nachbarschaft
nach wie vor von großer Bedeutung, da sie über
die sozialen Kompetenzen und über die Mobilität
zum Aufbau und zur Stabilisierung von weiträumigen Kontaktnetzen noch nicht oder nicht
mehr verfügen. Für Frauen mit kleinen Kindern,
insbesondere für Alleinerziehende, aber auch für
Angehörige der Unterschicht gilt Ähnliches.

Dichte nachbarliche Beziehungen findet man
heute in Großstädten als Reste eines traditionellen Arbeitermilieus. Aber diese Milieus schwinden, weil die Armut, die die Arbeiter zusammenführte, ebenso geschwunden ist wie die
Homogenität der Lebenslagen, die eine wesentliche Voraussetzung für funktionierende Nachbarschaften ist.
Die Nachbarschaft hat also nicht für alle Stadtbewohner gleichermaßen an Bedeutung verloren. Menschen, die nur über geringe Kommunikations- und Mobilitätsmöglichkeiten verfügen,
sind auf lokal gebundene soziale Netze stärker
angewiesen. Aber heutige Nachbarschaftsgruppen sind typischerweise sehr klein, sie umfassen
selten mehr als fünf bis acht Haushalte, und sie
sind von geringer Verbindlichkeit. Umfang und
Intensität der nachbarlichen Kontakte hängen
ab von der Stellung im Lebenszyklus - Familien
mit kleinen Kindern sind stärker involviert als
Haushalte nach dem Auszug der Kinder -, von
der Fähigkeit zur Mobilität, von sozialer und kultureller Nähe, vom Alter und vom Einkommen:
Ein wohlhabender Haushalt besorgt sich seine
Hilfen über den Markt, nicht von den Nachbarn.
Nachbarschaft ist für Kinder, Alte, Behinderte,
Hausfrauen, Alleinerziehende und für Arme sehr
viel wichtiger als für einen gut verdienenden,
hochmobilen, unverheirateten Young Urban
Professional.
Deshalb sind Versuche, Nachbarschaften zu planen, wenig erfolgreich geblieben. Vor allem im
Zuge der Stadterweiterungen durch große
Wohnsiedlungen am Stadtrand war das Thema
Nachbarschaft unter Stadtplanern aktuell. Die
Planer hofften, im Konzept der Nachbarschaft
als einer auf räumlicher Nähe beruhenden Gemeinschaft ein soziales Fundament für ihre Neubausiedlungen gefunden zu haben. Die ersten
systematischen Versuche in diese Richtung wurden im Zuge der Planung der New Towns in Eng-

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land gemacht. Aber diese Hoffnungen haben sich
offensichtlich nicht erfüllt, auch wegen der anonymisierenden Architektur und weil diese Einheiten viel zu groß waren. Heute zielen vor allem
neuere sozialpolitische Strategien in Sanierungsgebieten darauf, informelle soziale Netze
unter den Nachbarn zu stärken. Solche Ansätze
sind wichtig für die Erneuerung von Problemquartieren, aber sie stoßen an enge Grenzen.
Gerade in diesen Gebieten ist das soziale Kapital
der Bewohner schwach: Arme können einander
kaum mit Geld helfen, Arbeitslose verfügen
kaum über Informationen über Arbeitsmöglichkeiten, weil sie keinen Zugang zu Betrieben haben. Und die Hoffnung, unter den problembeladenen Bewohnern könne sich eine tatkräftige
Solidarität entwickeln, ist weitgehend Illusion,
weil die Bewohner benachteiligter Quartiere unter sehr unterschiedlichen Problemen zu leiden
haben, mit dementsprechend unterschiedlichen
Interessen. Wenn sich trotzdem nachbarliche
Hilfsnetze entwickeln lassen, so sind sie fragil
und meist auf kontinuierliche Unterstützung
von außerhalb angewiesen.
Schließlich wurde schon mehrfach darauf hingewiesen, dass eine weitgehende soziale und kulturelle Homogenität gefordert ist, damit Nachbarschaft unter heutigen Bedingungen
funktionieren kann. Man wird seine Kinder nicht
Nachbarn zur Betreuung überlassen, wenn man
nicht darauf vertrauen kann, dass sie ähnlichen
Erziehungsprinzipien folgen wie man selbst. Wo
Nachbarschaften als soziales Beziehungsgeflecht dauerhaft funktionieren, findet man stets
eine weitgehende Übereinstimmung in Lebensstil, normativen Orientierungen, Interessen und
materieller Lage. Auch räumliche Arrangements
können nachbarliche Kontakte fördern, sie dürfen nur keine Kontakte erzwingen. Das würde
eher Bemühungen seitens der Bewohner hervorrufen, sich voneinander abzugrenzen. Gute
Nachbarschaft setzt eine auch räumlich gesi-

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cherte private Sphäre voraus. Deshalb sind durch
räumliche Arrangements erzwungene Kontakte
der Nachbarschaft eher hinderlich. Damit sich
eine der städtebaulichen Gestalt einer Siedlung
entsprechende soziale Basis im Sinne eines ortsgebundenen sozialen Beziehungssystems (Nachbarschaft) entfalten kann, ist zweierlei notwendig: eine Abstufung von privaten, halb
öffentlichen und öffentlichen Bereichen mit
sorgfältig gestalteten Übergangszonen und eine
bis in Feinheiten der Lebensweise reichende soziale Homogenität.
Soziale Homogenität allein garantiert jedoch
keine Nachbarschaft. In bürgerlichen Villenvierteln lässt sich trotz hoher sozialer Homogenität
ein Nachbarschaftsverhalten jenseits von Grußkontakten kaum nachweisen. Soziale Homogenität ist eine notwendige, keine hinreichende
Bedingung für funktionierende Nachbarschaften. Doch das stellt die Planer vor ein Dilemma.
Stadtplaner haben immer versucht, in ein und
derselben Siedlung Angehörige verschiedener
sozialer Schichten unterzubringen. Soziale Mischung im Stadtquartier sollte die gesellschaftliche Integration fördern, diente also auf der
Ebene der Gesellschaft demselben Ziel wie die
Planung von Nachbarschaftssiedlungen, nämlich der Integration. Man kann aber nicht gleichzeitig soziale Mischung und funktionierende
Nachbarschaft erreichen. Intensive Nachbarschaft durch Siedlungsbau, um das Individuum
sozial zu integrieren, steht im Widerspruch zum
Ziel der sozialen Mischung, um die Integration
der Gesellschaft zu stärken.

Die Zukunft von Nachbarschaft
Bislang war die Rede von Nachbarschaft als Lückenbüßer und als Aktionsraum für jene, die wie
Alte und Kinder keine Alternative haben. Es lassen sich aber drei Gruppen benennen, die Interesse an intensiveren Nachbarschaftsbeziehun-

Wohnen in Gemeinschaft | Teil I - Der Blick von außen
gen haben, als sie die oben geschilderten
höflich-distanzierten Formen nachbarlichen
Verhaltens gewähren.
In den 1970er und 1980er Jahren entstanden
zahlreiche Projekte geplanter Nachbarschaften,
die meist von höher qualifizierten jüngeren Paaren aus der Mittelschicht initiiert wurden, insbesondere von den Frauen. Diese wollten haushaltsübergreifende, nachbarliche Hilfsnetze
organisieren, um Hausarbeit, Kindererziehung
und Berufstätigkeit besser vereinbaren zu können. Hinzu kam das Interesse, Isolation und Anonymität zu vermeiden. So fügten sich sehr
praktische Überlegungen zur Entlastung der berufstätigen Frau durch Zusammenarbeit im
Wohnbereich und das Interesse an engerer Kommunikation zu einem Idealbild gelungener Nachbarschaft. Diese Nachbarschaften haben umso
besser funktioniert, je höher die soziale und kulturelle Homogenität der Beteiligten war, also auf
Basis einer sehr feinkörnigen sozialen Segregation.
Diese neuen, inszenierten Nachbarschaften junger Familien sind ein Beispiel für gewolltes Nahebeieinander-Wohnen von Menschen ähnlicher
Lebenslagen und Interessen. Ein vergleichbares
Phänomen findet sich in den Kolonien der Zuwanderer. Auch in deren Quartieren bilden sich
häufig engere nachbarliche Kontaktnetze. Dahinter verbergen sich oftmals Verwandtschaftssysteme, die sich über räumliche Nähe zu festigen suchen, es kann sich aber auch um
importierte Nachbarschaften handeln, wenn
Angehörige desselben Dorfes im Herkunftsland
sich in der Fremde wieder als Nachbarn niederlassen. Zuwanderer ziehen möglichst dorthin,
wo sie Verwandte oder Bekannte finden, das
Phänomen der „Kettenwanderung“. Der neu Zugewanderte, der typischerweise noch nicht in
den Arbeitsmarkt und die sozialstaatlichen Netze integriert ist, findet hier Hilfen, erste, häufig

informelle Arbeitsmöglichkeiten, Menschen, die
seine Sprache sprechen, Schutz vor Isolation und
Informationen über die neue Umgebung. Solche
ethnischen Nachbarschaften sind Brückenköpfe
vertrauter Heimat in der Fremde, die den Schock
der Migration mildern und so wichtige Funktionen im Prozess der Integration erfüllen.
Neben dem Wunsch von Frauen, Beruf und Familie besser zu vereinbaren, und neben der besonderen Angewiesenheit von Zuwanderern auf
ethnisch gestützte Nachbarschaften wird auch
die Alterung der Bevölkerung die Bedeutung von
Nachbarschaften stärken. Alter ist in unserer
Gesellschaft sozial definiert als die Zeit nach der
Berufstätigkeit. Die sozial definierte Phase des
Alters dauert heutzutage aufgrund der längeren
Lebenszeit zwischen 20 und 30 Jahre. Diese historisch einmalig lange Zeit des Alters wird zu
drei Vierteln der wachen Zeit in der eigenen
Wohnung und der näheren Wohnumgebung verbracht, weil der Hauptgrund, das Wohnquartier
zu verlassen, die Berufstätigkeit, fort gefallen
ist, später dann auch aufgrund eingeschränkter
Mobilität. Dabei dominiert ein Wunsch: in der
eigenen Wohnung, in der gewohnten Umgebung
und in der vertrauten Nachbarschaft alt zu werden. Der demografische Wandel wird deshalb die
Bedeutung des Wohnquartiers und der Nachbarschaft enorm verstärken.
Zuwanderer sind einander wichtige Nachbarn.
Typisch für alle Einwanderungsstädte ist deshalb ein Mosaik „urbaner Dörfer“, in denen Einwanderer ein Stück Heimat finden können. Der
demografische Wandel kann dazu beitragen,
dass Menschen wieder mehr und schon sehr früh
in das soziale Kapital einer funktionierenden
Nachbarschaft investieren, ähnlich wie das in
den Projekten gemeinsamen Wohnens junger
Familien der Fall ist. Nachbarschaft verschwindet keineswegs, aber sie nimmt neue Formen an.
Früher war Nachbarschaft Schicksal, heute ist

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sie wählbar, früher war Nachbarschaft eine
räumliche Tatsache, die sich sozial organisiert,
heute ist sie eine soziale Tatsache, die sich
räumlich organisiert.
Literatur

Bernd Hamm (1973): Betrifft: Nachbarschaft. Verständigung
über Inhalt und Gebrauch eines vieldeutigen Begriffs. Düsseldorf: Bertelsmann Fachverlag.

Anmerkung

Der Beitrag von Prof. Dr. Walter Siebel stellt eine gekürzte
Fassung seines gleichnamigen Aufsatzes aus dem von Dr.
Daniel Arnold im Callwey Verlag herausgegebem Buch
„Nachbarschaft“ aus dem Jahr 2009 dar. Für die Möglichkeit
der Zweitveröffentlichung möchten wir uns bei allen Beteiligten recht herzlich bedanken.

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Wohnen in Gemeinschaft | Teil I - Der Blick von außen

»Im Nachgang der Finanz- und Immobilienkrise 2008 haben sich unterschiedlichste Initiativen gegründet
oder wieder Fahrt aufgenommen, die
sich für eine am Gemeinwohl orientierte Stadtteil- und Immobilienentwicklung einsetzen wollen.«
»Ob kleinere Wohn- oder größere
Nachbarschaftsprojekte auf Quartiersebene, sie alle benötigen eine
kommunalpolitische Basis, die ihnen
Zugang zu Grundstücken, Fördermitteln oder verschiedenen Ämtern in der
Stadtverwaltung erleichtern.«

Frauke Burgdorff und Oliver Brügge
Montag Stiftung Urbane Räume gAG

Gemeinwohlorientierte
Stadtteilentwicklung
Im Nachgang der Finanz- und Immobilienkrise
2008 haben sich unterschiedlichste Initiativen
gegründet oder wieder Fahrt aufgenommen, die
sich für eine am Gemeinwohl orientierte Stadtteil- und Immobilienentwicklung einsetzen wollen. Sie initiieren alternative Wohnprojekte, engagieren sich für eine andere Bodenpolitik,
bringen sich in die Quartiersentwicklung ein und
suchen nach Perspektiven alternativen Wirtschaftens und Zusammenlebens in der Nachbarschaft. Wer sind diese Initiativen, was haben sie
vor, sind sie Partner oder Gegner kommunaler
Prozesse? Und welche Bedeutung könnten sie
für die Stadtteilentwicklung haben?

Ursachen der Bewegungen
Die Politik des ausgehenden 20. Jahrhunderts
hat nicht nur zur Aufhebung der Gemeinnützigkeit in der Wohnungswirtschaft geführt, sondern
vor allem auch dazu, dass Länder und Kommunen ihre Wohnungsbestände zur Konsolidierung

ihrer Haushalte eingesetzt haben. Der im Jahr
2008 vollzogene Verkauf von mindestens 93.000
LEG-NRW-Wohnungen an ein Konsortium aus
Whitehall, Goldmann Sachs und Perry Corp mit
anschließendem Börsengang im Jahr 2013 oder
der Verkauf von 48.000 kommunalen Wohnungen in Dresden an Fortress sind und waren nur
die Spitze des Eisbergs. Hinzu kommen die Pensionsfonds und die privaten Anleger, die die Renditen aus Immobilien benötigen, um die privatisierten Renten zu sichern. Doch nicht nur die
Wohnungsbestände, sondern auch der Boden
wurde von Bund, Land und Kommunen nicht selten meistbietend verkauft und somit privaten
Renditeinteressen zur Verfügung gestellt, um
kurzfristig Finanzlöcher in den Haushalten zu
stopfen. Parallel dazu entwickelte sich die internationale Immobilienblase zu einer bedrohlichen Größe und war sicher einer der Treiber für
den Zusammenbruch der Finanzmärkte im Jahr
2008. Der dadurch ausgelöste Schock hat zwar
nicht zu einer wirklich alternativen Finanzwirtschaft geführt, aber vielen bereits bestehenden
Initiativen neues Feuer gegeben. Darunter finden sich vielfältige und bunte Vorhaben, die sehr
unterschiedliche Wurzeln, Motivationen und
entsprechend auch unterschiedliche Ziele und
Formate haben. Sie alle verstehen sich als Organisationen, die mit einem besonderen Anspruch
an das Gemeinwesen und das Gemeinwohl wirken. Die einen kämpfen für günstige Mieten, die
anderen für selbstbestimmtes Wohnen, wiederum andere für urbane Gärten und einige wenige
auch für eine heterogene Stadtgesellschaft in
lebendigen Nachbarschaften. Gemeinsam ist ihnen, dass sie zivilgesellschaftlich motiviert sind,
das heißt, dass ihr Engagement freiwillig ist, keine Gewinnerzielungszwecke hat und nicht staatlich gesteuert ist. Gemeinsam ist einigen von
ihnen auch, dass sie sich in das Quartier und die
Stadtentwicklung einbringen und einmischen
wollen und somit weit mehr als „reine“ Wohnprojekte oder Baugemeinschaften sind, die zu

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ihrem eigenen Nutzen investieren. Ein spezifischer Blick auf drei jüngere Bewegungen zeigt
alternative Handlungsansätze, die neben den
gängigen, scheinbar unveränderlichen und suggeriert alternativlosen Wirtschafts- und Wirkungsmechanismen bereits erfolgreich operieren.

Die Spekulationsbremser
Mindestens drei jüngere Organisationen im
deutschsprachigen Raum haben sich zum Ziel
gesetzt, Boden und Wohnungen explizit der Spekulation zu entziehen und darin in den letzten
beiden Dekaden eine erfolgreiche Praxis entwickelt. Die Stiftung Trias nutzt das Instrument des
Erbbaurechts für alternative und inklusive
Wohnprojekte. Sie erwirbt den für die Projekte
notwendigen Boden mit Projektmitteln und Mitteln Dritter und legt über einen Erbbaurechtsver-

trag fest, wie die Immobilien bewirtschaftet werden sollen. Bis heute hat die Stiftung auf diese
Weise 27 Projekte auf den Weg gebracht und
wächst in den letzten beiden Jahren rasant. Die
Stiftung Edith Maryon aus der Schweiz konzentriert sich auf die Förderung günstigen Wohnraums und stiftet oder erwirbt - immer wieder
auch in Kooperation mit der Stiftung Trias und
dem Mietshäuser Syndikat - den Boden, auf dem
die Projekte stehen. Das Mietshäuser Syndikat
hat es geschafft, in den letzten 30 Jahren einen
Unternehmensverbund von nunmehr knapp 100
Hausprojekten und Projektinitiativen aufzubauen, die - jede für sich - selbstorganisiert wohnen
und solidarisch wirtschaften. Der Verbund sichert jedem einzelnen Projekt zu, dass die einmal erworbenen Immobilien nicht zu spekulativen Zwecken weiter veräußert werden können
und sich alte, entschuldete Hausprojekte solidarisch zu jüngeren verhalten.

Auf den Werkstätten "Neue Nachbarschaft" wird Rat für engagierte Immovielien-Initiativen organisiert

20

Wohnen in Gemeinschaft | Teil I - Der Blick von außen

Die „neuen“ Genossenschaften
Nach den großen Gründungswellen des Genossenschaftswesens der 1920er Jahre waren immer wieder kleinere Wohngenossenschaftsoffensiven zu beobachten, die sich über das
private Wohl ihrer Mitglieder hinaus für günstigen Wohnraum oder nachbarschaftliches Zusammenleben engagierten. So hat zum Beispiel
in den 1980er Jahren die WOGE Nordstadt eG in
Hannover den Grundstein dafür gelegt, dass in
der mittlerweile hochpreisigen Hannoverschen
Nordstadt dauerhaft günstige Wohnräume für
rund 470 Nutzer in teilweise lebendigen Hausgemeinschaften erhalten bleiben. In den 1990er
Jahren hat sich in München neben anderen die
WOGENO als Dachgenossenschaft für Hausprojekte gegründet, die günstigen und selbst bestimmten Wohnraum sichern wollen - bis heute
in insgesamt 450 Wohnungen. Vor allem diese

beiden - aber natürlich auch die zahlreichen kleinen und mittelgroßen Genossenschaften, die
sich in den vergangenen Jahren in Berlin, München und Hamburg gegründet haben - leisten
sowohl implizite als auch explizite Beiträge zu
einer gemeinwohlorientierten Stadtteilentwicklung, indem sie versuchen, langfristig günstigen
Wohnraum zu sichern, den Kern von lebendigen
und stabilen Nachbarschaften bilden und, anders als manche rein private Baugemeinschaft,
als gute, weniger eigennützig agierende Ansprechpartner für kommunale Institutionen
wahrgenommen werden.

Die „koproduktiven Stadtteilentwickler“
In den letzten Jahren entwickelt sich eine neue
Szene von Projekt- und Stadtentwicklungsprojekten mit kommunalen und gemeinnützigen
Trägern, die - u.a. mit öffentlicher Förderung -

Die Huppertsbergfabrik ist Vorreiter für die Verbindung von Gewerbemietverträgen und nachbarschaftlichem Engagement

21

Immobilien erwerben, um sie gemeinnützigen
Interessen zur Verfügung zu stellen sowie gegebenenfalls erwirtschaftete Renditen dem Gemeinwesen zukommen zu lassen. Mit Unterstützung des NRW-Landesprogramms „Initiative
ergreifen - Bürger machen Stadt“ konnten sich
in Nordrhein-Westfalen bereits einige Vorreiterprojekte etablieren. Diese bewirtschaften Fabriken, Gemeinschaftshäuser oder alte Bahnhöfe
zur Bereicherung des Gemeinwesens. Eins davon
ist die Huppertsbergfabrik in Wuppertal, die als
erste Gewerbemietverträge entwickelt hat, mit
denen die Mieter verpflichtet werden, stadtteilrelevante Beiträge für das Gemeinwohl zu leisten. Beratung und Unterstützung erhalten diese
und weitere Initiativen, die sich für „Immovielien
- Immobilien von vielen für viele“ einsetzen,
auch durch das Programm „Neue Nachbarschaft“ der Montag Stiftung Urbane Räume. Auf
der Internetplattform www.neue-nachbarschaft.
de finden sie eine Heimat im virtuellen Raum
und haben die Möglichkeit, über Werkstätten, in
Zukunft vielleicht sogar über einen Verein, Teil
einer Community und eines Beratungsnetzwerks
zu werden. Die stetig wachsende Gruppe engagierter Nachbarn, die sich als Privatleute oder
mit Hilfe von Stiftungen, Kirchen und Wohlfahrtsverbänden organisieren und erfahren,
dass ihr Engagement dann besonders wertvoll
ist, wenn es bunte und heterogene Nachbarschaften unterstützt und von einer oder mehreren Immobilien als Basis getragen wird, stimmt
optimistisch.

Investition und Stadtteilentwicklung
noch enger verbinden
Alle diese Projekte - ob Mietshäuser Syndikat,
Wohngenossenschaften oder andere „Neue
Nachbarschaften“ - werden natürlich die Stadtentwicklungswelt nicht grundsätzlich verändern
können. Der Beitrag aber, den sie für die Reflexion und Weiterentwicklung von Stadtteilentwick-

22

lungsprozessen leisten können, sollte nicht unterschätzt werden. Das „nachbarschaftliche
Gen“, das sie mal auf das gesamte Viertel, mal
auf die Gemeinschaft und Solidarität in Häusern
oder Wohnkomplexen übertragen, sei an einem
Beispiel verdeutlicht, das wir, die Montag Stiftung Urbane Räume, selbst ins Leben gerufen
haben.

Nachbarschaft Samtweberei in Krefeld
Die Montag Stiftung Urbane Räume hat von der
Stadt Krefeld eine alte Samtweberei im Erbbaurecht erworben, die sie mit der eigens gegründeten Projektentwicklungsgesellschaft Urbane
Nachbarschaft Samtweberei gGmbH ausschließlich zu gemeinnützigen Zwecken entwickelt. Das
Ziel ist, mit einer plausiblen Rendite und mit
Nutzern, die sich im Stadtteil engagieren, nachhaltige Impulse für das Gemeinwesen zu setzen.
In Zukunft sollen die Überschüsse aus der Immobilienbewirtschaftung die Gemeinwesenarbeit
im Viertel finanzieren, während sich gleichzeitig
die gewerblichen Nutzer dazu verpflichten, sich
eine Stunde pro gemieteten Quadratmeter im
Jahr für Stadtteilprojekte zu engagieren. Parallel
wurde ein kleiner Fonds aufgelegt, der Anreize
für die Umsetzung nachbarschaftlicher Projekte
schafft und damit einen kleinen Beitrag zur
„echten“ Teilhabe und Mitbestimmung der Menschen an der Entwicklung ihres Gemeinwesens
leistet. Damit steht das Projekt auf drei Säulen:
erstens der Entwicklung einer Immobilie mit
dem Ziel, Gewinne zu erwirtschaften, zweitens
der Nutzung der Gewinne für die Nachbarschafts- und Gemeinwesenarbeit im Viertel auch durch die Nutzer und Bewohner des Objektes, die sich drittens aktiv für den Stadtteil
engagieren. Gegenwärtig scheint diese Strategie
zu greifen - mit großen Wirkungen sowohl in die
Stadtverwaltung als auch in den Stadtteil hinein.
Die Immobilie ist der Impuls, auf den viele Nachbarn gewartet haben. Innerhalb eines Jahres

Wohnen in Gemeinschaft | Teil I - Der Blick von außen
sind mit einem Fonds von weniger als 5.000 Euro
mehr als 15 selbstorganisierte nachbarschaftliche Projekte entstanden, die das Leben der Menschen und deren Zusammenhalt unmittelbar
bereichern. Die hohe Komplexität des Projekts
an der Schnittstelle von nachbarschaftlichen
Prozessen, immobilienwirtschaftlicher Investition und öffentlicher Förderung erfordert jedoch
ein Höchstmaß an Erfahrung und Sachverstand
in der Projektsteuerung. Ein weiterer wichtiger
Erfolgsfaktor ist die Unterstützung und Zusammenarbeit mit der Stadt Krefeld, die den Erbbauzins so lange nicht erheben wird, wie das Projekt
erstens gemeinnützig bleibt, zweitens die Stiftungsgruppe die investierte Million Euro Initialkapital im Projekt belässt und sich drittens das
Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen des
Strukturförderprogramms „Stadtumbau West“
zusätzlich mit einer weiteren substantiellen Million Euro aus der Städtebauförderung sowie
mehreren Hunderttausend Euro aus der Wohnraumförderung in das Projekt einbringt. Das Gesamtprojekt umfasst über seine mehrjährige
Laufzeit ein Gesamtvolumen von rund neun Millionen Euro, die in die Immobilie und das Gemeinwesen im Samtweberviertel investiert werden.

falls in Leipzig mischt sich der „Haus und Wagen
Rat e. V.“ in die strategische Stadtentwicklungspolitik ein, um auf die Vergabe von Liegenschaften Einfluss zu nehmen und sich für die Einrichtung von Bodenfonds für nachbarschaftlich oder
sozial orientierte Wohnprojekte einzusetzen.
Und, nicht zu vergessen, in Berlin fordern zivilgesellschaftliche Initiativen eine andere Vergabepraxis des Liegenschaftsfonds.
Teilweise, wie in Leipzig der Fall, treffen diese
Initiativen bereits heute schon auf offene Türen
in der Stadtverwaltung, teilweise müssen jedoch
noch dicke Bretter gebohrt werden, um Gehör zu
finden und ernst genommen zu werden. Häufig
stehen Kommunen, die kommunale Wohnungswirtschaft und auch die freie Immobilienwirtschaft Initiativen kritisch gegenüber. Sie sind

Gemeinwohlorientierte Stadtteilentwicklung mit neuen Partnern Chance oder Chimäre?
Ob kleinere Wohnprojekte oder größere Nachbarschaftsprojekte auf Quartiersebene: Sie alle
benötigen eine kommunalpolitische Basis, die
ihnen den Zugang zu Grundstücken, Fördermitteln oder verschiedenen Ämtern in der Stadtverwaltung erleichtert. Auch hier kann die Zivilgesellschaft eine treibende und innovative Funktion
übernehmen. In Leipzig konnte sich der Lindenauer Stadtteilverein z.B. als Bürgerverein für
das Management des eigenen Quartiersbüros
bewerben und hat den Zuschlag erhalten. Eben-

Eröffnung der Alten Samtweberei

23

entweder der Meinung, dass „das eine Prozent“
der Immobilienmärkte keine Relevanz für die
großen Fragen einer gerechten Wohnraumversorgung und einer chancengerechten Stadtteilentwicklung hat, oder sie sind skeptisch, weil
ihnen die Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse zu basisdemokratisch und damit nicht
steuerbar erscheinen. Die alternativen Projekte
kritisieren im Gegenzug die Akteure der bestehenden Macht- und Wirtschaftsstrukturen, denen sie nicht selten Innnovationsbereitschaft
und vor allem die politische Unabhängigkeit absprechen.
Der wechselseitigen Zurückhaltung liegen häufig pauschalisierende Urteile zugrunde, die weder zur Verständigung noch zu einem effektiven
Erreichen der gemeinsamen Ziele beitragen. Gerade die kommunal geprägte Wohnungswirtschaft muss den in den meisten Gemeindeordnungen begründeten Auftrag, für das Allgemeine
und nicht für das private Wohl zu wirtschaften,
ernst nehmen. Hier kann diese - gerade was das
Aufbauen und Zusammenwirken von Nachbarschaften betrifft - eine Menge von zivilgesellschaftlichen Initiativen lernen. Aber auch die zivilgesellschaftlichen Initiativen müssen im Blick
behalten, dass die Stadtgesellschaft „die Großen“ braucht, um günstigen Wohnraum für viele zur Verfügung zu stellen. Auch müssen sie sich
bewusst sein, dass sie allein kurzfristig weder die
Mechanismen und Mechaniken der Immobilienmärkte verändern noch massenhaft günstigen
Wohnraum erzeugen können. Was sie hingegen
gut können, ist wertvolle Inspirationen, Nischen
und Korridore zu schaffen, mit deren Hilfe vor
allem die öffentlichen Hände alternatives Wirtschaften und günstige Wohnraumversorgung im
nachbarschaftlichen Kontext befördern - sei es
durch die Vergabe von Grundstücken, die Förderung von Moderationsprozessen, die Absicherung von Risikokapital oder durch den wechselseitigen Know-how-Transfer.

24

Interessanterweise finden solche kooperativen
Prozesse im Moment vor allem dort Raum, wo
Märkte indifferent sind oder sogar schrumpfen.
Wenn - wie z.B. in Gelsenkirchen-Ückendorf - ein
Markt einzubrechen droht, braucht es die gesammelten Kräfte der Wohnungswirtschaft, der
Zivilgesellschaft und der Kommune, um einen
Stadtteil wieder „an Bord“ zu holen. Diese werden im Moment in der sehr interessant konstruierten Stadtentwicklungsgesellschaft Gelsenkirchen (SEG) gebündelt. Und wenn - wie in
Bergheim - eine kleine Großwohnsiedlung vor
großen wohnungswirtschaftlichen und sozialen
Herausforderungen steht, scheint es sinnvoll,
dass der Stadtumbauprozess von einer Entwicklungsgesellschaft gesteuert wird, die aus dem
Jugend- und Sozialamt in Kooperation mit Vereinen vor Ort entstanden ist.
Von besonderer Bedeutung ist bei diesen beiden
Beispielen - und mit Blick auf die Nachbarschaft
Samtweberei in Krefeld -, dass Investitionen und
Gemeinwesenarbeit miteinander verbunden
werden. Vielleicht können diese Inspirationen
auch für die eine oder andere Berliner Initiative
interessant sein, die in Zukunft strukturell an
einer gemeinwohlorientierten Stadtteilentwicklung mitwirken und nicht „nur“ unter der Fahne
des Urban Commoning ein weiterer Motor für
Aufwertungsprozesse sein will.

Wohnen in Gemeinschaft | Teil I - Der Blick von außen

»Es wird neue Formen von Gemeinschaft geben, neue Verantwortung für
Menschen, die nebenan wohnen und
es wird neue Technologien und neue
Experimente des Zusammenlebens
geben. Wir dürfen nicht nur gespannt
dabei sein, wir dürfen gestalten!«

Mario Hilgenfeld
BBU Verband Berlin-Brandenburgischer
Wohnungsunternehmen e. V.

Wohnungswirtschaft 2.1 Zukunft beginnt heute
Die Wohnungswirtschaft im 21. Jahrhundert
steht vor zahlreichen neuen Herausforderungen. Sicher scheint dabei nur, dass Menschen
auch zukünftig möglichst eigenständig in Wohnungen mit vier Wänden und einem Dach über
dem Kopf leben möchten und dass sich an der
Grundform, sozusagen dem Urtypus, einer Wohnung mit zentralen Funktionen wie Schlafstätte,
Arbeits- und Erholungsort und natürlich Kochstelle und Waschgelegenheit nicht viel ändern
wird. Doch Wohnungen der Zukunft müssen
mehr als diese Grundfunktionen leisten. Umfangreiche Ausstattungs- und Komfortmerkmale spielen hier genauso eine Rolle, wie Fragen
zum Miteinander und der Sozialen Nachbarschaft.
Nachfolgend sollen nur einige Aspekte des weit
gespannten Themas „Wohnen” aufgegriffen
und u.a. die Fragen beleuchtet werden, was die
Mieter wünschen und wie die verschiedenen
Wohnungsanbieter reagieren? Dabei sollen insbesondere die prosperierenden Städte in den
Fokus genommen werden. Fast 73% der Gesamtbevölkerung leben inzwischen in den 2.064 Städten in Deutschland. Städtisches Wohnen ist ohne
Zweifel attraktiv: Der Mensch als Herdentier

wohnt gerne gemeinschaftlich und doch fühlen
sich viele Menschen in der Welt von heute einsamer als je zuvor. Der moderne Mensch benötigt
neben Arbeit, Bildung und Infrastruktur auch
Orte der Begegnung, der Kunst und Kultur. Doch
Teilhabe an diesen Dingen setzt immer auch
Teilnahme(-möglichkeit) voraus.

Herausforderungen der Zukunft die Lösung heißt Vielfalt
Die Wohnungswirtschaft setzt sich bereits seit
etlichen Jahren intensiv mit den zentralen Herausforderungen der Zukunft auseinander z.B.:
„„ Was bringt der demografische Wandel?
Älter, weniger, bunter und sonst?
„„ Wie geht man mit dem sozialen Wandel um?
„„ Wie gestaltet man eine Energiewende richtig?
„„ Was bringt die digitale Revolution?
„„ Wie viel Spielraum für Investitionen gibt es?
„„ Wer soll das alles bezahlen, angesichts divergierender Erwartungshaltungen und der
rechtlichen Rahmenbedingungen?
„„ Welche Erwartungen haben Nutzer/Mieter
überhaupt?

Die Antworten auf diese Fragen sind vielschichtig und nur selten aus einem einzigen Blickwinkel sinnvoll zu beantworten. Schauen wir uns
exemplarisch die Frage der Erwartungen an das
Wohnen aus Sicht der Nutzer/Mieter näher an:
In einer Studie der RWTH Aachen im Auftrag der
Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
und Umwelt wurden besondere Wohnprojekte
als Beleg für die Bandbreite möglicher Reaktionen auf gesellschaftliche, strukturelle und wirtschaftliche Veränderungen untersucht. Mit den
Achsen „Wahlfreiheit“ und „Gemeinschaft“ ergab sich ein außerordentlich vielfältiges und
durchaus zutreffendes Bild der aktuellen Lebensumstände und der sich daraus ergebenden
Anforderungen an das zukünftige Wohnen.

25

Angesichts einer solchen Breite von Bedürfnissen an die individuelle Wohnung bzw. Wohnform
kann die Lösung hierfür nur in ebenso vielfältigen Wohnungsangeboten liegen. Die Wohnungsunternehmen haben dies erkannt und dementsprechend umgesteuert. Sie passen ihre
Wohnungsbestände nach Bedarf an und wagen
dabei auch das eine oder andere „Experiment“.
So gibt es z.B. Wohngemeinschaften aller Art
und besondere Wohnangebote für Senioren oder

Jugendliche, Asylbewerber und Flüchtlinge, Menschen mit Handicap, Studenten oder besondere
soziale Zielgruppen. Diverse Dienstleistungen
rund um das Wohnen werden seitens der Bewohner als zusätzliche Erwartung an die Wohnungsanbieter formuliert und je nach Unternehmen
auch angeboten (zum Teil in Zusammenarbeit
mit spezialisierten Partnern und gemeinnützigen Trägern).

individuelle
Selbstverwirklichung

gem. Alltagsaufgaben
bewältigen

„Frei, doch
nicht allein!“
aktive Nachbarschaft

Ressourcen
schonen

ethnisch/
kulturelle
Communiity
gemeinsame
Philosophie/
Programmatik

Gemeinsam aus
Überzeugung
Ganzheitliche
Lebenskonzeptes
gleiche
Rechte

bewachte
Wohnanlage

Gleichgesinnte
unter sich
Rollenverständnis

selbstgewählte
Gruppenzusammensezung

bewusster
Verzicht

Know-How
teilen

Inklusion

gemeinsam
bauen

betreutes
Wohnen

Therapeutische
Wohngemeinschaften

Nicht allein,
nicht ins Heim

Demenzwohnen

ambulante
Pflege
teilstationäre
Pflege

private Baugruppe
betreute
Baugruppe

living-aparttogether

Wohnen als
Zwischennutzung

Kosten sparen
„Hilfe zur
Selbsthilfe“
informelles
Wohnen

Substandard
als Muss

26

Effizienz
steigern

Leiharbeiter
Wohnnungsnotfälle

Gemeinschaft

prekäre
Arbeitsverhältnisse

Selbstbau
selbstbestimmt alt
werden

Diversifikation

Job-Nomaden
Einmieten auf
Zeit

getrennt
wirtschaften

Gemeinsam aus
Pragmatismus

Raum/Flächen
teilen ...

integrierte
Versorgungsgebiete

Wohngruppen

Dienstleistungen im Tausch

Wohnen auf
dem Wasser

„zu Hause ist
woanders“

Co-Working
the second
part of life

Wohntraum
Einfamilienhaus

Wohnen mit
Service &
Technik

Andere
Lebensrhythmen

finanzielle
Mischung

ungewöhnliche
Orte

Nutzungsfreiheit

Das mobile
Zuhause

Wohnen
minimal

„Do it yourself!“

Transit-Architektur

Neubau-Loft

wenig Fläche,
hohe Dichte
soziale Mi schung

Sozial gemischt
und integriert

Wohnen ohne
Grundstück

Substandard
als Image

Qualitätsbewusstsein

Der ganz
persönliche
Traum

Loft-Prinzip

viel Fläche,
geringer
Ausbau

Schutz der
Privatspphäre

generationsübergreifend

Integration
Hilfsbedürftiger

Repräsentation/
Extravaganz

Abgrenzung

Wertvorstellung

Gemeinschaftsräume/
flächen

Stadtteilarbeit

abseits der
Norm

Gated
Community

Sicherheitsbedürfnis

Suffizienz-Ansatz

Rechtsunsicherheit (ohne
Vertrag)

Quelle: RWTH Aachen (2012): IBA Berlin 2020. Kurzüberblick/Projektrecherche "Besondere Wohnformen". O.A., S. 22.

Wahlfreiheit

Besondere Wohnformen: Cluster - Intentionen und Merkmale

Wohnen in Gemeinschaft | Teil I - Der Blick von außen
Abhängig von finanziellen Spielräumen und je
nach gesellschaftsrechtlichem Hintergrund der
Unternehmen bilden sich Schwerpunkte und
Spezialisierungen bei den Wohnungsangeboten
heraus. Es geht um die Frage, wer kann und wer
muss auf welche Anforderungen und Entwicklungen im Wohnungsmarkt wie reagieren?

Kommunale Wohnungsunternehmen Lückenbüßer staatlicher Defizite
Der „Wohnungshype“ in den Ballungszentren
führt aktuell zu einer Neujustierung der Aufgaben und Perspektiven für die kommunalen Wohnungsunternehmen. „Gutes Wohnen für breite
Schichten der Bevölkerung“ als zentrale Aufgabe
wird unter dem Blickwinkel der Daseinsvorsorge
für soziale Zielgruppen und einer möglichen
Stadt- und Sozialrendite neu bewertet. Manche
Kommunen verlagern städtische Aufgaben der
Stadt- und Quartiersentwicklung auf die eigenen
Unternehmen. Dabei wird den kommunalen
Wohnungsunternehmen ein erheblicher Spagat
zwischen Gemeinnützigkeit und Wirtschaftlichkeit abverlangt. Nur nachhaltig und wirtschaftlich gut aufgestellte Unternehmen werden auf
Dauer in der Lage sein, die Mieten bezahlbar zu
halten, dabei ihre Bestände zeitgemäß weiterzuentwickeln und noch für die soziale Stadtentwicklung Verantwortung zu schultern.
Die Lebensqualität gerade in den großen Ballungszentren wird zunehmend von „weichen“
Standortfaktoren im Quartier bestimmt. Sozialer Frieden, Sicherheitsempfinden, gute Nachbarschaften sowie ein vielfältiges Bildungs-,
Kultur- und Sportangebot sind wichtige Voraussetzungen für das Wohlbefinden der Mieterinnen und Mieter. In den städtischen Wohnvierteln
ist zunehmend eine multiethnische und multikulturelle Mieterschaft zu Haus. Die kommunalen Wohnungsunternehmen, zumeist auch Eigentümer der großen Wohnsiedlungen, tragen

dabei eine große Verantwortung dafür, dass
Menschen unterschiedlicher Herkunft und verschiedener sozialer Milieus in stabilen Nachbarschaften gut miteinander auskommen.
Im Ergebnis unterstützen die Unternehmen mit
vielfältigen Projekten zunehmend das Zusammenleben im Quartier. So werden beispielgebend Mieter-/Quartiersbeiräte gebildet, mancherorts „Kiezstuben“ eingerichtet, Stiftungen
für gemeinnützige Zwecke unterhalten, Musikund Tanztheaterprojekte unterstützt, zahlreiche
Projekte für Integration, Bildung und Sport begleitet. Für die Vermittlung kultureller bzw. gesellschaftlicher Werte sind dabei die Projekte der
Kinder- und Jugendarbeit in Kombination mit
einer langjährig angelegten strukturellen Unterstützung erfolgversprechende Schlüsselfaktoren für die Integration und das Leben in Nachbarschaften.

Private Wohnungsunternehmen unterschätzte Kraft
Während die kommunalen Wohnungsunternehmen geradezu mit Ansprüchen überfrachtet
werden, scheinen private Wohnungsunternehmen politisch unterschätzt zu sein. Dabei gehören etwa drei Viertel aller Wohnungen in
Deutschland privaten Wohnungsunternehmen.
Die Eigentümer übernehmen wie auch die kommunalen Gesellschaften mit ihren Wohnungsbeständen zugleich Verantwortung für das Leben
der Menschen in diesen Wohnungen. Für die
Einbindung privater Unternehmen in die Quartiersentwicklung braucht es nicht - wie vielfach
im politischen Raum angenommen - nur materielle Anreize, es braucht vor allem auch sichtbare Wertschätzung und Verständnis für deren
Entscheidungs- und Handlungsspielräume.
Ob Stiftung, kirchlicher oder caritativer Hintergrund, ob börsennotiert oder einfach nur Anlageprojekt, private Wohnungsunternehmen agie-

27

ren mehrheitlich marktorientiert und dem
Wirtschaftlichkeitsgrundsatz folgend. Und genau aus diesen Wirtschaftlichkeitsüberlegungen
heraus werden die eigenen Bestände nachhaltig
gepflegt, regelmäßig modernisiert, bis hin zu einer aufwändigen Denkmalsanierung, die auch
den Shareholdern der Unternehmen präsentiert
werden kann. Je größer das private Wohnungsunternehmen ist, desto eher wird man auch diverse Projekte der Quartiersentwicklung und zur
Stärkung der Sozialen Nachbarschaften finden.

nen für Verhandlungen. Der Staat setzt den ordnungsgebenden Rahmen und sollte nicht wegen
vermeintlicher Aufwendungen und Fragen von
einklagbarer Gleichbehandlung so zögerlich nutzen, was an fallbezogenen Spielräumen besteht.
Wertschätzung zeigen, Verhandlungsspielräume nutzen und nach motivierenden Anreizen
suchen, lauten die Herausforderungen.

Sowohl auf Seiten der Stadtverwaltungen als
auch bei privaten Eigentümern scheint jedoch
die Ansicht weit verbreitet zu sein, dass soziale
Versorgungsaufgaben ausschließlich Angelegenheit der kommunalen Gesellschaften sei.
Nicht nur, dass die Praxis vielerorts bereits das
Gegenteil beweist, die Unternehmen benötigen
manchmal nur regelmäßigen Zuspruch und vielleicht auch die Erinnerung, dass unsere gemeinsame Verfassung nicht nur die Basis für eine
gute Bestandsbewirtschaftung sondern auch für
soziale Verantwortung der Eigentümer darstellt.
Stadtverwaltungen sind gut beraten, die relevanten privaten Eigentümer im Quartier und
ihren wirtschaftlichen Hintergrund zunächst
kennenzulernen und diesen Kontakt in regelmäßiger Form zu halten. Davon ausgehend könnten
die Eigentümer mit Informationen zu relevanten
Themen der Bestandsentwicklung, aber auch zu
den sozialen Fragen und den sozialen Bedarfen
versorgt werden. Was einfach klingt, ist aus Sicht
der Verwaltung eine komplizierte Umsetzungsfrage. Die bereits heute aktiven Quartiersmanager sind ein gutes Beispiel, wie man solche Fragen angehen kann.

Rund 2.000 Wohnungsgenossenschaften gibt es
momentan in Deutschland. Anders als bei „normalen“ privaten Unternehmen, basiert die Genossenschaftsidee - schon seit dem Ende des 19.
Jahrhunderts - auf den Grundprinzipien Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung. Daher sind Genossenschaften in ihrer unternehmerischen Zielsetzung zuvorderst den
eigenen Genossenschaftsmitgliedern verpflichtet. Erwirtschaftete Überschüsse werden in die
Erhaltung und Modernisierung der Wohnungsbestände, Neubau und in den Ausbau der Service-Angebote investiert. Dabei kann jedes Genossenschaftsmitglied gleichberechtigt über
den Kurs der Genossenschaft mitbestimmen und
sich in den verschiedenen Gremien aktiv einbringen.

Städtebau- und Landesförderung, Sanierungsrecht, Zweckentfremdungsverbote, Milieuschutz, belegungsgebundene/geförderte Wohnungen, bieten vielfältige Ansätze zu
reglementieren, aber sind zugleich auch Optio-

28

Wohnungsbaugenossenschaften zwischen Tradition und Moderne

Das Land Berlin hat in den Jahren 2012 und 2014
jeweils einen Genossenschaftswettbewerb zum
genossenschaftlichen Neubau ausgelobt. Die
Dokumentationen können auf der Website der
Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
und Umwelt nachgeschlagen werden. Es gab hieraus hervorragende Beispiele für die baulichen
Aspekte des Neubaus, wie Energetik oder Barrierefreiheit, und Beispiele für kostengünstiges
Bauen und günstiges Mieten. Es wurden Räume
für soziale Träger geplant, Studenten und Senioren versorgt, Wohngemeinschaftskonzepte auf
den Weg gebracht. Und es wurde in diesen Wett-

Wohnen in Gemeinschaft | Teil I - Der Blick von außen
bewerben deutlich, dass Genossenschaft immer
auch die Soziale Nachbarschaft im Blick hat.

Zu guter Letzt individuelle Freiheit gewähren

Genossenschaften leisten viel und doch können
und dürfen sie nicht mit kommunalen Wohnungsunternehmen gleichgestellt gesehen werden. Genossenschaften unterliegen ihren Satzungen und sonstigen Beschlüssen. Die
genossenschaftliche Gemeinschaft lebt typischerweise von einer begrenzten Vielfalt der Genossenschaftsmitglieder. Besonders ausgeprägt
war dies bei den zu DDR-Zeiten üblichen Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften (AWG), die
an Trägerbetrieben angedockt waren und somit
arbeitende Menschen mit ähnlichem beruflichen
Umfeld mit Wohnraum versorgten.

Politik und Gesetzgebung halten wesentliche
Schlüssel für ein gutes gemeinsames Miteinander in ihren Händen. Dies beginnt nicht mit der
Mieten-, Bau- oder Förderpolitik, sondern vielmehr damit, ob wir ehrlich miteinander umgehen dürfen. Die zunehmenden rechtlichen Vorgaben bei z.B. Haftung, Gleichstellung oder
Compliance münden immer mehr in Worthülsen
und beklagenswerter Eintönigkeit. Wer Vielfalt
will, muss Vielfalt auch ertragen können. Dies
schließt Kontroversen, Nachbarschaftskonflikte
und menschliche Auseinandersetzungen mit ein.

Was für die privaten Unternehmen zuvor ausgeführt wurde, gilt zu weiten Teilen auch für die
Ansprache und Motivation von Genossenschaften durch Stadtverwaltungen. Aufgrund der
ortsgebundenen Genossenschaftsbasis und ihrer Verankerung auch im öffentlichen Leben sind
Genossenschaften zumeist wesentlich einfacher
für Fragen einer weitergehenden Quartiersentwicklung ansprechbar. Soziales Engagement
setzt meist Zeit und/oder Geld voraus. Je kleiner
die Genossenschaft ist, umso geringeres Potenzial steht Genossenschaften hier zur Verfügung.
Genossenschaften sind weniger vom sozialen
Wandel betroffen (dafür sorgen hohe Nachfrage
nach bezahlbaren Genossenschaftsmieten und
eine halbwegs homogene Nutzerauswahl), als
vom demografischen Wandel. Da das Durchschnittsalter der Genossenschaftsmitglieder
mancherorts knapp unter 60 Jahren liegt, stehen
einerseits Fragen der baulichen Anpassung für
das Wohnen im Alter und andererseits eine Wohnungsvergabe an jüngere Nutzer oder an zuziehende neue Stadtbürger aus aller Welt stark im
Vordergrund.

Einem Menschen zu ermöglichen, selbstbestimmt in seiner Wohnung bis ans Lebensende
bleiben zu können, bedeutet auch, ihm als mündigen Bürger Eigenständigkeit und Eigenverantwortung zuzubilligen. Beispiele, wie der verpflichtende Einbau von Rauchwarnmeldern oder
die kommenden Assistenzsysteme im Auto, sind
manchmal wünschenswerter Komfort, fast immer jedoch auch ein Schritt zur Entmündigung
des Nutzers.
Und um zur Ausgangsfrage zurückzukehren: Wir
sind am Anfang eines neuen Zeitalters. Festgefügte und tradierte Dinge ändern sich und die
damit verbundene Dynamik bringt auch Spannungen mit sich und macht vielen Menschen
Angst. Dabei lehrt uns die Vergangenheit, dass
wir hoffnungsvoll in die Zukunft - gerade in die
Zukunft des Wohnens - blicken können. Es wird
neue Formen von Gemeinschaft geben, neue
Verantwortung für Menschen, die nebenan wohnen und es wird neue Technologien und neue
Experimente des Zusammenlebens geben. Wir
dürfen nicht nur gespannt dabei sein, wir dürfen
gestalten! Etwas mehr Vertrauen in das System
„Mensch und Markt“ sollten wir riskieren.

29

30

Wohnen in Gemeinschaft | Teil I - Der Blick von außen

»Inklusion darf kein inhaltsleerer
Fachbegriff sein. Menschen mit Behinderung müssen selbst in die Planung
und Durchführung einbezogen werden, ihre Wünsche und Bedürfnisse
liefern wichtige Impulse für die Projekte.«

Dr. Gabriele Schlimper
Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband,
Landesverband Berlin e. V.

Wie kann Inklusion in einer Sozialen
Nachbarschaft gelingen?
Erste Schritte auf dem Weg zu einem
echten Miteinander
Der Paritätische Berlin e. V. ist ein Wohlfahrtsverband mit etwa 700 selbstständigen Mitgliedsorganisationen, die die gesamte Vielfalt der sozialen Arbeit und des sozialen Engagements in
Berlin anbieten. Als Dachverband erfüllt er Beratungs- und Dienstleistungsaufgaben in dem Umfang, wie sie von seinen Mitgliedsorganisationen
erwünscht, nachgefragt und in Anspruch genommen werden. Als Spitzenverband der freien
Wohlfahrtspflege übernimmt er sozialanwaltliche Lobbyarbeit und positioniert sich entsprechend gegenüber Politik und Gesellschaft. Gemeinwohl- und Dienstleistungsorientierung
miteinander zu verbinden, ist für den Verband
von essentieller Bedeutung. Potentiale des bürgerschaftlichen Engagements sollen gefördert
und mit den Leistungen professioneller Einrichtungen verzahnt werden.
Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention durch die Bundesrepublik im Jahr
2009 steht das Thema „Inklusion“ bzw. die Umsetzung des Rechts auf selbstbestimmte Teilhabe im Fokus der Diskussionen sozialer Organisa-

tionen. Bedeutet dies doch, dass bestehende
Strukturen von Institutionen und Organisationen hinterfragt werden müssen. Insbesondere
aber bedarf die Frage einer kritischen Auseinandersetzung, wie Menschen ohne Behinderung
auf Menschen mit Behinderung zugehen, um ein
gleichberechtigtes Miteinander zu ermöglichen
und neu zu gestalten. Die zentrale Frage für den
Verband lautet: Wie kann Inklusion in einer Sozialen Nachbarschaft gemeinsam mit unseren
Mitgliedsorganisationen gelingen?
Einen wesentlichen Ansatzpunkt bieten die Ergebnisse der „Kundenstudie - Bedarf an Dienstleistungen zur Unterstützung des Wohnens für
Menschen mit Behinderung“, die von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin in den
Jahren 2007 bis 2009 durchgeführt wurde. Untersucht wurden die individuellen Erfahrungen
von Menschen mit Lernschwierigkeiten und deren Angehörigen in ihren Wohnquartieren in drei
Berliner Bezirken. Dabei wurde u.a. deutlich,
dass die Befragten und deren Angehörige mit der
sogenannten professionellen Betreuungswelt
durchaus sehr zufrieden sind, jedoch wenig über
Möglichkeiten und Angebote im eigenen Sozialraum wissen.
Was können wir also tun, damit es Menschen mit
Behinderungen möglich ist, ihre Nachbarschaft
besser kennenzulernen? Ganz eindeutig müssen
wir aus den Ergebnissen der Befragung lernen
und uns gemeinsam auf den Weg machen. Wichtig ist, dass wir in Sozialräumen denken und die
Vernetzung der maßgeblichen Akteure im Sozialraum auf- und ausbauen. Diese Akteure sind
neben den Betroffenen und ihren Angehörigen
auch bezirklich Verantwortliche wie Sozialstadträte sowie Stadtteilzentren, professionelle Einrichtungen für Menschen mit Behinderung und
weitere professionelle Organisationen wie beispielsweise GETEQ Gesellschaft für teilhabeorientiertes Qualitätsmanagement mbH.

31

Stadtteilzentren
als Orte für die Nachbarschaft
Nachbarschafts- und Stadtteilzentren sind Infrastruktureinrichtungen des bürgerschaftlichen Engagements. Sie verstehen sich als Zentren, Begegnungsstätten und Anlaufstellen für
alle Bewohner des jeweiligen Stadtteils. Unterschiedliche Menschen können sich dort begegnen und gemeinsam Projekte entwickeln. Niedrigschwellige Angebote ermöglichen die
Teilnahme und Teilhabe am Leben im Sozialraum ohne Barrieren und schaffen einen Raum
für Begegnung. Stadtteilzentren sind damit der
ideale Ort, um einen inklusiven Sozialraum zu
entwickeln.
Auftakt zum Inklusionsprojekt wie gehen wir vor?
Im ersten Schritt werden die Verantwortlichen
aus einem Berliner Bezirk, also Sozialstadträte,
angesprochen und ermutigt, sich aktiv an dem
Projekt zum inklusiven Sozialraum zu beteiligen.
Parallel dazu werden ein Stadtteilzentrum in
dem Sozialraum sowie die in der näheren Umgebung befindlichen Einrichtungen für Menschen
mit Behinderungen angesprochen und Menschen mit Behinderungen aktiv eingebunden.
Der Projektort ist stets das Stadtteilzentrum, so
dass alle Beteiligten das Zentrum und seine Angebote gleich intensiv kennenlernen. Von Beginn
an gestalten und bestimmen die Betroffenen die
Projektinhalte mit. Das Ziel muss dabei immer
gut überschaubar sein, damit die Mitwirkenden
es nicht aus den Augen verlieren. Dabei wird die
Arbeit im Projekt stets als Prozess verstanden,
im Sinne eines „Weges zum Ziel“ der Inklusion:
Was wie gestaltet und entwickelt wird, entsteht
vor Ort im gemeinsamen Lernprozess.
Im Folgenden möchten wir Ihnen einen Einblick
in die bisherigen sozialraumorientierten Inklusionsprojekte im Paritätischen geben. Dabei wer-

32

den Sie feststellen, dass mit dem ersten Projekt
„Pankower Lieblings-Orte. Ein Kiez-Atlas für
alle“ ein Stein ins Rollen gebracht wurde. Sowohl
für den Bezirk Pankow als auch für andere Bezirke hat der begonnene Prozess Wirkung gezeigt.
Weitere Projekte sind entstanden und entstehen.

Projekt

Pankower Lieblings-Orte.
Ein Kiez-Atlas für alle
Vorgehensweise

Gemeinsam mit dem Bezirksamt wurde die Bezirksregion Alt-Pankow festgelegt, der Projektort war das Stadtteilzentrum Pankow. Aus den
umliegenden Einrichtungen für Menschen mit
Behinderungen und Lernschwierigkeiten meldeten sich sehr schnell viele Betroffene, die sich
aktiv am Projekt beteiligen wollten. Gemeinsam
wurde entschieden, dass ein Kiez-Atlas gestaltet
werden sollte. So entstand von September 2010
bis Juni 2011 der Kiez-Atlas „Pankower Lieblings-Orte. Ein Kiez-Atlas für alle“. Menschen mit
und ohne Beeinträchtigung aus dem Stadtbezirk
Berlin-Pankow haben ihre Lieblings-Orte in dieser Bezirksregion benannt, besucht und nach
festgelegten Kriterien - wie Barrierefreiheit - begutachtet. Der Erarbeitung der Broschüre lag ein
partizipativer Ansatz zu Grunde: Die Projektgruppe bestimmte sowohl die Orte, die besichtigt werden sollten, als auch die Kriterien für die
Begehungsprotokolle. Parallel dazu koordinierte
die Steuerungsgruppe, was in den Kiez-Atlas
aufgenommen werden soll. Gemeinsame Treffen
der Arbeitsgruppen dienten zur Rückkoppelung
und zur Absprache über die Gestaltung der Publikation. Es entstand ein Wegweiser mit Kategorien aus den Bereichen Begegnung und Information, Kultur, Gesundheit, Freizeit sowie Erholung,
Essen und Trinken, Einkaufen, Bildung - in leicht
verständlicher Sprache beschrieben und in grafisch übersichtlicher Form dargestellt.

Wohnen in Gemeinschaft | Teil I - Der Blick von außen

Partner

„„Menschen mit Behinderungen und Lernschwierigkeiten aus der Nachbarschaft
„„Stadtteilzentrum (STZ) Pankow – Bürgerhaus e. V.
„„Albert Schweitzer Stiftung – Wohnen & Betreuen
„„die reha e. V.
„„fundament-wohnen gGmbH
„„Kaspar Hauser Therapeutikum gGmbH,
„„Lebenshilfe gGmbH
„„Sozialdienst katholischer Frauen Berlin
e.V./ Wohnheim Maria Frieden
„„Fürst Donnersmark Stiftung
„„Bezirksamt Pankow
„„Albatros – Barrierefrei leben gGmbH/mobidat
„„Gesellschaft für teilhabeorientiertes Qualitätsmanagement mbH (GETEQ nueva)
„„Der Paritätische Berlin

Projekt

Tempelhof inklusiv
Vorgehensweise

Wie beim Beispiel Pankow wurde zunächst das
Bezirksamt angesprochen und Verbindung zum
Sozialraum sowie zum Stadtteilzentrum aufgenommen. Zum Wesensmerkmal des Stadtteilzentrums NUSZ in der ufaFabrik e. V. gehört es,
unterschiedliche Kurse für die Bürger anzubieten. Im Frühjahr 2011 hat das Stadtteilzentrum
drei Kursangebote (Aikido, Kundalini Yoga, Free
Dance) für Menschen mit Lernschwierigkeiten
geöffnet. Das war keine leichte Aufgabe, da sowohl die jeweiligen Kursleiterinnen als auch die
Kursteilnehmer im Vorfeld davon überzeugt
werden mussten, dass Menschen mit teilweise
deutlich sichtbaren Behinderungen nun an den
Kursen teilnehmen würden.
Der Kursverlauf wurde von April bis September
2011 durch eine Begleitforschung von Prof. Dr.
Monika Seifert (Katholische Hochschule für Sozialwesen) dokumentiert und ausgewertet. Ziel
war es, zu analysieren, unter welchen Bedingungen inklusive Kurse gelingen können und Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Angeboten für Menschen mit und ohne
Lernschwierigkeiten zu formulieren. Die Begleitforschung umfasste leitfadengestützte Interviews, Fragebogen für Kursteilnehmer ohne Behinderung, leitfadengestützte Gespräche mit
weiteren Akteuren und Empfehlungen zur Weiterentwicklung der inklusiven Angebote. Die Ergebnisse wurden im Anschluss an diese Projektphase unter dem Titel „Tempelhof inklusiv“
veröffentlicht.

Partner

„Pankower Lieblings-Orte. Ein Kiez-Atlas für alle“
1. Auflage 2011: 18 Orte, erweiterte 2. Auflage 2012: 22 Orte

„„Menschen mit Behinderungen und Lernschwierigkeiten aus unterschiedlichen sozialen Organisationen (Lebenshilfe gGmbH,
Fürst Donnersmarck Stiftung)

33

„„Katholische Hochschule für Sozialwesen
Berlin
„„Stadtteilzentrum NUSZ in der ufaFabrik e. V.
„„Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg
„„Der Paritätische Berlin

sie mitmachen. Im zweiten Schritt wurden die
Plätze, Orte und Einrichtungen mit der häufigsten Nennung von den Arbeitsgruppen besucht
und die dort vorgefundenen Informationen, Angebote und Gegebenheiten dokumentiert.

Projekt

Eine Steuerungsgruppe, bestehend aus Vertretern der Beteiligten, koordinierte die Fertigstellung der Publikation. Herausgekommen ist ein
Wegweiser mit den Kategorien Kultur, Sport,
Cafés und Treffpunkte, Natur und Einkaufsmöglichkeiten.

Ich kenne was und zeig dir das
in Treptow-Köpenick
Vorgehensweise

Auch bei diesem Projekt konnte von den Erfahrungen aus Pankow profitiert werden, das weitere Vorgehen unterschied sich jedoch. Von Mai
2012 bis Dezember 2013 wurde am Kiez-Atlas
für Treptow-Köpenick von Menschen mit Behinderung für Menschen mit Behinderung gearbeitet. In einem ersten Schritt entwickelte und verteilte die GETEQ nueva einen Fragebogen, der an
die Einrichtungen der Behindertenhilfe versandt
und dann ausgewertet wurde. Befragt wurden
Bürger mit Beeinträchtigung dazu, welche Orte
sie gerne im Bezirk aufsuchen, was sie in ihrer
Freizeit unternehmen und bei welchen Vereinen

„Projekt Tempelhof inklusiv – Ergebnisse der Begleitforschung zum
Inklusionsprojekt“, erschienen Mai 2012

34

Partner

„„Menschen mit Behinderungen und Lernschwierigkeiten aus der Nachbarschaft
„„Sozialstiftung Köpenick
„„Stephanus-Stiftung und Das fünfte Rad e. V.
„„Gesellschaft für teilhabeorientiertes Qualitätsmanagement (GETEQ nueva)
„„Villa offensiv/offensiv ´91 e. V.
„„Bezirksamt Treptow-Köpenick
„„Der Paritätische Berlin

Kiez-Atlas „Ich kenne was und zeig dir das“
mit Beschreibungen von 13 Orten, erschienen Dezember 2014

Wohnen in Gemeinschaft | Teil I - Der Blick von außen
Folgende Ergebnisse der bisherigen Projekte lassen sich konstatieren:

Die eigentliche Inklusion beginnt danach
Durch die beschriebenen Projekte lernen sich
Menschen mit Behinderungen und die Stadtteilzentren gegenseitig kennen, Berührungsängste
werden abgebaut. Auch die Zusammenarbeit
mit professionellen Einrichtungen für Menschen
mit Behinderungen wird verbessert. Es entstehen gemeinsame Ideen, um weiterhin miteinander die Arbeit im Stadtteilzentrum zu gestalten.
So startete im Jahr 2013 in Pankow das Projekt
„Stadtteilzentrum Inklusiv“, das die Aktion
Mensch für drei Jahre fördert. Eine Arbeitsgruppe, an der Menschen mit und ohne Behinderung
teilnehmen, trifft sich dort einmal im Monat. Sie
beschäftigen sich mit dem Programmheft des
Stadtteilzentrums und setzen sich mit den Fragestellungen auseinander: „Was machen wir in
unserer Freizeit und was würden wir gerne im
Zentrum machen?“ Die Menschen mit Behinderung sind hierbei Experten für ihre eigenen Belange. In Treptow-Köpenick entwickelte GETEQ
nueva gemeinsam mit dem beteiligten Stadtteilzentrum Villa offensiv Kriterien für ein barrierefreies Stadtteilzentrum. Die Ergebnisse fließen
wiederum in die Arbeit des Fachverbandes der
Stadtteilzentren ein.

Stadteilzentren werden Bildungsorte
Im letzten Jahr nutzten die Vertreter der bereits
durchgeführten Projekte die Gelegenheit, beim
Fachtag „Inklusion in Pankow“ am 13. März
2014 ihre Vorhaben und Ergebnisse vorzustellen
und die Fachöffentlichkeit zu weiteren Projekten
zu inspirieren. Sowohl Fachleute als auch Betroffene traten hier in den Austausch über Hemmnisse und Bedarfe bei derzeitigen Angeboten
und diskutierten darüber, was zum Gelingen inklusiver Angebote beiträgt. Die alltägliche Arbeit

in den Stadtteilzentren zeigt, dass neben der
Überprüfung der Barrierefreiheit und des Wegeleitsystem sowohl für Fachkräfte als auch für
Menschen mit Behinderung die Beschäftigung
mit Fragestellungen rund um die Themen UNBehindertenkonvention und Inklusion für die
alltägliche Arbeit und Lebenswirklichkeit bedeutsam sind. Das führte schlussendlich zur Planung und Durchführung der Fachtagung in
leichter Sprache „Ich kenne meine Rechte“ am 5.
Mai 2015 als gemeinsame Veranstaltung des
Stadtteilzentrums am Teutoburger Platz, des
Stadtteilzentrums Pankow, des Paritätischen
Berlin und des Bezirksamts Pankow. Auch hier,
wie in den oben genannten Projekten, war es
dem Paritätischen ein Anliegen, dass sowohl die
Moderation der Veranstaltung als auch die Arbeitsgruppen im Tandem von Menschen ohne
Behinderung und Selbstvertretern durchgeführt
wurde. Die Arbeitsgruppen zu den Eckthemen
der UN-Konvention - Arbeit, Freizeit, Wohnen,
Mitbestimmung in Gruppen, Sexualität und
Partnerschaft - waren gut besucht. Die Fachinformationen, aber insbesondere auch der Austausch über Rechte und Lebenswirklichkeit setzten Impulse für die weitere Arbeit.

Was uns wichtig ist
Inklusion darf kein inhaltsleerer Fachbergriff
sein, das machen die zahlreichen Ansätze und
Projekte in den Stadtteilzentren deutlich. Menschen mit Behinderung müssen selbst in die Planung und Durchführung einbezogen werden,
ihre Wünsche und Bedürfnisse liefern wichtige
Impulse für die Projekte. Zentral sind außerdem
der direkte Kontakt und die Zusammenarbeit auf
Augenhöhe von Menschen mit und ohne Behinderung. Nur so wird der Inklusionsbegriff mit
Leben gefüllt, nur so führen einzelne Projekte
zur alltäglichen Selbstverständlichkeit und zum
gleichberechtigten Zusammenleben.

35

Die Kiezstube in der Steinmetzstraße bietet Räume für vielfältige Aktivitäten oder einfach nur für einen Plausch unter Nachbarn

36

Wohnen in Gemeinschaft | Teil I - Der Blick von außen

»Wir wissen: Wo sich Menschen engagieren, funktioniert das Zusammenleben deutlich besser. Deshalb haben
wir das Thema soziale Nachbarschaften verinnerlicht und einen ganzheitlichen Ansatz entwickelt – 'Pro Quartier'.«

Snezana Michaelis
Vorstandsmitglied der Gewobag WohnungsbauAktiengesellschaft Berlin

Kristallisationspunkte fürs Engagement
Gewobag setzt Impulse, um Ehrenamtliche in
ihrer Arbeit zu stärken
Mehr als 100.000 Menschen aller Altersgruppen
und Kulturkreise haben ihr Zuhause bei der Gewobag. Sie zählt damit zu den größten Vermietern in Berlin und bundesweit. Als kommunales
Wohnungsunternehmen haben wir ein großes
Interesse daran, dass das Zusammenleben in
unseren Häusern und Quartieren gut gelingt.
Wir wissen: Wo sich Menschen engagieren, funktioniert das Zusammenleben deutlich besser.
Deshalb haben wir das Thema Soziale Nachbarschaften verinnerlicht und einen ganzheitlichen
Ansatz entwickelt - „Pro Quartier“. Aus dieser
übergreifenden Strategie leiten wir maßgeschneiderte Konzepte für unsere Quartiere ab.

Mieterbeiräte:
Die wichtigen Multiplikatoren
Ein wesentliches Instrument dabei sind die Mieterbeiräte. Wir erleben, wie sich um diese gewählten Gremien herum das Engagement kristallisiert. Ob das in Form des klassischen
Ehrenamts ist oder vom Einzelnen ausgeht, der
keinen institutionalisierten Rahmen will, ist dabei unwichtig. Gerade die Jüngeren finden das

Wort „Ehrenamt“ oft wenig anziehend. Aber sie
engagieren sich trotzdem, nur eben anders. Entscheidend ist, dass Menschen sich aufmachen,
um ihr Umfeld lebenswert, schön und sozial zu
gestalten.
Ein Beispiel: Vor kurzem kam der Mieterbeirat
aus der Paul-Hertz-Siedlung auf uns zu. Eine
Gruppe von Ehrenamtlichen möchte dort eine
Bücherzelle einrichten. Sie wollen in eine alte
Telefonzelle Regale einbauen, Bücher sammeln
und diese dort zum Ausleihen oder Tauschen
anbieten.
In der Paul-Hertz-Siedlung leben die Nachbarn
in manchen Hausaufgängen schon seit 50 Jahren zusammen. Sie kümmern sich umeinander
und um ihr Umfeld. Wenn man genauer hinschaut, stellt man fast immer fest, dass in diesen
Hausaufgängen Menschen wohnen, die sich engagieren. Aber im Quartier wohnen auch viele
Familien, deren Kinder in schwierigen Verhältnissen aufwachsen. Wir arbeiten seit langem
daran, das Engagement in der Siedlung breiter
zu verankern, zum Beispiel über die Kampagne
„Gemeinsam für einen schönen Kiez“, bei der
übers Jahr und über Berlin verteilt ein bunter
Strauß an Mitmachaktionen organisiert wird.

Ziel erreicht:
Wenn sich Engagement selbst verstärkt
Die Bücherzelle in der Paul-Hertz-Siedlung ist
ein Punkt, der Nachbarn aktiviert und zusammen bringt. Deshalb unterstützen wir als Gewobag diese Initiative des Mieterbeirats. Wir geben
Starthilfe, indem wir die Telefonzelle gekauft
haben. Eine Schulklasse wird die Patenschaft für
dieses Tauschprojekt übernehmen, und es gibt
Erwachsene, die mit den Kindern zusammen die
Bücher lesen und darüber reden. So entstehen
erst kleine und dann immer größere Kreise von
Engagierten. Ob die Beteiligten in unseren Woh-

37

nungen wohnen oder nebenan, ist nicht relevant. Entscheidend ist, dass die Nachbarn miteinander ins Gespräch kommen und Hilfe zur
Selbsthilfe leisten. So wird die Lebensqualität für
unsere Mieter wieder ein Stück verbessert.

Starthilfe unverzichtbar
Unsere Erfahrung zeigt: Es reicht nicht, Mieterbeiräte wählen zu lassen und dann davon auszugehen, dass sie schon klarkommen. Damit
deren Arbeit erfolgreich ist, benötigt sie Struktur
und Nachhaltigkeit. Dafür haben wir als Gewobag neue Formate entwickelt. Wir organisieren
Workshops und Fortbildungsprogramme. Dabei
geht es um Gruppendynamik, multikulturelles
Zusammenleben, Kommunikation und Konfliktmanagement. „Da haben wir enorm viel gelernt“, sagte eine der Teilnehmerinnen neulich,
„für unsere Arbeit, aber auch für uns persönlich.“ Einmal im Jahr lädt die Gewobag die Mieterbeiräte zu einem Jahresrückblick ein, um
„Danke“ zu sagen. Die Mieterbeiräte sollen wissen, dass wir ihre Arbeit schätzen. Auch das motiviert.
Mit dieser Unterstützung im Hintergrund schaffen es die Mieterbeiräte, Nachbarn, Freunde und
Bekannte zu begeistern. Die ersten zehn Aktiven
zusammen zu trommeln, ist oft schwer. Aber

Workshops zur Weiterbildung der Mieterbeiräte

38

dann entsteht ein Sog und die Leute sagen: „Ich
möchte auch dabei sein". Und genau das wollen
wir erreichen. So wachsen die Kiezstuben oder
auch Projekte wie die Museumswohnung in Haselhorst, in der Ehrenamtliche die Geschichte
dieser Wohnanlage vermitteln.
Ein ganz anderes Beispiel aus unserer aktuellen
Arbeit ist das Modellprojekt „Bunte 111“. In einem Haus in der Scharnweberstraße, das die
Gewobag erworben hatte, war es zu Konflikten
zwischen Roma-Familien und Altmietern gekommen. Am Anfang standen Ängste vor Menschenansammlungen oder gar Messerstechereien im Raum. Die erste Reaktion war: Wir
brauchen einen 24-Stunden-Sicherheitsdienst,
der das in den Griff bekommt. Aber ganz schnell
wurde klar, dass das so nicht geht. Wir sind also
in das Haus gegangen, in jede einzelne Wohnung. Wir haben mit den Menschen geredet. In
den Gesichtern konnten wir sehen, wie erleichtert die Bewohner waren, dass ihnen jemand
zuhört. In den Wochen darauf haben wir ein Modellprojekt auf den Weg gebracht, mit Mietverträgen für die Roma-Familien, einem Verein, der
sich um das Miteinander kümmert und einer
klaren Struktur in der Sozialarbeit - vorher waren bei sieben Familien zahlreiche Sozialarbeiter
involviert. Für die freien Wohnungen im Haus
haben wir gezielt Mieter gesucht, die sich enga-

Kiezputzaktion: „Gemeinsam für einen schönen Kiez“

Wohnen in Gemeinschaft | Teil I - Der Blick von außen
gieren wollen. Heute wohnen dort zum Beispiel
eine Künstlerin, die mit den Kindern malt und ein
Musiker, der für gute Stimmung sorgt. Auch Altmieter engagieren sich und lesen mit den Kindern. Gemeinsam haben die Bewohner die Fassade neu gestaltet. Und wenn alles klappt, bepflanzen sie bald auch noch den Hof. Das Haus
in der Scharnweberstraße heißt heute „Bunte
111“ und ist ein Modell, das auch in der Diskussion um die Unterbringung von Flüchtlingen
häufig zitiert wird.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Wir wollen
Menschen anregen, sich zu engagieren und damit Verantwortung für ihr Umfeld und die Stadt
zu übernehmen. Dabei begleiten und unterstützen wir sie. Unsere Strategie „Pro Quartier“ setzt
darauf, die richtigen Menschen zu finden und zu
aktivieren. Den Weg zu Sozialen Nachbarschaften gehen wir gemeinsam.

Die „Bunte 111“ macht ihrem Namen alle Ehre: Künstler und die Roma-Familien sind stolz auf die gestalteten Wände ihres Innenhofes

39

40

Wohnen in Gemeinschaft | Teil I - Der Blick von außen

»Durch den demografischen Wandel
werden sich Wohn- und Lebensformen
der Berliner verändern. Daher ist es
wichtig, am generationenübergreifenden, gemeinschaftlichen Wohnen interessierte Menschen durch Informationen und Beratung zu unterstützen.«

Interview mit Dr. Jochen Hucke
bis zum 30.09.2015 Leiter der Gruppe Wohnungspolitik der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin

Wohnungspolitik
und Soziale Nachbarschaften
Sie sind bereits seit dem Jahr 1993 in
der Wohnungspolitik des Landes Berlin
tätig. Welche Förderprogramme haben
Sie in diesem Zeitraum begleitet? Gab
es dabei Programme, die sich als besonders sinnvoll erwiesen haben?
Erst einmal will ich sagen, dass alle Programme
sinnvoll gewesen sind. Zu Beginn war ich in der
Wohnungsbestandsentwicklung im Bereich der
Modernisierung und Instandsetzung von Wohnraum tätig. Dort wurde zwischen der klassischen
Altbausanierung, die schwerpunktmäßig auf die
Städtebauförderung konzentriert war, und der
Sanierung von Plattenbauten in den Großsiedlungen im Ostteil der Stadt unterschieden. Darüber hinaus war ich mit einer Reihe kleinerer
Programme betraut, die teilweise stadtweit und
teilweise mit Schwerpunkt im Ostteil Berlins angelegt waren, wobei ich insbesondere das Programm „Modernisierung durch Mieter“ hervorheben möchte. Ein weiteres Förderprogramm,
das mir immer am Herzen gelegen hat, war die
„Wohnungspolitische Selbsthilfe“. Dieses wurde
ursprünglich in den 1980er Jahren im Kontext
der Hausbesetzerbewegung in Westberlin entwickelt. In diesem Zusammenhang wurden die be-

setzten Häuser durch von der Gesellschaft getragene Lösungen einerseits legalisiert und
andererseits mittels langfristiger Pachtverträge
oder auch der Möglichkeit, die Häuser zu kaufen,
sowie durch öffentliche Förderungen und bauliche Eigenleistungen der Bewohner in einen tollen Zustand gebracht und stabilisiert. Nach der
Wiedervereinigung hat sich dasselbe dann im
Ostteil der Stadt wiederholt mit bestimmten
räumlichen Schwerpunkten, wie beispielsweise
dem Prenzlauer Berg oder auch der Viktoriastadt
in Lichtenberg.
Das Programm „Wohnungspolitische
Selbsthilfe“ war bundesweit modellhaft. Sollte es eine Neuauflage geben?
Berlin hatte nach dem Jahr 2002 erst einmal eine
Depressionsphase, in der man eigentlich alle
Förderprogramme einstellte und auch diskussionswürdige Entscheidungen traf, wie beispielsweise der Verkauf von zwei städtischen Wohnungsunternehmen mit zusammen fast 100.000
Wohnungen. Wir sind nunmehr in der glücklichen Lage, dass die wirtschaftliche Talsohle
durchschritten und somit auch wieder etwas
mehr Geld in den Kassen ist. Aus diesem Grund
hat man im vergangenen Jahr mit einem Neubauförderprogramm, das im Jahr 2017 auf 3.000
Wohneinheiten ausgeweitet wird, für den Mietwohnungsbau begonnen, was angesichts der in
den letzen Jahren ansteigenden Bevölkerungszahl in Berlin aber mengenmäßig noch zu wenig
ist. Für Berlin wäre m.E. auch eine Unterstützung
von wohnungspolitischen Gruppen im Sinne von
Baugemeinschaften und Wohnprojekten wichtig, u.a. durch die Bereitstellung von landeseigenen Grundstücken im Rahmen von Konzeptverfahren. In den nächsten Jahren wird es aber
größere Gebiete geben, auf denen gemeinsam
mit städtischen Wohnungsunternehmen vielfältige Quartiere entstehen können. Außerdem
kommt hinzu, dass die städtischen Wohnungsunternehmen ihren Bestand in den nächsten

41

zehn Jahren von knapp 300.000 Wohnungen auf
400.000 Wohnungen erweitern werden.
Worin sehen Sie aktuell die größten
Herausforderungen auf dem Berliner
Wohnungsmarkt?
Einerseits erhöht der Zuwanderungsdruck den
Bedarf an Wohnraum und andererseits sorgt
eine Flucht in Sachwerte für steigende Grundstückspreise. Daher befinden wir uns also in der
schwierigen Situation, bei steigenden Kosten ein
Mehr an preisgünstigem Wohnraum bereitstellen zu müssen. Diese Quadratur des Kreises kann
eigentlich nur durch eine Ausweitung der Förderung gelingen. Dabei ist jedoch positiv hervorzuheben, dass sich die Einstellung gegenüber der
Wohnungsbauförderung in letzter Zeit stark gewandelt hat. Wir erfahren derzeit große Unterstützung durch unseren Finanzsenator, so dass
hier wirklich Politik aus einer Hand betrieben
wird.
Welche Rolle hat für Sie die Netzwerkagentur GenerationenWohnen in den
vergangenen Jahren gespielt?
Wir haben die Netzwerkagentur GenerationenWohnen im Jahr 2008 auf Initiative unserer ehemaligen Staatssekretärin Hella Dunger-Löper
ins Leben gerufen. Sie wies damals sehr deutlich
darauf hin, dass sich durch den demografischen
Wandel auch die Wohn- und Lebensformen der
Berliner verändern werden. Daher ist es wichtig,
am generationenübergreifenden und gemeinschaftlichen Wohnen interessierte Menschen
durch Informationen und Beratung zu unterstützen. Im Rahmen einer Studie des Difu haben
wir erörtert, was andere Städte in diesem Bereich unternehmen und uns dann an Hamburg
und Leipzig orientiert – allerdings konnten wir
keine Grundstücke und keine Förderung anbieten, dafür jedoch eine Beratungsstelle. Auf diese
Weise ist die Netzwerkagentur entstanden, die
als Informations- und Beratungseinrichtung

42

sehr gut funktioniert. Dies ist einerseits auf eine
breite Vernetzung auf professioneller Ebene und
andererseits auf eine Vielzahl an Beratungsgesprächen mit Interessierten sowie auf erfolgreich etablierte Formate wie etwa die Freitagscafés, Wohntische und Exkursionen
zurückzuführen, wodurch eine Verbreiterung
der Basis erfolgt.
Über einzelne Projekte hinaus spielte
das Thema Soziale Nachbarschaft von
Beginn an eine bedeutende Rolle. Was
kennzeichnet für Sie eine Soziale
Nachbarschaft?
Hier muss ich erneut auf Frau Dunger-Löper verweisen, nach der Berlin eigentlich eine Ansammlung von vielen kleinen Dörfern innerhalb einer
Großstadt sei. Demzufolge gibt es innerhalb Berlins kleinere Bereiche, die wie ein Dorf funktionieren. Hierbei spielen die Blöcke und Straßen,
die zugehörigen Infrastrukturangebote beispielsweise von sozialen Trägern oder Relegionsgemeinschaften sowie die Grün- und Freiflächen eine große Rolle. Eine Soziale Nachbarschaft
zeichnet sich dadurch aus, dass die Bewohner
dieses Bereichs eine gewisse Art von Kontakten
untereinander haben, dass es Initiativen gibt, die
sich um die Belange des öffentlichen Raums
kümmern, die bestimmte Angebote für ihre
Nachbarn anbieten und die sich auch um Menschen kümmern, die weniger Kontakt haben. Das
sind alles wesentliche Elemente einer vernetzten
und gut funktionierenden Sozialen Nachbarschaft.
Und nun zum Abschluss: Berlin im Jahr
2030 - welche Vision haben Sie?
Vision wäre für mich in dem Sinne zu sehen, dass
das, was wir in Berlin an stabilem Kern in großer
Vielfalt haben, in dieser Form erhalten bleibt.
Dass sich hier immer wieder Menschen finden,
die engagiert in Initiativen mitarbeiten. Dass die
Kreativität, die diese Stadt auszeichnet, auch

Wohnen in Gemeinschaft | Teil I - Der Blick von außen
künftig ein Impulsgeber bleibt, so dass immer
wieder etwas Neues entsteht, das man heute
noch gar nicht so richtig beschreiben kann. Das
halte ich für sehr wichtig, gerade in einer Zeit, in
der durch die Ausbreitung diverser Formen der
internetbasierten Netzwerke ein Rückzug von
vielen Menschen aus der Öffentlichkeit in das
Private zu beobachten ist. In diesem Zusammenhang hoffe ich, dass eine funktionierende Kommune dem etwas entgegensetzen kann. Das
funktioniert aber nur, wenn möglichst viele unterschiedliche Menschen daran mitarbeiten.
An dieser Stelle möchten wir Ihnen
nicht nur ganz herzlich für das Interview sondern auch für Ihr langjähriges Engagement im Zusammenhang mit
der Netzwerkagentur danken, deren
Arbeit Sie als Vorreiter bei den Themen gemeinschaftliche Wohnformen,
Wohnen im Alter und Förderung von
Selbstbestimmung vielfach bereichert
haben.

43

Teil II
Berliner Projekte stellen sich vor
Gemeinschaftliche Wohnformen
und deren Verankerung im Quartier
Berlin ist Hauptstadt für neue Wohnformen. Nirgendwo in der Bundesrepublik ist die Wohnprojekte-Landschaft so vielzählig und vielfältig wie
hier. Neben den in den letzten Jahren zahlreich
entstandenen und zunehmend professionalisierten Baugemeinschaften haben sich eine Reihe von Gruppen zusammengefunden, die Alternativen zum gemeinschaftlichen Bauen und
Wohnen im Eigentum entwickelten und besondere Ziele für das Zusammenleben in der Gruppe
und im Quartier verfolgen.
Die Beispiele dieser Broschüre zeigen, wie Gruppen auf ihrem Weg ins Wohnprojekt zusammenwachsen, starke Partner finden und binden und
nach dem Einzug Alltag und Nachbarschaft gemeinsam gestalten.
Dass gemeinschaftliche Wohnformen und Soziale Nachbarschaften bereits auf verschiedenen
Ebenen - u.a. bei Wohnungsunternehmen - als
aktuelle und künftige Themen wahrgenommen
werden, belegen nicht nur die Beiträge im ersten
Teil, sondern auch die folgenden Best-PracticeBeispiele. Durch sie sollen weitere notwendige
Partner für die zunehmende Präsenz des Themas sensibilisiert werden.

44

4

Wohnen in Gemeinschaft | Teil II - Berliner Projekte stellen sich vor

Projektname		
  1 | +-60 In Freundschaft wohnen	
  2 | Al WiG - Allein Wohnen in Gemeinschaft	
  3 | BG Südwestsonne und NIWO e. V.		
  4 | Eiswerder Wohnprojekt	
  5 | Haus der Parität Schöneberg		
  6 | IBeB - Blumengroßmarkt		
  7 | RuT - FrauenKultur&Wohnen		
  8 | Seniorenwohnhaus am Gasometer	
  9 | Spreefeld Berlin eG			
10 | Studentendorf Adlershof		
11 | Werk Stadt Garten Wohnen		
12 | WiLMa - Lichtenberg		
13 | X-berger-Wohnverwandtschaften		

Seite
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56
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62
64
66
68
70

1
11

9

6
8

5
7

3

2

12

13

10

Baugemeinschaften und Wohnprojekte
(Stand 2014)

45

+-60 In Freundschaft wohnen
Wir wollen ein modellhaftes Wohnprojekt für die
Altersgruppe +-60 initiieren. Die künftigen Bewohner sind Menschen, die aus unterschiedlichen Wohn- und Lebenssituationen kommen
und die zukünftig nicht auf gemeinschaftliches
Wohnen verzichten wollen. Sie eint der Wunsch,
ihren „Alterswohnsitz“ und ihr Älterwerden
selbst gestalten zu können und mit Gleichgesinnten neue alltagstaugliche Nachbarschaften
- unter Beibehaltung der eigenen Selbständigkeit - zu entwickeln. Für die Umsetzung dieses
modellhaften Wohnprojekts sind ein Grundstück
mit einem mehrgeschossigen Neubau für ca. 15
Mietparteien sowie multifunktional nutzbare
Gemeinschaftsflächen nötig. Entsprechend der
wirtschaftlichen Verhältnisse der künftigen Bewohner sollen die Wohnungen angemietet wer-

Geplanter Standort

	

den. Die künftigen Bewohner sind unterschiedlichen Geschlechts, verfügen über unterschiedliche
Einkommen, Ausbildungen, berufliche Erfahrungen und Fähigkeiten. Sie wünschen sich ein
Wohnprojekt, das die richtige Ausgewogenheit
zwischen freundschaftlicher Nähe, aber auch
Distanz in der Gruppe gewährleistet. Die künftigen Bewohner stammen aus einem bestehenden
sozialen Netzwerk, sind aber offen für Andere.
Sie wünschen sich, in einem Quartier mit Jung
und Alt sowie unterschiedlichen Nationen innerhalb des S-Bahnrings zu leben. Alle Bewohner
sind bereit zu aktiver Nachbarschaftshilfe entsprechend ihrer eigenen Potentiale. Notwendige
professionelle Dienstleistungen und Services
sollen von der Gemeinschaft kostengünstig eingekauft werden.

Usedomer Straße Ecke Wattstraße, 13355 Berlin Wedding

Bauherr

degewo AG

Begleitung/Betreuung	  

Netzwerkagentur GenerationenWohnen

Geplante Rechtsform

Gruppe ohne Rechtsform

Geplante Art der Finanzierung			   

Mietwohnungen

Geplante Anzahl Wohnungen/Zimmer	

ca. 15 WE

Geplante Wohnungs-/Zimmergrößen	

42 - 85 m²

Geplante Anzahl der Personen	
Geplante Altersstruktur	
Geplante Gemeinschaftsräume	
Besonderheit

ca. 18
altershomogen
Gemeinschaftswohnung mit Gästeunterbringung
Variabilität der Grundrisse in der Planung berücksichtigen,
Schaltbarkeit von Räumen; mit Bauherrn über Reduzierungen
von Baumaßnahmen im Ausbau und eigener Kostenübernahme
verhandeln, um Grundmiete zu senken

Nachbarschaftliche Dimension

gemeinsame Aktivitäten, die Nachbarschaft mit einbeziehen und im
Wohnumfeld wirken; andiskutiert ist eine Kreativwerkstatt, auch mit

	

46

Angeboten, die kein Geld kosten

Wohnen in Gemeinschaft | Teil II - Berliner Projekte stellen sich vor

Wir planen die Zukunft

Gruppenrunde mit gutem Essen

Wir verändern uns

Voltastraße

e

raß

ast

e
raß

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ße

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raß

r St

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alsu

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tts
Wa

+-60
In Freundschaft wohnen

Str

ße

tra

er S

dom

Use

Bru

Volt

47

Allein Wohnen in Gemeinschaft
(Al WiG)
Wir sind eine Gruppe von Frauen und Männern,
Paaren und Alleinstehenden ab 65 Jahren, die in
Berlin gemeinschaftliches Miet-Wohnen verwirklicht. Wir leben in eigenen Wohnungen unterschiedlicher Größe überwiegend im selben
Haus. Wir nutzen zusätzlich eine kleine Wohnung und einen Garten gemeinsam. Unser gemeinschaftliches Wohnen unterscheidet sich
vom Einzelwohnen und anderen Wohnformen
vor allem durch ein Gemeinschaftsleben, das
über informelle Nachbarschaftskontakte hinausgeht. Uns ist neben der Rückzugsmöglichkeit
in die eigene Wohnung eine gemeinschaftliche
Lebensform wichtig. Dazu dienen Gemeinschaftsräume, regelmäßige verbindliche Treffen
sowie gemeinsame Unternehmungen und Feste.

Wir schätzen den Anregungsgehalt gemeinschaftlichen Lebens und wollen dieses, auch im
zunehmenden Alter, aktiv und nicht "betreut"
gestalten. Individuelle Fähigkeiten und unterschiedliche Interessen bereichern uns. Wir wollen uns bei Bedarf gegenseitig unterstützen,
auch wenn die Wohnung zeitweise oder länger
nicht verlassen werden kann. Durch unsere Lebensweise möchten wir zum Erhalt unserer psychophysischen Gesundheit beitragen. Wir schätzen die Geborgenheit und Sicherheit in der
Gemeinschaft. Unser Modell ist eine Alternative
zu teurer herkömmlicher institutioneller Pflege.
Dafür wollen wir ein Bewusstsein in der Gesellschaft schaffen.

Adresse 	

	

Planung/Entwicklung

	   Unabhängig geplant und entwickelt, in Kooperation mit der

Fertigstellung	  

	2007

Falkstraße 25, 12053 Berlin Neukölln
STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH realisiert

Rechtsform	

Gruppe ohne Rechtsform

Finanzen

Miethöhe unterliegt dem "Bündnis für soziale

			   

Wohnungspolitik und bezahlbare Mieten"

Anzahl der Wohnungen/Zimmer 	

	

12 WE

Wohnungs-/Zimmergrößen	

	

31 - ≥ 90 m²

Anzahl der Personen	

	12

Altersstruktur	

	altershomogen

Gemeinschaftsräume
	
Besonderheit

Gemeinschaftsraum mit Gästeunterbringungsmöglichkeit;
Garten mit Terrasse; großer Abstellraum für Fahrräder
bezahlbare Mieten bei einem kommunalen Wohnungsunternehmen;
enger Austausch mit migrantisch geprägter Nachbarschaft;

	
Nachbarschaftliche Dimension

autofreies Quartier
nachbarschaftliche Mitwirkung im Quartiersrat, im Mieterbeirat,
in der Schülerhilfe und als Lesepaten

48

Wohnen in Gemeinschaft | Teil II - Berliner Projekte stellen sich vor

straße

Mainzer

Boddin

Straße

Gemeinsames Gärtnern im nachbarschaftlichen Hof
e

gstraß

Rollber

e

raße

Falkst

llinstraß

Werbe

e

rstraß

Kienitze

raße

annst

Herm

Allein Wohnen
in Gemeinschaft

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Moruss

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Friedhof Alter St. Michael

Gemeinsam finanzierte Gemeinschaftswohnung

Gemeinsamer Hausaufgang in der Falkstraße 25

49

Baugemeinschaft Südwestsonne
und NIWO e. V.
Das Projekt Baugemeinschaft Südwestsonne
und NIWO e. V. besteht aus einem ökologisch
orientierten Mehrfamilienwohnhaus mit einer
behindertengerechten Wohnetage. Dabei steht
die in das Wohnhaus der Baugemeinschaft mit
privaten Eigentums- und Mietwohnungen integrierte gemeinschaftsorientierte Wohnetage für
schwerkranke und behinderte Menschen mit
fünf Appartements um einen großzügigen Gemeinschaftswohnbereich im ersten Obergeschoss sowie einem Büro- und Beratungsraum
und einem Seminarraum im Erdgeschoss für den
inklusiven Ansatz des Projekts. Die fünf kleinen,
abgeschlossenen und behindertengerechten
Wohneinheiten mit jeweils ein bis zwei Zimmern,
Teeküche und Bad sowie teilweise eigenem Balkon sollen individuellen Rückzug ermöglichen.

Adresse 	

	

Scharnweberstraße 45, 10247 Berlin Friedrichshain

Planung/Entwicklung

archid büro für architektur, projektentwicklung, baumanagement

Fertigstellung

2012

Rechtsform

GbR/WEG; Verein

Gesamtnutzfläche	

1.600 m²

Finanzen			   
Anzahl der Wohnungen/Zimmer
	
Anzahl der Personen	
Altersstruktur	
Gemeinschaftsräume
	
Besonderheit

Eine große Wohnküche auf der gleichen Etage
mit großer Terrasse und einem Pflegebad lädt zu
Gemeinschaft und Miteinander ein. Ein weiterer
Seminar- und Gemeinschaftsraum mit Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste und Betreuer
im Erdgeschoss bietet Gelegenheit, mit anderen
Gruppen und Personen in Kontakt zu treten. Ein
kleiner Büroraum dient der Verwaltung des Vereins und der Koordination der Etage, die sich um
das Wohlbefinden der Bewohner kümmert und
Hilfen koordiniert. Der Verein wurde durch archid mitbegründet und die Wohnetage durch das
Büro gemeinsam mit dem Hospizdienst Horizont
maßgeblich konzipiert. Finanziert durch Crowdfunding entstanden im Rahmen der Wohn etage
310 m² Wohn- und Gemeinschaftsflächen.

Gesamtkosten: durchschnittlich rund 2.400 €/m²
17 WE (7 Eigentumswohneinheiten; 5 privat finanzierte Mietwohneinheiten; 5 Appartements in behindertengerechter Wohnetage)
33
generationenübergreifend: 1 - 75 Jahre

Seminar- und Gemeinschaftsräume; gemeinschaftsorientierte Wohnetage für
schwerkranke und behinderte Menschen
ökologisch und sozial nachhaltige Bauweise; hochverdichtet und individualisierter Wohnungsbau; partizipativer Ansatz im gesamten Planungsprozess

Nachbarschaftliche Dimension
Weitere Informationen	

50

von privat zur Verfügung gestelltes Quartier für Migranten im EG
www.suedwestsonne.de | www.niwo-berlin.de

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Wohnen
in Gemeinschaft | Teil II - Berliner Projekte stellen sich vor
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Baugruppe Südwestsonne
und NIWo eV
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Behindertengerechte Ausstattung

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Traveplatz

Ökologisch nachhaltige Bauweise

Gemeinschaftsraum in der Inklusionsetage

51

Eiswerder Wohnprojekt
Seit dem Jahr 2007 suchten zwei Paare ein geeignetes Objekt für eine Hausgemeinschaft; im
Jahr 2010 wurden sie endlich fündig. Mit Hilfe
der Stiftung trias kam der Kauf einer ehemaligen
Berufsschule und dem dazugehörigen Werkstattgebäude zustande, in dessen Anschluss trias mit der Vierer-GbR einen Erbpachtvertrag auf
99 Jahre abschloss. Danach zerstritten sich die
Paare, so dass das Grundstück und die Häuser in
einem schwierigen Verfahren aufgeteilt werden
mussten. Im Jahr 2012 übernahm die SelbstBau
eG den Bereich mit dem Werkstattgebäude, in
dem im Jahr 2013 begonnen wurde zu bauen.
Dabei räumten uns die Architekten viel Mitspracherecht ein und stellten ihr Büro für Besprechungen der zukünftigen Hausgemeinschaft zur

Adresse 	

	

Verfügung. Ein Jahr später wurden fast alle Wohnungen bezogen, zwei blieben jedoch länger
leer, da es sich aufgrund der Insellage und des
noch bestehenden Fluglärms als schwierig erwies, Familien mit Kindern für das Projekt zu
gewinnen. Im April 2015 waren endlich alle Wohnungen belegt. Von Beginn an fanden regelmäßige Treffen und sonntägliches Frühstück im
großen Gemeinschaftsraum statt. Der Garten
wird gemeinsam angelegt, gepflegt und häufig
genutzt. Die Terrassen vor den Wohnungen gehen fließend ineinander über und fördern somit
das gemeinschaftliche Miteinander. Da der Bau
nicht unter Denkmalschutz steht, konnte er optimal verändert werden, so dass das Areal nun
einen nahezu mediterranen Anblick bietet.

Eiswerderstraße 13 C-J, 13585 Berlin Spandau

Planung/Entwicklung

ai3 architekten woo-jung son

Fertigstellung

2014

Begleitung/Betreuung	  Mietergenossenschaft SelbstBau eG; Netzwerkagentur GenerationenWohnen
Rechtsform

Genossenschaft

Grundstücksfläche

3.500 m²

Gesamtnutzfläche	

1.000 m²

Finanzen

Genossenschaftsanteil: 320 €/m²

			   
Anzahl der Wohnungen/Zimmer 	
Wohnungs-/Zimmergrößen	
Anzahl der Personen	
Altersstruktur
	
Gemeinschaftsräume
	
Besonderheit

Miete: 10,25 €/m² (inklusive Betriebskosten)
9 WE
60 - 120 m² (mit offenen Küchen)
15
generationenübergreifend:
5 - 72 Jahre (davon die Hälfte älter als 60 Jahre)
Gemeinschaftsraum mit Küche, Terrasse, Toilette und Dusche;
"Yoga-Raum" für diverse Aktivitäten; Gemeinschaftsgarten

ehemalige Berufsschulwerkstatt; Lage auf der Insel, direkt am Park, Blick auf die
Havel; U-förmiger Bau, dadurch sehr kommunikationsfördernd

Weitere Informationen	

52

www.selbstbau-eg.de/projekte/insel-eiswerder

Wohnen in Gemeinschaft | Teil II - Berliner Projekte stellen sich vor

Pionierinsel

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Eisw

Eiswerder
Wohnprojekt

Havel

Gemeinschaftsraum

53

Haus der Parität Schöneberg
Das Projekt Haus der Parität Schöneberg ist kein
klassisches Wohnprojekt. Mit Unterstützung
vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin
entsteht ein Gebäude, das gesundheitlich beeinträchtigten Menschen, die sich auf dem freien
Markt kaum mit Wohnraum versorgen können,
gute Wohnverhältnisse bietet. Durch die Gemeinschaftsräume und die Betreuungsleistungen der Träger-Organisation hoffen wir, Interaktionen untereinander anregen zu können.
Besonders hervorzuheben ist der Kindertagesstätten-Ansatz: Diese wurde bewusst mit Seniorenwohnungen kombiniert, um somit einen Aus-

Adresse 	

	

tausch zwischen Jung und Alt herbeizuführen.
Darüber hinaus zielen wir darauf ab, das RepairCafé als "Fenster zur Öffentlichkeit" zu etablieren, als Schnittstelle zu nicht beeinträchtigten
Menschen. Wenn es gelingt, die Bewohner an ein
selbständiges Leben zu gewöhnen, kann später
gegebenenfalls ein Umzug in eine neue Wohnung erfolgen. In diesem Fall wäre das Haus der
Parität Schöneberg die Zwischenstation zwischen Behinderteneinrichtung und einer Wohnung auf dem freien Markt. Dies ist nötig, da
Inklusion neue Wege finden und ebensolche Zwischenschritte möglich machen muss.

Am Lokdepot 17/Dudenstraße 92, 10965 Berlin Schöneberg

Entwicklung

UTB Projektmanagement und Verwaltungsgesellschaft mbH

Planung

SchäferWenningerProjekt GmbH

Geplante Fertigstellung

2016

Begleitung/Betreuung

Stiftung trias - Gemeinnützige Stiftung für Boden, Ökologie und Wohnen

Rechtsform

Stiftung

Grundstücksfläche

ca. 2.945 m²

Gesamtnutzfläche	

ca. 1.900 m²

Finanzen			   
Anzahl der Wohnungen/Zimmer 	
Wohnungs-/Zimmergrößen	
Anzahl der Personen	
Altersstruktur	
Gemeinschaftsräume
	
Besonderheit

Gesamtfinanzvolumen: 5,3 Mio €
34 WE
≤ 30 - 50 m²
34
generationenübergreifend
5 Gemeinschaftsräume; Repair-Café; mit Seniorenwohnungen
kombinierte Kindertagesstätte; Gemeinschaftsgarten
KfW-70-Haus mit BHKW; Kindertagesstätte mit ca. 40 Plätzen;
Wohnraum für psychisch Kranke und geistig behinderte Menschen

Nachbarschaftliche Dimension

Mieter-Betreuung durch Träger-Organisationen: GamBe gGmbH, KommRum
e. V., Pinel gGmbH, aktion weitblick – betreutes wohnen - gGmbH, TÄKS e. V

Weitere Informationen	

54

www.stiftung-trias.de/190.html

Wohnen in Gemeinschaft | Teil II - Berliner Projekte stellen sich vor

Yorckstraße
Monumentens

Haus der Parität
Schöneberg

Katzbachstraße

Am Lokdepot

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Dudenstraße

Eingliederung in das Gesamtensemble "Am Lokdepot"

Wohn- und Lebensraum "Am Lokdepot"

55

IBeB - Integratives Bauprojekt am
ehemaligen Blumengrossmarkt
Hinter dem Projekt IBeB steht eine integrative
Baugemeinschaft zur Errichtung von Wohn-,
Atelier- und Gewerbeeinheiten, die von genossenschaftlichen Mitgliedern, privaten Bauherren
und einem sozialen Träger genutzt werden. Wesentliches Ziel des Konzepts ist eine hohe Vielfalt
und Durchmischung der Bewohner- und Nutzungsstruktur. Die künftig im Rahmen einer
Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) aufgeteilten Einheiten werden bevorzugt an Kulturschaffende, junge Familien, Alleinerziehende
und ältere Menschen vergeben. Durch einen relativ günstigen Grundstückspreis und eine Querfinanzierung durch die privaten Eigentümer wird

Standort

	

Planung/Entwicklung
Geplante Fertigstellung	  
Rechtsform

eine Reduzierung der Kosten von genossenschaftlichen Wohn- und Ateliereinheiten erreicht. Ein weiterer zentraler Faktor ist die Verbindung von Wohnen und Arbeiten. Die räumliche
Grundstruktur wird so angelegt sein, dass eine
Durchdringung unterschiedlicher Nutzungsformen möglich ist (auf Flexibilität, Um- und Ausbau hin ausgelegte Erschließungen, Raumhöhen
und Grundrisse). Der integrative Ansatz zeigt
modellhaft, wie ein Bauprojekt - freifinanziert
und ohne Förderprogramme - eine soziale und
funktionale Mischung sicherstellt und somit prototypisch für weitere gemeinschaftliche
Hausprojekte sein kann.

Lindenstraße 91, 10969 Berlin Kreuzberg
Selbstbaugenossenschaft Berlin eG, IfaU - Institut für angewandte Urbanistik
2017
GbR/WEG mit Beteiligung einer Genossenschaft
und eines sozialen Trägers

Finanzen			

Eigentumswohnungen und -ateliers je nach Lage: 3.000 - 3.900 €/m²;
genossenschaftliche Einheiten: Genossenschaftsanteile: 380 - 880 €/m²;

   
Anzahl Nutzeinheiten
Größe der Nutzeinheiten	
Altersstruktur	
Gemeinschaftsräume	

Nutzungsentgelt: 9,50 €/m²; sozialer Träger: 3.000 €/m²
78 (Wohnungen, Ateliers, betreutes Wohnen, Gewerbe)
25 - 140 m²
generationenübergreifend
Dachgarten mit Gemeinschaftsraum; Waschküche; Fahrradwerkstatt

Besonderheit

integrativer Ansatz: Durchmischung von Wohnungseigentum, Genossen-

Nachbarschaftliche Dimension

qualifizierendes Planungsverfahren unter Einbeziehung lokaler Akteure;

schaftseinheiten, sozialem Träger, Gewerbe; Wohnen und Arbeiten
Bauhütte als Schnittstelle zum sozialen Umfeld
Weitere Informationen	

56

www.ib-eb.com

Wohnen in Gemeinschaft | Teil II - Berliner Projekte stellen sich vor

Bauhütte als Schnittstelle zum sozialen Umfeld

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Bessel-Park

Visualisierung des Neubaus

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IBeB - Integratives Bauprojekt
am ehemaligen Blumengrossmarkt

Gemeinsamer Planungsprozess
Mehringplatz

57

RuT-FrauenKultur&Wohnen
RuT-FrauenKultur&Wohnen steht für ein inklusives, generationsübergreifendes Zusammenleben in der Vielfalt von Lesben und Frauen. Die
Integration von aktivem, selbstbestimmtem
Wohnen mit Pflegeangebot in einer vielfältigen,
intergenerativen Gemeinschaft von Frauen und
die Einbindung in die Kompetenzen des soziokulturellen Zentrums mit Beratung, Freizeit- und
Kulturangeboten ist gelebte Inklusion und einmalig in Berlin. Das Zusammenleben ist geprägt
durch aktives, selbstbestimmtes, gemeinschaftliches Handeln, Bereitstellung gegenseitiger Unterstützung, Hilfestellung und intensiver Kommunikation. Der innovative Ansatz dieses
Projekts ist die konzeptionelle und räumliche
Verbindung zwischen soziokulturellen Angeboten des Zentrums und Hilfsangeboten für beson-

Geplanter Standort

dere Zielgruppen. Das Projekt ist auf der langjährigen Erfahrung des RuT e.V. konzipiert und
stellt eine qualitative - und räumlich gesehen
auch quantitative - Weiterentwicklung dieser
Arbeit dar. Das geplante Zentrum wird mit deutlich erweiterten Möglichkeiten und Angeboten
ausgestattet sein wie auch ein Kiezcafé, Veranstaltungsräume und Gästewohnungen. Mit dem
RuT-Besuchsdienst, dem Pflegedienst, der Pflege-WG, einer ambulanten Betreuung sowie den
Beratungs- und Kulturangeboten bietet RuTFrauenKultur&Wohnen Frauen ein umfassendes
Servicepaket für die physische und psychische
Gesundheit, und ermöglicht ein aktives, selbstbestimmtes Leben und Altern in der eigenen
Wohnung - bis zum Lebensende.

	Berlin

Begleitung/Betreuung

Netzwerkagentur GenerationenWohnen;
Unternehmensgruppe Krebs GmbH (Generalplanung); verschiedene

	  
Geplante Rechtsform

Unterstützer hinsichtlich Finanzen, Architektur etc.; Kuratorium
gGmbH

Geplante Art der Finanzierung			   
Spenden; Darlehen; Fördermittel (u.a. Lotto, DPW)
Geplante Anzahl Wohnungen/Zimmer
	
Geplante Wohnungs-/Zimmergrößen	
Geplante Anzahl der Personen	
Geplante Altersstruktur	
Geplante Gemeinschaftsräume
	
Besonderheit

ca. 60 Wohnungen/Zimmer (inklusive Pflege-WG);
zusätzlich: ca. 6 Gästewohnungen
31 - 50 m² und 71 - 90 m²
ca. 60 Frauen (inklusive ca. 8 Frauen in der Pflege-WG)
generationenübergreifend
Garten; Gemeinschafts-/Gruppenraum; Veranstaltungsräume;
Gästewohnungen; soziokulturelles Zentrum
Anteil an Wohnungen für Frauen mit geringem Einkommen/
Transferleistungen; ökologische und energiesparende Bauweise

Nachbarschaftliche Dimension

Kiezcafé als Ort der Begegnung und des Austauschs; Veranstaltungen für
Interessierte; Veranstaltungsraum kann gemietet werden

Weitere Informationen	

58

www.rut-berlin.de/rut-frauenkulturwohnen.html

Wohnen in Gemeinschaft | Teil II - Berliner Projekte stellen sich vor

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Flughafe

Boddinstraße

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Schillerp

RuT FrauenKultur&Wohnen

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Offenes Beratungs-, Kompetenz- und Kulturzentrum

Bücherei zum kostenlosen Ausleihen

59

Seniorenwohnhaus am Gasometer
Gemeinschaftliches Wohnen im Alter
Das Seniorenwohnhaus am Gasometer liegt in
Berlin Schöneberg auf der sogenannten „Roten
Insel“. Hinter dem Haus, nur wenige hundert
Meter entfernt, am Rande des Cheruskerparks,
befindet sich das im Jahr 1908 erbaute Industriedenkmal „Gasometer Schöneberg". Durch
den neuen S–Bahnhof Julius–Leber–Brücke, der
nur 400 Meter entfernt ist, sind die Bewohner
und Besucher optimal an das Verkehrsnetz der
Hauptstadt angeschlossen. Das umgebaute ehemalige Gemeindehaus, in dem das Projekt angesiedelt ist, kann nach Reduzierung aller vorhandenen Barrieren insbesondere von älteren
Menschen problemlos genutzt werden. Durch
die Tagespflege Friedenau wurde im Erdgeschoss
des Gebäudes eine Seniorentagesstätte eingerichtet. Ältere und pflegebedürftige Menschen,
Adresse 	

	

die noch zuhause wohnen, können den Tag hier
in Gemeinschaft verbringen. Die drei Obergeschosse wurden für Wohngemeinschaften umgebaut. In der Wohngemeinschaft im ersten
Obergeschoss werden neun an Demenz erkrankte Menschen rund um die Uhr von einem festen,
professionellen Pflegeteam betreut. Auch mit
der Realisierung der Pflege und Betreuung von
fünf pflegebedürftigen Menschen in einer Wohngemeinschaft im zweiten Obergeschoss wurden
neue Wege gegangen. Darüber hinaus wohnen
in einer Wohngemeinschaft im dritten Obergeschoss vier noch selbstständige Senioren. Auch
sie profitieren von der Nähe der Betreuungsangebote und können sich eine neue Nachbarschaft aufbauen.

Cheruskerstraße 28, 10829 Berlin Schöneberg

Planung/Entwicklung

Kooperation zwischen Nachbarschaftsheim Schöneberg
und Stiftung Leben in Berlin

Fertigstellung

2009

Rechtsform

gemeinnützige Stiftung

Grundstücksfläche

600 m²

Gesamtnutzfläche	

1.100 m²

Finanzen			   
Anzahl der Wohnungen/Zimmer 	
Wohnungs-/Zimmergrößen	

Durchschnittliche Warmmiete: 10,50 €/m²
18 Zimmer (Tagespflegestätte und 3 Wohngemeinschaften)
Zimmergrößen ca. 20 m²
zuzüglich anteilig ca. 20 m² Gemeinschaftsfläche

Anzahl der Personen	
Altersstruktur	
Gemeinschaftsräume
	
Besonderheit

18
altershomogen
Gemeinschaftsräume; Garten und Terrassen bzw. Balkone; Tagespflege
steht nach 16.00 Uhr für selbstorganisierte Treffen zur Verfügung
Haus kommt ohne Atomstrom aus; im Keller arbeitet ein BHKW; zusätzlich
benötigter Strom wird von den Elektrizitätswerken Schönau bezogen

Nachbarschaftliche Dimension
	

60

vom Nachbarschaftsheim Schöneberg betriebene Tagespflegestätte ist nach
16.00 Uhr und am Wochenende z.B. für Stadtteilgruppen nutzbar

Wohnen in Gemeinschaft | Teil II - Berliner Projekte stellen sich vor

Barrierefreie Gemeinschaftsküche mit Aufenthaltsbereich

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Cheruskerstraße

Fassade des Seniorenwohnhauses

Seniorenwohnhaus
am Gasometer
Leuthener Straße

Schöneberg

Gemeinsamer Adventskaffee

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Spreefeld Berlin eG
Leitmotiv des Projekts war es, das außergewöhnliche Potenzial des Orts für spätere Nutzer
und Nachbarn zu entdecken und zu nutzen,
ohne dabei die öffentlichen Ansprüche an das
Flussufer zu missachten. Es versteht sich somit
als gebauter Beitrag zur kontroversen Debatte
über das innerstädtische Spreeufer oder zur Frage: „Wem gehört die Stadt?“ Dabei ermöglicht
das gemeinschaftliche, genossenschaftliche Eigentum den Teilnehmern einen sicheren Rahmen für dauerhaft kostengünstiges Wohnen
sowie die Organisation und langfristige Absicherung gemeinschaftlicher Nutzungen und Räume.
Wesentliche, parametrisch wirkende Vorgaben
für das bauliche Konzept waren:

„„hohe Anforderungen an Gestaltung, Energieeffizienz und Dauerhaftigkeit
„„Offenheit gegenüber der Nachbarschaft
und der Stadt
„„differenzierte Abstufungen zwischen privaten, gemeinschaftlichen und öffentlichen
Räumen
„„Varianz der Grundrisse/Angebote für zeitgemäße Wohn- und Lebensformen
„„ressourcensparende Bauweise und Betrieb
(Passivhaus, Holzbau, Flächenökonomie)
„„niedrige Herstellungskosten als Voraussetzung für kostengünstiges Wohnen
„„bauliche Selbsthilfe/sukzessive Fertigstellung im Innenausbau

Adresse 	

Wilhelmine-Gemberg-Weg 10-14, 10179 Berlin Mitte

	

Planung/Entwicklung

Programm und Prozess: Die Zusammenarbeiter;
Architektur: carpaneto, fatkoehl, BAR architekten

Fertigstellung

2014

Rechtsform

Genossenschaft

Gesamtnutzfläche	

8.000 m²

Finanzen

Gesamtfinanzvolumen: 16,9 Mio €; Genossenschaftsanteile: 6 Mio €;

			   
Nutzungsentgeld: 5,60 - 10,10 €/m² (nettokalt); Selbsthilfeanteil: 5 %
Anzahl der Wohnungen/Zimmer
	
Wohnungs-/Zimmergrößen	
Anzahl der Personen	
Altersstruktur	
Gemeinschaftsräume

46 - 67 WE (je nach Zählart: von 67 WE befinden sich
21 WE in 3 Gemeinschaftswohnungen)
31 - ≥ 90 m²
ca. 80 Genossen und 130 Bewohner
generationenübergreifend
3 Optionsräume ("Werken", "Ernährung", "Kunst und Bewegung"); 3 Dachter-

rassen; 2 Gästewohnungen; 2 Waschräume; 1 Bootshaus; 1 Musikraum; Garten
Besonderheit
	
Nachbarschaftliche Dimension

partzipative Entwicklung; gemischte Sozialstruktur; gemeinschaftliche Wohnformen; barrierefrei; kostengünstig; Selbsthilfe; Passivhäuser; Geothermie
Grundstück bleibt offen für alle; teepeland-Kino im Boothaus;
gemeinsame Herstellung des Uferwegs; Gartenbauprojekte mit Geflüchteten

Weitere Informationen

62

www.spreefeld-berlin.de

Wohnen in Gemeinschaft | Teil II - Berliner Projekte stellen sich vor

Gemeinschaftsküche

Ostbahnhof
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Spreefeld Berlin eG

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Studentendorf Adlershof
Im Studentendorf Adlershof finden in acht dreigeschossigen Gebäuden 288 Studenten in großzügigen Wohnlandschaften ihr Zuhause. Zwei
viergeschossige Häuser ergänzen das Angebot
durch Einzel- und Doppelapartments, so dass
insgesamt 386 Studenten sowie Forscher und
Lehrende hier ihren Platz finden. In den Wohnlandschaften teilen sich jeweils zwischen 10 und
13 Bewohner eine großzügige Gemeinschaftsfläche mit Koch-, Ess- und Sitzbereich, um die sich
die individuellen Zimmer mit jeweils eigenem
Bad anordnen. Die Fassaden der Wohngebäude
werden maßgeblich von den Denker-Erkern geprägt. Jedem Studentenzimmer zugeordnet ist
er zugleich Rückzugs- sowie Ausblicksort und

Adresse 	
Planung/Entwicklung

	

symbolisiert die kleine Einheit im größeren Gefüge des Dorfs. Durch eine unterschiedliche Ausrichtung der Erker-Geometrie, der Anordnung
der Fenster, des Vergrauungsanstrichs der Holzverschalung sowie der Farbigkeit des Sonnenschutzes wird die serielle Fertigung der Fassaden
aufgelockert und zugleich die Individualität der
Hausbewohner herausgearbeitet. Vorbild für
das Wohn- und Architekturkonzept ist das Studentendorf Schlachtensee. Ähnlich wie dort liegen auch in Adlershof die zentralen Gemeinschaftseinrichtungen am Dorfplatz, dem Herz
der Wohnanlage. Hier befinden sich der Studentenclub, das Vermietungsbüro, eine Kita, ein Fitnessstudio und eine Poststelle mit Waschsalon.

Abram-Joffe-Straße 18, 12489 Berlin Adlershof
Studentendorf Schlachtensee eG;
Die Zusammenarbeiter - Gesellschaft von Architekten mbH

Fertigstellung
Rechtsform

2014
Genossenschaft

Grundstücksfläche

11.000 m²

Gesamtnutzfläche	

13.400 m²

Finanzen			   

24 Mio €

Anzahl der Wohnungen/Zimmer 	

377 WE

Wohnungs-/Zimmergrößen	

≤ 30 m²

Anzahl der Personen	
Altersstruktur	
Gemeinschaftsräume
	

ca. 400
Studenten und Wissenschaftler
Studentenclub; Waschcafé; Poststelle mit Waschsalon; Sportraum;
Projektraum; Gemeinschaftsgarten; Kita mit Spielgarten

Besonderheit

KfW-Effizienzhaus-40; kostenbewusstes Bauen;

	

Weiterentwicklung des Studentendorfkonzepts

Nachbarschaftliche Dimension
Weitere Informationen

64

Gemeinschaftshöfe; Wohnlandschaften; Kommunikation
www.studentendorf.berlin/adlershof

Wohnen in Gemeinschaft | Teil II - Berliner Projekte stellen sich vor

Studenten in ihrer Wohnlandschaft

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Adlershof

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Garten im Studentendorf

65

Werk Stadt Garten Wohnen
Neues Wohnen und Arbeiten an einem Ort mit
der Aura der Erinnerung - wie lässt sich Wohnraum hier gestalten? Auf einem Teil des innerstädtischen Friedhofs St. Nikolai und St. Marien II in Berlin Prenzlauer Berg entstehen kleine
und variable Wohnungen verbunden mit einem
großzügigen Werkgarten. Diese besondere Situation lässt die Möglichkeiten des Wohnens und
Arbeitens in der Stadt neu denken. Es entsteht
ein Gebäude mit der Präzision eines Uhrwerks:
viele kleine Maisonetteappartements sind durch
ein inneres Erschließungssystem verknüpft und
stapeln sich neben- und übereinander an einer
Nordbrandwand. Zusätzliche Spindeltreppen in
der Fassade verbinden die Appartements direkt
mit einem eigenen Wohnraum im Grünen, einem
Raum der anderen Art: ein Werkraum, ein

Adresse 	

	

Planung/Entwicklung
Geplante Fertigstellung
Begleitung/Betreuung

Übungsraum, ein Rückzugsraum, ein Raum mit
anderen Möglichkeiten als in einer herkömmlichen Wohnung denkbar. Dabei bleiben die Fragmente des Ortes erhalten: Notkapelle, Kapellenruine, Steinmetzgebäude, Relikte und Steine - die
Aura vergangener Zeiten. Und dennoch entsteht
hier etwas Neues, eingebettet zwischen gestern
und morgen. Möglichkeiten der Schaltbarkeit
sowie Addition und Subtraktion prägen die
Raumkonzepte. Es geht um eine Kombinatorik
der räumlichen Elemente. Sie soll sich den wandelnden Lebensumständen der Stadtbewohner
anpassen. Vier-Generationen-, Patchwork-Familien, Singles, Menschen aus sechs Nationen - die
kostengünstigen Minimaleinheiten verbindet
der gemeinsame Garten.

Prenzlauer Allee 7, 10405 Berlin Prenzlauer Berg
NÄGELIARCHITEKTEN Berlin in Kooperation mit der Baugemeinschaft
2016
STATTBAU GmbH

Rechtsform

GbR/WEG

Grundstücksfläche

2.400 m²

Gesamtnutzfläche	
Finanzen			   
Anzahl der Wohnungen/Zimmer 	
Wohnungs-/Zimmergrößen	

2.200 m²
Gesamtfinanzvolumen: 7 Mio € (mit der GLS Bank)
25 WE (Modul-System)
31 - ≥ 90 m²

Altersstruktur

generationenübergreifend: Vier-Generationen-Familie;

	

Patchwork-Familien; internationale Hausgemeinschaft

Gemeinschaftsräume
	
Besonderheit

gemeinsamer Hof mit Notkapelle und Waschhäuschen
als Kernstück der Anlage; Werkhütten im anschließenden Pachtgarten
vorwiegend Minimalwohnungen, die von heterogener Gemeinschaft
bewohnt werden; teure Penthouses finanzieren Kleinwohnungen gegen

Nachbarschaftliche Dimension
	

66

Werkgärten mit Hütten stehen der Nachbarschaft offen;
Integration der Nachbarfamilien in das Gartengeschehen

Wohnen in Gemeinschaft | Teil II - Berliner Projekte stellen sich vor

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Garten Wohnen

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Diskussionsrunde im Garten

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Prenzlauer

Alexanderplatz

Gartenhaus mit bestehendem Park

Gartenhaus Planung

Straßenfassade

67

WiLMa - Wohnen in Lichtenberg Magdalenenstraße 19
Wir sind rund 60 Menschen verschiedenen Alters, arbeiten, studieren oder befinden uns in der
Ausbildung in unterschiedlichen Bereichen, von
Krankenschwester bis Sozialpädagogin. Viele
von uns sind gesellschaftspolitisch engagiert.
Der Wunsch nach einer solidarischen Form des
Zusammenlebens zu sozialverträglichen Mieten
in Innenstadtnähe hat uns vor etwa drei Jahren
zusammengeführt, um als Teil des Mietshäuser
Syndikats das vom Liegenschaftsfonds Berlin
veräußerte Haus in der Magdalenenstraße 19 zu
erwerben. Nach drei Jahren Planung und einigem Bangen um die Projekt-Realisierung konnten wir schließlich im Juni 2015 unseren Einzug
mit Freunden auf unserem zweiten Hoffest feiern. Nun sind also alle Etagen des ehemaligen

Verwaltungsgebäudes des MfS/Arbeitsamts im
Rahmen des lokalen Mietspiegels bewohnt. Das
Erdgeschoss wird an befreundete Verbände als
Bürofläche vermietet. Wir freuen uns darauf,
diesen Ort in den kommenden Jahren nicht nur
zum Wohnen zu nutzen, sondern ihn auch als
Begegnungsstätte mit und für eine interessierte,
aktive Nachbarschaft attraktiv und nutzbar machen zu können. Themen, die im Rahmen von
Veranstaltungen und Aktionen eine wichtige
Rolle spielen werden, sind etwa unsere Vorstellungen von einem "Campus der (Basis)Demokratie", Wohnraum für Geflüchtete in Lichtenberg,
aktuelle Geheimdienstpraxen (NSA, BND, BfV
etc.) und einige mehr.

Adresse 	

	

Planung/Entwicklung

	   Hausverein in Zusammenarbeit mit einem Architekturbüro

Fertigstellung

	

Gebäude: 2015; Außenanlagen: 2016

Begleitung/Betreuung	  

Mietshäuser Syndikat

Magdalenenstraße 19, 10365 Berlin Lichtenberg

Rechtsform

Verein

Grundstücksfläche

1.500 m²

Gesamtnutzfläche	

2.500 m²

Finanzen

Gesamtfinanzvolumen: 2,3 Mio €

			   
Anzahl der Wohnungen/Zimmer 	
Wohnungs-/Zimmergrößen	
Anzahl der Personen	
Altersstruktur	
Gemeinschaftsräume
	
Besonderheit
	
Nachbarschaftliche Dimension

Miete: 4,70 €/m² (nettokalt)
14 WE; insgesamt 79 Zimmer
16 m²
ca. 55, dazu kommen etwa 10 Kinder
vor allem Ende 20 bis Mitte 30 sowie Kinder bis 5 Jahre

einige WE haben einen eigenen Gästeraum und eigene Gemeinschaftsräume;
kollektive Gemeinschaftsräume sind der große Hof sowie die Remise
Fokus auf günstige Mieten - sowohl bezüglich Mietspiegel/Verhältnis im
Stadtteil als auch intern, damit sich alle diese Art von Wohnen leisten können
Mitarbeit im Sanierungsbeirat Frankfurter Allee Nord; direkte Einladungen
zu Hoffesten; Beteiligung an Debatten im Stadtteil zu Wohnpolitik etc.

Weitere Informationen

68

www.wilma19.de

Wohnen in Gemeinschaft | Teil II - Berliner Projekte stellen sich vor

Hoffest im Juni 2015

Hans-ZoschkeStadion

Rüdigers

traße

Bau von Hochbeeten Juni 2015
Norman

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Roedeliusplatz

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Frankfur

Magdale
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Ruschest

nstraße

raße

WiLMa

Magdalenenstraße

Pause im Hof bei kollektivem Baueinsatz

69

X-berger-Wohnverwandtschaften
Wir sind Menschen in der zweiten Lebenshälfte
im Alter von 52 bis 73 Jahren, wir sind alleinstehend und wollen künftig in Gemeinschaft leben.
Gefunden haben wir uns über den Kreuzberger
Wohntisch, den das Nachbarschaftshaus Urbanstraße in Kooperation mit der Netzwerkagentur
GenerationenWohnen seit Anfang des Jahres
2014 organisiert. Seither befinden wir uns in einem intensiven Gruppenprozess. Wir wissen um
unsere niedrigen Renten und die Bedarfe einer
alternden Gesellschaft. Wir möchten in bezahlbarem Wohnraum zur Miete leben. Als Wohnform stellen wir uns einerseits Wohngemeinschaften, abgeschlossene Wohnungen
verschiedener Größen, aber auch Mischkonzepte
vor. Wir wollen ein innerstädtisches Wohnprojekt umsetzen und mit mehreren Generationen
solidarisch, selbstbestimmt und selbstorganisiert unter einem Dach zusammen leben. Barrierefreiheit im Gebäude sehen wir als Vorausset-

Geplanter Standort

	

zung an, um lebenslange Teilhabe zu
ermöglichen. Begegnungsräume im Wohnumfeld wie Gemeinschaftsräume, Gärten und Treffpunkte sind für uns eine Bedingung, um Soziale
Nachbarschaften entstehen zu lassen, die durch
gelebte gegenseitige Hilfen und gemeinsame Aktivitäten geprägt sind. Erste Kooperationsbemühungen mit einem städtischen Wohnungsunternehmen haben die Möglichkeit eröffnet, in ein
ehemaliges Seniorenwohnhaus in Kreuzberg
einzuziehen, das im Erdgeschoss eine kommunale Begegnungsstätte beherbergt. Die Räume
der Begegnungsstätte sowie der Garten könnten
uns als Gemeinschaftsräume dienen, die zu einem nachbarschaftlichen Treffpunkt für das
Quartier weiterentwickelt werden sollen. Ein anderer Teil der Gruppe ist daran interessiert, in
einem Neubauprojekt einer Neuköllner Wohnungsgenossenschaft ein gemeinsames Zuhause zu finden.

Berlin Kreuzberg oder angrenzende Stadtteile

Begleitung/Betreuung	   Nachbarschaftshaus Urbanstraße; Netzwerkagentur GenerationenWohnen
Geplante Rechtsform

Verein

Geplante Art der Finanzierung			   
Wohnen zur Miete; Zuschüsse aus Bundesmitteln beantragt
Geplante Anzahl Wohnungen/Zimmer	
Geplante Wohnungs-/Zimmergrößen	
Geplante Anzahl der Personen	
Geplante Altersstruktur	
Geplante Gemeinschaftsräume
	
Besonderheit

20 WE
31 - 70 m²
20 Erwachsene und x Kinder
generationenübergreifend
Garten zur gemeinsamen Nutzung und Gestaltung;
Gemeinschaftsraum, der für die Nachbarschaft offen ist

günstiges Wohnen zur Miete in eigener Wohnung mit gegenseitiger Unterstützung: Soziale Nachbarschaften für Singles jeden Alters sowie Alleinerziehende

Nachbarschaftliche Dimension

Nutzung der Begegnungsstätte als Gemeinschaftsraum für die Bewohner
sowie Öffnung in die nähere und weitere Nachbarschaft

Weitere Informationen	

70

x-berger-wohnverwandtschaften@outlook.de

Wohnen in Gemeinschaft | Teil II - Berliner Projekte stellen sich vor

Treffen im Nachbarschaftshaus Urbanstraße

Wohntisch-Runde

Die X-berger Wohnverwandten diskutieren ihren Flyer

Die

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X-berger
Wohnverwandtschaften

71

Teil III
Der Weg in die Soziale Nachbarschaft

72

Wohnen in Gemeinschaft | Teil III - Der Weg in die Soziale Nachbarschaft

a | Wie gestalten wir Soziale Nachbarschaften?
Annett Biernath
degewo AG
Abteilung Quartiersmanagement
Cindy aus Marzahn. Christiane F. aus Gropiusstadt. Sido aus dem Märkischen Viertel. Quartiere haben ihre Figuren, ihre Bilder, ihr Image.
Häufig mehr in der Wahrnehmung durch Außenstehende als in der Betrachtung durch die Bewohner. Die Innensicht erscheint meist differenzierter als der Blick von außen.
Der Ansatz der degewo AG zur Quartiersentwicklung richtet sich unmittelbar auf eine integrierte, auf das jeweilige Gebiet zugeschnittene Konzeption. Wir analysieren, entwickeln, verändern
Quartiere, indem wir unterschiedliche Aspekte
miteinander verknüpfen. Diese reichen von der
baulichen und energetischen Qualität der Gebäude über die Nahversorgung, die Grünflächen
und Spielplätze, die Netzwerkarbeit mit anderen
Akteuren bis hin zur Förderung einer guten
Nachbarschaft. Um nachhaltige Verbesserungen
zu erreichen, ist ein langer Atem gefragt. Häuser
lassen sich rasch sanieren, doch Veränderungen
im nachbarschaftlichen Zusammenleben oder
am Image eines Quartiers benötigen Zeit.
Zielgruppenspezifik in den Gebieten
Zu Beginn eines jeden Prozesses der Quartiersentwicklung stellt degewo an sich selbst und
andere immer wieder neue, auch unbequeme
Fragen: Wie schaffen wir Nachbarschaft, Geborgenheit, Wertschätzung? Sollte sich ein Wohnungsunternehmen in die Qualität von Bildungsstandorten einbringen? Finanzieren wir Projekte
und freie Träger oder legen wir eigene Projekte
auf? Ist es wichtig, Mieter an der Gestaltung von
Hauseingängen zu beteiligen? Lebenslanges
Wohnen - ist das überhaupt möglich? Weshalb
sollte ein kommunales Wohnungsunternehmen

jungen alleinerziehenden Müttern Wohnraum
und eine Ausbildungschance bieten? Einige von
vielen Fragen. Die Analysen der unterschiedlichen degewo-Quartiere führen zu differenzierten Entwicklungsstrategien: Während in Mariengrün ein zielgruppenspezifisches Konzept
entwickelt wurde, das die Herausforderungen
des demographischen Wandels aufnahm, so sind
es im Herzen Berlins, am Mariannenplatz, eher
viele kleinteilige Projekte. Im „Sonnengarten“
treffen sich regelmäßig 45 Mieter aller Altersgruppen zum gemeinsamen gärtnern und ernten.
In Gropiusstadt wird neu gebaut - in die Planung
dreier Etagen ist der künftige Träger von rund 25
betreuten Wohnungen für demenziell Erkrankte
mit einbezogen. Auch der Träger einer NeubauKindertagesstätte ist von Beginn der Planungsphase an dabei. Der integrative Ansatz von degewo zur Quartiersentwicklung ist in allen
Gebieten ähnlich – die Entwicklungskonzepte
sehen verschieden aus.
Gemeinsame Projekte fördern –
Identifikation und Gemeinsamkeiten
Der in Mariengrün erstmals so konsequent verfolgte Ansatz - ein integriertes Konzept für das
gesamte Gebiet zu entwickeln - führte zum Erfolg. Das umfassend sanierte Quartier mit seinen rund 2.500 Wohnungen bietet heute Menschen unterschiedlichen Alters und mit
unterschiedlichen Lebensstilen eine moderne
Heimat. Die lichten Wohnungen sind umgeben
von parkähnlicher Landschaft, deren Gestaltung
der Förderung von Nachbarschaften dient. Rosengärten und Spielflächen, Bänke und Bewe-

73

gungsgeräte für Ältere, von Mietern gepflegte
Hochbeete, engagierte Hausmeister, ein von
degewo geförderter Nachbarschafts- und Selbsthilfeverein im Alten Waschhaus - all dies sind
Bausteine von Sozialen Nachbarschaften in Mariengrün. Die Großwohnsiedlung verliert ihre
Anonymität - ja, man kennt sich hier. Mieter gehen gern vor ihre Haustüren - weil es Orte für
Begegnungen, Austausch und Freizeit gibt. Sie
bringen sich ein, weil sie Lust auf Kontakte haben, von degewo unterstützt werden und im Gemeinsamen neue Lust am Wohnen in der Großwohnsiedlung entdecken. Dass sich die Siedlung
im Süden Marienfeldes in den vergangenen Jahren positiv entwickelt hat, zeigen auch die jüngsten Ergebnisse der Mieterumfrage. Mariengrün
gehört zu den degewo-Quartieren mit den
höchsten Zufriedenheitswerten.
Das Wohnumfeld aktiv mitgestalten, die Identifikation der Bewohner fördern und zugleich
Vandalismus bekämpfen - das ist eine Methode,
auf die degewo setzt und die sich bewährt. Eine
wichtige Rolle spielen dabei die vom Unternehmen initiierten Bildungsverbünde. In Gropius-

Gemeinsames Gärtnern im Mietergarten

74

stadt und im Brunnenviertel gestalten seit sechs
Jahren tausende von Schülern farbenfrohe Fliesengemälde. Sie sind Wahrzeichen dieser Quartiere geworden und zieren Fassadensockel,
Haus- und U-Bahneingänge. Diese besondere
Form der Mitwirkung macht die Kinder stolz und
glücklich. Wer erlebt hat, wie sie sich und ihren
Freunden und Familien ihre selbst bemalte Fliese zeigen weiß, welche Wirkung Mitgestaltung
bei Heranwachsenden erzeugen kann.
Einige degewo-Projekte in Berlin
„„Bildungslandschaften in Gropiusstadt, Marzahn, Mariengrün und im Brunnenviertel
„„Urban Gardening am Mariannenplatz, in
Mariengrün, Gropiusstadt und im Brunnenviertel
„„Fliesengemälde im Brunnenviertel und Gropiusstadt
„„Gestaltung Hauseingänge: Mieter werden
in Gestaltungsentscheidungen einbezogen
„„Wohnführerschein für Schüler: Rechte und
Pflichten bei Wohnungssuche und -miete
„„Anstoß zur Begegnung: Engagement zur
Integration von Flüchtlingen

Einweihung der gemeinsam gestalteten Fliesengemälde

Wohnen in Gemeinschaft | Teil III - Der Weg in die Soziale Nachbarschaft

Eine Modernisierungsankündigung
allein reicht nicht
Lange vor Beginn der Baumaßnahmen und auch
lange vor Beginn der rechtlich erforderlichen
Modernisierungsankündigungen lädt degewo
die Mieter zu einer Mieterversammlung ein. Diese Versammlungen helfen, Fragen frühzeitig zu
beantworten, Ängste zu nehmen und die Umsetzung der Maßnahmen für alle Beteiligten zu erleichtern. Denn 300 Wohnungen zu sanieren,
heißt ein „halbes Dorf“ umzukrempeln. Das
schafft Unruhe, schürt Wegzugsgedanken. degewo möchte ihre Mieter beim Bleiben unterstützen. Viele sind mit ihrer Wohnung, ihrem
Haus eng verbunden, identifizieren sich mit ihrer
heimatlichen Umgebung.

gang. Das bestätigen Mieter immer wieder. degewo hat inzwischen eine eigene Abteilung
Quartiersmanagement mit sechs erfahrenen
Mitarbeiterinnen.
Für Mitgestaltung und aktive Nachbarschaften
braucht es einiges: den langen Atem aller Beteiligten, überzeugende Projekte, engagierte Mieter, den unternehmerischen Willen und den Mut,
Partizipation mit Leben zu erfüllen, ein Gesamtkonzept. Und nicht zuletzt eine solide und langfristige Finanzierung.

Bei Sanierung und Neubau bietet degewo den
Bewohnern verschiedene Beteiligungsformen.
So gehört beispielsweise die Wahl neuer Gestaltungsmotive für die Hauseingänge dazu: Die
Mieter können über verschiedene Vorschläge
abstimmen und eigene Ideen einbringen. Wer
über die Gestaltung mitbestimmt, identifiziert
sich später viel eher mit dem neuen Hausein-

Die Gropiusmeile - Lauf- und Bewegungsparcours

Hausversammlung "Jule - Junges Wohnen"

75

b | Welche Partner brauchen Soziale Nachbarschaften?
Die Mitglieder und Akteure in gemeinschaftlichen Wohnprojekten und Sozialen Nachbarschaften brauchen in allen Phasen starke und
verlässliche Partner in Politik, Verwaltung, in
Wohnungsunternehmen und im sozialen Bereich an ihrer Seite, die sie auf Ihrem Weg unterstützen, begleiten und notwendige Ressourcen
bereitstellen. Die Interessen, Bedarfe, Strukturen und Ausrichtungen von gemeinschaftlichen
Wohnprojekten, aber auch die Aktivitäten in
Sozialen Nachbarschaften berühren verschiedene Bereiche. Daher sind feste Ansprechpartner
sowie Kapazitäten für den regelmäßigen organisierten Austausch der Kooperationspartner untereinander nötig.

Politik und Verwaltung geben die
Rahmenbedingungen vor. Länder
und Kommunen haben es in der Hand, die Weichen für eine nachhaltige Quartiersentwicklung
durch Unterstützung gemeinschaftlicher Wohnformen zu stellen. In Zeiten knapper kommunaler Haushalte und steigender Kosten für Unterbringung, Pflege und Quartiersentwicklung
können gemeinschaftliche Wohnprojekte einen
wichtigen Beitrag zur Aktivierung nachbarschaftlicher Selbsthilfe und bürgerschaftlichen
Engagements sowie zur Stabilisierung von Quartieren und folglich zur Entlastung der Kommunen und Wohnungsunternehmen leisten.

Die städtischen Wohnungsunternehmen sind in Berlin aufgrund ihrer
Mietwohnungsbestände, ihrer Aktivitäten in der
Schaffung neuen Wohnraums sowie ihres Engagements für eine aktive Quartiersentwicklung
und soziale Mietenpolitik zweifelsohne einer der
wichtigsten Partner zur Realisierung gemein-

76

schaftlicher Wohnprojekte und zur Entwicklung
Sozialer Nachbarschaften. Die sechs städtischen
Wohnungsunternehmen und einige Genossenschaften haben bereits Strategien und Konzepte
für Ihre Quartiere entwickelt, um diese gemeinsam mit der Bewohnerschaft und Netzwerkpartnern aus den Bereichen Soziales, Bildung, Kultur
und Gesundheit bedarfsgerecht zu gestalten und
im aktiven Miteinander zu beleben. Im Zuge der
aktuellen Tätigkeiten im Wohnungsneubau, im
Zukauf und in der Sanierung von Wohnraum eröffnen sich darüber hinaus auch für Gruppen
Chancen ihre teils lange geplanten Wohnprojekte zur Miete unter dem Dach eines städtischen
Wohnungsunternehmens oder einer Genossenschaft verwirklichen zu können.

Soziale Akteure und Institutionen
sind wesentliche Netzwerkpartner,
um Räume, Kontakte, Wissen, Beratung und Angebote für engagierte Bewohner
bereitzustellen und eine Soziale Nachbarschaft
als Ankereinrichtungen vor Ort zu unterstützen.

Gemeinschaftliche Wohnprojekte
bilden einen zentralen Baustein in
diesem Verbund für generationengerechte Quartiere und aktive Soziale Nachbarschaften. Als sozialer Akteur gestalten sie durch
neue Formen nachbarschaftlicher Hilfe und lokale Kooperationen die Quartiersentwicklung
mit. Mit der Förderung von gemeinschaftlichen
Wohnprojekten wird gleichzeitig ein gelebtes
bürgerschaftliches Engagement und Partizipation unterstützt.

Wohnen in Gemeinschaft | Teil III - Der Weg in die Soziale Nachbarschaft

Die Netzwerkagentur GenerationenWohnen agiert als erste
Anlaufstelle für alle Ratsuchenden zum Thema
gemeinschaftsorientiertes und generationenübergreifendes Wohnen zur Miete oder im Eigentum, egal ob selbstorganisiert, bei einer Genossenschaft oder einem städtischen
Wohnungsunternehmen.
Soziale Nachbarschaften können durch die gemeinsame
Arbeit in einem verbindlichen
sozialen Netzwerk aus institutionellen Partnern, Multiplikatoren und einer
aktiven Bewohnerschaft wachsen. Ein nachhaltiges Miteinander im starken Netz kann nur
durch die Kombination verschiedener Ansätze
und Formen von Hilfeleistungen und lokaler Zusammenarbeit aufgebaut werden. Ziehen die
verschiedenen Akteure an einem Strang und arbeiten auf Augenhöhe miteinander, kann in Sozialen Nachbarschaften Gemeinschaft, Zusammenhalt und Stabilität gebildet werden.
Dass die Nachfrage deutschlandweit und in Berlin sehr groß ist, zeigen die steigenden Zahlen
engagierter Gruppen. Auch die hohe Zahl qualifizierter Einreichungen im Modellprogramm
„Gemeinschaftlich Wohnen, selbstbestimmt leben“ des Bundesfamilienministeriums ist ein
Beleg dafür, dass die Akteure und Interessenten
für gemeinschaftliche Wohnformen und den
Aufbau Sozialer Nachbarschaften zwar gut organisiert und engagiert sind, ihnen jedoch für
die Realisierung ihrer Ideen, die ein selbstbestimmtes aktives und bezahlbares Wohnen und
Leben bis ins Alter gewährleisten sollen, oftmals
die nötige Unterstützung bzw. Partner fehlen.

Vorteile
... für städtische Wohnungsunternehmen und
Genossenschaften bei der Integration von
Wohnprojektgruppen
„„zuverlässige und langfristige Mieter, die
sich mit ihrem Wohnort identifizieren
„„sorgsamer Umgang mit Wohngebäude/
-umfeld, dadurch Verringerung der Instandhaltungskosten
„„sozial engagierte Mieter, die Nachbarschaft
aktivieren und pflegen
„„hohe Bereitschaft, Verantwortung in der
Nachbarschaft zu übernehmen (z.B. Mieterbeirat, Quartiersbeirat, Unterstützung
sozialer Projekte)
„„Netzwerkaktivierung über die Gruppe hinaus
„„positives Image für die Wohnungsunternehmen
... für Gruppen bei der Realisierung eines
Wohnprojekts zur Miete in Kooperation mit
städtischen Wohnungsunternehmen und Genossenschaften
„„sozialverträgliche und langfristig stabile
Mieten
„„Übernahme von Planungs- und Bauaufgaben durch den Vermieter
„„Einbindung in den Planungsprozess und
Mitgestaltungsmöglichkeiten
„„Bereitstellung von Gemeinschaftsflächen
„„Mitsprache bzw. Vorschlagsrecht bei Nachbelegungen
„„Unterstützung des nachbarschaftlichen Engagements durch Vermieter
„„kurzer Draht zwischen Gruppe und Vermieter

77

c | Wie funktioniert ein Wohnprojekt zur Miete?
Gemeinschaftliche Wohnprojekte sind
wesentliche Bausteine für Soziale
Nachbarschaften.
Haben sich einzelne Interessierte über regelmäßige Gruppentreffen, z.B. die Berliner Wohntische, gegenseitig kennengelernt, diskutieren sie
ihre individuellen Wünsche gemeinsam und arbeiten diese in der Gruppe aus. Auf dieser Basis
kann die Gruppe ihre gemeinsamen Ziele für den
Realisierungsprozess und das künftige Leben im
Wohnprojekt bestimmen. In dieser Phase eignet
sich die Gruppe vielfältiges Wissen rund um das
gemeinschaftliche Wohnen an, u.a. über Materialien und Veranstaltungen der Netzwerkagentur
sowie den Austausch mit anderen Gruppen, und
kann ihr Vorgehen optimieren. Stehen die Ziele
für das gemeinschaftliche Wohnprojekt und dessen Verwirklichung fest, können sie schriftlich
festgehalten werden, beispielsweise über eine
Art Satzung. Manche Gruppen entscheiden sich
dabei für die Gründung einer rechtskräftigen Organisationsform, wie z.B. den eingetragenen
Verein (e. V.), um eine Verbindlichkeit nach außen auszudrücken.
Für ein öffentlichkeitswirksames Auftreten, z.B.
die Werbung weiterer Mitglieder, vor allem aber
die erfolgreiche Kontaktaufnahme zu Kooperationspartnern, wird die Öffentlichkeitsarbeit zu
diesem Zeitpunkt immer wichtiger. Flyer, Steckbriefe und Webseiten sind passende Medien, um
die Gruppe, ihren Prozess und ihre Ziele ansprechend und transparent darzustellen.
Die Recherche nach einem geeigneten Wohnprojektstandort bzw. einem Kooperationspartner in
der Wohnungswirtschaft läuft parallel. Gemeinsame Aktivitäten und Quartierserkundungen

78

helfen für die Entscheidungsfindung sowie das
vertiefte gegenseitige Kennenlernen und die
Gruppendynamik. Hat die Gruppe für sie attraktive Standorte gefunden, steht die Kontaktaufnahme zum Eigentümer an.
Der Einstieg in einen gemeinsamen Planungsund Abstimmungsprozess zu dem beabsichtigten Bauvorhaben, in das Wohnprojektgruppen
integriert werden sollen, läuft zwischen den
Wohnungsunternehmen und Gruppen.
Hauptziel der Abstimmung ist es, die baulichräumlichen Bedarfe und Kostenvorstellungen
seitens der Gruppe mit den Planungen des Unternehmens überein zu bringen. Gemeinsame
Workshops zur direkten Anpassung der baulichen Planungen des Unternehmens mit den Anforderungen hinsichtlich Gebäudeausstattung,
Grundrisse und Gemeinschaftsflächen sind ratsam.
Sind die baulich-räumlichen Fragen geklärt,
folgt die gemeinsame Abstimmung der vertraglichen und organisatorischen Bedingungen beispielsweise hinsichtlich der Nutzungsrechte für
Gemeinschaftsflächen, Mietkosten und Sicherung von Nachbelegungsrechten.
Sobald alle Fragen zwischen der Gruppe und
dem künftigen Vermieter geregelt sind, können
die Kontakte zu relevanten soziokulturellen Kooperationspartner vor Ort für das freiwillige Engagement in der Wohnphase weiter ausgebaut
werden. Das gemeinsame Leben im Wohnprojekt
und die verstärkten Aktivitäten für eine Soziale
Nachbarschaft können nun beginnen.

Wohnen in Gemeinschaft | Teil III - Der Weg in die Soziale Nachbarschaft

Musterablauf

1 - 2 Jahre

Orientierungsphase
„„Interessentengruppe
„„Mitstreitersuche
„„Suche nach Kooperationspartnern
„„Objektsuche
„„Organisations- und Rechtsform
„„Profil und Wohnbedarfe

1 - 2 Jahre

Planungsphase
„„Kooperation Gruppe/
Wohnungsunternehmen
„„Planungsworkshops
„„Vorverträge
„„Planung Gemeinschaftsleben

1 Jahr

Realisierungsphase
„„Wohnungsunternehmen/
Genossenschaft baut (um)
„„Beteiligung an Realisierung
„„Abschluss Verträge
„„Organisation gemeinsamer
Aktivitäten



Wohnphase
„„Einzug
„„Bewirtschaftung der
Gemeinschaftsflächen
„„Gruppenprozess gestalten
„„nachbarschaftliches Engagement

=

Soziale Nachbarschaft
79

d | Wie werden wir eine Gruppe?
Jede Gruppe ist mehr als die Summe
ihrer Mitglieder.
Am Anfang eines Gruppenprozesses stehen viele
Fragen: Wie finde ich eine Gruppe? Passe ich
überhaupt zu einer Gruppe bzw. zu einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt? Wo können
Gruppen zusammenkommen? Worüber sollte
eine Gruppe gemeinsam nachdenken und diskutieren, um am Ende in ihr Wunschprojekt zusammenzuziehen? Dieser Gruppenprozess bis hin
zum Einzug unter ein Dach stellt neben der physischen Verwirklichung des Wohnprojekts die
Weichen für das gemeinsame Zusammenleben
und das soziale Miteinander in der Nachbarschaft. Jedes gemeinschaftliche Wohnprojekt
funktioniert so gut wie die Gruppe, die dahinter
steht.

Je mehr Klarheit für den Einzelnen herrscht,
umso klarer wird das gesamte Wohnprojekt und
eine Realisierung auf den verschiedenen Ebenen
kann gemeinsam in Angriff genommen werden.
Daher ist es für jedes Mitglied zunächst notwendig, sich die eigenen Vorstellungen und Wünsche
hinsichtlich des gemeinsamen Gruppen- und Arbeitsprozesses, des Miteinanders in der Gruppe
und der baulich-räumlichen Aspekte bewusst zu
machen und zu konkretisieren. Wenn persönliche Klarheit darüber herrscht - am besten
schriftlich formuliert -, können der Gruppe die
Vorstellungen und Wünsche vorgestellt und gemeinsam diskutiert werden. Die Gruppe sollte
die Bedürfnisse der einzelnen Mitglieder aufnehmen, miteinander übereinbringen und präzisieren, um die Gruppenziele für das gemeinsame
Wohnprojekt festlegen zu können.

Spielregeln zur Organisation der Gruppe






Stimmverhältnisse regeln

Tagesordnung erstellen

Arbeitsteilung nach Kompetenzen vornehmen

umlaufende Moderation festlegen

Ergebnisse schriftlich festhalten

80






regelmäßige Termine langfristig planen

Ansprechpartner bestimmen

in überschaubaren Schritten planen

Wohnen in Gemeinschaft | Teil III - Der Weg in die Soziale Nachbarschaft

Bin ich gemeinschaftstauglich?
Als erstes muss sich jeder Interessierte überlegen, ob er die Voraussetzungen mitbringt, um
sich erfolgreich auf einen Gruppenprozess bzw.
den Weg ins gemeinschaftliche Zusammenleben
einzulassen. Diese Selbstreflektion und -einschätzung ist insbesondere für Personen wichtig, die bislang noch keine persönlichen Erfahrungen mit dem Leben in gemeinschaftlichen
Wohnformen sammeln konnten. Der Blick von
außen kann dabei helfen, beispielsweise von guten Freunden oder Verwandten.
Viele Facetten persönlicher Eigenarten werden
jedoch erst im Laufe des Gruppenprozesses und
in der Auseinandersetzung der verschiedenen
Charaktere und ihrer Wünsche und Vorstellungen offenbar. Die Chance ist es trotz oder gerade
wegen dieser Vielfalt zusammenzukommen.
Wie entwickeln wir uns hin zur Gruppe?
Der Gruppenprozess verlangt von den einzelnen
Mitgliedern grundsätzlich Offenheit der Gruppe
gegenüber sowie Interesse an den Belangen der
anderen Mitglieder. Gefordert wird die Bereitschaft des sozialen Lernens, gefördert wird dabei gleichsam die persönliche Entwicklung der
einzelnen Mitglieder.

Folgende drei Leitsätze können helfen:
1) Mitglieder agieren gleichberechtigt auf Augenhöhe miteinander.
Jeder hat das Recht und die Pflicht sich je nach
Kompetenz und Interesse in die Gruppe einzubringen, um ein aktives Miteinander entstehen
zulassen.
2) Die Gruppe fühlt wie ihre Mitglieder.
Eine regelmäßige Abfrage der einzelnen Mitglieder auf den Gruppentreffen zu deren Befindlichkeit ist wichtig, um ein zuverlässiges Stimmungsbild zu erhalten.
3) Streit entwickelt sich in den besten Familien.
Daher ist es nötig, Probleme oder Spannungen
direkt und offen anzusprechen, um eine schnelle
und transparente Klärung zu ermöglichen. Sind
die Konflikte bereits weiter fortgeschritten oder
die Fronten verhärtet, ist eine externe Konfliktberatung, eine professionelle Moderation und
Mediation anzuraten.
Die Netzwerkagentur kann Ihnen diesbezüglich
beratend zur Seite stehen und Kontaktübersichten zu möglichen Anbietern aus dem Netzwerk
vermitteln.

81

e | Welche Form passt zu uns?
Mietvertragsmodelle für Wohn- und
Gemeinschaftsräume

Gemeinschaftlich genutzte Räume sind Orte der
Begegnung, die die Möglichkeit zur Kommunikation und zum Austausch mit Anderen bieten. Es
sind Räume, die von einzelnen Mietern gemeinschaftlich genutzt werden und somit einer Mieteinheit nicht eindeutig zuzuordnen sind. Dies
können demnach auch Flure, Höfe, Keller- oder
Dachflächen sowie öffentlich zugängliche Räume sein. In jedem Fall sind solche Orte wesentlich für den Aufbau und das Bestehen Sozialer
Nachbarschaften.
Wohnräumlichkeiten
In der Regel mieten einzelne Personen oder eine
Personengruppe (häufig WG) einzelne Wohneinheiten an. Modell 1) und 2) Allerdings besteht
auch hier die Möglichkeit, dass ein sogenannter
Zwischenträger - in welcher Rechtsform auch
immer - mehrere Wohneinheiten anmietet und
diese dann an die Mitglieder einer Wohngruppe
untervermietet. Modell 3) In einem solchen Fall
bestimmt die Wohngruppe i.d.R. auch über die
Belegung freier Wohneinheiten sowie gegebenenfalls über deren Gestaltung.
Problematisch könnte die Zwischenvermietung
sein, wenn sie als gewerblich angesehen wird. Da
hier die mietrechtlichen Vorschriften nicht gelten, würden bei Beendigung des Mietvertrags
zwischen Eigentümer und Zwischenträger auch
die einzelnen Untermietverhältnisse enden.
Selbstverständlich lassen sich entsprechende
Regelungen auch im Rahmen von Kooperationsverträgen bzw. Haus- oder Gemeinschaftsordnungen festhalten. Modell 4)

82

Gemeinschaftlich nutzbare Räumlichkeiten
Hinsichtlich der Nutzung von gemeinschaftlichen Räumen ist grundsätzlich zu unterscheiden, ob sie im Rahmen eines abzuschließenden
Miet-/Nutzungsvertrags geregelt werden soll,
oder ob es sinnvoll ist, für Wohn- und Gemeinschaftsräume separate Verträge abzuschließen.
Die einfachste und rechtlich unkomplizierteste
Möglichkeit besteht sicherlich darin, aus der
Wohngruppe heraus eine Person zu bestimmen,
die willens und in der Lage ist, die entsprechenden Räume anzumieten. Dies bedingt natürlich
ein erhebliches Vertrauen der Gruppe in die Person. Selbstverständlich kann aber auch ein Eigentümer die Nutzung gemeinschaftlicher Räume im Rahmen mietvertraglicher Regelungen
ermöglichen. Häufig finden sich solche Regelungen in Haus- bzw. Gemeinschaftsordnungen.
Die Anmietung von Gemeinschaftsräumen durch
eine juristische Person stellt eine aufwändigere
aber mitunter adäquatere Vertragsgestaltung
dar. Hier hat die Gruppe die Möglichkeit, ihre
Ziele als Gesellschaftszweck zu formulieren, und
kann mit dem Eigentümer gegebenenfalls Vereinbarungen treffen, die die Belegung bei Neuvermietung, den Einfluss auf die Gestaltung, die
Bewirtschaftung von Räumlichkeiten etc. regeln.
Zwischen diesen beiden Varianten gibt es eine
Vielzahl von vertraglichen Gestaltungsmöglichkeiten. So können beispielsweise gemeinschaftlich zu nutzende Flächen von einer Personengemeinschaft (GbR) angemietet werden, während
die Vermietung von Wohnräumen an Einzelmieter erfolgt.

Wohnen in Gemeinschaft | Teil III - Der Weg in die Soziale Nachbarschaft

Vertragsmodelle

Modell

Vertrag

Vertragspartner

1|

Einzelmietvertrag
+ Anteil Gemeinschaftsraum

2|

Einzelmietvertrag
+ Kooperationsvertrag

3|

Kooperationsvertrag

4|

Generalmietvertrag

83

f | Plattformen und Formate der Netzwerkagentur GenerationenWohnen
Die Netzwerkagentur berät eine Vielzahl einzelner am gemeinschaftlichen Wohnen Interessierter. Damit sich diese gezielt kennenlernen und
austauschen können, wurden in den vergangenen Jahren verschiedenste Formate entwickelt.

Wohntische
Ziel: Kennenlernen und Projekte initiieren
Teilnehmer: 10 - 20 Personen

Jeden letzten Freitag im Monat bietet die Netzwerkagentur die Gelegenheit zum gegenseitigen
Kennenlernen und zur Vertiefung von Kenntnissen im Bereich des gemeinschaftlichen Wohnens. Hierzu halten Fachleute Vorträge zu verschiedenen Themen wie Gruppenbildung,
Rechts- und Organisationsformen oder die Wohnungsbauförderung in Berlin. Nach regen Diskussionen nutzen die Teilnehmer zudem oftmals
die Möglichkeit, in zwangloser Atmosphäre erste
Kontakte für gemeinschaftliche Wohnprojekte
zu knüpfen.

Die regionalen Wohntische dienen Menschen,
die am gemeinschaftlichen Wohnen interessiert
sind, als Treffpunkte sowie Diskussionsforen.
Vor allem aber sind sie ein Angebot, die Gruppenbildung zu erleichtern. Als Kooperationspartner dienen beispielsweise Stadtteilzentren,
Mehrgenerationenhäuser und kirchliche Gemeinden; die Netzwerkagentur begleitet die ersten Treffen, daran anschließend organisieren
sich die Mitglieder unter eine festen Leitung
selbst. Auf diese Weise sollen sich Menschen
kennenlernen, gemeinsame Aktivitäten starten
und auf ein gemeinschaftsliches Wohnprojekt
hinarbeiten. Dabei müssen die individuellen Vorstellungen und Ziele der Mitglieder in der „sich
bildenden“ Gruppe weiter diskutiert und zu einem gemeinsamen Leitbild zusammengeführt
werden.

„Das letzte Freitagscafé hat mir im Wesentlichen

„Für die tatkräftige, freundliche und kompetente Un-

deutlich gemacht, was realistisch ist bezüglich Ge-

terstützung des gesamten STATTBAU-Teams bedanken

meinschaftswohnen auf Mietbasis, und mir ist nun

wir uns sehr herzlich. Der Wohntisch ist für uns eine

auch klar geworden, wie wir uns mit unserer kleinen

gute Gelegenheit, Ziele zu diskutieren, Partner und

Gruppe aufstellen müssen.“

auch unsere Nachbarschaft besser kennenzulernen.“

Freitagscafé
Ziel: Informationsaustausch und Kennenlernen
Teilnehmer: 20 - 60 Personen

84

Wohnen in Gemeinschaft | Teil III - Der Weg in die Soziale Nachbarschaft

Speeddating
Ziel: erste Annäherung unter vier Augen
Teilnehmer: 10 - 30 Personen

Worldcafé
Ziel: vertiefende Diskussionen in Kleingruppen
Teilnehmer: bis 150 Personen

Bei den ebenfalls von der Netzwerkagentur organisierten und durchgeführten Speeddatings
sitzen sich die Teilnehmer paarweise für drei bis
fünf Minuten gegenüber und stellen sich gegenseitig Fragen zum Kennenlernen der Person sowie deren Zielen und Erwartungen hinsichtlich
des gemeinschaftlichen Wohnens. Ertönt der
Gong, wandert eine Reihe von Teilnehmern einen Platz weiter - und so geht das Kennenlernen
von Neuem los. Diese Methode tête-à-tête ist für
ein erstes Annähern sinnvoll. Durch die organisierte Vier-Augen-Situation fällt es leichter, aus
sich herauszugehen, als in einer größeren Runde, wie beispielsweise bei den Wohntischen oder
im Rahmen eines Worldcafés. Das aufeinander
Zugehen entfällt, und durch die Kürze der Zeit
wird der Fokus auf die wesentlichen Fragen gelenkt.

Im Rahmen eines Worldcafés sollen Menschen in
kleinen Gruppen an unterschiedlichen Tischen
miteinander ins Gespräch kommen. Dabei haben
die Gespräche ein zentrales Thema - hier beispielsweise das gemeinschaftliche Wohnen. Die
einzelnen Tische werden durch die Netzwerkagentur moderiert und bieten diverse Fragestellungen zum übergeordneten Thema. Nach vorher festgelegten Zeiten werden die Thementische
gewechselt, damit sich möglichst viele Teilnehmer bei unterschiedlichen Fragestellungen begegnen können. Das Worldcafé endet mit einer
Abschlussrunde im Plenum, in der die Ergebnisse
der Thementische vorgestellt und besprochen
werden. Auch dieses moderierte Format kann
den am gemeinschaftlichen Wohnen Interessierten dazu dienen, Hemmschwellen abzubauen,
um sich möglichst offen kennenlernen und austauschen zu können.

„Wie lebendig und vielseitig ist die Wohnungssituation gerade in Berlin und wie vielfältig sind die Men-

„Das müssen wir unbedingt wiederholen. So viele

schen. Und deshalb ist Ihre Netzwerkagentur auch so

Gleichgesinnte und gute Ideen gibt es in solch kom-

wichtig! Vor allem das Speeddating hat mir sehr bei

primierter Form an keinem anderen Ort!“

der Orientierung geholfen.“

85

Exkursionen
Ziel: Kennenlernen von Projekten
Teilnehmer: 10 - 20 Personen
Jeden ersten Mittwoch im Monat sowie im Rahmen der jährlich im Spätsommer stattfindenden
Wohnprojektemesse EXPERIMENTDAYS bietet
die Netzwerkagentur Exkursionen zu bestehenden oder im Bau befindlichen Baugemeinschaften und gemeinschaftlichen Wohnprojekten an.
Dabei besteht sowohl für Interessierte als auch
für Experten die Möglichkeit, Einblicke hinter die
Kulissen der vielfältigen Projektlandschaft des
gemeinschaftlichen Bauens und Wohnens in
Berlin zu erlangen. In der Regel werden die Projekte gemeinsam mit den Architekten, Projektsteuerern, Wohnungsunternehmen oder den jeweiligen Bewohnern besichtigt. Nach einer
ersten informativen Einführung bleibt während
der Rundgänge immer auch Zeit und Raum für
individuelle Fragen, um mehr über die entsprechende Projektentwicklung, das Gebäude und
über das (geplante) Zusammenleben in den Häusern und das Miteinander in der weiteren Nachbarschaft zu erfahren. Neben den jeweiligen
Referenten steht auch die Netzwerkagentur für
Fragen bereit.

Workshops
Ziel: Konkretisierung eines Projekts mit unterschiedlichen Kooperationspartnern
Teilnehmer: 10 - 15 Personen
Die Netzwerkagentur unterstützt Gruppen und
ihre jeweiligen Kooperationspartner wie beispielsweise Wohnungsunternehmen, ihre Ideen
und Pläne für ein gemeinsames Wohnprojekt im
Rahmen von Workshops übereinzubringen. Dabei können beide Seiten konkrete Vorstellung
über die Gestaltung ihres gemeinschaftlichen
Wohnprojekts gewinnen, wie beispielsweise zu
baulich-räumlichen Formen, Aufteilung und
Grundrisse der Wohnungen und Gemeinschaftsräume oder die Verteilung der Nutzung. Empfehlenswert ist es, die Gruppen frühzeitig in die
baulichen Planungen einzubeziehen. Ein Workshop zur Erstellung der Vorplanung zwischen
Gruppen, Wohnungsunternehmen und den Architekten ist dabei für alle Seiten hilfreich. So
können gemeinsame Visionen für die Architektur eines Hauses, Innenräume, Grundrisse, Freiräume und mögliche weitere Nutzungen sowie
die Einbindung in die Nachbarschaft entstehen.
„Vielen Dank für den Workshop gestern und den inspirierenden Einblick in der Arbeit der Netzwerkagen-

„Ich finde es wunderbar, dass Ihr solche Treffen und

tur. Partizipation beginnt eben sehr früh in der Pla-

Einblicke in Projekte organisiert und wünsche Euch

nungsphase.“

weiterhin so viel Weitblick bei der Projektauswahl.“

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Wohnen in Gemeinschaft | Teil III - Der Weg in die Soziale Nachbarschaft

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g | Checkliste zur Realisierung eines gemeinschaftlichen Wohnprojekts
Die folgende Checkliste soll dem einzelnen Interessierten helfen, die verschiedenen Ebenen zur
Realisierung eines gemeinschaftlichen Wohnprojekts zu klären. Sie versetzt ihn in die Lage,
Erwartungen zu formulieren, um diese dann in
der Gruppe zu diskutieren und mit potentiellen
Kooperationspartnern weiter zu bearbeiten. Die
Checkliste bietet jedoch ausschließlich einen Orientierungsrahmen, der keinen Anspruch auf
Vollständigkeit erhebt. Vielmehr kann sie um
weitere, individuelle Punkte ergänzt werden und

zur Auseinandersetzung mit dem Thema anregen. Es ist grundsätzlich ratsam, die Realisierung eines gemeinschaftlichen Wohnprojekts in
kleinen, übersichtlichen und umsetzbaren
Schritten zu planen und sich möglichst bald mit
Gleichgesinnten zusammenzutun. Natürlich
können diese Fragen auch direkt zusammen mit
weiteren Interessierten diskutiert werden. Dann
ist die Bearbeitung der Checkliste bereits als Teil
des gemeinschaftlichen Prozesses zum Aufbau
eines Wohnprojekts anzusehen.

1. Welche Erwartungen und Ziele verbinde ich mit gemeinschaftlichem Wohnen?
gemeinsames Leben und Wohnen mit Freunden und Gedankenaustausch	
Planung (Mitgestaltung) des neuen Zuhauses
Erleichterung der Haushaltsführung bzw. Hilfe im Alltag
Kosteneinsparung Wohnen, Haushalt
Sonstiges

2. Wie sollte die Wohngruppe aussehen?
generationenübergreifend
altershomogen (z.B. Zusammenwohnen Älterer)
multikulturell
Integration von Menschen mit Behinderung (Inklusion)
Sonstiges

3. Welchen zeitlichen Horizont habe ich?
kurzfristig
mittelfristig
langfristig
unwichtig

4. Wo sollte das Objekt liegen und welche baulichen Voraussetzungen wünsche ich mir?
Bezirk/Ortsteil
Wohnungsgröße in m²
Wohnungsausstattung
barrierefrei
Balkon/Terrasse
Garage/Stellplatz
Sonstiges

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Wohnen in Gemeinschaft | Teil III - Der Weg in die Soziale Nachbarschaft

5. In welcher Rechts- und Organisationsform sollte das Projekt realisiert werden?
Kauf Grundstück/Wohnung/Haus
Mietwohnungsbau
Genossenschaftliche Wohnung
Mischmodell

6. Welche finanziellen Möglichkeiten besitze ich und welche Mittel kann ich einbringen?
Eigenkapital
Eigenleistungen
maximal tragbare Mietbelastung in €/Monat

7. Habe ich mich mit der Finanzierung des Wohnprojekts auseinandergesetzt?
öffentliche und private Fördermittel (z.B. von Stiftungen)
Mittel der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
Fremdmittel und deren Kosten

8. Wie will ich wohnen?
Altbau
Neubau
eigenständige Wohnung
Wohngemeinschaft

9. Welche Gemeinschaftsflächen wünsche ich mir?
Gemeinschaftsraum im Haus
Fahrradraum, Werkstatt
Garten
Sonstiges

10. Wie soll das gemeinschaftliche Wohnen aussehen?
Mitbestimmung bei Organisation und Verwaltung
gemeinsame sharing-Projekte (z.B. Lebensmitteleinkauf)
gemeinsame Freizeitplanung und kulturelle Veranstaltungen
Sonstiges

11. Welche Infrastruktureinrichtungen benötige ich in unmittelbarer Umgebung?
Einrichtungen eines sozialen Trägers
ÖPNV-Haltestellen
Kindertagesstätten/Schulen/Nachbarschaftseinrichtungen
Sonstiges

12. Wie kann ich mich in die Nachbarschaft einbringen?
kulturelle bzw. Freizeitaktivitäten
Nachbarschaftshilfe
Kinder-, Jugend- bzw. Seniorenarbeit
Sonstiges

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Wohnen in Gemeinschaft | Ausblick - Soziale Nachbarn 2030

Ausblick
Soziale Nachbarn 2030

"Das 300. Freitagscafé ist gerade zu Ende gegangen. Engagiert diskutierten 60 Neubewohner des Kiezes in Tegel die in der vergangenen
Woche aufgestellten Mobilitätsstationen und
das neue Nachbarschaftszentrum.
Die drei Wohnprojekte, entstanden in Kooperation mit einem städtischen Wohnungsunternehmen sowie zwei Genossenschaften, haben lange
an ihren Projekten gearbeitet. Das Ergebnis
kann sich sehen lassen: Die Grundrisse sind sehr
individuell, aber kostengünstig und hochökologisch. Waschcafé, Gästewohnungen, der kleine
Generationenclub und das Servicecenter werden gemeinsam genutzt. Durch die Plusenergiesiedlung fahren ausschließlich Elektroautos, die
keine Abgase mehr ausstoßen, die Fassaden
haben Photovoltaikelemente integriert. Carsharing nutzen inzwischen alle, der Stellplatzschlüssel von 0,1 stellt gar kein Problem dar. Im
gemeinsamen Freiraum wächst Obst und Gemüse, die Hausdächer sind begrünt. Der Mähroboter zieht seine Runden, auf den Bänken rund
um den Stadtplatz wird Kaffee getrunken und
geklönt.
Die durch Konzeptverfahren entstanden Quartiersteile haben durchweg innovative Gebäudekonzepte, die Bürgergenossenschaft plant

schon die nächsten zwei Quartiere und hat im
Solidaritätsfonds bereits fleißig gespart. Es wird
noch eine Kindertagesstätte gebraucht, die
Schule erhält im Anbau ein weiteres Mehrgenerationenhaus. Dort sollen sich, wie im erfolgreichen letzten Wohntisch, die `Senior Experts´
mit den Schülern austauschen und den nächsten Quartiersfonds thematisch vorbereiten. Das
Freundschaftsprogramm wird wohl wieder mit
von der Partie sein, so auch das Tausch- und
Leihfest. Der kleine Filmwettbewerb soll endlich
wieder stattfinden, die Open-air-Vorstellungen
haben allen so viel Spaß gemacht.“
So oder ähnlich könnte es aussehen in der Sozialen Nachbarschaft der Zukunft. 15 Jahre sind
keine lange Zeit und es wird nicht alles neu erfunden sein. Nehmen wir es aber ernst mit den
Transformationsräumen bis zum Jahr 2030, mit
Partizipation und Stadt als vielfältigem Ort für
alle, mit Selbstverwirklichung und Verantwortungsübernahme, dann ist das Bild realistisch.
Berlin ist heute ein Reallabor und wird es auch
in Zukunft sein. Die Netzwerkagentur ist gern
ein Baustein darin.

Lassen Sie uns (mehr)
Soziale Nachbarschaften bauen!

91

Weiterführende Links

BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e. V.
www.bbu.de
Bundesverband Baugemeinschaften e. V.
www.bundesverband-baugemeinschaften.de
CoHousing Berlin
www.cohousing-berlin.de
FORUM Gemeinschaftliches Wohnen e. V. – Bundesvereinigung
www.fgw-ev.de
Genossenschaftsforum e. V.
www.berliner-genossenschaftsforum.de
Hilfelotse Berlin
www.hilfelotse-berlin.de
Investitionsbank Berlin
www.ibb.de
KfW Förderbank
www.kfw.de
Landesseniorenbeirat Berlin
www.landesseniorenbeirat-berlin.de
Mietshäuser Syndikat
www.syndikat.org
Pflegestützpunkte Berlin
www.pflegestuetzpunkteberlin.de

92

Wohnen in Gemeinschaft | Weiterführende Links

SEKIS - Selbsthilfe Kontakt- und Informationsstelle
www.sekis-berlin.de
Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales Berlin
www.berlin.de/sen/gessoz
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin – Baugemeinschaften und Baugruppen
www.stadtentwicklung.berlin.de/wohnen/wohnungsbau/de/strategie/baugemeinschaften.shtml

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin – Familienfreundliches Wohnen
www.stadtentwicklung.berlin.de/wohnen/familienfreundlich
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin – Wohnen im Alter
www.stadtentwicklung.berlin.de/wohnen/alter
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin – Wohnungsneubauförderung 2015
www.stadtentwicklung.berlin.de/wohnen/wohnungsbau/de/foerderung
Stiftung trias
www.stiftung-trias.de
Verband für sozial-kulturelle Arbeit e. V.
www.vska.de
wohnbund e. V.
www.wohnbund.de
wohnprojekte-portal
www.wohnprojekte-portal.de

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Impressum

Herausgeber
STATTBAU Stadtentwicklungsgesellschaft mbH
Netzwerkagentur GenerationenWohnen
Pufendorfstraße 11 | 10249 Berlin
2016_Broschuere
www.stattbau.de
_SozialeNachbar
www.netzwerk-generationen.de
schaften.pdf
Inhalte und Bearbeitung
STATTBAU GmbH: Constance Cremer (V.i.S.d.P.) | Sabine Eyrich | Meike Hartmuth | Theo Killewald |
Horst Pfander | Carsten Praum
Fotos
Alle Fotos © Christian Muhrbeck (www.muhrbeck.de), außer: S. 7 Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin, S. 13 Walter Siebel; S. 19 Ludolf Dahmen; S. 20 Janet Sinica; S. 21
startklar.projekt.kommunikation; S. 23 Eberhard Wible; S. 25 BBU; S. 31 Beate Mettin; S. 36 - 39
Tina Merkau; S. 41 STATTBAU; S. 55 UTB; S. 57 ARGE ifau | HEIDE & VON BECKERATH und Davide
Abbonacci; S. 63 Ute Zscharnt; S. 67 Eduardo Veira; S. 69 WiLMa19; S. 74 - 75 Mietergarten, aktive
Rentner und Hauptversammlung: Cathrin Bach, Fliesenwand: Andreas Süß; S. 84 Florence Meyer
Berlin, März 2016

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Wohnen in Gemeinschaft | Impressum

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STATTBAU
Wohnen in Gemeinschaft II

Wir bedanken uns bei allen Institutionen, Fachleuten, Praktikern
und Verwaltungsstellen, die uns bei der Erstellung der Broschüre
unterstützt haben. Insbesondere danken wir den Projektbeteiligten
für ihre Zeit und die engagierte Mitarbeit.
        
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