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Full text: Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick / Gesemann, Frank

Integrations­
lotsenprojekte
in Deutschland
im Überblick

Konzepte, Einsatzfelder und Finanzierung
Dr. Frank Gesemann

Integrationslotsenprojekte
in Deutschland im Überblick:
Konzepte, Einsatzfelder und
Finanzierung
Dr. Frank Gesemann
DESI – Institut für Demokratische Entwicklung
und Soziale Integration
Oktober 2015

im Auftrag des
Beauftragten für Integration und Migration
des Senats von Berlin

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Inhalt

Inhalt
1	Einleitung .................................................................................................................... 4
2	Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekte in Kommunen ............................................... 10
2.1	Funktionen und Tätigkeitsfelder von Integrationsbegleiterinnen und -begleitern ..... 10
2.2	Entwicklung und Organisation von Projekten der Integrations­begleitung .................... 14
2.3	
Ergebnisse und Wirkungen von Lotsenprojekten ............................................................. 16
2.4	
Chancen und Gelingensbedingungen niedrigschwelliger Ansätze ................................. 18
2.5	Tendenzen der Professionalisierung von Modellen der Integrationsbegleitung ......... 20
2.6	
Kurzes Zwischenfazit ........................................................................................................... 21
3	Förderung von Integration und Teilhabe in den Bundesländern .................................. 22
3.1	Förderung von Lotsenprojekten zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements . 24
3.2	
Finanzierung von Lotsenprojekten über öffentliche Beschäftigungsprogramme ......... 27
3.3	Das Berliner Landesrahmenprogramm Integrationslotsinnen und Integrationslotsen:
Verstetigung und Weiterentwicklung der Integrationslotsentätigkeit .......................... 29
3.4	Die Förderung niedrigschwelliger Projekte im Rahmen der Stärkung kommunaler
Strukturen: Das Beispiel Nordrhein-Westfalen .................................................................. 32
3.5	
Kurzes Zwischenfazit ............................................................................................................ 34
4	
Integrationspolitik des Bundes ................................................................................... 36
4.1	Förderung niedrigschwelliger Projekte und Maßnahmen durch den Bund ................... 36
4.2	
Kurzes Zwischenfazit ............................................................................................................ 37
5	
Exkurs: Bürgerschaftliches Engagement und niedrigschwellige Instrumente in der
Flüchtlingshilfe .......................................................................................................... 38
6	Chancen und Grenzen niedrigschwelliger A
­ nsätze und Instrumente in der
Integrations­politik von Bund, Ländern und Kommunen ............................................. 44
7	Zusammenfassung ..................................................................................................... 52
Literatur ................................................................................................................................ 58
Anhang .................................................................................................................................. 64
		 Anlage 1: Befragte Expertinnen und Experten ................................................................... 64
		
Anlage 2: Integrationsbegleiterinnen und -begleiter in ausgewählten Kommunen
(ohne Stadtstaaten) ............................................................................................................. 66
		 Anlage 3: Lotsen-, Mentoren- und Patenprogramme in den Bundesländern ............... 82
Impressum .......................................................................................................................................... 92

3

1	 Einleitung
Im Rahmen der Neuausrichtung der Integrationspolitik von Bund, Ländern und Kommunen seit
Mitte des letzten Jahrzehnts wird niedrigschwelligen Ansätzen und Instrumenten im Rahmen
der Förderung von Integration und Teilhabe von Zugewanderten eine besondere Bedeutung
beigemessen. Hierzu gehört die Förderung von gemeinwesenorientierten Projekten, interkulturellen Initiativen und Migrantenorganisationen, aber auch der Einsatz von Lotsen, Mentoren
und Paten. Freiwillig Engagierte werden dabei von kommunalen, kirchlichen oder freien Trägern qualifiziert, um Zugewanderte bei der sprachlichen, schulischen, beruflichen oder gesellschaftlichen Integration zu unterstützen. Die zumeist ehrenamtlichen Integrationslotsinnen
und Integrationslotsen sollen die professionellen Beratungs- und Betreuungsangebote insbesondere von Kommunen und Wohlfahrtsverbänden unterstützen und den Zugang von Migrantinnen und Migranten zu sozialen Angeboten und Diensten erleichtern.
In Städten, Gemeinden und Landkreisen geht die dynamische Aufwertung und strategische Ausrichtung der kommunalen Integrationspolitik zumeist einher mit der Entwicklung integrationspolitischer Konzepte und Leitlinien, der Verankerung von Integrationspolitik als Querschnittsaufgabe in der Verwaltung und der Vernetzung zentraler integrationspolitischer Akteure.
Bemerkenswert ist dabei,
„… dass es in diesem Themenfeld wie kaum in einem anderen Bereich in großer Zahl Experimente und Innovationen gibt, die sich von der institutionellen Betreuungs- und Anstaltslogik der
klassischen Sozialpolitik verabschiedet haben und verstärkt auf Selbstorganisation, bürgerschaftliches Engagement und Empowerment setzen, d. h. die Ressourcen und Fähigkeiten der
Zugewanderten selbst zum integrationspolitischen Ausgangspunkt machen“ (Roth 2010: 127).
Dazu gehört die kommunale Förderung der Selbstorganisation von Migrantinnen und Migranten ebenso wie die zahlreichen Lotsen-, Mentoren-, Paten-, und Stadtteilmütterprojekte.
Diese Ansätze haben sich vielfach als erfolgreiches Instrument erwiesen, um Menschen mit
Migrati­onshintergrund insbesondere bei der Wahrnehmung von Bildungsangeboten zu unterstützen.1 Qualifizierte Lotsen können für ein ehrenamtliches Engagement werben und Zugewanderte motivieren, Lern- und Beteiligungsangebote zu nutzen. Als Brückenbauer können sie
zudem die interkulturelle Öffnung von Einrichtungen und eine stärkere Wahrnehmung der Potenziale von Menschen mit Migrationshintergrund befördern (vgl. Auernheimer 2013: 62f.).
Studien zeigen allerdings, dass der Erfolg von Lotsenmodellen von einer Reihe von Faktoren
abhängt, die von einer adäquaten Ressourcenausstattung (Geld, Raum und Personal) über vielfältige Angebote und Anreize für die Lotsen (Maßnahmen zur Qualifizierung, Angebote zum
Erfahrungsaustausch, Anerkennung, Auslagenerstattung und Vergütung) bis zur institutionellen Anbindung und Vernetzung reichen. Lotsen müssen daher in der Regel über die Ausbildung
hinaus begleitet werden, wenn das Engagement nachhaltig sein soll (vgl. Huth 2007: 46 ff.;
Gesemann 2013: 24).
Der Einsatz von Lotsen, Mentoren und Paten ist zumeist ein zentrales Element von Strategien
zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements von, mit und für Migrantinnen und Migranten, aber ist zuweilen auch – wie in Berlin – ein Bestandteil von Maßnahmen zur Beschäfti1	Siehe hierzu insbesondere die Ergebnisse der Studie von Susanne Huth (2007) zu Integrationslotsen sowie die sehr informative
Veröffentlichung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin (2013) zu Patenschafts- und Mentoring-Projekte für Kinder
und Jugendliche.

4

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Einleitung

gungsförderung. Die Etablierung und Förderung von Lotsenprojekten erfolgt dabei in einem
Spannungsfeld von bürgerschaftlichem Engagement, Professionalisierung und Entwicklung
neuer Berufsbilder in einer Einwanderungsgesellschaft, in der die Bemühungen zu einer stärkeren interkulturellen Öffnung sozialer Dienste und Leistungen immer wieder durch neue Zuwanderungsbewegungen herausgefordert werden. Damit verbunden sind auch Diskussionen über
Chancen, Gelingensbedingungen und Grenzen bürgerschaftlichen Engagements, eine Verstetigung von Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekten als Angebote des Regelsystems sowie über
Möglichkeiten und Notwendigkeiten einer Anerkennung und Etablierung neuer Berufsfelder.
Zum Stand der Forschung
Angesichts des innovativen Charakters und der dynamischen Entwicklung von Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekten ist bemerkenswert, dass es bislang an einer übergreifenden und vergleichenden Darstellung und integrationspolitischen Einordnung von Programmen und Projekten mangelt. Ergebnisse wissenschaftlicher Studien liegen bislang nur für das Förderprogramm
Integrationslotsen des Landes Niedersachsen, das Berliner Landesrahmenprogramm Integra­
tionslotsinnen und Integrationslotsen, verschiedene Stadtteilmütter-Projekte in Berlin und
Nordrhein-Westfalen sowie zu einzelnen Lotsen-, Patenschafts- und Mentoring-Projekten von
Kommunen und freien Trägern vor.2 Zu den Ausnahmen gehören eine Expertise von INBAS Sozialforschung zu Integrationslotsen (Huth 2007), eine unveröffentlichte Synopse der Camino
gGmbh zur Struktur und Finanzierung von Integrationslotsen- und Stadtteilmütter-Projekten
in Berlin (Behn et al. 2013) sowie eine Publikation des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin (2013) zu Patenschafts- und Mentoring-Projekten bei Kindern und Jugendlichen.
Die vorliegende Studie bietet einen Überblick zu niedrigschwelligen Ansätzen bzw. Instrumenten zur Förderung der Integration und Teilhabe von Zugewanderten in Kommunen, in Ländern
und auf Bundesebene. Der Fokus liegt dabei auf Modellen der Integrationsbegleitung in Form
von Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekten. Geleistet wird keine umfassende Darstellung einzelner Projekte, sondern eine exemplarische Analyse von konzeptionellen Ansätzen, strukturellen Bedingungen sowie Ergebnissen und Wirkungen. Ziel der Studie ist es, die Vielfalt niedrigschwelliger Ansätze bzw. Instrumente aufzuzeigen, einige Beispiele guter Praxis vorzustellen
und eine analytische Einordnung und Bewertung dieser Ansätze zu leisten.
Der Expertise liegen folgende erkenntnisleitende Fragestellungen zugrunde:
JJWas

sind zentrale Ergebnisse bzw. Wirkungen des Einsatzes niedrigschwelliger Konzepte
bzw. Instrumente in der Integrationsarbeit?
JJWas sind Gelingensbedingungen, aber auch Barrieren bei der Nutzung niedrigschwelliger
Ansätze?
JJIn welchen Bereichen der Integration bestehen besondere Chancen von bürgerschaftlichem
Engagement? Wo liegen die Grenzen? Inwieweit kann/sollte freiwilliges Engagement in der
Integrationsarbeit angeregt, begleitet und gesteuert werden?
JJIn welchen Integrationsbereichen besteht ein besonderer Bedarf an einer Professionalisierung niedrigschwelliger Ansätze und Instrumente? Was sind hierbei erfolgversprechende
Ansätze?
Zur Beantwortung dieser Leitfragen wurde eine mehrstufige Vorgehensweise gewählt. Die vorliegende Studie basiert dabei insbesondere auf Ergebnissen (1) einer Desktop-Recherche zu
niedrigschwelligen Ansätzen bzw. Instrumenten in der Integrationspolitik von Bund, Ländern
und Kommunen, (2) der Auswertung einer Umfrage zu Integrationshelferinnen und -helfern des
Kommunalen Qualitätszirkels zur Integrationspolitik, (3) ergänzenden bzw. vertiefenden Be­
fragungen in ausgewählten Kommunen, (4) (Telefon-) Interviews und Gesprächsrunden mit
ausgewählten Expertinnen und Experten in ausgewählten Ländern und auf Bundesebene. Zu2	Siehe hierzu die Nachweise in Abschnitt 4.

5

rückgegriffen werden konnte zudem auf Ergebnisse eigener Studien zur kommunalen Inte­gra­
tionspolitik, zur Integrationspolitik der Bundesländer sowie zum bürgerschaftlichen Engagement in benachteiligten Stadtteilen (Gesemann et. al 2012; Gesemann/Roth 2015a, 2015b).
Erste Ergebnisse der Expertise wurden auf der Fachtagung „Von der Ankunft zum Ankommen –
Perspektiven des Landesrahmenprogramms Integrationslotsinnen und Integrationslotsen in
Berlin“ am 29. Juni 2015 in Berlin im Roten Rathaus vorgestellt.
Begriffsbestimmungen
Der Begriff der Niedrigschwelligkeit bezeichnet im weiteren Sinne ein Merkmal, das sich auf die
Erreichbarkeit bzw. Zugänglichkeit von Angeboten, Einrichtungen und Organisationen bezieht.
Im engeren Sinne ist damit ein Prinzip der Gestaltung sozialer Dienstleistungen gemeint, das
inzwischen in vielen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit angewandt wird. Die Unterstützungsangebote sollen sich dabei inhaltlich, zeitlich und örtlich an den Lebenswelten der Zielgruppen orientieren sowie von potenziellen Nutzerinnen und Nutzern ohne größeren Aufwand
oder besondere Voraussetzungen in Anspruch genommen werden können. Durch eine niedrigschwellige Ausgestaltung von Angeboten sollen auch jene Menschen erreicht werden, die sich
in besonderen Lebenslagen befinden und auf anderen – formalisierteren – Wegen nicht oder
nicht frühzeitig genug erreicht werden (vgl. Deutscher Verein 2005: 6; siehe auch Muche et al.
2010: 8ff.).
Merkmale von Niedrigschwelligkeit3 sind:
JJLebensweltbezug und Alltagsnähe: Angebote sollten sich an den konkreten Bedarfen und
Bedürfnissen der Menschen in ihren sozialen Zusammenhängen orientieren.
JJGute Erreichbarkeit: Angebote sollten räumlich und zeitlich leicht erreichbar sein. Ihre Inanspruchnahme sollte „unkompliziert und unbürokratisch“ sein.
JJZugangsmöglichkeiten: Angebote sollten für die Zielgruppen „erschwinglich und zugänglich“
sein.
JJFreiwilligkeit und Selbstverantwortung: Die Nutzung von Angeboten sollte auf freiwilliger
Basis erfolgen und Selbstverantwortung fördern.
JJPotenzialorientierung: Angebote sollten an Kompetenzen und Potenzialen der Nutzerinnen
und Nutzer anknüpfen und ihrer Stigmatisierung als hilfsbedürftig entgegenwirken.
Von zentraler Bedeutung für die niedrigschwellige Ausgestaltung von Angeboten sind das
„Wahrnehmen, Verstehen und Wissen um den Alltag und die konkrete Lebenssituation“ von
Menschen mit Unterstützungsbedarf (vgl. Deutscher Verein 2005: 6).
Lotsen, Mentoren und Paten
Lotsen-, Mentoren- und Patenmodelle werden häufig in einen einheitlichen Zusammenhang
gestellt, wenn es um niedrigschwellige Ansätze bzw. Instrumente zur Förderung der sozialen
und gesellschaftlichen Teilhabe von Zugewanderten geht. Dabei gibt es jenseits der Gemeinsamkeiten durchaus spezifische Merkmale der verschiedenen Ansätze:
Der Begriff Lotse kommt ursprünglich aus der Seefahrt und wird für erfahrene Personen verwandt, die die ihnen anvertrauten Schiffe sicher durch Untiefen, vorbei an Hindernissen und
durch dichten Verkehr geleiten und die ihre Tätigkeit als Berater des Kapitäns ausüben.4 Integrationslotsinnen und Integrationslotsen unterstützen (Neu-) Zuwanderer/innen bei der Bewältigung einfacher Alltagsaufgaben, fördern die Orientierung im unvertrauten gesellschaftlichen
Umfeld und erleichtern Zugänge zu Angeboten und Einrichtungen. Lotsen werden vor allem als
Sprach- und Kulturmittler, als Stadtteilmütter und -väter eingesetzt, um Brücken zwischen Zugewanderten und sozialen Diensten zu bauen.
3	Diese Merkmale orientieren sich an den „Kriterien von Niedrigschwelligkeit aus Sicht der Familien“, die der Deutsche Verein
für öffentliche und private Fürsorge (2005: 6ff.) in den Handlungsempfehlungen „Niedrigschwelliger Zugang zu familienunterstützenden Angeboten“ ausführlich erläutert.
4	 Lotse. In: Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Lotse [zuletzt abgerufen am 30.09.2015].

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Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Einleitung

Als Patinnen und Paten werden Personen bezeichnet, die eine Patenschaft für eine Einrichtung,
ein Objekt oder eine Person übernehmen. Das Spektrum reicht dabei von der Übernahme einer
allgemeinen Schirmherrschaft für Projekte und Veranstaltungen bis zu einer besonderen Fürsorgepflicht gegenüber einzelnen Personen. Paten werden insbesondere im Bereich der frühen
Bildung, z.B. als Lesepaten, eingesetzt.
Mentorinnen oder Mentoren sind Personen, die mit ihrer Erfahrung und ihrem Wissen die Entwicklung von Mentees fördern. Der Erfahrungs- und Wissenstransfer im Rahmen einer persönlichen Beziehung wird als Mentoring oder Mentorat bezeichnet. Mentoring-Beziehungen sollen
die Mentees bei persönlichen oder beruflichen Entwicklungen unterstützen und sind vor allem
in den Bereichen Berufsorientierung, Übergang Schule/Beruf und Hochschule zu finden.
Während Lotsinnen und Lotsen als kundige Wegweiser und Türöffner fungieren, zielt die aufsuchende Arbeit von Stadtteilmüttern auf die Aufklärung und Aktivierung von schwer erreichbaren Familien, sowie auf die Bildung von Brücken zu den Regelangeboten. Mentoring- und Patenschaftsprogramme basieren in der Regel auf einer engen und intensiven Begleitung und
Unterstützung von jüngeren Menschen durch erfahrene Mentoren und haben vor allem eine
Motivations- und Vorbildfunktion. Sprach- und Kulturmittler erbringen sprachliche und kulturelle Übersetzungsleistungen insbesondere in Situationen, die ausgewiesene kommunikative,
soziale und reflexive Kompetenzen erfordern.
Die hier betrachteten Ansätze sind jeweils durch spezifische Merkmale gekennzeichnet, auch
wenn die Übergänge zwischen ihnen z. T. fließend und die Bezeichnungen keineswegs einheitlich sind. In dieser Expertise wird für das Gesamtspektrum der Ansätze – wie bereits von Susanne Huth (2007) vorgeschlagen – die Bezeichnung Integrationsbegleiter/in verwendet. Diese
übergreifende Bezeichnung umfasst damit alle Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekte, die auf
eine Förderung der Integration und Teilhabe von Zugewanderten abzielen. Der Begriff Integrationslotse bezeichnet daher im engeren Sinne nur eine Teilmenge, auch wenn er gelegentlich
ebenfalls als inklusive Bezeichnung verwandt wird.
Integration
Von Integration wird in dieser Expertise gesprochen, da es sich um ein anerkanntes und bewährtes Konzept in der Migrationsforschung handelt, an dem aus pragmatischen und inhaltlichen Gründen festgehalten wird, obwohl das Verständnis des Begriffs stark durch normative
Leitbilder in Politik und Öffentlichkeit überlagert wird und es eine lebhafte wissenschaftliche
Diskussion zu alternativen Konzepten gibt.5 In der Migrationsforschung werden – in Anlehnung
an konzeptionelle Überlegungen in der allgemeinen Soziologie – vier Dimensionen der individuellen Integration von Migrantinnen und Migranten unterschieden (vgl. Heckmann 2015: 72ff.;
siehe auch Esser 2000: 270ff.):
JJstrukturelle

Integration bezeichnet die Eingliederung in die Kerninstitutionen der Aufnahmegesellschaft wie das Bildungs- und Ausbildungssystem, die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt,
die sozialen Sicherungssysteme, den Wohnungsmarkt sowie die politische Gemeinschaft;
JJkulturelle Integration bezieht sich auf Normen, Werte und Einstellungen sowie kulturelle und
kommunikative Kompetenzen, insbesondere auch den Spracherwerb von Migrantinnen und
Migranten, beinhaltet aber auch Offenheit und Veränderungsbereitschaft der Aufnahmegesellschaft.
JJsoziale Integration umfasst die Entwicklung von sozialen Bindungen und Vertrauen durch
Begegnungen, Freundschaften, interethnische Eheschließungen, Partnerwahlstrukturen, soziale Netzwerke und Vereinsmitgliedschaften.

5	 S iehe hierzu insbesondere die Beiträge von Albert Scherr (2009) und Dieter Filsinger (2014), die die politische und öffentliche
Debatte zum Integrationsbegriff und alternativen Konzepten differenziert beleuchten; siehe auch den Einwurf von Schönfelder (2013).

7

JJidentifikative

Integration meint die Entwicklung von Zugehörigkeitsgefühlen und emotionaler Identifikation der Migrantinnen und Migranten mit nationalen, regionalen und lokalen
Kollektivstrukturen als Ergebnis struktureller, kultureller und sozialer Integrationsprozesse.

Aufbau der Expertise
Die Expertise ist wie folgt gegliedert: Im Anschluss an die Einleitung bietet das zweite Kapitel
einen komprimierten Überblick zu Lotsenprojekten in der kommunalen Integrationspolitik. Präsentiert werden ausgewählte Ergebnisse einer Studie zum Stand der kommunalen Integrationspolitik sowie einer aktuellen, bislang nicht veröffentlichten Umfrage des Kommunalen Qualitätszirkels zur Integrationspolitik zu Integrationshelfer/innen. Diese werden um Ergebnisse
eigener Gespräche und Recherchen ergänzt. Im dritten Kapitel wird dann analysiert, welche
Strategien, Programme und Maßnahmen Bund und Länder verfolgen, um den Einsatz niedrigschwelliger Instrumente auf kommunaler Ebene zu fördern. Im vierten Kapitel wird der Versuch
einer zusammenfassenden Bewertung und Typisierung von Integrationslotsen-, Paten- und
Mentorenprojekten unternommen. Abschließend werden Chancen und Grenzen sowie Gelingensbedingungen niedrigschwelliger Ansätze zwischen bürgerschaftlichem Engagement, Professionalisierung und Verberuflichung zusammengefasst.
Danksagung
Ein besonderer Dank gilt den Mitgliedern des Kommunalen Qualitätszirkels zur Integrationspolitik, die die Entstehung dieser Expertise mit ihren Beiträgen und Stellungnahmen bereichert
haben. Danken möchte ich in diesem Zusammenhang insbesondere Werner Hülsmann (Landkreis Osnabrück, Integrationsbeauftragter) und Ralf Sabelhaus (Stadt Osnabrück, Team Integration), die mir die Antwortbögen einer unveröffentlichten Umfrage des Qualitätszirkels zu Integrationshelferinnen und -helfern zur Auswertung überlassen haben. Bedanken möchte ich
mich aber auch bei allen anderen Gesprächspartnerinnen und -partnern in Kommunen, Ländern und auf Bundesebene, die ihre Erfahrungen und Perspektiven mit mir geteilt haben. Eine
namentliche Auflistung der Auskunftspersonen befindet sich im Anhang. Mein Dank gilt zudem
Kai Leptien, Mitarbeiter im Büro des Beauftragten des Senats von Berlin für Integration und
Migration, der die Arbeit an der Studie mit viel Geduld begleitet hat. Und einen herzlichen Dank
schulde ich meinem Kollegen Prof. Dr. Roland Roth, der auch diese Studie mit Anregungen und
Kritik bereichert hat.

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Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Einleitung

9

2	 L otsen-, Mentoren- und Patenprojekte
in Kommunen
2.1	 F unktionen und Tätigkeitsfelder von Integrationsbegleiterinnen und
-begleitern
Spätestens seit der Neuausrichtung der Integrationspolitik von Bund und Ländern im Jahr 2005
erfreuen sich Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekte in Kommunen einer wachsenden Beliebtheit als Instrumente einer niedrigschwelligen Integrationsbegleitung und -förderung von Zugewanderten. In der Projektdatenbank der „Aktion zusammen wachsen“, die Patenschafts- und
Mentoringprojekte durch die Bereitstellung von Informationsmaterial, die Förderung von Wissens- und Erfahrungsaustausch sowie Vernetzung unterstützt, sind allein 750 Projekte eingetragen. Hinzu dürften noch einmal mehrere Hundert Lotsenprojekte6 sowie eine unbekannte
Zahl weiterer Projekte der Integrationsbegleitung kommen. Die enorme Breite von Zielen und
Schwerpunkten dieser Projekte spiegelt sich in einer beeindruckenden Vielfalt der Bezeichnungen wider, die von Aktivpaten über Integrationslotsen bis Zukunftslotsen reicht (siehe Schaubild 1).
Schaubild 1:
Von A bis Z – Lotsen, Mentoren- und
Patenprojekte in Deutschland
Eigene Darstellung (Gesemann 2015)

Aktivpaten – Antigewaltlotsen – Ausbildungslotsen – Ausbildungspaten – Berufspaten –
Besuchs- und Begleitdienste – Bildungsbotschafter – Bildungslotsen – Bildungspaten –
Bildungs- und Gesundheitslotsen – Botschafterinnen des Sports – Brückenbauer –
­
­Bürgermentoren – Demokratielotsen – Dialogbegleiter – ehrenamtliche Dolmetscher –
Einbürgerungslotsen – Elbmütter – Elternbegleiter – Elternlotsen – Eltern-, Migrationsund Schullotsen – Elternmentoren – Engagementlotsen – Familienlotsen – Familienpaten
– Familien- und Seniorenpaten – Flüchtlingslotsen – Flüchtlingspaten – Gemeinde­
dolmetscher – Gesprächsgruppenleiter – Gesundheitslotsen – Gesundheitsmediatoren –
Hausaufgabenbetreuer – Hochschullotsen – Inselmütter – I-Lotsen – Integrationsassistenten – Integrationsbegleiter – Integrations- und Bildungslotsen – Integrationshelfer –
­Integrationslotsen – Integrations- und Familienlotsen – Integrationsmentoren – Interkulturelle Begleiter – Interkulturelle Konfliktmittler – Jobpiloten – Kiezmütter – Kita- und
Grundschulpaten – Kulturdolmetscher – Kulturlotsen – Kulturmediatoren – Kulturmittler
– Lernpaten – Leselotsen – Lotsen – Mentoren – Nachbarschaftsmütter – Paten –
­Peer-Group-Lotsen – Rentenhelfer – Soziallotsen – Sprachlotsen – Sprachmittler – Sprachund Integrationsmittler – Sprach- und Kulturmittler – Schülerpaten – Sprachpaten –
­Stadtteilmütter – Stadtteilväter – Toleranzlotsen – Umweltlotsen – Welcome Guides –
­Willkommenspaten – Zukunftslotsen

Im Beitrag der kommunalen Spitzenverbände zum Nationalen Integrationsplan (2007) werden
niedrigschwellige Angebote zur Förderung der Integration von Zugewanderten insbesondere in
den Handlungsfeldern Partizipation und bürgerschaftliches Engagement sowie sozialräumliche
Integration angesprochen. Die Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände empfiehlt
dabei ihren Mitgliedern, die Bildungsangebote des Bundes und der Länder durch kommunale
Maßnahmen zu ergänzen, bürgerschaftliches Engagement von, für und mit Migranten zu för6	Roman Lietz hat im Rahmen eines Promotionsvorhabens zum Thema „Kriterien zur Umsetzung von Integrationslotsenprojekten“ bundesweit 227 Integrationslotsen-Projekte ermittelt, die bestimmte Mindeststandards erfüllen (Telefon-Interview
am 30.04.2015).

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Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekte in Kommunen

dern, die Kompetenzen der Zuwanderer als Multiplikatoren und Konfliktmoderatoren einzubeziehen sowie die Lebensqualität im und die Identifikation mit dem Quartier durch niedrigschwellige Angebote zu stärken (Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände 2007).
Informationen über die Umsetzung dieser Empfehlungen und die Verbreitung niedrigschwelliger Instrumente bietet die repräsentativ angelegte Studie zum „Stand der kommunalen Integrationspolitik in Deutschland“, die 2011 im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau
und Stadtentwicklung und der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge
und Integration sowie in Kooperation mit den kommunalen Spitzenverbänden erstellt wurde
(vgl. Gesemann et al. 2012):
Von den in diesem Rahmen befragten 228 Kommunen unternehmen zumindest zwei Drittel
besondere Anstrengungen, um das freiwillige Engagement von, für und mit Migranten zu unterstützen (73 %) bzw. die Kompetenzen der Zuwanderer integrationspolitisch zu nutzen (66 %).
Dabei verweisen die Kommunen auf eine Vielzahl von Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekten,
die in nahezu allen integrationspolitischen Handlungsfeldern zu finden sind. Das freiwillige Engagement wird dabei durch Qualifizierungsangebote, Freiwilligen- und Vermittlungsagenturen
sowie eine lokale Anerkennungs- und Engagementkultur gefördert.
Etwas mehr als zwei Drittel der Kommunen (68 %) nutzen Lotsen oder andere Förderinstrumente, um Zuwanderer bei der Wahrnehmung von Bildungsangeboten des Bundes und der Länder
zu unterstützen. Allerdings zeigen sich bei der Nutzung deutliche Unterschiede nach Gemeindegrößen: Am häufigsten werden Lotsen von Großstädten (91 %) eingesetzt, gefolgt von Landkreisen (72 %), Mittelstädten (60 %) sowie Kleinstädten und Gemeinden (41 %). Die Lotsen werden
in den Kommunen vor allem in den Bereichen Elternarbeit (74 %), Kita (74 %), Schule (70 %) und
beim Übergang Schule/Beruf (63 %) eingesetzt, wobei Kleinstädte und Gemeinden Lotsen am
häufigsten in der Kita einsetzen (vgl. Schaubild 2).
Schaubild 2:
Nutzung von Lotsinnen und Lotsen oder
anderen Förderinstrumenten zur Unterstützung von Zugewanderten bei der
Wahrnehmung von Bildungsangeboten
des Bundes und der Länder
(in Prozent der befragten Kommunen)
Quelle: Gesemann et al. (2011)

Mehr als drei Viertel der Kommunen (79 %), die über Sozialräume mit besonderen integrationspolitischen Bedarfen und Herausforderungen berichten, nutzen niedrigschwellige soziale und
kulturelle Angebote, um die Identifikation mit dem Quartier zu verbessern und das Zusammenleben zwischen den Bevölkerungsgruppen zu fördern.

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Vertiefende Informationen zu Integrationsbegleiter-Projekten bieten die Ergebnisse einer Umfrage des Kommunalen Qualitätszirkels zur Integrationspolitik unter seinen Mitgliedern vom
Sommer 2014 sowie ergänzende Recherchen, Interviews und Gesprächsrunden, die im Frühjahr
2015 im Rahmen dieser Expertise durchgeführt wurden.
Der Fragebogen des Kommunalen Qualitätszirkels zum Einsatz von Integrationshelferinnen
und -helfern7 wurde von 17 Mitgliedern schriftlich beantwortet.8 Auch wenn Umfang und Qualität der Antworten sehr unterschiedlich sind, erlauben sie doch einen interessanten Einblick in
dieses Praxisfeld der kommunalen Integrationspolitik.
Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass es eine große Vielfalt von niedrigschwelligen Ansätzen und Projekten gibt, die von Integrationslotsen, Stadtteilmüttern, Sprachmittlern, Sprachund Ausbildungspaten, Bildungslotsen, Elternbegleiter, Familienpaten, Arbeitsmarktlotsen, Gesundheitsmediatoren bis hin zu Paten, Mentoren und Gesprächsgruppenleitern reichen. Die
verschiedenen Ansätze lassen sich nach Handlungsfeldern und Tätigkeitsschwerpunkten (Sprache, Bildung, Ausbildung, Arbeitsmarkt, Gesundheit, Kultur und Sport), Reichweite (Landkreis,
Gesamtstadt, Stadtteil, Nachbarschaft) und Zielgruppen (Schülerinnen und Schüler, Jugendliche, Frauen, Eltern und Familien, Senioren, Flüchtlinge) unterscheiden.
Einige ausgewählte Ergebnisse der Befragung zu Integrationshelferinnen und Integrationshelfern:
JJIn

den vierzehn Kommunen, zu denen Zahlenangaben vorliegen, gibt es mindestens 2.200
Integrationshelferinnen und -helfer, davon entfallen allein 1.200 Personen auf Berlin, Hamburg und Leipzig (Angaben teilweise geschätzt).
JJHaupteinsatzfelder sind die Bereiche Sprachförderung/ Bildungsarbeit/ Elternbegleitung (22
Nennungen), Stadtteil-/Quartiersarbeit (14 Nennungen), Flüchtlingsbetreuung (12 Nennungen), Kulturarbeit (10 Nennungen), Jugendarbeit (8 Nennungen), Gesundheit (7 Nennungen),
Senioren (6 Nennungen), Arbeitsmarkt/Ausbildung (3 Nennungen) und Konfliktvermittlung
(2 Nennungen).
JJZu den abgefragten Tätigkeitsschwerpunkten der Integrationshelferinnen und -helfer gehören Begleitung bei Behördengängen (22 Nennungen) und Sprachmittlung (20 Nennungen),
gefolgt von Hausaufgabenhilfe (7 Nennungen) sowie Mitarbeit in Projekten und Seminaren
(2 Nennungen).
JJDas weite Spektrum der Integrationshelferinnen und -helfer reicht von Bildungslotsen über
Bildungspaten über Elternbegleiterinnen, Gesprächsgruppenleiter, Integrationslotsen, Familienpaten, Gesundheitsmediatoren, Kulturdolmetschern, Mentorinnen bis zu Sprach- und
Kulturmittlern.
Im Rahmen der Expertise wurden weitere Stellungnahmen von Mitgliedern des Kommunalen
Qualitätszirkels eingeholt und vertiefende Interviews mit Verantwortlichen in ausgewählten
Städten zu Zielsetzungen, Strukturen und Wirkungen von niedrigschwelligen Projekten geführt.
Einige Beispiele mögen genügen, um die Vielfalt der Ansätze, Tätigkeitsfelder und Finanzierungsmodelle von Projekten einer niedrigschwelligen Integrationsbegleitung zu beschreiben:9
Die Stadt Essen zeichnet sich durch eine beeindruckende Vielfalt niedrigschwelliger Projekte der
Integrationsbegleitung aus. Zu diesen gehören Sprach- und Kulturmittler/innen (SprInt) zur
Unterstützung von Fachkräften in Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, interkulturelle Begleiter/innen zur Verbesserung der Integration von Menschen libanesischer Zuwanderungs­
7	 D
 er Umfrage des Kommunalen Qualitätszirkels zur Integrationspolitik lag folgende Arbeitsdefinition zugrunde: „IntegrationshelferInnen sind ehrenamtlich tätige oder geringfügig beschäftigte Personen, z.B. im Rahmen von Aufwandsentschädigungen
oder Honoraren, die regelmäßig in integrationspolitischen Handlungsfeldern agieren.“
8	Den Fragebogen schriftlich beantwortet haben folgende Mitglieder des Kommunalen Qualitätszirkels zur Integrationspolitik:
die Stadtstaaten Berlin und Hamburg, die Städte Arnsberg, Essen, Hamm, Hannover, Herten, Jena, Leipzig, Münster, Nürnberg,
Osnabrück und Wiesbaden sowie die Kreise Düren, Groß-Gerau, Mettmann und Osnabrück. Einige ergänzende Informationen
liegen für Bremen vor.
9	 Siehe auch die Anlage 2 zu Integrationsbegleiterinnen und -begleiter in ausgewählten Kommunen im Anhang dieser Expertise.

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Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekte in Kommunen

geschichte, Stadtteilmütter im Elementarbereich zur Sprachförderung in der Familie, Elternbegleiter/innen im Programm „Rucksack in der Grundschule“ zur Förderung der schulischen
Entwicklung von Kindern mit Migrationshintergrund, Integrationslotsen zur Förderung der Arbeitsmarktintegration von bulgarischen und rumänischen Zuwanderer/innen. Zu den Besonderheiten der Stadt Essen gehört die Integration der Integrationsbegleiter/innen in die Regelstrukturen und die Koordination durch hauptamtliches Personal im Rahmen der interkulturellen
Orientierung von Behörden und Einrichtungen.
In der Landeshauptstadt Hannover gibt es sowohl Integrationslotsen als auch Stadtteilmütter.
Zu den Besonderheiten gehören die Koordination der Integrationslotsentätigkeit durch die
Volkshochschule Hannover sowie die Anbindung der Stadtteilmütter an die Familienzentren.
Die Volkshochschule Hannover qualifiziert Integrationslotsinnen und Integrationslotsen seit
2007, koordiniert deren Einsätze und bietet einen verlässlichen Rahmen für Begleitung, Beratung und Erfahrungsaustausch. Der Einsatz der Lotsinnen und Lotsen erfolgt nur auf Anfrage
von Behörden und Einrichtungen, die die Lotsen fachlich anleiten. Stadtteilmütter werden von
der Volkshochschule Hannover qualifiziert und in Familienzentren eingesetzt. Sie sind bei den
Trägern der Familienzentren sozialversicherungspflichtig beschäftigt und arbeiten in der Regel
neun Stunden pro Woche.
Stadt und Landkreis Osnabrück haben 2005 – mit Unterstützung durch das Land Niedersachsen
– das Projekt „Integrationslotsen“ ins Leben gerufen,10 das seitdem inhaltlich und strukturell
weiterentwickelt wurde. Bemerkenswert ist dabei vor allem der Grad der Selbstorganisation der
Lotsinnen und Lotsen: In der Stadt Osnabrück haben sich Integrationslotsen zu einem Netzwerk
zusammengeschlossen, das als Basis für Erfahrungsaustausch und Projektentwicklung genutzt
wird. Zudem haben in der Stadt Dissen im Landkreis Osnabrück Integrationslotsen einen eigenen Verein gegründet, um ihre Tätigkeit als unabhängiges, ehrenamtliches Angebot fortführen
zu können. Aufschlussreich ist zudem das Konzeptpapier der Stadt Osnabrück „Integrationslotsen (ILOS)“ zu Zielsetzungen, Tätigkeitsfeldern, Rahmenbedingungen und Entwicklungsperspektiven der Lotsentätigkeit.11
Die Landeshauptstadt Saarbrücken verfügt über vielfältige Erfahrungen mit der Qualifizierung
und dem Einsatz von Integrationslotsen. Dazu gehören insbesondere Sprachmittlerinnen und
Sprachmittler, die seit 2006 im Rahmen des bundesweit anerkannten IHK-Zertifikatslehrgangs
„Sprachmittler/in (IHK)“ qualifiziert werden.12 Der Lehrgang umfasst 200 Unterrichtsstunden in
insgesamt sieben Modulen (z.B. Persönliche Kompetenzen, Dolmetsch- und Übersetzungstechniken; Institutionenwissen).13 Der Einsatz der Sprachmittler/innen erfolgt auf Anforderung von
Institutionen und gegen Honorar. Darüber hinaus gibt es noch ein MentoringNetzwerk für Migrantinnen (MiNET Saar), das aufstiegs- und bildungsorientierten Migrantinnen neue Zugänge
zu Gesellschaft und Arbeitsmarkt eröffnen möchte, und das Ehrenamtsnetzwerk ANKOMMEN,
welches u.a. Patenschaften für Flüchtlinge vermittelt.
In der Stadt Solingen gibt es einen mobilen Übersetzungsdienst der Stadtverwaltung, der die
Kommunikation zwischen Behörden und Einrichtungen sowie Migrantinnen und Migranten erleichtern soll. Ein Mentoring-Projekt unterstützt junge Frauen mit Zuwanderungsgeschichte bei
der Berufsorientierung, Studienwahl oder Ausbildungsplatzsuche. Im Projekt „Stadtteilfrauen“
10	Siehe zum Projekt auch den frühen Evaluationsbericht von Kai Leptien (2006) sowie die Beiträge von Vertretern der Stadt und
des Landkreises (Weber 2006; Hülsmann 2006).
11	Siehe das Konzeptpapier „Integrationslotsen Osnabrück (ILOS)“ der Stadt Osnabrück (2014) unter: http://www.osnabrueck.
de/rat/einbuergerung/integrationslotsen.html. Siehe auch den Beitrag von Katja Bielefeld (Migrationszentrum, Landkreis Osnabrück) zu „Ansätzen bei der Finanzierung der Lotsentätigkeit“ im Rahmen der Fachtagung „Von der Ankunft zum Ankommen – Perspektiven des Landesrahmenprogramms Integrationslotsinnen und Integrationslotsen in Berlin“ am 29.06.2015 in
Berlin.
12	 Die Erfahrungen umfassen zudem die Qualifizierung von interkulturellen Brückenbauer/innen im Rahmen des IQ Netzwerks
und über Beschäftigungsmaßnahmen (Projekt inzwischen beendet) sowie von ehrenamtlichen Kulturmittler/innen durch das
Zuwanderungs- und Integrationsbüro.
13	 Informationen zum IHK-Zertifikationslehrgang bietet die folgende Veröffentlichung: http://www.netzwerk-iq.de/fileadmin/
redaktion/Publikationen/05_Qualifizierung/2007_Zertifikatslehrgang_Sprachmittler.pdf.

13

werden Frauen verschiedener Herkunft motiviert und qualifiziert, eine aktive Rolle im Stadtteil
zu übernehmen. Berichtet wird zudem über Erfahrungen mit (Modell-)Projekten zur Qualifizierung interkultureller Arbeitsmarktlotsen aus Migrantenorganisationen und ehrenamtlichen
„Anerkennungslotsen“ im Rahmen des IQ-Netzwerks Nordrhein-Westfalen.14
Die Integrationsabteilung der Landeshauptstadt Wiesbaden unterstützt zwei niederschwellige
Integrationslotsenprojekte: Die Wiesbadener Bildungs- und Gesundheitslotsen (WiLo) bieten
auf ehrenamtlicher Basis15 Informations- und Sensibilisierungsveranstaltungen an, um Migrantinnen und Migranten den Zugang zu Angeboten in den Bereichen Bildung und Gesundheit zu
erleichtern. Zu den Aufgaben der Integrationsassistenten gehören Übersetzung sowie kultursensible Vermittlung zwischen Migrant/innen und Behörden und anderen Institutionen. Der
Einsatz erfolgt auf Anfrage/Bestellung durch Institutionen und Vereine und wird mit zehn Euro/
Stunde vergütet.

2.2	 E ntwicklung und Organisation von Projekten der
Integrations­begleitung
Die Entwicklungsgeschichte von Integrationsbegleiter-Projekten in Kommunen lässt sich nicht
leicht nachverfolgen, zumal es eine große Vielfalt an lokalen Ansätzen und Erfahrungen gibt. In
vielen Fällen scheinen begrenzte Laufzeiten und mangelnde Anschlussfinanzierungen die Nachhaltigkeit von Projekten beeinträchtigt zu haben. In Hessen und Niedersachsen sind Programme zur Förderung der Qualifizierung und Weiterbildung von ehrenamtlichen Integrationslotsinnen und Integrationslotsen ein Anker für kommunale Projekte. Einige Kommunen, wie z.B. die
Stadt Essen, haben zudem früh damit begonnen, Integrationsbegleiter/innen mit den Regelstrukturen zu verknüpfen; in der Landeshauptstadt Hannover wurden Stadtteilmütter als
­so­zialversicherungspflichtig Beschäftigte in die Familienzentren integriert. In Berlin ist es gelungen, die aus dem bürgerschaftlichen Engagement hervorgegangene Tätigkeit der Stadtteilmütter über viele Jahre durch öffentliche Beschäftigungsprogramme weiter zu finanzieren und
seit Herbst 2013 mit dem Landesrahmenprogramm Integrationslotsinnen und Integrationslotsen zumindest partiell zu verstetigen.
Es lassen sich zumindest zwei zentrale Entwicklungslinien von Integrationsbegleiter-Projekten
rekonstruieren:
Stadtteilmütter-Projekte: Die Grundidee von Stadtteilmütter-Projekten ist es, Mütter durch
Multiplikatorinnen aus der eigenen, ethnischen Community anzusprechen, um die Chancen für
eine frühe Förderung ihrer Kinder zu verbessern. Die Regionale Arbeitsstelle zur Förderung von
Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA)/Büro für Interkulturelle Arbeit Essen
hat Ende der 1990er Jahre das aus den Niederlanden stammende Elternbildungs- und Sprachförderprogramm „Rucksack“ für den Einsatz in Deutschland übersetzt und überarbeitet. In
Berlin-Neukölln wurde dann 2004 ein aufsuchender Ansatz entwickelt, der die Stärkung elterlicher Kompetenzen in Fragen der Erziehung durch Informationen und Anregungen im Rahmen
von Hausbesuchen in den Mittelpunkt stellt. Rucksack- und Stadtteilmütter-Projekte wurden in
der Folgezeit in vielen Kommunen erfolgreich umgesetzt. Die Ansätze firmieren inzwischen unter verschiedenen Bezeichnungen wie Bildungsbotschafter/innen, Elternbegleiter/innen, Nachbarschafts-, Rucksack- oder Stadtteilmütter-Projekte.
Integrationslotsen-Projekte: Allgemeines Ziel von Integrationslotsen-Projekten ist die Verbesserung des Informations- und Beratungsangebots für (Neu-)Zuwanderer/innen. Mehrsprachige,
qualifizierte, vernetzte und ehrenamtlich wirkende Integrationslotsinnen und Integrationslot14	 Informationen zu den Projekten einer Qualifizierung interkultureller Arbeitsmarktlotsen und zur Förderung einer niedrigschwelligen Anerkennungsbegleitung in Migrantenorganisationen sind auf folgende Webseiten zu finden: http://www.arbeitsmarktlotsen-nrw.de und http://www.anerkennungsbegleitung-nrw.de.
15	Die Bildungs- und Integrationslotsen erhalten eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 50 Euro für eine Informationsveranstaltung in Schulen und Kindertagesstätten sowie 75 Euro bei selbstorganisierten Veranstaltungen.

14

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekte in Kommunen

sen sollen als „Türöffner“ zu ethnischen Netzwerken und Vereinen in der Kommune sowie als
„Brückenbauer“ zu professionellen Beratungs- und Unterstützungsangeboten fungieren. Integrationslotsen-Projekte wurden erstmals 2005 in der Stadt und im Landkreis Osnabrück entwickelt und seitdem in einer Vielzahl von Kommunen umgesetzt. Der Einsatz, die Qualifizierung
und die Weiterbildung ehrenamtlicher Integrationslotsinnen und -lotsen werden seit Mitte des
letzten Jahrzehnts durch Programme und Maßnahmen von Bund und Ländern besonders gefördert. Das Land Berlin hat Ende 2013 die Integrationslotsenarbeit durch ein entsprechendes Landesrahmenprogramm besonders verankert.
Die dynamische Verbreitung der neuen niedrigschwelligen Ansätze zeigt sich auch in einer Publikation des Deutschen Städtetages (2007), in der niedrigschwellige Angebote vor allem in den
Handlungsfeldern „Bildung und Integration“, „Sozialräumliche Integration im Wohnquartier“
und „Migrantinnen“ angesprochen werden. Zu den Empfehlungen gehören insbesondere An­
gebote im Bereich der Erwachsenenbildung, Beratungs- und Betreuungsangebote in interkulturellen Begegnungsstätten, die persönliche Ansprache von Migrantinnen und Migranten zur
Förderung des bürgerschaftlichen Engagements sowie aufsuchende Angebote, um Frauen zu
erreichen, die Angebote von Beratungseinrichtungen nicht wahrnehmen (können).16
Organisation und fachliche Anbindung der Integrationsbegleiter/innen
In Bezug auf Organisationsform sowie Anbindung von Integrationslotsen und Stadtteilmüttern
gibt es große Unterschiede in den Kommunen. In einigen Großstädten zeigen sich insbesondere
bei Stadtteilmütter-Projekten deutliche Tendenzen einer Verdienstlichung und Professionalisierung. In Klein- und Mittelstädten sowie in ländlichen Regionen sind die IntegrationsbegleiterProjekte nach wie vor ehrenamtlich geprägt, wobei sich auch hier deutliche Tendenzen einer
Qualifizierung und Weiterbildung des freiwilligen Engagements zeigen. In Großstädten wie Berlin, Dortmund und Hamburg sind Stadtteilmütter und Integrationslotsen bei freien Trägern
angesiedelt bzw. beschäftigt; in der Landeshauptstadt Hannover sind sie in Familienzentren
integriert. Integrationsbegleiter/innen sind zudem als Einzelpersonen – auf ehrenamtlicher Basis oder als Honorarkräfte – bei Ämtern, Fachstellen oder Volkshochschulen angebunden. Im
Berliner Landesrahmenprogramm Integrationslotsinnen und Integrationslotsen ist eine Regiestelle für Beratung, Betreuung und Vernetzungsangebote zuständig. Bei Lotsen, die aus öffentlichen Mitteln finanziert werden, liegen Steuerung und Aufsicht über die Projekte bei JobCentern, der Regionaldirektion der Agentur für Arbeit und den Bezirken.
Entschädigung und Vergütung von Integrationsbegleiter/innen
Die Ergebnisse der Befragung des Kommunalen Qualitätszirkels zum Einsatz von Integrationshelfer/innen zeigen, dass die Regelungen zur Entschädigung bzw. Vergütung durch eine sehr
große Varianz gekennzeichnet sind. Diese reichen bei den 28 Programmen und Projekten, zu
denen Angaben vorliegen, vom rein ehrenamtlichen Engagement mit oder ohne Fahrtkostenerstattung über geringe Aufwandsentschädigungen und Honoraren bis zu sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen. Der Umfang reicht dabei wiederum von weniger als
zehn Wochenstunden bis zu mindestens 30 Wochenstunden und Vergütungen in Höhe von
1.300 bis 2.000 Euro im Monat im Rahmen des Berliner Landesrahmenprogramms Integrationslotsinnen und Integrationslotsen. Das bürgerschaftliche Engagement im Tätigkeitsfeld wird
daher insbesondere in Großstädten stark durch Tendenzen der Verdienstlichung geprägt, die
das Wachstum eines Arbeitsmarktes für gering beschäftigte, qualifizierte und entlohnte Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in der Migrationssozialarbeit befördert.

16	Zu den vorgestellten Beispielen guter Praxis gehört zudem eine Reihe von Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekte in den
Bereichen gesellschaftliche Integration („Patenschaften für Integration“, Ausländerbeirat der Landeshauptstadt Potsdam),
ethnische Ökonomie („Ausbildung zum Kulturlotsen“, Stadt Salzgitter; „Qualifizierung von Integrationslotsen“, Verein THEPRA, Stadt Erfurt), bürgerschaftliches Engagement („ILOS – Integrationslotsinnen und Integrationslotsen – Qualifizierung und
Praxiserfahrung im kommunalen Ehrenamt“, Stadt Osnabrück; „gEMIDE – Förderung des gesellschaftlichen Engagements von
MigrantInnen und eingebürgerten Deutschen durch ehrenamtliche Tätigkeit“, Landeshauptstadt Hannover), Partizipation
(„Integrationslotsennetzwerk“, Stadt Duisburg); interkulturelle Öffnung der Verwaltung („Mentoring für MigrantInnen bei der
Stadt Osnabrück – IQ (interkulturelle Qualität“).

15

2.3	 Ergebnisse und Wirkungen von Lotsenprojekten
Von den vierzehn Kommunen, die im Rahmen der Umfrage des Kommunalen Qualitätszirkels
zur Integrationspolitik Angaben zum integrationspolitischen Nutzen der Integrationshelfer/innen gemacht haben, wird dieser fast ausnahmslos als sehr hoch oder hoch eingeschätzt. Hervorgehoben wird, dass viele Lotsinnen und Lotsen aufgrund ihrer Mehrsprachigkeit, hohen
Hilfsbereitschaft und ihres Einfühlungsvermögens Menschen im Sozialraum erreichen, die
sonst durch Behörden und Einrichtungen schwer zu erreichen sind. Mit ihrer Informations- und
Vermittlungsarbeit tragen sie zu mehr Transparenz der Regelstrukturen, einer höheren Akzeptanz und besseren Inanspruchnahme von Angeboten bei. Sie leisten einen wichtigen Beitrag
zum Gelingen von Kommunikation, zur Vermeidung von Missverständnissen und zur Förderung
eines besseren Verständnisses zwischen Fachkräften und Zugewanderten. Sie entlasten die
Hauptamtlichen („Ehrenamt unterstützt Hauptamt“) und fungieren als Bindeglied zur alteingesessenen Bevölkerung sowie als „Türöffner“ zu Angeboten, Projekten und Netzwerken. Die Akzeptanz der Integrationsbegleiter in der Bevölkerung, bei Verbänden und in der Politik wird
daher als sehr hoch eingeschätzt.
Das folgende Zitat zeigt beispielhaft, welche Bedeutung der Tätigkeit von Nachbarschafts- und
Stadtteilmüttern zur Förderung der sozialen Integration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte beigemessen wird:
„Familien mit Migrationshintergrund sind häufig besonderen Belastungen ausgesetzt. Neben
sozialen Problemen bestehen Unsicherheiten im Umgang mit Behörden und Institutionen (Kita,
Schule). Darüber hinaus stellen die Auseinandersetzungen mit unterschiedlichen Erziehungsstilen und -zielen eine besondere Herausforderung dar. Viele Eltern fühlen sich zerrissen zwischen
verschiedenen kulturellen Erfahrungen und gesellschaftlichen Erwartungen. Mangelnde
Sprachkenntnisse führen nicht selten zu falschen Informationen, Unkenntnis und Resignation.
Insbesondere Familien mit Migrationshintergrund haben einen großen Informationsbedarf in
Bezug auf die kulturellen Begebenheiten und das Bildungssystem in Deutschland. Die ‚Elbmütter‘ sind ‚Brückenbauer‘ zwischen unterschiedlichen Kulturen und können die Bedürfnisse viel
besser unterstützen und begleiten und gewisse gesetzte ‚Rahmen‘ in Erziehung, Beruf/Bildung
und Sozialleben vermitteln“ (Kommunaler Qualitätszirkel zur Integrationspolitik, Stellungnahme aus der Freien und Hansestadt Hamburg, 2014).
Hervorgehoben wird zudem, dass die Integrationsbegleiter/innen ein zentrales und nachhaltig
wirksames Instrument zur „Gewährleistung des Versorgungsauftrags der Kommunen“, zur „interkulturellen Öffnung öffentlich geförderter Dienstleistungen“ und zur Förderung von Integration und Teilhabe von Zugewanderten sind: „Durch ihren Einsatz werden die Angebote kooperierender Einrichtungen, Beratungsstellen und Institutionen ergänzt.“ Die Sozialarbeit wird
effizienter, da „passgenaue interkulturelle Settings“ und bedarfsbezogene Unterstützungsleistungen angeboten werden können. Mit dem Einsatz von Stadteilmüttern und der interkulturellen Sprachförderung und Elternbildung im Elementarbereich sei z.B. in der Stadt Essen „die interkulturelle Öffnung der Familienbildungsstätten und Kindertagesstätten [
] erfolgreich und
nachhaltig erreicht worden“ (Kommunaler Qualitätszirkel zur Integrationspolitik, Stellungnahme aus der Stadt Essen, 2014).
Es gibt aber auch kritische Stimmen in den Kommunen, die an der Befragung teilgenommen
haben: Der Integrationsbeauftragte der Stadt Leipzig, Stojan Gugutschkow, sieht den integra­
tionspolitische Nutzen von Integrationshelfern „im niederschwelligen Bereich positiv (Alltagsfragen, Lotsenfunktion zu Institutionen und Fachberatungsstellen)“, aber „sehr kritisch, wenn
Beratungsaufgaben und Sprachmittlerdienste übernommen werden“. Er verweist zudem auf
die mangelnde Wirksamkeit von ehrenamtlichen Bildungs- und Gesundheitslotsen, die nach
dem Auslaufen der Projekte nicht mehr koordiniert werden.

16

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekte in Kommunen

Auch der Integrationsbeauftragte des Kreises Groß-Gerau, Sedat Cakir, verweist auf die mangelnde Nachhaltigkeit von Lotsenprojekten aufgrund begrenzter Projektlaufzeiten. Er beklagt
zudem eine mangelnde materielle Wertschätzung und Qualifizierung sowie eine unzureichende
Begleitung der Lotsinnen und Lotsen durch hauptamtliche Mitarbeiter, um diese vor Überforderung durch die Ansprüche der jeweiligen Zielgruppe zu schützen. Die Lotsinnen und Lotsen
würden zudem teilweise sehr anspruchsvolle und emotional belastende Aufgabengebiete – von
der Geburtshilfe bis zur Sterbebegleitung – übernehmen, obwohl ihnen hierfür oftmals das methodische Handwerkszeug fehle. Sedat Cakir verweist zudem auf die Gefahr einer Instrumentalisierung von Integrationshelfern, um einen Mangel an interkultureller Öffnung zu kompensieren.
„Einem Missbrauch der Integrationshelfer als unbezahlte ‚Alleshelfer‘ sollte dringend vorgebeugt werden. Integrationshelfer können hauptamtliche Arbeiter nicht ersetzen. Ferner bedarf
es einer umfassenden Begleitung und Wertschätzung des Ehrenamtes, welches klar definiert
und den Kompetenzen der jeweiligen Personen gerecht werden muss“ (Sedat Cakir, Integra­
tionsbeauftragter des Kreises Groß-Gerau).
Werner Hülsmann, Integrationsbeauftragter des Landkreises Osnabrück und Ralf Sabelhaus
(Stadt Osnabrück, Fachbereich Stadtentwicklung und Integration) haben die Ergebnisse der Befragung des kommunalen Qualitätszirkels zu Integrationshelferinnen aus Sicht des kommunalen Integrationsmanagements zusammengefasst und dabei einige Gelingensbedingungen, aber
auch Herausforderungen benannt (vgl. Schaubild 3).

JJ „Die

Integrationslotsen sind nach fast zehn Jahren kein Neuland mehr, der Projektstatus ist (vielerorts) mittlerweile eine Fehlkonstruktion.“
JJ „Die Kommune muss klare und eindeutige Regeln für den Umgang mit Integrationslotsen definieren. Dies verstärkt die Wirksamkeit des Instruments Integrationslotsen und
unterstützt die Akteure in ihrer Tätigkeit.
JJ „Ein einheitlicher Begriff – Integrationslotsen – unterstützt die Bedeutung für Integrationspolitik, [da er die Öffentlichkeitsarbeit erleichtert und sichtbarer wird), „dass es
sichtlich um Unterstützer/innen für die Integration von Zugewanderten handelt.“
JJ „Eine hauptamtliche, den Lotsen zugewandte kontinuierliche Betreuung und Honorierung der Lotsen korreliert mit der Zufriedenheit kommunaler Stellen und erhöht die
Steuerbarkeit, Einsatzflexibilität und Passgenauigkeit des Instruments.“
JJ „Eine professionelle, kostenfreie und barrierearme Aus- und Fortbildung der Akteure
ist unabdingbar.“
JJ „Lotsen werden stellenweise tabulos und umfassender als angedacht als ‚Alleshelfer‘,
sozusagen als ‚Sondereinsatzkommando‘, in nahezu allen Handlungsfeldern kommunalen Alltags eingesetzt. Wenn dann Fahrt- und Sachkosten nicht erstattet werden, ist
das nicht angemessen.
JJ „Die Beteiligung der Akteure am Management der Integration wird vielerorts vernachlässigt (…) kaum/keine Rückkoppelung), die Bedeutung der Akteure als Teil des Wissensmanagements über Bedürfnisse der Zuwanderer wird vielerorts nicht erkannt.“
JJ „Integrationslotsen brauchen einen sozialen und geografischen Ort innerhalb der
Kommune.“
JJ „Fazit: Die Lotsen bugsieren Menschen durch die Behördenapparate und die Bedürfnisse der Lotsen spielen dabei keine Rolle. Für das örtliche Integrationsmanagement werden die Lotsen stellenweise leider nur als ‚Hilfsmatrosen‘ wahrgenommen und die Bedeutung der Tätigkeit wird – oftmals – verkannt.“

Schaubild 3:
Thesen zu Integrationslotsinnen und
Integrationslotsen aus Sicht des kommunalen Integrationsmanagements
Quelle: Hülsmann/Sabelhaus (2014).
Die Thesen wurden auf der Grundlage
der Befragung zu Integrationshelfer/
innen (Integrationslotsen) des Kommunalen Qualitätszirkels zur Integrationspolitik entwickelt.

17

In der nachfolgenden Diskussion wurde hervorgehoben, dass die Arbeit der Integrationslotsinnen und Integrationslotsen der Förderung lokaler Integrationsprozesse und der Ermöglichung
aktiver Mitwirkungsmöglichkeiten von Migrantinnen und Migranten diene. Die vordringliche
Aufgabe der Integrationsarbeit bestehe darin, Zugewanderte in das soziale, kulturelle, politische und wirtschaftliche Leben zu integrieren, Neuzugewanderten einen verbesserten und
schnelleren Zugang zu Integrationsangeboten zu ermöglichen, die bestehenden Angebote stärker zu vernetzen und ihren Wirkungsgrad zu erhöhen sowie Migrantinnen und Migranten in die
Planung und Gestaltung von Integrationsprozessen einzubinden. Notwendig sei die Entwicklung eines Leitbilds oder Konzepts, an dem sich alle Beteiligten (Kommune, Verband, Integra­
tionslotsen etc.) orientieren, um „Klarheit über die Zielrichtung der angestrebten Integration“
herzustellen (Çakır/Pavković 2015).

2.4	 Chancen und Gelingensbedingungen niedrigschwelliger Ansätze
Die im Rahmen der Expertise durchgeführten ergänzenden Recherchen und vertiefenden
­ espräche mit Verantwortlichen aus ausgewählten Kommunen17 bestätigen weitgehend die
G
­Ergebnisse der Umfrage des kommunalen Qualitätszirkels zum Einsatz von Integrationshel­fer/innen. Sie zeigen, dass es einen großen Bedarf an niedrigschwelligen Instrumenten gibt und
die Wirkungen zumeist sehr positiv bewertet werden.
Niedrigschwellige Instrumente wie Integrationsbegleiter-Projekte
JJvermitteln

Migrant/innen die Erfahrung, dass ein wirkliches Interesse daran besteht, ihre
Anliegen aufzunehmen und stärken ihr Vertrauen in die Arbeit der Behörden und Institutionen;
JJbieten insbesondere Migrant/innen mit sozialen Bedarfslagen und/oder eher bildungsungewohnten Menschen Zugänge zu den Regelangeboten und helfen Hemmnisse/Hürden zu
überwinden.
JJermöglichen Mitarbeitenden von Institutionen und Behörden einen besseren Zugang zur
Zielgruppe sowie eine Optimierung der Kommunikationsmöglichkeiten. Inhalte können besser vermittelt, bedarfsgerechte Maßnahmen passgenauer entwickelt und umgesetzt werden;
JJunterstützen die Regeldienste und Einrichtungen bei der adäquaten Wahrnehmung ihrer
Aufgaben, was sich positiv auf das Klima des Zusammenlebens auswirken kann;
JJtragen zur interkulturellen Öffnung der Regeldienste/Verwaltung und auch der Migrantenorganisationen bei;
JJdienen aufgrund der damit einhergehenden Qualifizierungen auch als Sprach- und Berufsentwicklungsmaßnahme.
Die Verantwortlichen in den Kommunen nennen eine Reihe von Gelingensbedingungen für den
Einsatz niedrigschwelliger Instrumente. Diese reichen von der Auswahl der Integrationsbegleiter/innen über Maßnahmen zur Qualifizierung, Begleitung, Vermittlung, Anerkennung, Wertschätzung, Vernetzung, Kooperation bis hin zur Sicherung von Qualität und Nachhaltigkeit von
Projekten (siehe Schaubild 4). Die Identifizierung von Erfolgsfaktoren zeigt, dass der Einsatz
niedrigschwelliger Instrumente höchst voraussetzungsvoll ist, und die Wirkung von Integra­
tionsbegleiter-Projekten durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst wird.

17	Befragt wurden auf kommunaler Ebene Verantwortliche aus den Städten Dortmund, Essen, Hannover und Saarbrücken. Aus
den Städten Solingen und Wiesbaden liegen zudem schriftliche Stellungnahmen zu den Leitfragen der Expertise vor.

18

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekte in Kommunen

JJAuswahl

der Integrationsbegleiter/innen;
und interkulturelle Kompetenzen der Integrationsbegleiter/innen und Koordinator/innen;
JJKommunikations- und Präsentationsfähigkeit der Integrationsbegleiter/innen;19
JJFähigkeit der Integrationsbegleiter/innen, sich fundiertes (Basis-) Wissen anzueignen,
Informationen aufzuarbeiten und zielgruppengerecht zu vermitteln;
JJGewährleistung von Datenschutz und Vertraulichkeit durch Integrationsbegleiter/innen;
JJFinanzielle Aufwandsentschädigungen für Integrationsbegleiter/innen;
JJIntensive Eingangsschulungen;
JJProfessionelle Koordination der Ausbildung;
JJHauptamtliche Vermittlung und fachliche Begleitung der Einsätze;
JJRegelmäßiger Erfahrungsaustausch, Supervision und Coaching;
JJQualifizierung und bedarfsorientierte Weiterbildung (Schulungen in Fachthemen, Präsentationstechniken, sozialen und interkulturellen Kompetenzen);
JJAnerkennung und Wertschätzung des Engagements der Integrationsbegleiter/innen;
JJVernetzung der Integrationsbegleiter/innen;
JJKooperation mit Fachämtern und Fachstellen;
JJVernetzung mit relevanten Akteuren/Trägern der Integrationsarbeit;
JJMitarbeit der Koordinator/innen in Arbeitskreisen und Gremien des Sozialraums;
JJZusammenarbeit mit weiteren Einrichtungen im Stadtteil wie Kitas, Familienzentren,
Schulen;
JJDokumentation und Evaluation des Projekts;
JJMaßnahmen zur Erhöhung und Sicherung der Nachhaltigkeit; Sicherstellung der Finanzierung über den Projektzeitraum hinaus.
18

JJSoziale

Schaubild 4:
Gelingensbedingungen niedrigschwelliger Instrumente zur Förderung von
Integration und Teilhabe von Zugewanderten
Quelle: Ergebnisse eigener Recherchen
und Gespräche in ausgewählten Kommunen.
Eigene Darstellung (Gesemann 2015)

Als Barrieren beim Einsatz niedrigschwelliger Instrumente werden die Sicherstellung der Finanzierung, der Zugang und die Etablierung des Angebots bei Migrantenorganisationen und Vereinen, das mangelnde Ver-/Zutrauen von Migrant/innen in die Fähigkeit/Fachlichkeit der Integrationsbegleiter/innen und die Aufrechterhaltung der Motivation, das Ehrenamt auf Dauer
auszuüben, genannt. Zudem ist das Wissensspektrum der Integrationsbegleiter/innen begrenzt.
Diese können sich zwar Basiswissen zu Themen aneignen, sind aber zumeist keine Spezialisten
und können nicht als solche eingesetzt werden. Bei rechtlich anspruchsvollen oder auch bei
vielen Gesundheitsthemen wird daher eine Zusammenarbeit mit Fachkräften für notwendig
gehalten, sofern die Integrationsbegleiter/innen in einem Themenfeld keine Expertise mitbringen. Zudem können Erwartungen, die Migrantinnen und Migranten an die Integrationsbegleiter/innen haben (z.B. Wunsch nach individueller Betreuung, Begleitung und Unterstützung)
oder Anforderungen an die Expertise der Integrationsbegleiter/innen nicht in jedem Fall erfüllt
werden.
Die Lotsinnen und Lotsen können zudem die Erwartungen, die Migrantinnen und Migranten
möglicherweise an sie richten (z.B. den Wunsch nach einer über den Einsatz bzw. die Veranstaltung hinausgehenden individuellen Betreuung, Begleitung und Unterstützung) oder Anforderungen an die fachliche Expertise nicht in jedem Fall erfüllen.

18	Bettina Lecke vom Amt für Zuwanderung und Integration der Landeshauptstadt Wiesbaden verweist darauf, dass bei der
Auswahl der Integrationslotsinnen und -lotsen einerseits berücksichtigt werden sollte, „dass diese über eine gute Bildung und
Sprachkenntnisse verfügen. Gleichzeitig muss aber auch gewährleistet sein, dass sie einen guten Zugang und Akzeptanz in
der jeweiligen Community haben.“
19	„Ein niedrigschwelliger Zugang zu Migrant/innen erfolgt idealerweise durch IntegrationslotsInnen, die gelernt haben, sich in
ihrer Muttersprache einfach auszudrücken, die keine Abkürzungen benutzen, langsam sprechen sowie Bilder, Charts und Graphiken nutzen, um die Aufmerksamkeit von bildungsfernen Menschen langfristig anzuregen“ (Bettina Lecke, Landeshauptstadt Wiesbaden).

19

2.5	 T
 endenzen der Professionalisierung von Modellen der
Integrationsbegleitung
Die Lotsentätigkeit (Erstberatung und Weitervermittlung; Informations- und Sensibilisierungsveranstaltungen für Gruppen), die Sprach- und Kulturmittlung (Übersetzung sowie kultursensible Vermittlung zwischen Migrant/innen und Behörden und anderen Institutionen) und die
Stadtteilmütterarbeit (Anbindung an Kitas, Familienzentren und Grundschulen sowie aufsuchende Familienarbeit zu Bildungs- und Gesundheitsthemen) werden von den befragten Expertinnen und Experten als erfolgreiche Modelle zur Förderung der Integration und Teilhabe von
Menschen mit Zuwanderungsgeschichte gesehen. Als erfolgversprechender Ansatz gilt dabei
insbesondere die Arbeit im Tandem (Lotsin/Lotse mit relativ geringer fachlicher Spezialisierung
mit einer/m Fachfrau/Fachmann). Migrant/innen ermöglichen als „interkulturelle Türöffner“
und „Übersetzer“ in vielen Fällen erst den Kontakt und das Gespräch zwischen den Zugewanderten und den jeweiligen Fachleuten.
In Kommunen zeigen sich sehr unterschiedliche Tendenzen einer Professionalisierung niedrigschwelliger Ansätze und Instrumente. Diese reichen von der Einrichtung einer hauptamtlichen
Koordination, weitere Qualifizierungen auf Ehrenamtsbasis durch Schulungen, Fortbildungen,
Supervision und Vernetzung über die Weiterbildung von Stadtteilmüttern zu Sozialassistentinnen, die Nutzung professioneller Sprach- und Integrationsmittler im Rahmen des SprInt-Netzwerks bis hin zur Schaffung sozialversicherungspflichtiger Stellen für Integrationslotsinnen
und Integrationslotsen.
Die Perspektive einer weiteren Qualifizierung auf ehrenamtlicher Basis spiegelt die folgende
Antwort aus der Stadt Osnabrück wider:
„Um die ILOS besser auf die Tätigkeitsbereiche und Herausforderungen dieses Ehrenamtes vorzubereiten, werden spezielle Basis- und Nachhaltigkeitsmodule durch die Volkshochschule Osnabrück angeboten und zusätzlich in unregelmäßigen Abständen Workshops und Fortbildungsangebote durch die Fachkoordinatorin Migration und Teilhabe organisiert. Neben diesen
Qualifizierungsangeboten geben die hauptamtliche Netzwerkkoordinierung und die fachlichinhaltliche Betreuung durch die Fachkoordinatorin Migration und Teilhabe den Tätigkeiten der
Integrationslotsen in Osnabrück einen professionellen Rahmen. Grundsätzlich soll der ehrenamtliche Charakter der ILOS aber vordergründig bleiben. Die Ehrenamtlichen können und sollen
professionelle Fachkräfte der Integrationsarbeit nicht ersetzen.“
Um den integrationspolitischen Nutzen von Integrationsbegleiter-Projekten zu erhöhen, sollte
freiwilliges Engagement in der kommunalen Integrationsarbeit stärker angeregt, begleitet und
gesteuert werden. Hervorgehoben werden von Verantwortlichen in Kommunen insbesondere
die professionelle Anregung und Begleitung, Qualifizierung und Wertschätzung des ehrenamtlichen Engagements: (1) Die Qualifizierung der ehrenamtlich Tätigen ist bei einem Einsatz als
Lotsin oder Lotse wichtig, da Informationen kompetent und richtig an die Zielgruppe vermittelt
werden sollen. (2) Die positiven Aspekte sowie die Wertigkeit des ehrenamtlichen Engagements
sollten hervorgehoben werden, um Menschen mit Migrationshintergrund für eine ehrenamtliche Tätigkeit im Integrationsbereich (und außerhalb) zu gewinnen. Die Wertschätzung der ehrenamtlich Engagierten spielt dabei eine zentrale Rolle.
Verantwortliche in Kommunen, insbesondere von Großstädten, verweisen aber auch darauf,
dass der Bedarf an fachlicher Beratung, Betreuung, Begleitung und Unterstützung durch Integrationsbegleiter/innen, die ehrenamtlich tätig sind, nur im begrenzten Rahmen abgedeckt werden kann. Aufgaben einer ausgebildeten Fachkraft könnten nicht übernommen werden bzw.
sollten nicht in Konkurrenz zu professionellen Angeboten stehen. Der Einsatz eigener finanzieller Mitteln, der Zeitumfang des Engagements und der Anspruch an die Fachlichkeit bzw. die
Tiefe des Fachwissens bei einem breit aufgestellten Angebot würden weitere Grenzen ehrenamtlichen Engagements darstellen.
20

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekte in Kommunen

In Städten wie Berlin, Dortmund, Hamburg und Hannover, in denen es zum Teil seit vielen Jahren erfolgreiche Stadtteilmütter-Projekte gibt, wird es von Seiten des kommunalen Integra­
tionsmanagements und der Träger für wünschenswert erachtet, dass sich Stadtteilmütter
durch eine Qualifizierung zur staatlich anerkannten Sozialassistentin eine längerfristige berufliche Perspektive erschließen. In Berlin hat das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg zusammen mit dem Diakonischen Werk Berlin Stadtmitte im Jahr 2010 eine entsprechende Fort- und
Weiterbildung entwickelt und zudem, ab Januar 2012, Mittel zur Finanzierung von acht halben
Stellen für den Einsatz von Sozialassistentinnen als interkulturelle Familienbegleiterinnen geschaffen.
„Aus fachlicher Sicht ist die weitere Professionalisierung wichtig, um innovative Projektideen,
nämlich die Erreichbarkeit und Zusammenarbeit von Familien mit einer Einwanderungsgeschichte, zu etablieren. Oder anders gesagt: Um die wertvollen Ressourcen der Stadtteilmütter
nicht zu verlieren, sondern weiterhin sinnvoll einzusetzen – in der Familienbildung und Fami­
lienförderung, in der Kinder- und Jugendarbeit und in anderen sozialen Bereichen“ (Diakonisches Werk Berlin Stadtmitte 2012: 31).
Kommunen wie Essen, Leipzig und Wiesbaden sehen einen wachsenden Bedarf der Professionalisierung vor allem im Bereich der Sprach- und Kulturmittlung, vor allem beim Kontakt zwischen
Behörden/Einrichtungen und Migrant/innen mit geringen bzw. nicht ausreichenden Sprachkenntnissen, sowie in den Themenfeldern Gesundheitsprävention, Bildung und Erziehung (Kita,
Schule).
Dabei wird auf sehr positive Erfahrungen mit dem Einsatz von professionellen Sprach- und Integrationsmittlern verwiesen, die im Rahmen des SprInt-Netzwerks eine 18-monatige Qualifizierung und rund 2.000 Unterrichtsstunden absolviert haben. Vermittlungsstellen des SprIntNetzwerks gibt es in Aachen, Berlin, Essen, Leipzig, Potsdam, Rostock und Wuppertal. In der
Stadt Essen ist die Anforderung von Sprach- und Integrationsmittlern für städtische Einrichtungen, Schulen und Kitas sowie als gemeinnützig anerkannte Vereine und Verbände kostenlos; die
Finanzierung erfolgt aus dem Budget für den Ausbau der interkulturellen Orientierung. Die
Stadt Leipzig hat im Dezember 2012 mit dem Gesamtkonzept zur Integration von Migrantinnen
und Migranten auch die dauerhafte Etablierung eines Kultur- und Sprachmittlerdienstes beschlossen, der der Verwaltung, Einrichtungen der Stadt und Trägern, die Pflichtaufgaben für die
Kommune übernehmen, zur Verfügung stehen. Seit 2013 werden hierfür Mittel in den Haushalt
des Referats für Migration und Integration eingestellt.

2.6	 Kurzes Zwischenfazit
Im Rahmen der Aufwertung der kommunalen Integrationspolitik haben Strategien und Instrumente zur Aktivierung und Beteiligung der Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund
eine sehr dynamische Entwicklung erfahren. Freiwillige werden mittlerweile in vielen Städten,
Gemeinden und Landkreisen als Lotsen, Mentoren und Paten eingesetzt, um Zugewanderte bei
der sprachlichen, schulischen und gesellschaftlichen Integration zu unterstützen. Die Integra­
tionsbegleiter-Projekte haben dabei wesentlich dazu beigetragen, das Verständnis von Integration und Teilhabe als gemeinsame Aufgabe von Staat und Zivilgesellschaft zu fördern, Enga­
gementpotenziale in der Bevölkerung zu erschließen, den Zugang von Zugewanderten zu
Angeboten und Einrichtungen zu verbessern und die interkulturelle Öffnung von Einrichtungen
und Diensten zu fördern. Zu den Herausforderungen gehören vor allem die langfristige Verankerung der Projekte in den Kommunen, die Koordination, Qualifizierung, Vermittlung und fachliche Begleitung der Integrationsbegleiter/innen, die Anerkennung und Würdigung des ehrenamtlichen Engagements, aber auch die weitere Professionalisierung des Tätigkeitsfeldes.
Lotsen-, Mentoren- und Paten-Projekte sind zudem wirksamer und nachhaltiger, wenn sie vor
Ort Bestandteil einer aktiven und strategisch ausgerichteten kommunalen Integrationspolitik
sind.
21

3	 F örderung von Integration und Teilhabe in
den Bundesländern
Die Bundesländer sind wichtige Akteure, wenn es um Integration und Teilhabe von Menschen
mit Migrationshintergrund geht. Sie sind im föderalen System für zentrale Politikbereiche wie
Bildung und Kultur verantwortlich und prägen die Rahmenbedingungen für die Entwicklung
von kommunalen Konzepten, Strategien und Maßnahmen zur Integration von Zugewanderten.
Im föderalen System lassen sich zumindest fünf Handlungsbereiche benennen, die eine eigene
integrationspolitische Agenda auf Landesebene begründen (vgl. Gesemann/Roth 2015a: 19ff):
JJHandlungsfelder,

in denen die Länder über eigene Kompetenzen verfügen (z.B. Bildungs-,
Engagement-, Integrations- und Kulturpolitik);
JJSchaffung eines gesetzlichen Rahmens für die kommunale Selbstverwaltung (Gemeindeund Landkreisordnungen; Kommunalverfassungen) (insbesondere durch Regelungen zur
Einrichtung von Integrationsbeiräten);
JJImplementationshoheit der Länder (Handlungsspielräume bei der Umsetzung von Bundesgesetzen (z.B. bei Einbürgerungen oder Verfestigungen des Aufenthaltsstatus);
JJEinflussnahme auf Bundesebene z.B. über Bundesratsinitiativen oder im Rahmen institutionalisierter Konferenzen (Innenministerkonferenzen; Integrationsministerkonferenzen);
JJGestaltungsmöglichkeiten durch Kampagnen und andere Formen der symbolischen Politik
(wie z.B. Einbürgerungsinitiativen oder -feiern; Entwicklung einer Willkommenskultur).
Der Nationale Integrationsplan (2007: 13f.) markiert eine Neubestimmung von Integrationspolitik als einer „aktivierenden und nachhaltigen Integrationspolitik“, die die Potenziale der Zugewanderten stärkt und auf eine „aktive Bürgergesellschaft“ setzt. Niedrigschwellige Instrumente
werden von den Ländern vor allem im Zusammenhang mit den Themenfeldern „Elternarbeit“,
„Schule als Ort der Integrationsförderung“ sowie „Berufliche Bildung und berufsbildende Schulen“ angesprochen. Die Länder sprechen sich dafür aus, Schulen mit einem hohen Anteil von
Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund durch die Bereitstellung zusätzlicher Mittel und qualifizierter Kräfte mit besonderen interkulturellen Kompetenzen, wie z.B. Integra­
tionslotsen, zu unterstützen. Die Zusammenarbeit mit Eltern, die eine Zuwanderungsgeschichte aufweisen, solle verstärkt und „die Möglichkeit des Einsatzes und der Qualifizierung
ehrenamtlicher mehrsprachiger Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter als sprachliche und
kulturelle Brücke zwischen Familien mit Migrationshintergrund, Kindertagesstätten und anderen Institutionen“ geprüft werden (Bundesregierung 2007: 26).
In der Erklärung der Länder zum Nationalen Aktionsplan Integration (2011) werden niedrigschwellige Instrumente in der Integrationspolitik zwar nicht direkt angesprochen, aber die Länder betonen „die Bedeutung der aktiven Teilhabe der Zugewanderten“, die „zentrale Bedeutung dieses Engagements für erfolgreiche Integration“ und die „immer wichtiger werdende
Rolle [
] von Migrantenorganisationen“ (Bundesregierung 2011: 24). In den handlungsfeldbezogenen Beiträgen der einzelnen Länder zum Nationalen Aktionsplan Integration, der die jeweiligen strategischen Ziele und Maßnahmen der Länder zur Förderung der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund dokumentiert, werden eine Vielzahl von niedrigschwelligen
Instrumenten angesprochen. Einige aktualisierte Beispiele mögen genügen (siehe auch IntMK
2011; Gesemann/Roth 2015: 92ff):

22

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Förderung von Integration- und Teilhabe in den Bundesländern

Baden-Württemberg werden die Gewinnung und Qualifizierung von ehrenamtlichen Bildungs-, Elternlotsen, Elternmentoren und Quartiersmüttern seit August 2013 im Rahmen
eines Programms zur Unterstützung der kommunalen Integrationsarbeit gefördert. Mit dem
Förderprogramm „Mittendrin“ werden darüber hinaus Projekte unterstützt, in denen sich
Menschen mit Migrationshintergrund engagieren.
JJIn Berlin werden Integrationslotsen und Stadtteilmütter seit Oktober 2013 über das Landesrahmenprogramm Integrationslotsinnen und Integrationslotsen unterstützt. Darüber hinaus werden viele Lotsinnen und Lotsen nach wie vor aus Mitteln der Beschäftigungsförderung finanziert, um langzeitarbeitslosen Migrantinnen und Migranten eine Perspektive auf
dem ersten Arbeitsmarkt zu erschließen.
JJDas Land Brandenburg fördert seit 2004 einen Lotsendienst als Beratungs- und Qualifizierungsangebot für gründungsinteressierte Menschen mit Migrationshintergrund.
JJ Hessen fördert Lotsenprojekte im Rahmen des Landesprogramms „WIR – Wegweisende Integrationsansätze Realisieren“ durch Qualifizierungs- und Fortbildungsangebote sowie Erfahrungs- und Informationsaustausch, um diese stärker mit den Strukturen der kommunalen
Integrationspolitik zu verzahnen und Synergien für einzelne Projekte zu erzielen.
JJIn Niedersachsen wird das ehrenamtliche Engagement von Menschen mit und ohne Migra­
tionshintergrund im Bereich der Integration von Zugewanderten durch die „Richtlinie Integrationslotsen“ gefördert. Die Partizipation von Eltern mit Migrationshintergrund soll zudem
durch den Einsatz von Integrations- und Erziehungslotsinnen und -lotsen verbessert werden.
JJ Nordrhein-Westfalen betont die besondere Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements
von und für Zugewanderte in Vereinen, Verbänden und Migrantenorganisationen und verweist auf eine vielfältige Infrastruktur zur Förderung von Selbsthilfe und bürgerschaftlichem
Engagement (Fachberatung MigrantInnenselbsthilfe, Förderprogramm zur Stärkung von Migrantenorganisationen, Förderkonzept „Interkulturelle Zentren und niedrigschwellige Integrationsvorhaben“, Kompetenzzentrum für Integration, Integrationsagenturen).
JJIn Sachsen-Anhalt gehören die „Aktivierung und Verfestigung der Selbsthilfekräfte der Zuwanderer sowie die Stärkung ihrer Potenziale und Kompetenzen“ zu den Zielen eines Förderprogramms zur Stärkung der Integration vor Ort („Integrationsrichtlinie“).
JJIn Schleswig-Holstein werden im Rahmen des „Aktionsplan Integration“ (2011) Projekte gefördert, „die zur Entwicklung einer engagementfreundlichen Infrastruktur und zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für bürgerschaftliches Engagement beitragen“ sollen.
JJIn Thüringen ermöglicht die Integrationsrichtlinie des Landes die Förderung von Paten- und
Lotsenprojekten mit dem Ziel, Menschen mit Migrationshintergrund an das bürgerschaftliche Engagement heranzuführen.
JJIn

Die von den Ländern im Nationalen Integrationsplan und Nationalen Aktionsplan Integration
angeführten Strategien und Maßnahmen zeigen, dass niedrigschwellige Angebote vor allem in
den Bereichen frühkindliche Bildung, Unterstützung von Familien, Sprachförderung, Präven­
tion und Gesundheitsförderung sowie Integration und Teilhabe im Quartier eingesetzt werden.
Allerdings liegt dem Einsatz von Lotsen und Mentoren in den Ländern in der Regel offensichtlich
keine Strategie zugrunde, die über einzelne Programme und Maßnahmen zur Aktivierung und
Unterstützung von Selbsthilfe sowie die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements von
Menschen mit Migrationshintergrund hinausgeht. Die von den Ländern angeführten Beispiele
deuten zudem darauf hin, dass es sich häufig um zeitlich befristete Projekte handelt, die Fragen
nach der Nachhaltigkeit der umgesetzten Maßnahmen aufwerfen. Zu den Ausnahmen gehören
Strategien, die darauf abzielen, die Lotsentätigkeit zu verstetigen und stärker mit Strukturen
der kommunalen Integrationsarbeit zu verzahnen.
Die Ergebnisse aktueller Recherchen im Rahmen dieser Expertise zeigen, dass es in den Ländern
eine enorme Vielfalt an niedrigschwelligen Programmen und Projekten der Integrationsbegleitung gibt, die von allgemeinen Integrationslotsen- und Stadtteilmütterprojekten bis zu Forma-

23

ten mit spezifischen Themen und Zielgruppen reichen. Dazu gehören beispielsweise Bildungslotsen, Elternmentoren, Einbürgerungslotsen, Gesundheitsmediatoren, Flüchtlingslotsen und
-paten oder die ehrenamtliche Leitung von Gesprächsgruppen. In einer Reihe von Bundesländern gibt es Programme zur Unterstützung der kommunalen Integrationsarbeit, zur Erschließung des bürgerschaftlichen Engagements sowie zur Förderung niedrigschwelliger Projekte
und Maßnahmen. Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekten kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. In Berlin wird zudem mit dem Landesrahmenprogramm Integrationslotsinnen und Integrationslotsen der Versuch unternommen, die Lotsentätigkeit zu verstetigen und als Berufsfeld zu entwickeln.20
Im Folgenden werden vier Strategien von Ländern unterschieden, die Integration und Teilhabe
von Migrantinnen und Migranten durch Programme und Projekte einer niedrigschwelligen Integrationsbegleitung zu fördern: (1) Strategien zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements von, mit und für Migranten, wie sie beispielsweise in Hessen und Niedersachsen seit einem Jahrzehnt verfolgt werden (2) die Konzipierung und Finanzierung von Lotsenprogrammen
über öffentliche Beschäftigungsprogramme in Berlin und zeitweise auch in Nordrhein-Westfalen, (3) die Verankerung der Lotsentätigkeit durch das Landesrahmenprogramms Integrationslotsinnen und Integrationslotsen in Berlin sowie (4) die Förderung niedrigschwelliger Projekte
im Rahmen landesweiter Strukturen und einer Stärkung der kommunalen Integrationspolitik in
Nordrhein-Westfalen.

3.1	 F örderung von Lotsenprojekten zur Stärkung des bürgerschaftlichen
Engagements
In den Ländern Hessen und Niedersachsen21 werden die Qualifizierung, Weiterbildung und Vernetzung von Integrationslotsinnen und Integrationslotsen seit ungefähr einem Jahrzehnt im
Rahmen von Landesprogrammen gefördert.22 Die Förderprogramme haben das Ziel, die Kommunen bei der Aufwertung und Weiterentwicklung des ehrenamtlichen Engagements zu unterstützen, das bürgerschaftliche Engagement insbesondere von Migrantinnen und Migranten zu
stärken und dadurch die Partizipation von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in der Gesellschaft zu fördern. Maßnahmen zur Stärkung der kommunalen Integrations- und Partizipationspolitik – Förderung von WIR-Koordinationskräften (Hessen, seit 2013), Einrichtung von
„Koordinierungsstellen Migration und Teilhabe“ (Niedersachsen, seit 2014) in Landkreisen und
kreisfreien Städten zielen u.a. auch darauf ab, die Begleitung von Lotsenprojekten vor Ort zu
verbessern.
Hessen fördert ehrenamtliche Integrationslotsinnen und Integrationslotsen seit 2005 durch
Qualifizierung und Vernetzung. Mit Lotsenprojekten wird das Ziel verfolgt, die Integration von
Zugewanderten durch den Aufbau und die Etablierung von Ehrenamtsstrukturen in den Kommunen und die Stärkung der Handlungspotenziale vor Ort zu verbessern.23 Gefördert werden
Basisqualifizierungen (20 bis 36 Unterrichtseinheiten) und Vertiefungsseminare (bis zu zwölf
Unterrichtseinheiten), die seit Ende 2011 auch landesweit durchgeführt werden. Für ihren ehrenamtlichen Einsatz können die Lotsinnen und Lotsen eine Aufwandsentschädigung in Höhe
von fünf Euro bekommen. Im Zeitraum 2011 bis 2014 wurden 60 Qualifizierungsmaßnahmen
20	Zu Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekten in den Bundesländern siehe auch die Anlage 3 im Anhang dieser Expertise.
21	Ehrenamtliche Projekte einer niedrigschwelligen Integrationsbegleitung werden auch in anderen Bundesländern gefördert.
In den Ländern Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt ist die Förderung stark mit Maßnahmen zur
Stärkung der kommunalen Integrationsarbeit verknüpft; in Sachsen und Thüringen zielen die Programme vor allem auf die
Förderung von Integration und Teilhabe durch freiwilliges Engagement (siehe auch die Anlage 3 im Anhang dieser Expertise).
22	In Hessen wird der Einsatz von ehrenamtlichen Integrationslotsinnen und Integrationslotsen seit Juli 2013 im Rahmen des
Landesprogramms „WIR – Wegweisende Integrationsansätze Realisieren“ gefördert. In Niedersachsen basiert die Förderung
auf der im Jahr 2015 erneuerten Richtlinie Integrationslotsinnen und Integrationslotsen.
23	Heike Würfel, Hessisches Ministerium für Soziales und Integration, Abteilung Integration, schriftliche Mittei-lung vom 8. Mai
2015.

24

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Förderung von Integration- und Teilhabe in den Bundesländern

für 819 Personen angeboten und der Einsatz von insgesamt 1.492 Integrationslotsinnen und
Integrationslotsen gefördert.24
JJNiedersachsen

unterstützt das freiwillige Engagement von Menschen mit Migrationshintergrund seit 2007 mit der „Richtlinie Integrationslotsinnen und Integrationslotsen“. Ziel der
Förderung ist die Unterstützung der Kommunen bei der Weiterentwicklung des ehrenamtlichen Engagements sowie die Verbesserung der Partizipation von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Gefördert werden in diesem Zusammenhang Qualifizierungsmaßnahmen
in Form von Basis-, Spezialisierungs- und Nachhaltigkeitsmodulen (mit einem Umfang von
jeweils bis zu 50 Unterrichtseinheiten). Seit 2007 hat das Land rund 3.200 Qualifizierungen
und 2.000 Weiterbildungen gefördert. Der Umgang mit Aufwands- oder Auslagenerstattung
ist in den Kommunen unterschiedlich; die Spannbreite reicht dabei von keiner Entschädigung
bis zu einer geringen Stundenvergütung.25

Ergebnisse und Gelingensbedingungen von ehrenamtlichen Integrationslotsenprojekten
Wichtige Informationen über die Wirkungen und Gelingensbedingungen von ehrenamtlichen
Integrationslotsenprojekten bieten zwei wissenschaftliche Studien, die sich allerdings im Hinblick auf Zielsetzung, Untersuchungsgegenstand und Vorgehensweise deutlich voneinander
unterscheiden: Ziel der Evaluation des Projekts „Integrationslotsen in Niedersachsen“ war es,
„die Akzeptanz und Verbreitung des landesweiten Förderprogramms für freiwillige Integrationshelfer bzw. Integrationslotsen darzustellen und seine Gelingensbedingungen, Potenziale und
Barrieren einzuschätzen“ (Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien 2010:
IV). Der Fokus der wissenschaftlichen Begleitung des Landesprogramms Modellregionen Integration in Hessen war zwar deutlich breiter, aber die Ergebnisse beinhalten auch Einschätzungen
zu Lotsenprojekten, die zumeist aus der kommunalen Perspektive betrachtet werden. In den
Kernaussagen des Landesprogramms wird Lotsenprojekten eine besondere Bedeutung für die
gezielte Förderung bürgerschaftlichen Engagements beigemessen (Hessisches Ministerium der
Justiz, für Integration und Europa 2013: 18).
Die Tätigkeit der ehrenamtlichen Integrationslotsinnen und Integrationslotsen in Hessen und
Niedersachsen hat demnach dazu beigetragen, Barrieren und Schwierigkeiten von Zugewanderten im Integrationsprozess abzubauen, Migrantinnen und Migranten zur Selbsthilfe zu aktivieren, freiwilliges Engagement in der Integrationsarbeit zu fördern und das Engagement von
Zugewanderten sichtbar zu machen, interkulturelle Begegnungen zu ermöglichen, die Kommunikation zwischen Fachkräften und Zugewanderten zu verbessern, die Angebote von Einrichtungen und Diensten bedarfsgerechter zu gestalten und die Zielgruppenerreichung zu verbessern sowie die interkulturelle Öffnung der Regelstrukturen voranzutreiben.26
Herausforderungen und Gelingensbedingungen
Die wissenschaftliche Begleitung des Landesprogramms „Modellregionen Integration“ in Hessen empfiehlt den Kommunen, Integrationslotsinnen und Integrationslotsen gezielt und praxis­
orientiert auf ihren Einsatz vorzubereiten, eine zentrale Stelle zur Koordination und fachlichen
Begleitung der Lotsenprojekte zu etablieren, die ehrenamtliche Tätigkeit angemessen zu würdigen sowie die Qualifizierungs- und Vernetzungsangebote des Landes zu nutzen. Da die Arbeit
ehrenamtlicher Lotsinnen und Lotsen lediglich eine Unterstützungsleistung für (Neu-) Zugewanderte und Einrichtungen darstelle, sei zudem eine interkulturelle Öffnung der Regeldienste
24	Die Zahlen stellen keine absoluten Werte dar, sondern enthalten Doppelzählungen, da einige Lotsinnen und Lotsen im genanten Zeitraum sowohl an Basisqualifizierungen als auch an Vertiefungsschulungen teilgenommen haben. Darüber hinaus
gibt es Integrationslotsinnen und -lotsen, die ihre Tätigkeit ausüben, ohne eine Aufwandsentschädigung in Anspruch zu nehmen.
25	Bernd Baier, Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, Referat Migration und Teilhabe,
schriftliche Mitteilung vom 16. April 2015.
26	Siehe die Ergebnisse der Evaluation des Projektes „Integrationslotsen in Niedersachsen“ des Instituts für Migrationsforschung
und Interkulturelle Studien (IMIS) (Bommes et al. 2012) sowie der wissenschaftlichen Begleitung des Landesprogramms „Modellregionen Integration“ in Hessen durch das efms – europäisches forum für migrationsstudien (In: Hessisches Ministerium
der Justiz, für Integration und Europa 2013).

25

im Hinblick auf Bedarfe und Zielgruppen erforderlich. Ehrenamtliche Lotsinnen und Lotsen
könnten zudem keine dauerhafte Lösung für hauptamtliche Bereiche darstellen, sondern nur
ergänzend wirken. Zudem erfordere die Absicherung von Integrationslotsen-Projekte ein stärkeres finanzielles Engagement der Kommunen (Hessisches Ministerium der Justiz, für Integration und Europa 2013: 18; 132).
Im Abschlussbericht zur Evaluierung des Projektes „Integrationslotsen in Niedersachsen“ werden die Mitwirkung der Kommunen, das Engagement von Verwaltungs- und Vereinsspitzen, die
frühe Anbindung der Projekte an bestehende Integrationsstrukturen, die Rekrutierung engagementerfahrener Lotsen, die Unterstützung von Hauptamtlichen sowie die Implementierung effektiver Unterstützungsstrukturen als zentrale Faktoren für die Nachhaltigkeit von Lotsenprojekten genannt. Elemente einer nachhaltigen Unterstützungsstruktur sind demnach die
Qualifizierung der Integrationslotsen, die Koordinierung der Lotsentätigkeit nach Abschluss der
Lotsenqualifizierung, die Vermittlung geeigneter Einsatzstellen, die Vernetzung der Integra­
tionslotsen und die Organisation von gemeinsamen Treffen, Möglichkeit einer Teilnahme an
Einzelgesprächen, Supervision und Fortbildungen, die Förderung des Gruppengefühls der Lotsen sowie Anerkennung für das geleistete Engagement (vgl. Bommes et al. 2012: 93ff.).
Die Ergebnisse von wissenschaftlicher Begleitung und Evaluation haben die Länder Hessen und
Niedersachsen insbesondere durch eine stärkere Einbindung der Integrationslotsenprojekte in
die Programme zur Förderung der kommunalen Integrationspolitik aufgegriffen. In Hessen
wurde die Förderung von Integrationslotsinnen und -lotsen in das neue Landesprogramm „WIR
– Wegweisende Integrationsansätze Realisieren“ aufgenommen; in Niedersachsen wird in der
2015 erneuerten „Richtlinie Integrationslotsinnen und Integrationslotsen“ hervorgehoben,
dass die Lotsinnen und Lotsen ihre Tätigkeit in enger Absprache mit den kommunalen Koordinationsstellen für Migration und Teilhabe ausüben sollen. Mit einer durchgängigen und wohl
organisierten kommunalen Begleitung, Betreuung und Koordination des Ehrenamts sollen Potenziale der Freiwilligen besser genutzt und Fluktuation verringert werden.
Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration geht davon aus, dass die Integrationslotsentätigkeit nach wie vor ein bedarfsorientierter Ansatz zur Förderung der Integration insbesondere von Neuzuwanderern ist, da die beiden Bausteine (Einsatz und Qualifizierung) im Landesprogramm WIR im Rahmen der Integrationsförderung stark nachgefragt werden. Verwiesen
wird aber auch auf das Ziel, mit der Förderung der Integrationslotsentätigkeit das bürgerschaftliche Engagement in Hessen im Bereich der Integration weiter auszubauen und zu stärken. Als Gelingensbedingungen werden die sorgfältige Auswahl27 der Integrationslotsinnen und
-lotsen, die Stärkung und Erweiterung ihrer Handlungspotenziale durch Qualifizierung und Fortbildung sowie ihr Einsatz nach den Bedarfen vor Ort und eigenen themenbezogenen Interessen
und Neigungen genannt.
„In der Gesamtbetrachtung wird über die Arbeit der ehrenamtlich Tätigen Integrationslotsinnen
und -lotsen der Zugang zu (neu) Zugewanderten über die Muttersprache erheblich erleichtert.
Die Fachberatungen profitieren von der Arbeit der Integrationslotsinnen und -lotsen ebenso wie
(neu) Zugewanderte. Insgesamt findet eine Erleichterung der Arbeit von Institutionen, Behörden und Beratungseinrichtungen etc. statt. Zum einen erleichtert das bürgerschaftliche Engagement die Orientierung und die Integration und Menschen, die nach Hessen kommen und zum
anderen ergänzen sie die Arbeit der Professionellen. So findet ein interkultureller Öffnungspro27	Integrationslotsinnen und Integrationslotsen sind nach den Vorgaben der hessischen Förderrichtlinie „Multiplikatoren und
Begleiter, meist mit Migrationshintergrund, mit ausreichenden Kenntnissen in Wort und Schrift sowohl in der Muttersprache
als auch in Deutsch. Hierbei handelt es sich in der Regel um erfolgreich integrierte Ausländerinnen und Ausländer, aber auch
um Deutsche mit und ohne Migrationshintergrund.“ Die wichtigsten Kriterien der Träger für die Auswahl von Integrationslotsinnen und Integrationslotsen sind dabei „die Bereitschaft zu ehrenamtlichem Engagement sowie Aufgeschlossenheit und
Kontaktfreude. Die Integrationslotsinnen und -lotsen sollen in die hiesige Gesellschaft selbst gut integriert sein, damit sie
(neu) Zugewanderten auch hilfreich zur Seite stehen können. Die Bereitschaft, sich fortzubilden, ist für die Arbeit als Integrationslotsin oder -lotse ebenfalls eine wichtige Voraussetzung (Heike Würfel, Hessisches Ministerium für Soziales und Integration, Schreiben vom 8. Mai 2015).

26

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Förderung von Integration- und Teilhabe in den Bundesländern

zess in zwei Richtungen statt. Daher gehen wir davon aus, dass die in Hessen ehrenamtlich
tätigen Integrationslotsinnen und -lotsen einen erheblichen Beitrag zur Unterstützung der Integration von (neu) Zugewanderten leisten. Jedoch können sie die Arbeit der Fachdienste lediglich ergänzen und nicht ersetzen“ (Heike Würfel, Hessisches Ministerium für Soziales und Integration).

3.2	 F inanzierung von Lotsenprojekten über öffentliche
Beschäftigungsprogramme
Berlin
In Berlin wird die Zahl der aktiven Integrationslotsen und Stadtteilmütter auf über 400 geschätzt, von denen derzeit 94 über das Landesrahmenprogramm Integrationslotsinnen und
Integrationslotsen finanziert werden. Die Integrationslotsen- und Stadtteilmütterprojekte in
Berlin, die seit Mitte des letzten Jahrzehnts im Kontext einer heterogenen Akteurs- und Projektlandschaft entstanden sind, unterscheiden sich z. T. deutlich im Hinblick auf konzeptionelle
Grundlagen, Sozialräume und Tätigkeitsfelder. In einer Synopse im Auftrag des Berliner Integrationsbeauftragten werden drei Tätigkeitsfelder der Integrationsbegleitung hervorgehoben,
die sich auch in ihrer Bezeichnung unterscheiden (vgl. Behn et al. 2013: 2f.): (1) Qualifizierte
Sprach- und Kulturmittlung (Gemeindedolmetschdienst Berlin), (2) Elternarbeit in der vorschulischen und schulischen Bildung (insbes. Stadtteilmütter in Westberliner Ortsteilen mit hohen
Migrantenanteilen) sowie (3) Unterstützung von Menschen mit Migrationshintergrund im Kontakt zu Verwaltungen, Bürgerdiensten und Angeboten in den Bereichen Bildung, Gesundheit
und Soziales (Integrations- bzw. „Wegweiserlotsen“. Neu hinzugekommen sind seit Ende 2014
Lotsinnen und Lotsen für geflüchtete Menschen.
Die Integrationsbegleiter/innen übernehmen zumeist eine Mittlerrolle zwischen Neuzuwanderern und bereits länger in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund sowie
Behörden, Bildungs-, und Gesundheitseinrichtungen. Die Lotsenprojekte in Berlin zeichnen sich
dabei zumeist durch eine duale Zielsetzung aus: Zum einen zielen sie auf die Entwicklung eines
niedrigschwelligen Beratungs- und Unterstützungsangebotes für migrantische Familien ab, die
auf andere Weise nur schwer erreicht werden können. Zum anderen geht es um die potenzial­
orientierte Aktivierung und Qualifizierung langzeitarbeitsloser Migrantinnen sowie ihre Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt. Lotsenprojekte haben daher immer mehrere Adressaten:
erstens die Lotsinnen und Lotsen selbst, zweitens benachteiligte und schwer erreichbare Familien in benachteiligten Sozialräumen und drittens die Fachkräfte in sozialen Einrichtungen und
Diensten, zu denen durch die Lotsentätigkeit Brücken gebaut werden sollen (Behn 2013: 6).
Diese Mehrdimensionalität bietet zwar die Chance einer Verknüpfung verschiedener Ziele, in ihr
sind aber auch Zielkonflikte angelegt, die es ausbalancieren gilt.
Die Geschichte der Integrationslotsen- und Stadtteilmütterprojekte in Berlin ist durch verschiedene Entwicklungspfade und Finanzierungsmodelle gekennzeichnet. Entstanden sind die Projekte seit Mitte des letzten Jahrzehnts angesichts eines zunehmenden Bedarfs an niedrigschwelligen, aufsuchenden Angeboten, um Integration und Teilhabe schwer erreichbarer
Zielgruppen zu verbessern. Lotsenprojekte wurden in dieser Frühphase vor allem aus Mitteln
des Städtebauförderungsprogramms „Soziale Stadt“ gefördert und auf ehrenamtlicher Basis
durchgeführt. Um die Kontinuität und Qualität der Arbeit zu sichern und die Lotsentätigkeit
vergüten zu können, wurden die Projekte in einer zweiten Phase (seit 2007) zunehmend durch
Arbeitsmarktinstrumente finanziert. Damit verbunden war eine Verschiebung des Fokus auf
das zweite Ziel der Lotsentätigkeit, die Arbeitsmarktintegration von schwer vermittelbaren Migrantinnen zu fördern (ebd.). In einer dritten Phase (seit Dezember 2013) wird ein Teil der Lotsinnen und Lotsen über das Landesrahmenprogramm Integrationslotsinnen und Integrationslotsen finanziert (siehe auch den Abschnitt 3.4 in dieser Expertise).

27

Bei der Finanzierung über Arbeitsmarktinstrumente zeigten sich eine Reihe von Dilemmata und
Zielkonflikten: Zum einen wurden die Lotsinnen und Lotsen für Tätigkeiten qualifiziert, für die
es zwar einen großen Bedarf, aber keine langfristig gesicherte Finanzierung und keine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt gab. Zum anderen waren die von den JobCentern angewandten Kriterien für die Auswahl von Stadtteilmüttern wie z.B. Langzeitarbeitslosigkeit und
weitere Vermittlungshemmnisse nur schwer mit den Anforderungs- und Tätigkeitsprofilen von
Lotsinnen und Lotsen zu vereinbaren. Für die Lotsentätigkeit wichtige Merkmale, wie Kontaktund Kommunikationsfähigkeit, hohe Motivation sowie einschlägige Lebenserfahrungen, konnten dagegen nicht systematisch berücksichtigt werden. Zudem kann die für die Lotsentätigkeit
wichtige personelle Kontinuität nicht über Arbeitsmarktinstrumente gewährleistet werden
(ebd.).
Die Empfehlungen der Camino gGmbh, die die Evaluationen der Stadtteilmütter-Projekte in
Berlin-Neukölln durchgeführt und im Auftrag der Beauftragten des Senats von Berlin für Integration und Migration eine Synopse zur „Struktur und Finanzierung von Integrationslots/innen
und Stadtteilmüttern“ erstellt haben, beziehen sich auf ein mehrgleisiges Vorgehen bei der Finanzierung von Lotsenprojekten,28 eine konzeptionell verankerte Einbindung von Lotsinnen
und Lotsen in Kindertagestätten, Familienzentren und Grundschulen sowie den Kinder- und
Jugendgesundheitsdienst („Frühe Hilfen“), die Beibehaltung der dualen Zielsetzung von Lotsenprojekten und eine Weiterentwicklung zielgruppenspezifischer Strategien, die Sicherstellung
eines pädagogischen Rahmens sowie die Schwerpunktsetzung auf benachteiligte Quartiere (vgl.
Behn et al. 2013).
Nordrhein-Westfalen
In Nordrhein-Westfalen wurde von 2011 bis 2013 das Modellprojekt „Stadtteilmütter in Nordrhein-Westfalen“ umgesetzt. Das Projekt wurde von der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der Bundesagentur für Arbeit und dem Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des
Landes finanziert und von der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe an drei Standorten (Bochum, Dortmund und Essen) durchgeführt. Das Projekt zeichnete sich durch eine duale Zielsetzung aus, da eine arbeitsmarktpolitische Orientierung mit sozialpolitischen Zielen der Integration verknüpft wurde. Konkret zielte das Projekt auf die berufliche und gesellschaftliche
Integration der Stadtteilmütter sowie auf den verbesserten Zugang zu den durch diese betreuten Personengruppen. Das Modellprojekt „Stadtteilmütter in NRW“ wurde explizit als arbeitsmarktpolitische Maßnahme konzipiert, in dem insbesondere die Arbeitsmarktintegration von
Migrantinnen und Migranten im Fokus stand.
Die vom Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen in
Auftrag gegebene Implementationsanalyse zu diesem Modellprojekt kommt zu durchwachsenen Ergebnissen, da die „Konstruktionsprobleme des Programms“ erheblichen Einfluss auf seine Umsetzung hatten (vgl. Bauer 2013: 78ff):
JJDas

Projekt „Stadtteilmütter in NRW“ sei durch eine „grundlegende Ambiguität“ geprägt
gewesen, da es darauf abzielte, die Integration der Stadtteilmütter in den Arbeitsmarkt zu
fördern, indem es Migrantinnen bei der gesellschaftlichen Integration unterstützt. Einerseits
sei es geboten, die Stadtteilmütterarbeit dauerhaft zu institutionalisieren, falls sich diese als
effektives sozialintegratives Instrument erweise, andererseits sei dies für eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme undenkbar, denn diese verweise strukturell auf das Ende der Maßnahmenteilnahme.
JJDie Priorisierung der arbeitsmarktpolitischen Ziele des Modellprojekts sei nicht mit dem erforderlichen Ressourceneinsatz bei den unterstützenden Maßnahmen verbunden gewesen,
28	 Damit ist die „Initiierung von Förderketten“ durch die Schaffung von bezahlten Stellen für „bewährte Lots/innen“, die Nutzung
von Instrumenten der Beschäftigungsförderung, die eine „gute Einstiegsmöglichkeit“ bieten, die Weiterqualifizierung von
Lotsinnen und Losten, die „weitergehende berufliche Ambitionen“ haben sowie die Schaffung von Einsatzmöglichkeiten auf
dem ersten Arbeitsmarkt gemeint.

28

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Förderung von Integration- und Teilhabe in den Bundesländern

um die sehr ehrgeizigen Ziele der Arbeitsmarktintegration von Stadtteilmüttern zu erreichen.
Der Ansatz des Projekts, an den Ressourcen (Bilingualität) und askriptiven Merkmalen (Geschlecht, Mutterschaft, ethnische Herkunft) der Stadtteilmütter mit Qualifikationsmaßnahmen anzuknüpfen, habe sich zudem als unzureichend erwiesen, da eine Integration von gering qualifizierten Frauen mittleren Alters in den Arbeitsmarkt ohne verwertbare Zertifikate
schwierig sei.
JJBei den Stadtteilmüttern konnten in Bezug auf Motivation und Kompetenzen deutliche Veränderungen beobachtet werden, aber es sei nur selten gelungen, kurz- und mittelfristig belastbare und realistische Perspektiven am Arbeitsmarkt zu entwickeln. Da sehr viel weniger
Hausbesuche als erwartet durchgeführt wurden, könne zudem – auch angesichts der großen
Streuung der Werte – vermutet werden, dass die sehr stark Autonomie, Selbstorganisation
und Selbstkontrolle betonende Organisationsform für eine Zielgruppe, die sich durch eine
Kumulation von Vermittlungshemmnissen auf dem Arbeitsmarkt auszeichnet, nicht gut geeignet ist.
Da die verantwortlichen Akteure die arbeitsmarktpolitischen Ziele für unerreichbar gehalten
hätten, sei bei der Umsetzung des Programms der sozialpolitischen Unterstützung von Migrantinnen und Migranten Vorrang eingeräumt worden. Der „Kern der Arbeit“ habe sich dabei von
der ursprünglich vorgesehenen Informationsvermittlung zur „praktischen Hilfe“ gewandelt
und die Stadtteilmütter seien damit tendenziell zu „Assistenten in der sozialen Arbeit“ geworden. In der kommunalen stadtteilbezogen Migrations- und Integrationsarbeit gebe es einen
großen Bedarf an Stadtteilmüttern, insbesondere wegen ihrer sprachlichen und kulturellen
Kompetenzen, aber auch aufgrund von Personalmangel.
Zu den zentralen Empfehlungen der Implementationsanalyse zum „Modellprojekt Stadtteilmütter in Nordrhein-Westfalen“ gehört, dass es bei der Konstruktion von arbeitsmarktpolitischen Programmen, die auf „personenbezogene, in die Lebenspraxis der Adressaten intervenierende Dienstleistungen“ abzielen, künftig darauf ankomme, stärker zu reflektieren, „wie die
‚Hilfe‘, die die Teilnehmenden leisten können [
] aussehen kann, welcher Ausbildung es dafür
bedarf und vor allem welcher professionellen Begleitung. […] Resultat einer solchen Reflexion
und Programmgestaltung sollte es auch sein, dass in der Maßnahme ein verwertbares Zertifikat erworben werden kann, das Erwerbsmöglichkeiten im Feld der durchgeführten Dienstleistungen ermöglicht“ (Bauer 2013: 82).

3.3	 D
 as Berliner Landesrahmenprogramm Integrationslotsinnen und
Integrationslotsen: Verstetigung und Weiterentwicklung der
Integrationslotsentätigkeit
Um die Arbeit von Integrationslotsen und Stadteilmüttern zu verstetigen und die Qualität zu
sichern, wurde am 1. Oktober 2013 in Berlin das Landesrahmenprogramm Integrationslotsinnen und Integrationslotsen gestartet. Die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen
stellt in den Jahren 2014 und 2015 jeweils 2,2 Millionen Euro für die Finanzierung von ursprünglich 70 Integrationslotsinnen und -lotsen sowie Stadtteilmütter in den Berliner Bezirken zur
Verfügung (Stand September 2015: 96 Lotsinnen und Lotsen). Das Landesrahmenprogramm
soll der Arbeit von Integrationslotsen und Stadtteilmüttern „eine Perspektive und einen gesicherten finanziellen Rahmen geben. Nachdem die Integrationslotsinnen und -lotsen jahrelang
über Arbeitsmarktinstrumente finanziert wurden, haben sie nun reguläre Beschäftigungsverhältnisse bekommen und werden nach Tarif bezahlt“ (Senatsverwaltung für Arbeit, Integration
und Frauen 2014). Ziel des Landesrahmenprogramms ist es, die unterschiedlichen Ansätze der
Integrationsbegleitung in Berlin zusammenzuführen, eine einheitliche Grundversorgung in allen Berliner Bezirken zu schaffen, einen qualitativ hochwertigen und fachgerechten Einsatz der
regelfinanzierten Integrationslotsinnen und -lotsen zu gewährleisten und eine verlässliche
Struktur für ihre Arbeit zu schaffen (Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen 2015).
29

Die Integrationslotsinnen sind bei freien Trägern angestellt und grundsätzlich sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die Aufteilung der Mittel für ihre Förderung erfolgt in Absprache mit
den Bezirken nach sozialräumlichen Kriterien. Auch die Träger der einzelnen Projekte werden
von den jeweiligen Bezirksverwaltungen selbst ausgewählt.
Das Aufgabenprofil der Integrationslotsinnen und Integrationslotsen
Die Berliner Integrationslotsinnen und Integrationslotsen sollen
JJMenschen

mit Migrationshintergrund durch niedrigschwellige Angebote unterstützen. Zur
Zielgruppe gehören sowohl Neuzuwanderer als auch Personen, die bereits seit längerer Zeit
in Berlin oder Deutschland leben;
JJeine erste aufklärende Beratung leisten sowie einfache Begleitungs- und Vermittlungsaufgaben wahrnehmen (Begleitung zu Ämtern, Behörden, Ärztinnen und Ärzten; Vermittlung zu
Beratungsstellen und Kriseninterventionsdiensten der Fachdienste);
JJbei sprachlichen und kulturellen Barrieren zwischen Klientinnen und Klienten sowie Behörden und Institutionen unterstützen und vermitteln.
(vgl. Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen 2015: 2f.)
Zum Spektrum der Aufgaben gehören Beratung, Begleitung und Vermittlung von Menschen mit
Migrationshintergrund zu einer Vielzahl von Themen: aufenthaltsrechtliche Fragen, Anerkennung beruflicher Qualifikationen, Aufnahme einer Erwerbstätigkeit, berufliche Ausbildung,
Weiterbildungsmöglichkeiten, Bildung und Erziehung von Kindern, gesundheitliche Versorgung,
sozialrechtliche Leistungen, Wohnungssuche. Integrationslotsinnen und Integrationslotsen arbeiten in der Regel in Beratungszentren oder Lotsenbüros und werden direkt von der Klientel
aufgesucht. Sie können aber auch von Behörden angefordert werden (ebd.).
Integrationslotsinnen und Integrationslotsen können in weiteren Handlungsfeldern tätig werden und sich auch auf bestimmte Themen spezialisieren. Die niedrigschwellige, aufsuchende
Familienarbeit der Stadtteilmütter wird dabei als Spezialisierung gesehen. Diese Integrationslotsinnen und Integrationslotsen kooperieren mit Kindertagesstätten, Familienzentren und
Grundschulen, begleiten Familien zu Unterstützungsangeboten und unterstützen die Bezirke
im Rahmen der Frühen Hilfen. Zu den Spezialisierungsangeboten gehören zudem die Unterstützung von Flüchtlingen in Gemeinschaftsunterkünften sowie älteren Menschen mit Migrationshintergrund (ebd.).
Begleitung und Qualifizierung der Integrationslotsinnen und Integrationslotsen
Mit dem Landesrahmenprogramm werden Qualifizierungsmaßnahmen für die Lotsinnen und
Lotsen sowie eine fachliche Begleitung durch eine Regiestelle finanziert (Senatsverwaltung für
Arbeit, Integration und Frauen 2015; siehe auch Khan-Zvorničanin et al. 2015: 26ff.):
JJDazu gehört zum einen eine Basisqualifizierung im Umfang von 100 Stunden. Der Fokus liegt

dabei auf den Themen, die die Lotsinnen und Lotsen für ihre Tätigkeit benötigen: Grundlagen der Kommunikation und Beratung, Bildungsstrukturen in Deutschland und Berlin,
Grundlagen der Sozialgesetzgebung, Struktur und Aufgaben der Bezirksverwaltungen/Bezirksämter.
JJDarüber hinaus werden im Landesrahmenprogramm Zusatzqualifizierungen angeboten.
Diese Themenangebote können von den Lotsinnen und Lotsen frei gewählt werden. Sie haben zudem die Möglichkeit, an Coachings und Supervision teilzunehmen. Ihre Vernetzung
wird im Rahmen des Landesprogramms gefördert.
JJDie Umsetzung des Landesrahmenprogramms wird über eine Regiestelle koordiniert. Es gibt
regelmäßige Netzwerktreffen der Projektträger. Zur fachlichen Unterstützung wurde zudem
ein Beirat eingerichtet, dem Senatsverwaltungen, Bezirke, Jobcenter sowie die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit angehören.

30

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Förderung von Integration- und Teilhabe in den Bundesländern

Entwicklungsperspektiven und Herausforderungen
Mit dem Landesrahmenprogramm Integrationslotsinnen und Integrationslotsen ist es dem Berliner Senat gelungen, bereits seit längerem bestehende Lotsen- und Stadtteilmütter-Projekte
abzusichern, eine Grundversorgung in allen Bezirken zu verankern und einen einheitlichen
Qualifizierungsrahmen für die Lotsentätigkeit zu schaffen. Damit wurde ein Tätigkeitsfeld aufgewertet, in dem Migrantinnen und Migranten ihre sprachlichen, sozialen und interkulturellen
Kompetenzen einbringen und weiterentwickeln können.29 Zu den Herausforderungen gehören
die Verankerung und Weiterentwicklung des Landesrahmenprogramms, die Ausgestaltung von
Schnittstellen zu Programmen und Maßnahmen der Beschäftigungsförderung sowie zum bürgerschaftlichen Engagement und die Entwicklung beruflicher Anschlussperspektiven für besonders qualifizierte und motivierte Integrationslotsinnen und -lotsen.
Zu den Empfehlungen der Evaluation für die Weiterentwicklung des Landesrahmenprogramms
Integrationslotsinnen und Integrationslotsen gehören die Fortführung der begleitenden Qualifizierungsangebote, die Ausstattung von Projekten in den einzelnen Bezirken mit mindestens
drei Lotsenstellen, die Erweiterung des Sprachenangebots, die Integration einer qualifizierten
Sprach- und Kulturmittlung, die Stärkung der bezirklichen Koordinierungs- und Steuerungskompetenzen, Maßnahmen zur Erschließung beruflicher Perspektiven für die Lotsinnen und
Lotsen sowie die Entwicklung eines Berufsbildes für die Lotsentätigkeit (vgl. Khan-Zvorničanin
et al. 2015: 105ff.). Berufliche Perspektiven ließen sich bspw. im Zusammenhang mit dem landesweiten Ausbau von Familienzentren schaffen. Mit der Qualifizierung von Lotsinnen und Lotsen zu interkulturellen Elternbegleiter/innen könnte zudem das Angebot von Familien- und
Nachbarschaftszentren sinnvoll ergänzt werden (vgl. Gesemann et al. 2015: 138).
Die Weiterentwicklung des Berliner Landesrahmenprogramms Integrationslotsinnen und Integrationslotsen wirft eine Reihe zentraler Fragen auf, die über Anliegen und Ergebnisse der Evaluation hinausgehen, aber für die Weiterentwicklung des Tätigkeitsfeldes von besonderer Bedeutung sein dürften:
JJInwieweit

ist die duale Zielsetzung des Landesrahmenprogramms – die Unterstützung von
Zugewanderten und die Förderung beruflicher Perspektiven von Lotsinnen und Lotsen – mit
dem Ziel einer weiteren Professionalisierung des Tätigkeitsfeldes vereinbar?
JJWie können Schnittstellen zwischen dem Landesrahmenprogramm und der Förderung des
bürgerschaftlichen Engagements in Berlin geschaffen und ausgestaltet werden, um Übergänge zu ermöglichen und Synergien zu fördern?
JJWie gut erreichen Integrationslotsinnen und -lotsen ihre jeweiligen Zielgruppen? Inwieweit
tragen sie zur Aktivierung und Stärkung von Selbstkompetenzen sowie zur Brückenbildung
zu Behörden und Einrichtungen und zur Nutzung von Beratungs- und Unterstützungsangeboten bei?
JJWie können die Erfahrungen und Perspektiven von Nutzerinnen und Nutzern – unter Berücksichtigung der verschiedenen Ansätze der Lotsentätigkeit – in die Weiterentwicklung des
Landesprogramms einfließen?
JJWie kann die Kooperation von Integrationslotsinnen und Integrationslotsen mit Behörden
und Einrichtungen in Quartieren und Regionen verbessert werden? Wie kann die Beratungsund Unterstützungsarbeit von Migrantenorganisationen stärker mit dem Landesrahmenprogramm verknüpft werden?

29	 Gesprächsrunde mit Meggi Khan-Zvorničanin, Liv-Berit Koch und Dorte Schaffranke in der Camino – Werkstatt für Fortbildung,
Praxisbegleitung und Forschung im sozialen Bereich am 03.06.2015 in Berlin. Siehe auch die Ergebnisse und Empfehlungen
der Evaluation des Landesrahmenprogramms (Khan-Zvorničanin et al. 2015: 105ff.).

31

JJWie

sollte die Steuerung des Landesrahmenprogramms weiterentwickelt werden, um übergreifende Anliegen des Landes (z.B. nach einer möglichst großen Vielfalt der angebotenen
Sprachen), aber auch den spezifischen Bedarfen in Bezirken, Regionen und Quartieren Rechnung tragen zu können.
JJInwieweit sollten die begleitende Qualifizierungsangebote des Landesrahmenprogramms
die konzeptionelle Ausdifferenzierung des Tätigkeitsfeldes (Integrations- und Flüchtlingslotsen, Stadtteilmütter und -väter, Sprach- und Kulturmittler) widerspiegeln?
JJWie können die Qualifikationen der Integrationslotsinnen und -lotsen besser mit staatlich
anerkannten Ausbildungsberufen wie dem der Sozialassistentin bzw. des Sozialassistenten
verknüpft werden, um ihre beruflichen Perspektiven zu verbessern?

3.4	 D
 ie Förderung niedrigschwelliger Projekte im Rahmen der Stärkung
kommunaler Strukturen: Das Beispiel Nordrhein-Westfalen
Das Land Nordrhein-Westfalen hat im vergangenen Jahrzehnt nachhaltige Strukturen und innovative Instrumente zur Unterstützung der Integration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte entwickelt. Zu den zentralen Elementen gehören die Stärkung und strategische Ausrichtung der kommunalen Integrationsarbeit (Förderprogramm KOMM-IN NRW; Kommunale
Integrationszentren) sowie eine vielfältige Infrastruktur zur Förderung von Selbsthilfe und bürgerschaftlichem Engagement von und für Migrantinnen und Migranten (Kompetenzzentrum
für Integration; Integrationsagenturen; Interkulturelle Zentren und niedrigschwellige Integra­
tionsvorhaben; Förderprogramm zur Stärkung von Migrantenorganisationen, Elternnetzwerk
NRW, Fachberatung MigrantInnenselbsthilfe).
Strukturförderung
JJDas Land Nordrhein-Westfalen fördert seit 2007 Integrationsagenturen für die Belange von
Menschen mit Zuwanderungsgeschichte der Verbände der Freien Wohlfahrtsverbände. Zu
den Aufgaben gehören die interkulturelle Öffnung von Diensten und Einrichtungen, die so­
zialraumorientierte Arbeit, die Erschließung des bürgerschaftlichen Engagements von und
für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sowie die Antidiskriminierungsarbeit.30
JJSeit 2012 fördert das Land aufgrund des Teilhabe- und Integrationsgesetzes Kommunale
Integrationszentren in Kreisen und kreisfreien Städten. Die Förderung zielt vor allem auf
eine Verbesserung der Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen sowie auf die Koordination und Bündelung von Aktivitäten und Angeboten vor Ort ab. Zu den Aufgaben der Kommunalen Integrationszentren gehören u.a. die Beratung und Unterstützung von Eltern in
Fragen von Bildung und Erziehung sowie die Förderung von bürgerschaftlichem Engagement
und politischer Partizipation.
Programm- und Projektförderung
JJIm Rahmen des Förderprogramms KOMM-IN NRW – Innovation in der kommunalen Integrationsarbeit hat das Land von 2005 bis 2012 Mittel für eine strukturelle Neuausrichtung der
Integrationsarbeit in Städten und Kreisen zur Verfügung gestellt. Im Rahmen dieses Programms konnten in vielen Kommunen Migrantenorganisationen, Integrationslotsinnen und
Integrationslotsen sowie andere Multiplikatoren als Brückenbauer und Mittler zwischen
Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sowie sozialen Diensten und Einrichtungen gewonnen werden.
JJDie Arbeit der Integrationsagenturen wird seit 2008 durch eine Landesförderung von interkulturellen Zentren und niedrigschwelligen Integrationsvorhaben ergänzt. Während interkulturelle Zentren als „Begegnungs- und Kommunikationsorte für Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kulturen“ gedacht sind, zielen die niedrigschwelligen Integrationsvorhaben
30	 http://www.kfi.nrw.de/Foerderprogramme/Integrationsagenturen/index.php.

32

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Förderung von Integration- und Teilhabe in den Bundesländern

für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte auf die konkrete „Verbesserung der Lebenssituation des Einzelnen“ ab.31
JJMit dem „Pilotprogramm Integrationslotsen“ unterstützt das Land Nordrhein-Westfalen seit
2014 Kommunen, die besonders von Neuzuwanderung aus Südosteuropa betroffen sind. Die
Integrationslotsen sollen als Brückenbauer die Kommunikation zwischen Neuzugewanderten und den Fachdiensten vor Ort unterstützen. Das Land fördert sowohl die Akquise, die
Qualifizierung und die Koordinierung als auch den Einsatz von Integrationslotsen, die in der
Regel eine Aufwandsentschädigung erhalten. Pro Kommune können bis zu zehn allgemeine
und auf den Arbeitsmarkt spezialisierte Integrationslotsen gefördert werden.32
JJMit dem Programm „Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe“ hat das Land Nordrhein-Westfalen im
Frühjahr 2015 kreisfreien Städten und Kreisen Mittel in Höhe von bis zu 18.000 Euro zur
Verfügung gestellt, um Flüchtlinge und diejenigen, die sich ehrenamtlich für sie engagieren,
zu unterstützen. Gefördert werden ehrenamtliche Sprachpatinnen und Sprachpaten, die Begleitung zu Institutionen und Freizeitangeboten, niedrigschwellige Sprach- und Lesegruppen
sowie die Unterstützung von Ehrenamtlern zur Vorbereitung und Durchführung von Tätigkeiten in Kreisen und kreisfreien Städten.33 Mit dem im September 2015 gestarteten Programm „Zusammenkommen und Verstehen“ werden weitere 1,5 Millionen Euro bereitgestellt, um Informationsmaterialien und Begegnungsräume für Flüchtlinge und ehrenamtliche
Helfer zu fördern.34
Hinzu kommen Modellprojekte auf Landesebene wie „Stadtteilmütter in Nordrhein-Westfalen“
(2011 bis 2013, Träger: Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe), „Interkulturelle Arbeitsmarktlotsen aus Migrantenorganisationen in Nordrhein-Westfalen“ (2013 bis 2014, Mozaik gGmbH und
„Interkulturelle Öffnung und Kompetenzentwicklung von Migrantenorganisationen zur Durchführung niedrigschwelliger Anerkennungsbegleitung in Nordrhein-Westfalen“ (seit 2015, Mo­
zaik gGmbH). Projekte mit begrenzten Laufzeiten werfen immer die Frage einer möglichen
­Weiterfinanzierung und der damit verbundenen Nachhaltigkeit auf. So konnte das Stadtteilmütter-Projekt nur in der Stadt Dortmund aus kommunalen Mitteln fortgeführt werden. Die
Projekte der Mozaik gGmbH werden durch die Qualifizierung ehrenamtlicher Arbeit zum Thema
der Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte als innovativ bewertet, da sie Migrantenorganisationen eine wichtige Funktion in diesem Bereich eröffnen. In der
Stadt Solingen, die an beiden Projekten beteiligt war bzw. ist, wird daher als positiv erfahren,
dass durch den unmittelbaren Anschluss des Folgeprojekts eine weitere Qualifizierung und Begleitung der Teilnehmer/innen aus den Migrantenorganisationen erfolgen kann, die eine Verstetigung und Nachhaltigkeit der bisherigen Arbeit ermöglicht.35
Die Integrationspolitik des Landes Nordrhein-Westfalen, so wie sie im Teilhabe- und Integra­
tionsgesetz verankert ist, basiert auf strategischen Partnerschaften mit Kommunen und zivilgesellschaftlichen Akteuren wie Freien Trägern der Wohlfahrtspflege und Migrantenorganisa­
tionen. Das Land fördert die Integration und Teilhabe von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte durch Zuwendungen für Migrantenselbstorganisationen36 und Elterninitiativen
(„Elternnetzwerk NRW. Integration miteinander“).37 Niedrigschwellige Projekte wie Stadtteilmütter und Integrationslotsen werden im Rahmen der landesweit geförderten Strukturen (Integrationsagenturen, Kommunale Integrationszentren, Migrantenorganisationen) gemeinsam
von den Akteuren vor Ort entwickelt und umgesetzt. Hinzu kommt eine bedarfsbezogene Förderung, aktuell z.B. zur Unterstützung von Kommunen für die Bewältigung aktueller Herausfor31	 http://www.kfi.nrw.de/Foerderprogramme/Interkulturelle_Zentren/index.php.
32	http://www.kfi.nrw.de/Foerderprogramme/Pilotprogramm-Integrationslotsen/index.php. Siehe auch die Stellungnahmen
zum Fachgespräch „Integrationslotsen“ am 03. September 2013 im Integrationsausschuss des Landtags Nordrhein-Westfalen.
33	http://www.lum.nrw.de/Foerderprogramme/Ehrenamt-in-der-Fluechtlingshilfe/index.php.
34	Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen, Presseinformation – 689/9/2015vom 21.05.2015.
35	Maria Carroccio Ricchiuti, Stadt Solingen, Kommunales Integrationszentrum, Schreiben vom 13. Mai 2015.
36	 http://www.lum.nrw.de/Foerderprogramme/MSO/index.php.
37	 http://www.mais.nrw.de/06_Service/001_Presse/001_Pressemitteilungen/pm2015/Februar_2015/ 150211/index.php.

33

derungen, die mit der Zuwanderung aus Südosteuropa („Pilotprogramm Integrationslotsen“)
und dem Zustrom von Asylbewerbern und Flüchtlingen („Ehrenamt Flüchtlingshilfe“) verbunden sind.
Lotsenprojekte werden im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen38 vor allem dort als besonders erfolgversprechend bewertet, wo einzelne Communities noch keine Organisationsstrukturen ausbilden konnten, wie z.B. bei Asylbewerbern
und Flüchtlingen sowie Neuzuwanderern aus Bulgarien und Rumänien. Multiplikatoren und
Vertrauenspersonen aus den Communities werden vor allem in diesen Fällen als Brückenbauer
und Türöffner zu Behörden und Einrichtungen gebraucht. Lotsenprojekte wären dann ein komplementäres Instrument zur Stärkung von Migrantenorganisation, um Teilhabe und Integration von Zugewanderten zu fördern.

3.5	 Kurzes Zwischenfazit
Die Bundesländer verfolgen sehr unterschiedliche Strategien, um die Integration und Teilhabe
von Zugewanderten zu fördern. Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekte gehören dabei in den
Ländern, die über Programme zur Förderung der Integration vor Ort verfügen, zu den bevorzugten Formaten. Die zeitlich begrenzte Förderung begrenzt die Wirkungen und die Nachhaltigkeit von Projekten, wenn diese nicht von Kommunen oder freien Trägern weitergeführt werden
(können). Einige Länder haben vor diesem Hintergrund besondere Anstrengungen unternommen, um die Integrationslotsentätigkeit stärker auf kommunaler Ebene zu verankern. Dabei
können unterschiedliche Politikpfade, wie die Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements
im Integrationsprozess, die Finanzierung von Lotsenprogrammen über öffentliche Beschäftigungsprogramme, die Verankerung der Lotsentätigkeit auf der Grundlage spezifischer Förderprogramme sowie eine Förderung von niedrigschwelligen Projekten im Rahmen der Stärkung
kommunaler Integrationsstrukturen unterschieden werden.
Die Länder können die Entwicklung, Qualität und Vernetzung von Integrationsbegleiter-Projekten durch Strukturen und Programme zur Integrationsförderung nachhaltig unterstützen. Die
Förderung des bürgerschaftlichen Engagements von, mit und für Zugewanderte bietet dabei
besondere und längst nicht ausgeschöpfte Chancen, kann aber eine aktive, ganzheitliche und
strategisch ausgerichtete Integrationspolitik, die Chancengleichheit und Teilhabe in zentralen
Bereichen fördert, nur ergänzen. Dabei wird es auf Landesebene künftig darauf ankommen, die
verschiedenen Strategien zur Förderung von Bildung, Beschäftigung, Engagement und Integration stärker aufeinander abzustimmen und die kommunalen Integrationsstrukturen nachhaltig
zu stärken. Das Land Berlin hat dabei einen Weg beschritten, der die Integrationslotsentätigkeit
längerfristig absichern und als niedrigschwelliges Angebot der Begleitung und Unterstützung
von (Neu-) Zuwanderern in allen Bezirken verankern soll.

38	Gesprächsrunde mit Anton Rütten und Bernhard Santel im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen am 28. Mai 2015 in Düsseldorf.

34

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Förderung von Integration- und Teilhabe in den Bundesländern

35

4	 Integrationspolitik des Bundes
4.1	 F örderung niedrigschwelliger Projekte und Maßnahmen durch den
Bund
In der Integrationspolitik des Bundes sind niedrigschwellige Ansätze und Instrumente zentrale
Elemente einer „aktivierenden und nachhaltigen Integrationspolitik“, die Integration als gemeinsame Aufgabe von Staat und Gesellschaft versteht, die zudem Anstrengungen von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund erfordert. Der Bund setzt dabei – wie im Nationalen
Integrationsplan (2007) skizziert – „auf die vielfältigen Fähigkeiten, die Leistungen und das
Engagement der Migrantinnen und Migranten“, „eine aktive Bürgergesellschaft, in der möglichst viele Menschen Verantwortung übernehmen und Eigeninitiative entwickeln“ sowie eine
aktivierende, zielgerichtete und nachhaltige Integrationspolitik von Bund, Ländern und Kommunen, die Integration als Querschnittsaufgabe auf allen Ebenen verankert (Bundesregierung
2007: 13f.).
Im Nationalen Aktionsplan Integration (2011) wurde ein besonderer Schwerpunkt auf die
„Frühkindliche Förderung“ gesetzt, um „Chancengerechtigkeit für alle Kinder“ zu erreichen. Ein
Instrument ist dabei die „Partizipation von Eltern als Qualitätsmerkmal frühkindlicher Bildung“:
„Früherer Zugang zu Bildungsangeboten und Bildungserfolg setzt die Bereitschaft der Eltern zur
Nutzung der Angebote und die Gewährleistung ihrer Partizipation voraus“ (Bundesregierung
2011: 12). Mit dem bundesweiten Modellprojekt „Bildungs-Brücken: Aufstieg! Elternqualifizierung für bessere Bildungschancen in Migrantenfamilien“ sollten Eltern, die nur schwer erreichbar sind, bei der Gestaltung der Bildungsverläufe ihrer Kinder begleitet und unterstützt werden.
Das Projekt wurde von der Otto Benecke Stiftung im Zeitraum 2011 bis 2014 in Zusammenarbeit mit fünf Migrationsverbänden durchführt und richtete sich an Eltern mit arabischer, russischer und türkischer Herkunftssprache.
Förderung des bürgerschaftlichen Engagements als „Motor von Integration“
Der Bund fördert die Teilhabe von Migrantinnen und Migranten am bürgerschaftlichen Engagement sowie die interkulturelle Öffnung der Strukturen der Engagementförderung durch eine
Vielzahl von Maßnahmen. Hierzu gehören beispielsweise die „Aktion zusammen wachsen – Bildungspatenschaften stärken, Integration fördern“, die Stärkung von Migrantenorganisationen
durch Qualifizierung, Kooperation und Vernetzung, die Förderung gemeinwesenorientierter
Projekte mit besonderer Berücksichtigung von Paten- und Mentorenprojekten sowie niedrigschwellige Angebote von Mehrgenerationenhäusern und Migrantenorganisationen (vgl. Bundesregierung 2011: 30).
Mit der „Aktion zusammen wachsen“ unterstützen das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und die Beauftragte der Bundesregierung für Migration,
Flüchtlinge und Integration seit 2008 das bürgerschaftliche Engagement für junge Migrantinnen und Migranten, um die Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen mit
Zuwanderungsgeschichte zu verbessern. Patenschafts- und Mentoringprojekte werden dabei
durch Informationsmaterialien, Hinweise auf Beispiele guter Praxis und die Entwicklung von
Qualitätskriterien sowie den Aufbau von regionalen Netzwerken unterstützt.39 Das Bundesamt
für Migration und Flüchtlinge (BAMF) fördert lokale Projekte zur Erhöhung der Teilhabe von
Migrantinnen und Migranten, Multiplikatorenschulungen zur Stärkung des bürgerschaftlichen
Engagements sowie niederschwellige Seminarmaßnahmen zur Integration ausländischer Frauen:
39	http://www.aktion-zusammen-wachsen.de.

36

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Integrationspolitik des Bundes

JJDie

Förderung von Integrationsprojekten vor Ort zielt auf die Schaffung von Begegnungsmöglichkeiten ab, die den interkulturellen Austausch und die gesellschaftliche Teilhabe aller
Bürgerinnen und Bürger fördern sollen. Das Projektjahrbuch 2013 weist z.B. 17 Lotsen-,
Mentoren- und Patenprojekte mit den Förderschwerpunkten Etablierung einer Willkommensund Anerkennungskultur, Stärkung der Erziehungskompetenz, Stärkung mitgebrachter
Kompetenzen, Selbstentwicklung von Jugendlichen sowie Gewalt- und Kriminalitätsprävention aus (vgl. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2014).
JJDie Multiplikatorenschulungen unterstützen Vereine und Organisationen, insbesondere Migrantenorganisationen, mit bedarfsbezogenen Angeboten zur Professionalisierung und Weiterqualifizierung des ehrenamtlichen Engagements. Die Bandbreite der geförderten Seminare reicht von Schulungen von Vorstandsmitgliedern zu Fragen des Vereinsmanagements bis
zu Maßnahmen zur Weiterbildung von Jugendlichen und Senioren zu Multiplikatoren (ebd.:
263f.).
JJDie niederschwelligen Seminare zur Integration ausländischer Frauen sollen Migrantinnen
dabei helfen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die Angebote und Themen der Frauenkurse orientieren sich am Alltag und an der Lebenssituation der Frauen und entfalten dadurch „eine weitreichende und langfristige Wirkung“. Sie ermutigen Migrantinnen, eine aktive Rolle in allen Erziehungs- und Bildungsfragen ihrer Kinder einzunehmen (ebd.: 267).
Im Rahmen der Projektförderung unterstützt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
auch innovative Modellprojekte, die zur Weiterentwicklung von Strategien zur Förderung der
Teilhabe von Migrantinnen und Migranten durch bürgerschaftliches Engagement beitragen sollen. Gefördert wurden bislang Modellprojekte zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements (2006 bis 2009), zur verstärkten Partizipation von Migrantenorganisationen (2009 bis
2011) und zur Weiterentwicklung kommunaler Integrationsbeiräte (2010 bis 2012), zu denen
viele Mentoren-, Paten- und Tandemprojekte gehörten. Im Rahmen der fachlichen Begleitung
dieser Modellprojekte wurden beispielsweise auch Gelingensbedingungen für die Vorbereitung
und Durchführung von Mentoren- und Patenprojekten entwickelt (Bundesamt für Migration
und Flüchtlinge/Stiftung Bürger für Bürger 2010: 72ff).

4.2	 Kurzes Zwischenfazit
Der Bund unterstützt Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekten, um die Integration und Teilhabe
von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte durch bürgerschaftliches Engagement zu fördern.
Zentrale Instrumente sind dabei insbesondere die Projektförderung und die Multiplikatorenschulungen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge sowie das Informationsportal der
„aktion zusammenwachsen“, mit dem das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend und die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, die
Qualitätsentwicklung von Mentoring- und Patenschaftsprojekten für junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte unterstützen.
Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration könnte zudem
die Debatte über Chancen und Grenzen des bürgerschaftlichen Engagements und Perspektiven
einer weiteren Professionalisierung und nachhaltigen Finanzierung der Integrationslotsentätigkeit, insbesondere angesichts der hohen Zuwanderungszahlen von Asylsuchenden und
Flüchtlingen, aufgreifen und begleiten. Die Erfahrungen des Projekts „MiMi – mit Migranten für
Migranten – Interkulturelle Gesundheit in Deutschland“, das engagierte Migranten zu qualifizierten Gesundheitsmediatoren ausbildet, und des „SprInt-Netzwerks – Sprach- und Integra­
tionsmittlung in Deutschland“, das eine einheitliche Qualifizierung und Anerkennung des Tätigkeitsfeldes als Fortbildungsberuf zum Ziel hat, bieten hierfür gute Anknüpfungspunkte.

37

5	 Exkurs: Bürgerschaftliches Engagement
und niedrigschwellige Instrumente in der
Flüchtlingshilfe
Aufnahme und Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen gehören zu den zentralen Herausforderungen in Deutschland. Mit einer Vervierfachung der Asylbewerberzahlen von 2010 bis
2014 sind wieder Zahlen erreicht worden wie zuletzt Anfang der 1990er Jahre. Im Jahr 2014
wurden 202.834 Asylanträge gezählt, eine Zahl, die bereits im ersten Halbjahr 2015 übertroffen
wurde. Allein im September 2015 kamen zudem schätzungsweise weitere 200.000 Asylbewerber nach Deutschland, sodass sich die Zahl der Neuanträge bis zum Jahresende auf 800.000
oder mehr erhöhen könnte. Die staatlichen Stellen stoßen bereits bei der Registrierung, Unterbringung und Verteilung von Asylbewerbern an ihre Grenzen, sodass eine gelingende Aufnahme
und Integration der Flüchtlinge ohne eine aktive und starke Zivilgesellschaft nicht vorstellbar
ist.
Diese Zivilgesellschaft ist „Rückgrat und Herz einer integrativen Flüchtlingsarbeit“ (PHINEO)40:
Die Freiwilligen engagieren sich in den unterschiedlichsten Bereichen für Flüchtlinge und helfen
diesen dabei, in der Bundesrepublik anzukommen und vor Ort einzuleben. Sie unterstützen die
Flüchtlinge bei Behördengängen und Arztbesuchen, bei der Bewältigung alltäglicher Probleme,
in der Kommunikation mit Kitas und Schulen, bieten Deutschunterricht und Nachhilfeunterricht
für die Kinder an, ermöglichen Begegnungen und Kontakte durch Veranstaltungen, Freizeit­
aktivitäten und Kennenlern-Projekte und helfen bei der Arbeits-, Ausbildungsplatz- und Wohnungssuche. In der aktuellen „Flüchtlingskrise“ leisten sie zudem in Berlin – angesichts des
weitgehenden Zusammenbruchs der Flüchtlingsverwaltung – eine Grundversorgung für Tausende, zu der die Verteilung von Essen und Getränken, die Versorgung mit Decken und Kleidung,
die medizinische Notversorgung und die Vermittlung von Unterkunftsmöglichkeiten gehören.41
Das Engagement der Ehrenamtlichen kann den Flüchtlingen langfristig dabei helfen,
JJden

Verlust sozialer Beziehungen zu kompensieren sowie soziale Bezugssysteme zu stabilisieren und zu erweitern;
JJtraumatische Erfahrungen durch den Aufbau vertrauensvoller Beziehungen zu bewältigen;
JJein Gefühl des Angenommen- und Willkommenseins zu entwickeln, das negative Erfahrungen im Umgang mit Behörden und einheimischer Bevölkerung kompensiert;
JJdurch das Kennenlernen von Sprache, Verhalten, Normen, Werte und Erwartungen der aufnehmenden Gesellschaft Kontakte aktiv zu suchen und positiv zu gestalten;
JJHerausforderungen im Umgang mit Behörden, Kitas oder Schulen, bei Problemen in der
Nachbarschaft oder bei der Wohnungs- und Arbeitssuche erfolgreich zu bewältigen
(vgl. Han-Broich 2015: 45ff).
Empirische Studien zeigen, dass ehrenamtliches Engagement Flüchtlingen durch den Aufbau
persönlicher Beziehungen insbesondere bei der Bewältigung psychisch belastender Erfahrungen und Erlebnisse hilft (Han-Broich 2012; 2014). Obwohl Ehrenamtliche keine psycho-soziale
oder therapeutische Arbeit leisten, sondern eher konkrete Hilfestellungen geben, „zeigt sich die
größte Wirkung ihrer Arbeit gerade nicht in diesen (die praktische Integration betreffenden)
kognitiv-kulturellen und sozial-strukturellen Bereichen, sondern vielmehr im seelisch-emotio40	PHINEO 2015: Gemeinsam für Flüchtlinge in Deutschland. Flyer. Internet: http://www.phineo.org/up-loads/tx_phineodownloadcenter/PHINEO_Analyse_Themenfeld_Fluechtlinge_Flyer.pdf [zuletzt abgerufen am 03.10.2015].
41	Siehe z.B. Gustav Seibt: Die Unentbehrlichen. In: Süddeutsche Zeitung, 23. September 2015, S. 11.

38

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Integrationspolitik des Bundes

nalen Bereich“ (Han-Broich 2015: 45). Diese Wirkung hängt Han-Broich zufolge ganz wesentlich
„mit den dem Ehrenamt zugrundeliegenden intrinsischen Motiven und Beziehungsfähigkeiten
der Ehrenamtlichen“ zusammen: Diese „können durch die persönliche Art ihrer Kontakte eine
einzigartige Beziehung zu Flüchtlingen aufbauen, indem sie gezielt auf Menschen zugehen,
persönliche Berührungspunkte herstellen und mit den Flüchtlingen eine ganzheitliche Begegnung erleben“ (Han-Broich 2015: 45).
Der Aufbau persönlicher und vertrauensvoller Beziehungen zwischen Ehrenamtlichen und
Flüchtlingen kann durch Patenschafts- und Mentoringprojekte nachhaltig gefördert werden
und hat sich auch in der Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen und traumatisierten Flüchtlingen bewährt (vgl. von Griessenbeck/Meißner2010; Martínez Valdés 2010). Zu den Erfolgsfaktoren gehören dabei vor allem ein sorgfältiger Abgleich, welche Personen zusammenpassen
sowie verbindliche Vereinbarungen zu Vorbereitung und Begleitung. Dieser wird in der Regel
von professionellen Fachkräften in Einrichtungen der Flüchtlingshilfe geleistet, die zudem Information, Austausch, Fortbildungen sowie Supervision anbieten. Mentoren und Paten gelten dabei als „Türöffner zur Aufnahmegesellschaft“ (Mies-van Engelshoven 2011: 207).
Auf die aktuelle Zuwanderung von Flüchtlingen und Asylbewerbern haben einige Bundesländern mit Förderprogrammen zur Unterstützung der kommunalen Integrationsarbeit, von Landesnetzwerken und -portalen für bürgerschaftliches Engagement, lokalen Flüchtlingsinitiativen
und Willkommensnetzwerken sowie mit dem Einsatz qualifizierter Integrationslotsinnen und
Integrationslotsen reagiert. Einige Beispiele von Programmen und Maßnahmen zur Förderung
von Initiativen und Netzwerken sowie von Lotsen- und Patenprojekten in der Flüchtlingshilfe
mögen an dieser Stelle genügen:  
JJIm

Rahmen des Landesrahmenprogramms Integrationslotsinnen und Integrationslotsen
fördert das Land Berlin seit Oktober 2014 den Einsatz von 27 sozialversicherungspflichtig
beschäftigten Flüchtlingslotsinnen und -lotsen, die geflüchteten Menschen in Erstaufnahmeund Gemeinschaftseinrichtungen beim Kontakt zu Ämtern und Behörden, bei der Kita- und
Schulanmeldung, bei der Suche nach Sprachkursen sowie bei der Klärung finanzieller Leistungsansprüche unterstützen sollen.42
JJIn Bremen wurde 2013 ein Stadtteilfonds für Projekte zur besseren Teilhabe von Flüchtlingen
eingerichtet, der an die lange Tradition der Selbsthilfeförderung in der Hansestadt anknüpft.
Gefördert werden Projekte, die die Integration und Teilhabe von Flüchtlingen erleichtern,
ehrenamtliches, zivilgesellschaftliches Engagement stärken sowie Begegnungen zwischen
Flüchtlingen und Stadtgesellschaft fördern. Antragsberechtigt sind u.a. einzelne Personen,
Initiativen, Vereine, religiöse Gemeinschaften, Migrantenorganisationen und Institutionen.43
Auch für 2015 stehen entsprechende Mittel zur Verfügung, wobei gegenwärtig eine Aufstockung der Mittel geplant ist.
JJNordrhein-Westfalen hat im Frühjahr 2015 mit dem Programm „Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe“ den kreisfreien Städten und Kreisen Mittel in Höhe von bis zu 18.000 Euro zur
Begleitung und Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements zur Verfügung gestellt. Gefördert wurden u.a. niedrigschwellige Ansätze und Angebote wie Sprachpatinnen und
Sprachpaten, Begleiterinnen und Begleiter, Sprach- und Lesegruppen sowie die Unterstützung von Ehrenamtlern bei ihren Tätigkeiten.44 Mit dem im September 2015 gestarteten
Sofortprogramm „Zusammenkommen und Verstehen“ werden weitere 1,5 Millionen Euro
zur Verfügung gestellt, um kurzfristig Begegnungsräume und Informationsmaterialien für
42	Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, Integrationslotsinnen und Integrationslotsen für geflüchtete Menschen:
https://www.berlin.de/lb/intmig/themen/integrationslots-innen/aktuelles [zuletzt abgerufen am 05.10.2015.
43	Freie und Hansestadt Bremen, Senatskanzlei, Integration vor Ort: Fonds für Projekte zur Teilhabe von Flüchtlingen im Stadtteil.
Internet: http://www.bremer-rat-fuer-integration.de/aktuell/2014/fonds-fuer-projekte-zur-teilhabe-von-fluechtlingen-imstadtteil.
44	Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, Förderkonzeption „Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe“. Stand: 03.02.2015.

39

Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer zu fördern. Für die Jahre 2016/2017 ist zudem ein
„umfassendes Programm“ zur Unterstützung der Kommunen bei der Integration von Flüchtlingen und Asylsuchenden geplant, „um die Willkommens- und Anerkennungskultur in Nordrhein-Westfalen weiter auszubauen und zu festigen“.45
JJBaden-Württemberg hat im Mai 2015 das Förderprogramm „Gemeinsam in Vielfalt – Lokale
Bündnisse für Flüchtlingshilfe“ aufgelegt, mit dem die Arbeit zivilgesellschaftlicher Initiativen in der Flüchtlingshilfe unterstützt werden soll. Ziel des zunächst mit einer Million Euro
ausgestatteten Programms sind Aufbau und Stärkung lokaler Bündnisse der Flüchtlingshilfe.
Im Zusammenwirken von Kommunen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sollen gemeinsam
mit Flüchtlingen neue Wege des gemeinsamen Engagements entwickelt und erprobt werden.
Die lokalen Bündnisse für Flüchtlingshilfe werden in der Regel mit 15.000 Euro gefördert.46
JJSachsen-Anhalt hat im Juni 2015 ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Flüchtlingsaufnahme und Willkommenskultur vorgestellt. Zu den Maßnahmen gehören der Ausbau der
kommunalen Koordinierungsstellen für Migration, die Förderung ehrenamtlicher Flüchtlingslotsen in Kommunen sowie die Förderung von Vereinen, die Bildungs- und Familienpatenschaften organisieren. Eingerichtet wurden zudem ein Engagementfonds und eine Netzwerkstelle „Willkommenskultur“, die ehrenamtliches Engagement fördern, vernetzen und
qualifizieren sollen. Zur Unterstützung einer lokalen Willkommenskultur werden im Projekt
„Interkulturelle Brückenbauer“ Zugewanderte zu Sprach- und Kulturmittlern qualifiziert.
Mit der hohen Zuwanderung von Flüchtlingen und Asylbewerbern in den letzten zwei Jahren hat
sich in den Kommunen der Bedarf einer niedrigschwelligen Begleitung und Unterstützung von
Neuzuwanderern verändert: Flüchtlinge und Asylbewerber benötigen neben der räumlichen Unterbringung auch eine schnelle soziale Erstorientierungshilfe im lokalen Umfeld (vgl. Çakır/
Pavković 2015). In vielen Städten und Gemeinden wurden ehrenamtliche Unterstützungsnetzwerke für die begleitende Aufnahme und Integration von Flüchtlingen gegründet. Ehrenamtliche leisten dabei als Helfer, Sprach-und Kulturmittler, Lotsen und Paten einen wesentlichen
Beitrag zur Bewältigung der aktuellen Herausforderungen. Das Engagement der Freiwilligen ist
dabei umso wirkungsvoller, je besser professionelle Strukturen ausgebildet, Initiativen und
Maßnahmen gebündelt und vernetzt sowie Schnittstellen zwischen haupt- und ehrenamtlichen
Strukturen geschaffen und ausgestaltet werden.
Bemerkenswerte Beispiele für kommunale Initiativen zur Entwicklung von Patenschaftsprojekten und Willkommenskonzepten für Flüchtlinge finden sich in der Stadt Rosenheim und in der
Stadt Schwäbisch Gmünd:
JJStadt Rosenheim: Das Projekt „Paten für Flüchtlinge“ wurde in der Stadt Rosenheim 2012 im

Rahmen des Städtebauförderungsprogramms „Soziale Stadt“ initiiert. Es knüpft an Strukturen im Stadtteil wie Bürgerhäusern und Freiwilligenagenturen an und ist Ausdruck einer vielfältigen Engagement- und Beteiligungskultur. Im Projekt kümmern sich inzwischen über 100
Paten um Flüchtlinge, die in der Stadt Zuflucht gefunden haben. Die Paten begleiten die
Flüchtlinge zu Ämtern und Ärzten, helfen bei der Bewältigung alltäglicher Probleme und initiieren gemeinsame Freizeitaktivitäten. Sie nutzen ihre eigenen sozialen Netzwerke für die
Flüchtlinge, bahnen Kontakte zu Sportvereinen an und helfen bei der Vermittlung von Praktikums-, Aushilfs- und Arbeitsstellen. Durch das Projekt sind zudem zahlreiche Angebote und
Unterstützungsleistungen angestoßen worden, die den Flüchtlingen das Einleben in der
Stadt erleichtern (vgl. Gesemann/Roth 2015: 45 u. 63; Soziale Stadt Rosenheim 2015: 47ff).

45	Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen, Presseinformation – 689/9/2015 vom 21.09.2015.
46	Baden-Württemberg: Neues Förderprogramm für lokale Bündnisse der Flüchtlingshilfe, Pressemitteilung vom 08.05.2015; siehe auch den Aufruf zur Antragstellung auf Projektförderung.

40

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Integrationspolitik des Bundes

JJStadt

Schwäbisch Gmünd: Die Stadt hat Anfang 2015 ein mehrstufiges Konzept einer „Willkommenskultur für Flüchtlinge in Schwäbisch Gmünd“47 vorgelegt, das kommunale Angebote und ehrenamtliches Engagement miteinander verzahnt. Elemente sind „Willkommensgespräche“ (mit „Willkommenslotsen“), eine Sprachförderung auf verschiedenen Niveaus (mit
Sprachmittlern), die Förderung von Teilhabe durch ehrenamtliches Engagement und die „Erprobung in Gemeinnützigkeit“, die Förderung des Zugangs zu Bildung, Ausbildung und Beschäftigung (mit Projektbegleitern und Paten) sowie die Vermittlung von Wohnraum. Das
bürgerschaftliche Engagement hat in Schwäbisch Gmünd eine lange Tradition, ist ein zentrales Element einer lebendigen Stadtgesellschaft und für die Etablierung einer Willkommenskultur für Flüchtlinge entscheidend. Zur Umsetzung des Konzepts wurde die Stelle einer
Flüchtlingsbeauftragten geschaffen, die Akteure und Kooperationspartner über einen Runden Tisch Flüchtlinge zusammenführt.

In einen Diskussionsbeitrag im Rahmen des Kommunalen Qualitätszirkels zur Integrationspolitik haben Sedat Çakır (Kreis Groß-Gerau) und Gari Pavković (Landeshauptstadt Stuttgart) einige
Gelingensbedingungen für den Einsatz von Integrationslotsen-Projekten in der Flüchtlingshilfe
formuliert. Damit das Engagement der lokalen Helfer/innen auch den Bedürfnissen und Anforderungen von Einrichtungen und Neuzuwanderer/innen entspricht, sollten
JJdie

ehrenamtlichen Lotsinnen und Lotsen im Rahmen ihrer zeitlichen Ressourcen und mitgebrachten Kompetenzen bedarfsgerechte Schulungen erhalten;
JJlokale Koordinationsstrukturen aufgebaut und der Einsatz der Lotsinnen und Lotsen gesteuert werden;
JJdie Akteure oder Nutznießer der Lotsenhilfe (Verwaltungen, Verbände, Bildungseinrichtungen etc.) eine entsprechende Schulung im Umgang mit Lotsinnen und Lotsen erhalten;
JJdie Aufwandsentschädigung für die ehrenamtlichen Lotsen und die Kostenübernahme (Erstattung) der Aufwendungen (Fahrtkosten, Telefon, Eintrittsgelder etc.) geklärt und gesichert sein.
JJdie Rolle der Lotsen (Aufgaben, Verantwortlichkeiten, einzubringende Kompetenzen und Befugnisse) mit den Akteuren geklärt werden
(vgl. Çakır/Pavković 2015).
Einige (vorläufige) Schlussfolgerungen
Die aktuelle Zuwanderung von mehreren Hundertausend Flüchtlingen und Asylbewerbern kann
nur gemeinsam von Bund, Ländern und Kommunen, Staat und Zivilgesellschaft bewältigt werden. Dabei bedarf es zunächst einer wesentlichen Optimierung staatlicher Strukturen zur Aufnahme, Versorgung und Verteilung von Flüchtlingen, aber auch der Entwicklung langfristig
angelegter Konzepte, Strategien und Maßnahmen. In diesem Zusammenhang kommt dem Einsatz niedrigschwelliger Instrumenten, aber auch der Gestaltung von Schnittstellen zwischen
hauptamtlichen Strukturen und ehrenamtlichem Engagement eine zentrale Bedeutung zu:
JJNiedrigschwellige

Instrumente der Integrationsbegleitung wie Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekte haben sich als besonders bedarfsgerechte und wirksame Instrumente erwiesen,
um den Integrationsprozess von Zugewanderten zu fördern. Auf diese bewährten Instrumente kann auch in der Flüchtlingshilfe zurückgegriffen werden. Dabei sollten die unterschiedlichen Voraussetzungen, Zielrichtungen und Wirkungen der verschiedenen Formate
beachtet werden.
JJIm Bereich der Sprach- und Kulturmittlung bedarf es einer Vielzahl von Angeboten, die von
ehrenamtlichen Initiativen bis zu professionellen Dienstleistungen reichen. Die hohe Zuwanderung von fremdsprachigen Flüchtlingen dürfte aber den Bedarf an und die Nachfrage nach
besonders qualifizierten Sprach- und Kulturmittlern, wie sie beispielsweise vom SprInt-Netzwerk vermittelt werden, deutlich erhöhen.
47	Stadt Schwäbisch Gmünd, Willkommenskultur für Flüchtlinge in Schwäbisch Gmünd. Januar 2015.

41

JJNach

dem Beispiel der Integrationslotsen und -helfer, die seit vielen Jahren erfolgreich Migrantinnen und Migranten sowie verstärkt auch geflüchtete Menschen begleiten, sollten auch
Flüchtlinge selbst zu Multiplikatoren qualifiziert werden, um Potenziale frühzeitig zu erschließen, ihre Handlungs- und Selbsthilfefähigkeit zu stärken sowie die Bildung von Brücken zu Angeboten und Einrichtungen zu fördern.
JJFür die Förderung ehrenamtlicher Projekte in der Flüchtlingshilfe gibt es eine Vielzahl von
Vorschlägen, die von der Betreuung von Flüchtlingskindern in der Unterkunft während des
Sprachunterrichts, die ehrenamtliche Beschäftigung von Flüchtlingen in gemeinnützigen
Projekten über Ehrenamts-Tandems mit gegenseitiger Hilfe bis hin zu musischen, künstlerischen und kreativ-therapeutischen Ehrenamtsprojekten sowie ehrenamtlichen Kulturkursen
reichen.48
JJInnovativ sind auch niedrigschwellige Gesprächsformate, wie z.B. die „Dialog Deutsch“-Gesprächsgruppen in Hamburger Bücherhallen als ein unbürokratisches Instrument zur Förderung von Sprachpraxis und Erfahrungsaustausch49 oder moderierte Gruppendialoge in
Flüchtlingseinrichtungen, die eine biografieorientierte, narrative Arbeit ermöglichen sollen,
um unterschiedliche Lebenserfahrungen der Flüchtlinge gemeinsam zu reflektieren.50
JJMentoren- und Patenprogramme sind besonders wirksame Instrumente, um Engagementpotenziale in der Bevölkerung zu erschließen und Zugewanderten bei der Bewältigung von
Herausforderungen insbesondere im Bildungssystem zu unterstützen. Für die Wirksamkeit
der Programme kommt der Begleitung, Qualifizierung und Koordination von Paten und Mentoren eine zentrale Bedeutung zu.
JJZu den Erfolgsbedingungen niedrigschwelliger Instrumente gehören die Finanzierung hauptamtlicher Koordinierungskräfte in Bildungs- und Gemeinschaftseinrichtungen (Kindertagestätten, Familienzentren, Mehrgenerationenhäuser, Nachbarschaftszentren, Schulen,
Hochschulen), aber auch in Freiwilligenagenturen und Migrantenorganisationen, die das
ehrenamtliche Engagement zur Unterstützung von Flüchtlingen bündeln, qualifizieren und
vernetzen. Hier liegt eine zentrale Aufgabe für Bund, Länder und Kommunen zur Gestaltung
einer erfolgreichen Integrationspolitik.

48	Präsentation von Misun Han-Broich, Die Perspektive der bürgerschaftlich Engagierten – Stärkung der Zivilgesellschaft, 54.
Sitzung des Arbeitskreises Bürgergesellschaft und Demokratie, Berlin, 2. Oktober 2015.
49	In den 32 Hamburger Bücherhallen sowie in der Zentralbibliothek gibt es mehr als aktive Gesprächsgruppen „Dialog in
Deutsch“, die jeweils von zwei bis drei geschulten Ehrenamtlichen moderiert und geleitet werden. Das Projekt wird von einer
hauptamtlichen Sozialarbeiterin geleitet, die auch den Einsatz von mehr als 150 Ehrenamtlichen koordiniert (vgl. Keite 2013).
50	Im Rahmen eines Projekts in Berlin werden Asylsuchende mit guter Bleibeperspektive, die in ihren Herkunftsländern bereits
als Ärzte, Sozialarbeiter und Psychologen gearbeitet haben, zu Sozialmoderatoren ausgebildet, um in ihrer Peer Group Gruppendialoge direkt in der Flüchtlingseinrichtung zu organisieren (vgl. Kiesinger 2015: 140f.).

42

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Integrationspolitik des Bundes

43

6	 Chancen und Grenzen niedrigschwelliger
­Ansätze und Instrumente in der
Integrations­politik von Bund, Ländern
und Kommunen
Niedrigschwellige Ansätze und Instrumente wie Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekte haben
in der Integrationspolitik von Bund, Ländern und Kommunen seit Mitte des letzten Jahrzehnts
eine beispiellose Konjunktur erfahren. Diese Entwicklung spiegelt die im Nationalen Integra­
tionsplan von 2007 entwickelten neuen integrationspolitischen Leitbilder wider, die auch vielen
Integrationskonzepten von Ländern und Kommunen zugrunde liegen. Zu diesen gehören die
Anerkennung und Erschließung der Potenziale von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte,
eine lebendige Bürgergesellschaft, in der möglichst viele Menschen Eigeninitiative entwickeln
und Verantwortung übernehmen sowie eine aktivierende, zielgerichtete und nachhaltige Integrationspolitik von Bund, Ländern und Kommunen.
Der verstärkte Rückgriff auf niedrigschwellige Ansätze in der Integrationspolitik ist aber auch
Ausdruck struktureller Probleme und Herausforderungen in einer Einwanderungsgesellschaft,
die sich insbesondere in einer mangelnden Chancengleichheit im Bildungssystem, einer H
­ äufung
sozialer Problemlagen in benachteiligten Stadtvierteln, einer Diversifizierung von Migra­tions­
bewegungen und einer mangelnden interkulturellen Öffnung von Verwaltungen und Verbänden zeigen. Die Förderung gemeinwesenorientierter Projekte, die Einbindung von Migrantenorganisationen, die Qualifizierung von Multiplikatoren und Lotsen sowie der Einsatz von Paten
und Mentoren werden vor allem genutzt, um das bürgerschaftliche Engagement zur Förderung
der Integration und Teilhabe von Zugewanderten vor Ort zu stärken. In jüngster Zeit geht es
zudem verstärkt um unzulängliche öffentliche Strukturen bei der Erstaufnahme von Flüchtlingen und Asylsuchenden.
Inzwischen gibt es eine kaum überschaubare Vielfalt an niedrigschwelligen Projekten, die Zugewanderte im Integrationsprozess begleiten. In vielen Städten und Kreisen werden freiwillig Engagierte von kommunalen, kirchlichen oder freien Trägern qualifiziert, um Migrantinnen und
Migranten bei der sprachlichen, schulischen, beruflichen oder gesellschaftlichen Integration zu
unterstützen. Einige Bundesländer fördern den Einsatz ehrenamtlicher Lotsinnen und Lotsen
insbesondere im Rahmen von Programmen zur Qualifizierung und Weiterbildung sowie von
Maßnahmen zur Stärkung der kommunalen Integrationspolitik. Der Bund begleitet und unterstützt Paten- und Mentorenprogramme im Rahmen der „Aktion zusammen wachsen“ durch
Angebote und Materialien zu Vernetzung, Erfahrungsaustausch und Qualitätsentwicklung.
Integrationslotsenprojekte haben sich vielerorts als effektives Instrument zur Förderung der
sozialen Integration von Zugewanderten erwiesen, ohne dass es in den meisten Fällen gelungen
ist, dieses Instrument zu verstetigen. Während die Förderung von Lotsenprojekten in kleinen
Städten und ländlichen Regionen vor allem projektbezogen, zeitlich befristet und auf ehrenamtlicher Basis erfolgt, zeigen sich in größeren Städten deutliche Tendenzen einer Verstetigung
von Lotsentätigkeiten. Die Stadt Essen hat bereits Anfang des letzten Jahrzehnts damit begonnen, Integrationsbegleiterinnen und -begleiter als Honorarkräfte in die Regelstrukturen zu integrieren, in der Landeshauptstadt Hannover sind Stadtteilmütter bei den Familienzentren angestellt und in der Stadt Dortmund werden sie zurzeit aus kommunalen Mitteln finanziert.

44

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Chancen und Grenzen niedrigschwelliger A
­ nsätze und Instrumente

In Berlin ist es im letzten Jahrzehnt vor allem mit Hilfe beschäftigungsfördernder Maßnahmen
gelungen, die Integrationslotsen- und Stadtteilmütterarbeit auszuweiten: Mit dem 2013 initiierten Landesrahmenprogramm Integrationslotsinnen und Integrationslotsen sollen das Tätigkeitsfeld langfristig abgesichert, das Angebot niedrigschwelliger Formate weiter ausdifferenziert, die Qualitätsentwicklung kontinuierlich verbessert sowie die beruflichen Perspektiven der
Lotsinnen und Lotsen gezielt gefördert werden.
Einordnung und Typisierung niedrigschwelliger Angebote und Formate
Die große Vielfalt niedrigschwelliger Angebote und Formate in der Integrationsarbeit hängt
mit der großen Zahl kommunaler und freier Träger, aber auch mit der Förderpraxis von Bund,
Ländern und Kommunen zusammen. Die zumeist ehrenamtlich arbeitenden Integrationsbegleiter/innen werden dabei insbesondere genutzt, um bürgerschaftliches Engagement zu fördern,
Integration und Teilhabechancen von Zugewanderten zu verbessern, den Zugang zu Bildung,
sozialen Angeboten und Diensten zu erleichtern, wie Kindertagesstätten und Schulen sowie die
professionellen Beratungs- und Betreuungsangebote von Kommunen und Wohlfahrtsverbänden zu unterstützen.
Dabei lassen sich verschiedene Funktionen und Formate von Programmen und Projekten einer
niedrigschwelligen Begleitung von Zugewanderten im Integrationsprozess unterscheiden (siehe auch Schaubild 5):
JJSprach-

und Kulturmittler: Übersetzungsfunktion;
JJIntegrationslotsen: Türöffner- und Wegweiserfunktion;
JJStadtteilmütter: Aufklärungs- und Brückenbildungsfunktion;
JJMentoren und Paten: Motivations- und Vorbildfunktion.
Die Funktionen und Tätigkeitsfelder überschneiden sich zwar, aber es lässt sich feststellen, dass
Mentoring- und Patenschaftsprojekte zum Kernbereich des bürgerschaftlichen Engagements
gehören: Freiwillig Engagierte schenken ihre Erfahrungen, Zuwendung und Zeit Menschen mit
einem besonderen Bedarf an Kontakt und Unterstützung. Diese Angebote bilden das Herzstück
einer aktiven, durch persönliche Beziehungen gefestigten, Bürgergesellschaft. Sie können eine
bürgernahe und interkulturell ausgerichtete Verwaltung oder gar strukturelle Reformen im Bildungssystem nicht ersetzen, aber zum Brückenbau zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft beitragen, den sozialen Zusammenhalt fördern sowie eine aktivierende, motivierende
und unterstützende Wirkung haben.
Schaubild 5:
Typologie von IntegrationsbegleiterProjekten
© DESI 2015 (Frank Gesemann)
Gestaltung: Ellen Windmüller

45

Schaubild 6:
Merkmale verschiedener Typen einer niedrigschwelligen Integrationsbegleitung mit Professionalisierungstendenzen insbesondere im Bereich der Sprach- und Kulturmittlung
Quelle: Eigene Darstellung (Gesemann 2015)

Sprach- und
Kulturmittler/
innen

Lotsinnen und
Lotsen

Stadtteilmütter
und Stadtteilväter

Mentorinnen
und Mentoren

Patinnen
und Paten

Funktion

Mittlerfunktion

Informations- und
Wegweiser­
funktion

Informations-,
Brückenbildungund
Vermitt­lungs­
funktion

Motivations-,
Unterstützungsund
Vorbildfunktion

Motivations-,
Unterstützungsund
Vorbildfunktion

Angebote

Fachspezifisches
Dolmetschen,
soziokulturelles
Vermitteln

Weitergabe von
Informationen;
Vermittlung an
Fachdienste und
Angebote

Weitergabe von
Informationen;
Vermittlung an
Fachdienste und
Angebote

Enge Begleitung,
Weitergabe von
Erfahrungen und
Wissen

Enge Begleitung,
Weitergabe von
Erfahrungen und
Wissen

Einsatzfelder

Bildung-,
Gesundheits- und
Sozialwesen

Bildung-,
Gesundheits- und
Sozialwesen;
Vereine und
Verbände

Bildung-,
Gesundheits- und
Sozialwesen

Bildungswesen,
Organisationen

Bildungswesen

Zeitlicher
Umfang der
Tätigkeit
pro Fall

Gering

Gering

bis zu zehn
Familienbesuche

6 bis 12 Monate,
teilweise länger

6 bis 12 Monate,
teilweise länger

Personal­
struktur/
Finanzierung

Honorarkräfte,
Finanzierung aus
Budgets der
Einrichtungen

Ehrenamtliche;
Projektförderung;
Regelfinanzierung

Ehrenamtliche;
Projektförderung;
Beschäftigungsförderung;
Regelfinanzierung

Ehrenamtliche,
Projektförderung

Ehrenamtliche,
Projektförderung

Qualifizierung

Langzeit
(12–18 Monate)

Mittlere Dauer
(< 10 Monate)

Mittlere Dauer
(< 10 Monate)

Kurzzeit
(< 1 Monat)

Kurzzeit
(< 1 Monat)

Entwicklungsperspektiven

Anerkennung als
Fortbildungsberuf

Stärkung
bürgerschaftlichen
Engagements;
Entwicklung
beruflicher
Perspektiven

Stärkung
bürgerschaftlichen
Engagements;
Entwicklung
beruflicher
Perspektiven

Stärkung
bürgerschaftlichen
Engagements

Stärkung
bürgerschaftlichen
Engagements

Zentrale
Heraus-forderungen

Refinanzierung
der Leistungen

Begleitung,
Qualifizierung und
Vermittlung

Begleitung,
Qualifizierung und
Vermittlung

Auswahl und
Begleitung der
Tandems

Auswahl und
Begleitung der
Tandems

46

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Chancen und Grenzen niedrigschwelliger A
­ nsätze und Instrumente

Charakteristisch für Integrationslotsen-Projekte ist vor allem ihre Orientierungs- und Türöffner-Funktion, die im Fall der Stadtteilmütter mit ihrer aufsuchenden Tätigkeit im Bereich der
Familienbildung eine stark aufklärende und brückenbauende Erweiterung annimmt. Integra­
tionslotsen- und Stadtteilmütterprojekte sind in Deutschland aus dem bürgerschaftlichen Engagement hervorgegangen und werden vielerorts immer noch durch dieses geprägt. Zugleich
zeigen sich in dem Maße, in dem sich die Assistenz- und Unterstützungsfunktion von Stadtteilmüttern ausprägt, insbesondere in einigen Großstädten starke Tendenzen der Qualifizierung
und Verstetigung.
Am stärksten ausgeprägt ist der Grad der Professionalisierung im Bereich der Sprach- und Integrationsmittlung, da es insbesondere im Gesundheitsbereich, aber auch im Bildungs- und So­
zialwesen einen zunehmenden Bedarf an einer professionellen, kultursensiblen Sprachmittlung
gibt, die nicht mehr durch kurzzeitige Qualifizierungsmaßnahmen und/oder auf ehrenamtlicher Basis abgedeckt werden kann. Mit einer 18-monatigen, praxisnahen Qualifizierung mit
rund 2.000 Unterrichtsstunden wurden die Grundlagen für eine Berufsausbildung gelegt, die
auf die Übersetzung der speziellen Bedürfnisse von Migranten und die Unterstützung von Fachkräften im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialwesen ausgerichtet ist.
Ergebnisse und Wirkungen von Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekten
In Deutschland mangelt es bislang an einer übergreifenden und vergleichenden Forschung zu
Lotsen-, Mentoren- und Patenprogrammen in der Integrationspolitik. Langfristig angelegte
Wirkungsanalysen fehlen bislang völlig. Im Folgenden sollen die wichtigsten Ergebnisse aus
Evaluationen von Integrationslotsen-, Stadtteilmütter-, Mentoring- und Patenschafts- Projekten zusammengefasst werden:
Integrationslotsen-Projekte
Der Einsatz ehrenamtlicher Integrationslotsinnen und -lotsen hat nach den Ergebnissen der
vorliegenden Studien dazu beigetragen, die individuelle Integration von Migrantinnen und Migranten zu unterstützen, das bürgerschaftliche Engagement von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zu stärken, das nachbarschaftliche Miteinander und den gesellschaftlichen
Zusammenhalt zu fördern sowie die Weiterentwicklung und interkulturelle Öffnung der Regelstrukturen anzuregen. Folgende Ziele wurden demnach von den Projekten erreicht:51
JJMigrantinnen

und Migranten zur Selbsthilfe zu aktivieren;
von Zuwanderern im Integrationsprozess individuell abzubauen;
JJfreiwilliges Engagement in der Integrationsarbeit zu fördern;
JJdas Engagement von Menschen mit Migrationshintergrund sichtbar zu machen;
JJinterkulturelle Begegnungen von zu ermöglichen;
JJZugewanderte stärker mit den deutschen Regelinstitutionen vertraut zu machen;
JJdie Zielgruppenerreichung von Einrichtungen zu verbessern;
JJdie Angebote besser an die Bedarfe der Zielgruppen anzupassen;
JJdie Kommunikation zwischen Fachkräften und Zugewanderten zu verbessern;
JJdie interkulturelle Öffnung der Regelstrukturen voranzutreiben.
JJSchwierigkeiten

Stadtteilmütter-Projekte
Zu Stadtteilmütter-Projekten in Deutschland liegen vor allem Ergebnisse aus einer frühen Evaluation der Stadt Essen (2004),52 von Evaluationen in den Berliner Bezirken Charlottenburg
(Wießmeier et al. 2011), Kreuzberg (Maschewsky-Schneider et al. 2012), Mitte (Kroneder/Reg51	Siehe die Ergebnisse der Evaluation des Projekts „Integrationslotsen in Niedersachsen“ (Bommes et al. 2012) sowie der wissenschaftlichen Begleitung des Landesprogramms Modellregionen Integration in Hessen (vgl. Hessisches Ministerium der Justiz, für Integration und Europa 2013).
52	Das Stadtteilmütter-Projekt der Stadt Essen ist durch eine Verknüpfung von interkultureller Sprachförderung und Elternbildung in Kindertageseinrichtungen gekennzeichnet. Die interne Evaluation kommt zu dem Ergebnis, dass die zentralen Projektziele, wie Stärkung der Erziehungskompetenzen der Mütter, Weiterentwicklung von Sprachförderung, Elternarbeit und
interkultureller Öffnung in Kindertageseinrichtungen sowie Verbesserung der Sprachkenntnisse der Kinder, „optimal“ erreicht
wurden (Stadt Essen 2004: 29).

47

noux 2014) und Neukölln (Koch 2009; Behn et al. 2010) sowie einer Implementationsanalyse zu
einem Modellprojekt in Nordrhein-Westfalen“ (Bauer 2013) vor.
Zu den zentralen Ergebnissen der Evaluationen der Stadtteilmütterprojekte in den Berliner Bezirken gehört, dass
JJes

den Stadtteilmüttern in hohem Maße gelungen ist, Frauen anzusprechen und für eine
Teilnahme zu gewinnen, die in belasteten Familiensituationen leben;
JJder Aufbau persönlicher, vertrauensvoller Beziehungen eine besonders Erfolg versprechende
Strategie ist, um Ängste und Barrieren bei den Frauen zu überwinden;
JJdie Stadtteilmütter bei den aufgesuchten Frauen einen deutlichen Wissens- und Kompetenzgewinn insbesondere in Bezug auf Bildungs-, Erziehungs- und Gesundheitsthemen bewirkt
haben;
JJdie Stadtteilmütterarbeit dazu beigetragen hat, das Bewusstsein für die Bedürfnisse der Kinder zu stärken und die Beziehungen der Mütter zu ihren Kindern zu verbessern;
JJdie Stadtteilmütterarbeit eine stärkere Nutzung von weiterführenden Beratungs- und Unterstützungsangeboten gefördert hat;
JJdie Anbindung der Stadtteilmütter an Einrichtungen im Sozialraum (Elterncafés in Kindertageseinrichtungen, Grundschulen, Familien- und Stadtteilzentren) eine besonders Erfolg versprechende Strategie ist, um neue Zielgruppen zu erschließen;
JJsich besonders deutliche Veränderungen bei der Zielgruppe der Stadtteilmütter selbst zeigen
(Wissensgewinne; Kompetenz- und Persönlichkeitsentwicklung; Erschließung beruflicher
Perspektiven), sodass die Arbeit als Stadtteilmutter als „Türöffner zu mehr gesellschaftlicher
Teilhabe“ bezeichnet werden kann (Behn et al. 2010: 105) ist.
Die Ergebnisse der Evaluationen zu den Stadtteilmütter-Projekten in Berlin zeigen aber auch,
dass es einer spezifischen Ausgestaltung und Profilierung der Stadtteilmütterarbeit bedarf, um
schwer erreichbaren Familien einen frühzeitigen Zugang zu Hilfs- und Unterstützungsangeboten im Quartier zu erschließen. Zudem werden Neu-Zugewanderte, Flüchtlinge, Männer und
Väter von den Stadtteilmütter-Projekten bislang kaum erreicht.
Wirkungen von Mentoring- und Patenschafts-Projekten
Mentoring wird in Deutschland seit den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts in einer
Vielzahl von Bereichen eingesetzt, insbesondere als Instrument der Personalentwicklung in Organisationen und zur individuellen Förderung von Angehörigen bestimmter Zielgruppen (Frauen, Kinder und Jugendliche, Minderheiten). Zu den Wirkungen von Mentoring- und Patenschafts-Programmen liegen inzwischen vielfältige Befunde vor, die zumeist auf Forschungen in
angelsächsischen Ländern basieren. In einer Zwischenbilanz zum Forschungsstand kommen
Cavell et al. (2009) zu dem Ergebnis, dass Mentoring-Programme die Entwicklung und das Verhalten Jugendlicher in mehrfacher Hinsicht positiv beeinflussen können:
JJVerbesserungen

des Selbstwertgefühls der Mentees;
Beziehungen zwischen Eltern und Kindern;
JJStärkere Verbundenheit der Jugendlichen mit der Schule;
JJVerbesserte schulische Leistungen der Jugendlichen;
JJRückgang von Drogenmissbrauch, Gewalt und anderen riskanten Verhaltensweisen.
JJBessere

Die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien zeigen aber auch, dass die Resultate von Mentoringund Patenschaftsprojekten sehr unterschiedlich sein können.53 Erfolgreiche Verläufe zeigen
sich vor allem dann, wenn

53	Der Stand der Forschungen zu ethnischem und interkulturellem Mentoring ist dabei noch wenig zufriedenstellend (vgl. Liang/
West 2007; Höher 2014: 133).

48

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Chancen und Grenzen niedrigschwelliger A
­ nsätze und Instrumente

JJeine

hauptamtliche Projektkoordination für Organisation und Steuerung des Programms
verantwortlich ist (Auswahl, Zusammenführung und Begleitung der Beteiligten, Monitoring
und Evaluation des Programms);
JJMentoring-Beziehungen gut vorbereitet und begleitet werden (Auswahl und Vorbereitung
der Mentoren, Einbeziehung der Eltern, unterstützende Aktivitäten für die Tandems, Qualifizierungsangebote und Supervision für Mentoren, Monitoring und Evaluation zur Qualitätssicherung).
JJMentoring-Beziehungen eine bestimmte Dauer und Intensität aufweisen. Tandems, die mindestens ein Jahr oder länger zusammenbleiben und wöchentlich Kontakt haben, zeigen stärkere positive Effekte.
Diese Zusammenhänge zeigen sich auch in den Ergebnissen der Evaluationen eines Mentoringprojekts in Berlin-Neukölln: Im Projekt Hürdenspringer+ des Unionshilfswerks Berlin unterstützen freiwillig engagierte, berufs- und lebenserfahrene Mentorinnen und Mentoren junge Menschen bei der Berufsorientierung, dem Übergang nach dem ersten Schulabschluss und während
der Ausbildung. Evaluationen des Projekts zeigen, dass das Mentoring den Jugendlichen hilft,
ihre schulischen Leistungen zu verbessern und tragfähige berufliche Perspektiven zu entwickeln. Das Mentoring fördert zudem die Ausbildung von Schlüsselqualifikationen und die Persönlichkeitsentwicklung der Mentees. Gelingensfaktoren sind dabei u.a. die sorgfältige Auswahl
der Teilnehmenden und Zusammenstellung der Tandems („passgenaues Matching“), eine kontinuierliche und bedarfsorientierte Begleitung und Unterstützung von Mentoren und Mentees
sowie die sozialräumliche Verortung und Vernetzung des Projekts (vgl. Bindel-Kögel 2012: 94f.;
Bestmann 2012: 108ff.).
Integrationspolitische Wirkungen niedrigschwelliger Projekte
Niedrigschwellige Ansätze bzw. Instrumente können die individuelle Eingliederung von Menschen mit Migrationshintergrund in allen Dimensionen der Sozialintegration unterstützen: Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekte fördern die kulturelle Integration vor allem in den Bereichen
der frühen Bildung und leisten einen Beitrag zur strukturellen Integration, indem sie (Neu-)
Zuwanderern Zugänge zu den Kerninstitutionen der Gesellschaft eröffnen bzw. zu einer Verbesserung von Teilhabechancen im Bildungs- und Gesundheitssystem beitragen. Mentoren- und
Patenprogramme können die soziale und identifikative Integration von Zugewanderten fördern, wenn interkulturelle Begegnungen und Freundschaften entstehen, Zugänge zu sozialen
Netzwerken gefördert werden bzw. Zugewanderte sich anerkannt, wertgeschätzt und willkommen fühlen (siehe auch Schaubild 7).
Prägend für die integrationspolitische Wirksamkeit und Nachhaltigkeit niedrigschwelliger Projekte sind dabei nicht nur ihre konzeptionelle Qualität, Ressourcenausstattung und professionelle Umsetzung, sondern auch die Einbindung in kommunale Strukturen der Integrationsförderung. Ergebnisse wissenschaftlicher Studien, aber auch Erfahrungen aus der Praxis des
kommunalen Integrationsmanagements zeigen, dass das Engagement und die Mitwirkung der
Kommune, die Verknüpfung der Projekte mit den bestehenden Strukturen der Integrationsarbeit sowie die Implementierung effektiver und nachhaltiger Unterstützungsstrukturen zentrale
Gelingensbedingungen sind. Wichtige Elemente sind dabei die Begleitung, Qualifizierung und
Weiterbildung der Lotsinnen und Lotsen, die Koordination der Lotsentätigkeit nach Abschluss
der Lotsenausbildung, die Vermittlung geeigneter Einsatzstellen, der Aufbau von Vernetzungsstrukturen sowie die Anerkennung und Wertschätzung des geleisteten Engagements.
Grenzen des bürgerschaftlichen Engagements
Die Grenzen bürgerschaftlichen Engagements im Rahmen niedrigschwelliger Ansätze bzw. Instrumente zur Förderung der Integration von Zugewanderten werden allerdings nur selten thematisiert. Allerdings scheint diese Diskussion notwendig zu sein, um einer Überforderung Ehrenamtlicher entgegenzuwirken. Eine weitgehende Übereinstimmung scheint es in Bezug auf

49

Schaubild 7: Niedrigschwellige Projekte und Dimensionen der Sozialintegration von Zugewanderten
Eigene Darstellung (Gesemann 2015)

Dimension

Kulturelle Integration
(Kulturation)
Erwerb von Wissen
und Kompetenzen
Kompetenzen in der
deutschen Sprache
Kulturelles Wissen und
Handlungs­
kompetenzen

Strukturelle
Integration
(Platzierung)
Erlangung von
Positionen und Erwerb
von Rechten
Bildungs- und
Qualifikationsstatus
Arbeitsmarkt­position
Zugang zum
Wohnungsmarkt
Teilhabe an den
sozialen
Sicherungs­systemen

Soziale Integration
(Interaktion)
Soziale Beziehungen
und Transaktionen
Soziale Kontakte und
Netzwerke
Interethnische
Freundschaften und
Partnerschaften
Offenheit der
Aufnahme­gesellschaft

Identifikatorische
Integration
(Identifikation)
Emotionale und
gedankliche
Identifikationen
Identifikationen und
Zugehörigkeits­gefühle
Identifizierungs­
angebote der
Gesellschaft

Rechtlicher Status und
politische
Eingliederung
Beispiele
niedrigschwelliger
Instrumente

Leselotsen

Integrationslotsen

Integrationslotsen

Flüchtlingspaten

Lern- und Sprachpaten

Sprach- und
Kulturmittler

Flüchtlingspaten

Welcome Guides

Kulturmittler und
Toleranzlotsen

Willkommenspaten

Eltern- und
Familienbegleiter
Kulturlotsen- und
Kulturmittler
Sprachlotsen und
Sprachmittler

Bildungs- und
Gesundheitslotsen
Arbeitsmarktlotsen
Stadtteilmütter und
Stadtteilväter
Einbürgerungs-lotsen

Lotsen für
interkulturelle
Öffnung
Interkulturelle
Konfliktmittler

die Feststellung zu geben, dass freiwillig Engagierte hauptamtliche Kräfte allenfalls ergänzen,
aber nicht ersetzen können. Der Rückgriff auf Ehrenamtliche gilt dann als problematisch, wenn
er vor allem Ausdruck eines allgemeinen Mangels an qualifiziertem Personal und interkultureller Öffnung ist und Aufgaben des Regelsystems zunehmend auf Ehrenamtliche übertragen werden.
Grenzen des bürgerschaftlichen Engagements werden erreicht, wenn Aufgaben
JJbesondere

fachliche Qualifikationen und professionelle Kompetenzen erfordern;
bestimmtes Maß an Kontinuität voraussetzen;
JJein hohes Maß an Verantwortung voraussetzen;
JJeine bestimmte Schwelle an zeitlicher Intensität überschreiten;
JJeinen bestimmten Grad an Komplexität überschreiten;
JJeine unbedingte – strukturell und personell abgesicherte – Verlässlichkeit verlangen.
JJein

50

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Chancen und Grenzen niedrigschwelliger A
­ nsätze und Instrumente

Wenn diese Entwicklungen zusammenkommen, erscheint es erforderlich, ehrenamtliche Vorläuferstrukturen durch hauptamtliche Dienste abzulösen.
Verstetigung der Integrationslotsen- und Stadtteilmütterarbeit
Angesichts des anhaltenden, wenn nicht sogar zunehmenden Bedarfs und der hohen Effizienz
niedrigschwelliger Ansätze erscheint es unangemessen, Lotsen-, Paten- und Mentorenmodelle
auch künftig in Form zeitlich begrenzter Projekte umzusetzen. Um die Nachhaltigkeit dieser
Ansätze und Instrumente zu sichern, bedarf es vor allem einer angemessenen Ausstattung und
langfristigen Absicherung hauptamtlicher Koordinierungskräfte auf kommunaler Ebene, in Behörden und Einrichtungen wie Kitas, Familienzentren und Schulen, aber auch in Freiwilligenagenturen, Migrantenorganisationen, Stadtteil- und Nachbarschaftszentren.
Großstädte wie Essen oder Hannover haben besondere Anstrengungen unternommen, um die
Tätigkeit von Integrationslotsinnen und Integrationslotsen in die Regelstrukturen zu integrieren und zu verstetigen. In der Stadt Essen werden interkulturelle Begleiter und Konfliktmittler,
Elternbegleiterinnen und Stadtteilmütter als Honorarkräfte durch hauptamtliches Personal bei
kommunalen Ämtern und Fachstellen sowie freien Trägern angeleitet, begleitet und qualifiziert.
In der Landeshauptstadt Hannover sind die Stadtteilmütter bei den Familienzentren fest angestellt. Integrationslotsen werden von der Volkshochschule Hannover qualifiziert, begleitet und
vermittelt. In der Stadt Dortmund wird das Stadtteilmütter-Projekt aus kommunalen Mitteln
weitergeführt.
Mit dem Landesrahmenprogramm Integrationslotsinnen und Integrationslotsen hat das Land
Berlin den ambitionierten Versuch unternommen, die Nachhaltigkeit der Integrationslotsen­
tätigkeit durch die Finanzierung sozialversicherungspflichtiger Stellen bei freien Trägern zu
erhöhen und die Qualität des Programms durch Qualifizierungsmaßnahmen und fachliche Begleitung zu sichern. Zu den Herausforderungen gehören die Weiterentwicklung des Landesprogramms, die Ausgestaltung von Schnittstellen zu Arbeitsmarktprogrammen und zum bürgerschaftlichen Engagement, um Übergänge zu ermöglichen und Synergien zu fördern sowie
insbesondere die Schaffung von beruflichen Anschlussperspektiven für besonders motivierte
und qualifizierte Integrationslotsinnen und -lotsen.
In den Kommunen, in denen Integrationslotsen-Projekte auch künftig nur auf ehrenamtlicher
Basis durchgeführt werden können, insbesondere in Klein- und Mittelstädten sowie in ländlichen Regionen, bedarf es besonderer Anstrengungen auf kommunaler Ebene, um engagementfördernde Strukturen zu stärken und mit Projekten zur Förderung der Integration von Zugewanderten zu verknüpfen. Von besonderer Bedeutung für die integrationspolitischen Wirkungen
niedrigschwelliger Projekte ist dabei auch die Stärkung von Selbstorganisation und Vernetzung
der Lotsinnen und Lotsen. Engagementpotenziale können hier durch Programme und Fonds
wie dem Programm zur Förderung des „Ehrenamts in der Flüchtlingshilfe“ in Nordrhein-Westfalen oder Stadtteilfonds zur Teilhabe von Flüchtlingen in Bremen gestärkt und gewürdigt werden.

51

7	 Zusammenfassung
Seit Mitte des letzten Jahrzehnts erfreuen sich Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekte einer
wachsenden Beliebtheit als Instrumente einer niedrigschwelligen Integrationsbegleitung und
-förderung von Zugewanderten. In der Projektdatenbank der „Aktion zusammen wachsen“, die
Patenschafts- und Mentoringprojekte durch die Bereitstellung von Informationsmaterial, die
Förderung von Wissens- und Erfahrungsaustausch sowie Vernetzung unterstützt, sind allein
750 Projekte eingetragen. Hinzu dürften noch einmal mehrere Hundert Lotsenprojekte sowie
eine unbekannte Zahl weiterer Projekte der Integrationsbegleitung kommen. Die enorme Breite
von Zielen und Schwerpunkten dieser Projekte spiegelt sich in einer babylonisch anmutenden
Vielfalt der Bezeichnungen wider. Eine kleine Auswahl mag genügen: Bildungspaten, Dialogbegleiter, Einbürgerungslotsen, Elternmentoren, Flüchtlingspaten, Gesundheitslotsen, Integra­
tionsassistenten, Integrationslotsen, Leselotsen, Sprach- und Kulturmittler, Stadtteilmütter,
Welcome Guides, Zukunftslotsen.
Niedrigschwellige Ansätze und Instrumente im Integrationsprozess
Der Begriff Niedrigschwelligkeit bezeichnet ein Prinzip der Gestaltung sozialer Dienstleitungen,
das mittlerweile in vielen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit Anwendung findet, aber zunehmend auch zur Beschreibung von Angeboten verwandt wird, die Zugänge zum bürgerschaftlichen Engagement eröffnen sollen. Die metaphorische Anlehnung an die Beschaffenheit einer
Stufe verweist dabei auf die Erreichbarkeit bzw. Zugänglichkeit von Ermöglichungsräumen und
Unterstützungsangeboten, die von potenziellen Nutzerinnen und Nutzern in Anspruch genommen werden können, ohne dafür besondere Voraussetzungen erfüllen zu müssen. Durch eine
niedrigschwellige Ausgestaltung von Angeboten sollen auch jene Menschen erreicht werden,
die sich in besonderen Lebenslagen befinden und auf anderen – formalisierteren – Wegen nicht
oder nicht frühzeitig genug erreicht werden.
Einordnung und Typisierung niedrigschwelliger Angebote und Formate
Niedrigschwellige Angebote, die auf die Verbesserung der Integration und Teilhabe von Zugewanderten abzielen, zeichnen sich durch eine beeindruckende Vielfalt aus. Diese hängt mit der
großen Zahl kommunaler und freier Träger zusammen, aber auch mit der Förderpraxis von
Bund, Ländern und Kommunen. Zu den niedrigschwelligen Instrumenten gehört insbesondere
die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements durch die Unterstützung von interkulturellen Projekten, Initiativen und Vereinen. Es geht dabei u.a. um die lebensweltliche Nähe, das Erfahrungswissen und die intensiven Beziehungen, die das freiwillige Engagement häufig auszeichnen. Eine besondere Bedeutung wird dabei dem Einsatz von Lotsen, Mentoren und Paten
beigemessen. Die ehrenamtlichen Integrationsbegleiter/innen werden dabei vielfach erfolgreich eingesetzt, um bürgerschaftliches Engagement im Integrationsprozess zu fördern, Integration und Teilhabechancen von Zugewanderten zu verbessern, den Zugang zu Bildung, sozialen Angeboten und Diensten zu erleichtern, Kindertagesstätten und Schulen sowie die
professionellen Beratungs- und Betreuungsangebote von Kommunen und Wohlfahrtsverbänden zu unterstützen.
Der Einsatz von Lotsen, Mentoren und Paten ist zumeist ein zentrales Element von Strategien
zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements von, mit und für Zugewanderte, aber es
handelt es sich zugleich um Tätigkeitsfelder mit starken Tendenzen der Qualifizierung und Professionalisierung bis hin zur angestrebten Anerkennung eines neuen Berufsbildes für „Sprachund Integrationsmittler“. Dabei lassen sich idealtypisch vier Formate einer niedrigschwelligen

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Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Zusammenfassung

Integrationsbegleitung unterscheiden: (1) Sprach- und Kulturmittler, (2) Integrationslotsen, (3)
Stadtteilmütter sowie (4) Mentoren und Paten. Diesen verschiedenen Typen lassen sich – trotz
vieler Überschneidungen – verschiedene Funktionen zuordnen:
JJSprach-

und Kulturmittler erleichtern die Kommunikation zwischen Menschen mit unterschiedlichen sprachlichen und kulturellen Hintergründen, zumeist Zugewanderten und Fachkräften im Gesundheits- und Sozialwesen (Kommunikations- oder Übersetzungsfunktion);
JJIntegrationslotsen unterstützen Zuwanderer durch einfache Beratungstätigkeiten und Hilfestellungen im Alltag. Sie begleiten zu Ämtern und Behörden und verweisen an fachspezifische Beratungseinrichtungen (Orientierungs- und Wegweiserfunktion);
JJDie aufsuchende Arbeit von Stadtteilmüttern zielt vor allem auf die Information von schwerer erreichbaren Familien über das deutsche Bildungs- und Gesundheitssystem und die Hinführung zu professionellen Angebote ab (Aufklärungs- und Brückenbildungsfunktion);
JJMentoren und Paten begleiten und unterstützen Zugewanderte durch einen Erfahrungsund Wissenstransfer. Längerfristig angelegte Mentoring- und Patenschaftsbeziehungen basieren auf gegenseitigem Vertrauen und Wertschätzung (Motivations- und Vorbildfunktion).
Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekte auf Bundesebene, in Ländern und Kommunen
Seit etwa zehn Jahren dienen Lotsen-, Mentoren und Patenprojekte dazu, bürgerschaftliches
Engagement zur Förderung der Integration und Teilhabe von Zugewanderten vor Ort zu nutzen.
Freiwillig Engagierte werden dabei von kommunalen, kirchlichen oder freien Trägern qualifiziert, um Zugewanderte bei der sprachlichen, schulischen, beruflichen oder gesellschaftlichen
Integration zu unterstützen. Während die Förderung von Lotsenprojekten in kleinen Städten
und ländlichen Regionen zumeist projektbezogen und zeitlich befristet erfolgt, zeigen sich in
größeren Städten deutliche Tendenzen einer Verstetigung von Lotsentätigkeiten. Einige Bundesländer fördern ehrenamtliche Lotsenprojekte durch Landesprogramme insbesondere im
Rahmen von Maßnahmen zur Stärkung der kommunalen Integrationspolitik und der Bund unterstützt Paten- und Mentorenprogramme im Rahmen der „Aktion zusammen wachsen“.
JJZwei

Drittel der Kommunen mit mehr als 5.000 Einwohnern unternehmen nach eigenen Angaben besondere Anstrengungen, um die Kompetenzen von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte für die lokale Integrationspolitik zu erschließen. Allerdings zeigen sich in Bezug
auf ihre Verbreitung deutliche Unterschiede nach Gemeindegrößen sowie nach Bundesländern. Je größer die Städte, desto häufiger werden Lotsinnen und Lotsen im Rahmen der lokalen Integrationsarbeit eingesetzt. Stärker verbreitet sind sie in Ländern wie Niedersachsen
und Nordrhein-Westfalen, die Lotsenprojekte seit vielen Jahren fördern. Die Förderung erfolgt zumeist im Rahmen des bürgerschaftlichen Engagements, aber in manchen Städten
wie Essen, Hannover, Köln und Wiesbaden wird versucht, die Lotsentätigkeit mit den Regelstrukturen zu verzahnen.
JJWirksamkeit und Nachhaltigkeit von Lotsenprojekten werden gestärkt, wenn die Kommunen
in ihren integrationspolitischen Anstrengungen von den Ländern unterstützt werden. Länder
wie Hessen und Niedersachsen fördern Einsatz, Qualifizierung und Vernetzung von Integrationslotsinnen und -lotsen seit etwa einem Jahrzehnt im Rahmen von Landesprogrammen.
Nordrhein-Westfalen unterstützt Lotsenprojekte und niedrigschwellige Integrationsvorhaben im Rahmen der Förderung von Integrationsagenturen der Freien Wohlfahrtspflege und
Kommunalen Integrationszentren in Kreisen und kreisfreien Städten. Berlin ist seit vielen
Jahren darum bemüht, die Integrationslotsentätigkeit durch Maßnahmen der öffentlichen
Beschäftigungsförderung und seit 2013 durch das Landesrahmenprogramm Integrationslotsinnen und Integrationslotsen zu verstetigen.
JJDer Bund unterstützt niedrigschwellige Integrationsvorhaben wie Lotsen-, Mentoren- und
Patenprojekte im Rahmen der Projektförderung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Die „Aktion zusammen wachsen“ begleitet zudem Patenschafts- und Mentoringprojekte durch die Bereitstellung von Informationsmaterial, die Entwicklung und Verbreitung

53

von Qualitätsstandards, die Förderung von Wissens- und Erfahrungsaustausch sowie Vernetzung. Von bundesweiter Bedeutung sind zudem das „Projekt „MiMi – mit Migranten für
Migranten – Interkulturelle Gesundheit in Deutschland“, das 2003 vom Ethno-Medizinischen
Zentrum in Hannover entwickelt wurde,54 sowie das „SprInt Netzwerk – Sprach- und Integrationsmittlung in Deutschland“, das eine einheitliche Qualifizierung und Anerkennung als
Fortbildungsberuf zum Ziel hat.55
Ergebnisse und Wirkungen von Lotsenprojekten
Bislang gibt es keine übergreifende und vergleichende Forschung zu den integrationspolitischen Wirkungen von Lotsen-, Mentoren- und Patenprogrammen. Der Einsatz ehrenamtlicher
Integrationslotsinnen und -lotsen hat nach den Ergebnissen der vorliegenden Studien dazu beigetragen, die individuelle Integration von Migrantinnen und Migranten zu unterstützen, das
bürgerschaftliche Engagement von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zu stärken,
das nachbarschaftliche Miteinander und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern sowie die Weiterentwicklung und interkulturelle Öffnung der Regelstrukturen anzuregen. Folgende Ziele können demnach von den Projekten unter bestimmten Voraussetzungen erreicht werden:
Unterstützung der individuellen Integration von Migrantinnen und Migranten
JJVermittlung von Informationen, Erschließung von Potenzialen, Stärkung von Kompetenzen;
JJErleichterung der Orientierung und Integration von (Neu-) Zuwanderern;
JJAbbau individueller Schwierigkeiten von Zugewanderten im Integrationsprozess;
JJAktivierung von Migrantinnen und Migranten zu Selbsthilfe und Selbstorganisation;
JJErleichterung der Zugangs zu weiterführenden Beratungs- und Unterstützungsangeboten;
JJVerbesserung der Vertrautheit von Migrantinnen und Migranten mit den deutschen Regelinstitutionen.
Förderung des bürgerschaftlichen Engagements
JJFörderung des freiwilligen Engagements in einer Einwanderungsgesellschaft;
JJSichtbarmachung des Engagements von Menschen mit Migrationshintergrund;
JJErschließung der Potenziale von Zugewanderten für das kommunale Integrationsgeschehen;
Förderung des sozialen Miteinanders und des gesellschaftlichen Zusammenhalts
JJErmöglichung interkultureller Begegnungen;
JJFörderung sozialen Vertrauens zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund
und Prävention von Vorurteilen;
JJStärkung von Empathie und Solidarität in einer vielfältigen Gesellschaft.
Weiterentwicklung und interkulturelle Öffnung der Regelstrukturen
JJDie Zielgruppenerreichung wird durch den Einsatz muttersprachlicher Lotsinnen und Lotsen
erleichtert;
JJDie Arbeit von Integrationslotsinnen und -lotsen erleichtert die Arbeit von Institutionen, Behörden und Beratungseinrichtungen;
JJAngebote können besser an die Bedarfe der Zugewanderten angepasst werden;
JJDie Integrationslotsinnen und Integrationslotsen tragen dazu bei, die Kommunikation zwischen Institutionen und Zugewanderten zu verbessern und das gegenseitige Verständnis zu
erhöhen.

54	Zum MiMi-Projekt siehe die Veröffentlichungen von Salman/Menkhaus 2007 und Salman/Weyers 2010 sowie die Begleitstudie
zum MiMi-Gesundheitsprojekt in Hamburg (Salman 2008).
55	Informationen zum SprInt-Netzwerk bieten insbesondere die Veröffentlichungen von Junge et al. 2014, Junge/Schwarze 2014
und Otman 2014 sowie die Stellungnahme von Pohlmann/Schwarze (2014) im Integrationsausschuss des Landtags Nord­
rhein-Westfalen. Siehe auch die Studien zu Sprach- und Kulturmittlern in verschiedenen europäischen Ländern (TransKom
2007) bzw. zu Beschäftigungspotenzialen, Angebotsstrukturen und Kundenpräferenzen (Becker et al. 2010). 	

54

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Zusammenfassung

Herausforderungen und Gelingensbedingungen ehrenamtlicher Lotsenprojekte
Zu den Herausforderungen ehrenamtlicher Lotsenprojekte gehören sowohl Abgrenzung als
auch Kooperation zwischen Haupt- und Ehrenamt, Koordination und fachliche Begleitung, Qualifizierung, Vermittlung und Vernetzung, Anerkennung und Wertschätzung des ehrenamtlichen
Engagements sowie Verstetigung erfolgreicher Projekte. Ehrenamtliche Lotsinnen und Lotsen
können hauptamtliche Fachkräfte nicht ersetzen, sondern diese nur unterstützen. Daher muss
das Engagement der Lotsinnen und Lotsen einhergehen mit einer interkulturellen Öffnung der
Regeldienste. Die Begleitung und Verstetigung von Lotsen-Projekte erfordert zudem ein besonderes Engagement der Kommunen.
Zu den wesentlichen Gelingensbedingungen von Lotsenprojekten gehören das Engagement und
die Mitwirkung der Kommune, die Anbindung der Lotsenprojekte an bestehende Integrationsstrukturen, die kontinuierliche Begleitung und Unterstützung der Freiwilligen durch Hauptamtliche sowie die Implementierung effektiver und nachhaltiger Unterstützungsstrukturen. Elemente sind dabei die Qualifizierung der Integrationslotsen, die Koordinierung der Lotsentätigkeit
nach Abschluss der Lotsenausbildung, die Vermittlung geeigneter Einsatzstellen, die Vernetzung der Integrationslotsen und die Organisation von gemeinsamen Treffen sowie das Angebot
von Gesprächen, Supervision und Fortbildungen, die Förderung von Gemeinschaftsgefühl und
Vernetzung der Lotsen sowie Anerkennung und Wertschätzung für das geleistete Engagement.
Die Ergebnisse von wissenschaftlicher Begleitung und Evaluation haben die Länder Hessen und
Niedersachsen insbesondere durch eine stärkere Einbindung der Integrationslotsenprojekte in
die Programme zur Förderung der kommunalen Integrationspolitik aufgegriffen. In Hessen
wurde die Förderung von Integrationslotsinnen und -lotsen in das neue Landesprogramm „WIR
– Wegweisende Integrationsansätze Realisieren“ aufgenommen; in Niedersachsen hebt die 2015
erneuerte „Richtlinie Integrationslotsinnen und Integrationslotsen“ hervor, dass die Lotsinnen
und Lotsen ihre Tätigkeit in enger Absprache mit den kommunalen Koordinationsstellen für
Migration und Teilhabe ausüben sollen. Mit einer durchgängigen und wohl organisierten kommunalen Begleitung, Betreuung und Koordination des Ehrenamts sollen Potenziale der Freiwilligen besser genutzt, Qualität gesichert und die Fluktuation von Lotsinnen und Lotsen verringert werden.
Die Förderung von Lotsenprojekten erfolgt in einem Spannungsfeld von bürgerschaftlichem
Engagement, Qualifizierung und Tendenzen der Verdienstlichung bzw. Professionalisierung in
einer Einwanderungsgesellschaft. Anstrengungen zu einer stärkeren interkulturellen Öffnung
sozialer Dienste und Leistungen werden dabei immer wieder durch neue Zuwanderungsbewegungen herausgefordert. Damit verbunden sind Debatten über Chancen, Gelingensbedingungen und Grenzen bürgerschaftlichen Engagements, eine Verstetigung von Lotsenprojekten als
Angebote des Regelsystems sowie über Möglichkeiten und Notwendigkeiten einer Anerkennung
und Etablierung neuer Berufsfelder im Sinne einer qualitätssichernden Verberuflichung.
Grenzen des bürgerschaftlichen Engagements
Die Grenzen bürgerschaftlichen Engagements im Rahmen niedrigschwelliger Ansätze bzw. Instrumente werden nur selten thematisiert. Allerdings scheint diese Diskussion notwendig zu sein,
um einer Überforderung Ehrenamtlicher entgegenzuwirken. Eine weitgehende Übereinstimmung scheint es in Bezug auf die Feststellung zu geben, dass freiwillig Engagierte hauptamtliche Kräfte allenfalls ergänzen, aber nicht ersetzen können. Der Rückgriff auf Ehrenamtliche ist
dann problematisch, wenn er vor allem Ausdruck eines allgemeinen Mangels an qualifiziertem
Personal und interkultureller Öffnung ist und Aufgaben des Regelsystems zunehmend auf Ehrenamtliche übertragen werden.

55

Grenzen des bürgerschaftlichen Engagements werden erreicht, wenn Aufgaben
JJbesondere

fachliche Qualifikationen und professionelle Kompetenzen erfordern;
JJein bestimmtes Maß an Kontinuität voraussetzen;
JJein hohes Maß an Verantwortung voraussetzen;
JJeine bestimmte Schwelle an zeitlicher Intensität überschreiten;
JJeinen bestimmten Grad an Komplexität überschreiten;
JJeine unbedingte – strukturell und personell abgesicherte – Verlässlichkeit verlangen.
Wenn diese Entwicklungen zusammenkommen, dann erscheint es erforderlich, ehrenamtliche
Vorläuferstrukturen durch hauptamtliche Dienste und professionelle Fachkräfte abzulösen.
Das Berliner Landesrahmenprogramm Integrationslotsinnen und Integrationslotsen
Angesichts des anhaltenden Bedarfs und der hohen Effizienz niedrigschwelliger Ansätze haben
einige Großstädte besondere Anstrengungen unternommen, um die Tätigkeit von Integrationslotsinnen und Integrationslotsen in die Regelstrukturen zu integrieren und zu verstetigen. Mit
dem Landesrahmenprogramm Integrationslotsinnen und Integrationslotsen hat Berlin den ambitionierten Versuch unternommen, die Nachhaltigkeit von Integrationslotsen-Projekten durch
die Finanzierung sozialversicherungspflichtiger Stellen bei freien Trägern zu erhöhen und die
Qualität des Programms durch Qualifizierungsmaßnahmen für die Lotsinnen und Lotsen sowie
eine fachliche Begleitung durch eine Regiestelle zu sichern. Mit der Finanzierung von Flüchtlingslotsen wurde zudem auf neue Bedarfe in der Einwanderungsgesellschaft reagiert.
In Berlin ist dabei mit dem Einsatz von Maßnahmen der Beschäftigungsförderung ein Tätigkeitsfeld entstanden, in dem Migrantinnen und Migranten sich entfalten, ihre Kompetenzen
stärken und Handlungsmöglichkeiten erweitern konnten. Das Landesrahmenprogramm bietet
die Möglichkeit, die Lotsentätigkeit zu verstetigen, indem besonders bewährten und engagierten Lotsinnen und Lotsen eine – zeitlich befristete – Arbeitsmarktperspektive geboten wurde.
Die zunehmende Verdienstlichung oder sogar Verberuflichung (und die damit verbundene Professionalisierung) der Integrationslotsentätigkeit verstärkt allerdings die Herausforderung,
durch den Erwerb von Zertifikaten und die Schaffung beruflicher Einsatzmöglichkeiten nachhaltige Perspektiven vorzuhalten. Daher sollte bei der Weiterentwicklung des Landesrahmenprogramms zukünftig – im Hinblick auf die Auswahl und begleitende Qualifizierung von Lotsinnen und Lotsen – insbesondere auf die Schaffung beruflicher Anschlussmöglichkeiten, wie z.B.
einer Berufsfachschulausbildung für Sozialassistentinnen geachtet werden. Verstärkt werden
sollten auch Überlegungen zur Notwendigkeit der Anerkennung eines eigenen Fortbildungsberufs „Sprach- und Integrationsmittler“, wie sie vom SprInt-Netzwerk angestrebt und von vielen
Praktikern und Wissenschaftlern empfohlen wird.
Die Professionalisierung des Tätigkeitsfeldes (über Prozesse der Verdienstlichung und Verberuflichung) verändert die Rahmenbedingungen der Integrationslotsentätigkeit, da der Zugang
zu Fortbildungsberufen für Lotsinnen und Lotsen die Besonderheiten ihres freiwilligen Engagement (Niedrigschwelligkeit, lebensweltliche Nähe, Beziehungsintensität etc.) in Frage stellt und
das Ehrenamt in diesem Handlungsfeld insgesamt an Bedeutung verlieren könnte. Es kommt
daher darauf an, einerseits Übergänge zwischen bürgerschaftlichem Engagement, öffentlich
geförderten Beschäftigungsmaßnahmen, Fortbildungsberufen und erstem Arbeitsmarkt zu gestalten und andererseits den Eigensinn und die Motivation ehrenamtlich tätiger Lotsinnen und
Lotsen zu erhalten bzw. zu stärken. Schließlich dürfte nur ein Teil der freiwillig Engagierten ein
Interesse an einer Monetarisierung oder Verberuflichung ihrer Tätigkeit haben. In den Regeleinrichtungen dürfte es zudem kaum Beschäftigungsmöglichkeiten für niedrig qualifizierte Lotsinnen und Lotsen geben, die über Honorartätigkeiten hinausgehen. Perspektiven für eine niedrigschwellige Mittlertätigkeit könnte es aber zum Beispiel im Kontext des landesweiten Ausbaus
von Familienzentren geben. Die Qualifizierung und der Einsatz von Lotsinnen und Lotsen als

56

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Zusammenfassung

interkulturelle Elternbegleiterinnen würde zudem das Angebot von Familienzentren sinnvoll
ergänzen.
Kurzes Resümee und offene Fragen
Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekte haben sich im letzten Jahrzehnt als bedarfsgerechte,
lebensweltnahe und effektive Instrumente erwiesen, um die Potenziale von Zugewanderten zu
erschließen, Engagement und soziales Miteinander in der Einwanderungsgesellschaft zu fördern sowie die interkulturelle Öffnung der Regelstrukturen zu unterstützen.
Das Ausmaß und die Nachhaltigkeit der Wirkungen werden vor allem durch die Entstehung
vertrauensvoller persönlicher Beziehungen geprägt (wie bspw. bei Mentoring- oder auch Stadtteilmütter-Projekten). In Situationen zwischen Fachkräften und Klienten kann die Sprach- und
Kulturmittlung zumindest kurzzeitig sehr wirksam und effektiv sein, wenn sie zum Gelingen der
Kommunikation und zum gegenseitigen Verständnis beiträgt.
Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekte können eine aktive und strategisch ausgerichtete Integrationspolitik, die auf die Anerkennung, Erschließung und Förderung der Potenziale von Zugewanderten abzielt, nicht ersetzen. Sie können aber Maßnahmen zu einer gezielten und nachhaltigen Förderung von Integration und Teilhabe anregen und ergänzen. Die Förderung von
Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekten erfolgt dabei in einem Spannungsfeld, das durch bürgerschaftliches Engagement, Maßnahmen der Beschäftigungsförderung und die Entstehung
neuer Berufsfelder gekennzeichnet ist.
Hierdurch werden Fragen aufgeworfen, deren Beantwortung für die künftige Entwicklung des
Themenfeldes von zentraler Bedeutung ist:
JJWelche

Chancen bietet die Erschließung des bürgerschaftlichen Engagements im Rahmen
von Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekten? Wo liegen Grenzen und Herausforderungen?
JJWie können Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekte besser mit den Integrationsstrukturen
vor Ort verknüpft werden?
JJWelche Folgen haben Versuche der Indienstnahme des ehrenamtlichen Engagements von
Integrationsbegleiterinnen und -begleitern im Rahmen des Integrationsmanagements?
JJWelche Qualifikationen und professionelle Begleitung sind notwendig, um eine personenbezogene, in die Lebenspraxis der Adressaten hineinreichende Dienstleistung anzubieten?
JJWelche Qualifikationen und professionelle Begleitung sind notwendig, um eine aufsuchende,
in die Lebenspraxis der Adressaten hineinwirkende Dienstleistung durchführen zu können?
JJWie können Lotsenprojekte, die auf sprachliche und kulturelle Gemeinsamkeiten von Multiplikatoren und Zielgruppen abstellen, genutzt werden, um interkulturelle Begegnungen zu
fördern?
JJWie können Lotsen-, Mentoren- und Patenprogramme zu einer Weiterentwicklung und interkulturellen Öffnung der Regelstrukturen beitragen?
JJWelche Chancen und Möglichkeiten bieten die Anerkennung neuer Berufsbilder und die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams? Wie wird der Einsatz besonders qualifizierter
Fachkräfte finanziert?
Die Integration von Zugewanderten kann nur gelingen, wenn Staat und Gesellschaft zusammenwirken. Daher ist es notwendig, Schnittstellen zwischen staatlichen Einrichtungen und zivilgesellschaftlichen Initiativen zu schaffen und Synergien zu fördern. Die Anerkennung und
Wertschätzung des Engagements von Freiwilligen ist dabei ebenso wichtig, wie die Finanzierung und Honorierung von Dienstleistungen, die aus ehrenamtlichen Strukturen hervorgegangen sind. Für Lotsen und Lotsinnen, die im Rahmen von Beschäftigungsmaßnahmen gefördert
worden sind, gilt es, berufliche Anschlussperspektiven zu entwickeln, in denen sie ihre erworbenen Qualifikationen und Kompetenzen einsetzen können.

57

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Koch, Liv-Berit 2009: Evaluation des Pilotprojektes „Stadtteilmütter in Neukölln“. Abschlussbericht. Berlin: Camino – Werkstatt für Fortbildung, Praxisbegleitung und Forschung im sozialen
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Kroneder, Andreas/ Regnoux, Nalan 2014: Aufbruch oder Rückbesinnung. Evaluation dreier
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Mies-van Engelhoven, Brigitte 2012: „Sich für ein gutes Ziel engagieren“ – Freiwilliges Engagement für und von jungen Flüchtlingen ohne sicheren Aufenthaltsstatus. eNewsletter Wegweiser
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Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen 2008: Eine Möglichkeit sozialer Integration im deutschen Asyl. Ergebnisse der empirischen
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61

Muche, Claudia/ Oehme, Andreas/ Schröer, Wolfgang 2010: Niedrigschwellige Integrationsförderung. Eine explorative Studie zur Fachlichkeit niedrigschwelliger Angebote in der Jugendso­
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Schönfelder, Karen 2013: Integration – no Integration. Worüber das Streiten nicht lohnt. In:
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Senats von Berlin für Integration und Migration

62

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Literatur

Seveker, Marina/ Par, Judith/ Temborius, Sarah 2010: Integrationslotsen in Niedersachsen. Ergebnisse eines Projektes im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres, Sport und
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Tamayo, Miguel 2010: Sprach- und Integrationsmittler, Gemeindedolmetscher, Community Interpreter: Eine professionelle Strategie zum Abbau von Ungleichbehandlung. In: Migration und
Soziale Arbeit. 3/4, S. 283–289
TransKom 2007: Vergleichende Studie zu Sprach- und Kulturmittlern in verschiedenen europäischen Ländern. Abgerufen am 23.03.2015
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vhw 2015: Erlebnisse und Herausforderungen von Integrationsarbeit vor Ort. Im Interview mit
Stadtteilmüttern und Kulturdolmetschern in Mannheim und Berlin. In: vhw – Forum Wohnen
und Stadtentwicklung (FHW), 1, S. 46–48
Volkholz, Sybille 2011: Lesepaten in Berlin oder wie man Bildung zur gesellschaftlichen Aufgabe
macht. Das „Bürgernetzwerk“ Bildung in der Trägerschaft des Vereins Berliner Kaufleute und
Industrieller (VBKI). Münster: Waxmann
Weber, Jochen 2006: Integrationslotsen als innovative Form der ehrenamtlichen Arbeit mit Zugewanderten in der Stadt Osnabrück. In: Bommes, Michael/ Kolb, Holger (Hrsg.) 2006: Integrationslotsen für Stadt und Landkreis Osnabrück. Grundlagen, Evaluation und Perspektiven eines
kommunalen Modellprojekts. IMIS-Beiträge 28. Osnabrück, Institut für Migrations- und Integrationsforschung (IMIS), S. 59–65
Wießmaier, Brigitte et al. (2011): Evaluation des Projektes „Stadtteilmütter in Charlottenburg
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inib-berlin.de/inib/dokumente/bericht_stadtteilmuetter2.pdf
Wilmes, Maren 2014a: Ungenutzte Potenziale? Ehrenamtliche Lotsen in Niedersachsen. In: Sozial Extra, 6, S. 24–25
Wilmes, Maren 2014b: Stellungnahme zum Fachgespräch im Integrationsausschuss zum Thema „Integrationslotsen“. Osnabrück: Institut für Migrations- und Integrationsstudien (IMIS)

63

Anhang
Anlage 1: Befragte Expertinnen und Experten
Expertin, Experte

Funktion

Altug, Arzu

Landeshauptstadt Hannover,
Volkshochschule Hannover

Baier, Bernd

Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit
und Gleichstellung 
Referat Migration und Teilhabe

Kabis, Veronika

Integrationsbeauftragte der Stadt Saarbrücken

Khan-Zvorničanin
Meggi Koch, Liv-Berit
Schaffranke, Dorte

Camino – Werkstatt für Fortbildung, Praxisbegleitung und
Forschung im sozialen Bereich gGmbH

Lecke, Bettina

Landeshauptstadt Wiesbaden – Der Magistrat Amt für Zuwanderung und Integration

Lietz, Roman

Akademischer Mitarbeiter an der Hochschule Karlsruhe für
Wirtschaft und Technik. Promotionsvorhaben zum Thema
„Kriterien zur Umsetzung von Integrationslotsenprojekten“.

Pallokat, Claudia

Landeshauptstadt Hannover – Fachberatung für
trägerübergreifende Angelegenheiten und Programme

Ricchiuti, Maria Carroccio

Stadt Solingen
Kommunales Integrationszentrum

Rütten, Anton
Santel, Bernhard

Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes
Nordrhein-Westfalen – Abteilung Integration

Schweitzer, Helmuth

Kommunales Integrationszentrum der Stadt Essen

Schindler, Erwin

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Strunk, Burkhard

Freie und Hansestadt Hamburg – Behörde für Arbeit, Soziales,
Familie und Integration (BASFI), Amt für Arbeit und Integration

Tadus, Alicja

Diakonisches Werk Dortmund und Lünen gGmbh

Tittel, Andrea

Agentur für Arbeit, Regionaldirektion Berlin-Brandenburg,
Fachbereich Marktentwicklung
(Beauftragte für Migrationsfragen)

 
Würfel, Heike

64

Hessisches Ministerium für Soziales und Integration
Abteilung Integration

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Anhang

Themen

Telefon-Interviews, Gesprächsrunden, schriftliche Antworten

Integrationslotsinnen und -Integrationslotsen in der
Landeshauptstadt Hannover

Telefon-Interview am 08.05.2015

Integrationslotsinnen und Integrationslotsen im Land
Niedersachsen

Schriftliche Antwort vom 16.04.2015

Integrationsbegleiter-Projekte in der Landeshauptstadt
Saarbrücken

Telefon-Interview am 08.05.2015

Evaluationen von Stadtteilmütter-Projekten und des
Landesrahmenprogramms Integrationslotsinnen und
Integrationslotsen

Gesprächsrunde am 03.06.2015 in Berlin

Integrationsbegleiter-Projekte in der Landeshauptstadt
Wiesbaden

Schriftliche Antwort vom 22.05.2015

Integrationslotsen-Projekte

Telefon-Interview am 30.04.2015

Stadtteilmütter in der Landeshauptstadt Hannover

Telefon-Interview am 09.07.2015

Niedrigschwellige Projekte und Maßnahmen in der Stadt
Solingen

Schriftliche Stellungnahme vom 13.05.2015

Integrationspolitik des Landes Nordrhein-Westfalen und
Förderung niedrigschwelliger Ansätze

Gesprächsrunde im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales
des Landes Nordrhein-Westfalen am 28.05.2015 in Düsseldorf

Langjährige Erfahrungen mit verschiedenen
Integrationslotsenprojekten

Schriftliche Antwort vom 25.05.2015; Telefon-Interview am
27.05.2015

Niedrigschwellige Förderangebote des Bundesamts für
Migration und Flüchtlinge

Schriftliche Antwort vom 02.06.2015; Telefon-Interview am
03.06.2015

Integrationsbegleiter-Projekte in Hamburg

Telefon-Interview am 05.06.2015

Stadtteilmütter und Stadtteilväter in Dortmund

Telefon-Interview am 10.06.2015

Erfahrungen mit niedrigschwelligen Ansätzen und
Instrumenten in der Integrationspolitik

Schriftliche Antwort vom 03.06.2015

Integrationslotsinnen und Integrationslotsen im Land Hessen

Schriftliche Stellungnahme vom 08.05.2015

65

Anlage 2: Integrationsbegleiterinnen und -begleiter in ausgewählten Kommunen (ohne Stadtstaaten)*
Kommune

Ziele/Aufgaben und Tätigkeitsfelder
(Schwerpunkte)

Bezeichnung

Arnsberg, Stadt

JJIntegrationslotsen

JJSprachmittlungsdienste

Dortmund, Stadt

JJStadtteilmütter

JJAnlaufstellen

Düren, Kreis

(ca. 40 im
gesamten Stadtgebiet)

und Stadtteilväter in
Dortmund (in den Sozialräumen
Dorstfeld, Scharnhorst, Hörde, Eving,
Nette/Westerfilde und Nordstadt)

JJEhrenamtliche

Dolmetscher/innen
(ca. 60 Personen)

JJ

JJEhrenamtliche

Sprachpat/innen

(40 Personen)
JJ

(„Brückenbauerinnen“)
im Migrantinnen-Netzwerk gegen
häusliche Gewalt (10 Personen)

Essen, Stadt

66

(Hauptaufgabe)
JJBegleitung bei Behördengängen
JJFlüchtlingsbetreuung
JJ (in geringfügigem Umfang)

bei der Arbeitssuche
und Ansprechpartner zur
Berufsorientierung
JJInformationen über Förderlichmöglichkeiten für Kinder
JJErziehungshilfen
JJBeratungsstellen für Gesundheit und Lebensplanung
JJFreizeitangebote für Familien
JJAnsprechpartnerinnen

JJBegleitung

bei Behördengängen
(auf Anfrage von Institutionen oder
Beratungsstellen)
JJBei Bedarf auch Einsatz in der Flüchtlingsbetreuung
JJSprachmittlungsdienste

JJVermittlung

der deutschen Sprache
des Schuleinstiegs und Erhöhung des Bildungserfolgs
für neu eingewanderte Kinder (Grundschulen)

JJErleichterung

JJBeraterinnen

JJUnterstützung

JJInterkulturelle

JJUnterstützung

Sprach- und
Kulturmittler/innen (SprInt)
JJInterkulturelle Konfliktvermittler/
innen
JJ(2 Hauptamtliche Mitarbeiter,
½ Stelle Assistenzkraft,
58 Honorarkräfte)

und Begleitung von Frauen, die von häuslicher
Gewalt betroffen sind
JJBekämpfung häuslicher Gewalt Senkung der Zugangshürden zum
professionellen Hilfesystem
JJBegleitung bei Behördengängen; Sprachmittlungsdienste
JJKulturarbeit („One Billion Rising“ wird vom Netzwerk organisiert)
von Fachkräften unterschiedlicher Einrichtungen in
den Bereichen Bildung, Gesundheit und Soziales durch
qualifiziertes Übersetzen unter Berücksichtigung kulturspezifischer
Informationen
JJInterkulturelle Konfliktvermittlung – Bearbeitung mit fallbezogener,
im Tandem, durchgeführter interkultureller Mediation

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Anhang

Projektträger
Organisation / Vernetzung

Status/Finanzierung/Ehrungen

Qualifizierung durch die städtische Volkshochschule
(z.B. Kommunikationstraining, Grundkenntnisse im Zuwanderungsrecht,
Sozialrecht etc.)

Nur ehrenamtlich, Einsatz nach Bedarf bzw. Anfrage;
geringe Aufwandsentschädigung möglich (z.B. für
Telefon-/ Fahrtkosten)

Anbindung an die Koordinierungsstelle „Bürgerschaftliches Engagement“
und das „Büro für Zuwanderung und Integration“

„Ehrenamtskarte“ (finanzielle Vorteile in öffentlichen
Einrichtungen) möglich;

Regelmäßige Reflexionstreffen / Erfahrungsaustausch / Fallbesprechungen

Regelmäßige Reflexionstreffen / Erfahrungsaustausch,
Fallbesprechungen

Diakonisches Werk Dortmund und Lünen gGmbH

Zunächst Finanzierung über das „Modellprojekt
Stadtteilmütter in Nordrhein-Westfalen“ (2011 bis
2013)
Seit dem Finanzierung durch die Stadt Dortmund. Die
Stadtteilmütter und Stadtteilväter arbeiten 30 Std./
Woche in einem sozialversicherungspflichtigen
Arbeitsverhältnis.

Einzelpersonen, regelmäßige Vernetzungstreffen sind geplant
Anbindung an das Kommunale Integrationszentrum Kreis Düren

Finanzielle Aufwandsentschädigung (20 Euro pro
Einsatz) und Fahrtkostenerstattung (bei Entfernungen
von mehr als fünf Kilometern)

Regelmäßige Fortbildungen sind geplant
Arbeitskreis
Anbindung an das Kommunale Integrationszentrum Kreis Düren
(Professionelle Geschäftsführung)
Regelmäßige Fortbildungen und Vernetzungstreffen durch die Koordinatorin
des Kommunalen Integrationszentrums

Fahrtkostenerstattung (bei Entfernungen von mehr als
fünf Kilometern
Weihnachtspräsente, Weihnachtsfeier nur für die
Patinnen und Paten

Förderverein: Goldrute e.V. zur Mittelbeschaffung; fester Arbeitskreis der
Helferinnen

Finanzielle Aufwandsentschädigung nach Finanzlage
des Vereins; Koordinatorin auf 400,00 Euro-Basis.

Unabhängiger Verein, unterstützt von der Evangelischen Gemeinde zu Düren
(Professionelle Geschäftsführung im Aufbau)

Ehrenamtspreis des Kreises Düren und
Fahrtkostenerstattung;

Intensive Vorbereitungsphase mit Projektmitteln; professionelle Supervision;
regelmäßige intensive Fallbesprechungen und Arbeitskreise
Eingerichtet 2002 im Rahmen des Bundesprogramms entimon;
Weiterführung nach Projektende durch Ratsbeschluss vom Mai 2005 (zuletzt
bis zum 30.06.2015)

Honorarkräfte: Honorar von 15 bis 20 Euro pro Std.
(je nach Qualifizierungsstand) + Fahrtkosten

Angesiedelt beim Fachbereich interkulturelle Orientierung / Kommunales
Integrationszentrum der Stadt Essen/ in Kooperation mit den Diakoniewerk
Essen und dem RAA Verein NRW
Koordination der Honorarkräfte durch hauptamtliches Personal
Praxisanleitung, regelmäßige Supervision und Nachschulungen.
67

Kommune
Essen, Stadt
(Fortsetzung)

JJInterkulturelle

Begleiter/innen
(3 hauptamtliche Mitarbeiter/innen,
12 Honorarkräfte)

JJVerbesserung

JJStadtteilmütter

JJInterkulturelle

JJElternbegleiterinnen

JJStärkung

JJIntegrationslotsen

JJUnterstützung

im Elementarbereich
zur Sprachförderung in der Familie
und zur Förderung der Erstsprache
als Basis für den
Zweitsprachenerwerb Deutsch
(29 Personen)

im Programm
„Rucksack in der Grundschule –
dialogorientierte Elternbildung“

im Rahmen des
Projektes „Integration von
bulgarischen und rumänischen
Zugewanderten in den Arbeitsmarkt“

Groß-Gerau, Kreis

Ziele/Aufgaben und Tätigkeitsfelder
(Schwerpunkte)

Bezeichnung

JJAusbildungspaten

in Kelsterbach

(8 Personen)
JJIntegrationslotsen

in Groß-Gerau

der Integration von Menschen mit libanesicher
Zuwanderungsgeschichte

Sprachförderung und Elternbildung im
Elementarbereich
JJInterkulturelle Öffnung der Kindertages- und
Familienbildungsstätten

des Eigenpotenziale der Familien und Schaffung eines
lernfördernden Umfeldes für die Kinder zu Hause sowie
Vermittlung von Struktur und Erwartungen des deutschen
Schulsystems

der Integration von bulgarischen und rumänischen
Zugewanderten in den Arbeitsmarkt

JJÜbergang

Schule-Beruf: Begleitung und Unterstützung von Jugendlichen während der Schulzeit und beim Übergang in das
Berufsleben

JJÜbergang

Schule/Beruf;
Weiterbildung für Erwachsene
JJMitarbeit in Projekten, bei Seminaren und interkulturellen
Trainings
JJDeutschsprachkurse in Kleinstgruppen
JJBegleitung und Übersetzung bei Behördengängen
JJNachqualifizierung/

JJElternbegleiter/innen

in Raunheim

(Projekt „frühstart“)
JJElternlotsen

68

in Kelsterbach

JJInterkulturelle

Bildung im Kindergarten; Unterstützungsangebote
für Eltern mit geringen bis keinen Deutschkenntnissen

JJFamilien-

und Erziehungsberatung; Kindergarten und Schule

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Anhang

Projektträger
Organisation / Vernetzung

Status/Finanzierung/Ehrungen

Die Interkulturellen Begleiter/innen sind als Honorarkräfte beim Jugendamt
Essen, Fachgruppe Integrationsmanagement, angesiedelt und bilden mit den
hauptamtlichen Kräften eine feste Supervisionsgruppe.

Honorarkräfte: Honorar von 14 Euro pro Std.
(einschließlich Fahrtkosten)

1999 bis 2002: Modellförderung als „Rucksack-Programm“ des Landes
Nordrhein-Westfalen und des Arbeitsamts Essen in Trägerschaft der RAA/
Büro für interkulturelle Arbeit Essen

Die Stadtteilmütter sind als Honorarkräfte der
Familienbildung tätig.

2002: Beschluss des Rates der Stadt Essen zur Weiterführung als Programm
„Interkulturelle Elternbildung und Sprachförderung im Elementarbereich“.
2011: Überleitung der Steuerungsverantwortung an das Jugendamt.
Die Anleitung und Qualifizierung der Stadtteilmütter erfolgt durch die AWO
Familienbildungsstätte und die Kath. Familienbildungsstätte Essen.

Stadtteilmütter treffen sich je nach Erfahrung
wöchentlich oder 14-tägig zur Anleitung der
Müttergruppen in den jeweiligen
Familienbildungsstätten.
Die von den Stadtteilmüttern betreuten
Müttergruppen treffen sich für 2 Std. in den jeweiligen
Kindertageseinrichtungen.
Für eine Müttergruppe werden 66 Euro gezahlt: 2 Std.
Müttergruppe, 2 Std. Anleitung, 2 Std. Vorbereitung

7 Elternbegleiterinnen in 6 Grundschulen
Die zweisprachigen Elternbegleiterinnen werden qualifiziert und leiten eine
wöchentliche Müttergruppe an den Schulen. Ziel ist die Eltern in
unter-schiedlichen Bereichen des Familienlebens zu unterstützen und die
schulische Entwicklung der Kinder zu fördern.

Finanzierung über die Präventionsoffensive des
Jugendamtes der Stadt Essen.
Die Elternbegleiterinnen erhalten einen Honorarsatz
von 11,00 Euro für die Anleitung, die Durchführung
der Gruppe und die Vorbereitung (2 Std. pro Gruppe).

1,2 Hauptamtliche für Koordination und Integration in den Arbeitsmarkt
10 ehrenamtliche Kräfte

Kleeblatt Kelsterbach e.V. und Integrierte Gesamtschule Kelsterbach

Ehrenamtlich

Internationaler Bund

Keine Angaben

Jugendmigrationsdienst

Stadt Raunheim, Fachdienstleistung Erziehung, Betreuung, Jugend, Bildung

Finanzielle Aufwandsentschädigung in Höhe von 5
EUR pro Einsatz; Fahrtkosten (bei Ausflügen);
Übernahme von Materialkosten

Stadt Kelsterbach, Projekt Kelsterbach-Familienstadt

Ehrenamtlich

69

Kommune
Groß-Gerau, Kreis
(Fortsetzung)

JJNetzwerk

Integrationslotsinnen und
Integrationslotsen Rüsselsheim
(ca. 30 Personen)

JJSprachförderung

JJIntegrationslotsen

JJBegleitung

„Soforthilfe
Empfangskultur“ in Biebesheim
(3 Personen)

Hamm, Stadt

Ziele/Aufgaben und Tätigkeitsfelder
(Schwerpunkte)

Bezeichnung

JJIntegrationslotsen

(70 Personen)

und Alltagsintegration

neu ankommender Flüchtlinge und Förderung des
Zugangs zu den lokalen kulturellen und sozialen Strukturen

JJBegleitung

bei Behördengängen

JJSprachmittlungsdienste
JJKulturarbeit

– Interkulturelle Veranstaltungen
/ Altenhilfe

JJSeniorenarbeit

JJBesuchs-

und Begleitdienst für
Senioren mit Migrationshintergrund
(25 Personen)

JJBegleitung

bei Behördengängen

JJSprachmittlungsdienste
JJKulturarbeit

– Interkulturelle Veranstaltungen
/ Altenhilfe

JJSeniorenarbeit

JJMIMI-Multiplikatoren

Hannover,
Landeshauptstadt

JJIntegrationslotsen

(29 Personen)

(ca. 40 Personen)

JJInfoveranstaltungen

zu Gesundheitsthemen (zum deutschen
Gesundheitssystem sowie zu weiteren Themen der
Gesundheitsförderung und Prävention)

JJBegleitung

bei Behördengängen

JJHausaufgabenhilfe
JJSprachmittlungsdienste
JJFlüchtlingsbetreuung
JJKulturarbeit

– Interkulturelle Veranstaltungen
/ Altenhilfe

JJSeniorenarbeit

70

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Anhang

Projektträger
Organisation / Vernetzung
Magistrat der Stadt Rüsselsheim,
Büro der Frauenbeauftragten/ Integrationsaufgaben
Das Projekt wird im Verbund zwischen Stadt Rüsselsheim, Frauen- und
Integrationsbeauftragte, Frauenzentrum Rüsselsheim e.V. und
Kinderschutzbund unter enger Kooperation mit der Volkshochschule der
Stadt Rüsselsheim und INBAS-Sozialforschung durchgeführt.

Status/Finanzierung/Ehrungen
Finanzielle Aufwandsentschädigung in Höhe von 8 bis
10 Euro / Std.; Übernahme der Fahrtkosten und
Eintritt in Veranstaltungen

Die Qualifizierung der Integrationslotsinnen und -lotsen erfolgt durch die
Stadt Rüsselsheim (48 Unterrichtseinheiten)
Gemeinde Biebesheim und Sozialagentur Fortuna

Finanzielle Aufwandsentschädigung in Höhe von 8 bis
10 Euro / Std.; Übernahme der Fahrtkosten und
Eintritt in Veranstaltungen

Koordination: Amt für Soziale Integration der Stadt Hamm (Maßnahme im
Rahmen des Leitprojektes Sprach- und Integrationsförderung Hamm)

Fahrtkostenerstattung

Quartiersnahe Dezentralisierung (DRK-Treffpunkte, Stadtteilbüros)
Regelmäßiger Erfahrungsaustausch
Bedarfsgerechte Schulungsangebote
(1 x jährlich)
Maßnahme im Rahmen des Leitprojektes Sprach- und Integrationsförderung
Hamm

Keine

Regelmäßiger Erfahrungsaustausch; bedarfsgerechte Schulungsangebote
(1 x jährlich)
Fester Ansprechpartner
Gesundheitsprojekt in Kooperation mit dem Ethno-Medizinischen Zentrum
e.V. in Hannover

Honorar

Regelmäßiger Erfahrungsaustausch; fester Ansprechpartner
Einsatz, Begleitung und Beratung erfolgen durch eine Koordinatorin der
Volkshochschule Hannover

5 Euro pro Einsatz (im Sinne einer
Fahrtkostenerstattung)

Einsatz nur über Anfrage von offiziellen Stellen, die die Lotsen fachlich
anleiten.

Empfang beim Oberbürgermeister der
Landeshauptstadt Hannover

Regelmäßiger Erfahrungsaustausch (z.B. monatliche Treffen im Plenum),
Qualifizierungen und kollegiale Beratungen

Abschlussfeier zur Qualifizierung im Rathaus,
Jahresabschlussfeier

71

Kommune

Ziele/Aufgaben und Tätigkeitsfelder
(Schwerpunkte)

Bezeichnung

Hannover,
Landeshauptstadt
(Fortsetzung)

JJStadtteilmütter

(23 Personen)

Herten, Stadt

JJIntegrationshelferinnen

im
Quartierbüro Herten-Süd/
Ein Quadratkilometer Bildung
(4 Personen)

Die Stadtteilmütter sind ein muttersprachliches, semiprofessionelles
Bindeglied zwischen (migrantischer) Elternschaft und
stadt­orientierten Familienzentren. Sie sollen die Eltern über die
Angebote und Leistungen der Einrichtungen informieren und Familien
zur Teilnahme an Angeboten bzw. zum Besuch der Kinder in der Kita
motivieren.

JJBegleitung

bei Behördengängen

JJHausaufgabenhilfe
JJSprachmittlungsdienste
JJKulturarbeit

– Interkulturelle Veranstaltungen
/ Altenhilfe
JJElternarbeit/Elterncafé
JJRucksack Kita / Griffbereit
JJBau- und Experimentegruppen/ Freizeitangebote für Kinder
JJSeniorenarbeit

JJIntegrationshelferinnen

(10 Personen)

Jena, Stadt

Ehrenamtliches Engagement für

JJBegleitung

bei Behördengängen
JJSprachmittlungsdienste
JJKulturarbeit – Interkulturelle Veranstaltungen

JJBegleitung

und Unterstützung von Flüchtlingen

Flüchtlinge
JJBegleitung

bei
Behördengängen
JJHausaufgabenhilfe
JJSprachlotsen für Flüchtlinge
JJFlüchtlingspaten
JJFreundeskreis, Stadtspaziergänge
JJSprachlotsen
Jugendmigrationsdienst
Spätaussiedler und jüdische
Zuwanderer
JJDemenzbegleiter

(3 Personen)

Gesamte Wohnbevölkerung
JJEuropäische

Freiwillige
(12 Personen)

72

JJEhrenamtliches

Engagement in Vereinen
JJSeniorenarbeit / Altenhilfe
JJ1 Schlüsselperson im Stadtteilbüro Programmgebiet Soziale Stadt
JJJugendarbeit

und Kulturarbeit

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Anhang

Projektträger
Organisation / Vernetzung
Die Stadtteilmütter werden von der Volkshochschule Hannover geschult.
Bevorzugt werden bereits qualifizierte Elternbegleiterinnen aus dem
Programm „Rucksackmütter“ zu Stadtteilmüttern weitergeschult. Die
Qualifizierung umfasst
42 Std. in neun Modulen.

Status/Finanzierung/Ehrungen
Die Stadtteilmütter sind bei den Familienzentren der
Landeshauptstadt Hannover und den freien Trägern
angestellt. Die Stadtteilmütter arbeiten in der Regel
neun Wochenstunden.
Bezahlung analog TVÖD

Die Stadtteilmütter sind an den Familienzentren angekoppelt. Fachliche
Begleitung durch den Fachbereich Jugend und Familie der Landeshauptstadt
Hannover.
Begleitung und Reflexion in den Familienzentren; regelmäßige Treffen mit
der Fachberatung für trägerübergreifende Angebote.
Hertener Bürgerstiftung, Einsatz in Herten-Süd

Geringfügige Beschäftigung

Fortbildungen, Anleitung, Teamsitzungen

Kleine feierliche Veranstaltungen oder Ausflüge (z.B.
zum Jahresausklang)

Schulung vor Einsatz durch das Haus der Kulturen bzw. Schulungsreihe für
den Einsatz in Griffbereit/Rucksack
Fortbildungen zu projekt- und einsatzrelevanten Themen

Koordination durch das Integrationsbüro der Stadt Herten
Integrationshelferinnen werden vom Integrationsbüro beraten und
qualifiziert

Finanzielle Aufwandsentschädigung in besonderen
Fällen

Einsatz in Abstimmung mit dem Integrationsbüro
Regelmäßige Treffen und Fortbildungsangebote
Größter Träger: Wohlfahrtsverband, städtisch geförderte (Integrations-)
Vereine, außerdem Bürgerstiftung (jedoch wenig akzeptiert von Vereinen der
Migrationsarbeit)
Parallelstrukturen aufgrund der vielfältigen Trägerlandschaft
„Sprachlotsen“: Verschiedene Konstrukte: teils durch Kommune selbst, teils
durch freie Träger koordinierte Ehrenamtler (Probleme mit
Parallelstrukturen)

Ehrenamtliches Engagement
Ehrenamtsveranstaltung mit dem Oberbürgermeister
(1 x jährlich)
z. T. Erfahrungsaustausch und Schulungen
(Best-Praxis-Beispiel Flüchtlingspaten)
z. T. Honorar (je nach Einsatz bis zu 15 Euro)

Flüchtlingspaten: freier Träger, Schulung finanziert
Die Initiative ging vom Jenaer Integrationsbündnis aus.

Ehrenamtliches Engagement

Ausbildung und Koordination durch freien Träger.
Koordination über freien Träger

73

Kommune
Leipzig, Stadt

JJIntegrationslotsen

(geschätzt: 450 Personen)

Mettmann, Kreis

Münster, Stadt

74

Ziele/Aufgaben und Tätigkeitsfelder
(Schwerpunkte)

Bezeichnung

JJIntegrations-

und Familienlotsen
(ca. 60 Personen)

JJBegleitung

bei Behördengängen
JJHausaufgabenhilfe
JJSprachmittlungsdienste
JJFlüchtlingsbetreuung
JJJugendarbeit
JJBegleitung

bei Behördengängen

JJSprachmittlungsdienste

JJIntegrationslotsen

JJBegleitung

(geschätzt: 250 Personen)
JJKulturdolmetscher
(40 ausgebildete Personen)
JJFlüchtlingspaten-Projekt
„Schlauberger“

JJHausaufgabenhilfe

bei Behördengängen

JJSprachmittlungsdienste
JJFlüchtlingsbetreuung
JJJugendarbeit
JJSeniorenarbeit/Altenhilfe

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Anhang

Projektträger
Organisation / Vernetzung
Anbindung an Vereine und Religionsgemeinschaften

Status/Finanzierung/Ehrungen
z. T. Ehrenamtsförderung (40 Euro/ Monat bei mind. 20
Std. Tätigkeit pro Monat)

Anbindung an den Caritasverband

Entschädigung (10 Euro pro Std. zzgl., Fahrtkosten)

Ausbildung durch den Träger

Urkunde nach Abschluss der Ausbildungsphase

Es besteht ein Rahmenvertrag zwischen dem Träger und dem Kreis
Mettmann, der die Bedingungen regelt.
Integrationshelferinnen und -helfer gibt es in Münster in vielen
Organisationsformen; sie sind zumeist angebunden an eine Vielzahl sozialer
Organisationen und in Einzelfällen auch Betriebe.
Sprachmittlungsdienste: Freiwilligenagentur, Ehrenamtspool für den
Bildungsbereich, verschiedene Träger

Die Regelungen zu Qualifizierung,
Erfahrungsaustausch und Unterstützung sowie zu
Aufwandsentschädigung, Honorar oder
Kostenerstattung sind sehr unterschiedlich.

Flüchtlingsbetreuung: Ehrenamt organisiert über die Stadt in den
Einrichtungen, Ehrenamt der Kirchengemeinden, in Verbänden,
Nichtregierungsorganisationen, organisierte Nachbarschaften
Stadtteilarbeit/ Quartiersmanagement: Träger der Wohlfahrtspflege,
Nichtregierungsorganisationen, Kirchengemeinden, verschiedene Vereine
Kulturarbeit/ Interkulturelle Veranstaltungen:
Migrantenselbstorganisationen, Stadteilorganisationen, Arbeiterwohlfahrt,
Kirchengemeinden
Jugendarbeit: Bundesprogramm Bildung und Teilhabe,
Migrantenselbstorganisationen
Seniorenarbeit/Altenhilfe: Seniorenvertretung, Seniorenrat, verschiedene
Kirchengemeinden
Flüchtlingshilfe: GGUA Flüchtlingshilfe (Gemeinnützige Gesellschaft zur
Unterstützung Asylsuchender e.V.

75

Kommune
Nürnberg, Stadt

Ziele/Aufgaben und Tätigkeitsfelder
(Schwerpunkte)

Bezeichnung
JJIntegrationshelfer/innen
JJElternlots/innen

für schulische
Bildung
JJFamilienpatenschaften
u. v. m. (siehe nächste Spalte)

Hausaufgabenhilfe
JJNEST

– Nürnberger Elternbüro Schulerfolg und Teilhabe – Elternlots/innen für schulische Bildung
JJHausaufgabenbetreuung in Horten in Kooperation mit dem
Zentrum Aktiver Bürger, Programm Lesefreude im Rahmen von
SpiKi (sprachliche Bildung in Kindertagesstätten)
JJProjekt frühstart (Qualitätsoffensive in Kitas) der Hertie-Stiftung
Stadtteilarbeit/ Quartiersmanagement
JJFamilienpatenschaften
JJ„Große

(Hilfe für bedürftige Familien mit Kindern)
für Kleine in Kitas“

Kulturarbeit/ Interkulturelle Veranstaltungen
JJProjekt

„Kulturfreunde“ des Sozialreferats in Zusammenarbeit mit
dem Zentrum Aktiver Bürger

Jugendarbeit
JJDiverse

Aktionen in Jugendtreffs und Kinder- und Jugendhäusern
zwischen Studierenden und Schüler/innen
(Rock Your Life)

JJCoaching-Beziehungen

Osnabrück,
Landkreis

JJIntegrationslotsen

(ca. 23 Personen
in den kreisangehörigen Städten
Melle und Dissen)

JJBegleitung

bei Behördengängen

JJHausaufgabenhilfe
JJSprachmittlungsdienste
JJFlüchtlingsbetreuung
JJStadtteilarbeit/Quartiersmanagement
JJJugendarbeit
JJ Seniorenarbeit/Altenhilfe

Osnabrück, Stadt

JJIntegrationslotsen

(ca. 80 Personen)

Osnabrück (ILOS)

JJBegleitung

bei Behördengängen

JJHausaufgabenhilfe
JJSprachmittlungsdienste
JJFlüchtlingsbetreuung
JJStadtteilarbeit/Quartiersmanagement
JJJugendarbeit
JJ Seniorenarbeit/Altenhilfe

76

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Anhang

Projektträger
Organisation / Vernetzung

Status/Finanzierung/Ehrungen

Verschiedene Träger und Kooperationspartner: Stadt Nürnberg, Jugendamt,
Sozialamt, Institut für Soziale und Kulturelle Arbeit, Institut für Pädagogik
und Schulpsychologie, Zentrum Aktiver Bürger, Stiftungen

Keine Angaben

Melle: Gruppe mit Anbindung an das Familienservicebüro

Ehrenamtliches Engagement

Dissen: eingetragener Verein
Regelmäßiger Erfahrungsaustausch in Melle, Treffen der Vereinsmitglieder in
Dissen

Die Integrationslotsen Osnabrück (ILOS) sind ein Zusammenschluss
engagierter Bürger mit und ohne eigenen Migrationshintergrund, die sich in
Interaktion und als Ergänzung der kommunalen Integrationspolitik auf
vielfältige Weise für Integrationsbelange in der Stadt Osnabrück engagieren.

Die ILOS üben ihre Aktivitäten grundsätzlich
ehrenamtlich aus und erhalten kein Gehalt oder
Honorar. Sie sollen professionelle Fachkräfte der
Integrationsarbeit nicht ersetzen.

Die ILOS sind in einem Netzwerk organisiert, das sich monatlich zum
Erfahrungsaustausch trifft. Einige langjährige ILOS bilden die
Steuerungsgruppe, die für die inneren Angelegenheiten des Netzwerkes der
Integrationslotsen in Osnabrück zuständig ist und dessen inhaltliche
Entwicklung im Auge behält. Die Steuerungsgruppe diskutiert regelmäßig
neue Projektideen und bündelt Vorschläge zur strategischen
Weiterentwicklung des Netzwerkes.

Auf Antrag ist eine Erstattung von Sachkosten
möglich, die den ILOS im unmittelbaren
Zusammenhang mit einem Einsatz entstanden sind,
beispielsweise Telefonkosten, ÖPNV-Tickets für
betreute Migranten, kleinere Sonderausgaben.

Die Koordinierungsstelle begleitet die Arbeit der ILOS organisatorisch und
fachlich, lädt regelmäßig zu Netzwerktreffen ein und moderiert diese
Besprechungen. Sie betreibt Öffentlichkeitsarbeit, begleitet die Durchführung
von Projekten und ist Ansprechpartner für neue Integrationslotsen.
Außerdem leitet die Koordinierungsstelle Anfragen von Bürgern oder
Einrichtungen an das Netzwerk der Integrationslotsen weiter, wenn konkrete
Hilfe gesucht wird.

Besonders engagierte ILOS werden für den jährlichen
Empfang der Niedersächsischen Landesregierung für
ehrenamtliche Integrationslotsen in Hannover
vorgeschlagen.

77

Kommune

Ziele/Aufgaben und Tätigkeitsfelder
(Schwerpunkte)

Bezeichnung

Saarbrücken,
Landeshauptstadt

JJPatenschaften

für Flüchtlinge im
Rahmen des Ehrenamtsnetzwerks
ANKOMMEN
JJKulturmittlerinnen und Kulturmittler
(15 Personen)
JJBrückenbauerinnen und
Brückenbauer (6 bis 7 Personen)
JJSprachmittlerinnen und
Sprachmittler (mit Zertifikat),
(30 bis 40 Personen)

JJBegleitung

Solingen, Stadt

JJInterkulturelle

Ziel des Projekts war es, Menschen mit Migrationshintergrund den
Zugang zu bestehenden Angebote und Maßnahmen der
Arbeitsmarktförderung zu erleichtern sowie auch
Migranten­selbstorganisationen in bestehende Netzwerke
einzubinden. Das Projekt wurde in der Stadt Solingen im Jahr 2014
durchgeführt.

JJInterkulturelle

Ziel des Projekts ist, Migrantinnen und Migranten bei der
Anerkennung ausländischer Bildungs- und Berufsabschlüsse durch
den Einsatz ehrenamtlicher zweisprachiger Begleiterinnen und
Begleitern aus Migrantenorganisationen/-communities zu
unterstützen.

JJMentoring-Projekt

Mit dem Projekt sollen junge Frauen auf den Weg zur beruflichen
Orientierung durch berufserfahrene Mentorinnen zu unterstützt und
begleitet werden.

JJMobiler

Der Dienst soll die Kommunikation zwischen städtischen und
öffentlichen Einrichtungen und fremdsprachigen Bürgerinnen und
Bürger erleichtern und damit für einen reibungsloseren und
effektiveren Ablauf sorgen.

Arbeitsmarktlotsen
aus Migrantenselbstorganisationen
in Nordrhein-Westfalen (IQ NRW
Modellprojekt), Laufzeit 2013–2014.

Öffnung und
Kompetenzentwicklung von
Migrantenorganisationen zur
Durchführung niedrigschwelliger
Anerkennungsbegleitung in
Nordrhein-Westfalen (IQ NRW
Teilprojekt. Das Projekt soll bis 2018
laufen; im Jahr 2015 ist eine
Qualifizierungsphase geplant.

Übersetzungsdienst der
Stadtverwaltung Solingen

und Unterstützung von Flüchtlingen
JJQualifizierung von Brückenbauerinnen und Brückenbauern im Rahmen des IQ Netzwerks über Beschäftigungsmaßnahmen (Projekt
beendet)
JJEinsatz der Kulturmittlerinnen und Kulturmittler auf Anforderung
von Behörden zur Kontaktaufnahme mit Migranten

Es sind über 40 Sprachen vertreten und über 100 Mitarbeiter und
Mitarbeiterinnen.
JJProjekt

„Voneinander lernen – Miteinander
leben“ (Stadtteilfrauen)

78

Das Projekt wurde vom Internationalen Frauenzentrum (IFZ) 2009
initiiert. Ziel ist es, Frauen verschiedener Herkunft zu motivieren und
zu qualifizieren, so dass diese eine aktive Rolle im Stadtteil
übernehmen können. Sie sollen andere Frauen, die aufgrund von
Sprachbarrieren oder aufgrund ihrer persönlichen Situation Hilfe oder
Begleitung brauchen, unterstützen.

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Anhang

Projektträger
Organisation / Vernetzung
Ehrenamtliche: Qualifizierung der Ehrenamtlichen in Schulungsreihen
Kulturmittlerinnen und Kulturmittler: Schulung durch das
Zuwanderungs- und Integrationsbüro
Sprachmittlerinnen und Sprachmittler: Der Zertifikatslehrgang
„Sprachmittler/in“ (IHK) umfasst 200 Stunden und vermittelt sowohl
Dolmetschertechniken und Kommunikationstraining als auch Wissen über
Behörden und Institutionen. Der Lehrgang wird seit 2006 unter Federführung
des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes durchgeführt.

Status/Finanzierung/Ehrungen
JJEhrenamtliches

Engagement
JJVergütung des Einsatzes durch
Honorare
JJEinsatz der Sprachmittlerinnen und Sprachmittler
gegen Honorar

Das Förderprogramm IQ NRW ist Teil des bundesweiten Netzwerkes
„Integration durch Qualifizierung“ (IQ), das Menschen mit
Migrationshintergrund den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern soll.

MOZAIK gGmbH

Das Förderprogramm IQ NRW ist Teil des bundesweiten Netzwerkes
„Integration durch Qualifizierung“ (IQ), das Menschen mit
Migrationshintergrund den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern soll.

MOZAIK gGmbH

Das Projekt wurde zuerst vom Zentrum Frau in Beruf und Technik in
mehreren Städten durchgeführt. Die örtliche Regionale Arbeitsstelle zur
Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA) war
jeweils Kooperationspartner. Nach dem Ende der Förderung durch das Land,
wird das Projekt in eigener Regie von der Stadt Solingen weitergeführt.

Stadt Solingen, Kommunales Integrationszentrum

Der Service ist beim Stadtdienst Integration verortet und kann bei Bedarf
formlos und in der Regel auch kostenlos durch die Dienste angefragt werden.

Stadt Solingen, Stadtdienst Integration

Die Übersetzungskräfte verfügen in der Regel über gute Sprachkenntnisse,
sind jedoch meist keine ausgebildeten, anerkannten Übersetzer. Für ihren
Einsatz erhalten die Übersetzungskräfte eine kleine Aufwandsentschädigung.
Internationales Frauenzentrum e.V. Solingen

Gefördert vom Ministerium für Arbeit. Integration und
Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen

79

Kommune
Wiesbaden,
Landeshauptstadt

Bezeichnung
JJIntegrationsassistenten

(60 Personen)
JJ

JJWiesbadener

Bildungs- und
Gesundheitslotsen (8 Personen)

Ziele/Aufgaben und Tätigkeitsfelder
(Schwerpunkte)
Die Integrationsassistent/innen unterstützen die Fachkräfte in
Behörden, Institutionen und Einrichtungen bei kulturellen
Missverständnissen oder Unklarheiten. Kommunikationsbarrieren
können durch den Einsatz der Integrationsassistenten/innen
überwunden, Missverständnisse vermieden und kulturspezifische
Fragestellungen geklärt werden. Ängste und Unsicherheiten der
Migrantinnen und Migranten im Umgang mit öffentlichen
Einrichtungen werden abgebaut und eine größere Akzeptanz der
Behörde erreicht.
Die Bildungs- und Gesundheitslotsen bieten niedrigschwellige,
muttersprachige und kultursensible Informationsveranstaltungen an,
um Migrantinnen und Migranten mit geringen oder unzureichenden
Sprachkenntnissen für Angebote in den Bereichen Bildungen und
Gesundheit zu erreichen, ihnen notwendige Informationen zu geben
und Zugänge zu bestehenden Angeboten aufzuzeigen.

*Anmerkung: Das Schaubild erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern versucht die Situation in ausgewählten Städten, Gemeinden und Landkreisen exemplarisch
darzustellen.
Quelle: Umfrage des Kommunalen Qualitätszirkels zur Integrationspolitik, 2014; eigene Recherchen, 2015.
Stand: September 2015 (Frank Gesemann)

80

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Anhang

Projektträger
Organisation / Vernetzung
Die Integrationsassistent/innen verfügen über sehr gute Deutschkenntnisse
in Wort und Schrift, sehr gute Fremd- bzw. Muttersprachenkenntnisse,
Kenntnisse über die eigene und die deutsche Kultur sowie ausgeprägte
soziale Kompetenzen und fachliches Hintergrundwissen.

Status/Finanzierung/Ehrungen
Die Integrationsassistent/innen erhalten 10 Euro pro
Einsatzstunde als Aufwandsentschädigung. Es werden
zudem umfangreiche Schulungen, regelmäßige
Fortbildung und Supervision angeboten.

Das Projekt „Integrationsassistenten Wiesbaden“ wurde von 2010 bis 2013
im Rahmen des Landesprogramms „Modellregionen Integration“ unter der
Trägerschaft des Caritasverbandes Wiesbaden-Rheingau-Taunus e.V.
durchgeführt. Im Januar 2014 hat der interkulturelle Migrantinnenverein
MigraMundi e.V. die Trägerschaft übernommen.
Förderung des Projekts durch die Landeshauptstadt Wiesbaden und das Land
Hessen

Ehrenamtliche Tätigkeit

Qualifizierung der Bildungs- und Gesundheitslotsen (inhaltliche Schulungen,
Methodentraining, Vermittlung von Sicherheit bei Auftritten in
Veranstaltungen)

81

Anlage 3: Lotsen-, Mentoren- und Patenprogramme in den Bundesländern
Bundesland /
Förderprogramm
Baden-Württemberg

Berlin

Bezeichnung
Verwaltungsvorschrift des Ministeriums
für Integration über die Gewährung von
Zuwendungen zur Förderung der
gesellschaftlichen Teilhabe und Integration
(12. August 2013).
Landesrahmenprogramm
Integrationslotsinnen und -lotsen
(seit 1. Oktober 2013)

Ziele und Maßnahmen
Förderprogramm zur Unterstützung der kommunalen
Integrationsarbeit.
Gefördert werden u.a. die Gewinnung und Qualifizierung von
ehrenamtlich Tätigen (z. B. als Bildungs- oder Elternlotsen,
Elternmentoren, Quartiersmütter, Elternvertreter) sowie die
Auslagenerstattung für ihre Tätigkeit.
Finanzierung von 94 Integrationslotsen bei freien Trägern (Stand:
September 2015). Gefördert werden Wegweiserlotsen in
Beratungsstellen, Lotsinnen und Lotsen für geflüchtete Menschen
sowie Stadtteilmütter in den Berliner Bezirken.
Es handelt sich um sozialversicherungspflichtig beschäftigte Kräfte,
die nach Tarif entlohnt werden.
Das Landesrahmenprogramm wird von einer Regiestelle im Auftrag
der Beauftragten des Senats für Integration und Migration umgesetzt.
Die Umsetzung erfolgt in Abstimmung mit Trägern, Bezirken,
Senatsverwaltungen und JobCentern).
Die Regiestelle ist für Beratung, Betreuung und Netzwerkaktivitäten
verantwortlich. Darüber hinaus werden Supervision und Coaching
angeboten.

Bremen

Stadtteilmütter und Stadtteilväter im
Bremer Westen

Eltern aus den Stadtteilen im
Bremer Westen werden zu Stadtteilmüttern und -vätern qualifiziert.
Anschließend suchen sie Familien auf, um ihr Wissen weiterzugeben.
Ziel des Projektes ist es, die Bildungs- und Entwicklungschancen von
Kindern zu verbessern. Das Projekt richtet sich insbesondere an
benachteiligte Familien mit aber auch ohne Migrationshintergrund.

Hamburg

Gesprächsgruppenleitung im Projekt
„Dialog in Deutsch“ in den Hamburger
Bücherhallen

In den Gesprächsrunden können Zuwanderer in lockerer Atmosphäre
ihre Deutschkenntnisse anwenden und vertiefen. Die
Gesprächsrunden ermöglichen zudem den Austausch von
Erfahrungen und das Knüpfen neuer Kontakte.
Die Gesprächsrunden werden von geschulten Ehrenamtlichen
moderiert und geleitet.
Ende 2014 gab es wöchentlich 74 Gesprächsgruppen in allen 33
Bücherhallen, die von 198 Freiwilligen geleitet wurden.

Botschafterinnen des Sports,
Projekt „Beweg deinen Stadtteil“

82

Im Jahr 2014 wurden Frauen mit Migrationshintergrund aus
verschiedenen Stadtteilen zu „Botschafterinnen des Sports“
qualifiziert. Die Frauen sollen Netzwerke aufbauen, um Menschen mit
Migrationshintergrund für die Teilhabe am organisierten Sport zu
gewinnen.

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Anhang

Projektträger/ Zuwendungsempfänger

Finanzierung

Zuwendungsempfänger sind Kommunen

Ministerium für Integration des Landes
Baden-Württemberg

Zuwendungsempfänger sind freie Träger

Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen

Das Projekt wird von fünf evangelischen Kirchengemeinden getragen. Die
Arbeit der Stadtteilmütter und -väter erfolgt auf ehrenamtlicher Basis.
Geboten werden Hilfen für die eigene Erziehungstätigkeit, Unterstützung bei
der Erarbeitung beruflicher Perspektiven, fachliche Begleitung und
Unterstützung durch die Projektleitung sowie Kostenerstattung für
persönliche Aufwendungen.

Bremische Evangelische Kirche

Bücherhallen Hamburg

Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration

Hauptamtliche Projektleiterin, die durch drei Personen im
Bundesfreiwilligendienst (jeweils Teilzeit) unterstützt wird.

Das Projekt wird von der Bücherhallen
Medienprojekte gGmbH durchgeführt.

Qualifizierung und Vernetzung ehrenamtlichen Engagements durch
Einführungsseminare, Fortbildungen, Führungen und thematische
Austauschtreffen, Informations- und Austauschtreffen in den Regionen

Ein Projekt des Hamburger Sportbundes e.V. in Kooperation mit der Johann
Daniel Lawaetz-Stiftung.

Aufwandsentschädigung
Zehntägige Qualifizierungsmaßnahme, Zertifikat des
Hamburger Sportbundes

83

Bundesland /
Förderprogramm
Hamburg
(Fortsetzung)

Bezeichnung
Interkulturelle Gesundheitsmediatoren
im Projekt „MiMi – Mit Migranten für
Migranten – Interkulturelle Gesundheit
in Deutschland“

Verbesserung des Zuganges zum Gesundheitssystem für Migranten.

Einbürgerungslotsen

Die ehrenamtlichen Einbürgerungslotsen leisten Hilfe und
Unterstützung im gesamten Einbürgerungsverfahren. Sie sind ein
wichtiger Baustein in der Einbürgerungsinitiative des Hamburger
Senats.

Stadtteilmütterprojekte in mehreren
Stadtteilen:
Stadtteilmütter Altona
Stadtteilmütter Lohbrügge
Elbmütter (Rothenburgsort)
Inselmütter Wilhelmsburg/Veddel
Nachbarschaftsmütter (in den
Stadteilen Hohenhorst und
Neuwiedenthal)

Die Projekte unterscheiden sich in Bezug auf Zielsetzungen,
Trägerschaft, Finanzierungsstruktur, Qualifizierung, Begleitung und
Entschädigung bzw. Honorierung der Lotsen.

Das Pilotprojekt „Zukunftslotsen“
wurde im Rahmen des Programms
­„Lernen vor Ort“ zunächst in
Hamburg-Harburg gestartet und
anschließend auf die Bezirke Altona
und Eimsbüttel übertragen.
Hessen

Ziele und Maßnahmen

Förderrichtlinie zum
Landesprogramm „WIR – Wegweisende
Integrationsansätze Realisieren“
(07. Mai 2013)

Die ehrenamtlichen „Zukunftslotsen“ sollen im Sozialraum eine
Erstberatung zum Thema Bildung leisten sowie den Zugang zu
Beratungsstellen oder direkt zu Weiterbildungsangeboten erleichtern.

Förderung von Basisqualifizierungen und Vertiefungsseminaren für
ehrenamtliche Integrationslotsinnen und -lotsen zur Stärkung der
Handlungspotenziale vor Ort sowie zur Förderung des
bürgerschaftlichen Engagements.
Aufgabe der Integrationslotsinnen und -lotsen ist es, in den Städten
und Landkreisen eine ehrenamtliche Mittler- und
Unterstützungsfunktion zwischen zugewanderten Menschen,
Institutionen der Regelversorgung und der Aufnahmegesellschaft zu
übernehmen. Ziel ist hierbei, (neu) Zugewanderten die Integration vor
Ort zu erleichtern.

84

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Anhang

Projektträger/ Zuwendungsempfänger

Finanzierung

Projektträger: Verband Kinder- und Jugendarbeit Hamburg e.V. (für
Hamburg) und Ethno-Medizinisches Zentrum In Hannover (bundesweit)

Förderung durch die Behörde für Gesundheit und
Verbraucherschutz Hamburg

Türkische Gemeinde Hamburg e.V.

Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration

Die Stadtteilmütter-Projekte werden von verschiedenen Vereinen und
Organisationen getragen: Diakonie-Hilfswerk Hamburg (Stadtteilmütter
Altona), BürgerStiftung Hamburg (Stadtteilmütter Lohbrügge);
Caritasverband für Hamburg e.V. (Elbmütter), BI Beruf und Integration
Elbinseln gGmbH (Inselmütter), Erziehungshilfe e.V. (Nachbarschaftsmütter
Hohenhorst), DRK-Kreisverband Hamburg-Harburg e.V.
(Nachbarschaftsmütter Neuwiedenthal).

Freie Träger der Wohlfahrtshilfe

Behörde für Schule und Berufsbildung

Landkreise, kreisfreie Städte und Sonderstatusstädte; kommunale, kirchliche
und gemeinnützige Träger.

Hessisches Ministerium für Soziales und Integration

Gefördert werden eintägige Basisqualifizierungen und Vertiefungsseminare
mit bis zu 25 Euro pro Unterrichtsstunde sowie Sachausgaben bis zur Höhe
von 600 Euro je Modul.
Für den Einsatz von ehrenamtlichen Integrationslotsinnen und -lotsen wird
eine Aufwandsentschädigung in Höhe von fünf Euro pro Stunde gewährt. Der
Arbeitseinsatz kann in der Regel maximal 6 Wochenstunden bei maximal 46
Wochen pro Haushaltsjahr umfassen.

85

Bundesland /
Förderprogramm
Niedersachsen

Bezeichnung

Ziele und Maßnahmen

Förderprogramm „Integrationslotsen in
Niedersachsen“ (seit 2007)

Förderung von Maßnahmen zur Qualifizierung und
Weiterentwicklung von ehrenamtlich Tätigkeiten mit dem Ziel,

Grundlage der Förderung ist die
Richtlinie Integrationslotsinnen und
Integrationslotsen, die am 22.01.2015
neu verfasst wurde („Richtlinie über die
Gewährung von Zuwendungen zur
Förderung von Maßnahmen zur
Qualifizierung und Weiterbildung von
ehrenamtlich Tätigen für die
Unterstützung von Migrantinnen und
Migranten im Partizipationsprozess“)

JJdie

Kommune bei der Aufwertung und Weiterentwicklung des
ehrenamtlichen Engagements, das Menschen mit
Zuwanderungsgesichte zugute kommt, zu unterstützen und damit
JJdie Partizipation von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in
der Gesellschaft zu fördern.
Gefördert werden Basismodule für Integrationslotsinnen und
Integrationslotsen (z. B. zu den Themen Kommunikation,
Interkulturelle Kompetenz, Rahmenbedingungen der Einwanderung),
Spezialisierungsmodule zur Weiterbildung (z.B. für Umweltlotsen,
Elternlotsen, Ausbildungslotsen) sowie Nachhaltigkeitsmodule (mit
den Schwerpunkten Reflexion der bisherigen Erfahrungen, Stärkung
der Kommunikationsfähigkeit, Wissenserweiterung).
Gefördert werden zudem Maßnahmen zur Qualifizierung von
Schülerinnen und Schülern sowie jungen Erwachsenen zu
Toleranzlotsen.

Nordrhein-­

Kommunale Integrationszentren

Westfalen

(Die Förderung von Kommunalen
Integrationszentren basiert auf dem
Teilhabe- und Integrationsgesetz vom
14. Februar 2012)

Die Kommunalen Integrationszentren sollen dazu beitragen, die
Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen zu verbessern sowie
Angebote und Aktivitäten vor Ort zu koordinieren und zu bündeln.
Zu den Aufgaben der Kommunalen Integrationszentren gehören auch die
Förderung von bürgerschaftlichem Engagement und politischer
Partizipation sowie die Beratung in Fragen von Bildung und Erziehung.

Förderung von Integrationsagenturen für

Zu den Aufgaben der Integrationsagenturen gehört u.a. die Erschließung

die Belange von Menschen mit

des bürgerschaftlichen Engagements von und für Menschen mit

Zuwanderungsgeschichte (seit 2007)

Zuwanderungsgeschichte.

Interkulturelle Zentren und
niedrigschwellige Integrationsvorhaben
(seit 2008)

Die Förderung von interkulturellen Zentren und niedrigschwelligen
Integrationsvorhaben ergänzt die Förderung von
Integrationsagenturen. Während interkulturelle Zentren Begegnung
und Kommunikation von Menschen unterschiedlicher Herkunft und
Kulturen fördern sollen, zielen niedrigschwellige
Integrationsvorhaben auf eine Verbesserung der Lebenssituation des
Einzelnen ab.

Modellprojekt „Stadtteilmütter in NRW“

Das Modellprojekt hat arbeitsmarktpolitische und sozialpolitische Ziele

(2011 bis 2013)

der Integration miteinander verknüpft. Es ging zum einen um die
berufliche und gesellschaftliche Integration der Stadtteilmütter und zum
anderen um einen verbesserten Zugang zu den durch die Stadtteilmütter
betreuten Familien.

86

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Anhang

Projektträger/ Zuwendungsempfänger
Zuwendungsempfänger können sowohl juristische Personen des öffentlichen
Rechts als auch gemeinnützige juristische Personen sein.

Finanzierung
Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Frauen,
Familie, Gesundheit und Integration

Gefördert werden Qualifizierungsmaßnahmen mit einem Umfang von jeweils
bis zu 50 Unterrichtsstunden und mit bis zu 25 Euro pro Unterrichtsstunde
sowie Sachausgaben bis zur Höhe von 600 Euro je Modul.
Für die Kurskonzepte und Gestaltung der Unterrichtsmodule stehen Handbücher
zur Verfügung.

Kreise und kreisfreie Städte

Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des
Landes Nordrhein-Westfalen

Freie Träger der Wohlfahrtshilfe

Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des
Landes Nordrhein-Westfalen

Freie Träger der Wohlfahrtshilfe

Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des
Landes Nordrhein-Westfalen

Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, Durchführung in zwei Wellen an drei

Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der

Standorten (Essen, Dortmund, Bochum). Das Projekt wurde – nach Auslaufen der

Bundesagentur für Arbeit; Ministerium für Arbeit,

Förderung – nur von der Stadt Dortmund – mit Hilfe kommunaler Mittel – weiter-

Integration und Soziales des Landes

geführt.

Nordrhein-Westfalen

87

Bundesland /
Förderprogramm
Nordrhein-­
Westfalen

Bezeichnung
Pilotprogramm
„Integrationslotsen“ (2014)

(Fortsetzung)

Ziele und Maßnahmen
Förderung der Akquisition, der Qualifizierung, der Koordinierung und
des Einsatzes von Integrationslotsen.
Entwickelt werden soll ein nachhaltig wirksames Systems von
passgenau geschulten Integrationslotsen auf der Basis der
vorhandenen und betreuenden Integrationsarbeit
Die Integrationslotsen sollen als Mittler zu den Fachdiensten
eingesetzt werden.

Programm zur Förderung des
„Ehrenamts in der Flüchtlingshilfe“
(Frühjahr 2015)

Gefördert werden ehrenamtliche Sprachpatinnen und Sprachpaten; die
Begleitung zu Institutionen und Freizeitangeboten; niedrigschwellige
Sprach- und Lesegruppen, Spielgruppen; Informationen über
Freizeitangebote, den Stadtteil und Institutionen; die Unterstützung von
Ehrenamtlern zur Vorbereitung und Durchführung von Tätigkeiten.

Sachsen

Sachsen-Anhalt

Sofortprogramm „Zusammenkommen

Gefördert werden Begegnungsräume und Informationsmaterialien für

und Verstehen“ (Herbst 2015)

Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer.

Richtlinie zur Förderung der sozialen
Integration und Partizipation von
Personen mit Migrationshintergrund
und der Stärkung des gesellschaftlichen
Zusammenhalts (Richtlinie Integrative
Maßnahmen)
(28. August 2015)

Maßnahmen in den Bereichen Integration, Partizipation und
gesellschaftlicher Zusammenhalt (Teil 1)
Unterstützung der Landkreise und Kreisfreien Städte bei der
kommunalen Integrationsarbeit und bei der Stärkung des
gesellschaftlichen Zusammenhalts (Teil 2)
Gefördert werden u.a. die Unterstützung der Integrationsarbeit vor
Ort durch Förderung einer zusätzlich „Koordinationskraft Integration“
je Landkreis / je Kreisfreier Stadt insbesondere zur Stärkung der
Arbeit lokaler und regionaler Netzwerke oder für
Koordinierungsaufgaben im Bereich Integration sowie die
Unterstützung von niedrigschwelligen und ehrenamtlich getragenen
Initiativen in den Bereichen Spracherwerb, Orientierung sowie
Sprach- und Kulturmittlung.

Förderung der Integration von Menschen

Gefördert werden Projekte auf lokaler Ebene, die zur Verbesserung der

mit Migrationshintergrund

Integration von Zuwanderern beitragen. Durch Stärkung des

(Integrationsrichtlinie)

ehrenamtlichen Engagements sollen auch die Selbsthilfestrukturen

(Neufassung, 12. August 2014).

gefördert werden. Bevorzugt gefördert werden Kooperationsprojekte wie
z.B. Tandem-, Lotsen-, Mentoren- und Patenprojekte.

Maßnahmen der Landesregierung zur
Flüchtlingsaufnahme und
Willkommenskultur (2015)

Die bisherigen kommunalen Koordinierungsstellen für Integration
sollen zu Koordinierungsstellen für Migration ausgebaut und
personell verstärkt werden. Die Kommunen erhalten zudem künftig
Mittel zur Förderung von ehrenamtlichen Flüchtlingslotsen.
Unterstützung von Vereinen, die ehrenamtliche Bildungs- und
Familienpatenschaften organisieren.
Die bereits eingerichtete Netzwerkstelle „Willkommenskultur“ soll
ehrenamtliches Engagement vernetzen und qualifizieren.
Im Projekt „Interkulturelle Brückenbauer“ werden Zugewanderte zu
Sprach- und Kulturmittlern zur Unterstützung der lokalen
Willkommenskultur qualifiziert und eingesetzt.

88

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Anhang

Projektträger/ Zuwendungsempfänger

Finanzierung

Unterstützung von Kommunen, die besonders von Neuzuwanderung aus
Südosteuropa betroffen sind, Förderung von maximal zehn
Integrationslotsen je Kommune in den Bereichen allgemeine und
arbeitsmarktbezogene Integration.

Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des
Landes Nordrhein-Westfalen.

Zuwendungsempfänger sind die Kreise und kreisfreien Städte. Pro Kommune

Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des

stehen 18.000 Euro zur Verfügung. Gesamtvolumen des Programms: 1 Million

Landes Nordrhein-Westfalen

Euro.

Zuwendungsempfänger sind die Kreise und kreisfreien Städte. Insgesamt werden

Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des

1,5 Millionen Euro bereit gestellt.

Landes Nordrhein-Westfalen

Gemeinnützige Träger, Vereine und Verbände, anerkannte
Religionsgemeinschaften etc.

Sächsisches Staatsministerium für Soziales und

Landkreise und kreisfreie Städte

Verbraucherschutz / Geschäftsbereich Die
Staatsministerin für Gleichstellung und Integration

Vereine, Verbände sowie Migrantenselbstorganisationen

Ministerium für Inneres und Sport

Landkreise und kreisfreie Städte

Ministerium für Inneres und Sport

Freie Träger

Landesarbeitsgemeinschaft der
Freiwilligenagenturen (LAGFA)
Sachsen-Anhalt

Ministerium für Gesundheit und Soziales

89

Bundesland /
Förderprogramm
Thüringen

Bezeichnung
Förderung der Integration von Menschen

Gefördert werden beispielsweise Paten- und Lotsenprojekte mit dem Ziel,

mit Migrationshintergrund (Richtlinie zur

Menschen mit Migrationshintergrund an das bürgerschaftliche

Gewährung von Zuwendungen des

Engagement heranzuführen.

Freistaats Thüringen für die Förderung
der Integration von Menschen mit
Migrationshintergrund) (31.05.2014)
Quelle: Eigene Recherchen
Stand: September 2015 (Frank Gesemann)

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Ziele und Maßnahmen

Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick — Anhang

Projektträger/ Zuwendungsempfänger
Vereine und Verbände, Kirchen, Migrantenselbstorganisationen, Kommunen etc.

Finanzierung
Thüringer Ministerium für Inneres und Kommunales

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Impressum

Herausgeber:
Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen
Beauftragter des Senats von Berlin für Integration und Migration Potsdamer Straße 65
10785 Berlin
Tel.: (030) 90 17 23 51
Fax: (030) 90 17 23 20
E-Mail: Integrationsbeauftragter@intmig.berlin.de
Internet: http://www.integrationsbeauftragter.berlin.de
Autor:
Dr. Frank Gesemann
DESI – Institut für Demokratische Entwicklung und Soziale Integration
Nymphenburger Str. 2
10825 Berlin
Tel.: 030 / 814 86 502
E-Mail: info@desi-sozialforschung-berlin.de
Internet: www.desi-sozialforschung-berlin.de
Layout:
Satzinform Berlin
Internet: www.satzinform.de

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Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick —

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Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick —

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Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick —

Der Beauftragte
für Integration
und Migration
Integrationslotsenprojekte in Deutschland im Überblick:
Konzepte, Einsatzfelder und Finanzierung
Copyright © 2015 Beauftragter des Senats von Berlin für Integration und Migration
www.integrationsbeauftragter.berlin.de

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